#Titel Forum / Messenachlese / Gütersloher FD-Meeting #Logo gadget20:pinsel/AG.Forum #Font Losse 16 #C31 Boom-Boom-Boom : Das Gütersloher FD-Meeting #Font topaz 8 #C21 "Mit dem Katastrophenticket ?" fragte der mehr oder weniger freundliche Angestellte der Bundesbahn auf den von mir geäußerten Wunsch nach einer Zugverbindung in das kleine Städtchen Gütersloh. Mir schwante schlimmes. Doch fangen wir in diesem - wie immer bei solchen Gelegenheiten - absolut subjektiven und überzeichneten Bericht, bei dem ich inhaltlich mal wieder gänzlich den Überblick über die chronologische Reihenfolge verloren habe, von vorne an. Letztes Jahr fand zum ersten Mal ein Treffen von Amiga-FD-Freaks in der Alten Weberei in Gütersloh statt, zu dem Andreas Mauß zusammen mit der InfoX-Crew und dem A&M-Computerclub geladen hatte. Da das ganze allen Beteiligten wohl sehr gut gefallen hatte, beschloß Andreas, auch in diesem Jahr wieder ein solches Treffen zu veranstalten. Schon seit mehreren Wochen veröffentlichte er nun in praktisch allen kommerziellen und FD- Magazinen nähere Informationen zum "2. Gütersloher Computer-Meeting" (siehe auch z.B. AmigaGadget 19). So weit, so gut. Da ich diesmal - im Gegensatz zum letzten Jahr - Zeit hatte und auch geographisch nicht mehr ganz am entgegengesetzten Ende der Republik lebe, wollte ich mir das Treffen natürlich nicht entgehen lassen - hatten sich doch einige Leute angekündigt, die ich bis dato "nur" aus Briefen, Artikeln oder durch ihre Programme kannte. Zunächst galt es, ein Ticket zu besorgen, womit wir bei eingangs erwähnter Szene wären. Für schlappe 15,- DM hielt ich das (zumindest von mir) begehrte Stück Papier in Händen. (Dabei hatte ich Glück, denn der 20./21. Mai war das letzte Wochenende, an dem das "Schönes Wochenende-Ticket" 15.- DM kostete - inzwischen hat die Bahn den Preis auf 30.- DM angehoben. Doch weiter im chronologischen Ablauf.) Noch schnell ein paar AmigaGadgets (Überlebenspaket für alle Fälle) kopiert und es konnte losgehen. Noch etwas müde - wer steht schon gerne am Samstag um 8.°° Uhr morgens auf ? (Wer steht überhaupt gerne um 8.°° Uhr morgens auf ?) - stapfte ich zum Bahnhof. Hinter mir die am Tag zuvor fertiggestellte Strafrecht-Hausarbeit (Daumen drücken !), vor mir 4½ Stunden Zugfahrt in Eil- und Nahverkehrszügen, wobei ersteres ein zweifelsohne deutlich an der Realität vorbeigehender Name ist. Abfahrt Cölbe, Ankunft Marburg - die 5 problemlosesten Minuten der Fahrt waren geschafft. Durchatmen, das war immerhin schon über 1 Prozent der gesamten Fahrt. Von Marburg nach Kassel hieß es stehen, genauso wie von Kassel nach Altenbeken. Von Altenbeken nach Gütersloh (über Herford und Bielefeld) konnte ich dann wieder sitzen, was mich doch etwas mit der Welt versöhnte, diesen voll und ganz langweiligen Abschnitt beendet und mich veranlaßt, die Erzählzeit in den Präsens zu wechseln. Es ist kurz nach 15.°° Uhr, die Sonne setzt ihren Lauf am Himmel über Gütersloh langsam aber sicher fort. Der AmigaGadget-Redakteur (meiner einer) verläßt das Bahnhofsgebäude auf der Suche nach einem Stadtplan, wie er eigentlich in der Nähe eines jeden Bahnhofes zu finden ist. Doch bis auf ein Verzeichnis der Buslinien finde ich - nichts. Nun denn, selbst ist der Mann. Und schließlich ist da noch dieser kopierte Zettel, den mir Invi am Mittwoch zuvor geschickt hatte : #C10 Värler-straße Richtung Gütersloh bis zum Ortseingang. Danach links in die Carl-Bertelsmann Str., dann links hoch, rechts unter der Unterführung durch. Dann wieder rechts, darauf schräg links und am Parkhotel vorbei. Bei der nächsten Ampelkreuzung nach links in die Dahlkestr. Von da rechts abbiegen an der Stadtbibliothek vorbei und 500m vor der Unterführung rechts zur alten Weberei abbiegen. 100m weiter kann man die Parkplätze finden. #C21 Frisch ans Werk gegangen, ein paar Minuten marschiert und schon die Orientierung verloren. Plötzlich stehe ich an irgendeinem Park und der Verdacht, einmal eine falsche Abzweigung gegangen zu sein, drängt sich mir auf. Also Kommando zurück, weiter in die andere Richtung. Nach kurzer Zeit lasse ich dann tatsächlich das Parkhotel hinter mir. Von einer Carl-Bertelsmann- oder einer Värler-Straße war mir jedoch nichts aufgefallen. Doch die erwähnte Ampelkreuzung scheint zu existieren - inklusive der Stadtbibliothek. Mein angeknackstes Ego erblickt einen Hoffnungsschimmer, doch nicht gänzlich bar jeglicher Pfadfinder-Fähigkeiten zu sein. Ein Blick auf die Wegbeschreibung : "Dahlkestraße" ? Jawohl, auch die gibt es hier. Allerdings führt sie - in krassem Gegensatz zur Wegbeschreibung - nach links von der Bibliothek weg, stellt jedoch zur Zeit meinen einzigen Faden aus dem Labyrinth dar, so daß ich sie einfach mal entlangtrottele. Schilder und Wegweiser zu einer etwaigen "Alten Weberei" sind keine zu erblicken und der Verdacht, daß die Wegbeschreibung keinesfalls vom Bahnhof sondern wahrscheinlich für in die Stadt kommende Autofahrer gedacht sein könnte, erhärtet sich, als nirgendwo eine Unterführung auftaucht. Gerade in dem Moment, in dem ich aufgeben und erstmal was futtern gehen will, blicke ich nach rechts (mich immer noch in der Dahlkestraße befindend - denke ich zumindest ;^)) und sehe ein altes, heruntergekommenes Gebäude - die "Alte Weberei". Und was lernen wir daraus ? Alle Wege führen irgendwohin. Wer hätte das gedacht ? Ein paar Stufen hinaufgestapft und schon habe ich den "Multimedia"-Raum erreicht, in dem das Treffen stattfindet. Ein Schild "Keine Raubkopien" (zu dessen Grund wir nachher noch kommen werden) und eine den Eintritt in Höhe von 5,- DM kassierende Frau Händel (jawoll, die "gute Hälfte" von Peter Händel) begrüßen mich. Der Saal ist mit aneinandergereihten Tischen gefüllt, die fast vollständig mit Rechnern und Monitoren vollgestellt sind. Grob geschätzt 40 Leute sitzen und stehen um die Maschinen herum. Alles schon mal sehr vielversprechend. Und es folgt auch gleich in Person von Gerd Frank (ehemals Bernds PD-Herausgeber) die erste Gelegenheit, eine Beleidung an den (bayrischen) Mann zu bringen. Nach den obligatorischen verb- und brutalen Tiefschlägen gibt er mir einen kurzen Überblick über die Situation. Meik Woyke ("Knallfrosch", "Autoschlange",...) ist leider schon seit einer Stunde weg - die Arbeit rief. Doch die anderen seien alle noch da. Eine Behauptung, die zu verifizieren ich mich sofort auf den Weg machte. Jürgen "Invisible Power" Träger (InfoX-Gründer und Totengräber) und Bernd "Diesel" Künnen ("Purity") stürmen an mir vorbei. Vom Hunger gezeichnet ächzen sie mir nur schnell ein "Hallo" entgegen, bevor sie sich auf die Pizza- Pappkartons, die gerade vom Pizza-Taxi gebracht wurden, stürzen. An einer Reihe DOSen - deren Besitzer gänzlich in eine Art Textadventure unter MS-DOS vertieft sind - vorbei erreiche ich schließlich die Rechner von Rainer "Murphy" Gellrich, Sven "Indy" Drieling ("Powerbrei") und HannsHolger "ohne Bindestrich" Rutz (Zeven). Die Party kann beginnen.... Der Nachmittag schreitet voran. Die andere Hälfte von Peter Händel (dessen äußeres Erscheinungsbild mir ja seit der legendären Ausgabe 17 des Forum Amiga bekannt ist) begrüßt mich, moniert einen unmäßig hohen Englisch-Anteil im Gadget (völlig zu Unrecht - siehe auch den Artikel "No English please" in diesem Gadget) und zeigt mir sein neues Tüftelspiel, das nur wenige Tage vor der Fertigstellung steht. Die Idee ist mal wieder einfach und genial. (Wobei das "und" bei Bedarf auch entfallen kann.) Es geht - stark vereinfacht gesagt/geschrieben - darum, den richtigen Weg zwischen verschiedenen Markierungspunkten zu finden, ohne dabei zu große Entfernungen überbrücken zu müssen. Am besten einfach mal selbst spielen. Daß ein Editor mitgeliefert wird, brauche ich ja eigentlich bei Peter gar nicht gesondert erwähnen. Darüberhinaus kündigt er auch gleich ein neues Spiel an, das er sofort in Angriff nehmen will, wenn das aktuelle fertig ist. Produktive Zeiten für Bielefelder FD-Programmierer und gute Zeiten für Freunde von Denk- und Tüftelspielen. Als nächstes werfe ich einen Blick über Sven Drielings Schulter und eine Art Betaversion der Power-Brei 20 flimmert vor mir auf dem Monitor. Sollte es doch noch zur - im Vorfeld angekündigten - Veröffentlichung der PB#20 während der Messe kommen und damit zum ersten Mal seit langer Zeit einmal wieder der geplante Erscheinungstermin eingehalten werden ? "Ich mach das jetzt". Sven ist zuversichtlich. Neben ihm steht Andreas R. Kleinert ("Superview"), der zu den Leuten gehört, die ich hier zum ersten Mal treffe und mit dem ich auch gleich ein paar Worte wechsle. "Hallo !" (Andreas) "Hallo !" (Andreas). Es kann jedoch auch umgekehrt gewesen sein.... Weiter geht's zum nächsten Rechner, an dem Holgi sitzt. Voller Stolz zeigt er mir seinen getunten Amiga. Die Maus-Signale werden von den CIA-Chips verschluckt, rechte Cursor- und Shift-Taste sind abgebrochen und der (Leih-)Monitor verfälscht die Farben in frische Rot- oder Blautöne. Bleibt zu hoffen, daß Escom sich bei künftigen Amigagenerationen an solchen Spezifikationen orientieren wird. Unterdessen ist Diesel gar nicht so glücklich über seine Hardware. Er hat am Morgen einen Flickerfixer eingebaut und seitdem läuft alles nicht mehr so _ganz_ stabil. Seit nun auch Programme wie "dms" oder "lha" abstürzen, ist Diesel auch etwas unsicher geworden, ob er denn den Flickerfixer nicht vielleicht doch besser wieder ausbauen sollte. Nach dem Verzehr eine Pizza Margeritha (mensagestählte Mägen halten einiges aus) geht es frisch gestärkt weiter. Roland Fulde wird begrüßt - und sieht nach allgemeinem Urteil ganz anders aus, als man ihn sich so vorgestellt hatte. An Tischreihen am Kopfende des Saales tummeln sich ein paar wenige "kommerzielle" Computer-Freaks, u.a. die Jungs von Black&White und Roger Hassler, der Computergehäuse und -mäuse mittels Airbrush verziert und auch Meeting-T-Shirts zum Preis von 15.- DM/Stück an den Mann bringt (ich ergattere später eins für 10.- DM ;^)). Obwohl - durch harsche Kritik von Peter Händel an den Zuständen des letzten Jahres angeregt - fast jeder ein Namensschildchen trägt, gelingt es mir nicht, die geistige Transferleistung aufzubringen, um den mich begrüßenden "Charly" als "Karl-Heinz Bader" (Herausgeber des "HAM") zu identifizieren. Ich sollte vielleicht doch eine Kur machen. Davor gilt es aber, sich durch alle erschienenen Ausgaben des "HAM" zu wühlen und die (auch für Karl-Heinz Bader) erstaunende Entdeckung zu machen, daß das "HAM"-Mag-Programm (in AMOS geschrieben) nicht mit 512 KByte Chip-RAM auskommt, zumindest wenn das abzuspielende Module länger als 20 KByte ist. Witzigerweise läuft als einziges "HAM" mit der 512 KByte- Chip-Konfiguration die Ausgabe Nummer 5, bei der der Programmcode gut 100 KByte länger als bei der (nicht laufenden) Nummer 7 ist. Eins steht fest : ich weiß, warum ich in Pascal programmiere..... Nach dieser anstrengenden Arbeit nötigt mich Gerd Frank dazu (mittels der Drohung "Kommst Du mit ?"), dem "Weberei"-eigenen Lokal einen kleinen Besuch abzustatten, das hiesige Weißbier zu probieren und zu hassen. Zurück im Computersaal machen sich die ersten Ausdünnungserscheinungen bemerkbar, Roland Fulde hat sich verkrümelt und auch Andi Kleinert und Karl-Heinz Bader verschwinden wenig später. Dafür tauchen Guido Wegener ("Haktar") und der Gadget-Lesern wohl bekannte Roland Jesse auf - letzterer ebenfalls ein Opfer des Katastrophen-Tickets. Ansonsten hat sich die Lage nicht bedeutend verändert. Sven Drieling arbeitet an der Power-Brei und gibt sich zuversichtlich, sie demnächst fertigstellen zu können, und die DOSen-Leute spielen weiterhin ihr komisches Adventure. Diesel teilt mir mit, daß geplant wird, eine "Gütersloher CD-ROM" herzustellen, die Fotos vom vorigen und von diesem Meeting und andere, mit der Veranstaltung zusammenhängende Datenbestände enthalten soll - in kleiner Auflage nur für Interessierte. Man darf gespannt sein. Doch inzwischen schreitet der Abend voran und die Reihen lichten sich zusehends. An den - nun verwaisten - Händlertischen werden zwei große Boxen aufgebaut und Technomusik erschallt im Saal, was Holgi zu wahren Begeisterungsstürmen veranlaßt. Es erschwert ihm allerdings die Entscheidung, ob er lieber vor diesem Sound flüchten oder die nebenan stattfindende "Techno Rave"-Party mit dem weit über die Stadtgrenzen von Gütersloh hinaus unbekannten DJ Marcus (Eintritt : bescheidene 25 DM) meiden soll. Er entscheidet sich für das weitere Verbleiben im Multimedia-Saal und macht sich fleißig an das Übersetzen der Anleitung von Peter Händels neuem Spiel ins Englische. Währenddessen versucht sich Sven Drieling an einem Power-Brei-Artikel über eine Bill Gates-Biographie. Damit dieser nicht gar zu bald fertig wird, setzen Roland Jesse und ich uns zu ihm und nerven den verzweifelten Rezensenten mit kleinlicher Orthographie- und Grammatik- Kontrolle. Man gönnt sich ja sonst und Sven erst recht nichts. Nach dem fälligen Nervenzusammenbruch des Power-Brei-Herausgebers zwingt Holgi Sven und mich zu dieser stark fortgeschrittenen Stunde, mit ihm das FD-Spiel "Dogfight" zu spielen. Mehrere Stunden vergehen. Unter Aufbringung aller Kräfte gelingt es Sven und mir schließlich, Holgi den Joystick zu entwinden und ihn - seine "Dogfight ! Dogfight ! Päng ! Bumm ! Will Dogfight ! "- Rufe ignorierend - vom Monitor wegzuzerren. Wirr vor sich hinbrabbelnd, verzieht er sich schließlich, packt seinen Schlafsack aus und ist schon bald am Schnarchen (was man aufgrund der dröhnenden Techno-Musik natürlich nicht hört). Sven macht sich an die Komplettierung der PowerBrei und ich latsche mal wieder in Richtung Diesel. An dessen farblich (angeblich) einem SiliconGraphics-Rechner nachempfundenen Amiga tun sich nämlich inzwischen recht interessante Dinge. Er hat irgendwo ein neues Shareware-Programm namens "Shapeshifter" ausgegraben, das nicht mehr und nicht weniger ist, als eine Schnittstelle zwischen Amiga-Hardware und MacOS-Imagefile. Man kann also das normale MacOS auf einem Amiga laufen lassen - und fast alles ist konfigurierbar : von der Anzahl der Farben über die Bildschirmgröße hin zum Zugriff auf CD-ROM-Laufwerke. Mit System 7.1 läuft auch alles einwandfrei, wenngleich teilweise etwas langsam und rucklig. Diesel (und Murphy) sind jedenfalls begeistert und spielen noch stundenlang mit ihren "Macs". Inzwischen sind immer mehr Freaks am Einschlummern. Vereinzelt stolpern einige Wachgebliebene über den mitten im Gang liegenden Holgi, was bei diesem jedoch keinerlei Reaktion hervorruft. Roland Jesse kommt zu diesem kritischen Zeitpunkt der rettende Einfall - es gilt, eine Kanne Kaffee aufzubrühen. Gesagt, getan, getrunken. Und schon geht es wieder viel besser. Roland hat noch nicht genug und setzt schnell eine weitere (und stärkere) Kanne auf. Da es inzwischen schon gegen 5 Uhr morgens geht, wird es Zeit, endlich mal etwas zu arbeiten. Ich hocke mich an Diesels Rechner und schreibe ein kurzes Interview mit Andi Mauß. Roland kommt nach kurzer Zeit dazu und macht das, was eigentlich mein Steckenpferd ist - er stöbert nach grammatikalischen Unstimmigkeiten, unterbrochen nur von vereinzeltem Nachschütten von Kaffee. Die Tassen seien zu klein, normalerweise tränke er aus diesen großen 5-Liter-Kübeln. Oder so ähnlich. Kurze Zeit später ist das Interview dann fertig und auf Diskette gebannt - allen Widrigkeiten des greulichen Texteditors "TxEd" zum Trotz. Diesel schlägt vor, daß man sich nun mittels des mitgebrachten Videorekorders die bis dato in Deutschland nicht ausgestrahlte StarTrek-Folge "Patterns of Force" oder auch den Pilotfilm "The Cage" ansehen könnte. Murphy, Diesel, Roland Jesse (nachdem er eine neue Kanne Kaffee aufgesetzt und sich nachgeschenkt hat) und ich setzen uns um den Monitor und verfolgen mehr oder weniger konzentriert die Handlung des Pilotfilms. Fascinating. Der Morgen graut und die Freaks erwachen langsam aber sicher - zumeist dank der stets dröhnenden Techno- und Chartmusik erschöpfter und ausgelaugter als beim Einschlafen. Wir Wachgebliebenen haben dafür nur ein doch eher müdes Lächeln. Roland Jesse verschwindet schnell in der Küche, um sich frischen Kaffee einzugießen. Dann macht er sich an die Erprobung von "DeluxeGalaga", gibt aber nach kurzer Zeit gefrustet auf. Ich schnappe mir den Joystick und siehe da - nach einer knappen Stunde Spielzeit stehen 5½ Millionen Punkte auf meinem "Konto". Wenn das mal nichts ist ;^) Das muß wohl auch der gerade erwachte Sven Drieling denken, denn kaum ist mein letztes Raumschiff in einer großen Wolke aus Staub und Explosionen verschwunden, greift er sich den Joystick und startet auch eine Runde - die dann jedoch bei knapp 2 Millionen Punkten vorbei ist. Ist auch besser so, denn immerhin muß er ja endlich die Power-Brei zusammenstellen. Meiner einer begrüßt den auch wieder eingetroffenen Andreas Mauß und bringt den völlig Überrumpelten mit den Worten "geht ganz schnell" dazu, das Interview zu beantworten. Während er damit beschäftigt ist, hocke ich mich mit Holgi an ein CD32-Gerät und wir gamblen ein unglaublich anspruchsvolles Ballerspiel, das an Spielqualität fast an C64-Klassiker wie "Commando" heranreicht. "Fire, man ! Kill'em ! Yeah - it sucks !".... Eine halbe Stunde später bin ich (bzw. mein digitaler alter ego) mal wieder von einer Granate zerfetzt worden, was sich in diesem Falle ganz gut trifft, da Andi Mauß das Interview fertig hat. Erschöpft aber glücklich. Mit fortschreitender Stunde füllt sich der Saal wieder. Unter anderem trudelt nun auch Axel Melzener - der Organisator des Programmierprojektes Game Object Design (G.O.D.) - mitsamt seinem Rechner ein. Er hat Demoversionen der beiden aktuellen G.O.D.-Projekte "Jaktar" und "Quasi Hasi" dabei, die ich mir auch sofort ausführlich vorführen und erläutern lasse. "Jaktar" nimmt nun zusehends Formen an, die Engine dieses Ultima- ähnlichen Rollenspiels scheint bereits einwandfrei zu funktionieren. Nur noch zusätzliche Daten müssen eingegeben und teilweise neue Grafiken gepixelt werden. Ebenfalls sehr weit fortgeschritten ist das LucasArts- und ArtDepartment-ähnliche Adventure "Quasi Hasi", für das G.O.D. den genialen Grafiker Sven Geruschkat gewinnen konnte. In den Bereichen Spielwitz und grafische Qualität wird "Quasi Hasi" hinter den großen Vorbildern in nichts zurückstehen. Es sieht somit nun fast so aus, als würde G.O.D. nach über zwei Jahren tatsächlich endlich die begonnenen Projekte zu einem (positiven) Ende bringen können. Man darf (mal wieder) gespannt sein. (An)gespannt ist auch Sven Drieling. Die Zeit verstreicht und er werkelt immer noch am Bill Gates-Artikel herum. So langsam scheinen ihm Zweifel zu kommen, ob er die Power-Brei noch in Gütersloh fertigstellen kann, denn auf die Frage, wann es nun soweit sei, hämmert er verzweifelt den Kopf gegen die Tischplatte. Dumm gelaufen. Damit er aber nicht der einzige ist, der etwas arbeitet, setze ich mich an Holgis Rechner, der mich mit wahrhaft surrealistischen Farbkombinationen begrüßt, und mache mich an das Layouten des Interviews. Das Ergebnis ist hier im Forum-Teil zu sehen - so man denn zufälligerweise Masochist ist. Die doch etwas müde Stimmung im Saal wird nun wieder ein Stückchen gehoben - Axel Melzener läßt einen neuen selbstgeschriebenen Song, ein mit Zitaten aus der ARD-Vorzeigeserie "Pumuckl" angereichertes Techno-Stück, aus den Boxen dröhnen. Holgi ist hingerissen und auch der Rest des Publikums kann sich eines Grinsens nicht erwehren. Unterdessen haben sich die Reihen jedoch gelichtet und Andreas Mauß hat bereits angekündigt, um 16.°° Uhr den Strom abzustellen. Dieser Wink mit dem Kirchturm kommt an und da es ohnehin bereits nach zwei Uhr ist und ich zum Bahnhof muß, verabschiede ich mich von den (noch) Anwesenden und trotte (letztlich doch etwas müde) zum Gütersloher Bahnhof - bereichert um die Erkenntnis, daß das Gütersloher Treffen eine rundum feine, kleine Sache war und daß ich - so denn nichts dazwischenkommt - wohl auch im nächsten Jahr wieder dabei sein werde. Pech gehabt. Die Heimfahrt war wieder recht inspirierend. Von Herford nach Altenbeken hatte ich zwar einen Sitzplatz (im Fahrradraum des Zuges), der Zug zwischen Altenbeken und Kassel war jedoch in etwa so gefüllt, wie ein Münchner Biergarten bei einer Demonstration für den öffentlichen Konsum von hefehaltigen Weizen- und Gersteprodukten bis in die späte Nacht hinein. Eingestiegen in Altenbeken mußte ich zunächst erschreckt feststellen, daß ich selbst den (an und für sich ja nicht so begehrten) Stehplatz im Eingangsbereich des Waggons mit 10 anderen Reisenden teilen durfte. Nun gut. Keine halbe Stunde später waren noch einmal 3 Personen dazugekommen, was den Vorteil hatte, daß es kaum voller werden konnte - wie ich nicht ganz zutreffend vermutete. Es dürfte keineswegs unglaubwürdig erscheinen, wenn ich zugebe, daß ich ziemlich erleichtert war, als ich in Kassel - mit den anderen 17 Leuten, die im Waggoneingangsbereich standen - endlich an die frische Luft gelangte. An die letzte Teilstrecke kann ich mich nur noch fragmentarisch erinnern, was damit zusammenhängen könnte, daß ich ab und an für ein paar Minuten wegdämmerte. Aber es soll keiner sagen, man bekäme für 15.- DM von der Deutschen Bahn AG nicht so einiges geboten. #Pinsel gadget20:pinsel/an rechts Nachtrag : Die "Alte Weberei" hat ein eigenes Info-Blättchen, in dem die Veranstaltungen des aktuellen Monats kommentiert werden. So auch mit dem FD-Treffen geschehen. Diesen Artikel - der Grund für das oben angesprochene Schild und eine leichte Verstimmung bei den Veranstaltern war - will ich keinem vorenthalten. Es folgt nun - grammatikalisch und orthographisch unverfälscht - die Ankündigung des Zweiten Gütersloher FD-Meetings aus der "WEBEREI Zeitung Mai '95". #C10 2.Gütersloher Computer Meeting #Font Losse 16 Amiga-Affäre #Font topaz 8 Wie man Coputerfreak wird ? Bei mancheinem hat eine einzige Nacht die Leidenschaft geweckt. Nun kann die Katz das Mausen nicht mehr lassen. Doch gerade die verehrtesten Frauen bleiben die größten Rätsel und neigen zur zickigen Pryderie. Nicht von ungefähr taufte in den grauen Anfängen des Informationszeitalters ein namhafter Computerhersteller sein Produkt "Amiga", die Freundin. Eine ganze Generation enthusiastischer Jünglinge hat ihre Tasten gedrückt, nun darbt sie unrecycelt auf dem Schrotthaufen der viel zu schnellebigen Elektronikgeschichte. Doch echte Freaks halten ihr die Treue und haben sie zur Kultfigur stilisiert. Andreas Mauß ist so einer. Auf mitlerweile 12.000 Mark schätzt er die Kosten seiner Leidenschaft. Zugegeben erst neulich ist er mit einem nagelneuen Pentium fremdgegangen. Aber nur beruflich. Nun lädt er die Amigos der Amiga zum 2. Meeting in die Alte Weberei am 20. und 21. Mai. Einige Experten haben fest zugesagt. Allen voran die Mitinitiatoren Peter Händel, Bielefelder Publik Domain Programmierer von Spielen und Datenbanken und Bernd Künnen, ein Pascal-Spezi aus Twist an der holländischen Grenze. Neben dem AMICOM-Club aus Gütersloh hat sich ein weiterer aus dem Siebengebirge angesagt, um gegen die Vorurteile von der Hinterweltlerischkeit dieser Region anzutreten: In einem Tag wollen die Hacker ein Netzwerk mit zwanzig Rechnern aufbauen, das am Sonntag in Betrieb gehen soll. Auf ein Programm wollen sich die Amigos nicht festlegen, sondern sich ganz nach den Wünschen der Besucher richten, die auch selbst Angebote machen können. Gemäß der Amiga-Devise "plug and play". Intensiver Datenaustausch soll jedoch möglich werden in einem Pascalprogrammier- und einem Grafikworkshop. Aber auch reines Abstauben ist o.k. Wer will, kann so viele Raubkopien vom Streamerband frisch aus dem Internet ziehen, wie er Disketten mitbringt. Und, wenn die Weberei für zwei Stunden eine Telefonleitung freigibt, kann auch eine Live-Einführung in den Datenverkehr über Mailbox stattfinden. Axel Melzener vom "Game Objekt Design" wird zwei ganz neue Spiele vorstellen, die die fünfzehnköpfige Programmierergruppe von der Spielidee bis zum Sound selbst entwickelt hat, und auch das Design von Roger Hassler kann sich sehen lassen. Er donnert die alten Blechgehäuse ganz ohne Update per Airbrush zu auf. Zu diesem Festival der Fachsimpeleien sind auch simple Laien geladen (vielleicht läßt sich der ein oder die andere trotz Virenprogramm infizieren, so der Hintergedanke). Das beteuern zumindest die Initiatoren : "Auch wenn jemand nur mal wissen will, was ein Computer ist". Aber das wissen wir ja schon : eine zickige Jungfrau.