@database "Bibel-NT-2.guide"
@author "Dieter Paprocki"
@remark "$VER: Bibel-NT-2 Guide 1.4 (13. Mai 1999)"
@remark "Created with GoldED 5.0 (20.11.98)"

@node MAIN "Welcome"





                         @{fg highlight}@{b}Bibelauslegungen@{FG shine}@{FG text}


                      aus div. Bibellese-Kalender@{ub}@{fg text}


               Gemeinschaftswerk von @{"Familie Paprocki" LINK "Adresse"}
                     © by Dieter Paprocki@{"EFT" LINK "EFT"} 1996

                  @{"Die heilige Schrift des neuen Bundes" LINK "Inhaltsverzeichnis Neu"}

                              @{"Warum dies?" LINK "Warum"}


@ENDNODE



@NODE "Warum" "Warum dies?"
@TOC "MAIN"
@{b} Warum habe ich dieses Programm geschrieben?@{ub}
@{b} -------------------------------------------@{ub}

 Ganz am Anfang fand ich diese tägliche Bibellese eigentlich nur
 interessant. Später entdeckte ich eine Nützlichkeit die mir den Anlaß zur
 Sammlung aller verfügbaren Kalenderblätter, sowie tägl. Bibellesungen gab.

 Diese Nützlichkeit entdeckte ich nicht nur darin, in jedem Jahr wenigstens
 einmal die Bibel durchzulesen - nein die täglichen Andachten konnte man
 ganz gut als Anregungen für eigene Andachten benutzen!
 Da ich damals im Suchtgefärdetendienst tätig war und auch des öfteren
 Andachten zu halten hatte und mir nicht immer der passende Text einfiel,
 benutzte ich die kleinen "Gedächtnishilfen" und siehe da - sie gaben mir
 genug Anregungen meine Andachten durchzuführen.
 Wohlgemerkt! Anregungen! Abschreiben und vorlesen ist einfach, aber nicht
 Sinn und Zweck der Sache.
 Ich fertigte mir ein Kästchen an und sammelte alle Blätter schön geordnet.
 Als wir dann "Westen" wurden - kam auch die "Computermanie".
 Da es bei mir eine Geldfrage war - kam nur ein AMIGA in Frage.
 Diese Auswahl bereue ich bis heute nicht. Wenn es mir auch am Anfang und
 jetzt immer noch schwerfällt, mich in die Bedienung der "Freundin" zu
 vervollkommnen.
 Man wird an den ersten Seiten bemerken, das es noch einige Ungereimtheiten
 gibt, aber alles Nachzuschreiben hatte ich einfach keine Lust.
 Die Amigaguide habe ich zuerst kapiert - also habe ich versucht damit zu
 schreiben.
 Ich hoffe nun es finden sich einige Anwender, welche dieses Programm aus
 denselben (oder anderen) Gründen benutzen.
 Ich habe versucht kirchliche Verlage anzuschreiben, von einigen auch
 Antwort bekommen - so das der Tenor lautet: KEIN GELD !!!
 Zum Schluß muß ich noch bemerken, daß ich mit 45 Jahren angefangen habe
 mich mit dem Computer zu beschäftigen (übrigens hat mein Vater mit 70
 Jahren angefangen sich mit den Amiga zu beschäftigen!) - vielleicht ist
 dies eine Entschuldigung für einige Ungereimtheiten. Ich habe alles Buchstabe für
 Buchstabe in den Computer eingegeben.
 Und alles mit dem wundervollen Editor ©GOLDED. Dank an den Autor!

 Zur Anwendung:
 
 Besser ist es natürlich, alles auf Festplatte zu packen und mit Multiview
 zu lesen.
 Wie das funktioniert müßten eigentlich alle wissen.
 Im Programm sind auch viele Gedichte untergebracht, damit irgendeine
 Suchfunktion (evtl.Powerguide?) sie auch findet sind sie sinnigerweise mit
 -Gedicht- gekennzeichnet.




@ENDNODE
///
@NODE "Inhaltsverzeichnis Neu" "Inhalt:"
@TOC "MAIN"
                            @{"1.Korinther" link 1.Korinther}
                            @{"2.Korinther" link 2.Korinther}
                            @{"Der Brief an die Galater" LINK "Galater"}
                            @{"Der Brief an die Epheser" LINK "Epheser"}
                            @{"Der Brief an die Philipper" LINK "Philipper"}
                            @{"Der Brief an die Kolosser" LINK "Kolosser"}
                            @{"Der erste Brief an die Thessalonicher" LINK "1.Thess"}
                            @{"Der zweite Brief an die Thessalonicher" LINK "2.Thess"}
                            @{"1.Thessalonicher" link 1.Thess}
                            @{"2.Thessalonicher" link 2.Thess}
                            @{"1.Timotheus" link 1.Timotheus}
                            @{"2.Timotheus" link 2.Timotheus}
                            @{"Titus" link Titus}
                            @{"Philemon" link Philemon}
                            @{"Hebräer" link Hebräer}
                            @{"Jakobus" link Jakobus}
                            @{"1.Petrus" link 1.Petrus}
                            @{"2.Petrus" link 2.Petrus}
                            @{"1.Johannes" link 1.Johannes}
                            @{"2.Johannes" link 2.Johannes}
                            @{"3.Johannes" link 3,Johannes}
                            @{"Judas" link Judas}
                            @{"Offenbarung" link Notext}



                    
@ENDNODE
@NODE "1.Korinther" "1.Korinther"
@TOC "MAIN"
    @{"1.Korinther 1,1-9" LINK "1.Korinther 1a"}      @{"1.Korinther 6,7-11" LINK "1.Korinther 6b"}      @{"1.Korinther 12,1-11" LINK "1.Korinther 12a"}
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@NODE "2.Korinther" "2.Korinther"
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@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus" "1.Timotheus"
@TOC "MAIN"



         @{"1.Timotheus 1,1-11" LINK "1.Timotheus 1a"}       @{"1.Timotheus 3,14-16" LINK "1.Timotheus 3b"}      @{"1.Timotheus 5,17-25" LINK "1.Timotheus 5b"}
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@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus" "2.Timotheus"
@TOC "MAIN"



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@NODE "Titus" "Titus"
@TOC "MAIN"



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@ENDNODE
@NODE "Philemon" "Philemon"
@TOC "MAIN"



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@NODE "Hebräer" "Hebräer"
@TOC "MAIN"
     @{"Hebräer 1,1-4" LINK "Hebräer 1a"}          @{"Hebräer 9,1-10" LINK "Hebräer 9a"}         @{"Hebräer 12,1-3" LINK "Hebräer 12a"}
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@NODE "Jakobus" "Jakobus"
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@ENDNODE
@NODE "1.Thess" "1.Thessalonicher"
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@ENDNODE
@NODE "2.Thess" "2.Thessalonicher"
@TOC "MAIN"





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@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus" "1.Timotheus"
@TOC "MAIN"



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@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus" "2.Timotheus"
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@ENDNODE
@NODE "Titus" "Titus"
@TOC "MAIN"



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@ENDNODE
@NODE "Philemon" "Philemon"
@TOC "MAIN"



                                            @{"Philemon 1-25" LINK "Philemon 1a"}
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@NODE "Hebräer" "Hebräer"
@TOC "MAIN"
     @{"Hebräer 1,1-4" LINK "Hebräer 1a"}          @{"Hebräer 9,1-10" LINK "Hebräer 9a"}         @{"Hebräer 12,1-3" LINK "Hebräer 12a"}
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     @{"Hebräer 6,9-20" LINK "Hebräer 6a"}         @{"Hebräer 11,8-22" LINK "Hebräer 11c"}       @{"Hebräer 13,12-14" LINK "Hebräer 13c"}
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@ENDNODE
@NODE "Jakobus" "Jakobus"
@TOC "MAIN"



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@ENDNODE

@NODE "1.Petrus" "1.Petrus"
@TOC "MAIN"


                        @{"1.Petrus 1,1-12" link "1.Petrus 1a"}                  @{"1.Petrus 3,8-12" link "1.Petrus 3b"}
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                        @{"1.Petrus 2,2-10" link "1.Petrus 2a"}                  @{"1.Petrus 4,7-11" link "1.Petrus 4b"}
                        @{"1.Petrus 2,4-10" link "1.Petrus 2b"}                  @{"1.Petrus 4,12-19" link "1.Petrus 4c"}
                        @{"1.Petrus 2,11-17" link "1.Petrus 2c"}                 @{"1.Petrus 5,1-4" link "1.Petrus 5a"}
                        @{"1.Petrus 2,18-25" link "1.Petrus 2d"}                 @{"1.Petrus 5,1-7" link "1.Petrus 5b"}
                        @{"1.Petrus 3,1-7" link "1.Petrus 3a"}                   @{"1.Petrus 5,8-14" link "1.Petrus 5c"}

@endnode
@NODE "2.Petrus" "2.Petrus"
@TOC "MAIN"




                        @{"2.Petrus 1,1-11" link "2.Petrus 1a"}
                        @{"2.Petrus 1,16-18(-21)" link "2.Petrus 1b"}
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@endnode

@NODE "1.Johannes" "1,Johannes"
@TOC "MAIN"

                        @{"1.Johannes 1,1-4" link "1.Johannes 1a"}
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                        @{"1.Johannes 2,12-17" link "1.Johannes 2b"}
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                        @{"1.Johannes 4,1-6" link "1.Johannes 4a"}
                        @{"1.Johannes 4,7-16a" link "1.Johannes 4b"}
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                        @{"1.Johannes 5,1-5" link "1.Johannes 5a"}
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                        @{"1.Johannes 5,13-21" link "1.Johannes 5c"}
                        @{"1.Johannes 9,1-12" link "1.Johannes 9a"}
@endnode
@node "2.Johannes" "2.Johannes"
@toc "MAIN"



                        @{"2.Johannes 1-13" link "2.Johannes 1a"}
@endnode

@node "3.Johannes" "3.Johanns"
@TOC "MAIN"



                        @{"3.Johannes 1-15" link "3.Johannes 1a"}
@endnode

@node "Judas" "Judas"
@toc "main"




                        @{"Judas  1-16" link "Judas 1a"}
                        @{"Judas 17-25" link "Judas 1b"}
@endnode
///
///
@NODE "1.Korinther 1a" "1.Korinther 1,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                        1.Korinther 1,1-9@{ui}

@{b}                       Ein wichtiger Brief@{ub}

 Vielleicht war in der Weihnachtspost ein wichtiger Brief. Wir möchten ihn
 aufbewahren. Es gibt Briefe, die es wert sind, nicht vernichtet zu werden.
 Die Kirche war sehr früh der Meinung, daß der 1.Korintherbrief wichtig ist.
 Er wurde weitergegeben. Jetzt haben wir ihn in der Hand. Der Absender
 stellt sich vor: Paulus, berufen zum Apostel Jesu Christi. Er hat eine
 Botschaft für die Kirche. Die Gemeinde in Korinth war keine besondere
 Gemeinde. Sie war klein und konnte nicht mit großen Dingen imponieren. Es
 gab ernsthafte Meinungsverschiedenheiten unter den Gemeindegliedern.
 Glaubenszweifel und ethische Probleme waren der Gemeinde nicht fremd. Aber
 Paulus dankt Gott für diese Gemeinde. Es ist wichtig, für die Kirche zu
 danken.
 Am Anfang des neuen Jahres wollen wir Gott danken für die Kirche in unserem
 Land und für die Gemeinde an unserm Ort. Die arme Gemeinde wird durch
 Gottes Gaben reich gemacht. Die schwache Kirche wird durch die Predigt von
 Christus kräftig. Gottes Treue trägt die Gemeinde trägt die Gemeinde Jesu
 Christi. Schon durch diesen Anfang des Briefes wird klar: Das ist ein
 wichtiger Brief! Er enthält eine Botschaft für unsere Gemeinde heute. Die
 Anrede der Gemeindeglieder als "berufene Heilige" läßt wichtiges ahnen. Wir
 sind keine "Heiligen". Aber wir gehören zur Gemeinde. Christus macht uns zu
 Heiligen. Wir sind nicht besser als andere, aber wir haben es besser. Uns
 werden Gnade und Friede von Gott und Christus zugesprochen. Mit einem
 solchen Gruß gehen wir getrost in das begonnene Jahr.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Du hast eine wichtige Botschaft für uns. Wir danken
 dir für die Kirche, in der wir leben. In ihr gibst du uns einen Platz. Nimm
 uns in deinen Dienst. Wir leben deine Treue. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Korinther 1,1-9@{ui}

@{b} Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn
 Jesus Christus.@{ub}   1.Korinther 1,3 (EÜ)

 Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth und beginnt seinen Brief, wie
 die meisten anderen Briefe auch, nach Absenderangabe und Adresse mit diesem
 Gruß. Er wünscht seinen Schwestern und Brüdern Gnade und Frieden. Als Gruß
 von der Kanzel vor der Predigt hat diese Fürbitte ihren Ort im
 Gottesdienst, heute grüßt und Paulus mit diesen guten Wünschen zum Neuen
 Jahr. Dieser gute Brauch, daß wir uns etwas wünschen gegenseitig, wenn wir
 uns treffen und in Kontakt zueinander kommen, hat sich erhalten. Wir
 wünschen uns einen "Guten Tag" und ein "frohes neues Jahr" und auch im
 "Prosit Neujahr" steckt der gute Wunsch, das Neue, was kommt, möge dir
 nützlich sein und gut bekommen. Meistens sind wir uns dessen gar nicht
 bewußt, daß die Begrüßung so etwas wie eine Fürbitte ist. Das ist schade.
 Vielleicht kann der Gruß des Paulus an uns eine Anregung für uns sein,
 darüber nachzudenken, was wir den Menschen, die wir heute treffen und
 sprechen, der Familie, Freunden und Fremden wünschen in diesem neuen Jahr.
 Und dann sagen wir es ihnen nicht mit einer Formel, die so leicht über die
 Lippen geht, sondern als ganz persönlicher Gruß. Wir werden erleben, wie
 sie überrascht aufhorchen und voller Freude reagieren. Es tut ja so gut zu
 wissen und zu erleben, daß ein anderer mit guten Wünschen an mich denkt und
 meinen Alltag begleitet. Paulus wünscht jedem von uns, daß wir erfahren
 dürfen: Gott, der Vater, und Jesus Christus, unser Bruder, sind im Alltag
 auf unserer Seite. Was gewesen ist, muß nicht belasten, wir dürfen neu
 beginnen in dem Vertrauen, daß heil werden kann, was kaputt ist. Mögen wir
 Gnade und Frieden erleben und an andere weitergeben im neuen Jahr.@{b}

 Gott im Himmel und auf Erden, schenke mir Phantasie, Gutes zu wünschen für
 dieses neue Jahr, Gutes für mich und für die Menschen, die mir begegnen,
 für die Nahen und die Fernen. Hilf mir, ihnen Gutes zu sagen und zu tun.
 Amen.@{ub}
                                                        Martina Gern

@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 1b" "1.Korinther 1,10-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 1,10-17@{ui}

@{b}                      Aneinander festhalten@{ub}

 Gott hat uns Hände gegeben. Wer Hände hat, der brauche sie: Zum Schreiben
 und zum Stricken, zum Tragen und zum Arbeiten. Er reiche dem anderen die
 Hand, und er halte die Hand des anderen fest.
 Unsere Hände sind wichtig. Was unsere Hände tun, hat Gewicht. Haltet fest
 aneinander, bittet Paulus, mahnt Paulus. Er hat Grund dafür. Es gibt
 Meinungsverschiedenheiten in der Gemeinde in Korinth, und die haben zu
 Spaltungen geführt; Gräben haben sich aufgetan, Zäune sind entstanden. Und
 das in der Gemeinde, die ihrem Wesen nach der unteilbare Leib Christi ist.
 Haltet fest aneinander! Wir können Paulus und seine eindringliche Mahnung
 wohl verstehen und wissen zugleich, daß diese Mahnung zu allen Zeiten
 christlicher Geschichte angebracht und nötig war. Warum ist es nur so
 schwer, zusammenzuhalten und eins zu sein im Reden und im Handeln? Christen
 wollen wir doch alle sein, und auf Christus wollen wir doch alle sein, und
 auf Christus wollen wir alle Hören, und mit Christus wollen wir alle Leben.
 Und doch bleiben so viele Wünsche offen. Evangelische und katholische
 Kirche stehen nebeneinander. Kleine Glaubensgemeinschaften bieten ein
 verwirrendes Bild. Und wir unter uns haben es auch nicht immer leicht. Es
 gibt Spannungen, offen und verdeckt. Zugleich gibt es die Bitte: Haltet
 fest aneinander. Wir werden nie alle einer Meinung sein. Und doch können
 wir versuchen, auch in Spannungen aneinander festzuhalten. Christus hält
 uns fest. Wir halten ihn fest. Das verbindet uns mit ihm und untereinander.
 Das gibt uns die Möglichkeit, einander festzuhalten.@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir dafür, daß du uns festhältst. Hilf uns, daß wir
 uns an dich halten und mit dir leben. Gib uns den Willen und die
 Möglichkeit, mit Christen und Nichtchristen im Frieden zusammenzuleben.
 Amen.@{ub}



@{i}                        1.Korinther 1,10-17@{ui}

@{b} Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn:
 Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines
 Sinnes und einer Meinung.@{ub}   1.Korinther 1,10 (EÜ)

 Es ist ja ganz beruhigend und entlastend, daß diese Mahnung an die Brüder
 (und natürlich auch Schwestern) notwendig wurde schon in den allerersten
 Tagen der christlichen Gemeinde. Da gab es drei oder vier Prediger in
 Korinth, und schon gab es Streit und die Gefahr der Spaltung der Gemeinde.
 Dabei erzählten sie alle von Jesus,seinem Leben und Sterben, von seinem
 Glauben an den Vater, der Hoffnung auf das kommende Reich Gottes und von
 seinem Ruf in die Nachfolge. Aber darüber, was die Nachfolge auf dem Weg
 Jesu im Lebensalltag bedeutet, was sie an Entscheidungen und Taten
 erfordert, darüber läßt sich streiten. Und darüber ist auch gestritten
 worden von Anfang an. Sicher hatte Paulus die Hoffnung, die eine Taufe auf
 den Namen Jesu Christi und das Bekenntnis zu ihm könne die Gemeinde
 zusammenhalten. Er wäre entsetzt gewesen, hätte er immer wieder mal einen
 Blick auf die Geschichte der Kirche, der inzwischen so vielen Kirchen,
 werfen können. Und er hätte seine Fragen gestellt wie damals in Korinth:
 Wer maß sich da eigentlich so viel Autorität an, daß er die eigene Lehre
 über die Worte Jesu stellt? Oder: Wem folgt ihr eigentlich alle nach,
 irgendeinem Prediger oder Jesus Christus?
 Ich denke, daß müssen wir uns auch heute bei allem Streiten um die richtige
 Lehre immer wieder fragen lassen: Auf wessen Weg folgen wir? Ist es der Weg
 Jesu, der uns Orientierung ist? Die Mahnung zusammenzuhalten hat seit
 damals von ihrer Gültigkeit nichts verloren. Ich denke, auch Paulus würde
 es als ein Hoffnungszeichen erkennen, daß heute Christen unterschiedlicher
 Konfessionen nach einem gemeinsamen Weg suchen. Um der Weltverantwortung
 willen fragen Christen über alle Grenzen hinweg nach dem Verbindenden, und
 im Namen Jesu setzen sie sich ein für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung
 der Schöpfung.@{b}

 Bruder Jesus Christus, laß in deinem Namen uns Christen wieder näher
 zusammenfinden auf einem, auf deinem Weg. Amen.@{ub}
                                                       Martina Gern


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 1c" "1.Korinther 1,18-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                        1.Korinther 1,18-25@{ui}

@{b}                           Eine Torheit?@{ub}

 Was wir reden soll Sinn haben. Was wir hören, soll in Ordnung sein. Mit
 ungereimtem Zeug wollen wir nichts zu tun haben. Andere wollen das auch
 nicht. Nur stellen sich sehr schnell Fragen ein: Was ist in Ordnung, also
 sinnvoll? Was ist ungereimt, also töricht? Wo liegen die Maßstäbe, nach
 denen wir beurteilen, also unterscheiden können? Weithin gilt: Was
 gesprochen wird muß einleuchten. Was behauptet wird, muß beweisbar sein.
 Wir wollen das nicht in Zweifel ziehen. Wir wollen aber auch nicht meinen,
 dies sei der Weisheit letzter Schluß.
 Die Rede von Christus unterliegt anderen Maßstäben. Und doch ist sie Rede
 höchsten Wertes. Das Wort vom Kreuz mag für Außenstehende ungereimtes Zeug
 sein, für uns ist es die gute Nachricht, die uns glücklich macht. Das gilt
 nicht nur für die Mitteilungen vom Leben und Wirken und Reden des Mannes,
 den wir unseren Herrn nennen. Das gilt von der Predigt, die ihn zum Thema
 hat, die von der Liebe berichtet und davon, daß er uns zu Gottes Kindern
 macht und mit Gott und unter seinem Schutz und unter seiner Anleitung leben
 läßt. Einleuchtend ist das alles nicht, und beweisbar ist es auch nicht.
 Deshalb haben wir es oft schwer, unsere Sache zu vertreten. Und doch wissen
 wir, was uns diese Sache, die die Sache Jesu Christi ist, bedeutet. Deshalb
 sind wir dabei. Wir hören, und wir reden. Es ist die gute Nachricht von er
 Liebe, die uns begegnet. Es ist das Wort, das seine Kraft an uns erweist.
@{b}
 Lieber Herr! Laß uns erkennen, wie wertvoll dein Wort für uns ist und wie
 es uns hilft, im Leben zu bestehen. Laß uns durch dein Wort immer enger mit
 dir verbunden werden. Laß uns dein Wort hören und bewahren. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Korinther 1,18-25@{ui}

@{b} Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten: Für Juden ein empörendes
 Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie
 Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.@{ub}
 1.Korinther 1,23-24 (EÜ)

 Es muß schockierend gewesen sein für die Menschen in Korinth, in diesem
 Brief zu lesen, wie Paulus alles auf den Kopf stellt. Was Weisheit ist,
 soll Torheit sein? Die Einsicht der Verständigen soll unbrauchbar gemacht
 werden? Als frohe Botschaft und Gottes Kraft verkündigt Paulus das Wort vom
 Kreuz. Für die frommen Juden muß das ein Skandal sein. Der Schöpfer und
 Herr der Welt ist am Kreuz gescheitert? Für die weisen Griechen ist es
 schlichter Unsinn. Wie kann das Scheitern Gottes das Leben der Menschen
 retten? Das ist gegen jede Logik. Aber einige haben sich eingelassen auf
 das Geheimnis Gottes. Die, die ganz unten angekommen sind, die das Kreuz
 tragen, die das Kreuz Jesu aushalten, die erleben Gottes Kraft und Weisheit
 und vor allem seine große Liebe. Weil Gott die Menschen liebt, ist er ihnen
 so tief hinab entgegengekommen. Aus Liebe gibt er seine Stärke auf um im
 Scheitern den Schwächsten nahe zu sein. Gott ist der ganz andere. er ist
 bei den Verlierern. Auch heute erleben Menschen in Not, die Verlierer
 unserer Tage, Gott als den ganz nahen, als Bruder, der die Last tragen
 hilft weil er selbst gescheitert ist. Manchmal ist der Verlierer-Gott für
 uns eine Herausforderung. Da, wo wir selbst gewinnen wollen, wünschen wir
 den starken Gott als Partner an unserer Seite. Auch da, wo wir das Leiden
 an unserer Wirklichkeit nicht aushalten, uns mit Träumen und falschen
 Hoffnungen eine Scheinwelt bauen, um uns am Kreuz vorbeizudrücken, da
 wünschen wir uns den starken Gott, der von außen eingreift, die Welt in
 Ordnung zu bringen. So verleugnen wir den Tod Jesu und verraten Gottes
 Liebe, die uns freimachen will von unseren Ansprüchen, stark und perfekt
 sein zu müssen. Von dem gedemütigten und gefolterten Jesus sagen sie:
 Sehet, welch ein Mensch! Er ist unser Bruder und Gott mit ihm.@{b}

 Gott, hilf uns, das Kreuz nicht zu verleugnen, sondern Leiden auszuhalten.
 Hilf uns, im Leiden deine Nähe zu finden und das Gesicht Jesu in den
 Gesichtern der ärmsten und geplagtesten Schwestern und Brüder.@{ub}
                                                      Martina Gern


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 1d" "1.Korinther 1,25-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 1,25-31@{ui}

@{b} Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige,
 nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt.
@{ub} 1.Korinther 1,26b-27a (EÜ)

 So beschreibt Paulus seine geliebte Gemeinde in Korinth, jene Gemeinden,
 die auf seine Predigt zurückgeht, mit der er mehr Konflikte Hatte als mit
 allen anderen, aber an der sein Herz doch auch mehr hing.
 Und obwohl er sie mit seinen Worten loben und trösten will, schreibt er den
 Korinthern doch keine billigen Komplimente. Gerade weil er nicht immer "ein
 Herz und eine Seele" mit der Gemeinde war, sondern weil er Streit mit den
 Korinthern hatte, und gerade weil die Korinther auch im Apostel Paulus
 keineswegs nur den großen Missionar und Lehrer sahen, sondern weil sie den
 Menschen Paulus mit seinen Fehlern und Schwächen kannten, darum wohl
 klingen das Lob und der Trost des Paulus so paradox. Gerade darum aber
 enthalten sie auch so viel Ermutigung.
 "Epiphanias", "Tag der Erscheinung des Herrn" -ausgerechnet an diesem
 Freuden- und Triumphfest der Kirche erinnert uns Paulus unüberhörbar daran,
 wen wir feiern: ein kleines Kind, einen Juden aus Israel, machtlos und
 gering. Diesen hat Gott erwählt, all denen zum Trost, die keine Macht
 haben, nicht vornehm sind, sondern die ganz allein auf ihn angewiesen sind.
                                                         Gedicht
@{b}               Gottes Rat war uns verborgen,
                   seine Gnade schien uns nicht;
                   Klein und Große mußten sorgen,
                   jedem fehlt' es an dem Licht,
                   das zum rechten Himmelsleben
                   seinen Glanz uns sollte geben.
                   Aber wie hervorgegangen
                   ist der Aufgang aus der Höh,
                   haben wir das Licht empfangen,
                   welches so viel Angst und Weh
                   aus der Welt hinweggetrieben,
                   daß nichts Dunkles übrig blieben.@{ub}
                   (EKG 51,2-3)
                                                       Ulrike Berger


@ENDNODE

@NODE "1.Korinther 1e" "1.Korinther 1,26-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 1,26-31@{ui}

@{b}                       Von Gott erwählt@{ub}

 Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wir kennen das. Die Entscheidung fällt uns
 oft schwer, besonders, wenn es sich um zwei einigermaßen gleichwertige
 Möglichkeiten handelt. Gott hat seine Wahl vollzogen, meint Paulus. Er hat
 erwählt. Seine Wahl fiel auf sie, die Christen in Korinth. Dabei hat er
 sich nicht für die nach gängigen Maßstäben bessere Möglichkeit entschieden,
 für die Klugen, Tüchtigen, Einflußreichen, die es sicher auch in Korinth
 gab. Entschieden hat er sich für die andere, nach gängigen Maßstäben
 schlechtere Möglichkeit, für die Ungebildeten, Schwachen, die kleinen
 Leute. Die, die selber nichts vorzuzeigen haben, erwählt Gott. Sie ruft er,
 führt sie zusammen in seiner Gemeinde, läßt sie Brüder und Schwestern des
 Christus sein. Nun gelten sie etwas, nun können sie stolz sein, stolz
 darauf, daß Gott sie erwählt hat. Wir erinnern uns an Jesus und an seine
 Art, mit den Menschen umzugehen. Wenn wir die Evangelien durchsehen,
 erkennen wir leicht: Die Einflußreichen hielten sich in ihrer Mehrzahl von
 ihm fern. Ganz anders stand es mit den Schwachen, den Ratlosen, den
 Abseitigen. Als Helfer ist Jesus gekommen. Als Helfer hat er sich ihnen mit
 all seiner Liebe zugewandt. So wurde er zum Freund derer, die selbst nichts
 bringen konnten. So brachte er all das Gute, das sein Vater ihm mitgegeben
 hatte. So zieht er uns heute in seine Nähe, macht uns froh und seine Nähe
 und läßt uns als Brüder und Schwestern beieinander sein. Es geht nicht um
 das, was wir bringen. Um ihn geht es, um seine Wahl. Wir sind stolz darauf.
@{b}
 Lieber Herr! Du hast uns angenommen. Nun dürfen wir zu dir gehören. du hast
 uns erwählt und in deine Nähe gezogen, obwohl wir uns durch nichts
 empfehlen können. Wir danken dir dafür, daß wir vor dir etwas gelten. Amen.
@{ub}

@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 2a" "1.Korinther 2,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 2,1-5@{ui}

@{b}                         Jesus allein@{ub}

 Die Fülle des Gebotenen kann verwirren; am Ende weiß man gar nicht mehr,
 worum es ging. In der Beschränkung zeigt sich der Meister. Ein Thema,
 überlegt dargeboten, kann den Hörer fesseln. Paulus zeigt sich als Meister
 seines Fachs, als Meister in der Beschränkung, als Meister der
 Konzentration auf ein Thema. Jesus allein; Jesus Christus, der Gekreuzigte.
 Das ist sein Thema, von dem er sich nicht abbringen läßt. Die Versuchung
 lag nahe, sich Modeströmungen der Zeit im Reden und Argumentieren
 anzuschließen. Weisheit stand hoch im Kurs, Bildung galt etwas; wer von
 diesen Boden her sprach, konnte mit Wohlwollen rechnen. Nur, was nützt das
 Wohlwollen, wenn darüber das Thema gefährdet wird? Falsche Wege sind
 verbotene Wege. Ein Reden, das dem Thema nicht entspricht, ist verboten,
 mag es auch im Geschmack der Zeit noch so weise, geistreich und
 einleuchtend sein. Unser Thema heißt: Jesus allein; Jesus Christus, der
 Gekreuzigte. Wir haben allen Grund, uns daran zu erinnern, daß dies unser
 Thema ist. Alles Reden der Christenheit ist daran zu messen, ob es diesem
 Thema gilt. Das heißt nicht, daß nur von Jesu Leben zu sprechen ist oder
 von seinen Worten oder von seinem Tod am Kreuz.
 Von Ostern ist zu sprechen, vom neuen Leben des Gekreuzigten. Davon ist zu
 sprechen, daß er bei uns ist und unseren Weg mit uns geht. Von seinen
 Zusagen ist zu reden und von seinen Erwartungen. Es ist zu überlegen, was
 das für uns bedeutet und welche Konsequenzen zu ziehen sind. Aber zuerst
 und vor allem ist von ihm zu reden, von Jesus Christus, dem Gekreuzigten.
@{b}
 Lieber Herr! Du hast für uns gelebt. Du bist für uns gestorben. Du gibst
 uns dein Wort. Du lebst mit uns. Darüber dürfen wir reden. Dafür danken wir
 dir. Wir bitten dich: Bleib du im Mittelpunkt unseres Dankens und Redens.
 Amen.@{ub}


 @{i}                       1.Korinther 2,1-5@{ui}

 @{b} Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer
 Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.@{ub} 1.Korinther 2,2 (EÜ)

 Paulus kennt seine "Pappenheimer" in Korinth. Er weiß, daß die Menschen
 dieser Weltstadt, dieser offenen Handelsstadt so schnell nicht zu
 erschüttern sind, daß sie auch so schnell nicht zu begeistern sind. Die
 Menschen in Korinth sind keine Provinzler, sie kennen sich aus.
 Gerade darum hat Paulus gar nicht erst versucht, den Korinthern durch
 überragende Weisheit oder glänzende Beredsamkeit zu imponieren. Dieses
 Schauspiel kennen sie längst, daß alle möglichen Philosophen und Prediger,
 Sektenführer und Weltverbesserer auf den Plätzen Korinths ihre "Ware"
 anbietet.
 Dagegen Paulus: unscheinbar und wohl auch körperlich nicht ganz gesund,
 ohne große Rhetorik, ohne Glanz und "Austrahlung".
 Aber dieser schwache Mensch hat eine Gemeinde gegründet, hat Anhänger
 gefunden, die seinen Worten vertrauen und dem glauben, was er sagt. Es
 liegt nicht an ihm: "nichts außer Jesus Christus, und zwar als dem
 Gekreuzigten". Daher die Kraft, daher die Überzeugung, daher das Vertrauen.
                                                     Gedicht
@{b}              Du bist ein großer König,
                  wie uns die Schrift vermeldt,
                  doch achtest du gar wenig
                  vergänglich Gut und Geld,
                  prangst nicht auf stolzem Rosse,
                  trägst keine güldne Kron,
                  sitzt nicht im steinern Schlosse:
                  hier hast du Spott und Hohn.@{ub}
                  (EKG 49,3)                        Ulrike Berger


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 2b" "1.Korinther 2,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 2,1-10@{ui}

@{b}                  Die Herrlichkeit der Christen@{ub}

 In der Epiphaniaszeit stehen wir noch im Glanz des Sternes von Bethlehem
 und hören viel von der "Herrlichkeit" Jesu Christi. Dieses Wort kann man
 auch mit "Glanz" oder "Schein" oder "Erhabenheit" übersetzen. Johannes
 berichtet uns am Anfang seines Evangeliums (Kap.1,14): "Wir sahen seine
 Herrlichkeit." Nun gehen wir aber bald auf die Passionszeit zu. Können wir
 die "Herrlichkeit Jesu" und "Jesus, den Gekreuzigten" zusammensehen? Paulus
 konnte es. In unserem Predigttext ist von beiden die Rede, und Paulus gibt
 sich Mühe, der Gemeinde in Korinth das klarzumachen. Jesus gibt seine
 Herrlichkeit dran, um am Kreuz der Welt Heil und Rettung zu bringen und
 damit auch die Herrlichkeit, die er selber hat und die am Auferstehungstag
 Jesu seinen Jüngern wieder voll entgegenstrahlt.
 Auch wir sollten uns immer wieder vor Augen halten, daß der Mann am Kreuz
 der Herr der Herrlichkeit ist und der von den Menschen Verworfene der
 Retter der Welt. Das kann man allerdings nur begreifen, wenn Gott selber
 einem die Augen des Glaubens öffnet. "Menschliche Weisheit" ist dazu nichts
 nütze, den Klugen dieser Welt bleibt es verborgen, aber seine Gemeinde darf
 es erkennen. Hätten die Menschen zur Zeit Jesu das erkannt, hätten sie den
 "Herrn der Herrlichkeit" dann wohl auch gekreuzigt? Nun geht es aber bei
 dieser Frage nicht nur um längst Vergangenes, sondern um uns und unsre
 Gegenwart. Es geht um "die Herrlichkeit der Christen".
 Haben wir den Vers 7 richtig gelesen bzw. gehört? Wie soll denn unsere
 Herrlichkeit sein und zum Ausdruck kommen? Vielleicht in unserem
 persönlichen Leben oder in der Existenz der christlichen Gemeinde? Auch das
 können wir nur durch den Geist Gottes begreifen, daß der Herr der
 Herrlichkeit der Mann am Kreuze ist und die christliche Gemeinde ihrem
 Herrn in ihrer Armut und Schwachheit auf dem Kreuzesweg folgt und dabei
 gleichzeitig ihrer eigenen Herrlichkeit berufen, sie gehört uns, sofern wir
 zu dem gehören, der Herrlichkeit und Kreuz in seinem Erdenleben vereint
 hat. Wir dürfen mit ihm durch Wort und Sakrament verbunden sein, der uns
 erlaubt hat zu beten: "Dein ist das Reich und die Kraft und die
 Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen."@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du um unseretwillen die
 Herrlichkeit deines Vaters verlassen hast, um unser Bruder zu werden, uns
 zu retten von Sünde und Tod und uns zu Kindern deines Vaters zu machen. Laß
 uns dir glauben und vertrauen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 2c" "1.Korinther 2,6-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 2,6-9@{ui}

@{b}                          Verborgen@{ub}

 Heimlichtuerei mögen wir nicht. Daß manches verborgen bleibt, verstehen
 wir. Man kann nicht jedem alles sagen. Nicht jeder kann alles verkraften.
 Aber das kann es geben, daß bestimmte verborgene Werte unsere Neugier
 anstacheln und uns zu Schatzsuchern werden lassen. Und auch das kann es
 geben, daß der, der Schätze im verborgenen hält, das Seine ganz oder
 teilweise ans Licht bringt und anderen übergibt.
 Das heißt: Was verborgen ist, muß nicht in jedem Fall verborgen bleiben.
 Eben das zeigt sich im Wirken des Paulus, im Umfeld seines Wirkens, im
 Zusammenhang mit Christus, von dem zu reden ist. Gottes Weisheit war eine
 heimliche, verborgene Weisheit. Das hat sich geändert. Den Schleier gibt es
 nicht mehr. Zumindest sind nicht mehr alle von dem, was bisher verborgen
 war, ausgeschlossen. Wir dürfen wahrnehmen, sehen, erkennen. Auf
 menschliche Weisheit will Paulus nicht bauen. Sie kann keine Grundlage für
 sein Mühen, sein Reden sein. Alles liegt an Gottes Weisheit, Gottes Plänen,
 Gottes Zielen, Gottes Handeln. Alles liegt an dem Christus, der nach Gottes
 Plan über diese Welt ging und als der Auferstandene und Lebendige gemäß
 göttlicher Kraft in dieser Welt geblieben ist. Alles liegt daran, daß wir
 mit diesem Christus leben und sein Liebevolles Wirken annehmen. Nur,
 mühelos erkennbar oder gar aufweisbar ist dies alles nicht. Ein Stück
 Verborgenheit liegt über dem Ganzen. Gut wenn der Schleier gelüftet wird.
 Gut auch, wenn wir die Rolle des Schatzsuchers übernehmen. Es ist herrlich,
 wenn uns die verborgene Weisheit Gottes offenbar wird.@{b}

 Lieber Herr! Du hast deinen Sohn in die Welt gegeben und willst uns
 deutlich machen, wie gut du es mit uns meinst. Dafür danken wir dir. Laß
 uns auf dein Wort hören und hilf uns dazu, dich immer besser zu erkennen.
 Amen.@{ub}


@{i}                   1.Korinther 2,6-9@{ui}

@{b} Und doch verkündigen wir Weisheit...@{ub}  1.Korinther 2,6a (EÜ)

 Und doch!" Wie mit einem Paukenschlag, mit einem kräftigen "trotz alledem
 und alledem" fährt Paulus fort. Nach Furcht und Zittern, Ohnmacht und
 Schwäche, Elend und Erniedrigung (des Apostels? seines Herrn? beider
 gemeinsam?): Und doch - Weisheit!
 Weisheit, Vollkommenheit, enthülltes Geheimnis, Herr der Herrlichkeit, das
 Große, das Gott vorbereitet hat, so lauten die wichtigsten Worte des
 heutigen Abschnittes. Allerdings bleibt der Paukenschlag gedämpft; der Weg
 verborgen, von den Mächtigen nicht erkannt, ein Geheimnis, das den
 natürlichen "Augen", den Fähigkeiten des Menschen zum Erkennen, nicht
 sichtbar geworden ist und nicht erkennbar werden wird. Warum auch? "Die
 Herren dieser Welt werden kommen und gehen - unser Herr kommt!" so hat es
 Martin Niemöller ausgedrückt. Die Macht der Starken, all dies wird
 vergehen. Sie zählen nicht, jedenfalls nicht vor Gott - und darum auch
 nicht in der Gemeinde Gottes. Gott steht auf Seiten der Schwachen. Die
 Starken brauchen ihn nicht - und er braucht die Starken nicht. Aber den
 Kleinen, den Unterdrückten,den Unbedeutenden, den Sklaven und
 Ausgebeuteten, denen hat er sich und sein Geheimnis offenbart.
                                                      Gedicht
@{b}            Von Gott kommt mir ein Freudenschein,
                wenn du mich mit den Augen dein
                gar freundlich tust anblicken.
                O Herr Jesu, mein trautes Gut,
                dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut
                mich innerlich erquicken.
                Nimm mich freundlich in dein Arme,
                Herr, erbarme dich in Gnade;
                auf dein Wort komm ich geladen.@{ub}
                (EKG 48,4)                              Ulrike Berger


@ENDNODE

@NODE "1.Korinther 2d" "1.Korinther 2,10-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 2,10-16@{ui}

@{b}                    Was uns geschenkt ist@{ub}

 Was wird uns geschenkt? Was wurde uns geschenkt? Überlegen wir doch einmal.
 Dann erkennen wir sofort: Es ist unmöglich, alle Geschenke aufzuzählen, die
 wir im Lauf der Jahre erhalten haben. Vielleicht erkennen wir auch, daß das
 Wichtigste im Leben uns geschenkt worden ist und geschenkt wird: Liebe und
 Vertrauen und Begabung und Lust zur Arbeit und Freude am Leben mit denen,
 die uns lieb sind. Und schließlich können wir wissen, was uns von Gott
 geschenkt ist.
 Daß wir uns nicht falsch verstehen: Der Blick richtet sich nicht mehr auf
 uns allein; er richtet sich in die Weite, auf alle also, auf die
 Menschheit. In diesem Sinn fragen wir danach, was uns von Gott geschenkt
 ist. Die Antwort wird von Bethlehem ausgehen. "Also hat Gott die Welt
 geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab." Sie wird von Nazareth
 sprechen und Kapernaum und Jericho und Jerusalem. Und immer wieder wird der
 Name Jesu genannt werden. Er ist uns geschenkt, von der Krippe bis zum
 Kreuz, von der Geburt bis zu Tod und Auferstehung. Und weiter wird der Name
 Jesu genannt. Er wird uns geschenkt als Freund und Bruder, als Helfer und
 Begleiter auf unseren Weg. Er ist bei uns. Nun wird das Helle noch heller,
 und es wird möglich, das Schwere zu tragen. Wir können wissen, was uns von
 Gott geschenkt wird. Wer Christ ist, weiß das. Allerdings,
 selbstverständlich ist dies Wissen nicht. Es ist Geschenk, vermittelt durch
 den Geist Gottes, also Gabe Gottes an uns, seine Kinder. Damit können wir
 leben. Das hilft uns im Durcheinander der Meinungen. Gott sei Dank für
 seine guten Gaben!@{b}

 Lieber Herr! Du hast deinen Sohn in die Welt gesandt. Du läßt ihn bei uns
 sein und mit uns gehen auf unserem Weg. Wir erkennen darin dein Geschenk
 für die Menschheit, für uns. Wir danken dir. Amen.@{ub}


@{i}                         1.Korinther 2,10-16@{ui}

@{b} So erkennt auch keiner Gott - nur der Geist Gottes. Wir aber
 haben...den Geist, der aus Gott stammt.@{ub} 1.Korinther 11-12 (EÜ)

 Endlich kommt Paulus "zur Sache". Die Schwachheit des Apostels; die
 unbegreifliche Entscheidung Gottes, sich in einem Kind zu offenbaren; die
 Nähe der Kleinen zur Erkenntnis Gottes - all das hat mit dem Geist zu tun
 der aus Gott stammt.
 "Der Geist Gottes schwebte über die Tiefe", so heißt es zu Anfang der
 Schöpfungsgeschichte. Dieser Geist Gottes (der im Hebräischen feminin ist,
 also "die Geistin", die weibliche Seite Gottes) ist von Anfang an dabei,
 wenn Gott handelt. Und er begleitet die Taten Gottes an den Menschen; im
 Geist werden Menschen zu Mit-Tätern Gottes.
 Allerdings: Dieser Geist ist wie Gott selbst. Nicht mit Macht und Gewalt
 zwingt er uns, ihm zu glauben. Nicht mit List und Tücke manipuliert er die
 Menschen, Gott als Gott zu erkennen. Nein, er duldet es, daß Menschen Herz
 und Sinne vor ihm verschließen und ihn abweisen, denn er "ist den Schwachen
 mächtig". So hilft uns dieser Geist Gottes, mit unseren Schwächen zu leben,
 uns als Menschen zu erkennen, die Gott nötig haben.
                                                      Gedicht
@{b}            Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist,
                besuch das Herz der Menschen dein,
                mit Gnaden sie füll, denn du weißt,
                daß sie dein Geschöpfe sein.@{ub}
                (EKG 97,1)                     Ulrike Berger


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 2e" "1.Korinther 2,12-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 2,12-16@{ui}

@{b}                     Wir haben Christi Sinn@{ub}

 Pfingsten ist, wenn man es einmal so sagen darf, das christlichste unter
 den großen Festen. Die Botschaft von der Ausgießung des Heiligen Geistes
 sperrt sich gegen die Einordnung in das Allgemeinmenschliche, wie es mit
 Weihnachten geschieht, oder in den Kreislauf der Natur, wie es zu Ostern
 der Fall ist. Pfingsten ist das Fest, das sich nicht von selbst versteht.
 Man merkt es auch an den Besucherzahlen. Denn der Heilige Geist, von dem
 heute die Rede ist, ist gerade nicht der Geist, den wir aus uns selbst
 haben, wie geistvoll, geistreich oder begeistert wir auch sein mögen.
 Insofern bedeutet Pfingsten auch eine Verlegenheit für den Prediger. Doch
 die Verlegenheit hängt mit der Sache zusammen. Pfingsten nötigt uns zur
 Aufdeckung eines Defizits: Wir haben ihn nicht, den Heiligen Geist, wie ihn
 auch die Jünger nicht besaßen, die sich im Tempel zusammenfanden, ohne zu
 wissen, wie es weitergehen sollte. Aber gerade unsere Verlegenheiten sind
 Gottes Gelegenheiten. Der Heilige Geist ist der Geist, der zu uns kommen
 muß, damit wir ihn haben. Deshalb beten wir: "Komm, Heiliger Geist."
 Paulus hat das sehr genau gewußt. er kannte seine eigenen Verlegenheiten
 und Schwachheiten viel zu gut, um sich auf seinen Geist, seine Weisheit zu
 verlassen. Aber seine Gemeinde in Korinth folgte ihm darin nicht ohne
 weiteres. Sie war dazu erzogen, der Vernunft zu folgen und der Weisheit zu
 vertrauen, darin uns ganz ähnlich, die wir gelernt haben, alles zu
 berechnen und durchschaubar zu machen, Programme zu entwerfen und Pläne
 aufzustellen, um den Gesetzmäßigkeiten in Natur und Geschichte auf die Spur
 zu kommen. Eines merken wir jetzt aber auch: Glück läßt sich nicht in
 Formeln fassen, Segen nicht kaufen, Liebe nicht erzwingen. Wir bleiben
 angewiesen auf das, was uns einfällt, machen überraschende Erfahrungen, an
 die wir vorher nie geglaubt hätten, entdecken Wege, wo alles unwegsam
 schien. Aus dieser anderen Wirklichkeit lebte Paulus, lebt die Kirche -
 auch heute. Diese andere Wirklichkeit nennen wir mit Paulus "Geist aus
 Gott", und weil wir ihm am klarsten in Jesus Christus begegnen, sagen wir
 "Christi Sinn" dazu. Das bedeutet: Pfingsten ist das Fest des Geistes, den
 wir nicht aus uns selbst haben, sondern der uns geschenkt ist in Christus -
 in ihm allein.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Wir danken dir für die überraschenden Erfahrungen,
 die wird in der Nachfolge Jesu Christi machen dürfen. Schenke uns deinen
 guten Geist, damit wir aus der Kraft der Liebe leben. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 3a" "1.Korinther 3,1-4"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 3,1-4@{ui}

@{b}                   "Ihr seid noch fleischlich"@{ub}

 Wie kann man einen Menschen richtig beurteilen? Es gibt hierfür sehr
 unterschiedliche Gesichtspunkte. Der eine fragt nach dem Grad der Klugheit
 oder dem Aussehen, der andere mehr nach dem Charakter. Für Paulus ist die
 Frage entscheidend, ob jemand ein "geistlicher" oder ein "fleischlicher"
 Mensch ist. Was ist damit gemeint? "Das ist ein geistlicher Mensch." Bis
 heute bedeutet es unter Christen viel, wenn ein solches Urteil abgegeben
 werden kann. Es will sagen, daß ein Mensch sich vom Heiligen Geist leiten
 läßt. Das Gegenteil wird mit dem Wort "fleischlich" bezeichnet. Damit meint
 das Neue Testament unser Verfallensein an die Dinge dieser unerlösten Welt.
 Es ist ein hartes Urteil, wenn der Apostel hier den Korinthern sagen muß,
 daß sie noch "fleischlich" seien. Er wendet sich doch an getaufte
 Gemeindeglieder, die vom Geiste Gottes nicht völlig unberührt sein können.
 So ganz vernichtend kann sein Urteil wohl nicht sein, wenn er sich zugleich
 als "unmündige Kinder in Christus" bezeichnet, die noch keine feste Speise
 vertragen. Sie sind halt völlige Anfänger, die einer behutsamen Hinführung
 zum christlichen Glauben bedürfen. Besonders bedenklich ist die Art, wie
 sie sich an bestimmte Personen binden, was den Parteienstreit in der
 Gemeinde fördert. Wie ist es schon "geistlich"? Es wäre gefährlich, wenn
 wir uns einbilden wollten, keine Anfänger mehr zu sein. Aber nicht weniger
 schlimm wäre die mangelnde Zuversicht, daß der Heilige Geist an uns
 arbeiten will.@{b}

 Herr, wir danken dir für die Zusage an deine Gemeinde, daß du sie durch
 deinen Geist leiten willst. Wir bekennen vor dir, daß von geistlichem Leben
 unter uns noch wenig zu merken ist. Laß uns wachsen im Glauben. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 3,1-4@{ui}

@{b} Ihr seid immer noch irdisch eingestellt.@{ub} 1.Korinther 3,3 (EÜ)

 Lieber Apostel Paulus, vielen Dank für deinen Brief. Wie immer schreibst du
 mit großer Weisheit. Aber manchmal bist du, wie schon damals einer deiner
 Mitstreiter gesagt hat, schwer zu verstehen (2.Petrus 3,16). Was hast du
 dagegen, daß wir irdisch eingestellt sind? Gott hat uns aus Erde gebildet.
 So sind wir. Irdisch. Und er hat uns die Erde anvertraut. Sie ist unser
 Lebensbereich und das Feld unserer Bewährung. Oder?
 Aber ich sehe schon! Du meinst etwas anderes nämlich daß es bei uns noch
 Eifersucht und Streit gibt. Aber auch hier möchte ich dich fragen: Gibt es
 nicht auch einen guten und notwendigen Streit? Das Ringen um die Wahrheit
 des Evangeliums und um den Weg der Kirche in der Zeit. Wie beim
 Apostelkonzil (Apostelgeschichte 15) und beim letzten Vatikanum, bei
 Synoden und Beratungen der Gemeinde. Und natürlich in der Familie, am
 Arbeitsplatz.
 Irdisch eingestellt. Du meinst wohl den Streit, der aus Eifersucht und
 Ehrgeiz, aus Neid und ähnlichen Motiven hervorgeht. Wie damals in Korinth.
 Wo es um sehr menschliche, allzumenschliche Gruppeninteressen und
 Rivalitäten ging, um persönliche Eitelkeiten und Eifersüchteleien: Ich
 halte es mit Paulus, ich mit Apollos, ich mit... Du hast recht. Das paßt
 nicht zum Geist, mit dem Christus uns beschenkt hat. Wenn wir uns von
 seinem Geist erfüllen und bewegen lassen, müssen solche "Kindereien"
 sterben. Der Geist Christi schenkt Freude an allem Guten, wo immer es sich
 findet, bei uns selbst und bei anderen. er ist der Urheber aller Charismen
 in der Kirche, und er will ihre Verträglichkeit im Leibe Christi.@{b}

 Herr Jesus Christus, du hast allen, die an dich glauben, den Heiligen Geist
 gesandt und sie als Glieder deines Leibes in der Kirche miteinander
 verbunden. Erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit über die gaben, die du
 einem jeden von uns für alle geschenkt hast. So wird keine Mißgunst uns
 trennen. Amen.@{ub}
                                                        Dirk Grothues


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 3b" "1.Korinther 5-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 3,5-8@{ui}

@{b}                    Gott gibt das Gedeihen@{ub}

 Es ist so geordnet, daß Gott durch Menschen wirken will. Sie sind seine
 Mitarbeiter. Unterschiedlich wie die gaben sind auch die Aufgaben. Zum
 Aufbau einer Gemeinde werden Menschen der verschiedensten Art benötigt. Wie
 schlecht wären wir dran, wenn alle die gleiche einseitige Begabung hätten.
 Die Unterschiedlichkeit der Menschen kann Spannungen mit sich bringen,
 bedeutet aber eine Bereicherung. Da ist es unsinnig, den einen gegen den
 anderen hervorheben zu wollen. Es hat schon viele Gemeinden gegeben, in
 denen diese Neigung zu einer bösen Gefährdung des Zusammenhalts geführt
 hat.
 So war es auch bei den Korinthern. Die einen beriefen sich auf Paulus, die
 anderen auf Apollos. Dabei waren diese beiden Männer keineswegs Gegner,
 vertraten auch keine gegensätzliche Lehre. Die Spaltung kam aus dem Hang
 der Gemeindeglieder, sich mehr an eine Person als an die Sache des Herrn zu
 binden. Darum muß Paulus so stark betonen, daß er und seine Mitarbeiter
 Diener sind, die einen genauen und begrenzten Auftrag durchzuführen haben.
 Paulus hat gepflanzt; er hat die Gemeinde gegründet. Apollos hat begossen;
 er hat die Aufbauarbeit fortgesetzt. Beide Arbeiten sind gleich wichtig und
 werden dem, der treu gearbeitet hat, den verdienten Lohn einbringen. Das
 bedeutet aber nicht, daß menschliche Leistungen übermäßig zu verherrlichen
 sind. Letztlich liegt alles an Gott. Wo er nicht das Gedeihen gibt, bleibt
 alles umsonst.@{b}

 Vater im Himmel, wir vertrauen darauf, daß du jedem von uns Gaben geschenkt
 hast. Laß uns treu sein in dem, was du uns aufgetragen hast. Hilf, daß in
 unserer Gemeinde alle Kräfte gut zusammenwirken. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 3,5-8@{ui}

@{b} Und was ist Paulus?@{ub}   1.Korinther 3,5 (EÜ)

 Wir neigen dazu, uns miteinander zu vergleichen. Wir wollen wissen, wer der
 Stärkste, der Schnellste, der Beste ist. Auch unsere menschlichen
 Qualitäten schätzen wir ab: Charakterstärke, Einsatzbereitschaft,
 Überzeugungskraft, Durchsetzungsvermögen, Ausdauer. Bewußt oder unbewußt
 interessiert uns die Frage: Bin ich besser oder schlechter als andere?
 Solche Einschätzungsversuche sind bedenklich. Sie können zur Überschätzung,
 aber auch zur Unterschätzung der eigenen Person führen. Sie können uns
 verleiten, andere zu verachten - oder sie zu vergöttern.
 Paulus genoß bei den Christen von Korinth hohes Ansehen. Er hatte die
 Gemeinde gegründet. Später kam mit Apollos ein bibelkundiger und
 redegewandter Wanderapostel hinzu. Andere Christen in der gemeinde hatten
 Petrus gehört und waren von seiner Glaubenspredigt tief beeindruckt.
 Schließlich bildeten sich in Korinth "Fan-Clubs": Ich halte es mit Apollos,
 ich mit Paulus, ich mit Petrus! Das führt zu Streit und Mißhelligkeiten.
 Für Paulus war das ein Anlaß, von Ephesus aus an die Gemeinde von Korinth
 zu schreiben. "Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus?", so fragt er sich
 und die Leser seines Briefes. Dann weist er auf die allein entscheidende
 "Größe" in der Kirche hin: Christus! Verglichen mit ihm sind wir alle
 "Nichtse". Wenn wir etwas leisten, Erfolg haben, so wirken sich darin seine
 Gaben aus. Natürlich auch die Mühe, die wir uns geben, mit diesen Gaben zu
 wirken. Wer aber will beurteilen, welche Gaben ein anderer bekommen hat und
 wie groß sein bemühen ist? Wir sind gut beraten, wenn wir das Urteil Gott
 überlassen.@{b}

 Herr, du mich besser, als ich mich selber kenne. Und du kennst die anderen
 besser, als ich sie kenne. Laß mich das nie vergessen. Amen.@{ub}
                                                      Dirk Grothues


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 3c" "1.Korinther 3,9-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 3,9-15@{ui}

@{b}                     Baustelle des Lebens@{ub}

 Viele Besuchern Leningrads wird die Isaak-Kathedrale bekannt sein. Die
 Dolmetscher der Reisegruppen sprechen fast nur in Superlativen von ihr, sie
 sei die am reichsten und am prachtvollsten ausgestattete Kirche der Welt.
 Die glänzende Kuppel aus Dukatengold ist beständiger als jedes andere Dach.
 Vierhundert ausgesuchte Holzpfähle geben dem riesigen Bauwerk bis heute
 einen sicheren Halt. Ikonenbilder aus Mosaiksteinen bezeugen in bleibendem
 Glanz die Frömmigkeit der Orthodoxen Kirche. Beim Betrachten dieses Bildes
 wird deutlich, was Paulus der Gemeinde in Korinth sagen möchte. Die
 christliche Gemeinde ist ein reich ausgestatteter Bau zur Ehre Gottes.
 Viele arbeiten daran mit. Dabei achtet Paulus die Arbeit anderer. Einer
 kann dies gut, ein anderer jenes. Für Paulus gibt es dadurch keine
 Rangordnung unter den Mitarbeitern. Wichtig ist, was der Gemeinde
 weiterhilft. Nur eins steht fest: Der Bauherr hat das Fundament bereits
 gelegt. Nach dieser Grundlage muß sich der ganze Bau ausrichten. Jesus ist
 die Basis für unser Tun. dadurch werden unsere Handlungsmöglichkeiten nicht
 eingeengt. Vielmehr eröffnen sich auf einem solchen Fundament eine Vielzahl
 von Lebensmöglichkeiten. Werden wir dabei aber mehr leisten können, als ein
 paar Steine in den großen Bau Gottes einzufügen? Wird unser Glaube groß
 genug sein, die Vielfalt und Weiträumigkeit der Gemeinde zu begreifen?
 Paulus ist davon überzeugt, daß es einen Tag geben wird, an dem der Bau des
 Lebens seine Standfestigkeit erweisen muß. Paulus droht nicht. Kein Mensch
 wird verlorengehen, der auf Jesus gebaut hat. Und doch ist von Belang, was
 unsere Mitarbeit am Bau Gottes wert war. Haben wir das Haus Gottes fester
 und schöner bauen helfen oder muß alles wieder angerissen und von vorn
 begonnen werden? Die Bibel sagt uns jetzt schon deutlich genug, was zuletzt
 goldrichtig sein wird. Die Bergpredigt ist solch ein deutliches Wort. Wer
 darauf hört, hat nicht umsonst gebaut, sagt Jesus im Matthäusevangelium.
 Unser Leben bekommt einen Sinn. Vielleicht spannt sich dann das Dach des
 Glaubens in unsere Gemeinde so weit, daß es für Verzweifelte eine Hoffnung
 bietet. Vielleicht finden dann Traurige in unserer Mitte zu neuer Hoffnung.
@{b}
 Herr, wir bitten dich um festen Boden unter den Füßen, wo wir auszugleiten
 drohen, um ein Dach über dem Kopf, unter dem auch andere Platz finden, um
 Liebe im Herzen, die auch die fernen Schwestern und Brüder nicht vergißt.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 3d" "1.Korinther 3,9-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 3,9-17@{ui}

@{b}                    Ihr seid Gottes Tempel@{ub}

 Es gibt viele Bilder, um das Wesen der christlichen Gemeinde zu
 beschreiben: Das wandernde Gottesvolk, das Schifflein im Sturm, die Herde
 mit dem guten Hirten. Man kann die Gemeinde auch als einen Bau bezeichnen,
 in dem die Christen lebendige Steine sind. Das Gleichnis vom Bau läßt an
 verschiedene Deutungsmöglichkeiten denken. Sicher ist damit auch gemeint,
 daß wir tüchtige Bauleute sein sollen. Wenn nicht das richtige Baumaterial
 verwandt wird, hat das Werk keinen Bestand. Im Feuer des letzten Gerichtes
 wird sich zeigen, was gut und echt gewesen ist. Paulus betont hier aber
 nicht in erster Linie das Wirken der Bauleute, sondern die Tatsache, daß
 ein für allemal ein fester Grund gelegt ist: Jesus Christus. Er ist das
 Fundament der Gemeinde aller Zeiten, die unzerstörbare Grundlage unserer
 Gewißheit, Kinder Gottes zu sein. Nun kommt es darauf an, daß alle Arbeit
 der Bauleute diesem Fundament entspricht. So wächst der Tempel Gottes
 mitten in dieser Welt. Der Sinn eines Tempels ist es, Stätte der Gegenwart
 Gottes zu sein. Was man früher in einem Gebäude aus Steinen suchte, soll
 jetzt in einer Gemeinschaft von Menschen Gestalt gewinnen, in denen Gottes
 Geist wohnt. Damit ist etwas über das Gewicht unserer Verantwortung gesagt.
 Leben wir wirklich so, daß man es uns anmerkt, ein Tempel Gottes zu sein?
 Und was ist mit der Gemeinde als Stätte der Gegenwart des Herrn? Als Trost
 bleibt nur die Gewißheit, daß wir den festen Grund kennen, der uns immer
 tragen wird.@{b}

 Herr, du hast uns gewürdigt, Tempel deines Geistes zu sein. Du weißt, daß
 unser Leben oft mit Widerspruch dazu steht. Laß nicht ab von deiner Geduld
 mit uns. Hilf uns, Zeugen deiner Gnade zu werden. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 3,9-17@{ui}

@{b} Wir sind Gottes Mitarbeiter.@{ub}   1.Korinther 3,9 (EÜ)

 Gott ist immer schöpferisch tätig, und er ist immer in vollkommender Ruhe.
 Wenn die Bibel sagt, daß Gott am siebten Tag ruhte, will sie uns Menschen
 den Sinn des Sabbats nahebringen. Nicht Gott, sondern der Mensch braucht
 den Ruhetag, um sich auf den Ursprung und das Ziel seines Lebens zu
 besinnen. Um zu begreifen, was seine Arbeit bedeutet und welchen Sinn sein
 Leben hat.
 Gott ist mit seinem Schöpfungswerk noch nicht fertig. er ist dabei, einen
 neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen, in denen Gerechtigkeit wohnt
 (1.Petrus 3,13). Diese neue Schöpfung kommt nicht ohne den Menschen
 zustande. Wir sind als Mitarbeiter daran beteiligt, wenn wir die Welt nach
 Gottes Ideen verwalten und gestalten. Hier liegt unsere Aufgaben. Sehen wir
 sie? Wie gehen wir mit der Natur um? Wie gestalten wir unsere menschliche
 Beziehungen? Was machen wir beruflich aus unseren Talenten? Jeder hat vom
 Schöpfer einen bestimmten Zeitraum bekommen, einen "Spielraum". Um etwas zu
 tun, das sich lohnt und das sich sehen lassen kann.
 Um etwas hervorzubringen, das wert ist, in die neue Schöpfung aufgenommen
 zu werden, in die unvergängliche Stadt Jerusalem (Offenbarung 21,26). Wir
 sind Gottes Mitarbeiter. Wir sind eingeladen, an einem Projekt mitzubauen,
 dessen Architekt Gott ist und das Zukunft hat. Die Qualität dieser unserer
 Mitarbeit hängt mit davon ab, wie vertraut wir mit den Bauplänen Gottes
 sind und wieviel wir uns bei unserer Lebensarbeit von ihm beraten. Tun wir
 das, so geschieht folgendes: Während wir am Werk Gottes mitarbeiten,
 arbeitet er an uns. So werden wir Gottes Mitarbeiter und zugleich Gottes
 Bauwerk.@{b}

 Großer Gott, du allein hast das gewaltige Universum erschaffen. Die neue
 Schöpfung aber willst du nun zusammen mit uns erbauen. Laß uns deine
 Baupläne erkennen und gute Mitarbeiter sein beim Bau des neuen Jerusalem,
 der Stadt Gottes und er Menschen. Amen.@{ub}
                                                    Drirk Grothue


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 3e" "1.Korinther 3,18-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 3,18-23@{ui}

@{b}                        Alles ist euer@{ub}

 Groß ist die Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu betrügen. Dem steht ein
 christlicher Wirklichkeitssinn entgegen, der die Dinge sieht, wie sie sind.
 Da wird durchschaut, was hinter einem klug klingenden Gerede wirklich
 steht. Auch damals gab es Leute, deren Worte Menschenweisheit vermittelten,
 ohne daß etwas von der schlichten Klarheit des Evangeliums zu merken war.
 Ist nicht jeder, der öffentlich auftritt, in der Versuchung, um jeden Preis
 Eindruck machen zu wollen? Man möchte den Beifall der Hörer gewinnen.
 Andererseits kann sich bei begeisterten Hörern leicht eine Entwicklung zur
 Menschenverehrung einstellen. Nun ist es sicher berechtigt, denen dankbar
 zu sein, die einem viel vermittelt haben. So heißt es im Hebräerbrief:
 "Gedenket der Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben."
 Eine solche Verehrung darf aber nicht zu einer Abhängigkeit führen, die
 eines freien Christenmenschen nicht würdig ist. Diese Freiheit kommt in dem
 berühmten Satz des Apostels zum Ausdruck: "Alles ist euer."
 Man mache sich klar, welche unerhörte Aussage hier gemacht wird. Ihr seid
 nicht Knechte der Diener Gottes, sondern sie gehören euch. Es geht hier
 aber um noch viel mehr. Die Dinge dieser Welt sollen euch nicht
 beherrschen, sondern ihr dürft über sie verfügen. Was den Kindern Gottes
 auch geschehen mag, es wird ihnen zum Besten dienen, statt sie zu
 versklaven. Diese kühne Rede von der Freiheit könnte zu übermütigem
 Mißbrauch verführen. Darum steht dahinter der Satz: "Ihr gehört zu
 Christus." Damit ist klar: Freiheit und Bindung gehören zusammen.@{b}

 Heiliger Gott, wir danken dir, daß du uns zur Freiheit deiner Kinder
 berufen hast. Laß uns hiervon den richtigen Gebrauch machen. Leite uns
 durch diesen Tag und hilf, daß uns alles zum Besten diene. Amen.@{ub}


@{i}                    1.Korinther 3,18-23@{ui}

@{b} Ihr aber gehört Christus.@{ub}   1.Korinther 3,23 (EÜ)

 Einem anderen zu gehören, das kann die Hölle sein. Sklaverei. Gezwungen
 sein zu tun, was ein anderer will. Kein Recht auf Selbstbestimmung haben.
 Ausgenützt werden wie eine Maschine. Verkauftsein an einen Besitzer,
 gefesselt an eine Galeere, gebunden an eine Tretmühle. Kanonenfutter sein
 in einem Krieg für die Wahnideen eines Führers. Das hat es gegeben. Das
 gibt es noch heute.
 Einem anderen ganz zu gehören, das kann der Himmel sein. Liebe. Tun dürfen,
 was einen anderen beglückt und einem selber Freude macht. In Freiheit ja
 sagen zu einem Bund, auf den Verlaß ist. Begleitet sein und einen anderen
 Menschen begleiten können in guten wie in bösen Zeiten. Freuden und Sorgen
 miteinander teilen. Nicht allein sein. Verstehen und verstanden werden.
 Wissen, wo man zu Hause ist. Angehörige haben.
 Eigentum eines anderen zu sein, das ist Himmel oder Hölle je nachdem, wer
 mich besitzt und was mich "beherrscht": eine fixe Idee, Sucht nach
 Anerkennung und Ehre, der wirtschaftliche Erfolg, eine Spielleidenschaft,
 Genußsucht, Zerstörungswut, eine tyrannische Beziehung, eine Besessenheit -
 oder eine Wahrheit, der ich treu bleibe, ein Mensch, den ich liebe, ein
 Gott, dem ich trauen kann. Ihr aber gehört Christus an! Ihr seid seine
 Angehörigen. Er sagt zu dir: mein Bruder, meine Schwester. Er sagt nicht
 nur: Du bist mein, du gehörst mir! Er sagt auch. ich bin dein, ich gehöre
 dir! er ist unser Herr und zugleich unser Diener. er macht uns frei - wenn
 wir wollen. Denn er respektiert unseren Willen. Wer ihm gehört, dem gehört
 alles. Denn ihm gehört alles, und er gibt sich ganz.@{b}

 Herr Jesus Christus, durch dich und zu dir hin hat Gott alles erschaffen.
 Auch mich. Du hast unsere Menschennatur angenommen, um uns dein göttliches
 Leben mitzuteilen. Da du unser Angehöriger geworden bist, laß uns alle dir
 angehören, jetzt und immer. Amen.@{ub}
                                                   Dirk Grothues


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 4a" "1.Korinther 4,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 4,1-8@{ui}

@{b}                   Richtet nicht vor der Zeit@{ub}

 Tief steckt in uns die Neigung, andere Menschen scharf zu verurteilen. Es
 dient der Festigung des angeschlagenen Selbstgefühls, wenn man jemand
 herabsetzen kann. Paulus hat es mit Gemeindegliedern zu tun, deren
 Richtgeist unerträglich ist. Er stellt sie vor die Frage, was ihnen das
 Recht gibt, sich anderen gegenüber aufzublasen. Haben diese selbsternannten
 Richter vergessen, daß auch sie nur aus der Gnade Gottes leben, daß sie
 ganz und gar Empfangende sind? Die unstillbare Kritiksucht der Korinther
 hat auch den Apostel zur Zielscheibe genommen. Bei aller dem Christen
 gebotenen Demut antwortet er doch als ein Diener Gottes, der sich der Würde
 seines Auftrages bewußt ist. Er sieht sich als einen Haushalter über Gottes
 Geheimnisse, von dem vor allem Treue erwartet werden kann. In aller
 Deutlichkeit erklärt Paulus, daß er sich nicht von dem Richtgeist seiner
 Kritiker werde beeindrucken lassen; auch gedenke er nicht, sich selber zu
 verurteilen. Dabei betont er allerdings, daß nicht etwa sein gutes Gewissen
 ihn rechtfertige, sondern daß alles auf Gottes künftiges Urteil ankomme.
 Dem Herrn allein steht das Gericht zu, weil nur er in der Lage ist, die
 innersten Regungen des menschlichen Herzens zu durchschauen. Diesem Richter
 kann man sich getrost anvertrauen, weil er barmherziger ist als die vielen
 Menschen, die so vorschnell in ihrem Verurteilen sind. Die Sätze des
 Apostels liegen auf der Linie des Jesuswortes: "Richtet nicht, auf daß ihr
 nicht gerichtet werdet!"@{b}

 Herr, du trägst uns mit großer Geduld. Wir leben von deiner Gnade. Gib auch
 uns Geduld und bewahre uns vor unbarmherzigem Richten. Hilf uns, jedem
 Menschen mit Aufgeschlossenheit zu begegnen. Amen.@{ub}


@{i}                         1.Korinther 4,1-8@{ui}

@{b} Richtet also nicht vor der Zeit.@{ub}  1.Korinther 4,5 (EÜ)

 Urteilen und Richten. Oft ertappen wir uns dabei. manchmal ist unser
 Urteilen ein Fehler, manchmal eine Notwendigkeit. Wir müssen uns ein Urteil
 bilden über den Wert einer Ware, die wir kaufen, über das Programm einer
 Partei, für die wir uns interessieren, über die Vertrauenswürdigkeit einer
 Person, mit der wir einen Vertrag abschließen. "Urteilt selbst über das,
 was ich sage", rät Paulus den Lesern seines Briefes (1.Korinther 10,15). Er
 will überzeugen, nicht überreden. Er will keinen unkritischen, sondern
 einen verständigen Glaubensgehorsam. Unser Urteilen und Richten soll
 überlegt, nicht leichtfertig und vorschnell sein. es soll sich auf
 Erfahrungen und einsichtige Gründe stützen. Und es muß offen bleiben für
 Korrekturen durch neue Argumente und andere Erfahrungen. Vor allem aber -
 und darum geht es hier - muß es unter dem Vorbehalt stehen: Gott hat das
 letzte Wort. Er ist der Richter, nicht der Mensch. Bei ihm steht das letzte
 Urteil, nicht bei uns. trotz guten Gewissens traut sich Paulus kein
 endgültiges Urteil über sich selbst zu. Wie er hat kein Mensch eine letzte
 Sicherheit über sich selbst und erst recht nicht über einen anderen - vor
 der Zeit. Am Ende unseres Lebens, bei der Begegnung mit dem Herrn, kommt
 das Verborgene ans Licht und treten die innersten Antriebe unseres Herzens
 zutage. Bis dahin kann der Schein trügen - im Guten wie im Unguten.
 Da ist zum Beispiel ein glänzender Prediger. Beherrscht ihn das Evangelium
 - oder die Eitelkeit? Da gibt einer 10 000 DM als Spende, ein anderer 2 DM.
 Wer von den beiden ist freigebiger? Das Urteil steht bei Gott, der das Herz
 sieht (vgl. Markus 12,43).@{b}

 Guter, allwissender Gott, wir Menschen sehen, was vor den Augen ist, du
 aber siehst das Herz. Schenke uns Anteil an deinem Erkennen, das richtig
 und nie ohne Liebe ist. Dann werden wir einsichtig und verständnisvoll,
 nüchtern und klar, und dabei nie ohne Liebe sein - zu dir, zu uns und zu
 den anderen. Amen.@{ub}
                                                       Dirk Grothues


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 4b" "1.Korinther 4,9-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 4,9-16@{ui}

@{b}                    Zuchtmeister oder Vater?@{ub}

 Ein lebendiges Vorbild ist mehr als viele Worte. So dürfen wir zu Menschen
 aufsehen, die den Weg des Glaubens gegangen sind. Für sie war der Glaube
 nicht Theorie, sondern eine das ganze Leben bestimmende Wirklichkeit.
 Paulus wagt es, sich selber als Beispiel darzustellen. Wir wissen, daß man
 in der Regel damit vorsichtig sein muß. Absolute Richtschnur kann für uns
 nur Jesus selber sein, nicht irgendein Mensch. Und doch können wir sagen,
 daß in bestimmten Menschen sich in besonderer Weise etwas von dem
 Christusweg widerspiegelt. Paulus schildert die Leiden, die er in
 Wahrnehmung seines Dienstes auf sich nehmen mußte. Das ist ein starker
 Gegensatz zu dem Hochgefühl, in dem viele Korinther sich bewegen. Sie
 kommen sich so stark vor, Paulus aber erleidet tiefste Schwachheit. Er muß
 schlimmste Verachtung auf sich nehmen, und dies alles nur, weil er von der
 widersprucherregenden Kreuzesbotschaft nicht abläßt. Die Worte des Apostels
 enthalten eine scharfe Zurechtweisung seiner Kritiker. Will er sie damit
 kleinmachen? Nein, es liegt ihm fern, sie zu beschämen. Er will nicht wie
 ein Schulmeister im schlechten Sinne des Wortes sein, der Freude dabei
 empfindet, wenn er gegenüber seinen Zöglingen Überlegenheit beweisen kann.
 Das Wort "Zuchtmeister" hatte auch damals keinen guten Klang. Wir merken,
 wie Paulus plötzlich einen anderen Ton anschlägt. Aus seinen strengen
 Worten wird väterliche Liebe deutlich.
 Auch wir sollten für die Ermahnung dankbar sein, daß es "Väter in Christus"
 gibt, die uns weiterhelfen.@{b}

 Vater im Himmel, wir danken dir für alle Menschen, die uns zum Glauben
 geführt haben. Gib uns die Kraft, deine Zeugen zu sein. Schenke uns die
 rechte Art, Wahrhaftigkeit und Liebe miteinander zu verbinden. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Korinther 4,9-16@{ui}

@{b} Haltet euch an mein Vorbild!@{ub}  1.Korinther 4,16 (EÜ)

Das ist ein starkes Wort. Losgelöst vom Evangelium könnte es überheblich
 klingen. Paulus hat die Gemeinde von Korinth gegründet. Er hat sie gezeugt
 durch das Wort der Frohen Botschaft. er ist ihr Vater geworden durch das
 Evangelium. Er hat es nicht nur gepredigt, sondern vorgelebt. Weil Paulus
 nach dem Vorbild Jesu lebt und leidet (Vers 9-13), kann er sagen: "Nehmt
 mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme" (1.Korinther 11,1).
 Das Evangelium wächst in der Welt nicht dadurch, daß Bibeln verteilt
 werden, so wichtig und notwendig das ist. Die Zeugungskraft des Wortes
 hängt entscheidend ab von er Zeugniskraft der Glaubenden. Vorbilder
 erleichtern das Leben. Die besten Vorbilder für christliches Leben sind die
 Heiligen. Sie sind auch die besten Exegeten und Interpreten der Heiligen
 Schrift. "Im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild"
 (Jakobus 5,10), rät Jakobus der bedrängten Christengemeinde. "So wurdet ihr
 ein Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achia"
 (1.Thessalonicher 1,7), rühmt Paulus die Christen von Thessalonich. "Seid
 nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde"
 (1,Petrus 5,3), mahnt der Petrusbrief die Gemeindevorsteher seiner Zeit.
 Kenne ich Christen aus persönlicher Erfahrung, die mir ein Vorbild waren
 oder sind? Sind mir Begegnungen in Erinnerung, bei denen ich eine Wahrheit
 des Evangeliums lebendig erfahren und erkannt habe?
 Zum Beispiel was es heißt: Frieden in sich haben, vergeben können, geduldig
 sein, in der Hoffnung froh sein? Und umgekehrt: Für welche Menschen darf
 ich Zeuge der Frohen Botschaft und Vorbild sein?@{b}

 Herr, mache mich zu einem Boten deines Friedens, daß ich vermittle, wo
 Streit ist, daß ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, daß ich Freude
 bringe, wo der Kummer wohnt. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 4c" "1.Korinther 4,17-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 4,17-21@{ui}

@{b}               Nicht in Worten, sondern in Kraft@{ub}

 Oft wird unsere evangelische Kirche als "die Kirche des Wortes" bezeichnet.
 So kann man es sagen, wenn damit gemeint ist, daß hier die Bibel und die
 Verkündigung des Wortes Gottes im Mittelpunkt stehen.
 Leider sind wir vor der Gefahr nicht geschützt, daß an die Stelle des einen
 Gotteswortes die vielen Wörter der Menschen treten. Da wird dann viel
 geredet, aber wenig gesagt. Paulus kündigt an, er werde bei seinem Kommen
 bald feststellen, was hinter den Wörtern der Aufgeblasenen steht, ob es nur
 leeres Gerede ist oder ob man etwas von göttlicher Kraft merken kann. In
 diesem Zusammenhang findet sich der bekannte Satz des Apostels: "Das Reich
 Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft." Es handelt sich hier um
 mehr als nur ein Gedankengebäude, eine mitreißende Idee, einen beglückenden
 Zukunftstraum. Das Reich Gottes ist die mit unwiderstehlicher Macht auf uns
 zukommende Wirklichkeit, deren Kraftausstrahlung schon mitten in unsere
 Zeit da und dort aufleuchtet. Wenn Jesus Kranke heilt, Menschen aus ihrer
 Gebundenheit befreit, dann ist das ein Signal dafür, daß Gottes reich
 bereits im Kommen ist. Sicher leben wir in einem Weltzustand, in dem der
 Sieg dieses Reiches noch nicht voll in Erscheinung getreten ist. Da
 scheinen noch ganz andere Mächte zu regieren. In dieser Situation sind wir
 völlig auf das uns zugesprochene Wort angewiesen. Damit ist aber nicht das
 Wort angewiesen. Damit ist aber nicht das Wort gemeint, das nur Gedanken
 vermittelt. Gottes Wort ist schöpferische Kraft. Es erweckt Menschen zum
 wahren und bleibenden Leben.@{b}

 Herr, wir vertrauen uns deiner Führung an auch für diesen Tag. Schenke uns
 Kraft für alle Aufgaben, die auf uns zukommen. Bewahre uns vor nichtigem
 Geschwätz. Gib uns das rechte Wort im richtigen Augenblick. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Korinther 4,17-21@{ui}

@{b} Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.@{ub}
 1.Korinther 4,20 (LB)

 Wir erleben in unserer Zeit eine Inflation der Worte. Die tägliche Zeitung
 hat so viele Artikel, daß wir sie kaum alle lesen, geschweige denn ihren
 Inhalt aufnehmen oder gar behalten können. Die Zahl der Fernsehprogramme
 wächst, die täglichen Sendezeiten nehmen zu. Wenn ich mich nach der
 Nachrichtenübertragung im Rundfunk frage, was der Sprecher eben gemeldet
 hat, stelle ich fest, daß ich mehr als die Hälfte der gemeldeten
 Informationen schon wieder vergessen habe. In der Reklame werden die
 gleichen Sätze oder Worte ständig wiederholt, um die Werbung ins
 Unterbewußte eindringen zu lassen.
 Wie halten wir es in der Kirche mit den Worten? Auch bei uns wird viel
 geschrieben und geredet. Fast zu jedem Thema gibt es einen kirchlichen
 Beitrag. In den Gemeinden und Synoden wird ausgiebig diskutiert und
 formuliert. Wie reden wir von Gott? Geht er unter im Schwall der Wörter und
 Worte unserer Zeit und unseres Lebens? Gott hat mit uns geredet. In der
 Schöpfungsgeschichte heißt es: "Und Gott sprach und es geschah." Gottes
 Wort hat Kraft. Es bewirkt etwas. Es schafft Leben. Der Mensch verdankt
 sich Gottes lebenschaffendem Wort. Gott macht keine leeren Worte. Was er
 sagt, das geschieht.
 Im Johannesevangelium hören wir: "Das Wort ward Fleisch und wohnte mitten
 unter uns." In Jesus Christus redet Gott unmittelbar mit uns. Er
 durchbricht die Schranken zwischen Gott und Mensch. Er sucht mich in meiner
 Gottesferne und Schuld auf und sagt zu mir: "Ich liebe dich, dir ist
 vergeben, du bist befreit." Gottes Wort verwandelt mich. Es macht mich neu.
 Dieses Wort brauche ich in einer Zeit der Inflation der Worte. Dieses
 lebenschaffende Wort braucht die ganze Welt.@{b}

 Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnützlich Wort
 aus meinem Munde gehen, und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so
 gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß. Amen.@{ub}
                                                   Heinrich Frickel


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 5a" "1.Korinther 1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 5,1-8@{ui}

@{b}                Schafft den alten Sauerteig weg@{ub}

 Unsere Gemeinden haben kaum Ähnlichkeit mit der, an die Paulus schrieb. Was
 wissen wir heute schon vom Leben und Verhalten unserer Mitchristen? Viele
 meinen geradezu, das sei jedes einzelnen Privatangelegenheit. Paulus
 dagegen dachte an den einzelnen von der Gemeinde her. Mitten in der Welt
 mit ihren Sitten und Unsitten, ihrer Moral und Unmoral, ihrer Zucht und
 Unzucht lebend, sollte sie nicht einfach "mitmachen". Sie war ja durch ihre
 Verbindung mit Christus von den verderblichen, zersetzenden Einflüssen in
 ihren vielfältigen Erscheinungsformen, von dem "alten Sauerteig", befreit
 worden. Jeder Rückfall war Verleugnung ihrer "neuen" Existenz. Solch eine
 Entgleisung sah Paulus darin, daß die Gemeinde in Korinth bei einem
 besonders krassen Verstoß gegen die religiösen und rechtlichen Regeln
 offenbar nicht einschritt. Da hatte der Sohn eines verstorbenen oder
 geschiedenen Vaters sich mit dessen ehemaliger Frau verbunden. Diese
 "Blutschande" brachte die Gemeinde ins Gerede und warf sie fast noch hinter
 das Niveau der "Welt" zurück. Eine klare Selbstreinigung war geboten, das
 Fortschaffen "des alten Sauerteigs". Wie der in Vers 4 und 5 angedeutete
 Gerichtsakt vor sich gehen sollte, ist kaum mehr zu sagen, schon gar nicht
 nachzuvollziehen. Wir sollten lernen, daß die Gemeinde, heute wie damals in
 einer "nichtchristlichen" Umwelt lebend, nicht fragwürdige Praktiken
 übernehmen darf. Wir sollen stets erkennbar machen, daß die Beschlagnahme
 durch Christus ein neues Dasein beinhaltet.@{b}

 Lieber Herr! Wenn wir "in dir" lebten, wären wir neue Geschöpfe. Aber
 wieviel "Altes" klebt uns noch an! Hilf uns, nicht zurück zu denken und zu
 gehen, nicht in anderm aufzugehen, sondern dir zugetan und verbunden zu
 sein. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 5,1-8@{ui}

@{b} Darum fegt den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid.
@{ub} 1.Korinther 5,7(LB)

 Paulus hat bestürzende Nachrichten aus Korinth erhalten. Die christliche
 Gemeinde duldet in ihrer Mitte einen Mann, der mit der Frau seines Vaters
 sexuelle Beziehungen unterhält. Unglaublich ist für Paulus nicht nur der
 Vorgang selbst, sondern die Meldung, daß die korinthischen Christen nichts
 dabei zu finden scheinen. Wie konnte es dazu kommen? Offenbar hatten sich
 Anhänger einer neuen Lehre in Korinth in der Gemeinde durchgesetzt. Sie
 hielten die Freiheit von allen menschlichen Bindungen und Regeln für einen
 Beweis ihrer besonderen Gottesbeziehung. Wer von Gottes Geist erfüllt ist -
 so lehrten sie -, der kann mit seinem Leib machen, was er will. Paulus
 erhebt scharfen Einspruch dagegen: was sich da als Freiheit ausgibt, ist
 nicht Zeichen der neuen Gottesbeziehung, sondern vielmehr Ausdruck der
 egoistischen Herrschaft des alten Adam.
 Der Geist Jesu Christi befreit. er befreit uns nicht vom Leben in unserer
 Welt. Frei werden wir von Abhängigkeiten, die unser Menschsein verdunkeln
 und zerstören. Befreit werden wir zum liebevollen und verantwortlichen
 Umgang mit unseren Mitmenschen. Daß das neue Leben nicht ohne Krisen und
 Rückfälle bleibt, wissen Christen nur zu gut. Martin Luther hat nicht
 umsonst in seiner Erklärung zur Taufe gesagt, daß wir den alten Adam
 täglich ersäufen müssen. Paulus schreibt den Korinthern: Fegt den alten
 Sauerteig der Bosheit und Argheit aus und lebt im Süßteig der Lauterkeit
 und der Wahrheit. das könnt ihr nicht aus eigener Kraft. Allein durch
 Ostern werdet ihr täglich auferweckt zu neuem Leben. Uns geht es nicht
 anders als den Christen in Korinth.@{b}

 O Herr Christ, deck zu unsre Sünd und solche Lieb in uns anzünd, daß wir
 mit Lust dem Nächsten tun, wie du uns tust, o Gottes Sohn. Amen.@{ub}
                                                  Heinrich Frickel


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 5b" "1.Korinther 5,9-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 5,9-13@{ui}

@{b}                  "Die draußen" und "die drinnen"@{ub}

 Es geht hier nicht um das Verhalten der Gemeinde und ihrer Glieder zu
 Nichtchristen, sondern um die in der Gemeinde selbst gültigen Maßstäbe.
 Nicht "die draußen" sind zu beurteilen, geschweige denn abzuurteilen,
 Kritik ist vielmehr gegenüber denen, "die drinnen sind", angebracht.
 Zuweilen hat man den Eindruck, als werde das bei uns genau umgekehrt
 gehandhabt. Die "Welt" wird verurteilt, und über das vermeintlich oder
 wirklich schlimme Verhalten von Nichtchristen schüttelt man den Kopf. Es
 gab Christen, es gibt sie auch heute noch, die den ersten Satz dieses
 Abschnitts "...ihr sollt nichts zu schaffen haben mit den Unzüchtigen" auf
 "die gottlose Welt" und die unmoralischen Atheisten" beziehen. Das ist
 freilich nur möglich, wenn man nicht weiterliest. Wer gemeint ist, ist da
 unzweideutig gesagt: einer, "der sich Bruder nennt", aber in seinem
 Verhalten die Christusbruderschaft verleugnet. Im sogenannten "Darmstädter
 Wort" hat 1947 der Bruderrat der Bekennenden Kirche unter anderem gesagt:
 "Wir sind in die Irre gegangen, als wir meinten, eine Front der Guten gegen
 die Bösen, des Lichts gegen die Finsternis, der Gerechten gegen die
 Ungerechten im politischen Leben...bilden zu müssen."
 War das nur früher so, daß sich Christen im Vergleich mit anderen als gut,
 gerecht, im Licht stehend wähnten? Oder besteht auch heute die Gefahr, eine
 "christliche Front" zu bilden? Wir haben mit uns selbst genug zu tun. Das
 Urteil über "die draußen" können und sollten wir getrost Gott überlassen.
 Welche Befreiung für uns, daß "Gott, die draußen sind, richten" wird!@{b}

 Herr Gott, der du allein der wahre Richter bist, bewahre uns davor, andre
 abzuurteilen, selbst aber mit unserem Leben dich zu verleugnen. Wie groß
 ist deine Güte über uns! Hilf uns, sie nicht zu mißbrauchen, sondern zu
 deiner Ehre zu leben. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 5,9-13@{ui}

@{b} Gott aber wird, die draußen sind, richten.@{ub} 1.Korinther 5,13 (LB)

 Bestimmt die Tagesordnung der Welt zunehmend den Alltag kirchlichen Lebens?
 Synodenerklärungen und Bischofsworte, Resolutionen und Aktionen kirchlicher
 Mitarbeitet setzen sich mit Unrecht und Unmenschlichkeit in Politik und
 Gesellschaft wie selten zuvor kritisch auseinander. Wir alle sind bis in
 alltägliche Gepflogenheiten hinein in die Zeitgeschichte verwoben. Wir
 Christen tragen mit Verantwortung für unsere Welt. Doch gelangen mit den
 großen Fragen und Krisen unserer Zeit nicht auch ungeprüfte Maßstäbe von
 außen in die innerkirchliche Gemeinschaft? Und muß nicht die Fülle der
 allgemeinen Probleme die Möglichkeiten und Grenzen vongemeinden sprengen?
 Bei aller Verantwortung für unsere gemeinsame Welt, die uns Gott, der
 Schöpfer, anvertraut hat, muß die tiefe christliche Einsicht bleiben, daß
 Gott die, die Draußen sind, letztlich selbst richten wird. Er hat dazu das
 Recht und die Macht. So lenkt Paulus heute den Blick von der Welt auf die
 Kirche. Christen müssen zuerst im eigenen Hause dafür sorgen, daß keiner in
 der christlichen Gemeinschaft in alte Abhängigkeiten zurückfällt oder neuen
 Mächten dient. Es sind alte Bekannte, die Paulus auch in der Gemeinde
 findet: Besitzsucht, Personenkult, Abhängigkeit von Sexualität und Alkohol,
 Mißbrauch des Namens Gottes für eigene Interessen, Herrschaft und
 Unterdrückung.
 Die auch gemeindeüblichen moralischen Verurteilungen sind fehl am Platz.
 Jesus Christus warnt: "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders
 Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" (Matthäus 7,3).
 Uns rettet nicht die Anklage nach außen, sondern nur die Buße des Sünders.
 Gott aber nimmt den Sünder an. Er rechtfertigt ihn aus Barmherzigkeit. Gott
 vergibt uns., Wie gehen wir mit den Schuldigen in der Gemeinde und in der
 Welt um?@{b}

 Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt! Als wollte er belohnen,
 so richtet er die Welt! Der sich den Erdkreis baute, der läßt den Sünder
 nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht. Amen.@{ub}
                                                  Heinrich Frickel


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 6a" "1.Korinther 6,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 6,1-6@{ui}

@{b}                    Zwischen Bruder und Bruder@{ub}

 Da gab es also unter Gemeindegliedern in Korinth Streit "über Dinge des
 täglichen Lebens". Wir wüßten gern ein wenig genauer, worum es ging. Paulus
 und seine Briefempfänger wußten es. Darum erübrigte es sich für den
 Briefschreiber, die Streitobjekte konkret zu benennen. Es werden vermutlich
 nicht sehr andere Auseinandersetzungen gewesen sein, als wir sie auch heute
 kennen. Geschwister kriegen sich in die Haare einer Erbschaft wegen. Eltern
 erzürnen sich mit anderen Eltern wegen irgendwelcher Streiche ihrer Kinder.
 Ein Handwerker schickt eine vermeintlich zu hohe Rechnung. Man glaubt,
 Anlaß zur Klage zu haben, weil es beim Nebenmieter oft zu laut hergeht. Die
 Kellerräume sind ungerecht verteilt und so weiter.
 Ja, was soll man da machen? Gewiß, es handelt sich fast immer, wie damals
 in Korinth, um "geringere Sachen". Aber gerade die machen ja den Großteil
 unseres Lebens aus. Zank entsteht um Kleinigkeiten. "Der Teufel steckt im
 Detail." Dennoch, auch hier sind Christen gefragt, ob sie zu recht den
 Namen dessen tragen, "der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, er
 stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet" (1.Petr.2,23). Zu solcher
 Nachfolge ruft Paulus hier auf. Er empfiehlt aber zunächst, daß sich
 Christen, statt ein unwürdiges, beschämendes Schauspiel vor der "Welt"
 abzugeben, dem Rat, der Hilfe, vielleicht auch dem Urteil eines Mitchristen
 stellen. Sollte das nicht tatsächlich auch bei uns möglich sein? Oder
 müssen wir uns wie der Korinther fragen lassen: "Ist denn gar kein Weiser
 unter euch", dem ihr solchen Dienst zutraut?@{b}

 Lieber Herr Christus! Zeige uns in der Gemeinde weise Menschen, denen wir
 vertrauen können. Gib uns dann auch den Mut und die Bereitschaft, unsre
 gegenseitigen Beschwerden vor ihnen auszubreiten und guten Rat anzunehmen.
 Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 6,1-6@{ui}

@{b} Wisset ihr nicht, daß wir über Engel richten werden?@{ub}
 1.Korinther 6,3 (LB)

 Die Zeiten haben sich auch in der Kirche geändert. War bei Paulus die
 Gemeinde noch ein überschaubarer Kreis neu zum Glauben an Jesus Christus
 Gekommener, so ist die Kirche heute eine Institution, deren Mitglieder eher
 aus Tradition als aus eigener Entscheidung zu ihr gehören. Man könnte
 meinen, in einer kleinen Gruppe bekehrter Christen sei die christliche
 Gemeinschaft deutlicher erkennbarer gewesen und praktiziert worden. Doch
 Paulus muß auch hier eine bittere Erfahrung machen. Bei
 Meinungsverschiedenheit und Konflikten in der Gemeinde zu Korinth verlassen
 sich die Gemeindeglieder lieber auf weltliche Gerichte und öffentliche
 Richter als auf ihre eigenen Glaubensgefährten.
 Wir kennen das auch heute. Die Zahl der Prozesse kirchlicher Mitarbeiter
 vor staatlichen Gerichten ist in letzter Zeit erheblich angestiegen. Nicht
 nur in arbeitsrechtlichen Streitfällen, sondern auch, wenn
 innergemeindliche Spannungen zwischen Gemeindegliedern und Pfarrern
 unerträglich wurden. Wenn Christen nichtchristliche Richter mehr
 Gerechtigkeit zutrauen als ihren eigenen Glaubensgeschwistern, ist in der
 Gemeinde Jesu Christi etwas nicht in Ordnung. Die Glieder am Leib Christi
 trauen sich gegenseitig nicht mehr. Sie wittern beim anderen den toten
 Buchstaben des Gesetzes oder die Willkür der Gesetzlosigkeit. Haben wir
 Christen unter uns vergessen, daß jede Gerechtigkeit aus dem Glauben an
 Gottes Rechtfertigung des Sünders kommt?
 Gott hat uns nach Paulus berufen, im Namen seiner Gerechtigkeit sogar über
 Engel zu richten. Wie verträgt sich damit unser kleinlichere Richtgeist?
 Welche Gerechtigkeit wohnt in meinem Herzen?@{b}

 Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen; ich aber
 sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen, dem nicht verzeihn, dem du
 vergibst und den nicht lieben, den du liebst? Amen.@{ub}
                                                Heinrich Fricke


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 6b" "1.Korinther 6,7-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 6,7-11@{ui}

@{b}                    Laß euch nicht irreführen@{ub}

 Im Neuen Testament finden sich in den Evangelien und in den Briefen mehr
 als 30 Laster- und Tugendkataloge. Sie waren in jener Zeit in der
 griechischen Umwelt üblich und wurden von den dort lebenden Juden
 aufgenommen und als Gebote Gottes verstanden. Von ihnen haben sie die
 Christen übernommen. Denn die junge Christenheit hat keine neuen sittlich -
 moralischen Regeln aufgestellt, sondern Gottes Willen, wie ihn die Juden
 bezeugten, als für sich gültig und verpflichtend angesehen. Die Kataloge
 stellten eine katechismusartige Zusammenstellung von Sittenregeln dar, die
 die christliche Gemeinde nur durch wenige "spezifisch christliche" Momente
 ergänzte. Man braucht also nicht etwa zu denken, die in Vers 9 und 10
 aufgeführten Laster deckten eine besondere Verkommenheit der korinthischen
 Gemeinde auf. Wenn Paulus diesen Katalog aufnimmt, ist er offenbar der
 Meinung, die christliche Gemeinde stehe in Gefahr, sich durch das, was in
 ihrer Umwelt möglich war, selbst "irreführen" zu lassen. Darum  erinnert er
 daran, daß Christen durch die Taufe -"ihr seid reingewaschen"- zu Menschen
 Gottes geworden sind -"ihr seid geheiligt"- und durch Christus in eine ganz
 neue Existenzform versetzt wurden - "ihr seid gerecht geworden". Sie sind
 Erben des Reiches Gottes, dessen Wirklichkeit weit von alledem entfernt
 ist, was da genannt wird. Die Anfangsverse heute fragen danach, übrigens
 auch uns, ob man das womöglich vergessen könnte.@{b}

 Wir danken dir, Herr, daß unser Leben nicht ein für allemal festgelegt ist,
 daß du uns nicht uns selbst überläßt, daß du auf unser Leben einwirkst und
 uns die Chance gibst, als Bürger des Reiches Gottes zu leben. Amen.@{ub}



@{i}                    1.Korinther 6,7-11@{ui}

@{b} Warum laßt ihr euch nicht lieber Unrecht tun? @{ub}
 1.Korinther 6,7 (LB)

 Wer läßt sich schon gern ungerecht behandeln? Alles in einem sträubt sich
 dagegen, vor allem der Gerechtigkeitssinn. Wo kämen wir denn hin, wenn die
 Ungerechten allein das Sagen hätten! Unsere Welt würde zur Hölle.
 Die Welt ist Menschen schon oft zur Hölle geworden. Auch in unserer Zeit.
 "Die Hölle - das sind die anderen": ein Atheist, Jean-Paul Sartre, hat das
 in einem Theaterstück geschrieben.
 Paulus hat Erschreckendes aus Korinth erfahren. In er christlichen Gemeinde
 dort geht es nicht anders zu als anderswo: einer übervorteilt den anderen.
 Die ungeschriebenen Gesetze der Welt regieren auch in der Gemeinde. Der
 Starke beherrscht den Schwachen.
 Fühlen wir uns in der Kirche angesprochen? Erleben wir das Neue unter uns,
 das ganz andere, oder herrschen wieder die alten Verhältnisse? Paulus ruft
 den Korinthern fast beschwörend zu: Ihr seid doch gerecht geworden durch
 Jesus Christus. Durch die Taufe seid ihr neu geworden. Der Geist Gottes ist
 mitten unter euch. Warum werden einige unter euch wieder rückfällig?
 Kapituliert nicht erneut vor der augenfälligen Macht der Ungerechten in
 dieser Welt! Sicher, es gibt gerade für uns Christen oft Gründe zum
 Zweifel, weil die Welt sich überhaupt nicht zu verändern scheint. Wo wird
 Gottes Barmherzigkeit und Liebe sichtbar?
 Jesus Christus ist mitten in unsere Welt der Sünde und des Todes gekommen,
 um für uns Gottes Liebe gegen den Haß, Gottes Leben gegen den Tod, Gottes
 Gerechtigkeit gegen das Unrecht zu bezeugen. Allein in Jesus Christus
 brauchen wir uns im vollen Bewußtsein unserer weltlichen Vergänglichkeit
 nicht den Gesetzmäßigkeiten dieser Welt neu zu unterwerfen, sondern können
 aus Gottes Rechtfertigung neu leben, auch im Leiden und Sterben und auch,
 wenn uns Unrecht geschieht.@{b}

 O Wunder alle Maßen, wenn mans betrachtet recht: Es hat sich martern lassen
 der Herr für seinen Knecht, es hat sich selbst der wahre Gott für mich
 verlornen Menschen gegeben in den Tod. Amen.@{ub}
                                                      Heinrich Frickel


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 6c" "1.Korinther 6,9-14.18-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                  1.Korinther 6,9-14.18-20@{ui}

@{b}                Lasset euch nicht irreführen@{ub}

 Die christliche Gemeinde ist in ständiger Gefahr, ihren Auftrag, den
 lebendigen Gott zu verherrlichen, zu verspielen. Viel größer als die
 Gefährdung von außen war dabei in Korinth die Verführung durch Irrlehre und
 vor allem durch Zuchtlosigkeit in den eigenen Reihen. Weithin war die
 Ansicht verbreitet, auf den Körper des Menschen komme es nicht so sehr
 darauf an, wichtig sei allein die Rettung der Seele. Dazu sei es nötig, daß
 der Geist zu immer neuen "Erkenntnissen" vordringe und es schließlich zur
 Vereinigung mit der Gottheit komme. Darum fand man nichts dabei, zur
 Tempeldirne zu laufen und sich in Rauschzustände zu stürzen.
 Fälschlicherweise berief man sich dabei auf die christliche Freiheit: "Mir
 ist alles erlaubt." Mit klaren Worten ruft der Apostel solche Christen zur
 Ordnung. "Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes
 ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott?" Eine höhere Wertung des
 irdischen Leibes ist kaum vorstellbar. Er ist also Wohnung des göttlichen
 Geistes. So können wir Christen mit ihm nicht einfach machen, was uns
 gefällt. Gottes Söhne und Töchter, die durch Christus zu einem neuen Leben
 wiedergeboren sind, können nicht mehr wie einst nur nach materiellen Gütern
 streben. Sie sollen auch nicht der Sexualität hemmungslos verfallen oder
 sich in Rauschzustände versetzen. Es fällt auf, wie sehr vor sexuellen
 Sünden gewarnt wird: Unzüchtige, Ehebrecher, Knabenschänder, Weichlinge
 (Lustknaben). Jesus Christus hat seine Gemeinde um einen teuren Preis, um
 seinen Kreuzestod aus dem Bereich der Sünde und des Todes befreit. Wer
 meint, das im Namen der angeblich "christlichen Freiheit" verachten zu
 können, trennt sich von der christlichen Gemeinde. "Lasset euch nicht
 irreführen", betont der Apostel. Das wollen auch wir, die wir in einer ganz
 anderen Zeit und in anderen Verhältnissen leben, stets bedenken. Wir werden
 dabei selbstverständlich auch medizinische und soziale Aspekte zu bedenken
 haben. Wir werden nicht vorschnell und lieblos andere aburteilen. Doch wir
 werden auch die klaren biblischen Maßstäbe in der Gemeinde beachten. denn
 wir Christen wollen mit unserem ganzen Leben, mit Händen und Füßen, mit
 Augen und Ohren in tätiger Liebe Gott in Jesus Christus, unserem Herrn,
 preisen.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Du hast uns gute Gaben gegeben, vor allem die Gabe
 des Heiligen Geistes. Befähige uns, in diesem Geist unsere Brüder und
 Schwestern recht zu lieben und ihnen zu dienen! Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 6d" "1.Korinther 6,12-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 6,12-20@{ui}

@{b}                    Alles ist mir erlaubt?@{ub}

Man darf mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Gemeindeglieder in
 Korinth die Überzeugung vertraten. "Alles ist mir erlaubt." Paulus nimmt
 das auf, versieht es aber mit einem notwendigen Zusatz: "Aber nicht alles
 dient zum Guten." Da gibt es ein breites Überlegungsfeld. Man wende die
 beiden Aussagen des ersten Satzes einmal ganz konkret auf unsre
 Feierabendarbeit (und die für sie verlangte Bezahlung!) an oder auf die
 Pausen, die wir uns bei der Arbeit genehmigen, oder auf das, was wir uns
 - in einer hungernden Welt - an Essen leisten, oder auf unsern Wohn-,
 Bekleidungs-, Freizeitluxux. Gewiß, wir sollen nicht mit ständigen Skrupeln
 und schlechtem Gewissen, selbstkritisch-verkrampft leben. Aber wir sollten
 auch nicht so tun, als lebten wir, unabhängig vom Ergehen und Beurteilen
 anderer, nur für uns selbst. Wir könnten dann sehr leicht übersehen, daß
 manches von dem, was uns "erlaubt" ist, uns in Wirklichkeit
 "gefangennimmt", beherrscht, versklavt. Das trifft nicht nur, aber doch im
 besonderen auf die "Leidenschaften" zu, die Menschen sich glauben leisten
 zu können, z.B. auf ihren Nikotin- oder Alkoholkonsum oder ihre Sexualität.
 Von ihr ist im Text vordringlich die Rede. Die Sexualität als solche ist
 gewiß eine der großen Gaben Gottes an uns, die zweifellos "erlaubt" ist, ja
 "zum Guten dienen" kann. Aber "für die Unzucht" (Luther: Hurerei) ist der
 Leib nicht da". Vielmehr sollen Christen mit ihrer ganzen Existenz (=Leib")
 dem gehören und den preisen, der sie zum Eigentum "erkauft" hat.@{b}

 Herr, wie reich sind wir ausgestattet! Wie schön ist unser Leib! Wie gut,
 daß dein Geist in uns wohnt! Bewahre uns davor, was gut ist, schlecht zu
 machen, was dich preisen darf, zu mißbrauchen. Dir gehören wir, hab Dank
 dafür. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 6,12-20@{ui}

@{b} Mir ist alles erlaubt, es soll mich aber nichts gefangennehmen.@{ub}
 1.Korinther 6,12 (LB)

 Im Hamburger Vergnügungsviertel St.Pauli gibt es eine berühmt gewordene
 Straße, die den verheißungsvollen Namen "Die große Freiheit" trägt. Sieht
 man die Menschen, die dort leben, und auch die Besucher, die für einige
 Stunden Abwechslung suchen, näher an, sind sie wenigere von der Befreiung
 als vielmehr von Abhängigkeiten gezeichnet. Alkohol und Prostitution haben
 ihr Werk getan. In der korinthischen Gemeinde galt es nach der lehre der
 von Paulus bekämpften Irrlehrer als ein Erweis der neuen christlichen
 Freiheit des Geistes, daß der Körper sich zügellos alles erlauben konnte.
 Einige Gemeindeglieder praktizierten die neue Lehre in der Hingabe an die
 Prostitution. Paulus ist schockiert. Die Trennung von Geist und Körper ist
 ihm undenkbar. hat Gott in Jesus Christus nicht Geist, Seele und Leib
 befreit? Der ganze Mensch ist neu geworden. Der Leib mit allen seinen
 Gliedern ist, wie Paulus sagt, Tempel des Heiligen Geistes.
 Die Korinther, zumindest einige von ihnen, wähnen Freiheit in der
 körperlichen Zügellosigkeit zu erreichen und fallen in größerer
 Abhängigkeit als je zuvor. Nächstenliebe weicht dem Egoismus, Freiheit der
 Sucht, Partnerschaft der käuflichen Liebe, Vertrauen der Angst. Die
 neugewonnene Freiheit ist für sie verloren!
 Worin zeigt sich für Paulus die Freiheit des Christen? Paulus stellt keine
 Tugend- und Lasterkataloge auf. Er formuliert keine besonderen Gebote und
 Verbote. Er erliegt auch nicht der Gefahr der Kirche in späteren
 Jahrhunderten, sich zum Richter über gut und böse gegenüber Menschen zu
 erheben. Er bleibt bei der durch Christus eröffneten Freiheit, wenn er für
 jeden Christen feststellt. "Mir ist alles erlaubt." Es gibt nur eine Grenze
 für den Christen. "es soll mich aber nichts gefangennehmen", damit ich
 nicht wieder hinter die von Jesus Christus geschenkte Freiheit zurückfalle
 und ärmer dran bin als zuvor. Gott mutet jedem von uns große Freiheit zu!
@{b}
 Regier mich nach dem Willen dein, laß mich in Sünd nichgt fallen, auf daß
 dir mög das Leben mein und all mein Tun gefallen.Amen.@{ub}
                                                     Heinrich Frickel


@ENDNODE

@NODE "1.Korinther 7a" "1.Korinther 7,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 7,1-16@{ui}

@{b}                        Ehescheidung?@{ub}

 Mit einigen Aussagen dieses Bibelabschnittes haben wir es schwer. Gott hat
 uns Seiten der Ehe erkennen lassen, über die Paulus nicht spricht. Wir
 werden die Ehe kaum nur als Schutzwall gegen die Unzucht verstehen können.
 Paulus erwartete ein baldiges Ende der Welt. Da war ihm die Ehe nur noch
 eine Art Notverordnung. Es schien ihm besser, gar nicht erst noch in diese
 Ordnung einzutreten. Allerdings wußte er, daß frei gewählte Ehelosigkeit
 eine Gnadengabe ist. Wir betonen heute an der Ehe nicht die Notordnung,
 sondern die Liebesgemeinschaft. In der Ehe ist das Füreinanderdasein von
 Mann und Frau auf Dauer zu sehen. Verstehen wir die Ehe als ungeteilte und
 vorbehaltlose Hingabe, dann wird auch das Herrengebot einsichtig, das
 Paulus zitiert: Ehen sollen nicht geschieden werden. Das ist ein Grundsatz,
 an dem festzuhalten ist. Ehe ist kein kündbarer Vertrag, sondern
 lebenslange Treuegemeinschaft. Paulus benennt diesen Grundsatz ausdrücklich
 als ein Gebot Jesu Christi selbst. Der Apostel unterscheidet davon seine
 persönliche Meinung im Blick auf gewisse Fälle, in denen ihm doch eine
 Scheidung unvermeidbar zu sein scheint.-
 Ist eine Ehe eine innige Treuegemeinschaft, dann muß auch eine Ehe zwischen
 einem Christen und einem Nichtchristen besonders sorgfältig verantwortet
 werden. Die Belastung einer solchen Ehe können doppelt sein. Das muß jeder
 wissen, der eine solche Bindung eingehen will oder in ihr lebt. Die
 Beratung und Hilfe der Gemeinde kann für solche Ehen besonders wichtig
 sein. Für alle Menschen aber, die in ihrer Ehe Probleme haben, sollten wir
 Gott um Hilfe und Wegweisung bitten.@{b}

 Herr Gott, Vater, wir bitten sich für alle Ehen, besonders für solche, die
 gefährdet sind. Schenke Bereitschaft zur Vergebung. Gib Kraft, auch Krisen
 miteinander durchzustehen. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 7,1-16@{ui}

@{b} Dies sage ich aber als Erlaubnis und nicht als Gebot.@{ub}
 1.Korinther 7,6 (LB)

 Das gab es also auch schon vor fast 2000 Jahren: Schwierigkeiten und
 Probleme im menschlichen Zusammenleben, nicht zuletzt in dem von Mann und
 Frau. Es scheint, daß es in Korinth Gemeindeglieder gab, die die Ehe
 verbieten wollten, geschlossene Ehen auflösen, ja sogar jegliche
 geschlechtliche Beziehungen von Mann und Frau untersagen wollten. Und nun
 bittet die Gemeinde um Rat, ob das so recht für ein christliches Leben sei.
 Paulus gibt den erbetenen Rat recht ausführlich. Er verschweigt nicht seine
 eigene, persönliche Meinung. Aber Gerade sie will er nicht zum Gesetz
 machen. Was Paulus im einzelnen rät, erscheint auf den ersten Blick so, als
 ob der Apostel in der Ehe nichts weiter sieht als eine, wenn auch von Gott
 gebilligte, Notmaßnahme gegen die Macht oder Übermacht menschlicher
 Triebhaftigkeit. Kein Hinweis auf die Schönheit der Liebe zwischen den
 Geschlechtern. Das Alte Testament weiß von der Schönheit und Bedeutung
 dieser Beziehung, das Hohelied singt davon.. Und die Propheten konnten die
 Beziehung zwischen Mann und Frau - gleich ob im Gelingen oder Mißlingen -
 als Bild für die Beziehung Gottes zu seinem Volk gebrauchen. Auch kein
 Hinweis auf den Reichtum menschlicher Erfahrung in Ehe und Familie. Eine
 wichtige Dimension menschlichen Lebens erscheint einfach ausgeblendet.
 Ob solche Sichtweise und die daraus entspringenden Ratschläge den Christen,
 den Frauen und Männern in der Gemeinde zu Korinth geholfen haben, ihre
 Probleme des Zusammenlebens zu lösen? Ob solche Sicht und solcher Rat uns
 heute helfen, wenn Menschen diesbezügliche Probleme haben? Nach dem ersten
 Blick bleibt das eine offene Frage.@{b}

 Gott, es ist oft schwer, sich im menchlichen Miteinander, auch im Leben der
 Geschlechter untereinander, zu orientieren, zu wissen, was zu tun ist. Wir
 sind oft ratlos. Auch das, was die Schrift uns sagt, hilft auf den ersten
 Blick nicht weiter. Gott, laß uns dein Wort rechte Orientierung sein. Amen.
@{ub}                                              Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 7b" "1.Korinther 7,17-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 7,17-24@{ui}

@{b}                       Viele Wege - ein Ziel@{ub}

 Es wäre langweilig, wenn alle Menschen gleich wären. Wieviel Farbe kommt in
 eine Familie dadurch, daß alle verschieden sind! Wieviel Bewegung kommt in
 das Leben einer Kirchgemeinde dadurch, daß Menschen unterschiedlicher
 Prägung zusammengeführt werden! Gott ist kein langweiliger Gott. Er liebt
 das Bunte. Paulus mahnt die Korinther und auch uns, Verschiedenartigkeiten
 in der Gemeinde anzunehmen.
 Zwei Fragen hatten damals zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Die
 eine lautete: Muß ein Heide, der Christ wird, auch noch den jüdischen Ritus
 der Beschneidung an sich vollziehen lassen? Paulus urteilt: Das ist nicht
 nötig. Gott liebt Beschnittene und Unbeschnittene in gleicher Weise.
 Bei der zweiten Frage ging es um die Tatsache der Sklaverei, eine damals
 allgemein verbreitete Erscheinung. Der Apostel macht keinen Hehl daraus,
 daß er die Abschaffung der Sklaverei bevorzugt. Gleichzeitig aber hebt er
 die Diskussion auf eine neue Ebene. Er sagt: Die Freiheit, zu der Christus
 befreit hat, ist noch etwas anderes als gesellschaftliche Freiheit. Man
 kann auch als Sklave die Erlösung des Glaubens erfahren.-
 Wenn die bunte Vielfalt des Lebens so betont wird, wird dann nicht alles
 beliebig? Kann dann nicht jeder denken, tun und lassen, was er will? Paulus
 antwortet darauf: Nein! Es geht darum, das bunte Leben nicht
 selbstgefällig, sondern vor Gott zu leben. Entscheidend dafür ist der
 Maßstab von Gottes Geboten. Die bunten Farben des Lebens sollen sich zu
 einem schönen Bild zusammenfügen. Das soll etwas von der Herrlichkeit und
 Freiheit Gottes spiegeln.@{b}

 Gott, unser Vater, du bist ein Gott der Freiheit. Du freust dich, wenn wir
 das Leben bunt und vielfältig leben. Gib, daß wir anderen Menschen nicht
 kleinlich und rechthaberisch begegnen. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 7,17-24@{ui}

@{b} Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht Sklaven der Menschen.@{ub}
 1.Korinther 7,23 (LB)

 Die Korinther scheinen noch ein anderes Problem gehabt zu haben. So haben
 sie Paulus gefragt, ob nicht die Unterschiede zwischen Sklaven und Freien
  zu beseitigen wären; ob nicht überhaupt das Christsein eine Veränderung
 der Verhältnisse, der religiösen und sozialen, zur Folge haben müssen. Die
 Antwort des Apostels ist eindeutig: Jeder soll in seinem Stand bleiben,
 sogar auch wenn er als Sklave die Möglichkeit hat, freigelassen zu werden.
 Machthaber haben diese Auskunft des Paulus bis heute immer wieder genutzt,
 ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen und sich die Macht mit solchen
 Worten legitimieren zu lassen. Revolutionäre andererseits haben diese Worte
 des Paulus immer wieder als Beweis dafür angesehen, daß der christliche
 Glaube Opium des Volkes sei.
 Jedoch zum einen ist darauf zu achten, daß sich des Apostels Worte nur auf
 die Verhältnisse in der Gemeinde und nicht auf die Gesellschaftsordnung
 insgesamt beziehen. Zum anderen dürfen wir nicht bei dem Wort "Stand" an
 die uns aus unserer Geschichte vertraute "Ständeordnung" denken. Das
 griechische Wort für "stand" ist dasselbe, das Paulus sonst für die
 göttliche Berufung braucht. er möchte auf diese Weise wohl mit seiner
 Antwort zwei Dinge zum Ausdruck bringen, Erstens, daß die Lebensumstände an
 sich und für sich nichts mehr bedeuten. Zweitens, daß sie dennoch
 entscheidend wichtig sind, weil sie den Ort bezeichnen, an dem Christus die
 Glaubenden zu neuem Leben befreit hat. So ist der Sklave "ein
 Freigelassener des Herrn" und der Freie ein "Sklave Christi". Diese
 Tatsache ist weder eine Legitimation der macht der mächtigen, noch eine der
 Ohnmacht der Ohnmächtigen. Sie ist vielmehr eine Tatsache, die "in dem
 Stande, in dem jeder berufen ist", bewährt werden will.@{b}

 Mein Gott, wie gern möchte ich manches Mal aus meinen Verhältnissen, die
 mich binden, ausbrechen. Wie oft erfahre ich, daß Mächte und Mächtige mich
 mit deinen Worten zum Stillhalten zwingen wollen. Ich ahne, daß sie dich
 mißbrauchen. Gib mir Einsicht und Kraft, mein Leben auszuhalten und in
 meinen täglichen Verrichtungen zu bewähren. Ich möchte in dir frei sein.
 Amen.@{ub}
                                                   Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 7c" "1.Korinther 7,29-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 7,29-31@{ui}

@{b}                    Das Wesen dieser Welt vergeht@{ub}

 Was Paulus hier schreibt, scheint widersinnig. Wir hören stets sie eine
 Mahnung: "Haben, als hätte man nicht!" Die, die Frauen haben, sollen leben,
 als hätten sie keine. Die sich freuen, sollen es so tun, als hätten sie
 keine Freude. Die da weinen, sollen sein, als weinten sie nicht. Die, die
 etwas kaufen, sollen es tun, als besäßen sie es nicht.
 Manch ein Leser möchte meinen, das alles wäre doch Unsinn. Wer den Apostel
 recht verstehen will, muß auf die ersten Worte unseres Abschnitts achten;
 "Die Zeit ist kurz." Paulus lebte wie die meisten seine Gemeindeglieder in
 der festen Überzeugung, daß die Wiederkunft Christi und das Ende der alten
 Welt unmittelbar bevorstünden. Er erwartete diese Geschehnisse noch zu
 seinen Lebzeiten. Dann hatten seine Mahnungen einen guten Sinn: Wenn morgen
 schon die Welt zu Ende gehen kann, dann lohnt es sich nicht, nach neuem
 Besitz zu trachten. Dann sind unsere Probleme auf dieser Erde praktisch
 ohne Bedeutung. Doch die Erwartung des wiederkehrenden Christus hat sich
 bis heute - in fast 2000 Jahren - nicht erfüllt. Wir können also die
 Vorstellung des Paulus vom unmittelbar bevorstehenden Weltende so nicht
 mehr teilen. Wir müssen Bultmann zustimmen, wenn er feststellt: "Die
 mysthische Eschatologie (Endzeitlehre) ist im Grunde durch die einfache
 Tatsache widerlegt, daß Christi Parusie (Wiederkunft) nicht, wie das Neue
 Testament erwartete, alsbald stattgefunden hat und...die Weltgeschichte
 weiterlief." Diese Feststellung ist unwiderleglich.
 Was können dann aber die Worte des Paulus heute noch bedeuten? Vielleicht
 kann uns die Unterscheidung von"letzten und vorletzten Dingen", die
 Dietrich Bonhoeffer geprägt hat, weiterhelfen. Alles das, was Paulus hier
 nennt - Ehe, Freude, Trauer, weltliche Geschäfte -, gehört in den Bereich
 des Vorletzten. In diesem Bereich haben sie ihr Recht und ihre Bedeutung.
 Wir werden sie hier wohl mehr beachten müssen, als es Paulus bei seiner
 Auffassung vom alsbald kommenden Weltende getan hat. Aber wir dürfen nicht
 übersehen, daß sie nur Vorläufiges sind. Das Letzte ist immer, daß Gott den
 sündigen Menschen aus Gnade allein annimmt. Doch wir leben noch im
 Vorletzten. So haben wir also diesem Vorletzten in unserem Leben den
 rechten Raum zu geben und es nicht einfach beiseite zu schieben. Tun wir
 das, dann haben wir den Apostel recht verstanden.@{b}

 Herr Jesus Christus! Du bist der Herr in Zeit und Ewigkeit. Laß uns
 erkennen und tun, was du in dieser Zeit von uns erwartest. Führe uns, wenn
 unsere Zeit endet, zu deinem ewigen Heil! Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 7d" "1.Korinther 7,25-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 7,25-40@{ui}

@{b}                 Unverhindert dem Herrn dienen@{ub}

 Paulus stellt der Ehe die Ehelosigkeit gegenüber. Für Christen ist beides
 gut und erlaubt. Allerdings macht der Apostel keinen Hehl daraus, daß er
 selbst die Ehelosigkeit höher einschätzt. Warum? Der Apostel lebte mit den
 damaligen Gemeinden in der Erwartung, Christus würde bald wiederkommen.
 "Die Zeit ist kurz", schreibt er in V.29. Und in V.26 meint er, daß es in
 den Nöten der Endzeit besser sei, ehelos zu bleiben. In V.35 nennt Paulus
 einen weiteren Grund, der ist für unsere Betrachtung besonders wichtig. Wer
 ehelos lebt, kann das aus einer Führung und Berufung heraus tun. Er hat
 Kräfte frei für bestimmte Aufgaben. Wer unverheiratet lebt, kann in mancher
 Beziehung ungehinderter für Gott und die Menschen leben als jemand, der
 durch familiäre Sorgen und Rücksichten in Anspruch genommen wird. In
 evangelischen Kreisen ist eine solche positive Sicht der Ehelosigkeit recht
 unüblich. Müssen wir in dieser Frage nicht manche Vorurteile abbauen? Wer
 in freiwillig übernommener oder bejahter Ehelosigkeit lebt und arbeitet,
 ist kein bedauernswerter Mensch (wie man das manchmal hören kann). Nein, er
 hat Möglichkeiten des Lebens und des Dienstes, die den Verheirateten nicht
 gegeben sind. Verheiratete und Unverheiratete in der Gemeinde sollten sich
 gegenseitig und Untereinander ehren und achten. Zuletzt geht es doch darum,
 daß über der Ehre und über der Ehelosigkeit der Herr Jesus Christus steht.
 "Denn das Wesen dieser Welt vergeht."@{b}

 Jesus Christus, wir bitten dich für alle, die ehelos leben, und für alle,
 die verheiratet sind. Gib, daß sie und wir nicht selbstsüchtig leben. Laß
 uns dich an die erste Stelle setzen. Amen.@{ub}


@{i}                         1.Korinther 7,25-40@{ui}

@{b} Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz.@{ub}
 1.Korinther 7,29 (LB)

 Nach der kurzen Abhandlung über den Stand des Christen nimmt Paulus wieder
 die Fragen auf, die ihm die Korinther wohl im Zusammenhang mit der
 Darstellung ihrer Probleme des Zusammenlebens der Geschlechter gestellt
 haben. Wir haben dabei Anlaß, uns der schon gestellten Frage zu erinnern,
 ob solcher Rat zu erinnern, ob solche Sicht des Paulus und solcher Rat
 damals geholfen haben und uns heute helfen können. Auch hier ist das immer
 noch eine offene Frage. Ein zweiter Blick jedoch ermöglicht uns Einsicht in
 die Absichten des Paulus über seine nun wirklich zeitgebundenen und
 frag-würdigen Ratschläge und Ansichten hinaus. es geht Paulus allein um das
 Verhältnis der Glaubenden zum bald kommenden Herrn, welches das Verhältnis
 zur Welt bestimmt. Die fünffache Variation des "Haben, als hätte sie nicht"
 will das, verbunden mit dem Hinweis "Kurz ist die Zeit", deutlich machen.
 Wie Christen in Korinth damals und heute überall ihr Christsein
 verwirklichen, dafür nimmt Paulus dem einzelnen die Entscheidung nicht ab.
 Er zeigt einzig Kriterien auf und warnt gleichzeitig vor Selbsttäuschung
 über die eigenen Möglichkeiten. Vielleicht hätte mancher gern eindeutigere
 Worte von Paulus gehört. Möglicherweise liegt in solchem Wunsch auch der
 Grund dafür, daß mancher sich lieber auf die Buchstaben der Ratschläge -
 trotz all ihrer Zeitgebundenheit und Fragwürdigkeit - des Paulus verläßt es
 Paulus, daß vom Geist Gottes, vom Glauben her die Entscheidungen im Leben
 eines Christen getroffen werden müssen.@{b}

 Mein Gott, es ist so schwer, den zweiten Blick hinter die Buchstaben deines
 Wortes zu wagen. Wir halten uns lieber an fragwürdige Buchstaben als an den
 in ihnen verborgenen guten Geist Gottes. Er allein macht uns frei zu
 verantwortlichem Handeln. Er gibt dem menschlichen Miteinander in dieser
 Welt Würde und Wert. Mein Gott, ich möchte deinem Geist treu sein und dir
 ungehindert dienen können. Amen.@{ub}
                                                 Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 8a" "1.Korinther 8,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                1.Korinther 8,1-6@{ui}
@{b}           Es ist kein Gott als der eine @{ub}
 Erlaubt ist, was der Leibe dient. So läßt sich die Botschaft dieses
 Schriftabschnittes zusammenfassen. Paulus sagt: alles ist erlaubt. Aber er
 ergänzt dies durch den Hinweis: das ist erlaubt, was gleichzeitig auch den
 Nächsten fördert. - In der Gemeinde zu Korinth gab es damals heftige
 Diskussionen um die Frage von Götzenopferfleisch. Das war Fleisch, das
 Götzen geopfert worden war. Zwecks weiterer Verwendung wurde es dann zu
 günstigen Bedingungen der Bevölkerung als Speisefleisch angeboten. In der
 Gemeinde gab es nun Glieder, die lehnten den Verbrauch solchen Fleisches
 ab. ein Christ, der solches Fleisch esse, verunreinige sich. Er begebe sich
 damit in den Einflußbereich der Götzen. Paulus versucht, die Vertreter
 dieser Meinung von ihrem Standpunkt abzubringen. Seid ihr nicht
 überängstlich? fragt er sie. Haben denn die Götzen überhaupt Macht? Paulus
 leugnet nicht, daß der Mensch sich falsche Götter machen kann. er weiß
 auch, daß es Mächte gibt, die auf den Menschen einen verhängnisvollen
 bindenden Einfluß auszuüben vermögen. Aber: ihr Christen seid doch davon
 frei geworden! Ihr habt doch euren Gott als den einen und einzigen Herrn
 erkannt. Ihr wißt um die Rangordnung. Gehört ihr Gott, dann gehört euch
 alles. Ihr könnt essen und trinken, tanzen und lachen, arbeiten, euch
 freuen, und nichts kann euch versklaven, weil ja die Liebe zu Gott euer
 Leben beherrscht. Alles ist euch erlaubt. Doch eine Grenze hat eure
 Freiheit. Das sind die anderen Gemeindeglieder und die anderen Menschen,
 mit denen ihr zusammenlebt. Erlaubt ist alles, was gleichzeitig auch den
 Nächsten fördert. @{b}
 Gott, du bist der eine Gott und außer dir ist keiner. Das schenkt uns
 Freiheit. gib, daß wir uns dieser Freiheit freuen. hilf uns aber auch,
 unseren glauben zum besten unserer Mitmenschen zu leben. Amen. @{ub}



@{i}                  1.Korinther 8,1-6@{ui}
@{b} Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.@{ub}
      1.Korinther 8,3(LB)
 Paulus hat noch eine Anfrage aus seiner Gemeinde in Korinth zu beantworten:
 Wie halten wir Christen es mit dem Essen von Götzenopferfleisch, das auf
 den Märkten von Korinth angeboten wird? Solches Fleisch fällt immer wieder
 bei den Opferhandlungen in den Tempeln der Stadt an und kommt dann auf die
 Fleischbänke. oder dürfen wir Christen unbesorgt an einem Essen mit
 Freunden und Verwandten im Anschluß an eine Opferhandlung teilnehmen?
 Solche Fragen zeigen, daß das Leben der christlichen Gemeinde sich in einem
 engen Geflecht von Heidnisch-Kultischem und Profanem abspielt, wie wir es
 heute nur schwer nachvollziehen können. Für die Christen Korinths waren es
 lebenswichtige Fragen, weil sie die Glaubwürdigkeit ihres Glaubens
 befragten. Wo wird unser Glaube heute glaubwürdig? In Volksbräuchen und
 kirchlichem Brauchtum? In der Anwesenheit der Kirche auf allen Festwiesen
 und Schützenplätzen, allen Medien oder gesellschaftlichen Ereignissen?
 Oder...? Einige hatten damals Antwort. Enthusiastisch lebten sie ihrer
 Erkenntnis: Alles ist erlaubt. Denn der Christ sei frei und selbst unreine
 Dinge berührten das neue Leben in christlicher Freiheit nicht. Solcher
 Erkenntnis stellt Paulus die Liebe gegenüber. Sie rückt zurecht, ist Ruf
 zur Vernunft gegenüber aller Schwärmerei. Es ist gut, bei der Feststellung
 "Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf" an das "Hohelied der Liebe"
 einige Kapitel weiter in diesem Brief zu denken. Die Liebe rückt die
 Verantwortung für den anderen Menschen vor Gott und der Welt ins Blickfeld.
 @{b}
 Mein Gott, meine Welt ist anders als die damalige. Aber von den
 Gefährdungen sich blähender Erkenntnis weiß ich auch aus eigener Erfahrung.
 Oft fehlt mir die liebe. Ich bin nicht sicher, ob ich liebend angenommen
 bin. erkenne mich, Gott, und laß es mich glaubend annehmen, damit ich
 anderen rücksichtsvoller, liebevoller begegnen kann. Amen.@{ub}
                                                       Rainer Bookhagen



@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 8b" "1.Korinther 8,7-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 8,7-13@{ui}

@{b} Seht aber zu, daß diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß
 wird!@{ub}   1.Korinther 8,9 (LB)

 Es scheint Kennzeichen derer zu sein, die alle Antworten auf die wichtigen
 Fragen in der korinthischen Gemeinde haben, daß sie die Bindungen der
 Verantwortung für den anderen Menschen nicht wahrhaben wollen. Jeder von
 uns kennt solche abgehobenen Besserwisser und muß sich, bei einiger
 selbstkritischer Sicht, zu Zeiten auch dazu rechnen.
 Dagegen wendet sich Paulus. Er erwartet, daß Christen sich bei ihrem Tun
 und Lassen etwas denken, und zwar in doppelter Weise. Es ist für Paulus
 wichtig, zum einen darüber nachzudenken, ob das, was es zu tun gilt,
 sachlich richtig ist. Speise wird uns nicht vor Gottes Gericht bringen; das
 ist der die Sache betreffende Gedanke.
 Zum anderen ist Rücksicht zu nehmen auf konkrete Menschen - damit ich
 meinen Bruder nicht zu Fall bringe; das ist der Gedanke der Rücksichtnahme.
 Dieses doppelte Nachdenken geschieht bei Paulus unter dem Vorzeichen der
 Freiheit - Freiheit nicht als ein Recht, sondern gerade als den Verzicht
 auf das eigene recht, um des anderen Menschen willen. Ihren Ursprung hat
 solche Freiheit in der Bindung an das Evangelium.@{b}

 Gott, wie sehr ist mein Nachdenken besserwisserisch nur an
 Ermessenspielräumen interessiert. Wenig fragt mein Gewissen im Gehorsam
 deiner Freiheit nach dem, was sachlich notwendig ist und was die Liebe
 gebietet. Mein Gott, laß mich durch Jesus Christus erkennen, was deiner
 Sache dient und den Bruder gelten läßt. Hilf mir, deine Freiheit recht
 wahrzunehmen. Amen.@{ub}
                                                Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 9a" "1.Korinther 9,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 9,1-12@{ui}

@{b}                     Freiwilliger Verzicht@{ub}

 Wer von uns möchte gern frei sein? Immer tun und lassen können, was er
 will. Alles haben können, was man sich wünscht. Ein herrliches Leben!
 Unsere Gedanken gehen wohl immer nur in diese eine Richtung. Aber haben wir
 uns schon mal überlegt, daß wir auch die Freiheit haben, auf etwas zu
 verzichten, was uns zusteht? Vielleicht wird sogar erst darin die echte
 Freiheit sichtbar! Der Apostel Paulus verdeutlicht - fast mit einer
 gewissen Heftigkeit -, daß die höchste Freiheit sich für ihn im Verzicht
 zeigt.
 -Als Jesus die 70 Jünger aussendet mit dem Auftrag, das Evangelium zu
 verbreiten, sagt er ihnen: "Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert!" Ihr
 braucht euch also nicht um euren Unterhalt zu sorgen.-
 Demzufolge ist Paulus und seinen Mitarbeitern auch gewährleistet, was sie
 zum Leben nötig haben. Paulus jedoch, der so gut wie all die anderen ein
 von Gott Gesandter ist, nimmt sein Recht nicht in Anspruch. Er hat die
 Freiheit, darauf verzichten zu können. Er verdient sich seinen
 Lebensunterhalt durch seiner Hände Arbeit, damit keiner ihm unlautere
 gründe nachsagen kann, wenn er mit Eifer "Geistliches sät".
 "Was bringt es ein?" so wird heutzutage bei jeder Arbeit gefragt. Wer aber
 von der Liebe Gottes überwältigt wurde, wem das Sterben Jesu sein wahres
 Leben bedeutet, der ist innerlich frei. Ihm ist die Verbreitung des
 Evangeliums wichtiger als ein nach allen Seiten abgesichertes Leben, "um
 nicht dem Evangelium Christi ein Hindernis zu bereiten" (V.22).@{b}

 Lieber Herr, wir danken dir, daß wir mehr haben, als wir brauchen. Laß uns
 das erkennen, damit wir nicht immer denken, wir kommen zu kurz. Ermutige
 uns öfter zum Verzicht, daß die Freiheit deiner Kinder auch für andere
 sichtbar wird. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 9,1-12@{ui}

@{b} Wenn andere dies Recht bei euch haben, haben wir es dann nicht viel
 mehr?@{ub}   1.Korinther 9,12 (LB)

 Paulus kommt auf sich selbst zu sprechen. An seiner eigenen Person will er
 den Glauben, den er verkündigt, glaubwürdig machen; will seine Gebundenheit
 an das Evangelium verdeutlichen. Vielleicht ist es so, daß Paulus sich mit
 dieser Haltung nicht unbedingt überall Freunde gemacht hat. Gewiß werden
 ihm manche, innerhalb und außerhalb der christlichen Gemeinde, mit Kritik
 begegnet sein. Sie werden ihm Inkonsequenz, Zweideutigkeit vorgehalten
 haben, und daß er sein Mäntelchen nach dem Winde hinge. Sie stellten seine
 Autorität in Frage. Wahrscheinlich will Paulus mit dem Hinweis auf die
 Rechtmäßigkeit seines Apostelamtes auch seine Autorität unterstreichen.
 Seine Erfolge in der Missionsarbeit waren ihm nicht gleichgültig. Wenn
 Paulus auf diese Weise Position bezieht, indem er sich zurücknimmt, dann
 ist das nicht Anpassung und Inkonsequenz, sondern das Bemühen, die eigene
 Person durchscheinend zu machen. sich hineinzuversetzen in die Welt der
 Andersdenkenden, ihre Gedanken mitzudenken, um seinen Glauben glaubwürdig
 in ihre Sprache und Ausdrucksweise zu formulieren, "...damit wir nicht dem
 Evangelium von Christus ein Hindernis bereiten."@{b}

 Gott, oft bringe ich mich an falscher Stelle ins Spiel, aus
 Selbstüberschätzung oder aus dem Wunsch, mich ins rechte Licht zu setzen.
 Setze du mich ins rechte Licht, daß ich mit meinem Leben durchscheinend
 werde für die Botschaft von Jesus Christus. Amen.@{ub}
                                                  Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 9b" "1.Korinther 9,13-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 9,13-18@{ui}

@{b}                     Verzichtet er wirklich?@{ub}

 Dieser Abschnitt gehört ganz eng zu den ersten Versen des 9.Kapitels.
 Freiwillig gibt Paulus das Recht auf, von der christlichen Gemeinde
 unterhalten zu werden. Er verzichtet also gleichsam auf den Lohn. Aber
 verzichtet er wirklich?  Gerade in den Versen 13 bis 18 spricht er ja
 dauernd von "Ruhm" und "Lohn".
 Wir können eine merkwürdige Feststellung treffen: Der Verzicht auf Lohn
 (von der Gemeinde) ist paradoxerweise der "Lohn", um den es ihm zu tun ist.
 Er bewahrt sich darin seine Unabhängigkeit von jedermann; nur an Christus
 ist er gebunden! Der Apostel macht klar, daß er predigen muß! Er steht
 unter einem Zwang, dem er kaum entrinnen kann. Als Christus ihm vor
 Damaskus zum ersten Male begegnet, sagt er zu ihm: "Es wird dir schwer
 sein, wider den Stachel zu löcken!" Dieser Unwiderstehlichkeit des
 Auftrags ist Paulus ausgeliefert. Aber das "Muß" ist ganz in sein eigenes
 Wollen und Wünschen eingegangen, dem er fröhlich gehorcht. Deshalb kann er
 wohl auf den Lohn der Gemeinde verzichten, denn daß Christus so von ihm
 Besitz ergriffen, ihn in Dienst genommen und autorisiert hat, das ist seine
 Freiheit und sein "Ruhm" oder "Lohn". Auf die Gebundenheit an Christus
 verzichtet er also nicht; sie bedeutet ihm mehr als alles andere.
 In der Liebe zu einem Menschen stehen wir auch oft unter Zwängen. Und doch
 empfinden wir keine größere Befriedigung, als wenn wir für diesen Menschen
 etwas tun können. Eine Bezahlung würde uns kränken. - Könnten wir nicht von
 Paulus lernen, daß der Dienst für Gott allein schon froh macht und unser
 Leben bereichert?@{b}

 Herr Jesus Christus, laß uns deine Liebe so stark empfinden, daß wir nicht
 mehr loskommen von dir. Und dann hilf uns, dir mit den Gaben und Kräften zu
 dienen, die du uns gegeben hast. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 9,13-18@{ui}

@{b} Ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht
 verkünde.@{ub}   1.Korinther 9,16 (EÜ)

 Paulus beschreibt seine Berufung und Sendung zum Apostel als einen auf ihm
 liegenden Zwang. Er muß das Evangelium verkünden; er kann gar nicht anders.
 Wir Menschen haben oft feste Vorstellungen davon, wie man etwas tun und
 ausführen muß, wie man sich zu verhalten habe...Das mag oft hilfreich,
 manchmal sogar notwendig sein. Aber diese Vorstellungen, die sich zu
 Verhaltensmustern und -regeln verfestigen können, werden gesprengt, wenn
 Gottes mächtiger Geist ergreift und befähigt zu besonderen Taten im Dienst
 am Heil des Menschen. Gottes Geist führt oft Wege, die nicht verstanden
 werden. Gottes Geist ruft und befähigt zu einer Lebensweise, die außerhalb
 des "Normalmaßes" liegt.
 Paulus fühlt das göttliche Muß, er gehorcht und erfährt daß die Menschen
 ihm nicht nur mit Unverständnis begegnen, sondern mit Ablehnung. Um seiner
 Aufgabe willen verteidigt er sich und wirbt um Verständnis.@{b}

 Herr Jesus Christus, du rufst alle Menschen, dir nachzufolgen, jeden auf
 seine Weise. Du hast auch mich gerufen zum Dienst der Liebe, zum Dienst am
 Heil der Welt.
 Führe mich auf deinen Wegen und laß mich stets auf dein Wort hören. Lehre
 mich, deinen Willen zu erkennen und die Aufgabe zu sehen, die du mir
 zugedacht. Alles, was du mir geschenkt hast, will ich dafür einsetzen,
 unbekümmert darum, ob die Menschen mich verstehen. Daß du mich brauchen
 willst, ist Freude und Erfüllung.
 Hilf mir, daß ich meinen Blick für die Menschen nicht verstellen lasse
 durch ihr Unverständnis und ihre Abwehr. Sei du selbst die Tür zu ihrem
 Herzen, durch die deine Botschaft ankommt. Herr, laß mein ganzes Leben zu
 einem Zeugnis deiner Liebe und zu einem Lobpreis deines Erbarmens werden.
 Amen.@{ub}
                                               Mediatrix Altefrohne


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 9c" "1.Korinther 9,16-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 9,16-23@{ui}

@{b}                     Freiheit und Gehorsam@{ub}

 Paulus sagt, er sei "allen alles geworden". Wie meint er das? Will er, daß
 jeder "nach seiner Fasson selig werden" soll? Seine Verkündigung richtet
 sich an Juden, Gesetzestreue im Sinne des Alten Testaments; sie richtet
 sich ebenso an Menschen, denen das ihm bekannte Gesetz Gottes überhaupt
 nichts bedeutet; an Schwache wendet sie sich auch, die ängstlich am Gesetz
 festhalten, obwohl sie durch Christus davon befreit wurden. Dabei geht er
 auf den einzelnen ein. Das ist kein taktisches Manöver, sondern er nimmt
 jeden seiner Hörer und Leser in seiner Eigenart ernst. Das heißt aber
 nicht, daß er jeden darin bestätigt. Paulus holt seine Hörer vielmehr ab
 und führt sie heraus zu etwas Neuem. Dieses Neue ist das Evangelium, und
 das heißt für ihn, Rettung durch Christus. Wer einen Ertrinkenden retten
 will, muß ins Wasser. Es nutzt nichts, wenn er ihm vom Ufer aus mit Worten
 das Schwimmen beibringen will. Paulus hat einen Auftrag und führt ihn aus.
 Daß er so ausführlich auf seine eigene Einstellung dabei eingeht, zeigt,
 daß der, der verkündigen will, zuerst selbst mit Gott klarkommen muß, ehe
 er anderen dazu verhelfen kann. Es steht ein "Muß" Gottes hinter dem, was
 Paulus tut. Er nennt es sogar "Zwang". Freilich weiß er auch, daß mit dem
 Auftrag -wenn er gehorcht- eine Vollmacht verbunden ist, die er sonst nicht
 hätte. Nur so kann er alle Widrigkeiten bis hin zur wiederholten
 Lebensgefahr ertragen. Als Bote Gottes kann er sich den ganz
 verschiedenartigen Menschen zuwenden. Er löst das Evangelium nicht zu einem
 bloßen Miteinander mit den anderen auf, sondern er bringt es ihnen nahe als
 den Herrschaftsanspruch Jesu Christi, der zugleich unser Herr und unser
 Bruder ist, Diese Verkündigungsweise stellt an uns die Frage, wie wir
 anderen Menschen begegnen in ihren Fragen und Sorgen. Ob wir ihnen zunächst
 einmal zuhören können? Ob wir mit ihnen zweifeln, klagen oder rechten? Oder
 ob wir Gewißheit, Trost oder Zurechtweisung vorbringen können? Das hängt
 auch von unserem Tun ab. Letztlich aber liegt es daran, wie wir uns dem
 Auftrag Gottes stellen und welche Stelle Christus in unserem Leben
 einnimmt. Freiwillige Unterordnung ist das, was Gott von uns erwartet.
 Vollmacht, in seinem Namen Menschen zu begegnen, gibt er uns.@{b}

 Herr, nun nehmen die Tage wieder ab, und du zeigst uns am Auf und Ab im
 Leben Johannes des Täufers, welche Wege du führst, wenn wir deinem Wort
 gehorchen. Laß auch uns auf deinen Willen und Auftrag achten und mache uns
 zum Segen für andere. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 9d" "1.Korinther 9,19-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 9,19-23@{ui}

@{b}                       Charakterlos?@{ub}

 Freiheit und Charakterlosigkeit dürfen wir hier nicht miteinander
 verwechseln. Man könnte nämlich die Worte des Apostels dazu mißbrauchen,
 sich ein gutes Gewissen zu schaffen, wenn man den Mantel nach dem Winde
 hängen will. Paulus sagt: Ich bin allen alles geworden, Das heißt doch: Ich
 habe mich allen angepaßt. Ich bin den Frommen ein Frommer, den
 Unkirchlichen ein Unkirchlicher geworden, um bei ihnen allen mit meiner
 Botschaft ankommen zu können.
 Aber ist das nicht innere Unredlichkeit? Müssen wir in eine Maskerade
 schlüpfen, um an andere Menschen "heranzukommen"? Natürlich haben wir schon
 oft erlebt, daß eine unsichtbare Mauer zu wachsen anfängt zwischen dem
 Christen und dem Nichtchristen, wenn die innerste Gebundenheit des Christen
 sichtbar wird. Aber Paulus meint im Grunde ja hier etwas ganz anderes als
 eine raffinierte Tarnung, um fromme Geschäfte zu machen. Er meint vielmehr
 den Dienst an jedermann mit der Hingabe des ganzen Herzens in der Freiheit,
 die allein Christus schenkt. Er meint das Verzichtenkönnen auf angestammte
 Rechte und das Hingehen zu den einzelnen in der Liebe, die nicht erst
 fragt: Was bist du? Welcher Weltanschauung rechnest du dich zu? Im Sinne
 des Paulus könnten wir sagen: Auch wenn man uns nicht recht ernst nimmt,
 wir gehen hin und versuchen Liebe zu üben.
 Dürfen wir denn unsere Frömmigkeit wie eine sichere "Beute" festhalten? Das
 ist unmöglich. Wir wollen für die anderen dasein, wie Christus für uns
 dagewesen ist. Vielleicht eröffnen wir ihnen so den Weg zu Christus.@{b}

 Herr, hilf in dem Bemühen, so zu denken, wie andere denken, damit wir ihnen
 das Wort sagen können, das sie gerade brauchen, um dir näher zu kommen.
 Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 9,19-23@{ui}

@{b} Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen.
 Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten.@{ub}
 1.Korinther 9,22 (EÜ)

 Paulus schreibt von sich, daß er den Juden ein Jude, den Gesetzlosen ein
 Gesetzloser und den Schwachen ein Schwacher geworden ist. Kann man das,
 darf man das, ohne sich dabei in gefährlicher Weise aufzugeben? Verliert
 man sich nicht dabei? Paulus hat nicht sein Selbst aufgegeben, sondern er
 hat sich "für alle zum Sklaven gemacht" (vgl.1.Korinther 9,19). Hier liegt
 wohl der Schlüssel zum Verständnis. Der Sklave war in jenen Zeiten eine
 Ware, ohne Recht und ohne Ansehen. Paulus möchte alle Menschen zu Christus
 führen. Das kann er nur, wenn er den einzelnen Menschen in seiner
 jeweiligen Situation abholt. Dazu muß der Apostel alles eigensüchtige
 Streben, alles Verlangen nach Anerkennung und Erfolg ablegen; er muß leer
 werden, er macht sich zum Sklaven. Er tut das mit Blick auf seinen Herrn,
 der sich entäußert und wie ein Sklave wurde (vgl.Philipper 2,7). Er nimmt
 Maß an Christus, der am Abend vor seinem Leiden Sklavendienste an seinen
 Jüngern tat und ihnen auftrug: "Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit
 auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe" (Johannes 13,15). Der
 Dienst am heil der Menschen, zu dem Christus auch heute ruft, ist Dienst
 der Fußwaschung. Man muß sich tief bücken, sonst erreicht man nicht die
 Füße, und man muß mit beiden Händen zupacken, sonst wird das Tun
 halbherzig. "Allen alles werden!" In der Hingabe der Liebe gibt sich der
 Mensch nicht auf, sondern gewinnt sich neu.@{b}

 Gott, dein Sohn Jesus Christus ist das Weizenkorn, das für uns starb. Wir
 leben aus seinem Tod. Nimm von uns die Angst, für andere verbraucht zu
 werden. Hilf uns, einander Gutes zu tun, damit wir nicht vergeblich leben,
 sondern Frucht bringen in Jesus Christus. Amen.@{ub}
                                               Mediatrix Altefrohne


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 9e" "1.Korinther 9,24-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 9,24-27@{ui}

@{b}                  Wer kämpft, legt sich Verzicht auf@{ub}

 Mit dieser Bildrede führt uns Paulus in die Sportarena. Seinen Lesern war
 das vertraut. Auch in Korinth wurden die weithin bekannten "Isthmischen
 Spiele" durchgeführt. Paulus ist der Meinung, daß auch Christen von den
 damaligen Sportlern etwas lernen können. Bei diesen gehörte eiserne
 Selbstzucht zu den Voraussetzungen, ohne die man niemals siegen konnte. Da
 konnte ein Kämpfer nicht einfach nach seinem Belieben leben. Wer einen
 Erfolg erringen wollte, mußte schwere Entbehrungen auf sich nehmen. Paulus
 nimmt diese Sportler als Beispiel. Er wird daran denken, wieviel Halbheit
 und Laxheit dagegen unter den Christen herrscht. Er fragt seine Leser: Was
 laßt ihr euch euer Christsein kosten?? Und weiter: Mußt ihr euch nicht vor
 denen schämen, die um einer vergänglichen Ehre willen sich derart in Zucht
 nehmen? Er meint: Winkt uns Christen nicht etwas viel Höheres?
 Das Bild des Apostels stimmt nicht ganz: Beim Sportkampf gibt es nur einen
 Sieger; Christen aber sollten alle Sieger sein. Paulus weiß: Die Christen
 sind einmal in die rechte Richtung gebracht. Nun müssen sie aber auch in
 dieser Richtung weiterlaufen. Der größte Feind ist dabei - so sagt Paulus -
 unsere eigene Bequemlichkeit. Dieser Bequemlichkeit gilt es abzusagen. Sie
 soll und darf uns nicht auf dem Wege zu dem Ziel, das Christus uns gewiesen
 hat, hindern. Und unser Christsein ist ja nicht immer nur Verzicht und
 Entbehrung; es ist immer auch innere Freude, Bereicherung und
 Lebenserfüllung.@{b}

 Lieber Gott, laß uns ein Leben in deiner Nähe und Gemeinschaft so wertvoll
 sein, daß wir dafür keinen Einsatz scheuen. Ermutige uns, auch andere auf
 diesen Weg mitzunehmen und ihnen vorzuleben, was du uns geheißen hast.
 Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 9,24-27@{ui}

@{b} Vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht
 anderen predige und selbst verworfen werde.@{ub} 1.Korinther 9,27 (EÜ)

 Im Bild von den sportlichen Wettspielen zeichnet Paulus den Ernst der
 menschlichen Bemühungen um ewige Rettung. Es geht um das rechte Ziel, es
 geht um die Konsequenz im Handeln. Und nicht die Größe eines Auftrages oder
 die Würde eines Amtes garantieren das Heil. Der Apostel weiß, wie
 angefochten gerade der Mensch sein kann, der "ein Lehrer des geistlichen
 Lebens" ist. Bescheid wissen reicht nicht aus, Kenntnis von geistlichen
 Zusammenhängen machen den Menschen nicht heilig. Nun ist sicher für viele
 heute der indirekte Rat des Paulus anstößig und reizt zum, Widerspruch: ich
 züchtige meinen Leib und unterwerfe ihn. Haben wir nicht heute
 psychologische Erkenntnisse, daß der Mensch krank wird, wenn er die
 Bedürfnisse seines Leibes und die Triebstrebung seiner menschlichen
 Existenz nicht erfüllt? Paulus weiß, was er schreibt: "Ich züchtige und
 unterwerfe meinen Leib." Der Mensch handelt aus der Freiheit seiner Liebe
 und aus der Erkenntnis seines Glaubens. Er weiß, welche Hindernisse und
 Blockaden in ihm selber sich dem Wirken des Gottesgeistes entgegenstellen
 können. So arbeitet er auf seine Weise daran, daß Wünsche und Strebungen
 und Sehnsüchte, die das menschliche Herz "besetzen" können, geläutert
 werden. "Ich unterwerfe meinen Leib." Das bedeutet: alles diesseitige und
 irdische Begehren wird dem Gericht des Geistes unterworfen und in seinem
 Licht geprüft. Ich meine, das ist eine Askese, die uns auch heute nottut...
@{b}
 Barmherziger Gott, wecke uns aus unserer falschen Sicherheit. Befreie uns
 von unserer Selbstgerechtigkeit und heile uns durch Jesus Christus, den
 Arzt der Kranken, den Heiland der Sünder, der mit dir lebt und herrscht in
 alle Ewigkeit. Amen.@{ub}
                                                Mediatrix Altefrohne


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 10a" "1.Korinther 10,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 10,1-13@{ui}

@{b}                    Gefährliche Selbstsicherheit!@{ub}

 Es ist gut, wenn sich Christen ihres Glaubens freuen können! Gefährlich
 aber ist es, wenn sie dabei zu selbstsicher werden! Paulus hatte solche
 Menschen in Korinth vor Augen. Diese nahmen sich Freiheiten heraus, mit
 denen sie bei anderen Christen Anstoß erregten. Falsche Sicherheiten können
 für Christen gefährlich werden. In diesem Zusammenhang verweist Paulus auf
 die Geschichte Gottes mit Israel. In besonderen Erscheinungen der
 Wüstenwanderung sieht Paulus Gnadengaben wie Taufe und Abendmahl bereits
 vorgebildet. Aber schon in der Wüste kamen viele Israeliten trotz der ihnen
 geschenkten Gnadengaben ums Leben. Sie waren ihre eigenen Wege gegangen und
 hatten Gott nicht mehr ernst genommen. Paulus verweist hierauf als
 warnendes Beispiel, daß die in der Taufe begründete und durch Teilnahme am
 Abendmahl praktizierte Zugehörigkeit zur Gemeinde Jesu Christi nichts
 bewirkt, wenn beim Menschen Glaube und gehorsam fehlen. Die sich dahinter
 verbergende Selbstsicherheit der Menschen macht sie blind für die vielen
 Versuchungen, denen sie ausgesetzt sind. Aber gerade diese gilt es zu
 erkennen, da durch sie unser Glaube angefragt ist. Glaube bedeutet
 Vertrauen. Und nur solches Vertrauen zu Gott, das sich im Glaubensgehorsam
 verwirklicht, hat eine große Verheißung, die in Gottes Treue begründet ist.
 Es ist gut, daß wir kritische Situationen zu bestehen haben.
 Selbstsicherheit und Überheblichkeit bringen uns da nicht weiter. Gottes
 Treue allein vermag uns zu halten, wenn wir uns ihm mit unserem Glauben
 zuwenden.@{b}

 Lieber Herr! Du hast uns als dein Eigentum angenommen. Wir danken dir dafür
 und bitten dich: Hilf uns, daß wir dir in allen Stücken vertrauen und von
 dir allein alles erwarten. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 10,1-13@{ui}

@{b} Wer also zu stehen meint, der gebe acht, daß er nicht fällt.@{ub}
 1.Korinther 10,12 (EÜ)

 Wir kennen das alle: irgendwie vereitelt allzu große Sicherheit oft das
 Gelingen eines Tuns. Das reicht von der verpatzten Kür des Eiskunstläufers
 bis zum Steckenbleiben beim Rezitieren eines Gedichts. Das mit großer
 Sicherheit angefangene Werk bleibt auf der Strecke. Es ist, als ob
 plötzlich aller Boden entschwindet, alle erlangte Fertigkeit löst sich auf
 in lähmender Verwirrung.
 "Wer also zu stehen meint", mahnt Paulus, "der gebe acht, daß er nicht
 fällt!" Was hilft uns, stehen zu bleiben und in der Prüfung nicht zu
 versagen - auf dem Weg der nachfolge Christi zu bleiben - im Dienst der
 Liebe nicht zu ermüden? Gewiß ist die Sicherheit des Routiniers eine
 schlechte Hilfe, weil Standfestigkeit, Treue und Liebe uns nie in der Weise
 des Besitzes zu eigen werden. Romano Guardini hat diese Erkenntnis so
 umschrieben: "Ich 'bin' nicht Christ, sondern, wenn Gott es schenkt, auf
 dem Wege es zu werden. Nicht in der Form eines Habens, oder gar eines
 Standortes für die Beurteilung der anderen, sondern in einer Bewegung.
 Christ kann ich nur sein, wenn ich mir der Gefahr bewußt bleibe,
 abzufallen...Nichts ist mir in der Weise der Sicherheit gegeben; alle nur
 in der Weise des Anfangens, des Unterwegsseins, des Werdens, des
 Vertrauens, der Hoffnung und der Bitte.@{b}

 O Herr, ich gebe mich ganz in deine Hände. Mache mit mir, was du willst. Du
 hast mich für dich geschaffen. Ich will nicht mehr an mich selber denken.
 Geh deinen Weg mit mir. Laß mich alles vor dein Angesicht tragen, um dein
 Ja zu erfragen bei jedem Wollen und deinen Segen für jedes Tun. So sei es,
 mein Herr Jesus, ich gebe mich dir ganz.(John Henry Newman)@{ub}
                                                Mediatrix Altefrohne


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 10b" "1.Korinther 10,14-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 10,14-22@{ui}

@{b}                      Geschenkte Gemeinschaft@{ub}

 Wir Menschen brauchen die Gemeinschaft untereinander. Wer sich absondert,
 wird einsam und sein Leben als Last empfinden. Gott will, daß wir in guter
 Gemeinschaft miteinander leben können! Deshalb ist er in Jesus Christus zu
 uns gekommen, um solche Gemeinschaft zu stiften. In der Teilnahme an der
 Feier des Abendmahls wird diese Gemeinschaft für uns erfahrbar. Sie ist
 zunächst Gemeinschaft mit Jesus Christus. Indem er uns Gemeinschaft
 schenkt, stellt er uns gleichzeitig in die Gemeinschaft derer, die mit uns
 an Jesus Christus teilhaben. Diese Zugehörigkeit zur Abendmahlsgemeinschaft
 in der sich der geistliche Leib Christi darstellt, ist kein fester und
 unverlierbarer Besitz. Paulus sieht hier eine große Gefahr für die
 Korinther. Das erste Gebot ist nach wie vor in Geltung. Gott und die Götzen
 schließen einander aus. Nicht daß Paulus die Existenz von Göttern oder
 Götzen anerkennt, doch ist er von der Wirksamkeit böser Geister oder
 Dämonen überzeugt. Sie versuchen, die Menschen an sich zu binden.
 Götzendienst ist dann immer die Hinwendung zu dem, was so leicht das Leben
 der Menschen bestimmt. Hier wäre an Lieblosigkeit, Zwietracht, Neid und
 Habsucht zu denken. Solcher Götzendienst hat aber keine Verheißung.
 Gemeinschaften, die Menschen unter diesem Vorzeichen suchen, sind nicht
 beständig. Immer werden die Menschen am Ende die Betrogenen sein. Christus
 schenkt uns eine Gemeinschaft, die bleibt, weil sie im Zeichen des Lebens
 steht. Sie gibt uns die Kraft, unseren Alltag mit seinen vielen Aufgaben
 aus dem Glauben an Jesus Christus heraus zu bewältigen.@{b}

 Herr Jesus Christus! Laß uns erkennen, daß wir durch deine Hingabe dir
 gehören und uns eins wissen dürfen mit allen, die an dich glauben. Laß uns
 darüber dankbar und froh werden. Amen.@{ub}


@{i}                   1.Korinther 10,14-22@{ui}

@{b} Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot
 ist es. Darum sind wir viele ein Leib.@{ub}  1.Korinther 10,16-17 (EÜ)

 Nicht Bilder werden gezeichnet, sondern eine Wirklichkeit beschrieben.
 Jesus gibt sich hin als "Brot des Lebens" - und die davon essen, werden zu
 einem Leib.
 Eucharistie und Kirche leuchten auf in ihre Beziehung. "Vom eucharistischen
 Mahl her baut sich Kirche auf, und umgekehrt ist Eucharistie ganz dazu da,
 die Menschen in den Leib des Herrn und so in den Geist des Herrn zu
 versammeln, um sie damit selbst zum lebendigen Leib Christi, zum Ort der
 konkreten und wirkmächtigen Anwesenheit Christi in der Welt umzugestalten
 (J.Ratzinger). Wir werden im Essen des eucharistischen Brotes immer mehr
 und immer tiefer zum lebendigen Leib Christi, der sich in all seinen
 Gliedern seinerseits wieder hingibt für die Welt. Ein heiliger Kreislauf
 vollzieht sich. Hier zeigt sich aber auch der konkrete Anspruch dieses
 Sakramentes. Eucharistische Frömmigkeit darf sich nicht erschöpfen im
 geistig-geistlichen Raum der Anbetung und Lobpreisung; eucharistische
 Frömmigkeit nimmt die Gestalt der dienenden Liebe an. Christus hat sich am
 Abend vor seinem Leiden hingegeben als "Brot für das Leben der Welt" - und
 er hat in derselben Stunde seinen Jüngern die Füße gewaschen. "Selig seid
 ihr, wenn ihr das wißt und danach handelt" (Johannes 13.17).@{b}

 Herr Jesus Christus, unsere Augen sehen Brot, doch der Glaube bekennt: du
 bist es.
 Wie dieses Brot werden auch wir gewandelt, wenn wir uns Gott im Glauben
 ganz überlassen. Wir bitten dich, gib uns mit dieser Speise deinen Geist
 ins Herz. Öffne uns dem Wirken des Heiligen Geistes. Laß uns leben in dir.
 Laß uns leben durch dich für unsere Brüder und Schwestern. Dir sei Ehre
 und Lobpreis und Anbetung in Ewigkeit. Amen.@{ub}
                                                Mediatrix Altefrohne


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 10c" "1.Korinther 10,23-11,1"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 10,23-11,1@{ui}

@{b}                       Was dem Guten dient!@{ub}

 Die Christen in Korinth wußten von dem engen Zusammenhang zwischen ihrem
 Glauben an Jesus Christus einerseits und ihrem Verhalten im Alltag
 andererseits. Christlicher Glaube ohne Konsequenzen im Leben ist kraftlos
 und deshalb ohne Wert. Für die Korinther ergaben sich an dieser Stelle
 viele Fragen. Es war sogar zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Sie
 hatten etwas von der Freiheit gehört, zu der Christus befreit hat. Viele
 sahen in dieser Freiheit die Möglichkeit zur Verwirklichung eigener
 Wünsche und Vorstellungen. Wer sich aber selbst im Blick hat, verliert das
 Empfinden für andere Menschen. Doch so soll es in der Gemeinde nicht sein.
 Wohl ist uns Freiheit durch Christus geschenkt, aber es ist uns Freiheit
 durch Christus geschenkt, aber es ist eine Freiheit für Gott. Wir sind
 nicht mehr gebunden an das eigene Ich, das nur den eigenen Vorteil vor
 Augen hat. Die uns geschenkte Freiheit läßt uns nach Gottes Willen fragen
 und gleichzeitig nach allem, was Menschen an unserer Seite in ihrem Glauben
 stärkt. Das erfordert Offenheit, Liebe und Zuwendung. Auch Verzicht wird
 nötig sein, wenn dadurch Hilfe zum Glauben oder Stärkung desselben
 vermittelt werden kann. Für die Korinther hätte es der Verzicht auf den
 Genuß von Götzenopferfleisch sein können; für uns könnte es um den Verzicht
 auf Rechthabenwollen gegenüber solchen Christen gehen, die meinen, aus
 ihrem Glauben andere Konsequenzen ziehen zu müssen, als wir es tun.
 Rechthaberei führt nicht weiter, wohl aber ein Gespräch, das sein Gegenüber
 ernst nimmt. Das schafft ein Miteinander in der Gemeinde, das nicht nur dem
 Guten dienst, sondern mit dem auch Gott die Ehre erwiesen wird.@{b}

 Himmlischer Vater! Wir danken dir für diesen Tag. Gehe du mit uns; segne
 unsre Arbeit und öffne uns die Augen für die Menschen, denen wir begegnen.
 Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 10,23-11,1@{ui}

@{b} Ob ihr also etwas eßt oder trinkt oder etwas anderes tut: tut alles zur
 Verherrlichung Gottes!@{ub} 1.Korinther 10,31 (EÜ)

 Innerhalb der Ausführungen des Apostels über die Gewissensfreiheit des
 Menschen und die soziale Verflochtenheit seiner Gewissensentscheidung steht
 das obige Wort: das ganze Tun des Menschen, ja, auch Essen und trinken soll
 Gott verherrlichen.
 Was bedeutet das: "Gott verherrlichen"? Ist Gott nicht in sich selbst
 ruhend, von heiliger, unantastbarer Herrlichkeit? Kann menschliche
 Verherrlichung ihr etwas hinzufügen? Nein, das kann sie nicht. Und dennoch
 bleibt die Mahnung des Apostels bestehen: "Tut alles zur Verherrlichung
 Gottes!" Im Wort "verherrlichen" steckt nicht nur der Begriff "herrlich",
 sondern auch "Herr". So möchte ich "verherrlichen" hier auch verstehen als
 ein Tun, das das "Herr-sein" des anderen anerkennt. "Gott verherrlichen"
 wäre dann: Gottes Herrschaft bejahen und annehmen. Das drückt sich darin
 aus, daß der Mensch sein ganzes Tun der Hoheit Gottes unterwirft und seine
 Gebote und Weisungen akzeptiert. Er ist der Herr, ihm schulde ich Gehorsam.
 Wenn meine Taten Gott verherrlichen sollen, müssen es Taten sein, die mit
 seinem Willen übereinstimmen, müssen es Taten sein, die wir ihm gegenüber
 verantworten.@{b}

 Gott, du hast den Menschen erschaffen und ihm die Welt anvertraut. Du hast
 ihm Fähigkeiten und Talente gegeben, daß er sein Leben gestalte aus der
 Freiheit seiner Liebe, die du ihm geschenkt hast.
 Wir bitten dich, halte uns in deiner Liebe und bewahre uns in einer Treue,
 daß unser Denken, Reden und Tun dein Lob verkünde und dich als den Herrn
 bezeuge.
 Du bist der Herr, aber du bist bei uns als Bruder und Freund in einem Sohn
 Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.@{ub}
                                               Mediatrix Altefrohne


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 11a" "1.Korinther 11,2-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 11,2-16@{ui}

@{b}                    Ordnung ermöglicht Leben@{ub}

 Die Anweisung des Apostels mögen uns heute überholt vorkommen. Wir haben
 uns daran gewöhnt, daß die Frisuren von Männern und Frauen die jeweilige
 Mode widerspiegeln und von ihr diktiert werden. Aber nun steht hinter
 diesen Anweisungen des Paulus noch etwas anderes, worauf es dem Apostel
 wohl ankam und worauf wir achten sollten. Es geht ihm um Fragen der Ordnung
 in der Gemeinde. Eine innere Ordnung sollte auch eine äußere entsprechen.
 Gott ist ein Gott der Ordnung. Wo Ordnung herrscht, kann Leben bestehen und
 sich entfalten. Unordnung bringt vieles durcheinander und erschwert das
 Miteinander. Aber so soll es in der Gemeinde nicht sein. Da soll nichts das
 gute Miteinander stören. Darum sollen Männer und Frauen nicht durch ihr
 Aussehen andere Christen zum Widerspruch herausfordern. Auch hier gilt der
 Grundsatz des Apostels, daß nur sein darf, was dem Aufbau der Gemeinde
 dient. Gegenwärtig beginnen wir damit, unsere Gemeindeveranstaltungen, ganz
 besonders aber die Gottesdienste, als Feste zu verstehen. Wir "feiern"
 unsere Gottesdienste, auch wenn es noch nicht überall gelingt. Dabei müßte
 es unserem Äußeren anzumerken sein, daß wir zu einem Fest beisammen sind.
 So will Gott unsere Gottesdienste. Doch noch von einer anderen Ordnung
 redet Paulus, nämlich der gegenseitigen Zuordnung von Mann und Frau in
 Jesus Christus. Sie begründet es, daß beide ihren Platz in der Gemeinde
 haben. dabei nehmen beide mögliche Funktionen in er Gemeinde wahr. Paulus
 spricht vom Beten und prophetischen Reden. Wo dieses alles in einer
 Gemeinde möglich ist, da geht es ordentlich zu, und da kann sich
 geistliches Leben entfalten.@{b}

 Himmlischer Vater! Du willst, daß es unter uns ordentlich zugeht. Hilf uns,
 so zu leben, daß wir in guter Weise mit den Menschen auskommen, denen wir
 heute begegnen werden. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 11,2-16@{ui}

@{b} Haltet die Weise, die ich euch gegeben habe.@{ub}
 1.Korinther 11,2 (LB)

 Im Blick auf den für diesen Tag vorgegebenen Textabschnitt gilt das nicht.
 Die Korinther haben nicht nachgegeben! Es ging um die Verschleierung der
 Frauen und Mädchen, die sich im Gottesdienst durch Gebet und prophetische
 Reden beteiligen. Sie sollten verschleiert auftreten. In der Übersetzung
 Luthers wird das nicht deutlich.
 Es war allgemeine Sitte in der Antike, daß die Frauen und Mädchen außerhalb
 des Hauses eine Kopfbedeckung trugen, auch im Tempel. Ob Paulus hier als
 Jude empfunden hat? Denn die Jüdinnen durften nur verschleiert in er
 Öffentlichkeit erscheinen. Merkwürderweise ist er aber ganz damit
 einverstanden, daß die Menschen außerhalb des Judentums unbedeckten Hauptes
 sich zeigen können. Eins bleibt deutlich: Der Apostel verbietet keinesfalls
 ein Auftreten in der Gemeinde. Drei Kapitel später heißt es: Die Frau
 schweige in der Gemeinde! (1.Korinther 14,3f.) Nun ist diese
 Textüberlieferung nicht gesichert, man nimmt an, daß ein Abschreiber der
 Handschrift sie später angefügt hat, um mit der kirchenordnungsartigen
 Bestimmung in 1.Timotheus 2,11 ff. konform zu gehen. Tatsächlich mehren
 sich im Laufe des 1.Jahrhunderts die Verbote eines Auftretens der Frauen im
 Gottesdienst.
 Eine andere Aussage des Paulus macht uns angesichts der Ehekrisen unserer
 Tage nachdenklich. Zwischen Mann und Frau besteht für den Apostel aus der
 Schöpfungsordnung ein wesentlicher Unterschied. So wie das Verhältnis von
 Christus zu seinem Vater in einem für uns nicht auslotbaren tiefen
 Geheimnis verankert ist - nach dem Zeugnis des Neuen Testaments -, so
 spiegelt sich das auch im Zueinander von Mann und Frau wider, in einer
 Erlebnis- und Lebenstiefe, die nicht ausschöpfbar ist. Für Paulus stehen
 Mann und Frau nach Galater 3,28 miteinander gleich im Glauben vor ihrem
 Gott.@{b}

 Herr, in Demut bitten wir dich: Gib mir Weisheit, daß ich das zu verstehen
 suche, was ich brauche für diese Welt und für dein ewiges Reich. Lehre mich
 denken an deinem Weg entlang. Erhalte den Wunsch in mir, klug zu werden,
 daß ich dir besser dienen kann.@{ub} (Aus Afrika)
                                              Erich Beyreuther


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 11b" "1.Korinther 11,17-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 11,17-22@{ui}

@{b}                      Was Gemeinschaft baut@{ub}

 Gemeinsames Essen und Trinken verbindet; außerdem bietet sich hierbei in
 den meisten Fällen die beste Gelegenheit zum Gespräch. Andererseits werden
 wir in der Regel keine Leute einladen, die uns fremd sind oder mit denen
 wir uns nicht verstehen. Worüber sollten wir auch miteinander reden? Darum
 werden sich nur solche Leute an einen Tisch setzen, die sich miteinander
 verbunden wissen. So ist es auch verständlich, daß die Christen von Anfang
 an den gemeinsamen Mahlzeiten große Bedeutung beimaßen; hatte doch Jesus
 selbst immer wieder die Tischgemeinschaft mit den Menschen gesucht. Weil
 sie sich miteinander verbunden wußten, kamen die ersten Christen zu
 gemeinsamen Mahlzeiten zusammen. Anschließend feierten sie, wie es in
 Korinth üblich war, das Abendmahl. Paulus hatte dagegen nichts einzuwenden;
 wohl aber wandte er sich gegen das Verhalten einiger Christen bei solchen
 Mahlzeiten. Sie brachten reichlich Essen mit und verzehrten es vor den
 Augen der Anwesenden, ohne den Ärmeren davon abzugeben. Das mußte diesen
 zur Anfechtung werden. Durch das selbstsüchtige Verhalten einzelner war die
 Gemeinschaft gefährdet. Aber gerade auf eine gute Gemeinschaft
 untereinander kommt es an, wenn Christen gemeinsam das Abendmahl feiern
 wollen. Da muß jeder den anderen im Blick haben und bereit sein, sich auf
 ihn einzustellen, um damit ein gutes Miteinander aufzubauen. Wir gehören in
 der Gemeinde alle zusammen. So hatte es Jesus gewollt, als er seinen
 Jüngern auftrug, in Liebe einander zu begegnen, damit an diesem Verhalten
 ihre Zugehörigkeit zu ihm vor aller Welt sichtbar werde.@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir wissen nicht, was der Tag bringt; wir vertrauen
 aber darauf, daß du da bist und mit uns gehst. Gib, daß uns deine Gegenwart
 Mut macht, alle Aufgaben zuversichtlich anzupacken. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Korinther 11,17-22@{ui}

@{b} Soll ich euch loben?@{ub}   1.Korinther 11,22 (LB)

 Was hier der Apostel voller Leidenschaft nachzureichen sucht, war eine
 Karikatur einer Gemeinde. So sah es in Korinth aus, wenn man sich abends
 zum Gottesdienst vereinte, um gemeinsam das Abendmahl zu feiern. Wie hatte
 der Apostel ihnen das Volk Gottes gezeichnet? So, wie es nicht nur in
 Jerusalem in den Urgemeinden Wirklichkeit geworden war. Es waren
 Bruderschaften, Gemeinschaften von Gläubigen, nicht Christen in der
 Vereinzelung. Die große Aufgabe der entstehenden Kirche war und blieb, das
 Wort Christi weiterzutragen und beständig in der Gemeinschaft, der
 Bruderschaft, zu bleiben. Diese entstehenden Gemeinden hörten nicht nur auf
 das Wort des Christus, sie kamen auch zusammen, um miteinander das Brot zu
 brechen, "wie eine Familie miteinander zu essen und zu trinken und so eine
 am anderen sich zu freuen." Das gehörte zum Wesen ihrer Gottesdienste.
 Dieses Liebesmahl, "agape" genannt, war kein profan verstandenes, sondern
 ein heiliges Mahl für die Urkirche. Und in Korinth, wie sah es da aus?
 Stellten sie einander die irdischen gaben zur Verfügung? Bildeten sie nicht
 einen dunklen Hintergrund, damit die anderen desto heller ins Licht traten?
 In unserem Textabschnitt wird ganz ehrlich eine Not ausgesprochen. Es
 bleibt doch der Auftrag der Christenheit zur Bruderschaft, zu jenem uns
 immer neu aufgegebenen Ringen um ein echtes Miteinander und Füreinander in
 den Gemeinde. Wie weit ist oft der Weg zu dem anderen. In immer neuen und
 nimmermüden Anläufen diese Bruderschaft der Christen erfinderisch in den
 Gemeinden zu praktizieren suchen, das wollte der Apostel damals in Korinth
 sehen. Es ist uns auch heute nichts anderes aufgegeben.@{b}

 Herr, unser Gott, Verkommenheit und Niedertracht können in dein Heiligtum
 eindringen, können deine Gemeinde beflecken. Vielleicht haben wir selbst
 dazu beigetragen: laß uns erkennen, was falsch ist. Reinige uns und schenke
 uns die Kraft zu einem glaubwürdigen Neuanfang.@{ub} (Ludwig Kohlwege)
                                              Erich Beyreuther


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 11c" "1.Korinther 11,23-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 11,23-27@{ui}

@{b}                  Die alles verbindende Mitte@{ub}

 In der korinthischen Gemeinde gab es Leute, die sich anderen im Glauben
 überlegen fühlten und sie das auch spüren ließen. Das hatte zu Spaltungen
 geführt. Sie zu überwinden, war nur möglich durch Rückbesinnung auf Jesus
 Christus als die eine Mitte, die alles zusammenschließt. Darum verwies
 Paulus auf das Abendmahl, das zentrale Bedeutung für die Gemeinde besaß. Er
 rief den Korinthern in Erinnerung, daß beim gemeinsamen Essen des Brotes
 der Leib Jesu erfahren wird. So kann er auch an anderer Stelle von der
 Kirche als dem geistlichen Leib Christi sprechen. Als Glieder an diesem
 Leib gehören wir zusammen. Und weil wir zu Jesus Christus gehören, sind wir
 auch mit Gott verbunden. Das ist nicht selbstverständlich, sondern im
 Opfertod Jesu begründet, bei dem er sein Blut für uns vergossen hat. Das
 besiegelte den neuen Bund zwischen Gott und Mensch. Nun können wir zu Gott
 kommen wie Kinder zu ihrem Vater. Darum bekennen wir uns mit dem Empfang
 von Brot und Wein zum Tod des Herrn. Nach alttestamentlicher Auffassung
 starb Jesus den Fluchtod. Aber weil dieser Tod unser leben bedeutet, feiern
 wir mit Freude das Abendmahl und bekennen uns damit zum Tod des Herrn.
 Gleichzeitig verstehen wir uns als Menschen, die unterwegs sind der
 Wiederkunft Christi entgegen. So sind wir eine Weggemeinschaft, bei der
 einer dem anderen beisteht. Wenn wir aber diese Mitte und gleichzeitig
 dieses Ziel christlicher Gemeinschaft nicht ernst nehmen und unsere eigenen
 Wege gehen, haben wir diese Mitte bereits verloren.@{b}

 Himmlischer Vater! Wir danken dir, daß du unserem Leben ein Ziel gegeben
 hast. Laß uns daran festhalten: gib uns durch das Hören auf dein Wort und
 die Teilnahme am Sakrament die Kraft, diesen Weg unbeirrt weiterzugehen.
 Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 11,23-27@{ui}

@{b} So oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt
 ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt.@{ub}
 1.Korinther 11,26 (LB)

 Das Abendmahlsgespräch ist zwischen den einzelnen christlichen Kirchen bis
 in die Gegenwart offen geblieben. Wir wollen uns an das halten, was Ralf
 Luther vor einem halben Jahrhundert in seinem "Neutestamentlichen
 Wörterbuch" schrieb und uns wohl Wegweisung sein kann: "Mit der Stiftung
 des Abendmahls gab Christus seinen Jüngern nicht ein Problem zum Grübeln,
 sondern eine Hilfe für Leben und Dienst. Das Abendmahl will vom Leben her
 verstanden werden, so einfach wie es gemeint ist."
 Im Orient verband das Mahl zu besonders inniger und froher Gemeinschaft. In
 der Abschiedsstunde nimmt Jesus Brot, bricht jedem Jünger ein Stück und
 läßt den Kelch kreisen: "Nehmt und eßt! Das ist mein Leib. Nehmt, trinkt!
 Das ist mein Blut." Er bedeutet den Seinen, die sollen dieses Mahl in der
 kommenden Gemeinde wiederholen. Christus sagt seinen Jüngern seine
 persönliche Gegenwart zu für die Feier seines Mahles. Diejenigen, die das
 Mahl empfangen, sollen durch eine tiefe geheimnisvolle Gemeinschaft mit
 Christus an ihrem ganzen Menschen neu belebt werden.
 Christus schenkt dieses Mahl den Seinen in der finstersten aller Nächte als
 ein Sterbender in seiner Todesankündigung. Seine letzte Gabe: für euch
 gegeben und vergossen.@{b}

 Der heilige Leichnam ist uns gegeben zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht
 größerer Güte konnt er uns schenken, dabei solln wir sein gedenken.
 Kyrieleison. Herr, dein Lieb so groß dich bezwungen hat, daß dein Blut an
 uns groß Wunder tat und bezahlt unsre Schuld, daß uns Gott ist worden hold.
@{b} (EKG 163,2)
                                                         Erich Beyreuther

@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 11d" "1.Korinther 11,28-34"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 11,28-34@{ui}

@{b}                    Bereit zum Miteinander?@{ub}

 Paulus zieht jetzt die Folgerungen aus der Tatsache, daß das Abendmahl
 Gemeinschaft mit dem Herrn stiftet. Für die Gemeinde hängt alles davon ab,
 daß sie in dieser Gemeinschaft bleibt. Das selbstsüchtige Verhalten einiger
 Gemeindeglieder in Korinth hatte sie empfindlich gestört. Deshalb konnte
 ihre Teilnahme am Abendmahl nicht mehr unter der Verheißung des Herrn
 stehen. Paulus fordert zur Selbstprüfung vorm Abendmahlsempfang auf. Dabei
 denkt er weniger an ein rücksichtsloses Aufspüren aller Sünde im Menschen
 als vielmehr an die Prüfung der Bereitschaft, die von Christus geschenkte
 Gemeinschaft anzunehmen. Diese schließt alles selbstsüchtige Verhalten aus.
 Wenn Christus die Mitte seiner Gemeinde ist, dann kann es unter den
 Gliedern nur ein brüderliches Miteinander geben. Das ist ein Geschenk des
 Herrn an seine Gemeinde. Vielleicht haben wir bereits erfahren, wie
 hilfreich solche Gemeinschaft sein kann. Hier sind wir nicht mehr auf uns
 allein gestellt; wir wissen uns in allen Situationen unseres Lebens umgeben
 von Menschen, die zu uns stehen und auch für uns die Hände falten. Das
 macht froh und läßt uns dankbar am Abendmahl teilnehmen, durch das Christus
 solche Gemeinschaft stiftet. Wäre es nicht Torheit, eine solche
 Gemeinschaft durch eigenes liebloses Verhalten aufzugeben? In Korinth war
 man auf dem besten Wege dazu. Deshalb mahnt Paulus so eindringlich zur
 Selbstprüfung. Er möchte seine Gemeinde davor bewahren, daß ihr das
 Abendmahl durch eigene Blindheit zum Gericht werde. Seine Bitte um
 gegenseitige Rücksichtnahme läßt erkennen, daß Umkehr noch möglich ist.@{b}

 Lieber Herr! Auch diesen Tag nehmen wir aus deiner Hand. Laß uns stets
 deine Nähe spüren, damit wir uns bei dir geborgen wissen. Gib, daß wir auch
 für die vielen Kleinigkeiten am heutigen Tage dankbar sein können.Amen.
@{ub}


@{i}                   1.Korinther 11,28-34@{ui}

@{b} Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brot und
 trinke von diesem Kelch.@{ub}  1.Korinther 11,28 (LB)

 Die Christenheit hat in allen Jahrhunderten über den würdigen Genuß des
 Heiligen Abendmahls nachgedacht. In keinem der Gebets- und Gesangbücher
 fehlen die Anleitungen und Gebete.
 Wir wollen uns wieder an Ralf Luther halten: "So hat Christus seiner
 Gemeinde eine Feier gegeben, in der er noch über das hinaus, was sie sonst
 an ihm hat, nahesein will. Hier will er sie berühren und beleben bis in das
 leibliche Dasein hinein. Hier soll auch alles das, was es sonst manchmal zu
 keiner rechten Nähe kommen ließ, ausgeschaltet sein, und die, die bei
 Christus zu Gast sind, sollen nur das eine wissen: Sie gehören zu ihm und
 er zu ihnen. Und so sollen diese Feierstunden Leuchtkraft haben für das
 ganze Leben, für die ganze Gemeinschaft mit Christus und für den Dienst an
 seiner Sache. Das Abendmahl ist eine Feier; es ist ein frohes, festliches
 Mahl. In der alten Kirche heißt diese Feier Eucharistie, das heißt
 Lobpreis, weil das ganze Mahl unter dem Zeichen des Lobes und der Freude
 stand. es ist unbegreiflich, wie die Gemeinde dahin kommen konnte, diese
 Feier in einer Art Begräbnisstimmung zu begehen. Das Abendmahl ist die
 Familienfeier der Gemeinde. (...)Das Abendmahl ist beides: tiefe Ruhe und
 stürmisches Verlangen, selige Freude am nahen Herrn und brennende Sehnsucht
 nach dem kommenden."@{b}

 Nein, Vernunft, die muß hier weichen, kann dies Wunder nicht erreichen, daß
 dies nie wird verzehret, ob es gleich viel Tausend nähret, und daß mit dem
 Saft der Reben uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten,
 die nur Gottes Geist kann deuten.@{ub} (EKG 157,4)
                                                  Erich Beyreuther


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 12a" "1.Korinther 12,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Korinther 12,1-11@{ui}

@{b}                Verschiedene Gnadengaben - aber ein Geist@{ub}

 In den Gottesdiensten zu Korinth ist es meist sehr lebhaft zugegangen. Alle
 wollten sich dabei aktiv beteiligen. Doch das hatte auch seine
 Schattenseiten. Jeder hielt dann seinen eigenen Beitrag für die Hauptsache
 des Ganzen. Das konnte zu Eifersüchtelein führen. Paulus will das
 verhindern. Zunächst gibt er ein Kennzeichen, an dem alles, was dort
 geschieht, zu messen ist. Es ist die Stellung zu Jesus Christus. Wo Jesus
 als der Herr bekannt und ernst genommen wird, da wirkt Gottes Geist. Die
 Korinther kannten aus eigener Erfahrung die heidnischen Gottesdienste, an
 denen sie einst teilgenommen hatten. Auch dort gab es Verzückungen, auch
 dort gab es das in Korinth geschätzte Zungenreden; es gab göttliche
 Weisungen in Form der Orakelsprüche.  Aber Christus war nicht dabei, und so
 war das alles Täuschung. Bei den Christen aber ist Jesus die Mitte. Sein
 Geist muß alles bestimmen. Das bedeutet keine Uniformität. Gottes Geist
 kann und will sehr verschiedene Gaben schenken. Doch das darf nicht zu
 falschen Wertungen verleiten. Es kommt darauf an, die verschiedenen Gaben
 zum Vorteil der gesamten Gemeinde zu nutzen. Nicht jeder kann Kranke
 heilen, nicht jeder versteht sich auf die Zungenrede, nicht jeder besitzt
 prophetische Vollmacht. Doch das alles sind Gaben des Gottesgeistes; selbst
 der Glaube ist eine solche Gabe. Es kommt darauf an, daß alle diese Gaben
 der ganzen Gemeinde dienen sollen. Auch wir haben verschiedene Gaben und
 wollen sie zum Besten der Allgemeinheit nutzen.@{b}

 Wir danken dir, Vater, für den großen Reichtum, den du uns in die Hände
 gelegt hast. Hilf uns zum rechten und verantwortungsvollen Umgang mit
 diesem Reichtum, damit wir dich im Auge behalten und deine Kinder bleiben.
 Amen.@{ub}



@{i}                  1.Korinther 12,1-11@{ui}

@{b} Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.@{ub}
 1.Korinther 12,4 (EÜ)

 So wie Gott uns nicht nach einem Einheitsschema, nicht als Schablonen und
 genormte Nummern, sondern jeden einzelnen Menschen als eine einmalige
 "Ausgabe" mit einem unverwechselbaren Profil erschaffen hat, so trägt auch
 jeder einzelne Mensch mit seinen spezifischen Gaben und Talenten zum Wohle
 der Mitmenschen bei. "Jedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt,
 damit sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt,
 Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe,
 Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft,
 einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen,
 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern
 die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern
 verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie
 zu deuten" (1.Korinther 12,7 -10). Die bunte Palette der verschiedenen
 Begabungen ließe sich beliebig fortsetzen. Wirksam werden diese Fähigkeiten
 und Gaben aber nur dann, wenn sie von ein und demselben Geist Gottes
 geschenkt und gelenkt werden. Manche Menschen meinen, sie seien zu nichts
 fähig, viele leiden sogar unter Minderwertigkeitskomplexen. Dabei hat jeder
 etwas, das der andere nicht hat; jeder Mensch hat seine je eigene,
 unaustauschbare Fähigkeit. Nichts ist so unbedeutend, daß es für den
 anderen nicht von Bedeutung sein könnte.
 "Jeder von uns empfing die Gnade in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt
 hat" (Epheser 4,7), "einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er
 will" (1.Korinther 2,11). Diese "besondere Gabe" muß nicht in einem
 genialen Verstand oder phänomenalen Gedächtnis, auch nicht in einer
 extravaganten Spiritualität und Frömmigkeit bestehen, sie kann schon in dem
 Charisma liegen, auf Menschen zuzugehen. So kann jeder, der sich auf seine
 Weise vom Geist Gottes leiten läßt, zu einem Pneumatiker, einem
 Geistbegabten, werden.@{b}

 Herr, gib uns die Kraft, einander zu dienen "als gute Verwalter der
 vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat"@{ub}
 (1.Petrus 4,10).
                                                 Friedrich Janssen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 12b" "1.Korinther 12,12-14.26,27"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Korinther 12,12-14.26.27@{ui}

@{b}                     Leben in der Gemeinschaft@{ub}

Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Leib. Mit diesem Bild umschreibt er
 zunächst seine Kritik an der Gemeinde in Korinth. Sie verhält sich so, als
 ob ein Leib nur Auge oder Fuß oder ein anderes beeindruckendes Glied sein
 könnte. Denn in Korinth zählt, wer etwas Imponierendes vorweisen kann. Hier
 findet Beachtung, wer außergewöhnlichen Einsatz hinterläßt. Hier nimmt der
 den ersten Platz ein, der auf sich aufmerksam machen und sich ins rechte
 Licht setzen kann. Kein Wunder, daß sich das Zusammenleben entsprechend
 gestaltet. Einige spielen ihre gaben voll aus, andere geraten dabei ins
 Abseits. Einige verstehen es, sich mit ihren Vorzügen Anerkennung zu
 verschaffen, andere bleiben völlig unbeachtet. Wer so Unterschiede
 herausstellt und Wertungen vornimmt, zerstört Gemeinschaft. Das Bild vom
 Leib spricht für sich. Jedes Glied ist wichtig und bedeutsam. Ungewöhnlich
 war das sicherlich nicht, was da in Korinth geschah. Vieles wird ganz
 unbewußt geschehen sein. Manches wird man ganz selbstverständlich vollzogen
 haben. Der Alltag prägt. Nur wenn wir die Mißstände in Korinth mit offenen
 Augen sehen, werden wir vergleichbare Verhaltensweisen bei uns entdecken.
 Denn dieses Leben der Christen in Korinth spiegelt durchaus etwas
 Alltägliches wider. Dennoch gibt Paulus sich nicht damit zufrieden. Ihm
 geht es nicht nur um eine Aufwertung derer, die nicht recht zum Zuge
 kommen, im Abseits ihr Leben fristen. er fürchtet, daß auch das Leben derer
 verkümmert, die Anerkennung genießen und sich ins rechte Licht setzen
 können. Das wird häufig übersehen. Wer den anderen nicht mehr im Blick hat,
 verliert auch eine wesentliche Seite seines eigenen Lebens. Auch sein Leben
 trocknet aus. Paulus drückt das im Bild aus: Wenn ein Glied leidet, leiden
 alle Glieder. Kommt ein Glied zu Ehren, freuen sich alle Glieder.
 Das übersehen oft die, die nur ihr eigenes Leben im Blick haben. Ihr Leben
 steht in der Gefahr, sich der liebe und der Freude zu berauben. Wer den
 anderen übersieht, verliert die Liebe. Denn der Testfall für Liebe ist das
 Verhalten zum anderen in dessen Leid. Die Liebe nimmt sich des anderen an.
 Sie steht dem zur Seite, der leidet und Hilfe braucht. Sie gewährt Nähe und
 läßt sich in die Not des anderen hineinziehen.@{b}

 Herr, du bist die Liebe und willst uns mit deinem Leben beschenken. Hilf,
 daß unser Leben nicht verkümmert. Laß uns teilhaben an der Fülle des
 Lebens. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 12c" "1.Korinther 12,12-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 12,12-26@{ui}

@{b}                   Unser Leib - Bild der Gemeinde@{ub}

 Ein eindrückliches und langen Nachdenkens wertes Bild bietet uns Paulus
 heute an, damit wir das Wort "Gemeinde" verstehen mögen. Wer getauft ist,
 gehört zur Gemeinde, wie Glieder zu einem Leibe gehören. Dabei beschränkt
 sich Paulus darauf, die äußerlich sichtbaren Glieder unseres Leibes für
 sein Bild zu benutzen. Wir wissen heute mehr über den Körper. Ein Versagen,
 eine Fehlfunktion in einem winzigen Bereich unseres Leibes kann sich auf
 den ganzen Menschen auswirken. Der Leib des Menschen ist ein geschlossenes
 Ganzes, in sich zusammenhängend, jede Nervenzelle, jedes Äderchen wird
 gebraucht. Diese Erkenntnis unseres Leibes mag uns helfen, die Dimensionen
 des Bildes zu ermessen, das Paulus verwendet. Die Gemeinde - darunter zählt
 Paulus alle Getauften - ist einem menschlichen Leib vergleichbar. Wer zur
 Gemeinde gehört, wird in der Gemeinde gebraucht, auch wenn dem einen
 uneinsichtig oder unbekannt ist, wie ein anderer in der Gemeinde wirkt. Zu
 gern übernehmen wir in der Gemeinde die Verstandesfunktion und und maßen
 uns ein Urteil an, ob diese oder jener in der Gemeinde zu etwas gut sei.
 Nun ist es uns aber gerade vorenthalten, über das zu urteilen, was andere
 tun oder nicht tun. Auge, Ohr und Nase führt Paulus als Beispiele an. Wenn
 wir als Glieder eines Leibes miteinander in Beziehung stehen, dann mögen
 wir wohl lernen, den andern in seiner Funktion zu stehen, zu hören, wie
 jene "dran" ist, zu riechen, wo die Aufgabe für den oder die versteckt
 liegt. Wie lebendig und interessant kann Kirche werden, wo man nach diesem
 Bild lebt.@{b}

 Wir gehören zu dir und wir gehören zueinander, das sagt uns unsere Taufe,
 Herr. Gib uns Mut, auf andere zuzugehen, damit wir dies Zusammengehören
 erleben und das Geheimnis erfahren, daß uns mit unserer Taufe anvertraut
 ist. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Korinther 12,12-26@{ui}

@{b} Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen
 Leib aufgenommen.@{ub} 1.Korinther 12,13 (EÜ)

 "Mystici Corporis": "Geheimnisvoller Leib" heißt die berühmte Enzyklika
 Papst Pius' XII., die den Gedanken des Paulus von der Einheit aller
 Getauften wunderschön vertieft und entfaltet. Ein und derselbe Geist Gottes
 wirkt nicht nur in allen, er begründet darüber hinaus auch eine völlig neue
 Gemeinschaft aller Christen untereinander. Avery Brundage, der frühere
 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, nannte die olympische
 Bewegung eine Religion mit universalem Anspruch, die in sich alle
 Grundwerte anderer Religionen vereinte und eine völkerverbindende Kraft wie
 keine andere Institution in der Welt besitze. Paulus würde erwidern: Es
 gibt noch eine stärkere gemeinschaftsstiftende Kraft: die Taufe. Durch sie
 werden alle Menschen mit Christus verbunden, der mit jedem Menschen
 Blutsfreundschaft geschlossen hat: "Nicht um einen vergänglichen Preis
 wurdet ihr losgekauft, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren
 Blut Christi"(1.Petrus 1,18f). Alle Getauften tragen daher ein
 Einheitskleid: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus
 (als Gewand) angelegt" (Galater 3,27). Hier entsteht eine absolut neue
 Kommunität, eine Geistige UNO über alle Grenzen hinweg. In der Taufe werden
 wir alle zu Kindern Gottes, des Vaters, zu Schwestern und Brüdern Christi,
 seines Sohnes, und zu Tempeln des Heiligen Geistes. Wir alle sind Glieder
 eines einzigen Leibes. Diese Einheit verpflichtet.@{b}

 Vater im Himmel, durch deinen Geist hast du uns in Christus zu einem
 einzigen Leib zusammengefügt. Hilf uns, alles Trennende zu überwinden und
 die Einheit zu bewahren.Amen.@{ub}
                                       Friedrich Janssen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 12d" "1.Korinther 12,27-31a"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 12,27-31a@{ui}

@{b}                     Jeder kann nicht alles@{ub}

 Nach seinen Gedanken über die Gaben in der Gemeinde und das Zusammengehören
 der Begabten untereinander kehrt Paulus zu den in der Gemeinde Korinth
 vorfindlichen Gaben und den mit ihnen Begabten zurück. Dabei stellt er eine
 Rangordnung auf, in der die Wortbegabten voran stehen. Diese Rangordnung
 hat bis heute Gültigkeit, die mit dem Wortdienst Beauftragten werden den
 mit dem Handdienst Beauftragten vorgezogen. Überall rufen Gemeinden nach
 Pastoren, selten liest oder hört man den Ruf nach einem Diakon. Sicher
 erwarten Gemeinden heute von Pastoren mehr, als daß sie überzeugend oder
 geistvoll predigen können, und doch tut mancher Pastor unter Seufzen
 Dienste, die ein Diakon besser leisten könnte. Ebenso sicher tun Pastoren
 und Diakone manches, was andere Gemeindeglieder besser und überzeugender
 als sie tun könnten. Einem allerdings wehrt unser heutiges Lesestück. Es
 wehrt der Ansicht: Das kann ich nicht. Dafür bin ich nicht begabt. "Strebt
 nach den höheren Gaben", schreibt Paulus. Gabe ist so etwas, was man nicht
 schon bei der Geburt haben muß, Gabe ist etwas, was man später an sich
 entdecken oder entdecken lassen kann, etwas, was man durch Qualifikation
 erreichen kann. Dabei brauchen wir uns nicht auf die hier genannten Gaben
 einengen zu lassen, die in Korinth vorhanden waren. Es gibt Gemeinden, in
 denen Propheterie und Zungenreden und Wunder nicht erlebt werden, und
 trotzdem ist in ihnen eine Vielfalt an Gaben und Gemeindeleben da. Gemeinde
 als Ort gemeinsamen Lernens und Entdeckens, dazu möchte das Nachdenken
 heute führen.@{b}

 Wir können so viel, weil du uns so reich beschenkst, Vater. Wir lassen viel
 von dem verkümmern, was wir können. Wir brauchen Augen, die die gaben in
 unser Gemeinde sehen, wir bitten dich um solche Augen. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 12,27-31a@{ui}

@{b} Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an
 ihm.@{ub} 1.Korinther 12,27 (EÜ)

 Wenn wir alle Glieder am Leibe Christi sind, dann ist nicht so sehr
 entscheidend, was für ein Glied ich bin. Es kommt darauf an, daß ich die
 Funktion des Gliedes, das ich bin, erfülle.
 Die Versuchung ist groß zu sagen: ich möchte aber lieber Kopf als Fuß sein,
 um in Bilde zu bleiben. Theresia von Lisieux bekennt: "In jedem Glied hätte
 ich mich gern gesehen", ob als Apostel, Prophet, Lehrer und so weiter, und
 sie kommt zu der Erkenntnis, daß ohne die Liebe keiner als Apostel oder
 Prophet wirken kann, und daß die Liebe alle Berufungen in sich schließt. So
 ruft sie aus: "Jesus, meine Liebe, endlich habe ich meine Berufung
 gefunden: Mein Beruf ist die Liebe! ja, ich habe meinen Platz in der Kirche
 gefunden."
 Nicht alle können Kopf, Auge, Ohr, Hand und Fuß zugleich sein. Aber jedes
 einzelne Glied trägt zum Zusammenhalt des ganzen Leibes Bei: "Wenn der Fuß
 sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum
 Leib..." (1.Korinther 12,15). Der Fuß ist ebenso wichtig wie der Kopf: So
 ist die Basis, das Fußvolk der Kirche, genauso wichtig wie die Hierarchie,
 der kleinste Kaplan nicht minder bedeutend als Papst und Bischof, deren
 Worte ohne Umsetzung "vor Ort" wirkungslos blieben. Nicht alle können
 Papst, Kardinäle oder Bischöfe werden, nicht alle können und müssen alles
 tun. Nicht das zählt, was ich tue, sondern wie ich tue, was ich tue. Im
 Leib Christi sollten Karierestreben, Profilneurose oder auch falsche
 Emanzipation keinen Platz haben. Wir alle, Priester und Gläubige, Klerus
 und Laien, sind das eine Volk Gottes unterwegs, bilden den einen Leib
 Christi:"Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein
 Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm" (1.Korinther 12,26).
@{b}
 Herr, du weist jedem von uns seinen Platz in der Gemeinschaft zu. Gib, daß
 wir ihn so ausfüllen, daß wir allen dienen. Amen.@{ub}
                                                 Friedrich Janssen



@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 12e" "1.Korinther 12,31b-13,7"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 12,31b-13,7@{ui}

@{b}                          Mehr als Gaben@{ub}

 Nahezu aussichtslos und überflüssig erscheint es, diesen Gedanken noch
 etwas hinzuzufügen, gar sie auslegen zu wollen. Genügt es nicht, sie
 kommentarlos zu lesen und wirken zu lassen? Allein das so mißbrauchte,
 zerredete und zersungene Wort "liebe" ist Anlaß genug, über dies "Hohe Lied
 der Liebe" nachzudenken. Paulus führt uns über das bisher zu den Gaben
 Angedeutete und Nachgedachte hinaus. Es wird wohl immer mal wieder
 Rangstreit geben, welche Gaben in der Gemeinde wichtig sind, es wird immer
 wieder Gemeindeglieder geben, die meinen, sie könnten auf andere
 verzichten. Es geht in vielen Gemeinden ohne die Mehrzahl der Gaben, die in
 Korinth vorhanden waren. es geht in keiner Gemeinde ohne Liebe. Es geht in
 keiner Gemeinde ohne Menschen, die etwas von innen heraus tun, die etwas
 ohne Absicht oder Zweck tun. Geistvolle Predigten und treffliche
 Gesprächsbeiträge, hohe Spendensummen, selbst der rücksichtslose Einsatz
 der eigenen Persönlichkeit wären ohne Liebe wirkungslos. Paulus nennt uns
 die Kennzeichen der Liebe, von der er schreibt, wir mögen merken, daß es
 hier nicht um Gefühle geht. Hier ist mehr gefragt; Langmut und
 Freundlichkeit, Freude über die Wahrheit, Tragfähigkeit, Vertrauen,
 Hoffnung, Geduld setzen Willen und Verantwortungsbewußtsein voraus. Wer von
 Eifersucht, Mutwillen und Selbstüberheblichsein, von Bitterkeit und Bosheit
 loskommen will, der muß Verzicht leisten. Dieser Verzicht schließt
 Nachdenken und Willenskraft ein, Hinwendung und Vertrauen gehören dazu. So
 verbirgt sich hinter den erhabenen Worten gute, harte
 Persönlichkeitsarbeit.@{b}

 Du hast uns gelehrt, Herr daß unser Tun nichts taugt, wenn es nicht aus
 Liebe geschieht. Laß uns unserm Tun kritisch gegenüberstehen, damit wir
 lernen, aus Liebe zu handeln. Amen.@{ub}


@{i}                   1.Korinther 12,31b-13,7@{ui}

@{b} Wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte,
 hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.@{ub} 1.Korinther 13,2 (EÜ)

 Es klingt paradox, ist aber gleichwohl wahr: Der Glaube an Gott kann noch
 so stark und unerschütterlich sein, er ist null und nichtig, wenn die Liebe
 fehlt. Auch höchste theologische Gotteserkenntnis bleibt unvollkommen, ja
 unnütz, wenn das Reflektieren über Gott nicht zur Liebe zu Gott führt. Die
 Liebe triumphiert über abstrakte Wahrheiten.
 Und auch mit der Liebe zu Gott ist es allein nicht getan: der Glaube an und
 die Liebe zu Gott müssen einmünden in die Liebe zum Mitmenschen. So kann
 unter Umständen ein Atheist, der sich für den Nächsten engagiert,
 "gläubiger" sein als ein Christ, dessen Glaube an Gott rein theoretisch und
 formelhaft bleibt, ohne sich in Werken der Liebe auswirken. "Meine Brüder,
 was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke?
 Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne
 Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt:
 Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was
 sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube für sich
 allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat... Du glaubst: Es gibt nur
 den einen Gott. damit hast du recht; das glauben auch die Dämonen, und sie
 zittern. Willst du also einsehen, du unvernünftiger Mensch, daß der Glaube
 ohne Werke nutzlos ist?" (Jakobus 2,14-20).
 Die Werke allein machen es aber auch nicht; sie sind nur wertvoll, wenn sie
 von der Liebe zu Gott und dem Nächsten motiviert sind. Purer Aktivismus,
 selbst die nobelste Selbsthingabe und das höchste Engagement sind ohne die
 Liebe vergebliche Mühe.@{b}

 Gott, "wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot
 ohne Werke" (Jakobus 2,26). Laß uns nicht nur an dich glauben, sondern auch
 und vor allem dich und den Nächsten lieben. Amen.@{ub}
                                                   Friedrich Janssen


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 13a" "1.Korinther 13,8-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 13,8-13@{ui}

@{b}                    Die Liebe höret nimmer auf@{ub}

 Im "Hohen Lied der Liebe" hat der Apostel zuerst davon gesprochen, daß die
 größten Taten ohne Liebe nichts wären. In einem zweiten Teil war dann davon
 die Rede, wie sich die Liebe im Leben auswirken wird. Nun stellt der
 Apostel die Liebe als das Bleibende dem Vergänglichen gegenüber. Es geht
 hier um das, was Dietrich Bonhoeffer in seiner Ethik als "die letzten und
 vorletzten Dinge" bezeichnet hat. Das "Vorletzte" sind hier die Dinge
 dieses Erdenlebens. Sie sind nicht unwandelbar, sie sind nicht für Ewigkeit
 geschaffen. Das heißt nicht, daß wir sie geringachten dürfen; sie prägen
 das Leben in dieser Zeitlichkeit. Paulus nennt hier das, was den Korinthern
 als das Wichtigste erschienen ist: Zungenrede, prophetische Lehre und
 geheime Kenntnisse. Denn, so sagt er: "Unser Wissen ist Stückwerk." Es
 bleibt also allezeit unvollkommen. Wir haben den Bereich unseres Wissens
 gewaltig erweitern können. Aber hinter jedem gelösten Problem tauchen neue,
 noch ungelöste Fragen auf. Doch darum geht es hier nicht allein. Dem
 "Vorletzten" wird das Letzte gegenübergestellt. Das ist das Reich Gottes,
 dem wir alle entgegengehen. Auch was wir an Gebeten und Gesängen, an Formen
 unseres Glaubens haben, ist vergänglich. Was uns hält und bindet, sind
 nicht die Formen unserer Frömmigkeit, die dieser Zeit angehören. Was uns
 letztlich hält, spricht Paulus so aus: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung,
 Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen." Was durch
 sie bewirkt wird, hat Bestand für die Ewigkeit.@{b}

 Herr Jesus Christus! Deine Liebe ist die stärkste Macht. Sie bleibt in
 Ewigkeit. Laß uns von dieser deiner Liebe bestimmt sein! Führe uns zu
 deinem Ziel! Amen.@{ub}


@{i}                   1.Korinther 13,8-13@{ui}

@{b} Wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.@{ub}
 1.Korinther 13,10 (EÜ)

 Schon unser menschliches Dasein ist, rein biologisch betrachtet, eine
 fragmentarische, bruchstückhafte, gebrechliche Existenz, weil eingebunden
 in die Zeitspanne Zwischen Geburt und Tod. Wir sind endliche Wesen. Aber
 nicht nur unser Sein, auch unsere Fähigkeiten sind begrenzt und
 unvollendet: Zwar ist unser Verstand auf die Erkenntnis aller Wahrheiten,
 ja der Gesamtheit aller Dinge ausgerichtet, aber wie wenig begreifen wir im
 Laufe unseres Lebens. Es wird immer nur ein partielles Erkennen bleiben,
 selbst wenn wir Universalgenies und mit einem Superintelligenzquotienten
 ausgestattet wären. Nicht minder unvollkommen ist unsere Fähigkeit zu
 lieben. Wann lieben wir Gott und den Nächsten wirklich universal,
 uneingeschränkt und vollkommen?
 So ist Stückwerk unser Dasein, Stückwerk unser Sosein, Stückwerk unser
 Erkennen" (1.Korinther 13,9), Stückwerk unser Leben. Dies bedeutet nicht,
 daß wir eine Fehlkonstruktion des Schöpfergottes sind, im Gegenteil: "Gott
 sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut" (Genesis 1,31). Und
 erst recht der Mensch verdient das optimale Prädikat "Sehr gut", weil er
 Abbild Gottes, ihm ähnlich ist. Wenn aber der Mensch dennoch nicht so
 vollkommen und vollendet wie Gott ist - er kann es als Geschöpf auch gar
 nicht sein -, so wird in ihm vielleicht gerade deswegen die Sehnsucht
 geweckt, nach dem Vollendeten, dem Vollkommenen, nach Gott zu streben:
 "Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann
 aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen
 dann aber werde ich durch und durch erkennen" (1.Korinther 13,12), wenn ich
 Gott erkenne und für immer liebe.
 Der Mensch, so gebrechlich er existiert, wird einmal dauerhaft dasein,
 vollkommen erkennend und lieben und vollkommen erkannt und geliebt von dem,
 der ihn von Ewigkeit her erkannt und geliebt hat.@{b}

 Unendlicher Gott, laß uns zum Ziel unseres Lebens gelangen: dich zu
 erkennen und zu lieben. Amen.@{ub}
                                               Friedrich Janssen


@ENDNODE

@NODE "1.Korinther 14a" "1.Korinther 14,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 14,1-14@{ui}

@{b}                   Was dient dem Gemeindeaufbau?@{ub}

 Auf welche Weise werden unsere Gemeinden so auferbaut, daß sie zu Recht
 Gemeinden Jesu Christi genannt werden können? Es gibt unterschiedliche
 Konzepte des Gemeindeaufbaus. Synodalausschüsse und andere Arbeitsgruppen
 haben sich seit Jahren mit dieser Frage beschäftigt. "Haushalterschaft" und
 "Dienstgruppe" sind wichtige Worte in diesem Zusammenhang. Von Erfahrungen
 wird berichtet: Da brachte der gemeinsame Einsatz bei der Renovierung einer
 Kirche neue Intensivierung des Gemeindelebens mit sich. An anderen Orten
 war die Bibelwoche Ausgangspunkt der Neubelebung von Gemeindekreisen und
 Besuchsdienst. Unter großen Schwierigkeiten wuchsen lebendige Gemeinden.
 Und ebenso kam es bei sinnvoller Ausnutzung großzügiger
 Arbeitsmöglichkeiten dazu, daß Gemeinden Ausstrahlungs- und Anziehungskraft
 zeigten und bis heute zeigen. Wer sich diese verschiedenartigen Erfahrungen
 vor Augen hält, der merkt: Eine garantiert sichere Methode des
 Gemeindeaufbaus gibt es nicht; der Geist Gottes weht, wo er will... Mit dem
 heutigen Schriftabschnitt erfahren wir etwas von den Problemen des
 Gemeindeaufbaus in der Gemeinde Korinth. Dort gab es Gemeindeglieder, die
 in Zungen redeten, d.h., die in ekstatischer Weise von ihrem Glauben
 Zeugnis gaben. Offenbar wurde diese Art der Glaubensäußerung als besonders
 herausragend, als besonders geistlich angesehen. Paulus jedoch macht mit
 Nachdruck klar: Unverständliches Reden und Verhalten baut nicht Gemeinde,
 sondern zerstört sie. Die Liebe als Richtschnur des Handelns bedeutet:
 gemeindeaufbau ist nicht erstaunliche Einzelleistung, sondern gemeinsames
 Werk.@{b}

 Herr Jesus, laß uns das Glaubenszeugnis anderer achten. Und laß uns selbst
 so von dir reden, daß wir uns unseren Mitmenschen verständlich machen
 können. Amen.@{ub}


@{i}                   1.Korinther 14,1-14@{ui}

@{b} Wer prophetisch redet, der redet den Menschen zur Ermahnung und zur
 Tröstung.@{ub} 1.Korinther 14,4 (LB)

 Es ist verhältnismäßig einfach, den Menschen zur Ermahnung zu reden. Wir
 ermahnen unsere Kinder, der Lehrer ermahnt die Schüler, der Vorgesetzte
 ermahnt die Mitarbeiter, die Regierung ermahnt das Volk. Wir alle ermahnen
 so gerne, weil uns das selber erhebt. Ich weiß, wie es sein soll, ich kann
 es anderen sagen! Wenn ich ermahne, fühle ich mich besser als der, den ich
 ermahnen kann.
 Schwieriger ist es schon, zur Erbauung zu reden. Erbauliche Rede, die Rede
 von der heilen Welt, von der nie endenden Hilfsbedürftigkeit der Menschen,
 ist eigentlich nur die andere Seite der ermahnenden Rede. Statt mit dem
 erhobenen oder gar drohenden Zeigefinger rede ich eben mit streichelnder
 Hand - falls solch ein Ausdruck erlaubt ist.
 Beides kann man sehr schnell lernen, das heißt das Ermahnen können wir fast
 alle ja schon von Hause aus. Es ist lernbar, weil bei beiden nicht die
 Überzeugung abgefragt wird, die dahinter steht. Viele Ermahnungen werden
 von Menschen ausgesprochen, die selber ganz anders handeln. "Geh nicht bei
 Rot über die Straße", sagen sie den Kindern und halten sich selbst nicht
 daran. Von Gottes Liebe kann ich sehr verbindlich reden, ohne daß deutlich
 wird, ob ich selber aus ihr tatsächlich lebe oder nur so rede.
 Ganz anders ist es mit dem Trösten. Vor einem traurigen, bedrückten
 Menschen wird ganz schnell offenbar, was leeres Gerede ist und was
 tatsächlich mit Überzeugung gesagt wird, was aus dem Herzen kommt, wie wir
 es ausdrücken.@{b}

 Lieber Gott, es wird in unserer Welt viel zu viel ermahnt und viel zu wenig
 getröstet. Hilf du mir, daß ich es besser mache.Amen.@{ub}
                                                  Christian Wossidlo




@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 14b" "1.Korinther 14,1-3,20-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 14,1-3,20-25@{ui}

@{b}                        Gott ist gegenwärtig@{ub}

 Wir wünschen es uns, daß in allen Gemeinden Menschen bereit werden,
 Verantwortung zu übernehmen. Wir wünschen es uns, daß wir die erneuernde
 und belebende Kraft des Heiligen Geistes erfahren. Gott gibt heute doch
 nicht weniger Gaben als in früheren Jahren! In der Gemeinde in Korinth, an
 die der Apostel Paulus schreibt, war Leben aus der Kraft des Heiligen
 Geistes. Jedoch die Korinther freuten sich nicht oder nicht nur darüber,
 sie stritten sich darüber! Jeder hielt seine Gabe für die wichtigste, und
 einige Gemeindeglieder meinten: Wer ein rechter Christ ist, der muß die
 Gabe der Geistrede haben.
 Der Apostel Paulus rückt das zurecht. Als vornehmste Aufgabe zeigt er:
 "Strebt nach der Liebe." Bleibt bei allem, was ihr sagt und tut, gleichsam
 Jesus auf den Fersen. Es stimmt: Jesu Leute sind mit vielfältigen und
 unterschiedlichen Gaben beschenkt.Es sind gaben, die Gott schenkt,
 anvertraut. Wer diese Gaben auf- oder abwertet oder sich dadurch für etwas
 Besonderes hält, verweigert Gott den Dank. Gott gibt seine Gaben dahin, wo
 er sie haben will. So baut er seine Gemeinde. So ist er gegenwärtig. Zwei
 Gaben werden besonders genannt: die der Geistrede (Zungenrede) und der
 Predigt (prophetische Verkündigung). Zungenrede ist eine Weise des Gebetes,
 die für den einzelnen Christen Bedeutung hat. Sie ist Anbetung Gottes in
 einer Sprache, die ein anderer Mensch nicht versteht. Sie stärkt den
 Glauben des Beters, aber sie läßt die anderen Gemeindeglieder leer
 ausgehen. Das wird besonders deutlich, wenn Nichtchristen in den
 Gottesdienst kommen. "Würden sie nicht sagen: Ihr wäret von Sinnen?" Anders
 ist es mit der prophetischen Rede. Sie ist vollmächtige Verkündigung, die
 in die nachfolge Jesu ruft. Sie spricht die Not jedes Menschen an: seine
 Ferne von Gott, seine Belastung durch Schuld, die Armut seiner Liebe. Und
 sie zeigt den Weg auf: Komm zu dem Gekreuzigten und Auferstandenen! Er
 schenkt dir das neue Leben. Die prophetische Rede stärkt im
 Glaubensgehorsam, tröstet die Angefochtenen, ermutigt die Mutlosen. Sie
 weist uns den Weg in Gottes Zukunft.Wo immer Gott Gaben schenkt, ist er
 gegenwärtig. Wir fragen: Wie steht es um die Predigt heute? Wie ist es mit
 dem Zeugnis, das wir mit Worten und mit unserem Leben geben? Gott gibt auch
 heute seine Gaben. Er schenkt seinen Geist zu Glauben weckender und Glauben
 stärkender Verkündigung.@{b}

 Herr, wir danken dir für die Gabe, glauben zu können. Wir danken dir für
 die unterschiedlichen Begabungen, die du uns Christen gegeben hast. Zeig
 uns, wo du uns brauchst. Hilf uns, unsere Gaben einzusetzen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 14c" "1.Korinther 14,15-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 14,15-25@{ui}

@{b}                Amen kann sagen, wer verstanden hat!@{ub}

 Immer wieder sprechen wir das Amen in unseren Gottesdiensten oder singen
 es. Es ist die Bestätigung dessen, was da gesagt oder gebetet wurde.
 Aber selbst bei Gemeindegliedern, die sich im heimischen Gottesdienst
 auskennen, tritt anderswo leicht das Gefühl der Fremdheit auf. Wann spricht
 oder singt man mit beim Amen? Wer selten am Gottesdienst teilnimmt, möchte,
 möchte nichts falsch machen und schweigt meistens. Liturgisches Singen und
 Sprechen ist eine Hilfe zur Gestaltung der Gottesdienste. Es soll aber
 nicht fälschlich wie ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Frömmeren und
 weniger Frommen mißverstanden werden. Auf etwas Vergleichbares macht der
 Apostel die korinthischen Christen aufmerksam, die voller Begeisterung
 sozusagen in höheren Sphären schweben. Das bestätigende Amen kann aber von
 den übrigen Gemeindegliedern nur gesagt werden, wenn sie verstanden haben,
 was da geschah, gesagt, gebetet wurde. Fünf verständliche Worte wiegen
 schwerer als zehntausend unverständliche, sagt Paulus. Dem wird wohl jeder
 zustimmen. Wir haben vielleicht selbsterlebte Beispiele vor Augen. Mit dem
 Drängen auf Verständlichkeit geht es dem Apostel darum, daß der christliche
 Gottesdienst offen ist für jedermann. Wer als Nichtchrist an einem
 Gottesdienst teilnimmt, soll sich angesprochen fühlen; wer weiß, wann er
 zum Glauben kommt?
 Auch wir müssen ernsthaft prüfen, ob unsere Gottesdienste und
 Gemeindeversammlungen wirklich verständlich sind. Oder sind wir in unseren
 Formen, unserer Sprache, unserem Verhalten eine "geschlossene
 Gesellschaft"?@{b}

 Heiliger Herr, wir danken dir für alle guten, hilfreichen Traditionen in
 unseren Gemeinden. Aber laß uns offen sein für Menschen, die solche
 Traditionen nicht kennen. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Korinther 14,15-25@{ui}

@{b} Ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinen Verstand,
 damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen.@{ub}
 1.Korinther 14,19 (LB)

 Nun ist das In-Zungen-Reden in unserer Gemeinde nicht gerade üblich,
 geschweige denn ein Problem. Ich glaube sogar, kaum jemand hat es je
 erlebt, dieses ekstatische Reden und Stammeln. Vielleicht kennen wir es aus
 dem einen oder anderen Film, und selbst dann wird es aus anderer religiöser
 Umgebung gezeigt, bei rituellen Feiern in Schwarzafrika oder den Kulten in
 den Großstädten Südamerikas. Durch Tanz und Musik versetzen sich die
 Gläubigen in einen Rausch, in dem "vernünftiges Reden" nicht mehr möglich
 ist, nur Stammeln oder Schreien.
 Offenbar gab es dies auch bei den Christen in Korinth. Aber ich glaube
 auch, niemand von uns möchte dies wieder in unseren Gottesdiensten und
 Versammlungen haben.
 Ist unser Problem nicht genau das Gegenteil? Daß es zu nüchtern, zu
 sachlich, zu "vernünftig" in unseren Gottesdiensten zugeht? Kaum spüren wir
 etwas von Begeisterung, niemand wird mitgerissen, keiner springt je auf
 oder stimmt spontan und vernehmlich dem zu, was in der Predigt gesagt wird.
 Sachlichkeit und Gelassenheit sind gefragt. Die Sache Gottes aber ist immer
 eine Sache gewesen, die Menschen aus gewohnten Bahnen herausgeworfen hat.
 So wie die Vernunft Gottes den Menschen als Unvernunft erscheinen muß:
 Kreuz als Sieg, Vergebung statt Vergeltung, Liebe statt Ellenbogen. Ich
 habe oft den Verdacht, unsere Sachlichkeit ist schlichtweg Mangel an
 Begeisterung, an Überzeugung und damit auch an Überzeugungskraft.@{b}

 Lieber Gott, wir Menschen sind so schwer zu begeistern, und in der
 Begeisterung tun wir dann oft gerade das Verkehrte. Hilf uns, daß unser
 Geist von deinem Geist erfüllt werde. Amen.@{ub}
                                                  Christian Wossidlo


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 14d" "1.Korinther 14,26-33a"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 14,26-33a@{ui}

@{b}                    Wieviel Ordnung muß sein?@{ub}

 Wer Ordnung für den entscheidenden Faktor des Lebens überhaupt und auch der
 Kirche hält, der zitiert gern den Vers 33 unseres Textes so: Gott ist ein
 Gott der Ordnung!
 Aber selbst wenn leitende kirchliche Mitarbeiter den Vers so zitieren, wird
 es nicht richtiger. Denn zwar hat Gott von Anbeginn der Welt an ordnend
 gewirkt und immer wieder aus lebenzerstörenden, chaotischen Zuständen auf
 weiterhelfende Wege gewiesen, derartige Lebenshilfen sind ja auch seine
 Gebote. Aber nicht Ordnung ist das Letzte, sondern Frieden, Heil, die
 Fülle. Darin erfüllt sich Gottes Wille. Wenn Gott Frieden schließt, kommt
 alles und jeder zu seinem Recht und an seinen richtigen Platz. Das Ziel
 solchen heilserfüllten Zustandes ist noch vor uns, wirkt aber schon jetzt
 bis hinein in die Gestaltung des Umgangs miteinander. Jede Gemeinde braucht
 ihre Ordnung; Gottesdienste und andere regelmäßige Zusammenkünfte verlaufen
 nach bestimmten Regeln. Es ist geradezu lieblos, wenn die Teilnehmer
 jedesmal von neuem verunsichert werden, was denn nun Neues kommt. Aber
 wichtig ist, daß solche Ordnungen und Regeln nicht um ihrer selbst willen
 da sind. Sie sollen der Gemeinde und der Ausrichtung der frohen Botschaft
 dienen. Sind sie eher Hemmnis als Hilfe, dann müssen sie reformiert werden.
 Solche Reformation ist immer wieder nötig. Mal wird es sich um kleine
 Änderungen handeln, mal um große. Wichtig ist, daß alle unsere Ordnungen
 bestimmt bleiben vom Geist des Friedens.@{b}

 Du Gott des Friedens, habe Dank, daß du die Welt nicht dem Chaos überlassen
 hast. Deine Gebote sind gut. Dein Ziel ist Frieden und bleibendes Heil. Laß
 unser Tun davon durchwirkt sein. Durch Christus, der den Weg zu diesem Ziel
 ging und weist. Amen.@{ub}


@{i}                    1.Korinther 14,26-33a@{ui}

@{b} Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein
 jeglicher einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat Offenbarung, er hat
 Zungenrede, er hat Auslegung. Lasset alles geschehen zur Erbauung!@{ub}
 1.Korinther 14,26 (LB)

 Als erstes möchte ich Paulus gern aus unserer Sicht ergänzen und den
 Brüdern die Schwestern hinzufügen. Wir können uns eine Kirche, in der
 Frauen nicht mitreden, mitbeten, mitpredigen dürfen, nicht mehr vorstellen.
 Und das ist auch gut so.
 Dann stelle ich mir vor, wie dieser Satz unseren Sonntagsgottesdienst
 umkrempeln würde. nach einem gemeinsamen Lied steht ein Mitglied der Jungen
 Gemeinde auf und spricht ein Gebet, das es selbst ausgesucht hat. Dann
 stimmen die Konfirmanden ein Lied an, das sie gerne singen. Wer's von den
 anderen kann, singt's mit. Eine Frau aus dem Frauenkreis kommt nach vorn
 und liest einen Abschnitt aus der Bibel vor, der ihr wichtig ist. Sie sagt
 ein paar Sätze dazu, eine andere Frau kommt und vervollständigt, aus dem
 Stegreif, die Auslegung. Der Kantor stimmt einen Lobgesang an, alle singen
 mit. Ein junger Mann spricht von seiner Angst vor der Zukunft, eine ältere,
 vom Leben geprüfte Frau antwortet aus ihrer Glaubenserfahrung. So geht es
 weiter, mit Gebeten, Liedern, Texten, bis der Pfarrer schließlich zum
 Abendmahl einlädt und die Einsegnungsworte spricht. Alle sammeln sich
 jetzt, schweigend oder gemeinsam singend, um den Tisch des Herrn.
 Ist solch ein Gottesdienst denkbar für uns? Wenigstens ein bißchen davon -
 würde es unsere Gottesdienste nicht sehr viel lebendiger machen?@{b}

 Lieber Gott, auch wenn wir dir glauben und unser Leben nach deinem Geist
 auszurichten versuchen, scheuen wir uns, davon zu anderen zu reden. Wir
 verstecken uns zu oft. Gib uns den Mut der Offenheit, bewahre uns aber auch
 vor Aufdringlichkeit. Amen.@{ub}
                                                Christian Wossidlo


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 14e" "1.Korinther 14,33b-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 14,33b-40@{ui}

@{b}             Auch apostolische Weisungen haben ihre Zeit...@{ub}

 "Die Frau schweige in der Gemeinde!" Dieser Satz des Paulus hat
 kirchengeschichtliche Bedeutung erlangt. Bis hinein in das ökomenische
 Gespräch unserer Zeit erregt er die Gemüter. Kirchen, in denen Frauen
 gottesdienstliche und pastorale Dienste zugestanden sind (nicht ohne lange
 Auseinandersetzungen), stehen Kirchen gegenüber, in denen das nach wie vor
 undenkbar ist. Dabei machen Meldungen über Synodalabstimmungen gelegentlich
 deutlich, daß die Linie zwischen Befürwortern und Gegnern des pastoralen
 Einsatzes von Frauen quer durch alle Konfessionen geht.-
 Ein Hintergrund der Aussage des Paulus ist gewiß die bis heute im jüdischen
 Gottesdienst geltende Regel, daß nur Männer die vollberechtigten Teilnehmer
 sind. Aber vielleicht hatte man sich in Korinth dadurch gestört gefühlt,
 daß Frauen den Verlauf von Gottesdiensten durch Fragen beeinflußten.
 Überlegt worden ist auch, ob diese Weisung eventuell gar nicht von Paulus
 stammt, sondern später nachgetragen wurde. Wichtig bleibt für uns doch wohl
 die Erkenntnis, daß auch apostolische Weisungen zeitgebunden sind. Mann und
 Frau sind nach biblischen Verständnis Gott gleich nahe. Und so, wie Frauen
 am Ostermorgen für die Jünger zu den ersten Verkündigerinnen der
 Auferstehungsbotschaft wurden, so sind wir in den evangelischen Kirchen
 weithin dankbar für unendlich viel treuen Zeugendienste von Frauen. Ja, man
 müßte geradezu sagen: Wenn doch mehr Frauen in den Gemeinden reden würden!
 Das bedeutet aber dann auch für männliche Hüter kirchlicher Ordnungen: Zum
 Mitreden gehört auch das Mitentscheiden!@{b}

 Lieber Herr, du stellst deinen Kirchen immer wieder die Aufgabe, das
 jeweils Nötige zu erkennen und zu tun. Schenke uns deinen Heiligen Geist,
 damit wir in Treue zu deinen Verheißungen das Rechte tun, auch wenn es für
 uns ungewohnt ist. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Korinther 14,33b-40@{ui}

@{b} Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den
 Gemeindeversammlungen, denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern
 sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.@{ub}
 1.Korinther 14,34 (LB)

 Es mag ja sein, daß es im ganz speziellen Fall von Korinth - denn an diese
 Gemeinde ist der Brief gerichtet - gute Gründe für diese Anordnung gab; wir
 wissen es nicht. Wir können es nicht als Regel annehmen. Es ist schlimm,
 daß die Kirche es so lange getan hat. Wenn wir genau hinsehen, spielt sich
 Paulus selbst mit diesem Satz ins Abseits. Er begründet seine Anordnung mit
 dem Gesetz, mit der Thora der jüdischen Gemeinden. Aber in allen seinen
 Briefen wird er nicht müde, überdeutlich zu machen: Es ist nicht das
 Gesetz, es ist das Evangelium, das euch rettet und heilmacht. Das Gesetz
 führt zum Tode, nur das Evangelium, die Botschaft Christi, führt zum
 Glauben. Wie kann er nun das Gesetz als gute Begründung anführen?
 Schauen wir dann in das erste Buch Mose - denn darauf bezieht sich Paulus -
 so steht da tatsächlich, daß der Mann über die Frau herrschen wird (Genesis
 /1.Mose 3,16). Gott hat es aber anders gewollt: er schuf sie als Mann und
 als Weib, so sind sie das Ebenbild Gottes (Genesis/1.Mose 1,27). Er wollte
 die Frau als das Gegenüber des Mannes und umgekehrt; gemeinsam sind sie
 erst "Mensch", nicht einer allein (Genesis/1.Mose 2,18). Diesen Willen
 Gottes hat der Mensch mißachtet und eine Herrschaft des Mannes über die
 Frau aufgebaut. So fand es auch Paulus vor. Er schaffte es an dieser Stelle
 nicht, das Gesetz durch das Evangelium zu überwinden, so wie es Jesus tat,
 als er sich am Ostermorgen zuerst den Frauen offenbarte. Es darf keine
 Herrschaft in der Gemeinde der Heiligen geben außer der Herrschaft Gottes.
@{b}
 Lieber Gott, wir sind schnell und oft bereit, unsere Vorstellungen und
 Wünsche als deinen Willen auszugeben. Schärfe unsere Sinne, daß wir genau
 hinsehen auf das, was du geschaffen hast, und genau hinhören auf das, was
 du gesagt hast.@{ub}
                                               Christian Wossidlo


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 15a" "1.Korinther 15,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Korinther 15,1-11@{ui}

@{b}                      Die Auferstehung Jesu@{ub}

 Unvermittelt beginnt der Apostel ein neues Thema. Es hat bei der Frage nach
 der Totenauferstehung, der Auferstehung der Christen, in Korinth
 Unklarheiten gegeben. Worum es im einzelnen gegangen ist, läßt sich nicht
 mehr klären. Paulus setzt mit dem ein, was allen Christen bekannt ist:
 Jesus ist von den Toten auferstanden. Er will dafür einen sicheren Beweis
 liefern und gibt nach einem alten Glaubensbekenntnis die Namen der Zeugen
 dieses Geschehens wieder. Diese Aufzählung ergänzt er um die Reihe der
 Zeugen, die Jesus nach seinem Kreuzestod als Lebenden gesehen haben. Auch
 seine eigene Christuserscheinung fügt er in diese Reihe ein. So will er
 deutlich machen: Jesu Auferstehung ist keine Ausgeburt einer frommen
 Phantasie. Sie ist vielmehr eine von vielen Zeugen bestätigte Tatsache. Der
 Apostel ist davon überzeugt, daß auch die Christen in Korinth dem zustimmen
 werden. Sicher werden sie in manchen Punkten anders gedacht haben. Sie
 haben offenbar nicht verstanden, daß die Auferstehung Jesu für das Leben
 aller Christen von entscheidender Bedeutung ist. Sie haben wohl nicht
 begriffen, daß zwischen dem Ostergeschehen und der Auferstehung von uns
 Christen ein unlösbarer Zusammenhang besteht. Wer an die Auferstehung Jesu
 glaubt, hört hier, daß für ihn der Tod nicht das Letzte ist. Er darf mit
 der Auferstehung der Christen rechnen. Er wird dann bedenken, was das in
 seinem Leben für Konsequenzen hat. Wie es aussehen kann, wird in den
 folgenden Abschnitten dieses Kapitels deutlich werden.@{b}

 Herr Jesus Christus! Durch deine Auferstehung hast du den Tod überwunden!
 Wir danken dir dafür. Stärke in uns den Glauben und die Zuversicht, daß wir
 im Tode nicht verlorengehen, sondern allezeit bei dir sein dürfen! Amen.
@{ub}


@{i}                     1.Korinther 15,1-11@{ui}

@{b} Ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß
 ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.@{ub}
 1.Korinther 15,9 (LB)

 Ob nun die Selbsteinschätzung des Paulus als geringstem Apostel, der es
 nicht einmal wert ist, sich Apostel zu nennen, übertriebene Bescheidenheit
 oder Aufarbeitung des schlechten Gewissens ist, mag dahingestellt sein.
 Offensichtlich ist auf jeden Fall, daß gerade in der Person des Paulus
 deutlich wird, was Auferstehung auch bedeuten kann: Er war ein Verfolger
 der christlichen Gemeinde, einer, dessen Denken und Handeln auf
 Unterdrückung und Drangsalierung anderer Menschen ausgerichtet war, einer,
 der auch zum Töten bereit war. Ein Botschafter der Macht des Todes. Er
 begegnete Jesus in einer Vision und in den Christen von Damaskus
 (Apostelgeschichte 9,1-19). Er wurde zu einem Botschafter der Macht des
 Lebens. Er verbreitete nicht mehr Angst mit dem Tod, er nahm Menschen die
 Angst vor dem Tod.
 Wir sehen heute mit zunehmendem Erschrecken - und oft genug auch mit
 zunehmender Hilflosigkeit -, wie in unserer Welt die Botschaften, die
 Mächte des Todes immer größer werden. Die Natur stirbt, Krankheiten
 ängstigen die Menschen, Lebensmittel stecken voller Gefahren, das Potential
 alles zerstörender Waffen wird unüberschaubar. Ihr wäret umsonst gläubig
 geworden (Vers 2), sagt uns Paulus, wenn ihr dem nicht entgegensteht. Ihr
 seid Botschafter des Lebens und damit Gegner der todbringenden Dinge in den
 Händen der Menschen. Wir richten uns auf auch an Vorbildern, wie zum
 Beispiel Papst Johannes XXIII., dessen (25).Todestag wir heute begehen,
 oder Franz von Assisi oder Dietrich Bonhoeffer.@{b}

 Lieber Gott, Angst ist ein schlechter Ratgeber, und Furcht zerstört den
 Menschen von innen heraus. Wir bitten dich, laß deine Welt nicht im Stich
 und überlasse sie nicht allein der Macht der Menschen. Stärke darum unseren
 Widerspruchsgeist.@{ub}
                                                   Christian Wossidlo


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 15b" "1.Korinther 15,12-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1. Korinther 15,12-19@{ui}

@{b}                Wenn Christus nicht auferstanden wäre?@{ub}

 Was bliebe von unserem Christenglauben, wenn die Auferstehung Christi nicht
 Wirklichkeit wäre? So fragt der Apostel. Zunächst möchte er klarmachen:
 Wenn es keine Auferstehung der Christen gäbe - wie die Korinther es
 annehmen -, dann müßte das auch für Christus gelten. Wer also die
 Auferstehung der Christen in Frage stellt, muß konsequenterweise auch die
 Auferstehung Christi bestreiten. Denn beides gehört zusammen. So kann
 Paulus argumentieren: Was bliebe eigentlich vom Christenglauben, wenn
 Christus nicht auferstanden wäre? Der ganze Christenglaube wäre sinnlos.
 Wenn es die Auferstehung Jesu nicht gegeben hätte, dann stünden Paulus und
 die Apostel als falsche Zeugen, also als Lügner da. Sie hätten dann etwas
 behauptet, was den Tatsachen widerspricht. Das würde dann aber auch für
 alle, die Christen sein wollen, fatale Folgen haben: Dann gäbe es keine
 Vergebung der Sünden; dann wäre die Taufe, die diese Menschen einst
 empfangen haben, sinnlos gewesen. Dann bliebe als Ergebnis: Der ganze
 Christenglaube ist Täuschung gewesen. Paulus sagt: Wir Christen wären dann
 die Elendsten und Unglücklichsten unter allen Menschen. Auch wir wollen
 bedenken: Man kann nicht an Jesus Christus glauben, wenn man seine
 Auferstehung bezweifelt. Über das Wie dieser Auferstehung mag es
 verschiedene Ansichten geben. Das Neue Testament bezeugt die Auferstehung
 in unterschiedlicher Weise. Aber daß Jesu Auferstehung ein wirkliches
 Geschehen ist, ist das einhellige Zeugnis der ganzen Christenheit. Daran
 wollen auch wir uns halten. Auf dieses Zeugnis gründet sich unser
 Christenglaube.@{b}

 Herr Jesus Christus! Durch deinen Tod hast du den Tod bezwungen. Hilf uns,
 fest darauf zu vertrauen, daß deine Auferstehung auch für uns das Leben
 bedeutet. Hilf uns, daß wir auch im Sterben darauf fest vertrauen!
 Amen.@{ub}


 @{i}                    1. Korinther 15,12-19@{ui}

 @{b} Ist Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich,so
 ist auch euer Glaube vergeblich.@{ub}         1. Korinther 15,14

 Das erste wäre schon schlimm genug: für die Prediger in unseren Kirchen,
 denn wer arbeitet schon gern vergeblich; noch mehr für die Zuhörer, die
 Gottesdienstbesucher, denn die Predigt ist ja ein wichtiger Teil unseres
 Gottesdienstes. Ist sie umsonst, vergeblich, dann hat das Ganze auch nicht
 mehr allzu großen Wert. Aber schlimmer ist noch das zweite, die Überlegung,
 der Glaube, unser christlicher Glaube, könnte vergeblich sein. Nun wird es
 auch hier viele Menschen geben, die mit den Schultern zucken und sagen
 würden: na und! Denn vielen bedeutet der christliche Glaube wenig oder
 gar nichts. Aber es gibt ja die anderen, und viele Leser dieses Blattes
 werden dazugehören: ihnen bedeutet der christliche Glaube Kraft zum Leben,
 Trost in Traurigkeit und Beistand auf dem Weg durch den Alltag. Sollte
 unser Glaube umsonst sein, würde all diesen Menschen der Lebensnerv
 zerstört. Wie kann das geschehen? Sicher nicht von außen, wie manche
 vielleicht fürchten mögen. Sollten noch so viele Menschen den Glauben an
 Gott für überflüssig halten, sollten noch so viele kluge Menschen dagegen
 reden es macht nichts! Kaputtgehen kann unser Glaube nur durch uns selbst.
 Vergeblich kann er nur werden, wenn wir aufgeben, was seinen Kern ausmacht:
 das Vertrauen in die Kraft Gottes, die den Tod überwindet, oder, wie wir in
 der Kirche sagen, den Glauben an die Auferstehung Jesu und das Leben, das
 er mir damit geschenkt hat und das ich jetzt schon leben kann.@{b}

 Lieber Gott, oft sagen wir, daß der Glaube an dich Privatsache ist. Oft
 legen wir uns die Dinge auch zurecht, wie wir sie gern haben möchten. Wir
 bitten dich, laß unseren Glauben nicht zu privat und damit vergeblich
 werden.Amen.@{ub}
                                                      Christian Wossidlo


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 15c" "1.Korinther 15,20-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1. Korinther 15,20-28@{ui}

@{b}                         Nun aber!@{ub}

 Paulus setzt sich in diesem Kapitel mit Lesern auseinander, die zwar an
 Jesu Auferstehung glauben, sie aber als einmaliges Wunder ansehen. Ihnen
 will er klarmachen, daß dieses Geschehen für alle Christen Konsequenzen
 hat. Daß ohne Jesu Auferstehung der ganze christliche Glaube sinnlos sein
 muß, hat er bereits ausgeführt. Nun aber sagt er positiv, was Christi
 Auferstehung für jeden Christen bedeutet. Die Auferstehung ihres Herrn und
 die eigene Auferstehung sind für alle Christen zusammenhängende Vorgänge.
 Doch es gibt dabei "Etappen". Am Anfang steht die Auferstehung des Herrn.
 Sie ist für alles, was folgt, die Grundlage. Das Nächste ist dann die
 Auferstehung der Christen bei der Wiederkunft ihres Herrn, die Paulus für
 die allernächste Zukunft erwartet. Dann kommt das Ende. Man müßte
 eigentlich erwarten, daß Paulus schreibt: Dann kommen die übrigen. Doch so
 fährt der Apostel nicht fort. Hier steht: "Dann kommt das Ende." Paulus
 denkt an das Ende der Weltgeschichte. Er glaubt: Gott wird dann alle seine
 Feinde überwinden; und der letzte dieser Feinde ist der Tod. Und das Ende
 heißt dann: Alles findet wieder zu Gott als dem Anfang und dem Ziel zurück.
 Was aus den "anderen", den Nicht-Christen wird, interessiert Paulus nicht.
 Er schreibt an Christen; er spricht von dem, was sie zu erhoffen haben.
 Neugierige Fragen nach dem Schicksal der "anderen" will er nicht
 beantworten. Er spricht zu Christen, ihnen will er klarmachen, was Jesu
 Auferstehung für sie zu bedeuten hat.@{b}

 Herr Jesus Christus! Du bist vom Tode auferstanden. Du hast den Tod
 überwunden und uns das Leben gebracht. Wir danken dir! Hilf du auch uns,
 den Tod nicht zu fürchten. Mache uns dessen gewiß, daß bei dir unser ewiges
 Ziel ist! Amen.@{ub}


@{i}                      1. Korinther 15,20-28@{ui}

@{b}             Damit Gott herrscht über alles und in allem@{ub}
                                                   1. Korinther15,28

 Die Art der Herrschaft Gottes zeigt sich für Paulus besonders in der
 Auferweckung Jesu, denn diese Tat kann nichts Einmaliges sein, sie ist
 sozusagen "typisch" für ihn. Gott macht mit ihr auch denen Hoffnung, die
 über ihr eigenes zukünftiges Schicksal und das ihrer Verstorbenen in
 Ungewißheit sind. Seit Adams Zeiten ist der Tod der gefürchtetste Gegner
 allen Lebens; mit der Auferweckung Jesu aber wurde ein Signal dafür
 gesetzt, daß er ein Unterworfener, nicht mehr Unterwerfender, ein
 Vernichteter, kein Vernichter mehr ist. Nur wird das denen nicht deutlich,
 die ihren Blick von dem Gott des Lebens abwenden, denen dieses
 Gotteszeichen nichts bedeutet. Gottes Aktivität wird in unserem Abschnitt
 als Vaterschaft und als Herrschaft zugleich bezeichnet. Er, der den eigenen
 Sohn an sich gezogen hat, rüstet ihn mit Vollmacht aus, diejenigen, die
 sich ihm verbinden, mit heimzubringen zum Vater. "In Christus" haben sie
 schon jetzt Heimatrecht beim Vater und erfahren etwas von der
 Gottesherrschaft: zum Beispiel, daß Gott nirgendwo nicht sein will und
 daher die Macht hat, überall Leben auszubreiten. Paulus bemüht sich zu
 zeigen, daß eine christliche Gemeinde von der Auferweckung Jesu her ihre
 Gegenwart und Zukunft verstehen muß. Ihm liegt an dem Wort "Auferweckung",
 denn er will in diesem Kapitel den Korinthern zeigen, daß ihre christliche
 Existenz nicht nur im Nachsprechen eines Credo-Satzes besteht, sondern als
 Hineinnahme in eine große Bewegung anzusehen ist, die von Gott zu Gott hin
 führt.@{b}

 Die ganze Erde staunt und bebt, weil Gottes Herrlichkeit anhebt. Der Tod
 ist tot, das Leben lebt. Halleluja.@{ub}
                                                        Helga Rusche



@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 15d" "1.Korinther 15,29-34"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1. Korinther 15,29-34@{ui}

@{b}                       Werdet nüchtern!@{ub}

 Noch einmal setzt sich Paulus mit den Menschen auseinander, die über die
 Auferstehung der Toten anders als er dachten. Um ihnen die Unmöglichkeit
 ihrer Ansicht zu verdeutlichen, kommt er dabei auf einen sonderbaren Brauch
 zu sprechen. In Korinth lassen sich Lebende für bereits Gestorbene
 stellvertretend taufen. Paulus nimmt dazu nicht Stellung; er weiß aber, daß
 das geschieht. Die Leute, die diesen Brauch üben, rechnen damit, daß solche
 Taufe für die Toten etwas bedeutet. Sicher ist das ein magisches
 Verständnis der Taufe: Ohne Taufe könne es ein bleibendes Leben nicht
 geben. Also - meint Paulus - glauben die Gemeindemitglieder in Korinth doch
 an eine wie immer auch geartete Auferstehung. Dann folgt ein neuer
 Gedankengang: Paulus spricht von den Leiden, die er als Apostel Jesu
 Christi erlitten hat. Er spricht sogar von einem Kampf mit wilden Tieren,
 den er durchlebt haben soll. Sicher ist das ein Bildwort für eine äußerste
 Bedrohung. Als römischer Bürger konnte er zur Strafe des Tierkampfs gar
 nicht verurteilt werden. Er will wohl nur auf die schweren Bedrängnisse
 hinweisen, die er um seiner Verkündigung willen durchlitten hat. Und er
 folgert dann: Wenn es keine Auferstehung gäbe, wäre das alles vergeblich
 gewesen. Nur durch den Glauben an Jesu Auferstehung und seine eigene
 Auferstehung hat das alles einen Sinn. Sein ganzes Wirken wäre sonst eine
 Narrheit. Dann bliebe nur eins: "Laßt uns essen und trinken, denn morgen
 sind wir tot." Das bedeutet dann, daß wir überhaupt nichts zu erwarten
 hätten. Dem setzt er das eine entgegen: Jesus Christus ist von den Toten
 auferstanden.@{b}

 Durch deine Auferstehung, Herr, hat unser ganzes Leben neuen Sinn erhalten.
 Hilf uns, daß wir das recht bedenken. Laß etwas von der Kraft deiner
 Auferstehung auch in unserem Leben sichtbar werden! Amen.@{ub}


@{i}                     1. Korinther 15,29-34@{ui}

@{b}       Wenn Tote nicht auferweckt werden.@{ub}  1. Korinther 15,32

 Auch wenn Paulus seiner Gemeinde in Korinth fern ist, begibt er sich immer
 wieder ins Gespräch mit ihnen. Er geht auf ihre Fragen auch dann ein, wenn
 sie aus Unsicherheit oder Neugier gestellt werden. Ist es nicht oft so, daß
 uns unser eigenes Schicksal und das der nächsten Freunde und Angehörigen
 existentiell wichtiger ist als die Aufnahme der Botschaft: daß Gott Jesus
 von den Toten auferweckt hat? Paulus verweist auf eine auch in Korinth
 geübte Sitte: Wenn ganze Familien sich taufen ließen, dann taten sie es oft
 in der "Meinung", daß es für ihre Angehörigen mitgeschehe. Die Rückfrage
 des Paulus lautet: Habt ihr solches denn nicht deshalb getan, damit sie "in
 Christus" mit teilhaben an seinem Leben? Was aber hätte diese Sitte für
 einen Sinn, wenn die Voraussetzung nicht stimmt? Schließlich sei er dann ja
 auch selbst, ihr Apostel, umsonst unterwegs mit seiner Botschaft und hätte
 die Korinther irregeführt. Daß sie aber solche Fragen stellen, ist jetzt
 ein Beweis für ihn, daß sie Opfer von Leuten sind, die es auf ihre
 Irreführung abgesehen haben. Deren Parole ist deutlich: Sicherheitshalber
 lieber das Leben gründlich genießen! Wie aber kann man sich als Christ Rat
 holen von denen, die "nichts von Gott wissen" und sich ausrichten an dem,
 was "man" gerade für lebenswert hält? Solche unter ihnen, die bereits von
 Paulus soviel Entscheidendes über Gottes Tun erfahren haben, sollen sich
 jetzt um Nüchternheit bemühen und sich schämen, daß sie leben, tun und
 fragen, als ob auch sie nichts vom lebendigen Gott wüßten.@{b}

 Nüchtern und bereit laß uns, Herr, hier leben und in Lauterkeit von dir
 Zeugnis geben! Wie es die gefällt, laß uns sein und handeln, daß wir selbst
 uns wandeln und erneuern die Welt.@{ub}
                                                         Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 15e" "1.Korinther 15,35-49"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1. Korinther 15,35-49@{ui}

@{b}                     Der Auferstehungsleib@{ub}

 Die Christen in Korinth mögen gefragt haben, wie  die Auferstehung der
 Toten zu verstehen sei. In jüdischen Kreisen gab es die Vorstellung, daß
 die Verstorbenen mit ihrem Erdenleib neu belegt und so zum ewigen Gericht
 geführt würden. Bei den Griechen glaubte man an ein Weiterleben der Seele
 ohne einen Leib. Paulus vertritt weder die eine noch die andere Ansicht: Es
 wird bei der Auferstehung einen neuen Leib geben, der nicht aus der
 irdischen Substanz gebildet ist. Er sagt: "Es wird gesäet ein natürlicher
 Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib." Das mag uns schwer
 verständlich sein. Doch in den Tagen des Paulus war es nicht so. Das
 gleiche griechische Wort bezeichnete Wind und Geist. Der geistliche Leib
 bezeichnet also keine irdische Substanz, er besteht nicht aus "Fleisch". Er
 ist ganz anders als alle irdischen Körper. So ist Auferstehung für Paulus
 eine völlige Neuschöpfung, die sich von dem, was früher war, vollkommen
 unterscheidet. Darauf will uns der heute gelesene Abschnitt hinweisen.
 Paulus spricht davon, daß es schon auf dieser Erde verschiedene Arten von
 Leiblichkeit gibt. Uns mag das schwer verständlich erscheinen. Wir stellen
 uns oft das ewige Leben als eine irgendwie gestaltete Fortsetzung des
 Erdenlebens vor. Worte wie "Auf Wiedersehen" an Gräbern zeigen das. Doch
 eine solche Fortsetzung kann es nicht geben. Es wird alles völlig anders
 sein. Wir haben keine Möglichkeit, uns dieses "ganz anders" irgendwie
 vorzustellen. Und wir sollten deshalb darauf verzichten. Es mag uns
 genügen, daß wir auch im Sterben in Gottes Hand sind. Er wird uns nach
 seinem Willen neu schaffen. Es wird gelten: "Das Alte ist vergangen."@{b}

 Herr Jesus Christus, du hast uns verheißen, daß du alles neu machen wirst.
 Wir danken dir dafür. Wir bitten dich: Hilf uns, daß auch an uns etwas von
 diesem neuen Leben sichtbar werden kann! Amen.@{ub}


@{i}                     1. Korinther 15,35-49@{ui}

@{b}   Es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder
 ein anderes.@{ub}             1. Korinther 15,37

 Paulus kennt seine Korinther und ihre "törichten" Fragen, auch wenn sie ihm
 nicht vorgetragen werden. Jetzt erfindet er in seinem Brief einen ihnen
 geistverwandten Gesprächspartner, der es für sie tut: "Wie werden die Toten
 auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?" (Vers 35) Wer "törichte"
 Fragen stellt, hat keine Einsicht. Geduldig versucht der Apostel sie nun zu
 übermitteln. Vielleicht ist der Fragende so von seinen Grübeleien
 blockiert, daß er darum die Vielfalt der von Gott gestalteten Schöpfung
 nicht wahrnimmt. Paulus zeigt sie ihm. Kein Ding gleicht dem anderen,
 obwohl sie alle von einem ihre Gestalt erhalten, was ihre "Ehre" ausmacht,
 ihren "Glanz". Jetzt bleibt der Apostel mit seinem Partner vor dem
 Weizenfeld stehen, er greift sich ein reifes Korn aus der Ähre und zeigt es
 dem "Toren". Paulus erklärt: Du siehst dem kleinen Korn nicht an, daß es in
 der Erde zu einer anderen Gestalt als der, die es jetzt hat, erweckt wird;
 denn seine Endgestalt - die Ähre - gleicht nicht seiner Erstgestalt. Aber
 es ist die gleiche Lebenskraft, die das Korn erst in der Erde aufbricht und
 es dann zur Gestalt der Reife kommen läßt. Die neue Gestalt, die erweckt
 wird, richtet sich zum Himmel empor, hat Vollendung erreicht und Reife. Und
 doch gehören beide irgendwie zusammen, in der ersten Gestalt ist bereits
 die kommende angelegt und vorbereitet. - Ich kann die nicht die Endgestalt
 deiner Toten beschreiben, auch nicht deine eigene. Aber ich will dir jetzt
 eine Antwort geben, die du, nun einsichtig geworden, verstehen kannst:
 "Gott gibt die Gestalt, die er vorgesehen hat" (Vers 38).@{b}

 Wir sind mitten im Sterben zum Leben bestimmt; was da fällt, soll erstehen.
 Er gibt, wenn er nimmt.@{ub}

                                                       Helga Rusche




@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 15f" "1.Korinther 15,50-58"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1. Korinther 15,50-58@{ui}

@{b}                       Der Tod ist besiegt@{ub}

 Mit einem Lied der Freude darüber, daß der Tod geschlagen ist, endet dieses
 Kapitel über die Auferstehung. Nun hat etwas ganz Neues begonnen. Seit
 Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, hat der Tod seine Macht
 verloren. Schon in der allernächsten Zukunft erwartet Paulus die
 Auferstehung der Christen. Er rechnet sogar damit, daß er wie viele andere
 Christen das Kommen Christi noch in seinen Lebenstagen erfahren werde.
 Freilich ist dann die Auferstehung nicht einfach Fortsetzung dessen, was
 auf Erden gewesen ist; es wird vielmehr eine Neuschöpfung sein. Auch bei
 den Lebenden wird durch das Kommen Christi alles verwandelt werden. Es wird
 uns vielleicht schwer  werden, die Gedanken des Apostel zu verstehen. Die
 Auffassung des Paulus von einer damals unmittelbar bevorstehenden
 Wiederkunft Christi können wir nach fast 2000 Jahren so nicht mehr teilen.
 Für Paulus wäre der Gedanke, daß ein Jahr 1988 noch kommen werde, wohl kaum
 vorstellbar gewesen. Wir Heutigen dagegen sind meist der Ansicht, daß der
 Lauf der Welt noch lange weitergehen werde - es sei denn, wir Menschen
 würden diese Erde selbst zerstören. Die Angst vor solchem Tod ist
 gewachsen. - Wie können wir in den Jubelgesang über den besiegten Tod
 einstimmen? Wir sehen Jesus Christus als den immer Gegenwärtigen. IN seinem
 Wort, in seinem Sakramenten erfahren wir diese Gegenwart, oft täglich. Er
 ist allezeit, und nicht erst bei unserem Sterben, für uns da. Paulus, der
 schreiben kann, kann auch sagen: "Der Tod ist verschlungen in den Sieg",
 "nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes".@{b}

 Herr Jesus Christus! Durch deine Auferstehung hast du den Tod überwunden.
 Du hast uns verheißen, daß wir allezeit bei dir sein dürfen. Stärke uns im
 Glauben an deine Gegenwart! Mache uns dessen gewiß, daß nichts uns von dir
 scheiden kann! Amen.@{ub}


@{i}                     1. Korinther 15,50-58@{ui}

@{b}   Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus
 Christus, unseren Herrn.@{ub}             1. Korinther 15,57

 Mit einem Lobpreis schließt Paulus ein Kapitel ab, das nicht nur für uns
 schwierig ist, sondern auch ihm selbst Mühe gemacht hat. Fragen über Fragen
 galt es zu beantworten und dabei doch nicht von der Basis der eigenen
 Verkündigung abzuschweifen: dem Zeugnis von der Auferweckung Jesu Christi.
 Dem lebendigen Gott, der Jesus von den Toten erweckte, geziemt nun Dank.
 Paulus spricht ihn hier für alle Christen in Korinth aus. Wer aufmerksam
 die Briefe des Apostels durchliest, dem wird auffallen, daß ein solcher
 Dank an Gott immer dort steht, wo selbst Paulus mit seiner Weisheit am Ende
 ist. Statt jetzt den Problemen mit Verbissenheit weiter nachzugehen, läßt
 er alles als unvollendeten Entwurf stehen und schreibt eine Danksagung, ein
 Lobgebet (zum Beispiel auch in Römer 8,3 ff., 11,36). Er dankt Gott, dem
 uns Beschenkenden. Er dankt für das Geschenk des "Sieges", den nur er
 selbst erringen konnte und kann. Danken wird aber nur der, der das Geschenk
 auch annimmt. Hinter dem Wort "Sieg" verbirgt sich: daß Gott die Herrschaft
 "über alles und allem" hat, im Wort "Dank": daß eben darin das Glück des
 vom Tod und von der Sünde bedrohten Menschen liegt. Wir sollten von Paulus
 diese Danksagung auch als persönliches Gebet übernehmen! Über die
 Auferweckung Jesu durch Gott zu reden und sie zu bekennen, ist notwendig.
 Aber erst unser Dank zeigt, daß wir sie als Geschenk an uns wirklich
 angenommen haben.@{b}

 Lobsinget dem Herrn mit mir zugleich, und was da lebt, es soll ihn ehren.
 Denn seine Macht wird ewig währen, und ohne Ende ist sein Reich.@{ub}
                                                       Helga Rusche



@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 16a" "1.Korinther 16,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 16,1-12@{ui}

@{b}                   Die Sorge um den anderen@{ub}

 Paulus beendet seinen Brief nicht damit, daß er noch einmal die
 Schwierigkeiten erwähnt, die er in Korinth vorfindet. Er bittet die
 Korinther, den Blick von sich weg auf die Sorgen der anderen Schwestern und
 Brüder zu lenken.
 Das ist ein gutes, ein christliches Anliegen: Menschen von ihrer
 Einsamkeit, ihren körperlichen und seelischen Leiden abzulenken. Er bittet
 die Korinther zunächst, an die Schwestern und Brüder in Jerusalem zu
 denken. Er bittet um ein "Opfer" für Menschen, denen es schlechter geht als
 den Korinthern. Sodann ist es sein Anliegen, daß einer seiner engsten
 Mitarbeiter, Timotheus, der offensichtlich viel jünger ist als Paulus,
 gleichberechtigt und gleichgeachtet von der Gemeinde aufgenommen wird: "Daß
 ihn keiner geringachtet." Sie sollen die Sache sehen, die er vertritt, die
 Botschaft hören, die er verkündigt. Wie schnell sind Urteile über
 Mitarbeiter der Gemeinde gesprochen, wie schnell können Streit und
 Konflikte unter ihnen entstehen, wenn sie als Werkzeuge von
 Gruppeninteressen gebraucht werden. Paulus wirbt bei aller Entschiedenheit
 in der Sache um den brüderlichen Umgang in der Gemeinde. Selbst Apollos,
 seinen Gegenspieler, nimmt er in Schutz und entschuldigt ihn. Wir hören
 etwas, was uns ebenso betrifft. Den Blick auf das Wohl des Nächsten zu
 richten, hilft uns, aus eigenen Zwängen und Sorgen herauszukommen. "Alles
 zum besten wenden" ist der kleine Schritt zum Frieden, den jeder von uns
 gehen kann, auch wenn wir uns in der großen Politik so überflüssig und
 ohnmächtig vorkommen. Laßt es uns probieren.@{b}

 Herr, wir bitten dich darum, daß Sachlichkeit und Liebe Menschen verbinden.
 laß uns von unseren Sorgen weg und auf die Nöte derer sehen, mit denen wir
 zusammen leben und zusammen arbeiten. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 16,1-12@{ui}

@{b} Er arbeitet im Dienst des Herrn.@{ub} 1.Korinther 16,10 (EÜ)

 Paulus lernt man nicht nur kennen, wenn man sich mit seiner Theologie
 beschäftigt. Gerade die Abschlüsse seiner Briefe zeigen uns doch eine
 andere Seite des Apostels: Er weiß sich zusammen mit anderen "im Dienst des
 Herrn". Das können ganze Gemeinden sein, die seine Sorgen mittragen wie die
 um die "Heiligen", so nennt er hier die Gemeinden in Jerusalem, die
 dringend Unterstützung brauchen. Er hat Vertrauensleute, selbst in Korinth,
 die zuverlässige Überbringer der für die Bedürftigen bestimmten Gaben sind.
 Sein Mitarbeiter in mehreren Gemeinden, Timotheus, reist dem Apostel vorauf
 und bereitet dessen Ankunft in Korinth vor. Da er offenbar zurückhaltend
 und schüchtern ist, legt Paulus ihn den Korinthern ans Herz und bittet, ihn
 nicht zu entmutigen und gering zu schätzen, "denn er arbeitet im Dienst des
 Herrn wie ich". Auch seine Begleiter soll man als "Brüder" aufnehmen.
 Gewiß, Paulus hat die Gemeinde gegründet, und das gibt ihm eine Art
 Sonderstellung, aber nie hat er in ihr allein gewirkt, er hat Mitarbeiter
 gehabt und sich auch als Mitarbeiter von ihnen betrachtet. Unser viel zu
 sachliches Wort hält im Grunde nicht fest, wie persönlich und
 vertrauensvoll die Verbindung war. es wird viel Mühe kosten, bis wir wieder
 in unseren Gemeinden solche "Bruderschaft im Dienst des Herrn" gewinnen,
 damit es in unserem bürokratischen Zeitalter dort nicht nur einen einzigen
 Verantwortlichen mit "bezahlten Hilfskräften" gibt.@{b}

 Er lasse uns wie Brüder sein, der Eintracht uns erfreun, als seiner Liebe
 Widerschein die Christenheit erneun.@{ub} Georg Thurmair)
                                                     Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Korinther 16b" "1.Korinther 16,13-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Korinther 16,13-24@{ui}

@{b}                    Ins rechte Licht gerückt@{ub}

 Zum Schluß des Briefes rückt Paulus noch einige Dinge ins rechte Licht,
 z.B. die Stellung der vielen, die im Dienst der Verkündigung und der
 Nächstenliebe stehen. Wie schnell wird Selbstaufopferung für andere oder
 die Bereitschaft, um anderer willen Entbehrungen auf sich zu nehmen, als
 Schwäche oder Lebensuntüchtigkeit gedeutet. Einen Pastor, der im Rucksack
 Gesangbücher mitnahm und damit von Ort zu Ort in seiner Gemeinde auf einem
 alten Moped fuhr, nannte man verächtlich "Rucksackpastor". Eine Diakonisse,
 die mit behinderten Kindern einen Spaziergang macht, wird mitunter
 mitleidig betrachtet. Nein, wo Menschen sich mühen, eigene Bedürfnisse den
 Nöten anderer unterzuordnen, da muß das Anerkennung in der Gemeinde finden.
 "Ordnet euch solchen Männern nun auch unter und allen, die mitarbeiten und
 sich mühen." Wir tun es nicht um ihretwillen, sondern um Christi willen,
 der die eigentliche Autorität in der Gemeinde ist. Paulus rückt aber auch
 noch etwas anderes ins rechte Licht: "Wacht, steht fest im Glauben." Das
 heißt doch, gebt genau acht auf das, was euch vom Glauben an den einen
 Herrn Jesus Christus trennen will. Es hat vielerlei Gestalt: Verlockungen,
 falsche Versprechungen, Drohungen, Laxheit. Paulus mahnt deshalb so
 eindringlich, weil er weiß, daß "verflucht ist, der den Herrn nicht lieb
 hat". Nicht, daß Paulus den Fluch ausstößt, aber er benennt den
 Urteilsbereich, dem der Mensch verfällt, wenn er den Raum der Liebe Christi
 verläßt. Über allem aber steht der Segenswunsch: "Die Gnade des Herrn Jesus
 sei mit euch." Gnade ist das höchste, was ein Mensch erfahren kann.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns immer wieder Männer und Frauen gibst, die
 sich in deiner Kirche für andere einsetzen und mühen. Zeig uns in unserer
 Umgebung, wo du Aufgaben für uns hast, die unseren Fähigkeiten und Kräften
 entsprechen. Gib uns den Anstoß dazu, das Erkannte auch zu tun. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Korinther 16,13-24@{ui}

@{b} Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.@{ub} 1.Korinther 16,13 (EÜ)

 Aus dem Schlußabsatz des ersten Korintherbriefes wird deutlich, daß
 apostolische Briefe im Gottesdienst der Gemeinde vorgelesen werden. Ein
 gottesdienstliches Element ist zum Beispiel der Ruf "marana-tha", das heißt
 "Herr, komm". Nun macht aber die gemeinsame Sehnsucht nach der Begegnung
 mit dem Herrn aus den Gemeindegliedern keine Gruppe von Menschen, der die
 Zukunft alles ist, sondern eine communio, wie Paulus sie mit seinen
 Mitarbeitern vorzuleben versucht. Wie sollte man den Herrn, der kommt, auch
 erkennen, wenn man schon den Bruder neben sich nicht beachtet? Den Brief
 des Paulus durchzieht der Aufruf nach brüderlicher Liebe, denn nur "Liebe
 erbaut" die Gemeinde Jesu Christi: Es ist bezeichnend, daß diese
 Aufforderung auch am Ende des Briefes wiederkehrt: "Seid wachsam, steht
 fest im Glauben, seid mutig und stark; alles, was ihr tut, geschehe in
 Liebe." Wir werden an ein Gleichnis Jesu erinnert: Ein auf den Herrn
 wartender Knecht kann nicht, wenn er wirklich auf diesen wartet, seine
 Mitknechte schikanieren. Er muß sie umsorgen, wie der Herr es selber täte.
 Die "Verweigerung" der Liebe (Vers 18) und der gegenseitigen Achtung macht
 die Sehnsucht der Glaubenden nach dem Herrn unglaubwürdig. Nach allen
 Schwierigkeiten, die Paulus mit den Korinthern durchzustehen hatte, bekennt
 er sich doch in Liebe zu ihnen. Er hat einem seiner Mitarbeiter den Brief
 diktiert. Nun greift er selbst zur Feder und schreibt: "Meine Liebe ist mit
 euch allen in Christus Jesus" (Vers 24).@{b}

 Wofür sollen wir leben, sag uns wofür? So viele Gedanken, welcher ist
 wichtig? So viele Programme, welches ist richtig? So viele Fragen! Die
 Liebe zählt.@{ub} (Lothar Zenetti)
                                                 Helga Rusche

@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 1a" "2.Korinther 1,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Korinther 1,1-7@{ui}

@{b}                 Getröstete können trösten@{ub}

 In den Monaten Januar, Februar und Mai haben wir den ersten Brief des
 Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth gelesen. Wir haben dabei einen
 Eindruck bekommen von den Schwierigkeiten, mit denen sich die kleine, etwa
 um das Jahr 50 n.Chr. in eineinhalbjähriger Missionsarbeit von dem Apostel
 gegründete Gemeinde auseinanderzusetzen hatte.
 Korinth war Provinzhauptstadt und ein wichtiger Handelsplatz zwischen Ost
 und West, eine pulsierende Großstadt mit mit einer Fülle prachtvoller
 Tempel, Schulen und Sportstätten. Die Stadt war berühmt und berüchtigt
 zugleich: Ein kultureller Anziehungspunkt, aber auch geprägt von einer
 unsittlichen Lebensweise und von sozialen Spannungen. In diese so
 vielschichtige Situation hinein weiß sich der Apostel gesandt mit dem
 ausdrücklichen Auftrag, zu reden und nicht zu schweigen (Apostelgeschichte
 18,1-17). Diese Verkündigung des Evangeliums steht unter der Zusage, daß
 Gott sich gerade in dieser Stadt ein großes Volk sammeln will. Der Apostel
 wird sich wohl manchmal ganz bewußt daran erinnert haben, denn ausgerechnet
 diese Gemeinde hat ihm viel Kummer bereitet. Das spiegelt sich schon in dem
 ersten Brief des Paulus an die Gemeinde wider. Und das erkennen wir vor
 allem an dem 2.Korintherbrief, den wir von heute an bis zum Ende des
 Kirchenjahres lesen. Dieser Brief beginnt mit dem Hinweis auf "Trübsal" und
 "Leiden". Er beginnt aber auch mit dem Dank an Gott für allen Trost im Leid
 und mit der Gewißheit, daß solchermaßen Getröstete nun auch wiederum andere
 trösten können.@{b}

 Herr, unser Gott! Du führst uns in Trübsal und Leiden, doch glauben wir:
 Alles, was du tust, ist gut. So laß uns im Leiden reifen und getröstet
 werden, damit wir fähig werden, andere in ihrer Trübsal zu trösten. Amen.
@{ub}


@{i}                      2.Korinther 1,1-7@{ui}

@{b} Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der
 Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer
 Trübsal.@{ub}  2.Korinther 1,3-4a (LB)

 Um Trost geht es, nicht um billige Vertröstung. Trost wird leicht mit
 Vertröstung verwechselt. Im Adjektiv begegnet es uns öfter, manchmal sogar
 schlagwortartig verbilligt: tröstlich, trostreich, trostvoll, oft in ganz
 nebensächlichem Zusammenhang. Dabei ist Trost eine christliche Hauptsache.
 Vom Wort her wird die Wichtigkeit deutlich: Altnordisch hieß es "traust".
 Daraus wurde das englische "trust", was vertrauen bedeutet. Trost ist also
 eine Sache, die mit Vertrauen zusammenhängt. Durch wirklichen Trost vom
 Gott alles Trostes fließt uns in manchmal trostlosem Tief Kraft, Halt,
 neues Vertrauen, Antwort auf unsere Ratlosigkeit zu. Auf Gottes Trost, der
 Anrede und Zuspruch an uns ist, kann man bauen. Solcher Zuspruch richtet
 unsere hängenden Köpfe, unsere zagenden Herzen, unsere zweifelnden Gedanken
 wieder auf und weckt Hoffnung, vertrauen und Glauben. Vielleicht auch den
 hoffenden Glauben, daß nun alles wieder gut werden kann, daß alle
 Schwierigkeiten letztendlich doch zum Guten und unserem Besten dienten.
 Trost vom Gott alles Trostes bringt die Dinge wieder in Ordnung, trocknet
 Tränen der Verzweiflung, der Trauer, der Einsamkeit, der Verlassenheit.
 Trost bringt uns wieder zurecht. Er macht zwar die Dinge und leidvollen
 Erfahrungen nicht ungeschehen, gibt ihnen aber eine neue Deutung,
 Wer das an sich selbst einmal aufrichtig erfahren hat, der versteht den,
 der Trost braucht, und kann selbst trösten. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe
 und Kraftzusage.@{b}

 Herr, unser Gott, laß uns in unserer Trostlosigkeit nicht mit uns selbst
 allein. Hilf uns immer neu zurecht und tröste uns, damit wir neu Vertrauen
 finden und andere trösten lernen. Amen.@{ub}
                                                     Helmut Ludwig


@ENDNODE

@NODE "2.Korinther 1b" "2.Korinther 1,8-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 1,8-11@{ui}

@{b}                   Gott über alles vertrauen@{ub}

 Wenn Paulus in den unmittelbar vorangehenden Sätzen von "Trübsal" und
 Leiden" spricht, dann tut er das nicht in verallgemeinernder Weise,
 sozusagen theoretisch. Vielmehr spricht er von ganz persönlichen
 Erfahrungen, aus denen die Glaubenszuversicht "Getröstete können trösten"
 erwachsen ist. Worum es sich im einzelnen bei diesen Erlebnissen "in der
 Landschaft Asien" gehandelt hat, können wir nicht sagen: Vielleicht ist der
 Aufruhr in Ephesus (Apostelgeschichte 19,23-40) gemeint oder eine der
 lebensbedrohenden Situationen, auf die der Apostel in seinem Brief noch zu
 sprechen kommt. Fest steht aber: was er an Leiden erlebt, ist nicht
 selbstverschuldet, sondern ist unabwendbare Konsequenz der Nachfolge
 Christi. Und fest steht auch: Diese leidvolle Erfahrung haben Paulus nicht
 den Glauben genommen, sondern sie haben seinen Glauben an Gott erst
 wirklich gegründet und stark gemacht, und das nicht nur für den
 vorübergehenden Augenblick der unmittelbaren Gefahr, sondern für alle
 Zukunft. Er hat an der Grenze zwischen Leben und Tod gelernt: Zukunft liegt
 nicht darin, daß ich mehr Selbstvertrauen habe, sondern darin, daß ich mich
 ganz Gott anvertraue. Das ist für ihn nicht ein Wagnis, das so oder so
 ausgehen kann. Auf die Erfahrung: "Gott hat uns errettet" gründet sich
 seine Hoffnung: "Gott wird uns erretten." Er bittet die Brüder und
 Schwestern in der Gemeinde, ihn in der Fürbitte so zu begleiten, daß ihm
 diese Zuversicht erhalten bleibt und Gott der schuldige Dank nicht
 vorenthalten wird.@{b}

 Herr, allmächtiger Vater! Es kann sein, daß du uns sehr in die Tiefe des
 Leidens führen mußt, damit wir lernen, falsche Vertrauen auf eigene
 Möglichkeiten abzulegen. Laß uns, wenn das geschieht, dir nicht
 widerstreben; hilf uns, daß wir uns dann ganz in deine Hand geben. Amen.
@{ub}


@{i}                     2.Korinther 1,8-11@{ui}

@{b} Dank sagen für die Gnade, die uns geschenkt wurde.@{ub}
 2.Korinther 1,11(EÜ)

 Die Bibel spricht oft von der Drangsal und Bedrängnis des Volkes Gottes. Im
 Neuen Testament gehört es geradezu zum Status des Jüngers, in Bedrängnis zu
 sein. Wir denken da eher an unsere privaten kleinen Alltagssorgen. Die
 Bibel denkt an die Bedrängnis um des Evangeliums willen. Gibt es das in
 unserem Leben, Bedrängnis? Vielleicht eher Last und Unbehagen. Dann fangen
 wir an zu klagen. Auch der Apostel kennt die bedrohliche Situation. Er
 redet gar von Todesgefahr, aus der er errettet worden ist. Wir wissen nicht
 genau, wovon wir er redet. Wir erfahren nur von der bestehenden Gefahr.
 Doch auch in der größten Verzweiflung haben er und seine Mitarbeiter ihr
 Vertrauen auf Gott gesetzt. Sie machten sich fest in ihm und bekennen sich
 zu Gott, der die Toten erweckt. Vielleicht erinnert sich der Schreiber an
 alte jüdische Gebetsformeln: "Du lebst in Ewigkeit, erweckst Tote, du
 sorgst für die Lebenden, belebst die Sterbenden."
 Der Apostel hat erfahren, daß dort, wo nach menschlichem Ermessen nur
 Aussichtslosigkeit ist, dennoch Gottes Fügung und Führung waltet. Gott ist
 es, der aus der scheinbaren Ausweglosigkeit in die Freiheit, aus den Tod
 ins Leben führt. Gott ist darum in der Bibel "der Herr", "der Retter"
 schlechthin. Obwohl wir alle mit der ganzen Welt dem Tod, dem Verfall
 bestimmt sind, ist von Gott her das Wunder des Lebens zu erwarten. Weil
 aber von überallher Gefahr droht, bittet der Apostel um das helfende Gebet.
 Er weiß, das Gebet kann einem Menschen Schutz und Hilfe gewähren. Und wie
 so oft in der Bibel endet die Bitte im Dank. Gott erhört unsere Bitten.
 Alles, was er uns gewährt, ist Gnade.@{b}

 Herr, wir gehen unter in den Sorgen dieser Welt. Wir sehen nur Abgründe
 oder Mauern. Und wenn wir mutig sind, wollen wir aus eigener Kraft Brücken
 bauen und Mauern überspringen. Laß uns erkennen, daß wir auf dich vertrauen
 können. laß uns einsehen, daß deine Gnade uns Brücken baut. Laß uns
 begreifen, daß wir mit dir Mauern überspringen. Amen.@{ub}
                                                Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 1c" "2.Korinther 1,12-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Korinther 1,12-24@{ui}

@{b}               Gottes Treue und des Apostels Lauterkeit@{ub}

 Nach wenigen Zeilen am Anfang des Briefes, die von eben überstandener
 Gefahr berichten und die Tröstung des Glaubens bezeugen, drängt es den
 Apostel, sich mit den in der Gemeinde Korinth gegen ihn erhobenen Vorwürfen
 auseinanderzusetzen. Er wendet sich dabei zunächst der Vorhaltung, er sei
 im Hinblick auf seine Reise- und Besuchspläne leichtfertig oder
 unwahrhaftig gewesen , zu Dieser Vorwurf schmerzt ihn besonders.
 Schließlich hat er lange genug in der Gemeinde gelebt, daß alle sich von
 seiner "Schlichtheit und Lauterkeit" (so die Übersetzung nach den
 bestbezeugten Handschriften) überzeugen konnten. Wer zur Gemeinde gehört,
 meint der Apostel, sollte doch auch wissen, daß einer, der die Verkündigung
 der in Christus bestätigten Gottesverheißungen zum Lebensinhalt hat, gar
 nicht hinterhältig berechnend planen und doppeldeutig reden kann. Sowenig
 der durch ihn gepredigte Christus zugleich "Ja" und "Nein" ist, sowenig
 kann bei dem Apostel aus einem Ja ein Nein werden. Wenn sich Vorhaben
 ändern, dann sollte die Gemeinde ihm gewichtige Gründe dafür zutrauen: etwa
 seelsorgerliche Rücksichtnahme oder das Bemühen, nur ja nicht als
 "Glaubenstyrann" zu erscheinen. Es ist eindrücklich zu sehen, wie eine
 eigentlich so unerfreuliche Auseinandersetzung für Paulus zur Gelegenheit
 für ein Glaubenszeugnis wird. Sie wird ihm zum Anlaß, die Treue Gottes zu
 bezeugen, zu bekräftigen, daß wir "Mitarbeiter an der Freude" der Brüder
 und Schwestern sein können, und zu unterstreichen, daß alles, was heute
 noch verworren ist, sich klären wird am Ende der Zeiten, "am Tage unseres
 Herrn Jesus".@{b}

 Herr, unser Vater! Du läßt uns durch Jesus Christus erfahren, daß auf deine
 Verheißung Verlaß ist. Mache uns zu Menschen, die Verläßlich sind und
 dadurch zu Vertrauen und Frieden in der Welt beitragen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 2a" "2.Korinther 2,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 2,1-11@{ui}

@{b}                   ...desto mehr vergeben@{ub}

 Wie bei einem richtigen Brief erfahren wir hier vor allem, was der
 Schreiber denkt. Eins ist klar, Paulus hat der Gemeinde in Korinth die
 Leviten gelesen, zuerst bei einem Besuch, dann in einem Brief, den er in
 großer Traurigkeit und unter Tränen geschrieben hat. Irgend jemand hatte
 versucht, die Gemeinde und den Apostel auseinanderzubringen. Viel zu spät
 erkannten die Korinther, was da gespielt wurde. Nun waren sie
 offensichtlich dabei, gegen den Störenfried und Verleumder vorzugehen.
 Diesem drohte jetzt der endgültige Ausschluß aus der Gemeinde. Da meldet
 sich der Apostel erneut zu Wort. Den unheilvollen Folgen - dem Unfrieden,
 der Traurigkeit und er Abrechnung mit dem Schuldigen - setzt er einen Damm
 entgegen, wenn er die Gemeinde auffordert zu vergeben. Paulus liegt daran,
 daß der Schuldige nicht isoliert wird, daß er sich nicht verhärtet und an
 sich verzweifelt. Vielmehr soll er wieder Anschluß an die Gemeinde finden.
 Die Vergebung soll den Sieg behalten und nicht die Bestrafung und die
 Trennung. Darin haben sich Christen allezeit vom Apostel ermahnen zu
 lassen. Ärger und Zerwürfnisse mögen unter ihnen wie in anderen
 Gemeinschaften und Gruppierungen vorkommen. Ehrgeiz und Streben nach
 Einfluß sind auch Christen nicht fremd. Verschieden geprägte geistliche
 Erfahrungen und Einsichten kommen hinzu. Ab und zu muß Klarheit geschaffen
 werden, was zu gelten hat. Im Ohr und im Herzen hat die Gemeinde aber die
 Mahnung zu behalten. Mehr vergeben!@{b}

 Lieber Herr! Oft kommt es zu Spannungen unter uns, gerade dann, wenn wie
 deinen Willen ernst nehmen. Laß nicht zu, daß wir einander kränken. Mach
 uns bereit, aufeinander zuzugehen und zu vergeben. Amen.@{ub}


@{i}                    2.Korinther 2,1-11@{ui}

@{b} Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat.@{ub}
 2.Korinther 1,20 (EÜ)

 "Sich rühmen", das ist immer eine fragliche Geschichte. Und doch beginnt
 dieser Abschnitt mit dem Stichwort "Ruhm", obwohl der Apostel weiß, wie
 fraglich es ist, sich selber zu rühmen. Es gibt das falsche und das echte
 Sich-Rühmen. Falsch ist jenes, das sich selbst dient und sich vor Gott der
 menschlichen Leistung rühmen will. Von solch einem Rühmen stellt der
 Apostel eindeutig fest: "Es ist ausgeschlossen" (Römer 3,27). Oder: "Vor
 Gott kann sich keiner rühmen" (1.Korinther 1,29). Menschen können sich nur
 deshalb rühmen, weil Gott sie aus dem Verlust ihres Lebens rettet, wie er
 Christus durch den Tod am Kreuz hindurch in das leben geführt hat. es geht
 also um jenes Rühmen, in dem der Mensch von sich selber weg und auf die von
 Gott her kommende Zukunft schaut. Im ganzen zweiten Korintherbrief kann man
 zwischen den Zeilen lesen, daß der Apostel Anfeindungen ausgesetzt war. Das
 zwingt ihm immer wieder, sich zu rechtfertigen. Er rühmt sich, wie er sagt,
 nicht seiner eigenen Kraft, sondern seiner Schwachheit, in der sich die
 Kraft Gottes auswirkt. Auf das Wort dieses Gottes ist Verlaß. das ist dem
 Apostel Anlaß, über die Zuverlässigkeit menschlichen Redens zu sprechen.
 Gott steht zu dem, was er gesagt hat. Deshalb hat er seinen Sohn gesandt.
 In Jesus Christus ist das Ja Gottes zur Welt verwirklicht. Wie könnte es
 anders sein, als daß der Apostel anfängt, Gott aufs neue zu rühmen. Das
 große Ja Gottes zur Welt ist Hoffnung für alle Menschen.@{b}

 Gott unser Herr, laß mich nicht planen wie andere Menschen, die Ränke
 spinnen. Laß mich zu meinem Wort stehen, damit mein Ja ein Ja sei und mein
 Nein ein Nein. Laß mich stehen zu dem, was ich sage und mich dennoch meiner
 nicht rühmen, denn ich weiß, daß alles Gute, das ich tue, von dir kommt.
 Amen.@{ub}
                                                   Gabriele Miller


@{i}                       2.Korinther 2,1-11@{ui}

@{b} Ich bitte euch, Liebe walten zu lassen.@{ub} 2.Korinther 2,8 (EÜ)

 Zwei Worte prägen den Abschnitt: "freuen" und "betrüben". Freude bringen
 und Freude empfangen, so stellt sich der Schreiber den Besuch eines
 Apostels in seiner Gemeinde vor. Deshalb will er auch den vorgehabten
 Besuch jetzt nicht ausführen, denn sein Auftreten wäre weder den Korinthern
 noch ihm selbst zur Freude geworden. Wie ehrlich geht der Apostel mit
 seiner Gemeinde um! Er scheut sich nicht einzugestehen, daß er den letzten
 Brief an sie unter vielen Tränen geschrieben hat. Ein Apostel weint? Der
 Tränen haben sich die Männer im Altertum weniger geschämt als die heutigen.
 Um was es auch immer gegangen sein mag, wir können nur schließen: es war
 ein Angriff auf den Apostel, seine Person, sein Amt, und darum betrifft es
 indirekt auch die Gemeinde. Es ist schmerzlich für den Apostel, daß es
 lange dauert, bis die Mehrheit der Gemeinde sich hinter ihn gestellt hat.
 Und was passiert mit dem Unruhestifter? Es scheint dem Apostel wichtig zu
 sein, daß er nicht zum Außenseiter wird. Obwohl es sich um ein Unrecht,
 eine Beleidigung gegenüber dem Apostel handelt, ist es jetzt wichtig, daß
 die Gemeinschaft nicht zerbricht. Der unmittelbar Betroffene ist zugleich
 der Friedensstifter. man kann nur fragen: Was machen wir mit
 Unruhestiftern? Paulus sieht durch die vordergründige Situation hindurch
 auf den in seiner Gemeinde lebendigen Christus. Er sieht auf jene, die
 Zwietracht bringen und sieht zugleich auf die Laxheit einer Gemeinde -
 Gedanken, die uns wichtig sein müssen.@{b}

 Herr, mache deine Kirche neu. Verbanne allen Streit und alles Vorteilsuchen
 aus der Gemeinde. Laß mich nicht gleichgültig sein; laß mich aber auch
 nicht auf mein Recht pochen. laß mich Partei ergreifen, wo es notwendig
 ist, wo Schwächere leiden. Herr, mache deine Kirche neu und fange bei mir
 an. Amen.@{ub}
                                                   Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 2b" "2.Korinther 2,12-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 2,12-17@{ui}

@{b}                        ...keine Ruhe@{ub}

 Unruhe plagt Paulus, als er nach Troas kommt. Nicht die Unruhe der lauten
 Hafenstadt hindert ihn, das Evangelium zu verkündigen. Im Gegenteil, die
 Botschaft Jesu findet hier eine offene Tür. Neue Möglichkeiten tun sich auf
 für den Christusglauben. Paulus kann sich dennoch nicht darauf
 konzentrieren. Solange er nicht weiß, wie es um die Gemeinde in Korinth
 steht, ist er nicht frei für Neues. Werden sich die Korinther wieder
 gefangen haben? Wird der Unfriede gewichen sein? Hat die Vergebung den Sieg
 davongetragen? Titus, der Mitarbeiter des Apostels, sollte helfen, die
 Verhältnisse in der Korinther Gemeinde wieder in Ordnung zu bringen. Paulus
 hatte vergeblich gehofft, ihn schon in Troas wieder zu treffen. Da hält es
 Paulus nicht länger in der Hafenstadt Kleinasiens. Mit einem der nächsten
 Schiffe nach Europa fährt er Titus entgegen. In Mazedonien trifft er ihn.
 Titus hat offensichtlich gute Nachrichten aus Korinth mitgebracht. Wir
 merken es daran, daß Paulus mitten in seinem Bericht abbricht und
 überwechselt zum Dank an Gott, weil sich Christus durchgesetzt hat. Nicht
 die eine oder andere Meinung, nicht diese oder jene Überzeugung, sondern
 Christus hat den Sieg behalten in Korinth. Das allein ist wichtig. Die
 Verkündigung der Christusbotschaft hinterläßt auf jeden Fall eine Wirkung,
 einen Geruch, wie der Apostel in seiner bildhaften Sprache schreibt. Gott
 sei Dank, daß immer wieder Menschen Kraft zum Leben aus der
 Christusbotschaft schöpfen, auch heute noch.@{b}

 Lieber Herr! Dank sei dir, daß uns deine gute Botschaft das Leben für immer
 zusagt. Achte auf uns, daß wir nicht selbstgenügsam werden, daß wir auch
 die anderen im Blick behalten, in unserer Familie, in der Nachbarschaft und
 darüber hinaus. Amen.@{ub}


@{i}                      2.Korinther 2,12-17@{ui}

@{b} Wir verkünden aufrichtig und in Christus.@{ub} 2.Korinther 2,17 (EÜ)

 Mühsal und Betrübnis hindern den Schreiber nicht, triumphaler Stimmung Raum
 zu geben. Er bricht in Danksagungen aus. Was immer die Gründe sind, die den
 Apostel von einem Ort zum anderen führen, im letzten leiten sie ihn von
 Erfolg zu Erfolg. Er erkennt sich geführt von einer höheren Macht, die über
 alles menschliche Planen hinaus zum Ziel führt. Gott hat ihn für Christus
 in Beschlag genommen. Nicht er arbeitet für Gott, sondern Gott ist es, der
 durch ihn handelt. Und er, der rastlose Missionar, ist nur wie ein im
 Triumphzug mitgeführter Soldat, fast müßte man sagen, wie ein mitgeführter
 Gefangener. Er ist wie ein bei einer Prozession mitgetragenes
 Weihrauchgefäß, das überall seinen Duft verbreitet. Das heißt nicht, daß
 durch die Verkündigung alle zum Glauben kommen, denn das Kommen zum Glauben
 ist eine harte Entscheidung. So fordert es das Evangelium, und damit steht
 auch das Wort "Gericht" im Raum. Aus dem Leben in Jesus Christus durch den
 Glauben kann ewiges Leben gewonnen werden. Dann wendet sich der Apostel
 wieder seinem konkreten Alltag zu. Es sind auch andere Verkündiger am Werk
 und gar solche, die ihn aus dem Feld schlagen wollen. Sie bieten aber
 Gottes Wort nicht rein dar, sondern sie machen damit ein Geschäft, wie
 gerissene Schankwirte, die Wasser in den Wein gießen. Um so entscheidender
 muß der Apostel betonen, daß seine Verkündigung dem Maßstab von Echtheit
 und Lauterkeit standhält. Er verkündet in machtvoller Gewißheit, daß das
 Evangelium über die Welt hin triumphiert, unabhängig von Annahme oder
 Ablehnung. So vollzieht sich die Entscheidung zwischen Leben und Tod.@{b}

 Herr, nimm mich heraus aus meiner Untätigkeit und Lauheit. Schenk mir den
 Mut der Entscheidung und den Optimismus derer, die wissen, daß du deinen
 Plan zu Ende führst. Öffne mir die Tür und laß mich Ruhe finden bei dir.
 Amen.@{ub}
                                                   Gabriele Miller


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 3a" "2.Korinther 3,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 3,1-11@{ui}

@{b}                  Sind wir ein Brief Christi?@{ub}

 Was es um den christlichen Glauben ist, merkt der Außenstehende zuerst am
 Leben der Christen. An der Art, wie sie miteinander umgehen und sich zu
 anderen verhalten, wird ablesbar, was die gute Nachricht von Jesus Christus
 für uns heute bedeuten könnte. In diesem Sinne ist jeder einzelne Christ,
 jede Gemeinde und die ganze Christenheit ein Brief Christi an die Menschen
 der Gegenwart. Unsern Glauben haben wir aber nicht aus uns selber. Der
 Bund, den Gott durch Christus mit uns geschlossen hat, ist uns glaubhaft
 mitgeteilt worden von anderen. Wir stehen hier in einer langen Kette der
 Überlieferung. Die ersten Zeugen Christi waren die Apostel. Ohne sie wüßten
 wir nichts von dem, was Gott in Jesus für uns getan hat. Durch sie haben
 wir die Schriften des Neuen Testaments. An ihnen vorbei gibt es kein
 Christentum. Schon in der ersten Zeit mußten sie darauf achten, daß die
 Gemeinden sich nicht durch andere Prediger verführen ließen. Denn immer
 bestand die Gefahr, daß sich Menschen ihren Glauben nach eigenem Geschmack
 zurechtlegten. Dann folgten sie aber einer Illusion und nicht der Wahrheit.
 Deshalb war Paulus so eifrig bemüht, die Korinther bei dem zu halten, was
 er ihnen von Christus bezeugt hatte. Es war die "herrliche" Nachricht, daß
 Jesus für uns gestorben ist, damit wir als Gerechtfertigte unverzagt vor
 Gott leben können.
 Wenn es schon eine große Sache war, daß Gott seinem Volk durch Mose die
 Gebote gab, so ist der Erweis seiner Liebe zu allen Menschen im Tode und in
 der Auferweckung Jesu doch noch viel größer. Ob man uns wohl etwas von
 dieser Liebe Gottes anmerkt?@{b}

 Wir danken dir, Herr, für den Erweis deiner Liebe. Halt uns fest bei dem,
 was die Apostel uns bezeugt haben, und gib uns die Kraft, so zu leben, daß
 auch andere etwas von deiner Liebe merken. Amen.@{ub}


@{i}                      2.Korinther 3,1-11@{ui}

@{b} Die Herrlichkeit des Bleibenden wird es überstrahlen.@{ub}
 2.Korinther 3,11 (EÜ)

 Je mehr sich der Apostel einsetzt, um so mehr ist er in Gefahr, sich selbst
 anzupreisen. Das Problem zieht sich durch den ganzen Brief. Er kann den
 Eindruck, sich wichtig zu machen, vor anderen und vor sich selber nicht
 vermeiden. Er ist den Alt-Aposteln gleichgestellt. Obwohl sie ihn also
 anerkennen, leidet er daran, sich immer selbst empfehlen zu müssen.
 Andererseits kann man verstehen, daß die junge Kirche sorgfältig darüber
 wacht, wer missioniert. Braucht also der Apostel einen Empfehlungsbrief?
 Als Beweis für sein echtes Apostelat beruft er sich auf die korinthische
 Gemeinde selbst. Sie verdankt ihm ihre Existenz, sie ist sein
 "Empfehlungsbrief". Die Gemeinde ist kein papierener Brief, sondern ein
 lebendiger. Trotz dieser "Empfehlung" weiß der Schreiber, daß er wie jeder
 Mensch in Sachen des Heils und der Gnade nichts von sich aus vermag. Er
 will ein Diener des souveränen Gnadenhandelns Gottes am Menschen sein.
 Damit spricht er das Selbstverständnis seines Amtes und damit jeglichen
 Amtes in der Kirche aus. es ist Gottes köstliche Gabe, die Mitteilung
 seines Lebens. Das sieht der Apostel jetzt erfüllt. er setzt sich hart vom
 Judentum ab. Diese Schärfe erklärt sich nur, wenn die Gegner des Apostels
 in Korinth nicht erkennen, daß der Alte Bund über sich hinausweist. Dem
 Gesetz und er daraus folgenden Gesetzlichkeit steht der Dienst des Geistes,
 der Dienst der Gerechtigkeit gegenüber. Wenn schon der Alte Bund in
 Herrlichkeit erschien, so wird auch der Neue Bund in Herrlichkeit
 aufstrahlen.@{b}

 Herr, unser Gott. Gib uns Einsicht, um Buchstaben und Geist zu
 unterscheiden und doch den Buchstaben und Geist zu unterscheiden und doch
 den Buchstaben nicht gering zu achten. Laß uns vertrauen auf die
 Offenbarung deiner Herrlichkeit, die uns das Unvergängliche zeigt.@{ub}
                                                    Gabriele Miller


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 3b" "2.Korinther 3,3-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 3,3-9@{ui}

@{b}                  Die Gemeinde - ein Brief Christi@{ub}

 Es war in den Gemeinden der entstehenden christlichen Kirche allgemein
 üblich, daß ein Gesandter aus einer Gemeinde bei seinem Besuch am anderen
 Ort ein Empfehlungsschreiben von dort mitbrachte. Solche Zeugnisse sollten
 die Verbindung zwischen den Gemeinden stärken und auch eine gewisse
 Kontrolle über die, die als Gemeindelehrer auftraten, ausüben. Die Gegner
 des Paulus beriefen sich auf solche Empfehlungsschreiben von Gemeinden. Und
 sie warfen dem Paulus vor, daß er ohne solch ein beglaubigtes Schreiben von
 Ort zu Ort reiste und von Christus predigte.
 Ja, Paulus hatte wohl bei seinem ersten Besuch in Korinth ausdrücklich auf
 solch ein Empfehlungsschreiben verzichtet. War das nun Überheblichkeit, war
 das falsche Bescheidenheit? Die Antwort des Paulus ist überraschend: "Ihr
 seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen
 Menschen!" Ein schöneres Zeugnis kann Paulus der Gemeinde in Korinth gar
 nicht ausstellen. Mehr als einen Brief tragen sie, Paulus und sein
 Begleiter Timotheus, mit sich. Die ganze Gemeinde geht ihnen zu Herzen,
 liegt ihnen am Herzen. Eine wahrhaft herzliche Verbundenheit!
 Ein Stück Papier könnte ja immer nur einen beschränkten Leserkreis haben
 - obwohl freilich die Briefe von Paulus ja bis heute von Ort zu Ort durch
 die ganze Welt gehen. Aber die leibhaftige Gemeinde, die in aller
 Öffentlichkeit lebt, ist die beste Empfehlung. Wenn man in der ganzen
 großen Stadt, einem Zentrum der Wirtschaft und Kultur, von Paulus und
 seiner Botschaft von Christus spricht, das ist wirklich das glaubwürdigste
 Zeugnis, das dem Paulus ausgestellt werden kann. Und damit ist nun auch
 etwas anderes für den Apostel ganz Wichtiges klargestellt. Es ist nicht
 seine Leistung, sein Erfolg, den er bescheinigt bekäme mit einem Stück
 Papier der Anerkennung. Beifall für seine Tüchtigkeit hat er stets
 abgelehnt. Wenn eine Gemeinde wirklich im Geiste Gottes lebt, dann ist das
 nie das Werk eines Menschen, sondern dann ist es der Geist des lebendigen
 Gottes selbst, der hier wirksam ist. Eine wirklich lebendige Gemeinde ist
 ein Zeichen für Gottes Gegenwart. Eine solche Gemeinde wird
 geistesgegenwärtig wahrnehmen, was in unserer Welt geschieht, damit von
 allen Menschen erkannt werden kann, was nach Gottes Willen für alle
 Menschen gut ist.@{b}

 Jesus Christus, du hast uns deinen Geist gegeben, damit wir aus deiner
 Kraft leben können. Mach uns tüchtig und laß uns in deinem Geist wirken zur
 Bewahrung der ganzen Schöpfung. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 3c" "2.Korinther 3,12-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 3,12-18@{ui}

@{b}                     Von Gottes Herrlichkeit@{ub}

 Wer weiß, daß Christus für ihn gestorben und auferstanden ist, kann voller
 Hoffnung sein. Er sieht Gott gewissermaßen ins Angesicht und wird darin nur
 Güte und Freundlichkeit entdecken. Denn das eben ist ja Gottes
 Herrlichkeit, daß seine unermeßliche Liebe alle unsere Schuld aufhebt.
 Insofern sind wir noch besser dran als Mose. Er hat die Gesetzestafeln von
 Gott empfangen. Gottes Gesetz aber ist Gottes Forderung an den Menschen.
 Forderungen machen nicht frei, sondern engen ein. Auch hat noch kein Mensch
 es je geschafft, sie ganz zu erfüllen. Für Paulus ist die Decke, mit der
 Mose nach der Begegnung mit Gott sein Haupt verhüllt, ein Gleichnis dafür.
 Nach 2.Mose 34,33-35 legte Mose eine Decke vor sein Gesicht, weil das Volk
 den Abglanz der Herrlichkeit Gottes auf seinem Gesicht nicht ertragen
 konnte.
 Paulus meint nun, daß das noch einen anderen Grund gehabt habe: Das Volk
 sollte nicht sehen, daß dieser Glanz verging. Paulus will damit sagen: Das
 Gesetz Gottes ist wohl gut und recht, aber es bringt noch nicht die volle
 Freiheit und Freude. Deshalb liegt noch eine Decke über der Heiligen
 Schrift für alle, die darin nur Anweisungen für ein besseres Leben finden
 wollen. Erst wenn man beachtet, was Gott in Christus für uns getan hat,
 kann man die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel erkennen und sich an
 ihr freuen. Dann aber wird man auch selber verwandelt und fähig zu einem
 neuen Gehorsam Gott gegenüber aus Dankbarkeit. Gerade so aber wären wir
 dann das, wozu uns Gott geschaffen hat: sein Ebenbild (vgl.1.Mose 1,27).
@{b}
 Herr, das ist eine wunderliche Herrlichkeit, die du uns durch Jesu Christus
 kundgemacht hast. Wir preisen dein Erbarmen, daß du uns unsere Schuld
 vergibst. Erfülle uns mit deinem Geist, damit wir dir mit unserem Leben
 danken. Amen.@{ub}


@{i}                    2.Korinther 3,12-18@{ui}

@{b} Wir alle spiegeln die Herrlichkeit des Herrn wider.@{ub}
 2.Korinther 3,18 (EÜ)

 Der Apostel schreibt so etwas wie eine Prophetie von der Bekehrung Israels.
 Er will die Hinwendung zum geistlichen Schriftverständnis, weg vom
 Buchstaben. Also müßten auch die Korinther die Freiheit verstehen, die
 Paulus übt. Wer das Alte Testament richtig versteht, ist nicht mehr nur an
 seinen Buchstaben gebunden. Doch solches Verständnis ist nur durch den
 Heiligen Geist möglich. Die Herrlichkeit des Neuen Bundes läßt die Christen
 wie in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn auffangen, und sie selbst
 werden durch ihr Hineinschauen in die Herrlichkeit des Herrn mehr und mehr
 verwandelt. Dieser Gedanke hat den Apostel hingerissen. Die Scheidewand
 zwischen Glauben und Schauen ist aufgehoben. Es gibt ein Schauen im
 Glauben. Dieses Wort "Herrlichkeit" bestimmt den ganzen Abschnitt von
 apostolischen Amt. Paulus liegt daran aufzuzeigen, daß in Christus die
 Herrlichkeit Gottes bleibend und wissentlich offenbar geworden ist. Die
 Sanftmut und Milde Gottes in Jesus wird in seinem demütigen Umgang mit den
 Menschen eindrucksvoll sichtbar. Man merkt es, wenn einem die Augen dafür
 aufgegangen sind. Dann wird man sagen können, wir haben seine Herrlichkeit
 gesehen (vgl.Johannes 1,14), und zwar nicht nur in den Wundern Jesu,
 sondern in allem, was er war. Diese Nähe zu Gott ist nicht auf einen
 menschlichen Mittler oder auf wenige Auserwählte beschränkt, sondern kommt
 allen zu, die den Glauben annehmen.@{b}

 Herr Jesus Christus, laß uns dich suchen, uns zu dir wenden, damit wir
 nicht blind bleiben, sondern dein Geist in uns wirkt und wir frei sind. Laß
 uns Spiegel deiner Herrlichkeit sein in dieser Welt. Amen.@{ub}
                                                     Gabriele Miller


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 4a" "2.Korinther 4,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 4,1-6@{ui}

@{b}                   Das helle Licht des Evangeliums@{ub}

 Das helle Licht des Evangeliums kommt nicht von Menschen, sondern von Gott
 her. Leuchtend ist es, weil Gott es schafft. Dessen ist sich der Apostel
 Paulus bewußt. Er weiß, daß seine Verkündigung nur Ausstrahlungskraft hat,
 wenn sie sich auf die Botschaft Jesu konzentriert und nicht mit der eigenen
 Person beschäftigt. Darum weist er jeden Verdacht, er verbreite seine
 eigenen Ansichten und kämpfe um sein persönliches Ansehen, energisch
 zurück. Dem hellen Glanz, der uns in Christus entgegenstrahlt, will er mit
 seinen selbsterdachten Gedanken und eigensüchtigen Interessen nicht im Wege
 stehn. Auch wir sind als getaufte Christen gerufen, Zeugen Jesu Christi zu
 sein. Wie der Apostel werden wir diesem Ruf nur gerecht, wenn wir uns von
 allem fernhalten, was das Licht Jesu Christi verdunkelt. In seiner
 Nachfolge wollen wir auf alles verzichten, was diese Nachfolge schädigt:
 Lüge, Verstellung, Eigennutz schwächen die Ausstrahlungskraft des
 göttlichen Wortes. Unsere Sorge muß wie des Paulus darauf gerichtet sein,
 den Menschen, die uns hören und erleben, die Herrlichkeit Jesu nicht durch
 unser selbstsüchtiges Verhalten zu verbergen. Aber auch bei selbstlosester
 Verkündigung werden nicht alle Menschen zum Glauben kommen. Die bedrängende
 Tatsache, daß Jesu Herrlichkeit nicht von allen wahrgenommen wird, kann
 sich Paulus nur dadurch erklären, daß "der Gott dieser Welt der Ungläubigen
 Sinn verblendet".
 Auch wir werden damit rechnen müssen, daß es Situationen geben kann, in
 denen die Christusbotschaft nicht verstanden wird. Aber das Rechnen damit
 darf uns nicht zur Entschuldigung für eigenes Versagen werden.@{b}

 Herr, durchleuchte uns mit dem hellen Licht deines Evangeliums. Laß deine
 Wahrheit durchscheinen durch unsere Worte und Werke, damit wir deine Zeugen
 werden. Amen.@{ub}


@{i}                     2.Korinther 4,1-6@{ui}

@{b} Denn wir predigen Jesus Christus, daß er der Herr ist.@{ub}
 2.Korinther 4,5 (LB)

 Die Predigt des Evangeliums hat nicht bei allen Hörern Erfolg. Niemand, der
 Jesus Christus den Menschen nahebringen will, kann sich davor verschließen.
 Jesus selbst hat diese Erfahrung machen müssen. Der Hörer des Wortes Gottes
 steht immer im Spannungsfeld zwischen der Aufnahme des Gehörten und seiner
 Ablehnung, zwischen Glaube und Unglaube.
 Möglichkeiten der Ablehnung gibt es viele. Paulus personifiziert die
 Kräfte, die in einem Menschen das Hören verhindern. Der "Gott dieser Welt"
 ist da am Werk. Aber wir sollten uns nicht täuschen. Unser eigenes Herz hat
 so viele Tricks und Möglichkeiten auszuweichen, daß wir uns nicht mit
 Fremdeinwirkung entschuldigen können.
 Was geschieht, wenn jemand sich gegen das Evangelium verschließt?
 Die Herrschaftsverhältnisse zwischen Himmel und Erde kommen nicht ins
 rechte Lot. Paulus predigt Jesus Christus als den Herrn. Das bedeutet: Alle
 irdischen Autorität wird so eingestuft, daß sie sich vor Jesus Christus in
 allem Tun und Denken zu verantworten hat. Das hört nicht jeder gern. Paulus
 weiß das. Und er und manche nach ihm sind um dieser Rangordnung willen in
 den Märtyrertod gegangen. Die sie verurteilten, wußten, wie politisch
 dieses christliche Bekenntnis ist.
 Jesus Christus ist das Ebenbild Gottes, das heißt, er bildet mit seinem
 Reden und einem Leben Gottes Güte und Barmherzigkeit ab. Für seine Freunde
 gilt es, diese Güte und Barmherzigkeit als den Widerschein der Herrlichkeit
 Gottes im Leben und Sterben widerzuspiegeln. Wo sie auch sind!@{b}

 Herr, dein Sohn mußte kommen, weil wir als deine Ebenbilder versagen. er
 hat deine Güte und Barmherzigkeit gelebt und mußte dafür sterben. Zeige mir
 meine Möglichkeiten, deine Herrlichkeit widerzuspiegeln an diesem Tag.@{ub}
                                                Bodo Wiedemann


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 4b" "2.Korinther 4,7-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 4,7-12@{ui}

@{b}                     In irdenen Gefäßen@{ub}

 Die Herrlichkeit Gottes ist für uns nie direkt erkennbar. Wie Gott seine
 Allmacht in der Ohnmacht des gekreuzigten versteckt, so verbirgt er auch
 die Stärke seines Wortes in der Schwachheit seiner Boten. Die Korinther
 litten darunter, daß an Paulus, ihrem Apostel, so wenig von der
 Herrlichkeit Christi sichtbar wurde. Nach ihrer Vorstellung hätte der Bote
 des Herrn eine faszinierende Gestalt sein müssen. Um die Korinther davor zu
 bewahren, aus der Enttäuschung an seiner Person auch die von ihm vertretene
 Sache fallenzulassen, schrieb ihnen Paulus: "Wir haben solchen Schatz in
 irdenen Gefäßen." In der Zeit des Apostels wurden in gefährlichen Zeiten
 wertvolle Gold- oder Silbermünzen in Tonkrügen aufbewahrt. Den billigen
 Tongefäßen konnte man nicht ansehen, was sie enthielten. Paulus war für
 seine Person bereit, sich als unansehnliches Gefäß betrachten zu lassen,
 wichtig war ihm die Botschaft, die er bezeugte. An ihr ließ er nicht
 rütteln. er konnte seine körperliche Schwachheit als notwendige Gegebenheit
 annehmen, damit kein Zweifel darüber aufkomme, daß die "überschwengliche
 Kraft" des Evangeliums nicht Menschen-, sondern Gotteskraft ist. Was ihm an
 Bedrängendem widerfuhr, deutete er als Leiden mit Jesus und trug es
 geduldig an seinem Leib. Wie die Korinther leiden auch viele Glieder in
 unseren Gemeinden daran, daß Amtsträger oft so schwache Menschen sind. Doch
 so berechtigt ihre Enttäuschung auch sein mag, die an den Zeugen Leidenden
 sollten sich immer vor Augen halten, daß wir den Schatz in irdenen Gefäßen
 haben. Wer an der Unansehnlichkeit der Gefäße Anstoß nimmt, sollte deshalb
 deren Inhalt nicht verwerfen.@{b}

 Herr, wir sind wohl unwürdig, Zeugen deines Heils zu sein. Aber weil du uns
 sendest, so bitten wir dich, gib uns den Heiligen Geist, daß wir in seiner
 Kraft deiner Wahrheit den Weg bereiten. Sei du mächtig in uns. Amen.@{ub}


@{i}                    2.Korinther 4,7-12@{ui}

@{b} Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen@{ub} 2.Korinther 4,7 (LB)

 Das gilt in doppelter Weise: für Jesus selbst und für die Prediger des
 Evangeliums. Die Herrlichkeit Gottes wird im Angesicht Jesu Christi ja nur
 für den Glaubenden sichtbar. Was die Welt sieht, ist das Wirken eines
 Mannes, der es gut gemeint hat, der Barmherzigkeit bis in ungeahnte Weiten
 hinaus ausgelegt hat, der im Gehorsam Gott gegenüber klar und konsequent
 blieb und mit seinem Leben dafür bezahlen mußte. Das irdene Gefäß wurde
 zerbrochen, die Stimme der liebe zum Verstummen gebracht. Kein Glanz,
 sondern Finsternis breitet sich über Golgatha aus: Gottes Werkzeug von
 Menschen zerbrochen. Irdische Wirklichkeit und menschliches Handeln in
 seiner Härte und Bosheit haben sich wieder einmal durchgesetzt.
 Aber Gottes Schöpferhandeln ist ungebrochen. Und wie er am Anfang aus dem
 Nichts das Leben schafft, so entreißt er auf Golgatha das Opfer den Klauen
 des Todes. Der aus dem Tod erweckte Jesus bewirkt mit den Seinen bis heute
 das Wunder des Glaubens in den Herzen der Menschen.
 Und nun wiederholt sich das Schicksal Jesu im kleinen Maßstab an den Zeugen
 des Glaubens immer von neuem.
 Paulus zählt auf, was er in seinem Dienst auszuhalten und zu erdulden hat.
 Aber er setzt gegen jede Belastung die Erfahrung der Stärkung und Hilfe. Am
 Leiden der Apostel wird deutlich, daß er dem gekreuzigten Herrn folgt. In
 der erfahrenen Hilfe erweist sich die Kraft in der Auferstehung. So zeigt
 sich, daß Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist. Und darauf kommt es
 an.@{b}

 Herr, ich danke dir, daß du nicht nur die Starken in deinen Dienst nimmst.
 Und wenn deine zeugen in Bedrängnis kommen, dann nimmst du dich ihrer an.
 Gib mir Mut, für dich den Einsatz zu wagen, damit deine Gnade sich durch
 mich an den Menschen erweisen kann.@{ub}
                                             Bodo Wiedemann



@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 4c" "2.Korinther 4,13-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Korinther 4,13-18@{ui}

@{b}                    Leiden bringt Gewinn@{ub}

 Was der Apostel hier über das Leiden sagt, läuft unserem natürlichen
 Empfinden zuwider. Wir sind gewohnt, Leiden nur unter einem negativen
 Vorzeichen zu sehen. Nach der Meinung der Griechen - und die ist unserer
 nicht fern - macht Leiden klein und bringt Schande, nach der Ansicht des
 Apostels macht es groß und bringt Würde.
 Natürlich spricht Paulus dem Leiden selbst keine Heilsqualität zu. Er sehnt
 es auch nicht willkürlich und darum unverantwortlich herbei. Aber er ist
 der Überzeugung, daß Leiden, das in der nachfolge Christi getragen wird,
 Herrlichkeit schafft und Gewinn bringt. Solange wir nur auf das Sichtbare
 sehen, bleibt uns die Aussage des Apostels verschlossen.
 In unserer natürlichen Sicht bedeutet Leiden Lebenseinschränkung und
 -zerstörung. Wenn wir aber auf Christus schauen, verändern sich die Dinge.
 Was uns im Leiden mit Christus an äußeren Möglichkeiten genommen wird, das
 wird uns an innerem Verstehen ersetzt. Dabei besteht keine Ausgewogenheit
 zwischen dem, was wir leiden, und dem, was uns dafür gegeben wird. Gott
 gibt nicht nach Maß, sondern nach Übermaß. Er paßt die von ihm verheißene
 Herrlichkeit nicht dem Maß unseres Leidens an, sondern gibt uns unendlich
 viel mehr als das, was wir um seinetwillen jetzt tragen. Darum kann der
 Apostel die uns auferlegte zeitliche Trübsal leicht nennen, schwer dagegen
 wiegt ihm die ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit. Wenn wir
 Paulus in seiner Betrachtung gefolgt sind, dann können wir auch verstehen,
 warum er über seine Leiden nicht mit Gott hadert, sondern sich ihrer rühmt.
 Wie er wollen wir unsere Leiden im Aufblicken zu Jesus tragen.@{b}

 Herr, du läßt uns den Weg des Leidens gehen. Laß uns nicht ausschauen nach
 äußeren Sicherungen, sondern mit deinem Sohn den Weg des Gehorsams gehen.
 So wirst du uns helfen, und deine Gnade wird unser Trost sein. Amen.@{ub}


@{i}                      2.Korinther 4,13-18@{ui}

@{b} Darum werden wir nicht müde.@{ub}  2.Korinther 4,16 (EÜ)

 Paulus rahmt mit diesem Satz das ganze Kapital (Vers 1 und 16). Erstaunlich
 ist das schon, daß er bei den massiven Belastungen seines Apostelamtes
 nicht müde wird. Zumal ihm offenbar auch seine Gesundheit zu schaffen
 macht.
 Aber sein Blick geht angesichts aller Anstrengungen und Widrigkeiten auf
 die in Jesus Christus begründete Hoffnung und auf seinen Auftrag. In den
 leiden und Strapazen im irdischen Amt der Verkündigung sieht er die
 Entsprechung zum Sterben Jesu am Kreuz. Wer den Gekreuzigten predigt, hat
 teil an dessen Passion: zum Beispiel im Erleiden des Widerstandes gegen die
 Botschaft, der zur Gegnerschaft gegen den Prediger werden kann. Außerdem
 tröstet den Apostel der Gedanke, daß aus seinem ihn aufreibenden Dienst bei
 den Hörern das leben entsteht, das sich bei ihnen im beginnenden Glauben
 zeigt. So verzehrt sich der Apostel ganz bewußt, weil er weiß, wem seine
 Leiden nützen. Dazu kommt der Blick auf die versprochene Herrlichkeit. Sie
 wird alles Erlittene aufwiegen. man kann schon müde werden im Dienst der
 Verkündigung. da sind einmal die Augenblicke, wo offenbar das Wort die
 Hörer erreicht. Übereinstimmung entsteht. Der Geist des Glaubens wird
 spürbar (Vers 13). Aber dann sind da auch die Durststrecken, in denen alles
 schwerfällt. Die Resonanz bleibt aus. Man kann sich abmühen, wie man will.
 Der Boden ist hart. es kommt kaum etwas durch. Nicht nur bei den
 Konfirmanden!
 Paulus erfährt die Kraft zum Durchhalten. Dreierlei verscheucht seine
 Müdigkeit: Die Mühe geschieht für das Leben zum Hörer, zur Ehre Gottes und
 im Vorblick auf die kommende Herrlichkeit.@{b}

 Herr, hilf meiner Müdigkeit auf! Öffne meinen Blick, daß ich sehe, wozu du
 meine schwachen Kräfte brauchst. Und mache mich stark, sie für dich zu
 nutzen. Amen.@{ub}
                                                   Bodo Wiedemann


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 4d" "2.Korinther 4,16-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 4,16-18@{ui}

@{b}                     Was uns munter macht@{ub}

 "Darum werden wir nicht müde", sagt Paulus von sich und seiner Arbeit. Weil
 Jesus unser menschliches Los geteilt hat, leben wir zur Ehre Gottes. Nie
 müde werden in der nachfolge Jesu - es wäre schön, könnten auch wir dies
 von uns und unserer Arbeit sagen. Da hat man sich über Jahre für eine
 bestimmte Sache eingesetzt, viel Zeit geopfert und muß erleben, daß alles
 umsonst war. Da hat so mancher sich zeit seines Lebens mit viel Liebe in
 der Gemeinde engagiert und muß zusehen, wie sie immer kleiner wird. Da hat
 man versucht, dem Nächsten mit Liebe zu begegnen, und dann doch nur
 Gleichgültigkeit oder gar Ablehnung erfahren. Wie soll uns da nicht
 Müdigkeit oder Resignation überkommen? Woher nimmt Paulus die Kraft gegen
 solche Ermüdungserscheinungen? Weder ist er, wie wir wissen, ein ganz
 gesunder Mann, noch verfügt er über außergewöhnliche Kräfte. Er hat all
 das, was uns oft so müde macht, am eigenen Leib erfahren. Aber er lebt aus
 einer Quelle, die Müdigkeit und Resignation überwindet und die im Kreuz
 Jesu Christi entspringt, die Quelle der Liebe Gottes zu den Menschen. Jesus
 hat diese Liebe in unsere Welt der Trübsal und Resignation gebracht. er ist
 das Bindeglied der beiden Welten, deren eine, die sichtbare, zeitliche von
 Trübsal beherrscht wird, während die andere, unsichtbare, ewige Welt mit
 Herrlichkeit angefüllt ist. Jesu ist gekommen, um in die zeitliche Welt
 schon etwas von dem Ewigen zu bringen. Er ist gekommen, um unsere
 menschliche Müdigkeit zu überwinden in der Hoffnung auf diese göttliche
 Herrlichkeit. Diese kraftspendende Quelle ist die Liebe, welche munter
 macht. Wo Jesus uns Menschen begegnet, kommen wir in Bewegung, bleibt keine
 Zeit für die Müdigkeit. Da können wir nicht mehr ruhig zusehen, wie
 Menschen um uns herum in Müdigkeit und Lethargie verfallen. Wahre Liebe
 steckt an und strömt über sich hinaus. Aber sie stößt auch auf Ablehnung
 und ruft bei manchen Menschen Widerspruch hervor. Trübselige Erfahrungen
 dieser Art hat sicher schon so mancher von uns gemacht. Aber diese Liebe
 schenkt uns auch die Hoffnung, daß bei Gott alle Bedrängnisse und alles
 Leiden überwunden werden. Jesu Auferstehung hat gezeigt, daß diese Liebe
 alles überwindet. Sie ist die Quelle, die niemals versiegt.@{b}

 Herr, wir bitten dich, sei du mit uns in unserer Schwachheit und
 Unzulänglichkeit. Schenke uns deine Kraft, damit wir nicht müde werden, als
 Zeugen deiner Liebe zu leben und zu wirken. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 5a" "2.Korinther 5,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 5,1-10@{ui}

@{b}                 Ein Haus, nicht mit Händen gemacht@{ub}

 Paulus spricht vom zukünftigen Leben, das wir als Christen erwarten können.
 Sein Vergleich ist bildhaft genug: Die Hütte, unser irdisches Haus, ist nur
 auf Zeit bewohnbar und sehr zerbrechlich. Das Haus, in das wir jenseits
 dieses Lebens aufgenommen werden, wird ewig sein. Freilich, die Sehnsucht
 nach dem Tode, von der Paulus hier spricht, wird den meisten von uns fremd
 sein. Im allgemeinen weisen wir den Gedanken an das Sterben weit von uns -
 weil wir gern leben. Wir freuen uns über vieles in unserem Leben, und auch
 allerlei Probleme und manche schwer zu lösende Aufgabe lassen in uns nur
 selten Todessehnsucht aufkommen. Meist ist genau das Gegenteil der Fall:
 Wir haben Lust und Mut dazu, die uns gestellten Aufgaben zu meistern und in
 unserem Leben etwas zu leisten, jeder auf seine Weise. jene andere Äußerung
 des Paulus ist uns deshalb wiederum verständlich, und wir möchten sie gern
 nachvollziehen: "Darum befleißigen wir uns auch, daß wir ihm wohlgefallen."
 An keinem Tag unseres Lebens sind wir aus dieser Aufgabe entlassen. Kein
 Bereich unseres Lebens bleibt davon ausgenommen. Aber nicht Furcht vor dem
 letzten Gericht soll unser handeln bestimmen. Wir leben in der Hoffnung
 darauf, daß Christus am Ende unseres Lebens auf uns wartet, und in dieser
 Hoffnung können wir auch sterben. In solcher Hoffnung darf unser Tun nicht
 von Furcht diktiert sein. Wir haben die Zusage seiner Liebe, und so können
 wir zuversichtlich heute und jeden Tag neu damit beginnen, seinen Willen zu
 tun.@{b}

 Herr Gott, schenke uns die Hoffnung auf deine Liebe. Laß uns im Leben und
 im Sterben darauf vertrauen, daß du uns nicht verläßt. Gib uns Kraft,
 deinen Willen zu tun. Amen.@{ub}


@{i}                   2.Korinther 5,1-10@{ui}

@{b} Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.@{ub}
 2.Korinther 5,10 (EÜ)

 Ein strenger Satz am Ende eines Gedankenganges, der unter dem Thema der
 Hoffnung steht. Drei Bilder versuchen, den Übergang vom Glauben zum
 Schauen, von der Vergänglichkeit zur Ewigkeit, vom Sterben-Müssen zum Leben
 klarzumachen: Unser irdisches Haus wird abgerissen, aber wir ziehen in ein
 neues, ewiges ein. Wir werden das irdische Gewand ablegen und mit einem
 himmlischen Gewand bekleidet werden. Wir ziehen um aus der Fremde in die
 himmlische Heimat.
 Wer aus der gegenwärtigen Existenz auf die irdische Zukunft blickt, sieht
 Vergänglichkeit, Hinfälligkeit, Sterben. Wer vom Ort der sich erfüllenden
 Hoffnung aus auf sich und die Welt blickt, kann mutig und gefestigt sein.
 Das kommende Gute ist mit der Kraft des heiligen Geistes schon wirksam. Die
 Teilhabe an der Vollendung ist im Glauben schon spürbar. So kann die
 belastende Gegenwart im Blick auf die gute Zukunft mit Gott ertragen
 werden.
 Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Diese Position könnte zur Weltflucht
 verleiten. Der Gerichtsgedanke bildet deshalb das nötige Gegengewicht.
 Man kann die Teilhabe an der erhofften und versprochenen Erfüllung
 verlieren. Dann nämlich, wenn die Hoffnung im Glaubenden keine Bewegung
 auslöst. Die Praxis dessen, was in Gottes Augen gut ist, ist konsequente
 Folge aus der festen Erwartung der Erlösung.
 Das ist kein angenehmer Gedanke, daß Jesus Christus uns einmal nach den
 handfesten irdischen Auswirkungen der Hoffnung auf ihn fragen wird. Das
 macht unruhig - aber so soll es sein!@{b}

 Herr, wir wissen, daß unser Weg auf dich zugeht. Unsere Heimat ist bei dir.
 So hilf, daß unsere Hoffnung auf dich uns in Atem hält. laß uns jederzeit
 bedenken, was wir im Tun und Reden vor dir verantworten können. Amen.@{ub}
                                              Bodo Wiedemann


@{i}                    2.Korinther 5,1-10@{ui}

@{b}                 Eines Tages zu hause sein...@{ub}

 Irgendwo haben wir solch ein Bild schon einmal in einer Kirche betrachtet:
 da war über die Welt, über die ganze Menschheit Gericht gehalten. Auf der
 einen Seite werden Menschen einer schrecklichen Bestrafung zugeführt; auf
 der anderen werden die Erlösten zur ewigen Gemeinschaft mit Gott gerufen.
 Auf dem Richterstuhl thront Christus, der das Urteil spricht. - Daran
 denken wir, wenn wir hier lesen: "Wir müssen alle offenbar werden vor dem
 Richterstuhl Christi." es wird uns unheimlich zumute bei solchem Bild.
 Paulus hat diesen Satz aber anders gemeint. er will uns nicht angst machen.
 Vielmehr spricht er davon, daß er ganz zuversichtlich daran denkt, daß er,
 wenn er stirbt, endlich Aussicht hat, zu Gott zu kommen. "Wir sind aber
 getrost und haben vielmehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein
 bei dem Herrn." Für Paulus ist es tröstlich, daß ja das Gleichnis von dem
 Vater erzählt, der seinen verkommenden Sohn doch wieder zu Hause
 aufgenommen und für ihn ein Fest ausgerichtet hat.
 So wird es sein, wenn er uns erwartet. Wer nach Hause kommt - zu den
 Eltern, den Geschwistern, dem Ehepartner-, weiß, daß er denen nichts
 vormachen kann. Da vergeht einem alles Prahlen mit Erfolgen. Jesus Christus
 kennt uns genau. Er beschönigt unser leben nicht. Da werden wir uns sicher
 auch schämen für Dinge, die uns erst im Gegenüber zu ihm klarwerden. Aber
 er hat uns lieb, und daher brauchen wir uns vor seinem Angesicht nicht zu
 fürchten. Weil er uns liebt, nimmt er uns mit unserem ganzen Leben ernst.
 Im Hinblick auf unser Sterben ist solche Aussicht wirklich tröstlich. nagt
 nicht heimlich an uns die Furcht, daß unser leben nur bis zum Tode reicht,
 daß wir das Dasein in dieser Welt möglichst bis zum letzten auskosten
 müssen? Und dann? Werden wir dann vor Gott nur wie ein Punkt sein, über den
 zu reden sich nicht lohnt?
 Paulus hat mit den Korinthern darüber diskutiert, was Tod und Auferstehung
 bedeuten. Er erklärt ihnen seine Zuversicht, daß wir dann, wie mit einem
 neuen Kleid, wie mit einem neuen Körper, vor Gott sein werden - anders als
 jetzt, und doch ganz wir selbst. Er kennt unser ganzes Leben. Wenn wir zu
 ihm kommen, wird es sein wie das Nachhausekommen.@{b}

 Wir danken dir, lieber himmlischer Vater, daß du uns in dieser Welt nicht
 verlorengehen läßt. Mache uns durch deinen Geist zuversichtlich, daß du uns
 zu dir holen wirst, in dein Vaterhaus. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 5b" "2.Korinther 5,11-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 5,11-15@{ui}

@{b}                   Für Gott und für Menschen@{ub}

 Der Apostel Paulus ist in der Gemeinde von Korinth stark angegriffen
 worden. Wir wissen nicht genau, was ihm im einzelnen alles vorgeworfen
 worden ist.
 In unserem Abschnitt spricht er jedenfalls mit Leidenschaft von seinem Amt,
 in dem ersteht. Ganz persönlich herausgefordert, kann er erklären: Ich
 weiß, daß ich Gott zu fürchten habe, und danach lebe ich; ich will Menschen
 überzeugen. Er folgert dann, daß Gott nicht nur diese äußere Tat sieht;
 Gott sieht, wie es um das Herz wirklich bestellt ist, er sieht die
 innersten Regungen des Menschen, auch des Menschen und Apostels Paulus.
 Paulus zeigt nun seine Arbeit. Er weiß, daß die Botschaft des Evangeliums
 nur durch Menschen bezeugt werden kann - Menschen überzeugen Menschen. Und
 er ist ein von Gott überwundener Mensch. Seine Arbeit kann er nur so
 beschreiben: für Gott und für euch. Für Gott und für die Brüder und
 Schwestern in der Gemeinde ist Paulus da. So sieht er seinen Dienst als
 Apostel. Dieser Dienst soll ein Beispiel dafür sein, wie das Leben des
 Christen überhaupt auszusehen hat. Alles kommt aus der Liebe Christi, die
 wir empfangen haben. Wer die Liebe Christi empfangen hat, den treibt es,
 für andere zu leben. Immer wieder muß auf den Grund verwiesen werden, aus
 dem alles Leben kommt. Unser Leben kommt aus dem Tode Christi: Einer ist
 für alle gestorben. Das Sterben seines Sohnes ist Gottes größte Liebestat.
 Mit Christus ist unser "alter Mensch" gestorben; wir sind tot für die
 Sünde. Keiner kann jetzt mehr sein eigenes, selbstherrliches Leben führen,
 für Christus gilt es zu leben. Sein Leben ist unser Leben.@{b}

 Lieber Herr Christus, du kennst deine Gemeinde; und du weißt, was in ihr
 gedacht, gesagt und getan wird. Du kennst alle deine Brüder und Schwestern.
 Dich bitten wir: Hilf uns, daß wir nach deinem Willen für andere Menschen
 leben. Amen.@{ub}


@{i}                       2.Korinther 5,11-15@{ui}

@{b} Die Liebe Christi drängt uns.@{ub}  2.Korinther 5,14 (EÜ)

 Das ist der Motor für das Leben und das handeln. Wer an Christus glaubt,
 weiß, daß mit der eigenen Macht nur wenig und oft das Falsche getan ist. er
 wird skeptisch gegenüber seinem Selbstvertrauen, das den Sinn des Lebens
 und seinen Wert aus der eigenen rühmenswerten Existenz bezieht. Nicht für
 sich selbst leben, sondern für Christus und damit für die anderen: Das ist
 der Kern christlicher Existenz. dabei gibt es Lebensäußerungen des
 Glaubens, die nur den Herrn und den einzelnen betreffen. Zur Intimität des
 Verhältnisses zwischen Christus und dem Glaubenden gehören Dinge, die
 andere nichts angehen. Paulus spielt dabei an auf die religiöse Ekstase,
 mit der zum Beispiel seine Gegner sich gegenüber der Gemeinde ausweisen.
 Paulus lehnt das ab, obwohl die ekstatische Lebensäußerung des Glaubens ihm
 selber nicht fremd ist. Was die Gemeinde zu interessieren hat, ist allein
 sein Dienst für sie. Und der geschieht sichtbar und in Besonnenheit in
 Verantwortung vor dem Herrn. Dieser Herr ist als der künftige Richter immer
 schon in allem Tun und Reden gegenwärtig. Aber so, daß seine Liebe den
 Glaubenden treibt. Die Gottesfurcht, von der Paulus spricht, ist nicht der
 blinde Schrecken vor einem kaltherzigen Despoten. Sie ist die Ehrfurcht,
 die der Glaubende dem Herrn als Ausdruck von Achtung und Ehrerbietung
 entgegenbringt. Wer den Herrn so ehrt, kann sich seiner Liebe nicht
 entziehen. er fragt danach, wozu diese ihn drängt und bewegt. Und er sucht
 danach, für diesen Herrn Menschen zu gewinnen.@{b}

 Herr, unsere eigenen Interessen schieben sich oft vor das, was in deinen
 Augen nötig wäre. dabei brauchst du uns, um Menschen für dich zu gewinnen.
 Mach uns zu Boten deiner Liebe. Amen.@{ub}
                                              Bodo Wiedemann


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 5c" "2.Korinther 5,16-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 5,16-21@{ui}

@{b}                 In Christus ist das Alte vergangen@{ub}

 Verse unseres Textes haben wir oft gehört und sicher auch selber schon
 gesprochen, besonders: "...ist jemand in Christus, so ist er eine neue
 Kreatur" oder auch: "laßt euch versöhnen mit Gott." Gott hat unter uns
 Versöhnung geschaffen; nun dürfen wir als Versöhnte leben; und Versöhnte
 leben für andere.
 Es ist uninteressant, ob Paulus Christus als Menschen gesehen hat oder
 nicht. Für den Apostel ist es genauso uninteressant, was der einzelne
 Mensch durch seine frommen Leistungen hervorbringt. Wichtig aber ist für
 ihn, was Christus glaube bewirkt und was die Tatsache bedeutet, daß in
 Christus "das Alte vergangen" ist. Was ist das Alte? Sicher das eigene und
 selbstgefällige Leben, die eigenen Wünsche, die eigene Lust. es ist vorbei
 mit allen frommen Regeln, die wir uns nach unseren Maßstäben zurechtgebaut
 haben. Christus ist das Neue. Alle menschliche Wirklichkeit ist durch ihn
 neu geworden. Neu sind alle menschlichen Beziehungen, neu das Verhältnis
 zwischen Eltern und Kindern, Vorgesetzten und Untergebenen. Alles ist
 herausgenommen aus dem "Geruch des Todes". Gott hat die Versöhnung
 gebracht. In Christus bringt er alles Zerstörte wieder zusammen. Da, wo an
 Christus als den Herrn geglaubt wird, kann kein Streit sein. es darf nicht
 möglich sein, daß Jünger Jesu Christi gegeneinander in den Krieg gehen; sie
 können nicht gegen andere Menschen leben wollen. Der Geist Gottes ist ein
 Geist der Versöhnung. Wenn wir uns ansehen, dann stellen wir fest, daß wir
 dennoch unversöhnt leben. Wir überwinden nicht das Unrecht in uns. und doch
 bleibt diese Welt unsere Aufgabe. Nur in ihr können wir deutlich machen:
 Versöhnte leben für andere.@{b}

 Herr Jesus Christus, du bist unser Versöhner, und wir danken dir für deine
 Liebe. Hilf uns, deinen Versöhnungsdienst in der Welt zu tun. Amen.

                  Ich freue mich@{ub}                     Gedicht
     Ich freue mich in dem Herrn aus meines Herzens Grund,
     bin fröhlich Gott zu Ehren jetzt und zu aller Stund,
     mit Freuden will ich singen zu Lob dem Namen sein,
     ganz lieblich soll erklingen ein neues Lied allein.

     In Sünd war ich verloren, sündlich war all mein Tun;
     nun bin ich neu geboren in Christo, Gottes Sohn,
     der hat mir Heil erworben durch seinen bittern Tod,
     weil er am Kreuz gestorben für meine Missetat.

     Dafür will ich ihm sagen Lob und Dank allezeit,
     mit Freud und Ehren tragen dies köstliche Geschmeid,
     will damit herrlich prangen vor Gottes Majestät,
     hoff, darin zu erlangen die ewge Seligkeit.
     @{i}       Bartholomäus Helder


                          2.Korinther 5,16-21@{ui}

@{b} So bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott.@{ub}
 2.Korinther 5,20 (LB)

 Jesus litt einen grausamen, qualvollen Tod. Wie kann aus solchem Grauen
 Gnade kommen? Wie aus diesem furchtbaren Geschehen Versöhnung?
 Dreierlei ist im Blick auf Jesu Tod zu lernen:
 1. Wenn die Bibel von Sünde spricht, dann meint sie das auf sich selbst
    konzentrierte, sich von anderen möglichst vorteilhaft abheben wollende
    Verhalten des Menschen. Niemand ist frei davon. Und immer gibt es
    Menschen, die darunter leiden müssen. Das lenkt den Blick auf die Opfer.
    Für den Christen löst das nachdenken über Jesu Tod die Frage aus, wie
    weit er selbst daran beteiligt ist, daß Menschen zu Opfern werden. Das
    kann auch ganz fein und leise geschehen. es muß nicht immer brutal und
    gewaltsam sein.
 2. Jesus gehört zu den Opfern. Er ist eines von ihnen. Aber doch in
    bestimmter Weise einmalig: Gott zieht mit dem Opfer seines Sohnes
    sozusagen alle Speere des Bösen auf sich. Jesus erleidet, was Gottes-
    und Menschenhaß anrichten können, wenn sie ohne Fesseln sind.
 3. Und Jesus bleibt das Opfer. er will nicht, daß himmlische Bataillone ihn
    befreien. Dann würde Gewalt siegen wie sonst auch. er widersteht auch
    der Versuchung, seine Mörder zu verfluchen. Und er sagt sich in seiner
    Qual auch nicht von seinen himmlischen Vater los.
 So geschieht Versöhnung: Es wird nicht zurückgeschlagen. Für die Täter
 geschieht die Bitte um Vergebung. Gott wird angerufen dort, wo das Grauen
 am tiefsten ist und die Gottverlassenheit am größten. Im Namen des
 Gekreuzigten ruft Paulus zur Versöhnung mit Gott. Nur dann wird heil, was
 Menschen so heillos in Unordnung bringen.@{b}

 Herr, wir brauchen das Wort von der Versöhnung. Laß es laut werden überall,
 wo Menschen gegeneinander leben und streiten. Laß nicht zu, daß wir es
 verschweigen und den Menschen vorenthalten.@{ub}
                                                  Bodo Wiedemann


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 6a" "2.Korinther 6,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Korinther 6,1-10@{ui}

@{b}                    Jetzt ist der Tag des Heils@{ub}

 Von Gott ist zuerst zu bezeugen, daß er uns um Jesu Christi willen gnädig
 ist. Als Martin Luther das erkannte und bezeugte, begann die Reformation
 der Kirche. Doch diese Gnade können wir nicht erzwingen. Sie hat ihre Zeit.
 Sie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie dauert so lange, wie Gottes Gnade
 verkündigt und aufgenommen wird. Zur Verkündigung dieser Gnadenzeit weiß
 sich der Apostel Paulus gerufen. Er mahnt uns, daß wir Christen diese
 Gnadenzeit nicht versäumen. Doch dann wird völlig abrupt diese Mahnung
 aufgegeben; es folgt eine Selbstverteidigung des Apostels, in der er sich
 als rechter Bote Christi verteidigen will. Er bezeugt, daß er sich in allen
 Situationen als Diener seines Herrn erweisen möchte. Er erwähnt zunächst
 das, was er um Christi willen erduldet hat. Dann beschreibt er sein Leben
 in scheinbar völlig widersinnigen Wendungen. "Als die Sterbenden, und
 siehe, wir leben; ...als die Armen, aber die doch viele reich machen; als
 die nichts haben, und doch alles haben." So also sieht der Apostel das
 ganze Christenleben. Äußerlich ist es ärmlich und Kümmerlich. Und doch ist
 es erfüllt von einem Reichtum, den kein Mensch jemals ausreichend
 beschreiben kann. es ist die Gnade Gottes, die das bewirkt. Sie ist nicht
 von äußeren Gegebenheit abhängig. Denn diese Gnade kommt von Gott. Er
 schenkt sie den Seinen alle Tage neu. So steht es auch um die christliche
 Gemeinde. Oft ist sie schon totgesagt worden; man hat vom Ende des
 Christentums gesprochen. Und doch lebt diese Gemeinde. Denn es ist Gottes
 Gnade, die sie hält und sie wieder, wenn es nötig ist, an ihre Aufgabe
 weist. Auch in der Reformation, an die wir Evangelischen heute denken, ist
 das geschehen. Doch Reformation ist kein einmaliges Geschehen; unsere
 Kirche braucht die ständige Erneuerung. In einer Predigt, die Luther einmal
 zu unserem Text gehalten hat, lesen wir diese Worte: "Für seine Person hat
 ein Christ wohl nichts und trägt gern Mangel; aber für seinen Nächsten
 vermag er alles und hat auch alles inne, ihm damit zu dienen, wo es Not
 ist... Also ist ein Christenmensch ein ganz freier Mensch, der nichts vor
 Augen hat als Gott allein... Solch Leben sollen wir jetzt führen, weil die
 Zeit der Gnade da ist."@{b}

 Lieber Vater im Himmel! In allem leben wir von deiner Gnade. Wir danken dir
 und bitten dich: Erwecke uns Freude an deinem Wort! Gib, daß in unserer
 Kirche recht von deiner Gnade geredet wird! Amen.@{ub}


@{i}                    2.Korinther 6,1-10@{ui}

@{b} Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, daß ihr seine Gnade nicht
 vergebens empfangt.@{ub}  2.Korinther 6,1 (EÜ)

 Warum diese Mahnung? Hatte Paulus Sorgen, die Hinwendung der Korinther zum
 christlichen Glauben könne nur ein Strohfeuer sein, nur eine kurze
 Begeisterung ohne Wirkung im Leben des einzelnen und der Gemeinde?
 Als "Mitarbeiter Gottes", also mit feierlichem Nachdruck warnt er sie,
 Gottes Gnade nicht unwürdig zu empfangen. Unverdient ist Gnade in jedem
 Fall. Auch in unserer Umgangssprache, zum Beispiel im Bereich der
 Rechtssprechung ist der "Gnadenweg" erst möglich nach festgestellter Schuld
 und gesprochenem Urteil, erst dann kann es in bestimmten Fällen zur
 "Begnadigung" kommen, zur Strafmilderung oder zum Erlaß. Als ein
 "begnadeter" Künstler wird ein Sänger oder Maler bezeichnet, dessen
 Leistung oder Wirkung weit über eigenes Bemühen hinausgeht. Gnade ist immer
 ein Geschenk, und Geschenke richtig anzunehmen, fällt manchmal schwer.
 Durch die ganze Geschichte Israels zieht sich die Spannung zwischen der
 Gnade Gottes, seiner unberechenbaren Zuwendung und dem Zögern seines
 Volkes, Gott zugleich als Richter und Erbarmer anzunehmen. Diese Spannung
 reicht von dort bis in unser Leben. Allein Jesus Christus hat sich
 voraussetzungslos dieser Gnade Gottes ausgeliefert und sie in gehorsame
 Nachfolge umgesetzt. Auch in unser Leben greift diese Gnade ein und will es
 verändern in allen Bereichen, den Empfänger beeinflussen. Wenn es einen
 Unterschied zu der gnadenlosen Welt geben soll, dann darf dieses
 Gottesgeschenk nicht verschleudert, die teure Gnade nicht zur billigen
 Gnade herabgewürdigt werden (D.Bonhoeffer).@{b}

 Du begnadest den Menschen mit Erkenntnis und lehrst den Menschen Verstehen.
 Begnade uns mit Erkenntnis, Verstehen und Einsicht von dir! Gelobt seist
 du, Herr, der mit Erkenntis begnadet! (Aus dem jüdischen
 Achtzehn-Bitten-Gebet)@{ub}
                                                   Susanne Götze


@{i}                       2.Korinther 6,1-10@{ui}

@{b}                   Mitarbeiter am Heilsplan Gottes@{ub}

 Paulus ist mit der Gemeinde in Korinth eng verbunden. Trotzdem kommt es zu
 Angriffen gegen seine Person und sein Apostelamt. Man fragt: Gibt dieser
 ursprüngliche Christenverfolger und oft kranke Mann die Botschaft von Jesus
 richtig weiter?
 Der 2.Korintherbrief ist weithin eine große Verteidigungsrede. In den ganz
 persönlichen Aussagen des Apostels spüren wir, daß es ihm nicht um seine
 eigene Rechtfertigung, sondern um die Sache des Evangeliums und des
 Apostelamt geht. Er will Botschafter der Versöhnung sein, die in Christus
 geschehen ist. Aber nicht nur ihm, sondern allen will Gott gnädig um
 Christi willen sein. Alle haben den Auftrag, diese Botschaft weiterzusagen.
 Deshalb ermahnt uns Paulus, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen.
 Es geht aber nicht darum, was wir aus der Gnade machen, sondern was sie aus
 uns gemacht hat und wie sie uns täglich verändert. An sich selber zeigt der
 Apostel, wie ein Leben aus der Gnade aussieht. Es ist vom Widerspruch
 gekennzeichnet. Er gehört schon zu Christus und seinem Reich und muß doch
 so viel Widerwärtigkeiten und Leid ertragen. Von diesem "schon und noch
 nicht" sind wir auch geprägt. In den Augen anderer galten Christen oft als
 Verführer, Betrüger, Rückständige, über sind sie vertrauenswürdige Zeugen
 der Wahrheit, gequält und mißhandelt und doch nicht umzubringen.
 Unbegreiflich, wie man in solchen Gegensätzen leben kann und dabei ein
 fröhliches Herz und ein heiteres Gesicht behält. Von den Opfern des 20.
 Juli 1944 wird und ähnliches berichtet.
 Bei der Verurteilung des Christen Graf von Moltke schrie der berüchtigte
 Reichsanwalt Freisler in blinder Wut: Wir können ihn zwar zum Tode
 verurteilen, aber an ihn selbst komme ich nicht heran. Das Geheimnis dieses
 seltsamen Nebeneinanders von Niedrigkeit und Herrlichkeit, von Schwachheit
 und weltüberwindender Gewalt ist das Geheimnis Christi von Kreuz und
 Auferstehung. In der Passionszeit müssen wir immer wieder neu lernen, daß
 das Leiden für Christus voller Verheißung ist, das uns nicht traurig,
 sondern getrost machen will. In seiner Nachfolge wird uns auch Schweres
 nicht erspart. Aber als der Auferstandene will er schon mit seiner Kraft
 bei uns sein. Nur so sind wir Mitarbeiter am Heilsplan Gottes, die auch
 durch Leid nicht aus der Fassung gebracht werden.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du uns deine Gnade immer wieder
 neu schenkst. Laß uns Mitarbeiter deiner Versöhnung sein. Gib uns nicht
 auf, damit wir nicht aufgeben. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 6b" "2.Korinther 6,11-7,1"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Korinther 6,11-7,1@{ui}

@{b}                        "Sondert euch ab!"@{ub}

 Diese biblische Mahnung scheint im Gegensatz zu dem zu stehen, wozu die
 Liebe uns anleitet: Geht aufeinander zu, laßt keinen abseits stehen! Hat
 nicht Jesus selbst immer wieder die Schranken frommer Absonderung seiner
 Zeit durchbrochen, sich mit "Zöllnern und Sündern" an einen Tisch gesetzt
 und sich damit bei denen unbeliebt gemacht, die sich als "Pharisäer", d.h.
 "Abgesonderte", ihren Gottesgehorsam bewähren wollten? Doch auch die Liebe
 will nicht Gemeinschaft um jeden Preis. Sie läßt sich zwar auf Menschen
 ein, die gottlose Wege gehen, aber doch nur, um sie zur Umkehr zur
 verlocken, und nicht, sich mitziehen zu lassen. In dieser Gefahr aber sieht
 der Apostel die Christen in Korinth. Sie mögen treue Gottesdienstbesucher
 sein und die Gemeinde finanziell unterstützen; aber in dem, was ihr
 tägliches Leben und Denken bestimmt, unterscheidet sie nichts von den
 Ungläubigen. Da hat ihr Christenleben kein erkennbares Profil. Im
 Alltäglichen ist Gott noch gar nicht ihr Gott geworden, da dienen sie den
 anderen Göttern ihrer Zeit. Paulus muß reden, wie die alttestamentlichen
 Propheten geredet haben, denn hier geht es um Ehre und Heiligkeit Gottes in
 seiner leidenschaftlichen Liebe zu seinem Volk: Wir sollen doch sein Volk
 sein, es soll doch Gottes Art an denen erkennbar werden, die er zu seinen
 Töchtern und Söhnen gemacht hat. Alle Welt soll an uns erkennen, was Gottes
 Weg und Willen mit uns Menschen ist. Solche Entschiedenheit bringt
 ungewollt auch eine Absonderung mit sich, die leidvoll sein kann. Doch ein
 entschiedenes Christenleben bringt auch Freude.@{b}

 Heiliger Gott! Wir bekennen dir unsere Unentschiedenheiten und
 Halbherzigkeiten. Wir danken dir, daß du dich ungeteilt uns zugewendet
 hast. Mache unser Herz zu deiner Wohnung. Heilige uns an Leib Seele und
 Verstand. Amen.@{ub}


@{i}                         2.Korinther 6,11-7,1@{ui}

@{b} Was haben Licht und Finsternis gemeinsam?@{ub} 2.Korinther 6,14 (EÜ)

 Wo Licht ist, kann keine Finsternis sein. Das ist nicht nur eine
 alltägliche Erfahrung. Auch die erste Seite der Bibel berichtet davon. Wir
 haben zwei Möglichkeiten, entweder wir bleiben im Dunkel oder wir kommen
 ins Helle. Auch in der korinthischen Gemeinde hat es wie überall Menschen
 gegeben, die sich lieber ins Dunkel zurückgezogen, die eine Scheu hatten
 vor dem wie ein Scheinwerfer in die Finsternis gerichteten Strahl, dem
 hellen Schein, von Gott in diese Welt leuchtend.
 Paulus malt den Korinthern und uns starke Gegensatzpaare vor die Augen:
 Licht und Finsternis, Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit, Gläubige und
 Ungläubige, den Tempel Gottes und Götzenbilder, sogar Christus und Beliar
 (altjüdischer Name für Teufel). Erschreckend klingt hier die Sprache des
 Paulus, von dem wir doch an anderer Stelle lesen, der Zaun sei abgebrochen
 zwischen den Gläubigen und Ungläubigen, zwischen denen, die bis dahin
 allein Gottes auserwähltes Eigentum waren und den anderen. Offensichtlich
 kann er es den Korinthern doch nicht ersparen, sie an ihre besondere
 Aufgabe zu erinnern, an ihre Verantwortung in einer Situation in die hinein
 ein solcher Brief wohl nötig war. Nicht falsch verstandene Distanzierung
 von der Welt ist hier gemeint, der Platz der Christen ist in der Welt.
 Jesus Christus war sich nicht zu gut, unser Bruder, einer von uns zu sein.
 In einer ganz eigenen Art der Distanzierung nimmt Gott aber seine
 Auserwählten, seine Gemeinde beiseite wenn er ihr einen besonderen Auftrag
 bereitet hat in der Welt und zum Heile der Welt. Einen schlechten Dienst
 täten die Korinther der Welt, wenn sie ihr gleich sein wollten. Neben der
 Gemeinschaft gibt es auch den Widerspruch und den Widerstand als mögliche
 Formen des Dienstes der Christen an der Welt.@{b}

 Herr, zeige uns aus der Finsternis den Weg zu dir. Laß dein Angesicht
 leuchten über uns und sei uns gnädig.@{ub}
                                                Susanne Götze


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 7a" "2.Korinther 7,2-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 7,2-16@{ui}

@{b}                  Freude und Trauer in Christus@{ub}

 Wer mit ganzem Herzen zu einer Kirchengemeinde gehört, dem schlägt das Herz
 nicht nur vor Freude, sondern dem klopft es auch manches Mal bange und
 sorgenvoll. Wo verschiedene Menschen zusammen sind, da lassen sich gewiß
 schöne Erlebnisse erzählen, aber da gibt es auch Meinungsverschiedenheiten
 und Auseinandersetzungen. Jeder Christ ist ja ein Glaubensträger besonderer
 Art. Glaubenstradition spielen auch eine große Rolle. gerade hier stoßen
 wir auf ganz empfindliche Stellen. Aber der Heilige Geist erinnert uns in
 der Heiligen Schrift Rat und Hilfe zu suchen. Er erinnert uns daran, wie
 die ersten Christen in ihren schmerzlichen Auseinandersetzungen nach dem
 Willen des Herrn gefragt haben.
 So begegnen wir in dem heutigen Abschnitt dem Apostel Paulus in seiner
 schwersten Krise, in die er mit einer seiner Gemeinden kam. Da ist von
 Streit, Reue, Tränen, Furcht und Traurigkeit die Rede, aber auch von
 Freude, Trost und Erquickung. Wir wissen leider viel zuwenig von den
 schmerzhaften Irrungen und und Wirrungen in der Urkirche. Wir können heute
 nur ahnen, was es gekostet haben muß, daß es zur Trennung vom Volk des
 ersten Bundes, von Israel, kam. Auf die Spuren dieses Schmerzes stößt man
 überall im Neuen Testament. Wir können nur vermuten, wieviel Kraft nötig
 war, das Evangelium vor verfälschender Phantasie zu schützen. Allein die
 tiefe Teilhabe am Tod und der Auferstehung Jesu Christi im Glauben ist des
 Apostels Zuversicht und die Ausrüstung der Gemeinde für ihren oft
 mühevollen Weg durch vielfältige Gefahren  gewesen. Das macht uns Mut. Das
 gibt uns Hoffnung für unseren Weg in der Gemeinde.@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir, daß du uns in deine Kirche gerufen hast, und
 wir mit anderen Menschen gemeinsam im Glauben stehen. Stehe uns durch den
 Heiligen Geist bei, damit wir zusammenbleiben und Einheit bewahren. Amen.
@{ub}


@{i}                      2.Korinther 7,2-16@{ui}

@{b} Die gottgewollte Traurigkeit verursacht nämlich Sinnesänderung zum
 Heil, die nicht bereut zu werden braucht.@{ub} 2.Korinther 7,10 (EÜ)

 Wer hat nicht schon einmal Veranlassung gehabt, einen scharfen Brief zu
 schreiben. Schwarz auf weiß stehen dann die Worte da, die im persönlichen
 Gespräch vielleicht weniger hart gewirkt hätten. Rückgängig zu machen ist
 Geschriebenes auch noch schwerer.
 Auch Paulus hatte in einer Zeit besonders schwieriger Umstände in der
 korinthischen Gemeinde, da er nicht selbst hinfahren konnte, einen scharfen
 Brief geschrieben in der Hoffnung, eine Wendung zum Guten zu bewirken.
 Danach kamen ihm wohl Bedenken, und voller Sorge, ob die Korinther
 überhaupt noch in der Lage wären, ein Wort von ihm anzunehmen, schickt er
 einen seiner Mitarbeiter zu Verhandlungen hin. Wenn auch kaum zu befürchten
 war, den Korinthern könnte vor Traurigkeit über den scharfen Brief des
 Paulus das Herz brechen, so ist doch an seinem erneuten Schreiben die
 Erleichterung, der Durchbruch großer Freude zu erkennen über die Wendung,
 die Rückwendung der Gemeinde zu dem schon vorher beschrittenen Heilsweg.
 Nun sollen sie nicht in unfruchtbarer Reue und Selbstanklage stecken
 bleiben wie in einer Sackgasse. Jammern und Trauern über begangene Fehler
 sind zu nichts nütze, wenn auch Schatten aus der Vergangenheit sich immer
 wieder erheben mögen. "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so
 traurig bin -" Eine düstere Melancholie, eine negative Grundeinstellung
 sind auch in der Gegenwart verbreitet, so wenig hilfreich wie nur rosaroter
 Optimismus. Gottes Wille ist es, hoffnungslosen Existenzen wieder Zukunft
 zu geben, die Traurigkeit zu verwandeln in große Freude wie er sie bei der
 Geburt Jesu durch den Engel verkündigen ließ.@{b}

 Weicht ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister Jesus tritt herein.
 Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich
 schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu meine
 Freude.(EKG 293,6)@{ub}
                                                   Susanne Götze


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 8a" "2.Korinther 8,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 8,1-5@{ui}

@{b}                   Die opferbereite Gemeinde@{ub}

 Freuen wir uns nicht mit, wenn das Ergebnis einer Geldsammlung gut
 ausgefallen ist? Da hat eine kleine Gemeinde 1000 Mark für das
 Behindertenheim in der Nachbargemeinde gesammelt - welch eine gute Sache.
 Keiner hätte es vorher für möglich gehalten. Viel Phantasie und Einsatz
 waren dazu nötig. Ein kleiner Basar mit selbstgebastelten und
 selbstgenähten Sachen wurde vorbereitet, und auch der Verkauf von
 gespendetem Kuchen zum Gemeindefest brachte etwas ein. Auffallend war, daß
 gerade von Rentnern höhere Summen gespendet wurden. Er bewahrheiten sich
 wieder einmal, daß die "Armen" opferbereiter sein können als die "Reichen".
 Kennen wir ähnliche Beispiele? Paulus führt die Gemeinde in Mazedonien als
 gutes Vorbild an, um die Korinther zu gleichen Hilfeleistungen zu
 ermuntern. Stecken gute Beispiele an? Sie können durchaus anspornen, davon
 sind wir überzeugt. Sie können eigene Entscheidungen beeinflussen.
 Entscheidender aber ist wohl, wie wir persönlich der Sammlung
 gegenüberstehen. Wir geben unser Opfer willig und ohne Murren, wenn wir von
 dem guten Zweck überzeugt sind. Wir wissen nicht, ob die Armut der
 Jerusalemer Gemeinde so groß war, daß für sie gesammelt werden mußte. Doch
 dafür setzten sich Paulus und seine Mitarbeiter ein. Die Christenheit
 braucht Menschen, die sich nicht nur mit ihrem Geldopfer, sondern auch mit
 ihrer ganzen Person für sie engagieren und damit auch unsere Trägheit
 überwinden helfen. Von den Mazedoniern heißt es, sie gaben sich zuerst dem
 Herrn. Er ist es, der unsere verschlossenen Herzen öffnen und uns willig
 machen kann, mit anderen zu teilen.@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir, daß du uns immer wieder gute Vorbilder
 schenkst. Zeig uns, wo wir mit unserem Opfer von Herzen helfen können, auch
 über unsere Gemeindegrenzen hinaus. Amen.@{ub}


@{i}                     2.Korinther 8,1-5@{ui}

@{b} Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre
 übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihres selbstlosen
 Gebens.@{ub}  2.Korinther 8,2 (EÜ)

 Ordentliche Menschen haben ihre Gelder eingeteilt. Für alles ist gesorgt,
 Miete, Lebensmittel, Versicherungen und so weiter. Vielleicht gibt es auch
 eine Rubrik "Spenden", das könnte man sogar von der Steuer abschreiben.
 Zweimal im Jahr wird dann ein Betrag etwa für "gemeinnützige Zwecke"
 überwiesen. Das unbequeme Thema kann abgehakt werden.
 Paulus verwendet hier sehr viel Zeit für dieses Thema, zwei lange Kapitel
 sind der Kollekte eingeräumt. Ist es denn nötig, über Geld so viel zu
 schreiben? gewiß, es ist eine banale Geldangelegenheit, die hier der
 Freigebigkeit der Korinther empfohlen wird. Darüber hinaus ist es aber ein
 ökumenisches Anliegen. Das Apostelkonzil hatte diese Geldsammlung für die
 Jerusalemer Muttergemeinde beschlossen, einmal der besonderen Armut der
 dortigen Christen wegen, aber auch als Zeichen der Einheit der Kirche
 sollte von allen dazu beigetragen werden.
 Keineswegs lebten die anderen Gemeinden im Überfluß, viele waren arm, auch
 die Christen in Korinth, obwohl es da ganz gute Verdienstmöglichkeiten gab.
 Bessere offensichtlich als in Mazedonien, wo Paulus tiefste Armut
 angetroffen hatte. Gerade diese mazedonischen Gemeinden stellt er den
 Korinthern als Vorbild hin, von denen sie sich doch nicht beschämen lassen
 würden. Er wagt das, nachdem vorher die Harmonie zwischen ihm und der
 korinthischen Gemeinde wiederhergestellt ist.
 Die große Freude, die ihn mit den Empfängern des Briefes verbindet, muß sie
 verwandeln in selbstlose Geber. Es geht nicht nur um Geld, nicht nur um
 Arme, es geht um Jesus Christus und seine über alle geographischen und
 politischen Grenzen hinweg verbundene Gemeinde.@{b}

 Herr, unser Gott, laß uns nicht müde werden weiterzugeben, was du uns
 gabst. Laß heute keinen vergeblich auf uns warten.@{ub}
                                             Susanne Götze


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 8b" "2.Korinther 8,6-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 8,6-15@{ui}

@{b}                   Unser Opfer um Jesu willen@{ub}

 Fällt es uns leicht, etwas abzugeben, oder kennen wir auch das Gefühl,
 eigentlich kann ich es selbst gebrauchen? Immerhin haben wir unser Vermögen
 mühsam erarbeitet und erspart. Uns wurde auch nichts geschenkt. Kennen wir
 diese Gedanken? Könnten sie nicht unsere Gedanken beeinflussen, wenn wir
 gebeten werden mitzuhelfen, die Not anderer zu lindern? Aber stimmt das
 überhaupt, daß uns noch nichts geschenkt wurde? Wie sieht es mit unserem
 Leben und all den damit verbundenen Gaben aus, die uns Gott geschenkt hat?
 Wie sieht es mit unserem Leben und all den damit verbundenen Gaben aus, die
 uns Gott geschenkt hat? Wie sieht es mit dem Glauben aus, der uns geschenkt
 wurde? Wie sieht es mit dem Opfer aus, welches Jesus mit seinem Leben und
 Sterben für uns gegeben hat? Wenn uns bewußt wird, wie reich Gott uns
 beschenkt, dann werden wir wohl auch leichter abgeben können. Unser Glaube
 bleibt doch unwahrhaftig, wenn er nicht auch an unseren Taten abzulesen
 ist. Guter Wille allein genügt nicht, zum Wollen gehört das Vollbringen. Es
 geht doch nicht darum, daß andere gute Tage haben sollen und wir Not
 leiden, sondern es geht um unsere Hilfsbereitschaft. Wie schnell kann sich
 eine Situation ändern? Dann sind vielleicht wir es, die auf Hilfe
 angewiesen sind? Zum christlichen Leben gehört es, anderen mit unserem
 finanziellen Opfern zu helfen. nach der Predigt wird oft das Dankopfer der
 Gemeinde eingesammelt. es soll tätige Antwort auf das sein, was uns Gott
 gegeben hat. Die Liebe bleibt arm, wenn sie nicht bis ins Portemonnaie
 geht. Wie reich werden wir, wenn wir anderen wirklich haben helfen können!
 Wir leben alle von dem Opfer Jesu Christi. Wenn uns dies bewußt wird,
 können wir fröhlich abgeben.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Du hast dich für uns geopfert, damit wir aus
 deiner Vergebung leben dürfen. Laß uns dies immer wieder von neuem bewußt
 werden, daß wir auch mit ganzem Herzen zu Opfern bereit sind. Amen.@{ub}



@{i}                      2.Korinther 8,6-15@{ui}

@{b} Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut
 reich zu machen.@{ub}  2.Korinther 8,9 (EÜ)

 Warum hat es Gott so eingerichtet, daß sein Sohn arm wurde? In einem Stall
 ist er geboren, und oft gab es Zeichen in seinem Leben, da er nicht wußte,
 wo er sein Haupt hinlegen sollte. "Er ist auf Erden kommen arm, daß er
 unser erbarm und in dem Himmel mache reich", singen wir mit Martin Luther
 (EKG 15, Vers 6). Jesus Christus verzichtete auf göttlichen Reichtum, er
 wurde Mensch, ein armer Mensch bis hin zum Hohn und Gespött am Kreuz. Das
 darf unser Trost sein. Gerade in Augenblicken, in denen wir meinen, vor
 lauter Elend, Krankheit oder Verlorenheit nicht mehr an Gott glauben zu
 können, dann dürfen wir wissen: Da ist kein Zustand unseres Lebens, den er
 nicht durchlitten hätte. Er ist geworden wie wir, einer von uns, und hat
 uns damit reich beschenkt.
 Diese zentrale Aussage vom Gottessohn, der den Menschen zuliebe arm wurde,
 wird hier als Beispiel gegeben für freigebiges Schenken. Sein Vorbild, so
 hofft Paulus, wird die Korinther anfeuern zu reichlichen Gaben für die
 armen Jerusalemer Christen. Was in Zusammenhang mit der Aufforderung zu
 einer Geldsammlung steht, reicht in Wirklichkeit bis tief in die Mitte
 unseres Christusglaubens.@{b}

 Herr, du hast unsere Not auf dich genommen und uns reich beschenkt. Bleibe
 bei uns mit deinem Trost und hilf uns, deine guten Gaben weiterzugeben.
@{ub}                                               Susanne Götze



@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 8c" "2.Korinther 8,16-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 8,16-24@{ui}

@{b}                  Zeiget den Beweis eurer Liebe@{ub}

 Wir haben es in den letzten fünfzig Jahren gelernt, die Kollekte, die in
 unseren Gemeinden am Sonntag gesammelt wird, als Dankopfer an Gott neu zu
 verstehen. Wir legen mehr Gewicht auf sie, als das noch vor siebzig oder
 achtzig Jahren üblich gewesen ist.
 Doch die Kollekte, um deren Einsammlung sich Paulus so intensiv bemüht (wir
 lesen davon in den beiden Korintherbriefen), ist mehr gewesen. Auf dem
 Apostelkonvent, von dem der Galaterbrief spricht, wurde von den Vertretern
 der judenchristlichen und der heidenchristlichen Gemeinden vereinbart, daß
 diese der "Armen" (Bezeichnung der Christen in Jerusalem) gedenken sollten.
 Die von Paulus daraufhin gesammelte Kollekte war also zu allererst ein
 Zeichen der Verbundenheit aller Christen. Weil Paulus die Einheit der
 Christen sichtbar machen wollte, lag ihm soviel an dieser Sammlung. So war
 es für ihn selbstverständlich, daß es dabei "redlich zugehe". Es wird sich
 sicher um eine größere Summe gehandelt haben; Paulus spricht von einer
 reichen Gabe. So soll außer Titus noch ein anderer Bruder bei der Übergabe
 der Kollekte in Jerusalem zugegen sein. Der Name dieses anderen Bruders
 wird aus unerklärlichen Gründen nicht genannt. Paulus gibt sich also sehr
 viel Mühe, um mit dieser Sammlung die Verbundenheit aller Christen sichtbar
 zu bezeugen. Unsere Kollekten haben sicher nicht die Bedeutung, die Paulus
 seiner Sammlung gibt. Sie dienen einem bestimmten Zweck und sollen dort
 eingesetzt werden, wo Hilfe nötig ist. Aber das wollen wir bedenken, daß
 bei jedem Umgang mit anvertrautem Geld äußerste Sorgfalt herrschen muß.
 Auch das ist ein Dienst der Liebe; auch dies geschieht zur Ehre Gottes.
@{b}
 Herr, unser Gott! Du hast uns alle Gaben anvertraut, damit wir treu und
 redlich mit ihnen umgehen. Wir danken dir, daß immer wieder Menschen bereit
 sind, diesen verantwortungsvollen Dienst zu tun. Für sie wollen wir beten.
 Amen.@{ub}


@{i}                       2.Korinther 8,16-24@{ui}

@{b} Es liegt uns nämlich daran, daß alles einwandfrei zugeht, nicht nur vor
 dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.@{ub}  2.Korinther 8,21 (EÜ)

 Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, daß alles richtig
 eingesammelt und abgeliefert und verteilt wird, damals wie heute. Nicht nur
 die Gemeinde will wissen, wie mit anvertrautem Geld umgegangen wird, auch
 Außenstehende haben ein Auge darauf. Wenn etwas nicht stimmt, ist das nicht
 nur schlimm für den, der etwas veruntreut, das schlechte Licht fällt auf
 die ganze Gemeinde. Die Verantwortung vor Gott steht voran, aber auch das
 allgemeine Rechtsempfinden läßt Paulus nicht unberücksichtigt.
 In vergangenen Zeiten stand auf der ersten Seite des Hauptbuches eines
 Kaufmanns in großen Buchstaben, natürlich handschriftlich, "Mit Gott".
 Deswegen waren die Kaufleute nicht etwa in ihren geschäftlichen
 Unternehmungen ausschließlich von Nächstenliebe geleitet. Bestimmt ging es
 da auch hart zu. Wie aber geht es zu, wenn von Anfang an im Leben, im
 Beruf, bei er Arbeit Gott weggelassen oder einfach vergessen wird? Alles
 geschieht ohne Gott. Wir arbeiten nicht vor Gott. Wir machen alles ohne
 ihn. Paulus wollte, daß nichts ohne Gott geschehen sollte, nichts im Leben,
 auch nicht die Abrechnung der gesammelten Gelder. Alles sollte vor Gott und
 den Menschen seine Richtigkeit haben.
 Nicht unmöglich erscheint es, daß er bei der Formulierung dieser
 Briefstelle an ein Wort aus den Sprüchen (Kapitel 3,3-4) dachte: Nie sollen
 Liebe und Treue dich verlassen; binde sie dir um den Hals, schreibe sie dir
 auf die Tafel deines Herzens! Dann erlangst du Gunst und Beifall bei Gott
 und den Menschen.@{b}

 Herr, unser Gott, gib, daß wir dich ernst nehmen. Wir wollen mit all
 unserem Tun deinem Namen Ehre machen. Steh uns bei und hole uns zurück,
 wenn wir auf falschem Wege gehen.@{ub}
                                            Susanne Götze


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 9a" "2.Korinther 9,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 9,1-5@{ui}

@{b}                        Fröhlich geben@{ub}

 Paulus ist sich seiner Gemeinde in Korinth nach den vorangegangenen
 Konflikten gewiß nicht ganz sicher gewesen. So erklärt sich die
 Wiederholung und die Eindringlichkeit seiner Mahnung zum Geben. Es ist
 dabei ebenso liebevoll wie klug von ihm, das Beste kühn vorauszusetzen: den
 guten Willen. Diesen haben die Korinther schon im Jahre zuvor bewiesen;
 darum kann Paulus sie nun beim Wort nehmen und die Brüder zu ihnen
 schicken, um die Kollekte endlich ins Werk zu setzen. Hier darf es kein
 Versagen, keine neue Mißstimmung geben. Der Apostel weiß recht wohl:
 Menschen, denen man etwas Gutes zutraut, pflegen sich aufs äußerste zu
 mühen, daß sie dieses Vertrauen nicht enttäuschen. Damit rechnet Paulus.
 Aber er führt noch einen weiteren Grund an, nun auch reichlich zu geben und
 nicht zu geizen. "Wie die Saat, so die Ernte", das ist Lebensgesetz auch im
 geistigen Bereich, Paulus will damit nicht einem kleinlichen und
 eigensüchtigen Lohndenken das Wort reden. Niemand soll sich arm geben,
 niemand soll sich gezwungen fühlen und lustlos, weil es nun einmal sein
 muß, seine Gabe bringen, um ja nicht den ewigen "Lohn" aufs Spiel zu
 setzen. Gerade dem, der so denkt, wird er nicht zuteil werden, auch wenn er
 ein noch so großes Opfer brächte. Es fehlt ja dabei das Beste, das
 Eigentliche: die Liebe, die Gott bei uns sucht. An ihr allein erkennt er
 uns als seine echten Kinder, die ihrem himmlischen Vater darin gleichen,
 daß nichts in der Welt sie tiefer beglückt, als Menschen zu helfen und zu
 erfreuen.@{b}

 Herr, unser Herz ist oft müde, kalt und leer. Hilf uns, daß wir dankbarer
 werden für die Freude, mit dir zu leben; daß wir stärker glauben,
 herzlicher lieben, fröhlicher geben. Amen.@{ub}


@{i}                       2.Korinther 9,1-5@{ui}

@{b} Eurer Eifer hat viele andere angespornt.@{ub}  2.Korinther 9,2 (EÜ)

 Wer hat sich noch nie über die vielen Spendenaufrufe geärgert? Wer war
 andererseits noch nie gekränkt über boshafte Kommentare zu reichen
 Spendenaufkommen in deutschen Gemeinden (man wolle sich nur ein ruhiges
 Gewissen erkaufen)? Die Kollekte für die Jerusalemer Urgemeinde  spielt in
 den Korintherbriefen eine seltsam große Rolle. Merkwürdig erscheint auch;
 er lobt die Korinther für ihren Eifer, der anderen Vorbild sei, und mahnt
 sie, sich nicht von den Gemeinden Mazedoniens beschämen zu lassen. Warum
 legt er soviel Wert auf diese Sammlung? Gehört so etwas in die Heilige
 Schrift, zum Wort Gottes, das Hilfe zum Leben mit Gott ist?
 Die Aktion entsprang der Sorge um die Einheit der Kirche. Paulus hatte
 selbst die erste tiefe Spaltung herbeigeführt, als er Gemeinden aufbaute,
 die sich nicht mehr wie die Urgemeinde zur Gemeinschaft der Juden zählten.
 Nun setzt er seine ganze Autorität als Apostel ein und scheut sich auch
 nicht, den Konkurenzbetrieb der Gemeinden auszunutzen, um den Jerusalemern
 ein Zeichen dafür bringen zu können, daß diese andersartigen Christen ihre
 Brüder sind.
 Wahrscheinlich hatte Paulus wenig Erfolg: Als er die Spende überbrachte,
 wies man ihn zurück; und zu alle dem geriet er bei dieser Reise in die
 Gefangenschaft, aus der er nie mehr freikam. Schmerzliche Spaltung,
 vergeblicher Eifer für die Einheit begleitet die Geschichte der Kirche von
 Anfang an; und doch hat die Mühe des Apostels ihr den Weg in die Völkerwelt
 -das heißt zu uns- gebahnt und ihr zugleich den Zugang zu ihrem Wurzelgrund
 im Alten Bund offengehalten.@{b}

 Herr Jesus Christus, schau auf deine Kirche, die zerrissen ist, und auf die
 Völker, die uneins sind. Laß den Eifer für die Einheit nicht ermüden und
 segne ihn auch dann, wenn er nicht den rechten Weg findet. Mache deine
 Kirche zum Zeichen der Einheit und des Friedens unter den Völkern.@{ub}
                                                 Annemarie Ohlen


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 9b" "2.Korinther 9,6-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 9,6-15@{ui}

@{b}                   Reich zu jedem gutem Werk@{ub}

 Das Bild von Saat und Ernte verwendet der Apostel, um den Gemeindegliedern
 in Korinth zu zeigen, daß Gott sich als der Schenkende erweist. er gibt das
 Korn zum Säen. Er gibt das Brot zum Essen, das daraus wächst. Er wird auch
 den Seinen "ihren Samen" darreichen, damit sie etwas haben, was sie den
 "armen Heiligen" in Jerusalem zuwenden können. Er wird aber zugleich für
 die Geber selbst etwas herauskommen lassen. Er wird es nicht daran fehlen
 lassen, daß er auch an ihnen etwas Gutes tut. Gott gefällt es wohl, wenn
 die Seinen reichlich und gern geben. Solche fürsorgliche Liebe soll die Not
 der Urgemeinde in Jerusalem lindern; sie soll aber dazu führen, daß Gott
 reichlich gepriesen wird. Der Dank der Beschenkten wird diese zur Fürbitte
 für die Geber bringen. So wird dann die Verbundenheit im Glauben gestärkt.
 das alles schafft die überreiche Gnade Gottes. Sie hat in Christus Gestalt
 gewonnen und soll daher seine Gemeinde bestimmen. Am Ende wird dann der
 Dank für Gottes Gaben stehen.
 Die Schenkenden und die Beschenkten sind durch Gott verbunden. Von seiner
 Güte leben sie alle. Diese Gabe Gottes ist "unaussagbar". Sie ist
 unerschöpflich; menschliche Worte können sie überhaupt nicht beschreiben.
 Gott führt die Seinen zum Geben und zum Helfen. Dann wird der Dank für
 Gottes Gaben kein Ende finden. Christen sind durch ihren Herrn "reich in
 allen Dingen". Sie haben daher keinen Grund zum Murren und zur
 Unzufriedenheit. Sie dürfen danken. Als die Beschenkten dürfen sie
 schenken. Das ist ihr Vorrecht.@{b}

 Lieber Vater im Himmel, mit der größten Gabe hast du uns reich gemacht. Du
 hast uns zu deinen Kindern gemacht. Laß uns diese Liebe weitergeben und
 gib, daß wir vielen Menschen Anlaß geben, mit uns zusammen dir zu danken.
 Amen.@{ub}

@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 10a" "2.Korinther 10,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 10,1-11@{ui}

@{b}                       Verdächtigungen@{ub}

 Es war leider so, daß auch bei den ersten Christen nicht nur Freude am
 Herrn lebte. Es ging auch sehr menschlich zu. Unter den Menschen gab es
 auch dort Mißtrauen, Verdächtigungen und Vorwürfe. Wer Verantwortung trug,
 war dem besonders ausgeliefert. So erging es auch Paulus in der Gemeinde in
 Korinth.
 In unserem Text brechen die Spannungen noch einmal gewaltig auf. Das war
 und ist immer und überall eine mißliche Sache; und unter Christen ist es
 besonders gefährlich. In die Auseinandersetzung kommen dann leicht falsche
 Töne hinein, die die Gemeinschaft stören und Selbstruhm statt Gotteslob
 bringen können. Jede Auseinandersetzung in der Gemeinde ist ein Wandern am
 Abgrund. Dabei ist es von geringer Bedeutung, ob man der Angegriffene oder
 der Angreifer ist. Nun kann man solchen Auseinandersetzungen aus dem Wege
 gehen "um des lieben Friedens willen", wenn es sich um ganz persönliche
 Dinge handelt, die nichts mit dem Dienst in der Gemeinde zu tun haben. Es
 gibt eine Form von Pastorengezänk (aber nicht nur bei ihnen allein!), die
 höchst überflüssig ist, wenn es aber um die rechte Verkündigung geht, darf
 man nicht schweigen. Es geht nicht um Dickköpfigkeit und Rechthaberei,
 sondern darum, daß "alle Gedanken unter dem Gehorsam Christi
 gefangengenommen werden". Hier gibt Paulus den Maßstab für seine
 Auseinandersetzungen; diese Maßstäbe sind auch für die heutigen Gemeinden
 noch gültig. Wenn man sich schon auseinandersetzen muß, dann darf es nur
 dazu dienen, daß man sich wieder zusammensetzen kann. Beide streitenden
 Partner müssen sich darüber klar sein, daß "gleich wie er Christus
 angehört, so auch wir".@{b}

 Herr, du allein richtest recht. Laß uns das bedenken, wenn wir über andre
 urteilen wollen. Gib deine Liebe in unser Herz, daß wir uns bemühen zu
 verstehen, statt zu verurteilen. Amen.@{ub}


@{i}                       2.Korinther 10,1-11@{ui}

@{b} Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch,
 aber sie haben durch Gott die Macht, Festungen zu schleifen.@{ub}
 2.Korinther 10,4 (EÜ)

 Im ersten Weltkrieg stand auf den Koppelschlössern deutscher Soldaten die
 Inschrift: "Gott mit uns". Mit wem ist Gott, wenn Menschen miteinander
 streiten?
 Bei seinem Streit "mit gewissen Leuten" aus Korinth weiß Paulus das
 anscheinend genau. man hat ihm vorgeworfen, er trete armselig auf; er rede
 anders, als er schreibe. Er verteidigt sich mit kriegerischen Worten; er
 ist überzeugt, mit himmlischen Waffen und Gottes Hilfe zu kämpfen.
 Uns ist diese Sprache fremd geworden, und das ist recht so: Auch gut und
 fromm Geplantes kann scheitern oder gar Unheil stiften, hinter der besten
 Absicht kann sich Eitelkeit oder Ärgeres verbergen; wer darf behaupten:
 Gott kämpft auf meiner Seite? Paulus beruft sich auf seine
 Apostelvollmacht; aber wir hüten uns besser vor einem längst anrüchigen
 kriegerischen Vokabular und sind zu Recht mißtrauisch, wenn einer sich auf
 Gott beruft, statt durch Argumente zu überzeugen.
 Doch wir sollten Paulus genau zuhören. Es kommt ihm nicht darauf an, Gegner
 zu übertrumpfen. Er hofft, daß sich durch sein Wirken Gottes macht
 offenbare - konkret: daß sich die Gemeinde von Korinth ohne Streit und
 Spaltung zu Christus bekennt. Auch diese Verteidigungsrede mit ihrem
 fremdartigen Vokabular ist "Wort Gottes", das uns hilft, mit Gott zu leben:
 Unsere Sache ist es, mutig und tatkräftig für unser Bekenntnis zu Christus
 einzutreten. Und Gottes Sache ist es, wie er - vielleicht auch durch unser
 Tun - seine Macht offenbaren will.@{b}

 Komm, Herr, mit Macht! Stille den Streit der Menschen. Aus dem Bekenntnis
 zu dir erwachse uns Tatkraft, für deinen Frieden einzutreten. Bewahre uns
 vor Mutlosigkeit, aber auch vor der Anmaßung, damit wir nie unsere
 Armseligkeit mit dir verwechseln. Denn dein ist die Macht in Ewigkeit.@{ub}
                                                   Annemarie Ohler


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 10b" "2.Korinther 10,12-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 10,12-18@{ui}

@{b}                        Das rechte Maß@{ub}

 Paulus erhebt gegen seine Gegner in Korinth einen schweren Vorwurf. Er
 tadelt sie, weil sie alle anderen Menschen an sich selbst messen. Sie
 betrachten sich selbst als "Maß aller Dinge", so wie einst der griechische
 Philosoph Heraklit den Menschen als Maß aller Dinge bezeichnet hat. Solche
 Bewertungen fallen immer zugunsten des Bewertenden aus: Diese haben die
 schönere Gestalt, die bessere Beredsamkeit, die größere Weisheit. Und wer
 anders ist, ist dann von vornherein schlechter, ja er taugt dann in den
 eigenen Augen gar nichts.
 Darf ein Christ so urteilen? Johann Sebastian Bach zeichnete fast alle
 seine Kompositionen mit den Buchstaben. S.D.G. Das heißt: Soli deo gloria -
 Gott allein die Ehre! Das ist für einen Christen die angemessene Haltung.
 Wer alles zur Ehre Gottes tut, der kann nicht die eigene Ehre und den
 eigenen Ruhm suchen. In er christlichen Kirche darf es nie dahin kommen,
 daß nach dem Grundsatz gehandelt wird: "Alles zu meinem Ruhm!" Unser Text
 zeigt uns, wie es in der Gemeinde zu solche Fehlentwicklung kommen kann.
 Der Glaube ist zu schwach und zu gering, um den selbstsüchtigen
 Versuchungen zu widerstehen. Es ist wohl gut und von Gott gewollt, daß
 jedermann etwas Tüchtiges leistet. Das darf man auch anerkennen und
 aussprechen. Nur darf man nicht vergessen, daß letztlich Gottes Urteil
 entscheidet: "Nicht darum ist einer tüchtig, daß er sich selbst lobt,
 sondern daß ihn der Herr lobt. Christen brauchen gewiß nicht unter
 "Minderwertigkeitskomplexen" zu leiden. Es kommt aber immer auf das
 richtige Maß an. "Wer sich aber rühmt, der rühme sich des Herrn." Paulus
 zitiert hier ein Wort aus dem Propheten Jeremia. Es gilt für alle Christen.
@{b}
 Herr, wir messen unsere Leistungen zu oft mit einem falschen Maß und dünken
 uns dann mehr als die anderen. Befreie uns von dieser Torheit. Amen.@{ub}


@{i}                       2.Korinther 10,12-18@{ui}

@{b} Nicht wer sich selbst empfiehlt, ist anerkannt, sondern der, den sich
 der Herr empfiehlt.@{ub}  2.Korinther 10,18 (EÜ)

 Ist Demut eine Tugend? Politiker werden sagen: "Für mich nicht." Für einen
 Politiker genügt es nicht, tüchtig zu sein, er muß auch das Image des
 Tüchtigen besitzen. Paulus erfuhr, daß für ihn Ähnliches galt. "Gewisse
 Leute" in Korinth sagten ihm Führungsschwäche nach; damit war die Gemeinde
 gespalten, sein Werk in Gefahr. Die heutige Lesung zeigt: Paulus will die
 allgemeine Anerkennung zurückgewinnen; er tut etwas für sein Image; er
 "rühmt sich".
 "Es gibt geborene Lämmer, die ducken sich leicht und gern." So spottet der
 Philosoph Ernst Bloch über christliche Demut. Er hat sein Bild davon gewiß
 nicht aus den Auseinandersetzungen des Paulus mit seinen Gegnern in Korinth
 gewonnen. Gewiefte Politiker können von Paulus lernen, wie man Anerkennung
 gewinnt: Er verhält sich entsprechend der Maxime, daß "nichts erfolgreicher
 ist als der Erfolg". Wer Erfolge vorzuweisen hat, braucht sich um sein
 Image keine Sorgen zu machen. Paulus hebt seine Erfolge hervor: Er hat als
 erster das Evangelium nach Korinth gebracht, das heißt, ihm ist die
 entscheidende Wende zu verdanken, daß auch außerhalb des alten Gottesvolkes
 Gemeinden Christi entstanden. Wenn Politiker sich ihrer Erfolge rühmen,
 vergessen sie gern, wieviel "Glück" dazu gehörte. Paulus dagegen weiß es.
 Er sagt aber nicht "Glück", sondern "der Herr empfiehlt" mich. Der Demütige
 verleugnet nicht seine Tüchtigkeit, sondern bewahrt Realitätssinn: Erfolg
 verdankt auch der Tüchtigste zum größten Teil "glücklichen Umständen", das
 heißt dem Segen Gottes. Demut ist: Mut zu dienen, Mut, nicht die eigene
 Stärke beweisen zu wollen, sondern die Stärke Gottes.@{b}

 Herr, du hast uns in deine Kirche gerufen. Segne deine Diener, damit wir
 aus Erfolgen Mut schöpfen, und schenk uns den klaren Blick der Demütigen,
 die nie vergessen, daß sie auch im Erfolg "unnütze Knechte" sind.@{ub}
                                                Annemarie Ohler



@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 11a" "2.Korinther 11,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 11,1-6@{ui}

@{b}                 Im Kampf um das rechte Evangelium@{ub}

 Hart hat sich der Apostel mit Irrlehrern in der von ihm gegründeten
 Gemeinde Korinth auseinanderzusetzen. Trauer, Enttäuschung und Erbitterung
 über die Gemeinde kommen in diesem Briefstück zum Ausdruck. Nicht zu
 Unrecht werden diese Kapitel auch "Tränenbrief" genannt. Wuchtig und
 literarisch reizvoll ist die Form, die Paulus in dieser Auseinandersetzung
 wählt. Einzelheiten über die Aktivitäten der Irrlehrer sind uns nicht
 bekannt, aber sie untergruben mit voller Absicht und Böswilligkeit die
 Autorität des Apostels und priesen ihr eigenes Evangelium an. Meisterhaft
 streitet Paulus für das rechte Evangelium mit Christus, alles andere ist
 Irrlehre ohne Christus. Hatten die Widersacher Paulus u.a. auch
 ungeschickte Rede vorgeworfen, so beweist er, daß ein Brief auch
 meisterhafte Rede im Auftrag Gottes sein kann. Auf die Erkenntnis und den
 guten Willen kommt es an. Leider hat es im Laufe der Kirchengeschichte bis
 in unsere Zeit hinein ähnliche Situationen in den Gemeinden gegeben. Uns
 fallen Auseinandersetzungen zwischen "Deutschen Christen" und Vertretern
 der Bekennenden Kirche zur Zeit des Faschismus ein. Klärende Worte wie etwa
 die Barmer Theologische Erklärung zeigten in eindeutiger Sprache den Weg
 für die Gemeinden unter dem rechten Evangelium. Oft sind auch Prediger
 unter falschen Anschuldigungen diffamiert worden.
 Am heutigen Text wird uns deutlich, daß manchmal harte Worte zu Klärungen
 beitragen können und somit Gemeinden vor Irrlehren bewahrt bleiben. Paulus
 hat offenbar mit dieser harten, aber sachlichen Auseinandersetzung Erfolg
 gehabt.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß wir den Reichtum deines
 Evangeliums täglich neu erfahren können. Schenke uns Erkenntnis und guten
 Willen, die Reinheit dieser Botschaft auch in unserer Zeit zu bewahren.
 Amen.@{ub}


@{i}                       2.Korinther 11,1-6@{ui}

@{b} ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau
 zu Christus zu führen.@{ub}  2.Korinther 11,2 (EÜ)

 In der Gemeinde von Korinth herrscht Streit: Wer vertritt die reine Lehre,
 Paulus oder seine Gegner? Paulus erklärt: Wenn die Korinther anderen Lehren
 folgen als der seinen, stehe er da wie ein Brautwerber, der seinem Freund
 eine Frau zuführt, für deren Unberührtheit er nicht einstehen kann.
 Seine Worte klingen heute fremdartig, ja bedenklich: Wieviel Haß, Streit,
 Blutvergießen ist daraus entstanden, daß Christen meinten, die "reine
 Lehre" verteidigen zu müssen. Aber: Geht es Paulus denn um wahre oder
 falsche Lehre? Im Bild der Ehe hatten die Propheten den Gottesbund
 gedeutet: Jahwe hat Israel erwählt wie eine Braut. So, erklärt Paulus, hat
 Christus gehandelt; frei und ungeschuldet liebt er seine Gemeinde. Rechte
 Antwort auf frei geschenkte Liebe ist gewiß nicht "Reinheit" der Lehre,
 sondern "Reinheit" des Herzens, das wiederliebt, ohne Vorbehalt und
 Abstriche.
 Freilich - das ist mehr, als Menschen leisten können. Wie schnell die Treue
 zu Christus in den Hintergrund rückt und man andere Dinge für viel
 wichtiger hält, zeigt sich von Anfang an. In Korinth streitet man sich, wer
 Christus am besten verstehe. darum verändert Paulus das alte Bild: Die Ehe,
 erklärt er, steht noch aus, der Bräutigam kommt erst. Erst bei der
 Wiederkunft Christi wird er die "reine" Braut zu sich nehmen - eine Kirche,
 die neben der Liebe zu Christus nichts anderes mehr für wichtig hält.@{b}

 Vater im Himmel, wir preisen dich durch unseren Herrn Jesus Christus,
 deinen Sohn, in dem du uns deine Liebe geoffenbart hast. Er hat sich für
 uns hingegeben mit Leib und Leben. Laß uns in Auseinandersetzungen um die
 "reine Lehre" nie vergessen, daß nur eines zählt: daß wir ihm ähnlich
 werden in der Liebe und dir mit Leib und Leben gehören.@{ub}
                                            Annemarie Ohler

@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 11b" "2.Korinther 11,7-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 11,7-15@{ui}

@{b}                Auf Gottes Reichtum kommt es an@{ub}

 Die äußerst harte Verteidigungsrede des Apostels wird fortgeführt. Offenbar
 hatten die Feinde des Paulus dessen Verzicht auf finanzielle Unterstützung
 durch die Gemeinde in ihrer Weise ausgelegt: Wer kein Geld nimmt, ist auch
 kein rechter Apostel. An anderer Stelle wird Paulus vorgeworfen, er habe
 Gelder veruntreut. So weist er hier gleich mehrere Vorwürfe zurück, indem
 er klarstellt, daß es der Opferwille mazedonischer Gemeinden war, der sein
 finanzielles Auskommen sicherte. Verantwortung und Liebe für eine Gemeinde
 hängt nicht von deren Reichtum ab. Vielleicht hat Paulus gespürt, wie groß
 die Versuchung sein kann, in finanzielle Abhängigkeit zu geraten. Nach all
 den harten Worten ist anzunehmen, daß Paulus nicht nur gegen theoretische
 oder persönliche Meinungsverschiedenheiten anzukämpfen hat, sondern er
 sieht in all dem Geschehen eine massive Bedrohung des Bestehens der
 Gemeinde überhaupt. Äußere Verfolgungen haben ihn zu keiner Zeit seiner
 umfangreichen Tätigkeit so beunruhigt wie die hier beschriebene innere
 Bedrohung der Gemeinde überhaupt. Äußere Verfolgungen haben ihn zu keiner
 Zeit seiner umfangreichen Tätigkeit so beunruhigt wie die hier beschriebene
 innere Bedrohung der Gemeinde. Letzte Richtschnur in all den
 Auseinandersetzungen kann nur Gottes Wort selber sein. Beim Lesen dieses
 Bibelabschnittes wird uns besonders deutlich, wie problematisch zu aller
 Zeit die Abhängigkeit der Prediger des Wortes Gottes von Mächtigen oder von
 kirchlicher Bürokratie ist. Ebenso scheint es für die Kirche belastend zu
 sein, wenn, wie in einigen Ländern heute noch üblich, die Gehälter der
 Pfarrer von Ort zu Ort unterschiedlich sind, angepaßt dem Reichtum der
 einzelnen Gemeinde. Allzu leicht vergißt man Gottes Reichtum.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du deine Gemeinde trotz mancherlei Bedrohungen
 und Versuchungen erhalten hast. Wir bitten dich, schenke uns Eintracht und
 Frieden und wehre allem Streben nach Selbstherrlichkeit und Macht. Amen.
@{ub}


@{i}                       2.Korinther 11,7-15@{ui}

@{b} Habe ich einen Fehler gemacht, als ich, um euch zu erhöhen, mich selbst
 erniedrigte und euch das Evangelium Gottes verkündete, ohne etwas dafür zu
 nehmen?@{ub}  2.Korinther 11,7 (EÜ)

 In den Korintherbriefen spiegelt sich vielfach der Streit um die neuen Wege
 der Verkündigung, die Paulus einschlug. Jesus hatte verlangt: Bettelarm
 soll der Bote des Evangeliums sein und von dem leben, was man ihm
 freiwillig gibt. Paulus aber verdient selbst sein Brot. Offenbar machte man
 ihm das zum Vorwurf; warum gehorcht er Jesus nicht?
 Jesus hatte die Jünger in die Dörfer Palästinas geschickt, von Dorf zu Dorf
 kommt man zu Fuß, allenfalls braucht man einen Stock, um böse Tiere
 abzuwehren. Unterwegs kann man das Recht in Anspruch nehmen, das das
 jüdische Gesetz dem Armen gibt, und Feldfrüchte essen. Niemanden fiel der
 wandernde Bote des Evangeliums zur Last, zugleich war er den Ärmsten der
 Armen nahe, Menschen, die nichts besaßen und nicht einmal mehr arbeiten
 konnten, angewiesen auf die Hilfe der anderen.
 Paulus aber weiß sich berufen, die Botschaft Christi den Völkern zu
 bringen. Er gründet Gemeinden in großen Städten, unternimmt weite und teure
 Reisen: Wer bezahlt die Schiffspassagen? Wer kommt für den Lebensunterhalt
 in einer fremden Stadt auf? Vor allem aber: In den griechischen Städten
 fanden viele Wanderphilosophen - so wie heute Straßenmusikanten - leicht
 ein interessiertes und spendenfreudiges Publikum. Sollte sich Paulus mit
 ihnen verwechseln lassen? Er wollte, der Anweisung Jesu treu, die
 Lebensweise der Verachteten teilen. In der griechischen Welt waren das die
 Handwerker, denen man nur die Arbeiten überließ, für die sogar Sklaven zu
 schade waren. Paulus zeigt: Treue zur Tradition verlangt Bereitschaft zu
 lebendigen Wandel.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du Paulus berufen hast, dein
 Evangelium den Völkern zu bringen, so daß auch wir Anteil daran erhielten.
 Laß uns von ihm lernen, daß Treue zu dir Mut zu lebendigem Wandel verlangt.
@{ub}                                             Annemarie Ohler


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 11c" "2.Korinther 11,16-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Korinther 11,16-33@{ui}

@{b}                  Auch im Leiden wird Gott gerühmt@{ub}

 Im Gegensatz zu seinen Gegnern, die sich ihrer Stärke rühmen, rühmt sich
 Paulus seiner Schwachheit. Wo Menschen allzu selbstherrlich eine Gemeinde
 leiten, wird der Glaube an die alleinige Herrschaft Jesu Christi verdrängt.
 Wenn in Korinth trotz all dieser Kämpfe noch Menschen sich zur Herrschaft
 Jesu Christi bekannten, lag es wohl am ständigen Bemühen des Apostels um
 diese Gemeinde, an seinem Ruf zur Umkehr und nicht zuletzt an seinen
 Gebeten. Durch die Herausforderung seiner Gegner wird Paulus gezwungen, in
 Form eines Selbstbekenntnisses die vielen Stationen seines apostolischen
 Dienstes aufzuzählen. Er hätte ja auch mit Erfolgen prahlen können, die er
 ohne Zweifel ebenfalls zu verbuchen hatte. Aber gerade in der Aufzählung
 seiner Leiden legt er ein überwältigendes Bekenntnis ab. Schreckliche
 Strafen, die in der Apostelgeschichte gar nicht erwähnt sind, zeugen von
 seiner aufopferungsvollen Tätigkeit. All die genauen Angaben seiner
 physikalischen und psychischen Belastungen lassen keinen Widerspruch der
 Gegner zu. Vielleicht ist es gut für uns, auch die letzten Verse unseres
 heutigen Textes noch einmal mit besonderer Aufmerksamkeit zu lesen. Für
 manchen Mitarbeiter in der Kirche ist es gerade auch der Alltag mit allen
 Sorgen und Belastungen, an dem deutlich wird, daß in der Schwachheit Gott
 gerühmt wird. Manchmal gehen die Anforderungen bis an die Grenze der
 Belastbarkeit, die Öffentlichkeit aber sieht nichts davon. Gott selber wird
 entscheiden, an welcher Stelle er am meisten gerühmt wurde.@{b}

 Herr Jesus Christus, du hast uns gezeigt, daß der Weg des Leidens kein Weg
 der Schwäche, sondern der Stärke ist. Am Ende dieses Weges stand deine
 sieghafte Auferstehung. Hilf uns, dies im Auge zu haben, wenn wir leiden
 müssen. Amen.


@{i}                     2.Korinther 11,16-33@{ui}

@{b} Laßt mich auch als Narren gewähren, damit auch ich ein wenig prahlen
 kann.@{ub}  2.Korinther 11,16 (EÜ)

 Bei der Korinthergemeinde wird das Christsein des Paulus als Torheit
 angesehen. Der Apostel weiß, wie die Frohe Botschaft vor der Welt
 erscheint. Paulus greift diesen Gedanken auf: "Dann laßt mich auch als
 Narren gewähren, damit auch ich ein wenig prahlen kann" (2.Korinther
 11,16). Mit dem, womit sich diese weltlichen Korinther rühmen können, kann
 Paulus schon längst gleichziehen. Er "prahlt": Hebräer, nachkomme Abrahams
 und Diener Christi bin ich schon lange und mehr als ihr. Paulus kann auch
 den Erweis erbringen, Diener an der Verkündigung der Frohen Botschaft als
 Tor in und vor der Welt zu sein: Er kann seine Wunden vorweisen, die
 Schläge, die er um der Weisheit und Wahrheit willen bekommen hat. Er wurde
 ausgepeitscht und gesteinigt. Er erlitt im wahrsten und doppeldeutigen
 Sinne "Schiffbruch" um des Evangeliums willen und scheiterte so immer
 tiefer in das Liebesgeheimnis Christi hinein. Auch sein Reden ist kein
 ungedeckter Scheck. Das Evangelium zu verkünden bedeutet für ihn, keinen
 Ruhm zu ernten in dieser Welt. der Verkünder hat auch keine bleibende
 Stätte. Er wurde in Damaskus in einem Korb - am seidenen Faden - über die
 Stadtmauer hinabgelassen und entkam den Händen seiner Verfolger.
 Auch unser Weg in dieser Welt kann letztlich nicht anders gegangen werden
 als der des Apostels. Und doch wird es, so wie Paulus es beschreibt, der
 Weg sein, dem Fruchtbarkeit verheißen ist. Dann können auch wir - wenn wir
 zu dieser Torheit bereit sind - sagen: "Gott, der Vater Jesu, des Herrn,
 er, der gepriesen ist in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge" (2.Korinther
 11,31).2{b}

 Guter Gott, hilf uns aushalten, durchhalten in diesem Spannungsfeld
 zwischen Himmel und Erde. Gib uns das feste Vertrauen, auf dem wahren Weg
 zu sein, und laß die Hoffnung in uns nicht erlöschen, daß unser Dasein in
 dieser Welt - gegen den Strom zu schwimmen - nicht folgenlos bleiben möge.
 Amen.@{ub}
                                                   Wilhelm Willms


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 12a" "2.Korinther 12,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 12,1-10@{ui}

@{b}                     Kraft in den Schwachen@{ub}

 Unangenehm wirkt es, wenn Menschen sich selber rühmen. Angeber gehen uns
 auf die Nerven, Sie erzählen besonders gern von den Stunden, in denen sie
 sich stark vorkamen. Beim Apostel Paulus ist es anders. Er könnte von
 vielen Höhepunkten seines Lebens berichten, aber er spricht von
 Tiefpunkten. Wenn er sich nur interessant machen wollte, könnte er auf
 starke Erlebnisse hinweisen, wie sie selten einem Menschen widerfahren
 sind. Er deutet nur an, wie er in einem bestimmten Augenblick etwas erfuhr,
 was man wohl als Entrückung oder Ekstase bezeichnen kann. Doch diese Dinge
 will der Apostel um keinen Preis in den Mittelpunkt stellen. Er betont, daß
 Gott schnell dafür gesorgt habe, ihn vor Überheblichkeit zu bewahren. Ein
 Pfeil sei ihm ins Fleisch gegeben. Damit ist sicher eine schwere Krankheit
 gemeint, über deren Art wir heute nichts genaues wissen. Wiederholt hat
 Paulus darum gefleht, daß die Krankheit von ihm genommen werde. Nur
 scheinbar war sein Bitten vergeblich. Es kam eine Antwort: "Laß dir an
 meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."
 Warum bedient sich Gott besonders derer, die ihre Schwachheit erkannt
 haben? Schon das Alte Testament macht klar: Es muß dem Irrtum begegnet
 werden, daß der Mensch sich seiner eigenen Kraft rühmen könne. Die
 eigentliche Antwort gibt das Neue Testament mit dem Hinweis auf den
 Gekreuzigten. In seinem Leiden offenbart er die Kraft Gottes. Wenn es etwas
 zu rühmen gibt, dann kann es nur die Gnade sein, die von dorther auf uns
 zukommt.@{b}

 Herr, laß uns nicht daran zweifeln, daß du auf unsere Gebete hörst. Wenn du
 auch nicht alle unsere Wünsche erfüllst, so festige in uns die Gewißheit,
 daß deine Gnade uns trägt. Gib uns Schwachen Kraft. Amen.@{ub}


@{i}                  2.Korinther 12,1-10@{ui}

@{b} Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.@{ub}  2.Korinther 12,10 (EÜ)

 In jedem von uns Menschen gibt es etwas Geheimnisvolles, was wir keinem
 anderen erzählen können. Dies ist ein Bereich und ein Reich-tum, der sich
 jeglicher außerhalb unserer selbst liegenden innerweltlichen Regeln,
 Gesetze und Rechtsnormen entzieht. Da bin ich e-norm, außerhalb jeder Norm
 im "forum internum", wo ich und Gott allein zuständig sind. Was sich hier
 abspielt, ist nicht mitteilbar.
 Auch Paulus beschreibt stammelnd sein "Außer-Sich-sein", als ob er von
 einem anderen Menschen spräche. Doch Paulus betont, daß dieser rühmlichste
 Bereich in ihm zugleich auch seine Schwachstelle ist. Denn dort an diesem
 innersten Ort ist die Stelle, wo auch Satan lebt. So ist das Kostbarste in
 uns auch das Gefährdeste. Wir bitten Gott, daß er uns diesen Stachel
 wegnimmt, damit wir uns unbehindert rühmen können. Doch Gott betont: "Meine
 Gnade genügt dir" (2.Korinther 12,9). Wir sollten unsere Schwachheit als
 den Ort erkennen, wo Gott seine Kraft in uns vollendet, und uns dessen
 rühmen. Paulus hat dies für sich erkannt und betont: "Deswegen bejahe ich
 meine Ohnmacht, alle Mißhandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die
 ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark"
 (2.Korinther 12,10).@{b}

 Guter Gott und Vater, laß mich dankbar sein und dich rühmen und preisen,
 daß du an meiner Schwachstelle deine allmächtige Kraft wirksam werden läßt.
 Amen.@{ub}
                                                      Willhelm Willms


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 12b" "2.Korinther 12,11-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 12,11-18@{ui}

@{b}                 Nicht das Eure, sondern euch!@{ub}

 Der heutige Bußtag zwingt uns zu der Frage, was in unserem Leben nicht in
 Ordnung ist. Vielleicht wird uns beim Nachdenken erneut zum Bewußtsein
 kommen, daß unsere Verstöße gegen das Gebot der liebe besonders belastend
 sind. Lieblosigkeit kann sich in vielfältiger Weise zeigen. Sie wirkt
 schmerzhaft und kränkend. Der Apostel Paulus leidet darunter, daß ihn immer
 wieder Verdächtigungen und versteckte Angriffe von Gemeindegliedern aus
 Korinth treffen. Seine Ehrlichkeit und Selbstlosigkeit wird in Frage
 gestellt. Wie soll er sich dagegen wehren, ohne in eine unangenehme
 Selbstrechtfertigung zu verfallen? Es ist nicht erstaunlich, daß aus den
 Worten des Apostels da und dort bittere Ironie herauszuhören ist. Wie soll
 man angesichts verletzender Lieblosigkeit selber liebevoll bleiben?
 Dennoch läßt Paulus sich nicht davon abbringen, diese so schwierige
 Gemeinde mit ganzer Kraft zu lieben und sich hingebungsvoll für sie
 einzusetzen. Er sucht nicht persönliche Vorteile, Macht über Menschen oder
 sonstige egoistische Dinge. "Ich suche nicht das Eure, sondern euch." Das
 ist die Stimme eins Seelsorgers, dem es ausschließlich um die Menschen als
 solche und um ihr Heil geht.
 Welch eine Liebe spricht aus diesen Worten, welch ein Verlangen, jedes
 Glied dieser Gemeinde ganz persönlich vor Augen zu haben! Wir dürfen
 angesichts dieses Textes der Frage nicht ausweichen, wie es um unser
 eigenes Verhältnis zu den Menschen unseres Umkreises bestellt ist. Suchen
 wir nur irgend etwas von ihnen oder wirklich sie selbst, wie sie nun einmal
 sind? Interessiert uns bei einem Menschen nur das, wovon wir profitieren
 können? Es muß nicht immer sein Geld sein; vielleicht wollen wir seine
 Arbeitskraft, seine Zeit oder die von ihm ausgehende Anregung. Unser
 Gegenüber wird das schnell spüren. Wie wohltuend ist es dagegen, wenn man
 bei einer Begegnung oder beim Empfang einer Freundlichkeit spüren darf: Du
 bist gemeint. Der Bußtag will uns nicht nur an unsere massiven Verstöße
 gegen die Gebote Gottes erinnern; häufiger sind es unbewußte
 Verhaltensweisen, in denen sich unsere verkehrte Grundhaltung zeigt. Buße
 heißt: neue Ausrichtung auf Gott, aber auch auf den Menschen, an den wir
 gewiesen sind.@{b}

 Heiliger Gott, wir bekennen vor dir unseren Mangel an Liebe. Wir wissen,
 daß hier die Wurzel aller Not liegt. hab Geduld mit uns und vergib uns. Gib
 uns ein Herz für die Menschen, mit denen wir es täglich zu tun haben. Amen.
@{ub}


@{i}                       2.Korinther 12,11-18@{ui}

@{b} Jetzt bin ich wirklich ein Narr geworden.@{ub} 2.Korinther 12,11 (EÜ)

 Wo gibt es heute einen Hirten, Oberhirten, Bischof, Lehrer, der vor seiner
 Gemeinde sagt: "Ich bin ein Narr"? Offenbar geht es in der
 Korinthergemeinde ernsthaft um üble Nachrede. Es ist zunächst einmal für
 uns ein Trost zu sehen, daß es in der oft so hochgelobten Urgemeinde noch
 keinen "Paradieszustand" gibt, in dem alle ein Herz und eine Seele sind.
 Die Gemeinde in Korinth muß sich wohl in der Abwesenheit des Paulus um
 einen "Überapostel" geschart haben, der die Autorität des Apostels
 untergrub. In solchen Situationen ist derjenige, der seinen geraden Weg
 weiter verfolgt, immer der, der in der Rolle des Törichten, des Narren
 gedrängt wird. Paulus betont es auch und sagt: "Ihr habt mich dazu
 gezwungen" 2.Korinther 12,11). Man spürt die Traurigkeit eines Ehrlichen,
 um die Gemeinde Besorgten. Paulus ruft den Korinthern zu: "Eigentlich
 sollte ich von euch gerühmt werden; denn in nichts bin ich hinter den
 Überaposteln zurückgeblieben, obgleich ich nichts bin" (2.Korinther 12,11).
 Gerade im Bekenntnis seiner Kleinheit beteuert Paulus, daß er keinesfalls
 hinter seinen Gegnern zurücksteht. Als Gesandter, als Apostel hat er in
 ihrer Mitte Beweise seines Auftrages erbracht: "Zeichen, Wunder und
 machtvolle Taten" (2.Korinther 12,12). Paulus betont: Ich habe authentisch,
 ohne Abstriche, ohne euch nach dem Mund zu reden, die volle Wahrheit
 gesagt, in Geduld und Strenge, um eures Heiles willen. In nichts habe ich
 euch vernachlässigt - höchstens darin, "daß gerade ich euch nicht zur Last
 gefallen bin. Dann verzeiht mir bitte dieses Unrecht" (2.Korinther 12,13).
 Wir erleben in diesem Brief an dieser Stelle, was auch in unseren Gemeinden
 möglich sein kann: daß die Stimme der Menschen längst nicht immer die
 Stimme Gottes ist.@{b}

 Guter Gott, erleuchte die Augen unseres Herzens. laß uns als beglückendes
 Erlebnis erfahren, daß das Gute, Wahre und Schöne allein du in uns wirkst.
 Amen.@{ub}
                                            Wilhelm Willms


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 12c" "2.Korinther 12,19-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 12,19-21@{ui}

@{b}                     Alles zu eurer Erbauung@{ub}

 Gelegentlich bezeichnen wir eine Predigt, ein Buch oder eine uns innerlich
 berührende Stunde als "erbaulich". Es ist ein Wort, das besonders im
 kirchlichen Bereich früher oft gebraucht wurde, heute dagegen weniger.
 Erbauung - das klingt vielen zu fromm, es scheint einen wenigen einladenden
 Beigeschmack zu haben. Und doch geht es hier um eine für den Glauben höchst
 wichtige Sache. es ist ähnlich wie mit den Worte "fromm". Ein Begriff, der
 ursprünglich etwas ganz Positives und Vorbildliches bezeichnet, bekommt
 unter der Hand einen negativen Unterton. Eigentlich kann man doch sagen,
 daß Erbauung bei aller kirchlichen Arbeit die Hauptsache ist. Der hier
 gebrauchte Ausdruck will ganz wörtlich genommen werden. Erbauung ist
 Aufbau, und darum muß es doch auf der ganzen Linie gehen: gegen alles
 Niederreißende, Zersetzende und Zerstörende das Aufbauende! Hierbei ist an
 die Gesamtheit der Gemeinde zu denken, nicht weniger aber an jeden
 einzelnen Menschen. Eine stärkende Predigt, ein hilfreicher Dienst, ein
 gutes Wort im rechten Augenblick, das alles kann dazu helfen, in einem
 Menschen Kräfte des Glaubens aufzubauen. Nachdem Paulus den Korinthern
 manches hat schreiben müssen, was ihnen unangenehm war, will er ihnen
 deutlich machen, daß auch die herben Worte letztlich eine Hilfe zum Aufbau
 der innerlich gefährdeten Gemeinde sein sollen. Auch in unseren Kirchen
 erleben wir viel, was zur Zerstörung des Glaubens beitragen kann. Dem
 setzen wir alle von Gott gegebenen Mittel entgegen, die der Erbauung
 dienen.@{b}

 Treuer Gott, deiner Führung vertrauen wir uns an. Gib uns Kraft, das für
 diesen Tag Gebotene zu tun. Laß unsere Worte und Taten aufbauend sein.
 Wehre den Mächtigen der Zerstörung in der ganzen Welt. Amen.@{ub}


@{i}                      2.Korinther 12,19-21@{ui}

@{b} Gewiß denkt ihr, daß wir uns vor euch nur herausreden wollen.@{ub}
 2.Korinther 12,19 (EÜ)

 Wie verdreht können manche Christen sein. Wie oft scheitert in unseren
 Reihen ein Mensch an und in einer solchen Situation, in der sich hier
 Paulus befindet. Da wird in einer christlichen Gemeinde nicht selten der
 Bock zum Gärtner gemacht. Paulus aber versichert, daß er und Titus "vor dem
 Angesicht Gottes" reden, also vor der letzten und höchsten Instanz. Und sie
 opfern ihre Sympathie um des Heiles der Gemeinde willen. denn Paulus
 fürchtet hier schon im voraus, daß er die Gemeinde nicht so vorfinden wird,
 wie er es wünscht, daß sie die Verführten sind, die sich auf dem falschen
 Weg befinden. Paulus folgert, daß er dabei nicht ruhig zusehen kann und
 seine Reaktion ihren Wünschen nach Zustimmung nicht entgegenkommen wird.
 Dieses Aushalten, Standhalten gegen eine Gemeinde und für eine Gemeinde aus
 Liebe zu ihr ist eine Art Kreuzigung, ein Weitertragen der lasten und
 leiden Christi. das alles aber ist und bleibt die einzigartige Wirkweise
 dessen, was Jesus Christus uns vorgelebt, vorgelitten und vorgeliebt hat.
 Er hat rücksichtslos das "vollbracht", was von der Welt Torheit genannt
 wird. Dieses Zeugnis des Paulus für Christus zeigt, daß Leidenschaft der
 einzige Ausweg ins Heil ist- Das ist kein leichter Weg, aber der einzige,
 der wahrhaft ankommt. Dieser Weg hat das Ziel in sich: Gott in uns und wir
 in ihm.@{b}

 Guter Gott, gib uns Kraft und Leidenschaft für den Weg, zu dem du uns
 berufen hast. Laß uns auch dort, wo wir nicht gern gesehen, nicht gern
 gehört und nicht geliebt werden, die Torheit der Liebe und des Kreuzes
 verkünden. Amen.@{ub}
                                                   Wilhelm Willms


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 13a" "2.Korinther 13,1-4"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 13,1-4@{ui}

@{b}                 Christus lebt in der Kraft Gottes@{ub}

 Paulus schreibt auch in diesem Schlußkapitel sehr persönliche Dinge. Seine
 Besuchspläne zeigen uns noch, daß dies ein wirklicher Brief ist. Aber
 obwohl uns manches im heutigen Leseabschnitt nichts mehr angeht, steht
 mitten darin etwas für uns und jeden, der glauben will: "Wenn Christus auch
 gekreuzigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes."
 Für uns Leser und Hörer wird der große Abstand der Jahrhunderte zwischen
 damals und heute in einem Punkt aufgehoben: Paulus ging es schon so wie
 uns, den lebenden Jesus hat er nicht gekannt. Auch für ihn schon lebt Jesus
 Christus nur auf andere Weise. Er sagt hier: "Christus lebt in der Kraft
 Gottes." Wenn Gott Mächtiges tut, ist Christus am Werk. Gottes Kraft darf
 für Tagesaufgaben erbeten werden, bei denen die Gefahr besteht, daß wir
 schwach werden. Christus richtet uns auch wieder auf, wenn wir im
 Alltäglichen versagt haben. Seine Schwachheit zeigte sich, als er Mensch
 wurde, um an unserer Stelle bestraft zu werden. Die Strafe ist weg. Der
 Lebendige hat sie ertragen und uns abgenommen. Wir dürfen die Kraft
 erbitten, die sich darin zeigt. Die Kraft Gottes, die etwas schafft, zeigt
 sich auch darin, daß Menschen mit ihr ihr Leben meistern, die das sonst
 nicht könnten. Nicht zuletzt wird sie spürbar, wo Menschen um Christi
 willen bereit sind, zu verzeihen. Verzeihen ist ja überhaupt kein Zeichen
 von Schwäche, es gehört viel Stärke dazu. Wenn einer verzeihen will, dann
 hilft ihm der Blick auf den unschuldigen, vergebenden Christus, daß er es
 auch tut.@{b}

 Herr, gib uns Kraft zum Leben. Wir danken dir für alle kräftige Hilfe, die
 du uns geleistet hast, vor allem für deine Vergebung. Amen.@{ub}


@{i}                    2.Korinther 13,1-4@{ui}

@{b} Denen, die sich früher verfehlt haben, und allen übrigen sage ich jetzt
 aus der Ferne dasselbe, was ich schon bei meinem zweiten Aufenthalt
 angekündigt habe: Wenn ich komme, werde ich keine Nachsicht mehr üben.@{ub}
 2.Korinther 13,2 (EÜ)

 Was spielt sich wohl in er Gemeinde von Korinth ab, daß der Apostel sich
 zum dritten Mal auf den Weg zu diesen Christen macht, um eine Klärung
 herbeizuführen? Durch Zeugen scheint ein vergehen aufgedeckt worden zu
 sein, das in seinen Auswirkungen noch fortbesteht.
 In dieser Gemeinde scheint kein klarer Blick mehr dafür vorhanden zu sein,
 was heißt, Christ zu sein. Da hilft kein hin- und hertaktieren. Nur ein
 strenges, genaues, erlösendes Wort ist hilfreich, ratsam und notwendig.
 In und an Jesus Christus scheiden sich die Geister. An ihm wird offenbar,
 was recht und was unrecht ist, wenn er durch den Apostel spricht und "in
 seiner Kraft unter euch wirkt" (2.Korinther 13,3).
 Auf ihm kommen die einen zu Fall und die anderen werden aufgerichtet.
 Die, die wirklich zu Christus stehen, können dann mit dem Apostel Paulus
 sagen: "Wir sind schwach in ihm, aber wir werden zusammen mit ihm aus
 Gottes Kraft leben" (2.Korinther 13,3).@{b}

 Guter Gott, laß uns ehrlich zu uns selbst sein und uns immer im Hinblick
 auf dich fragen, ob wir das tun und leben, was uns im Vertrauen auf dich
 als Christen ausmacht. Amen.@{ub}
                                             Wilhelm Willms



@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 13b" "2.Korinther 13,5-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Korinther 13,5-13@{ui}

@{b}                   Laßt euch zurechtbringen@{ub}

 Bruderküsse sind in unseren evangelischen Gemeinden ungebräuchlich. Aber
 das, was Paulus hier damit zum Ausdruck bringen will, ist auch bei uns gut.
 Er freut sich, wenn die Gemeindeglieder Korinths zueinanderhalten. In
 seiner lebhaften Art, in der er manchmal etwas dick aufträgt, um besser
 verstanden zu werden, schreibt er: "Wir freuen uns ja, wenn wir schwach
 sind und ihr mächtig seid." Es ist das ganze Gegenteil von Schadenfreude,
 das er hier ausspricht; es ist herzliche Mitfreude mit den Fortschritten
 derer, die ihm schon mehr als einmal schweren Kummer bereitet haben. Die
 Hauptsache für ihn ist, daß sie nicht "untüchtig" sind. Er meint damit, sie
 sollen aneinander und sicher auch an ihren nichtchristlichen Mitmenschen
 Gutes tun. Statt aber an ihren Bekannten jetzt christlich zu handeln,
 besteht für einige die Gefahr, von ihrer Umgebung zu den früher gewohnten
 heidnischen Bräuchen zurückgezogen zu werden. Persönliche Angriffe gegen
 Paulus zeigen auch, daß die Eigenliebe nicht im geringsten von einem neuen
 Umgang miteinander abgelöst worden ist. Aber es gibt Ansätze zur Reue. Das
 widerum läßt den Apostel hoffen. Auch die Kollektenerträge sind ein
 Zeichen, das ihn freut. Einige dieser Gemeindeprobleme sind uns nicht
 fremd. Jedenfalls merken wir, daß auch uns Paulus' Seelsorge guttut.
 Christus will auch bei uns ein neues Verhalten entwickelt, das sich
 christlich nennt, es aber nicht ist. Das nämlich müßte er zerstören. Wir
 brauchen uns ja nicht gerade zu küssen; aber einander zu beißen, wäre ganz
 gegen Christus. Bitten wir ihn um ein gutes Miteinander.@{ub}

 Herr, wir bitten dich um einen Zusammenhalt unter denen, die sich nach dir
 Christen nennen. Wir bitten dich, daß wir selbst willig werden, friedlich
 mit denen umzugehen, die mit uns unfreundlich umgegangen sind. Amen.@{ub}


@{i}                   2.Korinther 13,5-13@{ui}

@{b} Das ist es, was wir erflehen: eure vollständige Erneuerung.@{ub}
 2.Korinther 13,9 (EÜ)

 Paulus fordert: "Prüft euch selbst!" (2.Korinther 13,5) Woran sollen wir
 uns messen? Wer oder was ist der Prüfstein? Allen, die in dieser Welt als
 Prüfer, als Kontrolleure auftreten, fehlt in diesem Falle die Kompetenz.
 Jesus Christus ist dieser wahre Prüfstein. Wenn wir vor ihm bestehen, dann
 bittet Gott darum, daß die Gläubigen auf dem rechten Weg bleiben. Er tut
 dies nicht, damit er vor Gott gut dasteht, sondern es geht ihm
 ausschließlich um die Gemeindeglieder. Er betont: "Es ist uns eine Freude,
 wenn wir schwach dastehen, ihr aber euch als stark erweist" (2.Korinther
 13,9). Paulus weiß, daß er Vollmacht und Verantwortung für die ihm
 Anvertrauten hat. Und wie sehr zeigt er, daß er ein guter Pädagoge ist,
 wenn er seinen Befohlenen zuruft: "Freut euch, kehrt zur Ordnung zurück,
 laßt euch ermahnen, seid eines Sinnes, und lebt in Frieden!" (2.Korinther
 13,11) Sie sollen in Frieden leben im Hinblick auf Gott, der selbst die
 Liebe und der Frieden ist. Wie können solche Küsse, wie Paulus sie
 aussendet, auch von uns verwandelnd wirken. Wir würden dann wahrhaftig
 wissen, daß wir zu den "Heiligen" gehören, die die Gnade Jesu Christi, die
 Liebe Gottes des Vaters und die alle miteinander verschmelzende Glut des
 Heiligen Geistes als Wunsch für alle und als letztes Wort dieses Briefes
 mit auf die Reise geben.@{b}

 Guter Gott und Vater, gib, daß wir uns prüfen vor der letzten Instanz in
 uns, Jesus Christus, damit wir Bestand haben vor Gott, vor uns selbst und
 dort, wo wir Zeugnis ablegen. Hilf uns, daß in unserem Leben die Absicht
 deutlich wird, daß wir nicht zu unserem Nutzen handeln, sondern für die, zu
 denen wir gesandt sind. Amen.@{ub}
                                                  Wilhelm Willms


@ENDNODE
@NODE "2.Korinther 13c" "2.Korinther 13,11-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Korinther 13,11-13@{ui}

@{b}                        Fromme Wünsche@{ub}

 Abschiedsworte können belastet sein durch Gefühle, Verlegenheiten oder
 Selbstverständlichkeiten.Wie ist Paulus mit der langen und weiten
 Entfernung zwischen sich und den Bekannten in Korinth fertiggeworden? Sein
 Brief muß eine persönliche Begegnung ersetzen. Dazu wird er überbracht.
 Alle Mahnungen des Briefes faßt das Schlußwort noch einmal zusammen, Aber
 sie sind eingefaßt von den Worten "Freude" und "Friede". Die Freude wächst
 aus der Begegnung mit dem lebendigen Christus, und der Friede ist die
 bleibende Verbindung mit ihm. Der Schlußsatz enthält vieles für die Zukunft
 der Christen in Korinth. Den Rat, sich mit dem "heiligen Kuß" zu grüßen,
 möchten manche allerdings als etwas zu Intimes am liebsten aus der Bibel
 weglassen. Die katholische Kirche hat in ihrer Abendmahlsfeier den
 Friedensgruß beibehalten. Aber den Brauch, diesen Gruß mit einem Kuß zu
 betonen, gibt es auch in ihr nur bei Völkern, für die die jeweilige
 Bischofskonferenz das festgelegt hat. In unserer Kirche hat man zumindest
 den Friedensgruß für bestimmte Gottesdienste wieder entdeckt. Er bedeutet:
 Wir gehören zusammen in und mit dem einen Herrn. Eine Umarmung dabei oder
 auch ein Händedruck können ein Zeichen der Verbundenheit untereinander im
 Gottesdienst sein, wo sonst manche nebeneinander sitzen, als kennten sie
 sich nicht. Der dreifache Wunsch der Gnade Christi, der Liebe Gottes und
 der Gemeinschaft des Heiligen Geistes unterscheidet sich von unseren
 sonstigen Wünschen. Diese können wir nur aussprechen, ohne sie zu
 verwirklichen. Paulus ruft aber mit diesem Segenswunsch den dreieinigen
 Gott an. Es geht um drei gaben Gottes. Die Liebe zeigt sich in der Hingabe
 seines Sohnes für uns. Durch sein Opfer am Kreuz begnadet er uns. Der
 Heilige Geist aber macht die Zuwendung des Vaters und des Sohnes zu uns
 erst begreifbar und wirksam als neues Leben. Unabhängig von der Situation
 eines Abschieds oder Briefschlusses geben uns die Verse Hinweise dafür, wie
 wir anderen etwas wünschen sollten und was sie sich selbst wünschen.
 Unbequemes verschweigen wir dabei. es ist besser, alle Wünsche vor Gott zu
 prüfen. Wir sollten unsere Wünsche für die, an die wir denken, im Gebet vor
 Gott bringen. Nur durch ihn können sie verwirklicht werden.@{b}

 Herr, laß uns erst für andere Menschen beten, ehe wir ihnen etwas wünschen.
 Du weißt, was sie brauchen und was ihnen gut tut. laß das, was du für gut
 befindest, Wirklichkeit werden für sie und für uns. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Galater 1a" "Galater 1,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Galater 1,1-5@{ui}

@{b}                  Jesus Christus allein@{ub}

 Paulus hatte wieder Gemeinden gegründet. Durch die Predigt des Paulus waren
 Menschen zu Jesusjüngern geworden und so Gemeinden entstanden. Leute in der
 Provinz Galatien hatten sich seiner Botschaft geöffnet. So hatte er ihnen
 gesagt: Gott ist unser Vater im Himmel. Er schenkt uns ganz ohne jede Vor-
 und Gegenleistung seine Liebe. Jesus Christus allein ist unser Retter. Das
 macht uns frei zu einem Leben aus der Liebe. So ist unser Leben heil. So
 hat Paulus gepredigt, und so haben es die Menschen geglaubt, die sich in
 den Gemeinden zusammenfanden. Da kommen nun andere Prediger in die
 Gemeinden. Sie sagen: Paulus hat es mit seinem Evangelium euch zu billig
 gemacht. Das Heil hängt an bestimmten Vorleistungen. Ihr könnt euch eurer
 Errettung nur sicher sein, wenn ihr feste Vorschriften befolgt, wie
 Beschneidung, Verehrung kosmischer Mächte, Feier kultischer Tage. Paulus
 ist bestürzt, daß die Gemeinden diesen Leuten ihr Ohr schenken. So nimmt er
 mit seinem Brief den Kampf um die Herzen und den Kampf um die Herzen und
 den Glauben der Gemeinden auf. Sie sollen sich darüber klar werden, was auf
 dem Spiel steht. Deswegen wendet er schon am Anfang des Briefes ein
 ungewöhnliches Mittel an. Den allgemein üblichen Briefanfang und Gruß (so
 bei den Briefen nach Rom und Korinth) erweitert er. Die Leser merken auf.
 Unser Herr Jesus Christus allein ist die Errettung. Gott, unserem
 himmlischen Vater, allein sei Ehre zu allen Zeiten! Schon bei der Begrüßung
 kommt Paulus zur Sache. Um die Freiheit des Christen geht es in allem, was
 er schreibt. Verbürgt ist sie allein durch Jesus Christus.@{b}

 Gott, unser himmlischer Vater, durch nichts haben wir deine Liebe verdient.
 Dein Wille über uns ist, daß wir frei werden, in der Liebe zu leben. Laß
 uns dankbar annehmen, was Jesus Christus für uns tat. Amen.@{ub}


@{i}                     Galater 1,1-5@{ui}

@{b} Jesus Christus hat sich selbst für unsere Sünden dahingegeben, daß er
 uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes,
 unseres Vaters.@{ub}  Gal 1,4

 Welches Fundament trägt unser Leben? Worauf können wir bauen? Ist es das,
 was wir leisten und zustande bringen? Wohl kaum. Denn oft müssen wir schon
 zu Lebzeiten erfahren, wie wieder zerfällt, was wir geschaffen haben.
 Sollen wir uns statt dessen auf gute Werke verlassen: daß wir anderen
 helfen, treu beten und den Gottesdienst besuchen? Die Christen in Galatien
 waren von zugereisten Predigern "aufgeklärt" worden, daß ihrem Christsein
 noch wesentliche Dinge fehlten. Sie müßten sich beschneiden lassen und
 überhaupt das jüdische Gesetz halten. Nur dann käme ihnen das Erlösungswerk
 Christi zugute. Dagegen wandte sich der Apostel mit einer Schärfe, die
 überrascht. Paulus hatte ganz gewiß nichts gegen Gebet und
 Gottesdienstbesuch, er hatte ganz gewiß nichts gegen Taten der Liebe, die
 aus dem Glauben erwachsen. Aber die Grundlage unseres Glaubens erwachsen.
 Aber die Grundlage unseres Glaubens und Lebens ist allein Christus, der für
 unsere Sünden und zu unserer Rettung am Kreuz gestorben ist. Das ist das
 Fundament, das unser Leben trägt.
                                                                   V-K



@ENDNODE
@NODE "Galater 1b" "Galater 1,6-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Galater 1,6-9@{ui}

@{b}                Empörung statt Danksagung@{ub}

 Paulus hatte in seinen Briefen die Gepflogenheit, nach der Begrüßung eine
 Danksagung an Gott zu schreiben. Dabei dankte er Gott für den Glauben, die
 Liebe und die Treue der Gemeinden, an die er gerade schrieb. Nicht so lesen
 wir es hier. Statt der üblichen Danksagung finden wir hier eine unverholene
 Empörung. Was sich in Galatien  tut, ist Abfall zu einer lehre, die kein
 Evangelium ist. der Briefanfang gipfelt in einem doppelten Fluch. Paulus
 kämpfte um die Herzen der Christen in seinen Gemeinden. Als Rundbrief
 geschrieben sollen es alle lesen: Werdet wach! Merkt, was mit euch
 geschieht! Nicht jeder, der euch von Jesus redet, nicht jeder, der den
 Namen Christus im Munde führt, ist ein Botschafter Gottes. Ich, Paulus,
 habe mir meine Aufgabe nicht selber gesucht. Gott hat mich berufen. Er hat
 einen völlig neuen Menschen aus mir gemacht. Und das alles allein aus
 Gnade! Mit Temperament kämpft Paulus, und er nimmt kein Blatt vor den Mund.
 es gilt, die Gemeinden vor Verirrungen zu bewahren. Es geht auch um seine
 Autorität als Apostel. Sein ganzes neues Leben ist angefragt. Darin liegt
 aber die große Befreiung, die er an sich selber erleben durfte. Was macht
 die Leute in Galatien so anfällig für die Uberredungen der anderen? Es
 liegt unserer menschlichen Art wohl doch näher, Ansprüche nur auf Grund von
 Leistung zu erheben. So ist unser ganzes Leben aufgebaut. Es geht uns gegen
 den Strich, ganz unverdient das leben geschenkt zu bekommen. Aber darin
 liegt das Evangelium. Und dabei muß es bleiben!@{b}

 Gott, himmlischer Vater, laß uns nicht in die Irre gehen. Dein Wort soll
 uns Wegweisung bleiben. Wir leben aus deiner Zuwendung zu uns. Hilf uns zu
 einem Leben, das aus der Freude an dir kommt. Amen.@{ub}


@{i}                  Galater 1,6-9@{ui}

@{b} Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein
 Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.
@{ub} Gal 1,9

 Es gehört fast eine selbstmörderische Absicht dazu, wenn sich jemand beim
 Rot der Verkehrsampel über die Kreuzung wagt. Haltesignale und Warnzeichen
 übersieht man nicht ungestraft. Das leuchtet jedem ein. Und doch gibt es
 Menschen, die geben sich hierin sehr lässig. "Mir passiert schon nichts."
 Eine vergleichbar selbstmörderische Tat ist es, wenn jemand das Evangelium
 so zurechtzimmert, wie es ihm oder anderen gerade paßt. Zum Beispiel ein
 Evangelium vom "lieben Gott", das die Sünde verharmlost, ein Evangelium,
 das am Kreuz Christi vorbeigeht und dem Menschen zutraut, in der Besinnung
 auf die eigenen Kräfte den Weg zum heil zu finden. Es gibt viele
 Möglichkeiten ein anderes Evangelium zu predigen als das, das uns im Neuen
 Testament bezeugt wird. Doch die Wirkung ist jedesmal dieselbe. Wir leiten
 dadurch uns und andere in die Irre anstatt zu dem Gott, der leben gibt.
 Kein Wunder, daß Paulus in diesem Punkt keinen Spaß versteht. Niemand kann
 das, dem es um Gott und das Heil der Menschen Ernst ist.
                                                                 V-L



@ENDNODE
@NODE "Galater 1c" "Galater 1,10-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Galater 1,10-24@{ui}

@{b}                 Das eigene Leben als Zeugnis@{ub}

 Ein Kapitel Biographie des Apostels haben wir gelesen. Paulus beschreibt
 Stationen seines Lebens, um die Wahrheit des Evangeliums zu bezeugen. Das
 Evangelium, das von ihm gepredigt wird, ist die Kraft seines eigenen
 Lebens. "Ihr habt gehört von meinem früheren Leben, ihr erlebt mich jetzt."
 Die Umkehr von einem Christenverfolger zu einem Christusverkünder ist
 sichtbare Wirklichkeit des Evangeliums von der unverdienten Gnade Gottes.
 Evangelium ist nicht eine Botschaft allein, sondern in der Folge erfahrbare
 Neugestaltung des Lebens. Verkündigung und eigene Lebenspraxis sind zwar
 nicht identisch, aber sie sind auch nicht willkürlich voneinander zu
 trennen. Der Zeuge steht mit seinem Leben als Beispiel. Zugänge zum Glauben
 und zur Gemeinde sind unterschiedlich. Aber von besonderer Bedeutung sind
 Biographien, an denen ablesbar ist, wie die Kraft des Evangeliums Leben
 gestaltet. So hört man manchmal sagen: Für meinen Weg zur Gemeinde war die
 Begegnung mit einem bestimmten Menschen ganz wichtig. An ihm habe ich
 gespürt, wie sein Glauben sein Leben geprägt hat. Die Biographien der
 Menschen sind unterschiedlich. So haben auch Paulus und die Apostel in
 Jerusalem jeweils ihre eigene Glaubensgeschichte. Aber gemeinsam sind ihre
 Lebenswege darin, daß sie gelebtes Evangelium sein wollen. Das trifft zu,
 wenn andere angesichts ihres Lebens dazu kommen, Gott zu preisen.
 Vielleicht brauchen wir mehr Menschen, die von sich erzählen, wie das
 Evangelium ihr Leben bestimmt. Dann werden andere zum Glauben kommen und
 Gott preisen. Wir können, wenn Gott es uns gibt, für andere Menschen Helfer
 auf dem Weg zum Glauben werden.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir für alle Menschen, die sich mit ihrem
 Leben offen zu dir zu bekennen. Wir bitten um Vergebung für alles Versagen
 bei uns. Laß andere auch über unser Leben zu einem Lobpreis für dich
 kommen. Amen.@{ub}


@{i}                      Galater 1,10-24@{ui}

@{b} Ich habe das Evangelium nicht von einem Menschen empfangen oder
 gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi.@{ub}  Gal 1,12

 Man lernt meist nur von dem, den man liebt. Es ist letztlich eine Sache des
 Herzens, ob einer durch einen anderen zu Erkenntnis und Einsicht kommt.
 Lernen hat immer viel mit Empfangen zu tun. Es ist einem Geschenk
 vergleichbar, wenn uns eine Erkenntnis aufgeht. Das ist schon im normalen
 Alltag so. Aber es trifft noch in viel stärkerem Maße zu, wenn es um das
 Evangelium geht. Das Evangelium ist die Botschaft von der Gnade Gottes, die
 wir uns selber nicht sagen können. Paulus weist darauf hin, indem er die
 Galater an die entscheidende Wende seines Lebens erinnert, die Begegnung
 mit dem auferstandenen Herrn. Wer empfangen hat, kann weitergeben. Wer von
 Christus ergriffen ist, wird anderen von Gottes grenzenlosem Entgegenkommen
 erzählen. Das ist die Offenbarung Jesu Christi: Gott schenkt uns seine
 Barmherzigkeit und Nähe. Er läßt uns sein Heil sehen. In Christus. Ohne
 unser Zutun. Über Wissen und Verstehen. Paulus hat das von Christus
 gelernt, dessen Liebe er erfahren hat und den er wiederliebt. Nur darauf
 beruft er sich.
                                                                    F.Ma



@ENDNODE
@NODE "Galater 2a" "Galater 2,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Galater 2,1-10@{ui}

@{b}                      Im Glauben eins sein@{b}

 Der Apostel Paulus, begleitet von Barnabas und Titus, begibt sich zum
 Apostelkonzil nach Jerusalem. Dort trifft er sich mit den führenden
 Vertretern der Gemeinde Jerusalems: Jakobus, Petrus und Johannes. Dieses
 Treffen ist ein Ereignis von großer Tragweite. Am Schluß geben sich alle
 Beteiligten als Zeichen brüderlicher Verbundenheit in dem einen Auftrag
 Ihres Herrn Jesus Christus die Hand. Ein über viele Jahre schwelender
 Konflikt ist beendet. Was war vorausgegangen? Als sich die ersten
 christlichen Gemeinden im jüdischen, aber auch im nichtjüdischen Gebiet
 bildeten, gab es unterschiedliche Auffassungen, ob Nichtjuden, die den
 christlichen Glauben angenommen hatten, zum Judentum übertreten müßten oder
 nicht. Paulus verneinte es, einige judenchristliche Vertreter jedoch
 forderten es. Das war der Konflikt. Im Apostelkonzil einigte man sich, daß
 Juden wie Nichtjuden, die den christlichen Glauben angenommen hatten, in
 dem Glauben an ihren gemeinsamen Herrn Christus eins seien. Allein das
 Evangelium, die gute Nachricht der Liebe Gottes zu den Menschen, verbindet
 uns trotz aller Unterschiede miteinander. Auch in Konfliktsituationen
 bleibt das Evangelium das einigende Band zwischen Christen. Spannungen und
 Konflikte bleiben auch heute zwischen einzelnen Menschen und Gruppen
 innerhalb unserer Gemeinden nicht aus. Aber die Liebe, als das einigende
 Band unter Christen, ermöglicht und fördert Gemeinschaft. So können
 Spannungen ausgehalten werden, ohne daß sie einander tödlich wirken.@{b}

 Herr, gib uns Mut und innere Freiheit, andere Meinungen ernst zu nehmen und
 gelten zu lassen. Befreie uns davor, immer recht behalten zu wollen. Laß
 uns bewußt zum Frieden beitragen. Amen.@{ub}


@{i}                      Galater 2,1-10@{ui}

@{b} Ich zog aber nach Jerusalem und besprach mich mir ihnen über das
 Evangelium, das ich predige unter den Heiden, damit ich nicht etwa
 vergeblich liefe oder gelaufen wäre.@{ub}  Gal 2,2

 Vierzehn Jahre sind seit dem ersten Besuch des Paulus in Jerusalem
 vergangen. Paulus hat in der Zwischenzeit eigenständig gearbeitet - aber er
 war kein Einzelgänger. Jetzt unternimmt er die Reise nicht um seinetwillen.
 Das Evangelium ist ihm die Reise wert. Es geht ihm darum, die Einheit der
 Gemeinde Jesu zu wahren. Paulus folgt nicht seinen eigenen Plänen und
 Gefühlen und Gefühlen, sondern er läßt sich von Jesus führen. Und Jesus
 schickt ihn zu den Brüdern. Ein "Apostelkonzil" findet statt. es geht um
 die Frage: Ist das Gesetz auch für die Heidenchristen verbindlich? Obwohl
 Paulus sich seiner Sache sicher ist, sucht er das Gespräch. Er will sich
 nicht gegen Petrus, Jakobus, Johannes oder anderen ausspielen lassen. Für
 sich braucht er die Bestätigung nicht. Er denkt an die Schwachen, die durch
 die Frage nach dem Gesetz verunsichert werden. Darum geht er den demütigen
 Weg der Liebe, damit Spaltung und Uneinigkeit das Evangelium nicht
 unglaubwürdig machen.
                                                               W-L



@ENDNODE
@NODE "Galater 2b" "Galater 2,11-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Galater 2,11-21@{ui}

@{b}                Leben verdankt - nicht verdient@{ub}

 Die Galater sind durch Paulus Christen geworden. Sie haben erfahren, nicht
 aus eigener Kraft ihr Leben verdienen zu müssen, sondern es allein Jesus
 Christus verdanken zu können. Plötzlich aber beginnen  sie wieder, aus
 eigenen Leistungen Gott gefallen zu wollen. Alles spitzt sich auf eine
 einzige Frage zu: Worauf verläßt sich der Mensch, wovon lebt er? Lebt er
 aus der Kraft Gottes, ist er frei, gelassen, ruhiger. Wird ohne Gottes
 Liebe gelebt, muß das Leben verdient werden. Wird aber aus ihr gelebt, kann
 sich das Leben dieser Liebe verdanken. Wir unterscheiden uns von den
 Galatern nicht. Wie oft meinen wir, Leistungen erbringen zu müssen, damit
 unser Leben an Wert gewinnt. Ergänzung unseres Glaubens durch
 Leistungszwang zerstört aber alles. Diese Krankheit zeigt sich unter uns im
 Streben nach Ehre, im Geltungsbedürfnis, im Verschweigen eigener Schwächen,
 im Suchen nach Zusatzversicherung, im eifrigen Richten über andere, in der
 Genugtuung, natürlich selbst besser zu sein. So setzen wir uns selbst unter
 Druck. Ängste und Schlafnöte sind die Folge. Nein, wir haben es nicht
 nötig, aus uns etwas zu machen, weil Christus etwas aus uns gemacht hat.
 Darin liegt allein der Wert unseres Lebens. Diese Gnade Gottes ist uns
 verbindlich zuteil geworden. Christus lebt in uns, wir leben nicht mehr
 allein. Wenn wir aus dieser Erkenntnis unser leben gestalten, glauben wir.
 So konnte Martin Luther sagen: "Wenn jemand an meines Herzens Tür klopft
 und sagt: 'Wohnt hier Luther?', dann sage ich: 'Nein, er ist gestorben.
 Hier wohnt nur Jesus Christus!'" Lassen wir uns zu diesem Glauben
 ermutigen. Er ist dann nicht fromme Beigabe, sondern Befreiung aus dem
 ständigen Kreisen um uns selbst. Gottes Liebe erwartet unsere Antwort.
@{b}
 Barmherziger Gott, vergib uns, daß wir unser leben aus eigener Kraft
 bestreiten wollen. Bitte wandle uns, damit wir dir und der Versöhnungstat
 deines Sohnes allein vertrauten. Amen.@{ub}


@{i}                    Galater 2,11-21@{ui}

@{b} Ich bin mit Christus gekreuzigt.@{ub}  Gal 2,19

 So innig, so tiefgründig bin ich mit Christus verbunden. Ist das zu fassen?
 "Ich gehöre zur Kirche", das sagt sich leichter. "Ich bin getauft. Ich bin
 Christ", das kann man verstehen. Aber "ich bin mit Christus gekreuzigt",
 das geht an die Wurzeln meines Lebens. Er, an den ich glaube, er bezieht
 mein Leben in das seine mit ein. Selbst an sein Kreuz nimmt er mich mit. Da
 läßt er mich erleiden und erleben, was ihm selber widerfährt: "Mein Gott,
 mein Gott, warum hast du mich verlassen?" - "Vater, ich befehle meinen
 Geist in deine Hände." Es ist, als bringe er mich in eine Spannung, die
 schmerzt - und heilsam ist zugleich. Ich bin mit Christus gekreuzigt.
 Vergangenes stirbt, das alte Leben, die Zeit ohne Gott geht zu Ende. Mein
 Leben bekommt einen neuen Grund: er, Jesus, der sich verbündet mit mir. Ich
 will die Spannung annehmen. Ich will loslassen, was war, die Angst, die
 Schuld, die Sorge um mich selbst. Ich will mich ausstrecken nach Gottes
 Zukunft, dem Leben in seiner Gemeinschaft. Ich will Hoffnung wecken und
 Liebe schenken in seiner Kraft. Denn ich bin mit Christus gekreuzigt.
                                                                B-Bt



@ENDNODE
@NODE "Galater 2c" "Galater 2,16-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Galater 2,16-21@{ui}

@{b}              Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes...@{b}

 Der Text steht im Zusammenhang der Auseinandersetzung des Paulus mit Petrus
 in Antiochia, von der die vorgehenden Verse ab 2,11 berichten.Petrus hatte
 zunächst wie Paulus mit den Heidenchristen der dortigen Gemeinde
 Tischgemeinschaft gehalten und damit die Freiheit des Glaubens von den
 gesetzlichen Bindungen bekundet. Als aber einige "Jakobusleute" zu Besuch
 kamen, verleugnete er diesen Standpunkt und zog sich aus der vom
 alttestamentlichen Gesetz verbotenen und von gesetzesstrengen Judenchristen
 gemiedenen Tischgemeinschaft mit den Heidenchristen zurück. Paulus tadelt
 dieses öffentlich vor der Gemeinde als ein Tun, das das Geheimnis des
 Evangeliums verleugnet. Gottes Gnade kennt keine Vorbedingungen und keine
 Vorleistungen. Sie gilt ungeteilt allen Menschen auch bei allen
 Unterschieden der Lebensgestaltung und der Lebenshaltung. Eine
 Voraussetzung gibt es nur, die aber keine echte menschliche Vorleistung
 ist: daß Gottes Zuwendung angenommen wird! Jesus hat seine Gemeinschaft
 allen Menschen zugewandt. Er hat nicht unterschieden zwischen Juden und
 Nichtjuden, zwischen Gerechten und Sündern. Schenkend und gebend galt seine
 Zuwendung sehr unterschiedlichen Menschen. Sie erfahren nicht die Zuwendung
 eines Menschen, sondern die Zuwendung Gottes. Ihr Leben war plötzlich nicht
 mehr gnadenlos auf sich gestellt. Jesus war da und ihm Gottes Güte. In Jesu
 Gemeinschaft war Gottes Gemeinschaft da, und alle menschlichen Unterschiede
 Zwischen Juden und Heiden, zwischen Gerechten und Sündern waren überboten.
 Beschenkte, Begnadete, von Gott Angenommene waren alle; der Gesetzesbrecher
 Zachäus genauso wie der gesetzestreue Saulus von Tarsus.
 Das leben braucht Spielregeln. Kein Mensch kann der eigenen Willkür leben-
 Er muß sich der Gemeinschaft einordnen und zuordnen. Er muß verantwortlich
 leben. Aber so unterschiedlich auch das menschliche Leben ist im
 Spannungsfeld zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen gerecht und ungerecht,
 zwischen stark und schwach, Gottes zugewandte Gemeinschaft hat alle diese
 Unterschiede überboten. Gott schenkt uns seine zurechthelfende Güte als
 eine Vorgabe, die keiner beanspruchen kann. Unter dem Wort Jesu ist es
 deutlich: das von Gott uns Zugewandte ist gewichtiger als das durch das
 eigene Leben Geleistete. Wir sind die Empfangenden. Darin haben wir das
 leben und zugleich die Freiheit. Wir können das Eigene hinter uns lassen.
 Wir dürfen uns in der Tiefe des Lebens der Gnade Gottes ausliefern.@{b}

 Herr, unser Gott, laß auch mein Glaubensleben ein aufrichtiges Bekenntnis
 zu deinem Sohn Jesus Christus sein. Hilf allen, die deines Wortes Speise
 genießen, sich gemeinsam zu freuen über die Wahrheit des Evangeliums. Amen.
@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Galater 3a" "Galater 3,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Galater 3,1-14@{ui}

@{b}                  Beim guten Anfang bleiben@{ub}

 Ernst nehmen sie es schon mit ihrem Christsein, die Glieder der Gemeinden
 in Galatien. Sie möchten ganz sichergehen, daß sie nichts versäumen, was zu
 einem Leben als Christ dazugehört.Sie hatten die Botschaft von Jesus
 Christus angenommen und den Geist Gottes empfangen. Das erregt nun
 Aufsehen, weil diese neubekehrten Christen nicht aus einer frommen
 jüdischen, sondern aus einer heidnischen Tradition kamen und das Gesetz des
 Mose weder kannten noch beachteten. Kein Wunder, daß bald eifrige
 Gesetzesprediger auftraten, die den Galatern weismachen wollen, was sie
 noch zusätzlich tun müßten, um sich das Heil in Jesus Christus zu sichern.
 Paulus bemüht sich nun, in immer neuen Beweisgängen aus der Heiligen
 Schrift klarzumachen, daß dieser Weg ins Unheil führt. Denn das Gesetz ist
 hart und unbarmherzig. Schon die Übertretung eines einzigen Gebotes macht
 die Bemühungen zunichte, auf dem Weg religiöser Vorschriften zum Heil in
 Jesus zu kommen. Gerade, wenn wir es als Christen besonders ernst meinen,
 sind wir in der Gefahr, uns frommen Zwängen zu unterwerfen, um ganz perfekt
 in der Nachfolge Christi zu werden. Oft werden wir dabei selbstgerecht und
 überheblich gegenüber anderen Christen, die anders ihren Glauben leben.
 Vergessen wir nicht: Der Grund unseres Glaubens wird nicht durch unsere
 Bemühungen um ein möglichst heiliges Leben gelegt. Heil und Hoffnung und
 Freiheit haben wir, weil Christus unsere Unvollkommenheit, unsere
 Gottesferne, auf sich genommen hat. Wir versuchen, in unserem täglichen
 Glauben dafür dankbar zu sein.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du uns ein neues Leben schenkst.
 Laß uns dieses Geschenk fröhlich annehmen. Hilf uns, daß wir in unserem
 alltäglichen Leben dir mit Wort und Tat dafür danken. Amen.@{ub}


@{i}                   Galater 3,1-14@{ui}

@{b} Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten unter euch, tut
 er's durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?@{ub}
 Gal 3,5

 Paulus ruft die Gemeinden in Galatien zu ihrem Ursprung zurück. Er fragt
 die Galater: Wie war das denn damals, als ich bei euch das Evangelium
 predigte? Da habe ich euch Christus als den Gekreuzigten vor Augen gemalt.
 Seine Liebe zu uns Sündern, sein Opfertod, der all unseren Hochmut und
 Dünkel, aber auch all unsere Angst und Verzweiflung durchkreuzt, das war
 die Mitte meiner Predigt. Zu dieser Liebe faßtet ihr Vertrauen. Auf diese
 Liebe hin wagtet ihr wie Abraham den Auszug in ein neues Land, das Land des
 Glaubens. Und Gottes Geist geleitete euch, erwies seine Kraft in eurem Tun
 und leiden. Habe ich denn je davon gesprochen, daß erst das Gesetz erfüllt
 werden muß, ehe Gott euch annimmt? War das nicht der Grund unserer Freude,
 daß Gott uns um Christi willen seine Gerechtigkeit schenkt? Orientiert euch
 doch wieder an der Predigt vom Glauben, traut dem Geist, der euch verliehen
 ist. So wird der Segen, der dem glaubenden Abraham verheißen war, auch über
 eurem Leben stehen.
                                                               S-N

@ENDNODE
@NODE "Galater 3b" "Galater 3,15-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Galater 3,15-18@{ui}

@{b}                     Es geht um Christus@{ub}

 Die Bibel ist in unseren Tagen wieder ein interessantes und begehrtes Buch
 geworden. Man kann sie mit sehr verschiedenen Augen lesen: als ein Dokument
 der Weltliteratur oder als religiöses Werk aus grauer Vorzeit. Man kann die
 Bibel als Quelle historischer Erkenntnis über den Vorderen Orient benutzen;
 man kann, etwa in Luthers Übersetzungen, ihre unvergleichlich bildhafte
 Sprache bewundern. Dennoch will die Bibel mehr sein. Sie gibt Zeugnis
 davon, welche Erfahrung Menschen mit Gott Menschen beruft und begleitet,
 wie sie daran scheitern und neu anfangen. Und dies alles zielt auf den
 Menschen Gottes, der auf dieser Erde gelebt hat, Jesus von Nazareth, der
 Christus. So versteht Paulus seine Bibel, für uns freilich in oft
 ungewöhnlicher Beweisführung: Abraham hatte keine besondere Verdienste.
 Dennoch beruft ihn Gott zum Träger des Heils für die Menschen. Entscheidend
 ist, daß er hört, gehorcht, sich auf den Weg ins Unbekannte macht und
 darauf vertraut, daß der Weg zum Ziel führt. Mit anderen Worten: Er glaubt,
 und wer glaubt, empfängt ein reiches und gesegnetes Leben. Dieser Segen,
 der durch Abrahams Nachkommen zu allen Menschen kommen will, wird von
 Christus ausgehen. Er ist der wahre Sohn Abrahams. Allein um ihn geht es
 nun, wenn die Heilige Schrift ausgelegt wird. Christus beruft Menschen zu
 einem heilen Leben, zu dem sie umkehren dürfen. An Abraham und manchen
 anderen Menschen, und nicht nur in der Bibel, lernen wir, wie es eine
 Aufgabe für Christen bleibt, Heil und Segen in ihrer Welt zu verbreiten.
@{b}
 Herr, du stellst uns vor große Aufgaben. Wir sollen in diese Welt, die wir
 oft so schlecht behandeln, Heil und Segen von Jesus Christus tragen. Wir
 danken dir, daß du uns zu dieser Aufgabe Kraft und Mut geben willst. Amen.
@{ub}


@{i}                        Galater 3,15-18@{ui}

@{b} Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Man habt doch das
 Testament eines Menschen nicht auf, wenn es bestätigt ist, und setzt auch
 nichts dazu.@{ub}  Gal 3,15

 Paulus bringt ein Beispiel aus dem menschlichen Leben. Damit zeigt er den
 Galatern, daß Gottes Verheißung an Abraham nicht durch erst viel später
 gegebene Gesetze des Moses ungültig geworden sind. Nicht einmal ein
 menschliches Testament kann von einem anderen durch Zusätze verändert oder
 aufgehoben werden. Das gilt erst recht für Gottes "Testament", für seine
 Verheißungen,, die er einst Abraham gegeben hat. Darin verfügt er, daß ein
 einziger Nachkomme Abrahams der Erbe ist: Jesus Christus. Nur durch ihn,
 nicht durch das Gesetz, erlangen wie die "Erbschaft" Gottes, seine Gnade
 und sein Heil. Paulus kann es nicht anders verstehen: Was Gott damals dem
 Abraham zugesagt hat, das hat er schon im Blick auf Jesus Christus
 versprochen. Jesus Christus ist die Erfüllung des Willens Gottes, seine
 Gabe an uns alle. Deshalb erhalten wir allein durch den Glauben an Jesus
 Christus Anteil an dem wahren Leben, das Gott uns schenken will; so sind
 wir Miterbe Jesu.
                                                                    W-Nü

@ENDNODE
@NODE "Galater 3c" "Galater 3,19-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Galater 3,19-29@{ui}

@{b}                    Freiheit durch den Glauben@{ub}

 Es war von den Christen in Galatien nicht leicht zu verstehen, daß ihnen
 durch den Glauben an Christus die zermürbende Sorge genommen war, den
 religiösen Pflichten pünktlich nachzukommen, um die Gottheit gnädig
 zustimmen. Es leuchtet ihnen daher schnell ein, was streng-konservative
 judenchristliche Wanderprediger fordern: "Paulus hat euch nicht die ganze
 Wahrheit gesagt. Ihr müßt auch eine ganze Menge Bestimmungen einhalten,
 wenn ihr rechte Christen sein wollt." Als der Apostel das erfährt, wehrt er
 sich mit ganzer Kraft, um die Irrtümer richtigzustellen. "Wer auf Christus
 getauft ist", so argumentiert er, "der hat Christus angezogen." Er ist zur
 Freiheit des Glaubens berufen. Wer so zu Christus gehört, der ist Kind
 Gottes. Er ist wie Christus ein Nachkomme Abrahams. Er ist berufen, die
 Verheißung des Heils, die allen Menschen gilt, in diese Welt zu tragen. Er
 ist Erbe des wahren Lebens. Wer sich taufen ließ und nun zu Christus
 gehört, der erfährt, daß in der Gemeinde der Christen die diskriminierenden
 Unterschiede zwischen den Menschen aufgehoben sind. Jeder hat den gleichen
 Zugang zu Gott, ob Mann oder Frau, aus welcher sozialen Schicht oder
 religiösen Tradition er auch kommen mag. Fromme Sitten und Gewohnheiten,
 die wir auch heute, wenn auch nicht in der Schärfe jener Zeit, kennen, sind
 deshalb nicht ohne Wert. Sie sind Geländer zum Festhalten,
 Gedächtnisstützen, aber nicht die Sache selbst. Unsere einzige Bindung ist
 die Verbindung mit Jesus Christus im Glauben. Das macht uns frei und
 schenkt uns ein Leben ohne Furcht.@{b}

 Wir danken dir, Herr Jesus Christus, daß du uns von abergläubischer Furcht
 und religiösen Gesetzen frei gemacht hast. Du öffnest uns allen den
 gleichen Zugang zu Gott. Laß dies unter uns wirksam werden, das bitten wir.
 Amen.@{ub}


@{i}                      Galater 3,19-29@{ui}

@{b} So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit
 wir durch den Glauben gerecht würden.@{ub}  Gal 3,24

 Ein Zuchtmeister verbreitet Angst. Man kann ihn nicht wirklich lieben. Man
 kann ihn nur fürchten. Er mobilisiert die Kräfte durch Drohungen. Er gibt
 zu verstehen: Wenn du nicht leisten kannst, was du sollst, wirst du Schmerz
 zu spüren bekommen. Du mußt dich durch deine eigene Anstrengung erretten.
 So erscheint dem Apostel Paulus im Rückblick die Zeit "unter dem Gesetz".
 Vor Damaskus aber hat er seine Bekehrung zum Glauben an den lebendigen
 Christus als eine große Befreiung erfahren, als Entlastung vom Druck des
 Gesetzes, von unerfüllbaren Forderungen. Nun lebt er aus dem Glauben, aus
 dem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Treue. Unsere Welt ist heute
 voller Zuchtmeister. darum gibt es so viele überforderte Menschen. Ihnen
 wird vorgehalten: Du mußt dein Leben durch deine eigene Kraft glücklich
 machen. Und wenn du es nicht schaffst, wirst du fallengelassen. Christus
 ist nicht wie ein drohender Zuchtmeister. Er hebt den Elenden aus dem Staub
 und schenkt ihm sein eigenes Leben. So sind wir ihm recht. Im Vertrauen auf
 seine Gnade.
                                                                K-B


@ENDNODE
@NODE "Galater 4a" "Galater 4,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Galater 4,1-7@{ui}

@{b}            Die Sendung des Sohnes qualifiziert die Zeit@{ub}

 Mit der Mehrheit der Menschheit zählen wir die Jahre nach der Geburt
 Christi: (1990!) Seit der Sendung des Sohnes ist die Zeit, auch unsere
 Lebenszeit, qualifiziert. Es ist wie in der Mathematik: Auf das Zeichen vor
 der Klammer kommt es an. Unser Vorzeichen aber ist das Kreuz Jesu Christi.
 Damit wird der Wert unseres kurzen Lebens bestimmt. Es kann nun nicht
 sinnlos sein. Nein, es ist erfüllt, bis an den Rand erfüllt mit Christus,
 um den sich nun alles dreht. Er ist die Mitte, das Zentrum der Geschichte
 und auch unseres Lebenslaufes! Gott hält sich hier nicht raus. Nein, er
 mischt sich kräftig ein. Er wird geboren wie wir, wahrscheinlich unter
 dürftigeren Umständen. Von Geburt an ist Jesus dem Gesetz unterworfen. Die
 Anordnung der römischen Regierung zwingt seine Eltern zu dem langen,
 mühsamen Weg, von Nazareth nach Bethlehem. Dabei geht es dem Kaiser nur ums
 Geld, um die Steuern. Jesus genoß also keinerlei Vorzüge oder Privilegien.
 Er war ganz Mensch, kein Halbgott, kein Superstar. Durch das Gesetz wurde
 er angeklagt und nach dem Gesetz hingerichtet. Das Gesetz sagt uns zwar,
 was wir zu tun und zu lassen haben, wir kennen die Gebote, aber wir tun sie
 nicht. Aber Jesus erfüllt das Gesetz, hält die Gebote, damit wird er Gott
 gerecht. Aber er behält diese seine selbst erworbene Gerechtigkeit nicht
 für sich, sondern schenkt sie uns. Nun gelten wir als die vor Gott
 Gerechten und haben doch gar nichts dazu getan. Damit gehören wir trotz
 unseres Ungehorsams voll zur Familie Gottes und dürfen zu ihm kindlich
 rufen: "Lieber Vater!"@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du unser Bruder geworden bist.
 Damit hat unser Leben, das oft so leer ist, Sinn und Erfüllung gefunden.
 Nun können wir mit Gott als unserem lieben Vater reden. Gib, daß wir das
 täglich tun. Amen.

            Glaubensbekenntnis in unserer Zeit@{ub}           Gedicht
               Ich glaube an Jesus.
               Damit meine ich:
               Ich glaube, daß ich geliebt bin.
               Darum weiß ich:
               Ich werde nicht abgelegt, nicht weggeworfen,
               sondern ich werde bewahrt -
               in Trauer und Schmerz, in Schwachheit und Versagen,
               in Scheitern und Sterben
               komme ich nicht um.
               Ich bin unersetzlich.
               Darum habe ich den Mut,
               mit ganzem Einsatz zu leben und zu lieben.
               @{i} Aus "Bekenntnisse des Glaubens"


                           Galater 4,1-7@{ui}

@{b} Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in
 unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!@{ub}  Gal 4,6

 Lieber Vater! Was für eine vertrauensvolle Anrede, mit der wir dem
 Allmächtigen begegnen dürfen. Welch ein Vorrecht, Gottes Kind zu sein. "Wir
 stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel",
 heißt es bei Matthias Claudius. Wie ist es möglich, daß wir trotzdem Gottes
 liebe Kinder sind? Weil Gott seinen Sohn sandte, "als die Zeit erfüllt
 war". Gottes erfüllte Zeit brachte den Sohn, der unser Bruder wurde und uns
 zu Kindern Gottes machte. Und seinen Kindern hat Gott den Geist des Sohnes
 in die Herzen gesandt. Dieser bezeugt, daß wir Gott gehören. Jetzt dürfen
 wir "lieber Vater" zu ihm sagen. Mit diesen beiden Worten sind wir dem
 Herzen Gottes nahe. Wir können ihm alles sagen, was uns bewegt. So wollen
 wir ihm danken für alle guten Gaben, ihn bitten in all unseren Fragen und
 Nöten, ihn loben und preisen für das ewige Heil, das jetzt schon unsere
 Tage mit Freude erfüllt und sich einst in Herrlichkeit vollenden wird.
                                                                 B-B
               @{b}Großer Gott, ich bin dein Kind@{ub}           Gedicht
                   Großer Gott, ich bin dein Kind,
                   freu mich deiner Gnade!
                   Herr, in deinen Händen sind
                   alle meine Pfade.
                   Du bist selbst der Anbeginn,
                   du bist Ziel und Ende.
                   Herr, mein Weg führt zu dir hin,
                   daß er sich vollende!


                @{b}In Gottes Hand@{ub}
                   Aus deiner Hand kommt alle Gabe,
                   aus deiner Hand auch der Verzicht.
                   Mein Vater, wenn ich dich nur habe,
                   wird jede Dunkelheit zum Licht.
                   Du lenkst und leitest meine Pfade,
                   zerstörst mir oft, was ich ersann,
                   damit die Sonne deiner Gnade
                   nur um so heller leuchten kann!
                                               Albert Bartsch




@ENDNODE
@NODE "Galater 4b" "Galater 4,4-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Galater 4,4-7@{ui}

@{b}                  Gottes Weihnachtsgeschenk@{ub}

 Endlich ist Weihnachten, das schönste Fest des ganzen Jahres! Nach Wochen
 zusätzlicher Belastung kehrte für viele gestern Abend nach langer Zeit
 wieder einmal Besinnung ein. Wir haben andere beschenkt worden. De erste
 Feiertag gibt gute Gelegenheit, die Geschenke in aller Ruhe zu betrachten
 und sich an ihnen zu freuen. Gottes Weihnachtsgeschenk für uns sehen wir
 nicht auf dem Tisch zwischen den anderen Geschenken. Er hat es uns in unser
 Herz gelegt. Es ist ein Geschenk, mit dem er zu uns persönlich eine neue
 Beziehung aufbaut. Davon erzählen die Verse aus dem Galaterbrief. Sie
 berichten von drei zusammenhängenden Weihnachtsgeschenken Gottes an uns.
 Das erste Geschenk: Jesus kommt zu uns Menschen. Er wird einer von uns und
 bürdet sich unser gottfernes Leben stellvertretend auf. Er wird, was wir
 sind, damit wir werden, was er ist. Wir werden zu Kindern eines Vaters, der
 uns unendlich liebt.
 Das zweite Geschenk: Genauso, wie Jesus mit Gott jederzeit redet und zu ihm
 ruft, genauso dürfen wir es tun. Wir dürfen so uneingeschränkt, so
 bedingungslos, und so erwartungsvoll, wie Jesus betete, auch beten. Wir
 lesen hier die vertrauliche Anrede an Gott, die Luther mit "lieber Vater"
 Übersetzte.
 Das dritte Geschenk: Gott bleibt nicht dabei stehen, uns zu seinen Kindern
 zu ernennen, die mit ihm jederzeit wie mit einem guten Vater reden können.
 Er geht in seinem Schenken unbegreiflicherweise noch weiter. Zu Erben setzt
 er uns ein. Er billigte uns das Recht zu, allezeit im Leben und noch danach
 bei ihm zu sein, bei ihm einen Platz zu haben. Wir vergleichen alle
 vorstellbaren Weihnachtsgeschenke mit diesen drei unvergänglichen
 "Weihnachtsgeschenken" Gottes: Jeder Glaubende ist ein freies Kind und sein
 uneingeschränkter Gesprächspartner, dem verbindlich ein Platz bei ihm
 freigehalten wird.
 Diese drei Geschenke Gottes zum Weihnachtsfest für uns persönlich sind uns
 unendlich wertvoll. Wir können uns daran freuen. Aller Aufwand, das
 Weihnachtsfest vorzubereiten und Geschenke zu besorgen, sollen das Geschenk
 Gottes, den Anlaß, Weihnachten zu feiern, nicht verdecken. Gott hat eine
 neue Beziehung zu uns geknüpft. Halten wir sie fest! Wir sind von ihm so
 reich beschenkt. Gott sei Dank! Deshalb ist Weihnachten ein schönes Fest,
 auch wenn mancher diese Schönheit erst entdecken muß.@{b}

 Barmherziger Gott, wir danken dir, daß wir deine Kinder sind. Wir freuen
 uns, offen mit dir reden zu können. Gib uns wache Sinne, daß uns in diesen
 Festtagen nichts anderes deine Geschenke vergessen läßt. Laß uns neu aus
 ihnen leben, dankbar, erlöst und erwartungsvoll. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Galater 4c" "Galater 4,8-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Galater 4,8-20@{ui}

@{b}              Vorsicht vor Rückfall in den Aberglauben@{ub}

 Wir wissen aus eigener Erfahrung: Mit dem Rückfall wird die Krankheit
 schlimmer als vorher, zum Beispiel bei einer Grippe! Mit dem Glauben ist es
 ähnlich. Wer Christus vertraut, kann nicht auf Holz klopfen und dreimal
 "toi, toi, toi" murmeln. Die Galater waren vom Evangelium begeistert
 gewesen. Sie hatten den Apostel aufgenommen wie einen Engel Gottes. Dabei
 war er ein kleiner, kranker Mann. Doch daran hatten sich die Christen nicht
 gestoßen. Hauptsache war, daß die gute Nachricht, das Evangelium, mit
 Paulus angekommen war. Wichtiger als der Bote war ihnen die Botschaft
 gewesen. Weil Paulus ihnen die frohe Botschaft gebracht hatte, hatten sie
 ihn sehr lieb. Doch war ihr Glaube nur eine Modeerscheinung? Mal was
 anderes? War ihre Liebe nur Strohfeuer? Paulus ist enttäuscht über das, was
 er jetzt aus Galatien zu hören bekommt. Sie leben wieder wie vorher. Sie
 halten sich ängstlich an Vorschriften, die Gebundenheit an Naturmächte. Sie
 leben wie andere auch, ängstlich und beflissen, aber ohne die Weite und
 Großzügigkeit des Herrn, der uns befreit hat.
 Kennen wir das nicht auch? Es gibt Christen, deren Glauben ähnelt einer
 abgestandenen Arznei, die sie anderen anbieten. Aber die schütteln sich und
 weigern sich, diese Art von Medizin einzunehmen. Unser Glaube ist der Sieg
 über alle kleinliche Gesetzlichkeit und alle kirchlichen
 Absonderlichkeiten. Geben wir Raum und Freiheit, weil unser Herr freie und
 frohe Mitarbeiter haben will.@{b}

 Herr, du hast uns befreit von der Illusion, uns selber zu helfen oder zu
 verwirklichen. Bewahre uns davor, daß wir andere Menschen mit unserem
 Mäkeln und Kritisieren quälen. Amen.@{ub}


@{i}                      Galater 4,8-20@{ui}

@{b} Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid,
 wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu?
@{ub}  Gal 4,9

 Wenn ein heranwachsendes Kind sich plötzlich wieder wie ein Baby benimmt,
 liegt eine besorgniserregende Störung vor. Paulus beobachtet das innere
 Wachstum der Gemeinden in Galatien und ist alarmiert. Statt Fortschritt
 erkennt er Rückschritte im Glauben. Er hört von Gemeindegliedern, die sich
 in ihren Diensten völlig verausgaben. So, als müßten sie sich Gottes Gnade
 erst verdienen. Er bemerkt, daß viele sich in starren Regeln und
 Traditionen flüchten, um völlig abgesichert ihr Christsein zu leben. Nur
 nichts Neues wagen! Wollten sie auch vor Gott "auf Nummer Sicher gehen"?
 Paulus stellt fest: Dieses Verhalten ist Rückfall in eine Gesetzlichkeit,
 die alles Wachstum blockiert.
 Am Anfang und Ende jedes Christenlebens steht das unfaßliche Wunder: Gott
 nimmt uns ohne alle unsere Verdienste an! Keine selbstgezimmerten Ordnungen
 müssen Gott gnädig stimmen. Es zählt nur noch ein Motiv: "Herr, wie kann
 ich dir durch mein Leben dankbar antworten?"
 Angstfrei, offen und lebendig macht diese Dankbarkeit.
                                                                  K-V



@ENDNODE
@NODE "Galater 4d" "Galater 4,21-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Galater 4,21-31@{ui}

@{b}       Biblische Beispiele für Sklaverei und Freiheit@{ub}

 Paulus kann seine Herkunft aus der rabbinischen Gelehrtenschule nicht
 verleugnen. Hier bedient er sich der uns fremden Auslegekunst, der
 sogenannten "Allegorie". Das ist eine Redeform, die dem geschriebenen
 Wortlaut noch eine andere, tiefere Bedeutung abgewinnt. In 1.Mose 16
 erfahren wir, daß Abraham auf Bitten seiner Frau Sara durch die Sklavin
 Hagar zu einem Sohn kommen sollte. Natürlich brachte diese
 Selbsthilfeaktion für alle Beteiligten Probleme und Kummer. Paulus aber
 betont hier, daß es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen dem Sohn des
 "Dienstmädchens" und dem Sohn der "Freifrau"! Die Sklavin kann nur Sklaven
 zur Welt bringen, die freie Frau dagegen freie Menschen. Beide Frauen
 stehen für zwei Ordnungen Gottes, nämlich Gesetz und Verheißung. Der Berg
 Sinai als Ort des Bundesschlusses Gottes mit seinem Volk wird überragt von
 Golgatha als der Stätte der Befreiung des Menschengeschlechtes durch den
 Opfertod Christi. Das neue Jerusalem überstrahlt das alte. Die Unfruchtbare
 bricht in lauter Jubel aus, weil Gott ihr dennoch Kinder schenkt, Kinder
 der Verheißung. Die sind wir, sofern wir uns nicht in die Freiheit des
 Buchstabens, der gesetzlichen Vorschriften verstricken, sondern in der
 Freiheit des Geistes beharren. Christenmenschen sind keine Leute, die
 ängstlich ihr Soll an religiösen Pflichten erfüllen, sondern freie Kinder
 Gottes, die aus Dankbarkeit und Liebe leben und sich so bewähren. Nur in
 der Bindung an Gott gibt es wirkliche Freiheit.@{b}

 Herr, unser Gott! Wir danken dir, daß du uns in den weiten Raum deiner
 Liebe stellst und daß deine Güte jeden Morgen neu ist. Laß uns auch mit
 unseren Mitmenschen so großherzig umgehen wie du mit uns. Amen.@{ub}


@{i}                         Galater 4,21-31@{ui}

@{b} So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der
 Freien.@{ub}  Gal 4,31

 Eine Sklavin (die Lutherbibel gebraucht hier das Wort Magd) verhält sich
 anders als eine freie Frau. Denn die Sklavin muß gehorchen. Ein Mensch
 aber, der immer nur gehorchen muß, wird unsicher, ängstlich, unterwürfig,
 schmeichlerisch. er ist unfähig, selber zu entscheiden. er braucht
 jemanden, der ihm sagt, wo es lang geht. Demgegenüber ist die freie Frau
 selbstgewiß und verantwortungsbereit. Sie hat gelernt, die die ihr
 anvertrauten Menschen einzustehen, sie zu schützen und zu lieben. Das
 unterschiedliche Verhalten einer Sklavin und einer "Freifrau" überträgt
 sich auch auf die Kinder. Kinder können ihre Herkunft nicht verleugnen,
 auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Paulus gebraucht dieses Bild für
 das Verhalten der Christen. Sie sind Kinder der Freifrau Sara und nicht der
 Sklavin Hagar, weil Christus sie in den Bund aufgenommen hat, der mit der
 Verheißung an Abraham und Sara seinen Anfang genommen hat. Als Kinder der
 freien können wir für unsere Nächsten sorgen und brauchen uns nicht in der
 Sorge um uns selbst zu verzehren.
                                                                 M-S

@ENDNODE
@NODE "Galater 5a" "Galater 5,1-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Galater 5,1-15@{ui}

@{b}                    Zur Nächstenliebe befreit@{ub}

 Paulus hörte, wie einige forderten, auch Christen müßten sich wie Juden
 beschneiden lassen. Dadurch sah er die neugewonnene Freiheit bedroht, die
 Jesus Christus auch den gerade erst getauften Heidenchristen schenkt.
 Allein aus Gnade, die uns allen Christus schenkt, sind wir Gottes erlöste
 Kinder. Was soll da noch das jüdische Bundeszeichen der Beschneidung?
 Paulus fordert hier zu einem klaren Entweder-Oder auf. Das tut er mit einem
 bissigen, witzigen Wortspiel. Paulus tut so, als ob er sich verspricht, und
 sagt statt beschneiden "verschneiden", also kastrieren. Es klingt wie ein
 derber Witz, wenn er sagt: Sollen die, die euch beschneiden wollen, sich
 doch selbst verschneiden lassen. Er meint wohl, daß die, die ihre
 Mitchristen so behandeln, als ob es Christus gar nicht gäbe, besser keine
 Nachfahren haben sollten. Solche Mitchristen sollte es fernerhin besser
 nicht mehr geben. Gottes Gnade, nämlich alles, was Christus für uns tat,
 würden wir dadurch entwerten, daß wir meinten, außer der Taufe brauchen wir
 noch Zusatzanstrengungen von uns aus, um das Heil zu erlangen. Die
 Erfüllung von religiösen Vorschriften in einem angestrengt frommen Leben
 bringt uns nicht die Gnade. Wer aber will Christus verlieren und aus der
 Gnade fallen? Gnade und heil werden uns wirklich nur durch Christus
 geschenkt. Stolz auf ein tüchtiges Leben hilft uns nicht. Gutes zu tun und
 gerecht zu sein erwartet der Herr allerdings von uns. Aber es darf uns
 nicht selbstgerecht machen. Wir können keine Forderung Gottes vollkommen
 erfüllen. Aus dem Glauben an Christi Liebe kommt erst unsere Nächstenliebe.
@{b}
 Herr, wir danken dir für die Freiheit, die du uns durch dein Wort und durch
 deinen heiligen Geist schenkst. Wir bitten dich: Hilf uns, diese Freiheit
 zu bezeugen und nach ihr zu leben. Hilf uns, unseren Nächsten zu lieben.
 Amen.@{ub}


@{i}                     Galater 5,1-15@{ui}

@{b} Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und laßt euch
 nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!@{ub}  Gal 5,1

 Zweimal ein Ausrufezeichen hinter je einem brisanten Stichwort. Das läßt
 aufhorchen. Paulus kennt die Geschichte seines Volkes. Er weiß, was
 Knechtschaft (Ägypten) und was Freiheit (das Gelobte Land) bedeutet. In
 deiner Kurzbiographie(1,13-24) erinnert er die Galater an die eigene
 Befreiung zur Freiheit des Evangeliums. Er schreibt an Menschen, die er
 selbst zum Christentum geführt hat und von denen er hoffte, sie hätten die
 Botschaft Jesu verstanden. Darum formuliert Paulus so deutlich und
 engagiert.
 Es gibt Worte, deren Verständnis mancherlei Deutungen ausgesetzt ist. Zu
 ihnen gehört der Begriff "Freiheit". Seit Adam strebt der Mensch nach einer
 selbstgewählten und selbstgestalteten "Freiheit", die in Wahrheit als
 "Joch" der Sünde auf seinem Hals liegt. davon hat uns Christus endgültig
 befreit. Der ganze Galaterbrief ist von dieser Glaubenerkenntnis erfüllt.
 Christus läßt mich in Freiheit ja sagen zum Willen Gottes. Nun heißt es
 nicht mehr: "Du mußt!", jetzt gilt: "Du darfst."
                                                                  N-E


@ENDNODE
@NODE "Galater 5b" "Galater 5,16-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Galater 5,16-26@{ui}

@{b}                    Leben und Wandel im Geist@{ub}

 Das Leben, das in der Taufe begonnen hat und das wir im persönlichen
 Glauben an Christus ergreifen, ist ein "Leben im Geist". Es ist ein
 befreites Leben. Dieser Freiheit sollte auch unser Lebenswandel
 entsprechen. Wenn wir Christen sind, bedeutet das natürlich mehr, als nur
 Anweisungen für einen anständigen, Gott wohlgefälligen Lebenswandel zu
 erfüllen. Jedoch darf uns andererseits die Freiheit, die Christus schenkt,
 nicht zu einem ungeregelten Leben verführen. Die Verbindung mit Jesus
 Christus bewirkt vielmehr, daß sozusagen etwas Altes in uns stirbt. Wir
 lesen von der "Kreuzigung" unseres gottfeindlichen Wesens und unseres
 eigensüchtigen Lebens. Das, was in uns sterben soll, wird von Paulus mit
 dem Begriff "Fleisch" bezeichnet. An der Spitze der Aufzählung der "Werke
 des Fleisches", die nicht vollständig ist, nennt der Apostel die "Hurerei".
 Er meint einerseits, daß Christen außer unserem Gott noch anderes anbeten,
 meint aber auch jedes egoistische, nicht auf die Person eines Partners
 ausgerichtete unverantwortliche Verhalten. In keinem Lebensbereich kommen
 wir aus der Kampfsituation zwischen dem Geist Christi in uns und dem
 "Fleisch" in uns heraus. Wir dürfen nicht aufhören, darum zu bitten, daß
 uns der Geist Gottes regiert und uns befähigt, die "Werke des Fleisches" zu
 meiden. Wir werden bitten, daß beim Blick auf Jesus und beim Hören auf sein
 Wort auch erkennbar wird, wozu uns Gottes Geist in unserem Leben gerade
 helfen will. Die Liebe wird an erster Stelle als "Frucht des Geistes"
 genannt. Gemeint ist die opferbereite, verantwortungsbewußte,
 phantasievolle Art, miteinander umzugehen.@{b}

 Herr, weil wir in vielem von Eigenliebe erfaßt und beherrscht werden,
 bitten wir dich: Stärke uns durch deinen Geist in dem Kampf gegen
 egoistisches, unverantwortliches Verhalten. Amen.@{ub}


@{i}                       Galater 5,16-26@{ui}

@{b} Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln.@{ub}
 Gal 5,25

 Wir sagen oft zu unserer Entschuldigung: Der Geist ist willig, aber das
 Fleisch ist schwach. Der gute Wille ist wohl da ­und doch laufen wir, von
 unserem Innersten getrieben, in die falsche Richtung. Der Geist, von dem
 hier die Rede ist, ist aber von ganz anderer Art. Es ist nicht unser guter
 Wille, sondern der Geist Jesu Christi, den er uns schenkt, wenn wir unser
 Leben seiner Herrschaft unterstellen. Dieser Geist Gottes ist da, er umgibt
 unser leben, wir leben im Geist. Bloß wir vergessen das immer wieder,
 lassen dieses ungeheure Kapital ungenutzt liegen. Deshalb ermahnt uns
 Paulus: Nun lebt auch im Geist! Wenn der böse Feind in unser Leben
 einbrechen will, wenn die Sünde nach uns greift, wenn Sorge, Angst und
 Lieblosigkeit uns beherrschen wollen, dann können und sollen wir Zuflucht
 nehmen zum Geist Gottes. Er hilft uns, dem Geist der Welt Widerstand zu
 leisten. Er läßt uns beim Lesen der Bibel erkennen, was wir zu tun und zu
 lassen haben. Wo wir dem Geist Gottes Raum geben in unserem Leben, werden
 seine Früchte nicht ausbleiben.
                                                                     Fr-W


@ENDNODE
@NODE "Galater 5c" "Galater 5,25.26; 6,1-3.7-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Galater 5,25.26; 6,1-3.7-10@{ui}

@{b}                     In der Gemeinde zu Hause@{ub}

 Heute ist Sonntag. Dieser Tag, von Gott selbst geschaffen, ist für viele
 ein Tag der Ruhe, des Anhaltens inmitten aller Arbeit und Mühe einer langen
 Woche. Für viele ist er der Tag der Arbeit, die heute getan werden muß.
 Maschinen müssen laufen, Hilfsbedürftige warten, daß jemand kommt und das
 tut, wofür die eigene Kraft nicht mehr reicht. In vielen Kirchen und
 Gemeindezentren wird der Gesang einer großen Gottesdienstgemeinde
 erschallen. In manchen Orten werden nur zwei oder drei beieinander sein, um
 im Namen des Herrn miteinander zu beten, auf sein Wort zu
 hören, Gemeinschaft zu halten. Männer und Frauen wollen das Wort Gottes vom
 veränderten Leben mit in die neue Woche hineinnehmen. Sie wollen selbst ihr
 Leben von dem Geist dieses Wortes verändern lassen, aber dafür brauchen sie
 neue Kraft. Die Gemeinschaft aller, die im Glauben ihr Leben gestalten,
 vermag es, die Schwester oder den Bruder mitzutragen, wenn ihnen der Weg in
 der Nachfolge zu schwer wird. Die Gemeinde soll für uns der Ort sein, an
 dem die Freude untereinander weitergegeben wird, Christ in dieser Welt zu
 sein. In der Gemeinde helfen uns Gebet und Gespräch, Feiern und Gesang, auf
 dem Weg der Liebe Gottes zu bleiben. Da erfahren wir Stärkung und Gewißheit
 im Glauben. Vielleicht erzählen wir einander und teilen so unseren Kummer
 und unsere Freude.
 Wenn wir einer dem anderen helfen, in den Sorgen des Alltages zu bestehen,
 tragen wir mit an den Lasten, die ihm das Leben auferlegt. Wo der Geist
 Gottes Menschen ergreift, dort ist manches anders geworden, weil Menschen
 auch einmal sich selbst loslassen können und so die nach Hilfe
 ausgestreckten Hände eines Bittenden ergreifen können. Das ist die
 Schönheit und das ist die Verpflichtung dieses neuen Lebens, das wir
 empfangen haben. Wir werden erfahren, daß der Reichtum der Güte, den wir
 einer Schwester oder einem Bruder mitteilen, uns selbst zu einem Geschenk
 wird. Denn ein erlöstes Gesicht, das von Sorgen und Angst frei geworden
 ist, ein frohes Herz, das seine Last abladen durfte, weil jemand da war,
 der zuhören konnte, das ist der Reichtum, nach dem wir alle uns sehnen.
 Laßt uns diesen Reichtum in der Gemeinde einander schenken. Gottes Geist
 hat uns gerufen und hat uns begabt, Gutes zu tun.@{b}

 Herr, hab Dank, daß wir zu deiner Gemeinde gehören und daß wir immer wieder
 Menschen begegnen, mit denen wir beten und über den Glauben sprechen
 können. Schenke uns die Kraft deines Geistes, anderen von dem neuen Leben
 zu verkünden und ihnen zu helfen. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Galater 6a" "Galater 6,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Galater 6,1-10@{ui}

@{b}                    Lasten tragen und Gutes tun@{ub}

 Eine Gemeinde, vom Geist Jesu erfüllt, ist eine Gemeinschaft, in der man
 erwarten kann, daß man sich gegenseitig trägt. Nicht nur der Pfarrer ist
 ein "Geistlicher". Es darf uns, die wir "geistlich" sind und selbst im
 Kampf gegen Sünden stehen, nicht gleichgültig sein, wenn ein Gemeindeglied,
 ein Verwandter oder Bekannter auf Irrwege gerät. Die Frage Kains: "Soll ich
 meines Bruders Hüter sein?" muß eindeutig mit Ja beantwortet werden.
 Freundlich und "mit Fingerspitzengefühl" sollen wir Mitmenschen auf ihr
 Fehlverhalten ansprechen und sie wieder auf den rechten Weg bringen. Dabei
 müssen wir uns hüten, überheblich zu sein. Wir sind ja selbst fehlsam, und
 jeder von uns hat nicht nur sein "eigenes Päckchen", seine Last und sein
 Kreuz, sondern eben auch manche Schuld zu tragen. Nach dem Gesetz Christi,
 dem Gebot der Nächstenliebe, sollen wir einander helfen, indem wir
 gegenseitig unsere Lasten tragen helfen, auch die Last, die aus dem
 falschen Leben des anderen herrührt. Ein Sich-Rühmen über unser Tun darf
 es nicht geben. Der Vergleich mit dem Verhalten des anderen führt am besten
 zum kritischen Blick auf uns selbst, letztlich zum Blick auf Jesus, der
 unser Ruhm ist. Zum Mittragen fremder Last und Schuld gehört auch, daß wir
 das ohne Neugier tun. Nur das Belastende, was uns von anderen selbst
 mitgeteilt wird, sollten wir wissen wollen. Die Begehrlichkeit, um des
 Mittragens willen mehr zu erfahren, ist schlecht. "Du sollst nicht begehren
 deines Nächsten Problem" ist ein Hinweis für alle, die wirklich helfen
 wollen. Wer fremde Probleme und Lasten mit trägt, darf sie natürlich auch
 nicht "herumtragen".@{b}

 Herr, hilf uns, daß wir nicht nur an uns denken, sondern auch daran, daß
 dein Wort auch in unserer Zeit ausgerichtet wird. Laß uns nicht in Sünde
 fallen und nicht müde werden, das Gute und dir Wohlgefällige zu tun. Amen.
@{ub}


@{i}                       Galater 6,1-10@{ui}

@{b} Darum, solange wir noch Zeit haben, laßt uns Gutes tun an jedermann,
 allermeist aber an des Glaubens Genossen.@{ub}  Gal 6,10

 Dieses Wort ist keine Panikmache, kein Aufruf zur Hektik, aber doch eine
 sehr ernste Erinnerung daran, daß unser Leben nicht ewig währt, sondern von
 Gott begrenzt ist.
 "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen", sagt der
 Volksmund. Ich weiß ja gar nicht, ob ich morgen noch in der Lage sein
 werde, Gutes zu tun? es gibt so viel Elend. Und komme ich dabei nicht zu
 kurz? Ist das Thema "Aufopferung, Hingabe, Dienst" nicht endlich erledigt?
 Habe ich nicht das Recht, an mich und mein Glück zu denken, gerade weil ich
 nur einmal lebe? Jesus sagt: Glücklich, selig sind die Menschen, die die
 Lasten anderer tragen oder mittragen. Die Barmherzigen und Friedensstifter.
 Menschen, die sich von Mühsamen und Traurigen nicht abwenden. Die
 zurechthelfen, anstatt zu verurteilen. Darum wollen wir bitten Herr, öffne
 mir die Augen, daß ich sehe, wer heute meine Hilfe braucht, und laß mich
 die von dir geschenkte Zeit nutzen.
                                                                   A-H



@ENDNODE
@NODE "Galater 6b" "Galater 6,11-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Galater 6,11-18@{ui}

@{b}                     Jesus Christus allein@{ub}

 Paulus hatte den Brief diktiert. Nun schreibt er eigenhändig, um die
 Wichtigkeit seines Anliegens zu betonen. Noch einmal greift er mit scharfen
 Worten diejenigen an, die auch von den Christen Beschneidung fordern.
 Paulus deckt die sehr eigensüchtigen Motive seiner Gegner auf. Mit der
 Beschneidung ihrer Mitchristen wollen sich die Gegner des Paulus wohl
 Anerkennung bei Juden verschaffen. Außerdem wollen sie mit dieser
 Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde den neugewonnenen Christen wohl eine
 leidvolle Erfahrung ersparen, wie sie Paulus eben in einer Verfolgung
 erlebt hatte. Die jüdische Gemeinde war nämlich staatlich anerkannt. Paulus
 kann sich lediglich des Kreuzes Christi rühmen. Denn nur Jesus schenkt uns
 durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz das neue Menschsein. Durch seine
 Auferstehung hat die neue Schöpfung begonnen. Dieses neue Leben ist Paulus
 so viel wert, daß dagegen jede Überlegung, wie man den Mitchristen Vorteile
 verschaffen könnte, für ihn erledigt ist. Auch das Judentum mit der Sitte
 der Beschneidung hat nun keinen höheren Wert mehr für ihn als das
 Heidentum. Neues Leben schenkt dieses alte Bundeszeichen ja nicht. Paulus
 hofft auf Verständnis bei den Galatern dafür, daß ein Christ sich nicht
 ängstlich um seine Heil bemüht und darum etwa sich noch zusätzlich zur
 Taufe beschneiden läßt. Der Apostel ist durch seine Leiden gewissermaßen
 mit dem "Brandzeichen" Jesu versehen und spricht als sein Eigentum, ist
 durch ihn ausgewiesen. Das Leiden beglaubigt ihn als treuen Zeugen Jesu.
 Allen, der ganzen Christenheit, dem neuen Israel Gottes, wünscht er
 Frieden, Erbarmen und die Gnade des Herrn.@{b}

 Herr, oft suchen wir unseren Vorteil und rühmen uns unserer guten Taten,
 statt zu erkennen, was wir dir alles verdanken. Laß uns nie vergessen, daß
 wir unser Heil nicht selbst erworben haben, du unser Heil. Deine Gnade sei
 heute mit uns. Amen.@{ub}

@{i}                          Galater 6,11-18@{ui}

@{b} Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein
 etwas, sondern eine neue Kreatur.@{ub}  Gal 6,15

 So oft rühmen sich Christen gegeneinander: Der eine rühmt sich seiner
 Entschiedenheit, der andere seiner Freiheit, die eine ihre Frömmigkeit, die
 andere ihre Weltbejahung. So oft verbindet sich das mit gesetzlichen
 Vorschriften an andere: Das mußt du leisten, bevor Gott dich bejahen kann.
 Dem stellt Paulus das Evangelium der Liebe Christi entgegen. Er liebt die
 einen wie die anderen, weil er für sie gestorben und auferstanden ist. Er
 liebt sie, ohne daß der Vorzug der einen ein Anrecht oder der Nachteil der
 anderen ein Hindernis für seine Liebe bedeutet. Er ist beiden gnädig. Gnade
 redet nicht davon, was wir tun müssen, auch nicht davon, daß wir nichts tun
 können, sondern davon, was er an uns tut. Und das tut er: Er macht uns zu
 einer "neuen Kreatur", zu Geschöpfen seiner Gnade. Was nun zählt, ist, ob
 wir solche Menschen sind, die aus seinem Erbarmen leben. Wer davon lebt,
 der rühmt nicht mehr sich, sondern "der rühme sich des Herrn". Und der
 kommt auf den, der sagt: "Ich mache alles neu."
                                                               B-KS



@ENDNODE

@NODE "Epheser 1a" "Epheser 1,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 1,1-10@{ui}

@{b}                     Die Fülle des Lobes@{ub}

 Paulus ist eine Autorität für die christliche Gemeinde. In seinem Namen und
 in seinem Geist schreibt ein uns unbekannter Schüler des Apostels an die
 Heiligen und Gläubigen in Ephesus. Vielleicht war der Brief auch noch für
 andere Gemeinden bestimmt. Sie sollen seine Worte so aufnehmen wie die
 Briefe des Apostels Paulus. Das Schreiben beginnt mit einer großen
 Danksagung an Gott. Sie ist in dieser Fülle von Lobpreis einmalig im Neuen
 Testament. Das "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus"
 steht als Überschrift über dem Loblied. Dann wird der vielfältige Segen für
 die Seinen entfaltet: Er hat uns erwählt vor Beginn von Zeit und Raum. Paul
 Gerhardt hat diese Gedanken meisterhaft nachgedichtet: "Da ich noch nicht
 geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich
 dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei
 dir bedacht, wie du mein wolltest werden." Durch Jesus Christus dürfen wir
 Gottes Kinder werden. Jesus wird der "Geliebte" genannt, weil er Gottes
 lieber Sohn ist. In ihm strömt Gott seine ganze Liebe aus, und durch ihn
 hat er uns in seine Liebe hineingenommen. Gerettet durch seinen Kreuzestod,
 empfangen wir die Vergebung der Schuld, und er beschenkt uns damit, daß er
 das Geheimnis seines Willens kundtut: Mit Christus ist die Wende der Zeit
 gekommen. Er vereinigt alles in sich, was im Himmel und auf der Erde ist.
 Er ist der Herr über alle kosmischen Mächte. Es sind große Worte über den
 großen allmächtigen Gott! Wir dürfen zu ihm gehören, weil er uns zu seinen
 Kindern gemacht hat.@{b}

 Herr, die Welt ist groß und das Weltall noch viel größer. Wir sind klein,
 aber du kennst uns und rufst uns. Dafür danken wir dir. Laß uns im Namen
 Jesu Christi unseren Weg getrost gehen. Amen.@{ub}


@{i}                             Epheser 1,1-10@{ui}

@{b} In ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir
 heilig und untadlig vor ihm sein sollten.@{ub}  Eph 1,4

 Wenn mir der Glaube zunehmend wichtig wird, wenn die Bibel mich anspricht
 und nicht mehr losläßt, dann ist das nicht eine eigenartige Phase im Leben,
 die wieder vorübergeht. Vielmehr legt Gott darin seine Hand auf mich und
 sagt: Du gehörst zu mir. Es geht von Gott aus. Er hat uns auserwählt,
 schreibt der Apostel. Er will das, was unser leben entwertet, unwirksam
 machen. Wir sollen Anschluß an ihn gewinnen. Auch wenn unser leben in
 keiner Weise zu ihm paßt, will er es passend machen; das heißt, wir sollen
 "vor ihm heilig und untadlig" werden. Und wenn einer fragt, seit wann das
 der Fall sei, dann lautet die Antwort: Es galt schon immer. Unser Leben ist
 unter diesem Vorzeichen und mit dieser Zielangabe entstanden. Wir wissen
 das, weil Jesus gekommen ist. Er hat gesagt, er sei gekommen, zu suchen und
 selig zu machen, was verloren ist. Er wollte, daß wir heimfinden zum Vater
 und Gottes Kinder werden. Darum ist er Mensch geworden, darum ist er für
 uns gestorben, damit Gottes Erwählung auch an uns wahr werde.
                                                               Sch-F



@ENDNODE
@NODE "Epheser 1b" "Epheser 1,3-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 1,3-14@{ui}

@{b}                    Das Wort der Wahrheit@{ub}

 "...nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit", wir wollen bei diesem
 Wort einmal innehalten, nachdem wir die lobpreisenden Verse unseres
 Abschnittes gelesen haben. Es fällt nicht leicht, sie hintereinander zu
 lesen, ohne von den vielen bedeutungsschweren Worten zu ermüden. Hier
 spricht sich eine begeisterte, ja glückliche Gewißheit aus, die nicht genug
 davon sprechen kann, was Gott den Menschen getan hat. Wir haben davon schon
 in vielen Predigten und Andachten gehört und gelesen, ja, wir kennen
 zumeist dieses "Abc des Christseins". Die Begeisterung, das Glück über
 unsere "Seligkeit", über das "Wort der Wahrheit" können nicht aufkommen,
 sie können nicht wachsen und blühen - um es einmal in diesem Bild zu
 sagen-, wenn die Kühle der resignierten Gedanken darüber hinweht, wenn wir
 uns zum Beispiel den bedrängenden Gefühlen überlassen, die uns angesichts
 der kleiner werdenden christlichen Gemeinden belasten. Dazu kommt
 vielleicht noch ein anderer Gesichtspunkt, ein anderes Gefühl: daß wir so
 gar nicht dem Bild entsprechen, das in diesen Versen von dem Christen
 gezeichnet wird. Er ist "erwählt", damit er "heilig und untadlig" vor Gott
 sein soll. Er kennt das Geheimnis von Gottes Willen, er ist "zum Erben
 eingesetzt", "damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit..." Es
 liegt an uns, wie wir diese Worte in unser Herz aufnehmen, ob wir sie als
 eine unerfüllbare Forderung verstehen, oder wir erkennen, daß hier für
 jeden von uns die Chance seines Lebens liegt! Chance, Angebot, Zeichen der
 Hoffnung, dies alles wollen die Worte des Briefschreibers vermitteln. Er
 war ja wie wir: ein Mensch mit Grenzen und Schwächen, mit Zeiten der
 Unsicherheit, mit einer manchmal schwindenden Hoffnung, mit der Sorge im
 Herzen, daß auch ihm einmal Trauriges, Schlimmes geschehen könnte, und dann
 ginge es "ums Ganze". Gerade weil der Briefschreiber solche Zeiten, solche
 Eigenschaften kennt, will er anderen vermitteln, was er gefunden hat an
 Hoffnung und Glauben, an Geborgenheit und Wegweisung. Lassen wir uns von
 ihm mitnehmen! Denken wir daran, heute, am Tag der Heiligen Dreifaltigkeit,
 daß Gott selbst sich auf den Weg zu uns gemacht hat, um uns in seiner Liebe
 zu begegnen. Sein Geist, den er uns versprochen hat, stärkt uns in Zeiten
 der Mutlosigkeit und des Zweifels.@{b}

 Herr Gott, du bist in Jesus Christus zu uns gekommen, um uns mit deiner
 Liebe zu begegnen. Nimm uns an auch in unseren Zweifeln und Unsicherheiten.
 Wir vertrauen auf deinen Geist. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Epheser 1c" "Epheser 1,11-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Epheser 1,11-14@{ui}

@{b}                         Das große Erbe@{ub}

 Das Loblied über Gott, der seine Gaben reichlich über die Gemeinde
 ausgeschüttet hat, geht weiter. Die von ihm Erwählten beschenkt Gott, indem
 er sie zu Erben einsetzt. Es ist mehr als das tägliche Brot, Kleidung,
 Wohnung, Arbeit, Familie usw. Sondern die Liebe Gottes schenkt sich selber
 in dem Menschen Jesus, der mit uns und für uns lebt. Erbe "in Christus"
 kann auch der sein, der auf vieles verzichten muß, auf Gesundheit oder
 Glück oder Selbstbestätigung. Das allgemeine "Wir" wird zu einer direkten
 Anrede: "Ihr" seid damit gemeint! "Ihr", lieber Leser dieser Worte! Ihr
 seid auch beschenkt mit Christus, dem Bruder, in dem Erde und Himmel
 umschlossen sind. Darauf könnt ihr euch verlassen, denn ihr habt ein
 sichtbares Zeichen bekommen: Ihr seid getauft! In diesem Loblied heißt es:
 "versiegelt worden mit dem heiligen Geist". Wir werden gezeichnet und
 geprägt. Ein Stempel einer Gütekontrolle, sondern der Stempel der
 Vergebung. Die Taufe ist ein Anfang, eine Anzahlung. Christus spricht damit
 zu uns: "Ich möchte gern, daß ihr ganz mein eigen werdet." Eine Anzahlung
 wird im täglichen Leben für eine Sache geleistet, die einer unbedingt haben
 möchte. Es vergeht eine gewisse Zeit, bis die Sache ihm ganz gehört. So ist
 die Taufe eine "Anzahlung" auf das volle Erbe, auf die Erlösung. Gottes
 Heiliger Geist ist mit uns auf dem Wege: das bißchen Hoffnung inmitten der
 Angst, der kleine Schritt zum Anderswerden. So erfahren und empfangen wir
 Gottes Gegenwart. Vor uns liegt seine Herrlichkeit. Lob sei dir, o Herr!
@{b}
 Vater im Himmel, manchmal ist unser Herz voll Dankbarkeit, wenn wir an die
 Zeichen deiner Liebe denken, an unsere Taufe. Manchmal vergessen wir sie.
 Bitte, schenke uns einen Heiligen Geist, daß wir gewiß werden, daß du bei
 uns bist. Amen.@{ub}


@{i}                        Epheser 1,11-14@{ui}

@{b} In ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem
 heiligen Geist, der verheißen ist.@{ub}   Eph 1,13

 Paulus lobt Gott für seine Erlösungstat in Jesus Christus: "In ihm sind wir
 zu Erben eingesetzt. In ihm seid auch ihr versiegelt worden mit dem
 heiligen Geist." Juden und Heiden haben nach dem ewigen Ratschluß Gottes in
 Christus eine einzigartige Verheißung. Sie sollten Kinder und Erben Gottes
 sein, Teilhaber des ewigen Lebens. Das Testament unserer künftigen
 Vollendung wurde mit dem Blut Jesu Christi geschrieben. In ihm und um
 seinetwillen sind wir erlöst, erwählt, zu Erben eingesetzt. Der heilige
 Geist, der uns erleuchtet und mit Freude und Hoffnung erfüllt, ist Siegel
 und Unterpfand unserer Bestimmung: "Damit wir etwas seien zum Lob seiner
 Herrlichkeit."
 Schon jetzt will uns Gott als seine Kinder bei uns haben. Er will uns
 begleiten und bewahren. darum ist für den Glaubenden das irdische Leben
 keine Fahrt ins Ungewisse. Geliebt in Jesus Christus seit aller Ewigkeit,
 sind wir niemals allein. Gott gibt uns nicht auf. Wir sind sein Eigentum.
 Im Lob Gottes und im Dienst am Nächsten darf sich unser Glaube bewähren.
                                                               Sch-Wt



@ENDNODE
@NODE "Epheser 1d" "Epheser 1,20b-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 1,20b-23@{ui}

@{b}                    Lobgesang zum "Vatertag"@{ub}

 Heute sind in vielen Gemeinden unseres Landes Gemeindeglieder mit der
 Sammelbüchse unterwegs. Als Straßensammler erbitten sie Hilfe für die
 kirchliche Arbeit. Ein Pfarrer erzählt: "Ich bin auch dabei. Fast jedesmal
 treffe ich am Himmelfahrtstag Gruppen junger Männer, die sich mit mehr oder
 weniger komischen Hüten und bunten Schleifen oder auch Spazierstöcken mit
 Fahrradklingeln herausgeputzt haben. Sie feiern den "Vatertag". Und fast
 immer kommen sie auch zu mir, zu meiner Sammelbüchse. Oft geben sie sogar
 beträchtliche Spenden für die Arbeit der Kirche. Natürlich fehlt es dabei
 nicht an launigen Bemerkungen:z.B.- "Aber dafür krieg ich auch eine gute
 Himmelfahrt!" Bloß, ich befürchte, die Himmelfahrtsvorstellungen sind
 veraltet und treffen nicht das, worum es eigentlich geht. Darum ist es gut,
 daß Paulus auf die bildhaften Darstellungen gar nicht eingeht. Was er den
 Ephesern schreibt, ist ein überschwenglicher Lobgesang auf das machtvolle
 Wirken des Vaters unseres Herrn Jesus Christus, des Gottes der
 Herrlichkeit, ein großartiger Lobgesang zum Vatertag. Denn es ist ja Gottes
 Tun, woran wir am Himmelfahrtstag denken. Die Macht erweise Gottes, die
 Paulus aufzählt: die Auferweckung Jesu Christi, die Einsetzung Christi zur
 Rechten Gottes, die Übergabe der Herrschergewalt an Christus, das sind nur
 Voraussetzungen für den folgenden Höhepunkt des göttlichen Handelns. Gott
 macht Christus nicht nur zum Oberhaupt all dessen, was in dieser und der
 zukünftigen Welt ist, sondern zum Haupt der Gemeinde. Die Gemeinde ist
 sein Leib. Sprichwörtlich sagen wir ja auch, daß wir ein Leib und eine
 Seele sind. Es ist kein Abstand mehr. Zum Haupt gehört der Leib zum Leib
 gehört das Haupt. Himmelfahrt hat uns also nicht von Christus getrennt,
 sondern aufs engste mit Christus verbunden. In und mit der Gemeinde sind
 wir seine "Verkörperung" auf Erden. Mit uns setzt er sein Tun fort. Gibt es
 etwas Schöneres und Wichtigeres? Auch der Sammler auf der Straße gehört zu
 diesem Leib Christi. Und wenn sich einer der Geber eine gute Himmelfahrt
 wünscht - warum nicht? Kann es etwas Besseres geben, als jetzt schon ganz
 mit dem himmlischen Christus verbunden zu sein? Das ist ein Grund zum
 Lobgesang.@{b}

 Lieber himmlischer Vater, wir danken dir, daß du deinen Sohn über alle
 Mächte erhoben und zum Haupt und Herrn der Gemeinde gemacht hast. Wir
 freuen uns, daß wir, mit ihm verbunden, dich loben und preisen dürfen.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Epheser 1e" "Epheser 1,15-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 1,15-23@{ui}

@{b}                 Dank und Bitte für die Gemeinde@{ub}

 Mit einem Dankgebet beginnt Paulus, wenn er an die Christengemeinde denkt.
 Er fängt nicht als erstes zu klagen an über ihre Schwächen und Mängel, wie
 wir es manchmal tun. Für ihn ist es vielmehr ein Wunder, daß es in unserer
 Welt Menschen des Glaubens und der Liebe gibt. Wir sollten es ebenfalls
 nicht für selbstverständlich halten und Gott für seine Gemeinde danken.
 Aber müssen Glaube und Liebe nicht immer neu geweckt werden? Bei Paulus
 geht darum das Danken für die Gemeinde, daß Gott ihr den "Geist gebe, ihn
 zu erkennen". Damit ist kein theoretisches Wissen über Gott gemeint.
 "Erleuchtete Augen des Herzens" wünscht er vielmehr, ein "Sehen" mit tiefer
 innerer Beteiligung. Vertrauen und Liebe gehören dazu und als drittes:
 Hoffnung! Ja, das muß dem Apostel sehr wichtig gewesen sein, der Gemeinde
 auch bewußtzumachen, daß es einen Grund zur Hoffnung gibt. An die Kraft
 Gottes erinnert er darum, die Christus von den Toten auferweckt und ihn zum
 Herrn aller Mächte und Gewalten gemacht hat. Und mit diesem Herrn ist die
 Gemeinde aufs engste verbunden, er ist ihr Haupt und sie sein Leib.
 Brauchen wir nicht auch die Botschaft vom Sieger Christus, die in uns
 Hoffnung weckt? Denn wir sehen uns ebenfalls "Mächten und Gewalten"
 gegenüber, die uns den Mut nehmen könnten. Sie tragen z.B. die Namen
 Rüstung, Umweltkrise, Welternährungskrise. Dabei will doch Christus, daß
 durch uns heilende Segenskräfte in die Welt gehen. Mit der ganzen Fülle
 seines Wesens ist er in seiner Kirche.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß es deine Gemeinde in der Welt gibt. Wecke in ihr
 immer wieder neu Glaube, Liebe und Hoffnung, daß durch sie Segenskräfte in
 die Welt gehen. Wohne mit deinem Geist in einer Kirche. Amen.@{ub}


@{i}                   Epheser 1,15-23@{ui}

@{b} Alles hat er unter seine Füße getan.@{ub}  Eph 1,22

 Dieser Satz ist ein Zitat aus dem 8.Psalm. Dort wird vom Menschen gesagt,
 daß Gott ihn zum Herrn über seine Schöpfung gesetzt und ihm alles untertan
 gemacht hat. In unserem Textabschnitt ist dasselbe von Christus ausgesagt.
 Zwischen beiden Aussagen besteht ein tiefer Zusammenhang: Der Mensch, der
 sich nicht mehr Gott, seinem Schöpfer, verantwortlich weiß, hat in
 selbstherrlicher Weise den Herrschaftsauftrag mißverstanden und mißbraucht.
 Er hat die erde zu seinen Gunsten ausgebeutet und sie sich seinem Willen
 dienstbar gemacht. Das hat, wie heute jedermann weiß, zur Gefährdung und
 Zerstörung der natürlichen Grundlagen unseres Lebens geführt.-
 Christus, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, hat sein Leben in der
 Verantwortung vor Gott geführt. er hat die Herrschaft Gottes ausgeübt,
 indem er in der Liebe Gottes der Welt bis zur Hingabe des eigenen Lebens
 diente. Durch die macht seiner Liebe kann er uns von den Mächten der Sünde
 und des Todes erlösen. Wenn wir uns von ihm regieren lassen, macht er uns
 fähig, unseren Herrschaftsauftrag über die Schöpfung in der rechten Weise
 zu erfüllen.
                                                                St-R



@ENDNODE
@NODE "Epheser 2a" "Epheser 2,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 2,1-10@{ui}

@{b}                      Zum Leben gekommen@{ub}

 Es ist nicht selbstverständlich, daß es Christengemeinden gibt und darin
 Menschen des Glaubens und der Liebe. Dazu war dieselbe Kraft Gottes nötig,
 die einen Toten zum Leben bringt. Solch ein Wunder ist das! "Ihr waret
 tot", so werden Christen angesprochen, die vorher Heiden waren. Nicht der
 physische Tod ist gemeint. Aber diese Menschen waren vorher in einer
 "tödlichen" Situation, da sie ein verfehltes Leben führten, fern von Gott
 und ohne Hoffnung. Ihre Lebensweise war beherrscht von einem Geist, der sie
 zu zerstörerischer Selbstsucht trieb. Aber das hat sich geändert durch
 Gottes Gnade! Eigenes Verdienst war es nicht. Nun hat sie Gott mit Christus
 "lebendig" gemacht, mit ihm "auferweckt" und "in den Himmel versetzt". Das
 klingt beinahe so, als ob die Christen die Welt schon hinter sich gelassen
 hätten und in einer "Seligkeit" seien, in der sie die Probleme und die Not
 der Welt nichts mehr angingen. Aber das meint der Epheserbrief nicht. Es
 gibt weiter die Auseinandersetzung mit den zerstörerischen bösen Mächten,
 wie wir später lesen werden (6,12). Am Schluß unseres Abschnittes ist davon
 die Rede, daß wir mit Christus "geschaffen sind zu guten Werken, daß wir
 darin wandeln sollen". Das weist uns auf das Leben in unserer Welt hin. Da
 sind wir noch unterwegs. Da haben wir unsere Aufgaben. Aber wir sind nun an
 Christus gebunden. Sein guter Geist ist mit in unserem leben. Und wo uns
 seine Liebe, sein Erbarmen, sein Denken und Wollen bestimmen, da ist mitten
 in unserer Unzulänglichkeit ein Stück "Himmel" da, in den wir bereits
 hineingehören. Seit unserer Taufe nämlich.@{b}

 Herr, wir bitten dich: Nimm uns immer wieder neu hinein in dein Leben, daß
 wir auferstehen aus unserer Glaubenslosigkeit ins freudige Glauben, aus
 unserer Lieblosigkeit ins freudige Lieben. Amen.@{ub}


@{i}                     Epheser 2,1-10@{ui}

@{b} Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die
 Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.@{ub}  Eph 2,10

 Langsam nähert sich das Boot dem Wehr am Ende des Stausees. es ist zu
 erkennen, wie dort das Wasser jäh nach unten stürzt. Aber ruhig und sicher
 geht das Schiff auf einen anderen Kurs. Wer jetzt - mit dem sich wendenden
 Boot - nach vorne schaut, der bekommt einen anderen Blick, und die Fahrt
 kann weitergehen.-
 Jesus Christus bedeutet eine solche Kursänderung für den Lauf der Welt. das
 Zeichen seines Lebens ermöglicht die Schau einer neuen, österlichen
 Zukunft. Sie führt auf den Weg der Liebe und lenkt die Schritte weg vom
 Untergang. Bereits in der Gegenwart schenken Jesu Wort und Sakrament
 Aussichten, die das Leben in eine andere Richtung als auf den Tod zugehen
 lassen. Dies ist das weithin sichtbare "Werk" Gottes. es steht wie ein
 Signal über den Zeiten und gibt zu erkennen: Nicht der Untergang, aber die
 Liebe Christi steht der Welt bevor. Ihre "guten Werke" sind den Menschen
 "bereitet". Ehe menschlicher Verstand es fassen konnte, wurde das Schicksal
 der Welt zum Guten gewendet. das Ruder ist herumgeworfen.
                                                                    S-St



@ENDNODE
@NODE "Epheser 2b" "Epheser 2,11-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 2,11-22@{ui}

@{b}                       Ineinandergefügt@{ub}

 In den Gemeinden der früheren Christenheit gab es im wesentlichen zwei
 Gruppen. Zu der einen gehörten Menschen, die vorher Heiden waren, zu der
 anderen diejenigen, die vorher Juden waren. Zwischen beiden Gruppen gab es
 Spannungen und Abgrenzungen. Überheblichkeit und Unduldsamkeit. In dieser
 Situation ist der Epheserbrief bemüht, die Einheit der Kirche zu betonen.
 Es gibt keine Juden- und Heidenchristen mehr, so schreibt er. Es gibt nur
 noch "neue Menschen", die miteinander Gottes Hausgenossen sind. Denn
 schuldig geworden sind sie alle beide. Und Christus ist für die Schuld
 beider gestorben. Er hat sie beide mit Gott versöhnt. er ist unser Friede
 geworden. Da ist kein Unterschied mehr. Durch Glaube und Taufe sind sie
 alle eingefügt in einen Bau, bei dem es das gleiche Fundament gibt und wo
 sie alle dem gleichen Ziel entgegenwachsen. "Ineinandergefügt" - so sagt es
 der Epheserbrief, so wie bei einem Bau die Steine, die sich gegenseitig
 brauchen und gegenseitig tragen. Ob uns diese Gedanken des Epheserbriefes
 nicht eine Hilfe sein können? Die Auseinandersetzung zwischen Juden- und
 Heidenchristen ist längst Vergangenheit, aber es gibt auch in der Kirche
 heute die verschiedensten Gruppen, Richtungen und Konfessionen. Sie grenzen
 sich womöglich voneinander ab und sagen: "Die anderen!" Aber es gibt für
 uns nur das gleiche Fundament, das Christus heißt. In ihm ist die Einheit
 gegeben. Und brauchen wir uns nicht gegenseitig? Denn bei allen
 Unterschieden hat Christus uns zusammen eingefügt in den Bau, der Kirche
 heißt, "ineinandergefügt".@{b}

 Herr, wir bitten dich um die Einheit der Kirche. Wir alle sind schuldig
 geworden und brauchen die Versöhnung durch dich. Gib, daß wir uns als
 Schwestern und Brüder erkennen und dich als den gemeinsamen Herrn loben.
 Amen.@{ub}


@{i}                        Epheser 2,11-22@{ui}

@{b} Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe
 geworden durch das Blut Christi.@{ub}  Eph 2,13

 Sie gehören wohl zusammen, die heilsamen Erinnerungen an eine einst dunkle
 Vergangenheit und die von Gott wider alles Erwarten neu geschenkte helle
 Zukunft. Der Apostel wagt diesen Blick rückwärts, nicht um alte Wunden
 aufzureißen, sondern um die Gemeinde dankbarer und dienstwilliger zu
 machen. Da warten große Aufgaben. Die Epheser, die als Heiden den Juden
 gegenüber im Abseits standen, sind durch ein Eingreifen Gottes Glieder der
 großen Gottesfamilie geworden. "Durch das Blut Christi." Der Apostel wählt
 diese Formulierung, um die große Versöhnungstat Gottes in Jesu Tod und
 Auferstehung zusammenzufassen. Das Blut als sichtbares Zeichen der großen
 Gottesliebe zu aller Welt; als Siegel unter das Versöhnungsgeschehen mit
 allen Menschen; als Lebensangebot an alle Klassen und Rassen auf Erden.
 weil er sich allen genaht, gibt es für Gott keine Fernen mehr. Die sich von
 ihm fernhalten, sucht er ständig auf durch das Wort und Lebenszeugnis
 derer, die einst selber Ferne waren. Ihnen sich anschließen heißt Christ
 sein.
                                                               Sch-Mo



@ENDNODE
@NODE "Epheser 3a" "Epheser 3,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 3,1-13@{ui}

@{b}                    Der Gefangene Christi@{ub}

 Gefangenschaft ist für uns ein negatives Wort. Es beschreibt einen Zustand,
 in den wir nicht geraten wollen. Aber es gibt Ausnahmen: Ein
 Wissenschaftler ist gefangen von einem Problem, das er lösen will. Ein
 spannender Film nimmt uns gefangen. Wenn der Apostel davon spricht,
 Gefangener Jesu Christi zu sein, geht es nicht nur um die negative
 Erfahrung, um Christi willen im Gefängnis zu sitzen. Es geht ihm dabei auch
 um die Beschreibung der Tatsache, daß er Christus gehört. Und das ist für
 ihn etwas Erfreuliches. Es geht um Freude, weil der Apostel das Geheimnis
 der Gnade Gottes kennt. er weiß, daß Gott allen Menschen Anteil geben will
 an der Rettung. das muß aber den Menschen auch bewußtgemacht werden.
 Deshalb beauftragt Gott die Seinen, diese frohe Botschaft weiterzusagen.
 Der Apostel freut sich darüber, daß er diesen Auftrag erhalten hat. Viel
 Freudlosigkeit und Resignation unter Christen haben ihre Ursache in der
 Weigerung, an der Ausbreitung der frohen Botschaft mitzuwirken. Wie anders
 kann er die Widrigkeiten seiner Haft tragen? Er gehört Christus, und er hat
 Menschen zu Christus zu rufen. Diese Tätigkeit verbindet noch stärker mit
 Christus. Diese Tätigkeit trägt ihren Lohn in sich. Deshalb kann er die
 Besorgten und Resignierten bitten: Werdet nicht müde und ängstlich wegen
 meiner Gefangenschaft. Sie ist eure Ehre! Er weiß eins ganz gewiß: Als
 einer, der Christus gehört, werde ich nicht um das leben betrogen. Wer ein
 "Gefangener Christ" ist, wer Christus gehört, ist in aller Gefahr geborgen
 und kann trotz eigner Not andere trösten und aufrichten.@{b}

 Herr, unser Gott, wir sind manchmal ängstlich, wenn wir auf deinen Auftrag
 und auf unsere geringe Kraft blicken. Laß uns auf dich blicken, und dann
 laß uns zum Trost für Traurige und zum Halt für Haltlose werden. Amen.@{ub}


@{i}                      Epheser 3,1-13@{ui}

@{b} Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist die Gnade gegeben
 worden, den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi.
@{ub} Eph 3,8

 Gott hat aus dem Saulus den Paulus gemacht. Eigentlich sprach alles
 dagegen. Saulus, der Pharisäer, war ein Feind Jesu Christi, ein Verfolger
 der Christen. Und nun: Prediger für die Heiden. Aus dem Geringsten wurde
 der Botschafter der allerhöchsten Gnade. Wie geht das zu? Paulus sieht
 nicht auf sich selbst, sondern auf den Herrn. Wir reden viel von unseren
 Mängeln. Sind das nicht oft nur Ausreden, die rechtfertigen sollen, wenn
 wir das Weitersagen des Evangeliums nicht wagen? Paulus sieht auf die
 Menschen. Für alle, auch für die, die nicht aus dem Judentum kommen, ist
 Christus der Retter. Als Glieder der einen Kirche erben Juden und Heiden
 den Himmel. So können heute Christen aus dem Judentum und aus allen Völkern
 gegenüber der ganzen Welt bekennen: Christus ist Heiland für alle! Weil er
 auf den Herrn und die Welt und nicht auf sich und die Kirche sieht, ist
 Paulus unterwegs. Wer dürfte bei sich bleiben?
                                                               vSt-D



@ENDNODE
@NODE "Epheser 3b" "Epheser 3,14-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 3,14-21@{ui}

@{b}         Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen@{ub}

 Seit Jahren gibt es in er Welt eine Energiekrise, und damit ist die
 Überlegung verbunden: Woher bekommen wir ausreichend Energie für Wirtschaft
 und Industrie? Auch im Leben der Menschen gibt es Energiekrisen und die
 Frage: Woher nehmen wir die Kraft, um richtig zu leben und um
 Belastungsproben durchzustehen? Denn zum Leben, vor allem zum richtigen
 Leben, braucht es Kraft. der Apostel gibt den Gemeinden Kleinasiens, die in
 einer solchen "Energiekrise" steckten, die folgenden Ratschläge. Sie haben
 ihr besonderes Gewicht, weil sich der Verfasser des Briefes in
 Gefangenschaft befindet. Er kennt die Fragen: Wie soll es weitergehen? War
 nicht alles umsonst? Er rät zuerst: Betet! Er beugt die Knie vor dem, der
 der wahre Vater ist. Er überwindet so das Gefühl der Vergeblichkeit. Das
 Gebet zeigt ihm die Weite des Glaubens. Durch Christus haben wir
 Mitchristen. Deshalb rät der Apostel zweitens: Laß Christus in deinem
 Herzen wohnen! Dann kommst du weg vom Klagen, Nörgeln und Resignieren und
 entdeckst die Kraftquelle Gottes: Christi Gegenwart in deinem Leben! Hier
 spüren wir, daß Glaube auch etwas mit Erkennen und Durchblick zu tun hat.
 Wo Christus gegenwärtig ist, werden die Horizonte hell. Dort erkennen wir,
 daß das Fundament unseres Lebens die Liebe Christi ist. das verändert das
 Verhältnis zur Welt. Hoffnung zieht ein, und der Lobpreis Gottes hört nicht
 mehr auf. Lassen wir uns auf die Kraftquelle unseres Lebens aufmerksam
 machen, damit das Gebet und der Lobpreis, diese wirkliche Bejahung des
 Lebens, bei uns nicht mehr aufhören.@{b}

 Herr, du kennst meine Schwäche. Du weißt, wie leicht wir den Mut verlieren.
 Aber du hast uns gerufen. Darauf verlassen wir uns. Brauche uns uns mache
 uns brauchbar. Amen.@{ub}


@{i}                      Epheser 3,14-21@{ui}

@{b} Er gebe euch Kraft nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu
 werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen.@{ub} Eph 3,16

 In unserer Gesellschaft wird sehr auf das Äußere geachtet: "Kleider machen
 Leute." Aber nicht nur Kleider, auch das Haus, das Auto, die Ferienreise,
 die Stellung im Beruf und vieles andere wird bei vielen Menschen enorm
 wichtig genommen. Es geht ums Prestige. Prestige haben, an Prestige
 gewinnen, das ist erstrebenswert. - Im Epheserbrief werden andere Töne
 laut. Paulus betet für die Gemeinde. er bittet Gott aber nicht um mehr
 Ansehen für die Christen in Ephesus, sondern er bittet um die Kraft Gottes
 für diese Menschen, damit sie "inwendig" gestärkt werden. Es geht also
 nicht um das Äußere, sondern es geht um den inwendigen Menschen! Äußerlich
 mag noch so sehr glänzen und glitzern, was nützt es, wenn innen nichts da
 ist? -
 Nehmen wir diese Worte mit in unseren Tag. Bewegen wir sie in unserem
 Herzen und bitten wir Gott. "Stärke uns durch deinen Heiligen Geist.
 Bewahre uns vor aller Verblendung durch viele Äußerlichkeiten. Mache uns
 innerlich stark und gut."
                                                               St-G



@ENDNODE
@NODE "Epheser 4a" "Epheser 4,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 4,1-6@{ui}

@{b}                 Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe@{ub}

 Wen hätte nicht schon bedrückt, daß es Streit unter uns Christen gibt und
 daß in der Kirchengemeinde Spannungen bestehen: Spannungen zwischen
 Pastoren, zwischen christlichen Gruppen, zwischen einzelnen. Sieht man gar
 auf die Menge der verschiedenen Kirchen und betrachtet ihre Geschichte,
 steht man hilflos vor heftigen Auseinandersetzungen und erbitterten
 Kämpfen. Gar nichts wird da sichtbar von einer "Einigkeit im Geist durch
 das Band des Friedens". Der Apostel hat diese Gefahr gekannt: Deshalb wird
 er nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, worin die Einheit liegt und
 wie sie sichtbar wird. Er sagt: Die Einheit und Verbundenheit der Christen
 wird greifbar in einer bestimmten Lebenspraxis, die mit Worten wie "Demut",
 "Sanftmut", "Geduld", "Liebe" beschrieben wird. Demut ist die Bereitschaft,
 den unteren Weg zu gehen. Sie ist das Gegenteil von einem Denken, das sich
 unter allen Umständen durchsetzen will. Sanftmut ist das Vermeiden der
 Schärfe, die aus Haß, Streitsucht oder Überheblichkeit kommt. Geduld ist
 der lange Atem, der nicht nervös etwas herbeizwingen will, sondern mit Gott
 rechnet. Der Apostel sagt dann weiter: Die Einheit und Verbundenheit der
 Christen wird greifbar in einem formulierten Glauben. Es ist nicht
 nebensächlich, was geglaubt wird. "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe." Wo es
 um den einen Herrn, den einen Glauben, die eine Taufe geht, geht es auch um
 das eine Ziel: Die Gemeinschaft mit Gott, die eine Hoffnung. Wir Christen
 müssen also die Einheit nicht schaffen. Wir brauchen nur wahrzunehmen, was
 durch Jesus vorgegeben ist.@{b}

 Herr, unser Gott! Vergib uns alles Unrecht und Versagen, das zu Spannungen
 und zu Streitigkeiten in deiner Gemeinde geführt hat. Mache uns duldsamer
 und hilf uns, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Amen.@{ub}


@{i}                    Epheser 4,1-6@{ui}

@{b} Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band
 des Friedens: e i n  Leib und  e i n  Geist, wie ihr auch berufen seid zu
 e i n e r  Hoffnung eurer Berufung.@{ub}  Eph 4,3.4

 Darum geht es also: daß wir die Hoffnung leben, die mit unserer Berufung
 gegeben ist. So war es am Anfang der Christenheit, und so wird es auch in
 Zukunft sein. Der Heilige Geist eint uns, so verschieden unsere
 Lebensweisen auch sein mögen. Doch was dabei im Lauf der Jahrhunderte
 herausgekommen ist, enttäuscht uns. Die Christenheit zerspaltet sich in
 Kirchen und Konfessionen. Das ist absurd angesichts des hoffnungsvollen
 Bekenntnisses: "Ein Leib und ein Geist." Die Uneinigkeit und der Unfrieden
 in Kirchen und Gemeinden zerschneiden das band des Friedens. Die zum
 Frieden mahnen, widerlegen ihn durch ihr Verhalten. Wir erfahren die
 Kraftlosigkeit unserer Berufung. Und doch geschieht es mitten unter uns,
 daß Christen sich verstehen, die verschiedenen Kulturen, Rassen,
 Bevölkerungsgruppen und Parteien angehören. Solches Verstehen ist
 unbegreiflich - es sei denn, wir rechnen mit dem Heiligen Geist. Der
 Apostel mahnt: Bewahrt solche Einigkeit im Geist, schaffen könnt ihr sie
 nicht.
                                                              St-W


@{i}                     Epheser 4,1-6@{ui}

@{b}                   Ehrenvolle Berufung@{ub}

 Immer wieder einmal steht in der Tagespresse etwas von ehrenvollen
 Berufungen. Wissenschaftler und Politiker etwa werden in wichtige
 internationale Gremien und Kommissionen berufen. Das heißt: Man hat hohe
 Erwartungen an sie. Die sollen sie nun auch erfüllen, denn die Erwartungen
 sind nicht aus der Luft gegriffen. Die Berufenen haben sich schon längst
 auf dem Gebiet, für das sie berufen werden, qualifiziert. Der Brief an die
 Epheser redet auch von der Berufung. Nach dem Text steht sie nicht erst
 bevor, sondern sie ist schon geschehen.Ihr sollt immer an eure Berufung
 denken und danach leben, mahnt uns der Apostel. Auch eure Berufung ist
 ehrenvoll. Der ganze Epheserbrief ist voll von Beschreibungen dieser
 Berufung. Der wichtigste Satz dazu steht im zweiten Kapitel: " Denn aus
 Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch:
 Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken." Aber das kann man nicht einfach
 so hinnehmen. Diese ehrenvolle Berufung hat Folgen. Sie ermöglicht ein
 Leben in Zurückhaltung, in Geduld, in Verständnis für die Lage des anderen.
 Sie nötigt uns dazu, im Umgang miteinander die Liebe zur Geltung zu bringen
 und "die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens", wie der Apostel
 sagt. Das sind nicht nur schöne Worte. Das ist die Chance für das Zeugnis,
 das wir uns untereinander in unseren Kirchen und das wir als Glieder
 unserer Kirchen jedem Menschen schuldig sind. Das sind auch nicht große,
 aber viel zu hohe Erwartungen, denen wir nie gerecht werden können.
 Zurückhaltung, Geduld und Verständnis sind die Ergebnisse der Hingabe an
 unsere Berufung. Ein Frage bleibt. Ist die "Einigkeit im Geist" nicht das
 Ende aller Originalität und Individualität? Das ganze Gegenteil ist der
 Fall. Die Erinnerung an den einen Leib, den einen Geist, den einen Herren,
 den einen Glauben, die eine Taufe setzt ja gerade die Vielfalt und die
 Unterschiedlichkeit der Menschen voraus. Es liegt dem Apostel fern, alle
 Menschen über einen Kamm zu scheren; denn er weiß: Gott hat uns alle als
 Originale geschaffen. Das eigentliche Wesen unserer Eigenständigkeit zeigt
 sich aber erst dort, wo wir das Zusammenleben üben, obwohl wir doch so
 verschieden sind. Dazu ermahnt uns der Apostel, wenn er von unserer
 ehrenvollen Berufung spricht.@{b}

 Herr, du hast uns berufen zum Zeugnis von der Einheit, der Geduld, der
 Liebe und der Toleranz. Laß uns erkennen, daß du uns in Christus das alles
 schon geschenkt hast. Bitte gib, daß wir damit fröhlich umgehen. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Epheser 4b" "Epheser 4,11-15(16)"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Epheser 4,11-15(16)@{ui}

@{b}                    Wachsen in allen Stücken@{ub}

 Pfingsten wird gern als "Geburtstag der Kirche" bezeichnet. Daran ist
 soviel richtig, daß es seit Pfingsten die Gemeinde Jesu Christi in der
 Öffentlichkeit gibt. Doch sollten wir vorsichtig mit
 Geburtstagsfeierlichkeiten sein. Jubiläen haben es an sich, daß meist nur
 die lichtvollen Seiten des Jubilars in den Himmel gehoben werden. Die
 Geschichte der Kirche birgt aber Licht und Schatten in sich: Die Geschichte
 der Kirche ist eine Kette reichen Segens. Die "Wolke der Zeugen" beweist
 es. Aber die Geschichte der Kirche ist auch eine Kette verpaßter
 Gelegenheiten und nicht wahrgenommener Möglichkeiten. Auch wenn wir die
 Gemeinde von heute in den Blick nehmen, bietet sich ein zwiespältiges Bild:
 tapferes Bekennen neben feigem Verleugnen, liebevoller Einsatz neben
 egoistischer Selbsterhaltung. Was die Kirche wirklich krank macht, sind
 nicht die Anfeindungen von außen, sondern die geistlosen Zustände in den
 Gemeinden. Da ist es gut, sich zu erinnern: Die Kirche ist noch nicht
 fertig. Sie ist noch nicht am Ziel. Sie muß noch wachsen: "hin zu Christ,
 dem Haupt". Der gut Geist Gottes, von dem gestern die Rede war, will uns
 auf den Weg bringen. Gemeindeaufbau heißt Gemeindewachstum. Der Anfang ist
 schon gemacht: Die vielen verschiedenen Gaben, sie sind dazu da, daß die
 Gemeinde wächst; sie sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern
 zusammenwirken. Denn Zusammenspiel ist wichtig für das Wachstum der
 Gemeinde. Ein Organismus, dessen Teile nicht miteinander harmonieren, gibt
 das Wachstum auf. So ist es auch mit der Kirche. Es muß uns schon zu denken
 geben, daß auch heute trotz gewaltiger Herausforderung die Konfessionen und
 Gruppen der Kirche noch immer nicht zueinander gefunden haben. Selbst im
 kleinen, in den einzelnen Gemeinden, arbeiten Pfarrer und Laien noch viel
 zuwenig zusammen, dafür eher gegeneinander. Pfingsten erinnert uns deutlich
 daran, daß wir den guten Geist noch nicht ergriffen haben, daß wir noch
 viel zu lernen haben. Aber das Fest des Heiligen Geistes enthält auch eine
 große Verheißung: Das Ziel steht klar vor uns. Es heißt: Jesus Christus. Er
 wartet auf uns, er gibt uns noch Zeit zum Wachsen.@{b}

 Vater, sende deinen Geist, damit wir wachsen können; Sohn, sei mit deiner
 geduldigen Liebe bei uns; Heiliger Geist, erfülle uns mit Kraft und Liebe,
 damit wir in deinem Namen die Welt verändern.Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Epheser 4c" "Epheser 4,7-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Epheser 4,7-16@{ui}

@{b}                Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden@{ub}

 "Das Schiff der Kirche wird von Nieten zusammengehalten", sagte einmal
 ironisch der katholische Theologe Karl Rahner. Er wollte damit zu bedenken
 geben: Die Kirche besteht aus fehlerhaften und unvollkommenen Menschen.
 Aber durch diese Menschen wirkt Jesus Christus. Paulus hat genauso gedacht,
 aber er drückt es anders aus. Paulus sieht auf Jesus Christus. Jesus
 Christus, der Anteil hat an Gottes Herrschaft, baut die Kirche und hält sie
 zusammen. Einmal wirkt er durch die Gaben und Dienste in der Gemeinde.
 Jeder hat Gaben und Möglichkeiten, die er einbringen kann und die in einer
 Gemeinde gebraucht werden. "Keiner geht leer aus", und "keiner ist
 überflüssig", schrieb einmal ein Theologe zu unserem Text. Hinzu kommen die
 Aufgaben, die eine Gemeinde auszeichnen: Verkündigung (Apostel, Propheten,
 Evangelisten), Seelsorge (Hirten) und Lehre (Lehrer). Durch diese Gaben und
 Aufgaben wirkt Jesus in seiner Gemeinde. Aber er wirkt nur dort, wo die
 Christen aneinander festhalten. Wo ein Christ der Meinung ist, er brauche
 die anderen nicht, werden alle in Mitleidenschaft gezogen. Denn die
 Gemeinde der Christen ist ein Organismus, wo alle zusammenhängen und
 aufeinander einwirken. Wo sich einer den anderen entzieht, gibt es
 Durchblutungsstörungen und eine Minderung des Allgemeinbefindens. Dort
 kommen Wahrheit und Wachstum Christi nicht zum Zuge. Der handelt richtig,
 der beim Lesen unseres Wortes den Entschluß faßt: ich will wieder dabeisein
 in meiner Gemeinde: beim Gottesdienst morgen, im Gebet, in der
 Mitarbeit.@{ub}

 Herr, unser Gott, bewahre uns vor dem Hochmut, auf die Mitchristen
 verzichten zu können. Laß uns vielmehr erkennen, daß wir gebraucht werden.
 Zeige uns, wo wir mitarbeiten können, und gib uns Mut zu einem freimütigen
 Bekenntnis. Amen.@{ub}


@{i}                     Epheser 4,7-16@{ui}

@{b}       Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der
           Gabe Christi.@{ub}

 Wir kennen das alle: Je mehr Menschen in der Gemeinde am Werk sind, um so
 bunter und vielgestaltiger geht es zu. Darüber freuen sich natürlich alle.
 Aber nun passiert prompt auch das andere: Je mehr am Werk sind, desto
 spannungsreicher wird es auch. Denn jeder will zu Worte kommen und hält
 seinen Beitrag für unbedingt wichtig. Und irgendwann kommt es zum Streit.
 Das geht nicht anders. Damals in der Urchristenheit war es genauso. Paulus
 sagte dazu ein erstaunliches Wort: "Einem jeden von uns ist die Gnade
 gegeben nach dem Maß der Gabe Christi." Lesen wir dazu das ganze Kapitel,
 dann wird deutlich: Unser Herr gibt der Gemeinde viele Gaben, und alle
 Gaben dienen der Gemeinde. Aber unser Herr gibt "im Maß". Er teilt seine
 Gaben und seine Gnade maßvoll aus. Wir können ja oft nicht genug bekommen
 und neigen überall zur Maßlosigkeit. Doch unser Herr, der alle Gewalt im
 Himmel und auf Erden hat, teilt maßvoll aus. Seine Gaben und seine Gnaden
 werden so gegeben, daß der Mensch und die Gemeinden stets in einem gesunden
 Maß bleiben.@{b}
                                                           V-H


@ENDNODE
@NODE "Epheser 4d" "Epheser 4,17-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 4,17-24@{ui}

@{b}                       Erneuert euch!@{ub}

 Es gibt ein gängiges Wort: "Der Mensch bringt jeden Tag sein Haar in
 Ordnung, warum nicht auch sein Herz?" Genau um diese Frage geht es in
 unserer Lesung. Mit der Taufe, der Konfirmation oder einer einmaligen
 Bekehrung ist es nicht getan. Immer wieder brauchen wir die Aufforderung,
 dazu das entsprechende "Kleid" zu tragen, das heißt, neu zu beginnen.
 Dieser Neubeginn fängt immer mit einer Abwendung von dem an, was Luther mit
 "trügerische Lüste" übersetzt hat, was aber auch genannt werden kann. "hang
 zur Lüge" oder "eigensüchtige Wünsche". Auf alle Fälle ist es etwas, was
 uns täuscht, blendet, betrügt. Jeden Tag geraten wir in Gefahr, auf
 Versuchungen hereinzufallen, die uns "Glück" und "Selbstverwirklichung"
 versprechen. Jeden Tag hören wir die flüsternden Stimmen: Wozu denn beten,
 kannst du deine Zeit nicht besser nutzen? Wozu sich denn mit der alten
 Bibel beschäftigen, wo es so interessante Bücher und Filme gibt? Jeden Tag
 gerät unser Herz in Unordnung. Das bedeutet aber, daß Ordnung gemacht
 werden muß, daß wir täglich "den guten Menschen" anziehen, das Kleid, das
 zu uns als Getauften paßt. es geht um die "tägliche Reue und Buße", durch
 die, wie Martin Luther im Kleinen Katechismus schreibt, "der alte Adam in
 uns soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und
 wiederum täglich herauskommen und auferstehen eine neuer Mensch".
 Freuen wir uns, daß wir mit der Zusage leben dürfen: Du darfst neu
 anfangen! Du kannst jeden Tag dein Herz in Ordnung bringen!@{b}

 Herr, unser Gott, erneuere unser Leben! Bringe in Ordnung, was in Unordnung
 ist! Bewahre uns davor, daß wir ein Opfer unserer eigenen Selbstsucht
 werden! Laß nicht zu, daß wir über einen erträumten Leben das wirkliche
 Leben vergessen. Amen.@{ub}


@{i}                      Epheser 4,17-24@{ui}

@{b} So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, daß ihr nicht mehr leben
 dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes.@{ub}
 Eph 4,17

 Christ sein, gläubig sein bedeutet, daß ein Mensch unter die Herrschaft
 Jesu Christi getreten ist. Und es bedeutet, daß ihm der Herr die Vergebung
 der Sünden und seinen Heiligen Geist geschenkt hat. Wir nennen diesen
 Vorgang "Wiedergeburt". Ein wiedergeborener Christ rechnet mit der
 Wirklichkeit Gottes und will dementsprechend leben. Aber wir Christen
 befinden uns in einer Welt, die von Gott nichts wissen will und die ihren
 eigenen Gesetzen Folgt. So sind wir immer in der Gefahr, uns der Welt
 anzupassen und das mitzumachen, was ziemlich alle tun. Wie schwer ist es
 etwas für einen jungen Christen, angesichts der laxen Moral auf sexuellem
 Gebiet einen klaren sauberen Weg zu gehen. Wie schwer ist es für einen
 gläubigen Geschäftsmann, ehrlich zu bleiben, wenn ringsum Betrug und
 Übervorteilen gang und gäbe ist. So müssen wir Christen uns immer neu
 ermahnen und Mut machen, daß wir auf dem Weg des Glaubens bleiben. "Du
 gehörst Christus. Dann lebe auch als Christ!"
                                                              V-K



@ENDNODE
@NODE "Epheser 4e" "Epheser 4,25-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 4,25-32@{ui}

@{b}                Mit dem Heiligen Geist versiegelt@{ub}

 Das ist uns ein fremdes Bild. Aber zur Zeit des Paulus hatte ein Siegel die
 Aufgabe, Eigentum zu kennzeichnen. Wer getauft war, trug gewissermaßen das
 Siegel Gottes. Er war in ein so enges Verhältnis zu Gott getreten, daß sein
 Leben dem zu entsprechen hatte. Tat er das nicht, so wurde die Verbindung
 zu Gott verletzt, der "heilige Geist Gottes betrübt". Paulus beschreibt,
 wie das Leben derer aussehen soll, die das Siegel Gottes tragen. Es soll
 ein Leben in der Liebe Christi sein. Dort hat die Lüge, die das Verhältnis
 zur Wirklichkeit verzerrt und die das Vertrauen untergräbt, keinen Platz.
 Dort gibt man dem anhaltenden Zorn, der zunehmenden Verhärtung der
 Beziehungen, keinen Raum. Dort lebt man nicht auf Kosten anderer. Man
 fördert nicht das Verbreiten bösartiger Äußerungen, die die Atmosphäre
 vergiften. Der entscheidende Satz steht aber am Schluß: "Vergebt einer dem
 andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christus." Grundlage des
 Verhältnisses zu Gott ist die Vergebung der Schuld des Menschen. Aber diese
 Vergebung kann nur dann Sinn haben, wenn sie sich auswirkt auf das
 menschliche Zusammenleben. Wo Menschen einander nicht vergeben können,
 machen sie die Vergebung Gottes unwirksam. Vielleicht denken wir beim Lesen
 der Ermahnungen schuldbewußt: Wenn es nur bei mir so wäre, daß keine bösen
 Worte über meine Lippen kommen und ich keine Verbitterung gegen andere im
 Herzen trage. Paulus zeigt einen Ausweg aus selbstgerechter Gesetzlichkeit
 einerseits: Leben aus der Vergebung Gottes in der Vergebung zum Nächsten.
 Er beschreibt damit das wichtigste Kennzeichen derer, die das Siegel Gottes
 tragen.@{b}

 Herr, wir bitten dich für all die Menschen, denen wir mit Worten und Taten
 weh getan haben. Vergib es uns. Schenke es, daß in unserer Welt, dort, wo
 sich Gegner unversöhnlich gegenüberstehen, der Wille zur Vergebung wächst.
 Amen.@{ub}


@{i}                     Epheser 4,25-32@{ui}

@{b} Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem
 anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.@{ub}  Eph 4,32

 Bäume setzen Jahresringe an. Mitunter sind es breite Ringe mit einem
 weichen Kern, manchmal schmale mit einem harten Kern. Doch jede dieser
 Ringe ist ein Zeichen dafür, daß im Laufe der Jahre etwas gewachsen ist.
 Zwar unmerklich, doch unaufhaltsam. Ganz ähnlich ist es mit uns Menschen,
 wenn Gott uns durch Jesus Christus ein neues Leben schenkt. Da wächst uns
 im Lauf der Jahre auch etwas zu. Ganz unmerklich bilden sich da
 Wachstumsringe. Unser Vers nennt drei von ihnen: Freundlichkeit,
 Herzlichkeit, Vergebungsbereitschaft. Jedermann weiß, das hat man nicht von
 sich aus. Freude kommt ebensowenig automatisch in uns auf wie Herzlichkeit
 oder gar Vergebungsbereitschaft. Doch Gott, der sich in Jesus Christus
 aufgemacht hat, um unsere Verdrossenheit, Verbitterung und Härte von uns zu
 nehmen, läßt in seiner Gemeinschaft diese - und andere - Wachstumsringe in
 uns entstehen. Als "neuer Mensch" (V.24) aber dürfen wir dann etwas von dem
 anderen weitergeben, was Gott in uns hat entstehen lassen.
                                                                 V-L


@ENDNODE
@NODE "Epheser 5a" "Epheser 5,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 5,1-14@{ui}

@{b} Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich
 Christus erleuchten@{ub}   Eph 5,14

 "Deutschland, erwache!" Mit diesem Ruf wurde vor fast sechzig Jahren das
 deutsche Volk nicht geweckt, sondern in einen Rausch des Größenwahns und
 Verbrechens geführt.
 Daran muß ich denken, wenn ich diese Worte des alten Liedes lese, die
 Paulus den Christen in Ephesus ins Gedächtnis ruft. Die Worte unterscheiden
 sich sehr von jener Parole der Nationalsozialisten. Sie geben nämlich ein
 Ziel an: Jesus Christus, sein Licht, sein Wort, sein Werk. Ohne den Ruf zu
 Jesus wäre der Ruf aus Schlaf und Tod völlig sinnlos, weil nur er uns aus
 dem Tod auferwecken kann. Wer nicht zu Christus ruft, der weckt also nicht.
 Der treibt nur Tote auf ihren Weg weiter in die Finsternis. Für Christen
 ist das Vergangenheit. Wir können und sollen im Licht Gottes leben, das
 Dunkel liegt hinter uns. An Werken der Finsternis und des Todes sich zu
 beteiligen kann darum nicht zu unserem Tun gehören. Im Gegenteil, diese
 Werke müssen aufgedeckt, beim Namen genannt werden. Das können wir aber
 nur, wenn wir uns dem Evangelium öffnen, wenn wir uns wachrufen lassen zu
 Jesus hin.
                                                                J-N



@ENDNODE
@NODE "Epheser 5b" "Epheser 5,15-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 5,15-20@{ui}

@{b}                   Wie ihr euer Leben führt@{ub}

 Wer nach schwerer gesundheitlicher Erschütterung wieder einen
 Hoffnungsstreifen am Horizont sieht, der wird danach leben. Das wird in
 manchem eine Einschränkung bedeuten, aber es wird wohl immer mit einem
 besonders bewußt geführten Leben verbunden sein. "So seht nun sorgfältig
 darauf, wie ihr euer Leben führt", sagt der Apostel. Ist christliche
 Lebensführung so etwas wie ein Leben nach Diät? Nein, eher leben wir
 Christen nach der Meinung des Apostels entsprechend dem Sprichwort: "Wes
 das Herz voll ist, des geht der Mund über." Auch als Christen sind wir
 "neu" geworden. Wie leben wir nun am besten, um selber immer an das gute
 Neue erinnert zu werden, und so, daß auch unsere Umgebung es als etwas
 Gutes erfährt? Christliches Leben bedeutet keine Einschränkung, sondern
 etwa auch dankbares und bewußtes Erkennen des Guten. Böses empfinden wir
 sehr, Gutes nehmen wir oft selbstverständlich hin. Darum lesen wir: "Kaufet
 die Zeit aus!" Es ist unsere Zeit, eine andere haben wir doch nicht. Wir
 sollen sie "weise" nutzen. Ein Beispiel gibt der Apostel, wenn er auf Feste
 und Feiern zu sprechen kommt. "Sauft euch nicht voll Wein!" Damals fielen
 Christen wenigstens beim Feiern nicht auf. Nun wird ihnen geraten, auch
 dabei notfalls aufzufallen, nämlich durch Nüchternheit. Das ist aber eben
 keine Diätregel, sondern der Hinweis darauf, daß es Besseres gibt als ein
 Leben, das einem später "zum Halse heraushängt". Wir sollen ja keineswegs
 durch mangelnde Fröhlichkeit auffallen. Der Apostel will ja gerade betonen,
 daß wir auch in "böser Zeit" sorgfältig alles entdecken, was uns Gott Gutes
 gibt, und damit leben.@{b}

 Herr, laß uns heute erkennen, was du von uns willst. Gib uns auch die
 Kraft, es zu tun. Laß uns nicht durch Trägheit oder durch Ängstlichkeit
 oder Unachtsamkeit fehlen, wo du uns brauchst. Amen.@{ub}


@{i}                        Epheser 5,15-20@{ui}

@{b} Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern,
 singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.@{ub}  Eph 5,19

 In den Ermahnungen geht der Apostel zur Sache. Da wird der Gemeinde
 deutlich gesagt, wo es langgeht. Und mitten darin: "Ermuntert einander!"
 Die Mahnung baut auf. Keiner soll Angst bekommen; keiner nach dunklen
 Gewissensflecken suchen. Mitten in der strengen Ermahnung "Ermuntert
 einander mit Psalmen und Lobgesängen!"
 Diese beiden Seiten gehören ganz eng zusammen. Ich möchte das gerne
 "apostolische Seelsorge" nennen. Klar Grenzziehung nach außen -
 ermunternder Aufbau nach innen. Damals war für die Gemeindeglieder in
 Ephesus eine klare Abgrenzung zu den Heiden notwendig. Meinte die doch
 gerade, ohne Grenzen leben zu können. Die klare Abgrenzung zu den Heiden
 notwendig. Meinte die doch gerade, ohne Grenzen leben zu können. Die klare
 Abgrenzung des Apostels hat kaum an Bedeutung verloren. Aber in der Mitte
 der Ermahnung steht: "Ermuntert einander!" Die Gemeinde Jesu braucht auch
 heute eine Abgrenzung nach außen. Und die Ermunterung nach innen. Zum
 Aufbau. Sonst wird die Ermahnung zur gnadenlosen Kritik. So aber zur in
 Christus gebundenen Seelsorge, zum Lobpreis Gottes.
                                                                   V-N

@ENDNODE
@NODE "Epheser 5c" "Epheser 5,15-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Epheser 5,15-21@{ui}

@{b}                   "Ich habe keine Zeit!"@{ub}

 Wann haben wir das eigentlich zum letzten Mal gesagt: Keine Zeit?
 Sicherlich haben wir uns nicht viel dabei gedacht - jeder sagt so etwas.
 Manchmal scheint es zu stimmen - und manchmal ist es nur eine Ausrede.
 "Natürlich habt ihr Zeit!" schreibt Paulus. "Nur dürft ihr sie nicht
 vertreiben wie einen räudigen Hund oder gar totschlagen wie eine lästige
 Fliege. Fragt lieber, was der Wille Gottes ist!" Aber wer fragt schon Gott,
 was er mit seiner Zeit anfangen soll? Einen Augenblick lang überlegen wir,
 wofür denn Jesus Zeit hatte: für die Kranken und die Verwirrten, für die
 Witwen und für die Kinder. Und für das Beten! Das also wird der Wille
 Gottes sein: Zeit haben für die Leute, die uns brauchen - und nicht nur für
 die, die  w i r  brauchen. Und Zeit haben für Gott - so wie Jesus "nach
 seiner Gewohnheit" in die Synagoge ging - eine gute Gewohnheit! Da würden
 wir in Gemeinschaft mit anderen den Willen Gottes hören, würden auch
 lernen, unsere Zeit besser zu ordnen. So war ja der Sonntag einmal gedacht:
 Da ruhen wir aus, da ist Muße, auf den Willen Gottes zu hören. Bei unseren
 Großeltern war das ja noch so - wenigstens auf dem Dorf oder in der
 Kleinstadt: Der Sonntagvormittag war durch den Gottesdienst geprägt.
 Inzwischen ist er zum Platz für alles geworden, was wir in der Woche nicht
 geschafft haben. Da waschen wir die Wäsche und den Wagen, da schneiden wir
 den Rasen und die Rosen.
 Sicherlich soll das alles auch seine Zeit haben - vor allem, wenn wir es
 gern tun. Aber wichtig ist, daß wir nach dem Willen Gottes fragen - früh am
 Morgen oder spät am Abend, wenn wir das Kalenderblatt lesen, und vor allem
 am Sonntag, wenn wir mit den anderen Christen zusammenkommen.
 Wenn wir so auf den Willen Gottes gehört haben, werden wir in eine Woche
 gehen, in der alles seinen Platz hat: Die Arbeit, mit der wir unser Brot
 verdienen, und die Erholung. - Dann bleiben uns noch die anderen Stunden,
 die wir nach dem Willen Gottes gestalten werden. Als Faustregel dafür mag
 gelten: wenig Zeit für die Dinge und viel Zeit für Menschen, und Zeit für
 Gott - aber das ist ja fast das gleiche. Niemand soll an unserm Grab sagen:
 "Er brachte sein Leben zu wie ein Geschwätz!" Aber das soll man sagen:
 "Seine Zeit stand in Gottes Händen."@{b}

 Herr, du hast uns die Zeit gegeben. Wir wollen sie nicht vertreiben, und
 wir wollen sie nicht totschlagen. Laß uns wissen, wie wir mit unsern Tagen
 etwas Gutes anfangen für dich, für unsere Brüder und Schwestern. Amen.@{ub}




@ENDNODE
@NODE "Epheser 5d" "Epheser 5,21-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 5,21-33@{ui}

@{b}                   Ordnet euch einander unter@{ub}

 Gesetze und Lebensauffassung bei uns stehen dem Satz entgegen: "Ihr Frauen,
 ordnet euch euren Männern unter." Der Text ist aber gar nicht einseitig,
 zielt nicht auf Unterdrückung von Frauen ab und soll daher zunächst einmal
 auf eine Merkwürdigkeit hin betrachtet werden. Drei Sätze sind den Frauen
 gewidmet, neun Sätze den Männern. Sie scheinen es besonders nötig zu haben.
 Beiden Geschlechtern wird der Rat gegeben, das Verhalten von Männern und
 Frauen mit der engen Beziehung von Christus und der Gemeinde zu
 vergleichen. Wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, also nicht
 sklavisch, so sollen es die Frauen den Männern gegenüber tun. Das wird kurz
 dargestellt. Wie sich Christus für die Gemeinde aufgeopfert hat, so sollen
 es die Männer für die Frauen tun. Das wird umfangreich und etwas
 umständlich und mit Wiederholungen dargelegt. Den Männern wird in der
 Gemeinde der frühesten Zeit damit sicher noch mehr zugemutet worden sein,
 als es uns erscheint. Die Rolle des Mannes als Christ wird hier nicht am
 Beispiel des Starken, etwa eins Soldaten, dargestellt, sondern an Jesus am
 Kreuz. Das ist eine viel deutlicher betonte Unterordnung, als sie von den
 Frauen gefordert wird. Für sich genommen, wirkt beides etwas sonderbar,
 das, was den Männern, und das, was den Frauen als Christen geraten wird.
 Aber am Anfang heißt es: "Ordnet euch einander unter."
 Das geschwisterliche Miteinander von Gemeindegliedern wird hier betont.
 Aber auch das Miteinander von Eheleuten ist nicht aus dem Blick gelassen.
 Viele alltägliche Gelegenheiten, sich aneinander zu reiben und sich
 durchzusetzen zu wollen, wird es geben. Deshalb werden alle auf Christus
 verwiesen und darauf, was er für jeden tat, auch für den Ehepartner und für
 den Mitchristen.@{b}

 Herr, wir bitten dich, daß du uns mit deinem Wort erfüllst. Nimm uns die
 Sucht, uns immer und überall durchsetzen zu wollen, und sei es auch im
 Kreis der Familie, der Verwandten und der Freunde. Hilf uns, andere gelten
 zu lassen, wie sie sind. Amen.

                     Liebe übe jede Seele@{ub}        Gedicht
                  Gieße deinen Frieden auf das Haus
                  und alle, die drin wohnen, aus,
                  im Glauben uns verbinde;
                  laß uns in Liebe allezeit
                  zum Dulden, Tragen sein bereit
                  voll Demut, sanft und linde.
                  Liebe übe jede Seele;
                  keinem fehle,
                  dran man kennet
                  den, der sich den Deinen nennet.
                     Philipp Spitta 1827



@{i}                      Epheser 5,21-33@{ui}

@{b} Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.@{ub}  Eph 5,21

 Das ist der erste Satz der "christlichen Haustafel", wie die Bibel den
 ganzen Abschnitt überschreibt. Er gibt die Grundrichtung an, die für das
 Leben von Christen vorgesehen ist, hier besonders für das Zusammenleben von
 Männern und Frauen. Wahrscheinlich findet ein solcher Satz heute Zustimmung
 und Widerspruch zugleich. Sich einander unterordnen, das ist nicht leicht,
 und so etwas von anderen zu verlangen klingt nach Hochmut. Es gibt warnende
 Beispiele bis heute. Aber es geht ja nicht um die Einordnung des einen
 unter den anderen, sondern darum, sich gegenseitig zu achten. Das Du
 sozusagen größer zu schreiben als das Ich, das ist gemeint. Leicht ist das
 nicht. Es kann nur gelingen "in der Furcht Christi", also in der Ehrfurcht
 vor dem, der nicht an sich dachte. Die anderen Menschen waren ihm
 wichtiger. Sein Maßstab war die Liebe, nicht die Macht. Er hat die Menschen
 nicht unterdrückt, weder mit Worten noch mit innerem Druck noch mit Gewalt.
 Ihn vor Augen, seine Kraft in uns - dann spielt das Über- und Unterordnen
 keine Rolle mehr. Der Streit wird überflüssig.
                                                                   G-K



@ENDNODE
@NODE "Epheser 6a" "Epheser 6,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Epheser 6,1-9@{ui}

@{b}                  Partnerschaftlich leben@{ub}

 Zu einem christlichen Leben, das der in der Taufe ergangenen Berufung
 entspricht, gehört natürlich auch die Gestaltung der menschlichen
 Beziehungen. In der Familie, am Arbeitsgericht, überall stehen wir als
 Getaufte unter dem Anspruch unseres Herren.
 Der Apostel wird im Epheserbrief nicht müde zu betonen, daß wir in allen
 Bereichen des täglichen Lebens Christus nachfolgen sollen. Da er unser Herr
 ist, brauchen wir uns nicht mehr von liebloser Ablehnung und ungerechtem
 Zorn beherrschen zu lassen. Das Wort des Apostels "Lebt in der Liebe, wie
 auch Christus uns geliebt hat" wird in dem vorliegenden Abschnitt an zwei
 Beispielen entfaltet: Wie verändert die Liebe Christi das Zusammenleben von
 Kindern und Eltern und die Beziehungen zwischen Vorgesetzten und
 Unterstellten? Überall wird Konfrontation dadurch abgebaut, daß gemahnt
 wird: Gestaltet euer Verhalten zueinander in Verantwortung vor "dem Herrn"!
 In solcher Verantwortung entsteht ein Vertrauensklima, in dem die jüngere
 Generation die Bereitschaft entwickelt, aus den Lebenserfahrungen der
 älteren zu lernen, und in dem die vorhergehende Generation darauf
 verzichtet, der nachfolgenden ihren Willen aufzuzwängen. Ebenso bekommt
 unsere Einordnung in Beruf und Gesellschaft einen neuen Stellenwert durch
 die apostolische Mahnung: Arbeit in dieser Welt ist zugleich
 verantwortlicher Dienst vor Gott!
 - Ob wir uns in den sozialen Beziehungen nun als der schwächere Teil
 empfinden oder ob wir eine leitende Position haben, als Christen sind wir
 dazu aufgerufen, partnerschaftlich zu leben.@{b}

 Wir bekennen dir, Herr, daß wir oft lieblos zu den Menschen sind, mit denen
 wir zusammenleben und arbeiten. Hilf uns, mit ganzem Herzen deinen Willen
 zu tun. Laß uns lernen, partnerschaftlich miteinander umzugehen. Amen.@{ub}


@{i}                    Epheser 6,1-9@{ui}

@{b} Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der
 Zucht und Ermahnung des Herrn.@{ub}  Eph 6,4

 Auf das Gebot: "Du sollst Vater und Mutter ehren!" weisen viele Eltern ihre
 Kinder hin. Die Mahnung: "Reizt eure Kinder nicht zum Zorn!" ist weniger
 beliebt. Zornig werden die Kinder, wenn die Eltern, besonders die Väter,
 ihre Überlegenheit dazu benutzen, den Kindern ihren Willen aufzuzwingen.
 Kindern, die in ihrem eigenen Recht nicht anerkannt werden, fällt es später
 schwer, ihr Selbstbewußtsein zu entfalten. Minderwertigkeitsgefühle, aber
 auch Aggressionen sind die Folge. "Erzieht sie in der Zucht und Ermahnung
 des Herrn!" Die Kinder brauchen unsere Erziehung, unsere Fürsorge und
 Ermahnung, aber unsere Kinder sind nicht unser Eigentum. Sie sind Gottes
 Besitz, und die Eltern vertreten in ihrer Erziehung den Herrn, dem sie
 gehören. Nicht Willkür und Unterwerfung, aber auch nicht Gleichgültigkeit,
 sondern Gottes Liebe und Gnade sollen unsere Erziehung bestimmen. Nur so
 können Kinder Menschen werden, die uns und anderen nicht mit Zorn, sondern
 mit Liebe begegnen.
                                                               W-Nü



@ENDNODE
@NODE "Epheser 6b" "Epheser 6,10-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Epheser 6,10-17@{ui}

@{b}                  Zugerüstet zur rechten Zeit@{ub}

 Oft fühlen wir uns den Anforderungen, die an uns als Christen in unserem
 Leben gestellt werden, nicht gewachsen. Die Last festgefahrener Situationen
 und der Ansturm kaum lösbarer Probleme drücken uns nieder. Woher bekommen
 wir die Kraft, dagegen anzugehen? Der Apostel gibt zum Schluß seines
 Briefes gerade zu dieser Frage eine entscheidende Hilfestellung: "Seid
 stark in dem Herrn und in der macht seiner Stärke!" Unsere Stärke kommt
 nicht aus eigener Einsicht und aus persönlichem Aufbegehren. Zu stark ist
 die Macht des Bösen. Sie läßt uns immer wieder da unsere Ohnmacht spüren,
 wo wir eigentlich etwas zum Guten verändern sollten. Unsere Hilfe kommt
 allein von dem Herrn! Er rüstet uns aus mit der macht seiner Stärke! Nur
 durch ihn sind wir auch für schwerste Belastungen gewappnet. Rechtzeitig
 bietet er uns seine geistliche Rüstung an, damit wir bestehen können, wenn
 der böse Tag kommt. Wie anders ist doch diese göttliche Zurüstung als das,
 was menschliche Arsenale aufzuweisen haben: Am Gürtel hängen keine Waffen,
 gekoppelt sind wir mit Wahrheit. Anstatt eines Schutzpanzers vor dem
 Nächsten wird uns der "Panzer der Gerechtigkeit" zugewiesen, damit wir dem
 Mitmenschen zu seinem Recht verhelfen. Die Stiefel ermächtigen uns nicht zu
 gewaltigem Auftritt, sie beflügeln vielmehr unsere Füße zum Friedenslauf
 des Evangeliums. Am "Schild des Glaubens" prallt ab, was uns verzagen läßt.
 Der "Helm des Heils" trägt nicht Zeichen menschlicher, sondern göttlicher
 Hoheit. Die einzige wirkliche Waffe ist das "Schwert des Geistes", ist
 Gottes Wort.@{b}

 Wir haben Angst vor allem, was uns zustoßen kann. Darum bitten wir dich,
 Herr: Rüste uns aus mit deiner Kraft, damit wir in den Gefahren des Lebens
 bestehen. Hilf uns durch dein Wort, das Böse zu überwinden. Amen.@{ub}


@{i}                       Epheser 6,10-17@{ui}

@{b} Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr
 auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen.@{ub}  Eph 6,16

 Damals befestigte der Soldat den Langschild an einem Arm und trug ihn vor
 sich her. So konnte er sich ganz dahinter verstecken. er hatte volle
 Deckung. Auch vor gefährlichen Brandpfeilen. Dieses Bild gebraucht Paulus,
 um damit deutlich zu machen, wie wir uns als Christen schützen können vor
 dem Widersacher, der uns Wunden schlagen will, um uns zu vernichten. Die
 erste Sorge gilt nicht den Geschossen des Feindes, sondern der Frage: Steht
 der Schutzschild richtig vor mir, damit mich die Brandpfeile nicht treffen?
 Sie müssen abgefangen werden, bevor sie bei mir eindringen und sich bei mir
 festsetzen. Ein dickes Fell reicht da nicht aus. Der Feind kennt meine
 schwachen Stellen. Nur wenn wir ganz nah hinter Jesus hergehen, können uns
 die Vernichtungswaffen Satans nichts anhaben.
 Stimmt meine Vertrauensbeziehung zu Jesus? Oder ist der Schild des Glaubens
 bei mir verrutscht oder gar weggerutscht? Ich darf mich völlig hinter Jesus
 verstecken. Nur so habe ich völlige Deckung.
                                                                  W-L


@ENDNODE
@NODE "Epheser 6c" "Epheser 6,18-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Epheser 6,18-24@{ui}

@{b}                  Verbundenheit in der Fürbitte@{ub}

 Zum Schluß seines Schreibens mahnt der Apostel die Gemeinden eindringlich
 zu steten Beten und Wachen. In ihr Gebet sollen sie besonders "alle
 heiligen" und den Völkerapostel Paulus einschließen. Dabei geht es nicht
 darum, einzelne in den Stand verehrungswürdiger Heiliger zu erheben.
 Vielmehr werden mit der Erinnerung an das Missionswerk der Apostel die
 verschiedenen christlichen Gruppierungen auf die sie untereinander
 verbindende Geschichte gewiesen: Weil unser aller Glaube auf der
 Verkündigung der Apostel gründet, dürfen wir anderen gegenüber nicht
 anmaßend auftreten noch uns von ihnen abgrenzen. Die Apostel sind ein Band
 für die ökumenische Verbundenheit der Christen. Diese wird im Gebet
 gefestigt. Die freimütige Verkündigung des Evangeliums an alle Welt wird
 getragen von ständiger Fürbitte in den Gemeinden. In solchem ökumenischem
 Beten wird die Gemeinschaft der heiligen, die wir jeden Sonntag bekennen,
 zur Wirklichkeit. Möge uns dazu der Herr die beharrliche Wachsamkeit
 schenken, um die der Apostel bittet: Christen, die mit wachen Augen in die
 Welt blicken, bringen die vielfältigen Nöte in der Nähe und in der Ferne
 fürbittend vor Gott.
 Ein weiteres Band für die ökumenische Verbundenheit wird in der Sendung des
 Tychikus sichtbar. Das Besuchen und Grüßen zwischen den Gemeinden gehört zu
 den unverzichtbaren Lebensäußerungen der weltweiten Christenheit.
 Auch uns stärken die Worte, die bei ökumenischen Gottesdiensten und beim
 Empfang ökumenischer Gäste ausgetauscht werden. Dabei erfahren wir im
 Zuspruch des Friedens die Gnade Gottes.@{b}

 Herr Jesus Christus! Stärke die Gemeinschaft aller, die dich lieben. Laß
 uns in ständiger Fürbitte untereinander verbunden bleiben. Schenke uns die
 Kraft deines Friedens, damit wir anderen mit Liebe begegnen. Amen.@{ub}


@{i}                     Epheser 6,18-24@{ui}

@{b} Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller
 Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen.@{ub}  Eph 6,18

 Dieser Satz gehört mit dem vorhergehenden so eng zusammen, daß erst von
 daher sein Sinn deutlich wird. Vorher ist von der "Waffenrüstung Gottes"
 die Rede: Wahrheit, Gerechtigkeit, Glaube, Wort Gottes. Die braucht ein
 Christ dringend, um sich zu wehren "gegen allen bösen Geist, der auf dieser
 Erde umgeht" (V.12 nach J.Zink), und um mitzuhelfen, daß die Sache Jesu in
 der Welt vorangeht. Diese Rüstung liegt bereit. Sie muß aber "ergriffen"
 und "angezogen" werden. Das ist nur möglich durch das Gebet. Darum ist dem
 Paulus das Beten so wichtig, daß er es seinen Gemeinden mit allem Nachdruck
 ans Herz legt: "allezeit", oft und spontan, nicht als Pflichtübung, sondern
 "im Geist", im lebendigen Gespräch mit Gott, das offen ist für das Wirken
 seines Geistes. So kann das Reden mit Gott zum Mittelpunkt christlichen
 Lebens werden. Zielstrebig und hartnäckig soll es sein und über persönliche
 Wünsche und Bitten hinaus hellwach für das große Anliegen der ganzen
 Christenheit, daß "sein Reich komme".
                                                                 W-M



@ENDNODE

@NODE "Philipper 1a" "Philipper 1,1-11"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 1,1-11@{ui}

@{b} Gnade sei mit euch und Friede.@{ub}  Philipper 1,2 (EÜ)

 Paulus begrüßt seine Lieblingsgemeinde in Philippi mit überschwänglichen
 Worten der Liebe und Freude: "Ich danke meinem Gott jedesmal, wenn ich an
 euch denke."
 Heute: Wie anders sähe die Welt aus, wenn auch wir uns stets in solcher
 Haltung begegnen würden, und wie anders können wir uns als Christen
 eigentlich begegnen? Wie oft aber sind wir abweisend, unwirsch,
 desinteressiert oder gar voller Abneigung gegeneinander! - Seraphim von
 Sarow, ein Heiliger der orthodoxen Kirche (+ 833), ein beliebter
 Seelenführer, pflegte jeden seiner Gäste zu begrüßen mit den Worten: "O du
 meine Freude!" Er empfing "alle seine Besucher mit gleich großer Liebe und
 Aufmerksamkeit. Ob arm oder reich, Bauer oder Adliger, Mann oder Frau - wer
 zu ihm kam, wurde mit der gleichen Ehrerbietung aufgenommen." Am Schluß
 küßte er jeden mit den Worten des Ostergrußes: "Christus ist auferstanden,
 du meine Freude!" (I.Smolitsch, Starzen).
 Begrüßung sollte nie in ausschließlich horizontaler Richtung geschehen,
 sondern immer auch im Aufblick auf Gott, in betender Gesinnung, im
 Bewußtsein, daß auch der andere ein Kind der Gnade ist, von Gott geliebt.
 Solche Haltung ist gewiß nicht blind gegenüber menschlicher Schwäche und
 Schuld, aber sie weiß doch auch, daß "Gott größer ist als unser Herz; und
 er weiß alles" (1 Joh.3,20).
 Denen, die wir heute begegnen, will ich Christi Liebe als Gruß entbieten.
@{b}
 Herr, gib mir die Bereitschaft, dich heute in meinen Schwestern und Brüder
 zu erkennen und zu lieben.@{ub}
                                                      Johannes Günther



@ENDNODE
@NODE "Philipper 1b" "Philipper 1,12-18a"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 1,12-18a@{ui}

@{b} Um Christi willen im Gefängnis ... Aber was liegt daran?@{ub}
 Philipper 1,13.18 (EÜ)

 Paulus schreibt aus dem Gefängnis an seine Gemeinde. Erstaunlich ist die
 Gelassenheit, mit der er sich äußert. Sie fließt allein aus der Gewißheit,
 daß ihm sein Leiden "um Christi willen" auferlegt ist. Darum kann er sogar
 -später: im 4.Kapitel- seine Leser zur Freude aufrufen, "im Herrn"
 Wohlgemerkt. Verbreitung und Verteidigung des Evangeliums ist eine so
 beglückende Aufgabe, daß demgegenüber alles andere verblaßt.
 Von der frühchristlichen Martyrin Felicitas (+ um 202/203), die im Kerker
 ein Kind zur Welt bringt und in ihren Geburtswehen jammert und schreit,
 wird berichtet, daß man sie ob ihrer Wehleidigkeit verhöhnt - wie werde sie
 sich erst bei der Hinrichtung in der Arena aufführen! Sie antwortet: "Jetzt
 leide ich - dann aber leidet Christus in mir."
 Wo Christus in uns leidet, da trägt er unser Leid und nimmt unsere Last auf
 seine Schultern. Je mehr er in uns Raum gewinnt, desto mehr dürfen wir uns
 von ihm gestärkt wissen in allem, was uns widerfährt. Gelassenheit ist die
 Gnade, die ganz sicher dann geschenkt wird, wenn und je ausschließlicher es
 uns um die Sache Christi geht. Paulus sagt einmal: "Ich bin mit Christus
 gekreuzigt; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,19f).
 In eben solcher vertrauensvollen Gelassenheit will ich versuchen, den
 heutigen Tag zu durchleben.@{b}

 "Laß dich nicht ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles geht vorüber,
 Gott allein verbleibt derselbe. Alles erreicht der geduldige, und wer Gott
 hat, der hat alles. Gott allein ist genug" (Teresa von Avila).@{ub}
                                                  Johannes Günther


@ENDNODE

@NODE "Philipper 1c" "Philipper 1,15-20"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 1,15-20@{ui}

@{b}                    Ein Christ zieht Bilanz@{ub}

 Paulus schreibt den Philipperbrief aus dem Gefängnis. Er liegt gebunden in
 Ketten - sicherlich hat er Schmerzen. Am schlimmsten wird der seelische
 Schmerz sein, der Schmerz darüber, daß es in seiner liebsten Gemeinde
 Streitigkeiten gibt, Streitigkeiten, in die auch er hineingezogen wird. Er
 wird nichts mehr richtigstellen, nichts erklären, nichts entschuldigen
 können. Aber daran liegt ihm wohl am Ende eines streitbaren Lebens nicht
 mehr viel. Er zieht jetzt Bilanz. Er fragt sich, was das Leben eingebracht
 hat - für ihn selbst und für die Sache Gottes. Er überschlägt das Ganze wie
 ein Kaufmann nach Gewinn und Verlust, so, wie wir das am Ende unseres
 Lebens wohl auch tun. Dann stellen wir fest, was jeder feststellen kann:
 Erst gewinnen wir, und dann verlieren wir. Als junge Leute gewinnen wir:
 Körperkräfte, Wissen, Fähigkeiten, Freunde, eine Familie vielleicht. Und
 dann verlieren wir: Kräfte Gesundheit, Beweglichkeit, Freunde. Erst
 gewinnen, dann verlieren, das ist der übliche Lebensweg. Unter dem Strich
 ergibt sich die Bilanz: Mit Null fangen wir an, und mit Null hören wir auf.
 Erst leben wir, und dann sterben wir, eine Wahrheit, die jeder kennt. "Und
 doch ist es die Unwahrheit!" sagt Paulus. Es ist nicht wahr, daß wir erst
 leben und dann sterben; sondern erst sterben wir - siebzig oder achtzig
 Jahre lang -, und danach leben wir. Das wird dann erst das Leben sein, das
 diesen Namen verdient. Paulus weiß das von Christus, der vom Vater
 auferweckt wurde, um zu leben.
 Wenn wir Bilanz ziehen, möchten wir sagen: Zuerst geht es bergauf mit uns,
 oft bis weit über die Mitte des Lebens hinaus - und dann geht es bergab bis
 hinein in das Grab. "Ja", sagt Paulus, "aber auch das ist nur die halbe
 Wahrheit. Die ganze Wahrheit über uns sieht anders aus: Erst geht es bergab
 bis in die Gruft hinein; und dann geht es bergauf, hin zum eigentlichen
 Leben, zum Leben mit Jesus Christus."
 Paulus zieht die Bilanz seines Lebens und schreibt als Abschlußsumme keine
 Null, sondern einen großen Gewinn. Sein Christenleben wird so verlaufen,
 wie das Leben des Christus: erst sterben und dann leben. So kann der Christ
 Paulus mit großer Ruhe auf das Ende warten, denn Sterben ist für ihn
 Gewinn, ein Hauptgewinn.@{b}

 Vater im Himmel, manchmal habe ich Angst vor dem Altwerden, vor dem
 Sterben, vor dem Verlieren. Laß mich daran denken, daß du mir ewiges Leben
 geben willst. Ich danke dir dafür, daß Sterben mein Gewinn ist. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Philipper 1d" "Philipper 1,18b-26"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 1,18b-26@{ui}

@{b}                ...ich werde mich auch weiterhin freuen@{ub}
 Philipper 1,18b (LB)

 Diese so überaus zuversichtlich klingenden Worte hat der Apostel Paulus im
 Gefängnis geschrieben. Können Sie sich vorstellen, was es heißt, im
 Gefängnis zu sein? Sich nicht frei bewegen zu können, wie abgeschnitten
 sein vom Leben, getrennt sein von den Freunden, von der Familie, von
 zuhause? Wer von Ihnen mit Krankheit zu tun hat, dem ergeht es wohl ähnlich
 und der kann das nachempfinden. Vielleicht müssen wir alle durch solche und
 ähnliche Erschütterungen unseres Lebens hindurch. Vermutlich werden wir
 erst dadurch befähigt, wirklich Verständnis aufzubringen für andere. Erst
 wenn wir durch solche Erfahrung selbst einen zuverlässigen Halt gefunden
 haben, werden wir anderen einen Halt geben können. Im Gefängnis ist die
 Bewegungsfreiheit aufs äußerste eingeschränkt. Tag und Nacht ist man einer
 ständigen Kontrolle unterzogen. Da fragt sich dann ein Mensch, wie Paulus
 es tut: Was bleibt eigentlich von dem, wofür ich gearbeitet und gelebt
 habe? Doch während er so fragt, weiß Paulus zum andern, daß er nicht allein
 gelassen ist. Er weiß, daß andere an ihn denken und für ihn beten. Und auf
 einmal merkt er, wie Mauern nicht mehr so hart und undurchlässig sind. Dazu
 erschließen ihm seine eigenen Gebete eine Kraftquelle, die nicht versiegen
 wird. Er entdeckt, daß Jesus Christus der Herr ist, gerade auch in dieser
 scheinbar so ausweglosen Situation. Es ist der auferstandene und lebendige
 Christus, den er sucht, nach dem er fragt und den er findet in der
 Abgeschlossenheit seiner Zelle.
 Eine solche Begegnung mit dem auferstandenen Christus dürfen auch Sie
 erwarten. Und das wird auch Sie fröhlich und heiter stimmen, weil Sie in
 ihm Ihren Halt finden.@{b}

 Lieber Herr Jesus, zieh uns hinein in den Lichtkreis deiner Auferstehung.
 Du bist Herr über alles in dieser Welt, auch über Krankheit und Tod.@{ub}
                                                 Martin Reuer



@ENDNODE
@NODE "Philipper 1e" "Philipper 1,27-30"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 1,27-30@{ui}

@{b} Euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben,
 sondern auch um seinetwillen zu leiden.@{ub}  Philipper 1,29 (LB)

 Es ließ sie nicht kalt, die damaligen Leser, daß Paulus in  Haft  war.  Daß
 ihm  ein "Musterprozeß" bevorstand, der sich auch gegen sie richten könnte.
 Sie nahmen deshalb wie er ihre Zuflucht  zum  Gebet.
 Es  fällt  schwer  in Krisenzeiten, völlig einmütig und eines Sinnes zu
 bleiben, wie Paulus es so gern möchte. Die Angst geht um, ob der Glaube
 sich behaupten kann, ob das Evangelium seine ursprüngliche Strahlkraft
 beibehält. Denn es gibt Widerstand, es gibt Kritiker, die einem das Leben
 schwer und sauer machen. Es gibt böse Nachbarn, wie Sie das vielleicht aus
 eigener Erfahrung kennen, von denen einem ein unbegreiflicher Haß
 entgegenschlägt.
 Es gibt das Leiden um Christi willen. Nicht immer und überall, aber es gibt
 Christen, die da, wo sie leben, Benachteiligung erfahren, und zwar nur weil
 sie glauben und zu ihrer Überzeugung stehen. Noch vor kurzem, vor der
 "Wende", gab es in der DDR manchen jungen Menschen, dem es so erging. Nur
 weil er sich zur "Jungen Gemeinde" hielt, nur weil er aus Glaubens- und
 Gewissensgründen den Wehrdienst ablehnte. Und wenn in unserer
 Wohlstandsgesellschaft jemand damit Ernst macht, daß wir mitverantwortlich
 sind für die Armen in unserer Welt, stößt er auf ähnlichen Widerstand. Wer
 aus dem Geist des Evangeliums lebt, dem bleiben Auseinandersetzungen nicht
 erspart.
 Ist solch Widerstand, wenn er uns begegnet, ist solche Ablehnung aber nur
 etwas, worüber wir uns ärgern? Hier wird uns eine andere Sicht der Dinge
 eröffnet. Ausdruck der Gnade ist es, wenn uns das widerfährt. Es ist eine
 Auszeichnung, daß Gott es uns zutraut, uns als seine Kinder zu beweisen,
 die zu ihm stehen, auch wenn es hart auf hart geht.@{b}

 Herr, wenn ich auf Ablehnung stoße, wenn man mir böse will, hilf mir, mich
 so zu verhalten, daß mein Glaube an dich seine Strahlkraft behält.@{ub}
                                                      Martin Reuer


@ENDNODE
@NODE "Philipper 2a" "Philipper 2,1-4"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 2,1-4@{ui}

@{b}                    Seid eines Sinnes!@{ub}

 Eindringlich bittend klingen die ersten Worte dieses Abschnitts: "Ist nun
 bei euch Ermahnung in Christus, ...so macht meine Freude vollkommen."
 Der Apostel kommt also nun auf etwas zu sprechen, was ihm besonders wichtig
 ist. Was er damit meint, zeigen die Worte: Seid einerlei Sinns, habt
 gleiche Liebe! Es geht ihm also um Fragen, bei denen die Einheit der
 Christengemeinde bedroht erscheinen muß. Woran mag er dabei gedacht haben?
 Wenn wir in diesem Brief weiterlesen, so folgt im nächsten Kapitel eine
 sehr harte Warnung vor Irrlehrern. Da diese Beschneidung (Paulus spricht
 bitter ironisch von einer "Zerschneidung") fordern, wird es sich wohl um
 Judenchristen handeln, die von jedem Christusgläubigen die Einhaltung des
 ganzen Mosegesetzes fordern. Sie können es sein, die die Einheit der
 Gemeinde zerstören. Kann dieser ganze Abschnitt hierhergestellt sein, um
 diese Warnung recht verständlich zu machen? Sicher wird es bei den
 Philippern auch um persönliche Eifersüchteleien und um falschen Ehrgeiz
 gegangen sein. Doch es wird auch mehr auf dem Spiel stehen. Paulus weiß ja
 aus eigener Erfahrung, daß solche Gegensätze eine ganze Gemeinde zerstören
 können. Er hat das in Antiochia erlebt (Galater 2). Das mag seinen
 Mahnungen ihren drängenden, fast beschwörenden Klang gegeben haben.
 Vielleicht fürchtet er, daß auch in Philippi so etwas wie einst in
 Antiochia geschehen könnte. In den folgenden Worten wird auch das Vorbild
 Jesu Christi zur Unterstützung dieser Warnung herangezogen. Den Gefahren,
 die so der Gemeinde, zugehen sollte. Nicht Zank oder falscher eigennütziger
 Ehrgeiz, sondern Demut muß das Leben in der christlichen Gemeinde
 bestimmen. Christen werden bei allem, was sie tun, auf ihren Mitbruder
 achten; sie werden auf ihn Rücksicht nehmen. Sie werden dagegen bedenken:
 "Womit kann ich meinem Mitbruder nützen?" Nicht das eigene Ich, sondern der
 andere wird das Leben des Christen bestimmen. Wo das bedacht wird, kann es
 in einer Gemeinde gar nicht erst zu einer Spaltung kommen. Die Geschichte
 der Kirche mit ihren vielfältigen Spannungen zeigt uns, daß das bei uns oft
 viel zuwenig beachtet worden ist. Wir müssen Gott bitten: "Vergib uns
 unsere Schuld!"@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du bei uns bist. Gib uns den Mut,
 unser Leben für andere zu gestalten! Mache uns offen für das, was der
 andere von uns erwartet! Amen.@{ub}



@{i}                      Philipper 2,1-4@{ui}

@{b} ...ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem
 andern dient.@{ub}   Philipper 2,4 (LB)

 Mir vor Augen steht das Bild eines Misereor-Hungertuches, das vor Jahren
 von einem haitianischen Künstler gestaltet wurde. Vermutlich lebt er noch
 immer im französischen Exil.
 In der Mitte des Bildes steht ein riesiger Baum, an ihn ist Jesus genagelt.
 Dieses Kreuz aber ist kein totes Holz mehr, kein abgestorbener oder noch
 absterbender Baum. Weil Jesus an ihm hängt, weil sein Leben in ihn eingeht,
 deshalb wird dieser Baum zum Lebensbaum. Der Baum mit weit ausladenden
 Ästen hängt voller Früchte. Dieser Baum verspricht, daß in Zukunft niemand
 mehr zu hungern und zu dürsten braucht, und er verspricht noch mehr als
 das.
 Um diesen Baum herum ist eine Reihe anderer Bilder gruppiert. Sie
 illustrieren, worum es Jesus ging und worum es auch uns gehen sollte: das
 Wohlergehen der anderen im Auge zu behalten. Eins der Bilder zeigt eine
 Kampfszene - noch immer traurige Wirklichkeit in manchen Gegenden unserer
 Welt. Flugzeuge, Panzer, Soldaten sind zu sehen. Und mitten darin, in der
 Nachfolge Jesu, auch ein Sanitäter, der sich um die Verwundeten und
 Verletzten kümmert. In dieser Nachfolge Jesu sehen wir viele andere stehen
 - die Wehrersatzdienst leisten, Mitarbeiter der "Aktion Sühnezeichen",
 Entwicklungshelfer, aber auch die Schwester und den Pfleger, die im
 Krankenhaus nebenan Dienst tun.
 Es gibt ein menschliches Zusammenleben, ohne daß man voreinander auf der
 Hut sein muß, ohne daß man gegeneinander Waffen haben und gerüstet sein
 muß. Bleiben wir dabei, oder fangen wir damit an, einander die Hand zu
 reichen, miteinander zu sprechen und das zu teilen, was wir haben!@{b}

 Herr, vor unseren Augen steht das, was uns Angst macht. Mit dir aber kann
 sich das ändern. Bitte, hilf uns.@{ub}
                                                       Martin Reuer



@ENDNODE
@NODE "Philipper 2b" "Philipper 2,5-11"
@TOC MAIN
@{i}                       Philipper 2,5-11@{ui}

@{b} ...daß sich in dem Namen Jesu beugen sollen aller derer Knie, die im
 Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.@{ub} Philipper 2,10 (LB)

 Es gibt Schwierigkeiten im Zusammenleben - auch unter Christen. Aber es
 gibt auch etwas, das uns verbindet, das uns wieder zusammenbringt und
 zusammenhält trotz aller Unterschiede: der Glaube und das Bekenntnis zu
 Jesus Christus. Paulus zitiert hier ein Christuslied, von dem er annehmen
 kann, daß es seinen damaligen Lesern bekannt sein dürfte. Er tut das, weil
 das Lied Aufschluß darüber gibt, wer denn das ist, an den wir glauben.
 Der historische Jesus hat seine Geschichte gehabt. Diese ist aber nicht zu
 Ende mit seinem Tod. Sein Tod ist vielmehr der Beginn einer neuen
 Lebendigkeit und Aktivität einer neuen Lebendigkeit und Aktivität. Der in
 den Tod gedrängt wurde, bringt auch dorthin die Erlösung. Die Liebe trägt
 die Hoffnung zu den Toten und sprengt endlich auch ihr Gefängnis.
 Jesus Christus ist der, der Gott gehorsam geblieben ist im Leben wie im
 Tod. Er war Kind Gottes und ist es geblieben. Die Radikalität seines
 Lebens, die Entschiedenheit, mit der er Kind Gottes war, hat Gott
 veranlaßt, zu ihm zu stehen das hat Gott bewogen, ihm einen bevorzugten
 Platz einzuräumen, direkt neben sich.
 Warum all diese Worte der Anbetung? Damit Christus uns noch größer und
 lebendiger wird. Nicht, daß Christus das ganz große Wunder jetzt für uns
 tun wird. Das dürfen wir erst erwarten nach unserem Tode, mit unserer
 eigener Auferstehung. Doch das nächste kleinere Wunder dürfen wir jetzt
 schon von ihm erwarten: daß wir heute noch einmal wieder aufleben. Weil wir
 ihn, den Auferstandenen neben uns haben als Bruder und Freund.@{b}

 Herr, hilf auch uns, treu zu sein, unserer Überzeugung treu zu bleiben,
 treu und verläßlich an all unseren Lebenszusammenhängen.@{ub}
                                                    Martin Reuer



@ENDNODE
@NODE "Philipper 2c" "Philipper 2,12-18"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 2,12-18@{ui}

@{b} ...scheint als Lichter in der Welt.@{ub}  Philipper 2,15d (LB)

 Dietrich Bonhoeffer, dessen Inhaftierung auch mit dem Tode endete,
 entdeckte während der Haft, wie manche Kleinigkeiten, die er bisher
 übersehen hatte und die für ihn bislang ohne Wert waren, einfachste Dinge
 wie Pflanzen, Bäume, Blätter, Vögel, Erinnerungen und Briefe, auf einmal
 sein Leben bereicherten und erträglicher machen. Immer deutlicher wurde ihm
 aber auch, daß sein eingeengtes Leben seinen wirklichen Sinn erst durch den
 Glauben erhielt.
 Die damaligen Christen in Philippi fühlten sich ebenfalls isoliert und wie
 Waisenkinder, weil sie ohne den Apostel Paulus auskommen mußten, der ihr
 geistiger beziehungsweise geistlicher Ziehvater war. Deshalb schreibt ihnen
 Paulus aus der Haft. Und in dem, was er ihnen schreibt, stellt er ihnen vor
 Augen, was sein und aller Christen Vorbild und Maßstab ist: Jesus Christus.
 Mehr noch, er schreibt, daß wir uns verstehen dürfen als Kinder Gottes. Und
 die Zusage, die der Vater seinen Kindern gegeben hat und immer wieder neu
 in jedem Gottesdienst gibt, wird Gott verwirklichen und wahr werden lassen.
 Wer nachts unterwegs sein muß, weiß, wie wichtig es ist daß die Straßen
 beleuchtet sind, damit man sich zurechtfindet. Darüber hinaus geben einem
 die Lichter aus den Häusern, die man am Rande des Weges sieht, das Gefühl
 nicht allein zu sein, sondern in Reichweite von anderen bei denen man
 notfalls Zuflucht findet und Hilfe, wenn man sie braucht.
 Als Christen haben auch wir eine solche Funktion wahrzunehmen: anderen zu
 helfen, die sich orientieren wollen. Lassen Sie uns ansprechbar sein für
 andere. Lassen Sie uns der Liebe Gottes Ausdruck geben in unserem Leben.
 @{b}
 Herr, stärke in uns den Glauben, damit wir auch dementsprechend leben.
 Befreie uns von unserem Hang zur Resignation. Laß die Freude über deine
 Nähe auch in unserem Leben aufblühen.@{ub}
                                                   Martin Reuer



@ENDNODE
@NODE "Philipper 2d" "Philipper 2,19-30"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 2,19-30@{ui}

@{b} Ich habe es aber für nötig angesehen, den Bruder Epaphroditus zu euch
 zu senden, der mein Mitarbeiter und Mitstreiter ist und euer Abgesandter
 und Helfer in meiner Not.@{ub}  Philipper 2,25 (LB)

 Im zweiten Kapitel des Briefes von Paulus an die Gemeinde in Philippi geht
 es zunächst um die Gemeinde und ihre Standhaftigkeit gegenüber inneren und
 äußeren Feinden. Im zweiten Abschnitt nach dem "Christuslied" schreibt
 Paulus über die Nachfolge Jesu. Im Schlußteil dieses Kapitels berichtet
 Paulus der Gemeinde über seine Pläne für die nächste Zukunft. Paulus
 befindet sich zu dieser Zeit im Gefängnis. Über die Anklage und das Urteil
 -Tod oder Befreiung- ist noch nicht entschieden. Auch der Ort des
 Gefängnisses wird nicht genannt. Zu vermuten ist, daß er sich im Gefängnis
 in Ephesus in Klein Asien, der heutigen Türkei, befand. Philippi, eine
 römische Kriegsveteranen-Siedlung in Griechenland, lag an der
 Verbindungsstraße -der Via Egnatia-, die Rom mit Asien verband. Paulus, der
 die Gemeinde zu Philippi wahrscheinlich in den Jahren 48-49 n.Chr. während
 seiner zweiten Missionsreise mitbegründet, versucht auch vom Gefängnis aus
 engen Kontakt zur Gemeinde zur gegenseitigen Information, zur Stärkung und
 zur Hilfe aufrecht zu erhalten. Nicht nur Briefe werden gewechselt - obwohl
 auch dies, gemessen an unseren modernen Zeiten, sehr viel ist -, sondern
 Abgesandte werden auf die Reise geschickt. Wichtig scheint mir, daß Paulus
 seinen "Bruder", seinen "Mitarbeiter", seinen Mitstreiter entsendet, der
 gleichzeitig Abgesandter der Gemeinde und Helfer im Gefängnis war.
 Vielleicht können wir in den von Paulus benutzten Begriffen eine Steigerung
 erkennen? "Bruder" ist jeder Christ, viele sind "Mitarbeiter", aber nur
 wenige werden wir "Mitstreiter", "Mitkämpfer", "Bundesgenossen" nennen, da
 dies ein besonderes Maß an Vertrauen, an Übereinstimmung und gemeinsamer
 Erfahrung voraussetzt. Können wir sagen, daß heute solche engen Beziehungen
 zwischen den Gemeinden und den Aposteln (Bischöfen und Diakonen) bestehen
 und gepflegt werden?@{b}

 Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
@{ub} (Psalm 106,1-3)
                                                   Peter Heilmann



@ENDNODE
@NODE "Philipper 3a" "Philipper 3,1-11"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 3,1-11@{ui}

@{b} ...daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt,
 sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit,
 die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.@{ub} Philipper 3,9 (LB)

 Eigene Gerechtigkeit und Glaubensgerichtigkeit sind das Gegensatzpaar, mit
 dem sich Paulus in diesen Zeilen beschäftigt. Am Anfang der Bibellese steht
 die wiederholte Aufforderung zur Freude im Herrn. Nach einer eindringlichen
 Mahnung in der Gemeinde, gegen die Verbreitung von Irrlehren anzugehen, zum
 Beispiel gegen den eigenen falschen Stolz, berichtet der Apostel über seine
 eigene Glaubenserfahrung. Paulus will alles vergangene Denken und Tun
 hinter sich lassen und betrachtet das Vergangene im Licht der neuen
 Erfahrung als Schaden. Die Erkenntnis, daß für ihn in Gegenwart und Zukunft
 Jesus Christus Herr und Mittelpunkt seines Lebens ist, verändert ihn
 völlig.
 Die Gerechtigkeit, die aus dem Einhalten und der Befolgung der Gesetze des
 Alten Testaments besteht, wird ersetzt durch die Gerechtigkeit Gottes, die
 als Gnade gegeben wird. Es versteht sich von selbst, daß dies nicht
 bedeutet, daß Gesetze und Regeln nicht mehr eingehalten werden sollen. Es
 bedeutet ganz eindeutig im Bekenntnis von Paulus, daß volle, vollständige
 Gerechtigkeit im Glauben an Jesus Christus und als Gnade des Herrn gesehen
 werden muß.
 Im Brief an die Galater formuliert Paulus: Wir aber warten im Geist durch
 den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muß (Galater 5,5). Zu
 fragen ist, ob das Bekenntnis des Paulus heute noch zutreffend ist? Werden
 die Gemeinden Christi auch heute von der Hoffnung auf Gerechtigkeit
 getragen?@{b}

 Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuschanden werden, errette
 mich durch deine Gerechtigkeit.@{ub}
                                              Peter Heilmann



@ENDNODE
@NODE "Philipper 3b" "Philipper 3,12-16"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 3,12-16@{ui}

@{b} Nur, was wir schon erreicht haben, darin laßt uns auch leben.@{ub}
 Philipper 3,16(LB)

 In den fünf Versen dieser Bibellese erörtert Paulus noch einmal das Ziel
 seiner Bestrebungen. Er bedient sich hierbei der geläufigen Begriffe seiner
 Zeit, indem er über Vollkommenheit, über Vollkommensein, spricht. Deutlich
 benennt er seine Zweifel und sagt von sich selbst, daß er es noch nicht
 "ergriffen" habe, daß er die Vollkommenheit noch nicht erreicht habe.
 Dennoch will er bei seinen Bemühungen bleiben und bekennt, daß er dem
 Zukünftigen nachjagen will. Die Vollendung ist für ihn nach Leid und Tod
 (Kreuz) die Auferstehung, die Vollkommenheit verheißt.
 Zum einen betont Paulus, daß für das Erreichen der Vollkommenheit auch
 eigenes Tun, Aktivität und Streben notwendig sind. Die Jagd und der Preis
 in der Kampf- oder Sport-Arena werden dabei als Bilder benutzt. Zum anderen
 betont Paulus, daß es darauf ankommt, mit dem Erreichten, mit dem Grad an
 Vollkommenheit beziehungsweise Unvollkommenheit zu leben. Sicher ist, daß
 Paulus auch eher - und dies wird unseren eigenen Erfahrungen entsprechen -
 an Unvollkommenheit denkt. Bei allem kritischen Bemühen werden wir immer
 mit dieser Unvollkommenheit im alltäglichen Leben zu tun haben.
 Da Vollkommenheit letztlich ein Geschenk des Allmächtigen ist -eine Gnade-,
 bleibt für den Christen das Streben, die Bemühungen, die Hoffnung, und dies
 vor allem.@{b}

 Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest/ nachdem wir so
 lange Unglück leiden. -Zeige deinen Knechten deine Werke/ und deine
 Herrlichkeit ihren Kindern. -Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich
 und fördere das unsere Hände bei uns. /Ja, das Werk unsrer Hände wolltest
 du fördern!@{ub} (Psalm 90,15-17)
                                                Peter Heilmann




@ENDNODE
@NODE "Philipper 3c" "Philipper 3,17-21"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 3,17-21@{ui}

@{b} Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns
 zum Vorbild habt.@{ub}       Philipper 3,17 (LB)

 Paulus fährt in diesem Text mit seiner Auseinandersetzung mit Irrlehrern,
 mit falschen Vorstellungen und falschen Wegen fort. Er ermahnt die
 Gemeinde, seinen und dem Beispiel der Apostel zu folgen. Dies ist natürlich
 nicht zu verstehen als eine Selbstverherrlichung und Belobigung für Paulus,
 sondern es geht um das Beispiel des rechten Glaubens und um das Beispiel
 des richtigen Handelns. Paulus erinnert die Gemeinde daran, daß das wahre,
 das eigentliche Bürgerrecht der Christen im Himmel bei Jesus Christus ist.
 Der Weg dorthin geht über Leid, Not, Tod und Auferstehung. Nach der
 Wiederkunft Jesu findet das Endgericht statt - die Vereinigung mit dem
 Herrn - die Vollkommenheit. Scharf verurteilt der Apostel diejenigen, die
 das Leid, das Kreuz, ablehnen. Ihr Gott ist der Bauch - der Körper, das
 irdische Leben sagt der Apostel. Wir können es in unserer heutigen Sprache
 formulieren: Ihr Gott ist der Besitz, das Geld, das Anhäufen von Reichtum.
 Ihr Ende ist, wie Paulus erklärt, das Verderben. Paulus erinnert daran, daß
 er schon mehrfach vor diesem falschen Weg: Christus anzuerkennen, das Kreuz
 aber abzulehnen, gewarnt hat. Dennoch, auch gegenüber diesen Verirrten
 zeigt der Apostel Mitleid, wenn er sagt: "Jetzt aber sage ich es mit
 Tränen."
 Wo, so können wir fragen, sind heute die Apostel, die Vorbilder, denen wir
 nachfolgen können? Sicher sind sie in er Bibel, in der Vergangenheit in
 Vielzahl zu finden. Wo aber sind sie zu finden im täglichen Leben unserer
 Gegenwart? Sind wir imstande, diese Vorbilder zu erkennen? Können wir den
 richtigen von dem falschen Weg unterscheiden?@{b}

 Allmächtiger, laß uns den richtigen von dem falschen Wege unterscheiden.
 Gib uns die Gnade, täglich Vorbilder zu finden und zu erkennen. Bewahre uns
 vor dem falschen Streben nach Reichtum und Ruhm. Wir streben und warten auf
 deine Vollkommenheit, Jesus Christus. Amen.@{ub}
                                                 Peter Heilmann




@ENDNODE
@NODE "Philipper 4a" "Philipper 4,1-9"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 4,1-9@{ui}

@{b} Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was
 rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es
 ein Lob - darauf seid bedacht!@{ub}  Philipper 4,8 (LB)

 Der Schlußabschnitt des Briefes an die Gemeinde in Philippi ermahnt an
 erster Stelle alle Schwestern und Brüder zur Einmütigkeit. Paulus erinnert
 an die gemeinsame Arbeit und benennt die besonderen Leistungen von Frauen
 und Männern in Philippi. Die gemeinsame Arbeit, der gemeinsame Kampf für
 das Evangelium sind die Grundlage für die Einigkeit, die unbedingt erhalten
 werden muß. Diese Einigkeit beinhaltet gleichzeitig die Freude am Herrn.
 Dem schließt sich der Segenswunsch an: "Und der Friede Gottes, der höher
 ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus"
 (Phil 4,7).
 Der Apostel gibt danach eine sehr wichtige Ermahnung an die Gemeinde. Er
 verweist die Gemeinde auf die Werte der Umwelt. Diese werden wie ein
 Katalog von guten Sitten oder auch wie ein Lehrbuch für moralische
 Verhalten im Stil der damaligen Zeit vorgetragen. Mir scheint, daß hier der
 Apostel Paulus etwas zur christlichen Gemeinde sagt, was auch heute von
 großer Bedeutung sein sollte: die Umwelt der Gemeinde wahrzunehmen und
 nicht gering zu schätzen. Das heißt doch, daß christliche Gemeinde bei
 aller berechtigten Kritik die Ideen, die moralischen Vorstellungen ihres
 Umfeldes zur Kenntnis nehmen und berücksichtigen muß. Das heißt doch, daß
 christliche Gemeinde auch die Vorstellung von Nicht-Christen - von
 Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen - ernst zu nehmen hat. Wenn wir diese
 Mahnung des Apostels Paulus ernst nehmen und für gültig erachten, wissen
 wir, woran es vielen Gemeinden -immer noch- mangelt.@{b}

 Paulus und Barnabas aber sprachen frei und offen: Euch mußte das Wort
 Gottes zuerst gesagt werden; da ihr es aber von euch stoßt und haltet euch
 selbst nicht für würdig des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den
 Heiden, denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich zum Licht der
 Heiden gemacht, damit du das Heil seist bis an die Enden der Erde@{ub}
 (Apg 13,46-47)
                                                Peter Heilmann



@ENDNODE
@NODE "Philipper 4b" "Philipper 4,10-13(-20)"
@TOC MAIN
@{i}                      Philipper 4,10-13(-20)@{ui}

@{b}                      Es wird ein gutes Jahr@{ub}

 Paulus sitzt im Gefängnis, und darum hat die Gemeinde in Philippi für ihn
 gesammelt. Epaphroditus hat die Gaben überbracht. Nun wollen die Philipper
 wissen, wie es Paulus geht. Und der schreibt seitenlang: "Dem Evangelium
 geht es gut!" Erst ganz am Schluß antwortet er auf die Frage, ob er denn
 gut versorgt sei: "Ich habe Überfluß." Denn ob einer genug hat, ist ja
 nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern auch der inneren Einstellung.
 Der eine hat eine Villa und jammert; der andere hat nur das, was er mit
 sich herumträgt, und freut sich. Der eine kann nur zufrieden sein, wenn
 alle ihm zustimmen; der andere kann alles verkraften: jubelndes Lob, ohne
 daß er hochmütig würde, und wütende Beschimpfungen, ohne daß er
 zusammenbräche. So ist Paulus. Er vermag das alles, aber nicht weil er
 abgestumpft wäre; nicht weil er durch Höhen und Tiefen gegangen wäre,
 sondern er kann das alles, weil Christus bei ihm ist. Er weiß, daß Jesus
 nun nicht mehr der kleine jüdische Wanderprediger aus Palästina ist,
 sondern der Christus. Paulus trifft ihn überall: in den Hütten der Weber zu
 Korinth und in den Villen der Kaufleute zu Philippi. Paulus kommt vor
 römische Statthalter - und Christus ist schon im Palast. Paulus wird von
 Folterknechten ausgepeitscht - und Christus ist schon im Folterkeller.
 Paulus wird in Lystra von einer jubelnden Menge gefeiert - und Christus ist
 bei ihm. Er wird in Athen als jüdischer Schwätzer beleidigt und verspottet
 - und Christus ist auch da. Wo Paulus auch lebt, da lebt er im Bereich
 Christi, im Reich Gottes. Es scheint so, daß er diesen Glauben nie verloren
 hat: Christus ist hier in dem Raum, in dem ich bin, hier, bei diesem
 Gespräch, bei dieser Rede, der sie alle lauschen, bei dieser Versammlung,
 wo sie alle lauschen, bei dieser Versammlung, wo sie mit Steinen werfen.
 Weil Paulus so bewußt mit Christus lebt, segnet Gott seine Arbeit bis
 heute. Wir gehen in ein neues Jahr. was es bringt, wissen wir nicht. Und
 eigentlich ist das auch gar nicht entscheidend, wenn wir nur nicht
 vergessen: Christus ist bei uns - in jeder Wohnung, in jedem Büro, in jeder
 Werkhalle, in jeder Schuljlasse. Wir wollen das nicht vergessen. Dann wird
 es ein gutes Jahr, und wir können täglich mit dem Apostel bekennen: "Ich
 habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie ich's finde! Ich vermag alles
 durch den, der mich mächtig macht, Christus."@{b}

                  Der du allein der Ewge heißt
                  und Anfang, Ziel und Mitte weißt
                  im Fluge unsrer Zeiten:
                  Bleib du uns gnädig zugewandt,
                  und führe uns an deiner Hand,
                  damit wir sicher schreiten.
                  Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Philipper 4c" "Philipper 4,10-23"
@TOC MAIN
@{i}                     Philipper 4,10-23@{ui}

@{b} Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes
 vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluß haben und Mangel
 leiden. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.@{ub}
 Philipper 4,12-13 (LB)

 Bevor Paulus der Gemeinde seine Grüße und Segenswünsche übersendet, dankt
 er den Christen in Philippi für die Gaben, die sie ihm durch Boten,
 besonders durch Epaphroditus, geschickt haben. Es fällt auf, daß er dies
 fast am Ende seines Briefes tut. Es mag sein, daß es ihm nicht so wichtig
 ist, vielleicht auch, daß es ihm unangenehm, fast peinlich ist. Er betont
 ausdrücklich, daß es ihm nicht um die Geschenke ging, wenn sie auch
 dringend notwendig waren, sondern mehr um die Gemeinde, um das Geben der
 Gemeinde, um ihr gottgefälliges Tun. Er verheißt der Gemeinde, daß sie auch
 deshalb mit Gottes Gnade keinen Mangel in Zukunft wird leiden müssen.
 Besonders wichtig scheint es Paulus zu sein, daß die Gemeinde sich um ihn
 sorgt, an ihn denkt und mit ihm in Gemeinschaft bleibt. Er betont, daß er
 alles ertragen kann durch die Kraft des Allmächtigen, in dessen Auftrag er
 arbeitet. Nicht etwa aus der eigenen Kraft, aus Selbstdisziplin, aus
 eigener physischer und psychischer Stärke.
 Unsere Frage könnte sein: Gibt es heute ähnliche Menschen, die dies mit
 Recht von sich sagen können oder wir von ihnen sagen würden? Mir fallen
 Namen aus unserer jüngsten Geschichte ein: Martin Niemöller im
 Konzentrationslager Sachsenhausen, Paul Schneider in Buchenwald, Dietrich
 Bonhoeffer in Plötzensee, der jüdische Gelehrte Leo Baeck in
 Theresienstadt, Ernesto Cardenal und Camillo Torres in Latein-Amerika.
 Sind es wenige, sind es viele Menschen?@{b}

 Allmächtiger, wir danken für die Vorbilder, für die Beispiele menschlichen
 Lebens, die uns zum Nacheifern gegeben sind. Allmächtiger, wir bitten dich
 um Kraft, die großen und kleinen Nöte und Leiden in unserem Leben zu
 bewältigen. Gib uns, Allmächtiger, deine Gnade und deinen Segen heute und
 in aller Zukunft.@{ub}
                                                        Peter Heilmann



@ENDNODE

@NODE "Kolosser 1a" "Kolosser 1,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 1,1-8@{ui}

@{b}                      Wir danken Gott@{ub}

 Wie soll man einen Brief beginnen an Empfänger, die man nicht persönlich
 kennt? Man hat nur von ihnen gehört und hat ihnen doch Wichtiges
 mitzuteilen. Werden Adressaten den Briefinhalt annehmen? Werden sie Kritik
 nicht zurückweisen? Wie also mit dem Schreiben anfangen? - Gute Wünsche
 sind immer willkommen. Paulus und Timotheus beginnen ihren Brief an die
 Kolosser mit Gruß und Wunsch. Sie wünschen den Empfängern in der fremden
 Gemeinde Gnade und Friede von Gott her. Gnade - darauf sind die Absender
 ebenso angewiesen wie die Empfänger des Briefes. Da stehen beide Seiten in
 der gleichen Erwartung. Die gemeinsame Ausrichtung auf Gott verbindet
 Menschen, auch wenn sie sich nicht kennen.
 Nach dem Wunsch setzt Paulus den Briefbeginn mit Danken fort. Dabei geht es
 nicht um Dank für etwas, was er von den Kolossern empfangen hätte. Er dankt
 Gott für die Gemeinde in Kolossä. Damit blickt er auf die vielen guten
 Gaben, an denen die Gemeinde reich ist. Der Reichtum läßt sich
 zusammenfassen in den Stichworten: Glaube, Liebe, Hoffnung. Den Reichtum
 der geistlichen Gaben hat die Gemeinde nicht für sich behalten. Frucht ist
 daraus gewachsen. So wird das Evangelium reichlich angeboten. Auch
 gemeinsames Danken verbindet. Es erinnert an die gemeinsame
 Lebensgrundlage. Würden wir nicht in der Gemeinde und mit anderen Menschen
 tiefer verbunden sein, wenn wir gemeinsam vom Danken ausgehen würden? Etwa
 so: Schön, daß es dich gibt. Sieh, was Gott uns alles geschenkt hat. Bei
 solchem Danken darf auch Kritik zu ihrem Recht kommen. Aber laßt uns mit
 dem Positiven anfangen. Da gibt es viel zu entdecken.@{b}

 Gott, unser Vater und Herr! wir danken dir für diesen Tag. Wir danken dir,
 daß du uns ansprichst durch dein Wort. Wir danken dir, daß du uns
 einbezogen hast in die weltweite Gemeinde der Glaubenden. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 1b" "Kolosser 1,9-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Kolosser 1,9-14@{ui}

@{b}                    Wir bitten für euch@{ub}

 Christen dürfen sich mitteilen, wenn sie füreinander beten. Sollten wir uns
 nicht öfter sagen oder schreiben, daß wir betend aneinander denken? Paulus
 berichtet über seine Fürbitte für die Gemeinde recht ausführlich. Die
 Kolosser sollen erfahren, was der Apostel für sie erbittet. Er führt mit
 Gott keine Geheimgespräche. Vor allem macht dieser Briefeingang auch
 deutlich: Bevor der Apostel zu den Kolossern redet, hat er mit Gott über
 sie gesprochen. Auch Mahnung und Kritik sind vor Gott verantwortet.
 Gedanken und Pläne werden im Gebet geklärt.
 Die Gebetsanliegen, die Paulus mitteilt, beziehen sich auf große Dinge.
 Manches empfinden wir vielleicht als zu allgemein. Wir denken bei Fürbitte
 oft nur an konkrete Sorgen im alltäglichen Leben. Der Apostel zeigt uns,
 wie wichtig es ist, auch für geistliches Wachstum zu beten, für Erkenntnis
 des göttlichen Willens. Für ein Leben, das durchzogen ist von
 Glaubenseinsichten, ist es nötig zu beten, auch für ein Handeln, das vor
 Gott bestehen kann. Und immer wieder ist zu beten um den langen Atem, mit
 dem Hoffnung und Freude durchgehalten werden. Es ist zu beten um Kraft für
 unsere Gemeinden heute, damit sie dem, was dem Willen Gottes nicht
 entspricht, widerstehen können. Kraft wächst aus der Hoffnung auf das
 unvergängliche Erbe des Glaubens. Standhaftigkeit gründet sich auf unsere
 große Berufung in Christus. Fürbitte wird in diese Lebensbewegung
 hineinführen. Sollten wir uns nicht öfter einmal mitteilen, daß wir uns
 nicht nur gegenseitig Gutes wünschen, sondern daß wir es auch füreinander
 von Gott erbitten?@{b}

 Herr, Gott, du willst unsere Bitten in deine Pläne einbeziehen. Damit gibst
 du unserem Beten große Würde. Laß uns treu sein in der Fürbitte. Wir bitten
 dich für deine Kirche in aller Welt: Laß sie eine betende Kirche sein.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 1c" "Kolosser 1,15-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 1,15-20@{ui}

@{b}                    Es besteht alles in ihm@{ub}

 Meister Bertram von Minden hat auf dem Grabower Altarbild auch die
 Schöpfung gemalt. Der Weltenschöpfer zeichnet mit seinem Finger die
 Sternenbahnen, auch die Formen, in denen Pflanzen wachsen und Blumen blühen
 sollen. Und nun kommt das Erstaunliche: Gott Schöpfer ist als Christus
 dargestellt worden. Der mittelalterliche Maler wollte damit die tiefe
 Wahrheit ausrücken, die der Kolosserbrief predigt: Alles, was geschaffen
 ist, ist durch Christus und auf Christus hin geschaffen. Manches an dieser
 Aussage klingt geheimnisvoll. Worum es aber geht, ist dies: Die ganze Welt
 ist aus Gottes Hand sehr gut hervorgegangen. Die Evangelisten berichten uns
 über Jesus Christus, wie unbefangen er die Gaben der Schöpfung benutzt. In
 Jesu Reden und handeln sieht uns Gottes Schöpfung freundlich an. Jesu
 "Haupt voll Blut und Wunden" noch schaut uns liebend an, obwohl es so
 entstellt ist, wie unsere ganze Erde es zeitweise war und ist. Als der
 Erhöhte, aber nicht als ein Fremder trat Christus den Osterzeugen
 freundlich entgegen mit dem Gruß: "Friede sei mit euch!" - Er war vor aller
 Zeit bei Gott. Und die Entwicklung aller Dinge geht hin auf ihn. Von A bis
 Z liegt alles in seiner Hand. Auch die Abläufe, die wir nicht zu
 durchschauen vermögen, tragen letztlich doch sein Gesicht. - Menschen in
 der Gemeinde von Kolossä meinten, ihr Leben würde von dunklen Mächten und
 Gewalten bestimmt. Diese Schicksalsmächte seien stärker als Christus.
 Solchem Irrglauben stellt der Apostel den Christusglauben entgegen. Wir
 dürfen glauben: Von guten Mächten sind wir wunderbar geborgen.@{b}

 Christus, du hältst die ganze Welt in deiner Hand. Du hältst auch uns. Wir
 danken dir, daß du das Ziel aller Dinge bist und wir dir entgegen gehen.
 Gib uns deinen Geist, daß wir dich nicht aus den Augen verlieren. Amen.
@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 1d" "Kolosser 1,21-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 1,21-23@{ui}

@{b}                          Versöhnt@{ub}

 Wenn zwei Menschen sich wieder versöhnen, ist das jedesmal eine beglückende
 Erfahrung. Die beiden sprechen wieder miteinander. Sie geben sich wieder
 die Hand. Trennende Schuld ist begraben worden. Das gemeinsame Leben kann
 noch einmal beginnen.
 Die Bibel weiß, wie sehr unser Leben der Versöhnung bedarf. Denn
 Abgrenzungen durchziehen oft das Miteinander. Wände des Mißverstehens
 erheben sich. Oft sind wir sogar uns selbst nicht gut. Doch wer sich selbst
 nicht annehmen kann, der findet auch zu anderen Menschen nur schwer ein Ja.
 Den heimlichen Krieg in uns wenden wir dann nach außen.
 Die Kolosser waren heimlichen und offenen Feindschaften ausgesetzt. Sie
 fühlten sich fremd in der Welt. Sie meinten, bösen Mächten ausgesetzt zu
 sein. Das ließ sie auch im Miteinander nicht zum Frieden kommen. Der
 Apostel erinnert sie an die Rettung durch Jesus Christus. Christus hat als
 der Sohn Gottes ganz im Frieden mit Gott und den Menschen gelebt. Noch in
 der äußersten Bedrängnis, die Menschen erfahren können - im Tod -, blieb er
 doch in jenem Frieden. Was wir nicht vermögen, hat er für uns getan. Er hat
 uns seinen Frieden gesandt. Er, der Sohn, hat uns versöhnt. Nun sind wir
 als seine Mitbrüder Söhne des himmlischen Vaters. Die christliche Gemeinde
 ist eine Gemeinde der Versöhnten, nicht auf Grund ihrer eigenen
 Qualität, sondern um Christi willen, um des Evangeliums willen, das
 gepredigt wird. Von diesen Grundlagen dürfen wir ausgehen. Sie geben Kraft,
 um unter den Menschen und in der Welt für Versöhnung zu wirken.@{b}

 Christus, wir preisen dein Sterben und Auferstehen. Wir bitten dich: Wende
 uns Kräfte der Versöhnung zu. Laß die Welt unter dem Zeichen deines Kreuzes
 Frieden finden. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 1e" "Kolosser 1,24-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 1,24-29@{ui}

@{b}                      In Christi Kraft@{ub}

 Wie passen Freude und Leid zusammen? Der Apostel schreibt: Ich freue mich
 in meinen Leiden. Er denkt besonders an Bedrängnisse, die er wegen seiner
 Christuspredigt erfahren hat. Dadurch wurde der Fortgang des Evangeliums in
 er Welt gefördert.
 Wir, die wir das lesen, sind nicht Paulus. Aber bekennen wir nicht: Ich
 glaube an die apostolische Kirche? Wir nehmen also am apostolischen Dasein
 der Kirche teil. Dazu kann auch Leiden gehören. Ist Christus mit seiner
 Sendung angelehnt worden, so werden das auch die erleben, die ihm
 nachfolgen. Sie sollen sich darüber nicht wundern. Christus hat den Seinen
 ein erfülltes Leben versprochen. Aber er hat nicht gesagt, daß sie es immer
 bequem haben werden. "Steil und dornig ist der Pfad, der uns zur Vollendung
 leitet..." Wir leben in einer Zeit, in der Leidensscheu weit verbreitet
 ist. Viele Menschen meinen, das Leben sei gut gelebt, wenn es möglichst
 sanft und süß gewesen ist. Als Bibelleser sehen wir es anders. Ablehnung
 unseres Glaubens durch andere gehört zu unserem Christsein. Unruhe und
 Leiden machen keinen Bogen um uns. Mit Leiden wird die neue Welt Gottes
 gesät. Durch das Leben und Leiden der Christen hindurch will Christus mit
 der Welt zum Ziel kommen. Jedes im Glauben angenommene und getragene Leiden
 ist ein Schritt nach vorn. Wer sich für Frieden und Gerechtigkeit
 engagiert, hilft Versöhnung auszubreiten. Wer Glauben wachhält und
 durchhält, geht zu auf die Vollendung des Lebens in der Gottesgemeinschaft.
 Gerade, wo solche Schritte schwer zu gehen sind, sind sie Schritte in der
 Nachfolge Jesu. Gerade das Leiden wird uns seine Kraft erfahren lassen. Die
 Gemeinschaft aber mit ihm ist Freude.@{b}

 Herr Christus, oft möchten wir das Leiden in deiner Nachfolge fliehen.
 Halte uns fest bei dir. Nur das Weizenkorn, das erstirbt, bringt Frucht.
 Laß uns bereit sein zur Hingabe. Amen.

                         Der Ruhe absagen@{ub}                 Gedicht
                Wir solln uns gerne wagen, in unsern Tagen
                der Ruhe abzusagen, die's Tun vergißt.
                Wir wolln nach Arbeit fragen, wo welche ist,
                nicht an dem Amt verzagen, uns fröhlich plagen
                und unsre Steine tragen aufs Baugerüst.

                Die Liebe wird uns leiten, den Weg bereiten
                und mit den Augen deuten auf mancherlei,
                obs etwa Zeit zu streiten, obs Rasttag sei.
                Sie wird in diesen Zeiten uns zubereiten
                für unsre Seligkeiten: nur treu, nur treu!
                @{i}  Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf@{ui}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 2a" "Kolosser 2,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Kolosser 2,1-7@{ui}

@{b}                Fest im Glauben an Jesus Christus@{ub}

 Der Apostel Paulus ist im Gefängnis. Er denkt an die Gemeinden, in denen er
 das Evangelium verkündigt hat, auch an die Christen in Kolossä, die er
 nicht selbst besuchen konnte. Mit großer Anteilnahme freut er sich über
 jedes Zeichen geistlichen Wachstums, von dem ihm Freunde berichten. Sie
 haben Jesus Christus angenommen, sie gehören zu ihm und sehen in ihm den
 Herrn ihres Lebens. Die lebendige Verbundenheit mit dem Gekreuzigten und
 Auferstandenen ist der Grund, auf dem allein volles Verständnis für das
 Geheimnis Gottes wachsen kann. Mehr braucht es nicht, aber weniger darf es
 auch nicht sein. Von Herzen kann sich Paulus darüber freuen, wie der Glaube
 an Jesus Christus das Leben der Gemeinde in Kolossä bestimmt mit klaren
 Ordnungen und gegenseitiger Liebe. Er möchte, daß es auch so bleibt. Darum
 mahnt er mit geradezu beschwörender Eindringlichkeit, sich durch niemand
 verführen und beirren zu lassen: Laßt euch nicht ärmer machen, als ihr
 seid! Bleibt bei eurem Herrn Jesus Christus, tief verwurzelt und gegründet
 in ihm und fest im Glauben! In ihm habt ihr alles, was euch not ist, was
 euch zu wissen wichtig ist.
 Das gilt zu allen Zeiten, gilt auch für uns. Schätze zu heben, Schätze, die
 verborgen sind und entdeckt werden wollen. Aber wir wissen auch, wo sie zu
 finden sind: in Jesus Christus allein. Gott sei es gedankt, daß wir ihn und
 sein Wort haben.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du allezeit bei uns bist und daß wir dich fragen
 dürfen. Halt uns fest in deiner Gemeinschaft und gib uns Kraft und Mut,
 nach deinem Willen zu leben. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 2b" "Kolosser 2,8-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Kolosser 2,8-15@{ui}

@{b}                  Gott in Christus leibhaftig@{ub}

 Es gehört zum Wesen des Menschen, daß er fragt nach Ursprung, Sinn und Ziel
 seines Lebens und des Weltgeschehens. Daß er es kann, macht seine
 Menschenwürde aus. In allen Religionen, Weltanschauungen und Philosophien
 geht es letztlich um diese Fragen. Die Antworten fallen dabei sehr
 unterschiedlich aus. Aber vielerlei Antworten auf die Frage nach dem Sinn
 allen Seins und Geschehens sind im Grunde genommen - keine Antwort. So kann
 Paulus zu dem harten Urteil kommen, daß sich die Philosophien als leerer
 Trug erweisen. Auch wir kommen bei allem Respekt vor den Leistungen
 menschlichen Geistes nicht an der Erkenntnis vorbei, daß es noch keiner
 Weltanschauung oder Religion gelungen ist, diese Sinnfrage vollgültig zu
 beantworten, geschweige denn, die weltweiten Menschheitsprobleme zu lösen.
 Aber da ist eine Antwort, die aus Ungewißheit, Resignation und falschen
 Hoffnungen herausführt. Sie besteht nicht in einer neuen Lehre, sondern in
 einer lebendigen Person, dem Menschen Jesus Christus: "Denn in ihm wohnt
 die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig." In ihm ist erfahrbare Geschichte
 geworden, was menschliches Suchen und Sehnen je von Gott erhoffen kann. All
 unsere Fragen nach Sinn und Ziel der Weltgeschichte und unseres Lebens
 findet in ihm eine Antwort; so einfältig, daß sie ein Kind schon fassen
 kann, und zugleich so groß, daß sie auch dem Gelehrtesten unerschöpflich
 bleibt. Mit ihm begraben und mit ihm auferstanden sind wir befreit zu neuem
 Leben im Dienst an unserem Nächsten und an unserer von Gott geliebten und
 zum Heil bestimmten Menschenwelt.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du alles Leiden der Welt auf dich genommen hast.
 Mache uns bereit zu Opfer und Verzicht. befreie uns von selbstsüchtiger
 Sorge um unser Ich, und laß uns ohne Angst alle Hoffnungen auf dich setzen.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 2c" "Kolosser 2,12-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Kolosser 2,12-15@{ui}

@{b}                 Mit Christus begraben und auferstanden@{ub}

 Der heutige Sonntag trägt neben seinem lateinischen Namen "Quasimodogeniti"
 (als die Neugeborenen) auch den volkstümlichen Namen "Weißer Sonntag". Er
 wurde so genannt, weil in der Alten Kirche die in der Osternacht Getauften
 bis zu diesem Sonntag ihre weiße Taufgewänder getragen haben. Der heutige
 Predigttext ist deshalb gewählt, weil hier die Taufe eine beherrschende
 Stelle einnimmt. Dem Apostel liegt daran, den Briefempfänger deutlich zu
 machen, was Christus für sie und ihr Leben bedeutet. Zuvor wurde gesagt,
 daß wir als Christen in ihm die "Fülle" (also alles) haben. Zunächst geht
 es darum, daß die Christen in der Taufe mit Christus gestorben und zu neuem
 Leben auferweckt sind. Es liegt nun an den Christen, dieses neue Leben auch
 zu verwirklichen. Aussage und Aufforderung stehen hier nebeneinander. An
 einer Stelle im Römerbrief drückt es der Apostel Paulus so aus: "Wir sind
 mit Christus durch die Taufe begraben in den Tod, damit, gleichwie Christus
 ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen
 auch wir in einem neuen Leben wandeln." An jedem Tage wollen wir als
 Christen dieses neue Leben bewähren. Durch Christus ist alles neu geworden.
 Das führt zu der zweiten Aussage: Was einst gewesen ist, gilt jetzt nicht
 mehr. Das alte Leben war ein Leben im Bereich der Sünde. Wir waren also vor
 Gott schuldig. Doch jetzt ist das anders. Der Apostel verwendet das
 Bildwort vom Zerrissenen Schuldschein. Hatte ein Schuldner seine Schuld
 bezahlt, wurde ihm damals sein Schuldschein zerrissen zurückgeschickt.
 Unsere Schuld ist getilgt - auf Golgatha. In einem letzten Bild wird das
 weiter ausgeführt. Da ist von der Entmachtung der Mächtigen die Rede. Daß
 es dabei nicht um irdische Machthaber geht, ist klar. Es geht um die
 Überwindung dämonischer und teuflischer Gewalten. In den tagen des Apostels
 dachte man sich den ganzen Weltraum von solchen Mächten erfüllt. Durch
 allerlei magische Praktiken wollte man sich vor ihnen schützen. Hier wird
 nun verkündigt: Das ist nicht mehr nötig, diese Mächte haben ausgespielt.
 Sie sind nicht mehr zu fürchten. Auch heute lebt mehr oder weniger
 verborgen solch Aberglaube weiter. Wir aber wollen uns daran halten:
 Christus ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.@{b}

 Herr Jesus Christus! Durch deine Auferstehung hast du uns ein neues Leben
 geschenkt. Laß uns in diesem neuen Leben wirken und schaffen. Hilf uns, daß
 wir dich allein fürchten und dir ganz vertrauen! Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 2d" "Kolosser 2,16-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 2,16-19@{ui}

@{b}          Lasset euch von niemanden das Ziel verrücken@{ub}

 Der vor uns liegende Text hat bei seiner Überlieferung offensichtlich
 Veränderungen und Beschädigungen erfahren, die das Verstehen schwer machen.
 Deutlich wird jedoch, daß sich Paulus mit einer Geistesbewegung
 auseinandersetzt, die zu seiner Zeit in vielen Religionen und Philosophien
 zu finden ist, Gnosis genannt. Ihr Grundgedanke ist, daß das wahre Sein in
 einer jenseitigen Lichtwelt liegt. Der Mensch, aus dieser herausgefallen,
 empfindet die Welt als Finsternis, seine Körperlichkeit als Gefängnis.
 Befreiung erfährt er dadurch, daß er sich von Irdischem löst und sich ganz
 jener Lichtwelt zuwendet, in die er nach seinem Tode zurückzukehren hofft.
 Auch unter den Christen in Kolossä werden Stimmen laut, die von solchen
 Vorstellungen bestimmt sind. Sie meinen, der Glaube an Jesus Christus
 bedürfe einer Ergänzung durch menschliches Bemühen um Erleuchtung und
 Einsicht in göttliche Geheimnisse. Außerdem müsse man besondere
 Vorschriften beachten, bestimmte Speisegebote und Feiertage einhalten, um
 des Heiles teilhaftig zu werden. Demgegenüber beruft sich Paulus auf
 Christus und auf die Tatsache, daß durch ihn die Erlösung schon geschehen
 ist als freie Liebestat Gottes. In der Freiheit eines Christenmenschen
 dürfen wir alle Dinge ihrer natürlichen Bestimmung gemäß gebrauchen. Damit
 wendet sich Paulus gegen alle Gesetzlichkeit, durch die wir uns zu Sklaven
 der Dinge und Ordnungen machen, von denen wir schon durch Christus befreit
 sind. Entscheidend ist nicht, was wir erkennen und können, sondern, was
 Christus für uns getan hat.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns zu einem neuen Leben befreit hast. Gib uns
 offene Augen für die inneren und äußeren Nöte unseres Nächsten. Hilf uns,
 das Unsere dazuzutun, daß sich alle Menschen dankbar ihres Lebens freuen
 können. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 2e" "Kolosser 2,20-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 2,20-23@{ui}

@{b}                  Mit Christus der Welt gestorben@{ub}

 Noch einmal erinnert Paulus die Christen in Kolossä daran, daß mit ihrer
 Taufe etwas geschehen ist, was ihr Leben von Grund auf verändert hat. Sie
 sind den "Elementen der Welt" gestorben. Bei diesen denkt er an
 Geistmächte, die Natur und Weltgeschehen bestimmen. Doch auch ihnen hat
 Christus die Macht genommen, so daß sie weder zu fürchten sind, noch etwas
 von ihnen zu erhoffen ist. Als moderne Menschen fühlen wir uns gern erhaben
 über solche Vorstellungen und meinen, selber Herr zu sein über Geschichte
 und Natur. Aber sind wir das wirklich? Wir stehen vor der bedrängenden
 Frage, ob die vorhandenen Lebensmittel, Rohstoffe und Energievorräte
 ausreichen, das Leben kommender Generationen zu ermöglichen. Stolz auf die
 Leistungen von Wissenschaft und Technik, geht es uns doch oft wie dem
 Zauberlehrling, der die Geister nicht mehr los wird, die er rief. Wird es
 gelingen, die Zerstörungskräfte der vorhandenen Rüstungspotentiale unter
 Kontrolle zu bekommen, oder treibt die Menschheit unaufhaltsam der
 Katastrophe entgegen, die alles Leben auf der Erde vernichtet? Wo ist ein
 gangbarer Weg, die ungerechten Strukturen in der Welt zu überwinden, die es
 mit sich bringen, daß die Reichen weniger, aber immer reicher, die Armen
 immer mehr und ärmer werden? Lähmender Angst und das Gefühl, doch nichts
 ändern zu können, breiten sich aus. Christus aber hat auch diese Mächte
 überwunden. Darum dürfen wir in der Gewißheit, daß Gott die von ihm
 geliebte Welt zum Heil bestimmt hat, getrost das Unsere dazu tun, daß es
 Wirklichkeit wird.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß wir im Glauben an dich auf eine neue Welt hoffen
 dürfen. Nimm allen Kleinglauben von uns, so daß wir heute das Nötige tun.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 3a" "Kolosser 3,1-4"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 3,1-4@{ui}

@{b}             Seid ihr nun mit Christus auferstanden...@{ub}

 "Ach fragt nicht nach der Auferstehung, ein Märchen aus uralten Zeiten, das
 kommt dir schnell aus dem Sinn", heißt es in einem zeitgenössischen Gedicht
 (Dorothee Sölle). Der Apostel scheint das zu bestätigen. Schließlich
 fordert er uns gleich zweimal auf, nach dem zu trachten, was droben ist.
 Ostern scheint uns abzuziehen von aller irdischen Mühsal, so daß wir - ihr
 für immer enthoben - dem irdischen Jammertal getrost den Rücken kehren
 können. Ach, fragt mich nicht nach der Auferstehung, sie ist belanglos für
 die Erde.
 Aber was heißt das eigentlich: Mit Christus auferstehen? Unser Schicksal
 ist untrennbar mit dem seinen verbunden; mit Christus stehen wir auf vom
 Tod. Wir denken an alles, was tötet: Haß, Unfrieden, Streit, Zank, Neid,
 Ungerechtigkeit, Unfreiheit, Unterdrückung, Ausbeutung. Seid ihr nun mit
 Christus auferstanden, so suchet die Liebe, den Frieden, die Gerechtigkeit,
 die Freiheit... Die sind "droben" angesiedelt, d.h. sie haben ihre Heimat
 im Reich Gottes, sie gehören auf die Seite Jesu Christi. Er ist der Herr!
 Und wir dürfen teilhaben an seiner Herrschaft über alles,, was Menschen den
 Tod des Leibes und der Seele bringt.
 An seiner Seite dürfen wir Zeichen des Lebens setzen. Den Himmel auf die
 Erde holen können wir allerdings nicht. Unser Leben ist tatsächlich noch
 verborgen mit Christus in Gott. Aber nun gilt: Mit diesem Leben muß noch
 auf Erden angefangen werden, und zwar sofort. "Ach frag du mich nach der
 Auferstehung, ach hör nicht auf, mich zu fragen."@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir loben und preisen dich! Du hast uns ein neues
 Leben eröffnet. Wir danken dir. Hilf uns, daß wir nie vergessen, was deine
 Auferstehung uns bedeutet. Hilf uns, aufzustehen gegen den Tod. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 3b" "Kolosser 3,5-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 3,5-11@{ui}

@{b}                  Legt das alles von euch ab...@{ub}

 "So tötet nun die Glieder", d.h. die Laster... Das ist die Schlußfolgerung
 aus der Tatsache, daß wir "mit Christus auferstanden sind". Der
 Kolosserbrief kann eine stattliche Reihe von Lastern aufzählen, die
 erschrecken läßt. Entweder herrscht Christus in unserem Leben, oder diese
 Laster haben die Macht, heißt es von nun an. Entweder leben oder tot sein!
 Die einzelnen Stichworte betreffen alle das Leben der Menschen, der
 Geschlechtstrieb wird zuerst angesprochen, ohne ihn gäbe es kein
 Weiterbestehen des Menschengeschlechts. Dieser Trieb gehört zur guten
 Schöpfung Gottes. "Seid fruchtbar und mehret euch", heißt es am Anfang der
 Bibel, und dieser Auftrag ist Ausdruck des Segens Gottes! Aber wer die
 Geschlechtlichkeit mißbraucht oder wer sich von ihr mißbrauchen läßt, der
 zerstört Leben, anstatt es zu fördern. Die andere Lasterreihe zielt direkt
 auf alles, was den Umgang miteinander zur Hölle machen kann. Wir wissen,
 wie schwer es oft ist, aufrichtig und sachbezogen, humorvoll und freundlich
 die zermürbenden kleinen Zufälle des Alltags zu bestehen! Wer den "alten
 Menschen" ausgezogen hat, der braucht keine Angst mehr um sich selber zu
 haben, der kann frei werden für die anderen. Der kann im Frommen und
 Unfrommen, im Freien und Unfreien, im Einheimischen oder Ausländer den
 Mitmenschen sehen, weil jeder Mensch Gottes Geschöpf ist und das Antlitz
 Jesu Christi trägt. Seid ihr nun mit Christus auferstanden, dann seid ihr
 in eine andere Welt eingetreten!@{b}

 Herr, jeden Tag stolpern wir über den "alten Menschen". Ach, wenn wir ihn
 doch ein für allemal ausziehen könnten! Dann wären wir im Himmel. Aber da
 wir auf der Erde leben, brauchen wir täglich Kraft von dir. Verlaß uns
 nicht! Amen.

                   Die Auferstehung feiern@{ub}        Gedicht
        Vater, wir verkünden den Tod und die Auferstehung dessen,
        den man hat umbringen wollen,
        um die Erinnerung an ihn von der Erde zu tilgen.
        Die Qualität seines Lebens bleibt aber eingeprägt in uns,
        und seine Auferstehung legt uns nahe,
        daß es eine Hoffnung gibt.
        Wir feiern dieses Fest,
        um den Zusammenschluß mit ihm zum Ausdruck zu bringen.
        Das ist das Opfer, das dir wohlgefällt
        und durch das du uns rettest.
        Wir hoffen, daß alle zusammen mit Jesus
        leben werden in jenem neuen Land der Freiheit und Liebe,
        wo wir dich preisen werden in Ewigkeit.
        @{i}         Aus Lateinamerika@{ui}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 3c" "Kolosser 3,12-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Kolosser 3,12-17@{ui}

@{b}                         Seid dankbar@{ub}

 Es mutet an wie Schwarzmalerei: Auf Zorn, Grimm, Bosheit, Verleumdung...
 folgen Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld - als ob wir uns,
 wenn wir Christen geworden sind, von einem Extrem ins andere begeben
 könnten! So einfach geht es im wirklichen Leben nicht zu. Wir wüßten
 Beispiele aufzuzählen. Hier wird uns ein so hohes Ideal vor Augen gemalt,
 daß wir in unserem bemühen um seine Erfüllung eingeschüchtert werden. Was
 machen wir angesichts solcher Maximalforderungen? Wir wollen uns von ihnen
 nicht mutlos machen lassen. Wir sollen viel eher mit der Dankbarkeit
 anfangen. Sie eröffnet uns eine Einstellung zu allen Zufällen des Lebens,
 die gelassen und froh machen kann, allerdings oftmals erst in der
 Rückschau. Die Kraft zu dieser Haltung empfangen wir, wenn es uns gelingt,
 uns immer wieder dem Worte Jesu Christi zu öffnen. Es wird reichlich
 angeboten, doch spärlich machen wir davon Gebrauch. Und so erfahren wir oft
 viel zu wenig von seiner Kraft. Es kann uns zum Beispiel helfen, das Wunder
 der Vergebung zu erfahren. Wer aus der Vergebung lebt, kann selber
 vergeben. Wer seine eigenen Unzulänglichkeiten erlebt, kennt, zugibt und
 sie Jesus Christus anvertraut, der wird den oftmals unerträglichen
 Mitmenschen dem Herrn übergeben können der vergibt. So kann der Friede
 Christi, zu dem wir alle berufen sind, unter uns zum Tragen kommen. Er
 verbindet uns durch das Band der Liebe. Es ist in der tat das beste Band,
 das es gibt. Es ist ein Geschenk, das "von droben" kommt. Es hilft uns
 leben. Es ist stärker als der Tod.@{b}

 Herr, zeige uns jeden Tag, wofür wir danken können. Öffne uns die Augen für
 deine Wunder. So wollen wir dich preisen und loben: für das Wunder deines
 Wortes, für das Wunder der Vergebung, für das Wunder deiner Liebe. Amen.
@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 3d" "Kolosser 3,18-4,1"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 3,18-4,1@{ui}

@{b}                   Ihr dient dem Herrn Christus@{ub}

 Das Trachten nach dem, "was droben" ist, soll auch das Zusammenleben
 zwischen Frauen und Männern, Eltern und Kindern, Herren und Sklaven
 betreffen. Hier befinden wir uns in einer Weise auf der Erde, wie es
 irdischer nicht sein kann. Wieder merken wir, Weltflucht hat der
 Kolosserbrief nicht im Auge. Im Gegenteil: Er will, daß unser ganzes Leben
 von der Auferstehung her bestimmt wird. Die Ermahnung des Apostels sprechen
 allerdings in eine andere Gesellschaftsordnung, und sie versuchen auch
 nicht, die damaligen Verhältnisse radikal zu verändern. Doch ist es
 durchaus ungewöhnlich für die seinerzeit angesprochenen Christen gewesen,
 wie ihnen das Recht der Schwächeren ans Herz gelegt wurden, und daß nicht
 nur die Herren, sondern auch die Sklaven in Pflicht genommen werden, ebenso
 auch die Frauen gegenüber den Männern und die Kinder gegenüber den Eltern.
 Jede und jeder in der Gemeinde Jesu Christi ist aufgerufen, sich an der
 Gestaltung des Lebens zu beteiligen. Das kann nur gelingen, wenn einer das
 Recht des anderen respektiert. Jesus, der aller Sklave wurde, der die
 Kinder vor den Erwachsenen in Schutz nahm und die Frauen zu
 gleichgeachteten Partnern machte, hat jedem seine eigene Würde gegeben. Der
 Frau gebührt die Achtung des Mannes; das Kind braucht eine Erziehung, die
 ihm Lebensmut gibt; der Abhängige darf sich nicht selbst aufgeben. Er hat
 nicht nur das Recht dazu, ja es ist seine Pflicht. Und alle Herren sollen
 nicht vergessen, daß sie einen Herrn im Himmel haben. Hier hat Jesus
 Maßstäbe gesetzt, die zu allen Zeiten gültig sind. Nie werden wir an ihnen
 auslernen.@{b}

 Herr, du hast Frauen und Männer als Partner geschaffen. Du läßt Kinder
 heranwachsen. Aber du hast uns nicht zu Sklaven gemacht. Du willst allen
 Menschen ihr Lebensrecht geben. Hilf uns, dieses Recht zu bewahren. Amen.
@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 4a" "Kolosser 4,2-4"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 4,2-4@{ui}

@{b}                Beharrlich und wachsam beten@{ub}

 Beten: das heißt vor Gott aussprechen, was uns bewegt. Beten will uns
 nachdenklich machen über unser Leben, für unsere Welt und ihre vielen
 ungelösten Fragen. Beten macht uns aufmerksam uns offen. Es schenkt uns
 Vertrauen auf Gottes Hilfe. Denn Gott erhört unser Gebet. Aber das
 geschieht oftmals ganz anders, als wir es dachten. Wir befehlen uns in
 unserem Gebet in seine Hand. Natürlich weiß Gott, was wir brauchen und was
 gut für uns ist. "Aber wir bitten in diesem Gebet, daß er's uns erkennen
 lasse", so sagt Martin Luther in seiner Erklärung zum Vaterunser. Gott
 redet zu uns in seinem Wort. Wir antworten ihm in unserem Gebet.
 Antworten ist etwas Selbstverständliches, nicht anders unser Beten. Dies
 soll beharrlich geschehen, ausdauernd. Wie das Atmen ohne Unterbrechung
 geschieht, solange wir leben, so soll unser Gebetsleben sein. Aber wir
 müssen uns wohl fragen, ob wir das ohne Hilfen schaffen. Mancherlei
 Gebetsordnungen gibt es, vom Morgen- bis zum Abendgebet, vom Gebet bei
 Tisch bis zum Gebet im Gottesdienst und dem gemeinsamen Gebet in einer
 Gebetsgemeinschaft.
 Dies alles kann helfen, regelmäßig und beharrlich zu beten. Solches Beten
 geschieht nicht in leeren Formeln. Beten läßt wachsam sein und nüchtern
 erkennen, welche großen und kleinen Dinge uns erfreuen oder belasten. So
 können für uns und andere gute Entscheidungen reifen. In solchem
 beharrlichen und wachsamen Gebet fragen wir uns, wofür wir zu danken haben.
 Welche Menschen, welche Erfahrung, welche Erfolge kann ich dankbar aus
 Gottes Hand nehmen: Dies steht am Anfang unseres Gebetes. Und wir werden
 darüber hinaus unsere Gleichgültigkeit verlieren, die guten Dinge
 gedankenlos hinzunehmen. Wir werden beim Danken Freude entdecken, auch
 gerade in schwierigen Zeiten. daraus wächst die Bitte zuerst und vor allem
 um die offene Tür für das Wort Gottes, das alle Menschen erreichen soll und
 das in Wort und tat zu ihnen kommen will. So lebt der Beter in besonderer
 Weise mitten in den Fragen und Problemen seiner Zeit. Beten ist kein Ersatz
 für das Tun, sondern macht frei für den Dienst am Nächsten. Gott segnet das
 beharrliche und wachsame Beten. Er erneuert unser gemeinsames Leben, weil
 wir füreinander und miteinander danken und bitten. Dieses Gebet verbindet
 uns und schenkt Gemeinschaft.@{b}

 Herr Jesus Christus, laß uns den Segen entdecken, den du dem beharrlichen
 und wachsamen Beten schenkst. hab Dank, daß wir vor dir alles aussprechen
 dürfen, was uns dankbar macht, oder was uns beschwert. Du hörst uns. Amen.
@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 4b" "Kolosser 4,2-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Kolosser 4,2-6@{ui}

@{b}            "daß Gott uns eine Tür für das Wort auftue..."@{ub}

 Von Anfang an hat es das gegeben, daß Christen sich unterscheiden von
 "denen draußen". Damit taucht die Frage aus: Sollen sie sich eng
 zusammenschließen und einigeln in einer gleichgültigen oder andersgläubigen
 Umwelt? Oder gibt es Türen, durch die man nach innen und außen gehen kann,
 durch die auch das Gotteswort dringen kann - nach drinnen und draußen? Wie
 sollen im Hinblick darauf Christen leben?
 Paulus hält dreierlei für wichtig:
 1. Das Gebet. es ist der innerste Kern im Innenraum der Gemeinde. Dank und
 Fürbitte sind seine wichtigsten Inhalte. Gott danken können, öffnet Türen,
 es läßt Welt und Menschen mit anderen Augen sehen. Für andere beten,
 befreit aus Enge und Vereinzelung, stellt in die Gemeinschaft mit anderen
 Christen, aber auch mit "denen die draußen sind". Solches Beten darf keine
 Routinesache sein, die im Halbschlaf mit leeren Formeln und Formen abzutun
 ist. Es verlangt äußerste Wachheit.das Gebet öffnet die Türen, wenn es
 konkrete Anliegen beim Namen nennt, gedankenloses Beten ist nicht wirksam.
 Es kommt darauf an, das Weltgeschehen und das Leben der Kirche mit wachen
 Sinnen zu begleiten, um entscheiden zu können, an welcher Stelle wir unser
 Gebet einsetzen.
 2. Paulus rät: "Verhaltet euch gegenüber denen da 'draußen' klug und nützt
 die richtige Zeit aus." Türen für Gottes Wort stehen auf, wo mit Klugheit
 auf die anderen reagiert wird und mit Feinfühligkeit auf die richtige
 Stunde geachtet wird, um vom Glauben zu reden. Von Anfang an also haben
 sich Christen Gedanken gemacht, wie sie ihr Zeugniswort richtig und
 geschickt anbringen. Wenn wir offene Türen nach draußen haben wollen,
 müssen wir uns Gedanken machen, wie und wann wir unser Reden und Tun
 einsetzen.
 3. Das Reden der Christen soll Qualität haben. Die Qualitätszeichen sind:
 "lieblich und mit Salz gewürzt", d.h. sinngemäß: freundlich, aber treffend,
 so notwendig wie Salz für die Speisen. Überflüssiges Gerede bringt nichts.
 Die Grenzen zwischen "drinnen und draußen" sind aufgehoben, wo wir von
 Christus reden und in seinem Geist handeln.@{b}

 Herr, wir sagen dir Dank, daß du deiner Kirche die Türen auftust, immer
 wieder. Und wir bitten dich um deinen Geist, daß wir sie nicht unbedacht
 zuschlagen, sondern deine Zeugen sind, wenn die Stunde da ist. Amen.

             Ein Wegweiser für drinnen und draußen@{ub}    Gedicht
                     Die Liebe wird uns leiten,
                     den Weg bereiten,
                     und mit den Augen deuten
                     auf mancherlei,
                     ob's etwa Zeit zu streiten,
                     ob's Rasttag sei...
                     @{i}  Zinzendorf@{ui}



@ENDNODE
@NODE "Kolosser 4c" "Kolosser 4,7-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Kolosser 4,7-18@{ui}

@{b}                        Grüße@{ub}

 Für Paulus gehören die menschlichen Beziehungen zum Leben.Wenn es um die
 "Sache Jesu" geht, kann man die Menschen nicht übersehen. Paulus erwähnt
 seine Mitarbeiter und die Überbringer des Briefes mit Namen und weiß von
 fast allen etwas Besonderes zu bemerken. Es sind Juden und Griechen. Das
 spricht für die vorurteilsfreie Offenheit des Apostels. Es sind sozial
 gesehen sehr unterschiedliche Leute, wie etwa der Arzt Lukas, der das
 Evangelium und die Apostelgeschichte schrieb, und Onesimus, der Sklave
 eines reichen Christen. Wir erinnern an den Galaterbrief "Hier ist nicht
 Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier...". Sie alle sind
 wichtig, sie alle sind ihm ein Trost, er ist kein Einzelkämpfer. Sie mühen
 sich mit ihm um die Gemeinden in Kleinasien. Austausch von Nachrichten und
 Glaubenserfahrungen sind Paulus wichtig, deshalb hat er Rundbriefe
 geschrieben. Aber ganz offen mahnt er auch einen nachlässigen Mitarbeiter.
 Wir sind nicht die ursprünglichen Empfänger des Briefes, weil wir nicht in
 Kleinasien und nicht im 1.Jahrhundert nach Christus leben. Aber wir fragen:
 Was gilt davon heute auch für uns Christen des 20.Jahrhunderts?
 Ökumenisches Zusammenleben fängt in den Gemeinden an, nicht erst zwischen
 den Kirchenleitungen. es ist wichtig, daß der einzelne nicht untergeht und
 seinen Platz in der Gemeinde findet. Auch heute noch gilt die "Sache
 Christi", daß wir die Menschen in unserer Gemeinde mit Namen kennen
 sollten. Paulus und seine Mitarbeiter, "die Wolke der Zeugen", grüßen auch
 uns mit dem Zuspruch: "Die Gnade sei mit euch!"@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns andere Christen an der Seite stellst, die
 sich zu deiner Gemeinde halten. Mache uns aufmerksam und dankbar für die
 Menschen, die mit uns auf dem Wege sind. Gib uns füreinander den Blick der
 Liebe, das rechte Wort, die helfende Tat. Amen.

                            Einschränkung@{ub}           Gedicht
                          Nach so mancherlei
                          trüben Erfahrungen
                          mit den vielen Brüdern
                          werde ich mich hüten
                          gleich zu sagen,
                          alle Menschen
                          sollten Brüder werden.

                          Ein paar Menschen
                          unter all den Brüdern-
                          das genügte wohl
                          fürs erste.
                          @{i} Lothar Zenetti@{ui}



@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 1a" "1.Thessalonicher 1,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Thessalonicher 1,1-10@{ui}

@{b}                       Bewährter Glaube@{ub}

 Der erste Brief an die Thessalonicher ist die älteste Schrift des Neuen
 Testaments. Schon in diesem ersten Brief, in dem der Apostel Paulus für die
 gesegnete Aufnahme des Evangeliums in Thessalonich dankt, klingt der
 Dreiklang: Glaube, Liebe, Hoffnung an. Der Apostel stellt jedoch die drei
 Grundelemente des christlichen Verhaltens nicht einfach nebeneinander,
 sondern fügt jedem noch ein Beiwort hinzu, das auf die Echtheit dieses
 Verhaltens hinweist. Er spricht vom Werk im Glauben, von der Arbeit in der
 Liebe und von der Geduld in der Hoffnung. Damit will er sagen: Der Glaube
 bewährt sich im Werk, zu dem er uns treibt, die Liebe in der Anstrengung,
 zu der sie uns motiviert, und die Hoffnung in der Tragkraft, die sie uns
 schenkt. Ein Glaube, der sich nur in Gedanken äußert, eine Liebe, die sich
 in Gefühlen erschöpft, und eine Hoffnung, die das Belastende umgeht, haben
 nach der Sicht des Paulus mit christlichem Verhalten nichts zu tun. Es
 erfüllt den Apostel mit Dank gegen Gott, daß die Gemeindeglieder in
 Thessalonich des Herrn Nachfolger geworden sind. Ihnen ist es geschenkt
 worden, um Gottes willen freudig zu leiden. Darin erblickt Paulus das
 Wirken des Heiligen Geistes. Er kennt das Herz von uns Menschen gut genug,
 um zu wissen, daß die Bereitschaft zum Leiden nicht aus uns selbst kommt.
 Unsere natürliche Neigung ist auf Leidvermeidung gerichtet. Nur wo Gottes
 Geist unser Herz nach Gottes Sinn lenkt, wird unsere Leidensscheu
 überwunden. Durch ihre Standhaftigkeit im Ertragen aller Angriffe ihres
 Glaubens werden die Thessalonicher allen Christen zum Vorbild.@{b}

 Herr, du führst uns auch Wege des Leidens. Laß uns nicht ausschauen nach
 betrügerischen Zielen, sondern mit deinem Sohn den Weg des Gehorsams gehn.
 So wirst du uns helfen und beistehen. Amen.@{ub}


@{i}                    1.Thessalonicher 1,1-10@{ui}

@{b} Ihr seid geworden ein Vorbild allen Gläubigen.@{ub}
 1.Thessalonicher 1,7 (LB)

 Menschen suchen nach Vorbildern. Wir orientieren uns gern an anderen, die
 in besonderer Weise unsere Hoffnungen auf wahre Menschlichkeit zu erfüllen
 scheinen. Um so härter ist das Urteil, wenn sie der Erwartung nicht
 gerecht erden. Dann fallen sie tief: die Sportler des Jahres, denen Doping
 nachgewiesen wird; die Politiker, in deren Vergangenheit dunkle Flecken
 entdeckt werden; die Christen, deren Wahrhaftigkeit unglaubwürdig geworden
 ist. Aus ehemaligen Bewunderern werden harte Richter. Sicher bewahrt
 Gerechtigkeit unsere menschliche Gemeinschaft vor dem Fall in die
 Barberei. Und Gerechtigkeitssinn zeichnet einen Menschen aus, wenn er nur
 die Maßstäbe, die er anderen anlegt, auch für sich selbst gelten läßt.
 Vorbilder? Wir selbst sind es für andere; in er Familie, im Freundeskreis,
 im Berufsleben, in der Kirche. Worin bin ich Vorbild? Das liegt immer auch
 an denen, die etwas von mir erwarten, die auf mich setzen, die auf mich
 vertrauen. Sie erhoffen von mir Offenheit, Zuwendung, Gerechtigkeit,
 Beispielhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Menschlichkeit. Kann ich das leisten?
 Immer?
 Paulus lobt das Beispiel der Christen in der Gemeinde von Thessalonich:
 "Ihr seid geworden ein Vorbild allen Gläubigen." Worin waren sie, diese
 selbst Angefochtenen, unter Verfolgung leidenden, zum Heldentum oft nicht
 Geborenen, in ihrer Gesellschaft am Rande Lebenden anderen zum Vorbild
 geworden?
 "Überall", schreibt Paulus, "ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, wie
 ihr bekehrt seid zum lebendigen und wahren Gott von den Abgöttern." Es ist
 also nicht ihr vorbildliches Leben, ihre herausragende Moral, ihre
 besondere Menschlichkeit, die sie vorbildlich erscheinen lassen, sondern
 ihr Glaube an Gott. Die Ihr Vertrauen auf Macht oder Geld oder Ideologie
 oder auch Menschen gesetzt haben und darin scheitern mußten, erkennen, daß
 da Menschen von der Faszination fremder Götter frei wurden, weil sie
 plötzlich Gott als Grund, Weg und Ziel des Lebens ganz und gar vertrauten.
 Die Welt braucht Vorbilder, sie braucht uns als Boten und Engel Gottes.
 Amen.
                                                     Heinrich Frickel



@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 1b" "1.Thessalonicher 1,2-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Thessalonicher 1,2-10@{ui}

@{b}                      Vorbild im Glauben@{ub}

 Seit einigen Jahren wird von jungen Leuten das Wort "Typ" gerne gebraucht.
 "Ein starker Typ" oder "das ist mein Typ" oder einfach "da war so ein
 Typ..." heißt, daß einem jemand aufgefallen ist. Auch ein besonderes
 Verhältnis zueinander kann man so ausdrücken. Aber selbst wenn wir sagen:
 "Das ist eine komische Type", der ist anders als wir, ist er uns
 aufgefallen. Aber Typen gibt es nicht nur unter Menschen, sondern auch bei
 vielen Dingen, die uns umgeben. In Autotypen kennen sich selbst kleine
 Kinder sehr gut aus und wissen Bescheid über Aussehen, Leistung,
 Geschwindigkeit und alles, was einem an einem Auto auffallen kann. Auch bei
 einer Schreibmaschine gibt es "Typen". Die Buchstaben sind vorgeformt, sie
 sehen immer gleich aus, egal welchen Inhalts der Brief ist, ob traurig, ob
 fröhlich oder dienstlich. Type heißt Vorbild, sachlich oder in menschlicher
 Beziehung, freundlich oder unfreundlich gemeint. Der Apostel Paulus lobt
 die christliche Gemeinde in Thessalonich, der heutigen Stadt Thessalonike
 in Griechenland, als ein Vorbild für viele andere Gemeinden, das
 aufgefallen ist. In Thessalonich kamen Menschen aus allen Himmelsrichtungen
 zusammen, und dadurch gab es in dieser Stadt auch viele Sekten, Kulte,
 Götter und Götzen. In diese Stadt kamen nun Paulus und seine Begleiter,
 brachten eigentlich nichts "Handfestes" mit, sondern erzählten nur von der
 Liebe Gottes und von Jesus Christus. Menschen gab es, die daraufhin ihr
 Leben änderten, anfingen, an Jesus Christus zu glauben, und sich als
 Gemeinde Gottes trafen. Bestimmt waren es nur ein paar Leute, aber sie
 versteckten sich nicht, lebten ihren Glauben in aller Öffentlichkeit. So
 wurden andere auf sie aufmerksam und erzählten es weiter. Ihr Vorbild
 steckte andere an, über ihr Leben nachzudenken und s auch zu ändern. In der
 Kirchengeschichte hat es viele Vorbilder für einen lebendigen Glauben
 gegeben. Aber es genügt wohl nicht, heute nur auf die Vergangenheit
 hinzuweisen, wichtiger ist, daß Menschen, mit denen wir leben, mit denen
 wir Umgang haben, etwas von unserem Glauben spüren. Wir sollten ihn also
 nicht verstecken, sondern zeigen, aus welcher Quelle wir unsere Kraft
 bekommen. So können wir auch zu Vorbildern werden, zu Vorbildern des
 Glaubens, für die der Apostel Paulus damals Gott Dank sagt. Amen.@{b}

 Vater im Himmel, immer wieder haben Menschen ihre Angst, ihren
 Kleinglauben, ihre Hoffnungslosigkeit besiegt, weil sie an dir festgehalten
 haben. Hilf uns, daß auch unser Vertrauen zu dir immer stark genug sei und
 wir zu Zeugen deiner Wahrheit werden. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 2a" "1.Thessalonicher 2,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                   1.Thessalonicher 2,1-12@{ui}

@{b}               Paulus als Vorbild der Gemeinde@{ub}

 Um den Gemeindegliedern in Thessalonich eine Orientierungshilfe zu geben,
 erinnert Paulus an sein Wirken in der Gemeinde. An ihm und seinen Gefährten
 sollen sie sehen, wie ein Leben in der Nachfolge Christi gelebt wird. Dem
 Apostel und seinen Mitarbeitern ist es geschenkt worden, das Evangelium mit
 großer Selbstlosigkeit und Leidenswilligkeit zu verkünden. Im Gegensatz zu
 den zahlreichen religiösen Wanderpredigern, die ihre Heilslehren anpriesen
 und dabei nur ihren persönlichen Gewinn suchen, ist Paulus weder auf den
 Erwerb von Geld noch auf die Bewunderung von Menschen aus. Da er nichts für
 sich selber erjagen will, kann er auf alle Schmeicheleien und Vorwände
 verzichten.
 Um alles zu vermeiden, was die noch jungen Christen irritieren könnte,
 verdient er seinen Lebensunterhalt mit Handarbeit. Der Apostel bemüht sich
 um die Übereinstimmung von Lehre und Leben, damit die Gemeindeglieder an
 ihm erkennen, wie ein Leben aussieht, wenn es in der Gemeinschaft mit
 Christus gelebt wird. Auch heute können wir nur überzeugende Boten des
 Evangeliums sein, wenn unsere Worte und Taten übereinstimmen.
 Erfahrungsgemäß achten unsere nichtchristlichen Zeitgenossen mehr auf
 unsere Handlungen als auf unsere Bekenntnisse. Wenn auch nur die geringste
 Habgier oder der leiseste Ehrgeiz hinter unserem Verhalten stehn, dann
 verlieren unsere Worte ihre Überzeugungskraft. Diese selbstlose Haltung
 müssen wir uns aber nicht mühsam erkämpfen, sondern sie wird uns geschenkt,
 wenn wir uns Christus ohne Rückversicherung anschließen.@{b}

 Herr, wir bitten dich: Trage uns mit deiner Geduld. Zerbrich, was dir nicht
 angehört und gegen dich streitet in unserem Herzen. Hilf uns, daß wir
 deinen Willen erkennen und dir folgen. Amen.@{ub}


@{i}                1.Thessalonicher 2,1-12@{ui}

@{b} Nicht als wollten wir den Menschen gefallen.@{ub}
 1.Thessalonicher 2,4 (LB)

 Natürlich wollen wir den Menschen gefallen. Wir brauchen Anerkennung. Ohne
 Anerkennung kann keiner leben! Wodurch erreichen wir sie? Der eine durch
 gepflegtes Aussehen, ein anderer durch berufliche Leistung oder
 vorbildlichen Familiensinn. Witz, Charme, Ausdrucksfähigkeit, aber auch
 Treue, Beständigkeit und Verläßlichkeit sind Eigenschaften, die ihren
 Eindruck auf andere nicht verfehlen. Jedes Fest, jede Talkshow, aber auch
 manche Gemeindeveranstaltung spiegelt das menschliche Bedürfnis wider,
 anderen zu gefallen.
 Doch das darf nicht alles sein, denn es kann gefährlich werden. Wenn ich
 auf Zustimmung aus bin, wenn ich auf Beifall ziele, wenn ich von anderen
 durch das, was ich sage, angenommen werden will und alles vermeide, wodurch
 ich ausgeschlossen werden könnte, dann wird mein Blick getrübt und mein
 Urteilsvermögen eingeschränkt. Wer den Menschen gefallen will, sieht nicht
 mehr gut, weil er eine fremde Brille aufgesetzt hat, die nicht zu seinen
 Augen paßt.
 "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar; man sieht nur mit dem
 Herzen gut", sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen in Saint-Exupérys
 Erzählung. Paulus weiß um unser Herz. Deshalb schreibt er den Christen in
 Thessalonich: "Also reden wir, nicht als wollten wir den Menschen
 gefallen, sondern Gott, der unser Herz prüft." Unser Herz läßt sich nicht
 so leicht von Äußerem überlisten, es spürt Wahrheit, es empfindet Liebe,
 es wendet sich ohne Berechnung einem anderen zu, es leidet, es versteht,
 es vergibt.
 Lesen Sie doch einmal wieder das Hohelied der Liebe im 13.Kapitel des
 1.Korintherbriefes! Die Liebe durchbricht allen äußeren Schein, sie öffnet
 sich dem anderen Menschen und eröffnet ihm alles neu. Solche Liebe hat uns
 Gott in Jesus Christus geschenkt. Er erwartet sie von uns, weil die
 Menschen, die uns begegnen, sie brauchen.
 Wollen wir anderen gefallen, oder wollen wir, daß sie und wir etwas von
 Gottes Liebe, die jeden Menschen anerkennt, spüren und erfahren? Amen.
                                         Heinrich Frickel


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 2b" "1.Thessalonicher 2,13-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Thessalonicher 2,13-16@{ui}

@{b}                     Wie entsteht Glaube?@{ub}

 Unter denen, die das Evangelium hören, wirkt der Heilige Geist den Glauben,
 wo und wann er will. Durch keine noch so große menschliche Anstrengung und
 durch keine noch so überzeugende Predigt kann Glaube erzeugt werden. Darum
 ist es immer etwas Großes, wenn Menschen in der Verkündigung nicht nur das
 Wort des Predigers hören, sondern in seinem Wort Gottes Stimme vernehmen.
 Dies aber ist bei den Thessalonichern geschehen. Sie haben in der Predigt
 des Paulus Gottes Stimme gehört und seinen Ruf erkannt. Äußerlich gesehen
 ist die Botschaft vom Versöhnungshandeln Gottes in Jesus Christus eine
 Botschaft unter vielen anderen. Sie kann leicht in der Vielfalt der
 Heilsangebote untergehn. Nur Gott selbst kann es bewirken, daß sein Wort
 aus der verwirrenden Fülle der Wörter herausgehoben wird und für die
 Angesprochenen Angesprochenen Heilsbedeutung gewinnt. Wenn der Heilige
 Geist einem Menschen das Herz bewegt, tritt für ihn der Botschafter hinter
 der Botschaft zurück, und er empfängt durch ihn die Begegnung mit Gott.
 Alle Verkündiger des Wortes Gottes wissen aus Erfahrung, daß es nicht in
 ihre Hand liegt, wie ihre Predigten ankommen. Es gibt Predigten, die sie
 selbst für gelungen halten und denen sie eine argumentative
 Durchschlagskraft zutrauen, die völlig ohne Wirkung bleiben, und es gibt
 Predigten, die ihnen selbst als schwach und wenig überzeugend erscheinen,
 von denen eine glaubenerweckende Wirkung ausgeht. Es ist eine unsere
 menschliche Selbstherrlichkeit demütigende und zugleich befreiende
 Erkenntnis, daß die Erweckung des Glaubens und der Bau des Reiches Gottes
 nicht in unseren, sondern in Gottes Händen liegt. Der Durchbruch zum
 Glauben erschließt, wie die Thessalonicher erfahren, neue Gemeinschaft,
 aber er bewirkt auch Entfremdung und Widerstand. "Wo der Herr eine Kirche
 baut, da baut der Teufel eine Kapelle daneben." Menschen, denen Gott sein
 Wort verbirgt und seine Gemeinschaft verschließt, reagieren abwehrend auf
 Jesus Christus, "das Licht der Welt", und auf alle, die in seinen
 Lichtkreis treten. Am Bußtag muß es uns ein Anliegen sein, um einen neue
 Erweckung in unseren Gemeinden zu beten und für die einzelnen Christen die
 Kraft zu erbitten, dem mit dem Glauben verbundenen Widerstand tapfer zu
 tragen.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns berufen hast, durch den Heiligen Geist.
 Wir bitten dich, stärke in uns den Geist der Kindschaft, daß wir alles von
 dir erwarten und dir die Ehre geben. Amen.@{ub}




@{i}                   1.Thessalonicher 2,13-16@{ui}

@{b} Darum danken wir Gott unablässig dafür, daß ihr das Wort Gottes, das
 ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, ...als Gottes Wort
 angenommen habt.@{ub}  1.Thessalonicher 2,13 (EÜ)

 Jeder, der im Dienst der Verkündigung steht, also Bote des "Wortes Gottes"
 ist, bangt darum, ob seine eigenen Worte auch wirklich Träger des
 Gotteswortes sind oder es überhaupt sein können. Bei den Neubekehrten in
 Thessalonich hatte Paulus bemerkt, wie die "Brüder" das Evangelium
 annahmen und daß daß sie auf diesem Weg zum einen Gott fanden - Paulus
 spürte es noch in der Ferne dankbar. Auch der von ihm abgesandte Timotheus
 (1.Thessalonicher 3,6) konnte ihm das bestätigen. Es hätte nämlich
 mancherlei Gründe gegeben - und gibt sie noch -, sich mit einer solchen
 Freude zurückzuhalten. Blockieren nicht immer noch Vorurteile die Herzen
 und Ohren? Sind nicht immer wieder Stimmen da, die dem Verkündiger die
 Glaubwürdigkeit absprechen?
 Doch auch jetzt muß Paulus den Thessalonichern beistehen, das heißt im
 Wort bezeugen, daß er unter ihnen mit dem Herzen weilt und gar nicht fern
 ist. Vor allem nicht, wenn sie unsicher werden oder gar Widerstand
 erfahren müssen. So schreibt er ihnen: Auch anderen Gemeinden ist es so
 ergangen, ja auch r selbst kann von mancherlei Widerständen und von
 Widerspruch erzählen. Dennoch sind nicht diese Passagen am wichtigsten in
 unserem Text, sondern in der Mitte steht die Zuversicht des Apostels. Er
 weiß, wer sich einmal für das Wort Gottes geöffnet hat, das ihm überbracht
 wurde, in dem wird es auch wirksam.
 In unserer Zeit wagen die Verkünder in Kirche und Schule kaum, im Ton
 solcher Zuversicht zu reden. Man erwartet anderes: das Aufzeigen aller
 möglichen Defizite in der Kirche oder Nöte in aller Welt und auf allen
 Gebieten. Und viele Prediger richten sich mehr oder weniger ängstlich nach
 diesen Erwartungen, was zur Folge hat, daß die frohe Botschaft des Wortes
 Gottes umfunktioniert wird zu einem Aufruf für alle möglichen Aktionen.
 Und dennoch auch in der Umhüllung programmatischer Reden kann man das
 Evangelium, Gottes Wort, nicht ersticken; es weiß sich aus überflüssigen
 Predigtsätzen herauszuschälen und frei dahin zu fliegen, wohin es will.

@{b} Singt dem Herrn ein neues Lied, niemand solls euch ehren, daß das
 Trauern ferne flieht, singet Gott zu Ehren. Preist den Herrn, er niemals
 ruht, der auch heut noch Wunder tut, seinen Ruhm zu mehren.@{ub}
                                                 Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 2c" "1.Thessalonicher 2,17-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Thessalonicher 2,17-20@{ui}

@{b}                      In Christus verbunden@{ub}

 In unserem Briefabschnitt wird deutlich, wie tief die Verbindung zwischen
 Menschen werden kann, die in Christus miteinander verbunden sind. Paulus
 leidet unter der äußeren Trennung von den Geschwistern in Thessalonich,
 aber inwendig kann ihn nichts von der Gemeinde trennen. Er fühlt sich ihnen
 deshalb so verpflichtet, weil sie ihren Christenstand in hartem Leiden
 bewähren müssen. Durch seinen Besuch möchte er sie aufrichten und in ihrem
 Glauben stärken. Er ist deshalb so eifrig darauf bedacht, daß sie allen
 Belastungen standhalten, weil sie seine Ehre und Freude sind. Paulus ist
 der festen Zuversicht, daß das Werk, das er mit der Begründung der Gemeinde
 in Thessalonich begonnen hat, bis vor den Richterstuhl Christi reicht.
 Insofern tut er alles, was er für die Thessalonicher tut, nicht nur
 ihretwegen, sondern auch um seinetwillen. Ist das nicht frommer Egoismus?
 Bei flüchtigen Hinsehen könnte dieser Eindruck entstehn. Wer aber Paulus
 kennt, der weiß, daß er sich nie seiner Werke rühmen würde, sondern nur als
 treuer Haushalter erfunden werden möchte. Nach seiner Sicht ist es der
 Satan selbst, der seinen Besuch in Thessalonich verhindert. Wer sollte
 sonst den Widerstand der Menschen gegen Jesus so heftig erregen und ihren
 Mordsinn entzünden, wenn nicht der Gegenspieler Gottes selbst? Es ist nicht
 Feigheit, die Paulus von seinem Besuch zurückhält, sondern die Sorge um die
 Thessalonicher, die er durch sein Kommen in Gefahr bringen würde. Im
 Eintreten für die Sache Jesu Christi hat er sein Leben nicht geschont.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du dein Volk aus aller Welt Enden berufst und
 sammelst. Laß auch uns zu deinem Volk gehören und durch dich die Erfüllung
 unseres Lebens finden. Amen.@{ub}



@{i}                   1.Thessalonicher 2,17-20@{ui}

@{b} Den Augen fern, aber nicht dem Herzen.@{ub} 1.Thessalonicher 2,17 (EÜ)

 Diese Zeile, eine Liebeserklärung des Apostels an die "Brüder", hat den
 Angesprochenen sicher das Herz warm gemacht. Uns zeigt sie, wie herzlich
 die Verbundenheit zwischen Paulus und der jungen Gemeinde vom Apostel
 selber charakterisiert wird.
 Neben der Herzlichkeit des Tones fällt auch die Feinfühligkeit des
 Schreibers auf: Er bedauert sein kleine Gemeinde nicht. Er sagt nicht: Was
 soll jetzt aus euch erden? Ihr kommt mir wie verwaist vor! - Statt dessen
 sagt er: Ich fühle mich jetzt wie verwaist, fern von euch Brüdern. Und es
 ist, als ob er sich nach Worten umgesehen hat, für sie als begehbare
 Verbindung zueinander dienen könnten. So kommt er auf das Bild von der
 Brücke, auf er man mit dem Herzen immer wieder zueinander kommen kann.
    Was treibt Paulus dazu, vom gegenseitigen Nahesein zu reden, als er
 schon längst am anderen Ort ist? Und warum stellt er die obige
 "Liebeserklärung" allem anderen voran, was er noch sagen möchte, und was
 er auf ihre offenbar brennenden Fragen antwortet? Es hat einen tiefen
 Grund: Er will sie an seine Botschaft erinnern, daß sie mit Jesus beim
 Vater sind; der Vater ist es, der sie in Liebe eint, wo auch immer der
 eine oder andere Bruder weilen mag. Die Bezeichnung "meine Brüder" kommt
 nicht von ungefähr so oft in diesem Brief vor und meint damit auch die
 Familien dieser "Brüder". Weder er, ihr "Bruder" noch sie, seine "Brüder"
 sind verwaist! Sie bleiben durch Jesus im Vater verbunden und sind seine
 Hausgenossen.
 In unserer Zeit sind -so geht die Rede- viele Gemeinden verwaist. Paulus
 bietet uns an, wie wir aus dem lamentierenden Ton des Bedauerns
 herauskommen können. Es gibt keine verwaisten christlichen Gemeinden oder
 einzelne Gläubige! Es gibt eine "Bruderschaft", die nicht aufhört, wenn
 der geliebte Pfarrer oder Pastor nicht mehr bei seiner Gemeinde ist.

 Paulus maßt sich nicht an, zu sagen: Die Thessalonicher Christen sollen
 hoffnungsvoll auf ihn sehen, vielmehr ermutigt er sie mit dem Satz: Ihr -
 unsre Hoffnung! (Vers 19).@{b}

 Er lasse uns wie Brüder sein, der Eintracht uns erfreun, als seiner Liebe
 Widerschein die Christenheit erneun.@{ub}
                                                   Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 3a" "1.Thessalonicher 3,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                   1.Thessalonicher 3,1-13@{ui}

@{b}                Gemeinschaft stärkt den Glauben@{ub}

 Etwa 400 km trennen Athen von Thessalonich. Diese Strecke war gefährdet und
 beschwerlich und zur Zeit des Apostels Paulus nicht schnell zurückzulegen.
 Doch reißt die Verbundenheit des Apostels mit der jungen Christengemeinde
 in Thessalonich nicht ab. Selbst kann er nicht zu ihr zurückkehren. Ihm
 erwarten noch viele andere Aufgaben. Aber Timotheus soll die Gemeinde, um
 die sich Paulus sehr sorgt, besuchen und im Glauben stärken. Groß sind die
 Belastungen, die seit seinem Weggang die Gemeinde bedrücken. Ob sie wohl in
 der Bedrängnis standhaft bleibt? Sicher steht der Apostel in der Fürbitte
 mit ihr in Verbindung, doch auch sichtbare Zeichen der Verbundenheit sind
 nötig: ein Brief, ein Besuch, Begegnungen und gelebte Gemeinschaft. Deshalb
 ist es gut, daß Christen sich gegenseitig besuchen, ihre Sorgen und Nöte
 miteinander teilen, aber auch aneinander an ihrer Glaubenskraft und an
 ihrer Freude teilhaben lassen. Timotheus kehrt mit froher Nachricht aus
 Thessalonich zurück. Paulus braucht sich nicht weiter um die Gemeinde und
 um ihren Glauben zu sorgen. Sie hat in allen Bedrängnissen und Versuchungen
 standgehalten. Innerlich und äußerlich gewachsen, lebt sie von Gott her.
 Sicher konnte Paulus daraus weiteren Mut für seine Missionstätigkeit
 schöpfen, und so sind die Christen in Thessalonich mit beteiligt an der
 Verkündigung des Evangeliums. Es sollte auch für unsere Mitarbeit an der
 Weiterverbreitung der guten Nachricht selbstverständlich sein, daß wir uns
 besuchen und Gemeinschaft miteinander erleben zur Stärkung unseres
 Glaubens.@{b}

 Herr, wir danken dir für die Gemeinschaft im Glauben. Laß unsere Verbindung
 zu den Brüdern und Schwestern nicht abreißen. Schenke uns die Treue im
 Gebet füreinander. Amen.@{ub}



@{i}                     1.Thessalonicher 3,1-13@{ui}

@{b} Gute Nachricht von eurem Glauben.@{ub} 1.Thessalonicher 3,6 (EÜ)

 So jubelt Paulus, als ihm Timotheus von der Gemeinde erzählt. Sie hat die
 Liebe zu ihm nicht abgebrochen, ihren Glauben nicht aufgegeben und dem
 Mitarbeiter gezeigt, daß der Apostel sich nicht umsonst um sie gemüht hat.
 Zwar hat Paulus niemals Zweifel daran, daß die Thessalonicher ihn in
 Erinnerung behielten. Der Textabschnitt aber zeigt aufs deutlichste, daß
 bei ihm Sorge bestand darin, ob sie im Glauben durchstehen würden. Es gibt
 keinen Abschnitt im Brief, der so oft den Glauben betont - insgesamt
 fünfmal. Falls er bei ihnen ins Wanken geraten wäre, sollte Timotheus ihn
 aufrichten. Paulus bekennt, daß er in Not und Bedrängnis Trost empfangen
 habe, als Timotheus von ihrem Glauben erzählte. Der Apostel fügt hinzu,
 daß er an ihrem Glauben beim hoffentlich nicht allzufernen Wiedersehen
 ergänzen müsse, was noch fehlte. Glücklich ist er jedenfalls, daß er
 gehört hat, sie "stehen fest im Glauben", was einmal auf "gefestigte
 Herzen" hoffen läßt (Vers 13).
 Wenn Paulus solche Wendungen gebraucht im Zusammenhang mit "Glauben", dann
 hat er auch schon hier - in früher Missionszeit, nicht erst im Römerbrief
 - die erste biblische Erklärung für Glauben im Sinn. Wir erfahren sie in
 der Abrahamerzählung: Abraham machte sein Herz fest in Gott. Und Gott sah
 das als die genau richtige Art an, zu zeigen, daß man glaubt (Genesis/1
 Mose 15,6). Die gefestigten Herzen, die Paulus der Gemeinde in
 Thessalonich wünscht, sind die ganz und gar auf Gott bauenden, sich in ihm
 verankernden Herzen. "In Gott verankert" sein meint schon seit Abraham:
 einem Gotteswort so viel Vertrauen schenken, daß man nicht wankt. Es
 ergeht meistens durch seine Träger wie Paulus oder Timotheus an uns. Oft
 ist glauben auch ein "Dennoch". Dennoch geht Abraham seinen Weg ins
 Unbekannte, obwohl er sich in sonst nichts "festmachen" konnte als darin,
 daß Gott ihm diesen gebot. So wirft er sein Herz in Gottes Hand hinein und
 vertraut ihm.
 Bezeichnenderweise erscheint im Segenswunsch des Apostels ebenfalls das
 Bild vom Weg (Vers 11) sowie der Wunsch, daß das Herz der Gemeinde
 gefestigt werde (Vers 11.13).@{b}

 Auf dein Wort, Herr, laß uns vertrauen, stärke unseren Glauben!@{ub}
                                                   Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 4a" "1.Thessalonicher 4,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                  1.Thessalonicher 4,1-12@{ui}

@{b}                Glaube erweist sich in Taten@{ub}

 Auch eine im Glauben starke Gemeinde hat es nötig, daß ihr immer wieder
 gesagt wird, an dem festzuhalten, was ihr durch den Herrn geschenkt ist,
 und ihr Leben danach auszurichten. Denn die Versuchungen sind ständig
 vorhanden, wieder in ein heilloses Leben zu verfallen. Da streckt das Böse
 unablässig seine Hand auf die Gemeinde aus, um sie vom rechten Weg
 abzubringen. Im Wissen um diese ständige Bedrohung für den Glauben fügt
 Paulus hier Ermahnungen in seinen Brief ein, mit denen er die
 Thessalonicher aufruft, allezeit ein Leben in der "Heiligung" zu führen.
 Gewiß mag uns dieses Wort etwas ungebräuchlich vorkommen. Oftmals begegnet
 es uns aber in bestimmten kirchlichen Gruppierungen, besonders in
 pietistischen Kreisen. Wir wollen die Mahnungen des Apostels ernst nehmen
 und ein Leben in Heiligung führen. Paulus spricht ja doch ein
 ernstzunehmendes Problem unseres christlichen Lebens an. Heiligung - das
 hat mit Heil zu tun. So sollte es wohl in dem uns von Gott geschenkten und
 durch Christus erneuerten Leben sein, daß es da heil, ordentlich, Gott
 wohlgefällig zugeht. Dieses wird sich in der tat zeigen, etwa wie wir unser
 Ehe- und Familienleben gestalten, wie wir Geschäfte tätigen, wie wir uns in
 gegenseitiger Liebe tragen, wie wir unsere tägliche Arbeit
 verantwortungsbewußt verrichten. Da merken wir: Heiligung, das ist ja nicht
 die fromme Leistung, die zu erbringen ist, sondern das ist das leben in der
 nachfolge Jesu: Durch ihn befreit und geheilt zu leben, nach den Geboten,
 die Gott zum Leben gegeben hat.@{b}

 Herr Jesus Christus! Du befreist uns von allem Bösen und stellst uns in
 ein Leben in der Nachfolge. Wir bitten um deine Kraft, daß wir unser Leben
 so gestalten, daß wir es in Liebe zu unseren Mitmenschen führen. Amen.@{ub}



@{i}                 1.Thessalonicher 4,1-12@{ui}

@{b} Wie ihr leben müßt, um Gott zu gefallen.@{ub}
 1.Thessalonicher 4,1(EÜ)

 Der Apostel hat bei seinem Aufenthalt in Thessalonich die Notwendigkeit
 der "Heiligung" ausgesprochen. In seinem Brief hakt er da wieder ein. Mit
 strengerem Ton als vorher zählt er auf, wie die Brüder nicht leben dürfen,
 wenn sie zum Herrn gehören wollen: Sie dürfen die Ehe nicht brechen,
 nicht in die Rechte anderer eingreifen, im geschäftlichen Leben nicht
 lügen und trügen! An späterer Stelle im Brief setzt er hinzu: Keine
 Müßiggänger sein! Sich nicht tratschend über Nachbarn hermachen!

 Und doch ist er bei diesen Forderungen immer noch Apostel und kein
 Moralprediger. Der Bezugspunkt bleibt der Heilige, den r im Namen Jesu
 verkündigt hat, zunächst als Vater und Liebender, dann auch als Gott, der
 etwas von ihnen verlangt. Ihr Tun muß ihn bezeugen. So beginnt Paulus in
 unserem Textabschnitt mit dem, was sie tun müssen, mitten in er alten
 Umgebung. Mitbürger gewahren nämlich hellhörig und kritisch, ob es den
 Gläubigen mit ihrem Glauben ernst ist.
 Nicht nur das Reden, sondern das Tun zeigt, wessen Eigentum Christen sind.
 In diesem Zusammenhang erinnern wir uns an die Sinaigeschichte (Exodus/
 2.Mose 19). Erst erklärt Gott den durch die Wüste Geführten, wie sie
 merken können, daß er ihr Gott ist: Immer wieder hat er sie durchgetragen.
 Als Eigentumsvolk aber müssen sie allem Menschen darstellen und
 vermitteln, daß sie an ihn gebunden sind. Die am Sinai Angesprochenen
 wollen "tun und hören". Da erhalten sie die Gebote. Ebenso wie jene
 beginnen die Gebote des Apostels mit "nicht".
 Sicher hat Paulus absichtlich die gleiche Form und auch inhaltlich die
 Gottesforderung ans Bundesvolk ausgewählt, um seine eigenen Weisungen zu
 unterstreichen. Die in beiden Geboten benutzten Befehle -"ihr müßt" und
 "du sollst"- könnte man auch mit "ihr werdet" übersetzen: Ihr werdet nicht
 die Ehe brechen, wenn ihr Gott gefallen wollt. Ihr werdet nicht lügen oder
 stehlen.
 Hinter den Geboten Gottes wie hinter den apostolischen Mahnungen steht
 also auch eine große Zuversicht, daß deren Befolgung sich für alle
 Menschen und für die ganze Welt auswirken wird.@{b}

 Alle Tage wollen wir dich und deinem Namen preisen und zu allen Zeiten dir
 Ehre, Lob und Dank erweisen.@{ub}
                                                   Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 4b" "1.Thessalonicher 4,13-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Thessalonicher 4,13-18@{ui}

@{b}                    Hoffnung statt Resignation@{ub}

 Das Kirchenjahr geht seinem Ende entgegen. Wir erinnern uns in liebevoller
 Weise der Verstorbenen und schmücken die Gräber. Da geht uns dieser Teil
 des Briefes wohl besonders nahe. Paulus befaßt sich doch hier mit einem
 Problem, das nicht allein die Christengemeinde in Thessalonich bedrückte.
 Man ist in großer Sorge. Einige aus der Gemeinde sind gestorben. Was wird
 nun mit ihnen? Haben sie keinen Anteil mehr an dem, was die Gemeinde für
 sich erwartet: der Herr wird wiederkommen und sich mit denen vereinigen,
 die an ihn glauben? Wie kann das für die Toten gelten? Da reißt Paulus die
 Thessalonicher heraus aus ihrer Ratlosigkeit und gibt ihnen begründete
 Hoffnung. Er erinnert an das geltende christliche Bekenntnis der
 Urgemeinde: "Wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist."
 Dieses eine gilt uneingeschränkt zu allen Zeiten, auch heute. Indem wir nun
 dies miteinander bekennen, sprechen wir uns zugleich auch gegenseitig zu:
 Wir glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen. Und so trösten wir uns
 in den Stunden, in denen wir unseren Verstorbenen das letzte Geleit geben
 oder wenn wir dann an den Gräbern stehen und unsere Gedanken von Erinnerung
 an die Toten erfüllt sind. Jesus Christus ist der Herr über leben und Tod.
 In ihm sind die Lebenden und die Toten geborgen. Gemeinsam erwartet uns
 eine Zukunft in Verbindung mit dem Auferstandenen. Dieser Glaube macht uns
 Mut, mit Jesus gegen jede Resignation anzugehen, und gibt uns Kraft zum
 Leben.@{b}

 Herr, du bist die Auferstehung und das Leben. Gib uns die rechte
 Zuversicht, an dem festzuhalten, daß unser Leben und Sterben in dir
 gehalten sind. Laß uns einander trösten in der Gewißheit der Auferstehung.
 Amen.@{ub}


@{i}               1.Thessalonicher 4,13-18@{ui}

@{b} Dann werden wir immer beim Herrn sein.@{ub} 1.Thessalonicher 4,17 (EÜ)

 Weil das, so sagt Paulus, die Hoffnung ist, fährt er fort: "So tröstet
 einander mit diesen Worten!" Beide Sätze treffen die Gemeinde in
 Thessalonich mitten in einer Traurigkeit an (Vers 13): Sie grübeln über
 eine Zukunft, die nicht in ihren Händen liegt und von der sie keine
 Kenntnis haben, nämlich über die Frage, wie es mit den Menschen
 weitergeht, die aus ihrer Gemeine gestorben sind. Sind sie glücklicher als
 die noch Lebenden, sind sie unglücklich, weil sie den wiederkommenden
 Herrn auf Erden nicht mehr begrüßen können? Haben sie in diesem Moment
 etwas voraus, was die Lebenden nicht haben oder umgekehrt? Fragen, die
 auch einen Apostel in Verlegenheit bringen, denn alles Reden darüber und
 alle Ausmalung von dem, was "dann" kommt, ist ein Tasten. Es gibt unzählige
 Endzeitentwürfe, meist in verschlüsselter Sprache, die damals erdacht und
 weitergegeben wurden, ohne bei den Lebenden ein Aufatmen bewirkt zu haben.
 Paulus zählt in unserem Absatz einige auf. Es wäre besser, sagt Paulus,
 sich an das Credo zu halten vom gestorbenen und auferstandenen,
 auferweckten Jesus, kurz an das, was Gott mit ihm getan hat. Eines ist
 sicher: Wer im Leben mit diesem Jesus seinen eigenen Weg gegangen ist im
 Vertrauen auf Gott, wird "dann", ob früher oder später als ein anderer,
 der mit auf dem Weg war, auch mit ihm zusammen in die Herrlichkeit
 eingehen. Ob eher oder später als der jetzt darüber Grübelnde? Das ist
 keine echte Frage, das ist Neugier. Es darf mich nicht traurig machen,
 wenn ich über das "Dann" kein gültige Aufklärung erhalten kann. Ich wäre
 ja gar nicht imstande, es zu verstehen. Der Herr wird kommen, aber sein
 Kommen wird wieder zu meiner Gegenwart. Wichtig ist, daß die Stunden, die
 ich lebe, Stunden der Gemeinschaft mit ihm sind - und das liegt ganz und
 gar bei mir. Dazu werde ich aufgefordert durchs Evangelium, nicht dazu,
 ein Bild von dem fertig zu haben, was mich einst erwartet.

 Paulus findet die wunderbare Formulierung: "Allezeit beim Herrn"! Und wenn
 dieser Herr es ist, in dem wir geeint sind, hat keiner dem anderen
 Menschen etwas voraus. Der Gedanke, daß einige eher auferstehen, früher
 den Kommenden empfangen, ist nach menschlicher Zeitmessung erdacht. Daß
 der Herr immer da ist und wir immer bei ihm, das ist der Trost göttlicher
 Offenbarung. Das muß weitergegeben werden!@{b}

 Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht.@{ub}
                                              Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 5a" "1.Thessalonicher 5,1-6(-11)"
@TOC "MAIN"
@{i}                   1.Thessalonicher 5,1-6(-11)@{ui}

@{b}                       Unsere Zukunft@{ub}

 Die Zukunft ist die große Unbekannte in unserem Leben. Sie begleitet uns,
 aber gibt sich nicht zu erkennen. Will sie uns verunsichern? Sie steht vor
 uns, aber hüllt sich in Dunkelheit. Will sie uns ängstigen? Sie lädt uns
 ein, aber öffnet nicht. Hält sie uns zum Narren? Wir gehen auf sie zu, und
 sie entfernt sich. Welches Spiel treibt sie mit uns? Wir sind auf sie
 angewiesen, aber sie gibt sich nicht aus der Hand. Will sie uns demütigen?
 Die große Unbekannte scheint unberechenbar zu sein, manchmal freundlich,
 dann wieder gefährlich. Und irgendwann zeigt sie ihr wahres Gesicht,
 begegnet uns wie ein Dieb in der Nacht, raubt das Leben. Wie können wir ihr
 begegnen? Wie können wir mit ihr leben? Einige versuchen, sie einfach nicht
 zur Kenntnis zu nehmen. Sie reden sich ein, daß sie vor dieser Unbekannten
 sicher wären. Irgendwann werden sie ihr dennoch begegnen. Die Gefahr
 beseitigt man nicht dadurch, daß man die Augen verschließt. Andere nehmen
 sie ganz ernst und fürchten sich um so mehr. Die große Unbekannte hüllt
 sich in Dunkelheit und läßt uns im Dunkeln. Paulus umschreibt dieses Leben
 mit dem Bild: Kinder der Nacht, Kinder der Finsternis. In der Dunkelheit
 verliert das Leben seinen Glanz. Um so mehr überrascht es, wie Paulus der
 dunklen Zukunft begegnet. Für ihn scheint sie nicht mehr die unberechenbare
 Unbekannte zu sein, die es auf unser Leben abgesehen hat und zuletzt wie
 ein Dieb in der Nacht das Leben raubt: Ihr begegnet nicht einer dunklen
 Zukunft Ihr seid nicht Kinder der Nacht. Ihr seid Kinder des Tages. Ihr
 seid Kinder des Lichtes. Diese Gewißheit gewinnt Paulus daraus, daß für ihn
 die Zukunft eindeutig ist. Seine Zukunft ist Jesus Christus, den er erkennt
 und dem er vertraut. Das verändert sein Leben. Die Angst treibt ihn nicht
 um und reibt ihn nicht auf. Er kann ihr im Vertrauen auf Christus begegnen.
 Er muß die Augen nicht verschließen vor den Problemen der Zeit. er braucht
 sich nicht Sicherheit einzureden, wo Leben gefährdet und diese Welt bedroht
 ist. Er kann mit wachen Sinnen den Gefahren begegnen, dieses Leben sinnvoll
 gestalten und sich für diese Welt engagieren. Nur wer seiner Zukunft gewiß
 ist, kann sich gelassen dem gegenwärtigen Tag zuwenden. Christen leben
 ohnehin in der Gegenwart des kommenden Herrn. Unser Glaube gibt Vertrauen
 auf zukünftiges Leben, in dem wir in der Hand des Herrn geborgen sind.@{b}

 Herr, du bist die Zukunft unseres Lebens und dieser Welt. Schenke uns
 Vertrauen, Liebe und Hoffnung, daß wir der Angst begegnen können. Amen.
@{ub}



@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 5b" "1.Thessalonicher 5,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Thessalonicher 5,1-11@{ui}

@{b}                  Von der Zukunft der Christen@{ub}

 "Das Licht ist in die Welt gekommen. Jeder muß sich entscheiden, ob er im
 Licht der Nächstenliebe oder im Dunkel der Eigensucht wandeln will. Danach
 werden wir beurteilt. Die wichtigste und dringlichste Frage lautet daher:
 Was hast du für andere getan?" Diese Worte Martin Luther Kings lesen wir
 wie eine Erklärung zu den Ermahnungen des Paulus. Uns bedrängt wohl die
 Sehnsucht nach der schnellen Wiederkehr Jesu Christi nicht so wie die
 ersten Christen, aber es bleibt die Frage: Was ist christliches Leben? Wir
 wissen, unsere Zeit ist begrenzt, und wir können unser Leben nicht lösen
 von dieser Welt. Darum sieht Paulus die Entscheidung über seine Zukunft in
 der Bindung an Jesus. Ihm ist die Zukunft der Welt genauso wichtig wie die
 eigene Zukunft. Oder anders gesagt: Er überläßt es Gott, das Ende der Welt
 zu bestimmen. Noch aber ist er unsere Aufgabe, alles zu tun, damit wir in
 dieser Welt gemeinsam leben können. Wer so lebt, hat sich wach und nüchtern
 auf die Realität eingestellt. Das gibt denen recht, die ihrem Glauben Taten
 folgen lassen. Sie reden nicht nur vom Frieden, sondern beginnen, dazu zu
 erziehen. Sie reden nicht nur vom Umweltschutz, sondern gehen achtsamer mit
 der Natur um. Sie reden nicht nur von Partnerschaft, sondern beginnen Zeit
 und Geld zu teilen.
 Wer so lebt, verändert die Welt. An die Stelle von Eigensucht tritt die
 Liebe zum Nächsten. Resignation verwandelt sich in Hoffnung. Menschen
 bekommen wieder Mut zum Leben. Sie begreifen, daß die Welt eine Zukunft
 hat, auch wenn sie selbst nicht mehr sind. Es lohnt sich, für diese Zukunft
 sich einzusetzen.@{b}

 Herr Jesus Christus, du hast deine eigene Zukunft mit der Zukunft der
 Menschen verbunden. Du gehst mit uns durch die Zeit. Laß uns erkennen, daß
 die Zukunft der Welt nicht zu trennen ist von dem, was wir in deinem Namen
 für sie tun. Amen.@{ub}


@{i}                  1.Thessalonicher 5,1-11@{ui}

@{b} Ihr seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages@{ub}
 1.Thessalonicher 5,5 (EÜ)

 Von Anfang an, das sehen wir aus diesen Zeilen, hat der Apostel seine
 Gemeinden so ermahnt, daß er ihnen zugleich mit seinem Tadel den Weg
 anzeigte, wie sie wieder aus ihrer Befangenheit in Trübsal oder Laster
 herauskommen können. Er erinnert sie, und zwar an etwas sehr Positives:
 Ihr seid Söhne des Lichts, des Tags: Leben kann doch nicht mit Trinken und
 Ausleben zur Nacht umrissen werden! Und auch nicht mit einem
 anschließenden Ausschlafen: Es ist ja bereits Morgen!

 Eine solche positive Seelsorge, wie sie sich in unserem Text zeigt, wendet
 Paulus auch bei den Korinthern an. Man hat ihm von einem bekehrten
 Hafenmatrosen erzählt, dessen frühere Kumpane ihn zu alten Lastern
 verführten. Wie kann man ihn wieder zurechtbiegen? Paulus tut es, indem er
 ihn daran erinnert, daß er doch ein Geschöpf Gottes sei, daß er -noch
 mehr- nun auch seinen Leib als Tempel betrachten sollte, als einen
 Wohnsitz Gottes und wo man Gott dankt und singt. Es ließen sich noch mehr
 Beispiele nennen. Man könnte sie "die Methode des Nichtschämens" nennen -
 Paulus nennt sie die Methode des "Erbauens, nicht Niederreißens". Denn er
 weiß, daß es jetzt dafür Zeit ist (vgl.Jeremia 1,10): Der Tag ist da, das
 heißt, die Zeit, um "aufzustehen vom Schlaf" (Römer 13,11). Seine Brüder
 sind alle durch den, der das Licht ist, zu Söhnen des Tages bestimmt
 worden.
 Am Tag kann einer sich umsehen, wo er zupacken kann beim Aufbauen der
 Gemeinde. Paulus sagt: Der Grund des Baus ist gelegt! (Glaube, Liebe,
 Hoffnung) So können alle miteinander beginnen, in Jesus Christus, vereint,
 ihr Tagwerk zu tun.
 Wir erkennen also in den Zeilen des Briefes, die wir heute lesen, sowohl
 die Mahnung an die Nichtausgeschlafenen und zugleich an jene, die
 Gemeindeleiter sind; vertreten doch diese jetzt den Bruder Paulus. Der
 einen Gruppe, der "nächtlichen", müssen die Vorhänge von ihren Augen
 gezogen werden, kein fertiges Urteil über die Erstgenannten zu haben. Die
 Begründung aber gilt für alle zusammen: "Weil es Tag ist."@{b}

 Nun darfst du in ihm leben und bist nie mehr allein, darfst in ihm atmen,
 weben und immer bei ihm sein... Aus einem Glanz und Lichte tritt er in
 deine Nacht: Und alles wird zunichte, was dir so bange macht.@{ub}
 (J.Klepper)
                                               Helga Rusche


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 5c" "1.Thessalonicher 5,12-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Thessalonicher 5,12-28@{ui}

@{b}                       Leben in Gemeinschaft@{ub}

 Gut ist, was mit nützt. Auch Christen haben sich angewöhnt, nach dem Nutzen
 für sich zu fragen. Wer macht sich schon gerne selbst Unannehmlichkeiten?
 Weil das so ist, redet keiner dem anderen in seine Angelegenheiten hinein.
 Wie der Glaube, so ist auch der Lebensstil Privatsache. Ganz anders redet
 Paulus. Miteinander leben muß gelernt werden. Wir merken es schon in der
 Familie. Ohne ermahnen, zurechtweisen, dreinreden geht es nicht. es ist
 selbstverständlich und gehört zur Erziehung. Wie kann der andere wissen,
 daß er mich jetzt verletzt hat, wenn ich ihm das nicht sage. Wie soll sich
 ein Kind in seinem Verhalten ändern, wenn es nicht erfährt: Hier gehöre ich
 hin mit meinen Fehlern und Schwächen. Was in unseren Familien geschieht,
 läßt sich übertragen auf das Leben in der Gemeinde. Nur miteinander können
 wir einen eigenen Lebensstil entwickeln. Wir können ihn heute umschreiben
 mit Verläßlichkeit, Wahrhaftigkeit, Verträglichkeit und Verzicht. Wir
 müssen wieder lernen, einander dreinzureden: Warum verhältst du dich so?
 Warum machst du nicht mit? Warum sehe ich dich nicht? Das gegenseitige
 Befragen zeigt etwas von der Verantwortung, in die wir füreinander gestellt
 sind. Unannehmlichkeiten sind dabei nicht auszuschließen. Doch wir reden ja
 nicht drein, weil wir es besser wissen, sondern weil wir nur so miteinander
 leben können. Zu diesem Leben gehört das Gebet. Wir brauchen es, um den
 Menschen neben uns mit den Augen Gottes zu sehen. Für den anderen beten
 heißt: Ihn verstehen lernen. Dann erkennen wir: Gut ist, was auch dem
 anderen nützt.@{b}

 Lieber Vater, laß uns unser Leben nicht zerstören durch Selbstsucht. Durch
 Jesus Christus sagst du uns, daß zum Leben die Liebe gehört. Gib, daß uns
 nicht gleichgültig ist, was in unserer Gemeinde geschieht. Amen.@{ub}



@{i}                1.Thessalonicher 5,12-28@{ui}

@{b} Prüft aber alles, und das Gute behaltet.@{ub}
 1.Thessalonicher 5,21 (LB)

 Beim ersten Hören klingt dieser Satz des Paulus wie ein gelungener
 Werbetext. Gerade in er Adventszeit sind die Werbefachleute ununterbrochen
 mit ihren Produkten tätig, um uns zu jeder Zeit und an jedem Ort
 mitzuteilen, was das wirklich Gute ist, das wir kaufen, behalten oder
 verschenken sollen, uns und anderen zur Freude. Prüft aber alles! Welcher
 andere Kaffee hat dieses unvergleichliche Aroma? Welcher andere
 Orangensaft schmeckt wie frisch gepreßt? Welches andere Spiel läßt
 Kinderaugen strahlen? Wir sollen prüfen, uns frei entscheiden, doch das
 richtige Ergebnis wird uns gleich mitgeliefert. Wenn wir nicht aufpassen,
 sind wir gerade an dem Punkt, wo es um Befriedigung unserer Bedürfnisse und
 Erfüllung unserer Wünsche geht, leicht manipulierbar. Wenn alle sagen, das
 ist gut, dann muß es auch gut sein.
 In meinem Inneren ertönen Warnsignale, wenn andere zu wissen behaupten,
 was für mich gut sei. Schon von Jugend auf mußte ich immer alle Geduld
 zusammennehmen, um gutgemeinte Ermahnungen gelassen anzuhören. Wird mir
 keine eigene richtige Entscheidung zugetraut? Ganz anders lese ich die
 Ermahnung des Paulus am Ende dieses Briefes, die in der Aufforderung
 gipfeln: "Prüft aber alles, und das Gute behaltet!" In dieser Aufforderung
 höre ich die Zumutung zur Freiheit eines Christenmenschen. Schon die
 Einzelermahnungen davor verstehe ich als Absage an alle Angepaßtheit.
 Nicht, was alle tun, ist darum schon gut. Nicht, was stark ist und sich
 durchsetzt, sei es in er Politik, auf dem Markt, in der Kirche, ist darum
 schon richtig. Paulus fordert auf, gegen den Strom zu schwimmen, gegen
 eigene Impulse anzugehen, wenn er sagt: Weist die Unordentlichen zurecht.
 Er sagt nicht: Grenzt sie aus - "Tröstet die Kleinmütigen!" Nicht:
 Orientiert euch an den Starken! - "Tragt die Schwachen, seid geduldig gegen
 jedermann!" Nicht: Gebraucht eure Ellenbogen! Seine Rede ist ein Plädoyer
 für das Gute, ohne daß er das Ergebnis der Prüfung vorgibt. Er ermutigt,
 ein Leben lang dem Guten auf der Spur zu bleiben, um es zu finden, dann zu
 behalten.
                                               Martina Gern


@ENDNODE
@NODE "1.Thessalonicher 5d" "1.Thessalonicher 5,14-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                   1.Thessalonicher 5,14-24@{ui}

@{b}                    Christliche Lebensart@{ub}

 Gibt es so etwas? Leben wir Christen anders als unsere Umgebung? Die
 Ermahnungen des Paulus zeigen an, daß dies nicht selbstverständlich ist.
 Aber gerade in ihrem Anderssein fielen die ersten Christen auf. Wer zum
 Glauben kam, konnte nicht mehr so leben wie bisher. Da wurden plötzlich
 andere Maßstäbe wichtig, denn Jesus hat so ganz anders gelebt, als es
 üblich war und ist. In der von Auseinandersetzungen und Streit bestimmten
 Welt ist er allen Menschen in Liebe begegnet und lebte so das Evangelium
 vom Frieden vor. Seitdem wird es weitergegeben bis auf den heutigen Tag.
 Allerdings war es von Anfang an gefährdet. Wir wissen, welchen gefahren
 unsere Gemeinde heute ausgesetzt ist. Nötig haben auch wir die Ermahnungen
 des Paulus. Vielen fällt das Unterordnen zugunsten der Gemeinschaft schwer.
 Manch einer möchte ausbrechen, weil er einiges vermißt. Fehlt ihm die
 Geduld gegen jedermann? Dabei benötigen gerade die Kleinmütigen und
 Schwachen den Trost und den Halt der Gemeinschaft. Wie schwer ist es doch,
 dem Guten Nachzujagen. Unser Vorsatz kann wie ein Aal sein: Er ist leichter
 zu fassen als zu halten. Schwer ist es, Böses nicht mit Bösem zu
 vergelten. Das ist doch nur möglich, wenn wir uns tagtäglich bewußt werden,
 daß Gott bereit ist, uns zu vergeben. Darüber können wir fröhlich sein und
 Gott danken in allen Dingen. Unser Gebet, unsere Ausrichtung auf Gott, darf
 nicht abbrechen. Wie würden wir sonst das schaffen, was Gott von uns
 erwartet?
 "Prüfet alles, und das Gute behaltet." Immer wieder müssen wir um die Gabe
 der Unterscheidung von gut und böse bitten; darum, daß Gottes Geist uns
 erfüllt. Das wird seine Auswirkungen haben auf unsere Art und Weise zu
 leben. Dabei wird es uns wichtig werden, daß man sich auf uns verlassen
 kann. Da werden wir um des Friedens willen auch manchen Verzicht und
 manches Opfer bringen. da wird uns das Miteinander innerhalb und außerhalb
 von Familie und Gemeinde nicht gleichgültig sein. Vor allem wissen wir, daß
 alles daran hängt, daß Gott uns heiligt und bewahrt an Leib und Seele. Er
 ist treu. er steht zu dem Zuspruch, den er uns in der Taufe gegeben hat.
 Auf ihn dürfen wir hoffen. Er bringt uns zum guten Ziel.@{b}

 Himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns in Jesus Christus gezeigt
 hast, wie unser Leben sein soll. Schenke uns deinen heiligen Geist, daß wir
 so leben, wie du es willst, damit Frieden bei uns wird. Amen.@{ub]


@ENDNODE

@NODE "2.Thessalonicher 1a" "2.Thessalonicher 1,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                   2.Thessalonicher 1,1-12@{ui}

@{b}                     Nicht hoffnungslos@{ub}

 Gottes Gemeinden haben zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen
 Orten ganz unterschiedliche Prüfungen zu bestehen: Während die eine
 Gemeinde eine Zeit der Ruhe und des Friedens erlebt, wird die andere
 bedrängt. Die eine Gemeinde sammelt sich um die Botschaft und lobt Gott in
 ihren Gottesdiensten, die andere hat schwere Zeit und Verfolgung zu
 bestehen. Ist es nicht hilfreich, daß es moderne Technik ermöglicht, daß
 alle am Ergehen der Glaubensbrüder und -schwestern teilhaben können? Es ist
 großartig, daß wir unser fürbittendes Gedenken für die ganze Welt zu Gott
 schicken können. Davon ist in dem heutigen Abschnitt auch etwas zu spüren.
 Da ist von "uns" und "euch" die Rede, und das spricht von einer großen
 Gemeinschaft des Trostes. Unter dem Kaiser Domitian sind die Christen von
 Thessalonich in Bedrängnis geraten, und sie erfahren Beistand und Trost:
 Gott läßt sie nicht im Stich. Vielmehr bleibt sich Gott immer treu.
 Christen, die leiden müssen, gehören ganz eng zu Jesus Christus, der auch
 gelitten hat. Leiden um des Glaubens willen sind Zeichen der Zugehörigkeit
 zu Christus. Gerade Christen, die leiden müssen, sind Anwärter auf Gottes
 reich. Solche Leute gehören auf Gottes Seite, dürfen wissen, daß Gott ihnen
 nahe ist, daß sie nicht von ihm gestraft sind. Alle Christen aber, die es
 nur äußerlich sind und ihrem Herrn nicht nachfolgen und immer nur an sich
 und ihren Vorteil denken, müssen mit dem gerechten Gericht ihres Herrn
 rechnen. Das ist uns allen zur Warnung gesagt. Was wir tun können ist: Wir
 falten unsere Hände und beten darum, daß wir und möglichst viele die "Gnade
 unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus" erfahren.@{b}

 Herr, unser Gott, du bist durch alle Zeiten hindurch derselbe. Du läßt
 deine Kinder nicht los, sondern willst sie erretten, wenn sie in Trübsal
 und Bedrängnis sind. Wir bitten dich für alle leidenden Brüder und
 Schwestern. Hilf du ihnen und stehe ihnen in allen Nöten bei. Amen.@{ub}


@{i}                      2.Thessalonicher 1,1-12@{ui}

@{b} Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn
 Jesus Christus!@{ub}  2.Thessalonicher 1,2 (LB)

 In diesen Tagen fangen wir an nachzudenken, wem von unseren Verwandten und
 Freunden wir zum Weihnachtsfest einen Gruß schreiben wollen. Ich weiß,
 noch ist viel Zeit, Aber ich habe oft erfahren, daß dann, wenn die
 richtige Zeit zum Schreiben da war, keine Zeit mehr blieb. Ich möchte die
 Leserinnen und Leser -und mich selbst- heute ermutigen, für die diesjährige
 Weihnachtspost von dem Briefschreiber Paulus zu lernen. Paulus hat jeden
 seiner Briefe mit einem Segenswunsch, einer Fürbitte für die Menschen, an
 die er schreibend dachte, begonnen und geschlossen. Vorher nennt er den
 Absender und die Adressaten und dann folgt: "Gnade sei mit euch und Friede
 von Gott..."
 Vielen von uns ist das ein vertrautes Bibelwort. Oft wird es sonntags als
 Gruß von er Kanzel gesprochen, als Segenswunsch für die versammelten
 Menschen. Wird es nur noch als Formel erlebt, so wie der in Goldbuchstaben
 auf Karten gedruckte Wunsch "Gesegnete Weihnachten"?
 Ich erinnere mich, als ich Kind war, bekam ich Karten von Tanten, die
 Segenswünsche enthielten. Ich konnte damit nichts anfangen, war irgendwie
 peinlich berührt. Und gleichzeitig war da eine Ahnung von einer mir
 verborgenen Welt. Heute verstehe ich mehr, bekomme aber nur selten solche
 Karten. Ist es unter uns ein Tabu geworden, einander die Gnade Gottes und
 seinen Frieden zu wünschen?
 Auch mir fällt es nicht leicht, Segenswünsche aufzuschreiben. Aus der
 Peinlichkeit der Kindheit wurde die Angst heute, nicht verstanden zu
 werden. Ich verstehe den schönen Wunsch des Paulus so: Gnade sei mit dir!
 Gott kennt dich besser, als ich dich kenne, ja sogar als du dich selbst
 kennst. Er kennt deine Schwäche, deine Schuld. Das tut seiner Liebe zu dir
 keinen Abbruch. Im Gegenteil. Er schenkt dir Tag für Tag neues Leben. Weil
 Gott dich liebt, halte ich zu dir. Friede von Gott sei mit dir. Du erlebst
 soviel Unfrieden um dich herum, bist selbst hineinverwickelt. Du leidest
 unter den Widersprüchen deines Lebens. Gott schenkt Kraft auszuhalten und
 will dein Leben heilen. Gottes Frieden vor Augen, will ich dir beistehen.
 In diesem Sinne: Gesegnete Weihnachten!
                                                    Martina Gern


@ENDNODE
@NODE "2.Thessalonicher 2a" "2.Thessalonicher 2,1-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Thessalonicher 2,1-17@{ui]

@{b}                       Heilsame Unruhe@{ub}

 Manche Fragen können einen richtig bewegen, sie treiben einen um, und man
 wird ganz unruhig davon. Es kann auch sein, daß solche Fragen eine ganze
 Zeit lang nicht gestellt worden sind. Sie ruhten unter der Oberfläche.
 Dann, eines Sonntags steht man mit der Gemeinde vor Gott und betet die
 alten Worte: "von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die
 Toten..." Jahrelang hat man diesen Satz gedankenlos dahergesagt, und mit
 einem Mal trifft er einen im Innersten. Da heißt es in unserem Text: "Die
 Zeit ist reif", und: "es regt sich bereits das Geheimnis der Bosheit." Wie
 leicht ließen sich dazu bestätigende Erfahrungen herbeibringen. Da wird es
 lebenswichtig, daß wir uns zur Besonnenheit mahnen lassen. "Laßt euch von
 niemanden verführen!" Dabei ist es gut , die Gewißheit zu ergreifen, daß
 Gott uns "zur Seligkeit erwählt hat". Manche Christen sind von diesem
 Gedanken überrascht. Sie überlegen: Wenn ich erwählt wäre, müßte ich das ja
 unter Beweis stellen. ich will aber gar nichts Besonderes sein. Eigentlich
 ist das aber der erste Satz, den wir über die Kirche sagen könnten: Wir
 sind die Gemeinschaft der von Gott Erwählten. das klingt in unseren Ohren
 nach Elite und Auslese. Doch sollten unsere Gedanken in eine andere
 Richtung gehen: Es ist doch vielmehr die Frage, was uns durch alle
 Beunruhigungen, Verwirrungen und Schwierigkeiten hindurchtragen kann. das
 ist doch die Erfahrung, daß der erwählende Gott uns alle Morgen neu mit
 einem getrosten Herzen versieht und uns stärkt "in allem guten Werk und
 Wort". Darin liegt unsere Ruhe und Gewißheit, unsere Zuversicht und Freude,
 die auch für andere Menschen hilfreich ist.@{b}

  Herr Jesus Christus, wir sind in der taufe dein Eigentum geworden. Auf
 dich setzen wir in aller Unruhe des Herzens unsere Zuversicht. Erhalte uns
 in Geduld und Hoffnung und laß uns dein Kommen freudig erwarten. Amen.@{ub}



@{i}                   2.Thessalonicher 2,1-17@{ui}

@{b} Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns
 geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung
 durch Gnade, er tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und
 Wort.@{ub}  2.Thessalonicher 2,16-17 (LB)

 Immer wieder lesen wir Worte der Ermutigung und es Trostes in diesem
 kurzen zweiten Brief. Sie sind wie ein roter Faden. Daneben wird deutlich
 Spannung spürbar. Wir können uns die Situation der Gemeinde nur schwer
 vorstellen. Die Christen werden verfolgt und bedrängt. Viele halten durch.
 Paulus ist des Lobens und Dankens voll. Offenbar halten sie aus in der
 sicheren Gewißheit, wenn das Schlimme überstanden ist, kommt Christus
 wieder. Sie sind voll ungeduldiger Erwartung und gleichzeitig tief
 verunsichert, denn Christus kommt nicht. Was soll denn nun noch alles
 passieren? Wie lange müssen wir warten? Wem sollen wir glauben? Es gibt
 konkurrierende Prophezeiungen in der Gemeinde. Manche sagen sogar, der Tag
 des Herrn sei schon da. Paulus kennt die Fragen und Verunsicherungen.
 Seine Hilflosigkeit ist ihm abzuspüren. Er weiß ja auch nicht mehr als die
 anderen. Er versucht, die Wartezeit als Zwischenzeit inhaltlich zu füllen
 und als Teil des Heilsplanes Gottes zu begreifen. Bevor Christus
 wiederkommen kann, muß das Böse, das in er macht des Satans auftreten
 wird, enttarnt werden. Dem Bösen in der Welt, das alle Macht an sich
 reißen will, sich sogar als Gott ausgibt, wird hier der Kampf angesagt.
 Paulus benennt das Böse oder gar den oder die Bösen nicht konkret. Er will
 nicht Aggressionen freisetzen, die das eigene Leid erträglicher machen. Er
 will nicht Sündenböcke schaffen, damit die anderen sich in noch
 strahlenderem Licht fühlen können. Nein, er ermahnt zur Geduld, er
 ermutigt und tröstet.
 Das Böse zu offenbaren, bleibt Gott vorbehalten. Die auf ihn arten,
 orientieren sich weiter an gutem Werk uns Wort. Später haben Christen -es
 geschieht bis heute- immer wieder das Böse personifiziert und damit unser
 Tun vielleicht daran, daß wir das Warten auf das Kommen Christi aufgegeben
 haben?@{b}

 Gott tröste unsere Herzen und stärke uns in allem guten Werk und Wort.
@{ub}
                                                 Martina Gern


@ENDNODE
@NODE "2.Thessalonicher 3a" "2.Thessalonicher 3,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                   2.Thessalonicher 3,1-5@{ui}

@{b}                     Füreinander beten@{ub}

 Am Ende des diesem Abschnitt voranstehenden Briefteils betet Paulus für die
 Gemeinde, daß ihre Herzen Gottes Tröstung erfahren und daß sie gestärkt
 durch den Herrn mit ihrem christlichen Leben Gott bezeugen mögen. Nun
 bittet der Apostel, daß auch die Brüder und Schwestern für ihn und seine
 Gefährten beten möchten. In dieser Weise herrscht zwischen Paulus und den
 Gemeinden ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Einer soll den anderen
 ermutigen, und wechselseitig will man einander vor Gott gedenken. Dieses
 Dasein füreinander in der Fürbitte, im Mitsorgen und Mittragen dient dem
 Ziel, das Wort Gottes auszubreiten. Der Apostel erinnert hier an die Treue
 Gottes. Sie bleibt bestehen, auch dann, wenn Menschen untreu werden. Gottes
 Liebe ist ohne Grenzen. Sie geht mit uns durch alle Zeiten. Ja, der Herr
 ist treu, er liebt uns, er hat Geduld mit uns. Davon ist Paulus fest
 überzeugt, wenngleich er selber persönlich viele Widerwärtigkeiten erfahren
 muß. Da stellen sich viele Menschen gegen ihn und gegen seine
 Evangeliumsverkündigung, bestreiten ihm sein Apostelamt und machen gegen
 ihn in den Gemeinden Stimmung. Der Glaube ist eben nicht jedermanns Ding.
 Diese Feststellung ist gewachsen aus den Erfahrungen, die er gemacht hat.
 Gewiß sind das Erfahrungen, die wohl auch heute engagierten Christen nicht
 erspart bleiben und oftmals in schwere persönliche Glaubensanfechtungen
 führen.
 Weil wir vielleicht doch alle unter Anfeindungen, Erfolglosigkeit oder
 Vereinsamung, wollen wir es dem Paulus und seinen Gemeinden gleichtun. Wir
 wollen zusammenbleiben und füreinander dasein in der gemeinsamen
 Verantwortung vor Gott. "Einer trage des anderen Last." Paulus bittet die
 Gemeinde, nicht nachzulassen in der Fürbitte für sich und seine Freunde, so
 wie er es auch selber gerne tut für die Gemeinde. Dabei denkt er nicht
 vorrangig an seine eigene Person, sondern an die Verbreitung der Botschaft
 vom Herrn, der in seiner Liebe und Treue zu uns steht, der Mut macht, Kraft
 schenkt und vor allem Bösen bewahrt. Im Wissen um derartig erfahrene Treue
 werden wir ermutigt, allezeit den Herrn zu bitten für seine grenzenlose
 Liebe und fortwährende Geduld, welche er uns in den Gemeinden schenkt.@{b}

 Herr Gott, himmlischer Vater! Vieles bedrückt uns in unserem Leben und im
 Leben der Gemeinden. Wir gedenken einander vor dir und befehlen uns dir an.
 Wir danken für deine Treue. Schenke uns weiterhin deine Liebe und Geduld.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "2.Thessalonicher 3b" "2.Thessalonicher 3,1-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                   2.Thessalonicher 3,1-18@{ui}

@{b}                     Unverwechselbar@{ub}

 Was macht eigentlich Christen aus? Sind sie besonders fröhliche Menschen?
 Sind sie besonders liebe voll im Umgang miteinander? Haben sie ein leichtes
 Leben? Auf solche Fragen kommen wir bei er heutigen Bibellese.
 Offensichtlich gab es in der Gemeinde in Thessalonich Leute, die meinten,
 sich ein unordentliches Leben leisten zu können. Die Gemeinde wird nun vor
 ihnen mit strengen Worten gewarnt, Paulus wünscht drastisch:  "daß wir
 erlöst werden von den falschen und bösen Menschen..." Er sagt rundheraus:
 "Wir hören, daß einige unter euch unordentlich leben..." Es sind Leute, die
 in der Gemeinde zu finden sind, nicht außerhalb. Es sind Leute, die sich in
 bestimmte Bereiche ihres Lebens vom Evangelium nicht hineinreden lassen
 wollen. Unter dem Eindruck des bevorstehenden Weltendes haben sie sich
 selbst aus jeglicher Eigenverantwortung entlassen. Sie stehen nun nicht
 mehr für sich selbst gerade, sondern überlassen das anderen. Sie arbeiten
 nicht mehr. Sie tun nichts mehr für ihr tägliches Brot, sondern fallen
 anderen zur Last. Diese Leute ermahnt der Apostel, daß sie endlich wieder
 anfangen, sich ihr Brot selber zu verdienen und in diesem Zusammenhang
 ermahnt er alle Gemeindeglieder, Gutes zu tun. Gottes Gnade ist eben immer
 Berufung zum Dienst in jeder Hinsicht und kann darum nicht faules
 Nichtstun, sondern nur gehorsames Tun zur Antwort haben. Solches Tun, mit
 dem wir unseren Mitmenschen nützlich sind, ist er Gottesdienst des Alltags.
 Dadurch, daß wir unsere tägliche Arbeit, die uns verordnet ist, als
 Gottesdienst auffassen, sind wir auch davor bewahrt, einerseits der
 Trägheit oder andererseits der Arbeitswut zu verfallen.@{b}

 Lieber Herr, du hast uns unter dem Einfluß deines Evangeliums zu deinen
 Kindern gemacht. Du hast uns zur Auferbauung deiner Gemeinde begabt.
 Schenke uns den Heiligen Geist, daß wir immer neu nach deinem Wort und nach
 deinem Willen fragen. Amen.@{ub}



@{i}               2.Thessalonicher 3,1-18@{ui}

@{b} Der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu; der wird
 euch stärken und bewahren vor dem Bösen.@{ub} 2.Thessalonicher 3,2-3 (LB)

 Der Glaube ist nicht jedermanns Sache. Nicht jeder wagt Vertrauen. Oft ist
 die Angst einfach größer. Paulus stellt das ganz nüchtern fest, ohne es zu
 bewerten. Damals waren sie eine kleine Minderheit in einer ihnen anlehnend
 gegenüberstehenden Welt. Inzwischen wird seit 2000 Jahren der christliche
 Glaube verkündigt. Bei weitem nicht alle Menschen sind von der Liebe
 Gottes und ihrer weltverändernden Kraft überzeugt. Heute haben wir sogar
 oft das Gefühl, wir werden wieder immer weniger. Das ist der Grund zu
 Selbstgerechtigkeit oder zu Resignation. Es ist eine Herausforderung an
 unseren Glauben. Wir selbst sind gefragt, ob der Glaube an Christus denn
 unsere Sache ist, ob wir nach Gottes Willen fragen und uns nach ihm
 richten, ob wir unser Vertrauen darauf setzen, daß Gottes Liebe am Ende
 siegt.
 Und was zeigen wir anderen davon? Lassen wir in unseren Entscheidungen und
 Taten das Vertrauen auf Christus zu Auswirkung kommen? Gehen wir im Denken
 und Handeln davon aus, daß Vergebung stärker als Bedrohen, Gewaltlosigkeit
 stärker als Haß und Egoismus, Freundlichkeit stärker als Schimpfen - weil
 der Herr verläßlich ist? Oder haben ein paar schlechte Erfahrungen und
 Mißerfolge uns auf die andere Seite gebracht, wo man auf Leistung,
 Sicherheit, auf Erfolg und Gewalt setzt? Ist Christus zuverlässig oder
 nicht? Ist seine Sache gut oder nicht? "Der Herr ist treu", sagt Paulus.
 Lassen wir uns das sagen? Auch wenn uns die Hindernisse schmerzlich bewußt
 sind, die den Glauben erschweren und unserem Vertrauen im Wege stehen. Auch
 wenn wir wissen, daß wir selbst oft schwache und unglaubwürdige Vertreter
 des Christusglaubens sind?
 Die Dunkelheit sollte uns nicht davon abhalten, ein Licht anzuzünden. Es
 ist besser, selber ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu
 schimpfen. Der Satz, daß auf Christus Verlaß ist, will uns Mut machen, die
 Finsternis zu erhellen. "Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe
 Gottes und auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi" (Vers 5).
                                                 Martina Gern


@ENDNODE
@NODE "2.Thessalonicher 3c" "2.Thessalonicher 3,5"
@{i}                2.Thessalonicher 3,5@{ui}

@{b} Der Herr richte eurer Herz darauf, daß ihr Gott liebt und unbeirrt auf
 Christus wartet.@{ub}

 Das Wort des Apostels Paulus richtet unsere Hoffnung auf den
 wiederkommenden Herrn. Schon bei der Himmelfahrt Jesu wird der Blick der
 Jünger auf den wiederkommenden Herrn gerichtet. "Während sie unverwandt ihm
 nach zum Himmel emporschauen, standen plötzlich zwei Männer von Galiläa,
 bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut
 zum Himmel empor? Dieser Jesu, der von euch ging und in den Himmel
 aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel
 hinaufgehen sehen" (Apostelgeschichte 1,10.11).

 Jesus selbst richtet den Blick er Jünger in die Zukunft. Am Ende der Tage
 wird der Menschensohn kommen (vgl. Matthäus 24,30). Die Erwartung des
 kommenden Herrn durchzieht die Briefe des Apostels Paulus. Selbst die
 Feier der Eucharistie, in der das Gedächtnis an den Tod des Herrn begangen
 wird, blickt auf den wiederkommenden Herrn. "Denn sooft ihr von diesem
 Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er
 kommt" (1.Korinther 11,26). Die Antwort der Liturgie auf den Ruf
 "Geheimnis des Glaubens" nimmt diese Perspektive auf: "Deinen Tod, o Herr,
 verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in
 Herrlichkeit."
 Der Blick auf den kommenden Herrn öffnet den Horizont der Zukunft. Das kann
 zum Trost werden in Bedrängnis und Not.
                                               Reinhard Lettmann


@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 1a" "1.Timotheus 1,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Timotheus 1,1-11@{ui}

@{b}                  Rechte Predigt und Lehre@{ub}

 Paulus hatte Timotheus in Ephesus zurückgelassen. In der Gemeinde waren
 falsche Lehrer aufgestanden. Sie verfälschten das Evangelium. Paulus hatte
 die Gemeine auf den Glauben gegründet. Er hatte keine als Gesetz geltenden
 Regeln für die Lehre gegeben. In den Christenstand führte allein die
 Berufung durch den Herrn. Die Irrlehrer hatten diese Freiheit
 mißverstanden. Sie vermischten das Evangelium mit fremden Gedanken. Sie
 gaben sich "nichtigem Geschwätz" hin. Was Paulus dazu sagt, kann uns
 hilfreich sein. Wir bilden eine Minderheit. Viele stehen abseits oder
 kehren der Gemeinde den Rücken. Wir kennen die Versuche, Abhilfe zu
 schaffen. Da gibt es Spitzfindigkeiten bei er Bibelauslegung. Sie
 verdunkeln mehr, als sie erhellen. Attraktivität wird gefordert. Man setzt
 auf Kreativität. Die Schrift -etwa die Bergpredigt- wird zum Gesetz für das
 Handeln erhoben. Davon erwartet man die Lösung der uns bedrängenden Fragen.
 Oft fehlt das klare Urteil zur Scheidung von göttlichem Wort und
 menschlichen Einfällen und Meinungen. Paulus mahnt zur Nüchternheit. Wo die
 Phantasie im Spiel ist, verliert man leicht den Glauben. Die Verkündigung
 wird zur "Ergötzung". Lehre und Predigt können aber nur im Blick auf Jesus
 geübt werden. Er ist die Mitte! Was getan werden muß, soll im Geist des
 Evangeliums getan werden. Zugang zu Gott haben wir nicht durch das Gesetz
 oder durch unser Können und Tun. Er ist immer Geschenk der Gnade. Sie macht
 frei vom Gesetz und kann um Jesu Christi willen in uns tätige Liebe im
 Gehorsam gegenüber Gott wecken.@{b}

 Lieber himmlischer Vater, du hast uns durch Jesus Christus zum
 Christenstand berufen. Hilf, daß wir darin bewahrt bleiben und unser Tun
 und Lassen allein nach deinem Wort ausrichten zum Nutzen deiner Gemeinde.
 Amen.@{ub}


@{i}                   1.Timotheus 1,1-11@{ui}

@{b} Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und
 aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.@{ub}  1.Timotheus 1,5a(LB)

 Worauf kommt es an im Leben einer christlichen Gemeinde und im Leben des
 einzelnen Christen? Was ist der Auftrag, den wir Christen auszuführen
 haben, was sollte mit zum Ausdruck gebracht werden im Alltag unseres
 Lebens? Geht es in der Kirche wie bei jedem beliebigen
 Wirtschaftsunternehmen nur um das eine, Wachstum um jeden Preis? Kommt es
 vielleicht auf das soziale Verhalten an, sich mit allen gut zu stellen,
 keinen zu verärgern, möglichst überall viel Anklang zu finden? Daß alle
 Menschen einen mögen, daß man von möglichst vielen geliebt wird, ist das
 Aufgabe und Auftrag eines Christen? Das alles sind wohl ganz passable
 Wünsche und Zielvorstellungen, aber sie treffen nicht das, worum es hier
 geht in dieser Aussage über Wesen und Auftrag des Christen in der Welt.
 Um es an einem Bild deutlich zu machen, worum es hier geht: Die Samenkörner
 sollen aufgehen und die sich ausbreitende Wüste soll aufgehalten und
 verwandelt werden in ein bewohntes Land. Aus dem Glauben als Kern soll die
 Liebe hervorbrechen. Der Glaub hält daran fest, daß Gott die Welt geliebt
 hat und daß er sie immer noch liebt. Der Glaube hält daran fest, daß die
 Liebe und Güte Gottes wieder und immer wieder erfahren wurde und auch heute
 erfahren wird. Der Glaube, er dies zum Inhalt und Ausgangspunkt hat, kann
 gar nicht anders, als daß er sich ebenfalls mitnehmen läßt auf dem Weg der
 Liebe. Unser Glaube soll ungeteilt und ganz bei dieser Sache sein, weil wir
 nur so selber zu Menschen werden, die Liebe schenken können. Unser Glaube
 soll Farbtupfer setzen im grauen Alltag dieser Welt, damit andere
 miteinstimmen können in unsere Freude.@{b}

 Wir beten mit den Worten des Franz von Assisi:
 Herr, laß du mich trachten, nicht daß ich getröstet werde, sondern daß ich
 tröste; nicht daß ich verstanden werde, sondern daß ich andere verstehe;
 nicht daß ich geliebt werde, sondern daß ich andere liebe.@{ub}
                                                Martin Reuer



@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 1b" "1.Timotheus 1,12-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Timotheus 1,12-20@{ui}

@{b}                      So ist Gott@{ub}

 Paulus blickt auf ein Leben zurück. Es erscheint ihm als ein Wunder. Als
 junger Mann gehörte er zu den Verfolgern Jesu und seiner Gemeinde.
 Gewalttätig hatte er das Recht der Menschen Zertreten. Unwissend und im
 Unglauben hatte er das getan. Er hatte gemeint, Gott damit einen Dienst zu
 tun; aber er war nicht ohne Schuld. Trotzdem hatte Jesus ihn angenommen,
 ihm Vertrauen geschenkt und ihn in seinen Dienst gestellt. Die Gnade
 überwog, und mit der Gnade wuchsen Glaube und Liebe. Ihm, dem größten aller
 Sünder, war Gottes Güte erschienen. Er weiß dafür nur eine Erklärung: "Mir
 ist Barmherzigkeit widerfahren!" Kein Wort faßt diesen Sachverhalt besser
 zusammen als der Satz: "Jesus Christus ist in die Welt gekommen, die Sünder
 selig zu machen." Die Paulus erwiesenen Gnade macht seine Lebensgeschichte
 für die ganze Gemeinde wichtig. Immer ist das Tun Jesu Christi darauf
 gerichtet, Menschen zu helfen. Er hilft in Krankheitsnöten und in
 Schuldverstrickungen. Wer schuldig geworden ist, wird von ihm entschuldet.
 Das wird Anlaß zu tiefer Demut. Auch wir wissen um eigene und fremde
 Schuld; aber wir dürfen der Zusage Gottes trauen, der will, daß uns
 geholfen werden soll. Kein Mensch ist so schuldig und verloren, daß er
 nicht begnadigt werden könnte. Wer allerdings ohne Glauben und Liebe
 Gemeinde bauen will und dabei dem schuldig Gewordenen mit Verachtung
 begegnet, der leugnet, was Jesus für ihn getan hat. Wer aber von er Gnade
 lebt, wird mit Paulus in den Lobpreis Gottes einstimmen: "Aber Gott...sei
 Ehre und Preis in Ewigkeit."@{b}

 Vater im Himmel, du hast uns durch Christus Barmherzigkeit widerfahren
 lassen. Gib, daß wir uns dessen würdig erweisen und Glauben und Liebe üben.
 Mache uns demütig, damit wir uns nicht über andere erheben. Amen.@{ub}


@{i}                    1.Timotheus 1,12-20@{ui}

@{b} Das ist gewißlich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, daß Jesus
 Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen
 ich der erste bin.@{ub}  1.Timotheus 1,15 (LB)

 Die Worte "Sünde" und Sünder" verursachen einem irgendwie ein Unbehagen.
 Und es sind Worte, mit denen wir andere Menschen belegen, obwohl uns das
 Beurteilen und abschließende Bewerten eins anderen gar nicht zusteht. Gott
 allein richtet gerecht und entscheidet gerecht. Trotz dieses Vorbehaltes
 steht aber fest, daß Jesus Christus gekommen ist, um uns Menschen aus
 unserer Verlorenheit und aus unserer Gottesferne zu retten, damit unser
 Leben in der Weise gelingt, wie Gott es haben will. Ich möchte hier Jörg
 Zink zitieren, der unseren Bibelvers so übersetzt: "Fest und wahr ist das
 Wort und wert, daß alle Welt es hört: Jesus Christus kam die Welt, uns
 gottferne Menschen von Tod und Unheil zu retten." Und es heißt weiter:
 "Wenn einer fern war von Gott, dann war ich es."
 Gemeint ist hier der Apostel Paulus. Er ist das Beispiel dafür, wie Gott
 gerade dem hinterhergeht, der verloren zu gehen droht, und wie gerade einem
 solchen Menschen eine ganz bestimmte Rolle zukommen kann. Am Beispiel des
 Paulus sehen wir, daß Gott sich auch für einen Menschen interessiert, der
 sich schon ganz weit verrannt hat wie damals eben Saulus, als er noch ein
 entschiedener Gegner des christlichen Glaubens war. Vielleicht sind
 Menschen, die das Gefühl haben, in ein Sackgasse geraten zu ein, die für
 Gott Aufgeschlossensten. Vielleicht sind solche Menschen am ehesten bereit,
 Gottes Anruf zu hören, weil sie selber unsicher geworden sind, ob der Weg,
 den sie so lange guten Gewissens gegangen sind, auch tatsächlich der
 richtige ist.
 Gott hat viel Geduld mit uns, und er läßt uns viel Freiheit. Seien wir
 barmherziger miteinander, geduldiger mit uns selbst und mit anderen!@{b}

 Herr, nimm uns hinein in den Kraftstrom deiner Liebe, daß wir nicht nur
 glauben, sondern auch Liebe ausstrahlen! Unser Welt soll einen neuen Glanz
 erhalten, weil sie ja deine, die von dir geliebte Welt ist.@{ub}
                                                   Martin Reuer




@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 2a" "1.Timotheus 2,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Timotheus 2,1-7@{ui}

@{b}                   Das  Gebet der Gemeinde@{ub}

 Christen haben einen wichtigen Dienst zu leisten. Sie dürfen die Hände
 falten und beten und in ihren Gebeten Gott alles, was ihnen am Herzen
 liegt, sagen. Für andere Fürbitte zu halten und stellvertretend Gott zu
 loben und zu danken, das ist unser Amt; denn das Gebet beschränkt sich
 nicht auf die eigenen Wünsche. Wo immer in Stadt und Land Christen die
 Probleme und Ängste, die Sehnsüchte und Hoffnungen der Welt vor Gott
 bringen, üben sie in aller Stille diesen Dienst aus. Wer für andre betet,
 trennt nicht zwischen Freund und Feind; denn er sieht den anderen mit neuen
 Augen an und setzt sich für ihn ein. Diesen Dienst brauchen die Menschen
 heute so dringlich wie eh und je. Paulus ruft die Gemeinden besonders zum
 Gebet für "die Könige und alle Obrigkeit" auf. Dabei waren die Mächtigen
 seiner Zeit durchaus nicht christenfreundlich. Wir brauchen nur an die
 folgenden Christenverfolgungen zu denken. Christen beten für die
 Regierenden, damit der Staat in Ordnung bleibe. Es geht um das Wohl der
 Bürger, um Kunst und Wissenschaft, Ruhe und Ordnung, Frieden, Wohlstand und
 Brot. Das Gebet der Gemeinde umschließt die Fürbitte für alle Menschen.
 Jeder soll zur Erkenntnis der Wahrheit, zu Jesus geführt werden. Er allein
 eröffnet uns den Weg zu Gott. Er allein ist Erlöser, Fürsprecher und
 Mittler zwischen Gott und Mensch. Er vertritt Gott bei uns und uns bei
 Gott. Hier geht es um das Heil des Menschen. Solches Gebet, das aus der
 empfangenen Gnade Kraft schöpft, ist wirkkräftig, weil Jesus Christus es
 sich zu eigen macht. Das gibt Erhörungsgewißheit.@{b}

 Herr Jesus Christus, du bist unser Fürsprecher und bringst unsere Gebete
 vor Gottes Thron. Laß uns mit lauterem Herzen für alle Menschen bitten,
 damit sie dich finden und gerettet werden. Schenke uns Erhörungsgewißheit.
 Amen.@{ub}


@{i}                     1.Timotheus 2,1-7@{ui}

@{b} Gott will, daß alle Menschen gerettet werden.@{ub} 1.Timotheus 2,4 (EÜ)

 Es gibt Menschen, von denen man sagt: "Wenn der sich etwas in den Kopf
 gesetzt hat, dann macht er das auch!" Eltern können manchmal ein Lied davon
 singen, mit welcher Ausdauer und Phantasie Kinder versuchen, ihren Willen
 durchzusetzen. Sie lassen sich immer wieder etwas neues einfallen, um zu
 ihrem Ziel zu kommen.
 Was hat Gott sich alles einfallen lassen, immer wieder, durch Jahrhunderte
 und Jahrtausende, daß sein Wille geschehe, daß alle Menschen gerettet
 werden. Im 4. Hochgebet der katholischen Meßfeier beten wir: "Immer wieder
 hast du den Menschen deinen Bund angeboten und sie durch die Propheten
 gelehrt, das Heil zu erwarten. So sehr hast du die Welt geliebt, heiliger
 Vater, daß du deinen eingeborenen Sohn als Retter gesandt hast."
 Gott bietet uns das Heil an, uns - das heißt: allen Menschen. Niemand ist
 ausgeschlossen! Die einzige Grenze, die Gottes Heilswillen gesetzt ist, das
 ist die Freiheit des Menschen. Gott zwingt nicht, er lädt ein.
 Aber dürfen wir da nicht auf Gottes Phantasie vertrauen? Er wird auch heute
 Wege finden, daß sein Wille geschehe: daß alle Menschen gerettet werden!
 Die vielen Millionen in China, die den Namen Jesu noch nie hörten; die
 Jugendlichen in atheistischen Staaten, denen man zu erklären versucht, daß
 es keinen Gott gibt; die Menschen bei uns, die den Konsum vergötzen; die
 Menschen, die ich liebe; die Menschen, die ich mag; und ich - wir alle
 sollen gerettet werden. So will es Gott.@{ub}

 Guter Gott, es tut gut zu wissen, daß du niemanden verstoßen willst. Du
 willst Heil und Glück und Freude für alle Menschen. Danke! Du hast Jesus,
 deinen Sohn, in die Welt gesandt, uns Menschen zu befreien. Hilf uns, auf
 ihn zu hören, auf ihn zu schauen, mit ihm zu leben. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 2b" "1.Timotheus 8-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                   1.Timotheus 2,8-15@{ui}

@{b}                 Die Frau in der Gemeinde@{ub}

 Die Verhaltensregeln für die Frauen in der Gemeinde muten uns fremd an. Sie
 sind zeitbedingt und haben ihre Wurzel in den gesellschaftlichen
 Gegebenheiten. Im 1.Timotheusbrief ist die Abwertung der Frau besonders
 ausgeprägt. Andere Stellen der Schrift machen andere Aussagen. Mit der
 veränderten gesellschaftlichen Stellung der Frau sind heute neue
 Überlegungen in der Kirche in Gang gekommen. Es geht um das rechte
 Verständnis und die rechte Umsetzung der Aussagen der Schrift.
 Am Anfang der Geschichte Jesu stehen Frauen, die die Geschichte prophetisch
 deuten. Jesus selbst hat die Frauen aus ihrer religiös und gesellschaftlich
 minderen Stellung befreit. Er führt mit ihnen Gespräche über den Glauben
 und veranlaßt sie zum öffentlichen Bekenntnis in Wort und Tat. Von Anfang
 an gehören Frauen gleichberechtigt zur christlichen Gemeinde, in der alle
 Gottes Mitarbeiter sind. Sie treten im Gottesdienst auf und beten vom Geist
 getrieben. In der Urgemeinde wird praktiziert, daß Mann und Frau trotz
 ihrer Verschiedenheit vor Gott gleichgeachtet und gleichwert sind. Sie
 haben teil am Aufbau er Gemeinde. Im Laufe der Geschichte der Kirche ist
 das verdeckt worden. Heute sehen wir es wieder anders. Der Frau fallen in
 der Gemeinde viele Aufgaben zu. Dazu gehören die Verkündigung und die
 Verwaltung der Sakramente, die Unterweisung der Kinder, auch er eigenen, im
 Glauben, der Dienst der Liebe an Kranken und Behinderten, Notleidenden
 aller Art, der Seelsorgedienst, bei dem sie oft besseren Zugang zu den
 Herzen finden, und das Amt der Kirchenältesten.@{b}

 Herr, du hast uns geboten, deinen Namen zu verkündigen, damit Menschen
 durch den Glauben an dich gerettet werden. Gib, daß wir -ob Mann oder Frau-
 diesen Dienst in aller Treue tun zur Erbauung deiner Kirche. Amen@{ub}


@{i}                     1.Timotheus 2,8-15@{ui}

@{b} Ich will, daß die Männer überall beim Gebet ihre Hände in Reinheit
 erheben, frei von Zorn und Streit.@{ub} 1.Timotheus 2,8 (EÜ)

 Es fällt schwer, über diesen Abschnitt eine Betrachtung zu schreiben. Zu
 sehr sind diese Zeilen vom jüdischen Denken der damaligen Zeit geprägt. Zu
 lange hat sich dieses Denken in der Kirche halten können und demütigt noch
 heute die Frauen. So ist es mir wichtig, daß in unserem Vers 2,8
 selbstverständlich auch Frauen gemeint sind und in manchen Mahnungen an die
 Frauen gemeint sind und in manchen Mahnungen an die Frauen (in den
 folgenden Versen) selbstverständlich auch die Männer.
 "Beim Gebet die Hände in Reinheit erheben, frei von Zorn und Streit." Mir
 fallen sofort Menschen unserer Gemeinde ein, die treu sonntags zur Kirche
 kommen - und sich gegenseitig hassen nach allen Regeln der Kunst. Mir
 fallen Menschen ein, mit denen ich in Spannung lebe: Priester in
 Nachbargemeinden, die andere Schwerpunkte vertreten als ich;
 Gemeindeglieder, die mir "auf die Nerven gehen"; Mitbewohner im Pfarrhaus,
 die sich über mich geärgert haben. Was tun?
 Mich tröstet die Einleitung zu diesem Vers: "Ich will". Ja, ich möchte das
 auch. Ich will mir auch Mühe geben. Aber ich weiß, daß es für mich und für
 die anderen auch Zielgebote gibt, Maßstäbe, die ich nie ganz erreichen
 werde. Trotzdem sage ich nicht: Dann brauche ich mich ja gar nicht erst zu
 bemühen. Gerade das ist gefordert, daß ich mich nüchtern und bescheiden in
 meinen Grenzen und Schwächen erkenne - und an mir arbeite.@{b}

 Guter Gott, jetzt bete ich und weiß doch, daß ich meine Hände nicht "in
 Reinheit erhebe". Zuviel Zorn und bösen Streit gibt es auch in meinem
 Leben. Aber es bleibt mir nichts anderes, als in meiner Schwäche zu dir zu
 kommen. Ich weiß: Du suchst das verlorene Schaf. Du stehst mit
 ausgebreiteten Armen da, um mich aufzunehmen.@{ub}
                                                      Karl Lenfers


@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 3a" "1.Timotheus 3,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Timotheus 3,1-13@{ui}

@{b} Der Bischof soll ein guter Familienvater sein.@{ub}
 1.Timotheus 3,4 (EÜ)

 Dieses Wort des Paulus klingt für katholische Ohren überraschend. Zu sehr
 haben wir uns daran gewöhnt, einen Bischof nur in Amtskleidung oder in
 festlich-liturgischen Gewand zu sehen. Es ist - zumindest hierzulande -
 schwer vorstellbar, daß der Bischof seinen Stab in die Ecke stellt und die
 Mitra abnimmt, um mit seinen Kindern zu spielen. Darf ein Bischof so
 menschlich sein?
 Dabei ist doch klar: Ein Bischof ist auch ein Mensch. Er wird abends müde
 werden, morgens vielleicht schlecht aus dem Bett kommen. Kann sein, daß er
 gern Schinkenbrötchen ißt und Freude am Wandern hat oder gar am Surfen.
 Kann ich einem Bischof zugestehen, daß er etwas vergißt, vielleicht sogar
 das, was mir wichtig ist? Doch bei allem Verständnis für die Menschlichkeit
 des Bischofs (oder des Priesters): Er hat ein öffentliches Amt und muß wie
 ein Bürgermeister oder Minister auch mit öffentlicher Kritik rechnen.
 Das muß dann nicht gleich lieblos sein oder kirchenfeindlich.
 Auch Paulus hat ja klare Vorstellungen. Der Bischof (oder der Priester)
 soll "gastfreundlich sein, fähig zu lehren; er sei kein Trinker und kein
 gewalttätiger Mensch, sondern rücksichtsvoll; er sei nicht streitsüchtig
 und nicht geldgierig" (1.Timotheus 3,2-3). So etwas hat es offensichtlich
 gegeben.@{b}

 Guter Gott, du wolltest uns menschlich nahe sein. Darum ist ein Sohn Jesus
 Christus Mensch geworden. Darum wollte er in einer menschlichen Kirche -
 mit all ihren Vor- und Nachteilen - bei uns sein. Wir danken dir für einen
 Sohn, wir danken dir für deine Kirche. Wir danken dir, daß du bei uns
 bist.@{ub}
                                                   Karl Lenfers

@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 3b" "1.Timotheus 3,14-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Timotheus 3,14-16@{ui}

@{b}                       Ein neues Lied@{ub}

 An Gemeindeleiter und Gemeindehelfer werden sehr hohe Anforderungen
 gestellt. Doch sie sollen nicht durch ihre Tugend überzeugen. Ihr ehrbarer
 Dienst hat nur  e i n  Ziel: daß Christus verkündigt wird. Wir merken, daß
 dies uns genauso angeht wie die Christen damals. Der Christus-Hymnus in
 Vers 16 ist der eigentliche Höhepunkt des ganzen Briefes an Timotheus. Der
 Form nach erinnert das Lid an Gesänge, die in alter Zeit bei der
 Thronbesteigung eines Königs angestimmt wurden. In vierzehn Tagen singen
 wir in vielen Himmelfahrtsgottesdiensten "Jesus Christus herrscht als
 König". So bekennen wir in gleicher Weise, was in dem alten Hymnus zum
 Ausdruck gebracht wird: Jesus Christus ist der erhöhte Herr. Die Gliederung
 fällt auf. Jeweils zwei Zeilen bilden ein Gegensatzpaar: Fleisch und Geist,
 Engel und Heiden, Welt und Herrlichkeit. So werden Himmel und Erde,
 Gottheit und Menschheit gegenübergestellt. Ihre Einheit ist in Jesus
 Christus ausgewiesen. Das ist das Geheimnis des Glaubens: Die Gemeinden
 bekennen sich zu Jesus von Nazareth, der am Karfreitag hingerichtet wurde
 und den Gott vor aller Welt mit der Auferstehung zu Ostern rechtfertigte.
 Er ist erhöht und sitzt zur Rechten Gottes. Das wird als gute Nachricht
 aller Welt bekanntgegeben. Wo immer diese Botschaft von Menschen angenommen
 und geglaubt wird, da wird die Herrschaft Gottes sichtbar, da ist sein
 Reich mitten unter uns. Der alte Hymnus wird zu einem neuen Lied. Es ist
 gut für uns, wenn wir mit einstimmen und bekennen: Jesus Christus ist unser
 Herr.@{b}

 Herr Jesus Christus! Wenn wir uns in einem Namen zusammenfinden, dann
 willst du mitten unter uns sein. Laß uns deine Gegenwart spüren. Schenke
 uns neuen Mut zum Glauben und zum Bekennen. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Timotheus 3,14-16@{ui}

@{b} Wahrhaftig, das Geheimnis unseres Glaubens ist groß.@{ub}
 1.Timotheus 3,16 (EÜ)

 Der Name Jesu wird nicht genannt. Aber aus dem Zusammenhang wird deutlich:
 das Geheimnis unseres Glaubens ist Jesus Christus, unser Gott. Das ist
 unbegreiflich, staunenswert.
 Bei einem Hausbesuch sagte mir einmal ein alter Bergmann, der in seiner
 Jugend als Seemann weit in der Welt herumgekommen war: "Wenn es einen Gott
 gibt, dann gibt es nur einen. Nicht einen für Moslems und einen für die
 Katholiken und einen für die Protestanten!" Ich konnte ihm nur zustimmen.
 Die großen Weltreligionen verkünden wunderbare Wahrheiten über Gott, vor
 denen wir auch als Christen staunend stehen können. Wir können manches
 lernen von den Moslems, den Buddisten, den Hindus, von den alten Religionen
 der Ägypter, der Griechen, der Inkas, der Indianer Nordamerikas. Aber das
 ist die zentrale christliche Botschaft: Gott ist nicht weit weg, unnahbar
 fern in seinem Himmel. Er ist in seinem Sohn Jesus einer von uns geworden.
 Er hat das Schicksal des Menschen geteilt, hinein bis in Leid und Tod. Und
 in der Kraft des Geistes Gottes hat er das Schicksal der Menschen
 gewandelt. In seiner Auferstehung hat er der Menschheit einen Weg eröffnet
 aus Leid und Tod in Freude und Leben.@{b}

 Jesus Christus, es ist unbegreiflich: Ich darf dich Bruder nennen, dich,
 der du aus der Herrlichkeit des Vaters als Mensch zu uns gekommen bist,
 Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Eins Wesens
 bist du mit dem Vater. Durch dich ist alles geschaffen. Und doch bist du
 für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel gekommen. Ich danke dir,
 Jesus, mein Bruder.@{ub}
                                                  Karl Lenfer



@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 4a" "1.Timotheus 4,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Timotheus 4,1-11@{ui}

@{b}                      Mit Danksagung empfangen@{ub}

 Fast täglich benutzen wir Gebrauchsanweisungen, Rezepte,
 Anwendungsvorschriften. Sie helfen uns, das technische Gerät sinnvoll zu
 nutzen, das Essen geschmackvoll zuzubereiten, das Medikament wirksam
 anzuwenden. Wenn wir den gewünschten Erfolg nicht erreichen, schimpfen wir
 auf die unverständliche Beschreibung. Manchmal fragen wir uns auch, ob wir
 vielleicht etwas falsch gemacht haben. Vieles läßt sich durch kluge
 Gebrauchsanweisungen und richtige Anwendung erreichen. Kein Wunder, daß
 Menschen immer wieder nach Rezepten für eine erfolgversprechende
 christliche Lebensführung fragen. "Erfolg heißt dann, daß bei richtiger
 Anwendung garantiert das Heil erreicht wird. So können wir uns das Bemühen
 jener Gemeindeglieder verständlich machen, die Paulus als Irrlehrer
 verurteilt. Ihr Rezept für das Heil verlangt, unverheiratet zu bleiben und
 bestimmte Speisevorschriften genau einzuhalten. Der Apostel macht es uns
 viel leichter. Er nennt keine Fülle von Einzelvorschriften, die harte
 Entsagung verlangen. Nur zwei Regeln gelten: "Empfangt alles mit
 Danksagung" und "übt euch in er Gottesfurcht, im Gehorsam gegen Gott."
 Längst haben wir uns daran gewöhnt, Essen und Trinken, Kleidung und
 Wohnung, Arbeit und Verdienst und meist auch die Gesundheit als etwas
 völlig Selbstverständliches zu beanspruchen. Nehmen wir dies alles noch als
 Erhörung unserer Bitte um das tägliche Brot an? Dank erwächst aus der
 Ehrfurcht vor Gott. Wer Gott die Ehre gibt, gehorcht ihm gern. Er hat stets
 die Mitmenschen im Blick. Um ihnen zu helfen, kann er auch leichten Herzens
 verzichten.@{b}

 Herr Gott, lieber Vater! Laß uns dankbar sein für alle guten Gaben, die wir
 durch dein Güte täglich erhalten. Laß uns mit unseren Begabungen und mit
 unserem Leben verantwortlich umgehen. Hilf, daß wir den Nächsten nicht
 übersehen. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Timotheus 4,1-11@{ui}

@{b} Wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, den Retter
 aller Menschen, besonders der Gläubigen.@{ub} 1.Timotheus 4,10 (EÜ)

 Wenn alle Menschen gerettet werden oder, wie wir es landläufig sagen: in
 den Himmel kommen, warum soll ich mich dann als Christ besonders bemühen?
 Dann mache ich mir auch ein schönes Leben und laß den lieben Gott einen
 guten Mann sein.
 Den letzten Satz halte ich für richtig, nur verstehe ich ihn genau anders
 als manche Leute, die ihn mir sagen.
 "Ich mache mir ein schönes Leben." Ich finde es sehr schön, als Christ
 leben zu dürfen. Gläubig zu sein, das ist für mich zuerst Geschenk. Das
 Gebet und der Gottesdienst in der Gemeinde, der Umgang mit dem lieben Gott
 machen mein Leben schön.
 Gerettet werden sie alle, die gerettet werden wollen. In den Himmel kommen
 alle, die Sehnsucht danach haben. Das will der "Retter aller Menschen" so.
 Das besondere Geschenk der Gläubiger ist, schon jetzt ein Stückchen Himmel
 auf Erden zu haben. Wer glaubt, der weiß mehr, für den wird das Leben
 reicher! Der kann besser leben - und sterben! Wer glaubt, der hat keine
 Angst mehr. Hoffnung und Vertrauen sind eine Grundkräfte.
 "Ich mache mir ein schönes Leben!" - das können wir als Gläubige wahrhaftig
 sagen. Dabei kann das Schöne auch anstrengend sein, wie eine Bergwanderung.
 Aber ich steige nicht auf die Berge, weil das anstrengend ist, sondern ich
 strenge mich an, weil s dann schön ist.@{b}

 Guter Gott, ich danke dir, daß du gut bist zu allen Menschen, daß du allen
 ewige Freude gönnst. Ich danke dir, daß du mir den Glauben geschenkt hast.
 So gibst du mir Hoffnung auf ewiges Leben, gibst mir Vertrauen, das Leben
 hier und das Sterben bewältigen zu können.@{ub}
                                                    Karl Lenfers

@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 4b" "1.Timotheus 4,4.5"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Timotheus 4,4.5@{ui}

@{b}                  Dankbar und verantwortlich leben@{ub}

 Auf den ersten Blick eine gewagte Aussage: "Nichts ist verwerflich, was mit
 Danksagung empfangen wird." Fragen drängen sich auf. Sie sind zunächst
 stärker als die Zustimmung. Der Satz bezieht sich doch nicht nur auf das
 Essen und Trinken. Selbst was Gott geschaffen hat, ist gut." Alles! Auch
 das Unangenehme? Auch das, was nicht schmeckt? Auch das, was ungenießbar
 geworden ist?
 Wir werden unterscheiden müssen zwischen dem, was Gott geschaffen hat, und
 dem, was Menschen daraus gemacht haben. Es gibt Entwicklungen, für die wir
 nicht dankbar sein können. Zerstörerische Wirtschafts- und
 Lebensweisheiten der Menschen bedrohen Gottes gute Schöpfung. Der Mißbrauch
 guter Gaben gefährdet das Leben. Wir werden genauer hinsehen und
 unterscheiden lernen, wofür wir Gott zu danken haben und wofür nicht.
 Dankbar leben, das heißt verantwortlich leben. Wann endlich wird sich
 ändern, daß es auf dieser Erde den einen so gut geht und es anderen
 schlecht geht? Wann wird mehr Gerechtigkeit zwischen Völkern und Menschen
 verwirklicht? Wir werden unser Leben mit dafür einsetzen, Gottes gute
 Schöpfung zu bewahren und Gerechtigkeit zu fördern. Die Zielrichtung der
 Aussage damals war eine andere. Leute traten in der Gemeinde auf, die
 verlangten, bestimmte Speisevorschriften strikt einzuhalten. Solch Verbot
 zerreißt die Einheit der Schöpfung. Der Apostel Paulus hält mit
 Entschiedenheit dagegen: Alle kreatürliche Gabe ist gut. Die Gefahren
 lauern heute an anderen Stellen. Haben wir nicht zu selbstverständlich
 genommen, statt dankbar zu empfangen? Dankbarkeit schärft das Bewußtsein
 dafür, in einen größeren Zusammenhang eingefügt zu sein. Undank macht
 einsam. Dankbare Augen sehen die Welt anders. Dankbarkeit öffnet den Blick
 für das Unscheinbare und die leicht übersehene Kleinigkeit. Dankbarkeit vor
 Gott erschließt den Reichtum des Lebens. Mit Danksagung empfangen bedeutet
 somit Gleichgültigkeit überwinden, Zusammenhänge sehen, aufmerksam leben,
 Gefährdungen überwinden helfen und Gutes nicht übersehen und vergessen. Wer
 mit Dank aus Gottes Händen empfängt, kann mit fröhlichem Herzen
 weiterschenken. Er braucht nicht geizig festzuhalten wie jener, er nur
 nehmen will. Teilen macht reich. Danken befreit zu einem verantwortlichen
 Leben.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir für deinen Segen, der sich uns mitteilt in
 Ernst und Brot, Arbeit und guten Möglichkeiten. Laß uns verantwortlich mit
 deinen gaben umgehen und teilen, damit viele reich werden. Amen."{ub}



@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 4c" "1.Timotheus 4,12-5,2"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Timotheus 4,12-5,2@{ui}

@{b}                    Verantwortung wahrnehmen@{ub}

 Zwei Regeln genügen: mit Danksagung empfangen und sich im Gehorsam gegen
 Gott üben. So steht es in der Auslegung des Vortages. Alle
 Einzelvorschriften zu besonderen Verhaltensweisen werden als Irrlehre
 zurückgewiesen. Aber nun lesen wir heute sehr viele einzelne
 Dienstanweisungen. Wieder können wir es uns leicht machen und sagen, damit
 sei ja nur Timotheus gemeint. Es ist sozusagen sein "personengebundener
 Funktionsplan". Wenn wir uns einem Anspruch entziehen wollen, sind wir nie
 um Ausreden verlegen! Wir können den Abschnitt aber auch anders verstehen,
 nämlich als eine Hilfe für jeden, der Leitungsaufgaben wahrzunehmen hat.
 Der dreißigjährige Timotheus erhält hilfreiche Ratschläge aus der
 Lebenserfahrung des sechzigjährigen Paulus. Immer wieder werden Jüngere mit
 verantwortungsvollen Aufgaben betraut. Sie können froh sein, wenn ihnen ein
 erfahrener Kollege hilfreich beisteht. Jeder Ältere sollte so einsichtig
 sein, daß er seine Erfahrungen nicht für sich behält, sondern zur
 Weitergabe bereit ist. Was hier gesagt ist, gilt speziell für das Leben in
 der Kirchengemeinde. Es hat sich in fast zweitausend Jahren wenig
 verändert. Heute ist es genauso wichtig wie damals, wie die verschiedenen
 Altersstufen in der Gemeinde unter sich und miteinander umgehen, wie
 Fürsorge geübt wird, wie Arbeitsaufgaben erfüllt werden. Das eigene Vorbild
 wirkt immer noch viel mehr als das Reden. Eine Hilfe ist aber auch das
 Vertrauen auf die Berufung in einen Dienst. So kann die Verantwortung als
 Auftrag angenommen und im Vertrauen auf Gottes Beistand wahrgenommen
 werden.@{b}

 Herr und Heiland Jesus Christus! Du gehst uns voran. Laß uns dir
 nachfolgen. Hilf, daß wir unser Aufgaben trotz aller Lasten annehmen und
 bejahen. Wecke unser Gewissen, damit wir unser Reden und Handeln vor dir
 verantworten können. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Timotheus 4,12-5,2@{ui}

@{b} Lies den Gläubigen eifrig aus der Schrift vor.@{ub}
 1.Timotheus 4,13 (EÜ)

 Das ist eine ganz praktische Ermahnung des Apostels an seinen Schüler
 Timotheus, der der Vorsteher der Kirche von Ephesus ist. Zu seiner Zeit
 begann der christliche Gemeindegottesdienst, feste Gestalt anzunehmen. Und
 da mahnt der Apostel: Die Lesung aus der Bibel darf nicht fehlen.
 Aber das "Vorlesen aus er Schrift" beschränkt sich nicht auf den
 Gottesdienst. Wenn Christen sich treffen, dann gehört das "Vorlesen aus der
 Schrift" dazu. Dafür soll Timotheus sorgen.
 Und dieser Auftrag des Apostels ergeht jetzt, wo ich diesen Vers lese, auch
 an mich und auch an Sie, liebe Leserin, lieber Leser.
 Ich erde nun eifrig vorlesen, was ich selber mit Eifer lese. Wann und wie
 lese ich die Bibel? Die Mahnung zum "Vorlesen" gilt nicht nur den Bischöfen
 und Priestern. Sie ist an jede Christin, an jeden Christen gerichtet, die
 oder der diesen Satz im Timotheusbrief liest. Wie kann ich mithelfen, daß
 auch andere die Bibel zu lieben lernen? Was kann ich tun, daß auch andere
 in der Bibel Lebensfreude und Lebensrichtung finden? Hier ist Phantasie
 gefragt, Und kluges Einfühlungsvermögen.@{b}

 Das wahre Leben kommt von dir, lebendiger Gott. Im Lesen und Hören der
 Bibel können wir dir begegnen. Hier können wir das Leben finden. Hilf mir,
 guter Gott, daß ich diesen Reichtum nicht verpasse. Und daß ich auch
 anderen helfe, diesen Reichtum zu entdecken.@{ub}
                                         Karl Lenfers


@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 5a" "1.Timotheus 5,3-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Timotheus 5,3-16@{ui}

@{b}                         Das Witwenamt@{ub}

 Als Witwe bezeichnen wir heute jede Frau, die ihren Mann durch den Tod
 verloren hat. Daran ist sicher auch in diesem Brief gedacht. Doch daneben
 hat das Wort "Witwe" hier noch einen anderen Sinn. Es ist von einem
 speziellen Witwenamt die Rede, für das nicht alle verwitweten Frauen in der
 Gemeinde in Frage kommen. Weiterhin wird ausgeführt, wer ein solches Amt
 nicht erhalten soll. Eine Witwe, die im Bereich ihrer Familie, bei ihren
 Kindern und Enkeln ihren Platz hat, kommt für ein solches Amt nicht in
 Frage. Sie hat ja schon ihren Anstoß erregen kann, ist ebenfalls
 ungeeignet. Unmöglich ist auch jede Frau, die ihre eigene Familie nicht
 ordentlich versorgt. Von ihr gilt sogar: "Sie hat den Glauben verleugnet
 und ist schlimmer als ein Heide." Die Witwen sollen auch nicht zu jung
 sein; es wird ein Mindestalter von sechzig Jahren genannt. Eine Frau, die
 für das Witwenamt in Frage kommt, muß gute Werke getan haben, sie soll ihre
 Kinder recht erzogen und Bedrängten beigestanden haben. Der Schreiber
 möchte also den Kreis derer, die für ein solches Witwenamt in Frage kommen,
 recht eng begrenzen. Denn diese "anerkannten" Witwen haben einen Auftrag in
 der Gemeinde und haben das Recht, von dieser versorgt zu werden. Ihr
 Tätigkeitsbereich wird vor allem in Hausbesuchen zur Betreuung Alter und
 Kranker bestanden haben. Es war in der damaligen Zeit viel, daß die Frauen
 in der christlichen Gemeinde so ein besonderes Amt zugewiesen bekamen.
 Heute werden wir aber den Wirkungsbereich der Frauen in der Kirche viel
 weiter fassen. Auch im Dienst der Verkündigung werden sie als Pastorinnen
 ihren Platz einnehmen.@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du dir deine Gemeinde auf dieser
 Welt gegründet hast. Laß sie uns eine Heimat sein! Laß uns freudig die
 Aufgaben übernehmen, die wir in deiner Gemeinde erfüllen sollen! Amen.@{ub}


@{i}                        1.Timotheus 5,3-16@{ui}

@{b} Kümmert sich aber jemand nicht um seine Angehörigen, besonders wenn sie
 mit ihm zusammen wohnen, dann verleugnet er Christus und ist schlimmer als
 ein Ungläubiger.@{ub}  1.Timotheus 5,8 (EÜ)

 Vor zweitausend Jahren kannte man noch keine Altenheime. Großmutter oder
 Großvater blieben im Hause ihrer Kinder wohnen, auch wenn sie sehr alt und
 gar pflegebedürftig geworden waren. Diese Situation hatte Paulus vor Augen.
 Heute würde er den Zwischensatz "besonders wenn sie mit ihm zusammen
 wohnen" wohl weglassen. Kümmert sich jemand nicht um seine Angehörigen,
 dann verleugnet er Christus und ist schlimmer als ein Ungläubiger. Aber
 dies ist die Realität in unserem Lande. Die alte Mutter kann sich nicht
 mehr selbst versorgen. Bei den Kindern ist s zu eng. Man sucht ihr einen
 Platz im Altenheim. Da lebt sie nun, unter lauter alten Leuten, und kommt
 kaum noch heraus. Alle paar Wochen ist einmal die Tochter da oder der Sohn,
 für eine Stunde am Nachmittag. Von diesen Augenblicken lebt sie. Von
 Besuchstag zu Besuchstag wartet sie. Was sind ihr die anderen Alten im Heim
 - ihre Welt ist die ihrer Kinder und Enkel. Wer wollte es ihr verdenken?
 Aber die Kinder haben keine Zeit. Der Beruf, die viele Hausarbeit, und
 heute muß ich hierhin und morgen dorthin. Die Mutter im Heim? Ach ja,
 nächste Woche, da fahre ich schnell mal bei ihr vorbei. Man spricht es
 nicht aus, man wagt es auch nicht so recht zu denken, aber es stimmt ja
 doch irgendwie: Wäre die alte Dame schon gestorben, so gäbe es eine Last
 weniger.
 Aber sie braucht uns doch! Wo immer uns Nächstenliebe geboten ist - sie ist
 der Allernächste, er uns braucht, gerade uns Kinder und Enkel und niemand
 anders. Sie hat uns geboren. Sie hat uns in dieses Leben hineingeführt. Sie
 liebt uns. Sie hat auch ein Recht auf unsere Liebe. Wir versündigen uns,
 wenn wir sie vernachlässigen. Ist es denn so ein schweres Opfer, den
 Mittwochnachmittag ihr fest zu reservieren, sie sonntags zum Mittagessen
 oder zum Kaffee zu holen, die Kinder zu häufigen Besuchen bei ihr zu
 ermuntern? Eins Tages ist sie nicht mehr, und dann ist es zu spät.@{b}

 Herr, hilf uns, bewußter zu leben und zu erkennen, wer in unserem Umkreis
 uns braucht. Gib uns die Kraft, zur rechten Zeit das Rechte zu tun. Amen.
@{ub}                                                Wilhelm Nordemann



@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 5b" "1.Timotheus 5,17-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Timotheus 5,17-25@{ui}

@{b}                      Amtsträger der Gemeinde@{ub}

 Die Leitung einer Kirchengemeinde liegt bei uns in den Händen des
 Kirchenvorstands oder Presbyteriums und des Pfarrers oder der Pastorin. Sie
 sorgen zusammen für die Arbeit und den Dienst in der Gemeinde. Sie achten
 darauf, daß alle Aufgaben in rechter Weise wahrgenommen werden. Sie sollen
 voreinander Rechenschaft ablegen und neue Wege suchen, die gegangen werden
 können, um allen Menschen das Evangelium zu bringen. In der ersten Zeit der
 Kirche war alles noch nicht so durchorganisiert wie heute. Doch schon
 damals, gab es Presbyter (Älteste) und Gemeindeleiter. Sie wurden von er
 Gemeinde bestimmt. Auch bei uns wählt der Gemeindekirchenrat seinen
 Vorsitzenden. Nicht jeder Pfarrer oder jeder Pastorin kann sich um
 organisatorische Dinge kümmern; nicht immer können sie ein Gespräch so
 leiten, daß sie nicht stets das erste und das letzte Wort haben. Hierzu ist
 Umsicht und Weisheit nötig. Die Gemeine hat auch für den Lebensunterhalt
 ihrer Amtsträger aufzukommen, wenn diese neben ihrer Gemeindearbeit keine
 andere Tätigkeit ausüben können. Im ersten Wort unseres Abschnitts ist das
 Wort "Ehre" richtiger mit Lohn wiederzugeben. Diesen Anweisungen über die
 Gemeindeämter folgen noch in loser Anfügung andere Regeln. Der
 Briefempfänger soll vorsichtig sein bei der Auswahl von Amtsträgern. Er
 wird -verwunderlicherweise- sogar aufgefordert, in maßvoller Weise Wein zu
 trinken. Vielleicht steht diese Aufforderung hier, weil in sektiererischer
 Weise mancherorts zu völliger Abstinenz aufgerufen wurde. In diesen ganzen
 Mahnungen soll erkennbar werden, daß alles in der Gemeinde ordentlich
 zugehen muß.@{b}

 Lieber Vater, wir danken dir, daß du deine Gemeinde erhältst und Menschen
 dafür in deinen Dienst stellst. Wir danken dir für den Rat und die Hilfe,
 die wir von älteren Menschen in so vielfältiger Weise empfangen. Amen.
@{ub}


@{i}                      1.Timotheus 5,17-25@{ui}

@{b} Ebenso sind auch die guten Taten allen sichtbar; und wenn sie je
 verborgen bleiben, kommen auch sie einmal ans Licht.@{ub}
 1.Timotheus 5,25 (EÜ)

 Gelobt werden möchten wir eigentlich alle gern einmal. Etwas Gutes tun
 - schon. Aber anerkannt werden sollte es doch wenigstens. Nicht einmal
 Danke hat er gesagt, denkt man enttäuscht, wenn eine kleine Gefälligkeit
 nicht mit einem freundlichen Lächeln, eine gute Tat nicht mit dankbaren
 Worten belohnt wird. Nur Gottes Liebe fordert keinen Dank; sie sucht nicht
 das Ihre (1.Korinther 13,5). Sie trägt sogar der menschlichen Schwäche
 Rechnung, selbst den Dank zu vergessen, von anderen ihn aber zu erwarten:
 Auch die guten Taten kommen einmal ans Licht, tröstet Paulus den Timotheus.
 Gott sieht zu, wenn wir Gutes im Verborgenen tun. Es gibt so viel, jeden
 Tag, was wir Gutes tun können, auch wenn die Rente nicht reicht zu einer
 größeren Geldspende für irgendetwas. Da ist eine Nachbarin, die allein
 lebt. Ein freundliches Guten Morgen, ein paar Worte über den Gartenzaun tun
 ihr gut. Da ist eine Kollegin im Büro, die seit Monaten irgendeinen Kummer
 mit sich herumschleppt. Sich eine Stunde Zeit für sie zu nehmen und einfach
 zuhören, das sie sich von der Seele redet, kann viel bewirken. Da gibt es
 in unserer Gemeine so vieles, was Hilfe braucht. Eine Frage, ein Angebot
 kosten nichts - und finden dankbare Antwort.
 Gott tut so viel Gutes an uns. Versuchen wir, ein wenig davon an andere
 weiterzugeben.@{b}

 Herr, es gibt so vieles um uns herum, das wir tun könnten. Gib, daß wir
 nicht gedankenlos darüber hinwegsehen. Öffne uns die Augen für die Nöte
 anderer. Laß uns lernen, keinen Dank zu erwarten. Amen.@{ub}
                                                Wilhelm Nordemann

@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 6a" "1.Timotheus 6,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                     1.Timotheus 6,1-10@{ui}

@{b}                      Christen und Geld@{ub}

 Wir kennen sicher alle das Sprichwort: "Beim Geld hört die Freundschaft
 auf!", oder das andere: "Über Geld spricht man nicht." Im Timotheusbrief
 wird aber das Geld nicht ausgeklammert oder gar hinter der vorgehaltenen
 Hand darüber gesprochen. Im Gegenteil, ganz offen spricht er über den
 richtigen Umgang mit dem Geld. Es gibt in der Kirche keine Themen, über die
 aus falscher Schamhaftigkeit geschwiegen werde müßte. "Alles ist euer",
 schreibt Paulus im 1.Korintherbrief und fährt fort: "Ihr aber seid
 Christi." Darum verlangt er hier einen verantwortlichen Gebrauch des
 Geldes, der die Gemeinde und alle ihre Glieder vor der Geldgier bewahren
 soll. Mit scharfen Worten wendet er sich gegen jedes Laster und nennt es
 die größte Sünde, wenn Gott für die Befriedigung eines unersättlichen
 Strebens nach Geld mißbraucht werden soll. Wir verstehen Martin Luthers
 Zorn über den Ablaßhandel und verstehen, daß in der Kirche Rechenschaft
 abgelegt werden muß über die Verwendung der Kirchensteuer, der Kollekten
 und aller Spenden. Keine Gemeinde, kein Kirchensteueramt kann mit dem Geld
 nach eigenem Gutdünken umgehen oder gar darauf bedacht sein, viele Schätze
 zu sammeln. Am Ende eines jeden Jahres muß der Nachweis über den Verbleib
 jeder Mark und die sinnvolle Verwendung jeden Pfennigs erbracht werden. Nur
 wo dies geschieht, dürfen wir um unseren Beitrag zur Finanzierung aller
 Ausgaben der Kirche gebeten werden. Setzen wir das Geld über alles, so
 hängt an ihm auch unser Herz. Unser Reichtum aber ist allein das Wort
 Gottes. @{b}

 Lieber Herr, wir bitten dich, bewahre uns vor Geldgier und dem Streben nach
 Reichtümern. Laß uns an dem Genüge haben, was wir durch ehrliche Arbeit
 erhalten. Mache uns bereit, die Lasten unserer Kirche gerne mitzutragen.
 Amen.@{ub}


@{i}                     1.Timotheus 6,1-10@{ui}

@{b} Was haben wir in die Welt mitgebracht? Nichts! Was können wir aus der
 Welt mitnehmen? Nichts!@{ub}  1.Timotheus 6,7 (EÜ)

 Eine Binsenweisheit ist das eigentlich, was Paulus da dem Timotheus
 schreibt - aber eine Wahrheit offenbar, die öfter zu wiederholen nötig ist,
 weil kaum jemand sie beherzigt. Es gibt so viele Leute, die das schwäbische
 "schaffe, schaffe, Häusle baue" zum Lebensprinzip erhoben haben, und das
 keineswegs nur in Schwaben. Sie arbeiten, sie sparen, sie gönnen sich und
 den anderen nichts, sie häufen oftmals ein ansehnliches Vermögen auf - bis
 er Tod es ihnen fortnimmt wie einem Kinde das Spielzeug. Vielleicht liegen
 mehr Kränze auf ihrem Grab als bei einem anderen, und ihr Sarg war teuer.
 Vielleicht ist ihr Grabstein aus Marmor. Aber sie haben nichts mehr davon.
 Ihr Leichnam zerfällt zu Erde wie er des armen Nachbarn schräg gegenüber.
 Die Nachwelt vergißt den einen so bald wie den anderen; der teuerste Marmor
 ändert daran nichts.Man braucht nur einmal über einen Friedhof zu gehen, um
 sich klar darüber zu werden, wie schnell das geht mit dem Vergessen.
 Sollten wir daraus nicht Konsequenzen ziehen?
 Gewiß wünscht sich jeder von uns ein finanzielles Polster für den Notfall.
 Gewiß möchte jeder für seine Lieben vorsorgen. Auch wenn wir alle, seit
 Krieg und Inflation, wissen, daß es die absolute Sicherheit nicht zu kaufen
 gibt. Aber was tut jemand, dem aufgegeben ist, für eine kurze Zeitspanne
 einerseits, für einen sehr langen Zeitraum andererseits Vorsorge zu
 treffen: Wird er nicht für die lange Zeit viel, für die kurze dagegen wenig
 tun? Nichts anderes gilt für unserem Nächsten tun, ist letztlich unwichtig.
 @{b}
 Herr, laß uns bewußt werden, daß unser Leben befristet ist und daß wir
 nichts von dem, was uns lieb ist, mitnehmen können. Laß mit dieser
 Erkenntnis uns gelassen werden gegenüber dem Reichtum anderer, aber auch
 entschiedener werden im Gehorsam nach deinem Willen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 6b" "1.Timotheus 6,11-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Timotheus 6,11-16@{ui}

@{b}                     Im edlen Wettlauf@{ub}

 Dem Apostel Paulus war die Auseinandersetzung mit der Geldgier der Menschen
 so schrecklich, daß er diese Gedanken mit der eindringlichen Bitte
 anschließt, dies alles zu lassen. Wir haben ein andres Ziel, das ewige
 Leben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Einsatz aller Kräfte notwendig.
 Erstrebenswerte Schätze sind Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glaube, Liebe,
 Geduld, Sanftmut. Obwohl der Apostel nie müde wird zu betonen, aß wir uns
 vor Gott nichts verdienen können, vergleicht er das Leben des Christen mit
 einem Wettlauf. Er denkt dabei an den Wettlauf, der als sportliches Ringen
 um den Sieg bei den Griechen sich großer Beliebtheit erfreute. Ein Läufer
 darf sich durch nichts ablenken lassen, kein noch so interessantes
 Geschehen am Wege kann ihn zum Verweilen einladen. Doch dem Christen geht
 es nicht darum, die anderen Läufer zu besiegen, um auf jeden Fall als
 erster durchs Ziel zu laufen. Er weiß, daß die Ersten die Letzten und die
 Letzten die Ersten sein können. Dennoch ist dies kein vergebliches Laufen;
 Gott selbst hat uns dazu berufen und die Krone des Lebens verheißen.Das
 Wirken ist so wunderbar und groß, daß der Apostel darüber nur anbeten kann.
 Angesichts des verbreiteten Herrscherkultes, bei dem sich Kaiser und Könige
 als Götter verehren ließen, betont er, daß allein Gott die Anbetung
 gebührt. Er ist der Schöpfer allen Lebens, auch wir werden durch ein Hand
 erhalten und geführt. Da können auch wir nur demütig in den Lobpreis Gottes
 mit ganzem Herzen einstimmen.@{b}

 Herr, unser Gott, täglich erkennen wir eine Herrlichkeit.Wir beten dich an
 und preisen deine Güte, daß du dich in deinem Sohn Jesus Christus uns
 Menschen zugewandt hast. Hilf uns, daß wir in seiner Nachfolge nicht müde
 werden. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Timotheus 6,11-16@{ui}

@{b} Bemühe dich um Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Geduld und
 Freundlichkeit.@{ub}  1.Timotheus 6,11 (EÜ)

 Ich bin oft ungerecht: wenn ich wütend bin oder wenn ich jemanden nicht
 leiden kann oder -dies am meisten- wenn ich nur halb informiert bin, also
 nur die eine, negative Seite kenne. Ich vergesse nur zu oft jede
 Gottesfurcht: wenn ich ihn aus meinem Alltag verdränge, mich auf mich
 selbst, auf meine Tüchtigkeit, auf mein Glück verlasse. Ich glaube und
 glaube doch wieder nicht; denn wenn ich wirklich glauben würde, müßte ich
 ganz anders leben.
 Die Liebe: Kann man das Liebe nennen, wenn ich täglich gedankenlos an
 anderen vorbeigehe, die mich vielleicht brauchen, wenn ich nicht einmal
 genug Zeit für meine Tante im Altenheim aufbringe, die doch vom Warten auf
 mich lebt?
 Geduld - Geduld habe ich ja kaum mit mir selbst, und Freundlichkeit gegen
 anderen fällt mir an manchen Tagen reichlich schwer, wenn es nicht gerade
 ein schöner Frühlingstag ist oder ich heute schon ein Erfolgserlebnis
 hatte.
 Paulus verlangt Unmögliches von mir, falls er nicht bloß den Timotheus
 meint, der ja vielleicht mehr zum Christen taugt als ich.
 Aber er fordert ja nicht die Verwirklichung eines absolut gerechten Lebens.
 Er will nichts weiter als das Bemühen um Gerechtigkeit. Daß wir mit unserer
 schwachen Kraft uns wenigstens Mühe geben - das in der Tat kann nicht
 zuviel verlangt sein. Etwas mehr Freundlichkeit, etwas mehr Geduld ergeben
 in der Summe auch etwas mehr Liebe. Das Bemühen um den Glauben erzeugt mehr
 Gottesfurcht. Alles zusammen macht ein wenig gerechter gegen andere und vor
 Gott.@{b}

 Herr, gib uns Kraft, uns täglich Mühe zu geben um die Menschen um uns herum
 wie um dein Wort. Lehre uns erkennen, was du von uns erwartest. Amen.@{ub}
                                                   Wilhelm Nordemann



@ENDNODE
@NODE "1.Timotheus 6c" "1.Timotheus 5,17-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                    1.Timotheus 6,17-21@{ui}

@{b}                      Schlußmahnung@{ub}

 Zwei verschiedenartige Mahnungen stehen am Schluß dieses Briefes. Da geht
 es zunächst um die Probleme des irdischen Besitzes. Dann folgt noch eine
 letzte Warnung vor der in diesem Schreiben bekämpften falschen Lehre.
 Zunächst spricht der  Verfasser von den irdischen Gütern, um zu zeigen, wie
 wir sie vielfältig im Sinne Jesu verwenden können. Wir sollten sie
 gebrauchen zum Wohl unserer Mitmenschen. Er denkt an die, die vielleicht
 nichts haben, um sich Nahrung oder Kleidung zu kaufen, an denen kein Christ
 vorbeigehen kann. Solche Nöte gibt es bei uns in unserem Lande nicht mehr.
 Aber in Afrika, Asien oder Südamerika verhungern noch heute täglich
 zahllose Menschen. Sie sollen wir als unsere Nächsten sehen, denen wir auf
 jede nur mögliche Weise helfen müssen und können. Wo wir das tun, vollzieht
 sich im Verhältnis zum irdischen Gut eine Wandlung. Das ganz Materielle,
 das wir verschenken, ohne dafür auf Lohn oder irgendeine andere Vergütung
 bedacht zu sein, wird zu einem Werk der Liebe Gottes, die er durch uns an
 notleidenden Menschen tut. So werden Neid oder Haß abgebaut, das Freund-
 Feind-Denken wird überwunden. Dann folgt eine Ermahnung, sich vor falscher
 Lehre zu hüten. Sie nimmt noch einmal auf, was schon zuvor gesagt war. Es
 geht um die fälschlich sogenannte "Erkenntnis". Dabei ist an Menschen
 gedacht, die sich geheimer Erkenntnis über Gott und die Himmelsweiten
 rühmen und darüber die Gemeinschaft mit anderen Christen vergessen. Das
 wird als Abkehr vom Glauben verurteilt. Wie Christus unser Bruder geworden
 ist, sollen wir auch die anderen Mitmenschen als unsere Brüder sehen.@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir für alle Gaben, die du uns gibst. Wir bitten
 dich: Hilf uns, daß wir alles, womit du uns beschenkst, zu Taten deiner
 Liebe nutzen! Öffne uns Herzen und Hände, damit wir erkennen, wo und wie
 wir handeln sollen! Amen.@{ub}


@{i}                     1.Timotheus 6,17-21@{ui}

@{b} Kehre denen den Rücken, die sich auf die sogenannte Erkenntnis berufen
 und unverantwortlich daher reden und um leere Worte streiten.@{ub}
 1.Timotheus 6,20 (EÜ)

 Mehrere Jahrhunderte in er Geschichte der Christenheit sind von blutigen
 Auseinandersetzungen um den rechten Glauben geprägt gewesen. Im Namen der
 Liebe Christi sind Völker fast ausgerottet, Städte und Dörfer
 niedergebrannt, Todesurteile ausgesprochen worden. Die schlimmsten
 Grausamkeiten wurden zu Reinigungsakten verklärt, wenn sie nur der
 Verbreitung oder Erhaltung der reinen Lehre dienten. Vielleicht wäre der
 Menschheit manches erspart geblieben, dessen sie sich heute schämen muß,
 wenn die Ermahnung des Paulus mehr beherzigt worden wäre: Kehre denen den
 Rücken, die sich auf die sogenannte Erkenntnis berufen. Kümmere dich nicht
 um Worte, sondern tue, was dir aufgetragen ist. Liebe einen Nächsten wie
 dich selbst - dieser Auftrag kehrt in allen Teilen des Neuen Testaments in
 zahlreichen Formen wieder. Die Liebe zum Nächsten umschließt auch den
 Andersdenkenden, der nach einer anderen Liturgie den Gottesdienst feiert
 oder die Bibel zu irgendeiner Schlüsselfrage anders versteht. Das zentrale
 Gebot der Nächstenliebe bedarf keines Auslegungsstreits. Es richtet sich
 zuerst an uns selbst. Es verändert sich für uns nicht dadurch, daß andere
 es anders verstehen könnten. Sie bleiben unsere Nächsten, auch wenn sie
 anders denken als wir.
 Deshalb könnten wir theologischen Meinungsverschiedenheiten mit Paulus
 getrost den Rücken kehren: Zu allererst werden wir von Gott nicht an
 unserer Konfession, sondern daran gemessen, wie wir seinen Auftrag, den
 Auftrag der Nächstenliebe, erfüllen.@{b}

 Herr, lehre uns Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Hilf uns verstehen, daß
 jeder andere unser Nächster ist, gleich was er denkt und glaubt. Stärke uns
 in der Liebe zu allen Menschen. Amen.@{ub}
                                              Wilhelm Nordemann



@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 1a" "2.Timotheus 1,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Timotheus 1,1-11@{ui}

@{b}                 Bewahre, was dir gegeben ist@{ub}

 Heute beginnen wir bei unserer Bibellese mit einem neuen Abschnitt. Oft
 hören wir in der christlichen Verkündigung, daß unser Leben sich ändern
 muß. Oft werden wir aufgefordert, mit einem neuen Abschnitt zu beginnen.
 Dabei ist eine solche Aufforderung meist unnötig. Geheime Wünsche werden
 angesprochen. Viele von uns träumen, daß etwas in ihrem Leben anders wird,
 ohne genau sagen zu können, was sich ändern soll. Wieviel junge Menschen
 wissen nur das eine, daß sie einmal anders leben wollen als ihre Eltern.
 Unser Abschnitt spricht jedoch nicht von einem neuen Anfang, im Gegenteil.
 In Worten, durch die eine tiefe menschliche Bewegung klingt, wird der
 Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sich nichts ändert an dem Glauben, der in
 dem Empfänger des Briefes erkannt worden ist. Mit diesem Glauben steht er
 in einer Traditionslinie. Schon die Großmutter. Schon die Großmutter und
 die Mutter haben zu diesem Glauben gefunden. Nun kann freilich der Glaube
 nicht übernommen werden wie ein Einrichtungsgegenstand, der nur hin und
 wieder abgestaubt werden muß. Eher ist er zu vergleichen mit einer Flamme,
 die ständig neu entfacht wird. Es tauchen hier Worte auf, die uns
 merkwürdig bekannt vorkommen. Wir lesen von Verzagtheit und vom Schämen.
 Hat es wenige Jahrzehnte nach der Auferstehung von Jesus Christus auch
 schon Menschen gegeben, die verzagt waren und sich ihres Glaubens schämten?
 Offensichtlich ja, sonst wäre diese Aufforderung nicht so unüberhörbar:
 Schäme dich nicht. Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben.
 Bewahre, was dir mitgegeben worden ist, damit nicht der Unglaube mit dir
 beginnt.@{b}

 Himmlischer Vater, wir sehen wohl die Fehler, die die Menschen vor uns
 gemacht haben. Wir übersehen aber oft das viele Gute, das von ihnen
 ausgegangen ist. Hilf uns, daß wir die Fehler vermeiden und das Gute
 weiterführen! Amen@{ub}


@{i}                     2.Timotheus 1,1-11@{ui}

@{b} Denn der Geist, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft,
 sondern gibt uns Kraft, Liebe und Selbstbeherrschung.@{ub}
 2.Timotheus 1,7 (EÜ)

 Ich bekenne, zu den Menschen zu gehören, die im Glauben nicht eben stark
 sind. Ich vergesse in der Hektik des Tages oft, daß ich als Christ getauft
 bin. Ich rede und handle im Alltag, als ob es Gott gar nicht gäbe. Aber es
 gibt doch auch einige Augenblicke in meinem Leben, wo mit unversehens klar
 war, daß die Verheißung der Vergebung und des Lebens nach dem Tode frei
 macht - frei von der Angst, was morgen wird. In solchen Augenblicken fühle
 ich mich stärker als sonst. Was Können die Widrigkeiten des Lebens, was
 können Schicksalsschläge mir schon anhaben, wenn doch diese Gewißheit
 besteht? Seither ist für mich der oben wiedergegebene Satz des Paulus keine
 bloße Behauptung. Ich kann vielmehr die innere Position nachempfinden, aus
 der heraus er Kraft, Liebe und Selbstbewußtsein erfüllt, daß wir gerettet
 werden, so kann uns die Welt nichts mehr anheben, so können wir ihr
 gegenüber zugleich gelassen und geduldig sein. Die eigene Sicherheit macht
 uns frei, uns anderen zuzuwenden. Es ist der Heilige Geist, der dies
 bewirkt. Er ist das größte Geschenk Gottes.@{b}

 Herr, mach uns sicher im Glauben, damit wir deinen Auftrag erfüllen.
 Schenke uns deinen Heiligen Geist, damit wir in der Welt Kraft haben und
 Liebe üben. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 1b" "2.Timotheus 1,12-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                   2.Timotheus 1,12-18@{ui}

@{b}                    Keine Enkelkinder@{ub}

 Haben sie schon einmal gehört, daß von den "Enkelkindern Gottes" gesprochen
 wurde? Sicherlich nicht. Wir reden nur von den Kindern Gottes. Oft wird in
 der Bibel dieser Vergleich gezogen: Gott ist wie Vater oder Mutter - wir
 sind wie seine Kinder. Vor Gott können wir nur Kinder sein. Wer gläubige
 Eltern hat, für den ist es leichter, zum christlichen Glauben zu finden,
 aber er wird nicht ein Kind Gottes, weil seine Eltern glauben. Zu Gott gibt
 es nur eine direkte Beziehung. Am Anfang unseres Briefes wurde auf die
 Familientradition hingewiesen. Timotheus hatte das Glück, eine gläubige
 Mutter und Großmutter zu haben. Nun soll er bewahren, was er empfangen hat.
 Die Flamme des Glaubens darf in ihm nicht verlöschen. Heute heißt es noch
 einmal ganz eindrücklich: "Bewahre, halte dieses köstliche Gut." Der, der
 hier so schreibt, weiß, daß stärker als alle Worte das eigene Zeugnis einen
 anderen Menschen beeinflußt. So wird er nicht müde, auf seinen eigenen
 Einsatz hinzuweisen. "Ich bin um meines Glaubens willen in Gefangenschaft,
 aber ich schäme mich nicht. Ich weiß, warum ich gefangen bin und für wen
 ich leide."
 Wer gefangen ist, hat viel Zeit zum Nachdenken. Es ziehen die Menschen an
 einem inneren Auge vorbei die an seiner Seite standen, aber auch die, die
 ihn enttäuschten. Ein Name wird hervorgehoben: Onesiphorus. Er hat sich
 besonders um den Gefangenen gemüht. Was dann von ihm gesagt wird, läßt
 aufhorchen. "Der Herr gebe ihm, daß er finde Barmherzigkeit bei dem Herrn
 an jenem Tag." Ob damit ausgedrückt wird, daß dieser Treue nicht mehr lebt?
 Gott schenke uns allen, daß wir seine Kinder bleiben, nicht nachlassen im
 Glauben und Barmherzigkeit finden an seinem Tag.@{b}

 Himmlischer Vater, wir danken dir für alle Hilfe anderer Menschen. Viele
 Glaubenszweifel haben sie uns durch ihr Vorbild genommen. Wir sind
 selbständig geworden im Glauben. Hilf uns, daß wir davon etwas weitergeben.
 Amen.@{ub}


@{i}                     2.Timotheus 1,12-18@{ui}

@{b} Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie
 dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in
 Christus Jesus geschenkt ist.@{ub}  2.Timotheus 1,13 (EÜ)

 Die Frohe Botschaft weiterzusagen, zu verkünden, ist die Aufgabe des
 Timotheus. Den Glauben weiterzugeben, das ist auch unser Auftrag.
 Angesichts der Welt, die uns umgibt, sind wir verzagt wie Timotheus. Da
 scheint eine Welt zu sein, die meint, die Botschaft Jesu nicht zu brauchen.
 Sie scheint selbst zu wissen, was ihr zum Heile dient. Das Heute gilt. Das
 Irdische allein kann glücklich machen. Sie scheint selbst zu wissen, was
 ihr zum Heile dient. Das Heute gilt. Das Irdische allein kann glücklich
 machen. Das ist die Irrlehre unserer Zeit. Wer Religiöses braucht, der kann
 ja ruhig nach seiner Façon selig werden. Religion ist allenfalls Verzierung
 an den Lebenswänden. Die rein irdische Deutung der Auferstehung, wie sie
 Paulus und Timotheus in den jungen Christengemeinden erleben, ist eine
 ähnliche Irrlehre. Für Paulus war das eine große Enttäuschung. aber er
 resigniert nicht. Er hat die Kraft, den verzagten Timotheus zu ermuntern
 mit den Hinweis: Die Kraft der Botschaft Jesu Christi liegt in ihrem Inhalt
 und in ihrer Wirkung selbst: "Christus hat den Tod die Macht genommen und
 uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium
 (Vers 10). Darum ist die Aufgabe dessen, der den Glauben weitergeben soll,
 nicht nach irgendwelchen Methoden und Tricks zu suchen, damit die Botschaft
 ankommt, sondern sich schlicht in die Kette der Überlieferer des
 Evangeliums zu stellen, da er doch selber die Frohe Botschaft empfangen hat
 von einem anderen in dieser Reihe: bei der gesunden Lehre bleiben und sie
 furchtlos verkünden. Das Zeugnisablegen für Christus und für sein
 Evangelium freilich geschieht in Worten und Taten, vor allem durch die Tat.
 In unserem Handeln muß sich das Antlitz Christi widerspiegeln, wenn das
 Evangelium zur Annahme gelangen soll.@{b}

 Herr, sende den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (vgl.Vers
 7), daß wir allen Zeugnis geben die da -ohne Christus, den Gekreuzigten
 und Auferstandenen- sind und doch nicht leben, damit sie das Leben haben
 (Johannes 10,10). Amen.@{ub}
                                                    Peter Tanzman


@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 2a" "2.Timotheus 2,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Timotheus 2,1-13@{ui}

@{b}             Sind wir untreu, so bleibt er doch treu@{ub}

 Der Bibelabschnitt beginnt mit den Worten: "So sei nun stark". Das gilt
 Timotheus, doch nicht nur ihm allein. Es gilt auch uns. Die Traditionskette
 des Glaubens muß fortgesetzt werden. Das geht nicht ohne Einsatz. Nur wer
 sich mit aller Kraft auf ein Ziel konzentriert, wird es erreichen. Das
 beweisen Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen. Was für die Sportler
 gilt bei ihren Wettkämpfen oder für den Einsatz in anderen Berufsgruppen,
 gilt auch für die Christen. "Seid stark!" was aber wird sein, wenn wir
 nicht stark sind? Was geschieht, wenn wir schwach werden? Ist nicht die
 Schwäche, der Kleinglaube, das Versagen viel stärker unser Alltag als das
 feste, unerschütterliche Bekenntnis? Wird die Traditionskette reißen, wenn
 unsere Kinder von uns nicht den Glauben annehmen wollen? Zu allen Zeiten
 gab s Menschen, die in besonderer Weise ihren Glauben bezeugt haben. Kaum
 einer hat sich gedrängt, dafür zu leiden, aber sie sind diesem Leiden auch
 nicht ausgewichen und haben anderen damit Mut gemacht. Zu allen Zeiten aber
 haben auch Menschen versagt. Nachdem in unserem Bibeltext auf Jesus
 Christus als unsere große Hoffnung hingewiesen wurde, verändert sich in den
 letzten Sätzen der Stil der Worte. Sie gewinnen dichterische Kraft. Sterben
 und Leben, Dulden und Herrschen wird hier nebeneinandergestellt. "Sind wir
 untreu" heißt es, und nach den Regeln der Zeilen zuvor müßte es nun heißen
 "ist er untreu". Aber diese erwarteten Worte kommen nicht. "Sind wir
 untreu, so bleibt er doch treu." Wir alle leben mit unserem Glauben von
 seiner Treue.@{b}

 Himmlischer Vater! Du kennst all unser Versagen! Oft haben wir geschwiegen,
 wo wir hätten reden sollen. Oft haben wir die Angst über uns herrschen
 lassen. Vergib uns unsere Untreue! Halte uns fest in deiner Treue! Amen.

                Du kannst nicht böse meinen@{ub}           Gedicht
                 Du kannst nicht böse meinen,
                 mein Jesu, mit den Deinen,
                 du Brunnquell aller Güte,
                 du treuestes Gemüte!

                 Du kannst nichts böse meinen,
                 dein Blut verlässet keinen,
                 dein Wort läßt alle hoffen,
                 dein Herz steht allen offen.

                 Du kannsts nicht böse meinen,
                 das kann kein Mensch verneinen;
                 die milde Vatertreue
                 ist alle Morgen neue.
                 @{i} Valentin Ernst Löscher


                         2.Timotheus 2,1-13@{ui}

@{b} Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertrau zuverlässigen
 Menschen an, die fähig sind, auch andere zu lehren.@{ub}
 2.Timotheus 2,2 (EÜ)

 Auf den sogenannten Missionskreuzen in den katholischen Kirchen stand zu
 lesen: Rette deine Seele. Jemand hat dazu gesagt: Drei Worte - drei
 Häresien: Nicht du rettest, sondern Gott. Nicht deine Seele wird gerettet,
 sondern der ganze Mensch. Und vor allem: Es geht nicht nur um deine Seele,
 um dich, sondern durch dich um die anderen. Glaube an das Evangelium ist
 gegeben nicht für uns allein. Wir haben es ja selbst empfangen. Glaube ist
 uns gegeben, damit wir die Frohe Botschaft Jesu Christi weitergegeben. Man
 spricht heute in unseren Breiten der Welt von einer Krise in der Weitergabe
 des Glaubens. Die alten Träger der Weitergabe des Glaubens, Familie und
 Schule, fallen weitgehend aus. Die Gemeinde selbst in allen ihren Gliedern
 muß die Weitergabe des Glaubens als Aufgabe erkennen. Wir stehen vielfach
 in einer Situation, die ähnlich dem Katechumenat der alten Kirche ist: Vor
 der Taufe ihres Kindes müssen Eltern erst neu in den Glauben eingeführt
 werden. Die Vorbereitung auf Erstbeichte und Erstkommunion, auf Abendmahl,
 Konfirmation und Firmung geschieht vielfach mit Jugendlichen, die -trotz
 Taufe im Säuglingsalter- Heiden sind. Ähnliches gilt von jungen Paaren, die
 kirchlich heiraten wollen, und von trauernden Angehörigen, die einen der
 ihren zur Beerdigung anmelden. Das zu erfahren, kann wirkliches Leiden
 sein, Leiden für das Evangelium. Aber es gilt: Wir können unmöglich
 schweigen von dem, was wir gehört und gesehen haben! Paulus sagt es als
 Aufmunterung dem Timotheus; Das Wort ist glaubwürdig. Darum muß es
 verkündet werden, vor allem die Mitte der Botschaft: "Wenn wir mit Christus
 gestorben sind, -in der Taufe, im Leiden, in Enttäuschungen, im christlich
 vollzogenen eigenen Sterben- werden wir auch mit ihm leben"(2.Timotheus
 2,11b).@{b}

 Gott, du hast den Menschen erhöht. Laß uns vertrauen, daß wir zur
 Herrlichkeit berufen sind.@{ub}
                                                 Peter Tanzmann



@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 2b" "2.Timotheus 2,14-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Timotheus 2,14-26@{ui}

@{b}                       Einfach bezeugen@{ub}

 Als Fritz von Bodelschwingh im Frühjahr 1941 mit dem berüchtigten
 Reichskommissar Dr.Brandt in Bethel zusammentrifft, gibt es ein
 dreistündiges Gespräch unter vier Augen. Für die Kranken in Bethel geht es
 um Leben oder Tod, sollen sie doch der schrecklichen "Euthanasie-Aktion"
 zum Opfer fallen. Nur wenig spricht Bodelschwingh später über diese
 Stunden. Er deutet nur an, daß er es gehalten hat wie ein Vater, wenn er
 auf Ungläubige stieß. Der Vater hatte gesagt: "Mit Ungläubigen und Spöttern
 soll man nicht viel disputieren, sondern einfach vom eigenen Glauben zeugen
 und ihnen bezeugen, wie selig und ruhig man in diesem Glauben ist, während
 sie meist von einer heimlichen Unruhe geplagt sind, wovon die Lust am
 Disputieren und Lästern nur ein Zeichen ist."
 Bethel wurde verschont, etwas später die ganze Aktion gestoppt. Zum Glück
 bleiben uns meist solche Situationen erspart, bei denen es um Leben und Tod
 geht, aber Rede und Antwort stehen müssen auch wir oft, wenn es um Fragen
 von Glaube und Unglaube geht. Werden wir gefragt, wollen wir schnell etwas
 beweisen, beginnen zu diskutieren, zu streiten. Der Widerspruch bleibt
 nicht aus. Was wir heute im Bibeltext lesen, scheint auch für Bodelschwingh
 Maßstab gewesen zu sein. Streiten, diskutieren führt nicht weiter. Unsere
 Aufgabe ist es, mit unseren Glauben einzustehen. Böse Angriffe sollen mit
 Freundlichkeit erwidert werden, böse Worte mit guten erstickt. "Es kennt
 der Herr die Seinen", lasen wir eben. Warum sollen wir vor Menschen mit
 aller Macht unseren Glauben verteidigen, wo Gott doch uns mit unserem
 Glauben kennt?@{b}

 Unser Herr Jesus Christus, du hast uns gesagt, daß wir unsere Feinde lieben
 sollen. Wir müssen dir bekennen, daß uns das sehr schwerfällt. Wie gern
 möchten wir dem, der uns zu nahe kommt, einmal richtig die Meinung sagen.
 Hilf uns, daß wir es nicht tun. Amen.@{ub}


@{i}                    2.Timotheus 2,14-26@{ui}

@{b} Bemüh dich darum, dich vor Gott zu bewähren als ein Arbeiter, der sich
 nicht zu schämen braucht, als ein Mann, der offen und klar die wahre Lehre
 vertritt.@{ub}  2.Timotheus 2,15 (EÜ)

 Wer den Glauben weitergeben soll und will, ist immer versucht, in
 ausführlichen theologischen Streitgesprächen die Wahrheit des Evangeliums
 anderen zu begründen. Groß ist dann oft die Enttäuschung, wenn die
 theologische Disputation nicht zu einer Bekehrung führt, wenn der andere
 das zwar alles ganz interessant findet, aber dann doch bei seiner
 bisherigen, neuheidnischen Lebensweise bleibt. Paulus sagt dem Timotheus
 dasselbe: In er Enttäuschung über so viel Irrtum im Lebensvollzug um dich
 herum, ja in der eigenen Gemeine, möchtest du gern theologisch streiten; es
 wird zu nichts führen. Die feste Verkündigung des kraftvollen Wortes
 allein, das bezeugende Leben aus dem christlichen Glauben heraus, das führt
 zur Annahme der "gesunden Lehre". Der Abfall in unserer Mitwelt ist ja
 vielfach nicht die bewußte Irrlehre. Die Bereitschaft zu einer
 theologischen Auseinandersetzung ist oft nicht das Interesse an der Sache,
 sondern der nicht bewußte Versuch zu einer nachträglichen Rechtfertigung
 einer Lebensführung, die vermeintlich zum Glück führt und die sich ganz dem
 Irdischen mit seinen so endgültig erscheinenden Angeboten zuwendet. Darum
 gilt: Der Verkünder des Evangeliums muß sich nicht vor Menschen bewähren
 als Teilnehmer an einer theologischen Auseinandersetzung mit
 durchschlagenden Argumenten. Vielmehr muß man sich bewähren als Zeuge des
 Evangeliums vor Gott - in Wort und Tat. Man darf sich also nicht
 beschränken auf das Bemühen um das eigene Heil, sich allein um die eigene
 Religiosität sorgen. Man darf sich auch als Christengemeinde nicht auf den
 innerkirchlichen Raum beschränken. Nicht aus religiösen Motiven, noch aus
 dem Motiv, daß man sich ob es vielen Mißerfolgs schämt. Wir sind nur
 Arbeiter, wir haben den Samen des Wortes auszustreuen. Es ist nicht unsere
 Sache, nach er Ernte zu schielen. Die ist Sache des Herrn. Und auf ihn
 können wir uns verlassen.@{b}

 Herr, schenke uns den Mut, in der Ordnung des Glaubens durchzuhalten und
 uns zu bewähren als deine Arbeiter. Amen.@{ub}
                                                 Peter Tanzmann


@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 3a" "2.Timotheus 3,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Timotheus 3,1-9@{ui}

@{b}                      Schlimme Zeiten@{ub}

 Der Kampf gegen Irrlehrer, die das Evangelium Christi verkehren, ist ein
 Hauptstück in den Timotheusbriefen. Es verwundert daher nicht, wenn am Ende
 dieses Briefes darauf noch einmal zurückgekommen wird. Wir lesen hier von
 schlimmen Zeiten, die kommen sollen. Aber es ist nicht an äußere
 Bedrängnisse gedacht, sondern an die Gefahren innerhalb der
 Christengemeinde. Dabei wird weniger von falscher Lehre als von falschem
 Verhalten gesprochen. Die Aufzählung dieser schlimmen Verhaltensweisen ist
 mehr durch die Tradition als durch bestimmte konkrete Erfahrungen bestimmt.
 Christen sollen ihren Glauben durch ihr Handeln nach den Worten Jesu und
 seiner Apostel bewähren. Sie stehen in der Gefahr, der Eigenliebe und dem
 egoistischen Lebensgenuß zu verfallen. Auch Christen können sich undankbar,
 hochmütig und zuchtlos verhalten. Der Apostel warnt uns vor einem
 unchristlichen Verhalten, das nur noch an äußeren Formen der Frömmigkeit
 festhält. Wenn es nicht mehr möglich ist, solche Scheinchristen
 zurechtzuweisen, gilt der Gemeinde die Mahnung: "Solche Menschen meide!"
 Doch das sollte nur eine letzte, äußerste Möglichkeit sein. Wir wollen
 keinen vorschnell aufgeben. Solche Scheinchristen werden hier mit den
 ägyptischen Zauberern Jannes und Jambres verglichen, die sich einst Mose
 widersetzt haben (ihre Namen stammen aus jüdischen Legenden). Doch der
 Apostel ist davon überzeugt, daß sich solche Verführer nicht auf die Dauer
 durchsetzen werden. Am Ende wird die Wahrheit Christi siegen.@{b}

 Lieber Herr! Verzeih uns, wenn wir lieblos und und undankbar gewesen sind.
 Hilf uns, unseren Egoismus zu überwinden. Laß uns erfahren, daß wahres
 Glück und tiefe reine Freude nur durch dich zu finden sind. Amen.
@{ub}


@{i}                  2.Timotheus 3,1-9@{ui}

@{b} Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch,
 überheblich, bösartig...lieblos, unversöhnlich, verleumderisch,
 unbeherrscht, rücksichtslos, roh.@{ub} 2.Timotheus 3,2 (EÜ)

 So ist es, möchte man sagen, wenn man den Anfang vom 3.Kapitel des
 Timotheusbriefes gelesen hat. Solche Zeiten brauchen gar nicht zu kommen,
 sie sind schon da. Oder jedenfalls: Wir sehen sie unaufhaltsam
 heraufkommen. Die Welt wird immer schlechter. Die guten Eigenschaften
 werden immer seltener. Die Bösen kriegen immer mehr das Sagen. Merkwürdig:
 dasselbe Lebensgefühl damals, vor beinahe 2000 Jahren, und heute. Und
 merkwürdig: dieselbe Erklärung für die schlimmen Zustände damals und bei
 vielen unserer Zeitgenossen. Sie heißt: Das Ende der Welt ist nahe. So
 hängt also beides zusammen, das Weltende erwarten und den Sittenverfall
 beklagen. Eins ist Hinweis auf das andere. So kann man es auch von zwei
 Seiten betrachten. Weil das Weltende bevorsteht, geht es unter den Menschen
 immer toller zu. So sieht man es gewöhnlich. Man kann aber ebenso gut
 sagen: Wenn die Menschen in den reichen Nationen weiter so rücksichtslos
 mit ihrer Lebensgrundlage Natur umgehen und sich beim Tanz ums goldene Kalb
 vor Habgier gegenseitig niedertrampeln, wenn statt der Liebe zum
 Mitmenschen die Lust an Gewalt und Zerstörung immer mehr zunimmt, dann
 schaffen wir es, diese Welt kaputtzumachen. Zumal das alles nicht
 unerzogene einzelne tun, sondern internationale Großkonzerne, skrupellose
 Militärstrategen und überhebliche politische Machtträger. Angesichts
 solcher Entwicklung ist es auf keinen Fall Sache der Christen, die Hände in
 den Schoß zu legen und sich als Zuschauer beim eigenen Untergang zu fühlen.
 Der 2.Timotheusbrief ist eine Anleitung für einen christlichen
 Seelenhirten, bei sich selbst und den ihm anvertrauten Menschen besseren
 Formen des Zusammenlebens zu erproben, die nicht auf den Weltuntergang
 hinsteuern.@{b}

 Gib uns auch gute Gedanken dazu, Herr!@{ub}
                                        Joachim Schönburg



@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 3b" "2.Timotheus 3,10-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Timotheus 3,10-17@{ui}

@{b}                     Im Glauben leben@{ub}

 Als Gemeindeleiter hat Timotheus gegen Irrlehrer und bösen betrügerischen
 Einfluß zu kämpfen. Darum soll er den Glauben an Christus und das Tun des
 Guten und Gerechten fördern. Der Apostel bestätigt ihm, daß er auf dem
 rechten Wege ist, wenn er ihm, seinem Lehrer, in der auf Christus und die
 Schrift gegründeten Lehre, in der Lebensführung und Gesinnung, im Glauben
 und in der Liebe nachfolgt. Er erinnert an die Leiden in Antiochia,
 Ikonion, Lystra und an seine Errettung durch den Herrn. Er weist darauf
 hin, daß Verfolgung und Leiden zum Christsein dazugehören. In den Gemeinden
 gab es aber auch solche, die, selbst auf breitem Weg gehend, andere
 verführen wollten, den schmalen Weg des rechten Glaubens und Tuns zu
 verlassen. Auch wir sollten Aufpassen, daß Neues in unseren Gemeinen ein
 Fortschritt zum Besseren und nicht zum Schlechteren werde. Müssen wir
 deshalb ausschließlich bei dem bleiben, was uns vielleicht schon in
 frühester Kindheit  -wie auch dem Timotheus- durch unsere Mutter, unserem
 Vater, unsere Großeltern oder andere in der Seele, ins Herz gesenkt wurde?
 Durch den Glauben an Jesus Christus hat die Heilige Schrift die Kraft,
 Weisheit und Heil (Seligkeit) zu schenken. Im Wort der Schrift wird uns der
 Wille Gottes deutlich und faßbar. Propheten und Apostel haben das, was sie
 als Stimme Gottes vernommen haben, mündlich und schriftlich weitergegeben.
 Darum kann die Schrift in vielfacher Weise von Nutzen sein, so daß wir als
 neue Menschen fähig werden, Gutes zu tun.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du zu uns redest durch dein Wort. Zeige uns
 unsere Schuld. Hilf uns zu einem besseren Leben aus einem Geist. Laß uns
 Gutes tun und für Frieden und Gerechtigkeit eintreten. Amen.@{ub}

@{i}                    2.Timotheus 3,10-17@{ui}

@{b} So wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.
 @{ub} 2.Timotheus 3,17 (EÜ)

 Vom Menschen Gottes ist hier die Rede. Man muß sich diesen Ausdruck auf der
 Zunge zergehen lassen. Welch ein Ehrentitel für einen Christenmenschen! Es
 ist hier im Timotheusbrief übrigens nicht die einzige Stelle im Neuen
 Testament, wo so überraschend achtungsvoll vom Glaubenden gesprochen wird.
 An anderer Stelle heißen die Christen "Heilige", "Kinder Gottes" oder
 "Söhne Gottes". Das bedeutet: Kopf hoch, ihr Gläubigen! Die euch
 angemessene Haltung ist nicht der gebeugte Rücken, sondern der aufrechte
 Gang. Immer wenn Demut und Unterwerfung als christliche Tugenden gepriesen
 werden, heißt es: Vorsicht! Vielleicht gibt es da ein ganz menschliches
 Interesse, mit Hilfe der christlichen Lehre die Untertanen davon
 abzuhalten, an Aufmüpfigkeit zu denken. Ob allerdings aus solchen
 berechtigten Selbstbewußtsein des Christenmenschen Hochmut oder gar Übermut
 wird, hängt davon ab, wie wir uns den vorstellen, dem wir uns da verbunden
 wissen, das heißt welches Gottesbild wir haben.
 Es gab Zeiten, da war es "der Gott, der Eisen wachsen ließ", also für
 Waffen sorgten. Da stand dann "Gott mit uns" auf den Koppelschlössern der
 Soldaten. Paßt es denn aber zum Menschen Gottes andere totzuschlagen?
 Auch ein Krieg er Sterne im Namen Gottes gegen das Böse ist den Kindern
 Gottes nirgends aufgetragen. Nein, solche Ansinnen können einem Christen
 nur die Schamröte ins Gesicht treiben.
 Würdig, Mensch Gottes zu heißen, ist jeder, der im Sinne Jesu Christi lebt.
 Der aber hat getröstet, geholfen, geheilt. Und er hat uns Gott als
 liebenden Vater und verzeihenden Vater vor Augen gestellt. So gehört denn
 zu den guten Werken, die im Timotheusbrief vom Menschen Gottes erwartet
 werden: die Schöpfung bewahren, seine Mitmenschen lieben, das Leben fördern
 und für Gerechtigkeit und Frieden eintreten.@{b}

 Gib mir zu solchem Tun die Kraft und Einsicht, zu erkennen, was nötig ist!
@{ub}                                            Joachim Schönburg



@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 4a" "2.Timotheus 4,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Timotheus 4,1-8@{ui}

@{b}                     Dem Ziel entgegen@{ub}

 Wenn unsere Lebenstage sich dem Ende zuneigen, dann drängt es uns
 auszusprechen, was uns in unserem Leben besonders wichtig war und was wir
 für die Zukunft erhofften oder auch testamentarisch bestimmten. Der
 gefangene inhaftierte Apostel mußte täglich mit seiner Hinrichtung, die er
 als Opfer für Christus verstand, rechnen. Darum gab er in beschwörender
 Weise unter Anrufung Gottes und Christi Erfahrung und Hoffnung seines
 Lebens weiter. Timotheus sollte das Werk eins Predigers des Evangeliums,
 seinen Auftrag, ausrichten, seine Aufgabe erfüllen. Ob es den Menschen
 gefällt oder nicht, ob es dem Prediger gelegen oder ungelegen sei, zu jeder
 Zeit also hat der Bote das Wort zu verkünden. Daran hat sich bis heute
 nichts geändert, Das Wort des Predigers soll Sünde aufdecken, es soll ins
 Gewissen reden, geduldig ermahnen und trösten. Mit Nüchternheit,
 Besonnenheit und auch Entschlossenheit ist die gesunde, heilsame Lehre, das
 Wort Christi, zu predigen. Nach dem Vorbild des Apostels ist auch in
 unseren Tagen der Versuchung zu widerstehen, den Leuten nach dem Mund zu
 reden, die Ohren mit dem zu kitzeln, was die Zuhörer gerne hören. Es kommt
 darauf an, daß die Hörer durch die Predigt des Wortes Gottes rettenden und
 befreiende Liebe erkennen und annehmen und bis ans Ende ihres Lebens im
 Glauben und in der Liebe treu beantworten. Dann werden sie sich auch auf
 Christi "Erscheinung" am Ende der Zeiten freuen, wenn er kommen wird, "zu
 richten die Lebenden und die Toten". Wir Christen dürfen dessen gewiß sein,
 daß der gerechte und gnädige Richter uns zum Ziel unseres Lebens führt.
@{b}
 Lieber Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du uns durch dein Wort auf
 den Weg der Wahrheit und Liebe führst. Hilf uns, im Glauben zu beharren!
 Kröne du unser Leben mit deiner Gnade und Barmherzigkeit! Amen.@{ub}


@{i}                     2.Timotheus 4,1-8@{ui}

@{b} Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich
 habe Glauben gehalten.@{ub}  2.Timotheus 4,7 (LB)

 Auf dem Friedhof meines Heimatortes, auf dem Erbbegräbnis unserer Familie,
 steht ein Denkmal, das oben die Form des Eisernen Kreuzes hat; es erinnert
 an den Sohn meiner Urgroßmutter, der als Freiwilliger 17jährig im Ersten
 Weltkrieg in Frankreich gefallen ist. In den Gedenkstein eingemeißelt ist
 er erste Satz des Bibelwortes: Ich habe einen guten Kampf gekämpft.
 Ich weiß, daß meine Urgroßmutter, eine fromme Frau, den Satz nicht aus dem
 Zusammenhang des ganzen Verses gerissen und als Wort "stolzer Trauer" -rein
 auf den Krieg bezogen- gewählt hat. Sie hat gewußt, daß diesem Satz die
 beiden anderen noch folgen. Sie hat gewußt, daß diesem Satz die beiden
 andren noch folgen. Sie hat ihren begabten Sohn, auf den sie große
 Hoffnungen gesetzt hatte, hergeben müssen. Sie hat ihr Leben lang getrauert
 und nur noch schwarze Kleidung getragen.
 Aber sie ist in ihrer Trauer immer wieder getröstet worden - nicht in der
 Weise, daß sie den Tod ihres Sohnes als Heldentod verklärte. Ihr Trost war
 der dritte Teil des Satzes: Ich habe Glauben gehalten. Meine Urgroßmutter
 wußte es aus den Briefen ihres Sohnes und hat es mir erzählt, daß ihr Sohn
 in seiner Konfirmation bezeugten Glauben gehalten hat.
 So konnte sie -voller Trauer und doch getröstet- zurückblicken auf das viel
 zu früh beendete Leben: Gott hat dieses Leben vollendet. Da brauchte kein
 Lebenslauf "geschönt" zu werden. Gott trägt uns -in seiner Treue.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir für unser Leben; wir danken dir, daß du
 uns den Glauben geschenkt und erhalten hast und weiter erhalten willst
 - auch in schweren Tagen. Du bist bei uns - in Jesus Christus. Amen@{ub}
                                         Karl-Friedrich Wiggermann



@ENDNODE
@NODE "2.Timotheus 4b" "2.Timotheus 4,9-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                    2.Timotheus 4,9-22@{ui}

@{b}                  Hoffnungsvoller Abschied@{ub}

 Die Pastoralbriefe (Timotheusbriefe und Titusbrief) fehlen in den ältesten
 Sammlungen der Paulusbriefe. Sie werden also von einem Paulusschüler später
 zugefügt worden sein. Dem scheinen die scheinbar genauen Personalangaben,
 die wir heute lesen, zu widersprechen. Doch diese Angaben bringen
 mancherlei Fragen. Ist Paulus als noch in Cäsarea weilend vorausgesetzt
 (V.19-20), oder ist er schon als in Rom lebend angenommen? Das wird nicht
 ganz klar. Wir lesen: Der Apostel ist von Demas verlassen, auch Titus und
 Kreszenz waren nicht mehr bei ihm. Nur Lukas hat bei ihm ausgehalten.
 Einige andere Glaubensgenossen, die in seiner Nähe sind, läßt er noch
 besonders grüßen. Aus eigener Erfahrung warnt er vor dem Schmied Alexander.
 Er erinnert auch an weitere bittere Enttäuschungen. Niemand hat dem
 Gottesboten bei seinem ersten Verhör beigestanden. Wie sein Herr Jesus bei
 seiner Gefangennahme wurde auch er von allen verlassen. Jedoch gerade in
 seinen Leidenstagen hatte ihn sein Herr so gestärkt, daß er bei seinem
 Prozeß den Richtern und Zuhörern die Christusbotschaft sagen konnte. So ist
 er dessen gewiß, daß der Herr Christus ihn aus allem Übel in sein
 himmlisches Reich hinüberretten wird. Sicherlich sind diese Angaben nicht
 einfach erfunden. Der Schreiber dieses Briefes wird einiges von er
 Gefangenschaft des Paulus gewußt haben. Er will aber so deutlich machen:
 Paulus ist auch in der schweren Zeit seines Prozesses niemals von Gott
 verlassen gewesen. Gott steht den Seinen bei; er läßt sie auch dort nicht
 im Stich, wo sie ganz verlassen zu ein glauben.@{b}

 Herr Jesus Christus! Durch deine Auferstehung hast du den Tod überwunden!
 Wir danken dir dafür. Hilf uns, daß auch wir den Tod nicht fürchten! Laß
 uns mit dir in dein ewiges Leben eingehen! Amen.@{ub}


@{i}                     2.Timotheus 4,9-22@{ui}

@{b} Der Herr aber wird mich erlösen von allen Übel und mich retten in sein
 himmlisches Reich. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.@{ub}
 2.Timotheus 4,18 (LB)

 Der Christ braucht nicht nur zurückblicken und sich zu fragen, ob in seinem
 Leben nicht dies oder das besser anders oder gar nicht getan worden wäre.
 Das "wäre" und "hätte" und "könnte" macht uns oft viel zu schaffen. Unser
 Bibeltext weist uns nach vorn, in die Zukunft, die wir uns nicht selbst
 bereiten können, sondern die uns ein anderer bereiten muß: Gott selbst.
 Nicht ich - mag ich das ICH noch so groß schreiben! - kann "mich erlösen
 von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich". Dieses Reich ist
 dem Menschen nämlich entzogen. Er kann es nicht erkämpfen und ertrotzen.
 Dieses Reich wird geschenkt. Unsere Zukunft ist also ein Geschenk. Als
 Geschenk bekommen wir neues und ewiges Leben. So birgt Gott unsere
 Vergangenheit - in seiner Treue.
 Alle Wege des Menschen enden im Lobpreis. Als Ziel aller Wege kann der
 Mensch ganz von sich absehen und ganz auf den Heiland blicken: "Ihm sei
 Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!" Der Mensch wird im letzten Sinne ein
 Lobender sein. Kein Eigenlob kann ihn mehr schwächen. Gott allein wird
 gelobt.
 Das darf seine Gemeinde schon jetzt tun - in aller Vorläufigkeit und
 Schwachheit. Gott loben: das ist unser Amt. Gottes Wahrheit schenkt sich
 nicht dem selbstquälerisch Rechnenden, sondern dem fröhlich Lobenden.
 Gottes Wahrheit scheint auf in Anbetung und Lobpreis. So leuchtet Ewigkeit
 in unsere Zeit. So dürfen wir jetzt schon wissen: Gott wird dereinst das
 große Amen sagen.@{b}

 Herr, unser Gott, wir loben dich, wie wir Menschen und Menschliches nicht
 loben können. Wir loben deinen heiligen Namen jetzt und in Ewigkeit. Amen.
@{ub}                                           Karl-Friedrich Wiggermann



@ENDNODE

@NODE "Titus 1a" "Titus 1,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Titus 1,1-16@{ui}

@{b}                    Heilsame Lehre@{ub}

 Wie in den Briefen an Timotheus, so geht es auch im Brief an Titus um die
 Durchsetzung einer Gemeindeordnung. Die Gemeinden sollen wissen, an wen sie
 sich halten können. Darum soll es überall verantwortliche Leiter geben:
 Älteste und einen Bischof. Heute sagt man: Kirchenvorsteher und Pfarrer.
 Dabei kommt dem Bischof eine besondere Verantwortung zu. Er ist "ein
 Haushalter Gottes" und soll "ermahnen mit der heilsamen Lehre und
 zurechtweisen, die widersprechen". Wo kein solcher Haushalter über der
 Gemeine wacht, Haben "unnütze Schwätzer und Verführer" freie Bahn. Sie
 machen sich wichtig, indem sie bisher verborgene oder übersehene
 Geheimnisse aus der Bibel herauslesen. Sie halten einzelnen Christen und
 ganzen Hausgemeinden vor, daß diese noch nicht zur vollen Erkenntnis
 durchdrungen sind und Gebote außer acht lassen, die zur vollkommenen
 Reinheit dienen. Vor allem Speisegeboten des Altes Testaments schreiben sie
 große Bedeutung zu. So erinnert ihr Auftreten an das, was man von den Juden
 gewöhnt ist. Doch der gesunde Glaube, er auf Christus allein baut, ist das
 nicht. Deshalb gilt es hier zu ermahnen, nötigenfalls scharf
 zurechtzuweisen. Andererseits ist die heilsame Lehre nicht mit
 Unverbindlichkeiten und Laxheit zu verwechseln. Von den Ältesten und
 Bischöfen wird erwartet, daß sie den Gemeinden durch ihr Verhalten im
 Familienkreis und in der Gemeine ein gutes Beispiel geben. Der Glaube der
 Auserwählten Gottes wendet sich nicht von er Welt ab, sondern begegnet ihr
 mit Liebe und dem Angebot neuer Hoffnung. Darin ist er gutes Werk.@{b}

 Herr, mache uns bereit, mit allem Ernst nach deinem Willen zu leben! Halte
 aber dabei unseren Glauben gesund, daß wir nicht meinen, das Heil aus
 eigener Kraft zu schaffen, das du uns geschenkt hast! Amen.@{ub}

@{i}                        Titus 1,1-16@{ui}

@{b} Sie sagen, sie kennen Gott, aber mit den Werken verleugnen sie ihn; ein
 Greuel sind sie und gehorchen nicht und sind zu allem guten Werk untüchtig.
@{ub}  Titus 1,16 (LB)

 Meine Eltern haben mich sehr frei erzogen, weithin konnte ich machen, was
 ich wollte. Zu den wenigen Punkten, an denen sie mir energisch
 entgegentraten und überhaupt nicht mit sich reden ließen, gehörte das, was
 sie nannten: Das ist kein Umgang für dich. Niemals war damit bürgerlicher
 Standesdünkel verbunden, eher das Gegenteil, hier witterten sie Gefahren
 für mich. Ich sollte nicht durch schlechte Gesellschaft verdorben werden,
 darum ihre Unerbittlichkeit. Natürlich habe ich  das damals nicht
 verstanden, und natürlich habe ich mich dagegen aufgelehnt.das tun alle
 jungen Menschen.
 Paulus schreibt dem Titus etwas ganz ähnliches. Er soll sich hüten vor den
 grundverdorbenen Menschen und die Gemeinde vor ihnen bewahren. Eine klare
 Trennungslinie, unüberschreitbar. Darüber lohnt sich nachzudenken, zumal
 dieser Gesichtspunkt dem allgemeinen Empfinden in Kirche und Gesellschaft
 zuwiderläuft.
 Wir meinen heute, daß es für die Solidarität der Sünder keine
 Einschränkungen geben darf. Dem würde auch Paulus zustimmen. Aber das
 hindert ihn nicht daran, aus Fürsorge für Menschen und Gemeinen strikte
 Verbote zu erlassen. Mit den Frechen, den Unreinen, jenen, die ein Greuel
 sind, weil sie zu keinem guten Werk fähig sind, laßt euch nicht ein. Sie
 reißen euch nur in die Tiefe. Die Belastbarkeit eines Menschen hat in jeder
 Beziehung ihre Grenzen. Das gilt auch in moralischer, sittlicher Hinsicht.
@{b}
 Herr Gott, gib uns einen klaren Blick, daß wir erkennen, das Gut und Böe
 ist. Bewahre uns und alle unsere Angehörigen vor verderblichem Treiben.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Titus 2a" "Titus 2,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Titus 2,1-10@{ui}

@{b}                  Der Lehre Gottes Ehre machen@{ub}

 Wird vom Gemeindeleiter erwartet, daß er die Gemeinde mit unverfälschter
 Lehre ermahnt und sich selbst zum Vorbild guter Werke macht, so soll diese
 nun freilich auch dem Vorbild und er Lehre folgen. Den Gemeindegliedern
 fällt hier eine Verantwortung für andere Menschen zu. Sie können vorleben,
 wie man die Probleme des auf andere Weise löst als mit dem Griff zum
 "Tröster" Alkohol. Gilt es doch, Lösungen zu suchen nach Maßgabe von
 Glaube, Liebe und Geduld. Jüngere Frauen, zumal wenn deren Männer der
 Gemeinde fernstehen, brauchen das Verstehen, den Beistand und die Beratung
 der älteren. Nicht zuletzt bedürfen die Abhängigen der Zuwendung und des
 Zuspruchs, um auf ihrem Weg zu bestehen und der Lehre Gottes Ehre zu
 machen. Im einzelnen scheinen manche Anweisung dieses Briefes einer
 vergangenen Zeit anzugehören. Doch auch heute geht es darum, daß die
 unverfälschte Lehre das Alltagsleben der Welt nicht hinter sich läßt,
 sondern auch Ältere, nicht nur Abhängige, sondern auch Selbständige und
 Leiter ihre Nöte haben. Da ist es gut, jemanden in der Gemeine zu finden,
 der uns anhört, unsere Last auf sich wirken läßt, sich mit uns als ratlos
 zu erkennen gibt und sich dennoch mit uns auf die Suche macht. Darin
 bewährt sich die Lehre Gottes, unseres Heilands. Je besser wir es lernen,
 unsere Konflikte zu lösen, desto interessanter wird Gottes heilsames Wort
 auch für Außenstehende. Ihre Bibelübersetzung ist das Leben der Christen.
@{b}
 Hilf, Herr, daß das Leben deiner Gemeine dir Ehre macht. Du schenkst uns
 deine Gemeinschaft. Laß sie uns auch untereinander suchen, uns einander
 anvertrauen, aufeinander hören, einer dem anderen beistehen. Amen.@{ub}


@{i}                  Titus 2,1-10@{ui}

{b} Dich selbst aber mache zum Vorbild guter Werke, mit unverfälschter
 Lehre, mit Ehrbarkeit, mit heilsamen und untadeligem Wort.@{ub}
 Titus 2,7-8 (LB)

 Wenn man das einmal ernsthaft versuchen würde, Vorbild zu sein, wie würde
 man sich dann fühlen? Unter keinen Umständen möchte ich eine arrogante,
 harte, verständnislose Haltung einnehmen, schon gar nicht möchte ich als
 Aufpasser über andere fungieren. Aber so muß man doch auch als Vorbild
 nicht wirken. Vorbild sein ist so etwas wie Vorarbeiter sein, einer der
 früher aufsteht als die anderen und der die schwierigen Dinge anpackt. Also
 sich nicht in das starre Gehäuse einer vermeintlichen Überlegenheit
 zurückziehen, sondern im Gegenteil sich gerade den Spannungen aussetzen, um
 dann von den Erfahrungen berichten zu können. Vorbild ist ein Mensch, der
 als erster durch eine unbekannte Tür geht.
 Vier Bereiche werden hier für das Vorbild-sein genannt. Gute Werke, also
 Mut zum Handeln. Gerade in der Kirche brauchen wir Menschen, die
 entschlossen zupacken, Zauderer gibt es überreichlich. Dann die Lehre, also
 der Mut, für den echten Glauben einzutreten. Nicht schwätzen, was in aller
 Munde ist, sondern entschlossen die Lehre verbreiten auch da, wo sie
 unbeliebt ist. Das sollte die Stärke unserer Kirche sein.
 Ehrbarkeit, das ist der Verzicht auf unlautere Vorteile. Ehrbare Menschen
 sind anständige Menschen, man weiß, daß auf sie unter allen Umständen
 Verlaß ist.
 Zuletzt das heilsame und untadlige Wort. Also nicht dummes Zeug reden,
 schon gar nicht reden um des Redens willen, sondern in Ruhe und
 Bestimmtheit sagen, was jeweils weiter führt.@{b}

 Herr Gott, gib uns den Mut, um vor aller Welt mit Wort und Tat uns Beispiel
 den Glauben an deinen Sohn Jesus Christus zu bekennen.@{ub}
                                                  Hans Wulf



@ENDNODE
@NODE "Titus 2b" "Titus 2,11-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Titus 2.11-15@{ui}

@{b}                  Ein Volk zum Eigentum@{ub}

 So notwendig für die Gemeinde der Rat und die Erfahrung ihrer älteren
 Glieder, das gute Beispiel und die heilsame Lehre ihrer Leiter sind, von
 grundlegender und unüberbietbarer Bedeutung bleibt doch, daß Gottes
 heilsame Gnade selbst erschienen ist. Anders gesagt: Jesus Christus ist
 erschienen. Er hat als Mensch unter uns Menschen gelebt. Wenn wir die
 Botschaft von ihm hören, auf einen Namen getauft werden, sein heiliges Mahl
 feiern, dann begegnen wir auch heute ihm selber und in ihm Gottes heilsamer
 Gnade. Wir erfahren, daß er sich selbst sein Leben gegeben hat, um das
 unsere zu retten. Die Ungerechtigkeit, in die wir uns verstrickt hatten,
 kann uns nicht länger an sich binden. Wir sind frei, ganz auf die Seite des
 gerechten Gottes überzuwechseln und uns in die Reihen seines Volkes
 einzugliedern. Kein Flecken bleibt mehr an unserem Leben, der dagegen
 spräche, daß wir zu Gott gehören, sein Eigentum geworden sind. Gerade das
 erweckt in uns den Eifer zu guten Werken. Gott und wir stehen uns nicht
 mehr in feindlichen Lagern gegenüber. Dem ungöttlichen Wesen haben wir
 abgesagt. Jetzt haben wir Lust an Gottes Sache gewonnen. Sie ist zu unserer
 eigenen Sache geworden. Daher kommt dann der Eifer, die Lust besonnen
 gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, daher unsere neue Hoffnung für
 uns und die Welt. Daher kommt dann unser Warten nicht mehr nur auf die
 heilsame Gnade, sondern auf die Erscheinung der Herrlichkeit des großen
 Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus. Wer uns darin bestärkt,
 verdient, daß wir auf ihn hören.@{b}

 Herr, durch die Größe deiner Liebe sind wir dein Eigentum geworden. Du hast
 für unser Leben mit dem deinen bezahlt. Laß uns das immer tiefer erkennen
 und mit größeren Eifer dir dienen, bis du allen erscheinst. Amen.@{ub}


@{i}                    Titus 2,11-15@{ui}

@{b} Das sage und ermahne und weise zurecht mit ganzem Ernst. Niemand soll
 dich verachten.@{ub} Titus 2,15 (LB)

 Hierarchisches Gehabe, pompöses Auftreten waren der Urgemeinde fremd. Das
 waren damals einfache, bescheidene Leute, die unmittelbar, auf gleicher
 Ebene stehend miteinander verkehrten. Leere Höflichkeitsfloskeln gibt es
 nicht im Neuen Testament. Aber Bescheidenheit schließt Würde nicht aus, im
 Gegenteil. Genau das legt Paulus hier dem Titus ans Herz. Seine Ermahnungen
 und Zurechtweisungen soll er mit dem gebotenen Ernst vornehmen. Er soll
 auch Wert darauf legen, geachtet zu werden.
 Eine ernste Zurechtweisung ist gar nicht so einfach. Natürlich möchte man
 es dem Ermahnten leicht machen, darum schnell ein verbindliches Lächeln
 oder ein anderes Zeichen, das Verständnis andeutet. Sicher, eine Ermahnung
 soll nicht verletzen und schon gar nicht von oben herab erfolgen. Die
 brüderlich ausgestreckte Hand muß immer sichtbar bleiben. Aber eine
 Ermahnung ist kein Spiel. Es liegt ein Fehlverhalten vor, das im Namen Jesu
 gerügt wird. Das darf auch nicht verharmlost werden. Wenn wir das mit Miene
 und Gebärde doch tun, dann maßen wir uns ein Recht an, das wir gar nicht
 haben. Die Zurechtweisung erfolgt im Namen Jesu und nicht nach unserem
 Belieben. Der Ernst, von dem Paulus spricht, sollte sowohl den Ermahnten
 wie auch den Ermahnenden erfüllen.
 Wer im Namen Jesu auftritt, hat auch einen Anspruch darauf, in er Gemeinde
 geachtet zu werden. Mag sein, daß manches zuweilen ungeschickt ist, auch
 komisch wirkt. Aber das darf niemals die Achtung berühren. Im Diener
 begegnet die Gemeinde dem Herrn!@{b}

 Herr Gott, wir rufen dich an für unsere Kirche. Gib uns Diener, die
 bescheiden, aber mit Würde, die du ihnen verleihst, dein Wort unter uns
 verbreiten.@{ub}
                                                     Hans Wulf



@ENDNODE
@NODE "Titus 3a" "Titus 3,1-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Titus 3,1-15@{ui}

@{b}                Erneuerung im Heiligen Geist@{ub}

 Gottes heilsame Gnade ist allen Menschen erschienen, hieß es im vorigen
 Abschnitt. Darum ist es folgerichtig, wenn jetzt auch die Christen
 aufgefordert werden, allen Menschen Sanftmut zu beweisen. Das ist nicht
 leicht in einer Umwelt, die andere Maßstäbe lebt. Doch Christen haben
 keinen Grund, diese anderen zu verachten oder sie gar zu verleumden. Gott
 hat sich auch uns um seiner Barmherzigkeit willen zugewandt und nicht, weil
 ihn die und Menschenliebe veranlaßt hätten. Durch die Taufe ist uns ein
 neuer Anfang des Lebens geschenkt worden. Auch für uns ist Pfingsten
 geschehen, die Ausgießung des Heiligen Geistes, die unser Leben erneuert
 und vor Gott wahrhaftig gerecht macht. Weil wir auf diese Weise Erben des
 ewigen Lebens geworden sind, wäre es töricht, wollten wir noch durch
 Grübeleien über die geheime Bedeutung alttestamentlicher
 Geschlechtsregister, durch Beachtung von Speisegeboten und ähnlichen
 Gesetzesvorschriften uns und anderen zu beweisen suchen, daß wir die Welt
 überwunden haben und zu einer höheren Stufe des Daseins gelangt sind.
 Christen sollten vielmehr auf das bedacht sein, was gut für die Menschen
 ist und ihnen nützt. Um der Menschen willen sind sie deshalb auch heute
 bereit, mit Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft zusammenzuarbeiten.
 Bedarf es bei alledem noch einer weiteren Begründung, daß solche Früchte
 des Glaubens auch den eigenen Glaubensgenossen zugute kommen sollen? Möge
 der Heilige Geist sie auch bei uns wachsen lassen.@{b}

 Herr, laß auch an uns das Wunder von Pfingsten geschehn. Erneuere unser
 Leben durch den Heiligen Geist, daß wir dir gehorsam werden und in der
 menschlichen Gesellschaft zum Nutzen aller wirken können. Amen.@{ub}


@{i}                    Titus 3,1-15@{ui}

@{b} Laß aber auch die Unseren lernen, sich hervorzutun mit guten Werken, wo
 sie nötig sind, damit sie kein fruchtloses Leben führen.@{ub}
 Titus 3,14 (LB)

 Manchmal, bei einem Besuch oder einem Brief, man ist schon mitten im
 Verabschieden, fällt einem zum Schluß noch etwas ganz Wichtiges ein. So
 auch hier im Brief des Paulus an Titus. Gib auch den anderen Gelegenheit,
 gute Werke zu tun, mach nicht alles selber. Auch das will geübt sein. und
 dazu sollte in der Gemeinde jeder Gelegenheit bekommen. In vielen Ehen ist
 es so, aß die Frau zuständig ist für alles, was mit Liebe und Gefühl zu tun
 hat. Der Mann erledigt dafür alle rechtlichen Aufgaben. Sie packt die
 Pakete, er schreibt die Überweisungen. Dagegen ist nichts einzuwenden,
 solange jeder immer noch für seinen Partner einspringen kann. Schlimm ist
 es aber, wenn er überhaupt nicht weiß, wer etwas bekommt, und sie gar keine
 Ahnung hat, was alles zu bezahlen ist. Beide haben sich gegenseitig
 unselbständig   gemacht. Wenn es etwas schlechter gelingt, das schadet
 nichts, aber es muß jeder auch die Tätigkeit des anderen können.
 Was für die Ehe gilt, trifft auch für die Gemeinde zu. Wir brauchen für
 unsere Diakonie gelernte Kräfte, und es ist sicher auch nötig, daß sich
 einzelne besonders speziellen Gebieten widmen. Aber alle anderen müssen
 auch Gelegenheit bekommen, sich zu betätigen. Etwas falsch zu machen ist
 meist immer noch besser, als staunend über die Fähigkeiten der anderen
 selbst untätig zu verharren.@{b}

 Herr  Gott, nimm meine Hände zum Helfen und Heilen. Laß mich nie vergessen,
 daß ich für alle da bin, daß ich zum Dienen auf Erden bin, wie du es warst.
 @{ub}                                                     Hans Wulf



@ENDNODE
@NODE "Philemon 1a" "Philemon 1-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Philemon 1-25@{ui}

@{b}                  Gebunden und frei@{ub}

 Ist das nicht ein Widerspruch? Sicher werden wir das sofort feststellen.
 Doch auch diese Redewendung begegnet uns oft: Ich bin so frei, wie ich mich
 fühle. Hat sich da aber nicht ein Mensch bereits aufgegeben in einem
 berechtigten Bemühen um Veränderung? Ein Sklave ist entlaufen. Er mag sich
 vielleicht einiges haben zuschulden kommen lassen, oder er wurde ungerecht
 behandelt. Jedenfalls ist er weggelaufen, denn er wollte frei sein. Auf
 seiner Suche nach der Freiheit, nach einer Möglichkeit, ein anderes Leben
 führen zu können, begegnet er dem Apostel Paulus, der sich gegenwärtig
 selber in Unfreiheit, im Gefängnis befindet. Von Paulus erfährt der
 entlaufende Sklave etwas von der befreienden Liebe Christi und findet so
 zum christlichen Glauben. Nun ist er in Christus erst recht frei. Das soll
 sich auch bald zeigen. Paulus schickt den Sklaven zurück zu seinem Herrn,
 der gleichfalls ein Christ ist. Mit einem seelsorgerlichen Schreiben des
 Apostels an Philemon kehrt der Sklave Onesimus nun zurück an seinen alten
 Platz. Wir erfahren hier: Christlicher Glaube hebt die bestehenden
 Verhältnisse nicht auf. Aber zugleich geschieht doch eine Veränderung. Wohl
 bleibt das Verhältnis von Herr und Sklave bestehen, jedoch ein neues steht
 jetzt darüber. Onesimus soll aufgenommen sein in die Hausgemeinschaft des
 Philemon. In dieser möchten sich Herr und Sklave als Brüder begegnen. Wenn
 wir als Christen in der Gemeinde unseres Herrn leben, dann kann es dort
 kein Gebundensein geben, das hervorgerufen wäre durch soziale
 Gegebenheiten. Allein die Tatsache, daß Gott uns alle liebt, bindet uns als
 Brüder und Schwestern aneinander.@{b}

 Herr, unser Gott! Du hast durch einen Sohn von unserer Schuld
 freigesprochen und in deine Gemeinde gestellt. Gib, daß wir in ihr als
 Brüder und Schwestern leben und uns mit der Liebe begegnen, die du uns
 entgegengebracht hast. Amen.@{ub}


@{i}                    Philemon 1-25@{i}

@{b} Es hat mir viel Freude und Trost bereitet, daß durch dich, Bruder, und
 durch deine Liebe die Heiligen ermutigt worden sind.@{ub}
 Philemon 7 (EÜ)

 Paulus wird durch den Einsatz des Philemon gestärkt und ermutigt. Durch
 seinen selbstlosen Dienst gibt dieser Gemeinevorsteher Zeugnis von
 Christus. Er ist lebendiges Urchristentum; in ihm ist er neue Mensch
 entstanden. Wie sieht es aus, wenn der Christ sein Christentum wirklich
 praktiziert? Und was muß er tun, damit durch seine Liebe die "Heiligen von
 heute" ermutigt werden? Es könnte sein, daß im echten Dialog, ohne
 Rechthaberei, nach der Wahrheit gesucht wird.
 Oder daß der Starke geduldig und behutsam sich der Schwachen annimmt, auch
 ihnen Raum zum Leben gewährt.
 Oder, daß der Dienst am Nächsten, wo immer er auch ausgeübt wird, aus dem
 Geist der Liebe und des Dienens geschieht.
 Oder, daß der Christ ohne Privilegien in der Gesellschaft den unteren Weg
 geht. Dann wird er fähig, Not und Leid der anderen wahrzunehmen. Er kann
 sich dann nicht mehr mit Unrecht abfinden und tatenlos zuschauen.
 Mitten in er Welt erfahren dann die Menschen, daß mit Christus eine neue
 Zeit, eine neue Ordnung angefangen hat. Der eine lebt vom anderen. Wir
 brauchen dieses Zeugnis der Liebe und des Glaubens.@{b}

 Herr, oft fällt es mir schwer, den Weg zu sehen, mitten in einer Welt, in
 der nur noch Leistung, Besitz und Macht zählen. Ich bitte dich, Herr, gib
 mir Kraft, daß ich arbeiten kann und mitwirken kann an deinem Reich. Du
 hast uns füreinander gerufen! Dieser Ruf verbindet uns. Laß unsere Kirchen
 Orte sein, die uns tragen und die wir tragen.@{ub}
                                       Bernadette Bargel (OSC)


@ENDNODE

@NODE "Hebräer 1a" "Hebräer 1,1-4"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 1,1-4@{ui}

@{b}                   Gott hat zu uns geredet@{ub}

 Wir alle werden wissen, daß es furchtbar sein kann, wenn Menschen nicht
 mehr miteinander sprechen. Wenn Eheleute sich nichts mehr zu sagen haben,
 wenn Eltern und Kinder nicht mehr miteinander reden, dann ist das ein
 deutliches Zeichen für zerbrochene Gemeinschaft. Dann deutet das an, daß
 Liebe durch Gefühllosigkeit oder gar Haß verdrängt ist. Umgekehrt gilt:
 Solange das  Gespräch nicht abreißt, besteht Hoffnung - selbst dort, wo es
 Meinungsverschiedenheiten gibt. Wir wollen das bedenken, um besser
 begreifen zu können, was es bedeutet, wenn Gott nicht aufhört, mit uns
 Menschen zu reden. In den Zeiten vor Christi Kommen geschah das durch die
 Propheten. Ihre Worte sind im Alten Testament nachzulesen. Sie waren oft
 hart und provozierend, aber sie waren ein Teil des Gesprächs, das Gott in
 seiner Liebe immer wieder mit seinem Volk geführt hat. Nun aber hat dieses
 Gespräch eine neue Wendung genommen. Jesus Christus ist gekommen. Durch ihn
 ist die entscheidende Anrede an uns alle ergangen. Er hat zusammengefaßt,
 was die alten Propheten im Namen Gottes verkündigt haben: Gott erwartet von
 uns die Liebe zu unseren Mitmenschen. Er will Frieden mit uns machen; er
 will, daß auch wir allezeit für den Frieden eintreten. Er hat uns aber auch
 gezeigt: Selbst dort, wo wir versagen, verwirft Gott uns nicht; er bietet
 uns Vergebung und barmherzige Liebe an. Das ist Gottes freundliche Anrede
 an uns. Sie gilt uns und allen Menschen.@{b}

 Lieber himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns nicht mit Schweigen
 übergehst. Wir danken dir für deine Gebote, mit denen du uns den rechten
 Weg zeigst. Wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus, der uns deine
 Liebe verkündet hat. Herr, öffne dir unsere Ohren und Herzen. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 1b" "Hebräer 1,5-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Hebräer 1,5-14@{ui}

@{b}                 Gott dient uns durch seine Engel@{ub}

 Gewiß gibt es unter uns viele Menschen, für deren Glauben der Gedanke an
 die Engel ohne Bedeutung ist, ja, die ihn vielleicht gar als störend oder
 ärgerlich empfinden. Daß Gott der Herr über alle Welt ist, daß in Jesus,
 dem Gottessohn, dieser unbegreifliche Gott uns begegnet, das leuchtet uns
 eher ein als die Vorstellung, es gäbe außerdem noch nichtirdische Wesen,
 die unter Gott und unter Christus stehen sollen, aber doch mit Gott
 zusammengehören. Freilich: Wenn wir das Zeugnis der Bibel von den Engeln
 aufmerksam lesen, dann fällt eines auf: Es geht nicht darum, daß wir diese
 Wesen erforschen sollten. Wir sollen uns nicht in Spekulationen über
 Erscheinungen verlieren, die unserem Erkennen unzugänglich sind. Wenn die
 Bibel sagt, daß Gott seine Engel zu Winden und Feuerflammen macht, dann
 meint sie doch, daß wir es gerade in der Natur mit ihm und seiner Macht zu
 tun haben. Gerade in den Erscheinungen und Kräften der Natur begegnen wir
 den "Engeln". Sie sind die Werkzeuge, die seinen Willen erfüllen. Und was
 das wichtigste ist: Durch alle diese Werkzeuge will Gott uns helfen, damit
 wir an das  große, gute Ziel kommen, das er uns bestimmt hat. So kann uns
 die Botschaft von den Engeln zum Trost und zur Lebenshilfe werden. Sie sagt
 uns: Gott ist nicht fern von uns. Wir begegnen ihm im Großen wie im
 Kleinen. Überall hat er seine Diener. Und überall sind diese Diener von der
 Liebe des Vaters bestimmt.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Du bist der Schöpfer und Herr der Welt. Dir gehört
 die Weiten des Alls. Du gebietest über die Bewegungen der Sterne und über
 die Kräfte des Atoms. Wir danken dir, daß du uns in allem nahe sein willst.
 Bleibe bei uns! Amen.

                         Empfangen und geben@{ub}     Gedicht
                        Wir müssen Gott finden,
                        er kann jedoch nicht
                        in Lärm und Ruhelosigkeit
                        gefunden werden.
                        Gott ist der Freund
                        des Schweigens.
                        Schaue, wie die Natur,
                        wie Bäume, Blumen und Gräser
                        in der Stille wachsen.
                        Schaue, wie Sterne, der Mond
                        und die Sonne in der Stille
                        ihre Bahnen ziehn.
                        Je mehr wir im stillen Gebet empfangen,
                        desto mehr können wir
                        in unserem täglichen Leben ausgeben.
                        @{i}  Mutter Teresa von Kalkutta@{ui}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 2a" "Hebräer 2,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Hebräer 2,1-10@{ui}

@{b}                  Gott vollendet durch Leiden@{ub}

 Jesus Christus ist größer als alles. Der Hebräerbrief wird nicht müde, das
 auf immer neue Weise zu veranschaulichen. Christus ist größer als die
 Engel, die Mächte und Werkzeuge, durch die Gott die Welt regiert. Und er
 ist erst echt größer als die Propheten und Priester, durch die Gott in er
 Vergangenheit auf besondere Weise an seinem Volk gehandelt hat. Dabei mag
 es uns merkwürdig erscheinen, daß auch die Erniedrigung Jesu, sein Leiden
 und Sterben, als Beweis der Güte Jesu gewertet wird. Kann das Todesleiden
 wirklich so etwas wie die "Krönung", die "Vollendung" Jesu sein? Es geht an
 dieser Stelle um den tiefsten Sinn des Heils, das uns Gott durch Jesus
 Christus anbietet. Gott will Gemeinschaft mit uns. Er will uns nahekommen,
 indem er die Kluft überbrückt, die wir durch unseren Unglauben und unseren
 Ungehorsam gerissen haben. Dazu kommt Jesus in die Tiefen menschlichen
 Elends hinab. Und deshalb zeigt sich Gottes tiefstes Wesen nicht in der
 Gewalt und Macht der Schöpfung, nicht in der Macht der Engel, sondern im
 Sohn Jesus, der die Liebe Gottes offenbart. Deshalb ist Jesus in seinem
 Leiden der Größte. Und deshalb sind auch wir Gott nicht dort am nächsten,
 wo wir triumphieren, sondern wo wir demütig dem andern dienen, wo wir ihn
 nicht ausnutzen, uns nicht über ihn stellen, sondern ihn ertragen und mit
 ihm leiden. Wenn wir leiden müssen, wollen wir uns daran erinnern: Gott
 vollendet durch Leiden, gerade im Leiden werden wir er Gemeinschaft mit dem
 Herrn Jesus gewiß.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus, du kennst die Tiefen menschlichen Elends. Du
 bist geschlagen und verspottet worden. Wir haben dich vor Augen, wie du am
 Kreuz hängst. Wir danken dir dafür. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 2b" "Hebräer 2,11-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 2,11-18@{ui}

@{b}                   Wir dürfen Brüder Jesu sein@{ub}

 Viele von uns haben sich als Kind einen Bruder gewünscht. Warum? Sie
 wollten jemanden in ihrer Nähe haben, der zuverlässig ist, die gleichen
 Interessen hat, der sie kennt und dem man vertrauen kann. Vor dem Bruder
 kann ich ehrlich sein, vor ihm brauche ich nichts zu verbergen. Er nutzt
 meine Schwäche nicht aus, sondern hilft mir und steht mir bei. Meist
 erkennen wir sehr bald, aß es solche Menschen kaum gibt. Auch Brüder haben
 ihre Fehler und Schwächen. Und wo solche Bruderschaft geschenkt wird, da
 besteht sie meist nur für kurze Zeit, allzuschnell drängt sich das
 Trennende in den Vordergrund. Unser Text redet davon, daß sich Jesus nicht
 schämt, uns seine Brüder zu nennen. Jesus will unser Bruder sein, und wir
 dürfen seine Brüder sein. Er hat unser menschliches Leben gelebt. Er kennt
 unsere Begrenztheit, unsere Schwachheit. Er weiß, was Todesfurcht ist. Er
 kennt die Versuchung zum Bösen. Und deshalb versteht er uns. Er versteht
 uns auch noch in unseren dunkelsten Stunden, in denen wir ganz böse und
 ganz verzweifelt sind. Er will, daß wir zu ihm Vertrauen haben wie zu einem
 Bruder. Alles dürfen wir ihm sagen. Vor ihm können wir ganz ehrlich sein.
 Denn er nutzt unsere Schwäche nicht aus. Er klagt nicht an, sondern vergibt
 und richtet auf. Mit einem solchen Bruder an er Seite brauchen wir uns
 nicht zu fürchten, auch nicht vor dem Tod, denn Jesus ist nicht nur unseren
 Tod gestorben, sondern hat ihn auch in seiner Auferstehung besiegt.@{b}

 Lieber Herr Jesus, du bist unser Bruder geworden. Wir wollen dir alles
 sagen. All unseren Kummer wollen wir vor dir aussprechen. Herr, höre uns
 doch! Mache uns frei von der Angst. Gib uns neuen Mut zum Leben. Amen.@{ub}

@ENDNODE
@NODE "Hebräer 3a" "Hebräer 3,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Hebräer 3,1-6@{ui}

@{b}                    Ein Haus voller Zuversicht@{ub}

 Das Bild vom Haus versteht jeder. Welcher Mensch sehnt sich nicht nach
 einem Zuhause! Es muß ja nicht gleich ein eigenes Häuschen mit Garten sein.
 Viele Menschen kommen jeden Abend in ein Hochhaus nach Hause. Die
 Hauptsache ist, daß es eine gute Hausgemeinschaft gibt. Daß ich mit
 Menschen zusammen leben und wohnen kann, die zuverlässig sind. Ein stabiles
 Haus, äußerlich und innen stabil, das gibt Zuversicht. Der "unbehauste
 Mensch", wie wir moderne Zeitgenossen einmal genannt worden sind, ist, wie
 das wandernde Gottesvolk im Hebräerbrief, unterwegs nach Hause. Auf diesem
 Wege werden wir nach vorne gerufen in die Nachfolge Jesu. Es ist eine
 "himmlische Berufung", wie es hier heißt, mit der wir gelockt und geführt
 werden. Himmlisch soll s zu hause werden! Und dieses Haus sind wir, die
 Gemeinde Jesu Christi. Wer hat da solch ein Zutrauen zu uns, bei denen es
 doch so irdisch und alltäglich zugeht? Es ist Jesus selbst, der dem
 himmlischen Vater vertraut hat und der nun uns irdischen Menschen sein
 ganzes Vertrauen schenkt. Gegenüber allem Mißtrauen und allem Streit, gegen
 alle Einsamkeit und Selbstbezogenheit wird Gott nicht müde, ein
 vertrauenswürdiges und zuverlässiges Fundament zu errichten, auf dem wir
 wohnen können. Gemeindeaufbau durch Vertrauensbildung, das wäre also ein
 lohnendes Ziel. Das wäre ganz nach dem Willen Gottes und würde unsere
 Hoffnung erfüllen. Es ist "der Vorzug der Hoffnung", daß auch wir nicht
 müde zu werden brauchen, daß wir festhalten an der Zuversicht bis zum Ende,
 bis wir ganz zu Hause sind.@{b}

 Gott, lieber himmlischer Vater, du schenkst uns dein ganzes Vertrauen.
 Vergib, wenn wir uns oft so wenig zutrauen und deshalb verzagen. Gib uns
 Menschen zur Seite, mit denen wir im Vertrauen leben können. Amen.@{ub}



@ENDNODE

@NODE "Hebräer 3b" "Hebräer 3,7-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 3,7-19@{ui}

@{b}                    Die Zuversicht fest behalten@{ub}

 Es ist eine große Sache, wenn Menschen zum christlichen Glauben finden
 dürfen, wenn sie "Christi teilhaftig geworden sind". Dann aber ist es noch
 wieder eine besondere Sache, wenn es ihnen geschenkt wird, in diesem
 Glauben zu bleiben und "die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende fest zu
 behalten". Denn Christen können in die Gefahr kommen, wieder abzufallen von
 ihrem guten Herrn, ihr Vertrauen wegzuwerfen und sich von er Gemeine zu
 trennen. Der Hebräerbrief möchte die Gemeindeglieder mit allem Ernst davor
 warnen, das Ziel, den ewigen Frieden im Reich Gottes, aus den Augen zu
 verlieren. Er erinnert an die Zeit, als Mose das Volk Gottes durch die
 Wüste führte. Über dieser Wüstenwanderung stand ja die Verheißung Gottes,
 daß der Weg seine Erfüllung in er vollkommenen Ruhe des Gelobten Landes
 haben werde. Es war ein langer und mühsamer Weg, und Unruhe sowie Ungeduld
 machten sich breit und die Frage, ob denn Gott noch zu seiner Verheißung
 stehe. Der Blick zurück verdunkelte die Sicht nach vorn und führte vom Wege
 ab, und das Lob Gottes verkehrte sich in selbstherrliche Anklagen. Nun war
 alle Zuversicht dahin. Dies ist der Fluch der bösen Tat, die Sünde der
 Trennung von er Verheißung Gottes. Aber diese Zuversicht kommt heute neu zu
 uns aus dem Zuspruch des Wortes Gottes. Wenn ihr doch "heute" seine Stimme
 hören würdet! Jetzt gilt es, auf dem Wege Christi zu bleiben und das Ziel
 fest im Auge zu behalten. Jetzt ist die Zeit der Bewährung des Glaubens. Es
 lohnt sich, die Mühsal des Weges auf sich zu nehmen.@{b}

 Herr Jesus Christus, du kennst die Unruhe unserer Tage und Nächte. Wir
 bitten dich um deinen guten Geist, daß wir dem Wort von Gott vertrauen und
 so neue Hoffnung bekommen. Geh du mit mir durch diesen Tag heute. Amen.
 @{ub}

@ENDNODE
@NODE "Hebräer 4a" "Hebräer 4,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 4,1-13@{ui}

@{b}                         Gottes Ruhe@{ub}

 Daß wir hineinkommen in Gottes Ruhe, und daß kein Mensch davon
 ausgeschlossen bleibt, das ist die Sorge dessen, der diesen Brief
 geschrieben hat. Deshalb erinnert er daran, wie Gott ruhte am siebenten
 Tage von allen seinen Werken. Die Woche, die mit dem Sabbat abschließt, das
 war eine Gabe Israels an die Menschheit. So wie Gott der Schöpfer, nachdem
 er alles gut geschafft hatte, von der Arbeit ruhte, so kann es auch für uns
 Menschen sein. Es ist gut anzuhalten, stille zu werden und in Ruhe zur
 Besinnung zu kommen. Der tiefste Sinn des Sabbat, das Ruhenlassen der
 eigenen Werke und das in Ruhe lassen der Schöpfung, liegt damit in dem
 Bekenntnis ausgesprochen: Alles, was wir sind und haben, das verdanken wir
 nicht unseren Taten, sondern eben Gottes guter Schöpfung. Und das ist eine
 Feier wert. Das hat dann die Christenheit für ihren Sonntag mit übernommen:
 Jeder Sonntag ist ein Festtag, und jeder Sonntagsgottsdienst ist seinem
 Wesen nach ein Fest. Und dabei brauchen wir nicht unsere eigenen
 Höchstleistungen zu bejubeln; wir werden uns vielmehr dankbar freuen über
 alles, was wir wieder geschaffen haben. Wir brauchen ja nicht zu
 resignieren angesichts des Mißlingens unserer eigenen Taten; wir sollen
 Entlastung erfahren, auch nach vergeblicher Mühe. Die Erinnerung an die
 Taten Gottes bis hin zur Auferweckung Jesu, das ist der Grund für den
 Ruhetag am Anfang der neuen Woche. "So ist also noch eine Ruhe vorhanden!"
 Das ist das Wort, das uns mit Leib und Seele zur Ruhe kommen läßt.@{b}

 Herr Jesus Christus, noch immer gilt deine Verheißung für uns und die ganze
 Schöpfung. Es soll alles gut werden. Laß uns achtsam miteinander umgehen,
 damit jetzt schon besser wird, was du dann am Ende vollenden wirst. Amen.
@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 5a" "Hebräer 5,11-6,8"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 5,11-6,8@{ui}

@{b}                      Ihr sollt Meister sein@{ub}

 "Mündige" Christen machten mit ihrem Herrn immer neue Erfahrungen. Weil sie
 stets auf sein Wort hören, darum wächst ihre geistige Urteilskraft. Sie
 sind daher in er Lage, ihr Leben nach geistigen Maßstäben zu gestalten und
 zu beurteilen, was sie vor Gott verantworten können. "Mündige" Christen
 sind so ein Vorbild für andere und helfen ihnen, das Evangelium zu
 verstehen. Sie selbst bleiben immer aufgeschlossen für neue Erkenntnisse,
 die ihnen Gottes Wort vermittelt. Nach diesen Merkmalen werden in unserem
 Textabschnitt die angesprochenen Christen beurteilt. Das Ergebnis ist
 erschütternd: Keine Spur von "Müdigkeit". Ein harter Tadel ist daher nötig:
 Ihr seid abgestumpft und deshalb unfähig, neue Zusammenhänge der
 Christenbotschaft zu erkennen; euer Glaube ist brüchig geworden. Dieser
 harte Tadel soll eine Warnung sein. Wir lesen hier die Worte, daß es
 Situationen geben kann, in denen es keine Möglichkeit zur Buße, das heißt
 zur Umkehr, geben kann. Es kann zu einer endgültigen Trennung von Gott
 kommen. Wer eine schrankenlose Vergebung für alle denkbaren Sünden
 verkündigt, kann erleben, daß es diese unbedingte Vergebung gar nicht gibt.
 Gnade und Vergebung sind verdiente Geschenke Gottes, Geschenke aber kann
 man nicht fordern, auf sie hat man keinen Anspruch. Gnade als Prinzip wäre
 "billige Gnade"; solche Gnade aber wäre Selbstbetrug. Gewiß können wir nie
 sagen, wann solch ein Fall einer unvergebbaren Sünde wirklich vorliegt. Das
 kann allein Gott entscheiden; seinem Urteil darf keiner vorgreifen.@{b}

 Ja, unser Gott, wir sind betroffen, wie hart du durch deine Boten zu uns
 sprechen kannst. Laß uns endlich erwachsene Christen werden, habe Dank für
 deine Langmut! Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 6a" "Hebräer 6,9-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 6,9-20@{ui}

@{b}                      Hoffnung schenkt Leben@{ub}

 "Hoffen und Harren hält manchen zum Narren" - wer kennt dieses Sprichwort
 nicht? Auch die Bemerkungen des Philosophen Schopenhauer ähneln diesem
 Sprichwort. Er meint, die Hoffnung sei die Narrheit de Herzens, woraus er
 folgert: "Wen die Hoffnung, den hat die Furcht verlassen." Aber bereits
 unsere einfache Lebenserfahrungen sagen: Wer die Hoffnung aufgibt, gibt
 sich auf. Und Hoffnung bedeutet für viele Patienten Heilung, davon wissen
 die Ärzte zu erzählen. An diese gutbegründete Erfahrung halten wir uns.
 Denn geht es nicht fröhlicher und lebendiger zu, wo närrische Hoffende
 beisammen sind statt kluge Schwarzseher? Für Christen gilt das erst recht.
 Denn wir können uns auf das Wort der Hoffnung verlassen, selbst wenn wir
 von Natur aus eher pessimistisch als optimistisch sind. Wäre nichts in uns,
 was uns hoffen ließe, so bliebe uns doch das zuverlässige Wort Gottes, das
 uns von anderen Christen in Erinnerung gerufen werden kann. So macht es
 auch der Schreiber des Hebräerbriefs. Er erinnert an Abraham. Damit greift
 er auf vertrautes Wissensgut eins mündigen Christen zurück. Am Beispiel
 Abrahams können wir eindrücklich lernen: Gott steht zu seiner Verheißung.
 Weil Abraham darauf vertraute, erhielt r seinen Sohn Isaak, der sterben
 sollte, zurück. Das kann auch uns ermutigen, wie Abraham zu glauben und zu
 hoffen. Deshalb nimmt uns Gott in seine Lehre, damit wir die Hoffnung
 kennenlernen, die uns durch das ganze Leben trägt. Sie hat den Namen:
 Jesus. Er läßt uns hoffen. Er bannt die Furcht. Diese Hoffnung lassen wir
 uns nicht ausreden. Denn Hoffnung lassen wir uns nicht ausreden. Denn
 Hoffnung lassen wir uns nicht ausreden. Denn Hoffnung schenkt Leben. Wir
 wären närrisch, wenn wir dieses Hoffnungswort in den Wind schlügen.@{b}

 Unser Gott, laß uns nicht wie Narren unsere eigene Zukunft verspielen, weil
 wir die Hoffnung verschenken. Mach uns deiner Verheißung gewiß und stärke
 unser Vertrauen auf dich. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 7a" "Hebräer 7,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Hebräer 7,1-10@{ui}

@{b}                     Lebendige Tradition@{ub}

 Zwei Theologiestudentinnen besuchten den jüdischen Friedhof in Prag. Sie
 kamen mit dem jüdischen Verwalter ins Gespräch. Als er erfuhr, was sie
 studierten, fragte er: "Haben Sie die Bibel gelesen, die gesamte Bibel?"
 Die eine bejahte, die andere verneinte und fragte ihre Mitstudentin
 zweifelnd zurück: "Du hast wirklich alles gelesen, auch die langen
 Namenslisten in Alten Testament?"
 Hand aufs Herz, lieber Leser, haben Sie diesen Text des Hebräerbriefes,
 Kapitel 7,1-10, gelesen? Tatsächlich? Es wäre nicht erstaunlich, wenn Sie
 nach den ersten Versen kapituliert hätten. Der Name Melchisedek wird im
 Alten Testament nur zweimal genannt (1.Mose 14,18-20 und Psalm 110,4).
 Dieser Melchisedek - König und Priester von Salem (das ist Jerusalem) zu
 jener Zeit. als Israel als Volk noch nicht einmal existierte - sollte noch
 erwähnenswert sein? Sagen wir es frei heraus. Womit der Hebräerbrief
 argumentiert, interessiert uns nicht - jedenfalls die meisten nicht. Warum
 also auf die graue Vorzeit zurückgreifen? Trotzdem, etwas ist bemerkenswert
 und gilt bis heute. Ohne das Alte Testament verlören wir Christen die
 geschichtliche Wurzel unseres Glaubens. Der christliche Glaube geht eben
 aus dem alten Volk der Juden hervor. Und wenn wir beten "Vater unser im
 Himmel", dann beten wir zu dem einen Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus
 Christus, der zugleich der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist. Was würden
 wir antworten, wenn uns ein Jude fragte: "Kennen Sie die Bibel?"
 Jesus und die ersten Christen jedenfalls lebten mit den heiligen Worten des
 Alten Testaments und nahmen sie in das Neue mit hinein. Halten wir an
 dieser lebendigen Tradition fest!@{b}

 Vater unser im Himmel, wir danken dir, daß wir durch deinen Sohn zu einem
 auserwählten Volk gehören dürfen. Und wir bitten dich für unsere jüdischen
 Glaubensbrüder. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 7b" "Hebräer 7,11-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 7,11-22@{ui}

@{b}                      Eine bessere Hoffnung@{ub}

 "Ich bin stolz, ein Jude zu sein, weil es schwer ist, ein Jude zu sein,
 sehr schwer. Ich bin glücklich, zum unglücklichsten aller Völker zu
 gehören, dessen Tora die höchste Moral und das schönste aller Gesetze
 vertritt. Ich glaube an den Gott Israels, auch wenn er alles dazu getan
 hat, mich an ihn unglauben zu machen. Ich glaube an seine Gesetze..." Diese
 Tagebuchaufzeichnungen sind 1943 im brennenden Warschauer Getto entstanden.
 Die jüdischen Zeugen, die mit ihrem Blut für die heilige Lebensordnung -
 das von Gott gegebene Gesetz - eingetreten sind, sollten uns Christen sehr
 bescheiden machen. "...eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir
 uns zu Gott nahen", sagt der Hebräerbrief. "besser" ist eben nicht unsere
 Moral, unsere Lebensweise, unser Mut, unsere Liebe zu Gott. Wer hier etwas
 an dem Gesetz genauer an der Heilsordnung, verbessert, ist allein Gott. Er
 hat gefunden, daß es Zeit wurde, sein Gesetz zu überholen. Lebensregeln und
 Gebote, die das Zusammenleben der Menschen möglich machen, sind gut und
 notwendig. Aber sie sind zu schwach und nutzlos, um dem Leben für immer
 Bestand zu geben. Gott aber will vollenden, was er damals angefangen hatte,
 als er Mose das Gesetz zum Leben und Überleben gab. Den Alten Bund hat Gott
 durch einen besseren ausgetauscht. Dieser schenkt Leben auf Dauer. Und wenn
 wir mit unseren jüdischen Mitmenschen im Glauben konkurieren wollten, dann
 nur darin, daß wir auch für die diese bessere Hoffnung wünschten.@{b}

 Wir beten dich an, dich, unseren Gott, der du uns deine heiligen Weisungen
 gibst, womit wir unser Leben sinnvoll ordnen können. Aber noch mehr preisen
 wir dich für Jesus, deinen Bürgen, der uns unzerstörbares Leben verbürgt.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 7c" "Hebräer 7,23-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 7,23-28@{ui}

@{b}                       Ewig und vollkommen@{ub}

 Es ist auf der Landkarte zu finden, das kleine Fleckchen Erde, das im Laufe
 der Geschichte so viel unschuldiges Blut gesehen hat, das Land der Juden.
 Und es ist die irdische Heimat dessen, von dem es im Hebräerbrief heißt:
 der Sohn, der ewig und vollkommen ist. Jude ist er und verkannt, verfemt,
 gefoltert und ermordet wie ein Jude. "Ich sterbe ruhig, aber nicht
 befriedigt, ein Geschlagener, aber kein Verzweifelter, ein Verliebter in
 Gott, aber kein Verzweifelter, ein Verliebter in Gott, aber kein blinder
 Amensager. Ich bin ihm nachgegangen, auch wenn er mich von sich geschoben
 hat. Ich habe sein Gebot erfüllt, auch wenn er mich dafür geschlagen
 hat..." Diese Worte schrieb der 43jährige Jude Jossel Rackower in sein
 Tagebuch zwei Stunden vor seinem qualvollen Tod im Warschauer Getto. Es
 könnte auch Worte Jesu am Kreuz sein. Ja, Jesus ist so verwurzelt in der
 jüdischen Tradition, aß er nicht von der jüdischen Tradition, daß er nicht
 von der jüdischen Vergangenheit zu trennen ist und ebensowenig von der
 jüdischen Gegenwart. Und darauf weist uns auch der Verfasser des
 Hebräerbriefes. Jesus, Sohn des jüdischen Volkes, ist zugleich Sohn des
 ewigen und vollkommenen Gottes. Er tritt wie ein alttestamentlicher
 Hoherpriester vor Gott und bittet für die Menschen. Aber noch mehr. Er, der
 sich ganz und gar darin von den Menschen unterscheidet, daß er schuldlos
 und heilig ist, opfert sein Leben. Und Gott hat mit seinem Eid bekräftigt,
 daß dieses Lebensopfer Jesu gilt - für alle Zeiten, ein für allemal. Darauf
 sollten wir vertrauen. Denn nur bei diesem "Hohenpriester" Jesus liegt
 unsere Chance. Von seinem ewig-gültigen, vollkommenen Opfer hängt unsere
 Ewigkeit ab.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir, daß dein Sohn für uns eingetreten ist. Er
 hat sich für unsere Sünden am Kreuz geopfert. Gib uns heute und alle Tage
 die Gewißheit deiner Barmherzigkeit. Erhalte uns in deiner Liebe und Treue.
 Amen.
                           Ein Teil von Gott@{ub}            Gedicht
                    Ein Teil von Gott bist du - durch ihn entworfen.
                    Ausgefeilt schon Spuren zarter Liebe,
                    wenn du - ängstlich noch -
                    bedenkst den nächsten Schritt.
                    Verwandelt hat des Lebens schwere Last
                    des Schöpferwortes starke Kraft.

                    Ein Teil von Ewigkeit ist eine Zeit - durch sie erfüllt.
                    Hingetupft schon Farben lichter Wärme,
                    wenn du - zögernd noch -
                    betrittst den neuen Tag.
                    Erhellt hat der Zeiten dunklen Grund
                    des Ew'gen Lichtes Widerschein.
                    @{i}     Ingrid Röser@{ui}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 8a" "Hebräer 8,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 8,1-13@{ui}

@{b}                     Was ist Hauptsache?@{ub}

 "Hauptsache: Gesundheit". Dieser Wunsch wird oft ausgesprochen. Er scheint
 auch berechtigt zu sein, denn Gesundheit ist die Grundlage des
 Wohlbefindens. Geht es mit der Gesundheit bergab, verliert das Leben an
 Wert. Gesundheit ist wirklich eine Hauptsache in unserem Leben. Aus unserem
 heutigen Bibeltext erfahren wir aber, daß es für uns eine Hauptsache gibt,
 die ganz woanders liegt. Wir haben einen Vertreter bei Gott, der unsere
 Interessen wahrnimmt. Das Wissen dieser Tatsache ist dazu da, uns fest und
 sicher zu machen. Statt dessen verhalten wir uns aber oft wie Leute, die
 den Schatten dessen verhalten wir uns aber oft wie Leute, die den Schatten
 einer Erscheinung für die Wirklichkeit halten. Wir lassen uns von manchen
 Einflüssen verunsichern, so daß es uns schwerfällt, auch noch Gutes zu
 erkennen. Der Verfasser des Hebräerbriefs veranlaßt uns, uns auf Jesus,
 unseren himmlischen Fürsprecher, zu besinnen, um dem Leben standhalten zu
 können. In ihm haben wir bei Gott einen zuverlässigen Fürsprecher, der
 unsere Interessen voll vertritt. Vielen Menschen erscheint Gott zu weit
 entfernt. Es gelingt ihnen nicht, die Entfernung zu überbrücken. Jesus tut
 das für uns. In seiner Nachfolge kommen wir Gott so nahe wie nur möglich.
 Jesus hat mit seinem Leben dafür bezahlt. Wir alle sind jetzt vor Gottes
 Thron zugelassen. Die einzige Bedingung ist: Verbindung halten mit Jesus,
 unserem Vertreter bei Gott. Die Hauptsache ist also, daß wir uns kein
 falsches Bild von Gott machen, ihn nicht für unerreichbar halten, sondern
 im Bund mit Jesus auf ihn hin leben.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Bleibe in unserem Leben. Überwinde unseren
 Eigensinn und mach uns stark, daß wir das Wesentliche vom Nebensächlichen
 unterscheiden können. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Hebräer 9a" "Hebräer 9,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 9,1-10@{ui}

@{b}                 Die Mitte des Gottesdienstes@{ub}

 Nach evangelischer Tradition ist die Predigt etwas Zentrales im
 Gottesdienst. Das hat in der Folge zu einer gewissen Kargheit geführt. Als
 Gegenbewegung zu übertriebener Pracht in Kirchen und Gottesdienstfeiern
 wurde durch die Reformatoren vieles aus den Gottesdiensten verbannt, was
 vom Hören auf Gottes Wort ablenken könnte. Man feierte auch das Abendmahl
 nicht mehr sonntäglich, sondern nur zu besonderen Anlässen. Inzwischen wird
 auch unter evangelischen Christen darüber nachgedacht, ob einer Gemeinde
 nicht etwas fehlt, wenn etwa zugunsten der Predigt auf eine ausgeprägt
 feierliche und festliche Gottesdienstgestaltung verzichtet wird. Das reicht
 bis zur Ausstattung der gottesdienstlichen Räumen. Auch unsere
 Gottesdienstordnungen verdienen mehr Aufmerksamkeit. Gewiß gilt nach wie
 vor: Die Gegenwart des Herrn im verkündigten Wort und in den Sakramenten
 ist die Mitte des Gottesdienstes. Aber es soll auch Freude machen, die
 Verkündigung zu erleben. Festliche Gewänder und Kunst in der Kirche müssen
 nicht von vornherein abgelehnt werden. Der Gottesdienst erinnert an den
 Bund zwischen Gott und Menschen. Gehörte und erlebte Verkündigung
 vergegenwärtigt uns die Bedeutung Jesu für unser Leben. Das Opfer, das
 Jesus uns gebracht hat, ist so wichtig, daß wir es uns in festlichem und
 würdigem Rahmen vergegenwärtigen. Aber Rahmen muß Rahmen und Mitte muß
 Mitte bleiben. Wir sollten beides nicht vertauschen. Immerhin können unser
 Gottesdienste auch ein kleiner Vorgeschmack des himmlischen Gottesdienstes
 sein. Wir sollten uns diesen Überlegungen nicht entziehen.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir wissen, daß wir in unseren Gottesdiensten oft an
 Äußerlichkeiten hängen bleiben und Vergessen, daß du die Mitte bist. Hilf
 uns zu dir. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 9b" "Hebräer 9,11-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Hebräer 9,11-15@{ui}

@{b}                  Was bedeuten uns Traditionen?@{ub}

 Manche Christen tun sich schwer mit den Traditionen. Vor allem junge
 Christen stehen den Überlieferungen fremd, ja hilflos gegenüber. Also gehen
 die einen den Traditionen aus dem Wege; andere lassen sie über sich
 ergehen; wieder andere bemühen sich, sie zu begreifen und dann zu bewahren.
 So ähnlich verhielt man sich wohl schon in der Urchristenheit den jüdischen
 Traditionen gegenüber.
 Die Botschaft des Evangeliums Jesu Christus wurde in enger Verbindung mit
 den Traditionen des Volkes Israel gesehen und als Erfüllung dessen
 verstanden, was dem Volk seit Jahrhunderten glaubte. So war es mit der
 Gestalt des Hohenpriesters. Bei den Juden war er der Mittler zwischen Gott
 uns Gemeinde. Nur er durfte in das Allerheiligste. Ihm war das Amt der
 Versöhnung anvertraut. Er  brachte das Opfer dar. Aber er selbst blieb
 lediglich der Vermittler, mit dem Auftrag der Tempelgemeinde betraut. Das
 Erscheinen Christi wird mit dieser Aufgabe verglichen. Er ist er
 eigentliche Hohepriester. Aber er übt nicht ein Amt aus, sondern ermöglicht
 uns unmittelbaren Zugang zu Gott. Indem er sich selbst zum Opfer gab,
 machte er das regelmäßige Opfern überflüssig. Die Opfertradition des
 jüdischen Volkes sind damit nicht für ungültig erklärt, aber sie bekommen
 einen anderen Stellenwert. Nach der Übernahme des Mittleramtes durch Jesus
 sind die Opfer im Tempel noch deutlicher nur Abbilder gewesen. Sie
 erinnerten nur noch an Gottes Bund. Der ist auch mit uns geschlossen.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Hilf uns, in er Kirche zu bewahren, was uns zu
 dir führt, und loszulassen, was nichts mit dir zu tun hat. Du allein bist
 die Ursache und Ziel unseres Glaubens. Laß uns das erkennen und bewahren.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 10a" "Hebräer 10,1-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 10,19-25@{ui}

@{b}                         Zugang zu Gott@{ub}

 Die Enttäuschung darüber, daß Christen dem Gottesdienst fernbleiben, ist
 und nicht fremd. Vielleicht ist s sogar tröstlich zu lesen, daß das bereits
 in der alten Christenheit so gewesen ist. Die Ermahnung, die Versammlung
 der Gemeinde nicht zu verlassen, kommt sicher nicht nur aus der Sorge um
 den Fortbestand der Kirche. Sie entspringt der Trauer darüber, daß
 Menschen, die den Weg zu Gott in Jesus Christus gefunden haben, in Gefahr
 stehen, Gott wieder zu verlieren. Außer dem unmittelbaren Zeugnis eines
 einzelnen war die Versammlung der Gemeine damals die einzige Gelegenheit,
 etwas von Jesus Christus zu erfahren. Heute gibt es dafür viele
 Möglichkeiten, angefangen von der Bibel im Haus bis hin zu
 Rundfunkandachten und auch zu diesem Kalenderblatt. Wenn wir trotzdem auch
 heute bei der Mahnung bleiben, hinzugehen und am Gottesdienst der Gemeinde
 teilzunehmen, dann geschieht das, weil es so dem Willen Christi entspricht.
 Durch sein Kommen, mit seinem Leben und Sterben hat er uns den Weg zu Gott
 bereitet. Bei seinem Tod zerriß der Vorhang im Tempel, der den Zugang zum
 Allerheiligsten verwehrte. So hat er alle Hindernisse beseitigt, die
 Menschen den Zugang zu Gott versperrten. Der Opfertod Christi hat nicht nur
 den Weg zu Gott frei gemacht; er macht auch uns frei, diesen Weg zu
 beschreiten. Mit der Taufe hat dieser Weg begonnen. Durch sie sind wir
 "gewaschen am Leibe mit reinem Wasser", aber auch "besprengt in unserem
 Herzen" und durch die Vergebung der Schuld los von dem schlechten Gewissen.
 Die Erinnerung an die Taufe gehört zum Gottesdienst. Glaube Hoffnung und
 Liebe haben hier ihren Ort. Der Glaube schaut auf Jesus Christus. Die
 Hoffnung hat ihren Grund in der Treue Gottes. Er tritt für seine Gemeine
 ein. Auffällig ist, daß das gemeinsame Bekenntnis als Ausdruck der Hoffnung
 verstanden wird. Anreiz zur Liebe kommt aus dem Achthaben aufeinander. Daß
 Jesus als hilfsbedürftiges Kind auf die Welt kommt, hat immer von neuem
 Liebe geweckt. Dringlich wird die Mahnung des Hebräerbriefes, weil der Tag
 Gottes naht. Mag uns das zunächst als Hinweis auf den Jüngsten Tag gemeint
 gewesen sein, so erinnert doch uns dieses Wort am Beginn eines neuen
 Kirchenjahres zugleich an das Kommen Jesu zu seiner Gemeinde: Einst als
 Kind in der Krippe, heute in seinem Wort und Sakrament und schließlich als
 Herr und Richter der Welt.@{b}

 Treuer Gott, wir danken dir, daß du uns in deine Gemeinde rufst. Du weißt,
 daß wir in den nächsten Wochen viel zu tun haben. Mach uns bereit, deinen
 Sohn Jesus Christus zu empfangen. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 10b" "Hebräer 10,19-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Hebräer 10,19-25@{ui}

@{b}                  Die Tür ist uns aufgetan@{ub}

 Nur er Hohepriester durfte das Allerheiligste des Tempels von Jerusalem
 betreten. Vorher hatte er sich verschiedener ritueller Waschungen zu
 unterziehen und mußte sich mit Tierblut besprengen. Nur für ihn gab es
 diese Möglichkeit, in die Nähe Gottes zu treten, für die anderen Gläubigen
 war die Tür zum Allerheiligsten Verschlossen. Meinen wir nicht auch
 manchmal, "draußen vor der Tür" zu stehen, die Nähe und Liebe Gottes kaum
 mehr zu spüren? Wenn wir täglich im Rundfunk oder Fernsehen darüber
 unterrichtet werden, wie Menschen immer mehr zerstören auf dieser Welt
 durch Kriege, durch ungerechte Wirtschaftsführung, durch
 Umweltschädigungen, dann müssen wir bekennen: So etwas versperrt uns die
 Tür zu Gott. Doch dürfen wir trotzdem die Hoffnung haben, Zugang zu Gott zu
 finden. Jesus Christus selber öffnet ihn uns durch seinen Opfertod. Er, der
 "wahre Hohepriester", ermöglicht uns den Eintritt in das "wahre Heiligtum",
 die Gemeinschaft Gottes. Es ist gut zu wissen, daß wir nicht "draußen vor
 der Tür" stehen müssen. Denn der Vater hat uns verlorenen Kindern vergeben
 und will uns zu sich holen durch seinen Sohn Jesus Christus. Das macht
 manches in unserem Leben leichter. Es nimmt uns die Angst vor der Zukunft,
 denn er hat uns verheißen, daß wir in ihm geborgen sein werden. Und es gibt
 uns Mut für unsere Aufgaben in der Gegenwart, denn er will bei uns sein.
 Und s nimmt uns die Scham über vieles, das vergangen ist, denn er hat uns
 vergeben.@{b}

 Jesus Christus, unser Herr, wir danken dir, daß du uns durch deinen
 Opfertod ein Leben in Gottes Nähe möglich gemacht hast. Laß uns das in
 Glaube, Liebe und Hoffnung immer wieder bekennen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Hebräer 10c" "Hebräer 10,26-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Hebräer 10,26-31@{ui}

@{b}                 Gefährliche Gleichgültigkeit@{ub}

 Es gibt Leute, die haben Spaß daran, Dinge in ihrer Umwelt zu zerstören:
 Telefonzellen, Buswartehäuschen, Verkehrsschilder. Es ist ihnen klar, daß
 sie etwas Verbotenes tun und damit die Gesellschaft schädigen. Aber das
 ist ihnen gleichgültig. Eine solche Einstellung ärgert uns, entdecken wir,
 daß wir selbst durch unsere Gleichgültigkeit vieles im Zusammenleben der
 Menschen zerstören. Gestern haben wir gelesen: "...lasset uns aufeinander
 achthaben, uns anzureizen zur Liebe und zu guten Werken..." Ist uns das
 Wohl der anderen denn wichtig? Spornen wir uns gegenseitig zu tätiger
 Nächstenliebe an? Das hieße doch, einander mit gutem Beispiel vorangehen!
 Wir warten doch lieber, bis der andere etwas tut. Uns beschäftigt ja so
 viele Dinge: unsere Familie, der Beruf, das Hobby, der Fernsehapparat.
 Diese Dinge nehmen uns so sehr in Anspruch, daß wir unser Christsein
 darüber manchmal vergessen oder zumindest vernachlässigen. Denn wer es so
 weit kommen läßt, daß er gleichgültig wird gegenüber den Dingen des
 Glaubens und sich loslöst von der Gemeinschaft der Christen und ihren
 Aufgaben, der muß sich darüber im klaren sein, daß er Gottes Vergebung
 aufs Spiel setzt. Wer einmal mit dem auferstandenen Herrn in Berührung
 gekommen ist und dadurch die Wahrhaftigkeit des Glaubens erlebt hat, der
 weiß, daß er vor diesem Herrn sein Leben zu verantworten hat. Im Gericht
 Gottes wird die Entscheidung fallen, und derjenige, der sich wissentlich
 und willentlich von ihm abgewendet hat, muß wissen, was das für ihn
 bedeutet.@{b]

 Herr, unser Gott, schenke uns durch deinen Geist die Beharrlichkeit, in
 unserem Leben bei deinem Wort zu bleiben. Laß uns nicht gleichgültig
 werden dir gegenüber, wenn uns so viele andere Dinge beschäftigen. Schenk
 uns aufs neue deine Vergebung. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 10d" "Hebräer 10,32-39"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 10,32-39@{ui}

@{b}                   Werft eurer Vertrauen nicht weg!

 An einem Bibelgesprächsabend wurden die Teilnehmer aufgefordert, einen
 Dankbrief an die eigene Gemeinde zu schreiben. Große Ratlosigkeit machte
 sich breit. "Wir haben nur Probleme, in unserer Gemeine gibt es nichts,
 wofür man Gott danken könnte", meinten einige. Aber dann wurden doch noch
 lange Briefe geschrieben. Nach einigem Nachdenken gab es plötzlich viele
 Dinge, für die zu danken wäre: Für die Gemeinschaft in den verschiedenen
 Gruppen; dafür, daß eine Entscheidungssituation miteinander durchgestanden
 wurde, für die Möglichkeit, sich in schönen Kirchen- und Gemeinderäumen zu
 treffen; für das Fragen junger Leute nach Gott, das immer mehr zunimmt,
 und vieles andere. Natürlich gab es auch manches zu beklagen, aber am Ende
 waren alle froh, aß es doch so viel zu danken gab. Wo wäre auch sonst
 unser Vertrauen auf die Macht Gottes? Wo wäre der Glaube, daß der Herr
 seine Gemeinde nicht im Stich läßt? Auch dort, wo sie nur noch zu zweit
 oder zu dritt versammelt ist, will er ja bei ihr sein. Auch dort, wo
 Kirchen zusammenfallen, weil kein Geld für die Erhaltung da ist, können
 wir auf ihn rechnen und ihm vertrauen. Das hört sich vielleicht
 widersinnig an. Aber  war nicht auch das Leben Jesu in Liebe und Hingabe
 und als Folge sein Tod am Kreuz zwischen Verbrechern in ganz anderem Maße
 widersinnig? Doch gerade er hat uns gezeigt, was Vertrauen heißt, als er,
 ganz dem Willen des Vaters ergeben, seinen Weg ging, konsequent bis zum
 Ende. Vertrauen kann nicht erzeugt werden, nur geschenkt. Gott hat uns
 sein Vertrauen geschenkt, wir dürfen ihm nun vertrauen.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus, es ist gut, daß wir vertrauen dürfen, und daß
 du immer für uns da sein willst. Vergib uns, wenn uns die Geduld und unser
 Mut verlassen und wenn wir zweifeln. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 11a" "Hebräer 11,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 11,1-7@{ui}

@{b}                       Was ist Glaube?@{ub}

 Die zwei Bibelübersetzungen nach Martin Luther und "Die gute Nachricht"
 geben das gleiche Wort einmal mit "Glaube", das andere Mal mit "Vertrauen"
 wieder. Eine Vergleichung wird uns tiefer in das Verständnis dieser
 Bibelstelle eindringen lassen. Wenn auch diese beiden Worte etwa das
 gleiche aussagen, so benutzen wir doch in er Alltagssprache das Wort
 "Glaube" meist, wenn wir von unserem christlichen Bekenntnis sprechen,
 während wir "Vertrauen" mehr bei der Beschreibung von Beziehungen zwischen
 Menschen verwenden. Blicken wir zuerst auf das Wort "Vertrauen". Ohne
 Vertrauen kann eine menschliche Gemeinschaft nicht bestehen. Wir alle
 wissen, daß wir zu einem Menschen mehr Vertrauen haben als zu einem
 anderen. Wir wissen, daß Vertrauen auch enttäuscht werden kann, aber es
 kann nicht befohlen werden. Es ist nicht von uns abhängig, sondern wird
 uns gegeben. Haben wir aber Vertrauen, dann wird unsere ganze
 Persönlichkeit, unser ganzes Verhalten davon bestimmt. Vertrauen können
 wir nicht zählen, messen und beweisen, nicht sehen oder anfassen, aber
 trotzdem gründen sich darauf Lebensgemeinschaften, angefangen bei Ehe und
 Familie bis hin zu Nationen.
 Mit den gleichen Worten, mit denen wir von Glauben und Vertrauen zu
 Menschen sprechen, können wir vom Glauben und Vertrauen zu Gott sprechen.
 Der Glaube an Gott kommt nicht aus uns. Die Gewißheit unseres Glaubens
 wird uns von Gott gegeben. Wir reagieren also eigentlich auf Gott, wenn
 wir an ihn glauben. Ebenso reagieren wir auf einen Menschen, wenn wir ihm
 vertrauen. Unser Glaube ist die Antwort auf die Verheißung und die Zusage
 Gottes.@{b}

 Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, da der Glaube nicht aus uns selber
 kommen kann, bitten wir dich, schenke du uns Glaube und Vertrauen, damit
 wir uns an deine Zusage halten. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 11b" "Hebräer 11,8-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Hebräer 11,8-10@{ui}

@{b}             Glaube und Gehorsam gehören zusammen@{ub}

 Man kann nicht glauben, ohne Gott gehorsam zu sein; man wird ihm kaum
 gehorsam sein, ohne zu glauben. Abraham wird uns hier als einer von vielen
 vor Augen gestellt, von denen es heißt: "Durch diesen Glauben haben die
 Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen." Der Hebräerbrief sagt uns mehr von
 dieser Art des Glaubens: "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf
 das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht."
 Was man nicht sieht, das muß nicht erst die ewige Herrlichkeit Gottes
 sein. Auch das, was in unserem Leben erst kommt, gehört dazu. Was Gott von
 Abraham erwartet, war viel, "als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen,
 das er erben sollte". Er wußte nicht, wohin er kommen würde. "Und er zog
 aus." Er tat es ohne Wenn und Aber, ohne die natürliche Frage: Wo soll es
 hingehen? Von der neuen Heimat wird ihm nichts gesagt. Nichts bleibt beim
 alten, bei seinen Bindungen und Verpflichtungen. Aufbrüche zu neuen Ufern
 führt auch uns Gott manchmal in unserer beruflichen Laufbahn, auf dem
 Ausbildungsweg unserer Kinder. Nehmen wir es im Glauben an, aß Gott am
 Werk ist und uns führt? Er führt uns auch, wohin wir nicht wollen. Glaube
 ist Einsicht in eine Zukunft, die in ihren Einzelheiten verborgen, in
 ihren großen Linien aber schon angedeutet ist und bereits begonnen hat. Er
 ist die Gewißheit, daß Gott uns seinem Reich zuführt, zu dem Christus die
 Tür geöffnet hat. So wird das Leben erträglicher und fröhlicher. Wir gehen
 ja einer guten Zukunft entgegen. Das stimmt auch dann noch, wenn wir
 meinen, vor verschlossenen Türen zu stehen. Wenn wir nicht den
 Ausbildungsweg für unsere Kinder erreichen, den sie sich erhofft haben,
 ist s schwer, das zu glauben. Wenn wir Pläne, die wir für lebensnotwendig
 erachten, nicht verwirklichen können, merken wir erst, was es heißt:
 Abraham war ein Fremdling im verheißenen Land und ertrug das im Glauben.
 Wenn Hindernisse eintreten, die wir nicht einkalkuliert haben, willen wir
 vielleicht am liebsten durch die verschlossene Tür und bemerken nicht, daß
 Gott andere Türen bereits geöffnet hat, durch die wir gehen können. Er hat
 Gedanken des Friedens und nicht des Leides über uns. Das zu glauben und
 ihm dann zu gehorchen läßt uns gelassener die Dinge des Alltags
 bewältigen.@{b}

 Himmlischer Vater, du meinst es gut mit uns, auch wenn du uns Wege führst,
 die wir eigentlich nicht gehen wollen. Laß uns dies glauben und dir
 gehorsam sein. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 11c" "Hebräer 11,8-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 11,8-22@{ui}

@{b}                     Vater des Glaubens@{ub}

 Haben wir gestern gelesen, daß der Glaube die Antwort auf die Zusage
 Gottes ist, werden uns nun praktische Beispiele dafür gegeben. Von den
 vielen Personen, die aufgezählt werden, wollen wir besonders auf einen
 blicken, der häufig "Vater des Glaubens" genannt wird; Abraham. In der
 Bibel finden wir im ersten Buch Mose zum ersten Mal das Wort "Glaube", als
 die Haltung von Abraham beschrieben wird. "Er glaubt dem Herrn." Abraham
 geht auf die Verheißung Gottes hin aus seiner Heimat, ohne das Ziel seiner
 Wanderung zu kennen. Glaube ist für ihn zunächst Gehorsam. Er wohnt im
 Land der Verheißung wie ein Fremder und wartet auf den Platz, den Gott ihm
 zuweisen wird. Der Glaube macht ihn zum Wanderer, immer angewiesen auf
 Gottes Führung und immer bereit dieser Führung zu folgen.Als nach
 menschlichem Ermessen keine Nachkommenschaft mehr zu erwarten ist,
 vertraut Abraham Gottes Zusage. Sein Glaube bindet sich allein an Gott. In
 der Stunde der Versuchung, als das Opfer seines einzigen Sohnes gefordert
 wird, ist Abraham zu diesem letzten Opfer bereit. Er weiß, daß Gott Sieger
 über den Tod ist. Der Glaube klammert sich an Gottes Verheißung. Glaube
 kommt aus dem Hören.
 Zwischen Abraham und allen anderen hier genannten Personen besteht nicht
 allein deshalb ein Zusammenhang, weil sie Gestalten aus dem Alten
 Testament sind, sondern vor allem, weil ihnen in Gottes Heilsgeschichte
 ein besonderer Platz zugewiesen worden ist. Sie alle sind Menschen, auf
 denen in besonderer Weise Gottes Segen ruht und die diesen Segen
 weitergeben. Von diesem Segen leben wir. Wenn die Bibel von der großen
 Nachkommenschaft Abrahams spricht, gehört die christliche Gemeine dazu.
@{b}
 Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, wir danken dir für alle Menschen,
 die uns von ihrem Glauben weitergegeben haben. Wir wollen diese Kette
 nicht abreißen lassen. Schenke uns die rechten Worte und Taten. Amen.@{ub}




@ENDNODE
@NODE "Hebräer 12a" "Hebräer 12,1-3"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 12,1-3@{ui}

@{b}                   Eine Wolke von Zeugen@{ub}

 Die Worte sind aufgeschrieben, damit die Leser nicht matt werden und den
 Mut nicht sinken lassen. Das könnte geradezu für uns gesagt sein. Wir
 haben es nötig. Es scheint so vieles vergeblich zu sein, was wir als
 Christen tun. Wir bemühen uns um mehr Gerechtigkeit und um Frieden im
 großen wie im kleinen. Wir sorgen uns um Bewahrung der Schöpfung. Doch
 unsere Möglichkeiten sind gering. Aufs Ganze gesehen geht alles so weiter
 wie eh und je. Dabei wissen wir: Es darf nicht so weitergehen, wenn unsere
 Kinder und Enkel eine Zukunft haben sollen auf dieser Erde. Was hilft uns
 da die Erinnerung an die Wolke von Zeugen, die den Glauben festgehalten
 und durchgetragen haben, teils auf erfolgreichen Wegen, teils aber auch
 auf scheiternd bis hin zum Tod? Es ist Gewißheit, daß wir nicht allein
 stehen. Die Zeugen sind nicht vergeblich. Die Wolke erinnert an Gottes
 Geleit beim Zug durch die Wüste. In der Wolke von Zeugen, wie sie uns in
 der Kirche aller Zeiten begegnet, ahnen wir die Anwesenheit Gottes bei
 seiner Gemeine. Wer beim Zug durch die Wüste nicht bei der Karawane
 bleibt, geht verloren. Ich kann nicht Christ ein ohne die Christen vor,
 nach und neben mir. Gerade wir evangelischen Christen haben es nötig, uns
 diese biblische Aussage ins Gedächtnis zu rufen. Glaube kann nur in der
 Gemeinde wachsen und bewahrt werden. Ohne Anstrengungen geht s nicht ab.
 Der Vergleich mit einem sportlichen Wettkampf schärft das ein. Wie der
 Läufer nicht mit Mantel und Gepäck antritt, so laßt auch uns ablegen, was
 uns beschwert: Bequemlichkeiten, die unseren Lauf behindern,
 Überlieferungen, die in anderer Lage hilfreich waren, inzwischen aber zur
 Last geworden sind. Das wird nur möglich sein, wenn wir unseren Blick auf
 Jesus richten. Er ist den Gehorsamsweg ans Kreuz gegangen. Ihm ist zum
 Leid auch noch Spott zuteil geworden. Er offenbart die selbstgewählte
 Ohnmacht Gottes, der keine anderen Mittel einsetzen will als die Liebe.
 Sein Leben endet scheinbar erfolglos, und doch wird er als der
 Auferstandene zum Herrn aller Herren. Schaut auf ihn, wenn ihr ermüdet! Er
 ist Halt im Ungewissen, Licht im Dunkel. Er ist Orientierungspunkt für die
 Christen aller Zeiten. Seine Lebendigkeit zeigt sich darin, daß er jede
 Generation neu anspricht.@{b}

 Wir danken dir, Herr, daß du es zu allen Zeiten Menschen gegeben hat, die
 den Glauben weitergegeben haben bis zu uns. Überwinde unsere Müdigkeit,
 damit wir mit den Christen vor, neben und nach uns deiner Verheißung
 teilhaftig werden. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 12b" "Hebräer 12,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 12,1-11@{ui}

@{b}                     Gott erzieht uns@{ub}

 Wie an manchen Stellen der Bibel hilft uns das Bild des Sportkämpfers, uns
 einen Sachverhalt zu verdeutlichen. Ein Sportler stellt Leib und Geist in
 den Dienst seines Erfolgs. Kleinigkeiten können ihm den Sieg verderben!
 Sei es, daß wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen oder zu sehr auf
 anderes schauen, um Christus noch im Auge zu haben und im Glauben so zu
 werden, wie wir sein sollen. Damit das aber nicht passiert, werden wir
 aufgefordert "Laßt uns aufsehen auf Christus, den Anfänger und Vollender
 des Glaubens. Er erduldet das Kreuz."
 Wir lesen in er Bibel, daß Nachfolge oft mit Leiden verbunden ist. Viele
 Generationen vor uns haben diese Erfahrung machen müssen und sind darin
 standhaft geblieben. Das Leiden gehört zum Werden der Gotteskinder dazu
 wie das Strafen zur Erziehung. Wenn Eltern ihrem Kinde alles Harte
 ersparen wollen, werden sie sich einen Weichling erziehen. Oder wenn sie 
 ihrem Kind den Schmerz einer Bestrafung nicht mehr zufügen, könnte das der
 Beweis dafür sein, daß ihnen das Kind gleichgültig geworden ist. Dieses
 Bild ist auf unser Verhältnis zu Gott leicht zu übertragen. Bei ihm ist
 das Leiden sicher nicht als Strafe zu verstehen, aber als Zeichen seiner
 Aufmerksamkeit und als Zeichen dafür, daß wir uns noch in er Nachfolge
 Jesu befinden. Freilich können wir nicht immer sofort die Liebe Gottes
 darin erkennen. Doch wir sollten uns seiner Züchtigung beugen und uns in
 ihr üben.@{b}

 Wir danken dir, Gott, daß die harten Stunden unseres Lebens Zeichen deiner
 Zuwendung sind. Laß uns diesen Anruf recht verstehen, damit wir nicht
 trotzig und enttäuscht von dem Weg zu dir abweichen. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 12c" "Hebräer 12,12-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 12,12-17@{ui}

@{b}                   Gottes Gnade im Blick behalten@{ub}

 Vom Müdewerden und Erlahmen, vom Fallen und Straucheln spricht unser Text.
 Das sind Versuchungen und Gefahren, denen wir im Leben begegnen. Wenn wir
 einen langen Weg hinter uns haben und noch immer kein Ziel sehen, da
 geschieht es leicht, daß wir resignieren. Aber nicht nur wir selbst haben
 den Lauf dann aufgegeben, sondern wir werden auch zu einem Hindernis für
 andere. Wir haben vergessen, daß wir Herausgerufene sind, die das Wort
 Gottes, nämlich das Wort des Lebens und der Hoffnung, weitersagen sollen,
 denn wir schulden es dem Menschen rechts und links neben uns, nicht als
 Predigt, sondern als Zeugnis der Tat und der Gesinnung. Andere sollten
 sich an uns aufrichten können, sie sollten spüren können, aus welcher
 Quelle wir unsere Lebenskraft und unseren Frieden schöpfen. Wie wir mit
 anderen Menschen umgehen, wie wir ihnen mit Versöhnungsbereitschaft
 begegnen, sie ermutigen, wie wir ihre Lebenslast mitzutragen bereit sind,
 daran zeigt sich, ob wir selbst Gottes Zusagen glauben. Es können nicht
 "bittere Wurzeln wachsen", wenn uns bewußt bleibt, daß wir aus der Gnade
 Gottes leben. Jeder unserer Augenblicke ist nicht für uns allein und auch
 nicht nur für den flüchtigen Augenblick gelebt, sondern es geht in dem
 allen um ein ewiges Erbe, das man vergeuden kann. Esau ist das biblische
 Muster derer, die zu spät kommen, die das für sie bestimmte Erbe nicht
 erhalten, weil sie nicht mehr Gelegenheit zur Umkehr fanden. Wir haben die
 Möglichkeit zur Umkehr nicht immer zur Verfügung. Jetzt ruft Gott noch.
 Dieser freundlichen Einladung sollten wir folgen.@{b}

 Gott, du hast uns deine Gnade noch nicht entzogen. Dafür danken wir dir.
 Gib uns Mut und Gehorsam, die Zeit zu nutzen, die wir haben. Laß uns
 Vorbild sein, daß andere nicht etwa unsertwegen deine Gnade versäumen.
 Amen.
                   Aufgeschoben ist nicht aufgehoben@{ub}    Gedicht
                  Immer, seit diese Erde besteht,
                  denkt man, daß das Gute nicht heute
                  und morgen getan werden muß,
                  daß die Liebe bestimmt nie zu spät kommt
                  und Buße auch möglich ist von hinterher.
                  Und immer haben die Menschen es lernen müssen -
                  in Schuld, Schmerzen, Trauer und Verzweiflung -,
                  daß vieles sehr schnell zu spät ist
                  und nie mehr einzuholen
                  oder wiedergutzumachen,
                  daß wir heute hätten erledigen sollen
                  und nicht aufschieben bis morgen -
                  und damit für immer.
                  @{i}   Hannelore Frank@{ui}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 12d" "Hebräer 12,12-25a"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 12,12-25a@{ui}

@{b}                     Wie wir Jesus sehen@{ub}

 Die Wege, die wir im Glauben zu gehen haben, sind nicht immer von gleicher
 Art. Manchmal fallen sie uns leicht. Dann sind wir froh und
 zuversichtlich. Aber oft fällt es uns schwer, voranzukommen. Wir werden
 müde und schläfrig. Dann ist es gut, nicht aufzugeben, sondern weiter
 Schritte nach vorn zu tun, auch wenn der Weg dunkel zu sein scheint. Wach
 sein ist dann alles. Das trifft nicht nur für den Glauben an Gott zu,
 sondern auch für die Liebe zu den Menschen. Mißmut gegenüber Gott schlägt
 leicht in Mißmut und unfriedliches Verhalten gegenüber den Mitmenschen um.
 Wie hüten wir uns davor und bewahren den Frieden im Umgang mit den
 Mitmenschen? Ja, es lohnt sich, ihm nachzujagen. Und das heißt doch, mit
 viel Mühe und Eifer den Frieden herzustellen. Keiner soll dabei
 ausgelassen werden. Jedem soll unsere Bemühung im Frieden gelten; auch
 dem, bei dem es uns schwerfällt. Jesus hat es so gehalten. Und wenn wir es
 machen wie er, werden wir ihn sehen und unter den Menschen entdecken, mit
 denen wir friedlich zusammenleben. So hängen der klare Weg des Glaubens
 und der gerade Weg des Friedens mit dem Weg unter der Gnade Gottes
 zusammen. Da können wir Jesus sehen, der bei uns ist und uns auch auf
 dunklen Wegen nicht allein läßt. So gilt es, nicht vom Weg des Glaubens
 und des Friedens abzuweichen. Dabei besteht die Gefahr, daß man nicht mehr
 zu Gott zurückfindet. Ganz ernst wird in unserem Abschnitt gesagt, daß es
 ein Zuspät gibt. Man denke nur an Esau, der sein Erstgeburtsrecht für ein
 Linsengericht verkaufte. Da war nichts mehr rückgängig zu machen. Christen
 sollen darum nie vergessen, daß sie mit Gott versöhnt sind durch das Blut
 seines Sohnes. Sie sind damit Glieder der Gemeinde Jesu geworden, der so
 zwischen Gott und ihnen vermittelt hat, der so zwischen Gott und ihnen
 vermittelt hat, daß Gottes Gnade und Vergebung alles in Ordnung gebracht
 hat, was nicht in Ordnung war. Wie sollten die Christen um der großen
 Mittlerschaft Jesu willen nicht bereit sein, mit ihm den Weg des Glaubens
 und des Friedens zu gehen, nicht nur in guten, sondern auch in schweren
 Tagen? Wir wollen uns unerschrocken mit ihm auf den Weg machen. Wir
 gehören ja zu der Gemeinde der Erstgeborenen, deren Namen im Himmel
 angeschrieben sind.@{b}

 Herr Jesus Christus, laß mich glauben und nicht müde werden. Mache mich
 zum Werkzeug deines Friedens auch da, wo es mir schwerfällt. Du machst den
 Weg hell, auf dem wir dir entgegengehen. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 12e" "Hebräer 12,18-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 12,18-24@{ui}

@{b}                       Auf dem Wege zu Gott@{ub}

 Was sollen wir mit den zwei Bergen Sinai und Zion anfangen? Dazu die
 dunkle, unübersichtliche Sprache! - Was hier gegenübergestellt wird, das
 ist die Offenbarung des göttlichen Gesetzes und die Offenbarung der
 göttlichen Gnade. Gesetz und Gnade stehen sich gegenüber als der Alte und
 der Neue Bund.
 Unser Brief ist an Christen gerichtet, die aus der Anbetung der Gnade
 wieder rückfällig werden wollen in die Aufrichtung des Gesetzes. Gibt es
 das auch, möchten wir fragen? Nun, die gleiche Versuchung steht immer neu
 auch vor uns: Rückfall aus er Vergebungsgewißheit in den Vergeltungsdrang.
 Wenn wir Unrecht leiden, denken wir auf einmal sehr alttestamentlich:
 "Auge um Auge, Zahn um Zahn!" Darum fühlen wir uns sozusagen immer wieder
 angezogen von dem Berge Sinai, das heißt von jener strengen
 Gottesoffenbarung, die einen gerechten Ausgleich zu garantieren da ist.
 Allerdings legen wir solchen strengen Maßstab nur dem anderen gegenüber
 an, uns selber gegenüber aber wohl sehr selten! - Gott aber lädt uns ein
 zu dem Berge Zion. So dürfen wir um Christi willen zu dem gnädigen Stifter
 der Vergebung kommen. Denn von Golgatha aus ruft auch ein Blut zu Gott,
 aber es ruft nicht mehr um Rache, sondern um Vergebung. Darum sagt der
 Brief, daß Jesu Blut besser rede als Abels Blut. Wo Liebe stärker wird als
 der Haß, da wird alles gut. Da herrscht nicht Angst, sondern Freude. Da
 heißt es nicht "richten", sondern "retten", nicht "vergelten", sondern
 "vergeben". Dort ist Heimatrecht für den Glaubenden. Gott gibt uns in
 Christus unendlich viel mehr, als die Welt uns je nehmen kann.@{b}

 Barmherziger Gott, laß uns endlich begreifen, daß du so menschlich, so
 gnädig, so tröstlich zu uns sprichst und uns den Weg zu dir geebnet hast.
 Stelle uns und alle auf den Weg des Heils. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 12f" "Hebräer 12,25-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 12,25-29@{ui}

@{b}                        Gottes Reich kommt@{ub}

 Noch einmal ist von den Bergen Sinai und Zion die Rede und von den
 Bevollmächtigten Gottes, die besonders damit verbunden waren. Am Berg
 Sinai hat Gott durch Mose mit seinem Volk geredet. Aber die Israeliten
 haben seinerzeit nicht hingehört. Das war damals ihr Verhängnis. Sie haben
 das verheißene Land nicht erreicht. Erst viel später sind ihre Kinder und
 Enkel dort angekommen. Der Schreiber unseres Briefes warnt uns: Wenn wir
 es so machen und Jesus ablehnen, den Gott seit dem Neuen Bund zu uns reden
 läßt, dann wird es uns noch viel schlimmer ergehen als er
 Wüstengeneration. Denn unser Verlust wird nicht nur eine irdische Heimat
 sein, sondern die Heimat bei Gott. Wenn Gott noch einmal Himmel und Erde
 bewegt, wird das unstete, unzuverlässige, unruhige irdische Reich aufhören
 und das unveränderliche, bleibende Reich Gottes wird da sein. Darauf gehen
 wir zu. Das ist unser Ziel. Deshalb sollen wir auch mit wachen Augen unsere
 Verantwortung erkennen. Jesus redet zu uns ja nicht nur, damit wir wie mit
 Scheuklappen auf das Ziel zusteuern, sondern er will uns ermuntern, an der
 Veränderung mitzuhelfen. Schon jetzt können wir ein klein wenig von dem in
 unserer Umwelt verbreiten, woran wir später keinen Mangel haben sollte:
 Ruhe, Geborgenheit, Frieden, Liebe...
 Wir können wohl froh und dankbar sein, daß wir diese Verheißung haben.
 Aber was wäre eine Dankbarkeit, die nicht danach drängt, andere an dem
 Guten teilhaben zu lassen? Wir wollen Gottes Mitarbeiter sein, in aller
 Ehrfurcht vor ihm.@{b}

 Lieber Vater im Himmel, laß uns hören, wenn du mit uns redest, und laß uns
 die Zeichen erkennen, die dein kommendes Reich ankündigen. Hilf uns, daß
 aus unserer Dankbarkeit ein gehorsames Tun wird. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 13a" "Hebräer 13,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 13,1-14@{ui}

@{b}                      Die Mitte ist Christus@{ub}

 Wenn wir eine längere Stange tragen wollen, suchen wir nach dem
 Schwerpunkt. Ein Auto oder ein Fahrrad werden nur dann sicher
 funktionieren, wenn die Nabe der Räder genau in der Mitte ist. Sonst ist
 jedes Fahren völlig unmöglich. Wenn wir ein Bild aufhängen, suchen wir
 sorgfältig die richtige Stelle für die Öse. Sonst hängt es schief. Auch das
 Bild unseres Lebens wird immer schief hängen, wenn ihm die Mitte fehlt.
 Jeder Mensch braucht einen unveränderlichen Mittelpunkt. Der ist für uns
 Christus! Gestern und heute ist er derselbe, auch in Ewigkeit. Wo er die
 Mitte unseres Lebens ist, ist alles im Lot, ausgewogen und geordnet. Dann
 empfinden wir die vielen Mahnungen nicht als Zurechtweisung. Was sie
 ansprechen, wird uns zu einer Selbstverständlichkeit, zu einem Bedürfnis.
 Unser Herz wird sich nicht so verhärten können, so daß es unempfindlich
 wäre gegenüber anderen Menschen und an ihrer Not vorbeisähe. Nein, Gott
 wird uns das feste Herz schenken, das die Not der anderen in seine Liebe
 hineinnimmt, weil es selbst von der Kraft und Gnade Gottes erfüllt ist und
 von seiner Liebe gehalten wird. Mit diesem festen Herzen kann auch den an
 den Rand der menschlichen Gemeinschaft Gedrängten, den Gebundenen - ob
 durch Sucht gebunden oder gefangen - geholfen werden. Mit diesem festen
 Herzen können wir uns leichter an dem genügen lassen, was da ist, und
 darüber hinaus opferbereiter werden für Menschen, wie sie als
 Verhungernde, Verfolgte, Gefolterte in Teilen der Erde unsere Geschwister
 sind. Mit ihnen allen sind wir auf dem Wege in die "zukünftige Stadt".
@{b}
 Gott, wir bitten dich um das feste Herz, das Anfechtungen standhält und
 sich stets an der Mitte -an Christus- orientiert. Erhalte uns diese
 Verbindung zu unserer Lebensquelle, die uns und alle in deine Zukunft
 zieht. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 13b" "Hebräer 13,8.9a"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 13,8.9a@{ui}

@{b}                     Jesus Christus bleibt@{ub}

 Da kommt ohne unser Zutun ein neues Jahr auf uns zu. Und wir sind in
 manchem noch nicht fertiggeworden mit dem alten. Mit dem, was uns gelang,
 wie mit dem, was wir verdorben haben, hält es unsere Erinnerungen noch
 fest. Liegt (1990) vor uns wie eine festlich gedeckte Tafel, die,
 unberührt bisher, einladend auf ihre Gäste wartet? Oder sehen wir eher
 eine Einöde vor uns, in er kein Weg Gutes verspricht und dennoch gegangen
 werden muß? Es gibt wohl wenige Tage im Jahr, an denen unser Urteil so
 stark unseren Empfindungen unterworfen ist wie an diesem letzten Tag im
 alten Jahr. Da erleben wir es als befreiend, durch das Wort der Bibel
 einen Abstand von uns selbst zu bekommen und nicht allein auf Empfindungen
 hören zu müssen. Manches wird uns klarer. Wir hören, was uns bleiben wird.
 Wir wissen, daß wir uns das nicht selbst zusprechen können: "Jesus
 Christus bleibt"; und er bleibt so bei uns, daß er sich selbst treu
 bleibt. In Ewigkeit bleibt er derselbe für uns, wie er schon immer gewesen
 ist. Was ihn betrifft, stehen für uns keine erschreckenden Entdeckungen zu
 befürchten. Wir dürfen uns seiner sicher sein. Er bleibt unser Herr und
 Heiland. Dieses Versprechen können wir vertrauen. Wir hören dadurch auch
 besser, das wir selbst zu tun haben: Wir sollen uns nicht umtreiben lassen
 durch "mancherlei und fremde Lehre". Wir wissen: Es wird auch im kommenden
 Jahr nicht nur Mode zum Anziehen geben, sondern manche Meinungen werden
 Mode sein. Wer will jetzt schon sagen, was da alles zu denken und zu reden
 modern werden wird. Vielen wird diese Mode gefallen. Sich dennoch nicht
 davon umtreiben zu lassen, ist im vollen Sinn des Wortes weise für die,
 die an Jesus Christus glauben. Doch nicht aus eigener Anstrengung allein
 wird solches gelingen, hält uns der Verfasser des Hebräerbriefes vor.
 Geschenkweise, aus Gnade, wird das Herz fest, zu unserem Besten. Auch wenn
 wir noch nicht fertiggeworden sind mit diesem alten Jahr, können wir das
 mit viel weniger Trauer sagen, wenn Jesus Christus bei uns bleibt und
 unser Herz fest macht. Er trägt an unserer Statt, was wir nicht tragen
 können. Diese Zusage nehmen wir mit uns neue Jahr.@{b}

 Herr Jesus Christus! Laß uns bewahren, was dieses Jahr an guten
 Erfahrungen gebracht hat. Was uns aber das Herz schwer macht, die
 vergangenen Fehler und Versäumnisse, was wir jetzt nicht mehr ändern
 können, das bekennen wir dir und bitten dich: Nimm es von uns. Nimm uns
 mit in deine Zukunft. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 13c" "Hebräer 13,12-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 13,12-14@{ui}

@{b}                      Außenseiter Jesus@{ub}

 Der Brief ist an Hebräer geschrieben, an Juden also, die nicht nur das
 Alte Testament kannten, sondern auch mit dem Tempelkult vertraut waren.
 Bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 unserer Zeitrechnung wurden dort
 täglich Tiere geschlachtet und als Opfer dargebracht. Der Hebräerbrief
 deutet das als unvollkommenen Hinweis auf Jesus. Auch sein Blut wurde
 vergossen zur Sühne für fremde Schuld. Vor den Toren der Stadt erleidet er
 den schmachvollen Kreuzestod eines Verbrecher. Wenn das alles zeichenhaft
 vorabgebildet war im jüdischen Opferdienst, dann war das Leiden Jesu weder
 Mißgeschick noch Zufall. Es lag vielmehr in Gottes Plan. Es hat einen
 tiefen Sinn. Und wenn Christen die Sicherheit und Geborgenheit gewohnter
 Anschauungen und Lebensformen aufs Spiel setzen und hinausgehen zu ihm,
 stehen sie in einer langen Reihe von Glaubenszeugen. Allein auf Gottes
 Zusage und Verheißung gestellt, nehmen sie Zumutungen und Entbehrungen auf
 sich. So wird Abraham herausgerufen aus seinem Vaterland und von seiner
 Verwandschaft in ein unbekanntes Land. So führt Mose das Volk aus Ägypten,
 heraus aus der Knechtschaft zwar, aber zugleich weg von den Fleischtöpfen
 auf einen langen, ungewissen Zug durch die Wüste. Ihr Bekenntnis zu Jesus
 Christus hat die Briefempfänger des Schutzes beraubt, auf den sie als
 Juden im Römischen Reich noch hoffen durften. Nun konnten sie sich nicht
 mehr darauf berufen, einer anerkannten und zugelassenen
 Religionsgemeinschaft anzugehören. Durch das Hintreten zu Jesus wurden sie
 rechtlos und waren der Willkür der Behörden preisgegeben. Zu allen Zeiten
 haben Christen, um den Ruf ihres Herrn zu folgen, das sichere Lager
 verlassen, in dem es sich bequem leben läßt, solange man sich anpaßt und
 nicht auffällt. Das schafft Abstand zu Gütern und Werten dieser Welt. Die
 Erfahrung, daß wir auf Erden keine bleibende Stadt haben, läßt uns
 Ausschau halten nach der zukünftigen. Vielleicht ist manches, was wir in
 der Kirche oder im persönlichen Leben zunächst schmerzlich als Verlust
 empfinden, eine Mahnung, Vertrautes und Liebgewonnenes loszulassen. Jesus
 wartet draußen vor dem Tor. Wer sich zu ihm stellt, wird mit ihm zum
 Außenseiter. Doch er steht zugleich in der Gemeinde, die bekennt: Jesus
 Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.@{b}

 Herr, du weißt, wie gern wir uns wohnlich und bequem einrichten in unserer
 Welt, in er es doch keine bleibende Stadt für uns gibt. Wir bitten dich,
 gib uns die Kraft, deinem Ruf zu folgen, auch da, wo es uns schwerfällt.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 13d" "Hebräer 13,15-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Hebräer 13,15-16@{ui}

@{b}                  Es geht durch unsere Hände@{ub}

 "Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land" - das wird heute, am
 Erntedankfest, in vielen Gemeinden gesungen. Doch haben die wenigsten von
 uns einen Finger gerührt, um "Samen auf das Land" zu bringen. Wir kaufen
 und verbrauchen, was nötig ist, oft sogar zuviel. Weil das
 selbstverständlich geworden ist, macht sich kaum einer Gedanken darum. Das
 Erntedankfest möchte uns aber zum besonderen Danken und Loben Gottes
 anregen. Dazu kann die Glaubenserfahrung von Matthias Claudius helfen, der
 über alles Lebensnotwendige sagt: "Es geht durch unsere Hände, kommt aber
 her von Gott."
 Es ist wahr, daß alle und jede Produktion durch unsere Hände geht, nicht
 nur die Produktion in er Landwirtschaft. Es ist aber nicht
 selbstverständlich, daß wir gesunde Hände haben, daß wir Arbeit haben und
 unseren Verstand produktiv einsetzen können, daß wir satt werden durch das
 Ergebnis alles Produzierens. Wir wissen, daß Gott durch unserer Hände
 Arbeit im weitesten Sinne die Welt erhält. Dazu gibt er uns reichlich
 Begabungen. Die beiden Verse gegen Ende des Hebräerbriefes gehen davon
 aus, daß Lob und Dank die uns gemäße Weise sind, Gott ein Opfer zu
 bringen, wie es einst das alttestamentliche Gottesvolk tat. Dieses Loben
 und Danken wird dreifach entfaltet: Bekennen - Gutes tun - Teilen. Wenn
 wir aus der Erfahrung leben: "Es geht durch unsere Hände, kommt aber her
 von Gott", dann werden wir das auch bekennen. Andere werden es merken. Das
 ist dann im Sinne des Alten Testaments wie ein Opfer, das Gott
 wohlgefällt. Unser Tun ist gut oder schlecht, je nachdem es mit Jesu
 Willen übereinstimmt oder nicht. Wir sind an vielem so reich, daß wir ohne
 Mangel zu haben teilen und abgeben können. Was wir in dieser Gesinnung
 weggeben, macht uns vor Gott reicher, getroster und gewisser. Es gefällt
 Gott. Wo aber Gott Wohlgefallen hat, da ist für uns der Weg in die Zukunft
 frei. Wir werden durch unsere Hände Arbeit satt, auch wenn nur die
 wenigsten noch mit den bäuerlichen Arbeiten des Pflügens und des Säens zu
 tun haben. Weil wir heute und sicher auch morgen dazu noch vieles andere
 haben, was uns erfreut, was wir aber nicht geschaffen haben, dürfen wir
 dankbar sagen: "Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott."@{b}

 Laß uns, Herr, heute mit einstimmen in das Danken deiner Gemeinde. Mach
 uns gewiß, daß du unsere Hände füllst, die vieles leisten müssen. Laß uns
 froh werden, daß wir so reich sind, daß wir Empfangenes weitergeben können.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 13e" "Hebräer 13,15-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Hebräer 13,15-25@{ui}

@{b}                    ...zu tun seinen Willen@{ub}

 In den Versen 20 und 21 wird dieser ganze Abschnitt, ja fast der gesamte
 Hebräerbrief zusammengefaßt und sein Anliegen als Wunsch oder Bitte
 ausgedrückt: "Der Gott des Friedens ... mache euch tüchtig in allem
 Guten..." Dazu gehört ganz gewiß, mit anderen zu teilen, was wir haben.
 Wohltun können wir dem anderen auch, indem wir ihm unsere Zeit, unser Ohr,
 unsere Anteilnahme "mitteilen", also in der brüderlichen Liebe nicht
 nachlassen. Das schließt nicht zuletzt das Gebet füreinander ein. Hier tun
 wir noch viel zu wenig. Dabei können wir gerade im Gebet die gegenseitige
 Verantwortung wahrnehmen, die wir als Christen untereinander und an den
 anderen haben. Denn im Gebet sprechen wir mit dem "Gott des Friedens",
 also mit Gott, der mit uns Frieden geschlossen hat, der Schuld, Versagen
 ausgelöscht hat durch das "Blut des ewigen Bundes". An dem Sterben Jesu und
 an seiner Auferweckung hat uns Gott gezeigt, wie gut er es mit uns meint.
 Ohne Jesus glichen wir einer auseinandergesprengten Herde, in die der Wolf
 eingebrochen ist und die in ihrer Angst hierhin und dorthin
 auseinanderläuft. Nun aber sind wir durch den Auferstandenen
 zusammengerufen zu der Schar derer, von denen Gott etwas erwartet, denen
 er eine Aufgabe gibt, die wir in Gehorsam erfüllen sollen: "... zu tun
 seinen Willen". Gott ist nicht nur für uns der Gott des Friedens geworden,
 sondern für alle. Das verpflichtet uns in unserem gegenseitigen Verhältnis
 und gibt uns Grund, allezeit ein Lobopfer zu bringen.@{b}

 Du Gott des Friedens, wir danken dir, daß du uns unseren Weg immer wieder
 vorzeichnest. Laß uns das tun, was vor dir richtig ist. Unserem Gebet gib
 Kraft und Ausdauer. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Hebräer 13f" "Hebräer 13,20.21"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Hebräer 13,20.21@{ui}

@{b}               Der Gott des Friedens mache euch tüchtig!@{ub}

 Unser Text ist der Abschluß einer Reihe von Ermahnungen: "Bleibet fest in
 der brüderlichen Liebe." "Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei
 allen." Hängt nicht am Geld, und seid zufrieden mit dem, was ihr habt."
 "Denkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben." "Wohlzutun
 und mitzuteilen vergesset nicht."
 Wer als Gemeindeglied das alles gesagt bekommt und es ernst nimmt, kann
 leicht den Eindruck gewinnen, ihm werde hier im Namen Gottes eine
 ungewöhnliche moralische Anstrengung abverlangt, die ihn überfordert.
 Dieser Eindruck muß beseitigt werden, denn auch Gottes Anspruch an uns,
 sein Gebot, ist Evangelium und nicht hartes Gesetz. So schließt der
 Verfasser des Hebräerbriefes seine Ermahnungen mit einem Gebetswunsch, der
 zugleich Fürbitte ist. Darin wünscht er denen, die er ermahnt, daß Gott
 sie tüchtig zu allem Guten machen wolle. Er selber möge in uns allen
 schaffen, was ihm gefällt. Damit ist also gesagt, daß nicht wir Christen
 durch unseren Willen und unserer Leitung das Gebot Gottes erfüllen und
 also Gutes tun müssen. Wenn wir in der Liebe leben und auch unsere
 Mitmenschen davon etwas merken, dann ist das allein Gottes Werk an uns und
 durch uns. So gehört denn ja auch das Lob für unsere Taten nicht uns,
 sondern dem, der sie gewirkt hat. "So laßt euer Licht leuchten vor den
 Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen"
 (Matth.5,16). Der Gott aber, der in uns das Vollbringen gibt, ist er "Gott
 des Friedens", der Jesus von den Toten auferweckt hat. Er ist der Gott,
 der in Tod und Auferstehung Jesu uns mit sich und unseren Mitmenschen
 versöhnt hat. Das gute Werk, das er in Jesus an uns und durch uns tut, ist
 darum ein Friedenswerk, und unser Dienst, den wir im Namen dieses Gottes
 und in unsere Kraft zu tun haben, wird darum immer ein Friedensdienst
 sein, in Ehe, Familie, Gesellschaft und Volk. Allein und auf uns selbst
 gestellt könnten wir die großen Friedensaufgaben wirklich nicht erfüllen.
 Eingegliedert in die Herde des einen großen und guten Hirten, aufgenommen
 in den ewigen Friedensbund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat,
 bekennen wir: "Daß wir tüchtig sind, das ist von Gott, welcher uns gemacht
 hat zu Dienern des neuen Bundes" (2.Kor.3,5.6).@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir, daß wir durch das Verdienst Jesu Christi
 zu dir und zu deinem weltweiten Volk gehören dürfen. Schaffe durch deinen
 Heiligen Geist täglich in uns den Glauben, der durch die Liebe tätig ist.
 Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Jakobus 1a" "Jakobus 1,12-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Jakobus 1,12-18@{ui}

@{b}                Keine falschen Endschuldigungen@{ub}

 Es gibt heilsame Prüfungen unseres Glaubens. Das sind Situationen, in
 denen wir auf die Probe gestellt werden, aber dabei reifen an Erkenntnis,
 an Standhaftigkeit, an Glauben. Aber es gibt auch tödliche Versuchungen
 für unseren Glauben. Sie führen uns in Krisen unseres Lebens, aus denen
 wir allein nicht mehr herausfinden. Woher kommen diese? Jedenfalls nicht
 von Gott. Das will der Apostel deutlich machen; denn Gott ist gut. Er
 versucht niemanden zum Bösen. Er kann nicht als Alibi für unser Versagen
 herangezogen werden. Die tödlichen Versuchungen kommen aus uns selbst. Es
 sind unsere Begierden, unsere Selbstsucht, unsere Eitelkeit. Sie reden uns
 ein, es wird schon nicht so schlimm sein. Ein kleines Vergehen, ein
 kleines Nachgeben unserer inneren Wünsche kann schon nichts schaden. Aus
 dem kleinen Schritt aber wird ein zweiter und ein dritter. Und dann nimmt
 die Versuchung uns in Schlepptau. Wir sind nicht mehr die Handelnden,
 sondern die Verführten, die sich nicht mehr aus den Fangstricken befreien
 können. Und so geht es tiefer und tiefer. Es ist er Tod eines Lebenden,
 der vom wirklichen Leben, der Gemeinschaft, der Familie, der Gesellschaft,
 der Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen ist. Aber es gibt eine Befreiung.
 Es ist Gottes Wort der Wahrheit. Die aufgeladene Schuld trägt statt
 unserer Christus. Er löst die Fallstricke, in die wir verfangen sind, und
 macht uns frei. Vom Neugeborenwerden ist die Rede. Es gibt Menschen, die
 davon Zeugnis ablegen können. Neugeborene werden den tödlichen
 Versuchungen nicht nachgeben. Ehemalige Akoholabhängige können ein Lied
 davon singen. Aus welchen Gründen auch immer, bei Geselligkeiten oder aus
 persönlichem Verdruß, haben sie zur Flasche gegriffen, bis sie daran
 erkrankten. Sie beherrschten nicht mehr den Alkohol, sondern der Alkohol
 beherrschte sie. Das führte zur Zerstörung des Selbstbewußtseins und der
 Selbstachtung und verschloß die Türen zu manchen familiären oder anderen
 Gemeinschaften.
 Wenn sie die Zusage Jesu erfahren, werden Menschen frei. Jesus hat uns
 lieb, er steht zu uns, er vergibt uns, er schenkt uns neues Leben. Wir
 werden dadurch neugeboren und preisen den rettenden Gott über alle Maßen.
 Wir stellen es uns vor Augen, wenn wir aus tödlichen Versuchungen
 auszusteigen gewillt sind.@{b}

 Herr, wir wollen unsere Schuld meist nicht sehen, sondern entschuldigen..
 Wir machen dir Vorwürfe, daß du uns so geschaffen hast. Rette uns aber
 durch dein Wort und die Kraft, die uns vor dem Verderben rettet und uns
 lebendig macht. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Jakobus 5a" "Jakobus 5,13-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Jakobus 5,13-16@{ui}

@{b}                 Des Gerechten Gebet vermag viel@{ub}

 Für den Schreiber dieses Briefes ist der Gerechte wohl derjenige, der in
 diesem Leben gut und gerecht handelt. Daß es nach den Worten des Apostels
 Paulus einen solchen Gerechten gar nicht geben kann, ist dem Verfasser
 dieses Schreibens nicht bekannt. Er weiß nicht, was Paulus weiß: "Wir sind
 allesamt Sünder." Unser Welt ist also immer eine unvollkommene Welt. Wir
 Menschen müssen mit dieser Unvollkommenheit leben und sie ertragen. In
 diese Lage hinein gibt der Schreiber seine Weisung. Man kann sie so
 wiedergeben: "Betet allezeit!" Man soll also nicht nur in Notzeiten beten.
 Das alte Sprichwort "Not lehrt beten" stimmt nicht. Das Gebet muß auch in
 guten Zeiten seinen Platz haben. Wir hören die Mahnung: Im Glück soll man
 Danklieder singen, in guten Tagen danken. In diesem Schreiben werden aber
 unsere Blicke auch auf die Zeiten des Leidens gerichtet. So heißt es
 gleich am Anfang unseres Abschnitts: "Leidet jemand unter euch, der bete!"
 Und weil das Gebet eins einzelnen vielleicht zu schwach sein kann, wird
 dem Leidenden empfohlen, andere zur Führbitte für ihn zu bitten. Dann
 folgt eine uns kaum noch verständliche Mahnung: Der Kranke soll im Namen
 des Herrn Christus mit Öl gesalbt werden. In den Zeiten, da dieses
 Schreiben entstand, galt das Öl als heilkräftig. Hier geht es also nicht
 um die "Letzte Ölung", die die römische Kirche kennt. Sie gilt dort als
 Sterbesakrament. Hier aber soll das Öl Heilmittel sein. Er soll auch
 Vergebung der Sünden bewirken können. Es ist also noch etwas von der alten
 jüdischen Ansicht erkennbar, daß jedes Leiden Strafe für eine konkrete
 Sünde sein müsse. Daher werden Sündenbekenntnis und Fürbitte
 nebeneinandergestellt. Dabei ist sicherlich nicht an eine "Beichte" im
 späteren Sinne gedacht. Der "Beichtvater" ist hier einfach der christliche
 Mitbruder. Wahrscheinlich ist auch nicht eine Aufzählung einzelner
 sündiger Taten gemeint. Wahrscheinlich geht es um ein allgemeines
 Bekenntnis der Sünde. So haben die Juden alljährlich an ihrem
 Versöhnungstag gebetet. So halten wir es auch heute im allgemeinen
 Sündenbekenntnis. Wesentlich ist hier allein die rettende und bewahrende
 Fürbitte. Sie wollen wir allezeit üben.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Du kannst uns in allen Nöten aufrichten. Laß uns
 dir in guten Tagen danken und im Leid nicht bitter werden. Schenke uns
 geduldige Zuhörer und barmherzige Fürbitter. Amen.@{ub}



@ENDNODE


@NODE "1.Petrus 1a" "1.Petrus 1,1-12"
@{i}                          1.Petrus 1,1-12@{ui}

@{b}                     Gott hält sein Versprechen@{ub}

 Das wird den Christen, die zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer
 wohnen, noch einmal ausdrücklich gesagt. Und sicher sind auch solche
 dabei, die gerade erst zum Glauben gekommen sind und sich nun haben taufen
 lassen. Die Propheten haben nach dieser Seligkeit großes Verlangen gehabt,
 als sie davon gepredigt haben. Und ihr - ihr seid die Glücklichen, die
 Gott damit begnadet hat, das zu erleben! Unser Schriftwort sagt sehr viel
 mehr über diesen Glauben und diese Seligkeit: Gott hat uns wiedergeboren,
 seine Macht bewahrt uns, unser Glaube soll rechtschaffen erfunden werden
 und ist köstlicher als Gold. Aber auch die andere Seite wird nicht
 verschwiegen: Ihr seid jetzt traurig, ihr seid jetzt in Anfechtungen.
 Alles gehört dazu, ihr seid jetzt in Anfechtungen. Alles gehört dazu, wenn
 sich jemand ganz eindeutig dem Herrn Jesus zuwendet. Es sind immer wieder
 Menschen vor dem Bekenntnis zu Jesus zurückgeschreckt, wenn sie merkten,
 daß ihre Entscheidung Konsequenzen hatte. Petrus ging es so, als er den
 Herrn auf dem Wasser sah und zu ihm kommen wollte.
 Auch wir müssen uns fragen, ob wir Entscheidungen ausweichen oder ob wir
 Gottes Macht vertrauen, die uns bewahren wird. Das Gold wird durch das
 Feuer bewährt, obgleich es letztlich vergänglich ist. Und so haben wir
 vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht, daß Gott uns durch Anfechtung
 hindurchgetragen hat. Die Freude ist dann groß. Es lohnt sich, darauf zu
 vertrauen. Ostern erinnert uns in jedem Jahr an Gottes große Rettungstat.
 @{b}
 Lieber himmlischer Vater! Schenke uns die herrliche Freude, daß du uns
 bewahrst zu Seligkeit. Laß uns auch in Traurigkeit die Gewißheit nicht
 verlieren, aß du bei uns bist. Laß uns jeden Tag für deine Hilfe dankbar
 sein. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Petrus 1,1-12@{ui}

@{b} Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die
 Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben.
@{ub} 1.Petrus 1,3 (EÜ)

 Wir leben zum Sterben hin. Das ist eine tägliche Erfahrung, auch wenn sie
 uns in der Schnelligkeit unserer Tage oft nicht bewußt wird. Unsere Kräfte
 werden weniger, Gefahren bedrohen uns, Krankheiten zeigen uns unsere
 Grenzen, Pläne scheitern, alles läuft auf ein Ende hinaus. Und nun dürfen
 wir die Botschaft von der lebendigen Hoffnung hören, die alle Grenzen des
 Todes überlebt. Der auferstandene Herr kehrt alles um: Wir sterben zum
 Leben hin. Er hat den Tod hinter sich - und lebt. Und dieses Leben schenkt
 er allen, die daran glauben. Der Tod ist nicht das letzte Wort, das letzte
 Wort für Christusnachfolger heißt leben. Zwar erleben sie den Niedergang
 des menschlichen Lebens in allen so bekannten Spielarten, aber sie
 erwarten die Verwandlung des Lebens in das "unzerstörbare, makellose und
 unvergängliche Erbe" hinein. In Christus, dem Auferstandenen, begegnet uns
 unsere Zukunft. Was er jetzt schon ist, dürfen wir auch einmal sein, weil
 ihm daran liegt, daß noch ganz viele an der Herrlichkeit seines Leben
 teilnehmen können. Wir wollen keine Zeit mit Spekulationen vertun, wie
 dieses Erbe einmal konkret aussehen wird, wir dürfen eines jetzt schon
 wissen: Es wird die große Alternative zu dem ein, was wir an Kummer,
 Schmerzen, Leid und Not als Tagesordnung erleben, und es wird alles Schöne
 und alles Glück, wofür wir kämpfen und wonach wir uns sehnen, weit in den
 Schatten stellen. Darum wollen wir Gott preisen, er uns ein solch großes
 Geschenk in Christus, seinem Sohn, macht.@{b}

 Vater, wir danken dir, daß du uns zum Leben berufen hast. Danke, daß du
 selbst dafür sorgen wirst, daß aus dieser Hoffnung Erfüllung wird.@{ub}
                                               Ernst-Peter Weldin


@endnode

@NODE "1.Petrus 1b" "1.Petrus 1,13-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Petrus 1,13-16@{ui}

@{b}                   Nüchtern sein und hoffen!@{ub}

 Auf den ersten Blick sieht es fast so aus, als würde sich beides
 ausschließen. Aber die Heilige Schrift gibt unserem Leben einen Rahmen,
 der weit gespannt ist. Wir hoffen auf die Verheißung, aber wir machen uns
 keine Illusionen. Wir haben überschwengliche Freue, aber wir bleiben
 dennoch nüchtern. So erinnert gleich der Anfang unserer Lesung an den
 Aufbruch des Gottesvolkes aus der Knechtschaft: die Lenden umgürtet,
 bereit sein, in eine neue Welt zu gehen. Niemand kann genaue Voraussagen
 machen, nur das ist gewiß: Wir hoffen auf Gottes Gnade. So ging es auch
 den Christen und denen, die es werden wollten, an die dieser Brief
 gerichtet ist. Eurer Gemüt, euer Sinn soll in dieser Aufbruchstimmung
 sein. Ihr sollt bereit sein, das Neuland der Hoffnung und der Gnade zu
 betreten auf dem Wege, der durch Jesus vorgezeichnet ist. Wenn wir die
 Geschichte des Auszuges aus Ägypten betrachten, dann sehen wir, wie die
 Leute oft murren und zurückschauen: "Ach, wären wir bei den Fleischtöpfen
 Ägyptens geblieben." Wer das Wagnis eingeht, sich ganz auf Gottes Gnade zu
 verlassen, wird mehr und mehr merken, daß es kein Zurück gibt. Denn wer von
 Gottes Taten weiß, kann nicht mehr so tun, als ginge ihn das nichts an.
 Darum spricht unser Schriftwort auch von den Folgen: Ihr seid berufen, ihr
 sollt heilig sein in eurem Lebenswandel! Wir können jeden Tag neu den
 Aufbruch wagen, auf Hoffnung zu leben, er ist wahrhaftig auferstanden, er
 ist immer bei uns.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Laß uns auch heute das Wagnis eingehen, uns ganz
 auf deine Gnade zu verlassen. Hilf uns, daß wir auf deinen Beistand
 angewiesen sind. Amen.@{ub}


@{i}                           1.Petrus 1,13-17@{ui}

@{b} Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung
 Jesu Christi geschenkt wird.@{ub}  1.Petrus 1,13 (EÜ)

 Eigentlich sollen Christen anders sein als andere Menschen. Ihre Taten
 sollen von der Liebe und Barmherzigkeit Christi geprägt sein, ihre Worte
 sollten helfen, aufbauen, verbinden und trösten. Eigentlich ... Leider sieht
 die Wirklichkeit der Christen oft anders aus. Wir unterscheiden uns oft
 nicht von Menschen, die keinen Zugang zum Glauben haben, und oft genug
 beschämen uns diese Menschen durch ihre Art zu leben. Nun hilft es nicht,
 darüber Trauerlieder anzustimmen, eine Hilfe kann aber unser Text sein.
 Die lebendige Hoffnung, die uns geschenkt worden ist, möchte in uns Kräfte
 freisetzen, "heilig zu sein". Heilige sind keine vollkommenen Menschen,
 sondern Leute, die es täglich neu lernen möchten, immer offener zu sein
 für die Weisungen Gottes. Sie möchten das leben, was er will. Gott soll
 ein Mitspracherecht über ihre Art zu leben bekommen. Sie fragen Gott: Wie
 möchtest du, daß ich leben soll? Und sie beten: Herr, gib mir die Kraft
 von dir her, das dann Erkannte auch zu tun. Sie haben den Mut, diesen
 Lernprozeß täglich neu anzunehmen, weil sie das große Ziel vor Augen
 haben. Hoffnung setzt Kräfte frei für einen neuen Lebensstil. Aber solche
 Menschen wissen auch das Eine ganz genau: Wo sie ihr Leben Gott
 wohlgefällig gestalten, ist s nicht ihre eigene Leistung, sondern
 Christus, er mit seiner Kraft in ihnen lebt. Und wo sie versagen, dürfen
 sie wissen, daß Christus, der mit seiner Kraft in ihnen lebt. Und wo sie
 versagen, dürfen sie wissen, daß Christus mit seiner Vergebung und Hilfe
 weiter zu ihnen steht. Sie setzen alles auf die Gnade, die ihr Leben
 zurechtbringen wird, und darum hören sie nicht auf, Gott jeden Tag zu
 sagen: Herr, hier bin ich, und ich möchte ganz für dich da sein.@{b}

 Herr, wir möchten dir zur Verfügung stehen, hilf uns durch deinen Geist,
 das Gute zu leben.@{ub}
                                                Ernst-Peter Weldin



@endnode
@NODE "1.Petrus 1c" "1.Petrus 1,(13-17)18-21"
@{i}                      1.Petrus 1,(13-17)18-21@{ui}

@{b}                     Freut euch: Ihr seid Heilige@{ub}

 Für die ersten Christen war die Taufe ein tiefer Einschnitt. Sie bekamen
 ein neues, weißes Gewand für den Tag der Taufe als ein Zeichen dafür, daß
 auch innerlich alles anders wird. An die Stelle des alten Glaubens an die
 eifersüchtigen, hinterlistigen, launischen Götter des Olymp trat der
 Glaube an den zuverlässigen Vater im Himmel. Der entscheidet nicht nach
 Launen, sondern aus er Liebe heraus. An die Stelle des alten
 Schicksalsglaubens: "Wir werden alle einmal im Reich der Todesgöttin als
 Schattengeister vegetieren" trat die neue Hoffnung der Christen: "Er wird
 bei uns wohnen und wird alle Tränen abwischen von seinen Augen." Es war
 und ist schön mit solchen Glauben, mit solcher Hoffnung zu leben. Und es
 war schön, so im neuen, weißen Gewand bei der Tauffeier zu sitzen.-
 Aber nun, heißt es im ersten Petrusbrief, bleibt nicht zu lange sitzen,
 sondern steht auf, bindet den Gürtel fester, damit ihr das Gewand
 zusammenraffen könnt. Und dann schreitet aus, folgt Jesus nach auf dem Weg
 der Liebe. Glaube und Hoffnung sind schön für euch, es ist gut, am
 Tauftage Hoffnung und Glauben zu Herzen zu nehmen. Aber dann müßt ihr auch
 ausschreiten, dann soll es vorwärtsgehen auf dem von Jesus geheiligten Weg
 der Liebe; denn ihr seid heilig! Auch für euch ist Jesus Christus ans
 Kreuz gegangen. Was ihr denkt und fühlt, ist von nun an ausgerichtet auf
 Jesus Christus.-
 Ganz am Anfang des Gottesglaubens war es noch anders gewesen. Da waren vor
 allem Dingen heilig: die Stiftshütte, die Bundeslade, die Leuchter und die
 Räucherpfannen. Mit eisernem Siegel war in die liturgischen Geräte
 eingeprägt: "Heilig dem Herrn" - nur zum Gebrauch für Gottes Sache
 bestimmt! Aber schon Mose hatte in Gottes Namen gesagt: "Ihr seid heilig,
 ihr Israeliten." - Und nun wird das im ersten Petrusbrief aufgenommen und
 wiederholt für die Christen: "Wie der, der euch berufen hat, heilig ist,
 sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel." Wir sind heilig durch
 die Taufe, wir haben das Kreuzeszeichen als ein Siegel empfangen. Zu ihm
 gehören wir mit Leib und Seele. Und nun wird es sichtbar werden an dem,
 was wir mit unserem Leib tun, an dem, was wir mit unserer Seele fühlen und
 denken - daß wir Heilige sind. Es ist schön für uns Getaufte, das zu
 wissen.@{b}

 Herr, ich bin in deinen Namen getauft. Du sagst mir, daß ich ein heiliger
 bin. Gib mir Kraft für Leib und Seele, daß ich so lebe, daß du mich
 brauchen kannst. Gib, daß wir Christen immer mehr eine Gemeinschaft der
 Heiligen werden. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 1d" "1.Petrus 1,17-21"
@{i}                        1.Petrus 1,17-21@{ui}

@{b}                     Ihr seid mit Christi Blut erlöst@{ub}

 Jesus hat die Menschen angenommen, wie sie kamen. Er hat niemanden
 fortgeschickt, der zu ihm kommen wollte. Wenn die Menschen Bedingungen
 stellten, dann hat Jesus geraten: Laß das alles und komm! Aber wenn er
 merkte, daß sich Menschen hinter Ausreden verbergen wollten, dann erst hat
 er selbst Bedingungen genannt. Zu dem reichen Jüngling sagte er: "Verkaufe
 alles, was du hast, und gib das Geld den Armen."
 Den Gemeinden wird hier in dem Brief gesagt: Jesus hat euch erlöst, ohne
 Bedingungen. Er hat sein Blut vergossen für euch. Und das ist mehr als
 vergängliches Gold oder Silber. Was ist eure Antwort? Diese Frage muß
 unbedingt gestellt werden. Vielleicht wird bei uns heute so leicht und zu
 schnell von Vergebung gesprochen, aber nur selten von Gehorsam. Der
 Briefschreiber könnte ja noch dazu fragen: Was denkt ihr, woran erkennen
 denn die anderen, daß ihr Erlöste seid? Und diese Frage beantwortet er
 auch gleich. An eurem Lebenswandel werden sie erkennen, wer ihr seid.
 Führt euren Wandel in Gottesfurcht! Auch wir werden durch das Schriftwort
 gefragt: Wie führen wir denn unseren Lebenswandel? Ist daraus unser
 Erlösung abzulesen? Als Erlöste sind wir Fremdlinge in dieser Welt
 geworden, denn wir gehören nicht mehr der Welt. Wir gehören Gott. Wir
 brauchen uns nicht mehr von den Sorgen der Welt jagen zu lassen, denn er
 sorgt für uns. Gott, der Jesus aus dem Grabe gerufen hat, gibt uns teil am
 Leben hier wie dort.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Wir danken dir, daß du uns durch Jesus erlöst
 hast. Wir danken dir, daß wir zu dir gehören. Schenke uns deine Gnade und
 deine Kraft, daß wir unser Leben nach einem Willen führen. Amen.@{ub}


@{i}                         1.Petrus 1,17-21@{ub}

@{b} Ihr wurdet losgekauft mit dem kostbaren Blut Christi, des Lamms ohne
 Fehl und Makel. Er war schon vor Erschaffung der Welt dazu ausersehen.@{ub}
                                    1.Petrus 1,19-20(EÜ)

 Von uns aus kommen wir nicht zu Gott. Gemeinschaft mit Gott gibt es nur,
 weil er zu uns kommt, in Christus. Befreiung aus einem sinnlosen Leben
 bringen wir nicht von uns aus fertig, frei werden wir nur durch den
 Befreier, den Gott uns gesandt hat, Christus. In Christus schenkt Gott uns
 alles, was wir von uns aus nicht haben. Christus wirkte durch sein Leiden
 und Sterben alles für uns, was Gott von uns erwartet. Darum heißt Leben
 mit Gott uns ein Geschenk. Von Geschenken hat man nur etwas, wenn man sie
 annimmt.
 Und genau darum geht es in unserem Text. Glauben heißt annehmen. Von
 Luther stammt das Wort: "Gott kann uns nichts geben, wenn wir es nicht
 nehmen wollen." Hier liegt unsere Chance und Verantwortung zugleich. Der
 Bibeltext heute trägt die Überschrift: "Der Weg zum Glauben." Dieser Weg
 beginnt dort, wo wir zu Jesus kommen. Er nimmt uns mit auf den Weg zu
 Gott. Und er bringt uns auch dorthin. Christus ist nicht irgendeine
 religiöse Gestalt der Weltgeschichte, von denen die Welt schon so viele
 gesehen hat. Wo immer wir nach Gott fragen und uns nach Gemeinschaft mit
 ihm sehnen, bei Christus finden wir es. Für Christus gibt es keinen
 Ersatz. Lassen wir uns durch dieses Wort einladen zur Hoffnung, die
 Christus heißt. Er besitzt alles, was wir brauchen, und er schenkt es
 allen, die es haben wollen. Und im Wunder der Auferstehung Jesu beglaubigt
 Gott vor aller Welt alles, was Christus denen versprochen hat, die sich
 ihm anvertrauen.@{b}

 Herr, wir danken dir für das Geschenk Jesu. Wirke in uns die Bereitschaft,
 die Gaben anzunehmen, die Jesus uns bringt.@{ub}
                                       Ernst-Peter Weldin




@endnode
@NODE "1.Petrus 1e" "1.Petrus 1,22-23"
@{i}                       1.Petrus 1,22-23@{ui}

@{b}          Gehorsam gegenüber Gott - Liebe untereinander@{ub}

 Das ist Jesu Wille: "Daran soll die Welt euch erkennen, daß ihr meine
 Jünger seid, daß ihr Liebe untereinander habt." So lesen wir es im
 Johannesevangelium, und so ist es auch hier gemeint. Das ist der Gehorsam
 gegenüber Gott, das ist die Erfüllung seines Willens, daß wir Liebe
 untereinander üben.
 Gut gesagt, aber ... Sehen wir uns doch um! Wo sind die Menschen, die
 Liebe üben? Wie sieht es in der Kirche aus oder in unseren Familien? Unser
 Schriftwort mahnt uns: Wie steht es unter Glaubensgeschwistern? Wir merken
 schon, daß die einfachsten Dinge oft die schwersten sind. Groß ist die
 Versuchung, über andere zu sprechen, vielleicht auch abfällig zu sprechen.
 Wie schnell schleicht sich das "Allzumenschliche" bei uns ein? Wie schnell
 vergessen wir dabei, daß Jesus uns gerade auch dazu befreit hat, daß wir
 es gar nicht mehr nötig haben, uns ins rechte Licht zu setzen auf Kosten
 der anderen?
 So brauchten die Christen damals den Zuspruch wie wir heute. Wes Geistes
 Kinder sind wir denn? Ihr seid doch wiedergeboren! Aber es genügt nicht,
 sich auf die Wiedergeburt zu berufen, sondern wir müssen jeden Tag neu aus
 dem Worte Gottes, aus dem lebendigen Wort, wie es in unserem Schriftwort
 heißt, uns das neue Leben schenken lassen. Wenn wir jeden Tag neu nach der
 Wahrheit fragen, jeden Tag uns am Worte orientieren und um Einsicht und
 Kraft bitten, dann werden wir getröstet, ermutigt, aufgerichtet. Wir erden
 Jesu Liebe erfahren, so daß wir auf andere Menschen zugehen und ihnen in
 Liebe begegnen können.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Wir danken dir, daß Liebe das Zeichen deiner
 Nähe ist. Laß die Liebe bei uns nicht erlöschen. Hilf, daß wir auch dort
 Liebe üben können, wo es uns schwerfällt. Amen.@{ub}


@{i}                          1.Petrus 1,22-2,3@{ui}

@{b} Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten,
 geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt. @{ub}
                                          1.Petrus 2,2 (EÜ)

 Wir essen und trinken jeden Tag. Dadurch bekommt unser Körper die Kraft
 für die anfallenden Aufgaben, in denen jeder von uns steht. So wie er
 menschliche Leib nicht von sich selbst her Kraft hat, sondern nur durch
 die Energieaufnahme, so braucht auch christliches Leben Anschluß an eine
 Kraftquelle. Die Gemeinde Christi erfährt diese Kraft durch die Bibel. In
 ihren Worten ermutigt Gott uns, durch sie schenkt er Orientierung, durch
 sie korrigiert er unseren Weg. Wo ein Christ lebt, sollte auch die Bibel
 stets in seiner Nähe zu finden sein, denn durch sie bekommt er die
 Möglichkeit zum Wachsen.
 Wie sieht unser Umgang mit der Bibel aus? Machen wir nur Stippvisiten bei
 ihr? Verwenden wir sie nur für feierliche Augenblicke unseres Lebens?
 Gebrauchen wir sie nur, um unsere Rechtgläubigkeit zu beweisen? Oder leben
 wir täglich mit ihr, weil wir erleben, daß  wir sie einfach nötig haben?
 Genau das möchte Petrus in diesem Abschnitt erreichen. Er lädt seine Leser
 dazu ein, an der richtigen Stelle Kraft zu empfangen. Alles, was wir
 innerlich aufnehmen wirkt sich auf unser Leben aus. Wir sind gut beraten,
 wenn wir die Worte von Petrus beherzigen und Menschen werden, welche die
 Bibel zu ihrem Lebensbegleiter werden lassen. Das wird eine Entscheidung
 voller Überraschungen. Einmal wird uns die Bibel trösten, wenn wir am Ende
 sind, ein anderes Mal wird sie uns sagen, aß wir uns zu ändern haben.
 Eines wird aber immer gleich sein: Sie wird uns helfen zu wachsen, sie
 sorgt nicht nur für einen guten Anfang, sondern vor allem für ein gutes
 Echo.@{b}

 Herr, bewahre uns ein Wort, damit wir leben können.@{ub}
                                           Ernst-Peter Weldin



@endnode
@NODE "1.Petrus 2a" "1.Petrus 2,2-10"
@{i}                          1.Petrus 2,2-10@{ui}

@{b}                    Verlangen nach dem Wort Gottes@{ub}

 "Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt, seine Gerechtigkeit. Amen. So
 wird euch alles von ihm hinzugefügt. Halleluja" - Heißt es in einem Lied
 aus heutiger Zeit. Damals gebrauchte der Apostel in seiner Aufforderung an
 die Gemeinden ein Bild, das jedem verstehbar sein sollte: Verlangt wie die
 neugeborenen Kinder nach geistiger, reiner Milch, damit ihr dadurch
 zunehmt zu eurem Heil. Diese Milch ist die Wahrheit des Evangeliums.
 Christen sollen sich hungrig und mit aller Kraft um das Wort der
 unverfälschten Wahrheit bemühen, eben wie der Säugling, der mit aller ihm
 zur Verfügung stehenden inneren Lebenskraft nach er Milch verlangt, die
 für sein Gedeihen notwendig ist, und nur so allein durch die Zuführung
 dieser Nahrung am Leben und Gewicht zunimmt. Gewiß sind die Christen als
 Getaufte bereits mit neuem Leben beschenkt. Zur Erhaltung dieses Lebens
 und zum geistigen Wachstum aber bedarf es immer wieder neuer
 Nahrungsaufnahme. Denn wer sich nicht ständig um die Wahrheit des
 Evangeliums bemüht, wer sie nicht ebenso begierlich sucht und aufnimmt,
 wie eben der Neugeborene die nötige Milch, der wird im Glaubensleben
 verkümmern oder gar ganz absterben statt zu wachsen und dem Herrn zu
 leben. Der Apostel erinnert seine christlichen Leser daran, daß sie ja
 schon gekostet haben, wie freundlich und gut der Herr ist. Das Heil Gottes
 ist ihnen doch in der Taufe geschenkt worden. Aber dabei kann es allein
 nicht bleiben. So soll durch die Verkündigung des Wortes, wie sie
 geschieht in er Predigt und in er Feier des heiligen Abendmahls, immer
 wieder neu erfahrbar werden, daß er Herr aufbauend am Werk ist. Deshalb
 ist es allezeit lebensnotwendig, daß Christen nach der geistigen, reinen
 Milch, nach der Wahrheit des Evangeliums verlangen. Solches sollen wir
 begierig tun, damit wir im Herrn wachsen und lebendige Steine an dem Haus
 sind, das der Geist Gottes baut. Fruchtbare Reben am Weinstock sollen wir
 sein, funktionstüchtige Glieder am Leib Christi. Dazu sind wir berufen.
 Nur wenn wir uns um das Wort Gottes sammeln, wird uns die Welt als eine
 christliche Gemeinde erfahren, in der sich Liebe, Gerechtigkeit, Frieden
 und Geborgenheit finden.
 "Laßt Gottes Licht durch euch scheinen in der Welt, daß sie den Weg zu ihm
 finden und sie mit euch jeden Tag Gott lobt und preist. Halleluja."@{b}

 Herr Jesus Christus, du hast uns in deine Gemeinde berufen. Deine Güte und
 Freundlichkeit geleiten uns. Dafür danken wir dir und wir bitten : Laß uns
 dein Wort, das zum Leben weist, suchen und gestärkt dadurch in unserer
 Zeit tätig sein. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 2b" "1.Petrus 2,4-10"
@{i}                       1.Petrus 2,4-10@{ui}

@{b}                        Lebendige Steine@{ub}

 In dem Deckengewölbe der kleinen Kirche aus dem 15.Jahrhundert in Lavin
 (Schweiz) zieht die Darstellung der Trinität Gottes die Aufmerksamkeit auf
 sich. Es ist das Bild eines gütigen und umsichtigen Weltenherrn zu sehen -
 und in der Mitte der Brust der Schlußstein des ganzen Gewölbes. Ganz nahe
 am Herzen Gottes der Schlußstein, der alles zusammenhält! Und er Besucher
 fühlt sich unmittelbar geborgen und gehalten. Hier finden Menschen
 Zuflucht, wenn sie von den Bergen kommen oder von der Arbeit ausruhen
 wollen. Der Geist dieses Kirchenraumes strömt Kraft aus für die nächsten
 Schritte. "Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein." Es ist ein altes
 Bild, eine uralte Symbolik, in der die Christen ihre Wirklichkeit
 entdecken. Das Gemeindeleben der Leser des 1.Petrusbriefes am Ende des 1.
 Jahrhunderts und das aller späteren Christen ist bedroht durch den Streit
 um Glauben und Unglauben. Wer oder was hält das Leben zusammen? Mit dem
 biblischen Bild vom Eckstein, er von den Menschen verworfen, von Gott aber
 auserwählt ist, wird an die Ablehnung und Kreuzigung Jesu erinnert. Und so
 wie Gott den verachteten Jesus in sein Herz geschlossen und zu neuem Leben
 erwählt hat, so braucht auch das ablehnende Urteil der Umwelt die Christen
 nicht zu irritieren. Der lebendige Eckstein Christus ist ja selber die
 Liebe Gottes, der es von Herzen gut meint mit allen angefochtenen und
 bedrängten Herzen. Das ist er Trost, den dieser Brief geben will. Und so
 werden im Zusammenhalt der Gemeinde die toten Steine lebendig. Das ist
 Ostern.@{b}

 Herr Jesus Christus, am Ende dieser Woche denke ich an die Ostertage
 zurück. Ich möchte festhalten an der Freude und der Hoffnung, die du
 gebracht hast. Laß uns leben in deinem Licht. Amen.

                       Christen und Heiden@{ub}        Gedicht
                  Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
                  flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
                  um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
                  So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

                  Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
                  finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
                  sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
                  Christen stehen bei Gott in Seinem Leiden.

                  Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
                  sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot, stirbt
                  für Christen und Heiden den Kreuzestod
                  und vergibt ihnen beiden.
                  @{i}  Dietrich Bonhoeffer


                         1.Petrus 2,4-10@{ui}

@{b} Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht ... damit ihr die großen
 Taten essen verkündet, der euch aus er Finsternis in sein wunderbares
 Licht gerufen hat.@{ub}
                              1.Petrus 2,9 (EÜ)

 "Auserwähltes Geschlecht" - das klingt beim ersten Eindruck so nach
 Elitegesellschaft. Aber genau das ist die Gemeinde Christi nicht. Sie hat
 weit geöffnete Türen, durch die jeder gehen kann, wenn und weil er
 Christus vertraut. Und die Menschen in dieser Gemeinde sind keine
 unbeschriebenen Blätter. Sie alle haben eine Vergangenheit ohne Gott. Aber
 durch den Auferstandenen haben sie eine ganz neue Zukunft geschenkt
 bekommen mit Gott. Und sie leben in der Gemeinde, und sie freuen sich
 darüber, daß durch Christus etwas Neues in ihr Leben hineingekommen ist.
 Das aber hat Folgen. Sie behalten ihre Freude nicht für sich, sie sagen
 sie anderen weiter, und sie laden die Menschen ein, zu dieser Freude zu
 kommen. Das ist der Dienst der Verkündigung. Sie ist eine Aufgabe für
 alle, nicht nur für irgendein geistliches Amt, welchen Namen es auch immer
 tragen mag. Alle sind gemeint. Christus braucht viele, die anfangen, die
 großen Taten weiterzusagen. Dadurch wird die gute Nachricht in der Welt
 vervielfältigt. Je mehr Christen durch ihr Wort und durch ihr Tun bereit
 werden, in ihrem Alltag für Christus einzustehen, desto mehr Menschen
 erfahren das Evangelium. Durch die Gemeinde Christi wird die Welt mit
 Gottes Liebe bekannt gemacht. Solange die Gemeinde bei diesem Auftrag
 bleibt, erfüllt sie ihre Berufung. Weicht sie davon ab, wird sie für die
 Welt ein entbehrlicher Faktor, wie imposant sie sich auch geben mag. Ins
 Licht rufen kann nur, wer durch den Auferstandenen ins Licht gerufen
 worden ist. sagen wir es weiter, die Welt braucht nichts nötiger als das.
@{b}
 Herr, befähige uns, deine Zeugen zu sein.@{ub}
                                          Ernst-Peter Weldin



@endnode
@NODE "1.Petrus 2c" "1.Petrus 2,11-17"
@{i}                      1.Petrus 2,11-17@{ui}

@{b} Führt unter den Heiden ein rechtschaffendes Leben.@{ub}
                                   1.Petrus 2,12 (EÜ)

 "Unser Pastor macht alles mit, der geht Karneval sogar in die Bütt, und am
 Stammtisch oder an der Theke ist er auch dabei", sagen die Gemeindeglieder
 rühmend von ihrem Pfarrer. Die neue Vorsitzende vom Pfarrgemeinderat, die
 Team-Sprecherin der Frauengemeinschaft, das sind Frauen, die mitten im
 Leben stehen, die machen nicht nur fromme Worte - auch das kann man sicher
 hier und da hören.
 Die heutige Bibellese beginnt mit dem Satz: "Da ihr Fremde und Gäste seid
 in dieser Welt, ermahne ich euch: Gebt den irdischen Begierden nicht
 nach..." (Vers 11).
 Heißt das nun, daß er besagte Pastor nicht mitfeiern darf, daß die
 genannten Frauen nur nicht zu "weltlich" auftreten und in ihren Vereinen
 mehr vom Himmel und von Gott und er Seele reden müßten? Gewiß doch: Es
 wäre schlimm, könnte man bei uns Christen nicht mehr merken, daß wir im
 Glauben bekennen, daß in dieser Welt sich noch nicht alles erfüllt, was
 wir erhoffen, daß wir im Letzten wirklich nur "Fremde und Gäste" sind. Im
 3.Jahrhundert schreibt ein Christ an einen gewissen Diognet: "Die Christen
 sind Menschen wie die übrigen. Sie bewohnen nicht eine eigene Stadt. Wie
 sie jedoch zu ihrem Leben stehen und es gestalten, darin zeigen sie eine
 unglaubliche Besonderheit." Und er beschreibt, wie die Christen in einer
 großen Freiheit allem begegnen: Überfluß oder Mangel, Freude oder Leid,
 Leben oder Tod. Er zeigt, wie sie miteinander umgehen und sich
 verantwortlich einsetzen in der Welt. Wir kommen von Ostern her und gehen
 auf Ostern zu. Dazwischen heißt es, froh und verantwortlich diesem Leben,
 den Menschen und Aufgaben zu begegnen.@{b}

 Gott, gib, daß deine Kirche ihrer Sendung treu bleibt, daß sie ein
 Sauerteig ist für die Menschheit, die du in Christus erneuern willst.
 @{ub}(Tagesgebet am Pfingstmontag)
                                                 Manfred Babel


@endnode
@NODE "1.Petrus 2d" "1.Petrus 2,18-25"
@{i}                      1.Petrus 2,18-25@{ui}

@{b}                Lieber Unrecht leiden als Unrecht tun@{ub}

 Wie du mir, so ich dir! Das ist die Logik, die wir zur Genüge kennen und
 unter der wir alle leiden. Es ist ein folgenschwerer Kreislauf, der schon
 zu oft in tödlichem Ausgang sein Ende gefunden hat. Wie kann dieser
 Verhängnisvolle Kreislauf, er schon zu oft in tödlichem Ausgang sein Ende
 gefunden hat. Wie kann dieser verhängnisvolle Kreislauf so umgestellt
 werden, daß er dem Leben dient, Leben in Gang bringt und erhält? Dieser
 Kreislauf des "Wie du mir, so ich dir" muß unterbrochen werden. Einer muß
 anfangen, aufzuhören und anders anzufangen. Jesus hat das getan, er hat
 den unseligen Teufelskreis durchbrochen. "Der nicht widerschmähte, als er
 geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt." Und das geht nun weiter in
 dem Rundbrief an die Gemeine. Die Christen zur Zeit des 1.Petrusbriefes
 haben offenkundig unter Schikanen und Diffamierungen zu leiden. Das ist
 Unrecht. Aber sie sind in solchem Unrecht nicht allein. Das ist der Trost,
 an den dieser Brief erinnert. Folgt seinen Fußtapfen, ihr seid nicht die
 ersten, er ist euch schon vorangegangen. "Durch seine Wunden seid ihr
 geheilt worden." Und an seinem Beispiel ist zu sehen, daß der Leidensweg
 mit Christus ein Weg des Lebens hin zu Ostern ist.
 Von diesem Ostern kommen wir her. Von dieser Osterfreude leben wir, auch
 in Leidenserfahrungen.
 Dieser Brief ist ja im ganzen eine Erinnerung an die mit dem gekreuzigten
 und auferstandenen Jesus Christus gegeben. So werden Christen um es Lebens
 willen alles tun, was sie können, um bei anderen den Leidenszusammenhang
 zu unterbrechen und zu lindern.@{b}

 Herr Jesus Christus, du bist den schweren Weg vorangegangen bis hin zum
 Kreuz. Wir bitten dich, geh du weiter mit uns. Du bist der gute Hirte
 aller, die in die Irre gehen. Auf dich hoffen wir. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Petrus 2,18-25@{ui}

@{b} Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit
 ihr seinen Spuren folgt.@{ub}   1.Petrus 2,21 (EÜ)

 Neulich sahen wir Bilder von Brasilien. Zur Ansicht einer Hafenstadt sagte
 der Referent: "Hier, in diesem Haus, wurden die Sklaven angekauft und
 verkauft. In Europa hörte die Sklaverei im 16.Jahrhundert auf. Aber mit
 der Entdeckung Amerikas nahm dort der Sklavenhandel einen neuen
 Aufschwung. Afrikaner wurden mit Schiffen nach Südamerika und Nordamerika
 gebracht, unterwegs getauft und als Christen an christliche Kolonialherren
 verkauft. Erst im 19.Jahrhundert wurde der Sklavenhandel nach und nach
 verboten." Wenn wir das hören sind wir erschüttert. Wie konnte man das unter
 christlichem Vorzeichen tun?
 Heute steht im 1.Petrusbrief in der Bibellese: "Ihr Sklaven ordnet euch in
 aller Ehrfurcht euren Herrn unter, nicht nur den guten, auch den
 launenhaften."
 Konnte man mit solchen Worten nicht Unrecht religiös verbrämen? Ich denke
 schon. Darum müssen wir bedenken, was Petrus sagen will. Er beschreibt das
 Große, was der christliche Glaube bringt. Vor Christus ist auch der Freie
 ein Knecht, ist auch der Freie gebunden, seinen Willen zu tun. Und vor
 Christus ist auch der Sklave und Unfreie, trotz äußerer Fesseln, ein
 Freier.
 Allerdings dürfen solche Gedanken nicht so mißbraucht werden, daß man nun
 alles schicksalhaft und ohne mögliche Veränderungen hinnehmen müßte.
 Christus hat sich je gerade die Hände binden und kreuzigen lassen, damit
 Menschen nicht mehr über andere wie über eine Sache verfügen. Bitten wir,
 daß wir frei werden auch von Ängsten und inneren Abhängigkeit und um
 Kraft, für die Freiheit aller Menschen einzutreten.@{b}

 Herr, wo dein Geist ist, da ist Freiheit. Mach uns frei von Sünde,
 Ängsten, Zwängen und Abhängigkeiten und gib uns Mut, gegen unrechte
 Fesseln anzugehen. Gib uns aber auch Kraft, wo wir um deinetwillen schwere
 Wege gehen müssen. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 3a" "1.Petrus 3,1-7"
@{i}                        1.Petrus 3,1-7@{ui}

@{b}                   Freundlichkeit und Herzensgüte@{ub}

 Neben der Gottesordnung, die ein gutes Miteinander im sozialen und
 gesellschaftlichen Bereich ermöglichen will, steht gleichrangig eine
 andere Ordnung: Mann und Frau sind mit ihren besonderen Gaben füreinander
 da und finden die Vollendung ihrer Gemeinsamkeit in der Ehe. Gewiß hat die
 Frau in der christlichen Gemeinde damals eine geachtete Stelle innegehabt.
 Innerhalb des Gemeindelebens war sie weitgehend gleichberechtigt. In der
 Ehe hingegen hatte sie sich dem Mann unterzuordnen. Das entsprach der
 Eheauffassung der damaligen Zeit. Dennoch sollte die christliche Ehefrau
 sich anders verhalten, als es in ihrer heidnischen Umgebung üblich war. In
 manchen Bereichen traten dort die inneren Werte des Menschen stark in den
 Hintergrund. Unter Anwendung vieler Mittel wurde ein Kult der Schönheit
 getrieben, er innere Werte verdeckte. In er Gemeinde hat man auf einfache
 Sitten Wert gelegt. Um ihrer Würde willen sollte die Frau darauf
 verzichten, nur durch Äußerlichkeiten wirken zu wollen. Unser Text meint:
 Eine christliche Ehe wird nicht zuerst durch Änderung der Rechtsform,
 sondern vom Wandel der inneren Haltung her neu gestaltet. Uns werden diese
 Mahnungen auch im Zeitalter der Gleichberechtigung nachdenklich stimmen.
 Viele Ehen zerbrechen, weil es den Ehepartnern an inneren Beziehungen
 fehlt. Äußere Schönheit und körperliche Reize sind kein bleibendes
 Fundament für eine Ehe. Wenn christliche Ehepartner im Glauben den Weg zu
 gemeinsamen inneren Werten gefunden haben, werden sie von hier aus auch
 Spannungen bewältigen können.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir wissen, daß die inneren Werte oft in Gefahr sind,
 von Äußerlichkeiten verdrängt zu werden. Gib uns Einsicht und Kraft, aus
 den Werten zu leben, die du uns geschenkt hast. Amen.@{ub}

@{i}                     1.Petrus 3,1-7@{ui}

@{b} Ebenso sollt ihr Frauen euch euren Männern unterordnen.@{ub}
 1.Petrus 3,1 (EÜ)

 In einem der Kinderbriefe an den lieben Gott heißt es: "Lieber Gott, sind
 Jungen besser als Mädchen? Ich weiß, du bist ein Junge. Sei fair!"
 Aber, wenn wir die heutige Bibellese lesen, kommt da nicht wieder die Frau
 schlechter weg als der Mann, bringen solche Texte nicht wieder engagierte
 Frauen in der Kirche in Wut? "Ihr Frauen sollt euch euren Männern
 unterordnen." Und es steht da von dem übertriebenen Jagen nach Schmuck und
 Schönheit und eleganter Kleidung. Könnten da die Frauen nicht sagen: So
 früh, schon in der neutestamentlich-biblischen Tradition, lassen sich
 Tendenzen erkennen, die zu einer Unterbewertung der Frau in der Kirche
 führen konnten.
 Nun kann man nicht einfach das Vaterunser zum Mutterunser wandeln. Jesus
 hat s uns gelehrt aus der Glaubenswelt, in der er, auch als Mensch lebte.
 Aber dennoch ist in Gott Väterliches und Mütterliches. Jesus selbst hat
 sich für die Würde von Frauen und Kindern eingesetzt. Wenn man auch nicht
 einfach die Rollen vor Frau und Mann austauschen kann, beide gelten gleich
 viel vor Gott. beide können durch ihr Streben nach Geltung, Besitz, Macht
 und äußeren Glanz vergessen, worauf es ankommt - auf die innere Schönheit,
 auf das Herz, das nach Gottes Willen fragt und das sich einsetzt für den
 Menschenbruder und die Menschenschwester. Paulus schreibt in diesem Sinne:
 "Es gibt nicht mehr Juden und Christen, nicht Sklaven und Freie, nicht
 Mann und Frau; denn ihr alle seid 'einer' in Jesus Christus" (Galater
 3,28).@{b}

 Herr, du hast uns in Christus zur neuen Schöpfung gemacht. Gib uns ein
 reines Herz, das bereit ist, das Rechte zu tun und für dich und die
 Menschen zu leben. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 3b" "1.Petrus 3,8-12"
@{i}                        1.Petrus 3,8-12@{ui}

@{b}               Mit allen Kräften den Frieden suchen@{ub}

 Viele Hinweise hat der Apostel gegeben, die sich auf einzelne Gruppen in
 der Gemeinde, auf die Familie bezogen haben. Hier richtet er seinen Blick
 auf die ganze Gemeinde. Wir lesen klare Aussagen darüber, wie
 Gemeindeglieder untereinander und mit ihrer Umwelt umzugehen haben.
 Christen sollen eines Sinnes sein. Man hat diesen Hinweis oft falsch
 verstanden. Es geht nicht darum, daß alle die gleiche Meinung in allen
 Dingen haben müßten. Es muß in einer Gemeinde Meinungsverschiedenheiten
 geben. Sie müssen nicht nur notgedrungen geduldet werden, sie bewegen die
 Gemeinde vorwärts. Der Reichtum der Gaben Gottes kommt gerade darin zum
 Ausdruck, daß jeder seine besondere Gabe in das Leben der Gemeinde
 einbringt. Dabei lassen sich verschieden Standpunkte niemals ausschließen.
 Vielmehr muß sich eine Gemeinde darin bewähren, daß sie dies vorlebt:
 Meinungsverschiedenheiten, ja - böses Blut, nein!
 Barmherzige Gesinnung und helfende Tat müssen Kennzeichen der Gemeine
 bleiben. Jeder soll stolz sein auf das, was er für die Gemeinde erreichen
 kann, eine Haltung der Selbstliebe hat in ihr keinen Platz. Auch im
 Verhältnis der Gemeine zu ihrer Mitwelt gelten bestimmte Maßstäbe: Die
 Christen dürfen nicht Böses mit Bösem und nicht Scheltwort mit Scheltwort
 vergelten; sie sind gehalten, Segen auszuteilen.
 Wer segnet, trägt zum Frieden bei, er verwirklicht den Auftrag Gottes.
 Wer segnet, gibt geistliche Kräfte weiter, Kräfte des Guten, des Trostes,
 er Hilfe und der Kraft.@{b}

 Herr Jesus Christus, vergib, daß wir unserer Umwelt oft durch Unfrieden in
 unseren Gemeinden ein böses Beispiel geben. Helfen kann uns nur die
 Besinnung auf dein Wort und Gebet. Gib uns Kraft dazu. Amen.@{ub}


@{i}                    1.Petrus 3,8-12@{ui}

@{b} Meide das Böse und tue das Gute; suche den Frieden und jage ihm nach.@{ub}
 1.Petrus 3,11 (EÜ)

 Lothar Zenetti schreibt: "Ich war im Kino. Blutüberströmt, fertiggemacht,
 fiel einer um, als letzter von allen. Das war ein Western. -
 Ich war in der Kirche. Blutüberströmt, fertiggemacht, stand einer auf, als
 erster von allen. Das war ein Ostern."
 Gott in Christus nimmt das alles auf sich: die Selbstgerechtigkeit der
 Frommen, die den Sündern keine Chance geben, das Unrecht und die Schuld
 der Menschen. Er läßt sich fertigmachen, damit Menschen einander nicht
 mehr schaden, mit Worten, mit Fäusten, mit Waffen; damit durch die, die an
 Jesus glauben, und alle, die guten Willens sind, etwas neu wird in der
 Welt.
 Freilich, so einfach ist das nicht. Wir haben Streit in unserer näheren
 Umgebung. Wir wissen um die weltweiten Krisen und um die Sehnsucht nach
 einem neuen Frieden. Doch immer wieder bleibt alles beim gefährlichen
 Alten. Und doch: Wir brauchen einen neuen Frieden aus einem neuen Herzen.
 Am 27.Oktober 1986 lud der Papst Vertreter der verschiedenen Konfessionen
 und Religionen nach Assisi ein, wo der heilige Franziskus lebte, der sich
 mit der Armut vermählte und betonte: "Je weniger ich besitze, je weniger
 muß ich verteidigen." Das löst nicht alle unsere Fragen. Nicht jeder
 Mensch kann so sein wie der heilige Franziskus. Aber wir können das
 Zeugnis der Kirchen und der Religion neu ernst nehmen und leben.
 Wir können in die Welt hineinrufen, daß jeder Mensch und die ganze
 Schöpfung von Gott abstammen, und von daher die Menschen dieser Erde keine
 Götter, sondern Geschöpfe, Kinder des einen Vaters, Geschwister des einen
 Herrn Jesus Christus, untereinander Brüder und Schwestern sind.@{b}

 Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens, daß ich verzeihe, wo
 man beleidigt, daß ich verbinde, wo Streit ist, daß ich Licht anzünde, wo
 die Dunkelheit regiert.@{ub}
                                                   Manfred Babel


@endnode
@NODE "1.Petrus 3c" "1.Petrus 3,8-15a(15b-17)"
@{i}                      1.Petrus 3,8-15a(15b-17)@{ui}

@{b}                           Gute Tage@{ub}

 So sicher sind wir nicht, daß das Gute belohnt und das Böse bestraft wird.
 Der Briefschreiber erinnert an Worte aus Psalm 34: "Wer gute Tage sehen
 will, der wende sich ab vom Bösen und tue Gutes."
 Wir kennen die Redensart: Schlechten Leuten geht es immer gut. Auch wenn
 wir das im Scherz sagen, wissen wir, daß es genügend Beispiele für die
 Richtigkeit dieses Satzes gibt. Andererseits sprechen uns die Mahnungen
 unmittelbar an. Wir können sie nicht einfach als weltfremd abtun. Jesus
 hat so gelebt und gehandelt. In seiner Nachfolge haben sich auch andere
 danach gerichtet. Die von Martin Luther King geführte Bürgerrechtsbewegung
 ist erfolgreicher gewesen als manche andere Bewegung der letzten
 Jahrzehnte, die Gleiches mit Gleichem vergolten und Gewalt mit Gewalt
 beantwortet hat. Ohne die Hoffnung, daß das Gute sich letztlich auszahlt,
 möchte wohl niemand leben. Vielleicht stehen diese Hoffnung und der sie
 tragende Glaube gegen Erfahrung und Augenschein. Erfahrungen werden immer
 zwiespältig sein. Auch der Beter des 34.Psalms sagt: "Der Gerechte muß
 viel erleiden." Trotzdem vertraut er darauf, daß die Augen des Herrn auf
 die Gerechten sehen und eine Ohren auf ihr Gebet hören.
 Unser Abschnitt redet nicht dem passiven Erdulden das Wort. Es geht um das
 Segnen, wo das Fluchen näher liegt. Der Briefschreiber weiß sich von Gott
 in Jesus Christus gesegnet. Darum hält er s für möglich, daß er anderen
 zum Segen werden kann. Es fällt auf, daß die am Anfang geforderten
 Einstellungen nicht allein verwirklicht werden können. Es geht um das
 Verhältnis zu anderen Menschen, wenn es heißt: "Seid allesamt
 gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig." Dazu braucht
 jeder den Mitmenschen neben sich. Es geht also nicht um unsere
 Vollkommenheit, sondern um unser Mitgehen in der Gemeinde derer, die Jesus
 nachzufolgen bemüht sind. Gute Tage sind vielleicht gar nicht jene, die
 wir angenehm finden, sondern solche, an denen anderen durch uns Gutes
 widerfährt.
 Dazu paßt dann auch die Zusage: "Und wenn ihr auch leidet um Gerechtigkeit
 willen, so seid ihr doch selig."
 Wir wissen nicht, ob uns das wirklich trösten wird, wenn uns solches
 Leiden abverlangt wird. Aber es ist ja eine Zusage, für deren
 Verwirklichung Gott selber bürgt.@{b}

 Barmherziger Gott, wir danken dir, daß du uns dazu bestimmt hast, Segen zu
 empfangen und weiterzugeben. Gib uns die Kraft, auch denen in Liebe zu
 begegnen, die es uns schwer machen, damit dieser Tag ein guter Tag werde.
 Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 3d" "1.Petrus 13-17"
@{i}                        1.Petrus 3,13-17@{ui}

@{b}                    Seid zur Verantwortung bereit@{ub}

 Die Christen brauchen sich vor Bestrafung und Leid nicht zu fürchten, wenn
 sie ein gutes Gewissen haben. Nun kennt der Verfasser die Realitäten.
 Leiden um der Gerechtigkeit willen erscheint ihm durchaus als möglich.
 Dieser Situation ist mit Trostsprüchen alleine nicht zu begegnen. Von
 denen, die der Gemeinde übelwollten, ging wirklich Furcht und Schrecken
 aus. Ein glaubensgewisses Wort ist es, das wir hier lesen: Christus ist
 letztlich der einzige und wahre Herr. In seinem Herrschaftsbereich ist
 alle Furcht zumindest entschärft. Das aber gilt es auch zu bezeugen. Wenn
 uns jemand nach unserem Glauben fragt, antworten wir oft genug etwa, so
 schnell könne man das nicht erklären, oder dem anderen fehlten die
 Voraussetzungen dafür, das zu verstehen.
 Man darf auch nicht sagen, daß man so nicht gefragt werden dürfe. Wir
 lesen ausdrücklich: Wir müssen Rechenschaft abgeben über unseren Glauben
 wegen der Hoffnung. Dieser Glaube ist nicht allein unsere persönliche
 Angelegenheit.
 Zeugnis abzulegen heißt nicht etwa, sich auf spitzfindige theologische
 Diskussion einzulassen. "Gebt eure Hoffnung beredten Ausdruck." Das meint:
 Sprecht von dem, was euch Mut und Zuversicht verleiht. Die
 Überzeugungskraft der christlichen Hoffnung liegt nicht nur in ihrer
 Lebendigkeit, sondern auch in der Art, in der sie weitergegeben wird. Das
 soll der Christ mit Freundlichkeit tun. Gemeint ist jene menschliche Güte
 und Toleranz, die ohne Fanatismus, ohne den anderen lächerlich zu machen,
 ihren Standpunkt erläutert.@{b}

 Herr Jesus Christus, du weißt, wie schwer es uns oft fällt, uns auf
 Menschen unserer Umgebung so einzustellen, daß sie durch uns Glauben
 lernen können. Gib du uns dafür nicht nur Freudigkeit, sondern auch echte
 Freundlichkeit. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Petrus 3,13-17@{ui}

@{b} Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der
 Hoffnung fragt, die euch erfüllt.@{ub}  1.Petrus 3,15 (EÜ)

 Vielleicht kennen Sie die Geschichte von dem Missionar, der einen
 nahestehenden Menschen begraben mußte. Schon lange wollte er die Bibel in
 die Sprache der Einheimischen übersetzen. Immer wieder fehlte ihm das
 rechte Wort für "Hoffnung". Wie sollte er dieses abstrakte Wort
 anschaulich in der bildreichen Sprache der Südsee ausdrücken?
 Bei der Beerdigung des lieben Menschen wird seine eigene Hoffnung auf den
 österlichen Herrn geprüft. Ein Eingeborenenjunge geht mit ihm zum Grab. Er
 sieht, wie der Missionar weint, aber zugleich etwas ausstrahlt, das zeigt:
 Verzweiflung ist für ihn niemals das letzte. Und der Junge sagt: "Ihr
 Christen seid Menschen, die über den Horizont hinausschauen."
 In der heutigen Bibellese steht das Wort: "Seid stets bereit, jedem Rede
 und Antwort zu stehen, der nach er Hoffnung fragt, die euch erfüllt."
 Wir haben Ostern gefeiert. Wir haben bekannt, daß der Gekreuzigte lebt,
 daß´Gott seinen Weg gegen die Hoffnungslosigkeit der Kranken, der Sünder,
 der Traurigen bestätigt hat. Dieser Weg führte Jesus ans Kreuz, aber Gott
 war in Christus, ist in Christus, ist in ihm den Hoffnungsweg gegangen und
 hat den Sohn nicht im Tode gelassen.
 Freilich, das ist ein Inhalt des Glaubens. Wir möchten manchmal rufen:
 "Herr, warum nicht offenbarer?" Wieviel Hoffnungslosigkeit gibt es auch in
 meinem Leben. Und wieviel Mutlosigkeit und Unrecht in er Welt. Bitten wir
 um Mut und Kraft, die Wirklichkeit von Ostern im Glauben anzunehmen,
 Hoffnung zu haben und anderen Mut zu machen.@{b}

 So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei. Laß nichts die
 Hoffnung rauben, die Liebe herzlich sei. Und wird der Tag erscheinen, da
 dich die Welt wird sehn, so laß uns als die Deinen zu deiner Rechten
 stehn.@{ub}
                                             Manfred  Babel


@endnode
@NODE "1.Petrus 3e" "1.Petrus 3,18-22"
@{i}                      1.Petrus 3,18-22@{ui}

@{b}                      Christus für uns@{ub}

 Was wir heute lesen, ist eines der ältesten christlichen Lieder. Was
 Christus für uns bedeutet, ist Inhalt dieses Liedes. "Christus hat für uns
 gelitten" ist eine alte Kurzform des Christenglaubens. Wir kennen dieses
 "für uns" aus den Abendmahlsworten, sicher auch aus manchen Liedern und
 Predigten. So mag uns die Vorstellung von er erlösenden Kraft des Leidens
 Christi schon als selbstverständlich erscheinen. Wir machen uns vielleicht
 gar keine Gedanken mehr darüber, was dieses "für uns" eigentlich bedeutet.
 Doch das soll uns in diesem Liede deutlich werden. Jesu Tod ist die
 Überwindung der teuflischen und dämonischen Mächte.
 Auch in er Unterwelt, die Welt der Toten, ist er hinabgestiegen und hat
 dort sein rettendes Evangelium bezeugt. Seine Liebe erreicht alle, die
 Lebenden wie die Toten, die, die einst waren, und die, die einmal kommen
 werden. Eine Erinnerung an die alte Sintflutgeschichte soll das
 verdeutlichen. Dabei wird diese Flut in Beziehung gesetzt zum Wasser der
 Taufe. Doch anders als in der Sintflut ist die Taufe die Möglichkeit zur
 Rettung für alle. Doch wir finden hier ein anderes Verständnis der Taufe
 als an anderen Stellen des Neuen Testaments. Die Taufe wird nicht mehr
 magisch verstanden als Ende des alten Lebens. Sie ist vielmehr die Bitte
 um ein reines Gewissen. Sie soll Anfang eins ganz neuen Lebens sein. Sie
 ist also nicht nur Gabe, sie ist vielmehr Aufgabe: Wir Christen sollen
 durch sie ein neues Leben beginnen und verwirklichen. Wenn wir uns daran
 erinnern, daß wir auch einmal getauft sind, wollen wir das immer
 beherzigen.@{b}

 Herr Jesus Christus, es ist so einfach zu verstehen, was du von uns
 willst, und doch fällt es uns immer wieder so schwer. Wir bitten dich:
 Öffne uns doch Ohr und Herz, damit wir uns immer wieder auf dein Angebot
 besinnen. Amen.@{ub}


@{i}                      1.Petrus 3,18-22@{ui}

@{b} Die Taufe, die euch jetzt rettet, dient nicht dazu, den Körper von
 Schmutz zu reinigen, sondern sie ist eine Bitte an Gott um ein reines
 Gewissen aufgrund der Auferstehung Jesu Christi.@{ub}
 1.Petrus 3,21 (EÜ)

 In der Osternacht haben wir das Taufwasser gesegnet. Im Bad der Taufe
 sollen die Menschen neu geboren werden in das Leben mit Christus hinein,
 das kein noch so schwerer Tod rauben kann. Bei der Taufe er Kinder sage
 ich den Eltern und Paten: "Eurer Kind muß nicht nur wachsen, groß und
 stark werden. Es muß auch im Glauben wachsen. Es muß gesagt bekommen: Du
 hast zweimal Geburtstag, Geburtstag in das natürliche Leben hinein, das
 Leben in dieser guten, aber vergänglichen und erlösungsbedürftige
 Schöpfung, und Geburtstag zum ewigen Leben in deiner Taufe."
 Was muß das für ein Jubel und eine Freude gewesen ein in frühchristlicher
 Zeit in er Osternacht, wenn die Katechumenen nach längerer Zeit der
 Vorbereitung getauft wurden, aus dem Wasser stiegen und mit dem weißen
 Taufkleid bekleidet wurden.
 Wir brauchen heute ein ganz starkes und neues Taufbewußtsein. Wir sind in
 Christus neue Menschen geworden. Noch im Grab wird man sagen:
 "Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung" (vgl.1.Petrus 1,3).
 Bei der katholischen Beerdigung wird Taufwasser in das Grab gesprengt.
 Aber s gilt auch, neu zu leben, diesem Jesus nachzufolgen, ihm, der uns zu
 Gott führt - zum Bruder und zur Schwester und in die Verantwortung dieser
 Welt.
 "Ein ruhiges Gewissen" ist eigentlich noch zu schwach ausgedrückt. Die
 Taufe gibt mehr: neues Leben, neue Hoffnung, neuen Mut zum Engagement hier
 und jetzt.@{b}

 Herr, im Wasser und im Heiligen Geist sind wir neu geboren. Stärke unseren
 Glauben und unser Taufbewußtsein, damit man an unserem Leben und unserem
 Hoffen erkennen kann, daß wir Getaufte sind. Amen.@{ub}
                                                 Manfred Babel



@endnode
@NODE "1.Petrus 4a" "1.Petrus 4,1-11"
@{i}                     1.Petrus 4,1-11@{ui}

@{b}                   Ein befremdliches Leben@{ub}

 Wenn Christen miteinander im Gespräch sind über ihren Glauben, dann wird
 häufig die Frage gestellt, was denn das "Besondere" des christlichen
 Glaubens sei. Andererseits: wenn das Leben von Christen mit dem Leben
 anderer Leute verglichen wird, dann fallen oft gar keine besonderen
 Unterschiede ins Auge. Christen sind eben auch nur Menschen, hören wir
 dann sagen. Und dennoch sollten Unterschiede zu erkennen sein. Christen
 sind auch nur Menschen.
 Ja, gewiß. Aber sollten Christen nicht andere Menschen sein? Müßte das
 "Besondere" unseres Glaubens nicht glaubwürdig von unserem Leben abzulesen
 sein? Müßte unser Leben als Christen die Nichtchristen um uns her nicht
 wirklich "befremden", weil es offenbar ein Leben nach anderen Maßstäben
 ist, nach Maßstäben, die Jesus Christus gesetzt hat mit seinem Leben und
 Leiden? -
 Der Verfasser unseres Abschnittes will kürzlich getauften Erwachsenen Mut
 machen zu einem Leben, das sich deutlich unterscheidet von dem Leben der
 Nichtchristen rundum.
 Haltet nicht materiellen Wohlstand für das Wichtigste, er euch allerlei
 Genüsse möglich macht! Haltet in den mitmenschlichen Beziehungen nicht
 mehr alles für erlaubt, wenn es euch nur behagt! Dient nicht allerlei
 "Götzen"! Und wir ahnen ja, was alles zum Götzen werden kann für einen
 Menschen. - Gott hat doch jedem von euch besondere Gaben gegeben. Und Gott
 hat für unsere Welt ein ganz besonderes Ziel. Das behaltet im Auge. Darauf
 hin lebt und betet und handelt euren Gaben entsprechend. "Dient einander."
 Dann werdet ihr euch etwas zu erdulden haben. Das kann aber in der
 Nachfolge Jesu gar nicht anders sein.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir, daß du uns glauben läßt. Wir müssen
 nicht um jeden Preis anders sein wollen. Es genügt, wenn wir versuchen,
 unseren Glauben zu leben. Hilf uns dabei. Laß uns unsere Gaben entdecken.
 Amen.@{ub}


@{i}                        1.Petrus 4,1-11@{ui}

@{b} Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen
 und nüchtern zum Gebet.@{ub}  1.Petrus 4,7 (LB)

 Das Ende aller Dinge ist nahe - also auch der Verfolgungen, denen die
 christliche Gemeinde damals ausgesetzt war und die gerade erst begonnen
 hatten? Woher kommt diese Gewißheit? Ist das ein Trostwort, geboren aus er
 Erfahrung, daß alles einmal ein Ende hat? Das wäre ein schwacher Trost. So
 aber ist es eine Aussage der Hoffnung, geboren aus der Erfahrung des
 Glaubens, daß Gott sich immer wieder als der Herr erweist.
 Unser Liederdichter Paul Gerhardt schreibt (EKG 296,9): "Spricht nicht:
 Ich ehe keine Mittel, wo ich such, ist nichts zum Besten. Denn das ist
 Gottes Ehrentitel: Helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn
 nicht mehr spüren, tritt er herzu, uns wohl zu führen. Gib dich zufrieden!
   Mit der Erfahrung der Lebendigkeit des Auferstandenen in der
 nachösterlichen Gemeinde hat sich die Überzeugung eingestellt, daß eine
 Weltenwende eingetreten ist. Ein neuer Geist ist in diese Welt gekommen,
 der positive Veränderungen bewirkt. Es ist eben die Macht Gottes, der dem
 Tod und dem Haß nicht das letzte Wort läßt. Es ist die Liebe Gottes, die
 Wege findet, wo kein Weg mehr zu finden war, und die schon jetzt in dieser
 Welt, auch in unserem Leben anzutreffen ist.
 Daß mehr davon in unserem Leben zum Ausdruck kommt, darum geht es hier bei
 dieser Aufforderung zum Gebet. Das Gebet schafft Verbindung mit Gott. Es
 ist die Brücke, über die in unser Leben die Kraft kommt zur brüderlichen
 Liebe, zur Bereitschaft für andere dazusein, und zwar so, wie das jedem
 von uns möglich ist, entsprechend seinen Fähigkeiten, entsprechend seiner
 Begabung.@{b}

 Wenn wir am Ende sind, bist du, Herr, noch nicht am Ende. Wir danken dir,
 daß du uns beistehst in den Schwierigkeiten auch dieses Tages.@{ub}
                                                Martin Reuer



@endnode
@NODE "1.Petrus 4b" "1.Petrus 4,7-11"
@{i}                      1.Petrus 4,7-11@{ui}

@{b}                Uns  von Gott anvertraute Gaben@{ub}

 Nach Auschwitz und Hiroshima gibt es die schreckliche Möglichkeit, sich
 das Ende allen Lebens vorzustellen. Unsere Zeit ist davon gekennzeichnet,
 daß dieses Ende nicht nur denkbar, sondern von Menschenhand auch machbar
 geworden ist. Der Ruf zur Besonnenheit inmitten der Verwirklichungen der
 Zeit, den wir hier mit Worten der ersten Christenheit lesen, gilt heute
 besonders. Gott erwartet von jedem Menschen eine nüchterne Einschätzung
 der Lage und das Einwirken zum Guten, wo immer es möglich ist.
 Für uns Christen ist dabei das Gebet ein unverzichtbares Element. Hier
 breiten wir alles vor Gott aus. In der Begegnung mit Gott im Gebet
 bekommen die Anliegen der Welt einen hohen Stellenwert. Dabei wird uns
 klar, was wir zu tun und zu lassen haben.
 Zu unserer Freude wissen wir Gott in all seiner Macht über allem. Er wird
 seine Verheißung wahr machen. Die Ermahnungen aus dem heutigen Bibeltext
 beziehen sich auf die Gestaltung des Gemeindelebens angesichts einer der
 Gemeinde nicht wohlgesonnenen Umwelt. Dabei ist es ungemein wichtig, daß
 wahrhaftige Liebe da ist. Zu ihr sind auch wir durch Christus befähigt.
 Diese Ermahnung zeigt aber, wie sehr es auch bei uns an wahrer Liebe
 fehlt. Als Ausdruck der Liebe wird damals die Gastfreundschaft, die
 Freundlichkeit gegenüber Fremden genannt. Das gilt für die christliche
 Schwester und den christlichen Bruder, aber darüber hinaus auch für den
 Fremden überhaupt. Offenheit ohne Vorurteile gegenüber Fremden brauchen
 auch die Gemeinden in unserem Land. Viele Menschen aus fernen Völkern
 werden hier ausgebildet, arbeiten hier und leben zeitweilig unter uns. Uns
 wird bewußt, daß alles, was wir selbst haben und sind, uns von Gott als
 Gabe anvertraut ist. Damit haben wir so umzugehen, daß das Anvertraute
 vielen dient. Die Gaben sind unterschiedlich, aber durch alle soll Gott
 zum Zug kommen.
 Wir haben Grund, Gott täglich für vieles, auch für unsere Gaben und alles,
 was er uns gibt, zu danken. Wenn jeder herausfindet, welche besondere Gabe
 ihm Gott gegeben hat, ist viel gewonnen. Diese Gabe gilt es einzusetzen,
 unser Gemeindeleben wird lebendiger, wenn sich jedes Gemeindeglied mit
 seiner speziellen Gnadengabe einsetzt. Uns ist mit den Gaben auch die
 Aufgabe gegeben, für andere mit Verantwortung zu übernehmen. Gott wird am
 Ende aller Dinge darauf sehen, wie wir unsere Gaben verwerten haben. Wer
 wollte vor ihm mit leeren Händen stehen?@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du auch uns mit Gnadengaben beschenkt hast. Gib,
 daß wir sie nicht ungenutzt lassen, sondern sie zum Nutzen unserer
 Mitmenschen und dankbar gegenüber dir einsetzen. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 4c" "1.Petrus 4,12-19"
@{i}                       1.Petrus 4,12-19@{ui}

@{b}                      Bei der Freude bleiben?@{ub}

 Freud und Leid begegnen dem Menschen in seinem Leben. Daß sich dabei einer
 im Leid freuen könnte, ist uns ein recht ungewöhnlicher Gedanke.
 Vielleicht haben wir manchmal ein wenig gedankenlos mitgesungen: "In dir
 ist Freude in allem Leide."
 Zum Leid gehört doch mehr die Traurigkeit, die Verzagtheit. Sollte das für
 einen Christen anders sein? Sollte sich ein Christ freuen, wenn er einen
 lieben Menschen verliert? Nein, das kann nicht sein. Da wäre ja geradezu
 Unmenschliches verlangt. Auch Christen kennen den tiefen, tiefen Schmerz,
 in dem die Freude zeitweilig ganz verschwindet. Wenn auch den Christen in
 ihrem Glauben die Erinnerung bleibt an eine Hoffnung und an einen Trost,
 die stärker sind als alles Niederdrückende.
 Unser Abschnitt spricht nun aber noch von einem ganz anderen Leiden,
 nämlich "um des Namens Christi willen". Was Christen "als Christen" zu
 erdulden haben, das ist etwas ganz und gar Hoffnungsvolles. "Freut euch."
 "Selig seid ihr." Dieses Leiden soll also wirklich direkt zum Freuen sein,
 weil es Leiden mit Christus ist und Anteil gibt an seinem Leben. -
 Wir wollen uns hüten, diese Sätze zu schnell und zu direkt auf das bißchen
 Infragestellung zu beziehen, das uns "als Christen" widerfährt, wenn
 überhaupt.
 Der im ersten Petrusbrief redet, hat Verfolgung am eigenen Leibe erduldet.
 So kann er seine Schwestern und Brüder stärken, die nun ihrerseits unter
 der Verfolgung zu leiden haben. Staunend und dankbar hören wir diese
 Worte, in denen sich ein Glaube ausspricht, der im Leiden um Christi
 willen bei der Freude bleibt, sein Leben Gott anvertrauen und Gutes tun
 kann.@{b}

 Gott, unser Vater, wir legen, was uns freut, was uns schmerzt, was uns
 kaputtmachen will, in deine Hände. Du kannst machen, daß es gut ist für
 uns und daß wir gut werden für andere. Amen.@{ub}

@{i}                       1.Petrus 4,12-19@{ui}

@{b} Freut euch, daß ihr mit Christus leidet.@{ub}  1.Petrus 4,13a (LB)

Es macht uns allen sicherlich gar keine Freude, immer wieder feststellen zu
 müssen, daß das Leiden in dieser Welt anscheinend nie aufhört, sondern
 immer wieder neu hervorbricht. Auch wenn wir selbst nicht unmittelbar
 davon betroffen sind, so fühlen wir es doch jedesmal, wenn uns solche
 "Hiobsbotschaften" erreichen, daß das Leiden etwas ist, was die
 Lebensqualität mindert, was das Leben einengt, verdüstert und verkürzt.
 Wir stecken nicht in er Haut des anderen, dem Leid widerfährt. Wir können
 daher das wirkliche Ausmaß, das das Leiden für ihn hat, nur ahnen, nicht
 aber wirklich erfassen. Zu wünschen wäre dem Leidenden, daß er außer der
 Hilfe, die Möglich ist, wirkliches Mitleid erfährt, daß jemand ganz mit
 ihm mitfühlen kann.
 In der Christusnachfolge ist es dem Menschen möglich, sich ganz auf die
 Ebene eins Leidenden zu begeben, ihm wirklich ganz zur Seite zu stehen.
 Der Mut zu einem solchen Schritt und der Mut, dabei zu bleiben, wächst in
 dem Maße, je inniger die Verbindung zu dem auferstandenen Christus ist.
 Wer in er Nachfolge Jesu Christi lebt, wer sich von einem Geist bestimmen
 läßt, ist nicht nur zum wirklichen Mitleiden fähig, sondern darüber hinaus
 mit einer ganz tiefen Zuversicht erfüllt. Und diese Zuversicht trägt er
 hinein wie ein Licht in die Dunkelheit des Leidens. Im Vertrauen auf Jesus
 Christus wissen wir, daß kein Leid ewig währt, das die Hoffnung auf das
 endliche Kommen des Reiches Gottes nicht vergeblich ist.@{b}

 Herr, laß uns Boten der Hoffnung sein, wo immer Leiden das Leben von
 Menschen entstellt und zerbricht. Laß uns Boten der Hoffnung bleiben, auch
 wenn die Natur, auch wenn alles Lebendige um uns herum mit vom Leiden
 gekennzeichnet ist.@{ub}
                                                  Martin Reuer



@endnode
@NODE "1.Petrus 5a" "1.Petrus 5,1-4"
@{i}                      1.Petrus 5,1-4@{ui}

@{b}               Hirtendienst in der Nachfolge Christi@{ub}

 Gott der Herr hat in seiner Barmherzigkeit den Hirten für die Gemeinde
 gegeben, Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. An ihm
 können wir erkennen und von ihm lernen, wie der Dienst der Gemeindeglieder
 geschehen soll. Am Sonntag des guten Hirten bekommen wir keine Anweisung
 für die Dienste im einzelnen. Christus ist der Herr, der die Aufträge gibt
 und der am Ende seine Verheißung erfüllt. Sein Wort ist unter allen
 Umständen gütig, bindend und entscheidend. Da ist der Hirtendienst des
 Amtes, das die Apostel begonnen haben.
 Dazu gehören auch die Gemeindeglieder, die Ältesten und alle, die berufen
 sind, das Zeugnis von Jesus Christus in der Welt zu sein. Sie stehen unter
 dem Auftrag und erfahren die Verheißung. Sie sind alle zur
 Eigenverantwortlichkeit berufen. Hirt ist Jesus Christus selbst, der gute
 Hirte. Alle, die in der Kirche sich mühen, sollen es nur als Handlanger
 des Herrn tun. Wo sich Herrschsucht in der Gemeinde zeigt, geschieht das
 gegen den Willen des Herrn. Alle, denen Wort und Sakrament anvertraut
 sind, müssen darauf achten, daß sie nur das sagen, was ihnen von Christus
 aufgetragen ist. Im gepredigten Wort meint der Herr sein Volk, das er
 anredet, zu dem er spricht, es ruft, es tröstet, ermutigt, aufrichtet,
 zusammenführt, verbindet und befreit. Das ist der Hirt, der für die
 Gemeine sorgt. Sie braucht den, der zum Leben führt. Die Gemeine darf sich
 nicht zersplittern. Hier gilt der Hirtendienst in er Gemeinde, wie Jesus
 ihn will. Gott sucht das Verlorene und will dazu Helfer.
 Unser Antwort soll sein: Hier bin ich, sende mich, du brauchst mich, ich
 bin bereit. Darauf kommt alles an. Pfarrer und Gemeindeglieder leben
 täglich von der Vergebung. Sie bemühen sich um christlichen Wandel. Das
 geduldige, rettende, hingebende Tun des guten Hirten bestimmt das Tun
 aller, die in der Gemeinde dienen. Hier wird nicht im Ton der
 Überlegenheit geredet.
 Der Apostel ist Mithelfer seiner Gemeinde. Der Hirtendienst geschieht aus
 Gehorsam und aus Liebe. Alle sind in dienender Liebe miteinander
 verbunden. So geht es dem Tag Christi entgegen. Christus wird der
 sichtbare Hirte ein. Jetzt wird er gepredigt, schon jetzt ist seine Zeit.
 Er will den rechten Dienst.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du unser guter Hirte bist und uns in deinen
 Dienst rufst. Wir bitten dich: Gib uns immer neue Kraft, daß wir dich vor
 Augen behalten und dir in der Gemeinde dienen. Hilf, daß wir treue Hirten
 unter uns haben, die uns zu dir führen. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Petrus 5b" "1.Petrus 5,1-7"
@{i}                       1.Petrus 5,1-7@{ui}

@{b}                     Gemeinde ohne Sorgen@{ub}

 Ein "Ältester", der seinen Glauben schon in der Verfolgung bewährt hat,
 spricht seine "Mitältesten" an.
 Sollen wir an Kirchenälteste oder an Pastoren denken? Vielleicht an beide
 als ein Leiter der Gemeinde. "Weidet die Herde Gottes, die euch anvertraut
 ist."
 Das Bild vom Hirten und der Herde kann mißverstanden werden: der eine hat
 das Sagen, die anderen haben zu folgen. Zu solchem Mißverständnis kann es
 kommen, wenn man den einen der der "gute Hirte" ist, vergißt.
 Wir sind alle miteinander in unseren Gemeinden mitverantwortlich, daß es
 nicht zu diesem Vergessen und zu diesem Mißverstehen kommt. Die mit der
 Leitung einer Gemeinde betraut sind, sollen dies als Vorbilder tun, nicht
 als Herrscher.
 Auch wir haben solche Ermahnungen nötig. Eine Kirche, in der es mehr um
 Herrschaft geht als um die Wirkung des Vorbildes, kann in der Anfechtung
 nicht bestehen. Damit ist nichts gesagt gegen Ordnung und Unterordnung in
 er Gemeinde. Der Glaube, der sich bewährt hat, der "Älteste", der als
 Christ glaubwürdig geblieben ist, darf Autorität für sich in Anspruch
 nehmen. Er wird aber wohl auch am wenigsten in er Versuchung stehen, die
 anderen beherrschen zu wollen. Er wird denen, die noch nicht so für ihren
 Glauben einzustehen hatten, gewiß nicht von oben herab, sondern mit Demut
 begegnen. So kann in der Gemeinde eine Atmosphäre entstehen, in er Glauben
 gelernt und gestärkt wird auf die Bewährung hin. Und eine sehr
 bemerkenswerte Erfahrung kann in solcher Gemeinde gemacht werden: gerade
 wo darauf verzichtet wird, über andere zu herrschen zu wollen, anderen
 gegenüber etwas darzustellen, kann auch auf das Sorgen verzichtet werden.
 Gott sorgt für uns.@{b}

                         Gebet@{ub}                   Gedicht
                  Deine Gegenwart,
                  o Gott,
                  gibt uns Mut zur Zukunft.
                  Deine Hoffnung stellt uns auf.
                  Gib uns, wir bitten Dich, mehr liebende Phantasie
                  füreinander, mehr liebende Phantasie für die
                  Schöpfung insgesamt.
                  Belebe Deine Kirche, hier in unserer Gemeine
                  und überall in er Ökumene.
                  Laß uns nicht konfliktscheu werden im Kampf
                  für deine Sache.
                  Verlaß uns nicht im Leiden.
                  Denn Du bist das Leben auch unseres Lebens,
                  jetzt und in Ewigkeit.
                  Amen.
                                          @{i} Kurt Marti


                           1.Petrus 5,1-7@{ui}

@{b} Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist.@{ub}
 1.Petrus 5,2a (LB)

 Hier entsteht ein Bild vor unseren Augen, das heute nicht mehr unbedingt
 ansprechend wirkt. Abgesehen davon, daß es kaum noch Vieh gibt, das im
 Freien weidet, auch das Futter in den Stallungen stammt aus einer Natur,
 die in zunehmendem Maße mit Schadstoffen belastet ist. Die Formen des
 Weidens und der Aufzucht haben sich verändert; aber lohnt es sich
 überhaupt noch, Vieh zu halten? Da gibt es schwer absetzbare Überschüsse
 am Markt, eine Begrenzung des Viehbestandes ist die unvermeidliche Folge.
 Im übrigen, auch wenn es sich hier nur um einen Vergleich handelt, wer hat
 es schon gern, wenn er sein Leben mit dem einer Herdenexistenz verglichen
 sieht? Jeder möchte doch gern sein unverwechselbar eigenes Leben haben!
 Worin könnte der tiefere Sinn dieses bildhaften Vergleichs liegen? Ich
 denke, er liegt im Begriff des Weidens. Wer immer mit anderem Leben
 verantwortlich umgeht, wer auf das Wohl und die Entfaltung eines anderen
 Lebens bedacht ist, wie zum Beispiel eine Mutter bei ihrem Kind. der weiß,
 daß da eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden muß. Erst in einem
 solchen Umfeld des Vertrauens geschieht Wachstum und entfaltet sich das
 Leben, auch unser eigenes.
 Wir Christen haben eine besondere Verantwortung gegenüber denen, mit denen
 wir zusammenleben. Wir sind berufen, ein solches Umfeld des Vertrauens zu
 schaffen in dem unser aller Leben gedeihen und sich entfalten kann. Unser
 Auftrag zu weiden hat nichts zu tun mit irgendeiner Form von Zwang, im
 Gegenteil. Das Weiden hat eine befreiende Funktion, weil es vom Evangelium
 herkommt und weil es an der Person des auferstandenen Christus orientiert
 ist. Es will dem, der hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, bereits hier
 den Weg zeigen, wo das zu finden ist, was ihm fehlt.@{b}

 Wir danken dir, Herr, daß du den Glauben weckst und wachsen läßt auch in
 den Gefährdungen unserer Zeit. Laß uns für andere Menschen eine Hilfe sein
 bei unserer Suche nach einer Orientierung für ihr Leben.@{ub}
                                              Martin Reuer




@endnode
///
@NODE "1.Petrus 5c" "1.Petrus 5,8-14"
@{i}                       1.Petrus 5,8-14@{ui}

@{b}                    Bleiben auf festem Grund@{ub}

 Der Teufel, der umhergeht wie ein brüllender Löwe, ist geradezu
 sprichwörtlich geworden. An Darstellungen des Teufels fehlt es nicht. Aber
 darüber ist er auch zu einer Art Märchenfigur geworden, die keiner mehr
 recht ernst nimmt.
 Wir denken zu aufgeklärt, um ihm mit unserem alltäglichen Leben noch in
 Verbindung zu bringen. Aber die Versuchung, dieses raffinierte Weglocken
 von dem guten Weg, gibt es doch nach wie vor.
 Diese vielfältige Nötigung zur Anpassung, zur verharmlosenden Auslegung
 des Willen Gottes und des Vorbildes Jesu. Warum nicht vom Christsein
 Abstriche machen? -
 Wenn wir dafür ein Bild suchen, dann können wir das Bild "Teufel" nehmen.
 Aber dieser "Teufel" ist keine ulkige Figur mit Schwanz und Pferdefuß. Er
 ist eine Realität, die jede Gelegenheit nutzt, an unserem Glauben und an
 seiner Bewährung zu nagen, bis er klein und unansehnlich wird. Und diese
 Realität wirkt in uns, in unseren Gedanken, die darauf aus sind, uns ein
 bequemes Christsein zurechtzulegen. Sollten wir nicht unser Christsein so
 einrichten können, daß wir Schwerem aus dem Wege gehen? Kann man denn von
 uns verlangen, daß wir Verzicht, ja Anfeindung auf uns nehmen?
 "Ich kann doch trotzdem bei meinem Glauben bleiben." Das ist die
 Versuchung, die gutes Leben möchte ohne Teilnahme am Leiden Jesu Christi -
 damals und heute. Da hilft nur "nüchtern und wach" sein, nicht etwa
 denken: "Das kann mir nicht passieren." Ich muß prüfen, ob ich das, was
 ich tue, wirklich als Christ tun kann und tun soll. Gott gewährt dem
 widerstehenden Glauben den festen Grund.@{b}

 Herr, du redest zu uns und willst uns zu größerer Klarheit helfen. Laß uns
 erkennen, wo unsere Versuchung liegen. Hilf uns, unser Christsein zu
 bewahren, ohne daß wir andere Menschen leichthin ablehnen oder gar ihre
 Feinde werden. Stelle uns auf den festen Grund des Glaubens, damit wir so
 zu Zeugen deiner Liebe und deines Friedens werden. Amen.@{ub}


@{i}                     1.Petrus 5,8-14@{ui}

@{b} Eurer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und
 sucht, wen er verschlinge.@{ub}  1.Petrus 5,8b (LB)

 Das leuchtet uns ein: Es gilt, auf der Hut zu sein! Das gilt nicht für
 einen selbst, sondern auch für die, zu denen man gehört. Rechtzeitig muß
 man ausreichende Vorsorge treffen; aber lassen sich wirklich alle Risiken
 ausschließen und abfangen? Das Leben des einzelnen, aber auch das einer
 Gemeinschaft ist eine zerbrechliche, unwägbaren Zufällen und Gefährdung
 ausgesetzte Angelegenheiten.
 Doch was hat das mit dem Teufel zu tun? Was verbirgt sich hinter dieser
 Vorstellung, hinter dieser Figur einer scheinbar unwirklichen Märchenwelt?
 Gemeint  ist damit etwas, das uns unerklärlich und rätselhaft bleibt. Wir
 nennen es die Existenz des Bösen und umschreiben damit auch die Lust an
 der Gewalt und an der Zerstörung.
 Es ist letztlich die negative Macht, in deren Bann auch wir oft genug
 geraten und in deren Schatten wir leben. Es ist die Macht, die uns
 vergessen machen will, daß es einen Gott gibt, die immer wieder Zweifel
 sät an der Liebe Gottes, ob sie wirklich auch uns gilt. Es ist die Macht,
 die uns den Glauben an Gott als Schwäche auslegt und in uns die Illusion
 nährt, wir selbst hätten alles in der Hand.
 Damals, als dieser Brief geschrieben wurde, dem unser Bibelwort entstammt,
 brauchte man für eine Viehherde einen oder auch mehrere Hirten, weil diese
 Tiere sonst nicht ausreichend geschützt wären gegen die Angriffe von
 Raubtieren.
 Ähnlich schutzbedürftig ist die Gemeinde Gottes, weil ihr sonst verloren
 geht, was ihren Zusammenhalt ausmacht und ihr das besondere Gepräge gibt.
 Manchmal hat es den Anschein, daß selbst Christen sich in Raubtiere
 Verwandeln, böse werden können wie die damals noch zahlreichen wilden
 Löwen. Hier auf der Hut zu sein, darum geht es im Glauben: anglauben gegen
 das Böse und gegen die Kräfte der Zerstörung und Zuflucht nehmen bei Gott!
@{b}
 Lieber Herr! Manchmal täuscht die Ruhe, die um uns ist. Unversehens bricht
 die Unruhe und Angst über uns herein. Wenn wir kopflos werden - du
 behältst uns im Auge und wirst uns schützen.@{ub}
                                                 Martin Reuer



@endnode

@NODE "2.Petrus 1a" "2.Petrus 1,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     2.Petrus 1,1-11@{ui}

@{b}                  Die Erwählung festhalten@{ub}

 Als Schreiben des Petrus, des Erstberufenen unter den zwölf Aposteln,
 möchte dieser Brief gelten. Der Leser soll ihn als Testament dieses Mannes
 betrachten und ihn daher als besonders bedeutsam ansehen.
 Das Schreiben richtet sich nicht an eine einzelne Gemeinde; es soll allen
 gelten, die den Glauben an Jesus Christus teilen. Es folgte daher auch
 nicht, wie in den Paulusbriefen, ein Dankgebet für das, was es jeweils in
 den Gemeinden an Dankeswertem gibt. Es wird vielmehr von dem gesprochen,
 was uns Christen durch die göttliche Kraft geschenkt ist.
 Das wird dann in einer Reihe von Begriffen ausgedrückt, die wir in dieser
 Kürze kaum verstehen können. In er Mitte dieser Begriffe steht eine
 Steigerungsreihe: Glaube, Tugend, Erkenntnis, Mäßigkeit, Geduld,
 Gottesfurcht, brüderliche Liebe, Liebe zu allen Menschen.
 Es würde hier zu weit führen, diesen Begriffen im einzelnen nachzugehen.
 Auf eines aber wollen wir besonders achten: Höhepunkt der ganzen Reihe ist
 die Liebe. Diese Liebe soll allen Menschen ohne Ausnahme gelten. Dabei
 kann es dann keine unwiderrufliche Trennungslinie zwischen den "Gläubigen"
 und "Ungläubigen", zwischen Christen und Nichtchristen geben. Gott will
 sich über alle erbarmen.
 In diesem Schreiben folgt dann eine harte Auseinandersetzung mit
 "Irrlehrern". Wir wollen aber nicht vergessen, daß das Wort von der Liebe
 zu allen Menschen am Anfang steht. Vielleicht soll dieses Schreiben gerade
 nicht einen Trennungsstrich zu den "anderen" ziehen, sondern vielmehr Ruf
 zur Umkehr an sie sein.
 Christus will, daß "allen Menschen geholfen werde".@{b}

 Herr Jesus Christus! Du willst, daß allen Menschen geholfen werde. Laß uns
 dabei deine Werkzeuge sein! Hilf uns, daß wir keinen unter unseren
 Mitmenschen voreilig aufgeben! Hilf uns, daß wir uns um einen jeden von
 ihnen bemühen! Amen.@{ub}


@{i}                       2.Petrus 1,1-11@{ui}

@{b} Dann wird euch in reichem Maß gewährt, in das ewige Reich unseres
 Herrn und Retters Jesus Christus einzutreten.@{ub} 2.Petrus 1,11 (EÜ)

 Mit der Taufe begann für uns das Eintreten in das Reich Gottes. Seitdem
 Christus in unsere Welt gekommen ist, ins Dunkel der Zeiten hinein, in
 eine Welt voll Bosheit, Unwahrheit und Leiden, wächst es unaufhaltsam. In
 einem jeden von uns wirkt Christus sein Reich.
 "In reichem Maß" schenkt er uns jeden Tag sein Wort, sein Leben. Er weiß
 um unsere Dunkelheiten. Er hat uns versprochen, daß niemand hinausgestoßen
 wird, der ihm vertraut. Wer auf seine Liebe baut, den wird er in seinem
 Reich kennen. So wie er sich hier verborgen zu erkennen gibt, wird er
 einst am Ende der Tage in vollem Licht aufstrahlen. In dieser Zeit, in
 unserer Zeit des Erkennens, muß sich unser Leben bewähren, müssen wir
 fähig werden, Bürger des Reiches Gottes zu werden. Wir sind auf dem Weg
 mitten durch ein Leben, das das Ziel vor Augen hat. Wir müssen Zeit haben
 für Gott, für sein Wort und sein Bündnis mit uns.
 Vieles, was uns lieb und teuer ist, geht verloren, wird von uns getrennt.
 Doch das Bewußtsein, daß alles vorläufig ist, daß es Vorbereitung auf das
 Endgültige ist, gibt uns Mut und Ausdauer.
 Unser Leben reicht nicht aus, um all das in Anspruch zu nehmen, was Gott
 uns durch Jesus schenken will. Es ist gut, im Reich Gottes zu leben, zu
 wirken, Ausschau zu halten nach Vollendung.@{b}

 Gott, schenke uns ein offenes und weites Herz, um dir begegnen zu können.
 Laß unser Herz im Vielerlei des Alltages verankert sein, wo ein wahres
 Reich ist.@{ub}
                                               Bernadette Bargel (OSC)


@endnode
@NODE "2.Petrus 1b" "2.Petrus 1,1,16-18(-21)"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Petrus 1,16-18(-21)@{ui}

@{b}                   Besinnung auf die Grundlagen@{ub}

 In unserem heutigen Wort geht es um die Erinnerung an die Grundlagen der
 Verkündigung von Jesus Christus und damit um die Basis unseres Glaubens.
 Wir haben solch eine Besinnung auf die Stärkung unseres persönlichen
 Glaubens als auch für den Aufbau unserer Gemeinden und für ein neues
 Durchdenken weltweiter missionarischer Aufgaben.
 Es steht ja in unseren Gemeinden vieles nicht zum besten, denn eine
 Ausrichtung auf immer mehr Wohlstand, eine gewisse geistige
 Oberflächlichkeit und der Wunsch, unter allen Umständen "modern" sein zu
 wollen, das alles kann unsere Gemeinden leicht von er Wahrheitsgrundlage
 des Glaubens abbringen und sie allen möglichen "klugen Fabeln" ausliefern.
 Es muß aber dabei bleiben, daß in Jesus Christus und in der Verheißung
 seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten der Grund ein für allemal gelegt
 ist. Es muß dabei bleiben, daß die Apostel, die im Neuen Testament zu uns
 reden, die von Gott berufen und beglaubigten Augen- Und Ohrenzeugen des
 Kommen Jesu Christi waren und daß darum ihr Wort für uns verbindlich ist.
 Als "Zeugen erster Hand" stehen sie dafür ein, daß Gott Jesus von Nazareth
 verherrlicht hat, das heißt, daß er ihn als seinen Sohn und unseren Herrn
 bestätigt. So hat der christliche Glaube allein in diesem von Gottes Geist
 gewirkten Zeugnisworte der ersten Zeugen seinen festen Bestand, seine
 sichere Orientierung und seine bleibende Gewißheit.
 Zu diesem Wort, das uns Gottes Heil in Christus offenbart und mitteilt und
 das darum ein prophetisches Wort ist, gehört auch die vielgestaltige
 Botschaft des Alten Testaments, die mit ihrer Prophetie vorausschauend auf
 Christus hinweist. Angesichts dessen, daß wir schnell vom Glauben abkommen
 können, tun wir schnell daran, uns in unserem persönlichen Verhalten, bei
 den Entscheidungen unseres Gemeindelebens und hinsichtlich des Weges
 unserer ganzen Kirche immer aufs neue an dem prophetischen Wort Alten und
 Neuen Testamentes zu orientieren.
 In uns selbst, in unseren eigenwilligen Gedanken, sind wir finster. Es ist
 uns aber das Wort gesagt, das als Licht in der Finsternis scheint. Dieses
 Licht bringt uns die Strahlen eines neuen Tages, der der Tag des Heils für
 alle Welt sein wird.@{b}

 Herr, unser Gott, dein Wort ist uns nahe in dem Zeugnis deiner Apostel und
 Propheten. Gib uns deinen Geist, daß wir die Wahrheit erkennen und deinem
 Sohn Jesus Christus folgen auf dem Wege des Leidens. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "2.Petrus 1c" "2.Petrus 1,1,12-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Petrus 1,12-21@{ui}

@{b}                      Das prophetische Wort@{ub}

 Im Mittelpunkt dieses Schreibens steht eine Warnung vor falschen Lehrern.
 Sie soll als Vermächtnis des Apostels an seine Leser gelten.
 Im Anfang dieser Warnung wird festgestellt, was für die Christen
 unaufgebbare Grundlage ihres Glaubens sein muß: das Wort Jesu Christi.
 Den falschen Lehrern wird vorgehalten, daß sie "klugen Fabeln" (besser
 Mythen) folgen. Der Schreiber gibt sich als der Jesusjünger Petrus aus. Er
 will sogar Augenzeuge der Verklärung Jesu gewesen sein und die
 Himmelsstimme: "dies ist mein lieber Sohn" selbst gehört haben.
 Was bezweckt er mit diesen unzutreffenden Angaben? Er will die Leser daran
 erinnern, daß Jesus, der als Mensch auf dieser Erde gewandelt ist, und
 nicht irgendeine mythische Gestalt Grundlage des Glaubens ist. So sollen
 sich die Christen allein nach seinem Wort und nach nichts anderem richten:
 "Wir haben desto fester das prophetische Wort."
 Was aber ist mit diesem Wort gesagt? Das Neue Testament, wie wir es
 kennen, kann damit kaum gemeint sein. Es hat damals noch nicht als Kanon
 vorgelegen. Es ist eher die Botschaft, die in der alten Christenheit als
 die Lehre der zwölf Apostel anerkannt gewesen ist. Sie war damals schon
 eine feststehende Größe. Der Kreis der "Zwölf" galt als ihr Garant. Nur
 sie und keine anderen sind Gewährsmänner. Wer sich auf andere angebliche
 Autoritäten beruft, hat sich von er Jesusgemeinde getrennt. Die von ihnen
 stammenden Schriften (der Schreiber weiß von Paulusbriefen) sind von Gott
 bewirkt und nicht einfach nur menschliche Zeugnisse. Gottes Geist hat die
 Apostel angeleitet und geführt.@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du uns dein Wort verkündigen läßt
 und daß wir deinen Willen kennen dürfen. Hilf uns, daß wir auf dein Wort
 hören! Gib uns die Kraft, daß wir nach diesem Wort unser Leben einrichten!
 Amen.@{ub}


@{i}                         2.Petrus 1,12-21@{ui}

@{b} Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm
 auf dem heiligen Berg waren.@{ub}   2.Petrus 1,18 (EÜ)

 Viele Stimmen, laute und leise, umgeben uns. Fast alle versprechen uns
 mehr Glück, mehr Gesundheit, mehr Sicherheit. Sind wir überhaupt fähig,
 "die Stimme" aus dem Wirrwarr der Meinungen und Versprechen herauszuhören?
 Wer hören will, muß ruhig werden, muß lassen können, muß auf den heiligen
 Berg steigen. Wer hören will, möchte seinem Leben eine neue Richtung
 geben, will neue Weisung erhalten.
 Der Hörende richtet sich auf das Wort der Botschaft Jesu. Er vertraut
 darauf, daß Gott ihn nicht enttäuscht oder vergeblich warten läßt.
 Er läßt sich nicht ablenken oder zerstreuen, sondern ist aufmerksam auf
 neue Wegweisung.
 Und wenn er die Stimme Gottes erkannt hat, ist er kein tauber Hörer. Er
 verwirklicht in seinem Leben das, was er von Gott vernommen hat.
 Es gibt in unserem Leben "die Sternstunden", wo Gott uns angesprochen hat,
 Weisung gab und uns sandte.
 Auch Petrus erinnert sich an diesen Augenblick, als er auf dem Berg die
 Stimme, Gott, hörte. Sie formte sein Leben. Doch nicht nur in den
 außergewöhnlichen Situationen spricht Gott zu uns. Auch in den
 Kleinigkeiten des Alltags offenbart er sich uns. Wir müssen ihn nur
 erahnen und uns auf ihn einstellen, empfangsbereit werden.@{b}

 Herr, du schenkst uns dein Wort. Laß es uns hören. Wir danken dir dafür,
 wir danken dir für deine Nähe. Mache uns verständlich, was du uns sagen
 willst. Laß uns Wege finden, dein Wort zu leben.@{ub}
                                                 Bernadette Bargel (OSC)

 


@endnode
@NODE "2.Petrus 2a" "2.Petrus 2,1-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Petrus 2,1-22@{ui}

@{b}               Der Herr weiß die Frommen zu erretten@{ub}

 In diesem Kapitel geht es um die Auseinandersetzungen mit den "falschen
 Christen". Es entspricht in seinen einzelnen Aussagen und in seinem ganzen
 Aufbau dem Judasbrief. Wer heute dieses Schreiben liest, mag sich über
 mancherlei wundern. Es wird überhaupt nicht gesagt, was eigentlich die
 falsche Lehre ist. Es gibt kein Gespräch mehr mit diesen Irrlehrern; es
 fehlt jeder Versuch, sie von der Wahrheit des Evangeliums zu überzeugen.
 Nur von ihrem falschen und zuchtlosen Leben wird gesprochen. Wir hören von
 ihrem "Wandel nach Fleisch". Sie werden "Schmutzflecken" genannt; wir
 hören von Betrügereien und Ehebruch, von Schwelgereien und
 Ausschweifungen.
 Sicherlich ist bei diesem Bild vieles übertrieben. Eines ist aber sicher:
 Diese Leute hatten kein rechtes Verhältnis zu der sie umgebenden Welt.
 Ihnen ist diese Welt die Stätte des Bösen. So meinten sie wohl, ihr
 sittliches Verhalten in diesem Erdenleben sei nebensächlich. Die meisten
 haben die Berührung mit der Welt möglichst gemieden und ein Leben der
 Askese (Entsagung) geführt. Doch auch das Gegenteil, die Ausschweifung war
 natürlich denkbar.
 Der zweite Hauptgedanke des Kapitels ist er Hinweis darauf, daß Gott diese
 falschen Lehrer einmal strafen und richten wird. Dafür werden allerlei
 Beispiele angeführt: die Sintflut, der Untergang von Sodom und Gomorra.
 Wir müssen aber fragen: Dürfen wir als Christen überhaupt so denken? In
 unserem Schreiben ist doch wohl der Satz "Gott ist die Liebe" vergessen.
 Wer diesen Satz kennt, kann nicht so sprechen, wie es hier geschieht.
 Wir wollen uns an das Wort halten: "Gott will, daß allen Menschen geholfen
 werde."@{b}

 Herr Jesus Christus! Du hast verkündet, wie wir nach deinem Willen leben
 sollen. Hilf uns, daß wir bei deinem Wort bleiben und dich durch unser
 ganzes Leben preisen!. Amen.@{ub}


@{i}                        2.Petrus 2,1-22@{ui}

@{b} Der Herr kann die Frommen aus der Prüfung retten.@{ub}
 2.Petrus 2,9 (EÜ)

 Das Leben retten und das Leben verlieren, das kann der Mensch ohne Gott
 nie erlernen. Es gibt in jedem Leben Zeiten des Erleidens, der
 Enttäuschungen, des Vergehens und Versagens. Auch das Leben eines Christen
 wird von diesen Ereignissen nicht verschont. Hat unser Glaube in solchen
 Situationen die Kraft, gerade dann in Treue und Hoffnung festzustehen?
 Für den Ernstfall haben wir die Zusicherung Jesu: "Macht euch keine
 Sorgen." Aber gilt das auch für den grauen Alltag? Unser Glaube kann
 angesichts der Bedrängnisse in Zweifel geraten - doch endet er nicht in
 Verzweiflung! Unsere Hoffnung kann müde werden - aber sie wird durch Gott
 neu belebt. Unsere Liebe kann ins Wanken, in Sinnlosigkeit geraten - aber
 ihre Quelle, Christus selbst, versagt nie.
 Es ist Gott selber, der uns in aller Not immer wieder neu seine Hand
 reicht, der uns aus der Dunkelheit ins wunderbare Licht führt.
 Fehlt uns nicht oft der Mut zum geduldigen Aushalten?
 Für so viele Prüfungen und Heimsuchungen finden wir keine Erklärung. Viele
 Fragen unseres suchenden Herzens bleiben unbeantwortet. Was im Leid, in
 der Prüfung geläutert wird, ohne an Gottes Liebe irre zu werden, wird eben
 von diesem Gott neu aufgerichtet. Es wird ihm eine neue Zukunft geben.@{b}

 Herr, ich glaube an das Leben. Ich glaube an deine Liebe. Du hilfst mir,
 daß ich standhaft bleibe. Du rufst mich aus Einsamkeit und
 Hoffnungslosigkeit heraus. Laß aus Leid und Schmerz neue Hoffnung, starke
 Liebe und tiefen Glauben wachsen.@{ub}
                                             Bernadette Bargel (OSC)



@endnode
@NODE "2.Petrus 3a" "2.Petrus 3,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Petrus 3,1-9@{ui}

@{b}                     Der Herr kam nicht@{ub}

 Das war die Erfahrung, die die frühe Christenheit machen muß. Die erste
 Generation der Christen hatte geglaubt, die Wiederkunft Christi noch in
 diesem Erdenleben zu erfahren.
 So lesen wir es bei Paulus. Aber jene Generation ist gestorben. Als dieser
 Brief geschrieben wurde, lebte keiner von ihnen mehr. Darauf mußte sich
 die christliche Gemeinde nun einstellen. Es wurde also gefragt, ob man
 überhaupt mit dieser Wiederkunft noch rechnen dürfe.
 Auch uns Heutigen ist diese Frage nicht fremd. Und man kann diese Frager
 nicht einfach als "Spötter" abtun. Der Schreiber dieses Briefes versucht
 ja auch auf diese Frage eine Antwort zu geben. Sie hat zwei Teile.
 Zunächst verweist der Schreiber auf die Geschichte von der Sintflut und
 deutet diese als totale Vernichtung und Neuschöpfung.
 Das kann nicht ganz überzeugen, denn nach der zweiten Flut war die alte
 Erde wieder da. Doch den zweiten Teil seiner Antwort haben wir sehr ernst
 zu nehmen. Wir lesen: Bei Gott gilt unsere Zeitrechnung nicht mehr. Das
 Psalmwort wird zitiert: "Tausend Jahre sind vor dir wie ein Tag." Wenn
 also die Berechnungen über Christi Wiederkunft nie gestimmt haben und auch
 in Zukunft nicht stimmen werden, so liegt das daran, daß wir diese
 Wiederkunft in unser Zeitschema einzwängen wollten. Gott steht aber über
 aller unserer Zeit. Zu aller Zeit ist er der Gegenwärtige. An jedem Tage
 ist er der, der zu uns kommt. Das gibt jedem unserer Tage seine Bedeutung
 und sein Gewicht.
 Auch den letzten Gedanken unseres Abschnitts wollen wir beachten: Gott hat
 Geduld mit uns. Die Zeit, die er uns läßt, ist Gnadenzeit. Wir wollen sie
 nicht ungenutzt verstreichen lassen.@{b}

 Herr, unser Gott! Wir danken dir für jeden Tag unseres Lebens, den du uns
 schenkst. Laß uns erkennen, was du von uns an diesem Tage erwartest.
 Gib, daß wir unsere Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen! Amen.@{ub}


@{i}                       2.Petrus 3,1-9@{ui}

@{b} Der Herr zögerte nicht mit der Erfüllung der Verheißung.@{ub}
 2.Petrus 3,9 (EÜ)

 Immer wieder neu begegnet Gott den Menschen. In der Bibel lesen wir, daß
 er dem Menschen neue Weisung gab, einen Bund mit ihm schloß, den Bund mit
 ihm erneuerte, ihn durch Verheißung stärkte (Noah, Abraham, Mose, die
 Propheten).
 Zuletzt sprach Gott durch Jesus Christus selbst. Dieser offenbarte sich
 den Aposteln und auch dem Christenverfolger Saulus. Sie alle bezeugen, daß
 Gott uns nahe ist, der an uns sein Wort erfüllt. Erleben wir das auch
 heute noch? Ist Gott auch heute noch erfahrbar? Ist er noch der treue
 Gott, der seine Verheißung erfüllt? Angesichts unserer zerstrittenen und
 bedrohten Welt, in der nur noch das Materielle herrscht, erwarten wir kaum
 noch die Erfüllung der Verheißung Gottes.
 Wer aber ohne Gottes Zuspruch, ohne Gottes Liebe sein Leben gestaltet, dem
 geht der Sinn und er Zusammenhang von allem verloren. Er lebt am
 eigentlichen Leben vorbei.
 Gottes Verheißungen haben auch heute noch ihre Gültigkeit. Gott ist unser
 Heil. Er hat es uns zugesichert. Er liebt uns. Sein Sohn, Jesus, geht mit
 unserer Geschichte, eine Geschichte voller Angst und ungelöster Fragen.
 Gott kennt jeden von uns mit Namen, und einem jeden von uns verheißt er
 die Erfüllung des ewigen Lebens. Ich lebe, und auch du wirst leben.@{b}

 Gott, immer neu offenbarst du dich uns! Wir finden kaum Zeit, diese deine
 Zeichen zu merken und aufzunehmen. Rüttle uns auf aus unserer
 Gedankenlosigkeit. Tröste uns und stärke uns mit deinen Verheißungen.
 Amen.@{ub}
                                                 Bernadette Bargel (OSC)



@endnode
@NODE "2.Petrus 3b" "2.Petrus 3,3-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      2.Petrus 3,3-13@{ui}

@{b}                 Warten auf Gottes neue Welt@{ub}

 (Totensonntag)
 Heute werden viele Menschen zum Friedhof gehen und derer gedenken, die
 entschlafen sind. Wenn wir Menschen zur letzten Ruhe geleiten müssen,
 stärkt uns die Hoffnung, daß Gott ihnen einst ein neues Leben schenken
 wird. In solcher Hoffnung sind wir mit unseren Entschlafenen verbunden.
 "Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner
 Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt."
 Wir finden uns mit dem Tod nicht ab und auch nicht mit unserer, mit der
 bestehenden Welt. Denn damit, daß noch täglich Kinder an Unterernährung
 sterben, daß noch Kriege geführt werden und daß Menschen unterdrückt und
 ausgebeutet werden - damit wollen und können wir uns nicht abfinden.
 Deshalb warten wir auf Gottes neue Welt, in der Gerechtigkeit wohnt.
 Christen sind aber keine "geduldigen Schafe". Sie warten nicht ab, was da
 alles noch kommen mag, sondern sie erwarten den Tag Gottes und leisten dem
 Unrecht Widerstand. So nutzen sie die Zeit, die ihnen Menschen, die über
 unsere Hoffnung auf Gottes neue Welt nur den Kopf schütteln können. Das
 sind Spötter, die schon damals den Christen die Fragen vorgehalten haben:
 Rechnetet ihr nicht damit, daß Christus sehr bald wiederkommen würde? Wo
 bleibt aber die Verheißung seines Kommens? Ist nicht in der Welt alles
 beim alten geblieben? Hat sich etwa durch euch Christen bisher irgend
 etwas geändert? Natürlich ist solche Kritik verständlich. In der Tat hatten
 die Christen im ersten Jahrhundert nach Jesu Auferstehung nicht damit
 gerechnet, daß Gott mit dieser Welt noch 2000 Jahre Geduld haben würde.
 Aber das hatten sie schon genau durchdacht, besser als jene Kritiker: Bei
 Gott gilt ein ganz anderes Zeitmaß. Gott rechnet weder nach Tagen noch
 nach Lichtjahren (Ps.90,4). Daß er noch nicht eingegriffen hat in die
 Katastrophen, die Menschen den Menschen seitdem bereitet haben, liegt
 nicht daran, daß etwa unsere Welt so ungeheuer stabil wäre. Sie ist
 vielmehr zerbrechlich, wir ahnen, wie schnell es passieren könnte, daß es
 auf ihr kein Leben mehr gibt.
 Nein, es ist anders: Gott gibt uns Menschen noch eine Chance, daß wir uns
 seinen Erwartungen, seiner Gerechtigkeit zuwenden. Er hat mit uns Geduld.
 Aber er findet sich mit dieser Welt nicht ab. Er wird eine neue schaffen.
@{b}
 Wir danken dir, lieber himmlischer Vater, daß du dich mit dem Tod und mit
 unserer ungerechten Welt nicht abfindest. Laß uns wach sein in unserer
 Hoffnung und hilf uns, anderen Menschen von deiner neuen Welt zu erzählen.
 Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "2.Petrus 3c" "2.Petrus 3,10-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Petrus 3,10-18@{ui}

@{b}              Ein neuer Himmel und eine neue Erde@{ub}

 Der Briefschreiber hält an der Hoffnung der großen Neuschöpfung Gottes
 fest. Wohl verzichtet er auf alle Versuche, diese zu berechnen. Doch er
 glaubt fest: Sie erden kommen, auch wenn alle Versuche, das Wann dieser
 Wende zu bestimmen, unmöglich bleiben. Diese Erwartung teilt er mit allen
 Christen. Allerdings findet sich das Bild vom großen Weltenbrand nur an
 unserer Stelle im Neuen Testament. An anderer Stelle werden andere Bilder 
 verwendet.
 Der Schreiber wendet sich nun der Frage zu, wie sich Christen angesichts
 des Kommenden in ihrem Leben zu verhalten haben. Wir lesen hier: Nur der,
 "der sich im heiligen Wandel und gottesfürchtigen Tun" darauf einstellt,
 bereitet sich auf das Kommende recht vor. Der Verfasser meint, daß wir als
 Christen unser Leben so führen sollten und könnten, daß wir damit vor Gott
 bestehen können. Wenn wir auf Gottes Neuschöpfung warten, kann das kein
 tatenloses Warten sein. Wir warten wohl auf "einen neuen Himmel und eine
 neue Erde". Als ihr Charakteristikum gilt: "...in welchen Gerechtigkeit
 wohnt".
 Dieses Wort mag so verstanden werden, wie es in einem Prophetenwort steht:
 "Der Herr unsere Gerechtigkeit". Das bedeutet dann: Wo Gottes Wille
 wirklich getan wird, da herrscht Gerechtigkeit. Wir Christen kennen seinen
 Willen. Wir werden uns also darum bemühen, diesen seinen Willen schon
 jetzt in unserem Leben zu befolgen. Vielleicht können wir so bewirken, daß
 etwas von er Gerechtigkeit Gottes schon jetzt in unserer Lebenszeit zur
 Wirklichkeit wird.@{b}

 Herr unser Gott! Du bist der Schützer allen Rechts. Laß uns erkennen, daß
 du allezeit für uns das Rechte willst. Laß durch uns dein Recht in dieser
 Welt Wirklichkeit werden! Amen.@{ub}


@{i}                      2.Petrus 3,10-18@{ui}

@{b} Seid überzeugt, daß die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist.@{ub}
 2.Petrus 3,15 (EÜ)

 Ein Beter im Alten Testament sagte voll Zuversicht: Der Herr kennt den Weg
 der Gerechten. Trotz aller Anstrengungen bleiben wir weit hinter dem
 Anspruch Gottes zurück. Und doch bin ich in den Augen Gottes viel mehr,
 als ich jetzt bin, als ich an mir entdecke. Und es liegt noch unendlich
 mehr vor mir. Gottes Liebe geht alle meine Wege mit. Seine Geduld hält
 Ausschau nach mir, wenn ich vom rechten Weg abweiche.
 Es gibt eine Botschaft, die mich froh und frei macht: Ich darf bei meiner
 Heimkehr zu Gott mit leeren Händen kommen. Gottes erbarmende Geduld wartet
 auf mich. Er schenkt mir Rettung und Erlösung. Trotz aller Sünden darf ich
 hoffen, einmal sein Angesicht zu schauen.
 Am Ende des Lebens schenkt Christus Erlösung in Fülle. Schon jetzt hält er
 Ausschau nach mir (vgl.das Gleichnis vom verlorenen Sohn; Lukas 15,11-32).
 Er komm auf mich zu in Liebe. Er wartet auf mich.
 Und ich? Warte auch ich auf den gestaltgewordenen Ruf: Komm, Herr Jesus?
 Ungeduld versperrt meinen Weg zu Gott. Der Geduldige kann warten, hat Zeit
 zum Ausschau-halten, erahnt die Nähe Gottes. Weiß er doch, daß Gottes
 Geduld alle Menschen holen und heilen will. Gottes Geduld mit mir macht
 mich dankbar und hoffnungsvoll.@{b}

 Herr, zeige uns dein Angesicht. Laß es leuchten über uns. Habe Geduld mit
 uns. Halte uns und laß uns dereinst kommen zu dir. Amen.@{ub}
                                               Bernadette Bargel (OSC)



@endnode

@NODE "1.Johannes 1a" "1.Johannes 1,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 1,1-4@{ui}

@{b}                        Lebendiges Wort@{ub}

 Es kann sein, daß uns ein Briefblatt in die Hand kommt, dem die
 Unterschrift fehlt. Dennoch erkennen wir oftmals einen Absender an der
 Schreibweise, an den Worten, die er wählt, und am Thema.
 So ähnlich ist es beim heutigen Schriftabschnitt. Nicht wie sonst in den
 Briefen jener Zeit stellt sich der Schreibende mit Namen vor. Doch beim
 Lesen merken wir: Das hat unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Evangelium des
 Johannes. Offenbar genügte das auch den Adressaten. Wie in einer
 Ouvertüre, in der die Melodien des ganzen Stückes anklingen, faßt der
 Briefanfang reichhaltige Begriffe zusammen: Lebendiges, seit je
 vorhandenes und stets wirkendes Wort, Leben er Ewigkeit, Gemeinschaft,
 Freude. Es handelt sich nicht um allgemeine Betrachtungen, sondern um
 seelsorgerliche apostolische Worte. Beglaubigt sind sie durch Jesus
 Christus selbst. Der Verfasser schreibt vom Sehen mit eigenen Augen, vom
 Fühlen und Begreifen, von untrüglicher Überzeugung. Was Gott uns sagen
 will, verkörpert sich in einem Menschen, er auch während seines
 Erdendaseins mit Gott verbunden blieb und in diese Gemeinschaft diejenigen
 hineinzog, die auf ihn hörten. Er bringt das Leben der Ewigkeit. Die
 Zeugen sagen es weiter. Das verhält und vergrößert die Gemeine. Durch das
 Lebenswort sind neue Zeugen gewonnen. Das ist Grund zur Freude, die der
 Freude bringenden Botschaft entspricht. Gott zeigte sein väterliches
 Antlitz, als Jesus sich Gottes Sohn nannte. Wer neu zur Gemeinde kommt,
 gewinnt nicht nur Gefährten des Glaubens. Gott wird ihm nahe.@{b}

 Lieber Herr, wir möchten gern, daß die großen Worte der Heiligen Schrift
 uns mehr sind als Begriffe. Mache uns ihre Kraft so deutlich, daß sie ein
 Teil unseres Lebens werden. Schenke uns Gemeinschaft mit dir. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Johannes 1,1-4@{ui}

@{b} Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit
 auch ihr mit uns Gemeinschaft habt.@{ub}  1.Joh 1,3

 Nur er Gottes Gnade erfahren, gesehen und gehört hat, kann sie auch
 lebendig verkündigen. Wer noch nie in den Alpen war und von Berghütte zu
 Berghütte gewandert ist, kennt nicht den Duft der Almen, das Leuchten der
 Bergblumen und die Kühle des Quellwassers. Man muß die Berge schon selbst
 gesehen und erlebt haben.
 Auch das neue Leben, das Gott gewährt, die Freude eins neuen Anfangs nach
 vergebener Schuld, muß man an sich selbst erfahren haben. Jeder muß für
 sich selbst entdecken, daß die Verbindung mit Christus dem Leben Sinn
 gibt, daß er mich führt, daß ich mit ihm sprechen kann. Er schenkt meinem
 Leben Erfüllung und Gewißheit, die mich zwingen, auch anderen davon zu
 sagen. Und eben das ist die größte Freude, wenn ich an der
 Christuserfahrung eines anderen Menschen teilhaben darf. Denn indem mir er
 andere von seiner Erfahrung mit Gott berichtet, wird mir Gott größer und
 reicher. Und ich erkenne, daß in die Gemeinschaft mit Gott auch die
 Gemeinschaft der Glaubenden untereinander gehört.
                                                                  M-D



@endnode
@NODE "1.Johannes 1b" "1.Johannes 1,5-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 1,5-7@{ui}

@{b}                     Licht und Finsternis@{ub}

 Wer seiner Sache gewiß ist, darf sich ein entscheidendes Wort erlauben,
 auf die Gefahr hin, daß man ihm eine gewisse Einseitigkeit vorwirft.
 Mancher, der sich getroffen fühlt, spricht wohl auch von Härte. Doch
 Klarheit tut not. So wird hier alles, was Gott entspricht, andererseits
 auch alles, was ihm nicht entspricht, ausgesprochen durch den Gegensatz:
 Licht und Finsternis. Licht bedeutet für uns Lebenswärme und Lebenskraft.
 Es macht erst möglich, daß etwas keimt und gedeiht und Frucht bringt.
 Der Mensch braucht Licht, um menschenwürdig zu existieren und zu arbeiten.
 Etwas darüber zu sagen, wie Gott ist, versuchen wir oft, so schwer es ist.
 Wir bedienen uns dann der Umschreibung und des Vergleichs. So heißt es
 hier: "Gott ist Licht." Dieser kurze Satz trifft vielleicht den
 Sachverhalt am besten. Das haben wir bei Jesus gelernt, versichert der
 apostolische Verkündiger. Da Gott Licht ist müssen die Seinen so sein, daß
 sie das Licht nicht zu scheuen brauchen. Was vor Gott nicht bestehen kann,
 hat sich ihm entzogen. Sein Bereich ist nicht mehr das Licht, sondern die
 Finsternis, nicht die Wahrheit, sondern die Lüge. Er ist nicht in der
 Gottesgemeinschaft geblieben, er hat sich verirrt. Es gilt ernst zu machen
 mit dem Entweder-Oder. Es muß sich bei uns auswirken, daß wir auf die
 Seite des Lichts gehören. Man sollte uns anmerken, daß wir nichts mit dem
 Finsteren, Gottfeindlichen zu tun haben. Dann ist echte Gemeinde da. Wir
 dürfen auf das bauen, was Jesus durch sein Leben und Sterben erkämpfte.
 Durch ihn haben wir teil an seiner Reinheit. Gott schenke sie uns.@{b}

 Herr, daß wir zu dir gehören, ist nicht nur Geschenk, sondern auch
 Verpflichtung. Oft stehen wir vor einem Entweder-Oder. Hilf daß wir dann
 die rechte Entscheidung treffen, auch wenn sie uns unbequem ist.
 Amen.@{ub}


@{i}                         1.Johannes 1,5-7@{ui}

@{b} Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der
 Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.@{ub}  1.Joh 1,6

 "Gott ist Licht, und mit ihm ist keine Finsternis." Ein schönes Wort, in
 dem sich viele Menschen finden können. Doch schöne Worte bergen die
 Gefahr, daß sie unverbindlich bleiben. Viele suchen ein höheres Licht, um
 das Dunkel der Welt zu vergessen. Johannes bezeugt ein anderes Licht: Es
 ist das Licht von Jesus Christus. Er will das Dunkle nicht vergessen
 helfen, sondern hell machen. Wie können wir Gemeinschaft mit ihm pflegen,
 wenn wir nicht unser ganzes Leben seinem Licht aussetzen?
 "ich wandle doch nicht im Finstern", wird mancher einwenden. Mag sein,
 doch leben wir wirklich im Licht und nicht eher im Halbschatten?
 Wir lieben wohl alle das Licht, aber nur wenige wagen es, alle Tiefen
 ihres Ich diesem Licht auszusetzen. Wir wollen wohl als Christen im Alltag
 leben und finden uns doch ohne Widerspruch damit ab, daß in vielen
 Lebensbereichen ganz andere Gesetze gelten. Christus braucht mutige
 Fackelträger, die sein Licht in die verlogene Dämmerung einer
 "christlichen" Gesellschaft hinaustragen.
                                                               Z-O



@endnode
@NODE "1.Johannes 1c" "1.Johannes 1,8-2,2"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 1,8-2,2@{ui}

@{b}                      Sünde und Vergebung@{ub}

 Wir sind wohl fest entschlossen, uns als Christen zu bewähren, und tun
 dennoch manchmal das Gegenteil von dem, was recht ist. Sobald das
 geschieht, zerreißen wir unsere Gemeinschaft mit Gott und handeln
 praktisch so, als könnten wir selbst bestimmen, was gut und böse ist.
 Ein solches Verhalten nennt die Heilige Schrift Sünde. Dieses Wort - und
 mit ihm mancher schwerwiegende Begriff - wird in unserer Zeit wohl noch
 hier und da gehört, aber es sagt nicht mehr viel. Für die einen wurde es
 abgegriffen und deshalb leer. Anderen klingt es altertümlich und überholt.
 Aber das Sündigen selbst ist nicht vergangen. Jeder erfährt es im eigenen
 Leben. Je entschiedener wir das Rechte tun wollen, desto schmerzlicher
 empfinden wir unser Versagen und unsere Schwäche. Vielleicht geht uns erst
 dann auf, wie klar hier die Wirklichkeit gezeichnet wird.
 Auch Christen müssen sich mit der Sünde herumschlagen. Die Apostel
 erfuhren es am eigenen Leibe. Der Evangelist zeigt uns den Jünger Petrus,
 der im entscheidenden Augenblick behauptet, er habe nie etwas mit Jesus zu
 tun gehabt.
 Wir kennen Judas und seinen Verrat. Das sind bittere Erfahrungen. Unentbehrlich
 ist immer von neuem die Mahnung: Lauft Gott nicht weg; kehrt um von dem
 Irrweg. Dann beglückt uns die Zusage: Du darfst nach Hause kommen. Gottes
 lichte Welt ist noch immer für uns da. Jesus Christus garantiert es uns.
 Seien wir nur ehrlich vor uns und vor dem Herrn unseres Lebens und geloben
 wir von ganzem Herzen: In Zukunft soll es anders werden. Gott wird dabei
 helfen. Er tut es auch, wenn er uns vergibt. Dessen darf jeder Mensch
 gewiß sein.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns nicht aufgibst, obwohl du uns durch und
 durch kennst. Wir wollen in deinem Sinne handeln und werden doch so oft
 schuldig. Nimm gütig an, was wir versuchen, und bleibe uns nahe. Amen.
@{ub}


@{i}                          1.Johannes 1,8-2,2@{ui}

@{b} Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß
 er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.@{ub}
 1.Joh 1,9

 Sündigen heißt: Gott nicht ernst nehmen, mit ihm nicht rechnen und eigene
 Wege gehen. Sündigen heißt: den, der alle Welt trägt und erhält und der
 jeden einzelnen liebt, verachten. Nur er die Sünde fürchtet und sehr ernst
 nimmt, kann erfahren, was das heißt: Vergebung. - Sünde muß bekannt, vor
 Gott gebeichtet werden, am besten in Gegenwart eines menschlichen Zeugen.
 Meine Schuld muß in das Licht Gottes. Nur da verliert sie ihre tödliche,
 Zerstörerische Macht. Gott vergibt meine Sünde. Er ist treu. Auf sein
 Liebe ist Verlaß. Ich erfahre, wie unendlich wichtig wichtig ihm sein
 Beziehung zu mir ist. Er bringt mich zurecht. Das ist seine Gerechtigkeit
 und nicht das, was wir oft darunter verstehen und was eher so aussieht wie
 "Unerbittlichkeit". - Konkret und anschaulich wird uns Gottes Vergebung in
 der Vergebung, die wir von Menschen erfahren. Wo einer dem anderen
 vergibt, da ist nicht nur "Freude vor den Engeln Gottes", sondern da wird
 auch der Glaube an die Vergebung Gottes geweckt und bestärkt.
                                                                 M-M


@endnode
@NODE "1.Johannes 1d" "1.Johannes 1,5-2,6"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 1,5-2,6@{ui}

@{b}                   Kennzeichen unseres Glaubens@{ub}

 Die Gemeinde war unsicher geworden, weil manche Gemeindeglieder
 behaupteten, Sonderoffenbarungen bekommen zu haben. Soll man denen
 glauben, die selbstsicher von einer besonderen Gotteserkenntnis reden, die
 ausschweifend leben, weil der Körper nach ihrer Ansicht nichts zu tun hat
 mit der Seele und dem Glauben an Gott? Der Apostel widerspricht dieser
 Meinung und dieser Haltung. Er weist die Gemeinde auf die Verkündigung
 Jesu hin. Sie ist die einzige Grundlage und Richtschnur des Glaubens und
 Handelns. Niemand soll sich durch angebliche "Sonderoffenbarungen"
 irritieren lassen. Der Apostel gibt einen dreifachen Hinweis: In der Begegnung mit Gottes
 Wort erkennen wir: Wir sind Sünder.
 Was ist Sünde?
 Sünde ist Trennung von Gott. Als das Volk Israel durch die Wüste zog, war
 es von vielen Gefahren und Feinden bedroht. Geborgen war es allein bei
 Gott, der seinem Volk in der Wolken- und Feuersäule voranzog. Wer sich von
 Gott und dem Volk trennte und allein in der Wüste zurückblieb, war
 verloren. Die Trennung bedeutet Tod. In der Begegnung mit Gottes Wort
 erkennen wir: Jesus vergibt uns unsere Sünde, er hebt die Trennung auf. Er
 ist die Versöhnung für unsere Sünden. Vieles bekommt über jeden von uns
 zeitweilig Gewalt. Aber oftmals haben wir das - vielleicht sogar "über
 alle Dinge" - gefürchtet und geliebt. Es ist, als ob Fremdes einen
 Besitzanspruch auf uns geltend macht. Aber als Christen gehören wir unserem
 Herrn. Das ist sehr erlösend. Der Eigentümer geht eigen mit dem um, was
 ihm gehört. Gott hat es nicht mit ansehen können, daß wir in der Trennung
 von ihm vegetieren und zugrunde gehen. Er sandte seinen Sohn. Er hat die
 Trennung aufgehoben um den Preis seines Lebens. So teuer sind wir dem
 Lebendigen Gott.
 Der Apostel mahnt: Setzt diese so teuer erworbene Freiheit nicht wieder
 aufs Spiel. Die Liebe Gottes hat eine starke Ausstrahlungskraft. Sie ist
 das Licht, das leuchtet und erwärmt. Die Liebe Gottes, die uns in dem
 Wort Jesu, in er Taufe und im Abendmahl begegnet, will auch andere
 erreichen und verändern. Darum gibt es für den wahren Glauben an Gott zwei
 Kennzeichen: das Halten der Gebote und die Bruderliebe. Wer die Gebote
 nicht hält und die Schwestern und Brüder in der Gemeinde nicht liebt, kann
 sich auf noch so viele "Sonderoffenbarungen" berufen, er glaubt nicht an
 den einen Gott, den Vater Jesu Christi.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß dein Licht uns wärmt, daß du die
 Gemeinschaft mit dir gründest und bewahrst. Hilf uns, dein Evangelium zu
 verkündigen. Amen.@{ub}



@endnode
@NODE "1.Johannes 2a" "1.Johannes 2,3-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                        1.Johannes 2,3-6@{ui}

@{b}                    Nach Gottes Geboten leben@{ub}

 Die brieflichen Worte sind zum Teil geprägt durch das, was die damalige
 christliche Gemeinde erlebte und durchdachte. Aber wenn sich auch die
 Zeiten ändern, die Menschen bleiben sich sehr ähnlich. Über Gott und sein
 Wesen nachzudenken, ist gut und nützlich. Nur darf es nicht dabei bleiben.
 Der Evangelist bemängelt weder den Gelehrten noch den, der von sich aus
 nachdenkt, wohl aber die irrige Meinung, es genüge, über Gott klug zu
 reden. Schlimm ist es, sich obendrein einzubilden, man sei dadurch dem
 sogenannten schlichten Gemeindegliede überlegen.
 Schon in den Zeiten, als der Brief geschrieben wurde, sagte man wohl von
 Christen, was uns bis auf den heutigen Tag hier und da vorgehalten wird:
 Du bist auch nicht besser als andere.
 Der Apostel aber ist der Ansicht, gerade von einem Christen müsse man
 Besonderes erwarten. Es stimmt schon: Wer Gott kennt, muß das zeigen. Die
 Möglichkeit ist gegeben, denn Gott läßt uns nicht nur seine Güte
 verkündigen, sondern auch sein forderndes Wort. Er gebietet, und wer zu
 den Seinen gehören will, muß sich danach verhalten. Wo Menschen
 zusammengehören, genügt nicht hin und wieder ein leidenschaftliches
 Aufwallen, während der Rest ein gleichgültiges Nebeneinander ist. Erst
 recht bei echter Gottesgemeinschaft müssen wir uns dauernd zu ihm halten,
 in ihm "bleiben". Er ist nicht eine Zutat unseres Daseins, sondern die
 verpflichtende Mitte, nach er wir uns richten.
 Einen Menschen liebhaben, bedeutet auch, jederzeit mit ihm rechnen. Wer
 Gott lieb hat, wird ihn und eine Forderungen ernst nehmen. Gottes Gebote
 sind keine unverbindlichen Ratschläge.@{b}

 Herr, wir gehören zu deiner Gemeinde. Du selbst willst der Maßstab unseres
 Denkens und Handelns sein. Wenn du so viel von uns forderst, hilf uns
 auch, gib uns Halt und Klarheit. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Johannes 2,3-6@{ui}

@{b} Wer sagt, daß er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt
 hat.@{ub}    1.Joh 2,6

 Darum geht es in diesem Text: Wir sollen Maß nehmen an Jesus Christus,
 leben wie er gelebt hat. Glaube allein genügt nicht, wenn dieser Glaube
 nicht unser Denken, Wollen und Tun bestimmt. Glaube und Leben bilden eine
 Einheit und machen zusammen das Christsein aus. Wer zu Jesus gehört und
 ihm nachfolgt, der kann gar nicht anders, als sein Verhalten an ihm
 auszurichten. Und wie Jesus sich verhalten hat - zu seinen Jüngern, zu den
 Armen und Kranken, zu den Ausgestoßenen, zu den Ausländern, aber auch zu
 seinen Feinden -, davon berichten die Evangelien reichlich. Daran gilt es
 sich immer wieder zu orientieren und Jesu Verhalten als Maßstab für unser
 Handeln zu nehmen. Nur so bleiben wir davor bewahrt, daß Glaube und Tun in
 zwei unabhängige Teile zerfallen. Freilich sollen wir dabei auch unsere
 Grenzen sehen. Wie Jesu Jünger, so werden auch wir in der Nachfolge oft
 genug versagen. Aber das lehren die Evangelien auch: Jesu hat eine Jünger
 nicht im Stich gelassen. Er wird sich auch zu uns bekennen, für uns
 eintreten und uns bei all unserem Tun mit seinem Geist stärken.
                                                                 M-S



@endnode
@NODE "1.Johannes 2b" "1.Johannes 2,12-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 2,12-17@{ui}

@{b}                         Das Bleibende@{ub}

 Fast wird man bei diesen Sätzen an einen Familiengottesdienst erinnert, in
 dem Ältere und Jüngere beisammen sind. Wer da angeredet wird, ist im
 Glauben kein unbeschriebenes Blatt. Er gehört zur Gemeinde des Herrn
 Christus und zehrt von den Lebensgaben des Evangeliums. Er kennt die
 Grundwahrheiten des Glaubens und will mit dem Bösen nichts zu tun haben.
 Damit ist eine klare Entscheidung gefallen, aber sie muß sich immer von
 neuem bewähren. Keine Weltflucht und kein Einsiedlerleben werden von uns
 verlangt, wohl aber ein sorgsames Abwägen sämtlicher Einflüsse.
 "Welt" wird alles genannt, was sich der Herrschaft Gottes entzieht und
 widersetzt, gerade auch in uns. Haben wir noch nie in einer Form der
 Sinnlichkeit gehorcht, sind wir noch nie verlockt worden? Schätzen wir
 nicht auch gutes Leben und macht nicht auch uns Geld zufrieden? Sollen wir
 die Annehmlichkeiten des Daseins verachten? Wesentlich ist nur, daß wir
 nicht die bleibenden Worte vergessen. Denn sie allein gewähren uns den
 Anschluß an das Leben der Ewigkeit.
 Auch wenn wir nicht wie die Christen der Frühzeit mit einem baldigen
 Weltende rechnen, von der Vergänglichkeit wissen wir etwas. Schon eine
 Krankheit genügt, um den Dingen ein anderes Gesicht zu geben, ein Unfall,
 ein Schicksalsschlag, Auswirkungen des großen Weltgeschehens. Vieles ist
 veränderlich, was wir ungern missen. Gott ist der Bleibende. Bleibend ist
 ein Wille. Nehmen wir Gottes Willen ernst, befinden wir uns im Bereich des
 Bleibenden.@{b}

 Herr, gib uns offene Augen, das Wesen der Dinge zu erkennen. Lehre uns
 unterscheiden, was nur angenehm und was unaufgebbar ist. Zeige uns deine
 Forderung recht deutlich und mache uns stark, auf dem Bleibenden
 aufzubauen. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Johannes 2,12-17@{ui}

@{b} Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, er
 bleibt in Ewigkeit.@{ub}  1.Joh 2,17

 Hier spricht nicht ein Moralapostel, er uns alle Freude vergällen will.
 Die Menschen der Bibel können vielmehr in großer Dankbarkeit davon reden,
 was Gott seinen Geschöpfen an Gaben des Leibes und Leben schenkt: vom
 Wein, der "des Menschen Herz erfreut", bis zur Freundschaft und Liebe
 zwischen zwei Menschen, in der sich Gottes Liebe widerspiegelt. "Nichts
 ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird" (1.Tim 4,4), schreibt
 Paulus. Und: "alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts
 gefangennehmen" (1.Kor 6,12).
 Da ist nun freilich auch die Grenze und die Gefährdung alles dessen
 angesprochen, was in der Natur des Menschen und der "Welt" liegt: Es kann
 zu Abhängigkeit kommen, so daß ich in einen Sog gerate, dessen ich nicht
 mehr Herr bin, der vielmehr mich beherrscht und mit fortreißt. "Bleiben"
 und standhalten kann ich nur, wenn ich es mehr und mehr lerne, meinen
 Willen vom Willen Gottes führen zu lassen. Da ist der Halt, der mich auch
 noch über dem Abgrund des Todes hält.
                                                                N-A



@endnode
@NODE "1.Johannes 2c" "1.Johannes 2,18-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                      1.Johannes 2,18-29@{ui}

@{b}                     In Christus bleiben@{ub}

 Oft wiederholt Luther in seinen Liedern andächtig, daß in unserem Fleisch
 und Blut Gottes Wort als Mensch unter Menschen ein Erdengast gewesen sei.
 Gerade mit dieser Tatsache kann eine Strömung der frühen christlichen
 Jahrhunderte nichts anfangen. Sie schätzt das Geistige so hoch, daß es zur
 Überschätzung wird. Wohl bewundert sie das sichtbar gewordene "Wort", aber
 sie macht daraus ein Geistwesen, das als Mensch Jesus nur einen Scheinleib
 trug und nicht als Mensch kämpfte und duldete.
 Das klingt für unsere Ohren sonderbar. Allerdings hat es eine
 verständliche Wurzel: das Bestreben, das Wunder der Person Jesu zu
 erklären. Es ist genau das gleiche, was jede Predigt versucht und jeder
 Unterricht in Gottes Wort, was jeder von uns im stillen auf seine Weise
 tut. Immer von neuem kreisen unsere Gedanken um die Frage: Was ist das
 Besondere an Jesus gewesen, und was bedeutet er für uns?
 Darüber muß nachgedacht werden. Aber unsere Begriffe sind zu eng für den
 großen Inhalt. Deshalb neigen wir dazu, das Große zu vereinfachen und
 dadurch einleuchtend zu machen.
 Was "unerhört" ist, läßt sich schwer übersetzen. Doch muß es so geschehen,
 daß es er Sache dienst. Es darf sich nicht die Sache dienstbar machen.
 Dem Evangelisten ist es so wichtig, weil er die letzte Stunde alles
 Bestehende nahe meint. Aber im Grunde trägt jede Stunde, die uns Klarheit
 schenkt, den Stempel des Endgültigen. Denn die Weichen, die sie stellt,
 münden da, wo über uns das Urteil gefällt wird. "Was ihr gehört habt von
 Anfang, das bleibt in euch."@{b}

 Herr, unser Gott, du bist uns in Jesus Christus ganz nahe gekommen. Hilf,
 daß wir dagegen nicht gleichgültig werden. Behüte uns davor, daß wir
 dieses Wunder herabziehen ins Alltägliche und uns so um seinen Segen
 bringen. Amen.@{ub}


@{i}                          1.Johannes 2,18-29@{ui}

@{b} Und nun Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart wird,
 Zuversicht haben und nichts zuschanden werden vor ihm, wenn er kommt.@{ub}
 1.Joh 2,28

 Wenn ein Christ seine Gemeinde verläßt, wenn er seinen Kirchenaustritt auf
 dem Standesamt anmeldet, dann ist das nicht nur ein Verwaltungsakt, der in
 irgendeiner Statistik auftaucht. Wer sich von der Gemeinschaft der Kirche
 trennt, der muß Gründe haben. Oft sind es reichlich vordergründige
 Anlässe.
 In unserer Tageslese nennt Johannes einen nachdenkenswerten Grund:
 Leugnung der Gottessohnschaft Jesu (V.22). "Wahrhaftiger Gott -
 wahrhaftiger Mensch" formuliert das Nicänische Bekenntnis. Was gedanklich
 kaum zu fassen ist, das hat Gott in seiner Weisheit und Liebe in dem Einen,
 in Jesus Christus, verwirklicht.
 ER liebt die Welt in dem Einem, in Jesus Christus, verwirklicht. ER liebt
 die Welt und rettet sie, nicht irgendeine Idee oder Theorie, und sei sie
 noch so klug und tiefgründig. Darum auch die eindringliche Mahnung:
 "Bleibt in ihm!" Trennung von Christus und seiner Gemeinde ist keine
 Lösung, denn "er kommt".
 Sein bisheriges Ausbleiben ist kein Argument gegen ein Kommen. Im
 Gegenteil: Er, der Herr der Welt und Zeit, schenkt uns Zeit und
 Gelegenheit zum Bleiben, "damit wir nicht zuschanden werden vor ihm".
                                                                   N-E



@endnode
@NODE "1.Johannes 3a" "1.Johannes 3,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 3,1-10@{ui}

@{b}                         Gottes Kinder@{ub}

 "Sieh nur!" rufen wir gerne bei einem Spaziergang an einem sonnigen Maitag
 dem Menschen zu, er mit uns geht. Unsere Freude über die blühenden Bäume
 und das kräftige Grün der Wiesen ist nämlich so groß, daß wir ihn
 teilnehmen lassen möchten an unserem Erlebnis, obwohl er auch ohne unseren
 Hinweis alles sieht. Aber geteilte Freue ist doppelte Freude, geteilter
 Schmerz ist halber Schmerz.
 Auch Johannes will uns teilhaben lassen an einer Freude und ruft uns
 deshalb zu: "Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir
 Gottes Kinder sollen heißen!" Alles zeugt von Gottes Liebe, auch wenn er
 selbst uns verborgen bleibt, auch wenn wir ihn noch nicht schauen dürfen
 von Angesicht zu Angesicht.
 Die Natur, an der wir uns im Mai in besonderer Weise erfreuen, ist
 Schöpfung Gottes. Wir müssen nur richtig hinschauen, die Augen aufmachen,
 dann erkennen wir die sinnvolle Ordnung in dieser Schöpfung, die wir
 Menschen nicht ohne Strafe zerstören dürfen. Auch dies wäre Sünde, wie es
 Sünde wider Gott ist, wenn wir andere Menschen hassen. Er hat seinen Sohn
 Mensch werden lassen, damit uns die Augen geöffnet würden: Wir hassen
 Gott, wo wir einen Menschen in leibliche oder seelische Not bringen. Ja,
 wir sollen Gottes Kinder sein, auch wenn wir daran zweifeln und manchmal
 verzweifeln möchten über all dem Leid, das Menschen einander zufügen. Aber
 Gott hat uns in Jesus Christus nicht seine Liebe zu uns bewiesen, weil er
 sich Illusionen über uns machte, sondern weil er uns trotz allem liebt.
 Voller Vertrauen dürfen wir zu ihm gehen wie Kinder voller Vertrauen ui
 ihrem Vater, zu ihrer Mutter.@{b}

 Lieber Vater! Wir danken dir, daß du uns Menschen zu deinen Kindern
 erklärt hast. Wir danken dir für die vielen Zeugnisse deiner Liebe. Wir
 bitten dich, öffne uns Augen und Ohren für alle deine Geheimnisse in
 dieser Welt. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Johannes 3,1-10@{ui}

@{b} Wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar
 geworden, was wir sein werden. Wenn es aber offenbar wird, werden wir ihm
 gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.@{ub} 1.Joh 3,2

 Geht es Ihnen auch manchmal so wie mir? Bei den Aufgaben, Anforderungen
 und Sorgen des Alltags bin ich oft irritiert, verliere den Blick dafür,
 wer und was ich eigentlich bin. Vieles verunsichert mich. das Mißlingen
 eines guten Vorhabens, die Unstimmigkeit unter den Mitarbeitern, die
 mangelnde Glaubwürdigkeit meines Christseins und anderes mehr.
 Das Bibelwort des heutigen Tages ist da wie ein Lichtstrahl, der auf mich
 fällt, mich erleuchtet und mir in dem Alltagsgewühl wider die Gewißheit
 gibt, wer und was ich bin und wie es in Wahrheit um mich steht: Ich gehöre
 zur Familie Gottes und bin ein Mensch, den Gott kennt und liebhat.
 Er ist für mich da und wird alles zum Besten wenden, wenn nicht sofort,
 dann ganz gewiß in seiner Zukunft. Ja, auf ihn will ich mich heute
 verlassen und s mir immer wieder vorsagen: Durch Jesus Christus bin ich
 Gottes Kind. So darf ich über den heutigen Tag hinausblicken in seine
 Zukunft, in der seine Kinder ihn sehen und ihm gleich sein werden.
                                                                P-H


@endnode
@NODE "1.Johannes 3b" "1.Johannes 3,11-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 3,11-18@{ui}

@{b}                         Liebe ist Tat@{ub}

 Was bedeutet es, Kind Gottes zu sein? Es will uns die Gewißheit geben,
 allezeit, im Leben und im Sterben, in Gott Geborgenheit finden zu können.
 Wir sind schon jetzt hineingenommen in das ewige Leben, das unsere
 natürliche Grenzen von Geburt und Tod überschreitet. Gotteskindschaft hat
 aber auch Konsequenzen für mein Zusammenleben mit anderen Menschen. Sie
 übergibt uns Verantwortung für den anderen Menschen neben uns in der
 Familie, im Haus, im Beruf. Darüber hinaus legt sie uns Verantwortung auf
 für das Leben aller anderen Menschen auf unserer Erde.
 Wie Gott Kain fragte: "Wo ist dein Bruder Abel?", so fragt er uns nach
 diesen Menschen. Er ist nicht mehr ein anderer, der uns nichts anginge, er
 wird durch Christus zu unserem Nächsten. Er darf uns nicht mehr
 gleichgültig sein, Gott fragt uns, was ich tue, um seinen Hunger zu
 stillen und eine Schmerzen zu lindern. Wo wir dies nicht tun, da sind wir
 nicht besser als Kain, er seinen Bruder Abel erschlug. Jeder Haß gegen
 andersdenkende, andersgläubige oder andersfarbige Menschen verleugnet
 Gott. Jede Blindheit gegen das Leid des Nächsten verleugnet die
 Gotteskindschaft. In Duldsamkeit und Frieden sollen wir nach dem Willen
 Gottes auf dieser Erde leben, zunächst an unserem Platz, wohin er uns
 gestellt. Ebenso aber in unserem Land und in der großen
 Völkergemeinschaft. Die Zusammenarbeit der Kirchen in der Ökumene
 versucht, diesen Auftrag Gottes zu erfüllen.
 Auch wir in unserer kleinen Gemeinde können diese Arbeit mittragen, zum
 Beispiel durch unser Gebet und unsere Kollekte. Wir werden zu keiner Zeit
 und an keinen Ort aus diesem Liebesdienst entlassen.@{b}

 Herr, unser Vater! Dein Wort ermahnt zur Liebe untereinander. Wir bitten
 dich, mache unsere Herzen bereit und unsere Hände fähig zu helfen, wo
 unsere Hilfe gebraucht wird, damit wir nicht schuldig werden an unserem
 Bruder. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Johannes 3,11-18@{ui}

@{b} Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben
 und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in
 ihm? @{ub}   1.Joh 3,17

 Nichts erscheint klarer als dieser Auftrag Jesu: Habt euch untereinander
 lieb! Es ist das Erkennungszeichen der Christen. Wer die anderen liebt,
 gibt das Signal: Ich lebe wieder - wie ein Ertrinkender bei seiner
 Wiederbelebung zum erstenmal die Brust hebt.
 Jesus füllt die Leere der Gottestrennung nun mit Liebe. Das neue Leben
 bekommt Gestalt in Bruder- und Schwesternliebe. Wir können nicht zu Jesus
 gehören, ohne selbst von seiner Hingabe angesteckt zu erden. Bruderliebe
 springt als Funke vom Kreuz in unser Leben über.
 Daneben gibt es die Verdrehung: große Worte und nichts dahinter. Doch zur
 Theorie erstarrte Bruderliebe ist Rückfall in den Tod.
 Es gibt nur einen Schlüssel, der den Panzer unserer Teilnahmslosigkeit
 öffnet: Jesu Liebe. Nur eine Botschaft läßt aus Theorie Praxis, aus
 Routinekollekten leidenschaftliches Teilen werden: Jesu Lebenshingabe. Die
 materielle Versorgung anderer Christen ist der Testfall der Liebe: An
 meinem Geldbeutel und Konto zeigt sich, was ich von Jesus begriffen habe.
                                                               P-Wu



@endnode
@NODE "1.Johannes 3c" "1.Johannes 3,19-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 3,19-24@{ui}

@{b}                        Aus der Wahrheit@{ub}

 Den gelehrten und weisen Menschen aller Zeiten, die nach der Erkenntnis
 der Wahrheit streben, wird hier ein Erkennungsmerkmal der Wahrheit
 gegeben. Die Wahrheit im Leben eins Menschen besteht nicht in dem Aufweis
 von Richtigkeiten, das also zwei mal zwei vier und nicht fünf ist, sondern
 in dem Beweis durch sein Leben.
 Mein ganz persönlicher Glaube, der mein Leben in allem Tun und Lassen
 bestimmt, gibt jedem Menschen Auskunft darüber, ob dieser Glaube die
 Wahrheit meines Lebens ist oder - meine Lebenslüge.
 Hier wird ein hoher Anspruch erhoben, der nicht geändert werden kann nach
 Laune oder Stimmung. Er gilt immer. Er gilt auch dann, wenn mich mein
 eigenes Herz verurteilt. Gott spricht uns frei von unserer Schuld und
 nimmt uns als gestrauchelte Kinder dennoch an. Im Gebet, das oft nur wie
 ein verzweifelter Hilferuf, ein Stoßseufzer des verzagenden Herzens sein
 mag, läßt Gott, auch wenn es uns in der Unendlichkeit des Weltalls zu
 verhallen scheint.
 Im Alten Testament gibt es viele Gebote, zehn hat Martin Luther in den
 Katechismus übernommen. Dort lautet das höchste: "Du sollst Gott über alle
 Dinge lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." Dieses Gebot wird auch
 in unserem Abschnitt wiederholt, weil es unaufgebbar für den Christen in
 der Nachfolge Jesu ist. Dieses Gebot ist aber kein Gesetz, das uns
 auferlegt wurde wie ein hartes Joch, sondern es ist das Angebot eins
 Lebensweges, den wir für unser Leben wählen können. Gott läßt uns diese
 Freiheit um der Wahrheit willen.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du uns in dir die Wahrheit
 offenbart hast. Laß uns ganz aus dieser Wahrheit leben und Taten der
 Wahrheit tun, damit alle Menschen durch sie unseren Glauben an dich
 erkennen können. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Johannes 3,19-24@{ui}

@{b} Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind, daß, wenn uns unser
 Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.@{ub}
 1.Joh 3,19.20

 Ein Trost für erschrockene Gewissen! Als Erschrockene hören wir: Gott läßt
 uns nicht los. Vor ihm darf unser Herz zur Ruhe kommen. Denn wenn uns auch
 unser Herz verdammt: Gott ist größer als unser Herz.
 Das sind leuchtende Worte. Woher kommt diese helle Zuversicht? Das tut
 Christus für uns. Um seinetwillen können wir Zuversicht haben.
 Das ängstliche Herz des Frommen starrt stets auf seine Fehler, seine
 Schmutzflecken. Gott aber ist der Überlegene. Sein Standort ist nicht der
 eines beschränkten Menschen. Er ist größer als unser Herz. Sein Blick
 kommt aus der Tiefe der Liebe und bleibt nicht an den dunklen Stellen
 unseres Herzens haften. Er sieht uns als seine Ebenbilder, die er
 geschaffen hat und die wir um Jesu willen wieder werden sollen. Sein Blick
 ist voller Hoffnung.
 Wenn das aber so ist, daß unser Herz uns nicht verdammen kann, daß
 Christus uns um seiner Liebe willen nicht verwirft - wie wird dann die
 Freude in uns wachsen und alle Furcht weichen!
                                                                    P-W



@endnode
@NODE "1.Johannes 4a" "1.Johannes 4,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 4,1-6@{ui}

@{b}                      Prüfet die Geister@{ub}

 Zur Wachsamkeit werden Christen zu aller Zeit aufgerufen. Stets gab es
 Stimmen, die sagten, Jesus habe gar nicht leiblich gelebt, er sei
 lediglich ein Geist. Darum wurde das Bekenntnis zu Jesus, der als Mensch
 von Maria geboren wurde, zur zentralen Glaubensaussage.
 Dies ist es bis heute geblieben und wird es auch in Zukunft bleiben, denn
 mit diesem Jesus aus Nazareth steht oder fällt unser Glaube. Er, der als
 einer der Ärmsten in Bethlehem geboren wurde und den Weg zu Gott zeigte,
 der ist Gottes Sohn. Sein Weg zur Nachfolge ist gekennzeichnet von Demut
 und Liebe. Es war darum in jedem Jahrhundert einer der schlimmsten Irrwege
 der Kirche, wenn sie auf der Seite der Reichen und Mächtigen stand. Da
 wurde Jesus verraten. Da war nicht dieser arme, heimatlose Mensch, der
 nicht wußte, wohin er sein Haupt zur Nacht legen sollte, der Herr der
 Kirche, da bestimmten eigenmächtige Anschauungen und Überzeugungen ihren
 Weg. Dies mußte zu Streit, heftigen Auseinandersetzungen und endlich zu
 Spaltungen führen.
 So gilt es, innerhalb der Kirche die Geister zu prüfen, ob sie von Gott
 sind, das heißt, von dem Gott, der in Jesus Mensch geworden ist. Eine
 Kirche der es immer wieder um ihren Einfluß, ihr Ansehen und ihre Macht
 geht, muß sich fragen lassen, ob sie im Geiste dieses Gottes lebt.
 Christen, die nach ihren persönlichen Interessen und nach den Wünschen
 ihres Herzens leben, sind gefragt, ob sie wissen, welches Geistes Kinder
 sie sind (Lk.9,55). Nicht alles, was sich christlich nennt, ist es auch.
 Es gibt wahre und falsche Kirche. Darum prüfet die Geister.@{b}

 Herr Jesus Christus, gib uns täglich deinen Geist, damit wir immer die
 Geister unterscheiden können, die für dich und die gegen dich zeugen.
 Amen.

             Halt im Gedächtnis Jesum Christ@{ub}        Gedicht
              Halt im Gedächtnis Jesum Christ,
              o Mensch, er auf die Erden
              vom Thron des Himmels kommen ist,
              dein Bruder da zu werden;
              vergiß nicht, daß er dir zugut
              hat angenommen Fleisch und Blut;
              dank ihm für diese Liebe.

              Halt im Gedächtnis Jesum Christ,
              der für dich hat gelitten,
              ja gar am Kreuz gestorben ist
              und dadurch hat bestritten
              Welt, Sünde, Teufel, Höll und Tod
              und dich erlöst aus aller Not;
              dank ihm für diese Liebe.
              @{i}     Cyriakus Günther


                           1.Johannes 4,1-6@{ui}

@{b} Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der
 bekennt, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von
 Gott.@{ub}     1.Joh 4,2

 Wenn man jemanden vom Bahnhof abholen soll, den man nicht kennt,
 verabredet man ein Erkennungszeichen, zum Beispiel eine rote Blume. Andere
 haben vielleicht auch Blumen. Aber nur eine rote ist das richtige
 Erkennungszeichen. Auch Gott hat ein Erkennungszeichen mit uns Menschen
 verabredet, woran wir seinen Heiligen Geist erkennen sollen: Was denken
 und sagen wir über Jesus? Manche halten ihn für einen guten Menschen,
 andere für einen Sozialrevolutionär, die dritten für einen
 Religionsstifter, die vierten gar sehen in ihm gar keinen echten Menschen,
 sondern eine himmlische Idealfigur.
 Das richtige Erkennungszeichen aber lautet: Jesus ist zugleich der
 göttliche Christus und ein richtiger Mensch (ins Fleisch gekommen). In
 seiner Person ist die Brücke von Gott zum Menschen geschlagen. Darum gibt
 es kein von Jesus Christus abgelöstes Christentum. Wo ein Mensch diesen
 Jesus offen und öffentlich "bekennt", da hat der Geist Gottes gewirkt. Aus
 uns selbst heraus kommt es nicht dazu.
                                                               Bl-E



@endnode
@NODE "1.Johannes 4b" "1.Johannes 4,4,7-16a"
@TOC "MAIN"
@{i}                        1.Johannes 4,7-16a@{ui}

@{b}                        Ein Lied der Liebe@{ub}

 Wir finden in der Bibel mehrere Texte, die in besonderer Weise von der
 Liebe singen und sagen. Da ist das "Hohelied Salomos" im Alten Testament,
 dieses ergreifende Zeugnis einer tiefen Leidenschaft zweier Menschen. Über
 ihrem Lied steigt das Lob des Schöpfers auf, der sie zu dieser Liebe fähig
 macht.
 Da sind sie unvergleichlichen Verse des 13.Kapitels des 1.Korintherbriefes
 die in ihre Art einzigartig sind. Doch lassen uns auch diese Worte des
 Johannes nicht los: "Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, daß
 Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn
 leben sollen."
 Mitten im Mai werden wir an das Weihnachtsgeschehen erinnert, holt die
 Weihnachtsfreude uns ein. Da können wir eigentlich gar nichts mehr
 hinzufügen. Dieser Vers legt sich selber aus in seinem Zeugnis von der
 Unergründlichkeit der Lieb Gottes. Es ist, als wolle er alle unsere
 Zweifel an der Existenz Gottes, an seiner Liebe aufnehmen. Wir brauchen
 Gott nicht über den Sternen zu suchen. Er ist in seinem Sohn Jesus
 Christus unser Bruder geworden. Er wohnt mit seiner Liebe unter uns, die
 wir gar nicht zuverlässig sind, in uns, die wir wankelmütig werden und die
 Treue leicht vergessen. Gott macht ja seine Liebe nicht von uns Menschen
 abhängig. In er Freiheit seiner Gnade gibt er uns täglich seinen Geist und
 macht uns dadurch fähig, seine Liebe anderen Menschen dankbar
 weiterzugeben. Und wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in
 uns, und seine Liebe ist völlig in uns (V.12).@{b}

 Lieber Vater, wir danken dir, daß du uns Menschen deine Liebe geschenkt
 hast, damit wir einander lieben. Befreie uns von aller Selbstsucht, die
 nur an das eigene Wohl denkt. Laß uns stets auf dich blicken, auf dein
 Opfer für uns. Amen.

                      Das Hohelied der Liebe@{ub}       Gedicht
                         Unüberwindlich
                         ist der Tod:
                         niemand entrinnt ihm,
                         keinen gibt er frei.
                         Unüberwindlich -
                         so ist die Liebe,
                         und ihre Leidenschaft
                         brennt wie ein Feuer.
                Kein Wasser kann die Glut der Liebe löschen,
                und keine Sturzflut schwemmt sie je hinweg.
                Wer meint, er könne solche Liebe kaufen,
                der ist ein Narr, er hat sie nie gekannt!
                @{i}    Das Hohelied 8,6u.7


                              1.Johannes 4,7-16a@{ui}

@{b} Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so
 bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.@{ub}
 1.Joh 4,12

 Zur Zeit des Johannes gab es Menschen, die behaupteten, in Visionen und in
 Ekstase Gott gesehen zu haben. Für sie war es nicht mehr wichtig, wie man
 im Alltag lebte und miteinander umging: Man übersprang den Mitmenschen.
 Was zählte, war die Gottesschau.
 Auch heute gibt es Menschen, denen es nur um ihr Verhältnis zu sich
 selbst, um Bewußtseinserweiterung und Persönlichkeitsentfaltung. Man tut
 nur, was einem guttut, der andere neben mir spielt keine Rolle.
 Johannes sagt etwas anderes: Das Entscheidende ist, daß ihr als von Gott
 geliebte Menschen seine Liebe weitergebt. Eure Kraft und Liebe ist schnell
 erschöpft; aber wenn ihr an Gott als Quelle der Liebe angeschlossen
 bleibt, dann könnt ihr versuchen, euch in die Lage des anderen zu
 versetzen und zu überlegen: "Was würde ihn ermutigen? Was könnte ihr
 helfen?" Gott hat den Anfang gemacht mit seiner Liebe, damit wir immer
 wieder neu anfangen können, auch heute.
                                                                 A-H



@endnode
@NODE "1.Johannes 4c" "1.Johannes 4,16b-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 4,16b-21@{ui}

@{b}                         Gott ist Liebe@{ub}

 Daß Gott Liebe ist, das ist das Glaubensbekenntnis derer, die sich von ihm
 in Jesus Christus geliebt wissen. Die Glaubenden sagen das also nicht im
 Blick auf die eigenen Vorstellungen, die sich von Gottes Wesen machen,
 nicht aus eigenen Erfahrungen oder eigenem Nachdenken heraus, auch nicht,
 um ein allgemeinverständliches Wort für den Begriff "Gott" zu gebrauchen.
 Sie sagen das einzig und allein im Glauben an Jesus, in dessen Worten und
 Taten, in dessen Tod und durch dessen Auferstehung ihnen diese Gottesliebe
 eindeutig und überzeugend geworden ist. Gott hat seine Liebe zu uns allen
 wirklich und allein in Jesus von Nazareth offenbart. In der Kraft dieser
 Liebe, die der Heilige Geist in unsere Herzen bringt, werden wir aus der
 Furcht und der Scheu vor Gott in die Freude und die Freiheit der Kinder
 Gottes versetzt. Unser Verhältnis zu Gott wird "entkrampft". Wo Liebe
 herrscht, muß alle Furcht weichen, allem voran die Furcht vor dem ewigen
 Gericht über unser Leben. Wir gehen ja dem Richter entgegen, der zuvor in
 Christus die Strafe für unsere Sünden getragen hat.
 Damit, daß Gott uns so liebt, ist uns die Liebe zu unseren Mitmenschen
 geboten. Das Liebesangebot an uns gründet in der Liebe Gottes zu uns. Wie
 die Liebe die Furcht vor Gott austreibt, so schließt sie auch den
 Bruderhaß aus. Wie wir Gottes Liebe nur im Blich auf Jesus "sehen" können,
 so können wir auch den Gott, der uns so menschlich begegnet, nur lieben,
 indem wir unsere Mitmenschen lieben. Indem wir Vergebung und Geduld üben,
 geben wir allen Menschen Zeugnis von der Liebe unseres Gottes.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du uns die Liebe des Vaters
 offenbart hast. Wir bitten dich, öffne uns die Herzen, damit wir deine
 Wege der Liebe in unserem Leben erkennen und uns in den Willen Gottes
 schicken. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Johannes 4,16b-21@{ui}

@{b} Laßt uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.@{ub}  1.Joh 4,19

 Das scheint zu allen Zeiten ein Problem gewesen zu sein: die Liebe. Wenn
 soviel von Liebe geredet werden muß - und Johannes tut es in seinem Brief,
 dann ist sie Mangelware.
 Liebe als Sexus ist reichlich vorhanden. An Liebe als Eros mangelt es auch
 nicht: Liebe zur Musik, zur Heimat, zu einem Schriftsteller. Liebe, die
 Johannes meint, heißt im Griechischen "Agape". Dies ist das typische Wort
 für die christliche Liebe. Paulus hat über sie ein ganzes Lied aufbewahrt
 (1.Kor 13). Diese Liebe ist Person geworden in Jesus Christus. Gott hat
 uns in Jesus Christus geliebt vor aller Zeit, bevor wir selber an Liebe
 denken konnten. An Jesus können wir ablesen, was Liebe ist: für den andren
 dasein bis zum Lebenseinsatz. Jesus Christus ist die Liebesseite Gottes.
 Am Kreuz ist sie zu erkennen, und als Kreuz ging sie durch die
 Jahrtausende.
 Darum: Laßt uns lieben! Auch dann, wenn der oder die andere unsere Liebe
 nicht erwidern kann. Diese Liebe ist nicht Gefühl, sondern eine
 Einstellung, die Kraft braucht. Und sie kommt aus der Kraft, die uns in
 Gottes Liebe zuteil wird.
                                                           Ro-W



@endnode
@NODE "1.Johannes 5a" "1.Johannes 5,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 5,1-5@{ui}

@{b}                      Die Welt überwinden@{ub}

 Das Wort vom Überwinden der Welt kann man in doppelter Weise mißverstehen.
 Ein Mißverständnis ist der Wunsch, absichtlich aus dem Leben zu gehen.
 Zwar wäre ein solcher Wunsch bei allergrößten Schmerzen verständlich. Aber
 der Glaube will uns lehren, selbst in diesem Fall zu hoffen: Die
 Versuchung wird ein solches Ende finden, daß wir's ertragen können.
 Das andere Mißverständnis will die Welt sich selbst überlassen und sich
 vor der Verantwortung drücken. Wer so denkt, spricht: Hauptsache, ich
 selbst werde selig; was aus den anderen wird, ist mir egal.
 Beide Mißverständnisse sind im Grunde egoistisch. Beides meint der Apostel
 nicht, wenn er vom Überwinden der Welt redet. Die "Welt", die es zu
 überwinden gilt, ist gerade der Egoismus. Alle Welt denkt an sich selbst,
 aber der Glaube denkt an die anderen Kinder Gottes. Die Welt überwinden
 heißt den anderen lieben.
 Der Glaube an den Sohn Gottes ist kein leeres Wort; er besteht vielmehr
 darin, daß wir uns in ein Liebe zu den Menschen hineinnehmen lassen. Davon
 redet der Anfang unseres Textabschnittes und eigentlich der
 1.Johannesbrief insgesamt sehr deutlich. Das ist schon ein Sieg, wenn man
 zur Liebe befreit wird!
 Der alte Mensch, die Welt wird überwunden, und ein neues Leben im Glauben
 und in der Liebe beginnt. Der Apostel sagt: Das ist nicht schwer. Er will
 sagen: Der Glaube macht uns das Opfer und die Nächstenliebe zur Freude.
 Wer nicht mehr zuerst an sich selbst denkt, hat die Welt überwunden. Dazu
 werden wir eingeladen.@{b}

 Lieber Herr, unser Gott! Du hast uns den Auftrag gegeben, für andere
 Menschen dazusein. Wir denken aber oft zuerst an uns selbst. Befreie uns
 zur Liebe. Mache uns deutlich, daß wir im Glauben und in der Liebe die
 ganze Welt überwinden können. Amen.@{ub}


@{i}                        1.Johannes 5,1-5@{ui}

@{b} Wer glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren.@{ub}
 1.Joh 5,1

 Wer ist von Gott geboren? Wer gehört dazu? Wer ist wirklich ein Christ? Da
 gehen die Wogen unter Christen oft hoch. Die einen fragen nach dem Datum,
 die anderen nach der Bekehrungsgeschichte. Am Ende hängt mein Heil gar an
 meiner Entscheidung.
 Johannes sagt ein klärendes Wort über diesen Streit: "Wer glaubt, daß
 Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren." Wer sich ganz darauf
 verläßt, daß der Gekreuzigte Jesus von Nazareth der Christus, also er
 erhöhte Sohn Gottes ist, der ist von Gott geboren.
 Nicht aus eigener Kraft, sondern aus er Treue Gottes kommt ein Mensch ins
 Leben. Nicht meine Entscheidung trägt, sondern die Treue Gottes, die im
 Kreuz erkennbar wird. Da ist alles für mich geschehen.
 In der ersten Frage des Heidelberger Katechismus heißt das so: "Was ist
 dein einiger Trost im Leben und im Sterben? daß ich mit Leib und Seele,
 beides, im Leben und im Sterben? Daß ich mit Leib und Seele, beides, im
 Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu
 Christi eigen bin."
 Wie gut, daß wir ihm gehören! Wie gut, daß seine Treue uns trägt.
                                                                   B-D



@endnode
@NODE "1.Johannes 5b" "1.Johannes 5,6-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                       1.Johannes 5,6-12@{ui}

@{b}                    In Jesus Christus ist Leben@{ub}

 Worte sollen oft erinnern. Wasser erinnert an die Taufe. Wasser erinnert
 an die Rettung aus der Sintflut. Wasser erinnert an die Rettung aus den
 Fluten des Schilfmeeres, an die Rettung des alten Volkes Israel aus der
 ägyptischen Sklaverei.
 Das Wort vom Blut erinnert hier an den Opfertod Jesu Christi am Kreuz.
 Sein Opfer wurde uns zur Rettung. Nun müssen wir nicht mehr Sklaven der
 Schuld sein. Wir sind frei für ein neues Leben für Gott und die Menschen.
 Seit Jesus Christus den Sieg am Kreuz vollbracht hat, lohnt sich das Leben
 erst richtig. Es ist wirklich sinnvoll geworden. Der Geist erinnert an
 Pfingsten. Zu Pfingsten wurde die Siegesbotschaft Jesu Christi den
 Menschen überzeugend gesagt. Sie begannen zu glauben, sie begannen zu
 leben. Die Kirche nahm ihren Anfang.
 Jedesmal, wenn ein Mensch neu zu glauben und zu leben beginnt, hat der
 Geist sein großes Werk getan. Es ist gut, sich an Wasser, Blut und Geist
 zu erinnern. Erinnern heißt sich vergegenwärtigen. Wenn sich Israeliten an
 den Auszug aus Ägypten erinnern, dann treten sie beim Gebet von einem Fuß
 auf den anderen. Sie erinnern sich an die Wanderung durch die Wüste, den
 Weg in die Freiheit. Erinnern heißt, die Vergangenheit in die Gegenwart
 hineinnehmen, sie jetzt erfahren und erleben.
 Im Judentum mußten mindestens zwei Zeugen übereinstimmen, wenn man über
 die Wahrheit einer Sache gewiß sein sollte. Hier sind es zwei, ja sogar
 drei Zeugen für das Leben in Christus: Wasser, Blut und Geist. Sie sagen
 übereinstimmend: es lohnt sich, mit Christus zu leben.@{b}

 Lieber Herr, öffne unsere Ohren und unser Herz, daß wir ganz auf dein Wort
 hören. Erinnere uns an alles, was du für uns getan hast. Laß uns unser
 Leben im Glauben an dich führen und dankbar unseren Weg gehen. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Johannes 5,6-12@{ui}

@{b} Das ist das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und
 dieses Leben ist in seinem Sohn.@{ub}  1.Joh 5,11

 Dieser Abschnitt ist wahrlich nicht leicht zu lesen. Aber es gibt eine
 wunderschöne Weise, solche von schweren Inhalten vollgedrängten Texte
 besser aufnehmen zu können. Man macht es wie bei einem Transparent. Eine
 Kerze hinter dem dunklen Bild macht das Transparent durchsichtig und klar,
 leuchtend erscheinen die Figuren und Gegenstände.
 Ich halte hinter den ganzen Abschnitt das Wort Jesu: "Ich bin der Weg und
 die Wahrheit und das Leben."
 Wie lebendig und kräftig erscheinen uns jetzt die Sätze von dem Zeugnis
 und von dem Zeugen. Und wie deutlich wird alles, was über das Kommen
 gesagt wird. Gott läßt seinen Sohn kommen und macht sich selber zum
 Garanten der Wahrheit. Gott hat seinen Weg zu den Menschen gefunden durch
 Jesus Christus. Und Jesus hat den Weg zu Gott gefunden durch Kreuz und
 Auferstehung. Dieser doppelte Weg ist die Voraussetzung für unser eigens
 Leben, für unser eigenes Heil, für die eigene Ewigkeit. Jesus selber ist
 der treue Zeuge für diese Wahrheit.
                                                             S-F



@endnode
@NODE "1.Johannes 5c" "1.Johannes 5,13-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                        1.Johannes 5,13-21@{ui}

@{b}                       Er hört unser Gebet@{ub}

 Mit dem Beten muß man erst seine Erfahrungen sammeln. Viele denken, man
 brauche eben nur ein paar Worte zu machen. Dann wundern sie sich, wenn es
 nicht nach ihren Wünschen geht. Sie sagen dann sehr schnell: Gott hört ja
 doch nicht. Aber die Sache beginnt erst einmal umgekehrt. Gott redet zu
 uns; hören wir auf ihn? Was er von uns und für uns will, hat er gesagt.
 Die gefalteten oder zusammengelegten Hände sagen: Ich ergebe mich dir und
 einem Willen; du kannst mit mir tun, was dir gefällt. Wer beten will, soll
 darum zuerst nach Gottes Willen fragen und wissen: Ich habe nichts zu
 bringen, beschenk du mich; ich habe nichts zu fordern, fülle mich mit
 deiner Güte.
 Erfahrungen mit dem Gebet wachsen erst, wenn man es wagt, sich auf Gottes
 guten Willen einzulassen. Dann allerdings wendet sich das Blatt. Dann gibt
 er uns, was wir nach seinem Willen bitten. Er hört uns und beschenkt uns
 reichlich, oftmals weit über unser Maß hinaus.
 Eine derjenigen Bitten, die ganz nach dem Willen Gottes sind, ist die
 Bitte um Vergebung und Versöhnung. Gott will vergeben und versöhnen. Wer
 für einen anderen bittet, darf gewiß sein, daß Gott ihn erhört. Eine
 andere Bitte nach dem Willen Gottes ist die Bitte um Bewahrung vor eigener
 Schuld. Wenn wir stolz werden wollen, wenn wir denken, wie unschuldig wir
 von selber sind, wie tapfer und gerecht wir sind, dann wird er uns nicht
 erhören. Darum laßt uns mehr bitten nach seinem Willen, so hört er auch
 unser Gebet.@{b}

 Lieber Vater im Himmel, hilf uns, daß wir uns mit unseren Bitten ganz in
 deinen Willen hineingeben, damit wir davor bewahrt bleiben, nur an uns
 selbst zu denken. Erhöre unser Gebet durch Jesus Christus. Amen.@{ub}


@{i}                       1.Johannes 5,13-21@{ui}

@{b} Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas
 bitten nach seinem Willen, so hört er uns.@{ub}   1.Joh 5,14

 Wie oft geraten Menschen, die beten, in Bedrängnis! Hört Gott mein Rufen,
 oder gehen meine Worte ins Leere? Je entscheidender das Gebet für die
 Lebenssituation des Beters ist, desto mehr vermag ihn jene Bedrängnis
 einzuholen: vor einer Operation, deren Ausgang ganz ungewiß ist; in der
 Sorge um den Lebensweg eines Kindes; in der Suche nach dem verlorenen Sinn
 des Lebens.
 Hört Gott mein Rufen? Ist mein Beten "nach seinem Willen"? Doch wer will
 das entscheiden? Von der Zuversicht, die wir haben, spricht Johannes. Ja,
 dieser Zuversicht will ich mich aussetzen in meinem Gebet und mich nicht
 ängstigen mit der Frage, ob ich erhört werde oder nicht. Dann hörte ich
 das Wort Jesu, das mich ermutigt: "Bitte, so wird euch gegeben!" Und der
 Trost seines Zuspruchs führt mich aus der Bedrängnis in die Weite: Euer
 himmlischer Vater weiß, was ihr braucht.
                                                                  S-M



@endnode
@NODE "1.Johannes 9a" "1.Johannes 9,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                        1.Johannes 9,1-12@{ui}

@{b}                   Ein Blinder erhält das Augenlicht@{ub}

 Unter den vielen Kranken fällt der Blick Jesu auf einen Blinden. Die
 Jünger sehen es und stellen eine merkwürdige Frage: Hat die Blindheit
 etwas zu tun mit der Sünde dieses Menschen oder mit der Sünde der Eltern?
 Das die Sünde etwas mit der Krankheit zu tun hat, steht für sie außer
 Frage.
 Auch wir fragen manchmal: Womit habe ich das verdient? Ich habe mir nichts
 zuschulden kommen lassen und muß doch leiden. Selbst wenn die
 Voraussetzung, daß das Leiden letztlich in der Trennung von Gott seine
 Ursache hat, stimmt, bleibt die Frage, wie denn ein Säugling sündigen
 kann. Oder sollen wir etwa annehmen, daß hier der Gedanke von er
 Seelenwanderung zugrunde liegt, daß der, der blind geboren wurde, in einem
 "früheren Leben" gesündigt hat und nun leiden muß?
 Jesus geht auf die Fragestellung der Jünger nicht ein. Er blickt nicht
 zurück und fragt, woher dieser Mensch leiden muß. Er blickt nach vorn und
 fragt: Wozu ist dieser Mensch in einem Leiden bestimmt? Er sagt, die Werke
 Gottes sollen an ihm offenbar werden, an ihm, einem Teil seiner Schöpfung.
 Jesus ist gekommen, Himmel und Erde zu erneuern, in einer neuen Schöpfung
 Gott zu verherrlichen. Nicht alle Kranken werden geheilt. Aber an diesem
 Blindgeborenen soll deutlich gemacht werden, was Gott will. Eine dunkle
 Landschaft wird gleichsam durch einen Blitz erhellt. Jesus, der das Licht
 der Welt ist, schenkt einem Menschen das Augenlicht. Zuerst behandelt er
 den Blinden. Er macht einen Brei aus Speichel und Erde und legt ihn auf
 seine Augen. Er scheut sich nicht, den Kranken anzufassen. Dann kommt der
 Befehl mit der Verheißung. Der Blinde kann sehen.@{b}

 Herr, wir bitten dich heute besonders für alle Menschen, die blind geboren
 sind oder im Laufe ihres Lebens das Augenlicht verloren haben. Wir bitten
 dich für Ärzte und Schwestern. Wir danken dir für alle Hilfsmittel und
 Medikamente. Amen.@{ub}



@endnode

@NODE "2.Johannes 1a" "2.Johannes 1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                       2.Johannes 1-13@{ui}

@{b}                Wer weitergeht, hat Gott nicht@{ub}

 Wer stehengeblieben ist, hat den Anschluß verpaßt. Er verhält sich nicht
 zeitgemäß. Bewegung und Leben entsprechen einander. Stehenbleiben erinnert
 an Stillstand, ist eine Vorstufe des Todes. Das ist die gängige Meinung,
 und sie entspricht auch der Erfahrung im Leben insgesamt. Unser
 Glaubensleben ist davon nicht ausgenommen. Auch da gilt: Wer stehenbleibt,
 wird bald unbeweglich, starr, unlebendig. Der Glaube wird zur Gewohnheit.
 Er zieht andere Menschen nicht mehr an. Neue Gedanken dagegen erfrischen
 uns. Sie bringen uns voran, erschließen uns vielleicht sogar Jesu
 Botschaft tiefer. Jesus Christus selbst kann dadurch in ein neues Licht
 gerückt werden. Seine Kraft wird dann spürbar, überraschend vielleicht und
 eindrucksvoller als bisher.
 Aber auch das andere gibt es. Es stellt sich heraus, Jesus Christus kann
 ganz verschieden beurteilt werden. Die einen ordnen ihn ein in die Reihe
 der großen Anreger, der Weisheitslehrer, der Religionsstifter. Andere
 wiederum möchten ihn nicht vergleichen mit Menschen, wie wir sie sind.
 Sie sehen in ihm nur den Träger einer großen Idee.
 Beide Gruppen bemühen sich, fortzuschreiten, über das hinauszugelangen,
 was wir von Jesus wissen und was uns vertraut ist. Wenn es soweit kommt,
 ist der Punkt erreicht, an dem der Älteste des 2.Johannesbriefes die
 Herrin und ihre Kinder, das heißt die Gemeinde Jesu Christi und ihre
 Glieder, warnen muß. Dann ist die Mahnung fällig: Wer weitergeht und
 bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht. Unser Glaube ist
 dann in seinem Zentrum gefährdet.@{b}

 Lieber Herr! Dein Wort bringt beides in unser Leben. Es befestigt, was uns
 trägt, unseren Glauben. Es will uns aber auch in Bewegung setzen, es will
 Neues erschließen. Beides ist notwendig. Bleib du er Mittelpunkt, Herr.
 Amen.@{ub}


@{i}                    2.Johannes 1-13@{ui}

@{b} Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat
 Gott nicht.@{ub}    2.Joh 9

 Die christliche Gemeinde wird immer wieder von Irrtum und Spaltung
 bedroht. Und diese Gefahr kommt oft nicht von draußen, sondern aus der
 Mitte der Gemeinde. Es gibt immer wieder Leute, die behaupten, Christen zu
 sein, aber sie machen sich ihren eigenen Christus zurecht. Sie wollen
 nichts von Jesus wissen, der Mensch geworden ist und leiden mußte wie ein
 Verbrecher, weil er keinen Schritt von der Wahrheit Gottes gewichen ist.
 Nein, sie wollen einen besseren Christus haben. Da wird dann zwar auch von
 Menschenliebe und Menschlichkeit geredet. Aber ist es auch eine Liebe, die
 mit der Wahrheit Gottes übereinstimmt?
 Man kann Glaube und Liebe nicht voneinander trennen. Sonst legt sich jeder
 selbst zurecht, was er Menschenliebe und Menschlichkeit nennt, und hält
 die Gemeinschaft mit dem gekreuzigten Heiland für entbehrlich.
 Es ist etwas anderes, ob ich allgemein von der Liebe rede oder aus der
 Begegnung mit Jesus heraus, der auch für mich sein Leben geopfert hat.
 Hüten wir uns, daß wir nicht verlieren, was Jesu Liebe uns gebracht hat,
 und unsere Menschenliebe ein Stoß ins Leere bleibt.
                                                              Sch-E



@ENDNODE
@NODE "3.Johannes 1a" "3.Johannes 1-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      3.Johannes 1-15@{ui}

@{b}                    Gehilfen der Wahrheit@{ub}

 Die Wahrheit besteht nicht für sich allein. Wir suchen und wir finden sie.
 Wir erfahren sie. Die Wahrheit wird gesagt. Wir bekommen sie heraus und
 prüfen sie nach. Die Wahrheit ist stets in Bewegung. Sie benötigt den
 Austausch. Sie braucht ihre Gehilfen. Auch die Wahrheit des Glaubens, ja
 gerade sie. Wenn jemand meint, er könne allein über die Wahrheit des
 Glaubens verfügen, der Austausch mit anderen sei unwichtig, dann wird es
 gefährlich für die Gemeinde.
 Das war in einer frühchristlichen, in einer Johannesgemeinde, der Fall.
 Ein Gemeindeleiter, Diotrephes mit Namen, wollte allein die Maßstäbe
 setzen. Bisher waren Glaubenslehrer von Gemeinde zu Gemeine gereist. War
 solcher Austausch noch nötig? Wozu fremde Prediger? Das brachte nur
 Kosten, womöglich gar Meinungsunterschiede. Hatte die eigene Gemeinde
 nicht selbst alles? Begabungen waren genügend vorhanden und Aufgaben
 ebenfalls. Eine klare Ordnung unter seiner Leitung fand Diotrephes besser
 als einen Austausch der Meinungen oder Absprachen mit anderen Gemeinden.
 Was woanders üblich war, sollte auch woanders bleiben. Hier gilt, was bei
 uns üblich ist. Wenn einer bestimmt, wo es langgeht, bekommt das der
 Gemeinde am besten. Das gibt die richtige Sicherheit im Alltag und am
 Feiertag.
 Dagegen wendet sich der Älteste des 3.Johannesbriefes, und deshalb kündigt
 er seinen Besuch an. Die Wahrheit des Glaubens darf nicht der Herrschsucht
 einzelner überlassen werden. Sie braucht die Erfahrung der anderen. Andere
 sollen für uns Gehilfen der Wahrheit sein, und wir können für andere zu
 Gehilfen der Wahrheit werden. So bleibt eine Gemeine gesund.@{b}

 Lieber Herr! Du willst uns selbst die Maßstäbe setzen. Wehre dem
 Eigenwillen in uns. Laß nicht zu, daß Streben nach Geltung in deiner
 Gemeine zum Zuge kommt. Mach uns bereit, aufeinander zu hören und
 voneinander zu lernen. Amen.@{ub}


@{i}                     3.Johannes 1-15@{ui}

@{b} Mein Lieber, du handelst treu in dem, was du an den Brüdern tust,
 zumal an fremden.@{ub} 3.Joh 5

 Wie sollen wir Christen miteinander umgehen? Wenn wir unseren Gefühlen
 folgen, schenken wir nur unseren engsten Freunden in der Gemeinde unser
 Vertrauen, halten Kontakt mit ihnen und tun ihnen Gutes. Denen gegenüber,
 die uns nicht so nahestehen oder die uns ganz fremd sind, verhalten wir
 uns am liebsten ein bißchen reserviert, und bis wir uns ihnen öffnen,
 müssen sie uns erst einmal ihre Harmlosigkeit beweisen. Vielleicht sind
 wir sogar so voller Mißtrauen gegenüber anderen, daß wir dadurch schuldig
 werden - wie Diotrephes (V.9u.10). Der Apostel Johannes lobt demgegenüber
 seinen Freund Gajus ausdrücklich dafür, daß er in er Gemeinde nicht
 mißtrauisch Distanz hält, sondern jeden seine Liebe spüren läßt.
 Die Fremden bilden da keine Ausnahme.
 Wo uns ein anderer Mensch als Christ begegnet, öffnen wir uns ihm doch!
 Gehen wir ihm vertrauensvoll entgegen, auch wenn er vielleicht aus einer
 ganz anderen christlichen Tradition kommt!
 Christus, unser gemeinsamer Herr, macht uns untereinander zu Schwestern
 und Brüdern.
                                                               S-Ma



@ENDNODE
@NODE "Judas 1a" "Judas 1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Judas 1-16@{ui}

@{b} Gott gebe euch viel Barmherzigkeit und Frieden und Liebe!@{ub}
 Judas 2(LB)

 Stellen Sie sich vor, Sie finden beim Aufräumen des Nachlasses Ihrer
 Eltern eine Mappe mit alter Post. Nach anfänglichem Zögern öffnen Sie
 diese, nehmen Blatt um Blatt zur Hand, fangen an zu lesen, lesen sich
 fest. Viele Namen klingen Ihnen bekannt, Sie erahnen über die Lektüre, in
 welcher Beziehung die Absender zu Ihren Eltern standen, entdecken, was
 zwischen Ihnen Themen waren, womit sie sich auseinandersetzten. Dann kommt
 ein ganz unbekannter Name. Zusammenhänge im Bekannten- und Verwandtenkreis
 können Sie entdecken, vielleicht enthält das Schriftstück nicht einmal
 eine Anrede. Trotzdem fangen Sie an zu lesen, entdecken eine große
 Freundlichkeit und Innigkeit in den Inhalten und gleichzeitig die Angst
 des Schreibers, daß dies gar nicht ankommt beim Leser.
 So etwa geht es mir mit dem kurzen Judasbrief, dessen Verfasserschaft
 umstritten ist, dessen Leserkreis nicht genannt und darum schwer
 vorstellbar ist. Aber seine Botschaft ist erkennbar. Sie ist Wunsch und
 Bitte, daß Gott die Leser erfüllen möchte mit Barmherzigkeit, Frieden und
 Liebe.
 Welche Rolle spielt eine solche Bitte eigentlich in unserem Gebet für uns,
 unsere Nächsten, unsere Gemeinden? Haben wir nicht Gottes Bewahrung über
 seine Gaben in uns auch bitter nötig? Wie kleine Pflanzen vom Sturm sind
 sie bedroht von anderen Lebenszielen, die wir selber setzen, angetrieben
 von Konsum- und Karrieredenken. Wo in Ihrem Leben spüren Sie die genannten
 Gottesgaben bedroht und wodurch? Ob Sie dem Unbekannten dazu einen
 Antwortbrief schreiben wollen?@{b}

 Herr, wir bitten für unseren Glauben. Er ist oft nur eine sehr schwache
 Pflanze. Sei du sein Nährboden, seine Sonne, seine Wärme, damit wir aus
 dir leben können. Amen.@{ub}
                                             Gottfried Schubert



@ENDNODE
@NODE "Judas 1b" "Judas 17-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Judas 17-25@{ui}

@{b} Erbarmt euch derer, die da zweifeln, reißet sie aus dem Feuer und
 rettet sie.@{ub}  Judas 22 (LB)

 "Mahnung und Lobpreis" steht am Schluß des kurzen Briefes. Beides sind
 leider fremde Worte geworden in unserem alltäglichen Sprachgebrauch. Sie
 scheinen dem Gemahnten die Mündigkeit durch Bevormundung zu nehmen,
 dadurch, daß sie moralisierenden Charakter haben. Trotzdem wird es ohne
 ein liebevolles Ermahnen nicht gehen.
 Im heutigen Textabschnitt sind s nach innen und nach außen gerichtete
 Mahnungen, die der Gesunderhaltung unseres Glaubens dienen sollen. Glaube
 ist Gabe Gottes. Aber wie wir mit ihr umgehen, das liegt in unserer
 Verantwortung. Da kann nicht jeder für sich allein weiterkommen. Dem
 Briefeschreiber geht es um das Aufbauen des allerheiligsten Glaubens und
 um das Beten im Heiligen Geist. Wo sind wir so Gemeinschaft der Beter, wo
 sind wir bereit, uns gegenseitig von unseren Erfahrungen im Glauben zu
 erzählen? Da könnten wir uns etwas abgucken in der jüdischen Gemeinde, in
 der das Handeln Gottes am einzelnen und an seinem Volk im Erzählen bezeugt
 wird. So aufgebauter Glaube ist gestärkter Glaube, der auch nach außen
 wirksam werden kann.
 Gerade die Zweifelnden, die Hin- und Hergerissenen, denen es abwechselnd
 heiß und kalt wird, sind doch die Menschen um uns, die auf ein
 glaubwürdiges Zeugnis angewiesen sind. Solches Zeugnis wird sich immer
 messen an er Liebe Jesu, der keinen Zweifelnden "über"-zeugt hat, sondern
 "erworben, gewonnen", wie Luther es sagt. Das drückt etwas aus von der Art
 und Weise unseres Zeugnisses, etwa nach dem alten Wort "Gerettetsein gibt
 Rettersinn". Und den brauchen Menschen in unserer Welt, wenn sie hinfinden
 sollen zum Lob Gottes.@{b}

 Herr, gib uns hin und wieder einen mahnenden Menschen zur Seite, denn zu
 schnell findet auch in unserem Glauben alles seinen Trott. Dann werden wir
 wirkungslos. Herr, laß uns durch unser Zeugnis und unser Tun dein Erbarmen
 weitergeben in unserer Welt. Amen.@{ub}
                                                    Gottfried Schubert



@ENDNODE



@NODE "Adresse" "Adresse"
@TOC "MAIN"



@{b}   Sabine, Christine, Michael und Dieter Paprocki - @{"EFT" LINK "EFT"}

   Kaiser Friedrich Straße 120d, 14476 Potsdam-Eiche, Tel. 0331/964389@{ub}





@ENDNODE

@NODE "Notext" "No Text"
@TOC "MAIN"


Zu dieser Stelle ist @{FG fill}in dieser Version@{FG text} noch  kein Text vorhanden!

@ENDNODE


@NODE "EFT" "EFT"

@{fg highlight} E F T - Evangelische-Franziskaner-Tertiaren@{fg text}

 Gibt es das? In der Tat wird es für viele katholische und evangelische
 Christen in unserem Land neu sein, daß es auch auf evangelischem Boden
 Menschen gibt, die nach der Ordensregel des Franz von Assisi zu leben
 versuchen, Menschen, die sich zum sogenannten Drittorden zählen.

 Ja, das gibt es, und zwar schon seit 1927.

 Das ist Anlaß und Grund, zurückzublicken und für Gottes gnädige Führung zu
 danken, aber auch den Blick nach vorn zu richten und nach dem weiteren Weg und
 seinen Aufgaben zu fragen.

 Wir fragen immer wieder neu nach unserem Weg, um zur Entfaltung kommen zu
 lassen, was als Artikel 1 in unserer Regel steht:

 "Die Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi sucht gemäß
 dem Beispiel des Armen von Assisi und der heiligen Elisabeth, der ersten
 deutschen Franziskanertertiarin, mitten im modernen Leben die Nachfolge
 Christi zu verwirklichen. Ihr Ideal ist das des heiligen Franziskus: @{u}zu
 leben nach dem Vorbild des heiligen Evangeliums."@{uu}

@{b} WAS BEEINDRUCKT UNS BEI FRANZ VON ASSISI?@{ub}

 Franz von Assisi (1182-1226) war der Sohn eines reichen Tuchhändlers. In
 seiner Jugend führte er ein Leben, daß allen Vergnügungen zugewandt war, aber
 auch den Menschen. Mit etwa 20 Jahren kam es zu einem Umbruch in seinem
 Denken, er fragte nach dem Willen Gottes in seinem Leben.

 Im Jahre 1206 betete er in einer kleinen Kirche in San Damiano: "Gib mir,
 Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen Auftrag
 erfülle." Und er hörte die Antwort im Anruf Gottes: "Geh hin und stelle mein
 Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist!"

 Das war die Stunde seinr Berufung.

 Er verstand den Auftrag zunächst ganz im wörtlichen Sinne und ging daran, die
 kleine Kirche zu restaurieren. Er änderte seinen bisherigen Lebensstil radikal
 und verzichtete auf das väterliche Erbe.

 Zwei jahre später, beim Lesen des Evangeliums von der Aussendung der Jünger
 ohne Besitz, wurde ihm sein eigener Auftrag deutlich. Nach kurzer Zeit
 schlossen sich ihm die ersten Gefährten an, die mit ihm in radikaler Armut
 durch das Land zogen, um so die Nachfolge Christi zu leben.

 Dies schloß auch die liebende Zuwendung zu allen Geschöpfen ein. Sie fand
 ihren Ausdruck u.a. in dem "Sonnengesang" und in dem mehrfach vertonten Gebet:
 "O Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens." Dies alles jedoch kam aus
 seinem Hauptanliegen, die frohe Botschaft von Jesus Christus aller Welt
 bekannt zu machen.

 So war sein Weg ganz und gar der Weg der Nachfolge Christi. In die
 Gemeinschaft mit ihm immer tiefer hinzuwachsen, war die eigentliche Mitte und
 Ausrichtung seines Lebens und Dienstes. Im Jahre 1224 empfing er am Berg
 Laverna die Stigmatisierung, die Wundmale Christi.

 Durch die heilige Klara wurden auch Frauen in diese Bewegung hineingezogen.
 Der zweite, weibliche Zweig des Ordens wurde gegründet, später dann sogar auch
 noch der dritte Orden (Tertiaren), ein Laienorden für die Menschen, die in
 ihrem Beruf und ihrer Familie nach ihren Möglichkeiten der Ordensregel gemäß
 leben wollen.

@{b} WIE DENKEN WIR UNS EINE FRANZISKANISCHE LEBENSFÜHRUNG?@{ub}

 Für Franziskus war die Entscheidung zu einem @{u}Leben in Armut@{uu} eine
 wichtige Voraussetzung dafür, frei zu sein für seinen Dienst - eine
 Entscheidung von nicht geringer Bindung und Tiefe als die bezüglich der Ehe.
 Er nannte in der Tat die Armut seine Herrin und eine Braut. Aber was bedeutet
 das für uns heute? Das Leben in einem der reichsten Länder der Erde ohne
 Hunger und Mangel und das Leben in Verantwortung für eine Familie läßt das
 Reden von Besitzlosigkeit leicht zu einem Lippenbekenntnis werden. Es geht
 heute um:
 - den Geist der einfachen Lebensführung,
 - die innere Freiheit gegenüber dem Habenmüssen,
 - das Offensein für die Zeichen der Zeit,
 - das Teilenkönnen - auch von Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten,
 - das Freisein von Neid.

 Die @{u}Liebe zur Kirche@{uu} erwuchs für Franziskus gegenüber dem äußeren und
 inneren Verfall der Kiche seiner Zeit.

 Wohl gibt es in unerem Land viele zweckentfremdete, reparaturbedürftige oder
 zum Museum degradierte Gottshäuser, aber noch mehr wenig besuchte
 Gottesdienste. In einer säkularisierten Gesellschaft geht es den Tertiaren um
 - regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst und an der Feier des heiligen
   Abendmahls,
 - verbindliches geistliches Leben im Alltag,
 - regelmäßige, geordnet Zeiten für Schriftlesung und Gebet,
 - freudigen Einatz seinr Gaben im Leben der Ortsgemeinde,
 - Zeithaben für die Schwestern und Brüder im Glauben.

 Neben diesen Seiten der franziskanischen Spiritualität ist das @{u}ökumenische
@{uu} Anliegen ein wichtiger Grundgedanke unserer Gemeinschaft. Wir beten und
 mühen uns um die Einheit aller christlichen Kichen im Glauben und in der
 Liebe, auf daß sich das hohepriesterliche Gebet des Herrn erfülle: "daß sie
 alle eins seien." (Joh.17,21)

 Die @{u}Liebe zu allen Geschöpfen@{uu} bewog Franziskus zum freudigen Lobpreis
 Gottes, aber auch zur Sorge für Kranke, Aussätzige und alle Kreatur.

 Wie aktuell ist heute
 - die Liebe zu allem Geschöpflichen in unserer von Krieg und Umweltzerstörung
   bedrohten Welt,
 - die Solidarität mit Menschen in jeglicher Not,
 - die Verfügbarkeit für den Dienst am Menschen,
 - die Beachtung und das Für-voll-Nehmen der Armen und Leidenden,
 - die Schlichtung von Unfrieden in der nächsten Umgebung.

 Diese Hauptgedanken sind es, die uns heute in der Nachfolge Christi bewegen.

@{b}WIE ENTSTANDEN DIE EVANGELISCHEN FRANZISKANERTRTIAREN?@{ub}

 Den Anstoß zu einer franziskanichen Bewegung innerhalb der @{u}evangelischen
 @{uu} Kirchen gab der französische Hugenottenpastor und spätere
 Kirchenhistoriker @{u}Paul Sabatier@{uu} (gestorben 1928) durch sein
 Franziskusbuch (1893), das eine sehr starke Verbreitung fand. Eine erste
 Frucht dieser Bewegung war die Gründung eines nach franziskanischem Muster
 geschaffenen Laien-Tertiaren-Ordens in er Hugenottenkirche Frankreichs.

 Ihr Gründer war der Pariser Theologieprofessor und Pastor @{u}Wilfried
 Monod@{uu}, der am Schluß einer Rede auf der Stockholmer Weltkirchenkonferenz
 1925 folgenden Wunsch aussprach: "Möge der Geist des heiligen Franziskus immer
 wieder auferstehen und sich überall in er Christenheit Sendboten eines neuen
 Laien-Tertiaren-Ordens erwecken, Prediger eines sittlichen, sozialen und
 geistlichen Evangeliums, das allein fähig ist, das furchtbare Gespenst einer
 Weltkatastrophe zu bannen."

 Unter den Zuhörern befand sich auch er Marburger Theologe @{u}Friedrich
 Heiler@{uu}, der von diesen Ausführungen tief ergriffen war. So machte Heiler
 1925 in Magdeburg den Vorschlag zur Gründung eines evangelischen
 Franziskanertertiarenordens. Dabei sagte er u.a.: "Was wir sogleich
 verwirklichen können, das ist ein Tertiarenorden im Geist des heiligen Franz.
 Sollten wir nicht dasselbe zuwegebringen, was ein französischer Hugenotte,
 Wilfrid Monod, ins Leben gerufen hat?...Wir Hochkirchlichen sollen Monods
 großes Ordensprogramm übernehmen und in noch engerem Anschluß an die Regel des
 heiligen Franz und seine kirchliche Frömmigkeit weiterführen."

 1927 wurde die "Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi"
 (Evangelische Franziskaner-Tertiaren = EFT) gegründet.

@{b}WIE SIEHT ES GEGENWÄRTIG BEI UNS AUS?@{ub}

 Zahlenmäßig ist unsere Gemeinschaft nicht groß. Wir wohnen weit verstreut in
 Deutschland, in er Schweitz und in Österreich. Doch wir alle sind verbunden in
 der Gemeinchaft des Glaubens und des fürbittenden Gebets.

 Zum besseren Kennenlernen und Verstehen werden jeweils zwei Schwestern oder
 zwei Brüder für eine Zeitlang zwecks Korrespondenz zu Weggefährten bestimmt.
 Mehrmals im Jahr erscheint ein Geschwisterbrief. Soweit möglich, kommen wir zu
 kleineren regionalen Treffen, zu Tagungen und Einkehrtagen zusammen,
 regelmäßig mit der Johannes-Bruderschaft, der auch viele Franziskaner-
 Tertiaren angehören, aber auch zu Begegnungen mit der Franziskanischen
 Gemeinschaft der katholischen Kirche.

 Zu unseren Treffen kommen auch immer wieder Gäste, und wir freuen uns über
 jeden, der unsere Gemeinschaft persönlich kennenlernen möchte.
 @{b}@{u}Sie alle sind herzlich eingeladen!@{uu}@{ub}

 Und wenn man verbindlich zu dieser Gemeinschaft gehören möchte?

 Das ist möglich für jeden getauften Christen. Nach einer mindestens ein-, in
 der Regel zweijährigen Probezeit (Noviziat) kann nach der Entscheidung durch
 den Konvent der Tertiaren die volle Aufnahme erfolgen.


 Die evangelischen Franziskaner-Tertiaren haben @{u}das alte franziskanische
 Zeichen@{uu} übernommen, die gekreuzten Arme mit den Wundmalen Christi
 (Stigmata) an den Handflächen, die sich an ein von einem Strahlenkranz
 umleuchtetes Kreuz lehnen. Über dem Kreuz sind die alten franziskanischen
 Grußworte eingeprägt:@{b}Pax et Bonum (Friede und Heil).@{ub}
 Am unteren Rand des Zeichens deuten die Anfangsbuchstaben E. F. T. an, daß die
 Träger dieses Zeichens dem evangelicshen Zweig der großen Franziskanerfamilie
 angehören.@{i}
                   Wir beten Dich an,
                   heiliger Herr Jesus Christus,
                   hier und in allen Deinen Kirchen
                   der ganzen Welt
                   und preisen Dich,
                   weil Du durch Dein heiliges Kreuz
                   die Welt erlöst hast.@{ui}
                      (Franz von Assisi)

@{b}@{u} Kontaktadressen:@{uu}@{ub}
 Pastor Friedhelm Bürgener               Frau Dr.Edda Winde
 Emmentaler Str. 92                      Wittgensdorfer Str.82A
 13409 Berlin                            09114 Chemnitz
 Tel.: 030-495 96 33                     Tel.: 0371-330 07 24

 und natürlich ich.






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