#Titel Forum / Messenachlese / Gütersloh '96 #Logo gadget25:Pinsel/AG.Forum #Font Losse 16 #C31 Manchmal kommen sie wieder: Messenachlese Gütersloh '96 #Font topaz 8 #C21 Ein kleiner Haufen (zumeist männlicher) Sektierer rottete sich am 20. und 21.April zusammen. Nein, die Rede ist nicht von Skinheads, die Führers Geburtstag und ihre eigene Verblendetheit zelebrierten. Am dem durchaus etwas eigenartigen Termin fand vielmehr das diesjährige Gütersloher Computer-Treffen stand. Für die, die diese Einrichtung noch nicht kennen: sie wird veranstaltet von einem Gütersloher Computer-Club und einigen Freaks mit privatem Engagement (u.a. Andreas Mauß), fand vor zwei Jahren zum ersten Mal statt und dient in erster Linie dem Erfahrungsaustausch und der Kontaktpflege. Wie das alles in diesem Jahr aussah, soll Thema der nachfolgenden Zeilen sein. Noch ist Zeit, das "nächsten Text"-Gadget zu drücken. Argh. Es ist Samstag und früh am Morgen. Aber da die Deutsche Bahn AG ihre Fahrpläne umgestellt hat und die schnellste (wochenendticketkompatible) Verbindung nach Gütersloh in diesem Jahr 5:30h statt nur 4:30h dauert, bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen Erholungsschlaf auf dem Altar des Computerhobbies zu opfern. Einmal Mitleid bitte. Danke. Um 10:16 Uhr geht die Fahrt in Cölbe los - im Gepäck ein wenig Wegzehrung, ein paar Disketten, sowie eine Textsammlung Marx'scher Schriften und ein Strafrecht- Lehrbuch. In den beiden letztgenannten schmökere ich dann auf der durchaus erträglichen Fahrt, die mich über Gießen, Siegen, Hagen und Hamm schließlich nach Gütersloh führt. Gebracht hat's aber nichts: die nachfolgende Strafrecht-Klausur habe ich hoffnungslos in den Sand gesetzt und Kommunist bin auch nicht geworden. Aber immerhin stehe ich nun um ziemlich genau 16:00 Uhr (der letzte Zug hatte 15 Minuten Verspätung) in Gütersloh. Dank meiner Erfahrungen aus dem Vorjahr ist es mir nun ein leichtes, den Veranstaltungsort, die "Alte Weberei", zu erreichen. Wie schon im Vorjahr kommt man nur gegen Zahlung einer schmerzhaften Unkostenbeteiligung in Höhe von 5 DM (plus 2 DM für freien Kaffeekonsum) an der bedrohlich den Kassierbeutel schwingenden Frau Händel vorbei. Und ebenfalls wie im letzten Jahr (Die ständigen Wiederholungen lassen zwar den Schluß zu, das "Gadget" sei nun endgültig unter die "öffentlich-rechtlichen" gegangen - dem ist aber nicht so. Das Wetter.) ist das erste bekannte Gesicht, das ich entdecke, das von Gerd "FlipFlop" Frank. Mit einer schnellen Bewegung versperre ich ihm den Fluchtweg. Er hat in diesem Jahr eine Auswahl seines "Ultramax"-Versand- sortimentes mitgebracht - neben ein paar gebrauchten Spielen zahlreiche neue und ältere CD-ROMs - und versucht verzweifelt und augenscheinlich erfolglos, sie unter die Leute zu bringen. Sein gesunkenes Selbstwertgefühl schamlos ausnutzend, gelingt es mir, ihm die Erlaubnis zum Abstellen meiner Tasche hinter seinem Verkaufstisch abzuluchsen. Dann lasse ich ihn alleine bei seinen ungezählten und vor allem unverkauften CDs und schaue mich weiter im Saal um. An der Fensterfront neben Gerds Stand haben drei weitere Händler ihre Waren ausgebreitet - ebenfalls in erster Linie CD-ROMs, aber auch Spiele für den PC. Und am Kopfende hat der ortsansässige Computerclub zahlreiche Broschüren und Informationsmaterialien ausgelegt. Besonders gut gefällt mir das augenscheinlich selbstgedruckte "Amiga A4000/60 Cyber-Tower-Micronik"- Flugblatt. Ein Auszug: #C10 "Zur Zeit der schnellste 4000T der Welt. 100mal schneller als ein normaler A500. Für den Anwender bedeutet dies, daß ein Raytracing-Bild das normalerweise eine Stunde zur Berechnung verschlingt, in 10 bis 15 Minuten auf dem Bildschirm erscheint." #C21 Wenn 1h geteilt durch 100 statt weniger Sekunden 10-15 Minuten ergibt, stand da wohl eher ein Pentium Pate... Doch es gibt nicht nur Hard- und Papierware zu sehen. Unter anderem stehen auch mehr oder weniger alte Bekannte wie Sven "Ja, die Power-Brei (man beachte den Bindestrich) ist demnächst fertig." Drieling, Rainer "Murphy" Gellrich, Karl-Heinz "HAM" Bader, Dirk "Kenne hier ja niemanden." Jansen, Jürgen "Invisible Power" Träger und natürlich Bernd "Diesel" Künnen und Peter Händel in der Gegend herum. Letzterer hat gerade in bester Schumi-Manier ein über Nullmodem ausgetragenes und per Schmierzettel datentechnisch verwaltetes virtuelles Autorennen gewonnen und ist dementsprechend gut gelaunt. Das trifft auf Gerd Frank nicht zu, der sich vor lauter Frust über ausbleibende Kundschaft mit ein paar Bekannten (u.a. "Mega/Fish"/"Mega/Note"-Programmierer Thomas Omilian) auf den Parkplatz vor der Weberei zurückgezogen hat und dort ein altes bayerisches Ritual vollzieht, das u.a. die Vernichtung von Hopfen- und Malzprodukten vorsieht. Mit dem Vorrücken der Uhrzeiger auf 18:00 Uhr bauen auch die anderen Händler langsam ihre Stände ab. Die mutigeren lassen die Ware herumliegen, die anderen packen sie für die Nacht ein. Die privaten Treff-Besucher amüsieren sich derweil mit anderen Dingen. Großer Renner bei den PC-Usern ist die in schlächtester "Doom"-Tradition stehende Ballerorgie "Duke Nukem", in der viel Blut fließt, Kloschüsseln in die Luft gesprengt werden, Einrichtungsgegenstände zerballert, Häuserblocks in die Luft gesprengt, Animierdamen zum Ablegen ihrer Oberbekleidung gebracht und exzellente, detailreiche und schnell scrollende Grafiken bewundert werden können. Das ganze ist auch über Nullmodem spielbar und deshalb für Freunde von Ballerorgien augenscheinlich ein Mords-Spaß. Da Amiga-User bei einem derartigem Anblick bekanntermaßen Minderwertigkeitskomplexe bekommen, ist Murphy auch schon dabei, die neueste Demoversion von "Nemac 4" - quasi als Gegenmittel zum "Duke" - auf seine Festplatte zu entpacken. Das Spiel selbst ist ebenfalls ein Dungeon-Ballerspiel, für Amigaverhältnisse sogar recht schnell und erfreulicherweise unblutig ! Erreicht wird das durch den guten Einfall, nicht Lebewesen sondern Roboter gegeneinander antreten zu lassen. Da somit das Waten im Blut der Opfer, Genickschüsse, martialische Amokläufertaten und ähnliche Dinge fehlen, dürfte es sich bei "Nemac 4" um das erste halbwegs akzeptable Spiel dieser "Doom"anie handeln. Allerdings dürfte es damit für die Anhänger des "Wolfenstein"-Nachfolgers und dessen Clone uninteressant sein. So ist wohl das Leben und Sterben im blutigen Dschungel der Shoot'em'up-Software. Weitaus zivilisierter geht es beim (fast) gleichnamigen Spiel zu. Auf einigen PCs läuft nämlich der Nachfolger von Sid Meiers Geniestreich "Civilization", der nun nicht nur eine "II" nach dem Namen trägt sondern auch eine recht ansehnliche Grafik verpaßt bekommen hat: die Landschaft erscheint nun dreidimensional und die Zwischenanimationen sind größtenteils digitalisiert. Bleibt nur zu hoffen, daß sich jemand bei Microprose zu einer Amiga-Umsetzung erbarmt. Die Chancen dürften allerdings nicht allzu gut stehen, ist doch von einer Konvertierung der ebenfalls hier in Gütersloh herumfliegenden Internet-Version von "Civilization" auch noch nicht viel auf dem Amiga-Markt zu sehen. Die gute Nachricht ist, daß es andererseits auch für den Amiga Spiele gibt, die wohl kaum jemals auf dem PC zu sehen sein werden. Kalle Bader zeigt mir - nachdem wir uns einige Zeit auf wissenschaftlichem Niveau über AMOS unterhalten haben (Ich: "AMOS ist Sch#?ße." Kalle: "AMOS ist gut und einfach." Ich: "AMOS ist Sch#?ße." Kalle: "AMOS ist gut und einfach." Ich:....) - das auf der HAM-Extra#6 erschienene Spiel "AIDS Eliminator" von Eric Novak. Ziel des "den AIDS-Opfern dieser Welt" gewidmeten Spiels ist es, einen auf Skiern fahrenden Penis (komplett mit den zwei dazugehörigen...) an über den Bildschirm fliegenden AIDS-Viren vorbei zu einem Kondom zu führen. Kalle - übrigens jüngster Großvater Hannovers (wie eine Tageszeitung der niedersächsischen Hauptstadt mehr oder weniger überzeugend bewies) - ist begeistert. Begeistert ist auch Sven Drieling, der unterdessen mit einem seiner Bekannten (wenn mich nicht alles täuscht, müßte es sich um Ingo Jürgensmann gehandelt haben) seinem Lieblingshobby nachgeht und sich durch irgendwelche Datenmengen aus der DFÜ arbeitet. Allerdings weniger von der virtuellen Phallusbeschäftigung sondern von dem Gedanken, dem Knurren des Magens durch ambulante Nahrungsaufnahme abzuhelfen. Da in der Zwischenzeit schon viele der "Samstagsbesucher" - wie Kalle Bader und Dirk Jansen - gegangen sind, marschiere ich gemeinsam mit Sven, Murphy und Ingo (?) los. Wir machen uns auf die Suche nach einer Lokalität, die unseren gehobenen Ansprüchen Rechnung zu tragen in der Lage ist. Fast eine Stunde und unzählige Seitengassen, Querstrassen und Fußgängerzonen später finden wir schließlich eine Filliale der angesehenen "Kochlöffel"-Kette. Da der Laden noch nicht ganz auf McDonalds-Niveau ist, stehen der sofortigen Nahrungsaufnahme auch keine ideologischen Gründe entgegen (wie schon Brecht erkannte, geht das Fressen der Moral eben nunmal vor). Bei Hamburger (ein Cheeseburger hätte erst aufgetaut, angemalt und zusammengeleimt werden müssen - das haben wir uns dann doch gespart) und Fritten erörtern wir die Lage der Nation und die Probleme der Welt. Über das Emsland, Murphys Heimat, und andere Verbrechen der Natur gegen die Menschheit ziehen wir natürlich auch noch her. Ärgerlicherweise bemerke ich zu spät, daß ich vergessen habe, mir eines dieser kleinen Holzgäbelchen zu greifen. Aber so lerne ich immerhin eines: Ketchup klebt an den Fingern. Bevor diese Schilderung beim werten Leser allzu starke Ekelgefühle hervorruft, machen wir uns wieder auf den Rückweg - den wir wider Erwarten problemlos und schnell zurücklegen. In der Weberei ist es inzwischen ziemlich leer geworden. An einigen PCs wird gedaddelt. Jemand spielt ein wenig mit dem Shapeshifter herum. Nicht viel los. Ich setze mich an einen freien Amiga und mache mich, begleitet von erschreckten "Oh mein Gott, so kann man doch mit HTML nicht arbeiten !"-Rufen aus Sven Drielings Mund, daran, ein paar "Gadget"-Texte für die Web-Seiten aufzubereiten. Nachdem sich schon beim zweiten die Diskette mit einem Schreib-Lese-Fehler verabschiedet, gebe ich das ganze auf. Aber anstatt mich frustriert aus dem Fenster zu stürzen, auch wenn das viele sicher gerne sehen würden, wende ich mich dem PC zu, der etwas abseits des ganzen Geschehens steht. Die Besonderheit dieses Rechners ist der Internet- und damit auch WWW-Zugang, der dank der praktisch unmittelbaren Nähe eines entsprechenden Providers darüber hinaus ziemlich fix ist. Doch ich habe kaum "Infoseek" auf die Suche nach Informationen zum Aufbau des "Acrobat"-Formats geschickt, da muß ich auch schon das globale Dorf verlassen. Es naht nämlich Klaus Fischer (nein, nicht der Fußballspieler), der der Meinung ist, mit dem sinnlosen Web-Surfen müsse Schluß sein, zumal er etwas wirklich wichtiges vorhabe. Das sehe ich natürlich ein und lasse ihn an den Rechner. Klaus ist glücklich und verbringt den Rest der Nacht damit, via IRC zu "chatten". Mein nächstes Opfer ist schließlich Peters PC, an dem ich ein paar Runden Pinball flippere. Die Informationstechnologie ist wahrhaft ein Segen für die Menschheit. Da mir trotz schnell fliegender virtueller Bälle, blinkender Lichter und knackender Soundeffekte langsam die Augenlider schwer werden, erhöhe ich nun die Kaffeemaschinenbenutzungsfrequenz drastisch. Das zeigt auch bald Wirkung. Nachdem ich so die Blutkonzentration in meinem Koffeein erfolgreich gesenkt habe, drehe ich noch ein paar Runden um die nun schon recht verwaisten Rechnertische. Voller Sehnsucht - manche würden es weitaus profaner aber zutreffender Sozialneid nennen - gleitet mein Blick über den einzigen vorhanden Draco. Dann sehe ich den in Dracos Nähe sitzenden und nach wie vor in den Untiefen der Newsgroup-Welt versunkenen Sven und Ingo (?) über die Schulter und unterhalte mich ein wenig mit allen möglichen über alles mögliche. Plötzlich winkt mich einer der mir unbekannten PC-User zu sich. Er hätte sich vor ein paar Stunden ein Programm namens "UAE" aus dem Netz gezogen, wolle es nun installieren und bräuchte dazu eventüll meine Hilfe. Bei diesem Kürzel handelt es sich nämlich mitnichten um das typische Geräusch, das ein Kneipenbesucher nach dem Konsum von zu viel Alkohol von sich gibt, sondern um die Abkürzung des Programmnamens "Unix Amiga Emulator" (wobei es sich bei der hier in Rede stehenden Version um den DOS-Port handelt). Wir sind uns beide ziemlich sicher, daß es sich letztlich nur um eine Variante des altbekannten Scherzprogrammes handelt, das eine Kick 1.2-Hand auf den Bildschirm zaubert, die nach einer Bootdiskette zu verlangen vorgibt. Für den Fall, daß aber möglicherweise doch etwas mehr dahintersteckt, will der PC-Mensch jemanden an der Hand haben, der sich zumindest ein wenig mit dem Amiga auskennt. Nach kurzem Studium der Anleitung (Frevel !) haben wir zumindest einen groben Überblick. Wir besorgen uns von einem der herumstehenden Amigas ein Kickstart-File und ziehen bei der Gelegenheit auch mittels des beim "UAE" mitgelieferten Hilfsprogrammes "Transdisk" ein paar Diskettenabbilder, u.a. vom "AmigaGadget" 24. Nachdem wir die Datenmengen auf die Festplatte des PClers geknallt haben, starten wir vorschriftsgemäß den Emulator. Zunächst allerdings geben wir nur den Namen des ROM-Files an. Und siehe da: es erscheint tatsächlich die Kickstart-Aufforderung, eine Bootdiskette einzulegen. Das ist schon einmal sehr beeindruckend, aber noch dadurch zu erklären, daß das Programm das ROM-File nach der Versionsnummer untersucht und ein entsprechendes Bild ausgibt. Noch besteht kein Grund zur Beunruhigung. In der Zwischenzeit hat sich auch Murphy zu uns gesellt. Sind wir Zeugen, wie der Amiga seiner Unemulierbarkeit beraubt wird ? Das wäre ja beinahe so, als müsse Eintracht Frankfurt in die zweite Bundesliga absteigen (hahahahaha !). Nach einem Neustart des Rechners (der überflüssig war, was wir aber erst später merken) rufen wir den Emulator diesmal mit dem ROM-File und dem Namen des "Gadget"-Diskettenabbildes als Bootdiskette auf. Als kurze Zeit später Holgis Bootblock eingefadet wird, wissen wir, daß wir verloren haben. Nachdem die Entsetzensschreie verklungen sind und der "UAE" brav die Workbench mit allen dazugehörigen Icons anzeigt, doppelklicken wir das "Gadget"-Diskicon und starten das Magazin. "GaMa" hat jedoch etwas gegen die neue Umgebung und bricht mit einer Fehlermeldung ab. Immerhin: wenigstens das "Gadget" ist unemulierbar... (Das Installationsprogramm lief im übrigen einwandfrei.) Nun gibt es kein Halten mehr. Alle anwesenden Amiga-User (und viele der PCler) versammeln sich um den Rechner und bringen die verschiedensten Diskettenabbilder zum Austesten. Nachdem sogar Actionspiele (inkl. Copperlisteneffekte) laufen, ist geklärt, daß der "UAE" kein Gagprogramm ist... Noch ein paar Worte zur Funktionsweise des DOS-Ports: wie schon erwähnt, arbeitet der Emulator mit Diskettenabbildern. Da er natürlich nicht alle im aktuellen Verzeichnis liegenden Abbilder verwenden kann, muß man bis zu vier Diskettenabbilder anmelden. Diese werden dann wie in angeschlossenen Disklaufwerken liegende Disketten behandelt. Reicht einem die so zugängliche Datenmenge nicht aus, kann man sich auch noch eine eigene Festplattenkapazität schaffen. Dies geschieht von MS-DOS aus und unterliegt praktisch keinen Beschränkungen mehr (früher waren wohl mal 8 MByte die Obergrenze). Das MS-DOS-Programm legt hierfür eine Datei an, in der die Daten, die man unter der Emulation auf der "Festplatte" speichert, abgelegt werden. Es ist jedoch in der von uns installierten Version 0.5.2 nicht möglich, den Emulator von der "Festplatte" booten zu lassen. Dazu benötigt man wie in besten Kickstart 1.2-Tagen eine Bootdiskette, sprich: deren Abbild. Hinsichtlich der Grafikdarstellung machen sich natürlich die unterschiedlichen Darstellungsweisen bemerkbar. Wo ein 640 x 256-Bildschirm auf einem Amiga die gesamte Monitorfläche ausfüllt, belegt er auf dem PC nur etwas mehr als die obere Bildschirmhälfte. Leider ist der Emulator auch noch auf die Non-AGA- und Non-ECS-Bildschirmmodi beschränkt, so daß man hier ein wenig improvisieren, bzw. die Gegebenheiten akzeptieren muß. Der PCler ist jedenfalls begeistert, wir Amiga-User entsetzt und Andreas Mauß ärgert sich, daß er seine Amiga-Software verkauft hat... Nachdem wir uns bestimmt eine Stunde lang mit dem "UAE" beschäftigt haben, reibt sich der Tag langsam den Schlaf aus den Augen und die Sonne läßt sich mal wieder blicken. Letztere scheint auch auf diejenigen, die sich die Nacht auf irgendwelchen Matrazen um die Ohren geschlagen haben, und die jetzt nach und nach wieder in der Weberei auftauchen. Darunter ist auch Gerd Frank, der hofft, nach der großen Flaute vom Vortag endlich Geschäfte machen zu können und zumindest Teile seines Sortimentes loszuwerden. Schön, daß es noch Leute gibt, die einen festen Glauben an etwas der Rationalität nicht zugängliches haben... Etwas ganz anderes hat Peter Händel nun ausgepackt. Das Programm nennt sich "FIFA Soccer '96" und ist ein Arcade-Fußballspiel für PCs. Obwohl Peter selbst Fußball nichts abgewinnen kann (Zitat aus dem "Gadget"-Interview: "Meinst Du die Jungs, die erst stundenlang hinter dem Ball herlaufen und ihn dann wieder wegschießen, wenn sie ihn haben ? Ich bin dafür, daß jeder Spieler einen Ball bekommt, dann brauchen die sich nicht so anzustrengen."), scheint ihn dieses Spiel zu faszinieren. Selbst sagt er dazu nichts, denn seine ganze Aufmerksamkeit gilt dem Geschehen auf dem Bildschirm, seine Hand klebt am Joystick mindestens ebenso fest wie seine Augen an dem Bild, das die Grafikkarte in wirklich atemberaubender Qualität generiert. Natürlich hat sich am Spielprinzip selbst nichts geändert. Man übernimmt die Führung einer der beiden Mannschaften und steuert dabei immer den Spieler, der dem Ball am nächsten ist - während die anderen 10 Männchen und das gegnerische Team von Kollege Computer kontrolliert werden. Das, was "FIFA Soccer" aus der Masse der Fußballspiele heraushebt, ist vielmehr die Aufmachung - womit wieder einmal der Satz bestätigt wäre, daß das Design eben doch das Bewußtsein bestimmt. Visuell gibt es ruckelfreies Scrolling, große und dreidimensionale Spielfiguren und ständig wechselnde Kameraperspektiven inklusive diverser Kamerafahrten und Zoomeffekte zu sehen. Hier ist wirklich beinahe Fernsehqualität erreicht, der virtuelle Oliver Kahn scheint in greifbarer Nähe zu sein. Verstärkt wird dieser Heimkino-Effekt noch durch die akustische Untermalung. Neben schönen Samples bietet das Spiel nämlich noch einen "Livekommentar". Das Spielgeschehen wird unmittelbar von einer Stimme in bester Sportreporter-Manier beschrieben und kommentiert. Und wenn die künstliche Intelligenz einen blinden 30-Meter- Fehlpaß zurück in die eigenen Hälfte dann mal fälschlich begeistert mit "Was für ein gewaltiger Paß !" feiert oder die gleiche Leerfloskel ("Kein Problem für den souveränen Torhüter.") während der neunzig Minuten ein Dutzend Mal aufsagt, dann ist klar: hinter Werner Hansch, Jörg Wontorra und Gerd Rubenbauer steckt mit Sicherheit auch nur ein Intel-Prozessor. Ich für meinen Teil bin jedenfalls erschreckt darüber, wie sich jemand von Peters Intelligenz und Fähigkeiten dermaßen von solch billigem Tand fesseln läßt. Unter Anwendung von brutaler Gewalt ("Hey, laß mich mal.") gelingt es mir, ihm den Joystick zu entreißen und selbst ein Spielchen zu wagen. Ich verliere 0:1 durch ein Gegentor wenige Sekunde vor dem Schlußpfiff. Frustriert beende ich meine Begegnung mit diesem absolut primitiven Spiel und übergebe den Steuerknüppel an Guido Wegener, der sich auch mal am virtuellen Kugelkicken versuchen will. Da der Vormittag inzwischen schon fortgeschritten ist und langsam auch ein paar Besucher den Raum durchschreiten, beschließe ich, selbst ein wenig dem Konsum zu frönen. Gerd Franks Augen leuchten voller Hoffnung auf, als ich mir an seinem Stand die angebotenen CD-ROMs ansehe. Sparsam dosiert frage ich nach Preis, Inhalt und ähnlichem, so daß Gerd ausreichenden Anlaß hat, ein Geschäft zu wittern und sich der Hoffnung hingeben kann, doch nicht mit dem gesamten Sortiment nach Bayern zurückkehren zu müssen. Doch nach gut einer Viertelstunde ausgiebiger Begutachtung, verlasse ich den Stand und den entnervt röchelnden Gerd, um mich genüßlich bei der Konkurrenz umzusehen. Leute zu demütigen, macht Spaß :) Da letztlich das bessere Angebot aber doch für den bavarischen Gerd spricht, erstehe ich für läppische 55 Märker insgesamt 5 CD-ROMs und mache einen deprimierten Händler glücklich. Dramatische Geschichte, oder ? Bevor Gerd mir voller Dankbarkeit die Füße küssen kann, blicke ich auf die Uhr und stelle fest, daß es bereits halb zwölf geworden ist. Ich packe meine Siebensachen und verabschiede mich von den Anwesenden. Seltsamerweise habe ich die ganzen vergangen 18 Stunden nicht dermaßen glückliche Gesichter gesehen, was sicherlich nicht nur dadurch erklärt werden kann, daß in der Zwischenzeit jeder mindestens einmal an Peters Rechner gespielt und gegen den Computer gewonnen hat. Nach der obligatorischen 10minütigen Verspätung fährt dann um Viertel nach zwölf auch schon der Zug in den Gütersloher Bahnhof ein. 340 Minuten, die ich mit zunehmender Tageszeit immer mehr in einer Art Halbschlaf verbringe, später erreiche ich wider Erwarten das heimatliche Cölbe. Neben einer gehörigen Portion Müdigkeit, 5 CD-ROMs und einer PP-Version des "HAM"- Diskettenmagazins bringe ich die Erkenntnis mit, daß Gütersloh auch in diesem Jahr wieder eine Reise wert gewesen war. Obwohl leider einige Personen nicht kommen konnten, war das Treffen doch wieder eine kurzweilige Angelegenheit gewesen, bei der man - trotz oder vielleicht gerade auch wegen der Akzentverschiebung weg vom Amiga und hin zum PC - einige interessante Neuheiten zu sehen bekam, gute alte Kontakte pflegen und so manches informative und lustige Gespräch führen konnte. Nachdem ich meine vor zwei Tagen gewaschenen und inzwischen getrockeneten Klamotten gebügelt habe, gelingt es mir gegen Mitternacht schließlich, mich nach mehreren Fehlversuchen zielsicher ins Bett zu werfen und von Gütersloh '97 zu träumen. Und manchmal werden Träume ja bekanntlich wahr... #Pinsel gadget25:pinsel/AN rechts