#Titel Forum / Leserbriefe / Jürgen Klawitter 08.06.
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#C21
    JÜRGEN KLAWITTER * Marschnerstr. 22 * 12203 Berlin * Samstag 08-Jun-96

              An Andreas Neumann, Roland Jesse, Hajo Stengert

   Hallo Andreas,

#C10
Hallo Jürgen!
#C21

zunächst meine Anerkennung für die wieder mal sehr abwechslungsreiche,
informative, niveauvolle, einzigartige Gadgetausgabe #24. ;>)

#C10
Jaha. Besonders das einzigartig kann ich unterstreichen. Niemals zuvor und
auch in Zukunft nie wieder wird es eine Ausgabe 24 des "AmigaGadget"s
geben :) Der Rest der Anerkennung gebührt natürlich der Autorenschaft.
#C21

Besonders imponiert hat mir Dein Beitrag über die Funktion der Bundesbank
und ihr Instrumentarium. Ich habe was dazugelernt, obwohl für das volle
Verständnis mehrmaliges Lesen nötig gewesen wäre (wozu ich zu faul war).

#C10
Danke. (Verbeugung.) Der diesmalige "Hintergrund"-Text ist leider sogar noch
ein Stückchen komplizierter. Beim nächsten Mal wird's hoffentlich wieder
klarer...
#C21

Nun zu Deinem Beitrag "Contragrammieren", in dem Du einen Artikel von Franz-
Josef Reichert zum Thema FREEWARE in AmigaPlus kritisierst:

Ich fand diesen Artikel ganz gelungen, als ich ihn zum ersten Mal laß, nur zu
lang und teilweise zu umständlich. Auch nachdem ich nun Deine Kritikpunkte
kenne, sehe ich keinen Anlaß, meine Meinung wesentlich zu ändern.
Ich finde, Du bist da etwas scharf mit ihm ins Gericht gegangen. Sicher gab
es einige begriffliche Unklarheiten, aber die Botschaft kam, glaube ich, für
jeden Leser rüber.

Eine Definition des Begriffs FREEWARE, die Du forderst, wäre sinnvoll gewesen,
war aber m.E. nicht unbedingt erforderlich, da sie aus dem Zusammenhang her-
vorging und die angesprochenen Leser, Programmautoren, ohnehin wissen, was
damit gemeint ist. FREEWARE einmal als "frei", ein anderes Mal als "frei
vertreibbar" zu bezeichnen, finde ich verzeihlich. Denn sie ist ja auch
frei von der Verpflichtung, an die Autoren ein Honorar zu zahlen. Die
Freiheit im Umgang mit dieser Software ist also kaum eingeschränkt, wenn man
vom Copyright absieht.

#C10
Nein. Die Freiheit im Umgang mit dieser Software ist sehr wohl eingeschränkt.
Und genau das war ja FJRs Fehler. Die Software ist "frei vertreibbar" (und
auch frei nutzbar). Sie ist aber nicht "frei ausbeutbar". Der Vertreiber muß
sich an vorhandene Bindungen halten und kann nicht einfach die Software
zur Erzielung unternehmerischen Gewinnes mißbrauchen.
#C21

Die von FJR vorgenommene Unterscheidung von "umsonst" und "kostenlos" ent-
spricht zwar nicht dem allgemeinen Sprachgebrauch, könnte hier aber als
journalistischer Kunstgriff beabsichtigt sein. Er definiert die beiden Begriffe
quasi lokal, nur für diesen Beitrag. Der Kernsatz, FD sei zwar umsonst
(= Autor will kein Geld) aber nicht kostenlos (=Vertreiber muß seine Unkosten
decken und darf für seine Dienstleistung etwas verlangen) wird dann mühelos
verständlich. Diese Feststellung ist übrigens ziemlich trivial und hätte nicht
so lang und breit erörtert werden müssen.

#C10
Ich halte die Unterscheidung schlichtweg für falsch. FD-Software ist
kostenlos und umsonst, ihr Vertrieb ist weder das eine noch das andere.
Das ist kein "journalistischer Kunstgriff" von FJR sondern schlichtweg
eine schlampige Betrachtungsweise. Wenn man in einem kommerziellen
(Massen)Blatt wie der "APlus" einen Text schreibt, in dem man für sich
in Anspruch nimmt, Begrifflichkeiten zu klären und Strategien auszugeben,
und in dem man auch in Nebensätzen Spitzen gegen diejenigen abfeuert, die
sich gegen die Kommerzialisierung der FD-Software richten, dann muß man
wenigstens sauber argumentieren. FJR hat das nicht getan.
#C21

Du kritisierst weiterhin, daß FJR den Beweis für die Behauptung schuldig
bliebe, daß einige Autoren den Vertreibern am liebsten gar keinen Verdienst
zubilligen würden. Ich kann mich sehr wohl an einige (ältere) Fälle erinnern,
wo m.E. unsinnige Bedingungen an den Vertrieb eines Programms geknüpft wurden
("nicht mehr als 2-3 DM pro Diskette"). Kein Außenstehender kann abschätzen,
wie hoch die Betriebskosten eines kommerziellen Vertreibers sind und wieviel
er aufschlagen muß, um davon leben zu können. Das hängt ja auch vom Umsatz
ab. Wenn wir uns dennoch ein Urteil über zu hohe Preise anmaßen, dann deshalb,
weil wir mit den Angeboten der Konkurrenten vergleichen. Ob die allerdings
immer kostendeckend gearbeitet haben, möchte ich bezweifeln.

#C10
Das habe ich so nicht geschrieben (glaube ich zumindest..). Ich bin mir
sogar ziemlich sicher, daß die meisten Programmierer von FD-Software den
Vertreibern keinen Verdienst zubilligen wollen (das ist ja der Sinn eines
"freien Vertriebes"). Sie wollen ihnen aber doch auch nicht die Möglichkeit
nehmen, ihre Kosten zu decken, also einschließlich ihrer aufgewendeten
Arbeitskraft. Und die Fälle, in denen Preisbeschränkungen von 3 DM/Diskette
aufgestellt wurden (was ich im übrigen für sehr wohl realistisch halte),
gehören doch heute der Vergangenheit an. Mir ist zumindest schon seit langer
Zeit keine neue FD-Software mit einem derartigen Begrenzungsbetrag
begegnet - was übrigens durchaus seltsam ist, da ja die Preise für
Leerdisketten erheblich gesunken sind.
#C21

Uneingeschränkt folgen kann ich Dir in folgenden Punkten:
   o Die Behauptung von FJR, ein Programm könne nur dann kostenlos sein,
     wenn es keinen Nutzen habe, ist unsinnig.

   o Die Bezeichnung einer zeitlich eingeschränkten Version der Jukebox
     als "Vollversion" ist skandalös. Es gibt weitere Beispiele dafür, wie
     dieser Begriff von AmigaPlus mißbraucht wurde. Ob allerdings FJS davon
     wußte, daß sein Programm so angekündigt werden würde, ist nicht
     beweisbar. Deshalb "In dubio pro reo".

#C10
Huch. Seit wann denn sowas.... ? Schuldig, Rübe ab, verbuddeln, fertig
(vgl. BGHSt 1 - 30).
#C21

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   Hallo Roland,

woraus entnimmst Du, daß ich mir "Mühe geben" mußte, einige Schwächen in
Deinem Programmiertip zur Implementierung des Boyre-Moore-Algorithmus
aufzudecken? Wenn Du Dir meinen Beitrag noch einmal vornimmst, wirst Du
feststellen, daß mein Hauptanliegen war, die Vorzüge von Boyre-Moore etwas
zu relativieren. Dazu präsentierte ich einige Meßdaten, die meines Erachtens
ganz aufschlußreich waren. Wenn ich mir Mühe geben mußte, dann um zu ver-
stehen, was Dein Beipielprogramm eigentlich macht. Denn ich beherrsche
Oberon/Pascal nicht. Es ging mir überhaupt nicht darum, Deinen Tip runter-
zuziehen, und das habe ich auch deutlich gemacht.

Deine Gründe gegen die Einbindung von Assembler in eine Hochsprache kann ich
nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann ich, daß Du Portierbarkeit und
Übersichtlichkeit des Quellcodes grundsätzlich über eine mögliche Leistungs-
steigerung des Programms stellst. Wenn die Portierbarkeit keine Rolle spielt
- nach meinem Eindruck trifft das auf die meisten Hobbyprogrammierer zu -
wäre doch einem mittels Assembler schneller gemachten Programm eindeutig
der Vorzug zu geben gegenüber einem übersichtlicher programmierten, aber
langsameren Programm. Zumindest der User wird so entscheiden.

Was ich mich allerdings inzwischen auch frage, ist, ob die Verwendung von
Assemblercode tatsächlich noch MERKLICHE Verbesserungen bringt. Die Zeiten
des 68000 sind vorbei, und die heute üblichen schnelleren Prozessoren ver-
wischen die Unterschiede. Außerdem sollen moderne Hochsprachencompiler
angeblich hochoptimierten Assemblercode erzeugen, der nur noch von gewieften
Assemblerfreaks übertroffen werden kann. Wenn dem so ist, dann Assembler ade.

Ein Hinweis, daß Assembler doch noch etwas bringt, fand ich in der neuesten
Version 2.2 der xpkSHRI.library. Diese wurde nämlich durch Umstellung auf
Assembler deutlich schneller und kürzer.

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   Hallo Hajo,

zu Deinen zahlreichen, teilweise provokant formulierten Beiträgen im letzten
Gadget hätte ich einiges anzumerken. Aber aus Zeitgründen, morgen ist Ein-
sendeschluß, will ich mich auf das beschränken, was Du über die Lehrer
und ihre angebliche/tatsächliche Unfähigkeit, Schülern ihr Wissen zu ver-
mitteln, eingehen.

Zitat: "Der richtige Umgang mit Menschen wird weder an der Schule noch an
der Universität gelehrt. Das geht so weit, daß angehende Lehrer nie etwas
davon hören, wie sie ihr Wissen am besten an die Schüler weitergeben
können/sollen/müssen."

Ich bin selbst Lehrer, wie Du weißt, und ich kann Dir versichern, daß in
der Ausbildung zum 2. Staatsexamen die Art und Weise, wie Wissen vermittelt
werden soll, eine zentrale Rolle spielt. Das betrifft u.a. den Medieneinsatz,
didaktische Reduktion des Stoffes, Stundengliederung ("Phasenwechsel"),
richtiges Reagieren auf Schülerbeiträge, Möglichkeiten, die Motivation
zu erhöhen usw.. Nach den Probestunden, die die Referendare zu geben haben,
werden gerade diese Punkte ausgiebig besprochen und Alternativen diskutiert.
Auch nach der Ausbildung dreht sich das Denken der meisten Lehrer um Fragen
wie: "Warum ist diese Stunde daneben gegangen? Was muß ich beim nächsten Mal
an meinem Konzept ändern?". Es ist übrigens reiner Selbsterhaltungstrieb,
der Lehrer dazu bringt, ständig über ihren Unterricht nachzudenken, denn
ohne positive Resonanz aus der Schülerschaft wäre der Beruf nur schwer zu
ertragen.

Noch'n Zitat von Dir: "... ein Lehrer braucht nicht viel mehr zu wissen,
als ein guter Abiturient, er muß aber gelernt haben, wie er dieses Wissen
an seine Schüler weitergeben kann."

Ich muß zugeben, ein Körnchen Wahrheit steckt in dieser markigen Behauptung.
Aber ohne das im Studium erworbene Hintergrundwissen ginge es nur sehr
schlecht, vor allem in den Leistungskursen der gymnasialen Oberstufe.
Der hier zu vermittelnde Stoff ist sehr umfangreich und viel spezieller als
zu unseren Zeiten als Schüler, Hajo.

Zu Carnegie hätte ich auch noch einiges zu sagen. Was er empfielt, klingt
z.T. nach Verstellung dem Gesprächspartner gegenüber ("Streitgespräche sollte
man am besten vermeiden", "...Sage niemals, er habe Unrecht", "Laß vor allem
den anderen reden"). Was sind das für "Freunde", die man so gewinnt?

#C10
Sozialpädagogen :=) ? Aua....
#C21


                                         Gruß Jürgen
