@database "Bibel-NT-1.guide"
@author "Dieter Paprocki"
@remark "$VER: Bibel-NT-1 Guide 1.4 (13. Mai 1999)"
@remark "Created with GoldED 5.0 (20.11.98)"

@node MAIN "Welcome"









                         @{fg highlight}@{b}Bibelauslegungen@{FG shine}@{FG text}


                      aus div. Bibellese-Kalender@{ub}@{fg text}


               Gemeinschaftswerk von @{"Familie Paprocki" LINK "Adresse"}
                     © by Dieter Paprocki@{"EFT" LINK "EFT"} 1996

                  @{"Die heilige Schrift des neuen Bundes" LINK "Inhaltsverzeichnis Neu"}

                              @{"Warum dies?" LINK "Warum"}


@ENDNODE



@NODE "Warum" "Warum dies?"
@TOC "MAIN"
@{b} Warum habe ich dieses Programm geschrieben?@{ub}
@{b} -------------------------------------------@{ub}

 Ganz am Anfang fand ich diese tägliche Bibellese eigentlich nur
 interessant. Später entdeckte ich eine Nützlichkeit die mir den Anlaß zur
 Sammlung aller verfügbaren Kalenderblätter, sowie tägl. Bibellesungen gab.

 Diese Nützlichkeit entdeckte ich nicht nur darin, in jedem Jahr wenigstens
 einmal die Bibel durchzulesen - nein die täglichen Andachten konnte man
 ganz gut als Anregungen für eigene Andachten benutzen!
 Da ich damals im Suchtgefärdetendienst tätig war und auch des öfteren
 Andachten zu halten hatte und mir nicht immer der passende Text einfiel,
 benutzte ich die kleinen "Gedächtnishilfen" und siehe da - sie gaben mir
 genug Anregungen meine Andachten durchzuführen.
 Wohlgemerkt! Anregungen! Abschreiben und vorlesen ist einfach, aber nicht
 Sinn und Zweck der Sache.
 Ich fertigte mir ein Kästchen an und sammelte alle Blätter schön geordnet.
 Als wir dann "Westen" wurden - kam auch die "Computermanie".
 Da es bei mir eine Geldfrage war - kam nur ein AMIGA in Frage.
 Diese Auswahl bereue ich bis heute nicht. Wenn es mir auch am Anfang und
 jetzt immer noch schwerfällt, mich in die Bedienung der "Freundin" zu
 vervollkommnen.
 Man wird an den ersten Seiten bemerken, das es noch einige Ungereimtheiten
 gibt, aber alles Nachzuschreiben hatte ich einfach keine Lust.
 Die Amigaguide habe ich zuerst kapiert - also habe ich versucht damit zu
 schreiben.
 Ich hoffe nun es finden sich einige Anwender, welche dieses Programm aus
 denselben (oder anderen) Gründen benutzen.
 Ich habe versucht kirchliche Verlage anzuschreiben, von einigen auch
 Antwort bekommen - so das der Tenor lautet: KEIN GELD !!!
 Zum Schluß muß ich noch bemerken, daß ich mit 45 Jahren angefangen habe
 mich mit dem Computer zu beschäftigen (übrigens hat mein Vater mit 70
 Jahren angefangen sich mit den Amiga zu beschäftigen!) - vielleicht ist
 dies eine Entschuldigung für einige Ungereimtheiten. Ich habe alles Buchstabe für
 Buchstabe in den Computer eingegeben.
 Und alles mit dem wundervollen Editor ©GOLDED. Dank an den Autor!

 Zur Anwendung:
 Auf den Disketten habe ich alles Power-gepackt, so ist es also mit der
 "ppguide" zu lesen (auch beigelegt).
 Besser ist es natürlich, alles auf Festplatte zu packen und mit Multiview
 zu lesen.
 Wie das funktioniert müßten eigentlich alle wissen.
 Im Programm sind auch viele Gedichte untergebracht, damit irgendeine
 Suchfunktion (evtl.Powerguide?) sie auch findet sind sie sinnigerweise mit
 -Gedicht- gekennzeichnet.





@ENDNODE
///
@NODE "Inhaltsverzeichnis Neu" "Inhalt:"
@TOC "MAIN"



                              @{"Das Evangelium nach Matthäus" LINK "Matthäus"}
                              @{"Das Evangelium nach Markus" LINK "Markus"}
                              @{"Das Evangelium nach Lukas" LINK "Lukas"}
                              @{"Das Evangelium nach Johannes" LINK "Johannes"}
                              @{"Die Apostelgeschichte" LINK "Apostel"}
                              @{"Der Brief an die Römer" LINK "Römer"}
                              @{"Der erste Brief an die Korinther" LINK "1.Korinther"}
                              @{"Der zweite Brief an die Korinther" LINK "2.Korinther"}
                              @{"Der Brief an die Galater" LINK "Galater"}
                              @{"Der Brief an die Epheser" LINK "Epheser"}
                              @{"Der Brief an die Philipper" LINK "Philipper"}
                              @{"Der Brief an die Kolosser" LINK "Kolosser"}
                              
@ENDNODE



@NODE "Matthäus" "Matthäus"
@TOC "MAIN"




   @{"Matthäus 1,1-17" LINK "Matthäus 1-1"}     @{"Matthäus 6,5-13" LINK "Matthäus 6-2"}            @{"Matthäus 26,36-46" LINK "Matthäus 26-4"}
   @{"Matthäus 1,18-25" LINK "Matthäus 1-2"}    @{"Matthäus 6,19-23" LINK "Matthäus 6-3"}           @{"Matthäus 26,47-56" LINK "Matthäus 26-5"}
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@NODE "Markus" "Markus"
@TOC "MAIN"

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@NODE "Lukas" "Lukas"
@TOC "MAIN"
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@NODE "Römer" "Römer"
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@ENDNODE
///
///
@NODE "Matthäus 1-1" "Matthäus 1,1-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Matthäus 1,1-17@{ui}
@{b}                 Der über allen Namen ist@{ub}
 Wir lesen heute einen eigenartigen Text, eine Aufzählung von meist
 unbekannten Namen. Matthäus hat mit ihrer Angabe eine wichtige Aussage
 machen wollen, diese an den Anfang seines Buches gerückt, auf den alles
 ankommt: Jesus Christus. In dreierlei Weise wird die Sohnschaft Jesu
 gezeigt. Er ist Abrahams, Davids und Marias Sohn. In Abraham sollen alle
 Geschlechter auf Erden gesegnet sein, König Davids Reich, gestützt auf
 Gerechtigkeit und Recht, wird nach prophetischem Wort kein Ende haben.
 Maria aber, Josefs Frau, wird Jesu Mutter genannt. So ist Jesus der
 Menschen Sohn, zugleich aber Gottes Sohn, empfangen durch den Heiligen
 Geist. Das ist eine gute, neue Mär, deren Erfüllung wir morgen feiern.
 Warum, so fragen wir, müssen diese vielen Namen am Anfang des Buches
 stehen? Damit sofort klar werde, daß Jesus keine Idee ist, sondern
 wirklich Mensch gewesen, durch Menschen geboren und Mensch unter Menschen
 war. Nicht genug damit: Unter den Genannten fallen drei Frauennamen auf,
 die in der Bibel unrühmlich dastehen: Thamar, Rahab und Urias Frau. Ihnen
 haftet die Sünde an.
 Maria allein wird die reine Magd genannt. "Aus Gottes ewigen Rat" darf sie
 den Christus zur Welt bringen. Auf den zielt nun alles hin. Sein Name
 steht am Anfang und am Ende der Aufzählung. Für uns ist gut zu wissen:
 auch wenn die Geschichte des Gottesvolkes durch Schuld, Deportation und
 Durststrecken führt, wie die Erwähnung der Babylonischen Gefangenschaft
 anzeigt, so steht doch am Ende der Name dessen da, in dem alle Nöte ein
 Ende haben und dem wir am letzten Adventssonntag entgegenblicken: Jesus
 Christus.
 So war es am Ende der langen Geschichte des alttestamentlichen
 Gottesvolkes und so wird es am Ende der Geschichte der christlichen
 Gemeinde sein: Er steht da! Wessen Auge schaut nicht nach vorn in der
 Dunkelheit der Zeit, tröstliches Licht und festes Ziel zu suchen.
 Lesen wir die Worte: der da heißt Christus, so wissen wir von einem Namen,
 der über alle Namen ist. Um ihn geht es heute und immer. Er ist das
 Eigentliche. Also lesen wir nun in diesem Buch von der Geschichte Jesu
 Christi, Abrahams, Davids und Marien Sohn, dem "König aller Königreich und
 Heiland aller Welt zugleich"!@{b}
 LIEBER VATER!
 DU HAST UNS DEINEN SOHN ALS HEILAND ZUGESAGT. DAFÜR DANKEN WIR DIR. LAß
 IHN UNSERE HOFFNUNG BLEIBEN, DARIN WIR LEBEN UND STERBEN KÖNNEN. GIB, DAß
 UNSERE HERZEN UND AUGEN NUR AUF IHN GERICHTET SIND. AMEN@{ub}


@{i}                      Matthäus 1,1-17@{ui}
@{b} Salmon zeugte Boas mit der Rahab. Boas zeugte Obed mit der Rut. Obed
 zeugte Isai. Isai zeugte den König David, David zeugte Salomo mit der Frau
 des Uria.@{ub}  Mt 1,5.6
 Am Anfang des Johannesevangeliums steht der Satz:"Das Wort ward Fleisch."
 Das ist die Botschaft des Weihnachtsfestes, auf das wir jetzt zugehen.
 Gott kam in die Welt der Menschen. Das heißt aber immer auch: Er kam zu
 Sündern, zu Menschen, die versagen und schuldig werden.
 Gott hat - als sein Wort in Jesus Christus Fleisch wurde - die Sünden der
 Menschen wie seine eigenen getragen. Davon redet Matthäus am Anfang seines
 Evangeliums. Er tut es aber auf seine Weise, indem er die Ahnentafel Jesus
 überliefert. In alten Zeiten pflegte man die Abstammung großer Menschen
 von Göttern und Helden herzuleiten. Bei Matthäus finden wir nichts davon.
 Gewiß, auch in der Liste der Vorfahren Jesu gibt es glänzende Namen. Aber
 was waren das für Menschen? Unter ihnen sind Prostituierte, Ehebrecher und
 Anstifter zum Mord. Solche Menschen stehen im Stammbaum Jesus! Durch
 menschliche Schuld hindurch geht Gott den Weg zum Heil. Er nimmt alle
 Sünden ganz und gar auf sich und macht die Sünder dadurch frei.  So-D


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 1-2" "Matthäus 1,18-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Matthäus 1,18-25@{ui}
@{b}                      Gott ist mit uns@{ub}
 Es liegt ein Geheimnis über die Geburt Jesu. Maria hat es in tiefer
 Anbetung gehütet. Josefs Verhalten ist dabei vorbildlich. Er müßte, als er
 Marias Schwangerschaft merkte, sie entweder anklagen oder sich durch
 stille Vereinbarung von ihr trennen. Er aber wollte sie nicht im Stich
 lassen, sondern gerade vor falschem Gerede bewahren. Gott selbst half ihm
 durch seinen Engel. Der Glaube an dessen Wort trug ihn hindurch. Wir ahnen
 nicht, was die beiden Brautleute in jenen Monaten durchlitten haben. Aber
 sie waren still und gehorsam. Der Tag der Christgeburt führt uns heute in
 stilles Nachdenken über das wunderbare Geschehen, das Gott uns Jahr um
 Jahr darstellt. Sofern wir diese Botschaft in uns bewahren, werden wir
 nicht nur Hörer bleiben können. Wir werden zu Trägern des göttlichen
 Wortes werden, das am Ende Jesus selber ist. Dann tragen wir ihn in uns,
 wie Maria ihn unter ihrem Herzen trug.
 Der Heilige Geist legt ihn in uns hinein, irgendwann, unvermutet. Da
 staunen wir verwundert, was sich an neuem Leben in uns regt. Dann werden
 wir seine Krippe sein, wie Paul Gerhardt es sagt. Er selbst, Jesus, ist
 es, den wir in die Welt tragen werden und den wir im Alltag unserer Umwelt
 vorstellen. Dann wird sich noch eine andere Verheißung erfüllen: Immanuel.
 Das ist verdolmetscht: Gott mit uns. Wo wir Jesus glaubend in uns tragen,
 ist er wahrhaftig mit uns. Da liegt nun das Geheimnis der Heiligen Nacht
 offen. Ist er Mensch geboren, uns zugut, uns zu retten von all dem, was
 zum Bösen verführt, so wird er mit uns sein alle Tage bis an der Welt
 Ende. Da ist das Kind der Krippe zum Heiland geworden, wie die Propheten
 ihn angezeigt haben, ist Mensch geboren durch den Heiligen Geist, weil
 Gott es so wollte.
 Das ist in Maria geschehen, das will in uns geschehen. Wie die unzähligen
 Weihnachtslieder der Christenheit heute die wunderbare Tat Gottes
 besingen, so darf auch unser Herz Jubeln über das Wunder, das mit Jesu in
 die Welt gekommen ist: daß Gott selber mit uns ist in der Gestalt seines
 Wortes und uns bezeugt: Ich bin da, Immanuel, heute, morgen und in
 Ewigkeit. Die Heilige Nacht hat uns den gebracht, dem sich unser Herz ganz
 und gar anvertrauen darf.@{b}
 DU KIND DER HEILIGEN NACHT, DICH BETEN WIR AN. DU HEILAND UNSERES LEBENS,
 BLEIBE UNS NAHE, GEHE MIT UNS, WOHIN UNSERE WEGE UNS FÜHREN. MACHE UNSERE
 HERZEN BEREIT, DIR ALLEZEIT ZU DANKEN, AUCH IN DUNKELSTEN STUNDEN. AMEN
 @{ub}


@{i}                      Matthäus 1,18-25@{ui}
@{b} Maria wird ein Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn
 er wird sein Volk retten von ihren Sünden@{ub} Mt 1,21
 Namensgebung ist das gute Recht von Eltern. Und erstaunlich, welche
 Hoffnungen Väter und Mütter manchmal mit dem Namen ihres Kindes verbinden!
 Aber auf diesen Namen wäre Josef auch in seinen kühnsten Träumen nicht
 gekommen. Dieser Name mußte ihm schon von einem Engel in einer Traumvision
 gesagt werden: Jeschua oder -in der uns geläufigen griechischen Fassung-
 Jesus, das heißt "Gott rettet". Dazu gehört sofort die Begründung, die
 "Jesus" zu dem unvergeßlichen Namen macht: "Denn er wird sein Volk retten
 von ihren Sünden." Er wird tun, was nur Gott selber tun kann. Dieser "Name
 über alle Namen" übertrifft jede elterliche Erwartung: Jesus der "Retter"
 -der Messias Israels, der Heiland der Völker, die Hoffnung der Welt!
 Josef hört die Botschaft des Engels und zieht die Konsequenzen des
 Gehorsams in der Rolle, die Gott ihm zugedacht hat: Er nimmt Maria zu sich
 als seine Frau. Er öffnet sein ganzes Leben - seine Ehe, sein Haus, seinen
 Beruf - für das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in diesem "Jesus" von
 Nazareth.                                                           W-N


@ENDNODE

@NODE "Matthäus 2-1" "Matthäus 2,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Matthäus 2,1-12@{ui}
@{b}                    Doch ein Fürst?@{ub}
 Wir kennen sie alle, die Weisen aus dem großen Perserreich, die
 Sternkundigen, die sich aufgemacht haben, um den neugeborenen König der
 Juden zu ehren. Künstler aller Zeiten haben sie uns nahegebracht in
 unzähligen Darstellungen. Die Geschichte ist einfach, ein bißchen
 wundersam, aber sie geht zu Herzen. Da folgen Menschen einem Stern,
 bringen einen weiten Weg hinter sich. Sie finden den machtbesessenen
 Herrscher in Jerusalem und drohen zum Werkzeug seiner Bosheit zu werden.
 Doch alles geht gut. Sie knien vor dem Kinde in der Krippe, tun ihre
 Schätze auf und schenken ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im Traum erfahren
 sie, daß Gott ihnen befiehlt, nicht zu Herodes zurückzukehren. Damit ist
 die Geschichte nicht zu Ende, wohl aber der Abschnitt, den wir heute
 bedenken wollen.
 Was will dieser kleine Bericht? Er will erzählen, Anschauung bieten für
 das geheimnisvolle Handeln Gottes, sichtbar machen, was doch unsichtbar
 bleibt: Wer ist dieses Kind?
 Fromme Tradition und leidenschaftliche Erwartung treffen einander: Hier
 ist ein König geboren. Nur einem König bietet man Gold, Weihrauch und
 Myrrhe dar. Das ist ein seltsamer Kontrast zur erbärmlichen Krippe. Ist
 diese kleine Geschichte nicht bis heute oft Veranlassung, Christus
 gründlich mißzuverstehen? Wird aus dem von Gott Gesandten doch der, den
 wir so gern hätten: der mächtige, einflußreiche, Gehorsam und Achtung
 gebietende Herr, dem nichts und niemand widerstehen kann? Wer ist dieses
 Kind? Doch ein Fürst? Die Fragen wollen nicht so recht zu Weihnachten
 passen, sie stören die feierliche Stimmung, wenn sie da ist. Und doch
 liegt an der rechten Antwort viel. Gott fragt uns: Wen erwartest du? Einen
 Fürsten oder den Heiland, den Heilenden, der sich in dienender Liebe, in
 mißverständlicher und mißbrauchbarer Zuneigung anderen zuwendet?
 Er ist weder immer eindrucksvoll noch in jedem Fall überzeugend, aber in
 allem, in seinem Leben und Sterben, Gott gehorsam uns zugute.
 Wir feiern den, über den die Welt immer noch hinweggeht und der ihr
 dennoch und immer noch dient. Die Geschichte gibt uns diese weihnachtliche
 Erkenntnis und weckt die Bereitschaft, sich auf diesen Herrn einzulassen.
 Es lohnt sich mit ihm.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, DU HAST DEINEN SOHN IN UNSERE WELT GEGEBEN FÜR UNS. LAß
 UNS ERKENNEN, WER JESUS FÜR UNS IST. LAß UNS IN ALLER FREUDE UND IN ALLER
 TRAUER GEWIß WERDEN, DAß ER UNS LIEBT UND DAMIT NICHT AUFHÖREN WIRD. AMEN
@{ub}


@{i}                    Matthäus 2,1-12@{ui}
@{b} Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen
 im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.@{ub} Mt 2,2
 Wie die knappe Weihnachtsgeschichte des Matthäus, so will auch sein
 Bericht von den Weisen aus dem Morgenland keine biographischen
 Einzelheiten weitergeben. Daß in Bethlehem ein Kind geboren ist, dessen
 Name Jesus zugleich den Erlösungsplan Gottes für seine ganze Menschheit
 enthüllt, das ist der Kern des Geschehens. Und daß seine Ausstrahlung bis
 ins ferne Morgenland reicht, unterstreicht seine weltweite Bedeutung.
 Schon im Alten Testament wird der Anbruch der messianischen Zeit mit dem
 Aufleuchten eines Sterns in Verbindung gebracht. Diese Sprache der
 Verheißung wurde damals auch weit drüben im Osten verstanden. Es ist dann
 die Weisheit der Weisen, daß sie dem Ruf des Sterns gefolgt sind. Weder
 die Schlauheit des Herodes noch die Zurückhaltung der geistlichen Führer
 in Jerusalem konnte sie hindern, ihr Ziel zu erreichen. Auch wenn sie in
 Bethlehem nichts Imponierendes gefunden haben - nur ein hilfloses Kind mit
 seiner Mutter -, sie fallen anbetend vor ihm nieder und schenken ihm ihre
 Gaben.                                                                P-R


@ENDNODE

@NODE "Matthäus 2-2" "Matthäus 2,13-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 2,13-23@{ui}
@{b}                     Das Elend der Kinder@{ub}
 Weihnachten gilt vielfach als ein Fest der Kinder. Kein Tag im Jahr, kein
 Fest im Leben ist für viele von uns so mit Kindern verbunden wie
 Weihnachten.
 Das hat viele Gründe. Fest steht, daß in diesen Tagen oftmals Erinnerungen
 bis zurück in die Kinderzeit wach werden. Kinder stehen im Mittelpunkt
 auch unseres heutigen Bibelleseabschnitts.
 Die Weisen sind wieder zurückgereist in ihre Heimat. Herodes erfährt nicht
 den Geburtsort des von ihm begehrten Kindes. Dem droht dennoch höchste
 Gefahr. Josef hört im Traum den eindeutigen Befehl: Flieh mit Mutter und
 Kind nach Ägypten! Er gehorcht ohne Rückfrage und hilft, dem Kind das
 Leben zu retten. Herodes aber wütet. Alle Jungen unter zwei Jahren werden
 getötet. Herodes will sicher gehen. Das Elend ist riesengroß. Mütter,
 Väter, Geschwister leiden. Ist das alles nur Vergangenheit, nur ein Teil
 der "Weihnachtsgeschichte" und nicht auch Wirklichkeit heute? Das ist wohl
 kaum eine weihnachtliche Frage, aber eine, die sich beim Hören vom
 "Kinderelend" aufdrängt.
 Auf den dichter als früher befahrenen Straßen, in zu engen Wohnungen, in
 überanspruchten Familien, in zerbrechenden Ehen: Wer leidet da am meisten?
 Das Elend von Kindern, denen es bei uns äußerlich oft sehr gut geht, die
 schön und aufwendig gekleidet und versorgt sind, fällt manchmal kaum auf.
 Hier und heute drängt es uns vielleicht die Frage auf: Gott, warum rettest
 du den kleinen Jesus, die anderen Kinder aber nicht? Sind Kinder nicht die
 hilflosesten Mitmenschen? Wer heute sein Herz wieder aufschließt für die
 Kleinen der Erde, den kann diese bittere Geschichte anstoßen, für die
 Kleinen etwas zu tun. Jeder kann das. Selbst wer ganz allein, alt und
 einsam ist. Das Gebet für eins der Kinder unserer Tage wird nicht ohne
 Wirkung bleiben. Es gibt viel mehr Liebe, auch gerade zu Kindern, unter
 uns, als wir ahnen. Auf unser Tun kommt es an, auch zu Weihnachten,
 natürlich ebenso in den Tagen danach. Als Herodes gestorben war, kamen
 Josef, Maria und das Kind Jesus zurück.
 Der Gottessohn wurde als Kind verschont; er litt, als seine Zeit gekommen
 war. Seine Liebe zeigte und zeigt sich gerade in seinem Leiden. Darin ist
 er allen Gequälten nahe. Er befreit uns tiefer, als es die Befreiung aus
 Lebensgefahr ist.@{b}
 HERR, LAß UNS AN DEN FRAGEN NACH DEM ELEND VON KINDERN UND ERWACHSENEN
 NICHT UNGLÄUBIG WERDEN. BEFREIE UND ÜBERWINDE UNS, DAß WIR LIEBE ÜBEN, WO
 ES NÖTIG UND UNS MÖGLICH IST. AMEN@{ub}


@{i}                     Matthäus 2,13-23@{ui}
@{b} Da stand Josef auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei
 Nacht und entwich nach Ägypten.@{ub} Mt 2,14
 Kaum ist Jesus geboren, da ist sein Leben auch schon bedroht. Die
 mächtigen dieser Erde teilen ihre Macht nicht gern. Herodes wittert
 Gefahr. Er will sich das Kind, bevor es zum Konkurrenten wird, vom Halse
 schaffen. Aber - seine finsteren Pläne mißlingen. Sie müssen scheitern,
 weil Gott andere Pläne mit Jesus hat. Jetzt kommt die Stunde des Josef.
 Jetzt wird deutlich, daß ihm die Aufgabe des Begleiters zugedacht ist. Auf
 Gottes Geheiß hin wird er aktiv. Er nimmt das Kind und seine Mutter und
 bricht im Schutz der Nacht auf. - Nicht die Nacht schützt. Gott selbst
 leitet die erforderlichen Schutzmaßnahmen ein. Nicht nur Josef ist
 Begleitschutz. Gott selbst hält seine schützende Hand über die drei. Er
 hat seinen Plan mit dem Kinde. - Wir alle dürfen es immer wieder erfahren,
 daß Gott uns führt. Er hat seinen Plan auch mit uns.
 "Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch
 zum Ziele auch durch die Nacht."                                    N-S


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 3-1" "Matthäus 3,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 3,1-12@{ui}
@{b}        Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen@{ub}
 Nachdem wir an den Weihnachtstagen über das Kommen Jesu in unserer Welt
 nachgedacht haben, ist im heutigen Abschnitt von Johannes die Rede, der
 der Täufer genannt wird. Daß es dabei nicht so sehr um die Person des
 Täufers geht, wird an seiner Predigt sichtbar: "Ich taufe euch mit Wasser
 zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich; und ich bin nicht
 wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und
 mit Feuer taufen." Johannes weist von sich weg auf Jesus Christus hin.
 In dem Kernsatz seiner Predigt "Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe
 herbeigekommen" werden zwei Dinge wichtig. Zuerst geht es um die Ausrufung
 der neuen Zeit der Gottesherrschaft. In ihr ist es nicht nötig, sich
 selbst rechtfertigen zu müssen, Böses mit Bösem zu vergelten, oder zu
 versuchen, mit dem Rücken an die Wand zu kommen.
 Im Gegenteil: Es beginnt die Zeit, in der erkennbar wird, daß Gott uns
 rechtfertigt, daß Gott uns mit Liebe begegnet, daß er hinter uns steht und
 uns trägt.
 Nun gibt es für uns Menschen die Möglichkeit neuen Lebens unter der
 Herrschaft Gottes, die eine Herrschaft der Liebe ist. Andererseits weist
 Johannes mit allen Nachdruck darauf hin, daß es notwendig ist, sich diesem
 neuen Leben zuzuwenden. Es gibt die Möglichkeit der Entscheidung. Wir
 können ja oder nein sagen. Der Hinweis auf das Gericht will uns nicht
 angst machen. Er will auch keine Drohung sein. Vielmehr will er uns auf
 dem Hintergrund einer drohenden Gefahr einladen zu dem, der auch uns ein
 neues Leben geben wird.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS!
 DU HAST UNS ZU EINEM NEUEN LEBEN GERUFEN. LAß UNS DIESEM RUF FOLGE
 LEISTEN, DAMIT WIR NICHT IN DIE IRRE GEHEN UND UMKOMMEN. FÜHRE UND LEITE
 UNS AUF DEINEM WEGE. AMEN@{ub}


@{i}                     Matthäus 3,1-12@{ui}
@{b} Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von
 Judäa und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herangekommen!
@{ui} Mt 3,1.2
 In die Wüste ruft Johannes die Menschen. Nicht in ein Gotteshaus, nicht
 auf einen Marktplatz, sondern in eine unwirtliche Gegend. Die Menschen
 strömen dorthin, getrieben von einer Sehnsucht nach Erneuerung und
 Reinigung ihres Lebens.
 Vielleicht sind Wüstenerfahrungen dafür besonders geeignet. Dort lenkt
 einen nicht viel ab. Dort kommt es wirklich darauf an, was für das Leben
 wichtig ist: Wasser, Nahrung und darüber hinaus der Zuspruch, Schuld
 ablegen und aus der Vergebung leben zu können. Dazu lädt Johannes ein. Er
 weist mit seiner Predigt voraus auf Christus, auf das lebendige Zeichen,
 daß Gott uns immer neu leben läßt. Er lädt ein, Schuld, die uns belastet
 abzulegen; bereit zu sein, das Nein zu falschen Wegen zu akzeptieren und
 im Ja der Vergebung neue und besserer Wege zu suchen und zu gehen. Weil
 Gott uns in der Vergebung immer wieder neu entgegenkommt. So können auch
 wir zu ihm kommen, auch durch die Wüsten unseres Lebens.
 Gerade da ist er uns nahe.                                       R-F


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 3-2" "Matthäus 3,13-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 3,13-17@{ui}
@{b}                       Jesu Taufe@{ub}
 Auch wenn Jesus hier aus der Verborgenheit heraustritt, bleibt dieser
 Abschnitt noch Vorgeschichte, denn Jesu eigentliche Wirksamkeit hat noch
 nicht begonnen. Warum will sich Jesu taufen lassen? Johannes der Täufer
 hat recht: Jesus hat es doch gar nicht nötig, sich taufen zu lassen. Er
 ist doch ohne Sünde. Doch Jesus bestand darauf, von Johannes im Jordan
 getauft zu werden. Damit erklärt sich Jesus von Anfang an solidarisch mit
 den Sündern. Das konnte Johannes nicht begreifen. Auch er erwartete einen,
 der über den Dingen steht und das auch für alle sichtbar machen würde.
 Statt dessen ordnet sich Jesus unter und läßt sich taufen.
 Sein Weg ist eben ganz anders, als es sich die Menschen vorstellen. Diese
 Solidarität Jesu mit den Sündern zieht sich durch sein ganzes Leben. Er
 hat Umgang mit den Sündern. Er geht in ihre Häuser, er ißt mit ihnen. Er
 macht sie zu seinen Jüngern. Ja, schließlich stirbt er den Tod des Sünders
 am Kreuz inmitten von zwei Schwerverbrechern.
 Damit erfüllt er den Willen Gottes, des Vaters, der das Gute für uns will.
 Wo Jesus dem Willen Gottes gehorsam ist, wo er sich mit den Sündern
 solidarisiert, da steht Gott in besonderer Weise zu ihm. Bei der Taufe
 kommt Gottes Geist über ihn, und er wird in aller Deutlichkeit Gottes Sohn
 genannt. Damit wird von Anfang an deutlich, wer Jesus ist. Am Ende steht
 Gott zu dem Gekreuzigten. Er hat ihn von den Toten auferweckt.
 Jesus Christus, der sich aus Solidarität mit uns Sündern erniedrigt, in
 der Taufe und am Kreuz, ist von Gott erhöht worden. Dieser erhöhte
 Christus ist unser Herr und Bruder. Dessen dürfen wir uns freuen.@{b}
 LIEBER HERR!
 DU HAST UNSERE SCHULD AUF DICH GENOMMEN. AUS LIEBE ZU UNS HAST DU DIES
 GETAN. WIR DANKEN DIR DAFÜR. SCHENKE UND ERHALTE UNS DEN GLAUBEN AN DICH
 ALS DEN ERHÖHTEN HERRN. AMEN@{ub}


@{i}                     Matthäus 3,13-17@{ui}
@{b} Jesus aber sprach zu Johannes: Laß es jetzt geschehen! Denn so gebührt
 es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen.@{ub}
 Mt 3,15
 "Alle Gerechtigkeit erfüllen" wollte Jesus, also all das tun, was Gott
 wollte. Und dazu gehörte auch die Taufe durch Johannes. Jesus hätte sie
 nicht nötig gehabt, Johannes hat das erkannt. Aber Jesus wollte auch durch
 seine Taufe das verdeutlichen, was wir in den letzten Tagen bedacht und
 gefeiert haben. Er wollte bei uns Menschen sein, ganz unten, wie wir. In
 keiner Minute unseres Lebens sollen wir meinen, wir waren ohne ihn oder in
 einer Lage, die er nicht erlebt hat uns kennt.
 Aber es ist wichtig, den ganzen Textabschnitt für heute zu lesen. Denn
 gleich nach seiner Taufe schickt Gott seinen Geist zu Jesus, und es wird
 eine Stimme hörbar. Diese Stimme ist so etwas wie eine öffentliche
 Erklärung. Gott bekennt sich zu seinem Sohn. An ihm freut er sich. Es
 gehört eben beides zusammen: Jesus wurde Mensch wie wir, wurde getauft wie
 die meisten von uns - und war doch zugleich der Sohn Gottes. Wenn wir an
 ihn denken, von ihm reden, sollten wir das immer zusammen sehen. Erst dann
 haben wir den ganzen Jesus vor Augen.                                G-K


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 4-1" "Matthäus 4,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Matthäus 4,1-11@{ui}
@{b}                Jesus besiegt den Versucher@{ub}
 Hier geht es um die Geschichte von einem Kampf. Jesus steht an unserer
 Stelle, kämpft für uns und siegt für uns. Sein Gegner in diesem Kampf ist
 der Teufel. Die Waffe des Teufels ist die Versuchung, die Waffe Jesu ist
 das Wort. Jesus wird "vom Geist" in diesen Kampf geführt: Es ist Gottes
 Wille und Plan, daß er auch diese Versuchung für uns Menschen siegreich
 besteht.
 Der erste Angriff des Bösen besteht in der Aufforderung an Jesus, durch
 ein Wunder die lebenswichtige Brotfrage zu lösen. Er soll dem Wort des
 Teufels folgen, und die Menschen werden dem zufallen, der ihnen durch
 wunderbare Schöpfung Nahrung verschafft.
 Jesus schlägt den Angriff zurück mit einem Wort der Heiligen Schrift: Der
 Mensch hat sein wahres Leben aus dem Wort, das Gott zu ihm spricht.
 Beim zweiten Angriff handelt es sich um die Aufforderung des Teufels,
 Jesus möge vor den Menschen einen öffentlichen Gottesbeweis liefern. Er
 soll von Gott erwarten, daß er menschlichen Wünschen entsprechend handle.
 In Wahrheit aber will Gott grade in den Grenzen und Gefahren menschlichen
 Lebens sein Werk tun und sein Licht in der Dunkelheit scheinen lassen.
 In ähnlicher Weise enthält der dritte Angriff die Verlockung, die Welt
 ohne die Last des Kreuzes gewinnen zu können. Wenn Jesus dem Teufel dient,
 soll er dafür die Reiche dieser Welt erhalten.
 Doch Christus bleibt in der Einheit mit Gott und seinem Willen und schickt
 mit vollmächtigen Wort den Versucher weg. Durch die auf dem Weg des
 Kreuzes vollzogene Hingabe zu Gott wird er die Welt auf seine Weise
 gewinnen und ihr ewiges Heil und Leben schaffen.@{b}
 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS!
 WIR MÜSSEN DIR BEKENNEN, DAß WIR IMMER WIEDER SO SCHNELL DEN VERSUCHUNGEN
 DES BÖSEN ERLIEGEN. GIB, DAß WIR UNS TÄGLICH AN DICH UND DEIN WORT HALTEN,
 DER DU FÜR UNS DAS BÖSE SIEGREICH ÜBERWUNDEN HAST. AMEN@{ub}


@{i}                   Matthäus 4,1-11@{ui}
@{b}                 Da verließ ihn der Teufel.@{ub}
 Bei der Taufe am Jordan hat Gott zu Jesus gesagt: "Du bist mein lieber
 Sohn." Im Namen Gottes soll er die nahe Gottesherrschaft über die Welt
 ausrufen und sie durchsetzen.
 Die Frage ist nun: Wie wird Jesus das tun?
 Der Versucher macht ihm drei Vorschläge:
 Wer herrschen will, muß die
 Menschen satt machen. Deshalb: "Mach aus Steinen Brot, und die Menge fällt
 dir zu!" Wer herrschen will, muß seine Macht beweisen.
 Deshalb: "Zeige mit einem Sprung vom Tempel, daß Gott auf deiner Seite
 steht!"
 Wer herrschen will, muß sich den teuflischen Gesetzen anpassen, die
 scheinbar in dieser Welt herrschen.
 Deshalb: "Falle nieder und bete mich an!" -
 Aber Jesus bleibt dem Weg Gottes treu. Es geht nicht darum, Menschen für
 kurze Zeit satt zu machen - auch wenn Jesus den leiblichen Hunger der
 Menschen sehr ernst nimmt -, sondern darum, daß Menschen ihren Hunger bei
 Gott stillen. Nicht durch Wunder wird die Welt heil, sondern durch Jesu
 Wunden. Gott will seine gnädige Herrschaft durch die Ohnmacht des Kreuzes
 durchsetzen. Und diesen Kreuzweg will Jesus gehen. Vor solchem Gehorsam
 kann der Widersacher Gottes nur das Feld räumen.                  V-W


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 4-2" "Matthäus 4,12-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 4,12-17@{ui}
@{b}                   Das Reich Gottes ist nahe@{ub}
 Mit dem Kommen Jesu Christi erfüllt sich alttestamentliche Verheißung, und
 so erweist Gott durch die Zeiten hindurch seine Treue. Wie schon der
 Prophet Jesaja verkündigt hatte, geht Gott dabei seine eigenen Wege. Nicht
 Jerusalem und der Tempel mit dem heiligen Opferbezirk, nicht der
 Herrschaftsbereich der Priester und Schriftgelehrten, nicht das dort
 vermeintlich konzentrierte Heil und Leben ist der Ort, an dem Jesus mit
 dem Evangelium anfängt. Entsprechend alter Verheißung ist das Heidenvolk
 in Galiläa, das "Volk, das im Finstern saß", "am Ort und Schatten des
 Todes", zu dem das rettende Wort vom Reich Gottes zuerst kommt.
 Entsprechend dem Plan und Willen Gottes führt der Weg Jesu in die Tiefe,
 zu denen, die Gott nicht kennen, zu den Armen, zu denen, die von den
 Frommen so oft übersehen oder verachtet werden. Hier in der Finsternis
 eines dem Tode verfallenen Daseins, will Gott ewiges Licht den Menschen
 leuchten, damit sie alle neue Hoffnung schöpfen.
 Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, dann müssen wir uns schon auf diesen Weg
 begeben, wobei dann eine neue Ordnung der Dinge gilt. Man kann nicht an
 Jesus glauben, ohne sofort das groß zu achten, was man vorher klein
 geachtet hat, und das klein zu achten, was man vorher als groß angesehen
 hat. Das Reich, das mit Jesus nahe herbeigekommen ist und dem die Zukunft
 gehört, ist in seiner Art nicht von dieser Welt, es will aber als helles
 Licht in diese Welt und ihre Reiche leuchten und sich da segensreich
 auswirken. Es will seine Zeichen geben, damit alle erkennen: So soll und
 wird es einmal sein. Es wird einmal der Gott, der die Liebe ist, in allem
 und über alles regieren. Daß wir schon jetzt Bürger dieses ewigen Reiches
 werden, das versteht sich allerdings nicht von selbst. Dazu ist eine
 gründliche und tiefgreifende Umkehr von den bisherigen eigenwilligen Wegen
 nötig. Darum ist mit der Ankündigung des kommenden Gottesreiches der
 Bußruf untrennbar verbunden. Wir haben immer neu umzukehren, uns eines
 Besseren zu besinnen und unsere Irrwege zu erkennen und zu bereuen.
 Das wäre ein gutes Jahresende, wenn wir die vergangenen zwölf Monate der
 grundlosen Barmherzigkeit unseres Gottes anbefehlen würden, um dann mit
 neuer Kraft, mit neuer Zuversicht und neuem Gehorsam gegenüber Gottes
 Gebot in die kommende Zeit zu gehen, dem Reich Gottes entgegen.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, WIR DANKEN DIR FÜR ALLE TREUE, DIE DU UNS IM VERGANGENEN
 JAHR WIEDER REICHLICH ERWIESEN HAST. WIR BITTEN DICH UM VERGEBUNG FÜR
 UNSERE UNTREUE UND UNSERE VERSÄUMNISSE. LAß UNS GETROST UND DANKBAR INS
 NEUE JAHR GEHEN. AMEN@{ub}


@{i}                      Matthäus 4,12-17@{ui}
@{b} Er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, damit erfüllt würde,
 was gesagt ist durch den Propheten Jesaja.@{ub}  Mt 4,13.14
 Nun beginnt Jesus sein öffentliches Wirken. Schon der erste Schritt auf
 seinen Weg steht unter dem Schlagschatten des Kreuzes. Die Verhaftung des
 Täufers Johannes zwingt Jesus zum Verlassen der Stadt seiner Jugend.
 Verzicht und Leiden begleitet ihn bis zum Sterben am Kreuz. Sein neuer
 Wohnort liegt im Heidenland jener Zeit. Damit folgt er dem Willen Gottes.
 In Galiläa wohnen Menschen, die es mit dem Gesetz Israel nicht so genau
 nehmen. Von dort sollen auch die Zeloten kommen, die für politische Unruhe
 sorgen. Damit bringt sich Jesus in gefährlicher Nähe zu den Aufrührern.
 Aber gerade zu den Menschen, die "am Ort und im Schatten des Todes" leben,
 führt ihn sein Auftrag. Für sie wird er zum Licht, das die Dunkelheit
 überwindet. Allen Menschen gilt nun sein Ruf zur Umkehr unter die
 Herrschaft Gottes. Das ist die Macht der Liebe, die sich in Jesus
 offenbart. So wird Jesus zum Überwinder von Grenzen und Mauern zwischen
 Gott und den Menschen. Dieser grenzüberschreitende Jesus nimmt uns mit auf
 seinen Weg. Auch heute und in dieser Nacht.                           H-W


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 5-1" "Matthäus 5,33-37"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Matthäus 5,33-37@{ui}
@{b}                     Einfach ehrlich@{ub}
 "Gott ist mein Zeuge!" Stellt das nicht die wahren Verhältnisse auf den
 Kopf? Wir sollen Gottes Zeugen sein, Zeugen seiner großen Taten in unserem
 Leben, seiner Treue, seiner Barmherzigkeit und seiner Liebe. Wir sollen
 Gottes Werk in der Welt weitertreiben. Die Formel "Gott ist mein Zeuge!"
 aber spannt Gott vor unseren Karren und stellt darum das Verhältnis
 zwischen Gott und uns auf den Kopf. Und das wäre denn im Ernst, wenn der
 heilige Gott, der Gott, der nicht nur sieht, was vor Augen ist, sondern
 der mein Herz ansieht, mein Zeuge wäre? Er könnte mich doch nicht als den
 Tadellosen, den Wahrhaftigen, den Grundehrlichen beglaubigen. In seinem
 Licht wird meine unerkannte Schuld und Mangelhaftigkeit aufgedeckt.
 "Wir sind Bettler, das ist wahr!", so hat sich Martin Luther in der Stunde
 des Todes, im Hintreten vor Gottes Thron gefühlt. Darum ist es ehrlicher,
 wenn wir Gott nicht für unsere Glaubwürdigkeit in Anspruch nehmen. Die
 Pharisäer, mit denen sich Jesus in der Bergpredigt hier auseinandersetzt,
 haben etwas von der Heiligkeit und Unbestechlichkeit Gottes gewußt und
 haben, um den Namen Gottes nicht zu mißbrauchen; "Schwurersatzformeln"
 empfohlen: Beim Himmel! Bei der Erde! Bei Jerusalem!
 Eine gefährliche Verschleierung, die am Ende doch Gott und seine
 Herrschaft zur Selbstbestätigung mißbraucht.
 Um der realen Verhältnisse willen, um der Ehrlichkeit willen, um die
 Beziehungen zwischen Gott und uns nicht auf den Kopf zu stellen, lehnt
 Jesus das Schwören ab. Zur Zeit Jesu war es auch üblich geworden,
 alltägliche Kleinigkeiten zu beschwören. Eine Inflation der Worte:
 Geringfügige Tatbestände wurden mit Schwüren bekräftigt.
 Ärzte sind heute vorsichtig geworden mit dem Verordnen starker
 Medikamente. Zu leicht wird ein Patient immun gegen die Heilwirkung, und
 seine gesunden Abwehrkräfte erlahmen. Wer zu schnell große Worte macht,
 nimmt es bald mit den kleinen Worten nicht mehr so genau. Lassen wir unser
 "Ja" ohne Umschweife, ohne Winkelzüge und ohne Doppelzüngigkeit ein "Ja"
 sein und unser "Nein" ein "Nein"! Das ist genug. Im Kern unseres Wesens
 müssen wir immun bleiben gegen die Täuschung. Um Jesu willen kann uns die
 Wahrheit so teuer sein, daß wir ohne Beteuerungen auskommen!@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS!
 DU WILLST, DAß DIE LIEBE UNTER UNS HERRSCHT, UND UM DER LIEBE WILLEN DIE
 WAHRHEIT. HILF UNS ZU AUFRICHTIGEM UND EINDEUTIGEM REDEN, DAß UNSERE
 MITMENSCHEN UNSEREM EINFACHEN WORT VERTRAUEN KÖNNEN. VERGIB UNS, WO WIR
 VERSAGEN UND UNGLAUBWÜRDIG WERDEN. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 6-1" "Matthäus 6,1-4"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 6,1-4@{ui}
@{b}                Habt acht auf eure Frömmigkeit!@{ub}
 Jesus spricht in seiner Bergpredigt auch von Spenden, Kollekten,
 Opfergaben, jedenfalls aber von der Hilfsbereitschaft. Dazu fordert er
 auf. Ohne Hilfsbereitschaft ist christlicher Glaube tot in sich selber.
 Hilfsbereitschaft ist überhaupt ein Merkmal verantwortungsbewußt lebender
 Menschen - Christen oder Nichtchristen; manchmal ist die Vorbildlichkeit
 auf Seiten der Nichtchristen. Christen sollen aber eine Gefahr tätiger
 Nächstenliebe klar erkennen: Wer seine Wohltätigkeit so übt, daß er dabei
 gesehen werden will, bringt sich selbst um den Lohn.
 Wir erliegen oft genug der Versuchung, dafür zu sorgen, daß unser edles
 Tun auch ja gebührend bewundert wird. Eitelkeit und Geltungsdrang spielen
 dabei eine üble Rolle. Leider lassen wir uns auch dadurch verführen, daß
 bei der Verwaltung der Gemeinde großartige Statistiken angefertigt werden
 müssen über Kollekten und Leistungen der Gemeinde, und dabei wird nicht
 selten geschummelt und übertrieben. Wo bleibt dann der, der in der Stille,
 unauffällig, ohne Aufhebens tut, was ihm sein Gewissen gebietet? Ihn sieht
 man nicht. man verdächtigt ihn vielleicht sogar, er sei ein Faulenzer.
 Jesus erklärte: Gott weiß, wann und wie er lohnen wird. Habt acht! Es ist
 nicht nötig, und es ist verfehlt, auf sofortige, öffentliche und
 (natürlich!) reichliche Auszahlung des Lohnes zu pochen. Die rechte Hand,
 sagt Jesus, soll nicht wissen, was die linke tut. Unmöglich?
 Zunächst: Jesus gebraucht eine provozierende Ausdrucksweise, damit wir
 überhaupt erst stutzig werden. Aber er übertreibt nicht. Es ist möglich!
 Ein guter Klavierspieler, erst recht ein guter Orgelspieler beherrscht
 diese Kunst. Jede Hand, jeder Fuß weiß für sich, was zu tun ist. Im Kopf
 des Künstlers läuft alles zusammen. Dafür muß aber viel geübt werden.
 Im übertragenden Sinn bedeutet das zum Beispiel: Auf Gottes Lohn dürfen
 hoffen, die ihr Dankopfer geben, ohne es an die große Glocke zu hängen,
 die unauffällig, selbstlos ihren unersetzlichen Dienst tun. Gott hat es
 gesehen. Das genügt. Es ist nicht leicht, damit zufrieden zu sein. Aber
 habt acht und achtet auf euer Geben: Ihr werdet sehen: Gottes reicher Lohn
 wird euch noch beschämen.@{b}
 HERR JESUS!
 VOR DIR BEKENNEN WIR, DAß WIR UNS OFT VOR DIR UND DER WELT HEUCHLERISCH
 HERVORTUN WOLLEN. HILF UNS, DAß WIR FLEIßIG DARIN SIND, NÄCHSTENLIEBE ZU
 ÜBEN UND DOCH AUF DEINEN LOHN WARTEN ZU KÖNNEN. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 6-2" "Matthäus 6,5-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 6,5-13@{ui}
@{b}                      Wenn ihr betet...@{ub}
 Es ist gut, beten zu können. Doch es ist gefährlich zu meinen: Ich "kann"
 beten, ich weiß, wie man's macht. Es ist gut, in Gemeinschaft mit anderen
 zu beten, Gott gemeinsam zu loben, ihm zu danken und ihn um das zu bitten,
 was uns am Herzen liegt. Doch es ist nicht gut @{b}vor@{ub} anderen zu
 beten und dabei an die Wirkung auf die Zuhörer oder Mitbeter zu denken
 statt an den, den wir anreden. Gebet ist in seinem Kern nicht ein
 öffentliches Ereignis - selbst wenn es vor der Fernsehkamera geschieht -
 und nicht ein Selbstgespräch der Seele, sondern Anrede an Gott.
 Auch heute gilt wie zu der Zeit, als Jesus seine Jünger beten lehrte, daß
 die "Berufsbeter" am meisten in Gefahr sind, nicht zu Gott, sondern an ihm
 vorbei zu reden. Gebet und Routine schließen sich aus. Das gilt für den
 Meister der freien Gebetsrede ebenso wie für den gedankenlosen Benutzer
 schöner liturgischer Formulare. "Plappern" sagt Jesus dazu. Und er lehrt
 seine Jünger das allumfassende kurze Gebet zum Vater im Himmel. Auch das
 Vaterunser kann - wir wissen es - geplappert werden. Aber es bleibt die
 beste Hilfe, beten zu lernen. Jesus macht uns Mut: Da ist einer, der uns
 hört und unser Beten haben will, ein Vater, mit dem wir über alles reden
 können. Nicht daß wir ihm gleich klarmachen müssen, wie wichtig unsere
 Probleme sind. Wichtig ist @{b}er@{ub}, das lernen wir zuerst in diesem
 Gebet. Sein Name ist wichtig, er heißt Jahwe, der Gott Israels, und er hat
 sich für uns mit dem Menschennamen Jesus untrennbar verbunden. Sein Reich,
 das heißt seine Regierung, und damit die Ausführung seines Willens bei uns
 und durch uns ist wichtig. Damit ist die Richtung angegeben. Und wenn wir
 mit Ernst so beten, dann hat das Auswirkungen für unser Leben, für unsere
 Taten ebenso wie für unsere Wünsche und Gefühle. Wir erfahren den Vater im
 Himmel als Herrn, der uns beansprucht. Aber lernen ihn gleichzeitig kennen
 als den, dem wir unsere Sorgen und Lasten sagen können. Unser Brot und das
 Brot für die ganze Welt sind ihm nicht gleichgültig. Unsere Schuld dürfen
 wir ebenso vor ihn bringen wie all das Böse in uns und um uns. Wenn wir so
 zum Vater kommen - mit den Worten des Vaterunser und mit unseren eigenen
 Worten -, dann wird die Hilfe nicht ausbleiben.@{b}
 UNSER VATER IM HIMMEL!
 VERGIB UNS ALLE GEBETE, DIE NICHT DIR GALTEN. DU KENNST UNSER HERZ MIT
 SEINER SELBSTSUCHT UND EITELKEIT. VERGIB UNSER HERZ MIT SEINER SELBSTSUCHT
 UND EITELKEIT. VERGIB AUCH, DAß WIR OFT DAS BETEN VERGESSEN ODER AUS
 TRÄGHEIT UNTERLASSEN. HAB DANK, DAß DU UNS MUT MACHST, ZU DIR ZU KOMMEN.
 AMEN @{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 6-3" "Matthäus 6,19-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 6,19-23@{ui}
@{b}                   Was unser Leben erfüllt@{ub}
 Das Leben ist uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir versuchen, das
 Beste daraus zu machen. Auch Essen und Trinken gehören dazu. An der
 Tatsache, daß wir zu essen und zu trinken haben, wird sich niemand
 aufhalten; wohl aber bietet die Frage, was es zu essen und zu trinken
 gibt, für viele Menschen einen unerschöpflichen Gesprächsstoff. Es ist
 gut, wenn uns der heutige Erntedanktag in allen Dingen Gottes gute Gaben
 erkennen läßt. Wir haben wohl mehr Grund zum Danken, als uns bewußt ist.
 Doch wir leben nicht nur vom Essen und Trinken. Es lohnt sich, darüber
 nachzudenken, was uns im Leben wichtig ist.
 Da gibt es vieles, worauf wir nicht verzichten möchten. Manchem bedeutet
 das Auto alles oder der Garten, dem er seine ganze Freizeit zuwendet.
 Andere wieder streben bewußt nach Anerkennung und tun alles, um sie zu
 erlangen. Es ließe sich noch vieles von dem aufzählen, was Menschen
 wichtig ist und deshalb ihr Leben erfüllt.
 Natürlich ist nichts gegen dieses alles einzuwenden. Der Mensch braucht
 etwas, womit er sich beschäftigen und woran er seine Freude haben kann.
 Wichtig ist nur die Frage, ob ihm dieses genügt, um sein Leben einen
 sinnvollen Inhalt zu geben. Jesus spricht in diesem Zusammenhang von
 Schätzen, die sich Menschen sammeln. Natürlich haben diese auch ihren
 Wert, aber es ist nur ein Wert auf Zeit. Es kommt der Augenblick, da sie
 sich als wertlos erweisen und dem Menschen nichts mehr nutzen. Sie geben
 keine bleibende Basis her, die den Menschen auf Dauer und ganz besonders
 in seinen Krisen zu tragen vermag. Jesus möchte, daß die Menschen ihr
 Leben auf einer tragfähigen Grundlage aufbauen. Deshalb spricht er von
 Schätzen, die sich der Mensch im Himmel sammeln soll. Was Jesus damit
 meint, ist dem Zusammenhang der Bergpredigt zu entnehmen. Es geht um die
 Erkenntnis, was uns alles von Gott geschenkt ist; nichts ist in unserem
 Leben selbstverständlich. Das will uns dankbar machen. Diese Dankbarkeit
 läßt uns aber nicht nur offen sein für Gott, sondern auch für die Menschen
 an unserer Seite. Sie hilft uns, ihnen so zu begegnen, daß Vertrauen
 aufgebaut wird. Menschen, die aus der Liebe Gottes leben, können sich mit
 offenem Blick begegnen; sie sind reich in Gott, ihr Leben steht auf
 tragfähigem Fundament.@{b}
 HIMMLISCHER VATER!
 WIR LEBEN VON DEM, WAS DU UNS TÄGLICH GIBST. LAß UNS ERKENNEN, DAMIT WIR
 DIR DANKBAR WERDEN. GIB, DAß UNS SOLCHE DANKBARKEIT FREI MACHT ZUM DIENST
 DER VERSÖHNUNG, DEN UNSERE WELT HEUTE SO NÖTIG HAT. AMEN@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Matthäus 9-1" "Matthäus 9,9-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 9,9-13@{ui}
@{b}                    Gesund oder krank?
 Der Zöllner Matthäus betrieb ein Gewerbe, das leicht zum Betrug verführte.
 Eine Zollstation konnte man pachten. Die Einnahmen mußten zwar abgerechnet
 werden, aber keiner konnte so richtig überprüfen, ob man auch in die
 eigene Tasche wirtschaftete. Da die meisten Zolleinnehmer über einen
 gewissen Reichtum verfügten, verstärkte sich die Meinung im Volk, daß es
 sich um ein unehrliches Gewerbe handelte. Hinzu kam die Tatsache, daß das
 Unternehmen im Auftrage der Besatzungsmacht geschah. Somit waren die
 Zolleinnehmer an der Ausbeutung des eigenen Volkes beteiligt. Jeder fromme
 Jude mied die Gemeinschaft mit Menschen, die Gottes Gebote nicht achteten.
 Da es sich um eine heidnische Besatzungsmacht handelte, mied man dieselbe
 nicht nur aus politischen, sondern auch aus religiösen Gründen.
 In unserem heutigen Text tritt uns Jesus als ein Mensch entgegen, der
 solche Art Belastung nicht scheut, wie sie Matthäus aus seiner Tätigkeit
 im Ganzen erwächst. Jesus erleben wir als den, der die Initiative
 ergreift. Von Matthäus wird in einem Satz berichtet, daß er die bisherige
 Arbeit aufgibt und Jesus folgt. Da aber, wo Jesus redet und ruft,
 geschieht es, daß nicht nur ein einzelner Mensch erreicht wird. Plötzlich
 wird von einer Tischgemeinschaft mit vielen Zöllnern und Sündern
 gesprochen. Dabei bedeutet Tischgemeinschaft im orientalischen Raum viel
 mehr als nur gemeinsames Essen und Trinken. Tischgemeinschaft hat man dort
 eigentlich nur mit Freunden. Deshalb haben die Frommen für Jesu Handeln
 überhaupt kein Verständnis. Seine Antwort auf ihr unwilliges Fragen
 fordert uns zum Nachdenken auf. Sind wir nicht auch, wie die Pharisäer, in
 der Gefahr, gegenüber anderen Grenzen zu ziehen, die von Gott her gar
 nicht bestehen? Schreiben wir nicht manchmal Menschen ab, die Jesus
 bestimmt nicht abschreibt?
 An unserem Text wird deutlich, daß es durchaus passieren kann, daß
 "Fromme" sich isolieren und in die Gemeinschaft mit Jesus ganz andere
 rücken, Menschen, von denen wir es nie gedacht hätten. Der Text weist mit
 großem Nachdruck darauf hin, daß Gott allein entscheidet, wer zu ihm
 gehört und wie die Gemeinschaft mit ihm aussieht. Aber er ruft, und man
 darf kommen, ob "gesund" oder "krank", auch an seinen Tisch, da haben wir
 auch heute mit ihm Gemeinschaft.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU RUFST AUCH HEUTE MENSCHEN, WO WIR ES NICHT
 VERMUTEN. HILF UNS, DAß WIR DARAN KEINEN ANSTOß NEHMEN, SONDERN UNS
 MITFREUEN. LAß UNS NICHT VERGESSEN, DAß AUCH WIR IMMER WIEDER NEU DEINEN
 RUF BRAUCHEN. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 9-2" "Matthäus 9,35-38;10,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 9,35-38; 10,1-7@{ui}
@{b}                   Auf das Hinsehen kommt es an!@{ub}
 "Und da Jesus das Volk sah..."! Er sah das Volk, er sah den einzelnen an.
 Im Gegensatz zu uns. Wir machen uns meist nicht die Mühe, genau
 hinzusehen. Ein oberflächlicher Blick, und schon meinen wir, einen
 Menschen einordnen zu können. Uns entgeht, daß wir nur die Fassade eines
 Gesichtes gesehen haben. Vielleicht wollen wir auch gar nicht hinsehen, um
 nicht das Elend zu erkennen, das einen Menschen plagt. Vielleicht wollen
 wir auch dem hilfesuchenden Blick des anderen ausweichen. Aber Jesus sieht
 das Volk an. Und es jammert ihn. Er sieht kranke Menschen, geschundene und
 gestrandete Menschen, die am Ende ihrer eigenen Kraft sind , ohne
 Erfolgserlebnisse zu haben. Er sieht die, die von einer Idee besessen sind
 und sie mit Fanatismus durchzusetzen suchen, meist auf Kosten anderer.
 Ihm entgeht nicht, daß jeder gesellschaftliche Fortschritt Nicht-
 Mitkommende, Gestrandete zurückläßt. Darum ist er rastlos tätig. Er
 predigt, lehrt und heilt.
 "Das Reich Gottes ist nahe herangekommen." Das ist der Inhalt seiner
 Botschaft. Dafür ist er unermüdlich im Einsatz. Er ruft die Gestrandeten,
 die Besessenen zur Umkehr. Er will sie zurückholen in die heile Welt
 Gottes, in das Reich Gottes. Darum sein Ruf:"Kehrt um!"
 Dazu braucht er Mitarbeiter, Menschen, die Gott in seine Ernte senden
 kann. Darum mahnt er:"Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine
 Ernte sende" -
 Am Anfang steht also das Gebet um Mitarbeiter. Wer hierfür betet, sollte
 zuerst überlegen, ob er sich selbst von Gott rufen läßt. Wenn nicht für
 einen hauptamtlichen Dienst, so vielleicht für Teilaufgaben in der
 Gemeinde. Besuche von Alten und Kranken, Küsterdienste und was sich sonst
 anbietet. Und dann schickt Jesus seine Mitarbeiter aus.
 Wer die Namen der 12 Apostel einmal liest, ahnt, wie verschieden geprägten
 Leuten man begegnet, mit denen man zusammenarbeiten muß. - Die große Ernte
 zeigt uns: Es ist viel zu tun, und es kann viel getan werden.
 Man hört oft Klagen, daß der Raum zur Verkündigung des Reiches Gottes
 beengt sei. Es sind uns viel mehr Möglichkeiten gegeben, als wir
 bewältigen können. Immer wieder werden wir von Jugendlichen überrascht,
 die von Haus aus keine normale Bindung an eine Kirchengemeinde haben, die
 aber bei uns Gemeinschaft suchen. Ängstliches Türenverschließen vor
 solchen, die unseren Vorstellungsnormen nicht entsprechen, wäre das
 schlimmste, was wir tun können. Den anderen in seiner Not sehen, darauf
 kommt es an.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß WIR IN DIR DEN GUTEN HIRTEN GEFUNDEN HABEN. LAß
 UNS DIE MITARBEITER SEIN, DIE ANDEREN HELFEN, ZU DIR ZU FINDEN. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 11-1" "Matthäus 11,2-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 11,2-10@{ui}
@{b}                    Der Bote des Advents@{ub}
 Der Glaube ist dem Zweifeln ausgesetzt. Sollte jemand von sich meinen, er
 kenne keinen Zweifel, er stehe fest, der "mag zusehen, daß er nicht
 falle". Niemand brauch sich seines Zweifels zu schämen.
 Johannes der Täufer ist ein Beispiel dafür, daß man zweifeln kann, auch
 wenn "kein Rohr ist, das der Wind hin- und herbewegt" und kein "Höfling",
 der anderen nach dem Munde redet, sondern einer, der sich um der Wahrheit
 willen ins Gefängnis werfen ließ und dem Tode entgegensieht.
 Als Jesus sich von ihm taufen ließ, sagte Johannes: "Siehe, das ist Gottes
 Lamm, das der Welt Sünde trägt" (Joh.1,29). Nun trennen ihn
 Gefängnismauern von Jesus, so wie uns fast 2000 Jahre von ihm zu trennen
 scheinen. Nun zweifelt er, ob Jesus wirklich der Messias ist. Er tut das
 einzig Richtige, was ein Zweifler tun kann: Er fragt nicht seine Jünger
 oder die Jünger Jesu, auch nicht die Schriftgelehrten nach ihrer Meinung,
 sondern er fragt Jesus selbst.
 Auch wir haben die Möglichkeit, uns im Gebet an Jesus zu wenden. Die
 Antwort ist die, die Johannes erhielt: Jesus ist der erwartete Messias,
 auf einen anderen wartet man vergeblich. Aber er ist so ganz anders, nicht
 so, wie ihn Johannes erhofft hatte, und wir hätten ihn auch gerne anders!
 In seiner Bußpredigt (Matth.3,12) hatte er davon gesprochen, daß Jesus
 seine Tenne fegen, den Weizen in die Scheune sammeln, aber die Spreu
 verbrennen würde. Aber nun zeigt sich das Werk des Messias ganz anders:
 Kranke werden geheilt, Tote stehen auf und die Armen wird das Evangelium
 gepredigt. So sieht die Arbeit Jesu aus, und so wird die neue Welt
 aussehen, die er bringen wird: Keine Krankheit mehr, auch kein Tod,
 sondern Leben und Seligkeit! Man muß nur erkennen, daß das, was damals
 geschah, nur aufgerichtete Zeichen des kommenden Reiches waren. Und darum
 gehört Johannes der Täufer als Wegbereiter Jesu in die Adventszeit. Er ist
 der Prophet, der an der Schwelle des Alten Testaments zum Neuen Testament
 steht. Was er mit der Botschaft Jesu im Gefängnis hat anfangen können,
 wissen wir nicht. Für uns ist wichtig, was Jesus uns selber zuruft: "Selig
 ist, der sich nicht an mir ärgert!"@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, NIMM LOB UND DANK DAFÜR, DAß DU DICH IN DIESER
 ADVENTSZEIT ALS GOTTES SOHN OFFENBARST UND DEIN REICH IN ALLER WELT BAUST.
 MACHE UNS ALLE ZU RECHTEN BOTSCHAFTERN DEINES ADVENT. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 13-1" "Matthäus 13,44-46"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Matthäus 13,44-46@{ui}
@{b}                Der Schatz im Acker der Welt@{ub}
 Jesus erzählt vom Reich Gottes. Es ist ein Reich, in dem Gerechtigkeit
 wohnt. Es ist ein Reich, in dem es kein Leid geben wird, kein Geschrei,
 keinen Schmerz, und auch der Tod wird nicht mehr sein. Es ist ein Reich,
 in dem der Durst nach Liebe und der Hunger nach Leben gestillt sein
 werden. Es ist ein Reich für alle. Wenn dieses sein Reich kommt, beginnt
 eine neue Welt.
 Ist ein solches Reich eine Utopie? U-topos heißt: kein Ort. Das Reich
 Gottes hat keinen Ort, man kann nicht sagen: Hier ist es oder da ist es.
 Doch ist es damit auch eine Illusion?
 Die an Jesus glauben, bezeugen: Sein Reich ist die neue Wirklichkeit. Es
 ist noch verborgen in dieser Welt, aber es hat schon einen König: Jesus
 Christus. Menschen erfuhren und erfahren die neuschaffende Kraft Christi:
 Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Armen wird das
 Evangelium gepredigt.
 Wie sollen wir dieses Doppelgleichnis von der köstlichen Perle und dem
 Schatz im Acker verstehen? Die Botschaft von diesem Reich - und mit der
 Botschaft vom Reich beginnt es auch schon zu kommen - fordert einen
 unbedingten und ungeteilten Einsatz. Wer wagt, gewinnt. Ohne
 Rückversicherung sich an Jesus halten und ihm nachfolgen ist die Einladung
 und Aufforderung zu höchster Aktivität. Es gibt ein anderes Verständnis
 unserer beiden Gleichnisworte. Da geht es dann nicht um meine Aktivität.
 Jesus wird dann mit dem verglichen, der im Acker einen verborgenen Schatz
 findet. Er ist es, der alles dafür hergibt. Jesus handelt allein an mir.
 Ohne Rückversicherung setzt er alles, was er hat, ein: seine Gesundheit,
 seine Freiheit, seine Würde, sein Leben.
 Wo kommen wir dann in diesem Gleichnis vor? Wir sind dann der verborgene
 Schatz und die köstliche Perle. So sieht uns Jesus an. Wir selbst können
 uns nicht so sehen. Wir sehen uns gegenseitig auch nicht so. Einer
 kritisiert den anderen nach unterschiedlichen Maßstäben. Wenn wir einander
 kritisieren, öffentlich oder in unserem Herzen, haben wir gewiß häufig
 recht. Wie vernichtend könnte uns Jesus richten, wenn wir, die wir Sünder
 sind, häufig unbarmherzig miteinander umgehen?
 Jesus richtet uns nicht nach toten oder tötenden Gestzen. Er will etwas
 anderes. Er will uns retten, indem er uns in seine Nähe zieht. Dafür ist
 ihm kein Einsatz zu groß und kein Preis zu hoch. Dies ist unser Leben.@{b}
 WENN ICH SO MEIN LEBEN SEHE, FRAG NACH SEINEM SINN, BLEIBT VON ALLEM NUR
 BESTEHEN, WAS ICH FÜR DICH BIN. HERR, ERBARME DICH. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 21-1" "Matthäus 21,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 21,1-9@{ui}
@{b}                Warten auf Gottes Ankunft@{ub}
 Das neue Kirchenjahr beginnt mit dem 1.Advent. Was auch immer es bringen
 mag, es steht im Zeichen des kommenden Herrn.
 "Siehe, dein König kommt zu dir." Es ist Jesus - von der Krippe bis zum
 Kreuz, bis zur Auferstehung. Er lebt das Wort des Propheten Sacharja, das
 über seinem Einzug nach Jerusalem steht. Sacharja hat das Kommen dieses
 Königs sicher anders erhofft, als es in der Person Jesu Wirklichkeit
 geworden ist. Er hat vielleicht sogar das Seine dazu getan, daß Israel den
 König am Kreuz, in der Verborgenheit, in der Ohnmacht nicht erkannt hat.
 Das gilt trotz des Einzuges in Jerusalem. Denn wo waren die Wohlhabenden
 und die Würdenträger, wie sie beim altorientalischen Königszeremoniell
 Spalier bildeten? Im Hintergrund! Sie schmiedeten Pläne, diesen "Bettler-
 und Arme-Leute-König", der so gar nicht ihren Vorstellungen von einem
 König entsprach, zu beseitigen.
 Wir singen: "Dein König kommt in niedern Hüllen"; ob wir immer wissen, was
 wir singen? Das heißt doch: Er kann zu uns kommen in dem Wohnungsnachbarn,
 den wir unausstehlich finden; in demjenigen, der mit uns zusammen arbeitet
 und uns vielleicht schon durch seine Anwesenheit beschwerlich ist; er
 tritt in die Tür in der Gestalt eines Menschen, der uns in diesem
 Augenblick gerade stört. Weil er so kommt, erkennen wir ihn oft nicht.
 Dabei ist er gerade so ganz unser König, der uns in solchen Situationen
 sucht. Er ermuntert uns, Augen und Sinne zu öffnen und zu begreifen, was
 geschieht. Er ist ganz unser; Sich hingebend wartet er auf uns, wie es uns
 sonst niemals widerfährt, er ist wirklich "dein König"! - "Beschützer"
 zugleich. "Herr" - wenn wir erkennen, in welchen Gestalten uns dieser Herr
 begegnet, dann sollten wir unsere Zeit an unsere Zeitgenossen wenden.
 Haben wir Zeit für sie, dienen wir ihm. Indem wir diesen Dienst
 wahrnehmen, bewahrt uns dieser König vor uns selbst; davor, daß wir uns an
 uns selbst genügen lassen.
 So vollbringt der auf uns zukommende König den Willen dessen, der ihn
 gesandt hat. Darum ist er, der König auf dem Esel, der in Jerusalem
 einzieht, am 1.Advent, zu Beginn des neuen Kirchenjahres, das Vorzeichen
 unseres Lebens. Er ist es und er bleibt es!@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, IN DEINEM KOMMEN KOMMT UNS GOTT NAHE. GIB, DAß MIT
 DEINER ANKUNFT AUCH BEI UNS EIN NEUER ANFANG WERDE. HILF, DICH SO ZU
 ERWARTEN, DAß WIR DEINEN FRIEDEN SCHON IN DEN KLEINEN EREIGNISSEN UND
 BEGEGNUNGEN DES ALLTAGES BEZEUGEN. AMEN@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-1" "Matthäus 26,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 26,1-16@{ui}
@{b} Letzte Leidensankündigung; Salbung in Bethanien@{ub}
     Matthäus 26,1-16(LB)
 So beginnt der Weg: Alle gehen auf Distanz zu Jesus. Die Rechtgläubigen
 und Mächtigen, die Verwalter der Frömmigkeit und des Kultes - die
 Hohenpriester und die Ältesten. Sie wollen endgültig die Distanz zwischen
 sich und Jesus festlegen: den Tod.
 Und dann ist da der enttäuschte Begleiter -Judas-, der die Macht seines
 Rabbi nicht erkennen kann und seiner Menschlichkeit mißtraut. Er geht von
 ihm und verrät ihn.
 Dazwischen eine Geschichte der Nähe. Mit ihr beginnt der Weg tatsächlich.
 Es ist die Geschichte der Liebe einer Frau, die als Beispiel und Vorbild
 für rechten christlichen Glauben uns vor Augen gestellt wird, und zwar von
 Jesus selbst. Die Hohenpriester haben nichts verstanden von Jesu Botschaft
 oder wenn, dann sehen sie allein ihre Macht in Gefahr. Judas hat nichts
 verstanden oder wenn, erscheint es ihm ohne Sinn. Selbst die Jünger haben
 nichts verstanden oder wenn, dann nur eine verkürzte moralische
 Nutzanwendung. Allein diese unbekannte Frau fragt nicht nach ihrem
 persönlichen Nutzen. Sie überwindet Distanz und schenkt ihre Zuwendung in
 scheinbar nutzloser Verschwendung an Jesus. Er ist die Bezugsgröße. Nicht
 irgendwelche Werke, von Nutzen oder nicht. Dem Beispiel dieser Frau zu
 folgen heißt dann für einen jeden von uns: die Nähe derer suchen, von
 denen Jesus als von sich selbst gesprochen hat, die Kranken, die
 Gefangenen, die Hungrigen, kurz, die Leidenden.
 Wer sich ihm zuwendet wie diese Frau, die alle männlichen Nützlichkeits-
 erwägungen unterläuft und als verfehlt ausweist - wer sich ihm so
 zuwendet, hat etwas verstanden, mit Herz und Sinnen, von Annehmen des
 Leides und vom Protest dagegen. Wer sich ihm so zuwendet, entspricht
 seiner Zuwendung, folgt ihm nach auf seinem Leidensweg.@{b}
 JESUS CHRISTUS, AUCH ICH GEHÖRE ZU DENEN, DIE IMMER WIEDER NUR
 NÜTZLICHKEITSERWÄGUNGEN ANSTELLEN UND SICH AUF DIESE WEISE STETS NUR VON
 DIR ENTFERNEN. LAß MICH DEINE NÄHE FINDEN, INDEM ICH MICH MIT LIEBE DENEN
 ZUWENDEN KANN, DIE DEINE GESCHWISTER SIND: DEN LEIDENDEN. AMEN@{ub}
                                                 Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-2" "Matthäus 26,17-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 26,17-30@{ui}
@{b}     Das heilige Abendmahl.@{ub} Matthäus 26,17-30 (LB)
 So sehr auch Jesu Freunde die Nähe Jesu verfehlen - er sucht sie. Er lädt
 sie ein, mit ihm das letzte Mahl zu halten. Jedoch noch am Tisch, beim
 gemeinsamen Essen, ist die trennende Entfernung voneinander zunächst nicht
 aufgehoben. Nur eines ist anders. Die Distanz zu Jesus ist ihnen bewußt.
 Jeder der Freunde hält es für möglich, der Verräter zu sein, der Judas
 tatsächlich war. Keiner kann für sich die Hand ins Feuer legen. Jeder kann
 Judas sein.
 Jesus hält also kein Mahl mit Leuten, von denen jeder zum Verräter werden
 kann. Ihnen gibt er zu verstehen: Gerade mit euch, die ihr mich
 ausnahmslos alle verraten könnt, mit euch will ich zusammen sein.
 Er gibt ihnen bis auf den heutigen Tag ein sichtbares Zeichen seiner
 Vergebung. Dieses Zeichen ist das Abendmahl. Seine Vergebung stellt Nähe
 her. Wir wissen, daß wir ohne Vergebung nicht leben können. Wo wäre ich,
 wenn nie jemand zu mir gesagt hätte: Es ist dir vergeben?
 Das Abendmahl, das Brot, das Jesus teilt und der Kelch, den er ausschenkt,
 stärkt die Bereitschaft seiner Jünger bis auf den heutigen Tag, der
 Vergebung zu vertrauen uns Nähe soll uns nicht nur durch Worte gesagt
 sein. Wir sollen sie leibhaftig empfinden und schmecken - dem Judas zum
 Trotz, der in unser aller Herzen verborgen ist. Jesu Jüngern, uns, soll
 dies eine deutlich sein: Jesus meint uns. Er will unsere Nähe mit ihm und
 untereinander. Denn natürlich sind auch die geladen, mit denen wir
 Schwierigkeiten haben, die wir nicht leiden und kaum ertragen können. Aber
 wer etwas vom Abendmahl verstanden hat, weiß, der verborgene Judas im
 Herzen jener ist nicht gefährlicher nicht größer als der im eigenen. Wer
 das weiß, vergibt sich nichts, wenn er vergibt, wo es zu vergeben gilt.
 Denn jeder Christ lebt davon, daß Jesus Christus ihm verzeihend nah ist
 auf allen Lebens- und Leidenswegen.@{b}
 JESUS CHRISTUS, DIE MAHLGEMEINSCHAFT SCHENKT NÄHE ZU DIR UND ZUM ANDEREN
 MENSCHEN, DER DURCH DICH MEIN NÄCHSTER WIRD. LAß MICH ERKENNEN, DAß ICH
 IHM GERADE DADURCH VERBUNDEN BIN, DAß NIEMAND VOR DIR FÜR SICH SELBST DIE
 HAND INS FEUER LEGEN KANN. NIEMAND KANN AUSSCHLIEßEN, IN VERRÄTERISCHER
 DISTANZ ZU DIR ZU GELANGEN. ALLE LEBEN VON DEINER VERGEBUNG. LAß SIE AUCH
 MICH IM ABENDMAHL LEIBHAFTIG ERFAHREN. AMEN@{ub}   Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-3" "Matthäus 26,31-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Matthäus 26,31-35@{ui}
@{b} Ankündigung der Verleumdung des Petrus.@{ub} Matthäus 26,31-35 (LB)
 "Bin ich es?" - so haben alle Freunde Jesu am Tisch gefragt, als er vom
 Verrat sprach. Jeder hielt es für möglich, der Verräter zu sein. Es ist,
 als ob Jesus es ihnen nun bestätigen wollte. "Jeder von euch, meine
 Freunde, wird Anstoß nehmen, wird zweifeln, fliehen, verraten, zu Fall
 kommen. Für jeden von euch, meine Freunde, werde ich zum Skandal."
 Jesus gibt zu erkennen: Die Nähe zu ihm bleibt nicht erhalten. Seine
 Freunde werden sie nicht aushalten, weil sie nicht allein Geborgenheit
 bedeutet und Wärme und Sicherheit, sondern auch lebensbedrohliche
 Beunruhigung, Unsicherheit, Gefährdung.
 Doch davon wollen seine Freunde nichts wissen. Petrus macht sich zum
 Sprecher. Sie stimmen ihm zu, als er jede Gefährdung der Nähe zu Jesus
 ausschließt. er will die beunruhigende, bedrohliche Seite der Beziehung zu
 seinem Rabbi nicht wahrhaben. Und mit ihm die übrigen Jünger nicht. Ja,
 sie beharren trotzig darauf, als Jesus Petrus auf das hinweist, was
 geschehen wird. Sie wollen den Judas, der in ihrem Herzen schlummert,
 nicht wahrnehmen, geschweige denn wahrhaben. Selbst der Tod muß herhalten,
 die Wahrheit zu verdecken.
 Aber wer könnte Petrus und die übrigen Jünger Jesu nicht verstehen? Sagen
 nicht auch wir alle das gleiche? Jeder von uns sehnt sich danach, daß das
 sichere Gefühl der Geborgenheit in der Nähe eines geliebten Menschen
 Bestand hat: Nun kann geschehen, was will, nichts wird uns trennen. Die
 Gefährdungen, die Unsicherheiten, ja schon der Gedanke daran - sie sollen
 uns nicht berühren.
 So ist es auch mit dem Verhältnis zu Jesus. Wir möchten die Nähe zu ihm
 bis zum Tod aushalten und durchhalten. Wer gesteht in Wahrheit ein, daß er
 nicht einmal für sich selbst die Hand ins Feuer legen kann?@{b}
 JESUS CHRISTUS, IN DEINER NÄHE IST SICHERHEIT UND GEBORGENHEIT. ABER AUCH
 NOT, GEFÄHRDUNG UND ANFECHTUNG. DAS FÄLLT OFT SCHWER WAHRZUNEHMEN UND
 ANZUNEHMEN. AUCH ICH VERDRÄNGE DAS TROTZIG. DU KENNST MEINE SCHWACHHEIT.
 HILF MIR MIT DEINER WAHRHEIT. AMEN@{ub}         Rainer Bookhagen



@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-4" "Matthäus 26,36-46"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 26,36-46@{ui}
@{b} Jesus in Gethsemane.@{ub}  Matthäus 26,36-46(LB)
 Wollten die Freunde Jesu, seine Weggefährten, in seiner Nähe aushalten und
 sie durchhalten, so wie sie trotzig, vollmundig behauptet hatten, es zu
 können, dann wäre eines notwendig gewesen: "Wachet und betet!" So sagt es
 Jesus. Das allein würde sie in seiner Nähe halten und sie und ihre
 Versprechungen nicht Lügen strafen, Aber sie schlafen ein. Die Freunde
 Jesu bekommen nichts mit. Sie erleben nicht mit, wie Jesus wachend und
 betend ringt, daß er nicht in Anfechtung falle.
 Vor Gott breitete er wie die Beter des Alten Testaments seine Klage aus.
 Widerstand und Ergebung liegen im Widerstreit in seinem Herzen. Wie im
 Alten Testament enthält der Kelch alles Schlimme, Gefährliche,
 Lebensbedrohende. Er ist der Kelch des Zornes, der Kelch des Leidens. Ja,
 der Kelch ist der Tod selbst.
 Im Widerstand dagegen sind wir uns mit Jesus alle einig. Wohl um so
 einiger, je drohender der Tod auf uns zukommt. Aber sind wir uns auch
 einig darin, daß "Dein Wille geschehe"?
 Allein diese Bitte gibt Jesus in dieser Nacht Halt - gesprochen zu dem,
 der nicht schläft noch schlummert. Sie ist zum "Vater" gesprochen, die
 einzige Möglichkeit, da Jesu Freunde auch oder gerade in dieser Stunde
 nicht ihm wachen können, zu sagen: Ich nehme das Leid und die Schmerzen
 bis zum bitteren Ende an. Sind wir uns da nicht eher einig mit Jesu
 schlafenden Freunden?@{b}
 MEIN GOTT, OFT IST MIR DAS LEIDEN IN DER WELT UNERTRÄGLICH. DANN MÖCHTE
 ICH ES AM LIEBSTEN NICHT WAHRNEHMEN. ICH MÖCHTE WIE DIE FREUNDE JESU DIE
 AUGEN SCHLIEßEN. ABER AUCH MEIN EIGENES LEBEN IST VON ANGST UND SORGE,
 SCHMERZEN UND NOT BEDRÄNGT, SO DAß ICH NICHT AUS NOCH EIN WEIß. ICH BRINGE
 DAS ALLES VOR DICH. HILF MIR IN MEINER WIDERSPRÜCHLICHKEIT. LAß DAS LEID
 AN MIR VORBEIGEHEN, MICH NICHT TREFFEN. ABER NICHT MEIN WILLE, DEIN WILLE
 GESCHEHE. AMEN.@{ub}                            Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-5" "Matthäus 26,47-56"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Matthäus 26,47-56(LB)@{ui}
@{b}                       Jesu Gefangennahme@{ub}
 "Dein Wille geschehe", hat Jesus gesagt, Damit ist freilich noch lange
 nicht alles ausgestanden. Zunächst folgt die Verhaftung, und wir wissen,
 worauf alles hinaus will. Freilich im Wissen darum, daß Gottes, des
 Vaters, Wille geschieht, sieht Jesus der Verhaftung ruhig und souverän
 entgegen. Nichts anderes als Gottes Wille ist jetzt entscheidend.
 Die Freunde Jesu warten auf ein sichtbares Zeichen, "Gottes Wille".
 Gewiß, nicht nur einer von ihnen ist zum Kampf bereit. Streitbar wollten
 sie unter Beweis stellen, was sie versprochen hatten: an Jesu Seite, in
 seiner Nähe zu bleiben und auszuhalten. Gute Geister - Legionen von
 Engeln, Heerscharen - stehen im Hintergrund bereit. Das sollen alle
 wissen. Aber Krieg, Gewalt, Mord und Totschlag sind nicht Gottes Wille.
 Gott will den Weg der Gewaltlosigkeit, des Friedens, der Hinnahme von
 Gewalt und Unrecht. So gewinnt der Kuß, der Friedenskuß des Judas und
 Zeichen seines Verrates, ganz gegen des Judas Absicht, eine tiefe, ernste
 Bedeutung: Gott will auch unter den schlimmsten Bedingungen, also in jedem
 Fall, Frieden. In seinem Zeichen geht Jesus seinen Weg, der dem Willen
 Gottes entspricht.
 Und es zeigt sich: Seine Freunde können diesen Weg mit ihm nicht gehen.
 Diese Umkehrung alles dessen, was ihnen vertraut an normalem menschlichen
 Verhalten - das halten sie nicht aus. Alle Beteuerungen, Treueschwüre,
 alle auch damit behauptete Sicherheit und Zuversicht - wie weggeblasen.
 Angst beherrscht sie, Flucht ist ihr Weg. Wer wollte ihnen diesen Weg
 verdenken?@{b}
 MEIN GOTT, ICH SEHE MENSCHEN LEIDEN. ICH BIN WÜTEND DARÜBER UND MÖCHTE SIE
 MIT MACHT UND GEWALT DAVON BEFREIT SEHEN. ODER WARUM SCHLÄGST DU NICHT
 SELBST DREIN WIE EIN DONNERWETTER?
 ICH VERSTEHE DAS ALLES NICHT. ABER WENN ICH BEI IHNEN WÄRE UND IHR LEID
 TEILEN MÜßTE - ICH KÖNNTE ES WOHL NICHT AUSHALTEN. WAS BLIEBE MIR ANDERS
 ALS DIE FLUCHT. MEIN GOTT, HILF MIR, DAß DEIN WILLE GESCHEHE. AMEN@{ub}
                                                      Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-6" "Matthäus 26,57-68"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Matthäus 26,57-68@{ui}
@{b}                      Vor dem Hohen Rat@{ub}
 Für Petrus heißt Flucht: nicht auffallen, sich unter die Menschen mischen,
 die ohnehin immer nur am Rande stehen und kaum etwas mitbekommen und wenn,
 dann ihre derben Späße machen - das Volk, die Diener und Mägde. Von hier
 aus sehen wir mit den Augen des Petrus, "worauf es hinaus wollte", was da
 im Palast des Hohenpriester geschah.
 Jesus wird vor Gericht verhört. Aber seltsam - nicht er muß schwören,
 sondern der Hohenpriester schwört. So als ob er vor Gericht stünde. Sein
 Schwur - wenn auch als Frage - sind die Worte, die Petrus einst
 gesprochen: Du bist der Messias, der Sohn Gottes.
 Diese Gleichsetzung des Gesalbten, den Israel aus dem Hause Davids
 erwartete, entsprach durchaus jüdischer Tradition. Aber daß dieser Mann
 Jesus diese Hoheitsbezeichnung für sich in Anspruch nimmt - das ist
 Gotteslästerung. Und so, als ob er es auf die Spitze treiben wolle, als ob
 er tatsächlich der Richter und die anderen die Angeklagten, überbietet
 Jesus auch noch den Schwur des Hohenpriesters. Er sagt nicht nur "Ja",
 sondern spricht sich auch durch den Hinweis auf den Menschensohn die Würde
 des Weltenrichters zu.
 Mußte da nicht der Hohenpriester außer sich sein? Waren damit nicht alle
 tatsächlichen und vor Augen liegenden Machtverhältnisse auf den Kopf
 gestellt? Das konnte man doch nur lästerlich nennen. Und wie um die von
 Jesus auf den Kopf gestellten Verhältnisse zu bestätigen, gingen sie in
 ohnmächtiger Wut auf ihn los, von allen guten Geistern verlassen. Sie
 sprechen nicht nur das Todesurteil, sondern schlagen und verhöhnen ihn.
 So, als ob sie ihn bewegen wollten unter Drohungen und Spott seine Worte,
 sein Urteil, zurückzunehmen - oder zu beweisen. Sie wissen nicht, daß sie,
 um diesen Beweis zu erhalten, erst das Urteil vollstrecken müssen. Und
 darauf wollte es hinaus.@{b}
 JESUS CHRISTUS, DEIN WEG WIRD IMMER SCHWIERIGER. DU SAGST, WER DU BIST,
 UND MENSCHEN GLAUBEN DIR NICHT. SIE BEHANDELN DICH EHER WIE EINEN HUND,
 DENN WIE GOTTES SOHN. ES IST SO SCHWER ZU BEGREIFEN, DAß DIES ALLES UM DER
 MENSCHEN WILLEN, AUCH UM MEINETWILLEN GESCHAH. HILF MIR UND LAß MICH NICHT
 IN MEINEM UNVERMÖGEN UND MEINER OHNMACHT DIR ZU GLAUBEN. AMEN@{ub}
                                                     Rainer Bookhagen


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 26-7" "Matthäus 26,69-75"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 26,69-75@{ui}
@{b} Wieder leugnete er und schwor: Ich kenne den Mann nicht.@{ub}
 Matthäus 26,72 (EÜ)
 Nach der Verhaftung Jesu ist die Hoffnung Petri, "den" Messias gefunden zu
 haben, völlig zerstört. Er scheint sich auf einen Heuchler, einen
 Schwindler eingelassen zu haben, der nun gekreuzigt werden soll. Petrus
 folgt Jesus, dem Verhafteten, dem Verbrecher in den Hof des hohenpriester-
 lichen Palastes, weil er diese große Enttäuschung noch überhaupt nicht
 begriffen hat. Eine Magd sagt dort zu Umstehenden vorwurfsvoll: "Der war
 mit Jesus aus Nazareth zusammen." Konfrontiert mit diesem Vorwurf der Magd
 leugnet Petrus, Jesus jemals gekannt zu haben. Petrus verängstigt durch
 die Verhaftung Jesu und den Vorwurf der Magd, verleugnet so seine Liebe zu
 Jesus.
 Auch in der heutigen Zeit stellt sich für uns oft das Problem, zu unserem
 Christsein zu stehen. Manchmal haben wir auch Lust, wie Petrus zu
 reagieren, wenn uns unser Christsein unangenehm erscheint, wenn es nicht
 "in" ist, wenn wir mit Ansehensverlust zu rechnen haben, wenn wir Gefahr
 laufen, mit unserer andersdenkenden Umgebung in Konflikt zu geraten, uns
 lächerlich zu machen. Dann bleiben wir doch lieber unverbindlich. Wir aber
 sind Christen und haben uns verbindlich auf das Programm Jesus Christi
 verpflichtet! Somit verleugnen wir Jesus Christus auch dadurch, daß wir
 seine Gebote der Liebe mißachten und beschränken!@{b}
        HERR JESUS CHRISTUS.
        GIB MIR DIE KRAFT, DICH NIE ZU VERLEUGNEN,
        GIB MIR DEN GLAUBEN, DICH ZU ERKENNEN,
        GIB MIR DIE LIEBE, DIR NACHZUFOLGEN.@{ub}
                                                    Arndt Ploenes,
                                Collegium Augustinianum Gaesdonck


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 27-1" "Matthäus 27,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 27,1-14@{ui}
@{b} Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und
 erhängte sich.@{ub} Matthäus 27,5 (EÜ)
 Judas, ein heimtückischer Verräter mit der Perversion des Kusses -  denn
 er mißbraucht das Zeichen der Liebe zum schändlichen Verrat - ein
 Mitmörder aus Enttäuschung, ein reuiger Sünder, der die unheimliche
 Schuld des Gottesmordes nicht mehr tragen kann, ein vom Schicksal
 unglücklich Erwählter, denn irgendeiner mußte Jesus doch verraten - Judas:
 ein Mensch wie wir? Sind wir etwa auch Verräter, gar Mitmörder unseres
 Gottes? Eigenartigerweise ließ Nietzsche seinem berühmten Satz "Gott ist
 tot" die Worte folgen: "Wir alle sind seine Mörder." Faßt man den Begriff
 "Mord" etwas weiter, könnte man von einem Mord an Gott sprechen, wenn wir
 Gott hindern, Welt zu werden, wenn wir sein Wort Wort bleiben lassen, ohne
 es in der tat zu beleben, wenn wir den Keim der Liebe in Egoismus und
 Beschränkung zu ersticken versuchen, wenn wir anstreben, seine für uns
 äußerst unangenehme Botschaft unserer Bequemlichkeit anzupassen. Ein
 Vergleich zwischen uns und Judas ist deshalb nicht gewagt, weil auch wir
 Jesus "verraten", wenn wir sein Wort in seiner Tiefe nicht ernst nehmen.
 Selbstverständlich ist es ein Wesensmerkmal des Menschen, daß er sündigt,
 doch dies darf nicht eine Ausrede für christliche Halbherzigkeit sein. Wer
 meint, an Gott zu glauben, verrät ihn, wenn er nicht ganz auf seine Karte
 setzt.@{b}
    WIR VERRATEN IHN TÄGLICH, STÜNDLICH, IN JEDEM AUGENBLICK.
    KYRIE ELEISON.
    TROTZ SEINES WORTES VERHARREN WIR, OHNE ZU VERÄNDERN.
    CHRISTE ELEISON.
    WENN ER UNS IN DEN STAUB DES TODES WIRFT,
    VERTREIBE SEINE LIEBE UNSERE FINSTERNIS.
    KYRIE ELEISON.
                                                         Bernd Tück
                                  Collegium Augustinianum Gaesdonck


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 27-2" "Matthäus 27,15-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 27,15-30@{ui}
@{b} Er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute nacht einen
 schrecklichen Traum.@{ub} Matthäus 27,19 (EÜ)
 Kein Tag im Leben Jesu wird im Neuen Testament so ausführlich dargestellt,
 wie sein letzter, alles entscheidender Tag seiner brutalen Ermordung. Der
 Leser erfährt die Geschehnisse aus einer bequemen Distanz. In der
 nachösterlichen Sicht scheint alles harmlos, da es notwendig ist. Aber
 lassen wir Ostern einmal weg: Da wird ein Träumer aus Nazareth neben einen
 Schwerverbrecher auf die gleiche Stufe gestellt! Aus reiner
 Bequemlichkeit, von der Masse beeinflußt, verurteilt ihn Pilatus, um ihn
 loszuwerden. Die Jünger stehen daneben und können oder wollen nichts für
 ihn unternehmen. Dabei hatten sie doch zunächst seinetwegen alles stehen
 und liegen gelassen. Nur eine Frau (was galt sie denn vor 2000 Jahren?)
 hat wegen ihm schlecht geschlafen. Sie scheint wirklich die einzige zu
 sein, die mit wachem Verstand das Unrecht erkannte und sich mit ihren
 Möglichkeiten einbrachte. Sie versucht Pilatus wachzurütteln. Wir aber
 wissen ja, daß Ostern kommen wird, daß sein Leid Unrecht war und daß wir
 ja doch alle erlöst sind. Wir können also ganz ruhig schlafen und brauchen
 keine Alpträume zu haben! - Jesus hat sich für uns ans Kreuz schlagen
 lassen. Deshalb kann uns diese Menschenverachtung nicht unbeteiligt
 lassen. Gegenüber den Jüngern haben wir den Vorteil, daß wir unser ganzes
 Leben um die Auferstehung wissen. Wir dürfen daher nicht ruhig schlafen,
 denn die Erlösung ist ein Aufruf an uns, nicht mit den Strom zu schwimmen,
 sondern unser persönliches Zeugnis für ihn abzulegen,@{b}
 HERR, LAß UNS AUFWACHEN AUS DEM SCHLAF UNSERER BEQUEMLICHKEIT. GIB UNS DEN
 MUT, DEN TRAUM VON DER ERLÖSUNG ZU ENDE ZU TRÄUMEN, DAMIT WIR WÜRDIG
 WERDEN, MIT DIR MAHL ZU HALTEN. AMEN@{ub}              Martin Zumbült
                                     Collegium Augustinianum Gaesdonck


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 27-3" "Matthäus 27,31-44"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 27,31-44@{ui}
@{b} Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch
 der König von Israel!@{ub} Matthäus 27,42 (EÜ)
 Jesus hängt am Kreuz und wird von seinen Mitmenschen verspottet. Dabei hat
 er gar nichts Unrechtes getan; ja vielmehr betonen seine Gegner sogar, daß
 er "anderen" - somit seinen Mitmenschen, wozu auch die Verspotter zählen -
 geholfen hat.
 Warum? Geschah dies nur, um sich im Volke Anerkennung zu verschaffen, um
 sich über die Schriftgelehrten und Pharisäer zu stellen, um Anhänger zu
 gewinnen? Solch eine Schlußfolgerung würde bedeuten, daß die Hilfe, die er
 den "anderen" geschenkt hat, nur dem Zwecke diente, sich selbst in Szene
 zu setzen. Die radikale Nächstenliebe zu seinen Mitmenschen wäre somit
 eine Täuschung gewesen, und Jesus hätte egoistisch gehandelt. Seine
 Verspotter sind solche Egoisten. Sie helfen ihm nicht, wie er ihnen damals
 geholfen hat, als sie in Not waren. Indem er auf ihre Forderung, als
 Gottessohn sich selbst zu helfen, nicht eingeht, zeigt er uns, daß sein
 Handeln nicht seinen Interessen, sondern den Interessen anderer diente. Er
 geht diesen Weg jedoch aus Liebe zu seinen Mitmenschen, nicht für sich
 selbst, und macht dadurch seine Nächstenliebe glaubwürdig.
 Helfen wir unserem Nächsten immer "glaubwürdig", oder zählen wir zu
 solchen Verspottern, die die Hilfe zu den Mitmenschen nur dazu benutzen,
 sich selbst eine höhere Geltung -  zum eigenen Vorteil - zu verschaffen?
 Erst wenn ich bereit bin, Nachteile in Kauf zu nehmen, merke ich, daß
 meine Nächstenliebe glaubwürdig ist. Auch Jesus hat Nachteile in Kauf
 genommen. Er ist aus Liebe zu den Menschen gestorben, was bedeutet, daß er
 glaubwürdig ist.@{b}
 HERR, GIB MIR DEN MUT UND DIE KRAFT, MEINEM NÄCHSTEN SO ZU HELFEN, WIE DU
 ES GETAN HAST, AUCH WENN MIR DARAUS NACHTEILE ENTSTEHEN. GIB MIR DIE
 LIEBE, DIR GLAUBWÜRDIG NACHZUFOLGEN.Amen@{ub}             Ralph Lübeck
                                      Collegium Augustinianum Gaesdonck


@ENDNODE
@NODE "Matthäus 27-4" "Matthäus 27,45-56"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 27,45-56@{ui}
@{b} Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?@{ub} Matt 27,46
 Jesus hängt sterbend am Kreuz. In dieser Situation, das nahe Ende fühlend,
 ruft er diese Worte. Zeigen seine letzten Worte nicht ganz deutlich, daß
 Jesus nur ein Mensch gewesen ist und nicht mehr? Auch für die Jünger
 bedeutet der Tod Jesu das Ende aller ihrer Hoffnungen. Mit dieser
 Katastrophe schien einem begründeten Glauben der Boden entzogen worden zu
 sein, da sie dem Tod ihres Meisters einfach keinen Sinn abgewinnen
 konnten. Ist der Tod Jesu also wirklich ohne Sinn gewesen? Denn warum wohl
 sollte Gott seinen einzigen Sohn sterben lassen? Gott sendet seinen Sohn
 Jesus Christus, damit er als Unschuldiger durch seinen scheinbar sinnlosen
 Tod Sühne für die Schuld der Menschen leistet und so den neuen Bund
 besiegelt.
 Die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Todes Jesu stellt sich heute in
 aller Schärfe; denn ist nicht das Leben auf der Erde - trotz der Erlösung
 durch Jesu Kreuzestod -  seit nunmehr 2000 Jahre genauso "dahinge-
 plätschert" wie vorher auch? War die Kreuzigung Jesu nur ein symbolischer
 Akt, ein einmaliges historisches Ereignis, welches heute keinerlei
 Bedeutung mehr hat? Demzufolge hatte Nietzsche also doch recht, als er
 ironisch formulierte: "Erlöster müßten sie aussehen - die Erlösten"!?
 Ich denke, daß Christi Kreuzestod auch heute noch nichts an "Aktualität"
 eingebüßt hat. Wir müssen nur bereit sein, uns immer wieder neu darauf
 einzulassen.@{b}
        HERR JESUS CHRISTUS,
        DU BIST HINABGESTIEGEN IN DIE HÖLLE DER EINSAMKEIT UND
        GOTTVERLASSENHEIT.
        HILF UNS DIE 'ABWESENHEIT GOTTES' ZU ERTRAGEN.
        HILF UNS, DAß WIR NIE AUFHÖREN, NACH GOTT ZU RUFEN.
        DENN DU KENNST DIE NOT DER MENSCHEN.
        DU HAST SIE AN DICH GEZOGEN.
        WIR PREISEN DICH IN EWIGKEIT.AMEN@{ub} (GL 776,4)
                                                    Achim Verweyen,
                                 Collegium Augustinianum Gaesdonck



@ENDNODE
@NODE "Matthäus 27-5" "Matthäus 27,57-66"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Matthäus 27,57-66@{ui}
@{b} Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem
 Grab gegenüber.@{ub} Matthäus 27,61 (EÜ)
 Endlich sitzen können! Erschöpft sind sie, zu Tode erschöpft;
 leergebrannt, tränenlos. Hier bleiben sie. Die Kräfte reichen nicht, um
 wieder aufzustehen. Seit gestern früh sind sie auf den Beinen.
 Gestern - eine Ewigkeit her. War es erst gestern, als sie voller
 Fröhlichkeit das Abendessen vorbereitet haben? Ein Festmahl sollte es
 werden im großen Kreis. Sogar die Männer haben mitgeholfen. In guter
 Stimmung hat der Abend begonnen. Sie haben Loblieder gesungen auf Gott,
 den Befreier Israels. Die Bedrückung kam, als er sich an Judas wandte und
 ihn so traurig angesehen hat. Was war mit dem Freund? Rätselhaft war der
 Segen, den er sprach über Brot und Wein. Es klang traurig - nach Abschied,
 nach Tod. Wußte er, was kam? Er ging hinaus mit den Freunden und kam nicht
 wieder. Die Nacht war voller Aufregung und Angst. Wo bringen sie ihn hin?
 Das Schreien der Menge "Kreuzigt ihn!" dröhnt ihnen in den Ohren wie das
 Lachen der Schaulustigen. Endlich sitzen zu können - nach diesem
 schwersten Weg nach Golgatha, nach stundenlangem Stehen unter dem Kreuz.
 Auszuhalten brauchte die letzte Kraft. jetzt ist er tot, begraben. Vorbei
 die Hoffnung, die er in ihr Leben brachte. Maria denkt an ihr
 Hoffnungslied, mit dem sie sein Leben erwartet hatte. Alles ist ganz
 anders geworden, als sie gehofft hatte. Es war schwer, den Sohn zu
 verstehen. Für alle wollte er da sein. Aber seine Liebe war auch übergroß.
 Sie reichte. - Diese Liebe hat mein Leben neu gemacht. Maria Magdalena
 erinnert sich. Alle hatten nur Verachtung für sie. In seinen Augen war sie
 etwas wert. Er traute ihr Gutes zu. Das machte sie frei, das Gute zu tun.
 Zunächst für ihn. Sie gab, was sie geben konnte: kostbare Salbe, ihre
 Tränen, ihr Herz, ihre Hände. Er hat sie allein gelassen. Sie braucht ihn
 doch, um seine Liebe zu leben. - Endlich sitzen können! Was sonst können
 sie tun? Da ist Erinnerung und Klage. mehr nicht, aber auch nicht
 weniger.@{b}
 MEIN GOTT, MEIN GOTT, WARUM HAST DU MICH VERLASSEN? ICH SCHREIE, ABER
 MEINE HILFE IST FERNE@{ub} Psalm 22,2)               Martina Gern


@ENDNODE

@NODE "Matthäus 28a" "Matthäus 28,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Matthäus 28,1-10@{ui}

@{b} Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen
 auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfaßte seine Füße.@{ub}
 Matthäus 28,9 (EÜ)

 Wieder sind sie auf den Beinen, Maria und Maria Magdalene, aufgebrochen
 schon vor Sonnenaufgang. Der Sabbat ist vorbei. Entspannung brachte er
 nicht, obwohl sie alle zusammen waren. Ein schwerer Weg stand noch bevor,
 der letzte Liebesdienst, die Salbung des Leichnams. das war ihre Sache, und
 die wollten sie sich nicht nehmen lassen. Ihr Mut sank auf dem Weg mit
 jedem Schritt. Aber - hatte nicht einer von den Wächtern eine kaum
 glaubliche Geschichte erzählt? Die Starken, die über alle Macht verfügen
 und sie gewissenlos gebrauchen, die fürchten einen Toten? Wer ist da stark
 - wer schwach? Alles war durcheinandergeraten für sie und um sie herum. Es
 wurde immer verwirrender. Den sie suchten, fanden sie nicht. Eine
 unglaubliche, wenn auch gute Nachricht erschreckte sie. Sie kamen ins
 Laufen. Nur weg hier! Da sehen sie ihn. Er kommt ihnen entgegen. Nicht aus
 dem Grab, wo sie ihn suchten, sondern auf dem von ihnen eingeschlagenen
 Weg. Sie hören die vertraute Stimme, alles ist gut. Wäre es doch einmal
 möglich, einen Augenblick festzuhalten, ihn zu halten! "Fürchtet euch
 nicht!", so hören sie. Es ist zum Lachen. Tagelang hatten sie Angst, nur
 Angst. Aber jetzt doch nicht. Er ist ja da. "Geht und sagt meinen Brüdern,
 sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen." Er schickt sie
 weg? Aber das stimmt ja nicht. Er schickt sie nicht weg, sondern vorwärts,
 voraus zu den Brüdern, auf einen Weg, in eine Zukunft, in der er da sein
 wird. Das lohnt den Weg. Es geht wieder weiter.@{b}

 Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in einer Wahrheit; erhalte mein
 Herz bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte (Psalm 86,11).@{ub}
                                                      Martina Gern


@ENDNODE

@NODE "Matthäus 28b" "Matthäus 28,11-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Matthäus 28,11-20@{ui}

@{b} Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erde. Darum geht zu allen
 Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen
 des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu
 befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage
 bis zum Ende der Welt.@{ub}  Matthäus 28,18-20 (EÜ)

 Es geht wieder weiter. Sein Vermächtnis klingt uns vertraut in den Ohren.
 Wir denken an die ersten Christen, Männer und Frauen aus seinem
 Freundeskreis, denen diese Weisung Wegbeschreibung und Lebensinhalt wurde.
 Sie haben die damals bekannte Welt durchreist, Gemeinden gegründet,
 Hoffnung geweckt, Liebe gelebt, für das Lebensrecht aller gekämpft und
 dafür mit ihrem Leben bezahlt. Das nötigt uns Bewunderung ab. Aber dann
 folgt das Naserümpfen. Was ist nicht alles geschehen, seit sich das
 Christentum mit der macht verbündet hat. Das Sündenregister ist lang. Es
 wird von Tag zu Tag länger. Aber 2000 Jahre Schuld und Versäumnis von
 Menschen konnten nicht verhindern, daß diese Nachricht uns erreicht hat.
 Jetzt sind wir gefragt. Wir können nicht Zuschauer bleiben, sondern sind
 mittendrin in der Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung, mit seinem Volk,
 mit mir. Die Frage meines Lebens kann doch nicht heißen: was haben wir alle
 falsch gemacht? - sondern: Bin ich auf dem richtigen, auf seinem Weg? Nur
 Fragen fallen mir ein: Vertraue ich der Ohnmacht Jesu, die unsere Mächte in
 Frage stellt, oder sichere ich mich selbst, meine Möglichkeiten, meinen
 Besitz vor allen Infragestellungen ab? Gehe ich auf andere Menschen - und
 gerade auf die Fremden - zu, um ihnen durch mich die Freundschaft Jesu zu
 bringen? Lehre ich andere nur, was mit etwas nützt? Bin ich Zeugin seines
 Liebesgebotes? Trotz meines Scheiterns hilft mir die Erkenntnis leben:
 Jeder neue Tag birgt das Geschenk neuen Lebens, heute ist der erste. Und -
 ich bin nicht allein auf dem Weg. Er geht mit und wartet immer wieder auf
 mich.@{b}
 Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten auf meinem Wege
 und ich dir danke, daß du mir hilfst@{ub} (nach Psalm 43,3).
                                                     Martina Gern



@ENDNODE
@NODE "Markus 1a" "Markus 1,1-8"
@{i}                     Markus 1,1-8@{ui}
@{b}              Es kommt einer nach mir@{ub}
 Johannes der Täufer predigt in der Wüste. Er verkündigt die Taufe der Buße
 zur Vergebung der Sünden. Der Ort, an dem er sich aufhält, ist die Wüste
 am Jordan. Wüste ist Einsamkeit, ist Trostlosigkeit. Er trägt auch ein
 Wüstenkleid, ein Tierfell, das durch einen Lederriemen um die Lenden
 zusammengehalten wird. So war auch der Prophet Elia bekleidet. Johannes
 ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Es ist die Speise des ganz
 Armen. Er lebt sehr bescheiden. Und daher kommt das Wort, das er lehrt,
 bei den Menschen auch an. Sein Leben und die Botschaft sind bei Johannes
 identisch. Das, was er sagt, bezeugt er nicht nur mit schönen Worten,
 sondern mit seinem Leben. Der Erzähler des Markusevangeliums sieht in ihm
 den Wegbereiter Jesu Christi.
 "Es kommt einer nach mir", sagt Johannes, "der ist stärker als ich."
 Es kommt der Messias Jesus Christus, er ist der Vollstrecker des
 göttlichen Gerichts. Während Johannes mit Wasser tauft, wird Jesus mit dem
 heiligen Geist taufen. Wasser kann wohl den Leib des Menschen reinigen, de
 Heilige Geist aber kann das Leben und das Herz des Menschen rein machen.
 Der Ruf des Johannes wird gehört. Das ganze jüdische Land bricht zu ihm
 auf, alle bekennen ihre Sünden und lassen sich taufen, um Vergebung und
 Heil zu erlangen. Sie stellen sich unter das Gnadengericht Gottes. Durch
 die Verkündigung des Johannes sammelt Gott die Menschen, denen Jesus dann
 die frohe Botschaft sagen kann, die allen Menschen, auch uns, das ewige
 Leben verheißt.@{b}
 LIEBER HERR!
 WIR DANKEN DIR, DAß DU DURCH JOHANNES DEN TÄUFER JESUS CHRISTUS HAST
 ANKÜNDIGEN LASSEN. GIB UNS DIE KRAFT, DAMIT MAN ES UNSEREM LEBEN ANMERKEN
 KANN, DAß JESUS CHRISTUS DARIN DER HERR IST. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 1,1-8@{ui}
@{b} So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr
 und Taufe zur Vergebung der Sünden.@{ub} Markus 1,4 (LB)
 Für mich als Laienchristin ist die Beschäftigung mit diesen Texten nahezu
 aufregend. So ist mir nie zuvor aufgefallen, daß ganz Judäa uns alle
 Einwohner Jerusalems zu Johannes in die Wüste geströmt sind. Welch ein
 Sündenbewußtsein hatte dieses Volk. welch eine Sehnsucht nach Befreiung.
 Sie hatten niemanden, dem sie sich anvertrauen konnten, der ihnen ihre
 Last tragen half. Hinzu kam offenbar, daß sie die lebendige Kommunikation
 mit dem Gott ihrer Väter verloren hatten.
 "Eure Sünden verbergen des Herrn Angesicht vor euch, daß ihr nicht gehört
 werdet" (Jesaja 59,2).
 Das Volk, das sich als sein Volk weiß, erlebt in größter Bedrängnis, daß
 sein Gott fern zu sein scheint.
 "Vertrauen wagen", dieses Wort stand über einem Kirchentag. Jederzeit ist
 diese Umkehr zu ihm hin möglich. Überwinden wir doch Stolz, Trotz und
 Hochmut; wir dürfen wie ein Kind einfach alles ihm hinlegen. Lassen wir
 uns Mut machen durch das Wort, daß seine Kraft in den Schwachen mächtig
 ist.@{b}
 WIR STOLZEN MENSCHENKINDER SIND EITEL ARME SÜNDER UND WISSEN GAR NICHT
 VIEL. GOTT, LAß UNS DEIN HEIL SCHAUEN, AUF NICHTS VERGÄNGLICHES TRAUEN.
 LAß UNS EINFÄLTIG WERDEN UND VOR DIR HIER AUF ERDEN WIE KINDER FROMM UND
 FRÖHLICH SEIN.@{ub}(nach Matthias Claudius)          Lissy Kühn

@ENDNODE
@NODE "Markus 1b" "Markus 1,9-13"
@{i}                     Markus 1,9-13@{ui}
@{b}                    Das Wohlgefallen@{ub}
 Ein Kind wird getauft. Die Eltern sind da und die Paten, die Gemeinde und
 der Pfarrer. Das Wasser ist da und das Wort:"Ich taufe dich im Namen des
 Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."
 Eine Taufe ist wie ein Fest. Wir freuen uns. Und Gott freut sich auch.
 Anders können wir es uns nicht denken. Er freut sich über die Taufe und
 den Menschen, an dem sie vollzogen wird. Unser Text erzählt von Jesus, von
 Johannes, vom Jordan, vom Geist und von der Stimme. Jesus wird getauft,
 und Jesus ist ein Erwachsener, ein Mann, der sich anschickt, mit der
 Arbeit zu beginnen, die der Vater ihm aufgetragen hat. Aufnahme in die
 Gemeinde Jesu Christi, wie wir heute die Taufe verstehen, konnte es nicht
 sein; diese gab es ja noch nicht. Für die anderen, die sich taufen ließen,
 ging es um die Bereitschaft, sich auf den Kommenden einzustellen. Für den
 Kommenden selbst ging es darum, sich auf die anderen einzustellen. Ein
 merkwürdiger Täufling ist er schon, noch dazu einer, der den Taufenden in
 Verlegenheit bringt. Und doch ist er einer, dessen Taufe auf uns wie ein
 Fest wirkt, jedenfalls zur Freude Anlaß gibt.
 Das ist unser Herr: er stellt sich auf andere ein, er stellt sich auf uns
 ein. Er gehört zu anderen, er gehört zu uns. er will es nicht anders
 haben. er sucht volle Gemeinschaft. Das ist unser Herr. Wir freuen uns
 über ihn. "Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide." Aber Gott freut sich
 auch. Daß das so ausgesprochen wird, ist wunderbar. Gott hat Wohlgefallen
 an seinem Sohn. Damit wird Großes zum Ausdruck gebracht. Der Sohn hat
 Auftrag und Weisung. Der Vater weiß, Auftrag und Weisung sind in guten
 Händen. Der Sohn soll Gott und Menschen zusammenbringen. Der Vater weiß,
 der Sohn wird tun, was sein Auftrag ist. Der Sohn hat einen schweren Weg
 vor sich. Der Vater rüstet ihn aus mit seinem Geist, mit Vollmacht, mit
 Liebe. Jesus aus Nazareth steht neben den anderen und bei den anderen,
 läßt sich taufen wie die anderen auch. Und dann gilt ihm und ihm allein
 die Stimme Gottes: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
 Das ist unser Herr. Er gehört ganz zu Gott, und er gehört ganz zu uns. Er
 lebt Gottes Leben, und er lebt unser Leben. Wahrhaftiger Gott und
 wahrhaftiger Mensch. Mit ihm leben wir. Das ist unsere Freude.@{b}
 LIEBER HERR!
 DU GEHÖRST GANZ ZU GOTT, UND DU GEHÖRST GANZ ZU UNS. WIR FREUEN UNS
 DARÜBER. DU BIST FÜR UNS DA, DARAUF VERLASSEN WIR UNS. GOTT HAT DIR DEN
 AUFTRAG GEGEBEN, MIT UNS ZU LEBEN. WIR DANKEN DIR DAFÜR. AMEN@{ub}


@{i}                       Markus 1,9-13@{ui}
@{b}                  Du bist mein lieber Sohn@{ub}
 Markus kennt keine Geschichten aus Jesu Kindheit. Das erste, was er
 von Jesus zu berichten hat, ist seine Taufe durch Johannes. Der Bericht
 ist äußerst knapp gehalten. Zu allen Zeiten haben Christen diesen Vorgang
 als problematisch empfunden: Die Taufe sollte doch ein Zeichen für die
 Vergebung der Sünden sein; und Jesus war ohne Sünde. Darauf geht Markus
 nicht ein; wichtig ist für ihn nur die Himmelsstimme, die Jesus bezeugt,
 daß er der Sohn Gottes ist. Das ist das Thema, das das ganze Evangelium
 beherrscht. Hier ist es Gottes Botschaft an seinen Sohn; in der Mitte des
 Evangeliums bekennt es Petrus. Und am Ende des Buches bekennt sich Jesus
 als Gefangener vor dem Hohen Rat selber dazu.
 Als der Sohn Gottes hat Jesus auch über uns und unser Leben Vollmacht.
 Nach seinem Wort und Willen sollen wir als die Seinen leben. Die folgende
 Geschichte von der Versuchung Jesu zeigt uns, daß Jesus nach dem Willen
 des Vaters lebt. Auch sie wird nur ganz kurz erzählt. Hier steht ein
 einziger Satz. Markus will so schnell wie möglich zur Hauptsache kommen.
 Für ihn ist das die öffentliche Wirksamkeit Jesu. In der Versuchung muß
 sich Jesus nun als der Gottessohn bewähren. er erweist sich als der, der
 seinem Vater unbedingt gehorsam ist. So leistet er den Versuchen des
 Bösen, ihn von seinem Weg abzubringen, Widerstand. Wir erfahren, daß Jesus
 in völliger Einsamkeit abseits von den Menschen vierzig Tage diesen
 Anfechtungen standgehalten hat. Nun beginnt Jesus sein Werk. Von seinem
 himmlischen Vater ist er bestätigt, gegen die Versuchungen des Bösen hat
 er sich als der gehorsame Sohn des himmlischen Vaters bewährt.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS!
 WIR DANKEN DIR, DAß DU ALLEN VERSUCHUNGEN DES BÖSEN WIDERSTANDEN HAST. GIB
 UNS DIE KRAFT, DAß WIR UNS IN ALLEN LEBENSLAGEN ALS DIE DEINEN BEWÄHREN
 KÖNNEN! Amen@{ub}


@{i}                     Markus 1,9-13@{ui}
@{b} Dort blieb Jesus vierzig Tage und wurde vom Satan in Versuchung
 geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.@{ub}
                                                   Markus 1,13 (LB)
 Wenn ich es richtig verstehe, dann war und ist die Taufe zur Buße, zur
 Umkehr vom falschen Wandel und zur Vergebung der Sünden notwendig, damit
 der Heilige Geist wirksam werden kann. der Sohn, der sich im demütigen
 Gehorsam von Johannes taufen läßt, wird dennoch in Versuchung geführt.
 Viel ist darüber nachgedacht worden, wer dieser Gegenspieler ist, der von
 Gott zugelassen wird, um uns zu prüfen und der auch den Sohn nicht
 verschont. "Führe uns nicht in Versuchung", beten wir, und doch ist die
 Überwindung des Bösen offenbar Vorbedingung zur Teilhabe an seinem Reich.
 Der immer wieder auftauchenden Frage:"Warum läßt Gott dies zu?" gilt
 sein: "Ihr werdets hernach erfahren!"
 Vertrauen wir darauf, daß er's wohl machen wird. Die Älteren haben oft
 schon diese Erfahrung machen dürfen. Kierkegaard sagt: "Man kann das Leben
 erst rückwirkend erkennen, aber nur vorwärts leben." Aber wenn wir es
 erkennen, kann es uns sehr froh machen. Ja, "Voller Erbarmen rettet er
 uns" (so der Titel eines Buches von Eugen Drewermann), und so wird auch
 berichtet, daß Jesus in der Wüste von Engeln begleitet wurde. Und das ist
 sein wundervolles Erbe, daß auch wir in Bedrängnis, Not oder Trübsal von
 seinen Engeln umgeben sind.@{b}
 HERR JESU CHRIST, BETE DOCH AUCH DU FÜR UNS, WIE ES ELISA FÜR SEINEN
 KNECHT TAT, DAß AUCH UNS DIE AUGEN GEÖFFNET WERDEN, DAMIT WIR SEHEN, DENN:
 "SIND DIE ENGEL NICHT ALLESAMT DIENSTBARE GEISTER, AUSGESANDT ZUM DIENST
 UM DERER WILLEN, DIE DAS HEIL ERERBEN SOLLEN?" @{ub}
 (nach 2.Könige und Hebräer 1,14)                           Lissy Kühl

@ENDNODE
@NODE "Markus 1c" "Markus 1,14-20"
@{i}                     Markus 1,14-20@{ui}
@{b}                     Folgt mir nach@{ub}
 Jesu Tätigkeit beginnt mit der Predigt in Galiläa. Seine Botschaft enthält
 drei wichtige, den christlichen Glauben beherrschende Worte: Evangelium,
 Buße, Glauben. Sein Evangelium ist die Botschaft von der Wahrheit, von der
 Hoffnung und vom Frieden. Auch Jesus tritt wie Johannes als Rufer auf,
 denn anders läßt sich die frohe Botschaft den Menschen nicht nahebringen.
 Das Evangelium ist keine Lehre, wie z.B. die Schriftauslegungen der
 jüdischen Gesetzeslehrer; es ist auch kein Vortrag, wie er von Philosophen
 gehalten wurde, die sich an die Vernunft und Einsicht der Hörer wendeten,
 sondern es ist die Predigt, die Menschen neu macht. Darum ruft Jesus wie
 Johannes den Menschen zu: "Tut Buße!" Ändert Euch! Gott ist Herrscher.
 Sagt Jesus damit das Ende der Welt an? das Reich Gottes trennt den
 Menschen nicht von der Welt, sondern stellt ihn im Gegenteil fest in die
 Welt hinein. Aber nun ist die Nähe Gottes spürbar. Gott will den Menschen
 in einer einzigartigen Weise sein heil erweisen. Menschen, die zum Reich
 Gottes gehören, sind Beschenkte. Das Gesetz, das im Reich Gottes gilt, ist
 die Liebe. Und auch Jesu Ruf in die Nachfolge ist kein Ruf aus der Welt
 heraus. Wen Jesus zu sich ruft, den sendet er von sich fort zu den
 anderen. Das haben auch die beiden Fischer Simon und Andreas erfahren. Von
 nun an haben sie nicht mehr Fische gefangen, sondern sie haben Menschen
 für Jesus gewonnen. Damals rief Jesus Menschen direkt in seine Nachfolge -
 heute ruft er durch das Wort der Schrift.@{b}
 LIEBER HERR!
 WIR DANKEN DIR, DAß DU GOTTES REICH AUF DIESER ERDE GEBRACHT HAST. GIB UNS
 DEN MUT, VON UNSEREN FALSCHEN WEGEN UMZUKEHREN UND DEINE JÜNGER ZU SEIN,
 DIE DAS ZEUGNIS VON DER LIEBE GOTTES WEITERSAGEN. AMEN@{ub}


@{i}                      Markus 1,14-20@{ui}
@{b} Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt
 an das Evangelium.@{ub} Markus 1,15 (LB)
 Ja wir müssen tief in uns hineinblicken, hineinhorchen, so nahe ist das
 Reich, inwendig in uns. Umkehr, das heißt auf den Grund gehen und das
 Innere nach außen kehren.
 "Katharsis" - Läuterung - nennt es auch die Psychologie, die etwas
 versteht von dem, was uns aus der Tiefe her zerstören kann. Für mich ist
 die sogenannte Entnazifizierung ein eklatantes Beispiel. da setzen sich
 1945 Leute zusammen in der besten Absicht, Parteiangehörige zu überprüfen,
 und wenn diese annähernd ihre Bedeutungslosigkeit darzustellen vermochten
 und niemand auftrat, der Gegenteiliges bezeugen konnte, bekamen sie einen
 "Persilschein", wie man das nannte. Nun hatte man es schwarz auf weiß, und
 so etwas hat der deutsche Michel schon immer gern und getröstet nach Hause
 getragen. "So schlafen unsere Sünden ein."
 Nein, Jesus Christus meint die innere Wandlung, die totale Erneuerung
 unseres ganzen Wesens. Er will das Eis unserer Herzenskälte zum Schmelzen
 bringen. "Die Wandlung beginnt mit Strömen von Tränen", sagt Pater
 Lasalle, Wiedergeboren sollen wir werden aus Wasser und Geist. Dazu
 gehören auch die Tränen der Reue und Scham, aus denen der neue Mensch
 hervorgeht. "Siehe, ich mache alles neu." Dann öffnet er unsere Augen, daß
 wir sein Reich erkennen können, und unsere Ohren, daß wir Unerhörtes
 vernehmen und urplötzlich mit dem Herzen verstehen. So konnte er Johannes
 ins Gefängnis berichten:"Ja, es ist alles wahr, die Zeit ist erfüllt. Den
 Tauben kann das Evangelium gepredigt werden, wenn sie tun, was du ihnen in
 der Wüste gepredigt hast."@{b}
 So beten wir nach dem 51. Psalm:@{b} SCHAFFE IN MIR, GOTT, EIN REINES HERZ
 UND GIB MIR EINEN NEUEN GEWISSEN GEIST. VERWIRF MICH NICHT VOR DEINEM
 ANGESICHT UND NIMM DEINEN HEILIGEN GEIST NICHT VON MIR. AMEN@{ub}
                                                         Lissy Kühl

@ENDNODE
@NODE "Markus 1d" "Markus 1,21-28"
@{i}                    Markus 1,21-28@{ui}
@{b}            Eine neue Lehre in Vollmacht@{ub}
 Jesus lehrt in Kapernaum "in Vollmacht". Diese Stadt ist für ihn das
 "Stadtquartier", in das er mehrmals zurückkehrt. Was heißt hier
 "Vollmacht? Es bedeutet sicher zunächst, daß Jesus anders redet als die
 meisten Schriftgelehrten. Diese berufen sich auf Aussagen ihrer großen
 Vorgänger. Jesus aber verkündigt in Gottes Auftrag eine neue Botschaft.
 gegen die an die Tradition Gebundenen verkündet er in Gottes Vollmacht:
 "Ich aber sage euch..." Die Zuhörer merken, daß hier nicht nur alte
 Autoritäten zitiert werden, sondern daß hier einer spricht, der sie
 unmittelbar vor Gott stellt. Davor erschrecken sie. Der Gottesdienst in
 den Bethäusern, den Synagogen verlief nicht so, wie wir ihn in unseren
 Kirchen gewohnt sind. Er bestand aus Gebet, aus Verlesung der alttesta-
 mentlichen Schriften und deren Auslegung. Es gab in diesem Gottesdienst
 keine Opfer. Die gab es nur im Tempel von Jerusalem. Es wurde nur gelehrt
 und im Gesetz der Mosebücher unterwiesen. In ihnen konnte jeder erwachsene
 Jude das Wort ergreifen. So hat es auch Jesus getan. Doch die meisten der
 Schriftgelehrten hielten sich an die ihnen vorgegebenen Autoritäten. Ganz
 anders war es bei Jesus. Er berief sich nicht auf menschliche
 Erkenntnisse, er lehrte aus göttlicher Vollmacht. Er wußte sich von Gott
 dazu bevollmächtigt. Bei dem Bericht von dieser ungewohnten Art der
 Predigt wird nun auch noch von einer Krankenheilung erzählt. Beides gehört
 nach dem Zeugnis dieses Evangeliums eng zusammen. Jesus bringt Heil durch
 sein Wort und durch seine Tat.@{b}#
 LIEBER HERR!
 WIR DANKEN DIR, DAß DU DIE MACHT DES BÖSEN BESIEGT HAST. DEIN
 VOLLMÄCHTIGES WORT ÜBERWINDET AUCH UNS UND RUFT UNS IN SEINE NACHFOLGE.
 SCHENKE UNS DIE KRAFT, DEINE SACHE GLAUBWÜRDIG ZU VERTRETEN. AMEN@{ub}


@{i}                       Markus 1,21-28@{ui}
@{b} ...denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht
 wie die Schriftgelehrten.@{ub} Markus 1,22 (LB)
 Als Jesus die Jesajarolle nimmt und ihnen sagt:"Jetzt sind die Tage des
 Heils, die Wahrheit ist Gegenwart geworden", beginnt man ihn zu verfolgen.
 Das darf nicht sein, das ist Gotteslästerung.
 Ja, irgendwann in ferner Zukunft, aber hier und jetzt?
 Das war eine unerhörte Herausforderung und ist es bis heute geblieben.
 Umkehren, ihn und die neue Lehre, das Evangelium annehmen, das heißt, es
 genügt nicht mehr, die Gesetze einzuhalten dem Buchstaben gemäß, sondern
 ihren tiefen inneren Sinn zu erfüllen, die Wahrheit zu verwirklichen.
 "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben", sagt
 Jeremias (31,33). Wenn ich meinen Nächsten und Gott gleichermaßen liebe
 wie mich selbst, kann ich den Zerschlagenen auf dem Weg nach Jericho eben
 nicht mehr liegen lassen.
 Wunderbar der Gedanke: der Logos -das Wort- ward Fleisch und lehrte uns,
 daß die Liebe uns bei der Gesetzesauslegung leiten muß.@{b}
 HERR GOTT, LIEBER VATER, DU HAST UNS DIE KOSTBARE ZEIT DIESES LEBENS
 GESCHENKT. LAß UNS DEINEN AUFTRAG WISSEN, DAMIT WIR DIESE ZEIT NICHT
 TOTSCHLAGEN ODER ZUBRINGEN WIE EIN GESCHWÄTZ.AMEN@{ub}    Lissy Kühl


@ENDNODE
@NODE "Markus 1e" "Markus 1,29-39"
@{i}                     Markus 1,29-39@{ui}
@{b}                  Jesus in Simons Haus@{ub}
 Da Jesus in Kapernaum weilt, ist es ganz natürlich, daß er in das Haus
 Simons (Petrus) geht. Dieser war ja der erstberufene Jünger. Dort findet
 er dessen Schwiegermutter krank vor. Als Jesus sie anrührt, wird sie
 gesund. Die Bemerkung, daß sie ihm nun dient, soll wohl die völlige
 Genesung bestätigen. Als dies bekannt wird, werden die Kranken aus dem
 ganzen Ort zu ihm gebracht. Er tut an ihnen seine "Wunder". Er kann also
 Dinge tun, die anderen Menschen nicht möglich sind. Sicher ist Jesus nicht
 der einzige, von dem man damals solche ungewöhnlichen Taten erzählt.
 Wichtiger ist für Jesus jedoch die Verkündigung der frohen Botschaft, da
 in ihr das Ziel seiner Sendung deutlich wird. Verlorene Menschen will er
 retten. Dafür erbittet er die Kraft von seinem himmlischen Vater. So geht
 er schon vor Tagesanbruch an eine einsame Stelle, um dort zu beten. So
 rüstet er sich für die Aufgabe des neuen Tages. Seine Jünger eilen ihm
 nach und suchen ihn. Denn viele Menschen warten auf ihn und erhoffen von
 ihm Hilfe. Doch Jesus kehrt nicht nach Kapernaum zurück. Wo man nur äußere
 Heilung von ihm erwartet, geht er weiter. Sein Weg wird ihn nun in andere
 Städte Galiläas führen. Auch dort leben Menschen, denen er die
 Frohbotschaft verkündigen muß: "Gott will, daß allen Menschen geholfen
 werde." Darum weiß sich Jesus zu allen gesandt. Wir haben die Aufgabe,
 diese frohe Botschaft von Gottes Liebe weiterzugeben und mit unserem
 ganzen Leben glaubhafte Zeugen seiner Liebe zu sein.@{b}
 LIEBER HERR!
 WIR DANKEN DIR, DAß DEIN WORT UNTER UNS LEBENDIG IST. LAß ES UNS HÖREN UND
 IHM GEHORSAM SEIN! GIB UNS DEINEN GEIST, IN DEINEM WORT DIE BLEIBENDE
 WAHRHEIT ZU ERKENNEN UND SIE WEITERZUSAGEN! AMEN@{ub}


@{i}                      Markus 1,29-39@{ui}
@{b} ...und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten und
 trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie
 wußten er war.@{ub} Markus 1,34 (LB)
 Da ist von einer Welt die Rede, die wir nicht sehen können, die jedoch in
 unser Leben hineinwirkt. "Von guten Mächten wunderbar geborgen", beten wir
 mit Dietrich Bonhoeffer. Vom Glauben her weiß er sich in der Geborgenheit,
 während ihn die Mächte der Finsternis bereits gefangen halten und ihn
 töten werden. Und auch Jochen Klepper weiß sich "unter dem Schatten seiner
 Flügel" geborgen, bis dahin, daß er unter dem Zwang der Ereignisse den
 Freitod wählt, um mit seiner Frau gemeinsam "zu Jesus zu gehen". "Mache
 dich auf, werde Licht." Jesus als das Licht der Welt anzuerkennen, damit
 tun wir uns leicht. Schwierig wird es, das andere, das Dunkle, das
 Bedrohliche zu definieren. Wir reden nicht mehr von Besessenen, wenn
 Menschen unter Seelenqualen schreien, daß es uns zutiefst erschüttert.
 Wenn sie "wähnen" müssen, daß ihre Mitmenschen ihnen zu Feinden und
 Verfolgern geworden sind, die sie ins Verderben stürzen wollen, wenn diese
 sie in ihrer eigenen Hilflosigkeit in eine Klinik bringen wollen, wehren
 sie sich mit unvorstellbaren Kräften. Wer das miterlebt hat, weiß, weshalb
 man so unerklärliches Verhalten kurzerhand als dämonisch deklarierte, die
 Kranken unter Verschluß brachte, wo sie dahinvegetierten und elend
 zugrunde gingen. Niemand von uns hat solche Vollmacht zum Handeln wie er,
 der nur ein Wort zu sprechen braucht, damit unsere Seele gesund wird. Er
 hat uns aber etwas Wunderbares vererbt, das ist die Barmherzigkeit. Sie
 ist eine Form der Liebe und wo sie ist, da wirkt er durch uns.
 Bitten wir den Heiland, uns vor unerklärlichen Mächten die uns ängstigen,
 zu bewahren, und hüten wir uns, unsere Mitmenschen zu verteufeln, weil wir
 sie nicht verstehen.@{b}
 LIEBER HEILAND, DER DU IN DEN SCHWACHEN MÄCHTIG BIST, HÜLLE DU UNSERE
 HERZEN UND SINNE IN DEIN ERBARMEN UND SCHENKE UNS EINEN GNÄDIGEN NÄCHSTEN.
 AMEN@{ub}                                                  Lissy Kühl


@ENDNODE
@NODE "Markus 1f" "Markus 1,40-45"
@{i}                   Markus 1,40-45@{ui}
@{b}                  Sie kamen zu ihm
 Die ganze Not der Welt tut sich vor Jesus auf. Aussatz ist eine
 schreckliche Krankheit. Der Kranke war zum langsamen Sterben verurteilt;
 eine Hoffnung auf Genesung gab es kaum. So wurden die Aussätzigen
 ausgesondert und durften mit den anderen Menschen keinen Kontakt haben.
 Sie waren aus der Gemeinschaft der Menschen ausgestoßen. Ihr warnender Ruf
 "unrein, unrein" machte deutlich, wie einsam und allein diese Kranken
 waren. Da wagt aber trotzdem ein Aussätziger auf Jesus zuzugehen und ihn
 zu bitten: "Wenn du willst, so kannst du mich reinigen." Sicher hat er
 schon von Jesus gehört. Ein Hoffnungsvoller Mensch faßt noch einmal Mut
 und setzt alles auf eine Karte: "Du kannst mir helfen." Und Jesus hilft.
 er streckt die Hand aus und berührt den Kranken und spricht:"Ich will's
 tun; sei rein!" Der Kranke wird rein, und Jesus gebietet ihm, sich seinem
 Priester zu zeigen. Erst wenn ein Priester den Kranken auf seinen
 Gesundheitszustand untersucht hat und bestätigt, daß er rein ist, darf er
 in die menschliche Gemeinschaft zurückkehren. Aber Jesus befiehlt ihm
 noch, von dieser Heilung keinem weiter zu sagen. Doch "wes des Herz voll
 ist, des geht der Mund über"; der Kranke geht von Jesus weg und redet viel
 davon, was Jesus an ihm getan hat, und macht die Geschichte überall
 bekannt. Es ist kein Wunder, daß sie nun von allen Ecken und Enden kommen,
 um vom "Wunderdoktor" geheilt zu werden. Doch Jesus ist mehr als solch ein
 Wunderdoktor. Wenn wir es wagen, Jesus nachzufolgen, begegnen auch wir
 heute dem lebendigen, gnädigen Gott.@{b}
 LIEBER HERR!
 WIR DANKEN DIR, DAß WIR NICHT OHNE HOFFNUNG ZU LEBEN BRAUCHEN. DEIN WORT
 GIBT UNS DIE GEWIßHEIT, DAß DU AUCH UNS HEIL SCHENKEN KANNST. MACH UNS
 HEIL FÜR ZEIT UND EWIGKEIT. AMEN@{ub}


@{i}                       Markus 1,40-45@{ui}
@{b} Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn
 und sagte: Ich will es - werde rein!@{ub} Markus 1,41 (EÜ)
 Menschen, die einander zeigen wollen, daß sie sich mehr bedeuten, als es
 ein einfacher Gruß ausdrücken kann, wählen die verschiedensten Formen, um
 sich ihre gegenseitige Sympathie zu bekunden. Eine dieser Formen ist die
 Berührung. wenn die Hand eines lieben Menschen uns zärtlich streichelt,
 dann will das doch zum Ausdruck bringen: Du bedeutest wir sehr viel, ich
 mag dich. Oder wenn die Mutter ihr Kind in die Arme schließt, dann weiß
 dieses Kind: Jetzt ist alles rundum in Ordnung; jetzt brauche ich mich
 nicht mehr zu fürchten. Und was bedeutet es erst einem kranken oder
 sterbenden Menschen, wenn da jemand ist, der ihm die Hand hält und ihm so
 zeigt, daß er nicht alleingelassen ist! Auch im übertragenden Sinne hat
 das Wort "berühren" eine ähnliche Bedeutung. "Mich berührt etwas; ich bin
 gerührt" - das heißt dann soviel wie: Mich interessiert diese oder jene
 Sache und ich kann und möchte nicht beziehungslos daran vorbeigehen. Nur
 wer "Berührungsängste" hat, lebt im Abseits, ist allein.- Jesus berührt
 immer wieder Menschen: Er berührt Kinder und segnet sie; er berührt Kranke
 und heilt sie. Auch Aussätzige, Ausgestoßene dürfen mit seiner Berührung
 rechnen. Ihr Schicksal läßt ihn nicht un-berührt! Wieviel Aus-gestoßene
 und Aus-gesetzte unserer Zeit warten auf unsere Berührung. Sie warten
 darauf, daß wir sie an-rühren und in unsere Gemeinschaft aufnehmen. Sie
 warten darauf, daß wir sie - wie Jesus es uns vorgelebt hat - berühren und
 uns berühren lassen von ihrem harten Schicksal. Überwinden wir doch unsere
 Berührungsängste und gehen wir mutig auf jene zu, denen unsere Berührung
 und unser Berührt-sein gut tut und neue Hoffnung schenkt.@{b}
 LIEBENDER GOTT, DU BERÜHRST UNS UND RÜHRST UNS AN, DU LÄßT DICH BERÜHREN
 UND ANFASSEN - IMMER NEU. LAß UNS AUS DIESER VERBINDUNG MIT DIR MUT
 FINDEN, AUF UNSERE BRÜDER UND SCHWESTERN ZUZUGEHEN. GIB, DAß WIR UNS
 BERÜHREN LASSEN VON DEINEM WORT UND VON DER HEILENDEN HAND DEINES SOHNES.
 AMEN@{ub}                                        Peter Boekholt


@ENDNODE
@NODE "Markus 2a" "Markus 2,1-12"
@{i}                    Markus 2,1-12@{ui}
@{b}             Dir sind deine Sünden vergeben@{ub}
 Sünde und Schuld belasten oft unser menschliches Leben. Das hat schon
 mancher erkennen müssen. In dieser Geschichte, die wir heute lesen, geht
 es zuerst um die Befreiung von der Sünde. Deshalb erzählt uns Markus von
 diesem Geschehen. Wir hören von einem Kranken, einem schwergeplagten und
 völlig hilflosen Menschen. Ihm verkündet Jesus zuerst die Vergebung seiner
 Sünde. Im alten Israel glaubte man, daß jedes Leid eine Strafe Gottes
 wäre. Da kann einem schwer Leidenden schon die Frage kommen: "Womit habe
 ich das verdient?" Wir wissen alle, daß diese Ansicht von Leid und Not
 nicht stimmt. Sicher ist der Kranke, der hier zu Jesus gebracht wird,
 nicht ohne Sünde. Doch wahrscheinlich ist er nicht sündiger als andere,
 denen ein solches Leiden erspart geblieben ist. Doch wo Jesus einem
 Menschen begegnet, da gibt es Befreiung von Schuld und Sünde. Sie ist
 bedingungslos und an keine Vorleistung gebunden. Nicht einmal ein
 Sündenbekenntnis braucht der Kranke abzulegen. Aber, so hören wir oft,
 führt das nicht zum Leichtsinn? Kommen wir dann nicht in Versuchung, immer
 weiter zu sündigen? Doch Jesus vergebendes Wort hat Konsequenzen im Leben.
 Ein Mensch, der eine schwere Krankheit überstanden hat, wird in manchem
 anders sein als zuvor. Wo uns Jesu Wort wirklich getroffen hat, wird unser
 Ganzes Leben neu gestaltet. Da ist es dann nicht möglich, so weiter zu
 sündigen wie zuvor. Jesus wendet sich noch einmal zu den Kranken. Sein
 Wort lautet nun:"Stehe auf ... und gehe heim!" Dieses Wort schenkt dem
 Kranken seine Gesundheit wieder. Es ist aber auch die Beglaubigung des
 ersten Wortes:"Deine Sünden sind dir vergeben."@{b}
 LIEBER VATER IM HIMMEL!
 WIR BITTEN DICH: VERGIB UNS ALLES VERKEHRTE IN UNSEREM LEBEN; SCHENKE UNS
 DIE GEWIßHEIT, VON DIR ANGENOMMEN ZU SEIN! AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 2,1-12@{ui}
@{b} Und er verkündete ihnen das Wort.@{ub} Markus 2,2b (EÜ)
 Wie einfach muß es aus unserer Sicht für Jesu Zeitgenossen gewesen sein,
 an sein Wort zu glauben. Sie konnten ihn "life" erleben; sie konnten seine
 faszinierende Persönlichkeit immer wieder bewundern, und schließlich
 wirkte er so manches Wunder, das die Wahrheit seiner Botschaft noch mehr
 zu unterstreichen vermochte. Jesus hat seine Wort nicht nur für eine
 konkrete Situation oder für einen bestimmten Menschen gesprochen. Sein
 Wort gilt für alle Zeiten und für alle Menschen. Es bleibt immer sein
 Wort: sein heilendes Wort, sein befreiendes Wort, sein liebendes Wort. Und
 er spricht dieses Wort zu uns durch jene, die es in seinem Namen
 verkünden. Sein Wort hält allen menschlichen Unzulänglichkeiten stand;
 niemand kann letztlich sein Wort manipulieren, verkürzen oder erweitern.
 Seine reine Botschaft macht unser Leben tragfähig, läßt uns Kraft finden
 in schwachen Stunden, läßt uns Sinn erfahren in allen Lebenssituationen.
 Sein heilendes Wort macht den Kranken Mut, schenkt ihnen Zuversicht und
 Hoffnung. Sein befreiendes Wort nimmt von uns Versagen, Sünde und Schuld.
 Es schenkt uns "neues Leben". Sein liebendes Wort läßt uns immer wieder
 seine Nähe spüren und ermutigt uns, dieses liebende Wort weiterzuschenken.
 Worte sind es, die unserem Leben zu neuem Schwung verhelfen. Worte sind es
 aber auch oft, die uns kränken, zerstören und umbringen können. Wählen wir
 deshalb unsere Worte gut, damit es auch immer seine Worte sein können, die
 er -auch durch uns- in dieser Zeit verkünden will. Wir alle sind die
 Verkünder seiner Botschaft, wenn wir seine Worte wählen und die mit Leben
 füllen.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU BIST UNS IMMER NAHE IN DEINEM WORT. LAß UNS DIESES
 WORT AUFNEHMEN UND ES ALLEN WEITERSAGEN, DIE NACH DEM WORT HUNGERN, DIE
 EIN WORT BRAUCHEN. LAß UNS DIE BOTSCHAFT DEINER LIEBE MIT IMMER NEUEN
 WORTEN VERKÜNDEN, DAMIT SIE ALLE MENSCHEN ERREICHEN KANN.AMEN@{ub}
                                                      Peter Boekholt

@ENDNODE
@NODE "Markus 2b" "Markus 2,13-17"
@{i}                    Markus 2,13-17@{ui}
@{b}                    Folge mir nach!@{ub}
 Es ist ein packendes Bild, das da vor uns entsteht: Der Beamte mit seiner
 Geldkasse am Stadttor; das Getriebe der Leute, die mit ihm verhandeln und
 feilschen; die Stimme des Herrn, die ihn kurz und knapp anruft: Folge mir!
 Der Zöllner läßt seine Kasse, seine Listen, alles, was ihm eben noch so
 wichtig war, stehen, um mit Jesus zu gehen. Solche Plötzliche Berufung in
 Jesu Nachfolge kann es immer einmal geben. Sie ändert dann das ganze
 Leben. Es ist jedesmal ein Wunder. Denn es sind sehr oft gerade nicht die
 Besten, es sind oft fragwürdige Menschen, die den Ruf des Herrn hören und
 annehmen. Jesus sagt: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die
 Kranken. Das ist die tröstliche Kraft des Evangeliums, daß es den Sündern
 Vergebung schenkt. Das macht es zur wahren Gotteskraft, die uns auch gegen
 alle Hoffnung hoffen läßt. Aber schon damals gab es auch Menschen, die
 meinten, diesen Jesus, seinen befreienden Ruf aus dem gewohnten Trott in
 seine Nachfolge nicht zu brauchen. Sie hielten sich selbst für stark,
 Jesus ist ihnen nicht der Heiland, der Erlöser, sondern nur ein
 interessanter religiöser Lehrer, mit dem sympathisieren kann, wer in
 besonderer Weise gläubig und vollkommen ist. Jesus diskutiert nicht
 darüber. Er sagt nur:"Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die
 Gerechten." Er überläßt es den Zuhörern, sich im stillen zu fragen: Was
 bin ich wirklich ohne Maske, ohne Selbsttäuschung? Der Zöllner hat das
 begriffen. Seine Antwort ist, daß er auf den Ruf des Herrn hört und mit
 ihm geht. Das macht ihn frei.@{b}
 HERR, DU RUFST UNS HEUTE NOCH IN DEINE NACHFOLGE. GIB UNS DEN MUT DES
 ZÖLLNERS, DIR ZU FOLGEN, AUCH WO ES SCHWERFÄLLT, WO ES KEINEN ÄUßEREN
 ERFOLG VERSPRICHT. MACHE UNS FREI DURCH DEINEN RUF. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 2,13-17@{ui}
@{b} Folge mir nach!@{ub}             Markus 2,14b (EÜ)
 Zu sehr hat man das Wort der "Nachfolge" auf einen kleinen Kreis
 "Auserwählter" beschränkt und damit die Forderung der Nachfolge abgehakt.
 Alle Menschen sind zur Nachfolge des Herrn berufen in dem Sinne, daß sie
 alle ihr Bestes geben müssen, ihr Leben nach Christus zu orientieren. So
 bedeutet "Nachfolge" für junge Menschen, daß sie wie Christus sich
 besonders für die Gerechtigkeit und den Frieden einsetzen
 Für Eheleute bedeutet "Nachfolge", daß sie sich immer wieder in Liebe und
 Treue miteinander verbinden, daß sie verzeihen können und zu immer neuen
 Aufbrüchen bereit sind, so wie Christus es vorgelebt hat. Schließlich
 bedeutet für Kranke und Leidende "Nachfolge", daß sie wie Christus ihr
 Lebenskreuz annehmen, es mutig tragen und nach jedem "Fall" auch immer
 wieder aufstehen müssen. Aber für sie bedeutet "Nachfolge" auch, daß sie
 -wie Jesus- auf einen Simon von Cyrene hoffen dürfen, der ihnen hilft, ihr
 Kreuz ein Stück zu tragen. An uns alle also ergeht der Ruf oder die
 Einladung zur Nachfolge. Wir alle sind auserwählt, be-rufen!
 Nachfolge geht uns alle an! Diejenigen, die er in seinen "besonderen"
 Dienst beruft, die Bischöfe, Priester, Diakone und Ordensleute, haben zwar
 "besondere" Aufgaben, sind aber keine Elitetruppe. Sie sollen, gleichsam
 wie er, den anderen vorausgehen, ihnen immer wieder Mut machen und Kraft
 geben. Die Befähigung erhalten sie dafür von ihm. Er will, daß es so ist
 und er will, daß die in der "besonderen" Nachfolge ihre besonderen Dienste
 gewissenhaft erfüllen, damit sein Werk auf Erden weitergeführt wird.@{b}
 HERR, DU HAST UNS ALLE IN DEINE NACHFOLGE BERUFEN. LAß UNS DIESEN RUF
 HÖREN UND MIT FROHEM HERZEN ERFÜLLEN. SCHENKE DENEN, DIE DU IN DIE
 BESONDERE NACHFOLGE BERUFEN HAST, GROßHERZIGKEIT UND GLAUBENSKRAFT, DAMIT
 SIE DAS, WAS SIE VERKÜNDEN, AUCH SELBER ZU LEBEN BEREIT SIND. AMEN@{ub}
                                                      Peter Boekholt

@ENDNODE
@NODE "Markus 2c" "Markus 2,18-22"
@{i}                     Markus 2,18-22@{ui}
@{b}                Wann ist Zeit zum Fasten@{ub}
 Wunderbar, wie einfach das Evangelium uns in den Worten des Herrn
 begegnet. Wie schwer fällt es uns oft zu antworten, wenn wir gefragt
 werden, wie wir als Christen leben sollen. Jesus sagt dazu: Niemand flickt
 ein altes Kleidungsstück mit einem Stück neuem Tuch, sonst reißt der neue
 Lappen doch vom alten ab, und der Riß wird nur schlimmer. Wie gern möchten
 wir zugleich Christen sein und doch leben, als wären wir es nicht. So ist
 die Frage verständlich, die Jesus gestellt wird. Gehört es nicht seit
 Alters zum Leben des gläubigen Menschen, daß er fastet? So taten es die
 Propheten, so tat es Johannes der Täufer, so tun es die Pharisäer. Der
 Herr läßt sich aber gar nicht auf ein Gespräch über Sinn oder Unsinn
 des Fastens ein. Er sagt einfach: Jetzt bin ich da, jetzt ist für meine
 Jünger Zeit der Freude. Warum sollen sie da fasten? Später, wenn ich nicht
 mehr unter ihnen bin, ist für sie Zeit des Fastens. Damit mahnt er uns,
 daß wir bedenken sollen, was zu unserem Glauben paßt. Sind wir seiner
 Gegenwart allezeit so gewiß und fröhlich, daß wir nicht zu fasten
 brauchen? Gibt es nicht auch Zeiten, in denen er uns fern zu sein scheint?
 Wo wir vielleicht sogar mit jenem Kräften der Finsternis kämpfen müssen,
Jesus einmal sagt: Diese Art fährt nur aus durch Fasten und Gebet. Es geht
 beim Fastenbrauch nicht nur um alte Traditionen. Wie neuer, noch gärender
 Wein alte Schläuche zerreißt, so sprengt unser Glaube auch liebgewordene
 alte Gewohnheiten. Aber auch für uns gibt es sicher Zeiten, wo es gut ist
 zu fasten, um für Jesus offen zu sein.@{b}
 LIEBER HERR, LAß UNS ZU JEDER ZEIT ERKENNEN, WORAUF ES ANKOMMT. LAß UNS
 FRÖHLICH SEIN DURCH DEINE GEGENWART IN UNSEREM LEBEN. LAß UNS NICHT MÜDE
 WERDEN, UNSER LEBEN FÜR DICH ZU ÖFFNEN. AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 2,18-22@{ui}
@{b} Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.@{ub}
 Markus 2,19b (EÜ)
 Fasten ist gesund, nicht nur für Menschen, die an Übergewicht leiden.
 Jedem Menschen tut es gut, wenn er ab und zu fastet und auf das
 verzichtet, was ihm gut schmeckt. Auf der anderen Seite gibt es nichts
 Schöneres, als mit guten Freunden Feste zu feiern. Was wäre eine
 Hochzeitsfeier ohne das entsprechende festliche Hochzeitsmahl? Menschen,
 die man mag, die einem wertvoll sind, denen man zugetan ist und die einem
 etwas bedeuten, läßt man diese Verbundenheit auch gerne dadurch spüren,
 daß man ihnen zuliebe ein Fest feiert oder auch ein Essen gibt. Gerade in
 der Zeit ihrer Anwesenheit wäre es geradezu eine Beleidigung, zum Fasten
 aufzurufen. Das Mahl ist Zeichen der Gemeinschaft, der Nähe und der Liebe.
 Wenn der Bräutigam Christus da ist, ist immer Festlichkeit angesagt. Da
 weichen alle Trauer, alle Ängste, alle Sorgen und Nöte. Für uns Christen
 ist Jesus immer da. Er ist unter uns in seinem Wort und in seinen Taten.
 Das bedeutet für uns: Festzeit. Wir sind aufgerufen zur Freude. Er, als
 der Bräutigam, ist der Gastgeber unseres Festes und die Ursache unserer
 Freude! Und so dürfen wir immer wieder "Mahl halten", immer wieder an
 seinem Tisch kommen. Wer nicht mitmacht, wer sich entschuldigt, wer also
 "fastet", der schließt sich aus von dieser Liebesgemeinschaft. Er isoliert
 sich und gerät -ohne ihn und ohne Gemeinschaft der Mitfeiernden- in eine
 unheilvolle Einsamkeit. Der Bräutigam ist da, auch in unserem Leben. Er
 lädt uns ein. Alles hat er bereitet. Das Fest kann beginnen.@{b}
 MENSCHENFREUNDLICHER GOTT, IN DEINEM SOHN JESUS CHRISTUS HAST DU UNSEREM
 LEBEN EIN NEUES ZIEL GEGEBEN. ER LÄDT UNS EIN AN SEINEN TISCH. ER SELBST
 IST DIE SPEISE. LAß UNS SEINER WERBENDEN EINLADUNG GERN FOLGEN UND SIE
 ALLE WEITERSAGEN, DIE NOCH NICHTS VON IHR GEHÖRT HABEN. AMEN@{ub}
                                                    Peter Boekholt


@ENDNODE
@NODE "Markus 2d" "Markus 2,23-28"
@{i}                     Markus 2,23-28@{ui}
@{b}                 Rechte Sonntagsheiligung@{ub}
 Ernsthafte Auseinandersetzungen über das rechte Verhalten am Sonntag gibt
 es nur noch selten. Wer da meint, den ganzen Sonntag arbeiten zu müssen,
 mag es tun. er verstößt nicht gegen ein Gesetz, wohl aber übersieht er
 eine gnädige Ordnung Gottes, die auf das Wohl und Heil des Menschen
 gerichtet ist. In der Bibel lesen wir vom Sabbat, daß er eine Schöpfung
 Gottes sei. Am Ende des Schöpfungsberichtes erfahren wir, daß Gott diesen
 Tag segnete und heiligte. Es ging ihm dabei um den Menschen. Dieser sollte
 neben aller Arbeit auch die Möglichkeit zur Ruhe haben. Indem der Mensch
 diese Ordnung für sich annimmt, gibt er Gott die Ehre. Darauf wurde zur
 Zeit des Alten Testamentes streng geachtet. So kam es zu vielen Verboten,
 die die Handlungsfreiheit des Menschen am Sabbat erheblich einschränkten.
 Doch eine Heiligung Gottes, wie sie durch die Annahme seiner guten
 Ordnung geschieht, kann niemals am Menschen, an seinem Leiden und Nöten
 vorübergehen. Wer Gott die Ehre geben will, gleichzeitig aber den Menschen
 in seiner Hilflosigkeit übersieht, hat von Gott nicht viel begriffen.
 Deshalb mußte Jesus auf den Widerstand der Frommen seiner Zeit stoßen. Sie
 verkörperten das Festhalten an einer Ordnung, die den Menschen in seinem
 Menschsein einengte. So nahmen sie u.a. auch Anstoß an der Tatsache, daß
 Jesu Jünger am Sabbat Ähren vom Halm rissen, um ihren Hunger zu stillen.
 Dabei ärgerte sie nicht so sehr die Tatsache des Ährenausraufens, als
 vielmehr der Umstand, daß dieses am Sabbat geschah. Jener Einstellung, die
 den Sabbat nur gesetzlich und an den Bedürfnissen der Menschen
 vorbeigehend verstehen wollte, trat Jesus mit dem Anspruch seiner
 Vollmacht entgegen, die ihm von Gott gegeben war. Diese Vollmacht erlaubte
 es ihm, für den Menschen einzutreten. Der Sabbat will Geschenk und nicht
 Forderung sein. Das gilt gleicherweise für den Sonntag der Christen. Hier
 soll der Mensch zur Ruhe kommen; er soll einmal innehalten inmitten seiner
 Arbeit und Hektik. Der Sonntag will ihm helfen, sich auf den Herrn seines
 Lebens zu besinnen, um sich an ihm zu orientieren. Die Annahme des
 Sonntags als ein solches Geschenk kann Ordnung in unser Leben bringen.
 Diese ermöglicht auch die Bewältigung des Lebens mit seinen Freuden und
 Krisen aus dem Glauben heraus.@{b}
 LIEBER VATER IM HIMMEL!
 DU HAST UNS MENSCHEN DEN SONNTAG GESCHENKT. DU WILLST, DAß WIR ZUR RUHE
 KOMMEN UND ZEIT HABEN, ZEIT AUCH FÜR DICH. LAß UNS HEUTE DEIN WORT ALS
 DEINEN GNÄDIGEN ZUSPRUCH UND WEGWEISUNG FÜR DIE KOMMENDE WOCHE HÖREN.
 AMEN@{ub}


@{i}                      Markus 2,23-28@{ui}
@{b}                 Der Tag des Herrn und wir@{ub}
 es fällt uns schwer, die Aufregung der Pharisäer zu verstehen. Was ist
 schon dabei, am Sabbat, dem Tag des Herrn, Ähren zu raufen? Aber die
 Pharisäer sind Leute, die es genau nehmen. Wenn Gott ein Gebot gibt, dann
 gilt das. So überlegen sie, was das bedeutet, den Feiertag zu heiligen.
 Sie tun es gründlich bis zu Folgerungen, die uns seltsam anmuten. Tragen
 ist Arbeit, auch wenn man Geschenke zu Freunden trägt. Feuermachen ist
 Arbeit, selbst wenn man nur ein Streichholz anzündet. So ist dies und
 vieles andere am Sabbat verboten. Bevor wir darüber lachen, müssen wir
 erst bedenken, wieviel sich gläubige Juden Gottes Gebot kosten lassen? Der
 Tag Gottes ist zum Tag für unerledigte Angelegenheiten geworden. dabei
 wäre es heute, mit zwei freien Tagen in der Woche, so günstig wie noch
 nie, den Feiertag zu heiligen. Noch im vorigen Jahrhundert hatten Arbeiter
 in der Regel eine 70-Stunden-Woche. Da war der Sonntag oft wirklich die
 einzige Möglichkeit für persönliche Arbeiten. Und heute?
 Eins ist sicher: Der Mensch braucht diesen Tag Gottes, der uns frei macht,
 weil wir einmal wegschauen von uns selbst, hin zu Gott. Es wäre gut, wenn
 wir Christen neu über die Sonntagsheiligung nachdenken würden. Dürfen wir
 uns so einfach über Gottes Gebot hinwegsetzen? Doch gilt: Der Sabbat ist
 um des Menschen willen da, nicht umgekehrt. Jesus macht das an David
 deutlich; als er in Not war, scheute er sich nicht, von den Opferbroten
 des Tempels zu essen. Denn so heilig Gottes Haus ist, David ist mehr als
 die Opferbrote, und die Jünger sind mehr als der Sabbat.@{b}
 HERR, WIR WERDEN ZWISCHEN UNSEREN PFLICHTEN, AUFGABEN UND HOBBYS OFT
 ZERRIEBEN. GIB UNS MUT, UNS ZEIT ZU NEHMEN, DEN FEIERTAG ZU HEILIGEN, DEIN
 WORT ZU HÖREN UND RUHIG ZU WERDEN. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 2,23-28@{ui}
@{b} Der Sabbat ist für den Menschen da.@{ub}  Markus 2,27 (EÜ)
 Besonders in unserer Zeit leiden die Menschen unter Streß und Hektik. Die
 Anforderungen in Ehe und Familie, in Beruf und Ausbildung sind in vielen
 Fällen so stark, daß äußere und vor allem innere Ruhe unverzichtbare Werte
 geworden sind. Viele Menschen finden allerdings kaum Gelegenheit, wirklich
 einmal richtig zur Ruhe zu kommen. da ist das heutige Bibelwort nicht nur
 eine freundliche Erinnerung, sondern eine echte Herausforderung:"Der
 Sabbat ist für den Menschen da!" Da kann man wirklich einmal richtig
 ausspannen, wieder zu sich kommen und zu den Dingen, die einem lieb und
 teuer sind. Da darf das gemeinsame Frühstück mit der Familie nicht fehlen;
 da ist es unverzichtbar, miteinander etwas Schönes zu erleben; da braucht
 man Zeit für Gott, der uns Kraftquelle und Halt sein möchte. Gerade am
 Sabbat -wir nennen ihn Sonntag beziehungsweise Feiertag- sollte der Mensch
 sich auch wieder auf Wesentliches besinnen - und zum Wesentlichen gehört
 Gott. So schenkt der Ruhetag kostbare Zeiten, die wir oft zu wenig zu
 nutzen wissen. Was wird da alles geplant, unternommen, aber auch an echten
 Chancen vertan! Das Gespräch mit Gott, das Teilen der Sorgen mit ihm, das
 Planen und Fragen, das Danken und Bitten sollte gerade am Sabbat ein
 wichtiger Bestandteil unserer Unternehmungen sein. Nur so können wir
 wieder auftanken, neue Kräfte sammeln, uns für die folgenden Wochen
 rüsten. Gott schenkt uns den Sabbat. Wir sollten ihn nicht "mißbrauchen",
 um Dinge aufzuarbeiten, die während der Woche liegengeblieben sind. Wir
 sollten ihn auskosten und erleben!@{b}
 HIMMLISCHER VATER. AUCH DU HAST AM SIEBTEN TAG GERUHT. DAMIT WILLST DU
 ZEIGEN, WIE WICHTIG AUCH DIESE RUHE FÜR UNSER LEBEN IST. LAß UNS BEI ALLER
 HEKTIK DER ZEIT IMMER WIEDER DEINEN RUHIGEN ATEM SPÜREN. AMEN@{ub}
                                                      Peter Boekholt


@ENDNODE
@NODE "Markus 3a" "Markus 3,1-6"
@{i}                    Markus 3,1-6@{ui}
@{b}              Leben erhalten oder töten?@{ub}
 Die Pharisäer sahen im Sabbatgebot ein besonderes Zeichen göttlicher
 Weltordnung. Deshalb nahmen sie die Einhaltung der Sabbatgesetze sehr
 ernst. Geschah eine Übertretung versehentlich, wurde der Schuldige
 verwarnt und zu einem Sühneopfer verpflichtet. Ein bewußter Verstoß aber
 zog die Strafe der Steinigung nach sich. Grundsätzlich hat auch Jesus die
 religiösen Vorschriften beachtet. Aber er kannte das Gottesgebot, das über
 allen Ordnungen steht: heilen und helfen, Leben erhalten! Dieses Gebot zu
 erfüllen, wußte er sich von Gott gesandt. Darauf gründet seine Freiheit
 und Vollmacht, zu tun, was recht ist vor Gott. Das aber führt immer wieder
 zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Pharisäern, die darauf warten,
 etwas gegen ihn unternehmen zu können. Am Beispiel des Mannes mit der
 verdorrten Hand macht Jesus deutlich, worauf es nach dem Willen Gottes
 ankommt. Er nimmt dessen Krankheit zum Anlaß, die Gewissensfrage nach dem
 wahren Sinn des Sabbatgebotes zu stellen: "Soll man am Sabbat Gutes tun
 oder Böses tun, Leben erhalten oder töten?" Natürlich wissen auch die
 Pharisäer, daß Gutes tun immer geboten, Böses tun - auch die Unterlassung
 des Guten ist böse - aber niemals erlaubt ist. Doch sie schweigen
 verstockt. Der Heilungstat Jesu wissen sie nichts anderes entgegenzusetzen
 als einen Plan, ihn umzubringen. - Gottes Wille zu allen Zeiten ist eine
 mitmenschliche Welt, in der Gutes getan und Leben erhalten wird. Das ist
 auch heute gottgewolltes sinnvolles Tun, an dem wahrer Glaube und
 Gottesdienst als Gehorsam sichtbar werden.@{b}
 HERR! ES IST UNS ERNST MIT DEM GLAUBEN AN DICH. LAß UNS AN DEINEM BEISPIEL
 LERNEN, WAS WAHRER GOTTESDIENST IST. ZEIGE UNS DEN MENSCHEN, DER UNSERE
 HILFE BRAUCHT; UND GIB UNS DAS RECHT MAß FÜR DAS BETEN UND DAS ARBEITEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                    Markus 3,1-6@{ui}
@{b} Sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.@{ub}
 Markus 3,2 (EÜ)
 Neben vielen Freunden, Gesinnungsgenossen und Vertrauten hatte Jesus in
 seinem irdischen Leben immer eine große Anzahl persönlicher Gegner und
 Feinde, die ihn anklagten und ihm nach dem leben trachteten. Mögen auch
 die einzelnen dafür die verschiedensten Motivationen zusammengesucht
 haben; eines hatten sie alle gemeinsam: Er paßte ihnen nicht; er störte
 ihre "Ordnung"; er war ihnen zu gefährlich. Jesus hat um diese Situation
 immer gewußt. Schließlich war der grausame Tod am Kreuz der Höhepunkt
 menschlicher Bosheit. Wer Gründe für eine Anklage sucht, der findet sie -
 auch heute noch. Und das betrifft nur das Leben Jesu. Auch in unseren
 menschlichen Alltag stoßen wir immer wieder auf Zeitgenossen, dann die
 Asylanten, die Homosexuellen, die Aids-Kranken, die Jugendlichen und die
 Alten. Immer und immer wieder sucht der Mensch nach Gründen, den anderen
 zu verurteilen. Auch Jesus hat das durchleben und durchleiden müssen. Was
 ihn dabei besonders aus gezeichnet hat, war seine Bereitschaft, trotz all
 dieser Unbilden, immer wieder zu verzeihen. Und darin erahnt man die Kraft
 seiner grenzenlosen Liebe. Hier will er uns auch ein Zeichen setzen: auch
 wir sollten bereit zum Verzeihen sein, wenn man uns ungerecht verurteilt.
 Darüber hinaus sollten wir unsere Urteile über andere sehr vorsichtig
 abwägen, damit wir keinen zu Unrecht ver-urteilen. Indem wir unsere
 Mitmenschen verurteilen, treffen wir auch Jesus, der uns in seinen
 Geschöpfen begegnet.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU HAST IN DEINEN IRDISCHEN LEBEN DEN UNDANK DER
 MENSCHEN ERTRAGEN MÜSSEN. DIE ANTWORT AUF DEINE GRENZENLOSE LIEBE WAR
 KREUZIGUNG UND TOT. LAß UNS ALLE UNGERECHTIGKEIT ÜBERWINDEN UND MANCHE UNS
 FÄHIG ZUR DIENENDEN LIEBE. AMEN.@{ub}              Peter Boekholt



@ENDNODE
@NODE "Markus 3b" "Markus 3,7-12"
@{i}                    Markus 3,7-12@{ui}
@{b}                 Er heilte ihrer viele@{ub}
 Jesus kennt die Absichten seiner Gegner. Er ist auch bereit, den Weg des
 Gehorsams bis zum bitteren Ende zu gehen. Aber noch ist die Stunde nicht
 gekommen, daß des Menschen Sohn überantwortet wird in der Sünder Hände. Er
 hat den Auftrag zu erfüllen, den ihm Gott gegeben hat. Er zieht sich an
 das Ufer des Galiläischen Meeres zurück. Viele Menschen aus allen Teilen
 des Landes folgen ihm dorthin nach, weil sie von seinen Wundertaten gehört
 hatten, Sie bedrängen ihn geradezu in der einfältig-gläubigen Erwartung,
 daß schon die Berührung seiner Person sie von ihren Gebrechen befreien
 werde. Jesus muß ein Boot besteigen, um sich des Drängens der Menge zu
 erwehren. Aber er enttäuscht ihre Hoffnung nicht. Viele erfahren Heilung
 als ein Zeichen der mit Jesus angebrochenen Heilszeit. Von der Gewalt
 böser Geister Geplagte erkennen und bekennen, was den frommen Pharisäern
 verborgen bleibt:"Du bist Gottes Sohn." Jesus weist ein solches Bekenntnis
 nicht zurück. Doch auch hierfür gilt, daß die Stunde der Offenbarung
 seiner Herrlichkeit noch nicht gekommen ist. Deshalb ergeht die strenge
 Weisung, nicht öffentlich davon zu reden. Gott ist da, wo das Wunder
 geschieht, daß heil wird, was durch Menschenschuld und Torheit zerbrochen
 ist. Noch gibt es unendliches Leid und Unrecht in unserer Menschenwelt.
 Aber mit Jesus ist der Anfang für ein Neues gemacht. Die von Gott
 verheißene heile Welt des Friedens und der Gerechtigkeit ist kein leerer
 Traum mehr. Sie ist da, wo Menschen der Verheißung Gottes trauen und
 seinem Heilswillen gehorchen. Sie wird einmal alle Menschen umfassende
 Wirklichkeit werden, weil Gott es so will.@{b}
 HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DU AUCH HEUTE DABEI BIST, DEIN HEILANDSWERK ZU
 TUN. HILF UNS DAS UNSERE TUN, DAMIT DEIN WILLE GESCHIEHT. AMEN@{ub}


@{i}                        Markus 3,7-12@{ui}
@{b} Er aber verbot ihnen streng, bekannt zu machen, wer er sei.@{ub}
 Markus 3,12 (EÜ)
 Wir leben heute fast zweitausend Jahre nach der Forderung, die Jesus
 ausspricht. Kann heute aktuell sein, was Jesus gesagt hat? Ihn nicht
 bekannt zu machen. Haben wir auf Tag uns Stunde zu warten, in der wir von
 ihm sprechen? Wie ist es damals gewesen?
 Jesus wäre fast von der Menge erdrückt worden, und so sagt er zu seinen
 Jüngern, sie sollen für ihn das Boot bereit halten, damit er rausfahren
 könne, um nicht von der Menge erdrückt zu werden. Was sagt dieses Ereignen
 in unser Leben hinein? Stehen die Menschen ohne Sammlung beieinander,
 schwatzen sie durcheinander, ist nicht Ort und Zeit, von Jesus zu
 sprechen. Eine Mitte kann nur ausstrahlen, wenn für die Strahlen Freiräume
 bereitstehen. Die Herzen sollen sich öffnen können.
 Jesus wollte zu der Zeit nicht, daß er bekannt werde, er wollte ohne große
 Worte heilen; er wollte das Samenkorn legen, damit es schläft, um
 aufzugehen. Die Menschen drängten. Warum kamen so viele? Der eine wird
 krank gewesen sein, manch einer kam als Helfer mit, mancher wollte
 schauen, mancher kam aus Sensationslust - wer nun das Samenkorn empfangen
 hat, wir können es nicht wissen. Uns ist bekannt, das Samenkorn wurde
 gelegt. Nun hat jede Zeit ihr Leben mit Jesus. Der historische Prozeß hat
 unsere Kirche entstehen lassen. Exegeten sind fleißig, um die Fülle der
 Bibeltexte, um den gemeinsamen und getrennt gewachsenen Prozeß zu orten
 und zu ordnen. Theologen und Laien arbeiten und beten miteinander. Jede
 Begabung sollte den rechten Platz finden. Jegliches soziale und geistliche
 Handeln hat seinen Ursprung in Gott und ist im Gebet mit Jesus zu
 besprechen, wir finden viel Nahrung in der Bibel.@{b}
 DIE BIBEL IST WEGWEISUNG FÜR UNSER LEBEN; HERR, HILF UNS, DAMIT ZUR
 RECHTEN ZEIT UND IN DER RECHTEN WEISE VON DIR SPRECHEN UND NICHT ZU
 SCHWÄTZERN WERDEN - JESUS, HILF UNS.@{ub}           Ingeborg Hoffmann

@ENDNODE
@NODE "Markus 3c" "Markus 3,13-19"
@{i}                     Markus 3,13-19@{ui}
@{b}               Die Berufung der zwölf Jünger@{ub}
 Jesus weiß, daß die Menschen nicht nur Heilung suchen, sondern auch das
 wegweisende Wort brauchen. Weil er nicht immer leibhaftig bei ihnen sein
 wird, wählt er aus der Menge seiner Anhänger zwölf Männer aus und macht
 sie zu seinen Schülern, von den Evangelisten Jünger genannt. Als Lernende
 sollen sie um ihn sein und in der lebendigen Gemeinschaft mit ihm
 erfahren, was es heißt, im Zeichen der Gottesherrschaft zu leben. Als
 seine Boten will er sie aussenden, die frohe Botschaft vom Heil für die
 Welt weiterzusagen. Auch das Heilen und die Vollmacht, böse Geister
 auszutreiben, sollen zu ihrem Auftrag gehören. Ihre Namen sind nicht
 einhellig überliefert. Sie sind auch nicht so wichtig; entscheidend sind
 Auftrag und Vollmacht zum Dienst. In der Zwölfzahl kommt der umfassende
 Anspruch zum Ausdruck, mit dem Jesus vor sein Volk tritt. Zwölf Stämme als
 Nachkomme der Söhne Jakobs bildeten das von Gott erwählte Israel. Auf
 zwölf Jünger, später Apostel genannt, soll sich das neue Gottesvolk der
 Heilszeit gründen. Einfache Leute sind es, die Jesus zu Mitarbeitern an
 seinem Heilandswerk beruft: Fischer vom See Genazareth, ein Zöllner und
 andere, keine Idealgestalten ohne Fehler und Versagen. Die Bereitschaft
 zum Hören und zum Dienen, mit einem Wort: zur Nachfolge, das ist alles,
 was er von ihnen erwartet. Sie haben dann die Weisung des Auferstandenen
 aufgenommen und sind hingegangen in alle Welt, sein Werk weiterzuführen.
 Ungezählte haben sich nach ihnen rufen lassen, in seinem Namen zu predigen
 und zu heilen. Er ruft auch heute noch.@{b}
 HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DU AUCH UNS ZU DEN DEINEN ZÄHLST. GIB UNS DIE
 BEREITSCHAFT ZUM HÖREN AUF DEIN WORT UND ZUM DIENST AN UNSEREM NÄCHSTEN.
 NIMM ALLEN KLEINMUT VON UNS UND BEFREIE UNS ZUM FRÖHLICHEN BEKENNTNIS
 DEINER WAHRHEIT. AMEN@{ub}


@{i}                       Markus 3,13-19@{ui}
@{b} Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann
 aussenden wollte, damit sie predigen...@{ub}  Markus 3,14 (EÜ)
 Jesus wählt Menschen aus, damit sie in seiner Nähe sind, und weil er ihnen
 zutraut zu predigen. Er beschränkt sich vorerst auf die Zahl zwölf. Aus
 diesen Zwölf sind viele Zwölf hervorgegangen. Somit kann eine weltweite
 Kirche in vielen Orten die Mitte Jesu Christi leben. Es ist ein besonderes
 Ereignis, einem der Zwölf zu begegnen.
 Jeder der Zwölf ist für eine Aufgabe vorgesehen, auf eine Weise die
 Aussagen Jesu in der Wirklichkeit umzusetzen. Heute sprechen wir von
 unterschiedlichen Aufgaben innerhalb der Kirche. Der Pfarrer ist Leiter
 der Gottesdienste, er ist der Verantwortliche beim Sakrament des
 Abendmahls. Auf gleicher Stufe stehen Verkündigung und Diakonie. Und
 weiterhin mitten in der bisherigen Aussage verschichtigen sich die
 vielfältigen menschlichen Grundhaltungen, die sich in dem Weg, den uns
 Jesus aufträgt, vereinigen. Das Wort, die Liturgie, der Ritus, das Symbol
 vermitteln eindeutig christlichen Sinn. Wie unterschiedlich und doch von
 gleicher Mitte bestimmt sind reale Christusaussagen. Jeder einzelne ist
 auf die Bibel verwiesen und ist genötigt, sich mit Theologen zu
 besprechen. Die persönliche Situation zeigt eine Grenze auf. Es ist nicht
 gut, mehr zu wollen, sich über das zu erheben, was machbar ist.
 Die Zwölf sind aus einer Gruppe von Menschen auserwählt. Menschen wurden
 zu Jüngern Jesu durch die Berufung. Wozu sind wir berufen? Gelingt es uns
 zu hören? Vielleicht steigt Jesus auch für uns auf einen Berg, um uns
 etwas Wichtiges zu sagen - oder wann auch immer wir angesprochen werden.
 Wir haben bewußt einen Liedtext gewählt: Herr gib uns Mut zum Hören auf
 das, was du uns sagst. Gewiß ist es leichter zu singen - doch mit Gottes
 Hilfe gelingt uns auch das Hören.@{b}
 GOTT, HILF UNS, DAMIT WIR HEUTE INNERHALB VIELER AUSSAGEN DEINE WAHRE
 AUSSAGE FINDEN, DAß WIR UNS NICHT ERHÖHEN UND UNS NICHT ERNIEDRIGEN,
 SONDERN UNSEREN PLATZ UND UNSEREN WEG FINDEN - HERR, ERHÖRE UNS.@{ub}
                                                 Ingeborg Hoffmann

@ENDNODE
@NODE "Markus 3d" "Markus 3,20-30"
@{i}                    Markus 3,20-30@{ui}
@{b}                   Jesus ist Sieger@{ub}
 Immer mehr Menschen laufen Jesus zu; man bedrängt ihn so, daß er mit den
 Jüngern kaum Zeit zum Essen findet. Seinen Angehörigen erscheint das
 unheimlich, sie machen sich Sorgen um seinen Weg und fragen sich ob er
 noch Herr seiner Sinne ist. Vielleicht haben sie auch von dem gefährlichen
 Vorwurf der Pharisäer gehört, er stehe mit dem Obersten der Teufel im
 Bunde. Jesus läßt sich aber weder von den Seinen beirren, noch fürchtet er
 die Feindschaft seiner Gegner. Er tritt ihnen offen entgegen und nimmt
 ihre Anwürfe auf, um sie als widersinnig zurückzuweisen. Auch sie können
 nicht leugnen, daß er Menschen von Krankheiten befreit hat. Stünde dabei
 der Teufel hinter ihm, hieße das doch, daß dieser seine eigene Herrschaft
 zerstören wolle, was ganz gewiß unsinnig ist. So bleibt nur die andere
 Möglichkeit, daß die Heilungstaten Jesu im Namen Gottes geschehen sind.
 Die ihm vom Vater verliehene Vollmacht weist ihn als den Stärkeren aus,
 der gekommen ist, daß er die "Werke des Teufels" zerstöre. In Jesu Reden
 und Tun ist Gottes Geist am Werk, dem keine Macht des Bösen gewachsen ist.
 Beharren seine Gegner wider besseres Wissen bei ihrer Meinung, er sei von
 bösen Geistern beherrscht, machen sie sich einer Sünde schuldig, für die
 es keine Vergebung geben kann.
 Wir tun gut daran, den tiefen Ernst dieser Warnung Jesu zu erkennen. Auch
 für uns besteht die schreckliche Möglichkeit, daß wir uns selbst
 ausschließen von dem Heil, zu dem Gottes Barmherzigkeit alle Menschen
 bestimmt hat.@{b}
 HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DU NICHT ABLASSEN WILLST, DIE GEISTER DES HASSES
 UND DER LÜGE, DES UNRECHTS UND UNFRIEDENS IN DER WELT ZU ÜBERWINDEN.
 VERGIB, DAß WIR SO OFT VOR IHRER SCHEINBAREN ÜBERMACHT KAPITULIEREN. GIB
 UNS HOFFNUNG, DIE NICHT AUFGIBT. AMEN@{ub}


@{i}                   Markus 3,20-30@{ui}
@{b} Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben.
@{ub} Markus 3,24 (EÜ)
 Das Gleichgewicht ist eine Sache, die oft mit großen Schwierigkeiten
 verbunden ist. Nun muß der Mensch nicht allein stehen in seinem Bemühen,
 Gleichgewicht zu erlangen. Jesus selbst bietet sich als Helfer an. Er
 spricht Grundgedanken aus, die wir als Regeln annehmen können. Um Regeln
 zu verstehen, bedarf es des Einsatzes eines Denkens und Betens. Die Bibel
 vermittelt uns Klugheit; wenden wir diese Klugheit an, wird es uns
 leichter, uns dem Gleichgewicht zu nähern.
 Wir müssen zugeben, die Klugheit allein reicht hier nicht aus, es ist mit
 der Seele und mit dem Geist zu schauen, zu schweigen und zu hören. Dann
 ahnen wir das Grundkonzept des Schöpfers. In diesem Grundkonzept liegt
 seine ganze Weisheit.
 Nun sind wir Menschen in der Bedingtheit, und uns unterlaufen täglich
 Fehler, und unser Gleichgewicht beginnt zu schwanken; und so haben wir
 immer wieder neu den Weg des Schauens, des Schweigens und des Betens zu
 gehen. Wir befinden uns wie in einer Art Kreislauf. Indem wir uns
 besinnen, stellen wir uns dem Geist Gottes, und uns wird es scheinen, daß
 das Antlitz der Erde neu wird. Die erneuerte Erde vermittelt uns die
 Möglichkeit der Erneuerung, und das beklommene Herz löst sich.
 Wir wollen versuchen zu beten. Lieder zu singen, tätig zu sein und uns im
 kindlichen Vertrauen in das Gleichgewicht zu stellen, welches in Gott
 ruht. So erfahren wir die Güte Gottes, die jede Dunkelheit erhellt.@{b}
 HERR, SENDE DEINEN GEIST ZU UNS, DAMIT ES UNS GELINGT, GESPALTENES
 ZUSAMMENZUFÜGEN, DEN WIDERSPRUCH IN UNS ZU LÖSEN, NICHT IM WIDERSPRUCH ZU
 DIR ZU VERHARREN. SENDE, HERR, DEINEN GEIST.@{ub}      Ingeborg Hoffmann


@ENDNODE
@NODE "Markus 3e" "Markus 3,31-35"
@{i}                      Markus 3,31-35@{ui}
@{b}                Die wahren Verwandten Jesu@{ub}
 Noch einmal kommt Markus auf das Verhältnis Jesu zu seinen Angehörigen zu
 sprechen. Gestern haben wir gelesen, daß sie der Meinung sind, er sei von
 Sinnen. Wieder begehren sie ihn zu sprechen, offensichtlich in der
 Absicht, ihn von seinem vermeintlich falschen Weg abzubringen. Jesus nimmt
 dies zum Anlaß, mit aller Deutlichkeit zu erklären, wem er sich verbunden
 weiß. Wie er selbst Sinn und Inhalt seines Lebens darin sieht, den Willen
 Gottes zu erfüllen, erwartet er dies auch von denen, die zu ihm gehören
 wollen. Der Gehorsam gegen den Gotteswillen schafft eine Gemeinschaft, die
 enger verbindet als die Blutsbande der Familie. Darin liegt keine
 Abwertung der natürlichen Bindungen des Menschen. Aber wo deren Ansprüche
 der verwirklichung des Gotteswillen im Wege stehen, kann die Trennung
 unvermeidlich werden. Doch nicht Jesus vollzieht den Bruch. Das wird
 deutlich in der Art und Weise, in der er das Ansinnen der Seinen
 zurückweist. Er redet nicht von dem Trennenden, sondern von dem, was ihn
 mit seinen Jüngern fester verbindet als alles andere. Auch die Jünger
 müssen mit der Möglichkeit rechnen, daß ihre Zugehörigkeit zu Jesus
 Konflikte mit ihnen nahestehenden Menschen mit sich bringt. Für alle
 Christen gilt es, daß der Anspruch Gottes über allen Forderungen anderer
 Bindungen steht. Auch sie stehen letztlich unter Gottes Gebot und
 Verheißung und erfahren ihre wahre Erfüllung nur im Tun dessen, was recht
 ist vor Gott.@{b}
 HERR! HILF UNS, DAß WIR ALS DIE DEINEN ÜBER ALLE EIGENEN INTERESSEN UND
 ALLES TRENNENDE HINWEG ZUR RECHTEN GEMEINSCHAFT MIT DENEN GELANGEN, DIE
 BEREIT SIND, DEINEM BEISPIEL ZU FOLGEN UND DAS RECHTE ZU TUN. LAß UNS
 EINANDER DIENEN, JEDER MIT SEINEN GABEN. AMEN@{ub}


@{i}                      Markus 3,31-35@{ui}
@{b} Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester
 und Mutter.@{ub}  Markus 3,35 (EÜ)
 Die wichtigste Einrichtung im menschlichen Leben ist die Familie. Damit
 meine ich nicht eine verklärende Vorstellung vom heilen Familienleben in
 der Vergangenheit. Familie in der kleinsten Form ist das Paar mit oder
 ohne Trauschein. Ihre größte Art ist die Sippe, wie sie uns zum Beispiel
 in den Vätergeschichten aus Israels Nomadenzeit im Alten Testament
 begegnet. Ob klein oder groß, Grundlage ist in jedem Fall ein Gefühl der
 Zusammengehörigkeit und der Geborgenheit. In der Familie steht einer für
 den anderen ein. Sie ist die Keimzelle für das Gemeinschaftsbewußtsein,
 daß jeder Mensch in sich hat. Sie ist überhaupt eine soziale Welt im
 Kleinen, wie die im Großen natürlich auch nicht gefeit gegen Störfälle. In
 der Familie wachsen die Kinder auf, lernen sie die ersten sozialen
 Kontakte. In diesem Sinne ist auch eine allein erziehende Mutter mit ihrem
 Kind eine Familie. Zur Familie gehören Junge und Alte. Früher lebten sie
 selbstverständlich miteinander, heute in der Industriegesellschaft, wo die
 Kleinfamilie die Regel ist, meist getrennt. Beim Zusammenleben ergibt sich
 ganz von selbst die Einübung darin, daß Alte und Junge ihre Ansichten und
 Interessen koordinieren. Das gilt auch für Eltern und Kinder sowie für
 Geschwister untereinander. Ein ganz natürlicher, vom Schöpfer schon so
 angelegter Vorgang ist das, ohne den Menschen nicht gedeihen können.
  Und nun hat Jesus gesagt: Es gibt noch eine Einrichtung unter Menschen,
 die genau so wichtig ist: die Gemeinde. Das meint er doch mit den Worten:
 Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter,
 also Familie. Die Gleiche Zusammengehörigkeit und Geborgenheit, das
 gleiche Trainingsfeld für gelungenes Zusammenleben, für gedeihliches
 Heranreifen von gottgefälligen Menschen. Was für ein gewaltiges Wort aus
 dem Munde Jesu! Es lohnt sich, darüber weiter nachzudenken.@{b}
 GIB MIR EINFÄLLE, HERR, WIE ICH MICH IN MEINER GEMEINDE NÜTZLICH MACHEN
 KANN.@{ub}                                        Joachim Schönburg


@ENDNODE
@NODE "Markus 4a" "Markus 4,1-9"
@{i}                     Markus 4,1-9@{ui}
@{b}                     Es lohnt sich@{ub}
 Jesus Christus hat in der Zeit seines Wirkens ähnliches durchgemacht, was
 viele, die mit Saat und Ernte zu tun haben, erleben. Er weiß, daß sich
 seinem Wirken viele Hindernisse in den Weg stellen. Viel Mühe und Liebe
 ist umsonst gewesen. Viele Worte sind in den Wind geredet. Und trotzdem
 spüren wir aus diesem Gleichnis die freudige Überzeugung heraus, daß sein
 Tun nicht vergeblich ist. Es lohnt sich. "Und etliches fiel auf gutes
 Land." Das gibt uns Hoffnung für die Zukunft. Unser Einsatz lohnt sich.
 Auch wenn ein gewisses Maß an Enttäuschungen unser Leben als Christen
 begleitet, so will dieses Gleichnis unseren Glauben stärken. Denn der
 Gott, der die Saat gedeihen läßt, segnet auch unser Tun. Sein Wort wird
 immer wieder verkündet. Gott selbst kann die Herzen aufschließen. Er kann
 aus einem unfruchtbaren Boden fruchtbaren Boden werden lassen. In unserem
 kleinlichen Denken sehen wir allzuoft dunkel in die Zukunft. Viele
 Saatkörner gehen nicht auf, weil sie auf den Weg, Felsen oder unter Dornen
 fielen. Doch Jesus sagt uns in seinem Gleichnis: Es lohnt sich,
 hoffnungsvoll nach vorne zu schauen, denn "etliches fiel auf gutes Land
 und brachte Frucht". Trotz vieler Widerstände hat sich Gottes Wort bis in
 unsere Tage hinein immer wieder behauptet. So wird es auch in Zukunft
 sein. Er findet gutes Land, um seine Gemeinde zu bauen. Und oft findet er
 dieses Land dort, wo wir es am wenigsten vermuten. "Wer Ohren hat zu
 hören, der höre!" Gott sät sein Wort in unsere Mitte. Wir brauchen uns um
 seine Sache keine Sorgen zu machen. Es lohnt sich, mit ihm zu gehen.@{b}
 HERR GOTT, HIMMLISCHER VATER, DU MACHST UNS IMMER WIEDER MUT, UNS FÜR
 DEINE SACHE EINZUSETZEN. HILF, DAß WIR STETS DAMIT RECHNEN, DAß DIR NICHTS
 UNMÖGLICH IST. AMEN
                    Gott für uns@{ub}
            Gott behält uns im Blick,
            auch wenn wir ihn aus den Augen verlieren.
            Gott beschenkt uns mit Glück,
            auch wenn wir dies nicht als Glück immer spüren.

            Gott bedenkt uns mit Zeit,
            auch wenn wir noch keine Zeit für ihn finden.
            Gott ist für uns bereit,
            auch wenn wir ihm immer wieder entschwinden.

            So ist Gott: ganz unvergleichbar,
            in seiner Liebe unerreichbar.
            So ist Gott! Wie danken wir es ihm?
            Mit Kraft und Hand und Geld und Stimm'.
                   Kurt Rommel


@{i}                       Markus 4,1.9@{ui}
@{b} Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!@{ub} Markus 4,9 (EÜ)
 Ohren hat jeder. Und sie gehen auch nicht auszuschalten, wie man die Augen
 zumachen kann. Also hört auch jeder, mit Ausnahme der Minderheit der
 Gehörlosen. Was hat Jesus also gemeint?
 Hören meint mehr als Schall aufnehmen. Die Mutter sagt zum Kinde:"Kannst
 du nicht hören?", wenn es unfolgsam ist. Sie meint eigentlich "gehorchen".
 Das heißt eine Aufforderung hören - und befolgen. Man sagt: Die Ohren auf
 Durchgang schalten. Da rein - da raus. Hören, ohne daß etwas geschieht.
 Das könnte Jesus gemeint haben. Denn das ist manchmal ein Problem. Auch an
 anderer Stelle wird es angesprochen:"Seid nicht nur Hörer des Wortes,
 sondern Täter"(Jakobusbrief 1,22). Doch Jesus hat ja nicht nur Anweisungen
 gegeben, die es in der tat umzusetzen gilt. Was er gebracht hat, dem ist
 mit Gehorchen nicht Genüge getan. Er wollte ja nicht Menschen, die wie
 fremdgesteuerte Marionetten funktionieren. Nebenbei gesagt: Auch Gott
 wollte und will das nie. Menschen zu solchen gehorsamen Marionetten machen
 zu wollen, auf die Idee können Menschen nur kommen.
 Was hat Jesus also gemeint mit der Bemerkung, die übrigens öfter von ihm
 überliefert ist? Er wollte, daß seine Zuhörer über das, was er sagt,
 nachdenken. Er wollte sie über das Körperorgan Ohr dazu veranlassen, in
 ihrem Innern einen Denkprozeß in Gang zu setzen, an dessen Ende eine
 eigene Entscheidung steht. Er wollte sie nicht zu etwas überreden, mit
 Worten und Versprechungen besoffen machen, so daß sie blindlings Ja
 sagen, wie das die moderne Werbung tut. er wollte sie vielmehr dahin
 bringen, aus eigenem Antrieb sich zu entscheiden. Die beste Möglichkeit
 dazu bietet das Rätselwort. Es läßt den Hörer die Lösung selber finden.
 Deshalb sprach Jesus so gern in Gleichnissen. Bis heute werden sie immer
 neu ausgelegt. Bis heute denken Unzählige auf diese Weise über Jesus nach.
 Und wer sich für ihn entscheidet, tut es aus freien Stücken.@{b}
 Laß uns nicht aufhören, Herr, über Jesus nachzudenken!@{ub}
                                               Joachim Schönburg


@ENDNODE
@NODE "Markus 4b" "Markus 4,10-12"
@{i}                   Markus 4,10-12@{ui}
@{b}            Gott hat die Welt nicht aufgegeben@{ub}
 Die Jünger und einige andere Begleiter Jesu fragen nach dem Sinn der
 Gleichnisrede. Die Antwort, die sie erhalten, befremdet uns. Eigentlich
 ist doch alles klar: Wenn Jesus in Gleichnissen redet, tut er es, um die
 verborgenen und geheimen Dinge Gottes zu verdeutlichen. Eine bildhafte
 Rede ist doch anschaulicher und für die Zuhörer verständlicher. Nun aber
 hören wir in diesen Versen etwas ganz anderes. Jesus bedient sich der
 Gleichnisrede nicht nur, um den Seinen Gottes Willen und Gottes
 Geheimnisse verständlicher zu machen, sondern auch den Außenstehenden
 Gottes Wahrheit noch zu verhüllen. Wer aber zu ihm gehört, wer seinem Wort
 vertraut, dem kann und wird alles durch die Gleichnisrede deutlich werden.
 Dem Außenstehenden aber wird im tiefsten alles unverständlich bleiben.
 Jesus Christus bleibt ihm fremd, er hat keinen Zugang zu ihm. Sie können
 sehen, soviel sie wollen, sie erkennen doch nichts. Sie können hören,
 soviel sie wollen, sie verstehen doch nichts. Für uns heute ergibt sich
 daraus die Frage: Hören wir Gottes Wort mit vertrauensvollem und
 aufgeschlossenem Herzen, sind wir bereit, uns dem Willen Gottes
 anzuvertrauen, oder sind wir gefangen in unserer Sicherheit und Selbstzu-
 friedenheit? Wie ernst ist es uns mit Gottes Sache? Sein Angebot ist da
 für uns und die ganze Welt. Jesus sagt: Euch läßt Gott seine Absichten mit
 der Welt erkennen. Die einzige frohe Botschaft für uns und die Welt ist
 die, daß Gott die Welt nicht aufgegeben hat, sondern sich einsetzt, um sie
 zu retten. Sein Wort schafft neue Möglichkeiten im Umgang miteinander. Es
 hilft zum rechten Hören und Sehen.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR KÖNNEN DICH NICHT SEHEN. ABER IN DEINEM WORT
 ZEIGST DU UNS DEN WEG, DEN WIR GEHEN SOLLEN. WIR BITTEN DICH: MACHE UNS
 WILLIG, DIR NACHZUFOLGEN. AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 4,10-12@{ui}
@{b} ...mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden
 Ohren hören und doch nicht verstehen.@{ub} Markus 4,12 (LB)
 Weltweit bekannt geworden sind sie, die drei Affen, die da
 nebeneinandersitzen. Der eine hält sich die Ohren zu, der andere die Augen
 und der dritte den Mund. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Das
 vielsagende Symbol stammt aus Ostasien. Aber es gehört nicht viel
 Phantasie dazu, um festzustellen, daß es auch eines unserer Probleme
 haargenau trifft. Das kennen auch wir: der Wirklichkeit nicht ins Auge
 sehen, vor Warnungen die Ohren verschließen und lieber den Mund halten,
 als irgend etwas zu riskieren.
 In der Bibel begegnet uns dieses Phänomen ebenfalls, im Alten und im Neuen
 Testament, jedoch in einer etwas anderen Gestalt. Dort ist es nicht nur
 Ausdruck menschlicher Bequemlichkeit und Feigheit, sondern hat einen mehr
 schicksalhaften Anstrich. Das Stichwort heißt "Verstockung". Es ist eine
 Mischung aus der trotzigen Weigerung der Menschen, Unangenehmes
 wahrzunehmen und erzieherischem Plan Gottes, der seine uneinsichtigen
 Geschöpfe solange ins selbstverschuldete Unglück rennen läßt, bis sie
 merken müssen, daß sie was falsch gemacht haben.
 Wenn heute wieder diskutiert wird, ob wir Deutschen aus unser jüngsten
 Geschichte (1933-1945) etwas zu lernen haben, so kann der Bibelkenner dazu
 nur sagen; Ja und nochmals ja. Wenn überhaupt, dann nur so. Die Bibel ist
 ja selbst in weiten Teilen ein Lehrbuch dafür, wie man aus der Geschichte
 lernen kann. Denn sie erzählt ganz ungeschminkt, wie schon vor über 3000
 Jahren die Menschen immer die gleichen Fehler gemacht haben. Und einer der
 schlimmsten war zu allen Zeiten, daß sie sich so verhalten haben wie die
 drei asiatischen Affen:"Ich weiß gar nichts, die anderen sind
 verantwortlich." Wie machen wir's denn richtig? Auch das steht in der
 Bibel: Das Stichwort heißt "Umkehr", "Buße" und bedeutet: Einstehen für
 die Folgen, Lernen aus der Geschichte und künftig besser machen. So
 einfach ist das, aber auch so schwer.@{b}
 GIB UNS KRAFT, HERR, ALS CHRISTEN BUßFERTIG ZU SEIN!@{ub}
                                             Joachim Schönburg

@ENDNODE
@NODE "Markus 4c" "Markus 4,4,13-20"
@{i}                     Markus 4,13-20@{ui}
@{b}              Gott kann unser Leben verändern@{ub}
 In unserem Bibelabschnitt wird uns von dem Sinn des Gleichnisses
 berichtet. Der Same, Gottes Wort, ist ausgesät unter uns. Es zeigt sich
 aber, wie wenig von diesem Samen aufgeht. Mißerfolg und Erfolg stehen hier
 in einem Verhältnis von drei zu eins. Da sind einmal die Menschen, die
 Gottes Wort hören, aber nichts damit anfangen können. Sie sind gefangen in
 ihren eigenen Ideen. Zum anderen sind da die Menschen, die Gottes Wort
 hören und mit Freuden annehmen, solange es ihnen gut geht. In der Zeit der
 Anfechtung aber, wenn es gilt, den Glauben im Alltag zu bewähren, dann
 erweist sich ihr Glauben als zu schwach. Die Angst vor Nachteilen
 erschüttert die Grundmauern ihres Glaubens. Und da ist die dritte Gruppe
 von Menschen, die Gottes Wort hören. Doch die Verlockungen dieser Welt mit
 allen Vorteilen und Reichtümern "ersticken das Wort, und es bleibt ohne
 Frucht". Alle Mühe ist vergeblich. Doch bei allem Mißerfolg wird eine
 Gruppe von Menschen dasein, die Gottes Wort hören, es annehmen und Frucht
 bringen, "dreißigfältig und sechzigfältig und hundertfältig". Drei zu eins
 ist das Verhältnis. Wir müssen uns fragen: Höre ich auf Gottes Wort? Ist
 mein Glaube stark genug, allen Hindernissen zu begegnen? Gottes Wort darf
 ich hören, annehmen und darum bitten: Sein Wort möge mir Kraft geben,
 Frucht zu bringen "dreißigfältig und sechzigfältig und hundertfältig".
 Wenn wir Gott darum bitten werden wir seine große Kraft spüren, die unser
 Leben verändern kann. So wird sein Same in uns aufgehen, heranwachsen und
 Frucht bringen.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, DU RUFST UNS ZU DIR, DAß WIR IN DEINEM NAMEN UNSEREN WEG
 GEHEN SOLLEN. MACHE UNS TÜCHTIG FÜR DEIN WERK. LAß UNS AN DEINER TREUE
 NICHT ZWEIFELN, SONDERN DEINE HERRLICHKEIT IMMER VOR AUGEN HABEN. AMEN
@{ub}

@{i}                     Markus 4,13-20@{ui}
@{b} Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und
 aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach.
@{ub} Markus 4,20 (EÜ)
 Wir lesen das Wort Gottes, das Jesus Christus uns verkündet hat. Es
 begegnet uns im alltäglichen Leben immer wieder, in der Kirche, bei
 Bibelstunden, Jugendstunden, in der Schule oder auch ganz einfach zu
 Hause, wenn wir in der Bibel oder auf diesem Kalenderblatt lesen. Nun aber
 stellt sich die Frage, wie dieses Wort Gottes von uns aufgenommen wird.
 Fällt es uns etwa lästig, das Wort aufzunehmen, weil es vielleicht eine
 geheime Schuld aufdeckt und unseren Lebenswandel straft, so daß wir ihm
 lieber aus dem Weg gehen, oder nehmen wir es bereitwillig auf, schieben es
 dann aber bald wieder beiseite und vergessen es, bis es uns -hoffentlich!-
 wieder einmal begegnet und uns dann nützlich ist, wie zum Beispiel Geld
 auf einem Sparbuch? Es gibt aber auch eine dritte Möglichkeit, nämlich das
 Wort anzunehmen und sein Leben danach auszurichten. Dadurch rückt Christus
 als Mittelpunkt in unser Leben. Dies ist uns ein Trost und eine große
 Hilfe in allen Situationen des Alltagslebens. Wir können auf Gott
 vertrauen, denn der Sämann sät Worte, die weiterhelfen. Dadurch erhält
 unser Leben neue Kraft. Vielleicht gelingt uns dann auch manches gute Werk
 - als Frucht unseres Glaubens. Man denke nur an Luther, der geschrieben
 hat:"Nicht gute fromme Werke machen einen guten frommen Mann, sondern ein
 guter frommer Mann macht gute fromme Werke."@{b}
 HERR, HILF, DAß WIR DEIN WORT IN UNS AUFNEHMEN UND DANACH LEBEN. SCHENKE
 UNS DIE KRAFT, IM GLAUBEN FEST VERWURZELT ZU SEIN WIE PFLANZEN, DIE AUCH
 DER GRÖßTE STURM NICHT BRECHEN KANN. WIR VERTRAUEN AUF DEINE HILFE.AMEN
@{ub}                                                      Ingo Dimmling
                                                  Schiller-Gymnasium Hof

@ENDNODE
@NODE "Markus 4d" "Markus 4,21-25"
@{i}                   Markus 4,21-25@{ui}
@{b}             Leuchtkraft für Gottes Wahrheit@{ub}
 Von Zinzendorf stammen die Verse:"Und allein von deinem Brennen nehme
 unser Licht den Schein. Also wird die Welt erkennen, daß wir deine Jünger
 sein." Gottes Wahrheit ist kein sanftes Ruhekissen für die Christen.
 Gottes Wahrheit will in der Welt verkündet und klar bezeugt werden. Eine
 Leuchtkraft soll von den Christen ausgehen, vergleichbar der Leuchtkraft
 eines Leuchtturmes am Meer, damit alle erkennen, daß wir Jesu Jünger sind.
 Doch Jesu weiß, wie wenig wir zu leuchten vermögen. Angst oder
 Bequemlichkeit, Resignation oder Gleichgültigkeit verdunkeln unsere
 Strahlkraft. Doch wie die Leuchtkraft eines Leuchtturmes nicht verlöschen
 darf, so können wir uns dem Worte Gottes nicht entziehen. Was ich euch
 sage, sagt Jesus, das geht euch alle etwas an. In diesen Worten liegt
 zugleich eine Mahnung: Hüte euch! Es ist leicht, über andere zu urteilen.
 Vieles ist euch verborgen. Doch alles Verborgene wird einmal an den Tag
 kommen. Jesus sagt: Genau mit dem selben Maß, das ihr an andere Menschen
 anlegt, wird man euch wieder messen. Wie gut, wenn wir dann nicht mir
 leeren Händen vor Gott stehen müssen. Leuchtkraft für andere sollen wir
 sein. Das kann geschehen, wenn wir Gottes Wort hören und in unserem Leben
 wirken lassen. Gott verlangt von uns Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
 gegenüber unseren Mitmenschen. Er verlangt von uns ein offenes Bekenntnis.
 Denn nur so wird uns die klare Sicht und die nötige Vorsicht in unserem
 Urteilen gegeben, Und nur so werden wir zur Leuchtkraft für Gottes
 Wahrheit.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR BEKENNEN DIR ALL UNSEREN KLEINMUT, MIT DEM WIR SO
 OFT VERSAGEN, WENN DU VON UNS ETWAS ERWARTEST. GIB UNS FÜHREINANDER DEN
 BLICK DER LIEBE UND DAS RECHTE WORT. LAß UNS ZUR LEUCHTKRAFT WERDEN FÜR
 DEINE WAHRHEIT. AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 4,21-25@{ui}
@{b} Wer Ohren hat, der höre!@{ub}  Markus 4,23 (LB)
 Wer hat diesen Satz nicht schon unzählige Male gehört? Doch halten wir uns
 daran? Sicher, wir hören schon zu, aber hören wir auch wirklich? Verstehen
 wir, was wir hören? Fast überall und jederzeit werden wir berieselt: im
 Auto, beim Einkaufen, wenn wir einen Bekannten treffen, beim Fernsehen und
 anderen Gelegenheiten. Doch es ist fast schon zu einer Art "Begleitmusik"
 geworden, auf die man kaum noch hört. Wer kann heutzutage schon noch
 richtig aufmerksam zuhören? Nur, wer mit Ohr und Herz dabei ist, wer sich
 bei dem, was er hört, etwas denkt, wer wirklich bereit ist, sich Zeit zum
 Zuhören zu nehmen.
 Vielleicht ist es Ihnen auch schon passiert, daß Menschen, die Sie noch
 lange nicht kennen, plötzlich mit Problemen zu Ihnen kommen, die sie nicht
 einmal ihren besten Freunden erzählen würden. Weil es mir schon öfter so
 erging, fragte ich einmal nach dem Grund und hörte:"Weil man eben merkt,
 wenn jemand sich um das kümmert, was man sagt!" oder:"Weil ich sonst
 niemanden habe, mit dem ich so reden kann." Im ersten Moment freue ich
 mich natürlich darüber, aber nach längerem Nachdenken wird mir der tiefere
 Sinn bewußt: die Lehrer, die Lebensgefährten, die Eltern, das müßten doch
 eigentlich die Menschen sein, die zuhören? Nicht umsonst wird das "hören"
 in unserem Text wiederholt. Jesus will sichergehen, daß wir nicht nur mit
 offenem Ohr, sondern vor allen Dingen mit offenem Geist und Herzen hören.
 Jeder Mensch ist gerade heute und gerade für die, die Jesus nachfolgen
 wollen, eine Aufgabe. nehmen wir sie an und hören wir genau hin, denn
 durch sie spricht auch Jesus zu uns, wie er selber sagt: "Was ihr dem
 geringsten unter meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan"(Lukas
 25,40).@{b}
HERR, HILF UNS, DAß WIR ZUHÖREN LERNEN. GIB UNS OFFENE OHREN UND HERZEN,
 DAMIT WIR DAS GEHÖRTE NACH DEINEM SINN VERSTEHEN UND NACH DEINEM WILLEN
 TUN, WAS DU VON UNS ERWARTEST.@{ub}                     Dirk Ramming
                                               Schiller-Gymnasium Hof



@ENDNODE
@NODE "Markus 4e" "Markus 4,26-29"
@{i}                    Markus 4,26-29@{ui}
@{b}                  Sorgen helfen nicht@{ub}
 Jesus vergleicht das Reich Gottes mit der Saat, die von einem Bauern
 ausgesät wird, aufwächst und dann Frucht bringt, "wie von selbst", ohne
 daß der Bauer viel dazu tun kann. Wer aber nur ein wenig von
 Landwirtschaft versteht weiß, wieviel gründliche Vorbereitung nötig sind,
 wenn das Land reichen Ertrag bringen soll. Jeder Bauer weiß aber auch,
 wenn alle Vorbereitung getan sind und das Land bestellt ist, man nur noch
 warten und vertrauen kann, daß alles aufgeht und gut wächst, daß Gott
 Wachstum und Frucht hervorbringen wird.
 Nervosität, schlaflose Nächte helfen nicht. Und genau darum geht es in
 diesem Gleichnis. Es will uns die Unruhe nehmen und uns eine
 vertrauensvolle Gelassenheit und Ruhe schenken. gerade da, wo wir im Blick
 auf unsere Gemeinde und Kirche vielleicht auch auf unser eigenes Leben
 nervös und unruhig werden und verzweifelt dies oder jenes versuchen, kann
 uns dieses Gleichnis wieder Vertrauen für die Zukunft schenken. Natürlich
 dürfen wir nicht untätig dahinleben. Gottes Acker muß vorbereitet und
 bestellt werden. Jeder einzelne steht in seinem Dienst. Mit Phantasie und
 Geduld sollen wir Gottes Reich hier auf Erden bauen. Doch bei allem Eifer
 für Gottes Sache gehören die stillen Augenblicke dazu, in denen wir Gott
 die Ehre geben und alles, was wir tun, ihm anvertrauen. Denn das Vertrauen
 auf Gottes Güte und Barmherzigkeit ist die Voraussetzung für jede Tat.
 Ohne ihn geschieht nichts. "Gott sitzt im Regimente und führet alles
 wohl", so sagt Paul Gerhardt. Gott gibt uns die Gewißheit, daß er die Saat
 aufgehen und wachsen lassen wird. Darauf dürfen wir vertrauen.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, WIR MACHEN UNS OFT SORGEN, WIE ALLES WEITERGEHEN SOLL.
 DABEI WISSEN WIR: ALLES LIEGT IN DEINEN HÄNDEN. SEI STETS BEREIT ZU HÖREN,
 WAS WIR DIR KLAGEN. HILF UNS, WO SONST KEINER HELFEN KANN. AMEN@{ub}


@{i}                      Markus 4,26-29@{ui}
@{b} Das Reich Gottes ist so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft.
@{ub} Markus 4,26(LB)
Oft sind wir mutlos, weil wir glauben, daß Gott sein Ziel nicht erreicht.
 Auf dieser Welt gibt es viele Menschen, die den christlichen Glauben noch
 nicht angenommen haben, und oft schlagen die Versuche fehl, sie für die
 frohe und rettende Botschaft von Jesus zu gewinnen. Aber auch in anderen
 Situationen erreichen wir nicht das, was wir uns vorgestellt haben, und
 wollen deshalb leicht aufgeben. Gerade weil es manchmal so aussieht, als
 sei all unsere Mühe umsonst. weist Jesus in seinem Gleichnis darauf hin,
 daß Gott zu seinem Ziel kommt, mit ihnen, mit seiner Gemeinde, mit der
 ganzen Welt. Jesus begründet diese Hoffnung mit der unwiderstehlichen
 Kraft und Wirksamkeit des göttlichen Wortes. Es ist also wichtig, dem Wort
 Gottes mehr Platz und Einfluß in unserem Leben zu geben. Jesus sagt auch:
 Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort,
 das durch den Mund Gottes geht. Wir Menschen müssen aber auch einsehen,
 daß alles seine Zeit braucht, auch bei Gott. "Gottes Mühlen mahlen
 langsam, mahlen aber trefflich fein", sagt eine alte Weisheit. Wer heute
 sät, kann nicht schon morgen mit dem Mähdrescher kommen. Deshalb mahnt
 Jesus zur Geduld und zum Vertrauen auf sein Wort. "So wachet, steht fest
 im Glauben, seid mannhaft und seid stark!" (1.Korinther 16,13)@{b}
 DANKE, HERR, DAß ICH WEIß, DAß DU MIT DEINER SACHE ZUM ZIEL KOMMST. GIB
 AUCH MIR GEDULD, KRAFT UND HOFFNUNG. HILF MIR, GANZ AUF DICH UND DEIN
 WIRKEN ZU VERTRAUEN. AMEN@{ub}                      Gabriele Woitscheck
                                                  Schiller-Gymnasium Hof


@ENDNODE
@NODE "Markus 4f" "Markus 4,30-34"
@{i}                     Markus 4,30-34@{ui}
@{b}                   Kraft des Glaubens@{ub}
 Auch in diesem Gleichnis geht es um das Reich Gottes. Jesus vergleicht es
 hier mit einem Senfkorn, das winzig klein in der erde liegt und dann doch
 zu einer gewaltigen Staude heranwächst. Diese Gegenüberstellung des
 unscheinbaren Körnchens mit der gewaltigen Staude ist für Jesus wichtig.
 Mag der Anfang noch so unscheinbar sein, mag man von Gottes Wirken noch so
 wenig verspüren, Gott baut sein Reich. Mit einer kleinen armseligen Gruppe
 von Menschen hat es angefangen und ist zu einer weltumfassenden Kirche
 geworden, die trotz aller Anfechtungen, trotz vieler Rückschläge bis zum
 heutigen Tag immer noch wächst. So geht es zu im Reiche Gottes wie in der
 Natur. Aus dem kleinsten Samenkorn wird eine große Staude, die über alles
 hinauswächst. Durch ein kleines Wort kann ein ganzes Leben verändert
 werden. So gibt uns dieses Bild vom Senfkorn immer wieder Trost und Mut
 für unseren Alltag. Keiner soll mutlos werden, wenn er nur wenig auf
 seiner Seite sieht. Bei Gott geht es nicht um große Zahlen, sondern um die
 große Kraft und Verheißung, die seine Sache voranbringt. Unser Glaube, so
 klein oder groß er auch sein mag, trägt in sich eine große Kraft. Wir
 dürfen zuversichtlich sein und uns Gottes Führung anvertrauen. Jesus sagt
 von dem kleinen Senfkorn:"Wenn es gesät ist, so geht es auf und wird
 größer als alle Sträucher und treibt große Zweige." Bei allen
 Enttäuschungen macht uns diese bildhafte Rede vom Senfkorn ganz deutlich
 und klar: So wenig Erfolge auch zu sehen sind, von Jesu Botschaft wird
 eine große und starke Kraft ausgehen, die Gottes Sache zum Ziel bringen
 wird.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DIR DÜRFEN WIR UNS ANVERTRAUEN UND ZU DIR KOMMEN MIT
 ALLEM, WAS UNS BEWEGT. DU HAST UNS WISSEN LASSEN, DAß DIR DIE ZUKUNFT
 GEHÖRT UND ALLES IN DEINER HAND IST. VERGIB UNS UNSEREN KLEINGLAUBEN UND
 ÖFFNE UNS DIE AUGEN FÜR DEIN WUNDERBARES TUN. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 4,30-34@{ui}
@{b} Es ist wie ein Senfkorn: Wenn es gesät wird auf das Land, so ist's das
 kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden.@{ub} Markus 4,31 (LB)
 Durch dieses Wort will Jesus verdeutlichen, wie herrlich Gott im
 Verborgenen wirkt. Das Wort zeigt aber auch den Gegensatz zwischen dem am
 Anfang noch kleinen, unscheinbaren Gottesreich und der Herrlichkeit am
 Ende aller Tage. Alles, was wir für diese Herrlichkeit tun können, ist,
 das Wort Gottes mit Wort und Tat zu bezeugen.
 Doch auf Grund der Tatsache, daß vom Reich Gottes auf Erden, im Gegensatz
 zu anderen Herrlichkeiten, wenig zu sehen ist, beginnen viele Christen, an
 der Wirklichkeit Gottes zu zweifeln und verleugnen ihn sogar. Manche
 Menschen gehen deshalb den bequemeren Weg und genießen das Leben auf ihre
 Weise. Doch das kleine Senfkorn des Reiches Gottes läßt nicht ahnen, daß
 ein so großer Baum aus ihm erwächst, und deshalb werden alle die
 überrascht sein, die der Verheißung des kommenden Gottesreiches nicht
 trauten, sondern sie für bloße Worte und Vertröstungen hielten. Denn was
 mit Jesus Christus begann, setzt sich in seinen Gemeinden - oft ganz
 verborgen - fort: Ein einziges Wort kann einem Menschen aus Angst und
 Verzweiflung, aus Sünde und Schuld heraushelfen und ihn in die Nähe Gottes
 mitten in allem Dunkel seines Leidens gewiß machen. Wo Gott am Werke ist,
 da wird das Kleinste überraschend groß! Wir erkennen, alles was das
 Gleichnis vom Senfkorn lehren will, ist, den Glauben an Gottes Macht und
 Überlegenheit in uns zu wecken, daß wir trotz Hoffnungslosigkeit und
 Angst, die heute so viele umtreibt, auf Gottes Sieg hoffen können - im
 persönlichen Bereich und in der Welt.@{b}
 HERR, ICH BITTE DICH: MACHE DEIN WORT IN UNS GROß UND GEBRAUCHE UNS ALS
 DEINE WERKZEUGE. DEIN REICH KOMME.@{ub}                   Jörg Schaller
                                                  Schiller-Gymnasium Hof

@ENDNODE
@NODE "Markus 4g" "Markus 4,35-41"
@{i}                     Markus 4,35-41@{ui}
@{b}                   In Christus geborgen@{ub}
 Die meisten von uns sind keine Seeleute, doch können wir uns sicher
 vorstellen, welche Angst ein Sturm auf hoher See bei den Betroffenen
 auslösen kann. Jesu Jünger waren Fischer und kannten ihren See; doch
 diesmal sind sie mit ihrer Kunst am Ende. Sie bangen um ihr Leben:
 "Meister, fragst du nichts danach, daß wir verderben?" Gleicht nicht auch
 unser Leben manchmal einer Fahrt auf stürmischer See? Die hohen Wellen der
 Versuchung drohen uns oft in den Abgrund zu reißen. Wird nicht unser
 Glaube immer wieder auf die Probe gestellt?
 "Meister, fragst du nichts danach, daß wir verderben?" Die Jünger wenden
 sich in ihrer Not an ihren Herrn und erfahren durch ihn Hilfe. Doch Jesu
 Frage erstaunt sie. "Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr denn keinen
 Glauben?" Damit will er ihnen sagen: Glauben heißt, in allen Gefahren und
 Ängsten, in jeder Lebenssituation auf Gottes Macht vertrauen. Glauben
 heißt, in Jesus Christus geborgen sein, auch im Angesicht des Todes. Er
 ist immer mitten unter uns. Wer mit Jesus in einem Boot sitzt, kann alle
 Stürme des Lebens ohne Angst bestehen. In seiner Liebe sind wir geborgen
 an jedem neuen Tag. Und ist das nicht eine Glaubenshilfe, in all der
 Unruhe unserer Tage zu wissen, daß er bei uns ist am "Abend und am Morgen
 und ganz gewiß an jedem neuen Tag"? "Wer ist der? Selbst Wind und Meer
 sind ihm gehorsam!" So fragen die Jünger. Und die Antwort ist: Er ist
 unser Herr. Seine Nähe ist das Allerwichtigste, was wir in unserem Leben
 brauchen.@{b}
 HERR, WIR HABEN ANGST VOR DEM MORGEN, WEIL WIR NICHT WISSEN, WAS UNS DER
 NEUE TAG BRINGEN WIRD. DU, HERR, ABER NIMMST UNS DIE ANGST UND SCHENKST
 UNS IMMER WIEDER NEUEN MUT ZUM LEBEN. WIR DANKEN DIR, DAß DU BEI UNS BIST.
 AMEN
                        Von guten Mächten@{ub}
                Von guten Mächten treu und still umgeben,
                behütet und getröstet wunderbar,
                so will ich diese Tage mit euch leben
                und mit euch gehen in ein neues Jahr.

                Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
                so laß uns hören jenen vollen Klang
                der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
                all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

                Von guten Mächten wunderbar geborgen,
                erwarten wir getrost, was kommen mag.
                Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
                und ganz gewiß an jedem neuen Tag.
                @{i}  Dietrich Bonhoeffer 1944@{ui}


@{i}                     Markus 4,35-41@{ui}
@{b} Meister, fragst du nichts danach, daß wir umkommen?@{ub}
 Markus 4,38 (LB)
 Menschen zweifeln an Gott. Sie zweifeln, weil sie Angst haben, weil sie
 die Situation nicht mehr beherrschen, weil sie die Folgen nicht mehr
 abschätzen und kontrollieren können, weil sie an ihrem irdischen Leben
 hängen. Aus menschlicher Sicht ist das Verhalten der Jünger daher
 verständlich, ja sogar vernünftig. Sie wissen, daß nur Jesus sie aus
 dieser lebensbedrohenden Situation befreien kann. Doch dieser Jesus
 enttäuscht ihre Erwartungen: Im größten Tohuwabohu von brausenden Stürmen
 und alles verschlingenden Wogen legt er sich in die hinterste Ecke und tut
 so,  als ginge ihn das alles nichts an.
 Lieber Leser, würden Sie nicht auch so reagieren wie diese hilflosen
 Menschen? Würden Sie Jesus nicht auch fragen: "Sind wir dir denn egal?"
 Jesus läßt uns natürlich nicht im Stich. Er handelt sofort. Aber er
 verbirgt auch seinen Unmut über solche "persönlichen" Angriffe nicht: "Was
 seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?" Diese Frage gilt
 nach fast zweitausend Jahren auch für uns, die Christen eines Zeitalters,
 in dem der Glaube "ratio"nalisiert und die Wissenschaften geheiligt
 werden. Haben wir wirklich den Glauben, den Jesus von uns fordert? Stehen
 wir in den Stürmen unserer Umwelt, am Arbeitsplatz, in der Schule, in der
 Familie, wirklich sicher, weil wir auf Gottes Versprechen vertrauen? Wir
 brauchen uns nur daran festzuhalten, daß Gott uns auch in der größten Not
 trägt.@{b}
 HERR, DU WILLST UNS TRAGEN AUCH UND GERADE IN DER GRÖßTEN ANFECHTUNG. GIB
 UNS DIE KRAFT, AUF DICH ZU VERTRAUEN, GIB UNS DEN MUT, DIR ZU FOLGEN, GIB
 UNS LIEBE, DAMIT DIE WUNDER DEINER LIEBE IN UNS WEITERWIRKEN. AMEN@{ub}
                                                  Hans-Christian Glas
                                               Schiller-Gymnasium Hof

@ENDNODE
@NODE "Markus 5a" "Markus 5,1-20"
@{i}                     Markus 5,1-20@{ui}
@{b}                   Vertrauen und Liebe@{ub}
Dieser Bericht gibt uns Rätsel auf. Er spiegelt Vorstellungen wider, die
 uns zuerst fremd sind. Aber dahinter steht doch die Realität, die wir
 kennen. Da ist ein kranker Mann, von Tobsucht geplagt, bei dem alles außer
 Kontrolle geraten ist. Da ist eine Umwelt, die nur eine Behandlung kennt,
 um sich vor solchen gefährlichen, unberechenbaren Menschen zu schützen:
 Fesseln, Ketten, Ausstoßung. Doch da ist Jesus. Der Kranke spürt: der
 fürchtet mich nicht, der haßt und quält mich nicht, der wird mich nicht
 prügeln, der ist anders als alle. Als Jesus ihn noch nach seinem Namen
 fragt, spürt er dessen Zuwendung und kann antworten. Wie in anderen
 Heilungsberichten bedient sich Jesus auch hier der damals üblichen
 medizinischen Methode der Austreibung. Denn Jesus unterscheidet sich von
 seinen Zeitgenossen nicht durch sein Weltbild, sondern durch sein
 Gottesverhältnis: Das unbedingte Vertrauen zu Gott, das er als heilende
 Kraft weitergibt, und die grenzenlose Liebe zu den Menschen, die ihn das
 jeweils Notwendige sehen und tun läßt. Er läßt den niemals Ernstgenommenen
 sich aussprechen: Eine Legion Teufel rast in mir. Und er läßt den physisch
 und psychisch Gebundenen sich austoben: im Heidenland an einer
 Schweineherde. Er sollte seine Befreiung, seine Heilung nicht nur gesagt
 bekommen, sondern direkt an sich erfahren: Jetzt ist all das Schreckliche
 draußen. Wie Tränen befreiend sein können, so kann auch ein Heraus-
 Schreien zur Befreiung führen. Vielleicht verstehen wir so diesen
 schwierigen Abschnitt und finden damit einen Zugang zu gestörten oder
 schwermütigen Menschen.@{b}
 WIR DANKEN DIR, HERR, DAß DU AN KEINER NOT VORÜBERGEGANGEN BIST UND DICH
 JEDES MENSCHEN ANGENOMMEN HAST. GIB AUCH UNS FÜREINANDER DEN BLICK DER
 LIEBE, DAS RECHTE WORT, DIE HELFENDE TAT, DAMIT VIELE DICH LOBEN KÖNNEN.
 AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 5,1-20@{ui}
@{b} Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion
 Dämonen besessen gewesen war. Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu
 verlassen@{ub}  Markus 5,15a (EÜ)
 Die Geschichte von der Heilung des Besessenen findet sich auch im
 Matthäus- und Lukasevangelium (Matthäus 8,28-34; Lukas 8,26-39).
 Bei Matthäus steht:"Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn
 trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen", und bei Lukas heißt es
 gar:"...alle, die im Gebiet von Gerasa wohnten".
 Warum fürchten sich die Menschen vor dem Guten? Warum verstecken sie sich?
 Der Mensch möchte keine Störungen und Eingriffe in seinem geregelten
 Lebensablauf - nicht einmal gute!
 Wenn ein Kind zum ersten Mal in die Schule kommt, dann fürchtet es sich
 vielleicht, weil ihm alles fremd ist - aber warum haben wir eine so große
 Angst, daß wir Gott aus unserem leben aussperren wollen? Er will uns nicht
 fremd sein, er ist einer von uns, ein Mensch geworden - für uns!
 Warum also wollen wir uns dem Guten so verschließen? Warum erkennen wir
 das Heil nicht, das in Jesus froher Botschaft steckt? Und - selbst wenn
 wir es entdecken - warum leben wir nicht danach? Selbst wenn wir Jesus
 nicht aus unserem Leben hinausweisen wie die Leute damals in Gerasa - der
 Teil, den wir ihm zugestehen, ist klein genug.@{b}
 LIEBER VATER, GIB UNS DIE KRAFT, DICH ANZUNEHMEN UND UNSER LEBEN NACH
 DEINEM WILLEN ZU GESTALTEN - NICHT NACH DEN ERWARTUNGEN UNSERER
 MITMENSCHEN. SEGNE UNS MIT DEINEM FRIEDEN. AMEN@{ub}
                                                      Klaus Dolling
                                             Schiller-Gymnasium Hof

@ENDNODE
@NODE "Markus 5b" "Markus 5,21-24a"
@{i}                    Markus 5,21-24a@{ui}
@{b}                 Ein Kronzeuge für Jesus@{ub}
 Das Evangelium liest sich wie ein spannendes Buch. Ein Ereignis löst das
 andere ab, jede neue Situation bewegt, ja erregt. Wir haben den Eindruck,
 als ob alle nur denkbare menschliche Not zu Jesus gebracht wird, als ob
 alles Elend sich vor ihm konzentriert. Es wird Jarius sicher nicht leicht
 gewesen sein, mit der Menge auf Jesus zu warten. Schließlich wußte er als
 einer der Vorsteher der Synagoge, daß die Pharisäer von Jesus nichts
 hielten und ihn umbringen wollten. Doch die Sorge um seine todkranke
 Tochter treibt ihn zu Jesus. Vertrauen und Hoffnung auf Hilfe sind größer
 als die Furcht vor den Juden. Ohne zu zögern, geht Jesus mit ihm in sein
 Haus. Dem Evangelisten ist es wichtig, daß hier ein Name genannt wird.
 Denn das bedeutet für die Hörer und Leser: Dieser Bericht ist gewiß
 nachprüfbar, Jairus ist ein wohlbekannter Name, da kann nichts übertrieben
 oder aufgebauscht sein, das ist echt. Von daher bekommt alles noch mehr
 Gewicht: daß er Jesus zu Füßen fällt und ihm damit alle Ehrerbietung
 erweist; daß er ihn inständig bittet und darin seine ganze Hoffnung
 ausdrückt; daß er von der Handauflegung Jesu Gesundheit und Leben für
 seine Tochter erwartet und damit sein grenzenloses Vertrauen zu Jesus
 bezeugt. So wird Jarius für uns zu einem Kronzeugen der Vollmacht Jesu und
 seiner Ausstrahlungskraft. Wir alle kennen Situationen der Bedrängnis in
 leiblicher oder seelischer Not und Stunde, in denen wir um geliebtes Leben
 bangen. Da stärkt uns ein solches Beispiel, daß wir alle unsere Sorge
 vertrauensvoll in Jesu Hände legen!@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS! WIR SEHEN AUF DAS BEISPIEL DIESES VATERS UND FREUEN
 UNS SEINES GRENZENLOSEN VERTRAUENS ZU DIR. WIR BITTEN DICH, LAß AUCH UNS
 IN ZEITEN VON SORGEN UND ANFECHTUNGEN DEINER GEGENWART GEWIß SEIN. AMEN
@{ub}


@{i}                     Markus 5,21-24a@{ui}
@{b} Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf ... Da
 ging Jesus mit ihm.@{ub}  Markus 5,23-24a (EÜ)
 Wir erleben Jesus in freier Landschaft. Wir sehen ihn auf einem Boot vom
 nordöstlichen Ufer des See Genezareth herankommen aus dem fast heidnischen
 Gebiet der Zehn-Städte. Wir sind in der Nähe von Kafernaum, wahrscheinlich
 an einer öffentlichen Anlegestelle für (Linien-)Boote. Ein begehrter Platz
 für alle, die andere treffen wollen, neuerdings auch den Wanderrabbi aus
 Nazareth, der mittlerweile nach Kafernaum umgezogen ist. "Eine große
 Menschenmenge versammelte sich um ihn"(Vers 21). Man kann sich ganz
 unauffällig dazu gesellen. er gibt sich unkompliziert, läßt sich
 ansprechen, wendet sich jedem zu und geht auf ihn ein. Er hat die
 Fähigkeit, auch seine Augen sprechen zu lassen und mit ihnen die Wärme und
 den Glanz seiner Worte zu verstärken. Er erweckt den Eindruck, daß er Zeit
 hat und bereit ist; er bleibt lange am See. Es ist erstaunlich, wie Welt
 und Umwelt in seinen Worten lebendig werden, wie sie zu Boten über den
 Vater im Himmel und über das Reich Gottes werden. Es ist ein Genuß, so
 mit ihm am See zu bleiben. Es ist angebracht, sich Zeit zu gönnen, um über
 dieses Sprechen und Plaudern mit Jesus nachzudenken. Plötzlich kommt
 Bewegung in die ruhige Szene. Man sieht einen Mann herbeieilen. Markus
 kennt seinen Namen und Stand, andere wahrscheinlich auch:
 Synagogenvorsteher Jairus. Er macht sich große Sorgen um seine Tochter. Er
 geht ohne Umstände auf Jesus zu, fällt ihm zu Füßen, platzt heraus:"Meine
 Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf." Jesus geht mit.
 Und jetzt haben wir Aussicht, Jesus anders zu erleben!@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, SCHAU MICH AN MIT DEINEN AUGEN. ICH MÖCHTE DICH NICHT
 AUS DEN AUGEN VERLIEREN. ICH BEKENNE, DAß ICH MICH VON DIR BESCHENKEN
 LASSEN MUß, WENN ICH FÄHIG UND BEREIT SEIN SOLL, DIR NACHZUFOLGEN. HILF
 MIR, DARAUF ZU VERTRAUEN, DAß DU MICH IMMER ANSCHAUST. LAß MICH DEINE WEGE
 MIT DIR GEHEN. AMEN@{ub}                            Dieter Westemeyer



@ENDNODE
@NODE "Markus 5c" "Markus 5,24b-34"
@{i}                     Markus 5,24b-34@{ui}
@{b}                Ob laut oder leise: Jesus hört!@{ub}
 Kaum wendet sich Jesus der Angst des Jairus um seine Tochter zu, gibt es
 eine Unterbrechung. Eine seit Jahren an Blutungen leidende Frau drängt
 sich in der Menge an ihn. Wieviel Scheu muß sie überwinden, um sich Jesus
 zu nähern. Sie wagt auch gar nicht, ihn anzureden, das verwehrt ihr die
 herrschende Sitte. Dich ihr Vertrauen zu Jesus übersteigt diese Schranken.
 Sicher wirken auch magische Vorstellungen bei ihr mit. Aber ihr Glaube an
 Jesus ist doch die auslösende Kraft für ihren Mut, sein Kleid zu berühren.
 Damit sind wir bei dem uraltem Thema "Glaube und Heilung". Für Jesus
 spielt es offensichtlich keine Rolle, ob sich ein Glaubender mit einer
 direkten Bitte an ihn wendet und daraufhin die erlösende Antwort erhält
 oder ob sich eine stille Heilung wortlos vollzieht. Ob laut oder leise,
 entscheidend ist das Vertrauen zu Jesus:"Du hasts in Händen, kannst alles
 wenden, wie auch heißen mag die Not." Solch Vertrauen verbindet Arzt und
 Patient, den Kranken und seinen Helfer. Da können heilende Kräfte
 überfließen. Das erfährt die Frau an sich, und das spürt Jesus. Den
 herumstehenden Jüngern bleibt dieses Geschehen verborgen, es ist eben
 nicht spektakulär. Nun sind alle Schranken niedergelegt, und sie kann
 Jesus die volle Wahrheit sagen, wie krank sie war und wie sich ihre ganze
 Hoffnung auf ihn richtete. Jesus aber nimmt ihr die letzte Bangigkeit: Sie
 ist und bleibt gesund. Wer aus dem Vertrauen zu Jesus lebt, wird "zeitlich
 und ewig gesund". Haben wir solches Vertrauen?@{b}
 LIEBER HERR, VIELE MENSCHEN HABEN DIR IHRE NÖTE ANVERTRAUT UND DABEI
 STÄRKUNG UND FRIEDEN GEFUNDEN. ÜBERWINDE IN UNS ZWEIFEL UND SCHEU UND
 SCHENKE UNS IN ÄRZTEN UND SEELSORGERN MENSCHEN DES VERTRAUENS. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 5,24b-34@{ui}
@{b} Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.@{ub}
 Markus 5,28 (EÜ)
 Es werden nicht viele Menschen am See geblieben sein, als Jesus mit Jairus
 zur sterbenden Tochter aufbricht. Was da zu erwarten ist, will sich
 niemand entgehen lassen. Dafür nimmt man auch den Staub der Straße in
 Kauf. Einige gehen auf Distanz mit, andere drängen um so mehr in Jesu
 Nähe, vor allem jene, die jedes seiner Worte auffangen wollen. Am
 interessantesten ist die Frau, die binnen kurzem alle Aufmerksamkeit auf
 sich zieht. Der einen oder anderen Freundin wird sie im Vertrauen vorher
 gesagt haben:"Wenn ich nur seine Gewand berühren kann, das genügt mir!"
 Und so sieht man sie auf dem Wege -immer in der Nähe Jesu- mehrmals den
 Platz wechseln, bis sie die Chance bekommt und Jesu Gewand berühren kann.
 Es lohnt sich, mit dieser Frau zu beschäftigen, mit ihren Ängsten,
 peinlichen Leiden, verwegenen Wutausbrüchen. Während die anderen
 dahintrotten, ist sie entschlossen zu handeln, so dezent wie möglich, aber
 ohne Rücksicht auf eine etwaige Bloßstellung! Jesus ist ihre einzige
 Hoffnung! Wie komme ich zu einer solchen Gelegenheit? Muß ich selbst in
 Not geraten, um ähnlich zu empfinden? Die nun folgende Szene muß man
 verkosten: Die Frau hat das Gefühl, aus Scham wie eine Diebin zu handeln.
 Sie hofft, von Jesus Heil zu erfahren, ohne ihm unter die Augen zu treten,
 ohne seine Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Und jetzt steht sie vor
 ihm, ungeschützt, "zitternd vor Furcht"(Vers 33). Sie erzählt ungehemmt
 "die ganze Wahrheit"(Vers 33). welch eindrucksvolle Begegnung!
 Unvergeßlich die Antwort Jesu:"Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden
 geheilt sein"(Vers 34).@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, AUCH IN UNSERER ZEIT GIBT ES VIELE MENSCHEN, DIE SICH
 IHRER LEIDEN UND NOT SCHÄMEN. DIESE VERSCHÄMTEN KRANKEN UND ARMEN WERDEN
 ALLZU LEICHT AUCH VON UNS CHRISTEN AN DEN RAND GEDRÄNGT. WIR BITTEN DICH
 UM MEHR SENSIBILITÄT UND FEINFÜHLIGKEIT FÜR MENSCHEN, DIE UNSERE HILFE
 BRAUCHEN. AMEN@{ub}                               Dietmar Westemeyer

@ENDNODE
@NODE "Markus 5d" "Markus 5,35-43"
@{i}                     Markus 5,35-43@{ui}
@{b}                Fürchte dich nicht, glaube nur!@{ub}
 Jairus kam mit einem großen Glauben zu Jesus, als er ihn um Hilfe für sein
 todkrankes Kind bat. In diesem Glauben wurde er noch gestärkt, als
 Augenzeuge der Heilung, die der kranken, blutflüssigen Frau widerfuhr.
 Aber gerade in diesem Augenblick hört er, daß sein Kind gestorben ist. Die
 Überbringer der Nachricht aus seinem Haus fordern ihn auf, Jesus nun nicht
 weiter zu bemühen. Nun ist doch alle Hilfe zu spät; nun kann auch Jesus
 nichts mehr tun. Jairus steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Entweder
 er läßt nun Jesus gehen und gibt damit zu: Hier ist auch Jesu Macht zu
 Ende, oder aber sein Glaube kommt zur vollen Erkenntnis des Herrn, an den
 er sich um Hilfe gewandt hatte. In dieser Lage trifft ihn das kurze,
 gleichsam befehlende Wort Jesu:"Fürchte dich nicht, glaube nur!" Das ist
 ein Wort, das nach der Überlieferung der heiligen Schriften immer Anrede
 Gottes an den Menschen ist. Jairus, in der Schrift wohl zu Hause, weiß das
 genau. Gott allein kann vollmächtig die Furcht verbieten, weil seine Macht
 und Hilfe größer ist als alle Gegenstände der Furcht. Nun aber spricht
 Jesus das mächtig:"Fürchte dich nicht!" Damit steht er vor Jairus als der
 Gesandte des gegenwärtigen lebendigen und helfenden Gottes. Wird Jairus
 aus Jesu Wort heraushören, wer zu ihm spricht? Wird er ihm Glauben
 schenken? Er erfaßt glaubend in Jesus die Gotteshilfe in Person, indem er
 mit Jesus in seine Haus geht. Dort darf er erfahren: der zu ihm sprach
 "Fürchte dich nicht!", kann auch in Vollmacht zu dem toten Kinde
 sprechen:"Stehe auf!" Dieser Herr darf unseren Glauben erwarten und uns
 auffordern:"Fürchte dich nicht, glaube nur!"@{b}
 HERR, LEHRE UNS GLAUBEN, WENN NOT UND TOD UNS ÜBERFALLEN. HILF UNS DANN,
 DIE FURCHT DURCH DEN GLAUBEN ZU ÜBERWINDEN, DAß DU STÄRKER BIST ALS SELBST
 DER TOD. MACHE UNS GEWIß, DAß DU EINST AUFERWECKEN WIRST ZUM EWIGEN LEBEN.
 AMEN@{ub}


@{i}                       Markus 5,35-43@{ui}
@{b} Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft
 nur.@{ub}  Markus 5,39 (EÜ)
 Nach dem tröstlichen Gespräch Jesu mit der geheilten Frau auf dem Weg
 folgt der Zug hochgestimmt wieder der Führung des Jairus. Dahinein platzt
 die Nachricht:"Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister
 noch länger?"(Vers 35) Das klingt fast wie eine Aufforderung an Jairus,
 schon auf dem Wege mit dem Klagen zu beginnen. Jesus wehrt ab:"Sei ohne
 Furcht; glaube nur!"(Vers 36) Jesus ist ja nicht ohne eine besondere
 Absicht mitgezogen. Er hat für das Schicksal der Menschen eine neue Sicht,
 eine neue Zukunft, eine neue Botschaft: zunächst für die Tochter, die als
 tot beweint wird, aber auch für alle, die an ihn glauben. Der Tod ist
 nicht (mehr) ein rein biologisches und physiologisches Geschehen. In Jesu
 Sicht (eher und auch) ein Vorgang am Lebendigen, dem Schlaf ähnlich. Ein
 Schlafender reagiert auf den Weckruf, wie Jesus ihn schon bald auch an
 sich erfahren wird. Für die Menschen im Trauerhaus etwas noch Unbekanntes.
 Es ist darum nicht verwunderlich, daß sie lachen, als Jesus sagt:"Es
 schläft nur", und noch drastischer:"Warum schreit und weint ihr?" Für
 Jesus ist eine große Stunde angebrochen. Er setzt sich vom Zug ab, nimmt
 die Eltern des Kindes und als Zeugen seines in die Zukunft weisenden Tuns
 Petrus, Jakobus und Johannes mit, tritt in den Raum ein, in den das Kind
 liegt, faßt das Kind an der Hand und sagt zu ihm:"Talita kum!", das heißt
 übersetzt: Mädchen, ich sage dir steh auf! "Sofort stand das Mädchen auf
 und ging umher"(Vers 41-42). Für Jesus ist nichts einfacher als diese Tat.
 Für die Anwesenden scheint eine Welt einzustürzen. Sie sind entsetzt. In
 Wirklichkeit ist etwas ganz Neues im Anzug: die Welt der Auferstehung!@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, AUCH WIR ERZITTERN BEI JEDER GEGENÜBERSTELLUNG MIT
 DEM TOD. ÖFFNE DU IN UNSEREN HERZEN EIN LEBENDIGES WISSEN, DAß IM TOD DAS
 LEBEN AUFBRICHT, DAS SCHON IN UNS BEGONNEN HAT, SICH ABER DURCH DEINEN
 ANRUF IM TOD KRAFTVOLL ENTFALTEN. AMEN@{ub}          Dietmar Westemeyer

@ENDNODE
@NODE "Markus 6a" "Markus 6,1-6"
@{i}                     Markus 6,1-6@{ui}
@{b}                  Verpaßte Gelegenheit@{ub}
 "Ein Prophet gilt nichts in seinem Vaterland" - dieser Ausspruch ist zum
 Sprichwort geworden. Eine Erfahrung wird hier ausgesprochen, die manchem
 bekannt sein wird. Wir verpassen hin und wieder eine wertvolle
 Freundschaft oder ein gutes Gespräch, weil wir auf unserer vorgefaßten
 Meinung über den anderen beharren und deshalb nichts Neues von ihm
 erwarten. Die Leute von Nazareth hatten noch mehr verpaßt. Generation um
 Generation wurde in ihrer Synagoge von dem Messias gepredigt, den man
 inbrünstig erwartete. Nun sprach er selbst zu ihnen - aber er war ihnen
 von Kindheit an vertraut. Zwar fällt selbst den Voreingenommenen auf:
 Reden kann er; das muß man ihm lassen. Was er sagt, beeindruckt. Aber
 dieser Eindruck genügt eben nicht, um zu erkennen, daß Jesus mehr als nur
 ein Naturtalent ist. Kleinlicher Neid und überholte Vertraulichkeit trüben
 den Blick. Der verborgene Gott, der so fern ist, sollte sich gerade in
 Jesus offenbaren, der so nahe bei ihnen ist? Einer aus ihrer Mitte sollte
 es sein, den Gott mit Weisheit und Vollmacht ausgezeichnet hat? Und sie
 ärgern sich und verweigern ihm das Vertrauen. So müssen sie weiterhin
 vergeblich auf eine bessere Zeit durch Gott warten und können nicht
 gesunden, weil sie ihre Gelegenheit zum heilenden Glauben verpaßt haben.
 Auch wir Christen, die wir mit Jesus auf du und du stehen, könnten unsere
 Gelegenheit verpassen, nur weil wir alles schon über ihn zu wissen meinen.
 Sein Wort aber will uns bis ins Innerste treffen, damit wir gesunden und
 alles lassen, was uns von Jesus trennt.@{b}
 UNSER HERR JESUS CHRISTUS, WIR MERKEN NICHT IMMER, WIE VOREINGENOMMEN WIR
 SIND - GEGEN MENSCHEN, ABER AUCH DIR GEGENÜBER. GIB UNS DEN RECHTEN BLICK
 UND DAS OFFENE OHR FÜR DICH UND DEIN WORT. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 6,1-6@{ui}
@{b} Von dort ... kam Jesus in seine Heimatstadt ... Und sie nahmen Anstoß
 an ihm und lehnten ihn ab.@{ub}  Markus 6,1.3 (EÜ)
 Romano Guardini hat vor circa 50 Jahren in seinem Buch "Der Herr" dem
 Begriff "Ärgernis der Nähe" besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Er
 versucht damit zu beschreiben, was in einem Menschen vor sich geht, der
 einen anderen Menschen genauestens zu kennen meint und ihn nun - wider
 Erwarten - anders erlebt, ganz anders.
 Für die meisten Leser wird es ein Leichtes sein, sich im Anschluß an die
 Angaben von Vers 3 die ehemals engen Kontakte zwischen Jesus und seinen
 Landsleuten Konkret vorzustellen. Es drängt sich die Frage auf, wie für
 sie diese Erfahrungen aus dem Umgang mit Jesus zu dem passen, was sie von
 überall her über Jesus hören. Sie sind einerseits gespannt auf sein
 Kommen, andererseits fürchten sie sich davor. Und muß man, wenn man Markus
 3,20f. und 3,31-35 aufmerksam liest, nicht damit rechnen, daß es Menschen
 gibt, die gegen Jesus hetzen? Wie mag es den einen oder anderen aufreizen,
 daß Jesus nicht allein kommt, sondern daß 12 junge Männer ihn begleiten?
 Als Jesus am Sabbat dann das Wort ergreift (er "lehrte") wie ein
 ausgebildeter Lehrer und Wortgewandter Redner, staunt man zuerst. Aber
 schon bald mischt sich in dieses Staunen ein Fragen: Woher hat er das?
 Ihre Haltung wandelt sich schnell. Sie lehnen ihn ab. Diese Haltung macht
 Jesus "ohnmächtig" für Wunder. "Nur" einigen Kranken legt er die Hände
 auf. Auch die Zugehörigkeit Jesu zu Nazareth macht aus Nazareth keine
 Insel des Himmels und kein Daheim besonderer Art. Nazareth ist gefährdeter
 im Glauben als mancher andere Ort. Die Begegnung mit seinen Landsleuten
 hindert ihn nicht, ungebrochen seinen Weg weiterzuziehen durch die
 benachbarten Dörfer.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WAS DIR IN DEINER HEIMAT WIDERFAHREN IST, WIEDERHOLT
 SICH IM UMGANG DER MENSCHEN MIT DEINEM WORT IMMER NOCH, AUCH HEUTE, IN
 UNTERSCHIEDLICHER TIEFE UND HÄRTE. HILF UNS, DIE WIR IN DEINER KIRCHE DIR
 NAHE SIND, DAß WIR NICHT AUF DISTANZ GEHEN. AMEN@{ub}  Dietmar Westemeyer

@ENDNODE
@NODE "Markus 6b" "Markus 6,7-13"
@{i}                    Markus 6,7-13@{ui}
@{b}                   Keine Garantie@{ub}
 Versicherungen abzuschließen, um sich gegen die mannigfaltigen
 Wechselfälle des Lebens abzusichern, das gehört zu den Normalitäten
 heutigen Lebens. Sich Vorräte und Ersatzteillager anzulegen, ebenfalls. Es
 ist ein gutes Gefühl, sich so sicher wie möglich zu wissen. Für das Reich
 Gottes allerdings taugen diese menschlichen Sicherheiten nicht. Jesus hat
 für die Seinen außergewöhnliche Aufgaben. Wie er, sollen sie Umkehr
 predigen und heilen. Sie sind jetzt seine Füße, die seine Botschaft
 weitertragen. Sie sind sein Mund, der Worte der Ermutigung spricht und die
 bösen Geister beim Namen nennt. Und sie sind seine Hände, die segnen und
 heilen. So vervielfältigt sich Wort und Tat Jesu. Und dafür rüstet er
 seine Jünger aus. Er bevollmächtigt sie, sein Werk in seinem Geist und in
 seiner Kraft fortzusetzen. Aber er gibt ihnen keine Garantie, daß sie
 überall willkommen sind. Sie sollen außerdem auf jede Absicherung
 verzichten: ohne Geld, ohne Mundvorrat, ohne Ersatzkleidung und ohne
 Vorratstaschen sollen sie losziehen. Gott wird ihnen geben, was sie
 brauchen. Wird Gott geben? Wirklich? Es bleibt den Seinen nichts anderes
 übrig, als es auszuprobieren - allerdings nicht im Alleingang sondern
 einer mit dem anderen. Zu zweit geht es sich besser. Das Beste, was sie
 unterwegs erfahren, ist wohl das: Ihre Nähe macht gesund; Kraft geht von
 ihnen auf andere über, weil durch sie Jesus handelt. Wir, die Seinen,
 sollen uns keinem aufdrängen, aber wir sollen unbedingt Gottes
 Möglichkeiten wahrnehmen. Es liegt nicht nur an den anderen, wenn sie uns
 nicht wollen. Es könnte auch unsere selbstsichere Art sein, die sie
 hindert, Jesu Kraft zu spüren.@{b}
 MEIN HERR, WIE GERN WÄRE ICH EIN MENSCH, DER DEM ANDEREN WOHLTUT. ABER
 MANCHMAL IST DAS UNERTRÄGLICH SCHWER. LAß MICH IN DEINEM GEISTE HANDELN!
 AMEN
                         Wußten Sie schon@{ub}
         daß die Nähe eines Menschen
         gesund machen/krank machen/tot und lebendig machen kann?

                         Wußten Sie schon?
         daß die Nähe eines Menschen
         gut machen/böse machen/traurig und froh machen kann?

                         Wußten Sie schon?
         daß das Wegbleiben eines Menschen/sterben lassen kann/
         daß das Kommen eines Menschen/wieder leben läßt?

                         Wußten Sie schon?
         daß das Anhören eines Menschen/Wunder wirkt?
         daß Wohlwollen Zinsen trägt?
         daß ein Vorschuß an Vertrauen/hundertfach auf uns zurückkommt?

                         Wußten Sie das alles schon?
                             @{i}Wilhelm Willms


                             Markus 6,7-13@{ui}
@{b} Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.
@{ub}   Markus 6,7 (EÜ)
 Der Evangelist Markus hat im dritten Kapitel (Vers 13-19) davon berichtet,
 wie Jesus aus den vielen Jüngern zwölf einsetzte. "die er bei sich haben
 und die er dann aussenden wollte, damit sie predigen"(Vers 14). In diesem
 Satz sind die zwei Aufgaben beschrieben, die sich Jesus für sein
 Zusammenleben mit den Zwölfen und für die Zurüstung der Apostel zur
 Aussendung vorgenommen hat. In dem Abschnitt, den wir jetzt betrachten,
 erleben wir mit, was Jesus tut, um die Zwölf auszusenden und sie mit dem
 rechten Bewußtsein für diese Aussendung zu erfüllen. Man nehme es so
 konkret wie möglich, daß er sie zu sich ruft: so nahe wie möglich an sich
 heran, so dicht wie möglich zueinander. er wird vieles zu erzählen haben.
 er wird mit ihnen die Schrift besprechen. Er wird mit ihnen beten. Er wird
 ihnen von seinem Geist mitgeben, namentlich die Vollmacht gegen die
 unreinen Geister. Vielleicht haben die Christen sich zeitweise abgewöhnt,
 ernsthaft von Dämonen zu reden. Aber sie sind noch immer in der Welt unter
 austauschbaren Masken. Dann spricht Jesus mit ihnen über Kleidung: so
 wenig wie möglich, keine Vorratstasche, keine Nahrungsvorräte, kein Geld,
 aber um so mehr Gottvertrauen und Vertrauen auf die Menschen, zu denen sie
 kommen. Gastfreundschaft annehmen und im Quartier bleiben. Keine Zeit
 verlieren durch Wechsel. Wenn die Gastfreundschaft verweigert wird, dann
 weiterziehen und den Staub von den Füßen schütteln. Die zwölf brechen
 mutig auf, mit Jesu Segen. Umkehr, so heißt die Botschaft. Sie gebrauchen
 Jesu Vollmacht gegen die Dämonen und finden den Zugang zu den Kranken.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU HAST DEINE ZWÖLF APOSTEL AUF GANZ BESONDERE WEISE
 IN DIE WELT GESANDT. DEINE WEISUNGEN AN SIE VERGEHEN NIE. AUCH WIR SIND
 BERUFEN, IN UNSERER ZEIT UND WELT VON DEINEM EVANGELIUM ZEUGNIS ZU GEBEN.
 GIB UNS GEIST UND MUT, KRAFT UND AUSDAUER. AMEN@{ub}
                                                     Dietmar Westermeyer


@ENDNODE
@NODE "Markus 6c" "Markus 6,14-29"
@{i}                     Markus 6,14-29@{ui}
@{b}                Ein tödliches Versprechen@{ub}
 "Was man verspricht, da muß man auch halten." Das ist eine gute Regel. Das
 Leben aber ist verwickelter, als daß es sich in Regeln fassen ließe. Unser
 Andachtstext ist ein Beispiel dafür. König Herodes war vom Schautanz
 seiner Stieftochter fasziniert. In seiner Begeisterung ließ er sich zu
 einem Versprechen hinreißen, daß er auch noch mit einem Schwur bekräftigte:
 "Bitte von mir, was du willst, ich will's dir geben." Am Ende dieses so
 harmlosen, spielerischen Anfangs stand, wie wir wissen, Mord. Johannes der
 Täufer wurde enthauptet.
 Begeisterung kann unvorsichtig machen und ausgenutzt werden. Heroidas, die
 Frau des Herodes, hatte erreicht, was sie wollte: Johannes, den unbequemen
 Mahner, für immer zum Schweigen zu bringen. Und Herodes hatte, so
 scheint's, stichhaltige Gründe, sein Versprechen einzulösen: Da war der
 Schwur - auch noch vor prominenten Zeugen. Auf sein Wort mußte doch Verlaß
 sein, gleich, ob es das Leben koste. Doch das wichtigste Argument hatte er
 dabei übersehen. Es gibt noch ein anderes Wort, und das steht über jedem
 Menschenwort und über jedem Schwur: das Wort Gottes. Und in diesem Fall
 lautete es schlicht:"Du sollst nicht töten." Herodes kannte wohl dieses
 Wort. Er konnte sich kaum mit Unwissenheit entschuldigen. So werden
 Menschen schuldig, obwohl sie es besser wissen müßten und besser tun
 könnten. Sind wir der Schuld anderer und unserer eigenen ausgeliefert,
 tödlich? Es wäre wohl so, wenn es Christus nicht gäbe. Aber Gott sei Dank,
 es gibt über dem allen das lebendigmachende Wort Gottes.@{b}
 UNSER GOTT, ES MACHT UNS ANGST, WIE DURCH LEICHTFERTIGKEIT UND STOLZ EINE
 LAWINE VON UNHEIL AUSGELÖST WERDEN KANN. BEWAHRE UNS VOR DER TÖDLICHEN
 VERSUCHUNG, UND LAß UNS STETS AUF DEIN WORT ACHTEN. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 6,14-29@{ui}
@{b} Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, daß du mir
 sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen läßt.@{ub}
 Markus 6,25 (EÜ)
 In den Versen 17-29 werden wir mit der ganzen Grausamkeit konfrontiert, die
 Johannes den Täufer trifft. Die Erzählung der Untat, in der nur Johannes
 genannt wird, bezieht auch Jesus mit ein. Sie wird sogar durch Jesu
 Auftreten ausgelöst. Sein machtvolles Wirken läßt die Menschen fragen, wer
 er wohl sein mag. Viele Leute werden an Johannes erinnert, auch Herodes
 meint aufgrund seines schlechten Gewissens, daß er es bei Jesus mit dem
 wiedererstandenen Johannes zu tun hat(vgl.Vers 14-16).
 Die Gestalten und Geschicke von Johannes und Jesus sind so miteinander
 verflochten, daß der Bericht vom Fest am Hofe des Herodes zugleich auf
 Jesus zu beziehen ist. Johannes ist von Herodes gefangenommen worden, weil
 er es gewagt hatte, dem König die Unrechtmäßigkeit seiner Ehe mit Herodias
 vorzuhalten. Johannes wagte die Freiheit für Gottes Gesetz. Der Herodias
 ist das Einsperren nicht genug. Sie sinnt auf Rache und will die
 Vernichtung des Johannes. Die Festgesellschaft aus Anlaß des Geburtstages
 und die gute Laune des Königs über den Tanz des Mädchens bieten die gute
 Gelegenheit, mit der Rache weiterzukommen. Sein Schwur, eine große Bitte zu
 wagen, ermutigt zu einer kühnen Forderung: Laß dir den Kopf Johannes des
 Täufers geben. Der König hatte diese Ungeheuerlichkeit nicht
 ausgeschlossen. Er wird traurig, sogar "sehr traurig"(Vers 26), aber er ist
 nicht mutig genug, diesen Wunsch vor den Gästen abzulehnen, da sie alle
 seinen Schwur gehört haben. So führt der Scharfrichter den Befehl aus. Auf
 einer Schüssel wird das Haupt hereingebracht. Damit ist auch Jesu Schicksal
 vorgezeichnet, Begräbnis und Grab eingeschlossen.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU BIST IN DIESER SZENE HINTERGRÜNDIG ANWESEND. WIR
 SEHEN IN DEINEM MÄRTYRIUM DAS GEHEIMNIS DES WEIZENKORNS AM WERKE, AUCH BEI
 JOHANNES, DEINEM VORLÄUFER IM STERBEN. DEINE HINGABE FÜR DIE VIELEN TRÖSTET
 UNS UND HILFT UNS, MIT DEM RÄTSEL DER BOSHEIT IN DIESER WELT BESSER FERTIG
 ZU WERDEN.@{ub}                                       Dieter Westemeyer

@ENDNODE
@NODE "Markus 6d" "Markus 6,30-44"
@{i}                     Markus 6,30-44@{ui}
@{b}                  Der Herr ist mein Hirte@{ub}
 "Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst
 annehmen... Und ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken... Der wird
 sie weiden und soll ihr Hirte sein... Und sie sollen erfahren, daß ich, der
 Herr, ihr Gott, bei ihnen bin..."(Hesekiel 34).
 Der Evangelist Markus sieht bereits, wie sich diese Propheterie zu erfüllen
 beginnt. Menschen laufen Jesus nach, versammeln sich um ihn und hören
 gesammelt auf das, was er ihnen von Gott zu sagen hat. Jesus sieht und
 spürt, wo ihre eigentliche Not liegt- Gott ist ihnen fern. Ihr ödes,
 tristes Leben verbirgt ihnen den fürsorglichen, liebenden Gott-Vater. Sie
 sind zerstreut, mit diesem und jenem beschäftigt, auf der Suche, vielleicht
 doch noch etwas zu finden, was mehr als Essen und Trinken und ein bißchen
 Lebensglück ist. Und "es jammert" Jesus, es rührt ihn tief an, "denn sie
 waren wie Schafe, die keinen Hirten haben". Er spricht zu ihnen; er findet
 die rechten Worte, die sie verstehen. Sie hören ihm zu. Darüber vergessen
 sie sogar Zeit und Stunde und ihren eigenen Hunger. Bei Jesus läßt es sich
 aushalten. Sogar das wenige an Brot und Fischen vermehrt sich unter seiner
 segnenden Hand. Die meisten merken nichts von diesem Wunder. Sie sind davon
 zu weit entfernt. Sie erfreuen sich einfach dieser sättigenden Gaben. Nur
 die Jünger an seiner Seite setzen sich mit Jesus wegen der Essensverteilung
 auseinander. Aber als sie das wenige teilen, erleben sie, daß es für alle
 reicht und für noch viele andere. Gut, wenn auch wir sagen könnten:"Der
 Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln."@{b}
 JESUS CHRISTUS, UNSER HERR, UNSER TÄGLICH BROT GIBST UNS HEUTE UND DARÜBER
 HINAUS GENUG, UM MIT ANDEREN ZU TEILEN. ÖFFNE UNSERE HERZEN UND HÄNDE FÜR
 DIE NOTLEIDENDEN IN DER WELT. DEIN NAME WERDE DADURCH GEEHRT! AMEN@{ub}


@{i}                   Markus 6,30-44@{ui}
@{b} Und alle aßen und wurden satt.@{ub}  Markus 6,42 (EÜ)
 Sechsmal wird der Bericht von der wunderbaren Speisung der Tausende in den
 Evangelien wiedergegeben. In der "Kirche der Vermehrung" am See Genezareth
 wie in den Katakomben sind viele Wandmalereien, die mit Brot und Fisch das
 Geschehene in Verbindung mit dem Abendmahl darstellen. So bedeutsam war das
 Ganze der frühen Christengemeinde. Und bei Lukas lesen wir, daß die beiden
 Jünger in Emmaus dem Auferstandenen daran erkannten, wie er für sie das
 Brot brach.
 Er, der gesagt hat:"Ich bin das Brot des Lebens"(Johannes 6,35), weiß sehr
 wohl, daß der Mensch das tägliche Brot zum Leben braucht. Und als die
 Tausende den ganzen Tag auf sein Wort gehört hatten, entließ er sie nicht
 mit guten Worten ins Ungewisse, sondern machte sie auch mit dem Wenigen,
 das seine Jünger hatten, alle satt.
 Jesu "Brot des Lebens" und "Brot zum Leben" gehören zusammen. Im Abendmahl
 wird uns das sinnfällig geboten. In Jesu Opfer am Kreuz war es vollendet.
 Und wir? Jesu Wort und Tun sind eins. So wird es zur befreienden Botschaft
 für uns, wird "Brot zum Leben" in alles umfassenden Sinn. Es -er- kann
 Feinde zu Mitmenschen machen, Hungernde durch Habende satt machen, "Brot
 für die Welt" aus der anonymen Sammlung zur Sammlung aller anonymen
 Hungernden, unsere schuldig gewordene Gesellschaft der Alleskönner und
 Allesbesitzenden zur vor Gott verantwortlichen Bruderschaft machen.@{b}
 HERR, ERBARME DICH! DEIN WILLE GESCHEHE! MACHE UNS ZU WERKZEUGEN DEINER
 LIEBE,@{ub}                                         Hans Wallmann

@ENDNODE
@NODE "Markus 6e" "Markus 6,45-56"
@{i}                     Markus 6,45-56@{ui}
@{b}                       Ich bin es!@{ub}
 Vielleicht erinnern wir uns an Zeiten, wo wir dachten, es gehe nicht mehr
 weiter. Aber wider alles Erwarten öffneten sich uns Türen, die wir vorher
 überhaupt nicht gesehen hatten. Um eine gute Erfahrung reicher sind wir
 geworden. "Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dirs nicht", haben wir
 danach dankbar mitsingen können. Ja aber... Haben wir wirklich begriffen,
 daß wir mit Jesus einen Begleiter haben, mit dem die Probleme des Lebens
 und die Angst vor dem Tod zu lösen sind? Darin sind wir wohl kaum
 verständiger als die Jünger. Sie sehen, wie er Menschen heilte und eine
 große Menschenmenge mit einem kleinen Vorrat an Essen sättigte. Aber haben
 sie etwas von der gewaltigen Gottesnähe in Jesus verstanden? Was sie jetzt
 erfahren, erschreckt sie so, daß sie an ihrem verstand zweifeln. das ist
 doch nicht möglich, daß Jesus Macht über die Elemente hat? Doch, es ist so.
 Das bedrohliche, beängstigende Wasser verschlingt Jesus nicht. Für einen
 Augenblick zerreißt der Schleier, der uns Menschen gewöhnlich den
 Durchblick in eine andere Wirklichkeit verwehrt. Es ist doch schon
 ansatzweise zu erkennen, daß Gott in Jesus lebendig ist und weder durch
 Gewalt noch durch Stillschweigen aus der Welt geschafft werden kann. "Ich
 bin es!" Jesus gibt es den seinen zu erkennen. Deshalb können sie getrost
 sein und brauchen sich nicht länger zu fürchten. Jesus ist es wirklich, der
 hinter der Hilfe steht, die wir gestern erfahren haben und die wir heute
 und morgen von ihm erbitten können.@{b}
 JESUS CHRISTUS, DU BIST UNSER HERR, UND DIR IST ALLE GEWALT ÜBER HIMMEL UND
 ERDE GEGEBEN. WIR ABER SIND OFT ÄNGSTLICH UND VERLIEREN DICH DABEI AUS DEN
 AUGEN. GIB UNS EINEN BLICK FÜR DICH UND DEINE MÖGLICHKEITEN. AMEN.@{ub}



@{i}                           Markus 6,45-56 @{ui}
@{b} Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!@{ub}
 Markus 6,50b (EÜ)
 Die Kirche als Schiff, das Kreuz als Mast, ist in unseren Tagen als Zeichen
 der Ökumene bekannt geworden. Aber es ist ein uraltes Bild der Kirche.
 Ursprung dieses Symbols ist gewiß auch im Text der heutigen Bibellese zu
 sehen.
 Jesus hat die Jünger nach der Speisung der Tausende allein im Boot über den
 See Genezareth- das "Meer"- vorangeschickt. Er selbst verabschiedete die
 Menge und stieg auf den Berg, um zu beten. Gegen Morgen sieht er, wie die
 Jünger gegen die anstürmenden Wellen kämpfen, und geht ihnen über die See
 entgegen. Trotz des am Vorabend Erlebten wirkt sein Erscheinen für sie
 "gespenstisch". Selbst als er sie anspricht (Vers50b), zu ihnen ins Boot
 tritt und der Wind sich legt, bleiben sie fassungslos. Erst als sie sehen,
 wie er in Genezareth für viele zum Helfer, zum Heilenden wird, mag ihnen
 ein Licht aufgegangen sein. Ist uns das alles so fremd? oft genug in ihrer
 Geschichte ist das Schiff der Kirche in Seenot geraten, glaubten ihre
 Feinde, sie endgültig besiegen zu können. Aber Gott hat sie immer wieder
 bewahrt. Jesu Leute dürfen immer und überall mit seiner Gegenwart rechnen:
 "Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!" Das ist kein Freibrief -
 weder für den einzelnen Christen, noch für die Kirche. Aber es ist eine
 Frohbotschaft, die Hoffnung weckt und Gewißheit stärkt, wo die Welt längst
 die Flinte ins Korn wirft. Die Jünger waren zwar aus Seenot gerettet. Aber
 alles kam ihnen unheimlich vor. Sie wußten damals noch nichts von
 Karfreitag und Ostern. Wir dürfen es wissen und kennen sein letztes Wort:
 "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende"(Matthäus 28,20).
 Und das gilt. Gott sei Dank!@{b}
 HERR, WIR GLAUBEN. HILF UNSEREM UNGLAUBEN!@{ub}             Hans Wallmann

@ENDNODE
@NODE "Markus 7a" "Markus 7,1-13"
@{i}                  Markus 7,1-13               @{ui}
@{b}          Menschengebote und Gottes Gebot        @{ub}
 Kaum ist Jesus wieder in Galiläa, schon suchen ihn Pharisäer und einige
 Schriftgelehrte aus Jerusalem zu einem Streitgespräch auf (vgl.Kap.2).
 Sie haben beobachtet, daß einige Jünger vor dem Brotessen das
 vorgeschriebene Händewaschen unterlassen haben. Markus berichtet
 ausführlich über die allen Juden bekannte Reinigungsvorschrift. Sie gelten
 für die Juden nicht in erster Linie als hygienische, sondern als kultische
 Ordnungen. Jesus geht auf den Vorwurf ungesetzlichen Verhaltens überhaupt
 nicht ein. Sicherlich galt auch bei den Jüngern das Händewaschen vor Tisch
 als Regel. Aber etwas anderes ist ihm viel wichtiger. Statt einer
 Verteidigung geht er zum Gegenangriff über. Es ist gewiß kein Zufall, daß
 er gerade das vierte Gebot herausgreift, um deutlich zu machen, wie die
 Schriftgelehrten mit ihren Satzungen Gottes Gebot außer Kraft setzen. Mit
 dem Gelübde "Korban" ("Opfergabe") konnte einer für den Tempelschatz
 bestimmten, was er eigentlich seinen alten unversorgten Eltern zugute
 kommen lassen sollte. Das war eine typische pharisäische Auslegung des
 alten Gottesgebotes. Ein solch scheinfrommes Verhalten jedoch ist für Jesus
 Heuchelei. Gottes Gebot: "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren"
 reicht weiter und ist menschlich hilfreicher als solch scheinreligiöses
 Gelübde. Für Jesus steht Gottes gutes Gebot über allen menschlichen, auch
 über unseren kirchlichen Ordnungen.@{b}
 HERR, WIR BITTEN DICH: HILF UNS, DAß WIR ÜBER ALLEN ANFORDERUNGEN DES TAGES
 DEIN HEILIGES GEBOT NICHT VERGESSEN, DAS UNSER LEBEN IN GUTER ORDNUNG HÄLT.
 HILF UNS, DICH ÜBER ALLE DINGE ZU LIEBEN UND UNSEREN NÄCHSTEN WIE UNS
 SELBST. AMEN.@{ub}



@{i}                  Markus 7,1-13                              @{ui}
@{b} Jesus spricht: Ihr macht Gottes Gebot ungültig durch eure eigenen
     Vorschriften.@{ub}                               Markus 7,13 (EÜ)
 Beauftragte des Hohenpriesteramts in Jerusalem haben festgestellt, daß
 religiöse Vorschriften bei den Jüngern Jesu nicht eingehalten werden. Jesus
 wird zur Rede gestellt, warum er diese Mißachtung dulde. Für die
 "Gesetzeshüter" ist das Gesetz zum Diktat geworden; nach ihrer Vorstellung
 sollte das erwählte Volk Gottes durch striktes Befolgen aller Vorschriften
 möglichst "porentief rein" sein. Zweimal macht Jesus deutlich: Gottes Gebot
 schiebt ihr zur Seite, aber an menschlichen Vorschriften haltet ihr fest.
 Wir wollen jetzt nicht der Frage nachgehen, wie es im religiösen Bereich zu
 den umstrittenen Satzungen kam. Aber das meint Jesus unmißverständlich:
 Gottes Gebote sind nicht meterhohe Zäune, die das Leben einschränken,
 sondern allenfalls Geländer, an denen wir uns festhalten können. Sie sind
 Hilfen für unser Leben und in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Aber
 immer wieder entsteht die Meinung, menschliche Gesetze und Vorschriften
 würden besser in die irdische Landschaft passen als göttliche Gebote.
 Woran kann ich mich ausrichten und halten? Nun, wir haben die zehn Gebote
 Gottes und das Doppelgebot der Liebe (Matthäus22,37-39). Wäre das nicht
 mehr als genug? Petrus bekennt mit den Aposteln vor dem Hohen Rat: Man muß
 Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apostelgeschichte5,29). Keiner kann
 Unkenntnis vorschützen, denn unser Gewissen unterscheidet sehr genau, was
 göttlich und was menschlich ist, denn Gott ist durch die Taufe in uns.
 @{b}HERR GOTT, HIMMLISCHER VATER, WO DU UNS DEINE HEILIGEN GEBOTE ALS
 RICHTSCHNUR GABST, DA MACHEN WIR AUS IHNEN MENSCHENSATZUNGEN, UM UNS SELBST
 ZU RECHTFERTIGEN. ZERBRICH DU IN UNS ALLEN HOCHMUT UND EIGENSINN.FÜHRE UNS
 IN DIE RECHTE DEMUT UND IN DEN GEHORSAM, DER AUS DEINEM WILLEN LEBT. AMEN.
@{ub}                                                          Karl Koehler

@ENDNODE
@NODE "Markus 7b" "Markus 7,14-23"
@{i}                    Markus 7,14-23@{ui}
@{b}                    Rein und Unrein@{ub}
 Jetzt erst geht Jesus in einem zweiten und dritten Gesprächsgang auf die
 Frage ein, die ihm die Schriftgelehrten gestellt haben. Es handelt sich
 dabei um ein allgemeines Problem: Was ist "rein", was "unrein"? Im Streit
 mit den Pharisäern ging es um das rituelle Händewaschen. Zum Volk gewandt,
 das sich wieder um ihn sammelt, weitet Jesus zunächst die Frage zur
 Unterscheidung von "reiner" und "unreiner" Speise aus, die im jüdischen
 Kultus eine große Rolle spielte. Im Jüngerkreis am Abend in Kapernaum führt
 Jesus das Gespräch in die Tiefe und spricht von reinen und unreinen
 "Herzen". Auch die Jünger bleiben in ihrem Unverstand bei der Speisenfrage
 stehen und verstehen deshalb das "Gleichnis" nicht. Es bleibt ihnen ein
 Rätselspruch. Jesus muß im Jüngerkreis drastisch volkstümlich von dem Weg
 sprechen, den alle Speise ohne Unterschied bei der Verdauung durch den
 Menschen durch den Menschen hindurch nimmt. Es geht ihm nicht um
 alttestamentliche Speisegebote. Sicherlich hat der Evangelist recht, wenn
 er dies Gespräch mit der Bemerkung abschließt:"Damit erklärte er alle
 Speisen für rein."
 Entscheidend für die wahre Reinheit ist ihm vielmehr der Mensch selbst, der
 die guten Gaben Gottes genießt. Deshalb spricht der biblische Text nicht
 vom Bauch, sondern vom Herzen. Er versteht darunter das wahre Wesen des
 Menschen: sein Denken, Fühlen und Wollen, das sich in seinem Tun und Leben
 auswirkt. Der Evangelist führt einen ganzen Katalog von bösen Gedanken und
 Taten an, die den Menschen vor Gott unrein machen und von ihm trennen. Auch
 wir haben allen Grund, bei uns und vor uns selbst auf der Hut zu sein und
 Gott um ein reines Herz zu bitten.@{b}
 WIR DANKEN DIR, HERR, DAß DEIN WORT UNS DIREKT UND KONKRET ANREDET. HILF
 UNS ZU KLAREN ERKENNTNISSEN, WAS BÖSE UND WAS GUT IST. SCHENKE UNS EIN
 REINES HERZ. AMEN
                   Jesus nimmt die Sünder an@{ub}         Gedicht
                   Kommet alle, kommet her,
                   kommet, ihr betrübten Sünder!
                   Jesus rufet euch, und er
                   macht aus Sündern Gottes Kinder.
                   Glaubets doch und denket dran:
                   Jesus nimmt die Sünder an.

                   Ich Betrübter komme hier
                   und bekenne meine Sünden;
                   laß, mein Heiland, mich bei dir
                   Gnade zur Vergebung finden,
                   daß dies Wort mich trösten kann:
                   Jesus nimmt die Sünder an.@{i}
                        Erdmann Neumeister


                        Markus 7,14-23@{ui}
@{b} Jesus sagte: Hört zu und begreift! Nicht das macht den Menschen unrein,
 was er von außen in sich aufnimmt, sondern das, was aus ihm selbst kommt!
@{ub} Markus 7,14-16 (EÜ)
 Heute sollten wir nicht versäumen, unseren ganzen Bibelabschnitt in seiner
 Fülle zu lesen und in uns aufzunehmen. Diese zehn Verse beginnen mit dem
 Jesuswort:"Hört zu und begreift!" Wir sollen begreifen, was Kern und Sinn
 der Gebote Gottes sind: wahres Leben zu gewährleisten, indem wir der Liebe
 den von Gott gewollten Platz einräumen. Was gegen das Gebot der liebe
 verstößt, ist Sünde. Jesus nennt die Übertretungen beim Namen: Mord,
 Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung und alles, was aus
 einem lieblosen Herzen kommt und das Leben kaputt macht.
 Gott will unser Leben erhalten. Wer sich am Leben versündigt, der
 versündigt sich gegen Gott. Wir dienen Gott, indem wir dem Menschen,
 unserem Nächsten, dienen. Wir versündigen uns an Gott, indem wir uns am
 Menschen, unserem Nächsten, versündigen, so einfach ist das. Den meisten
 Menschen sitzt das Herz auf der Zunge. Was wir hier getan haben, das -und
 nur das- haben wir ihm getan (Matthäus 25,40).
 Im Gotteshaus geschieht Gottes Dienst an uns. Im Alltag geschieht unser
 Dienst an Gott. es ist gut und schön, wenn wir andere Menschen lieben und
 ehren, wie es im lutherischen Katechismus heißt; aber dann ist es für sie
 und uns besser, wenn wir für sie beten, als daß wir über sie reden. Was tun
 wir nicht, um uns den Schein eines reinen Herzen zu erhalten. Wir müssen
 lernen, zuerst und vor allen Dingen gegen uns selbst zu protestieren, um so
 bei uns einen neuen Anfang zu machen.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, LEHRE UNS, WIE WIR EINANDER DIENEN KÖNNEN, EIN JEDER MIT
 DER GABE, DIE ER EMPFANGEN HAT. GIB UNS WAHRHAFTIGE LIEBE, DAß WIR EINANDER
 ERKENNEN UND ACHTEN. AMEN@{ub}                         Karl Köhler

@ENDNODE
@NODE "Markus 7c" "Markus 7,24-30"
@{i}                   Markus 7,24-30          @{ui}
@{b}     Eine Mutter bittet für ihr Kind       @{ub}
 In den beiden folgenden Heilungsberichten finden wir Jesus weit außerhalb
 der Grenzen Galiläas, zuerst nordöstlich an der phönizischen Seeküste bei
 Tyrus. Es sind keine Missionspläne, die ihn dorthin führen. Vielmehr will
 er verborgen bleiben. Es sind aber auch keine "Fluchtwege", wie man
 vermutet hat. Er sucht die Stille. Sie wird ihm jedoch nicht lange gewährt.
 Schon fällt eine griechisch sprechende Frau des Landes, eine Heidin,
 bittend vor ihm nieder. Es ist die Angst um ihr geistesgestörtes
 "Töchterlein", die sie zu Jesus treibt. Jesus macht es ihr nicht leicht,
 bei ihm Hilfe zu finden. Er weiß sich zuerst zu den "verlorenen Schafen vom
 Hause Israel", zu Gottes und seinem eigenen Volk gesandt. Es klingt
 abweisend, wenn er von den "Hündlein" spricht, die keinen Anspruch auf das
 Brot der Kinder haben. In Israel sprach man von den Heiden verächtlich als
 von "Hunden". Aber hier läßt er sich gern von der Antwort der Frau
 überwinden, die von den Bröckchen spricht, die von der Kinder Tisch fallen.
 Es ist mehr als Schlagfertigkeit, es ist ein starker, aber doch demütiger
 Glaube, der aus ihrer Antwort spricht. In seiner Auslegung hat Luther sie
 in sein unvergeßliches "Ja, Herr, aber doch" gekleidet. "Ja, Herr"-das ist
 die Demut, die weiß, daß sie keine Ansprüche zu stellen hat. "Aber
 doch"-das ist die Kühnheit des Glaubens, die alle Grenzen durchbricht.
 Solcher Glaube erringt den Sieg. Die Frau findet heimkehrend ihr Kind
 geheilt. Ein erster, vorläufiger Durchbruch des Evangeliums in die
 Heidenwelt kündigt sich an.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS: AUCH WIR WISSEN, DAß UNSERE GEBETE NICHT IMMER
 SOGLEICH ERHÖRT WERDEN. DU STELLST UNSEREN GLAUBEN AUF HARTE PROBEN. LÄßT
 UNS NICHT LEER VON DIR GEHEN, WENN WIR BEI DIR HILFE SUCHEN. AMEN.@{ub}



@{i}                   Markus 7,24-30           @{ui}
@{b}Jesus spricht: Damit hast du mich überzeugt. Ich will dir helfen.@{ub}
                                                     Markus 7,29 (EÜ)
 Den Berge versetzenden Glauben jener syrisch- phönizischen Frau: Ich
 vertraue darauf, daß du helfen kannst, wenn du willst! erkennt Jesus an und
 hilft. Viele Menschen wissen zwar viel von Gott, aber sie trauen ihm nichts
 zu. Hier aber hat ein Mensch durch seine Hartnäkigkeit und sein großes
 Vertrauen, das Jesus "Glauben" nennt, etwas Entscheidendes erreicht. Die
 Frau vermochte mit ihrer Baharrlichkeit und ihrem Vertrauen Jesus
 umzustimmen.
 Damit soll uns Mut gemacht werden, im Beten nicht nachzulassen. Wir sollen
 Gott "in den Ohren Liegen", wenn wir in Not geraten sind. Und ist unsere
 Lebensnot nicht auch die Not unseres Nächsten, unserer Mitmenschen bis hin
 zu der Not der "fernen Nächsten" in der Dritten Welt?
 Es geschiet ganz sicher etwas von Gott her, wenn wir ihn anrufen. ob immer
 das geschieht, was wir gerade im Augenblick Möchten, das weiß ich nicht;
 aber ich weiß, daß unser Leben gewiß nicht ohne Wirkung und Segen darauf
 bleiben wird. Es gibt in der Geschichte genug Beispiele dieser Hilfe und
 sichtbaren Zuwendung Gottes. Und Christenmenschen Haben das erfahren. Sie
 versuchen, mit Jesus zu leben, was nicht immer leicht ist. Aber Christen
 beten und danken ihm für alles Gute jeden Tag; und in Not bitten sie für
 sich und die anderen. Sie beten- und werden oft auf eine harte Probe
 gestellt die den Glauben fordert. Was ist Glaube? Wer an Jesus Liebe
 festhält, auch wenn davon oft nichts zu merken ist.@{b}
 JESUS ,LIEBER HERR, DU BIST DIE LIEBE. DU HAST VIELEN AUF WUNDERBARE WEISE
 GEHOLFEN. ABER OFT MERKEN WIR NICHTS VON DEINER HILFE. VIELE WERDEN AN
 DEINER LIEBE UNSICHER. BITTE, HILF UNSEREN KLEINEN GLAUBEN UND MACHE
 IHN GROß WIE BEI DIESER FRAU UND MUTTER, DIE FÜR IHR KRANKES KIND GEBETEN
 HAT. AMEN. @{ub}                                              Karl Koehler

@ENDNODE
@NODE "Markus 7d" "Markus 31-37"
@{i}                     Markus 7,31-37@{ui}
@{b}                   Gesprengte Riegel@{ub}
 Es ist eine weite Wegstrecke, die Jesus von der Hafenstadt Tyrus bis in das
 Gebiet der Dekapolis östlich des Sees Genezareth mit seinen Jüngern
 zurücklegt. Diese "Zehn Städte" waren Reichsstädte im syrischen Distrikt
 des Römischen Reiches. Dort ereignete sich die Heilung, die Markus sehr
 anschaulich erzählt. Menschen aus der jüdischen Minderheit der Stadt
 bringen einen Taubstummen  zu Jesus und bitten ihn um seine Handauflegung.
 Jesus führt den Kranken zunächst abseits in die Stille. Im Alleinsein mit
 ihm vollzieht sich die Heilung in drei Schritten. Zuerst berührt er die
 kranken Organe, Ohren und Zunge, mit seinen Fingern, auch mit Speichel, der
 in der antiken Medizin besonders bei Augenleiden als Heilmittel gebraucht
 wurde. Diese Vorbereitung soll den Kranken aufmerksam machen. Die Heilung
 vollzieht sich erst durch das dritte, das göttliche Machtwort:"Hephata - Tu
 dich auf!" Das aber kann Jesus nur sprechen, weil dazwischen das zweite
 geschieht: er "sah auf zum Himmel und seufzte"- das heißt neutestamentlich:
 Jesus betete. Nur im Gebet empfängt er von seinem Vater im Himmel die
 Vollmacht, Menschen zu heilen. "Hephata" ist ein aramäisches Wort, ein
 Urlaut aus der Muttersprache Jesu. Nun aber hilft kein Schlußchoral von der
 harrenden Menge der Lobgesang angestimmt:"Er hat alles wohl gemacht, die
 Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend." Die Riegel sind
 gesprengt: Aus der Gefangenschaft des Taub- und Stummseins führt Jesus in
 die Freiheit des Gotteslobes.@{b}
 LIEBER HERR, AUCH MIT SEHENDEN AUGEN, MIT HEILEN OHREN VERNEHMEN WIR DICH
 OFT NICHT. WIR BITTEN DICH: ÖFFNE UNSERE AUGEN FÜR DEINE LEBENDIGE NÄHE,
 UNSERE OHREN FÜR DEIN WORT. RÜHRE UNSERE ZUNGE AN, DAß SIE DICH LOBE. AMEN.
@{ub}


@{i}                     Markus 7,31-37@{ui}
@{b} "Effata!" Das heißt: Öffne dich!@{ub}  Markus 7,34 (EÜ)
 In diesem Seufzer ringt sich das ganze Elend einer zerrissenen Welt
 hindurch, das Jesus auf sich genommen hat. Der Blick nach oben erneuert die
 innige Verbindung mit dem Vater. Von dort holt er sich die Kraft für sein
 Handeln. Der Seufzer und das Aufblicken sind ein eindrückliches Bild für
 das Beten, wie es Jesus gelehrt hat. Wenn wir zu Gott aufblicken und beten,
 wird es stille um uns. Nur in der Stille, im "stillen sanften Sausen" (1.
 Könige 19,12) vernehmen wir seine Stimme.
 In dem Bild des Taubstummen spiegelt sich unsere eigene Lage, ja auch die
 unserer Kirche wider. Denn auch im geistlichen Raum können großartige Reden
 darüber hinwegtäuschen, daß die Stimme nicht mehr die Kraft hat, zum Herzen
 der Menschen zu dringen, weil sie das Herz nicht mehr zu hören vermag. Die
 Stimme Gottes ist die Stimme der Zeit, in der wir leben. Und da sie das
 Herz nicht mehr zu hören vermag. Die Stimme Gottes ist die Stimme der Zeit,
 in der wir leben. Und da sie nicht mehr recht gehört wird, mangelt es heute
 vielen, das Wort Gottes vollmächtig, das heißt in der Vollmacht dessen, der
 uns dazu beauftragt hat, weiterzugeben.
 Wo findet der gehetzte und gestreßte Mensch heute noch jenes "Abseits", das
 Jesus bei der Heilung des Taubstummen gesucht hat? Das Heute und Hier, wo
 wir über dem Wort stille werden und seine Stimme hören dürfen, ist ein
 Geschenk des Herrn an uns. Wir sollten es bewahren und uns immer wieder neu
 schenken lassen. Der morgige Sonntag lädt uns hierzu in besonderer Weise
 ein. Das Gotteshaus kann für uns das "Abseits" sein, jener stille Ort, an
 dem der Herr uns mit seiner Stimme direkt begegnen möchte.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß WIR DEINE STIMME HÖREN DÜRFEN. LAß
 SIE WIEDER LAUT WERDEN IN UNSEREM LEBEN, DAß WIR DEINEN NAMEN VOR DEN
 MENSCHEN BEKENNEN. BEWIRKE IN UNS DAS, WAS DU EINST AN DEM TAUBSTUMMEN
 VOLLBRACHT HAST, DURCH DEINEN LIEBEN SOHN JESUS CHRISTUS. AMEN.@{ub}
                                                         Karl Koehler
@ENDNODE
@NODE "Markus 8a" "Markus 8,1-10"
@{i}                     Markus 8,1-10@{ui}
@{b}              Wie kann sie jemand hier sättigen?@{ub}
 Diese Geschichte ist ein Schlüssel, der uns die Tür öffnen kann zur
 Bedeutung Jesu und zu unserer Aufgabe als Christen. Da haben sich Menschen
 in der Wüste versammelt, haben bei Jesus ausgeharrt, haben Jesus gehört,
 aber plötzlich ergeben sich gerade deshalb zwei Probleme:
 1. Die Leute sind von weither gekommen und sind jetzt, als es zurückgehen
    soll in den Alltag des Lebens, in der Gefahr "zu verschmachten".
 2. Die Jünger sehen nur die sogenannten Tatsachen, die Zahlen, die
    Statistik: die große Zahl der Menschen und die sieben Brote.
 Jetzt zeigt sich, daß Jesus, der die Menschen zusammengeführt hat, der
 eigentlich Handelnde ist. Er erkennt die Gefahr eher als die Betroffenen.
 Er macht deutlich, daß man Menschen nicht nur mit Worten abspeisen darf. Er
 fühlt sich zuständig für die Behebung von Not und Hunger. Er kapituliert
 nicht vor den sogenannten Tatsachen. Er schafft aus den vielen Menschen
 eine Tischgemeinschaft. Er nimmt das wenige. Er dankt dafür. Er teilt es
 und behält es nicht für sich. Er setzt seine Jünger ein. Und alle werden
 satt. Wir haben vielleicht gestern am Sonntag Gottes Wort gehört. Vor uns
 liegt auf alle Fälle der Alltag mit seinen Belastungen. Da ist es gut zu
 wissen, daß unser Herr die Gefahren erkennt, lange bevor wir sie sehen, und
 daß er uns vorgelebt hat, nicht aufzugeben vor Schwierigkeiten, für alles,
 was uns zur Verfügung steht, zu danken, und das, was uns gegeben ist,
 weiterzugeben an andere. So wird Not überwunden.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß DU LEIBLICHE NOT ERNST NIMMST.
 DESHALB BRINGEN WIR VOR DICH DEN HUNGER UND DAS ELEND UNSERER ERDE. GIB UNS
 DEN WILLEN UND ZEIGE UNS WEGE, WIE WIR HELFEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 8,1-10@{ui}
@{b} Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt
 und haben nichts zu essen.@{ub}  Markus 8,2 (LB)
 Wo Jesus auftritt, da strömt das Volk zusammen. Eine große Menschenmenge
 versammelt sich, um seine Worte zu hören und seine Taten zu sehen. So auch
 hier. Drei Tage sind sie nicht von seiner Seite gewichen und haben bei ihm
 ausgeharrte. Das war nicht vorgesehen. Darauf ist niemand vorbereitet.
 jetzt meldet sich der Hunger zu Wort. Aber woher hier draußen, weitab von
 den Ortschaften, Brot nehmen? Also wird es das beste sein, das Volk zu
 entlassen und heimzuschicken.
 Aber das will Jesus nicht. Er kennt die Bedürfnisse der Menschen. Aus
 eigener Erfahrung weiß er, wie weh Hunger tut. Er hat zwar gesagt, der
 Mensch lebt nicht vom Brot allein. aber er weiß auch, ohne Brot kann der
 Mensch nicht leben. Jesus hat immer das ganze Wohl des Menschen im Blick.
 Er will sowohl für unser geistliches wie auch für unser leibliches
 Wohlergehen sorgen. Also beauftragt er seine Jünger, das Wenige, das
 vorhanden ist, freigiebig an die Vielen auszuteilen. Wer erleben das zweite
 Brotwunder, das Jesus bewirkt. Die Speisung der Viertausend.
 Es ist bemerkenswert, daß Jesus nach dem Mahl immer die Brocken und Reste
 einsammeln läßt. Es wird uns überliefert, daß allein die eingesammelten
 Brotreste ein Vielfaches von dem ergeben, was ursprünglich zur Verfügung
 stand. Aber auch die tiefe Achtung vor der Gottesgabe sowie vor dem
 Menschenfleiß, welche beide zusammen erst Brot schaffen, darf man hinter
 dieser Brockensammlung vermuten.
 Es ist zu wünschen, daß wir alle eine ähnliche Einstellung zu unserem
 täglichen Brot gewinnen würden.@{b}
 UNSERN EINGANG SEGNE GOTT, UNSERN AUSGANG GLEICHERMAßEN. SEGNE UNSER
 TÄGLICH BROT, SEGNE UNSER TUN UND LASSEN. SEGNE UNS MIT SEL'GEM STERBEN UND
 MACH UNS ZU HIMMELSERBEN. AMEN @{ub}               Joachim Kirchner

@ENDNODE
@NODE "Markus 8b" "Markus 8,11-13"
@{i}                    Markus 8,11-13@{ui}
@{b}               Sie begehrten von ihm ein Zeichen@{ub}
 Da kommen Leute und diskutieren mit Jesus:"Was, du trittst mit dem Anspruch
 auf, im Auftrag Gottes zu kommen? Dann zeige doch, was du kannst. Laß doch
 endlich alle Welt sehen, daß du mit Gott verbunden bist. Mache das doch
 einmal an einem Zeichen deutlich. Sorge dafür, daß Gottes Stimme vernehmbar
 für alle vom Himmel erschallt oder daß zumindest einige von denen, die
 Gottes Macht widersprechen. ausgelöscht werden. Kurz, laß irgend etwas
 geschehen, was unser Denken nicht fassen kann und unanfechtbar Gottes Macht
 zeigt!" Aber Jesus geht darauf nicht ein. Er bricht sogar das Gespräch ab:
 "Euch wird kein Zeichen gegeben." Warum handelt Jesus so? Warum sind diese
 vier Verse für uns heute noch wichtig? Auch wir denken oft wie die Menschen
 damals: Zeige doch aller Welt unanfechtbar, wer du bist! - Wenn wir genauso
 denken wie die Pharisäer von Dalmanutha, sollte uns das Verhalten Jesu eine
 Lehre sein. Denn Jesus gibt zunächst zu verstehen: Wer seid ihr eigentlich,
 daß ihr meint, solche Forderungen stellen zu können? Jesus läßt sich nicht
 zwingen. Indirekt werden wir daran erinnert, daß es doch Zeichen der
 Wirklichkeit Gottes gibt: die Größe seiner Schöpfung, der Glaube seiner
 Gemeinde. Wer sich davon nicht überzeugen läßt, der läßt sich erst recht
 nicht durch ein Schauwunder, ein Mirakel beeindrucken. Hinter dem Verlangen
 nach einem Schauwunder steht der Unglaube. Jesus entzieht sich nicht nur
 dieser Forderung, er entzieht sich auch denen, die die Forderung stellen.
 Das ist eine Warnung für uns.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, VERGIB UNS UNSEREN UNGLAUBEN UND UNSER VERLANGEN NACH
 ZEICHEN UND BEWEISEN. DU HAST UNS JESUS CHRISTUS GEGEBEN. DAS IST GENUG.
 SCHENKE ES, DAß ER UNSER LEBEN PRÄGT UND NIE IN UNSEREM LEBEN FEHLT. AMEN
@{ub}


@{i}                   Markus 8,11-13@{ui}
@{b} Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert dieses
 Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht
 kein Zeichen gegeben werden!@{ub}  Markus 8,12 (LB)
 Jesus ist traurig und betrübt. Er "seufzt in seinem Geist" über die
 Unvernunft und Unbelehrbarkeit der Menschen. Er predigt das Reich Gottes
 mit Vollmacht und in nie zuvor gehörter Weise. Er heilt Kranke vor aller
 Augen, in  aller Öffentlichkeit, auf Straßen und Plätzen, in den Häusern
 und Synagogen. Lahme gehen, Blinde sehen. Ja, sogar Tote stehen auf. Und da
 wollen diese Menschen ein Zeichen von Gott haben, welches Jesus Vollmacht
 beweist, welches sein Tun und Reden legitimiert! Wahrhaftig, einem solch
 ungläubigen Volk wird Gott kein Zeichen geben. Wer die Zeichen der Zeit
 nicht versteht oder nicht verstehen will, dem kann und will Gott auch nicht
 helfen. Was nützen den Menschen Zeichen und Wunder, wenn sie die
 Fingerzeige Gottes doch nicht verstehen und keine Konsequenzen in ihrem
 Leben daraus ziehen wollen?
 Wir erleben heute zum Beispiel das Sterben unserer Wälder, die Verseuchung
 der Luft, die Vergiftung unserer Gewässer, das Aussterben ganzer Tierarten.
 Aber was ändern wir in unserem Leben? Wir haben zwei verheerende Weltkriege
 erlebt. Und trotzdem wird immer weiter aufgerüstet. Auch hier sind
 deutliche Zeichen gesetzt worden, die wir Menschen immer wieder übersehen.
 Wir können nur hoffen und darauf vertrauen, daß Gott selbst für uns
 eintreten wird, was durch uns in Unordnung geraten ist. Weil wir seine
 Hinweise, Zeichen und Gebote ständig mißachten.@{b}
 HERR, WIR BITTEN DICH NICHT UM NEUE ZEICHEN DEINER ALLMACHT UND GÜTE. WIR
 BITTEN DICH ABER, UNS DIE AUGEN, OHREN UND HERZEN ZU ÖFFNEN FÜR DIE VIELEN
 VORHANDENEN ZEICHEN DEINER LIEBE UND DEINER BARMHERZIGKEIT. AMEN@{ub}
                                                    Joachim Kirchner

@ENDNODE
@NODE "Markus 8c" "Markus 8,14-21"
@{i}                   Markus 8,14-21@{ui}
@{b}                   Seht euch vor!@{ub}
 Warnungen sind notwendig. Warnzeichen auf den Straßen machen auf
 Gefahrenpunkte aufmerksam. Ein so wichtiger Bereich wie der Arbeitsschutz
 ist ohne Warnungen nicht vorstellbar. Warnungen an Kinder müssen täglich
 ausgesprochen werden. Ohne diese Warnungen gäbe es unendlich viel Leid. Das
 leuchtet uns ein. Wenn man eine solche Warnung mißachtet, kann man ja die
 negativen Folgen manchmal sofort erleben. Wie steht es aber mit einer
 solchen Warnung:"Seht euch vor vor dem Sauerteig der Pharisäer!" Jesus
 warnt seine Jünger: Hütet euch vor einem Verhalten, das dem der Pharisäer
 gleicht. Hütet euch vor einer Oberflächlichkeit und Unbelehrbarkeit, die
 auf zweitrangige Dinge schaut und dahinter ihre Verschlossenheit gegen Gott
 versteckt. Diese Verschlossenheit gegenüber Gott sieht Jesus auch bei
 seinen Jüngern. Diese Verschlossenheit führt zu Sorge, Selbstgerechtigkeit,
 Verhärtung und Hoffnungslosigkeit. Vielleicht verstehen wir jetzt, daß @{b}
 auch uns@{ub} diese Warnung gilt. Ängstliches Sorgen, Selbstgerechtigkeit,
 Resignation und Verhärtung des Herzens gegenüber Gottes Willen, das gibt es
 auch bei uns, die wir Jesu Botschafter gehört haben. Und das ist genauso
 gefährlich wie das Nichtbeachten eines Warnzeichens auf der Straße. Jesu
 Wort hat uns nichts mehr zu sagen, und wir werden unduldsam und
 unnachgiebig gegenüber dem Nächsten. Wir verdrängen Gottes Güte aus unserem
 Gesichtskreis und bekommen das Gefühl, zu kurz zu kommen. Wir lassen uns
 nicht mehr an Gottes Gnade erinnern und werden, weil wir dies oder jenes
 nicht erlangen, unzufrieden. Deshalb:"Seht euch vor!"@{b}
 LIEBER VATER IM HIMMEL!
 WIR HABEN DEIN WORT GELESEN UND DEINE WARNUNG GEHÖRT, VERGIB UNS UNSERE
 ENGHERZIGKEIT UND EIN VERHALTEN, DAS IMMER DEN EIGENEN WILLEN ÜBER DEINEN
 WILLEN STELLT UND DAS DEINE WARNUNGEN MIßACHTET. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 8,14-21@{ui}
@{b} Und er sprach zu ihnen: Begreift ihr denn noch nicht?@{ub}
 Markus 8,21 (LB)
 Wieder einmal geht es um das liebe tägliche Brot. Die Jünger haben
 vergessen, genügend Brot  einzukaufen und mitzunehmen. Es ist nur noch ein
 einziges Brot vorhanden. Und das für so viele. Wie soll das nur reichen?
 Was ist zu tun?
 Jesus nimmt zunächst keine Notiz von den Sorgen seiner Jünger. er spricht
 über die um sich greifenden Mißstände bei den Regierenden und Mächtigen und
 warnt seine Nachfolger vor ihnen. Doch die Jünger haben nur das fehlende
 Brot im Sinn. Sie können vor lauter Sorge um die fehlende Brotration Jesu
 Worte gar nicht folgen. da wird Jesus ungehalten: Was bekümmert ihr euch um
 das fehlende Brot? Habt ihr denn immer noch nichts begriffen? Zweimal habt
 ihr es selbst erlebt und mitansehen dürfen, wie mit ganz wenig Brot
 Tausende satt gemacht worden sind. Das letzte Mal liegt erst wenige Tage
 zurück. Wie hart müssen doch eure Herzen sein, daß ihr so gar nichts
 begreift.
 Auch uns geht es häufig so. Die Sorgen um das tägliche Brot, um den
 Arbeitsplatz, um die Sicherung der Zukunft oder unseres Alters verstellen
 uns den Blick für die befreienden Heilsbotschaft Jesu Christi.
 Dabei können auch wir es immer und jederzeit erleben: Dort, wo freigebig
 und ohne auf eigenen Vorteil bedacht zu sein geteilt wird, da reicht es für
 alle. Da können alle satt werden. Da haben alle einen Arbeitsplatz. Da
 braucht niemand zu hungern oder im Elend dahinzuvegetieren.
 Begreift ihr denn noch nicht?@{b}
 LIEBER GOTT, HIMMLISCHER VATER, LEHRE UNS ZU BEGREIFEN, DAß ALLE MENSCHEN
 SATT WERDEN UND EIN MENSCHENWÜRDIGES DASEIN FÜHREN KÖNNEN, WENN WIR GEMÄß
 JESU WORT UND VORBILD TEILEN UND AUSTEILEN. AMEN@{ub}
                                                       Joachim Kirchner

@ENDNODE
@NODE "Markus 8d" "Markus 8,22-26"
@{i}                    Markus 8,22-26@{ui}
@{b}                  Ein Hoffnungszeichen@{ub}
 Wer eines der Evangelien liest, dem kann es so vorkommen, als ob Jesus
 zufällig hier und dort einige Wunder geschehen läßt. Selbst seine
 Zeitgenossen waren sich nicht sicher, wie sie diese Sachen verstehen
 sollten. Jesus versteht seine Wunder als Zeichen der mit ihm beginnenden
 Herrschaft Gottes. Wenn Gott zum Zuge kommt, werden Leid und Not aufhören.
 Das hat der blinde Mann erfahren dürfen. Es gibt zu denken, daß die Jünger
 so unendlich lange brauchen, um Jesus zu verstehen. Sie waren doch immer
 dabei und hatten alles mitangesehen. "Versteht ihr immer noch nicht?"
 wundert sich Jesus. Da bringt man ihm einen Menschen, der gern sehen
 möchte. Jesus öffnet ihm die toten Augen und stellt damit zugleich die
 Frage an seine Jünger und an uns: Ihr habt Augen, und ihr seht nicht! Ihr
 habt Ohren, und ihr hört nicht! Versteht ihr immer noch nicht? Wir merken
 vielleicht, was der Evangelist Markus seinen Lesern sagen will. Ihm geht es
 weniger um das staunenswerte Ereignis einer wunderbaren Heilung. Er möchte
 zum Glauben an Jesus und an seine Botschaft vom Reich Gottes führen. Die
 Heilung des Blinden ist eine Begebenheit auf dem Wege: Auf dem Weg Jesu an
 das Kreuz und auf dem Weg der Jünger zum Glauben. Jesus erweist seine Macht
 über das Leid in der Welt, ist aber ebenso bereit, selbst zu leiden. Der
 Glaubende erkennt in diesem Tun den Messias, den Gesandten Gottes. Eine
 alte Verheißung erfüllt sich (Jesaja 35,5). Der Weg Jesu hat immer
 besondere Bedeutung gehabt für alle Menschen, die Hilfe brauchten. Die
 Heilung des Blinden ist wie ein Hoffnungszeichen. Leid und Not sind nicht
 unabänderlich. Wir brauchen Augen und Ohren nicht davor zu verschließen. Es
 lohnt sich, im Namen Jesu mitzuhelfen, die Not zu lindern. Manchmal
 scheinen uns unsere Möglichkeiten viel zu klein, kaum wie ein Tropfen auf
 einen heißen Stein. Und doch  mit Jesu Hilfe gerade für jene ein
 lebensspendendes Hoffnungszeichen sein, für die alles nur noch dunkel und
 aussichtslos ist. Oft ist es schon genug, um zu spüren: Da ist jemand bei
 mir. Lassen wir uns von Jesus an die Hand nehmen, vertrauen wir auf seine
 Kraft. Er ging seinen Weg durch die tiefste Dunkelheit am Kreuz und
 vollendet ihn im hellen Licht der Auferstehung am Ostermontag.@{b}
 HERR JESUS!
 BITTE ÖFFNE MIR DIE AUGEN FÜR DIE MENSCHEN NEBEN MIR. LAß MICH DEUTLICH
 SEHEN, MIT WELCHEN SORGEN SIE UMHERGEHEN. LAß MICH HELFEN, WO ICH KANN.
 BITTE ÖFFNE MIR AUCH DAS HERZ. LAß MICH ANNEHMEN, WAS DU MIR HEUTE SAGEN
 WILLST. DANKE, HERR! AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 8,22-26@{ui}
@{b}            Sie brachten zu ihm ... und sie baten ihn@{ui}
 Jesus heilt die Blinden. Auffällig ist, daß der Blinde merkwürdig passiv
 bleibt. Aber er hat Freunde. Sie machen den Blinden auf Jesus aufmerksam.
 Sie bringen ihn zu Jesus. Sie lassen den Blinden nicht allein. Sie bitten
 sogar für ihn. Sie ermöglichen eine persönliche Begegnung des Blinden mit
 Jesus. Und da geschieht etwas. Nach und nach kann der Blinde die Dinge
 wieder sehen, wie sie sind. Aber es gibt keine Show und keine Reklame. Der
 wiederhergestellte Mann soll nach Hause gehen, ohne noch einmal an der
 Menge vorbeizukommen. Die Dinge, die sich zwischen ihm und Jesus abgespielt
 haben, sind nicht für die Menge gedacht.- Wir können aus dieser Geschichte
 nur einen Zug bedenken. Es ist die Tatsache, daß es im Christenleben immer
 auf Menschen ankommt, die auf Jesus aufmerksam machen, die andere auf dem
 Weg zu Jesus nicht allein lassen, die für andere bei Jesus vorstellig
 werden - und dann im Hintergrund bleiben. Fragen wir uns, ob wir solche
 Menschen sind. Haben wir andere auf Jesus Christus aufmerksam gemacht?
 Haben wir andere auf dem Weg des Glaubens begleitet? Haben wir für andere
 gebetet? Danken wir heute einmal für die Menschen, die uns zu Jesus
 Christus gebracht und die eine persönliche Beziehung zwischen Jesus und uns
 möglich gemacht haben: für die Eltern, die uns zur Taufe gebracht haben,
 für die Menschen, die uns nicht allein in die Kirche gehen ließen, sondern
 uns begleitet haben, und die für uns bei Gott vorstellig geworden sind,
 damit uns die Augen geöffnet werden für die Wirklichkeit Gottes.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR FÜR ALLE MENSCHEN, DIE UNS ZUM GLAUBEN GEFÜHRT UND IM
 GLAUBEN GESTÄRKT HABEN: FÜR UNSERE ELTERN UND PATEN, FÜR DIE PFARRER UND
 KATECHETEN, FÜR DIE ANDEREN KIRCHLICHEN MITARBEITER UND FÜR DIE FREUNDE.
 AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 8,22-26@{ui}
@{b} Danach legte er abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich
 und wurde wieder zurechtgebracht, so daß er alles scharf sehen konnte.@{ub}
 Markus 8,25 (LB)
 Wir erleben hier den ausführlichen Bericht einer Blindenheilung durch
 Jesus. Durch die Berührung Jesu werden die erblindeten Augen wieder sehend.
 Es wird hell, das Dunkel schwindet. Aber die Umwelt wird zunächst nur
 schattenhaft und in Umrissen erkennbar. Damit gibt sich Jesus nicht
 zufrieden. er will, daß der Mensch alles scharf und deutlich sieht. er will
 alles wieder zurechtbringen und heil machen. Darum legt Jesus die Hände
 abermals auf die Augen des Blinden. Bis die Heilung vollkommen ist.
 Sind wir nicht auch in einer ähnlichen Situation wie dieser Blinde vor fast
 zweitausend Jahren? Auch wir sind vor Gott angerührt worden. Sei es bei der
 taufe oder bei anderen Gelegenheiten im Leben, bei denen Gott uns
 nahegebracht wurde oder Jesus uns berührt hat. Aber sind wir dadurch
 "sehend" geworden? Können wir nun die Herrlichkeit Gottes klar erkennen und
 das Geheimnis seiner Liebe zu uns Menschen deutlich begreifen?
 Ich glaube, auch wir sind darauf angewiesen, daß Jesus seine Hände immer
 wieder auf uns legt, damit wir deutlich sehen und verstehen lernen, was uns
 Gott in seiner unbegreiflichen und grenzenlosen Liebe in seinem Sohn Jesus
 Christus geschenkt hat.@{b}LIEBER HEILAND, WIR BITTEN DICH, LEGE DEINE
 HÄNDE AUF UNS, DAMIT AUCH WIR HEIL WERDEN UND ALLES IN UNSEREM LEBEN WIEDER
 ZURECHTGERÜCKT WIRD, WAS KRANK UND KAPUTT IST. AMEN@{ub}
                                                        Joachim Kirchner

@ENDNODE
@NODE "Markus 8e" "Markus 8,27-33"
@{i}                    Markus 8,27-33"@{ui}
@{b}            "Wer sagen die Leute, daß ich sei?"@{ub}
 Jesus verläßt Galiläa. Möglicherweise drohen ihm Gefahren. Dies und das
 Unverständnis, auf das er bei vielen trifft, lassen ihn fragen: Für wen
 halten mich die Leute? Die große Menge sieht in Jesus einen Propheten unter
 anderen. so wie vielleicht heute viele in Jesus einen guten Menschen, einen
 Religionsstifter oder einen gescheiterten Revolutionär sehen.
 Darauf stellt Jesus die Jünger vor die Entscheidung. Die Antwort des Petrus
 ist richtig: Jesus ist der Christus, der Retter. Aber es wird sofort
 deutlich, daß Petrus mit dieser Antwort ganz andere Vorstellungen
 verbindet. Dieser Retter darf nicht mit Leiden und Sterben in Verbindung
 gebracht werden. Wieder wird deutlich, daß auch die jünger durch eine Mauer
 des Unverständnisses von Jesus getrennt sind. Die Härte dieser Trennung
 kann nicht deutlicher ausgesprochen werden als in der Zurechtweisung an
 Petrus:"Hebe dich, Satan, von mir! Denn du meinst nicht, was göttlich,
 sondern was menschlich ist." Das sollte uns nachdenklich machen. Denn wir
 wünschen doch auch, Jesus solle sich als der mächtige Herr erweisen, der
 uns jetzt Sicherheit und Ansehen verschafft. Trifft uns da nicht dieselbe
 Zurechtweisung wie den Petrus? Andererseits liegt in der Leidensankündigung
 Jesu eine Verheißung. Jesus ist gerade dort zu finden, wo gelitten und
 gestorben wird. Leiden und Sterben sind kein gottloser Bereich. Ja, Jesus
 gibt zu verstehen: Wo manche, wie Petrus, den totalen Verlust sehen, dort
 ist der totale Gewinn zu registrieren. Leiden und Sterben sind nicht das
 Letzte. Das Letzte ist die ewige Gemeinschaft mit Gott.@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 VERGIB ES UNS, DAß WIR IMMER WIEDER NACH ANSEHEN STREBEN UND UNS VOR
 NIEDERLAGEN FÜRCHTEN. LAß ES UNS TROST UND HOFFNUNG SEIN, DAß DU GERADE DA
 BIST, WO GELITTEN WIRD. AMEN@{ub}


@{i}                   Markus 8,27-33@{ui}
@{b} Und er fragt sie: Ihr aber, wer sagt ihr, daß ich sei? Da antwortet
 Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!@{ub} Markus 8,29 (LB)
 Eine entscheidende Frage, die Jesus hier stellt. Auch an uns. Für wen oder
 was halten wir Jesus?
 Damals hielten viele Jesus für einen wundertätigen Propheten. Oder für den
 wiedergekehrten Johannes den Täufer. Oder für einen gewaltigen begnadeten
 Prediger, Ähnlich ist es heutzutage: Viele halten Jesus für einen
 Revolutionär. Andere für einen Religionsstifter. Oder auch nur für einen
 großen wunderbaren Menschen und Märtyrer. Auf jeden Fall für eine
 Idealfigur, für ein Vorbild, für einen Idealisten. Aber das sind alles
 Äußerlichkeiten; nur einzelne Züge der Persönlichkeit Jesu. Damit werden
 wir seinem wahren Wesen in keiner Weise gerecht.
 Anders sein Jünger Petrus. er hat erkannt und begriffen und bekennt es frei
 heraus: Du bist der Christus, der Messias, der Gottessohn - wahrer Mensch
 und wahrer Gott.
 Auch der zunächst zweifelnde und ungläubige Jünger Thomas muß niederfallen
 und bekennen: Mein Herr und mein Gott, nachdem sich Jesus ihm zu erkennen
 gegeben hatte.
 Wohl uns, wenn auch wir in unserem tiefsten Inneren erkennen dürfen und
 frei heraus bekennen können: Jesus Christus, mein Herr und mein Gott.@{b}
 HERR, ZEIGE MIR, WER DU BIST UND WIE ICH ZU DIR FINDEN KANN! AMEN@{ub}
                                                       Joachim Kirchner

@ENDNODE
@NODE "Markus 8f" "Markus 8,34-9,1"
@{i}                  Markus 8,34-9,1           @{ui}
@{b}   "...die werden den Tod nicht schmecken " @{ub}
 Jesus hat nie sanft und einschläfernd geredet. Er hat nie Worte gemacht,
 die über die Wirklichkeit hinwegtäuschen. Jesus will nicht überreden, er
 will überzeugen. Jesus will nicht verführen, er will uns zur Entscheidung
 rufen. in dem Bild vom Aufnehmen des Kreuzes fordert Jesus auf, sich an ein
 Leben zu wagen, das ebenso schwer ist wie die letzte Wanderung eines zum
 Tode Verurteilten. Das ist wirklich kein Locken mit Versprechungen. Jesus
 will uns vor einem unbedachten Mitgehen warnen. Jeder, der Jesus folgt, muß
 wissen, daß das Leben dadurch nicht zum Spaziergang wird. In den folgenden
 Sätzen wird dann deutlich, was Jesus meint. Wer sein Leben egoistisch für
 sich haben will, wer ständig aus ist auf die Sicherung seiner Existenz, wer
 sich nur selbst verwirklichen will und Gott kein Mitspracherecht gibt, der
 bringt sich um das wahre Leben. wer aber sein Leben Gott ganz zur Verfügung
 stellt, der wird statt Verlust Gewinn verzeichnen. Wer nur sein eigenes
 Ich entfalten will und wem die ihn umgebende Welt nur zum Mittel für diesen
 Zweck wird, wird sein Leben schrecklich verfehlen. Man muß das Wort "Seele"
 richtiger mit "Leben" Übersetzen: "Was kann der Mensch geben als Gegenwert
 für das Leben?" Nichts! unser Leben ist unbezahlbar. Deshalb sollten wir
 uns, dem wir, alles verdanken, nicht schämen. Jesus will uns mit diesem
 schroffen Sätzen einladen zu einem Leben mit Gott, das hier Furcht bringt
 und das den Tod, der alles zerstört und auslöscht, "nicht schmecken soll".
 @{b} VATER IM HIMMEL, ICH DANKE DIR FÜR MEIN LEBEN. ICH DANKE DIR, DAß MEIN
 LEBEN DIR GEHÖREN KANN FÜR ZEIT UND EWIGKEIT. LAß MICH NICHT ZUSCHANDEN
 WERDEN. AMEN.@{ub}



@{i}                 Markus 8,34-9,1                                 @{ui}
@{b}Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen:
    Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz
    auf sich und folge mir.@{ub}                           Markus 8,34 (LB)
 Wen spricht Jesus hier eigentlich an? Sind es seine Nachfolger? also die
 Frommen, die bereits zum Glauben gefunden haben? Oder richtet er sich an
 die Suchenden, die noch Schwankenden, die Unentschlossenen? Oder gar an
 diejenigen, die ihm mit Ablehnung, mit Vorbehalten und Mißtrauen
 gegenüberstehen?
 Wir sind erstaunt zu lesen, daß Jesus sich an alle wendet. Er ruft das Volk
 zu sich samt seinen Jüngern. Er muß sich also um eine sehr wichtige
 Botschaft, um eine Grundsatzfrage handeln, die uns alle angeht.Und in der
 Tat geht es um nichts weniger als um die Nachfolge Jesu. Er selbst gib hier
 die Richtlinien und Verhaltensweisen für alle Menschen aller Zeiten
 bekannt, welche ihm nachfolgen wollen. Wie lauten die Weisungen Jesu, und
 was bedeuten sie für uns heute? Zunächst heißt es: Wer mir nachfolgen will,
 der verleugne sich selbst. Das ist ungewohnt für unsere Ohren. Überall
 werden uns heutzutage Thesen der "Selbstverwirklichung" angepriesen. unser
 Glück, unsere Interessen, unser Recht, unsere Gesundheit, unsere
 Zufriedenheit stehen an erster Stelle. Und das leider oft genug auf Kosten
 und zu Lasten anderer. Nicht so bei Jesus. Hier wird Selbstverleugnung von
 seinen Nachfolgern erwartet. Wie schwer ist das aber! Es erfordert ein
 völliges Umdenken und eine totale Abkehr von unseren bisherigen Verhaltens-
 und Denkungsweisen. Anders aber ist Nachfolge Jesu nicht zu haben.
 Ein Versuch lohnt sich! Wahres Glück und innerer Frieden sind die Belohnung
 Wort ernst nehmen, in ihrem Leben beherzigen und damit in seine Nachfolge
 treten.@{b}
 DU BIST FÜR UNS IN DIESE WELT GEKOMMEN, LIEBER HERR JESUS. MACH UNS BEREIT,
 DIR ZU FOLGEN. WEIL DU VORANGEGANGEN BIST UND UNS BEGLEITEST, KÖNNEN WIR
 MIT DEM BRUDER DURCHS DUNKEL GEHEN . DEIN WORT ERMUTIGT UNS. AMEN.@{ub}
                                                            Joachim Kirchner


@ENDNODE
@NODE "Markus 9a" "Markus 9,2-13"
@{i}                   Markus 9,2-13          @{ui}
@{b}                Den sollt ihr hören       @{ub}
 War das Angebot des Jüngers Petrus so dumm? "Wie gut, daß wir hier sind.
 Wir wollen drei Hütten bauen zum bleiben." Wir wollen gerne etwas
 festhalten, was uns schön, wichtig oder verehrungswürdig vorkommt. Zu
 allen Zeiten haben Christen bestimmte Stätten, an denen für Kirche und
 Glauben wichtige Entscheidungen gefallen waren "heilig" gehalten. So
 pilgern oder reisen seit eh und je auch Menschen dorthin, wo Jesus Christus
 einst gelebt hatte. Sie wollen die Stätten sehen. Es gibt andere "heilige"
 Stätten der Christenheit. Sie werden besucht, besichtigt, photographiert
 und beschrieben. Eigentlich ab ist seit der Verklärung Jesu, in der
 Geschichte von Karfreitag und Ostern vorweggenommen wurde, überall
 "heiliges Land". Im Sinne unseres heutigen Textes müssen wir sagen, daß
 heiliges Land nicht gleichzusetzen ist mit der "Hütte", mit der Stätte, an
 der sich einmal etwas Besonderes ereignet haben soll. Heiliges Land ist
 Überall da, wo die Stimme Jesu Christi gehört und geglaubt wird und wo man
 ihr gehorcht. Alle anderen heiligen Stätten Haben eigentlich nur einer
 Dankbaren Erinnerung zu Dienen: Gott ist uns menschlich so nahe gekommen,
 daß wir die Spur seiner Schritte in dem Weg seiner Zeugen - angefangen im
 Weg Jesu aus Nazareth - erkennen dürfen und dafür danken können. Alles
 andere aber ist darauf gestellt, daß Menschen mit dem Wort Jesu leben, ihre
 Kraft daraus nehmen und es ihrem Mitmenschen auf alle Weise weitergeben,
 die ihnen erfinderische Liebe nun einmal eingibt. So bricht schon heute
 Gottes Reich in unsere Zeit und in unser Leben ein. wir sollten auch an
 diesem Tage daran denken.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKE DIR, DAß WIR ZU DIR GEHÖREN DÜRFEN. NIMM UNS
 AUF DEINEM WEG MIT, WIE DU DIE JÜNGER MITGENOMMEN HAST. LAß UNS AUF DEIN
 WORT HÖREN UND ES FROHEN HERZENS WEITERSAGEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 9,2-13@{ui}
@{b} Rabbi, es ist gut, daß wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen.
@{ub} Markus 9,5 (EÜ)
 Die Freunde Jesu geraten förmlich in Ferienstimmung. Sie wollen auf dem
 Berge Tabor ihre Zelte aufschlagen und für immer ein Ferienlager
 einrichten, sich häuslich niederlassen. Das ist verständlich, denn der Herr
 gewährt ihnen den Ausblick auf das Endgültige, auf das was "danach" kommt,
 auf das Bleibende, den ewigen Ostermorgen. Wen wundert es, daß sie die
 Niederungen des Lebens für immer hinter sich lassen wollen. Sie erleben ein
 unbeschreibliches Gipfelglück in der Begegnung mit dem österlichen Herrn.
 Da, wo seine Gottheit transparent wird, möchten sie für allezeit seßhaft
 werden, dort eröffnen sich ihnen die entscheidenden Zukunftsperspektiven.
 Auch wir sind auf solche Taborstunden angewiesen. Wir erleben sie, so oft
 wir uns von Christus in die Seilschaft nehmen lassen im Gebet, in der
 Mahlgemeinschaft mit ihm. Dort erkennen wir ihn -wie die Emmausjünger- als
 den Auferstandenen am Brechen des Brotes. Auch der Apostel Paulus weiß um
 dieses Gipfelglück: "Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der
 himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt" (Philipper
 3,14). Der Vater selbst zeigt uns den Weg: "Auf ihn sollt ihr hören" (Lukas
 9,35). Auf ihn! Nicht auf den Lärm dieser Welt, nicht auf die
 Marktschreier, auf die Kopfhörer und Lautsprecher und Massenmedien.
 Wo und wann immer wir auf ihn hören, bauen wir "Gute-Hoffnungs-Hütten" für
 unsere Mitmenschen, Basislager für den Aufstieg. Da erleben und bereiten
 wir Taborstunden, die uns den Blick freigeben für das, was "danach" kommt.
 Da erkennen wir den, der allein unser Bergführer sein kann, weil er die
 Aufstiegsroute und den Gipfel kennt.@{b}
 HERR, WIR SIND NUR GAST AUF ERDEN, PILGERNDES GOTTESVOLK. GIB DAß WIR DAS
 BLEIBENDE ZUHAUSE IN DIR SUCHEN UND NIE AUS DEN AUGEN VERLIEREN. AMEN
@{ub}                                               Hubert Jannsen

@ENDNODE
@NODE "Markus 9b" "Markus 9,14-29"
@{i}                      Markus 9,14-29@{ui}
@{b}                Kannst du was, so hilf uns!@{ub}
 Das klingt herausfordernd. Aber Not kennt kein Gebot, und darum ist es
 schon recht, wenn der Vater des kranken Jungen aus seiner Verzweiflung, die
 in einer ganz großen Liebe wurzelt, so ruft. Vielleicht haben wir auch
 schon so geredet oder gebetet, als jemand im engsten Familienkreis
 schwerkrank war, als wir für einen unserer Lieben den Tod befürchten
 mußten. "Kannst du was, so hilf uns!" Jesu Antwort aber zielt nicht auf
 sein "Können", sondern auf unseren Glauben: "Alle Dinge sind möglich dem
 der da glaubt." Das heißt doch, daß es dann nicht ausschlaggebend ist, ob
 wir den geliebten Menschen, um den wir so gerungen und gebetet haben,
 wiederbekommen oder ob wir ihn sterben sehen müssen. Es ist - das schreibt
 sich leichter hin, als es ertragen werden kann - letztlich belanglos, ob
 unser Gebet um das alles erhört oder nicht erhört wird. Wichtig ist nur,
 daß wir in allem erkennen, wie Gott mit uns zu tun hat, wie er uns sucht,
 wie er uns liebhat, auch da, wo wir seine Liebe nicht mehr zu erkennen
 glauben. "Ich glaube, hilf meinem Unglauben." Dieser Schrei eines geplagten
 Menschen umreißt unsere Situation. Wir können uns nicht selber helfen. Wir
 können anderen helfen. Eines aber ist uns als die große Hoffnung gegeben:
 Gott will, daß wir das Gespräch mit ihm nicht abreißen lassen. Vielleicht
 pendeln wir auch heute zwischen den beiden tragenden Sätzen unseres Textes
 hin und her: "Kannst du was, so hilf uns" und "Ich glaube, hilf meinem
 Unglauben"? Vertrauen wir darauf, daß unser Herr die Hilfe weiß.@{b}
 BARMHERZIGER GOTT!
 HABE DANK, DAß WIR MIT DIR REDEN DÜRFEN. LAß UNS NICHT MÜDE WERDEN, DICH
 FÜR UNS UND ANDERE IMMER WIEDER ANZURUFEN. ERHÖRE DEINE KINDER UND SCHENKE
 UNS DIE KRAFT DES GLAUBENS. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 9,14-29@{ui}
@{b} Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden.@{ub} Markus9,29(EÜ)
 "Helden aus der Hölle", so heißt ein klassischer Western aus dem Jahre
 1936. Nach einem Bankraub fliehen drei "Helden" in die Wüste. An einer
 ausgetrockneten Wasserstelle treffen sie auf eine sterbende Frau mit ihrem
 Baby. Sie ringt ihnen das Versprechen ab, das Kind durchzubringen. Zwei der
 Männer erliegen den Strapazen in der Wüste. Der dritte nimmt sich nur
 widerwillig des Kindes an. Er, der das Beten, das Gespräch mit Gott
 verlernt hat, findet nur mühsam das Ja zu diesem Baby. Mit letzter Kraft
 erreicht er die rettende Stadt und legt es einer betenden Gemeinde, die in
 der Kirche zum Gottesdienst versammelt ist, zu Füßen, bevor er selber
 stirbt im Frieden mit Gott. Beten heißt: dem Willen Gottes entgegenlaufen,
 so wie Jesus es uns gelehrt und vorgelebt hat, "Vater, nicht mein, sondern
 dein Wille soll geschehen" (Lukas 22,42). Niemand wird je besser beten als
 er, niemand wird es auch uns besser gelingen, als wenn wir es ihm
 nachbeten. Ich habe Angst vor Menschen, die nicht mehr beten, die stumm
 sind vor Gott und deshalb auch ihren Mitmenschen nichts mehr zu sagen
 haben. In einer ausweglosen Situation schrieb ein junger Mann an seine
 Mutter, die nie mit ihm gebetet hat: "Du hast mich alles lernen lassen,
 einen Beruf, das Tanzen, Sprachen und Musik, Spiel und Sport, nur nicht das
 Beten. Wie arm bin ich in dieser Hölle!" Ist das die Armut vieler Kinder
 und Jugendlicher heute? Wer hat es versäumt, mit ihnen zu beten? An Gott
 kann es nicht liegen. "Gott ist immer zu sprechen" - so heißt es in einer
 Leuchtreklame der Essener Innenstadt. "Gott ist immer auf Sendung."
 Wir können immer und überall seine Gesprächspartner sein. Dann reißt auch
 das Gespräch mit unseren Mitmenschen nie ab.@{b}
 HERR, DU HAST UNS ZU BETEN GELEHRT: "VATER, DEIN WILLE GESCHEHE!" GIB, DAß
 WIR DICH NICHT ZUM BETTELAUTOMATEN DEGRADIEREN, SONDERN MIT DIR DEM WILLEN
 DEINES VATERS ENTGEGENLAUFEN. AMEN. @{ub}              Hubert Janssen


@{i}                      Markus 9,14-29@{ui}
@{b} Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn
 töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.@{ub}
 Markus 9,31 (EÜ)
 Jesus macht seinen Freunden nichts vor, er schenkt ihnen "reinen Wein" ein.
 Er ruft es nach Ostern noch einmal in Erinnerung: "Mußte nicht der Messias
 all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?"(Lukas 24,26)
 Am Kreuz, an Leid und Tod führt kein Weg vorbei, weder für ihn noch für
 uns. Auf einem Wegkreuz in Ahlen las ich die dreifache Frage: "Woher kommst
 du? Wo stehst du? Wohin gehst du?" Fragen des Kreuzes, des Gekreuzigten an
 uns, die wir dem Kreuz so gern ausweichen möchten. Es kann auch uns nicht
 erspart bleiben, was er sich selbst zugemutet hat um unseretwillen. Jesus
 spricht ganz offen darüber mit seinen Freunden.Das ist seine "Sterbehilfe".
 Auch wir dürfen dieses Thema nicht tabuisieren. Das war auch das wichtigste
 Ergebnis einer Pastoralkonferenz zu dieser Frage: "Wir müssen mit den
 Menschen darüber sprechen." Als ich als Auslandstouristenpfarrer in Italien
 eine Patientin besuchte, sagte sie mir ganz spontan: "Ich habe keine Angst
 vor dem Sterben. Ich habe ein erfülltes Leben gehabt. Aber mit meinen
 Angehörigen kann ich nicht darüber reden. Sie fangen gleich an zu heulen."
 Wer das Leben bewältigen will, muß auch den Tod ins Gespräch bringen, ihn
 innerlich verarbeiten, ihn zum Freund und Bruder machen, wie es Franz von
 Assisi in seinem Sonnengesang und in seinem Leben getan hat. Auch von
 Mozart wird erzählt, daß er sich gut mit dem Tod verstanden hat. er legte
 sich keinen Abend zur Ruhe, ohne an ihn zu denken. Er schlief dennoch gut.
 Schlafstörungen blieben ihm fremd. Wie gut oder schlecht schlafen wir bei
 diesem Gedanken?@{b}
 JESUS, DU BIST FÜR UNS DEN KREUZWEG DER LIEBE GEGANGEN, UM UNS DAS TOR ZUM
 LEBEN ZU ÖFFNEN IN DEINER AUFERSTEHUNG. GIB, DAß WIR DIR AUF DEINEM WEGE
 FOLGEN UND KREUZ, LEID UND TOD ERKENNEN ALS WEGWEISER ZUM NEUEN HIMMEL UND
 DER NEUEN ERDE. AMEN @{ub}                           Hubert Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 9c" "Markus 9,30-37"
@{i}                   Markus 9,30-37                @{ui}
@{b}              Wer ist der Größte?                @{ub}
 Als Kinder wurden wir zum Vergleich Rücken an Rücken gestellt. Wie froh und
 stolz war dann der, der auch nur eine halbe Fingerbreite größer war als der
 Tun und Streben.- Die Männer um Jesus hatten schon einiges erlebt; Größeres
 kam auf sie zu, wie Jesus sagte. Er hatte auch von Leid geredet; das hatten
 sie nicht verstanden, fragten ihn aber nicht weiter danach. Vielleicht
 wollten sie davon lieber gar nichts hören. Sie waren ins Träumen gekommen -
 vom Großsein. Jesus aber führt sie aus ihrem Wunschträumen zurück in die
 Wirklichkeit. Er zeigt den Weg, den er nach dem Willen des Vaters gehen muß
 und den zu gehen er auch entschlossen ist. Unmenschlich hart werden
 Menschen mit dem Sohn Gottes Verfahren. Vor solchen Gedanken verschließen
 die Jünger ihre Sinne. Jesus aber kennt ihre Überlgungen, er Weiß, in
 welche Richtung ihre Gedanken gehen. Er will ihnen Helfen, Ihnen Zeigen,
 wie sie sein Sollen. Er gibt ihnen den Rechten Maßstab an dem kleinen Kind,
 das in ihrer Mitte sie Unbefangen anschaut. Er hebt das Kleine auf und
 drückt es ans Herz: Das tut auch! Wer groß sein will, der werde Diener der
 Geringsten, Verachteten; der werde Schutz den Kleinsten, Schwächsten! So
 wird er in der Nähe Gottes stehen; denn Gott ist der Kleinen und Geringen
 Vater, Helfer und Freund. Was wir ihnen tun, tun wir ihrem Herrn. In den
 Geringsten begegnet uns Jesus. Im Dienst an ihnen können wir ihm, dem
 Herrn, dienen. Es mag sein, daß solcher Dienst an den Geringsten und
 Schwachen, daß solche Hilfbereitschaft, daß solche Unterordnung einen
 schweren Verzicht von uns fordert. Doch dies ist Nachfolge Jesu. Kann es
 denn Größeres geben?@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS,VON DIR LERNEN WIR, NICHT AUF UNSERN WEG ZU SEHEN,
 SONDERN AUF DEN WEG DES ANDEREN. WIR LERNEN ES VON DIR, WIE WIR EINANDER
 NACHGEHEN KÖNNEN. GIB UNS DEN MUT, DAß WIR NICHT SO VIEL AN UNS SELBST
 DENKEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE
@NODE "Markus 9d" "Markus 9,38-41"
@{i}                   Markus 9,38-41            @{ui}
@{b}                   Der ist für uns           @{ub}
 Unser Abschnitt steht mit unter der Überschrift "Der Rangstreit der
 Jünger". Beschämt Gaben die Jünger zu, daß sie darüber gesprochen haben,
 "wer der Größte sei". Jesus macht ihnen deutlich, daß er Einem Kind in
 seiner Machtlosigkeit und Verletzbarkeit ähnlicher ist als den Jüngern, die
 Machtfragen klären wollen. Und das setzt sich auch in den Versen fort, die
 wir jetzt bedenken wollen. Was bringen die Jünger damit in Gang, wenn sie
 einem namenlosen Wundertäter verbieten, im Namen Jesu zu heilen, zu
 trösten, Schaden gutzumachen? Rechthaberisch und eitel wirken sie, wenn sie
 das heilende Handeln eines Menschen mit Mißtrauen ansehen, weil es zwar im
 Namen Jesu geschieht, aber nicht im Auftrag der Gemeinde. Hier Zeichnet
 sich intolerantes, engstirniges, selbstherrliches Denken ab, das in der
 Geschichte eine böse blutige Spur hinterlassen hat. Dies geschah unter
 Menschen, die sich Christen nannten und meinten, der Sache Christi zu
 dienen. Wir wissen davon; es beschämt uns, wir mögen nicht daran denken. In
 diesem Zusammenhang kann für uns wichtig werden, daß Gott nicht das
 ansieht, "was vor Augen ist", sondern "das Herz". Es beeindrucken uns ja
 auch manche Menschen aus anderen Kulturkreisen und aus anderen Religionen
 durch ihr Leben und Wirken, das von einem guten Geist geprägt war oder
 ist. Sie sind nicht Christen, und doch haben wir das gleiche Ziel:
 miteinander in Frieden zu leben und Gutes weiterzugeben. Jesus ruft
 eindeutig zur Toleranz gegenüber Gleichgesinnten auf. "Wer nicht gegen uns
 ist, der ist für uns." Es ist nicht immer einfach, aber durchaus in seinem
 Sinn, diese Toleranz zu leben.@{b}
 HERR GOTT, DU SIEHST UNSER HERZ AN, DU WEIßT, WENN WIR UNS MÜHEN, DEINEN
 WEG ZU FINDEN. GIB UNS KRAFT, DEINEN WILLEN ZU TUN UND ANDERE AUF DEINEN
 WEG MITZUNEHMEN. AMEN.@{ub}


@{i}                   Markus 9,38-41            @{ui}
@{b} Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt weil ihr Christus
    gehört - Amen, ich sage euch: Er wird nicht um seinen Lohn kommen. @{ub}
    Markus 9,41(EÜ)
 Seit mehr als dreißig Jahren leite ich das in der ganzen Bundesrepublik
 Deutschland etablierte Caritasferienwerk Ameland, benannt nach der
 niederländischen Nordseeinsel, auf der jedes Jahr circa 14000 Kinder und
 2000 Betreuer während der Sommerferien Erholung finden. Die Geschichte
 dieser "Kinderinsel" geht zurück auf das Jahr 1918, als die Inselbewohner
 eine Vielzahl deutscher Kinder für ein ganzes Jahr in ihre Familie
 aufgenommen haben, um sie gesund zu pflegen. Ein überzeugendes Beispiel
 christlicher Großherzigkeit, von der der Apostel Paulus im Hebräerbreif
 schreibt: "Vergeßt die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie einige Engel
 beherbergt" (Hebräer 13,2). Ja, sie haben Christus selbst aufgenommen, der
 uns begegnet in vielen Bittstellern, die an unsere Tür klopfen: "Ich stehe
 vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört... bei dem werde ich
 eintreten" (Offenbarung 3,20) - arm und krank, obdachlos, hungrig und
 durstig, als Asylant, als ausländischer Arbeitnehmer, als
 Drogenabhängiger,als Süchtiger und als Behinderter, als der Geringste unter
 den Schwestern und Brüdern. Er ist uns näher als wir denken und vermuten!
 Wie heiß es doch im Brief eines Gefangenen, der aus Sibirien schrieb: "Ich
 suchte Gott, er entzog sich mir. Ich suchte meine Seele, ich fand sie
 nicht. Ich suchte meinen Bruder, da fand ich alle drei." Weshalb suchen wir
 ihn so weit von uns weg? "Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt"
 (Johannes 1,26).@{b}
 HERR, DU WARST UND BIST ZU GAST AUF DIESER ERDE, UM UNS DAS GASTRECHT BEI
 DIR ZU SCHENKEN. LAß UNS DICH ERKENNEN IN DENEN, DIE AN UNSERE TÜR KLOPFEN
 UND BEI UNS ZU GAST SIND. AMEN.@{ub}                        Hubert Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 9e" "Markus 9,42-50"
@{i}                     Markus 9,42-50@{ui}
@{b}                 Habt Frieden untereinander!@{ub}
 Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Verse zu verstehen. Zum einen
 könnten wir den drohenden Ton besonders heraushören und über die
 erschreckende Vorstellung grübeln, daß jemand selber Hand an sich legt, um
 Versuchungen auszuschalten. "Verkrüppelt", "lahm", "einäugig" - diese Worte
 prägen sich schmerzhaft ein, sie lassen sogar an selbstzerstörische
 Tendenzen im Menschen denken. Sie könnten sich geradezu lähmend auf unser
 Bemühen auswirken, als Christen zu leben. Wir wollen ja unbeschädigt
 bleiben, und wir halten daran fest, daß Jesus Menschen wieder heil und
 unbeschädigt machte. Damit sind wir bei der anderen Möglichkeit - bei der
 Chance, durch Gottes Vergebung jeden Tag neu anzufangen und hinter uns zu
 lassen, was uns von ihm trennt. Wir müssen nicht an schlechten Gewohnheiten
 festhalten, uns nicht mit sattsam bekannten Eigenschaften quälen, wir
 müssen uns nicht mit Belastungen des Lebens abfinden, die uns allesamt von
 einem Weg, wie wir ihn uns als Christen wünschen, wegführen. Gott ist zur
 Vergebung bereit. Trennen sollten wir uns höchstens von einem Menschen, der
 uns bewußt hindert, Gott zu suchen. Freilich bleibt es uns nicht erspart,
 uns selbst zu fragen, an welcher Stelle wir andere davon abhalten, nach
 Gott zu fragen und seinen Willen zu erfüllen. Die Aufforderung am Schluß
 unseres Abschnitts: "Habt Frieden miteinander!" macht wohl deutlich genug,
 worum es eigentlich geht. Die Unruhestifter, gleich, ob sie Krieg im
 Kleinen wie im Großen betreiben - sie sind es, die Jesus kategorisch
 ablehnt, denen er Strafe androht.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU BIST UNSER RICHTER, UND DU BIST UNSER RETTER. AUCH
 IM GERICHT SCHENKST DU UNS DEINE VERGEBUNG. LAß UNS FREI BLEIBEN VON ANGST
 UND HILF UNS, DEINE LIEBE UND DEINEN FRIEDEN WEITERZUGEBEN. AMEN
                      Holunderblüte@{ub}           Gedicht
 Der leider zu früh verstorbene Dichter Bobrowski hat uns ein Gedicht
 hinterlassen, das uns Christen an schuldhafte Vergeßlichkeit erinnert:
          Es kommt Babel, Isaak. Er sagt Progrom, als ich Kind war,
          meiner Taube riß man den Kopf ab.
          Häuser in hölzerner Straße, mit Zäunen, darüber Holunder.
          Weiß gescheuert die Schwelle, die kleine Treppe hinab -
          Damals, weißt du, die Blutspur.
          Leute, ihr redet: Vergessen -
          Es kommen die jungen Menschen,
          ihr Lachen wie Büsche Holunders.
          Leute, es möcht der Holunder sterben
          an eurer Vergeßlichkeit.


@{i}                    Markus 9,42-50@{ui}
@{b} Habt Salz in euch, und haltet Frieden untereinander!@{ub}Markus9,50(EÜ)
 Fürwahr, eine gesalzene Predigt, die Jesus uns da hält. Er wird noch
 deutlicher in Matthäus 5,13: "Ihr seid das Salz der Erde." Es ist übrigens
 die erste Predigt, die wir hier auf Erden von ihm gehört haben. In der
 Stunde der taufe hat er uns dieses Wort buchstäblich in den Mund gelegt,
 als uns der Priester eine Prise Salz gereicht hat und dabei sprach:
 "Empfange das Salz der Weisheit!" Getauft sein heißt: Salz sein für diese
 Welt. Sie ist auf uns Christen angewiesen wie das Leben auf das Salz, denn
 Salz ist lebensnotwendig. Ein befreundeter Missionar in Uganda/Afrika sagte
 mir einmal. "Bei uns sterben die Menschen aus Mangel an Salz." Es ist eine
 Binsenwahrheit: ohne das Salz ist kein Leben auf der Erde denkbar. Die
 Weltmeere würden ohne Salz in Fäulnis übergehen. Christen sind überall da
 gefragt, wo etwas "faul" ist in der menschlichen Gesellschaft, wo die
 zwischenmenschlichen Beziehungen gestört sind, wo Menschen einander die
 Liebe verweigern, wo das Lebensrecht der geborenen und Ungeborenen in Frage
 gestellt, wo der Friede zwischen den Menschen, Völkern und Rassen bedroht
 ist, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Salz verhütet die
 Fäulnis. Salz hat tragende Kraft. "Einer trage des anderen Last"(Galater
 6,2), so mahnt uns der Apostel Paulus. Wir tragen als Getaufte
 Verantwortung für eine Welt des Friedens und des Miteinanders. Maya
 Angelou, die große Schülerin Martin Luther Kings, sagte es einmal so:
 "Entweder wir leben miteinander oder wir werden nicht existieren."
 Salz ist gefragt, das Salz der Liebe, der Hoffnung und des Friedens, das
 Salz Jesu Christi, das wir selber sind.@{b}
 HERR, DU WILLST, DAß WIR DAS SALZ FÜR DIESE ERDE SIND. SALZ, DAS DIE
 FÄULNIS VERHÜTET UND SEINE TRAGENDE KRAFT ENTFALTET. BLEIBE BEI UNS UND IN
 UNS, DAMIT DIESES SALZ NICHT SCHAL WIRD UND BRAUCHBAR BLEIBT FÜR DAS LEBEN
 DIESER WELT. AMEN@{ub}                               Hubert Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 10a" "Markus 10,1-12"
@{i}                    Markus 10,1-12@{ui}
@{b}                     Mann und Frau@{ub}
 Wären wir alle so, wie Gott uns haben will, dann hätten wir es nicht nur
 schöner, sondern in gewissem Sinn auch leichter. Dann brauchte es kein
 Strafgesetzbuch zu geben. Dann wären viele Vorschriften überflüssig. Dann
 gäbe es nur Ehen auf Lebenszeit. In einer christlichen Ehe wissen Mann und
 Frau: Wir wurden für immer zusammengeführt; einer ist für den anderen da,
 solange er atmet. So hat es der Schöpfer geordnet. Von daher gesehen, und
 für Jesus ist das selbstverständlich, kann es gar keine Trennung geben.
 Zerbricht eine Ehe, so ist an dieser Stelle die Ordnung Gottes gestört. Es
 ist im wahren Sinne des Wortes etwas "nicht in Ordnung". Dann muß die
 Gesetzgebung regelnd eingreifen; in Jesu Sinn ist das ein Notbehelf. Unser
 Herz hat sich verhärtet gegen das, was von Gott her natürlich ist. Die
 Formen des Gesetzes können sich ändern. Das Alte Testament räumt nur dem
 Mann das Recht ein, eine Trennung herbeizuführen. Wer das Glück hat, in
 einer guten Ehe zu leben, sollte nicht vorschnell über andere urteilen: Das
 hätten sich die beiden vorher überlegen müssen. Manche Schwierigkeiten
 lassen sich vorher nicht ermessen. Der eigene gute Wille vermag viel, aber
 er kann nicht alles. Es sind immer zwei, auf die es ankommt. Mitunter macht
 die Ehe Wesenszüge sichtbar, die man weder sich noch dem anderen zugetraut
 hat. Das ist manchmal erschreckend. - Je bewußter zwei Menschen einander
 das Ja gaben und je ernster sie den Segen am Altar nahmen, desto leidvoller
 ist das Zerbrechen einer Ehe.@{b}
 HERR CHRISTUS, DEIN WORT MACHT UNS DEUTLICH, WAS GOTT WILL. WIR VERSUCHEN
 DEIN WORT ERNST ZU NEHMEN. ENTZIEHE UNS DEINE HAND NICHT, WENN WIR SIE AM
 NÖTIGSTEN BRAUCHEN, WENN WIR UNSICHER ODER LIEBLOS WERDEN. AMEN

                             Zum Hochzeitstage@{ub}    Gedicht
                  Was du mir bist, kann ich dir nimmer sagen,
                  Die Worte sind zu arm für solches Gut.
                  Du aber weißt es, ohne viel zu fragen,
                  Was tief im Herzen still verborgen ruht.

                  Matthias Claudius hat einmal gesungen
                  Ein hohes Lied zu seiner Frauen Preis.
                  Sein Klang ist mir ins Innerste gedrungen.
                  Nichts Bessres ich dir heut zu sagen weiß.

                  Was er erfuhr, das durft auch ich erleben,
                  Dasselbe fühl ich, was auch er empfand:
                  "Nicht ich fand dich, Gott hat dich mir gegeben,
                  So segnet keine andre Hand."
                  @{i}       Alexander Münch


                        Markus 10,1-12@{ui}
@{b} Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.@{ub}
 Markus 10,9 (LB)
 Jedes von Gott gegebene Gebot will uns zeigen, wie wir am besten durchs
 Leben gehen können. Unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen
 soll nicht im Argen liegen. Zugleich zeigt uns jedes Gebot aber auch, wie
 unfähig wir im Grunde sind, dem zu entsprechen, was Gott von uns fordert.
 Heute wie damals steht die Verbindung von Mann und Frau unter der
 besonderen Verheißung, dem Schutz und Willen Gottes, "daß die beiden
 ein Leib sein werden", den man nicht ohne weiteres wieder trennen könnte.
 Als sich von Gott zusammengeführt zu wissen, ist von großer Bedeutung, und
 was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Am Willen
 Gottes und am Glauben festzuhalten, fällt uns in Not und Anfechtungszeiten
 oft schwer. Unsere Not ist die Not unserer eigenen Unzulänglichkeiten,
 unseres Versagens, woran wir oft an uns selbst scheitern, an Gott und am
 Nächsten schuldig werden, auch am Zerbrechen einer Ehe. Auch Spannungen
 auszuhalten fällt uns oft zu schwer. Wir gehen den leichten und doch nicht
 gottgefälligen Weg. Wir lösen auf, was Gott nicht lösen will. Wo wir
 unterliegen, zeigt sich, wie schwach unser Vertrauen auf Gott in unserem
 Alltag ist. Das 6. Gebot steht heute mehr denn je auf dem Prüfstand. Bei
 Mose wird von der Herzenshärtigkeit der Menschen gesprochen, die dem
 Anspruch Gottes im Wege steht und seine Schöpfungsordnung als Un-Ordnung
 menschlichen Lebens zu zerstören droht. Die gilt es zu überwinden. Das Wort
 Gottes behält seine ewige Gültigkeit, Jesus verleiht dem Nachdruck als
 wiederherzustellende Lebensnorm. Es dient uns letztlich nur zum Besten.@{b}
 GOTT, GIB MIR DIE KRAFT UND DEN WILLEN, ZUM GUTEN ZU LEBEN, DEINE GEBOTE ZU
 ACHTEN, DICH UND MEINEN NÄCHSTEN ZU LIEBEN, GERADE AUCH IN SCHWIERIGEN
 SITUATIONEN NICHT ZU VERSAGEN.@{ub}                    Reiner Oprotkowitz

@ENDNODE
@NODE "Markus 10b" "Markus 10,13-16"
@{i}                    Markus 10,13-16@{ui}
@{b}                   Wehret ihnen nicht@{ub}
 Diese Sätze, mit denen Jesus seine Jünger zurechtwies, sind uns
 wohlbekannt. Oft wurden sie gelesen und gehört, wenn Eltern und Paten ein
 Kind an den Taufstein brachten. Aber sie gelten nicht nur für die Taufe.
 Jedesmal werden sie befolgt, wenn Erwachsene den Weg zu Jesus bahnen oder
 erleichtern. Christliche Eltern sollten sich das immer von neuem sagen
 lassen, um ihre Aufgabe nicht zu leicht zu nehmen. Mancher versichert: Ich
 lege meinem Kinde nichts in den Weg. Aber schon das ist im Grunde ein
 "Wehren". Ein Kind braucht Anleitung, so wie man ein Kind an die Hand
 nimmt, damit es nicht hinfällt. Oder es wird gesagt: Ich will mein Kind
 nicht beeinflussen, später kann es sich selbst entscheiden. Das klingt
 einleuchtend. Aber oft ist es nur ein Vorwand für Gleichgültigkeit und
 Trägheit. Wer sich allzusehr zurückhält, macht den Weg eines jungen
 Menschen schwerer. Keine Mutter käme auf den Gedanken, ihr Kind erst dann
 zu versorgen, wenn das Kind verständig geworden ist und die Pflege
 verlangt. Je hilfloser ein Kind ist, desto dringlicher ist es auf Fürsorge
 angewiesen. Und wer im eigenen Dasein erfährt, welchen Halt das Evangelium
 schenkt, wird dem Kinde nicht die beste Lebenshilfe vorenthalten. Jedes
 Kind, das die Hände faltet, kann uns daran erinnern: Vor Gott bleiben wir
 alle Kinder. Wir haben nichts zu fordern. Aber wir dürfen vertrauend die
 Hände aufhalten und uns beschenken lassen. Vergessen wir das, dann verbauen
 wir uns selbst den Weg zu Gott.@{b}
 LIEBER HERR, WIR SIND VERANTWORTLICH FÜR JEDES UNS ANVERTRAUTE KIND. DU
 BESCHENKST UNS IM GLAUBEN. LAß UNS DEINE BOTSCHAFT IMMER BESSER VERSTEHEN,
 DAMIT WIR SIE RECHT DEUTLICH WEITERSAGEN. AMEN. @{ub}


@{i}                     Markus 10,13-16@{ui}
@{b} Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht
 hineinkommen.@{ub} Markus 10,15 (ÖT)
 Die Botschaft des Evangeliums gilt allen Menschen gleich welcher Stellung
 und welchen Alters. Das Entscheidende ist die Bereitschaft zum Hören, zur
 Annahme seines Rufes zum Glauben, zum Himmelreich. Jesus verkörpert die
 Liebe Gottes zu uns Menschen in einzigartiger Weise. In einem neuen Lied
 heißt es: "Es ist niemand zu groß, es ist niemand zu klein, es ist niemand
 zu arm oder zu reich. Es ist niemand zu einfach und niemand zu fein; seine
 Liebe gilt für alle gleich. Gott öffnet jedem die Tür, jedem der ihn
 fragt..." Mit Jesus ist die Tür zum verlorenen Paradies wieder
 aufgeschlossen, der Zugang zum himmlischen Vater neu geöffnet. Jesus macht
 uns klar, wie wir den Weg zu Gott finden können. Am Beispiel der Kinder,
 die Jesus segnet, macht er den Menschen damals und heute deutlich, worum es
 geht: Es ist wie mit einem Geschenk, das man einfach annehmen kann. Es
 bedarf keiner großen Anstrengung, es gibt auch keinen besonderen Bonus. Wem
 Jesus sich zuwendet, wen er einlädt, der ist gefragt und willkommen. So
 lädt er auch die Unscheinbaren oder gar Verachteten ein, auch die Kinder.
 Schon ihnen gilt seine ganze Liebe und die Verheißung und sein Segen.
 Bei Erwachsenen spielen Kinder oft nur eine untergeordnete Rolle. Sie
 müssen erst einmal das Leben lernen. Für die Jünger jedenfalls gab es
 Wichtigeres, womit sich Jesus hätte beschäftigen können. Doch genau hier
 setzt Jesus an: "Lasset die Kinder zu mir kommen", und "wer das Reich
 Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen!"
 Es gibt nichts Wichtigeres, als zu Jesus zu kommen, und zwar im Vertrauen;
 mit offenen Händen und Herzen, wie ein Kind, um den Segen Gottes zu
 empfangen, um teilzuhaben am Reich Gottes.@{b}
 JESUS, LAß MICH DEINE EINLADUNG NIE ÜBERHÖREN. LAß MICH ZU DIR KOMMEN WIE
 EIN KIND, UM BEI DIR FÜR IMMER GEBORGEN ZU SEIN.@{ub}
                                                     Reiner Oprotkowitz

@ENDNODE
@NODE "Markus 10c" "Markus 10,17-27"
@{i}                     Markus 10,17-27@{ui}
@{b}                    Was soll ich tun?@{ub}
 da will einer etwas von Jesus. Er verlangt nichts von dem, was im
 allgemeinen als erstrebenswert gilt: Gesundheit, gutes Auskommen, ein
 befriedigender Beruf mit reichlicher Entlohnung, eine ordentliche Wohnung,
 verläßliche Freunde. Der junge Mann, der Jesus in den Weg tritt, möchte
 etwas über den Bereich dieses Daseins hinaus: Leben der Ewigkeit, dauernde
 Verbindung mit Gott. Er ahnt, daß Jesus dafür zuständig ist. Jesus gehört
 zu Gott, denn er geht seinen Weg in Demut und Gehorsam. Jesus erwidert: Wer
 mit Gott vereint sein will, muß zunächst verwirklichen, was Gott fordert,
 also seine Gebote. Das hat der Fragende schon getan, aber er merkt
 offenbar: das reicht nicht aus. Das Weitere gibt aber ihm einen Schock: Er
 soll alle Annehmlichkeiten des Reichtums aufgeben? er soll in der Nachfolge
 Christi leben wie seine Jünger? Daran scheitert er. Da geht auch den
 Jüngern auf: aus eigener Kraft kann überhaupt keiner selig werden. Für uns
 fängt das Problem schon früher an. Ist es uns überhaupt der Rede wert, was
 der Mann ersehnte? In manchem Gebet haben wir eine solche Bitte mit unserem
 Amen bekräftigt. Doch wir taten es halbherzig. Im Grunde scheinen uns die
 gleichen Dinge unentbehrlich wie denen, die Jesus fernstanden oder
 fernstehen. Hinge alles nur von unserem Wollen und Bemühen ab, dann stünden
 wir bei Gott vor verschlossener Tür. das muß einen nachdenklichen Menschen
 schon erschrecken. Nur eines ist tröstlich: Gott kann die Tür zu sich
 auftun. "Alle Dinge sind möglich bei Gott."@{b}
 HERR, BEWAHRE UNS DAVOR, DAß WIR UNS ETWAS VORMACHEN. HILF, DAß UNS DIE
 NACHFOLGE ERNST WIRD. LAß UNS DRINGLICH WERDEN, WAS WIR HALB
 GEWOHNHEITSMÄßIG ERBITTEN. LAß UNS GOTT VON GANZEM HERZEN SUCHEN. AMEN@{ub}



@{i}                    Markus 10,17-27@{ui}
@{b} Jesus antwortete: "Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer
 Gott, dem Einen!"@{ub}  Markus 10,18 (EÜ)
 "Ich kann keiner Fliege etwas zuleide tun!", sagen viele von uns, und das
 heißt doch: "Ich bin sauber!" Den ethischen Forderungen halte ich stand,
 die zehn Gebote eingeschlossen: Das verbindet uns alle, die kirchlich
 Fernen in unserem Lande und die, die sich treu und engagiert zur Gemeinde
 halten.
 Ab und zu lassen wir uns verunsichern, dann zwackt es uns doch, wenn wir in
 Magazinen von den Schwierigkeiten Arbeitsloser, sehr armer Rentner,
 Obdachloser in unserem Land und dem Elend flüchtender, hungernder und
 gewaltmäßig sterbender Menschen in anderen Ländern erfahren.
 Jesu Anfrage an uns reiche Jünglinge verdrängen wir leicht: "Die haben doch
 selber Schuld, die sollen mal bei sich Ordnung schaffen." Bei einigen von
 uns aber bleibt das Unbehagen des Bildes vom Kamel und Nadelöhr. Da spüren
 wir angesichts dieses Wortes Jesu und der Lage unzähliger Elender, daß wir,
 die wir "keiner Fliege etwas zu Leide tun können", Leid mit ansehen und
 Leid nicht erfahren, ohne genug dagegen zu tun. Und wir merken: "Gut" sind
 wir nicht. Da kann es tröstlich sein, daß Jesus selbst sagt: "Was nennst du
 mich gut? Gott allein ist gut", und: "alles ist möglich bei Gott"(Vers 27),
 auch eben, daß wir trotz allem seine Gnade finden.
 Daß nach der Klarstellung der Unvereinbarung "Reichtum" und "Reich Gottes"
 Jesus die Möglichkeit eines guten Ausgangs offenläßt, soll uns dann aber
 ermutigen, mehr Mut, Phantasie und Energie darauf zu verwenden, daß Gottes
 Gebote für alle Menschen bei uns und in der Ferne zur Wirkung kommen.@{b}
 HERR, WENN ICH AUF MEINEN REICHTUM, DEN MATERIELLEN UND DEN GEISTIGEN,
 SEHE, BITTE ICH DICH VON HERZEN: ICH GLAUBE, HILF DU MIR MEINEM UNGLAUBEN.
@{ub}                                              Dietrich Teschke


@ENDNODE
@NODE "Markus 10d" "Markus 10,28-31"
@{i}                     Markus 10,28-31@{ui}
@{b}                     Um meinetwillen@{ub}
(Wer sich auf ein Geschäft einläßt, überschlägt vorher den Gewinn.) Wer
 etwas Wichtiges unternimmt, auch wer etwas kauft oder verkauft, das Wert
 hat, überlegt sich erst: Lohnt es sich wirklich? Das braucht weder
 kleinlich noch selbstsüchtig zu sein. Es geht auch gar nicht immer um bares
 Geld. Wir möchten wissen, ob die Sache es wert ist, daß wir uns für sie
 einsetzen. Haben wir es getan, dann fragen wir es uns rückblickend. Können
 wir es bejahen, dann bedauern wir unsere Mühe nicht. Die Männer, die sich
 um Jesus scharten, taten einen folgenschweren Schritt. Dieser Schritt
 führte sie in einen ganz neuen Daseinsbereich. Aber gleichzeitig bedeutet
 es: sie ließen viel hinter sich: die gewohnte Umgebung, ein bescheidenes,
 aber sicheres Auskommen, Menschen, die ihnen nahestanden. Es war ein
 selbstloser Schritt, denn er geschah um Jesu willen. Jesus hatte sie mit
 Wort und Tat innerlich überwunden. Sie wollten sich nicht mehr von ihm
 trennen. Petrus fragt keineswegs: was haben wir nun davon? Er stellt nur
 die Tatsache fest: wir gehören zu dir. Jesus selbst aber gibt ihm zu
 erkennen: Sei überzeugt, es lohnt sich. Ihr habt kein leichtes Leben
 eingetauscht. Es kann sogar für die Jünger ein Leben unter Verfolgungen
 werden. Aber in der Gemeinde finden sie -nach Jesu Wort- neue Freunde und
 Verwandte. Gastfrei werden sie sie aufnehmen und für euch sorgen. "Um
 meinetwillen" haben die Jünger das Frühere aufgegeben; "um des Evangeliums
 willen" können wir vieles tun. damit sind wir Jesus ebenso nahe wie die
 Jünger. Und uns wird ebenso vergolten, jetzt und in der Ewigkeit. Berechnen
 läßt es sich freilich nicht. Bei Gott geht es oft überraschend zu, aber
 nicht unbarmherzig.@{b}
 HERR, NUR IN DEINER NÄHE BEGREIFEN WIR, WIEVIEL DU UNS SCHENKST DURCH DEIN
 WORT UND DURCH DEINE GEMEINDE. WIR DANKEN DIR, DAß WIR ZU DEN DEINEN
 GEHÖREN. MACH UNS BEREIT, UM DEINETWILLEN AUF ETWAS ZU VERZICHTEN. AMEN
@{ub}


@{i}                    Markus 10,28-31@{ui}
@{b} Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein,
 und die Letzten werden die Ersten sein.@{ub} Markus 10,31 (EÜ)
 Das wäre ja wohl "das Letzte", so plustert sich mancher auf, alles zu wagen
 für einen Glauben, für eine Idee, die gut, aber doch utopisch ist.
 Die Bergpredigt Jesu - gewiß, ein gutes und richtiges Programm, aber die
 Welt sieht anders aus, da müssen wir uns arrangieren, eben ein Stück
 absichern. Die Meinung der anderen, den guten Ruf, die Anerkennung wollen
 wir schon behalten in unserer Umgebung, auch wenn wir uns inbrünstig zu
 Christus bekennen. Und so verfahren wir nicht nur als einzelne, so
 verfahren wir alle zusammen dann auch als Kirche ("Frieden schaffen mit und
 ohne Waffen").
 "Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt", stellt Petrus fest.
 Aus der Entgegnung Jesu wird klar, daß er dies nicht ohne Stolz feststellt,
 sondern mit einiger Unsicherheit, vielleicht mit der Frage nach genügender
 Absicherung. Jesus beruhigt ihn damit, was dieser selbst wohl auch schon
 erfahren hat, und bestätigt: Wenn du dich ganz auf mich verläßt, wird es
 nicht "das Letzte" sein, sondern das Erste, die Erfüllung.
 Wer also um der Forderung Jesu nach unteilbarer Liebe alte Anerkennungen
 und Geborgenheiten verlassen muß, wird schon hier und heute finden, und
 diese Geborgenheit bleibt ewig. Gibt es da Erfahrungen? Ich wurde an viele
 "Erfahrungen" erinnert, an denen ich durch meinen Beruf Anteil haben
 konnte. Eines von vielen: Ein Autoschlosserlehrling, Fan eines Fußballclubs
 zuhause in normal bürgerlichen, "unkirchlichen" Verhältnissen, besucht
 durch Kontakt mit Gemeindejugendlichen den Kirchentag. Seitdem
 interessieren ihn Fragen des Friedens, des Hungers in der dritten Welt, der
 Erhaltung der Schöpfung gegenüber der Bedrohung unserer
 Wirtschaftsexpansion mehr als Sportergebnisse - zum Verdruß seiner Familie.
 Aber er hat auch eine neue Familie, eine Gemeinschaft in der Gemeinde
 gefunden.@{b}
 HERR, GIB MIR MUT, DIR NACHZUFOLGEN OHNE ABSICHERUNG. LAß MICH DEINE
 SICHERUNG ERFAHREN. AMEN@{ub}                       Dietrich Teschke

@ENDNODE
@NODE "Markus 10e" "Markus 10,32-45"
@{i}                     Markus 10,32-45@{ui}
@{b}                    Wer groß sein will@{ub}
 Ein Blick in die Zukunft - wie oft wünschen wir uns den! Freilich ist es
 eine zwiespältige Regung. Wüßten wir, was auf uns zukommt, würden wir
 manches anders und richtiger machen. Andererseits ist es doch gut, daß der
 Vorhang vor unseren Augen uns das Kommende verbirgt. So bleibt die
 Gegenwart unbeschattet. Jesus geht seinen Schicksalsweg bewußt, Hin und
 wieder läßt er seine Jünger einen Blick in die Zukunft tun, und auf das
 bittere, notvolle Geschehen in Jerusalem. Erst haben sie seine Andeutungen
 nicht verstanden. Unwillkürlich verschließt sich der Mensch gegen das, was
 er nicht wahrhaben will. Die Wirklichkeit ist zu verschieden von dem, was
 die Gefolgschaft Jesu erträumt: Er, der ihnen der Größte ist, steigt nicht
 zur Herrschaft auf, sondern soll in Gericht und Tod gehen. Prophetenworte
 wiesen bereits auf das Geheimnis hin: Der Retter, den Gott schickt, muß ins
 tiefste Leid, um zum Retter zu werden. Die Feinde versuchen ihn
 auszulöschen und gerade dadurch machen sie ihm den Weg frei zur Größe. Kaum
 dämmert diese Erkenntnis, da regt sich auch gleich der menschliche Ehrgeiz.
 Leidenskelch und Todestaufe wollen zwei Jünger annehmen, wenn es sein muß.
 Dann aber wollen sie auch Ehrenplätze an der Seite des Herrn, wie Berater
 dicht neben ihm. So blind sind die beiden Männer aus der nächsten Umgebung
 Jesu für seine Lebensgrundsätze. Wer seinen Willen durchsetzt, um dadurch
 etwas zu werden und andere zu knechten, wird dadurch nicht groß in der
 Gemeinde Jesu. Nur einer, der anderen "dient", hat Anteil an Jesu Größe.
@{b} HERR, MACH UNS KLAR, DAß DEINE MAßSTÄBE NICHT DEM ÜBLICHEN BRAUCH
 ANGEGLICHEN SIND. WIR DANKEN DIR ABER, DAß DU FÜR UNS DA BIST, UND WIR
 WOLLEN FÜR ANDERE DA SEIN. LAß UNS DAS GELINGEN UND IN DEINER SCHULE
 LERNEN. AMEN@{ub}


@{i}                   Markus 10,32-45@{ui}
@{b} Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu
 lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für
 viele.@{ub}  Markus 10,45 (EÜ)
 Also, wenn wir beten, uns auf ihn berufen, ihn als unser Vorbild (unseren
 Meister) ansehen, dann gilt das für uns: Die Starken dienen den Schwachen,
 der Höchste ist der Diener. Luther hat das auf die Kirche übertragen: das
 Priestertum aller Gläubigen. Und er setzte damit den Anspruch des Papsttums
 im ursprünglichen Sinne durch, so wie es jeder Papst versteht nach einem
 seiner ursprünglichen Titel: "Servus servorum", das heißt: Diener der
 Diener, demonstriert durch die jährliche Fußwaschung. Hält der Anspruch der
 Kirchen, gerade diesem Wort Jesu -gewarnt von den Bitten der Söhne des
 Zebedäus-, zu entsprechen, der Wirklichkeit stand?
 Da ist wohl so manches Sündenbekenntnis fällig: "Herr, die Herrscher halten
 ihre Völker nieder und die Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Und so geht es
 im Kirchenvolk oft auch zu! Erbarme dich unser!" Und auch wir als einzelne
 Christen stehen nicht besser da, wo wir vielleicht meinen: Na ja, die
 Kirche als menschliche Institution hat eben Fehler, aber wir doch ebenso.
 Wenn zum Beispiel Eltern auf ihre Macht pochen unter Hinweis auf das vierte
 Gebot, dann dürften sie dies nur, wenn sie sich als Diener ihrer Kinder
 verstehen. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, werden wir uns auch
 persönlich aufgrund unseres Textes zu einem Sündenbekenntnis genötigt
 sehen. Wenn es nach dem Willen Jesu ginge, der hier zum Ausdruck kommt,
 wäre wohl ein Hauch des Reiches Gottes schon heute unter uns spürbar, im
 Privaten, in der Kirche und der Öffentlichkeit. Wir können ja dem Text
 antworten mit Gedanken, Worten und Werken!@{b}
 HERR ALLER HERREN, DU BIST ZU UNS ALS DIENER GEWORDEN. GIB, DAß ICH MICH
 NICHT ÜBER DICH STELLE UND MEIN GESCHENKTES, UNVERDIENTES LEBEN ZUM DIENST
 SINNVOLL NUTZE.@{ub}                                 Dietrich Teschke

@ENDNODE
@NODE "Markus 10f" "Markus 10,46-52"
@{i}                    Markus 10,46-52@{ui}
@{b}                  Sehen und Nachfolgen@{ub}
 Auf ein Geschehnis, das unmittelbar vor einem wichtigen Unternehmen liegt,
 fällt ein besonderes Licht. Es ist eine Art Vorzeichen. Unmittelbar vor dem
 Einzug in Jerusalem ist es ein Blinder, dessen Bitte Jesus hört und dem
 er hilft. Wenn Gott den ersehnten Heiland sendet, dann werden die Augen der
 Blinden aufgetan. So lesen wir es im Alten Testament. Die Weissagung ist
 mehrdeutig. Wenn die Zeit erfüllt ist, dann gibt es Heilung. Die Hilfe kann
 aber auch darin bestehen, daß den Verblendeten die Augen geöffnet werden
 für den Retter und für den, der ihn sandte. Der Ruf des Leidenden ist aus
 persönlicher Not geboren. Gleichzeitig nimmt sein Ruf schon etwas von dem
 Jubel voraus, der den einziehenden Christus grüßt. Der Blinde hat erfahren,
 daß Jesus von Nazareth vorbeikommt. Da findet er für ihn den Namen "Sohn
 Davids". Das macht seinen Ruf zum Christusbekenntnis. Er läßt sich nicht
 zum Schweigen bringen. In festem Vertrauen gibt er sich in die Hand Jesu.
 Er hat zwar blinde Augen, aber er erkennt, wer Jesus ist. Jesus ist sein
 Herr, der Herr seines Lebens. Diese Gewißheit bringt die rettende Wende.
 "Dein Glaube hat dir geholfen", sagt Jesus. Wie ernst es dem Glaubenden
 ist,wird nach der Heilung deutlich. Ihm wurden die Augen für Jesus
 aufgetan. Es gibt nur eine natürliche Folge: bei Jesu bleiben, Jesu
 nachfolgen. Jedes Wort des Evangelisten besitzt tiefen, allgemeingültigen
 Sinn: Sei getrost, stehe auf, er ruft dich. Es kommt darauf an, daß wir
 Jesu Stimme hören und ihn erkennen. Er weist uns den rechten Weg.@{b}
 LIEBER HERR TROTZ GESUNDER AUGEN KANN MAN BLIND SEIN FÜR DIE WAHRHEIT.
 GIB, DAß DEIN WORT UNS FÜR DICH DIE AUGEN ÖFFNET. VIELLEICHT ERHÖRST DU
 UNSERE BITTE NICHT WÖRTLICH. ABER DU WIRST UNS GETROST MACHEN. AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 10,46-52@{ui}
@{b} Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm, zu schweigen. Er aber schrie
 noch lauter: "Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!"@{ub} Markus 10,48 (EÜ)
 Wie Bartimäus gibt es sie heute noch: leidende und gequälte Menschen, die
 von der "würdigen" Kirche ferngehalten werden sollen, obwohl sie von ihr
 Annahme und Hilfe erwarten. Ich denke besonders an Homosexuelle (auch
 solche, die ihre Kraft für den Dienst in der Kirche einsetzen wollten), an
 Suchende und Unentschlossene, an unbequeme, zügellose Jugendliche. Von
 vielen werden sie nicht nur angefahren, sie sollten stillschweigen (Vers
 48), sondern auch weggedrängt und -gestoßen.
 Heute ist Jesus nicht dabei, um Einhalt zu gebieten. Wir können nur hoffen,
 daß an seiner Stelle viele sich -und wir erst recht- einsetzen und alle
 "Mühseligen und Beladenen" zu uns kommen lassen. Gewiß wenden sich die
 Christen und Kirchen offen den leidenden zu - in Diakonie und
 Entwicklungshilfe. Aber es gibt eben die grundsätzlich "Nicht-Genehmen",
 die ruhig sein sollen. Zu Luthers Zeiten waren es geknechtete Bauern,
 später Flüchtlinge, vor Jahrzehnten das Verelendete Proletariat und heute
 unter anderem die anfangs genannten Gruppen. Unangenehme, ja auch
 ablehnende Menschen können in ihrer Haltung uns gegenüber damit stilles
 Suchen nach Sinn -vielleicht gerade erwartet durch uns!- kaschieren. Viel
 Geduld und Einfühlungsvermögen werden uns abverlangt. Aber wie sollten wir
 sie nicht aufbringen, wo es unser Herr uns zugute immer wieder tat?@{b}
 HERR, ES GIBT MIR UNSYMPATHISCHE UND GLEICHGÜLTIGE MENSCHEN, DEINE
 GESCHÖPFE. MACHE MICH SENSIBEL, DAß ICH ERKENNE, WER MICH BRAUCHT UND WEM
 ICH HILFE SEIN DARF IN DEINER LIEBE. LAß MICH MITTEN IN MEINEN GEWOHNHEITEN
 NEUE ENTDECKUNGEN MACHEN! AMEN.@{ub}                Dietrich Teschke

@ENDNODE
@NODE "Markus 11a" "Markus 11,1-11"
@{i}                    Markus 11,1-11@{ui}
@{b}                Enttäuschte Erwartungen?@{ub}
 Der Besuch eines Staatsmannes ist oft mit einem feierlichen Empfang
 verbunden. Dazu gehören die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen, das
 Beste ist für den hohen Gast gerade gut genug. Jesu Einzug nach Jerusalem
 ist viel einfacher, doch bis heute unvergessen. Das Füllen ist geborgt. Es
 handelt sich wahrscheinlich um einen Esel. Kein stolzes Schlachtroß steht
 Jesus zur Verfügung, überhaupt kein eigenes Tier. Einziger Schmuck des
 Reittieres Jesu sind Kleidungsstücke, Kleider auch auf dem Weg, zur
 Begrüßung ein paar von den Bäumen abgeschnittene oder abgerissene grüne
 Büschel. Und selbst das "Hosianna" (wörtlich: Hilf doch!) konnte jedem
 anderen Pilger gelten. Allen Israeliten war es wohlbekannt. Es wurde bei
 Wallfahrtsfesten gesprochen und einander zugerufen. Und dennoch erkennt die
 Gemeinde nach Ostern in diesem Einzug das Erscheinen ihres Königs und
 Herrn, sie sieht in ihm die Erwartung des verheißenen Messiasreiches
 erfüllt. Das "Hilf doch" - er hat es gehört. Für ihn war dieser Hilferuf
 mehr als der Bestandteil einer Festliturgie. Er hat ihn ernst genommen und
 ist ihm gefolgt, im Leben und im Sterben. Darum nennt ihn Markus gerade
 hier "Herr" und Heiland all derer, die sich an ihn wenden mit dem Schrei:
 Hosianna, hilf doch! Vielleicht erhoffte das Volk damals einen glanzvollen
 Einzug in den Königspalast und die Vertreibung der verhaßten römischen
 Besatzungsmacht. Vielleicht träumen auch wir heute von einem glänzenden und
 erfolgreichen Gott, der mit Gewalt gegen das Unrecht dieser Welt vorgeht.
 Doch sein Thron draußen vor den Toren der Stadt war das Kreuz.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS HÖRST, WENN WIR ZU DIR RUFEN. WIR DANKEN
 DIR, DAß WIR DEINE HILFE ERFAHREN, TÄGLICH NEU. LAß UNS NICHT VERGESSEN,
 DAß DU ZU DENEN GEHÖRST, DIE "DRAUßEN" SIND. AMEN

                          Herr, unser Herrscher@{ub}       Gedicht
                      Herr, unser Herrscher, den man lobt
                      im Himmel und auf Erden,
                      die Macht der Feinde, wie sie tobt,
                      muß doch zuschanden werden.

                      Du führst ein ander Macht herbei,
                      der Kindlein töricht Lallen,
                      an ihrem jungen Lobgeschrei
                      hast Du ein Wohlgefallen.

                      Was ist der Mensch, daß Du gedenkst,
                      Dich seiner zu erbarmen,
                      dem Niedrigen die Krone schenkst
                      und reichen Schmuck dem Armen?
                      @{i} Heinrich Vogel


                          Markus 11,1-11@{ui}
@{b} Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommet. Hosanna in
 der Höhe!@{ub}  Markus 11,10 (EÜ)
 Die Szene ist nahezu "bombastisch": Stärker als bei Staatsempfängen heute
 gehen die Emotionen hoch, die Beteiligten überlassen sich der Ekstase:
 Alles Ersehnte ist da, alle Hoffnung findet Erfüllung. Das von Generation
 zu Generation wachgehaltene "Reich unseres Vaters David" bricht unter dem
 kommenden (noch geheimgehaltenen) Messias an. Hosianna!
 Worauf gründet diese Gewißheit? Nach allen bisherigen Stücken des
 Evangeliums, die auch wir in diesem Jahr bisher gelesen und bedacht haben,
 darauf, daß allen, denen dieser junge Mann aus Nazareth begegnete, Heil
 widerfahren ist: den Armen, den Elenden, den nach Gerechtigkeit
 Schmachtenden, den Verachteten und den Verfolgten. Diese gewisse Erfahrung
 beruhte auf der realen Erfahrung, daß von den derzeit Etablierten in Staat
 und Kirche keinerlei Heil zu erfahren war, wobei diese -das kam erschwerend
 hinzu- als Vasallen der Alliierten geduldet waren. Das "Hosianna!" erklingt
 nun in unseren Gottesdiensten. Wir bekennen uns zu dem damals angekündigten
 Heilsreich des Messias Gottes. Wenn wir die Gottesdienste verlassen, in
 unsere Häuser und gewohnte Umgebungen wochentags wieder zurückkehren,
 bleibt er da Regent? Er, der Fürst der Armen, Elenden, Verachteten,
 Unterdrückten? Er, der das Heil für alle -ohne Ausnahme- brachte?
 Da stehen die Realitäten unserer Welt entgegen. Im Privaten, weil die
 Menschen nicht so sind, wie sie sein sollten, und im Öffentlichen, weil die
 Alliierten, das System uns unter Sachzwang stellen. Wiederholen wir nur die
 Geschichte, obwohl wir's anders wollen und bekennen?
 Auf das "Hosanna" folgte bekanntlich der noch lautere Schrei: "Kreuzige
 ihn".@{b}
 ACH HERR, WIE DAMALS IN JERUSALEM, "ZIEH IN MEINEM HERZEN EIN, DEIN
 FREUNDLICHKEIT AUCH UNS ERSCHEIN!" REGIERE UNS ALS HEILSHERRSCHER, DAß WIR
 FÄHIG WERDEN, DEN UNHEILS-HERRSCHERN DIE STIRN ZU BIETEN UND NOTFALLS, WIE
 DU ES UNS VORLEBST, UNSER KREUZ AUF UNS ZU NEHMEN ZU GOTTES EHRE. AMEN
@{ub}                                                 Dietrich Teschke

@ENDNODE
@NODE "Markus 11b" "Markus 11,12-14.20-26"
@{i}                    Markus 11,12-14.20-26@{ui}
@{b}                      Wovon leben wir?@{ub}
 Jesus hat Hunger, aber er findet nur einen Feigenbaum, der keine Früchte
 trägt. Viel Hunger gibt es in unserer Welt. Manche Beteuerungen ihm
 gegenüber sind auch nur wie rauschende Blätter, leere Versprechungen. Wir
 lesen: Ein Feigenbaum, der keine Frucht bringt, taugt nur noch zum
 Verdorren. Markus hat damals diesen Baum mit dem Volk Israel verglichen,
 das seinen Tempel nicht für alle Völker öffnet, das Gottes Wort,
 Gerechtigkeit und Liebe für sich beansprucht und meint, man könne sie sich
 verdienen. Heute sind wir angesprochen: Wollen auch wir Gott nur für uns,
 vielleicht sogar gegen andere, bringen wir Frucht? Auch neben uns hungern
 Menschen, zum Glück nicht nach Brot, aber nach Liebe und Vertrauen. Wir
 resignieren oft und denken: Was können wir schon tun. Wir fühlen uns
 ohnmächtig und überfordert, wenn es um die "großen Dinge" dieser Welt geht.
 Wir meinen oft, wir wären nicht zuständig, wenn wir fremdem Leid und den
 Erwartungen anderer in unserer Nähe begegnen. Jesus ermutigt: Habt
 Gottvertrauen! Er kann so reden, weil er weiß, daß Gott unser Vertrauen
 nicht enttäuscht. Auf ihn ist Verlaß. Wir dürfen ihn bitten, zu ihm beten.
 Aber, und das ist das Neue, das Jesus sagt: Unser Beten und unser Leben
 gehören zusammen. Ohne unsere Bereitschaft, anderen Menschen zu vergeben,
 ist Gebet nicht möglich, wird es zum leeren Geschwätz. Beten heißt: leben
 aus dem, was Gott uns schenkt, mit der Bereitschaft weiterzugeben, was uns
 möglich ist.@{b}
 LIEBER HIMMLISCHER VATER, WIR DANKEN DIR FÜR DEINE VERLÄßLICHKEIT. DIR
 VERTRAUEN WIR, DIR VERTRAUEN WIR UNSER LEBEN. GIB, DAß WIR JEDEN TAG, DEN
 DU UNS SCHENKST, WEITERGEBEN VON DEM, WORAUS WIR LEBEN DÜRFEN. AMEN.@{ub}



@{i}                  Markus 11,12-14. 20-26@{ui}
@{b} Jesus sagte zu ihnen: "Ihr müßt Glauben an Gott haben!"@{ub}
 Markus 11,22 (EÜ)
 Segen und Fluch - lebensbestimmende Formeln in allen Kulturen! Aber nach
 welchen Maßstäben ergingen sie? Sie ergingen in den jeweiligen
 Gesellschaftsformen nach den jeweiligen Normen und Verhaltensforderungen
 - so, wie sie noch heute unter uns als Relikt im Eid und ähnlichem sich
 erhalten haben.
 Jesus setzt einen neuen Maßstab von Segen und Fluch. Beide werden in den
 Dienst für das Leben und die Befreiung gestellt. Der widerspenstige,
 lebensfeindliche Feigenbaum wird verflucht. Die Bitte im Namen des Lebens
 wird zum Segen, in klarer Anlehnung an das "Vater unser", hier besonders
 der fünften Bitte: Vergebung ermöglicht Leben! Das Gesetz und die Welt sind
 für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz und die Welt. Die
 Natur ist nicht heilig, unantastbar, unverfluchbar, wo sie uns feindlich
 begegnet. Das haben die Menschen des Abendlandes faktisch beherzigt und
 sich die Welt erobert. Heute stellt sich die andere Frage: Wie erlangen wir
 Vergebung von der Erde, der wir maßlos Gewalt angetan haben ohne Grund,
 ohne den Grund des Dienstes am Menschen? Maßlos sind wir und waren wir
 - versetzt in die Freiheit des Herrschens. Und nicht wegen des Glaubens,
 wegen der Überlebensangst fangen die Überlegungen an: Wie können wir die
 Schäden beheben, die den Rhein fischlos machen, die Ozondecke aufrissen,
 die Plutonium auf ewig bei uns und unter uns hielten? "Verflucht" all das,
 was im Glauben geschah, damit die Hoffnung erhalten bleibe! In der
 Nachfolge Jesu bleibt uns das Eintreten für das Leben und die Vergebung
 - trotz allem.@{b}
 HERR, DU HAST UNSERE WELT GESCHAFFEN UND FÜR GUT BEFUNDEN. WIR MENSCHEN
 SIND VON ANFANG AN GEGEN DEINEN GUTEN WILLEN AUFGETRETEN, HABEN DEINE GUTE
 SCHÖPFUNG VERFLUCHT - WISSENTLICH ODER OHNE UNSER WISSEN. DARUM HOFFEN WIR
 AUF DEINE VERGEBUNG! WIR, DIE WIR AUF DEIN WORT HÖREN WOLLEN, ERKLÄREN UNS
 BEREIT, IN DEINER VERGEBUNG DAS UNS MÖGLICHE ZU TUN. ERBARME DICH UNSER!
 AMEN.@{ub}                                           Dietrich Teschke

@ENDNODE
@NODE "Markus 11c" "Markus 11,15-19"
@{i}                    Markus 11,15-19@{ui}
@{b}                    Jesus räumt auf@{ub}
 So ist uns Jesus fremd. Sein Bild steht trotz anderer Evangelienstellen
 immer wieder als das des Stillen. Sanften, Duldenden und Helfenden vor uns.
 Hier dagegen ist er der Zornige. Er wirft die Tische der Wechsler und
 Taubenverkäufer um und jagt Käufer und Verkäufer hinaus. Geschäfte haben im
 Haus Gottes nichts zu suchen. Gottes Gunst ist nicht käuflich. Gott
 schachert nicht, er schenkt, und das mit vollen Händen, allein aus Gnade,
 und zwar für alle Völker. Was Jesus hier tut, wird nur von den Umstehenden
 bemerkt. Es geschieht, gemessen an den Ausmaßen des Tempelbezirks und
 seinem umfangreichen Handel und Wandel, am Rande. Es erinnert damit an die
 symbolhaften Zeichenhandlungen der Propheten des Alten Bundes. Jesu
 Eingreifen in das alltägliche Leben des Tempels hat weder die stets
 präsente Tempelpolizei zum Einschreiten bewegen noch das römische Miltär in
 diesem besetzten Land an Aufruhr denken lassen. Von all dem hören wir
 nichts. Aber wir erleben die Reaktionen derer, die dabei waren. Die Frommen
 hören und schmieden Vernichtungspläne gegen Jesus, den sie doch
 gleichzeitig fürchten, weil er "alles Volk" in Erstaunen versetzt. Wie geht
 es uns? Sind wir einverstanden mit ihm, der in seiner Offenheit die
 Unterschiede hinwegfegt zwischen den Frommen und den Gottlosen, zwischen
 den Rechtschaffenen und den Rechtsbrechern? Ist unsere Gemeinde
 Eingreifenort, an dem sichtbar wird, daß Gott nicht schachert, sondern
 schenkt? Oder versuchen wir die Radikalität seiner Offenheit wenigstens ein
 bißchen zu korrigieren? Gott gebe, daß wir, seine Gemeinde, nicht zum
 Hindernis werden für seine gute Botschaft.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS VORURTEILSFREI LIEBST. GIB, DAß WIR UNS
 DAS STAUNEN DARÜBER BEWAHREN. LAß NICHT ZU, DAß WIR MIT SEINER GUTEN
 BEFREIENDEN BOTSCHAFT SCHACHERN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 11,15-19@{ui}
@{b} Jesus sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Hais soll ein Haus des
 Gebetes für alle Völker sein? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle
 gemacht.@{ub} Markus 11,17 (EÜ)
 "Mein Haus" - das ist Gottes Haus, das Haus des Vaters: unser Vaterhaus.
 Wir finden es zumeist dort, wo wir wohnen, wo unsere Häuser stehen. Es ist
 ein Haus inmitten vieler Häuser, und doch -wie bescheiden es auch sein mag-
 herausragend und auffällig. Dieses Gotteshaus soll ein "Haus des Gebetes"
 sein. Gebet im Hause Gottes verbindet mit Gott. Wer die Verbindung mit Gott
 sucht, findet sie nur durch das Gebet - und dies vorzüglich im Haus des
 Gebetes. Das ist der Sinn "seines Hauses": daß dort gebetet wird; daß wir
 dort beten. Wir und "alle Völker". Das Haus Gottes lädt alle Völker und
 jeden einzelnen zum Gebet ein. Im Gotteshaus treffen sich die vielen. Hier
 haben sie -wie unterschiedlich sie sein mögen- Heimat. Für "alle Völker"
 meint: niemand ist ausgeschlossen; alle sind eingeladen. Wo Menschen sind,
 da geschieht Begegnung: durch das gemeinsame Gebet auch durch Begegnung
 untereinander. Fremde werden zu Freunden.
 Wie aber wird heute sein Haus zur "Räuberhöhle", wenn in ihm nicht mehr
 gebetet wird; wenn Begegnung mit Gott nicht beabsichtigt und erstrebt wird.
 Viele Kirchen, die nur "besichtigt" werden, sind zur "Räuberhöhle"
 geworden! Auch dort wird Gottes Haus zur "Räuberhöhle", wo Menschen von
 diesem Haus ausgeschlossen werden. Es ist nicht mehr Gottes Haus, wenn
 Menschen sagen: Es ist mein und nicht dein Haus! Denn: Gottes Haus soll ein
 Haus des Gebetes für alle Völker sein.@{b}
 HERR, LAß UNS DICH IN DEINEM HAUSE SUCHEN UND FINDEN. LAß UNS IM GEBET AUCH
 EINANDER SUCHEN UND FINDEN. HILF, DAß DURCH UNS DEIN HAUS NICHT ZU EINER
 "RÄUBERHÖHLE" WIRD; DAß ES EIN HAUS DES GEBETES IST FÜR UNS ALLE.@{ub}
                                                     Klaus Recker

@ENDNODE
@NODE "Markus 11d" "Markus 11,27-33"
@{i}                     Markus 11,27-33@{ui}
@{b}               Gottes macht befreit zum Leben@{ub}
 Jesus wird im Tempel von Vertretern der religiösen Oberschicht
 angesprochen, sie repräsentieren Ordnungsmacht. Diese Einflußreichen fragen
 nun Jesus nach seiner Vollmacht. Bevollmächtigt etwas zu tun heißt: nach
 einem Auftrag zu handeln. Wir geben heutzutage jemanden, der in unserem
 Auftrag handelt, eine schriftliche Vollmacht, damit er sich ausweisen kann.
 Um eben dieses Sichausweisen geht es den Fragenden. Woher nimmt Jesus das
 Recht, sich einzumischen, auch wenn es um Gott geht? Geht ihn denn das Leid
 etwas an, die Not anderer oder der Tempel mit seinem jahrhundertealten
 Handel und Wandel? Hinter der Forderung, sich auszuweisen, steht aber auch
 die Frage nach dem Auftraggeber. Was ist das für ein Gott, der nicht mit
 Gewalt vorgeht, sondern hilft? Wie anders muß Gott sein, als sie ihn sich
 vorstellten, wenn er trotz allem Zorn den Tempel nicht in Flammen aufgehen
 läßt, sondern zeichenhaft deutlich macht, daß er anderen Dienst will? Ist
 es auch Gottes Macht, wenn sie sich ganz allein den Schwachen und
 Benachteiligten, den Diffamierten und Ausgestoßenen zuwendet und einen
 neuen Anfang schenkt? So kann nur fragen, wer sich Gottes Macht in dieser
 Form verschließt. Wer sie durch Jesus als Hilfe erfahren hat, der merkt:
 mit ihm mischt sich Gott in mein Leben ein. Er überläßt es nicht dem
 Selbstlauf. Er ist in seiner Menschlichkeit nahe allen, die zu ihm kommen,
 um sich helfen zu lassen, auch heute.@{b}
 VATER, WIR DANKEN DIR, DAß DU DICH IN DEINEM SOHN ALLER MENSCHEN ANGENOMMEN
 HAST. WIR DANKEN DIR, DAß DU NICHT WILLST, DAß WIR IN ANGST UND
 HOFFNUNGSLOSIGKEIT LEBEN, AUCH DAFÜR, DAß IN UNSEREM LEBEN ETWAS SICHTBAR
 WIRD VON DEINER FREUNDLICHKEIT. AMEN.@{ub}

@{i} (Original Orthographie)@{ui} jesus               Gedicht
              mit einer schar von freunden (freundinnen auch)
              durch galiläas dörfer und städte ziehend
              hat er kranke geheilt und geschichten erzählt
              von der weltleidenschaft des ewigen gottes

              privilegien der klasse der bildung galten ihm nichts
              zu seinem umgang zählten tagelöhner zbd zöllner
              wo mangel sich zeigte an nahrung oder getränk
              teilte er fische brot und wein aus für viele

              die gewalt von gewalthabern verachtete er
              gewaltlosen hat er die erde versprochen
              sein thema: die zukunft gottes auf erden
              das ende von menschenmacht über menschen
                       @{i}Kurt Marti@{ui}


@{i}                     Markus 11,27-33@{ui}
@{b} Sie kamen wieder nach Jerusalem.@{ub} Markus 11,27 (EÜ)
 "Sie": das sind Jesus und seine Begleiter. Immer führt sie der Weg nach
 Jerusalem. Jesus ist nicht allein. er hat Menschen in seine Nachfolge
 gerufen, und diese sind dem Ruf gefolgt. Sie lassen sich von Jesus führen.
 Und wieder nach Jerusalem: in den Tempel. Dort ist das Haus seines Vaters,
 dort muß er sein. Seine Jünger führt er in sein Vaterhaus; sie begegnen
 durch Christus dem Vater. Hier geschieht aber auch Jesu Auseinandersetzung
 mit den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten. Sie fragen, mit
 welcher Vollmacht er das alles tut, was er tut. Jesus muß sich nicht
 rechtfertigen. Er erwartet Zustimmung. Sein Tun und sein Wort, vor allem er
 selbst sind seine Rechtfertigung. Von uns erwartet er eine Antwort. Er
 sagt: "Antwortet mir!"(Markus 11,29) Die Hohenpriester, Schriftgelehrten
 und Pharisäer antworten nicht. Sie haben deshalb keine Verbindung mit
 Jesus. Ihm antworten ist unser erster Schritt auf Jesus zu. Der zweite und
 wichtigere Schritt ist unsere Zustimmung. Wer ihm zustimmt, schließt sich
 ihm an, läßt sich von ihm führen. Der Weg aber führte nach Jerusalem, in
 Gottes Stadt; in den Tempel, in Gottes Haus. Dorthin sich von Jesus führen
 lassen! Wenn er zum letzten Mal nach Jerusalem kommt, geht der Weg über den
 Tempel hinaus nach Golgota. Hier, vor den Toren Jerusalems, endet Jesu
 Weg. Der Gang dorthin ist der schwerste. Jesus ist mit dem Kreuz beladen.
 Er stirbt am Kreuz. Nicht viele sind auf diesem letzten Weg bei ihm. Nur
 wenige bleiben bei ihm unter dem Kreuz. Jerusalem ist auch der Ort von Jesu
 Auferstehung. Auch deswegen mußte er nach Jerusalem kommen. Dann kehrt er
 zum Vater zurück, nicht ohne uns zu sagen: "Ich bin bei euch alle Tage, bis
 zum Ende der Welt"(Matthäus 28,20).@{b} HERR JESUS, FÜHRE MICH UND GIB MIR
 MUT UND KRAFT, DIR ZU FOLGEN. ZEIG MIR DEN WEG NACH JERUSALEM, IN GOTTES
 STADT, IN GOTTES HAUS; UND AUCH DEN WEG ÜBER JERUSALEM HINAUS NACH GOLGOTA.
 HILF MIR, MEIN KREUZ ZU TRAGEN. LAß MICH MIT DIR STERBEN UND AUFERSTEHEN.
@{ub}                                               Klaus Recker

@ENDNODE
@NODE "Markus 12a" "Markus 12,1-12"
@{i}                   Markus 12,1-12                      @{ui}
@{b}                     Der Spiegel                       @{ub}
 Einer der meistbenutzten Gebrauchsgegenstände ist der Spiegel. Täglich
 schauen wir hinein. Sitzt das Haar? Ist unsere Kleidung ganz und gar in
 Ordnung? Lebenswichtig sind Rückspiegel an unseren Fahrzeugen. Weh dem, der
 überholt, ohne im Rückspiegel gesehen zu haben, daß er selber überholt
 wird! Auch eine Geschichte kann ein Spiegel sein. Biblische Geschichten
 halten uns bisweilen den Spiegel vor. Der Prophet Nathan hat dem König
 David mit einer Geschichte den Spiegel Vorgehalten. David hat sich darin
 nicht wiedererkannt. Nathan mußte ihn aufklären. "Du bist der Mann", der so
 schäbig gehandelt hat. Jesus hat seinen Zuhörern ebenfalls den Spiegel
 vorgehalten. Sein Spiegel war offenbar klarer. Sie haben sich erkannt. "Sie
 verstanden, daß er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte." Jesus lenkt
 die Aufmerksamkeit seiner Hörer auf die Art und Weise, wie sie mit Gottes
 Boten umgehen. Die Boten reden den Menschen ins Gewissen. das kann
 schmerzhaft sein. Der Mensch ist gern sein eigener Herr. Gottes Boten
 erinnern ihn: Dein Leben ist anvertrautes Gut. Du trägst Verantwortung vor
 Gott. Vor solchem Anspruch verschließt sich oft das menschliche Herz. Hier
 hören wir sogar, daß Gottes Boten nicht nur mundtot werden. In Jesus kommt
 Gottes Wort in Person zu uns. Es geht ihm jedoch nicht besser. Sein Weg
 führt von der Krippe zum Kreuz. Wir beten heute um offene Ohren und Herzen
 für seinen Zuspruch und Anspruch. Die Geschichte Hält uns den Spiegel vor.
 Noch wartet Gott.@{b}
 HERR GOTT, LIEBER HIMMLISCHER VATER! DU RICHTEST AUCH IN UNSERER ZEIT UND
 WELT DAS WORT AN UNS. SCHENKE UNS IMMER UND ÜBERALL OFFENE OHREN UND
 HERZEN, DAß WIR DEIN WORT HÖREN UND VERSTEHEN UND AUF UNSER LEBEN WIRKEN
 LASSEN. AMEN.@{ub}



@{i}                 Markus 12,1-12                        @{ui}
@{ub} Schließlich bleib ihm nur noch einer: sein geliebter Sohn. Ihn sandte
      er als letzten zu ihnen, denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie
      Achtung haben.@{ub}                                   Markus 12,6(EÜ)
 Jesus spürt Ablehnung. Er weiß, was auf dem Spiele steht für die, die
 ihn ablehnen. In Gleichnissen hält er den Ältesten,Schriftgelehrten und
 Pharisäern einen Spiegel vor. Sie erkennen, daß sie gemeint sind. Doch ihre
 Reaktion ist nicht Bekehrung. Sie wollen Jesus verhaften lassen. Das Leid
 Vaters wird spürbar: Er muß sehen, daß keiner seiner Boten etwas ausrichten
 vermag. Alles ist vergebens. "Jerusalem, du tötest die Propheten und
 Steinigst die Boten, die zu dir Gesandt sind" (Matthäus 23,37).
 Einer bleibt dem Vater: sein geliebter Sohn. Auf ihn setzt er seine ganze
 Hoffnung. Er ist der letzte Bote. Wer ihn und seine Botschaft nicht
 annimmt, ist verloren. Der Vater sendet endlich den Sohn. Doch auch er
 teilt das Schicksal der Propheten. Die, zu denen er gesandt ist, haben
 keine Achtung vor ihm. Sie wollen ihn töten, um das Erbe des Erben in
 Besitz zu nehmen (vgl. Markus 12,7). Sie wissen nicht, daß nur der Erbe von
 seinem Erbe geben kann. Ergibt es denen, die ihm folgen.
 Ein erster Schritt in die Nachfolge Jesu ist: sich von Jesus ansprechen
 lassen; erkennen, daß wir gemeint sind in dem, was Jesus sagt. Das ist
 nicht immer leicht.
 Der zweite Schritt in die Nachfolge Jesu ist: das tun und das geben, was
 Jesus von uns fordert (vgl. Markus 12,2). Auch das ist schwer. Wir müssen
 oft über unseren eigenen Schatten springen. Doch wer es tut, wird reich
 belohnt: ihm wird der Weinberg gegeben (vgl. Markus 12.9).@{b}
 VATER IM HIMMEL, DU SENDEST DEINEN SOHN ALS LETZTEN BOTEN ZU UNS. ER IST
 DER EINZIGE, DER DIR BLEIBT. DU GIBST IHN HIN FÜR UNS, DAß WIR VOR IHM
 ACHTUNG HABEN. LAß UNS ERKENNEN, DAß ER DER LETZTE IST, DEN DU UNS SENDEN
 KANNST. LAß UNS BEREIT SEIN, IHN AUFZUNEHMEN UND DURCH IHN DICH, UNSEREN
 VATER.@{ub}                                                 Klaus Recker

@ENDNODE
@NODE "Markus 12b" "Markus 12,13-17"
@{i}                      Markus 12,13-17@{ui}
@{b}                      Steuern zahlen?@{ub}
 Diese Frage hatten Jesu Gegner raffiniert ausgedacht: "Ist's recht, daß man
 dem Kaiser Steuern zahlt oder nicht? Sollen wir zahlen oder nicht zahlen?"
 Jesus konnte darauf anscheinend nur mit Ja oder Nein antworten. In beiden
 Fällen sollte es sein Nachteil sein. Sagte er ja, dann hatte er's mit dem
 Volk verdorben. Setzte sich also jemand für die Zahlung ein, dann verlor er
 sein Ansehen und seinen Einfluß, und mochte er bisher noch so beliebt
 gewesen sein. Jesus konnte aber auch sagen, sie sollten keine Steuern
 zahlen. Dann hatte er zwar das Volk auf seiner Seite, aber seine Gegner
 hätten dann einen willkommenen Grund, ihn bei den Behörden als Aufwiegler,
 ja als Volksverhetzer anzuzeigen. In kurzem würde er dann verhaftet und
 wahrscheinlich sogar hingerichtet werden.
 Jesus aber durchschaute diese Hinterlist und läßt sich die Steuermünze
 zeigen, von der sie reden. Es ist ein Silberdenar mit dem Bild des Kaisers.
 Jesus läßt sie mit Bedacht aussprechen, was auf der Münze zu sehen ist: Das
 Bild des Kaisers. Daraus ergibt sich die zwingende Folgerung: Wenn ihr das
 Kaisergeld annehmt -es gab damals auch anderes gültiges Geld-, dann könnt
 ihr die Rückgabe als Steuer nicht verweigern. Damit ist er aber noch nicht
 fertig. Sie haben ihn als Lehrer, der den Weg Gottes lehrt, angesprochen.
 So sollen sie hören: Ihr seid Menschen -und das gilt über die Jahrhunderte
 weg auch für uns-, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Das ist die
 Prägung, die wir tragen. Darum gebt Gott, was Gott gehört, den Gehorsam in
 Wort und Tat.@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 DU HAST UNS NACH DEINEM BILDE GESCHAFFEN. SO BITTEN WIR DICH: HILF UNS, DEM
 VORBILD DEINES SOHNES ZU FOLGEN UND DEINE FREUNDLICHKEIT WIDERZUSPIEGELN IN
 DEN ENTSCHEIDUNGEN UNSERES LEBENS. AMEN@{ub}


@{i}                      Markus 12,13-17@{ui}
@{b} Und sie waren sehr erstaunt über ihn.@{ub}  Markus 12,17 (EÜ)
 In unserer Geschichte sind es die Pharisäer, die über Jesus staunen. Er
 geht nicht in die Falle, die sie ihm stellen. Er durchschaut ihre Heuchelei
 und Bosheit. Sie staunen über Jesu Klugheit und Reaktionsvermögen. Seine
 Antwort auf ihre Frage, ob es erlaubt sei, Steuern zu zahlen, ist: "Gebt
 dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!" (Markus
 12,17) Das hat sie verstummen lassen. Sie wissen nicht weiter. Diese Art
 über Jesus zu staunen, ist negativ. Sie verbindet nicht, weil Verbindung
 nicht gesucht wird. Wer so "sehr erstaunt" ist, ist enttäuscht darüber, daß
 er nicht schaden und vernichten kann. Es gibt eine andere Weise zu staunen.
 Diese bringt näher, verhindert Gewöhnung. In diesem Sinne über Jesus
 erstaunt zu sein heißt: ihm zuhören und das Gehörte als unerhört annehmen,
 als neu und wichtig, als spannend und zu beherzigend, als etwas, das mich
 angeht und bewegt. Wenn ich es immer neu zu hören bereit bin, erschließt
 sich mir neu seine Bedeutung. Über Jesus staunen ist: sich wundern und
 freuen, wie nah er uns sein will - im Wort der heiligen Schrift, im Gebet,
 im Menschen. Gerade im Menschen will er uns nahe sein: in dem, der uns sein
 Wort verkündet und auslegt; in dem, der nach seinem Wort zu leben versucht.
 Er ist nahe vor allem im geringsten seiner Brüder. Die fordern unsere
 Hilfe, wenn sie hungern oder durstig sind; nackt, krank oder im Gefängnis.
 Was wir für sie tun, tun wir für Christus (vgl.Matthäus 25,31-46). Wer im
 Armen Christi Bruder, ja ihn selbst zu erkennen vermag, hat allen Grund,
 "sehr erstaunt" zu sein: So will er sich uns zeigen! Nach dem Staunen und
 aus ihm heraus folgt die Bereitschaft zu helfen.@{b}
 HERR JESUS, ERHALTE UNS DIE FÄHIGKEIT, ÜBER DICH ZU STAUNEN. LAß ES EIN
 STAUNEN SEIN, DAS UNS MIT DIR VERBINDET. UND WENN WIR UNS WUNDERN, IN
 WELCHER GESTALT DU UNS ERSCHEINST, GIB UNS KRAFT ZU HELFEN, SO GUT WIR ES
 VERMÖGEN.@{ub}                                          Klaus Recker

@ENDNODE
@NODE "Markus 12c" "Markus 12,18-27"
@{i}                    Markus 12,18-27@{ui}
@{b}                     Auferstehung?@{ub}
 Auferstehung - dies Wort ist auch unter Nichtchristen bekannt. Weltweit
 gelesen wird Tolstois großer Roman "Auferstehung". Jedem Schüler begegnet
 das Wort bei der Behandlung von Goethes Osterspaziergang. Natürlich sagt
 das nichts über die Verbreitung des Auferstehungsglaubens im Sinne der
 Bibel. Schon Jesus zeigt uns: Die Auferstehung zum ewigen Leben wird von
 den einen geglaubt und von den anderen bestritten. Zu seiner Zeit standen
 sich Pharisäer und Sadduzäer als Bekenner und Bestreiter der Auferstehung
 gegenüber. Mit einer erfundenen Geschichte suchen die Sadduzäer den
 Auferstehungsglauben zu verspotten. Jesus weist ihnen nach, daß sie in dem
 Auferstehungsleben nur eine Fortsetzung des irdischen Lebens sehen. Obwohl
 solche Auferstehungshoffnung ein Wunschtraum ist, träumen ihn viele
 Menschen, auch viele Christen. Wer über Friedhöfe gehend sich die Sätze und
 Sprüche durchliest, die Angehörige ihren Verstorbenen auf die Grabsteine
 setzen ließen, merkt das. Selbst auf Steinen, die kein christliches Symbol
 tragen, ist mitunter der Wunsch nach einem Weiterleben ausgesprochen. Jesus
 weist uns dagegen auf die Schöpferkraft Gottes. Sie rief am Anfang alles
 aus dem Nichts ins Dasein. Sie wird in der Neuschöpfung die Gläubigen zu
 einem neuen Leben erwecken. Das Lob Gottes ist der Inhalt dieses Lebens.
 Wie die Gemeinde jetzt einstimmt in den Lobpreis der Engel "Ehre sei Gott
 in der Höhe", so wird sie es in Ewigkeit erst recht tun.@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 DU HAST UNS DURCH KREUZ UND AUFERSTEHUNG DEINES SOHNES DEN WEG ZUM EWIGEN
 LEBEN GEBAHNT. WIR BITTEN DICH: LAß UNS DAFÜR DANKBAR SEIN UND EINSTIMMEN
 IN DEN LOBPREIS DER ENGEL. AMEN@{ub}


@{i}                    Markus 12,18-27@{ui}
@{b} Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.@{ub}
 Markus 12,24 (EÜ)
 Auch Christen glauben nicht an ein Weiterleben nach dem Tode. So jedenfalls
 wollen es repräsentative Umfragen wissen. Daß Menschen nicht an die
 Auferstehung glauben, ist nichts Neues. Schon die Sadduzäer, eine religiöse
 Partei im Israel Jesu, behaupteten: Es gibt keine Auferstehung. Ihnen sagt
 Jesus: "Ihr irrt euch!" Um so mehr muß Jesus dies uns Christen sagen, wenn
 wir an der Auferstehung der Toten zweifeln. Denn das tatsächliche Geschehen
 der Auferstehung berührt das zentrale Geheimnis unseres Glaubens. Es bleibt
 Geheimnis und ist nicht erklärbar. Trotzdem ist es Wirklichkeit. Der Glaube
 an die Auferstehung Jesu. Paulus fragt: "Wenn aber verkündigt wird, daß
 Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von
 euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine
 Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist
 aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer
 und eurer Glaube sinnlos" (1.Korinther 15,12-14). Zugespitzt läßt sich
 sagen: Wer nicht an die Auferstehung der Toten glaubt, glaubt nicht an
 Jesus Christus. "Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden"
 (Markus 12,27). Dies gilt auch über das irdische Leben hinaus. Paulus sagt:
 "Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben,
 sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen" (1.Korinther 15,19).
 Wer die Schrift kennt und ihr glaubt, glaubt an die Auferstehung. Er glaubt
 durch die Schrift an die Macht Gottes. Diese zeigt sich machtvoll in der
 Auferweckung Jesu. Der Glaube an das Leben nach dem Tode ist für Christen
 Gewißheit aus dem Glauben und die lebendige Hoffnung, daß Gott uns aus dem
 Tod erettet und zum ewigen Leben auferweckt.@{b}
 VATER IM HIMMEL, DU HAST DEINEN SOHN VOM TODE AUFERWECKT. DARIN ZEIGT SICH
 DEINE MACHT UND GRÖßE, DU WILLST AUCH UNS AUFERWECKEN ZU EWIGEM LEBEN.
 DARIN ZEIGT SICH DEINE GROßE LIEBE ZU UNS. HILF UNS, DARAN ZU GLAUBEN UND
 DARAUF ZU HOFFEN.@{ub}                                 Klaus Recker

@ENDNODE
@NODE "Markus 12d" "Markus 12,28-34"
@{i}                      Markus 12,28-34@{ui}
@{b}                    Das wichtigste Gebot@{ub}
 Wir können gut verstehen, daß die Frage nach dem wichtigsten Gebot manchen
 Menschen, der Jesus begegnet, stark beschäftigte. Die Schriftgelehrten
 hatten 613 Vorschriften in dem heiligen Gottesgesetz gefunden, 248 Gebote
 und 365 Verbote. Mancher gewissenhafte Fromme fand sich in der Fülle nicht
 zurecht. So suchte man wichtiges von weniger wichtigem zu unterscheiden.
 Damit kam man aber bei den strengen Gesetzeslehrern schlecht an. Für sie
 war jede noch so kleine Vorschrift ein Gebot des ewigen Gottes und daher
 ohne Abstriche zu erfüllen. Jesus denkt anders. Für ihn hat die Erfüllung
 aller Gebote eine Wurzel, die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Die Liebe zu
 Gott ist der Hauptinhalt des "Sch'ma", des jüdischen Glaubensbekenntnisses
 aus 5.Mose 6,4 und 5. Diesem jüdischen Grundgebot fügt Jesus das ebenfalls
 bereits im Alten Testament genannte Gebot der Nächstenliebe (3.Mose 19,18)
 hinzu. Beides gehört für Jesus untrennbar zusammen. Die Liebe zu Gott
 findet ihren überzeugendsten Ausdruck in der Liebe zum Nächsten. Daher
 sieht die christliche Gemeinde ihre Aufgabe in Zeugnis und Dienst. So
 betrachtet sich beispielsweise der Bund der Evangelischen Kirchen in der
 DDR als eine Zeugnis- und Dienstgemeinschaft. Die Kirche hat Zeugnis
 abzulegen von den großen Taten Gottes, ihres Herrn. Sie hat Dienst zu tun
 am hilfsbedürftigen Nächsten. Beides geschieht aus der Kraft der doppelten
 Liebe zu Gott und dem Nächsten.@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 DU HAST UNS ZU ZEUGNIS UND DIENST IN UNSERER WELT BERUFEN. WIR BITTEN DICH:
 ERWECKE IN UNSERN HERZEN UND SINNEN IMMER WIEDER DIE LIEBE ZU DIR UND
 DEINEN MENSCHENKINDERN, DAß WIR AN IHNEN DIE AUFGABE UNSERES LEBENS
 ERFÜLLEN. AMEN@{ub}


@{i}                     Markus 12,28-34@{ui}
@{b} Welches Gebot ist das erste von allen?@{ub}  Markus 12,28 (EÜ)
 Was ist wichtig für mich; was tue ich unbedingt - ohne Murren und Bedenken
 - ohne Wenn und Aber; ohne zu überlegen? Gibt es so etwas? Und wenn:
 welchem Gesetz folge ich da? Ist es ein äußerer Zwang, der mir auferlegt
 wird? Zum Beispiel die Straßenverkehrsordnung. Es ist lebensnotwendig,
 dieser zu folgen. Wenn ich am Straßenverkehr teilnehme, muß ich die Regeln
 des Straßenverkehrs kennen und beachten. Andernfalls gefährde ich mein und
 der anderen Leben. Für den Verkehr auf der Straße ist die Straßenverkehrs-
 ordnung das erste Gebot von allen. Doch das Leben ist mehr als der
 Straßenverkehr. Und für dieses Leben gelten viele Vorschriften und Gebote:
 große und kleine; erste und letzte. Wenn es erste und letzte Gebote gibt,
 muß er auch das erste von allen geben. Für Jesus ist das erste und größte
 Gebot: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum
 sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer
 Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt
 hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst"
 (Markus 12,29-31).
 Für Jesus ist dieses untrennbare Doppelgebot der Liebe kein äußerer Zwang.
 Er findet es in seinem Innern. Sein ganzes Leben ist von ihm bestimmt. Er
 kennt dieses Gebot nicht nur und kann es "aufsagen"; es ist sein Leben. Das
 Gebot der Liebe will unser Herz bewegen und unsere Seele. Es fordert unser
 ganzes Denken und all unsere Kraft. Es darf uns zu keiner Stunde unseres
 Lebens loslassen. Es umfaßt und verbindet das Größte und das Kleinste: Gott
 und die Menschen, ja alles, was Gott geschaffen hat. In ihm nennen und
 erkennen wir Gott als unseren einzigen Herrn und die Menschen als unsere
 Nächsten - und lieben sie! Ist Jesu Antwort auf die Frage nach dem ersten
 Gebot auch meine Antwort?@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, FÜR DICH WAR DIE LIEBE ZU GOTT UND DEM NÄCHSTEN DAS
 ERSTE GEBOT VON ALLEN. GIB, DAß AUCH ICH MICH FÜR DIESES GEBOT ENTSCHEIDE;
 VOR ALLEM, DAß ICH ZU LIEBEN VERSUCHE, WIE DU LIEBST.@{ub}
                                                     Klaus Recker

@ENDNODE
@NODE "Markus 12e" "Markus 35-37a"
@{i}                     Markus 12,35-37a@{ub}
@{b}                      Der Christus@{ub}
 Ich glaube an Jesus Christus, sagt unser Glaubensbekenntnis. Diesen
 Doppelnamen hat Jesus zu seinen Lebzeiten nicht getragen. Er ist ein
 Bekenntnis seiner Jünger, seiner Gemeinde. Eine der Wurzeln dieses
 Doppelnamens zeigt sich in dem Bekenntnis des Petrus. Jesus fragt seine
 Jünger: Für wen halten die Leute mich? Die Jünger berichten: Die einen
 halten dich für Johannes, den Täufer, die anderen für Elia, wieder andere
 für irgendeinen Propheten. Darauf fragt Jesus die Jünger selber: Und ihr,
 was meint ihr? Da antwortete Petrus im Namen der Jünger: Du bist "der
 Christus". Um "den Christus" geht es Jesus in dieser Frage an seine Zuhörer
 im Tempel. Seit langem weckte und stärkte die Verkündigung der Psalmen und
 Propheten die Hoffnung des Volkes Israel auf "den Christus", d.h. den
 Gesalbten oder den Messias. Das Alte Testament erwartet den Christus unter
 den Nachkommen des Königs David. Auch die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu
 hegten diese Erwartung. Zugleich sah man in David den Schöpfer von Psalmen,
 die auf das Kommen des Christus hinweisen wie z.B.Psalm 110. Jesus zitiert
 das Anfangswort dieses Psalms und macht auf den auffälligen Tatbestand
 aufmerksam, daß David seinen Nachkommen als seinen Herrn bezeichnet. Sonst
 schauten Nachkommen zu ihren Vätern auf und nicht umgekehrt. Hier wird der
 Sinn der Frage Jesu erkennbar: Der Christus ist nicht nur Davids Nachkomme.
 Er ist mehr. Er ist Gottes Gesandter, ja er ist Gottes Sohn. So bekennt
 sich die christliche Gemeinde mit diesem Doppelnamen zu dem König aller
 Könige und Herrn aller Herren. Daher Luthers Erklärung zum 2.Glaubens-
 artikel: "Ich glaube, daß Jesus Christus...sei mein Herr."@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 DU BEGEGNEST UNS ALS KÖNIG ALLER KÖNIGE UND HERRN ALLER HERREN. HILF UNS,
 DAß WIR MIT LUST UND LIEBE UNSER LEBEN NACH DEINEM WILLEN GESTALTEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 12,35-37a@{ui}
@{b} David selbst also nennt ihn "Herr". Wie kann er dann Davids Sohn sein?
@{ub} Markus 12,37a (EÜ)
 Wir würden heute, wenn wir das Zitat aus Psalm 110 betrachten, zwei
 Fragezeichen setzen: Wir teilen nicht mehr die Gewißheit, daß David sein
 Verfasser war und daß sich seine Worte auf einen Messias beziehen. Aber
 Jesus und seine Zeitgenossen hatten nicht unsere Zweifel und bedenken.
 Ihnen ging es darum, daß David, der größte König Israels, einen Sohn als
 den erwarteten Messias im Blick hatte, den er seinen Herrn nannte. Darin
 weiß sich Jesus vorausverkündigt in seiner Gottheit und in seiner
 Menschheit. Als wahrer Gott ist er Davids Herr - als wahrer Mensch sein
 Sohn. Das erscheint uns als rätselhafte Paradoxie - und ist es auch.
 Es gab im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder Versuche, die Doppel-
 natur Christi auf eine einzige Wesenheit zu verkürzen, sei es, daß man die
 Menschwerdung leugnete und an ein Scheinmanöver Gottes dachte oder daß man
 die Bezeichnung "Der Mensch für andere" als hinreichend erachtete. Man ist
 sich vielfach über die Tragweite solcher Verkürzungen nicht im klaren.
 Christus ist nur eine Brücke, wenn er auf beiden Ufern aufruht.
 Das Konzil von Nizäa im Jahre 325, dessen Erklärung zur Christusfrage allen
 christlichen Konfessionen als verbindlich gilt, hat eindeutig formuliert:
 Er ist "wahrer Gott vom wahren Gott...eines Wesens mit dem Vater...und ist
 Mensch geworden."@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU GOTTES- UND MENSCHENSOHN, ICH GLAUBE AN DICH, AUCH
 WENN ICH DAS GEHEIMNIS DEINER PERSON NICHT ERFASSEN KANN. ABER GERADE DIE
 UNBEGREIFLICHKEIT DEINES WESENS IST MIR KENNZEICHEN DER WAHRHEIT. HERR, ICH
 GLAUBE - HILF MEINEM UNGLAUBEN!@{ub}                 Johannes Günther

@ENDNODE
@NODE "Markus 12f" "Markus 12,37b-44"
@{i}                     Markus 12,37b-44@{ui}
@{b}                      Keine Halbheiten@{ub}
 Von Witwen ist in den beiden kleinen Abschnitten die Rede. Der erste warnt
 vor Menschen, die sich an Witwen versündigen. Der andere führt
 vorbildliches Handeln einer Witwe vor Augen. In beiden geht es um ganzen
 Einsatz für Gottes Sache. Solchen Einsatz hatten die Schriftgelehrten vor.
 Sie vertieften sich in die heiligen Schriften des Volkes Israel, die heute
 als Altes Testament Bestandteil unserer Bibel sind. Sie taten das nicht nur
 aus wissenschaftlichem Interesse, sondern um für das Leben zu lernen und zu
 lehren. Soweit ist nichts gegen ihr Bemühen zu sagen. Aber schon damals gab
 es Menschen, die mit der Kenntnis der Heiligen Schrift imponieren wollten.
 Der Talar des Schriftgelehrten wurde mit Respekt gegrüßt. Der Ehrensitz in
 der Synagoge war einem Schriftgelehrten sicher. Das tat der Eitelkeit wohl.
 So mancher Schriftgelehrte war in seinem Tun nur noch mit halbem Herzen bei
 Gottes Sache. Mindestens ebensoviel Energie widmete er der Erhöhung des
 eigenen Ansehens.
 Ganzer Einsatz für Gottes Sache, was das bedeutete, zeigt die kleine
 Geschichte von der Witwe am Opferkasten. "Viele Reiche legten viel ein."
 Ihnen lag Gottes Sache am Herzen, und so spendeten sie ansehnliche Beträge.
 Damit konnte man etwas Ordentliches anfangen, sicherlich mehr als mit dem
 Pfennigbetrag der Witwe. Aber Gott wiegt mit einer anderen Waage. Menschen
 sehen, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. Er sieht es auch,
 was unser Herz denkt und was wir tun. Wenn wir zu dem aufschauen, der sein
 Leben für uns eingesetzt hat, sehen wir immer, daß er uns zur Nachfolge
 auffordert.@{b}
 HERR, UNSER GOTT1
 HILF UNS, ALLEN GEGENÜBER UNBEIRRBAR AN DEINEM WORT FESTZUHALTEN. GIB UNS
 DURCH DIESES WORT AUCH DIE KRAFT, DIR IN DEM NÄCHSTEN MIT DEM GANZEM HERZEN
 ZU DIENEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 12,37b-44@{ui}
@{b} Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle
 anderen.@{ub}  Markus 12,43 (EÜ)
 Der Sachbearbeiter: Diese zwei Pfennige zu verbuchen, erfordert mehr
 Aufwand, als die Sache wert ist. Der Scheck des Reichen dagegen - da lohnt
 es sich schon, eine Spendenquittung auszustellen und ein paar freundliche
 Zeilen hinzuzufügen. Solche Spender muß man sich warmhalten. Zu dem
 anschließenden Wohltätigkeitsball wird natürlich nur der Herr Direktor
 eingeladen, nicht die arme Witwe. Sie hätte in den Kreis der feinen Leute
 wohl nicht hineingepaßt. Aber sie paßt hinein in den Kreis der Seligen. Sie
 ist vor Gott im tiefsten Sinne des Wortes "arm-seelig". Das Neue Testament
 bedeutet "Umwertung aller Werte", es stellt nicht nur Quantitäten auf den
 Kopf, sondern auch Qualitäten. Paradoxie ist die Kernaussage der
 christlichen Botschaft. Das fängt bei dem an, der als am Kreuz Erniedrigter
 zum erhöhten Kyrios wird. Das weitet sich aus auf alle, die ihm nachfolgen:
 "Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig; wir werden verkannt und
 doch anerkannt; wir sind wie Sterbende, und seht: wir leben; wir werden
 gezüchtigt und doch nicht getötet; uns wird Leid zugefügt, und doch sind
 wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben
 nichts und haben doch alles".(2.Korinther 6,8ff.)
 Das führt umgekehrt zur Demaskierung der anderen: "Du behauptest: Ich bin
 reich und wohlhabend, und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, daß gerade
 du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt" (Offenbarung 3,17).@{b}
 HERR, MACHE MICH ARM, DAMIT ICH IN DIR REICH WERDE; MACHE MICH BLIND, DAMIT
 ICH IN DEINE HERRLICHKEIT SCHAUEN KANN. SCHENKE MIR DIE KRAFT, SELBSTLOS ZU
 GEBEN, DAMIT MEINE LEEREN HÄNDE DEINE GNADE EMPFANGEN KÖNNEN.@{ub}
                                                    Johannes Günther

@ENDNODE
@NODE "Markus 13a" "Markus 13,1-13"
@{i}                     Markus 13,1-13@{ui}
@{b}                Es wird euch gegeben werden@{ub}
 Jeder Christ würde wohl gerne einmal die biblischen Stätten besichtigen.
 Sie sind die Heimat des Glaubens. Die Jünger bewundern den Tempel in
 Jerusalem. Besonders vom Ölberg aus ist sein Bild eindrucksvoll. Jesus
 sieht mehr als die Gebäude. Er sieht die Geschichte Gottes mit den
 Menschen. Sie ist Gnade und Gericht. Er hat die Gnade verkündigt vor dem
 kommenden Gericht. Die Menschen sollen wissen, woran sie sich halten
 können, wenn die Vollendung der Welt beginnt. Wie jedes neue Leben kündigt
 sich auch die neue Welt Gottes mit Wehen an. Die Jünger verstehen Jesu
 herbe Reaktion auf ihre Bewunderung des Tempels und fragen: Was wird
 geschehen? Jesus spricht von harten Zeiten: Verführung des Glaubens, Krieg,
 Aufstand der Völker, Naturkatastrophen, Hunger, notvollen Konflikten bis in
 die Familien hinein, Martyrium der Christen. Eine bittere Zukunft - und
 wohl zu aller Zeit irgendwo auf Erden auch ein Stück Gegenwart. Wann wird
 es geschehen? Auf diese Frage antwortet Jesus nicht. Es geschieht schon
 jetzt und ist noch nicht zu Ende. Es ist der Anfang der Wehen. Zuvor muß
 erst das Evangelium allen Völkern verkündigt werden. Das erinnert an den
 Taufbefehl; denn wenn es irgendwo Halt gibt in apokalyptischer Zeit, dann
 ist es der Glaube, daß auch eine berstende Welt in Gott ihren Herrn und
 Heiland behält. Darum sollen wir uns nicht verführen lassen und uns nicht
 fürchten. Selbst in Krisen bleibt uns Gottes Heil zugewandt, gerade in
 kritischer Zeit ist uns der Heilige Geist Gottes geschenkt. Gottes Wort
 bleibt. Es wird uns zur rechten Zeit gegeben werden.@{b}
 HERR, UNSER HEILAND, WIR BITTEN DICH, DAß DU UNS BEISTEHST IN ALLEN KRISEN
 UNSERES LEBENS, UNSER UNRUHIGES HERZ DURCH DEIN WORT TRÖSTEST UND UNS
 ANTWORT GIBST AUF DIE FRAGEN, DIE DAS LEBEN UND DIE MITMENSCHEN UNS
 STELLEN. AMEN.@{ub}


@{i}                        Markus 13,1-13@{ui}
@{b} Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.@{ub}
 Markus 13,13 (EÜ)
 In seiner Erzählung "Der Tunnel" schildert Friedrich Dürrenmatt eine
 unheimliche Bahnfahrt: Der Tunnel, der sonst in wenigen Minuten durchquert
 ist, will an diesem Tag nicht enden. In rasender Fahrt, die nicht
 abgebremst werden kann, kommt es zum Absturz ins Erdinnere. Angesichts der
 unausweichlichen Katastrophe sagt der eine: "Ich habe immer ohne Hoffnung
 gelebt", der andere: "Gott ließ uns fallen, und so stürzen wir denn auf ihn
 zu." Zwei Welten!
 Hier haben wir genau die Situation unseres Textes. Schrecken über Schrecken
 stehen der ganzen Welt bevor: Kriege, Wirren, Erdbeben, Hungersnöte. Ein
 irdisches Paradies ist auch für die Zukunft nicht zu erwarten. Als Zeichen
 für die Wahrheit seiner Vorhersage kündigt der Herr die baldige Zerstörung
 des Tempels in Jerusalem an. Fortan lebt die Menschheit in der Endzeit und
 muß durch Blut und Tränen hindurchgehen. Dabei kommt es zu Spaltungen und
 Trennungen: die einen betören als falsche Propheten ihre Zuhörer mit
 Ideologien, die in die Irre führen. Die anderen -und dieser Dienst ist uns
 aufgetragen- verkünden unbeirrt trotz aller Anfeindung überall in der Welt
 die Botschaft vom Heil. Wenn wir das tun und dabei standhaft durchhalten,
 ist uns die endgültige Rettung zugesagt. Israels steinerner Tempel steht
 nicht mehr, aber als lebendiger Tempel des Heiligen Geistes sind Christi
 Zeugen vor dem Zusammenbruch bewahrt. Freilich, daß wir uns keiner Illusion
 hingeben, der Weg zum Heil führt nicht an der Katastrophe vorbei, sondern
 mitten durch sie hindurch.@{b}
 DU KÖNIG, WIE DIE SCHLACHT HEUT ENDET, DAS WISSEN WIR NOCH NICHT; NUR -
 ALLE DEINE TOTEN TRAGEN DIE HOFFNUNG IM GESICHT (ERICH ROMMERSKIRCH)@{ub}
                                               Johannes Günther

@ENDNODE
@NODE "Markus 13b" "Markus 13,14-23"
@{i}                     Markus 13,14-23@{ui}
@{b}               Die Auserwählten bleiben bei Gott@{ub}
 Vom "Greuel der Verwüstung" sprach schon der Prophet Daniel. Er meinte
 damit einen heidnischen Altar, durch den der Tempel in Jerusalem entweiht
 wurde. Jesus nimmt diese Prophetie auf in der Meinung, daß, z.B., von den
 Römern ähnliches zu erwarten wäre. Zeiten der Verfolgung sind auch später
 über die Christen gekommen. Wir mögen an die Hugenotten oder Salzburger
 denken. Solche Bedrängnis wurde von den Betroffenen immer als das
 Schlimmste erfahren, was seit der Schöpfung zu bestehen war. Stets ging es
 um den wahren Christus und die Wahrheit Christi. Oft genug ging es um Leib
 und Leben, Stunden und Minuten, um entschlossenes Handeln ohne Zögern.
 Jesus sieht solche Drangsal auf seine Gemeinde zukommen und kündigt es ihr
 in aller Schonungslosigkeit an. Er wäre nicht Jesus, wenn er diejenigen,
 die glauben wollen, nicht auf das Risiko des Glaubens hinwiese. Er wäre
 aber auch nicht Jesus, wenn er nicht überzeugt wäre, daß Gott sich selbst
 in solchen Zeiten als der Herr bewährt. Gott duldet die Zeit der
 Bedrängnis, aber er verkürzt sie. So können die Gewalten nie endgültig
 triumphieren. Er läßt seine Sache nicht untergehen. Seine Auserwählten
 bleiben in seiner Hand. Niemand kann sie ihm nehmen. Ein schwacher Trost
 für alle, die mitten in der Krise stehen? Von Stephanus bis Bonhoeffer
 belegen jedoch die Dokumente der Verfolgten, daß sie diese Botschaft
 vielmehr als stärkenden Trost erfuhren. Gottes Stärke machte Schwache
 mächtig, so daß sie selbst im Martyrium stark blieben.@{b}
 HERR GOTT, HIMMLISCHER VATER, DU HAST UNS AUSERWÄHLT, SO DAß WIR ZU DEINEM
 VOLK GEHÖREN DÜRFEN. WIR STEHEN IN DEINER HAND. GIB, DAß WIR DIES IMMER
 BEHERZIGEN UND UNS AUCH IN ANFECHTUNGEN BEWÄHREN ALS DEINE KINDER. AMEN
@{ub}

@{i}                     Markus 13,14-23@{ui}
@{b} Es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten,
 und sie werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten
 irrezuführen. Ihr aber, seht euch vor! Ich habe euch alles vorausgesagt.
@{ub} Markus 13,22-23 (EÜ)
 Zeichen der Zeit: Am Titusbogen in Rom erkennt man noch heute die Abbildung
 des siebenarmigen Leuchters aus dem Tempel in Jerusalem, erbeutet im
 Jüdischen Krieg anno 70. Die Heilige Stadt war damals von den Römern unter
 Titus bis auf die Grundmauern zerstört worden. Für Jesus war diese von ihm
 vorhergesagte Katastrophe Vorzeichen eines endzeitlichen Weltereignisses,
 einer Not, wie es nie eine gegeben hat...und wie es auch keine mehr geben
 wird."
 Unterscheidung der Geister: Falschen "Heilbringern" glaubt man gern, weil
 sie den Leuten nach dem Mund reden. Das war schon zu Jeremias Zeit so
 (Jeremia 26) - er wurde als Defätist verfolgt. Seine Unheilsbotschaft
 wollte man nicht hören. Als Markus sein Evangelium schrieb, proklamierten
 falsche Propheten das Ende des Tempels als den Beginn der messianischen
 Heiszeit, die eines Tempels nicht mehr bedurfte (vergleiche Offenbarung
 21,22). Aber erst für das Ende der Zeiten -nach einer uns unbekannten
 Zwischenperiode- verheißt der Herr das Kommen des Reiches, nicht von unten,
 sondern von oben, nicht als Werk des Menschen, sondern als Werk Gottes. Wer
 etwas anderes verkündet, entlarvt sich dann selbst als Lügenprophet. Die
 Aufgabe des Christen ist das geduldige Ausharren inmitten einer
 "verdorbenen und verwirrten Generation"(Philipper 2,15) in der Hoffnung auf
 die "Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll"(Römer 8,18).@{b}
 MARANATHA - UNSER HERR, KOMM! WIR RUFEN ZU DIR AUS DER TIEFE UNSERER ANGST
 UND NOT UND AUS UNSERER VERSTRICKUNG IN SCHULD UND VERSAGEN. KOMM, UNS ZU
 BEFREIEN!@{ub}                                     Johannes Günther

@ENDNODE
@NODE "Markus 13c" "Markus 13,24-32"
@{i}                     Markus 13,24-32@{ui}
@{b}                    Die Zeit ist nahe@{ub}
 Nachdem die große Trübsal die Christen betroffen hat, erfaßt sie den ganzen
 Kosmos. Die Kräfte der Natur kommen ins Wanken. Die Welt bricht zusammen.
 Wir, die wir im atomaren Zeitalter leben, haben davon eine konkrete
 Vorstellung, wie das geschehen könnte, als die damaligen Hörer Jesu. Das
 Besondere an der Verkündigung Jesu besteht darin, daß er die gewaltige
 Kraft der Natur nicht vergehen sieht, sondern daß sie auf den Menschensohn
 übergehen wird. Mit ebensolcher großer Gewalt, ja mit Herrlichkeit wird er
 auf den Wolken erscheinen. Wolken sind in der Bibel immer ein Zeichen für
 die verborgene Gegenwart Gottes. Am Tag der Himmelfahrt wird Jesus in die
 Wolken aufgenommen. Hier lesen wir, daß sie ihn einmal wieder freigeben
 werden. Wir werden ihn sichtbar erleben mit Kraft. Durch diese Kraft wird
 er seine Auserwählten sammeln und vollenden.
 Der Anblick eines austreibenden Feigenbaumes wird Jesus zum Gleichnis für
 die Nähe der Vollendung aller bedrängten Christenmenschen. Zeit und Stunde
 sind freilich nicht einmal ihm bekannt. Aber er weiß, daß dieses Geschlecht
 nicht vergehen wird, bevor das endgültige Heil anbricht. Unter "diesem
 Geschlecht" ist für uns nicht die Generation der Zeitgenossen Jesu zu
 verstehen. Wir können vielmehr das Geschlecht der Auserwählten, die Gottes
 ewiges Wort hören und bewahren, darunter verstehen. Dabei sind wir selbst
 mit gemeint. So endet die Ankündigung kommender kosmischer Katastrophen
 durch Jesus mit der Verheißung der Rettung. Sie soll uns festigen in allen
 kritischen Phasen unseres Daseins.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR HABEN SORGE UM DEN BESTAND DER WELT. WIR VERTRAUEN
 DARAUF, DAß DU ES BIST, DER SIE VOLLENDET,UND NICHT IRGENDEINE KATASTROPHE,
 DIE MENSCHEN VERURSACHEN. LAß UNS UNBEIRRT MIT DIR RECHNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 13,24-32@{ui}
@{b} Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
 vergehen.@{ub}  Markus 13,31 (EÜ)
 Auf alten Uhren findet man zuweilen die Inschrift: "Mors certa, hora
 incerta - Der Tod ist gewiß, die Stunde ungewiß". Auf unseren Text
 abgewandelt: Christi Kommen am Ende der Weltzeit ist gewiß, nur das Wann
 ist offen. "Jenen Tag und jene Stunde kennt niemand..., nicht einmal der
 Sohn." Worauf es aber allein ankommt, ist die Gewißheit, daß die Geschichte
 dieses Äons einmal mit einem gewaltigen Sieg Christi enden wird, daß er
 dann die Lichter und Kräfte des Himmels ersetzen wird durch sein Licht und
 seine Kraft und daß er den Auserwählten Anteil geben wird an seiner
 Herrlichkeit. Sein Wort wird die Geschichte dieser Welt überleben und den
 Grundstock bilden für den Anbeginn einer neuen Welt.
 Der griechische Mathematiker Archimedes (+212 v.Chr.) hatte vergeblich
 gefordert: "Gib mir einen Punkt, wo ich stehen kann, und ich hebe die Welt
 aus den Angeln." Für uns ist dieser Punkt gefunden - "Das Wort des Herrn
 bleibt in Ewigkeit" (1.Petrus 1,25). Diese Gewißheit gibt uns festen Boden
 unter die Füße.
 "Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft": Wie der
 Kirche ("Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen"), so wird
 hier auch dem Judentum (dieser "Generation" als einer Familien- und
 Volksgemeinschaft) unzerstörbare Lebensdauer verheißen, so daß am Schluß
 die Auserwählten beider Gottesbünde gemeinsam um den Thron Christi
 versammelt werden zu universalem Heil.@{b}
 MEIN LEBEN SCHREITET STETIG DEM ENDE ENTGEGEN. ICH WEIß NICHT, WAS NOCH
 ALLES AUF MICH ZUKOMMT - ABER ICH WEIß, WER AUF MICH ZUKOMMT, UND DAS
 GENÜGT MIR. "HERR JESUS, NIMM MEINEN GEIST AUF!"@{ub}
                                                 Johannes Günther

@ENDNODE
@NODE "Markus 13d" "Markus 13,31-37"
@{i}                    Markus 13,31-37@{ui}
@{b}                    Der kommende Tag@{ub}
 Ein neuer Tag kündigte sich an, als Jesus auftrat, ein neuer Tag für die
 Menschheit. Die Nacht würde vergehen und der Morgen anbrechen, so lautete
 die gute Nachricht. Die Herrlichkeit Gottes würde der Welt aufgehen wie die
 Sonne. Jesus hat uns damit wirklich seine gute Botschaft gebracht. Er hat
 sie den Seinen anvertraut. Er hat somit den Menschen einen neuen Glauben
 gegeben und ihnen große Hoffnung gemacht, die Hoffnung auf einen neuen
 ewigen Lebenstag für alle Welt. Aber die Nacht ist noch nicht ganz
 gewichen. Ihre dunklen Schatten liegen weiterhin über der Welt und über dem
 Menschenleben. Sie machen uns zu schaffen. Wir werden müde und schläfrig,
 da die Zeit noch andauert. Wann wird der herrliche Tag kommen? Wir sehen
 nichts davon. Wir kennen Jesus nur in seiner armseligen Gestalt. Da gilt
 es, den Glauben zu behalten und die Hoffnung nicht zu verlieren. Jesus
 ermuntert uns, wach zu bleiben, damit wir den kommenden Tag nicht
 verschlafen. Wie ein Mensch sein Hais verläßt und lange verreist, so ist
 Jesus uns fern. Aber er gibt den Seinen Vollmacht, zu verwalten, was er
 ihnen anvertraut hat, es zu wahren und zu mehren. Er teilt ihnen ihre
 Arbeit zu. Jeder von uns, auf welchem Platz er auch stehen mag, hat seine
 Aufgabe im nahenden Reich Gottes. Diejenigen, die zu Türhütern bestellt
 sind, sollen und werden das Haus beobachten und sehen, wer da ein- und
 ausgeht. Sie werden darauf achten, daß keine fremden Geister eindringen und
 die Gemeinde verwirren, Daß keine falschen Erwartungen geweckt und Menschen
 getäuscht werden. Sie werden wachen, daß alles bereit ist, wenn der Herr
 kommen wird. Er kann zu jeder Zeit kommen. Er kann plötzlich kommen. Die
 Welt verändert sich. Die Zeiten wechseln. Die Geschlechter auf Erden kommen
 und gehen. Vieles vergeht, alles wird vergehen. Was Menschen bauen,
 zerfällt. Aber was Jesus gesagt hat, wird Bestand haben. Sein Wort ist zu
 jeder Zeit gültig. Es ist das Fundament für die Zukunft Gottes. Darauf
 verlassen wir uns. Laßt uns wache Christen sein und Türhüter, die ihren
 Auftrag kennen und ihn nicht verfehlen, die auf die Zeichen der Zeit
 achten, die nach dem kommenden Herrn ausschauen! Es bleibt dabei, daß ein
 neuer Tag sich ankündigt.@{b}
 DU, HERR, LÄßT UNS AUF DEINE HERRLICHKEIT HOFFEN. WIR BITTEN DICH, GIB UNS
 DIE KRAFT, DAß WIR WACH BLEIBEN UND NICHT MÜDE WERDEN. STÄRKE UNS DEN
 GLAUBEN UND GELEITE UNS DURCH DIE ZEIT, DAß WIR FRÖHLICH DEINER ZUKUNFT
 ENTGEGENSEHEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE
@NODE "Markus 13e" "Markus 13,33-37"
@{i}                     Markus 13,33-37@{ui}
@{b}              Bereit für den kommenden Herrn@{ub}
 Wie so oft im Evangelium ruft uns Jesus auch in diesem apokalyptischen
 Kapitel dazu auf, wach und bereit zu sein für sein Kommen. Er will uns
 herausrufen aus einem traditionellen, womöglich schlafmützigen Christentum
 in ein verantwortliches geistliches Leben. Natürlich sollen wir nicht im
 wörtlichen Sinn auf den Schlaf verzichten. Wach sein heißt, so zu leben,
 daß wir dem Herrn jederzeit mit Freude entgegengehen können. Wach sein
 heißt zum anderen zu beherzigen, daß wir in allem Auf und Ab unseres Lebens
 und dieser Welt nichts und niemanden anderen entgegengehen als ihm. Das
 Ziel allen Daseins ist er. Das soll uns demütig und zuversichtlich machen.
 Das Gleichnis von dem wiederkommenden Hausherrn deutet außerdem an, daß
 Jesus nicht im Himmel das Feld für sein Wirken sieht, sondern eben auf
 dieser bedrohten Erde und bei den Menschen. Sein Herz schlägt auch für uns
 und unsere Zeit. Das ist der tiefste Trost in diesem Abschnitt des
 Evangeliums, der von so viel Bedrängnis spricht. Sein Herz schlägt für alle
 Menschen in der weiten Welt. Darum lesen wir, wie er sich anschickt, den
 Weg zum Kreuz zu gehen, sich zu opfern für die vielen, wie es immer wieder
 heißt. Sie und ihre Not wollen wir über uns und unsere Not nicht vergessen.
 Der Weg seiner Liebe und das Kommen seiner Herrlichkeit gilt allen
 Menschen. Alle hat er in sein Herz geschlossen. Alle ruft er auf, wach zu
 bleiben für ihn, den Heiland und Vollender der ganzen weiten Welt. Uns
 jedenfalls soll diese Bereitschaft prägen.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR WOLLEN UNS UND ANDERE WACHHALTEN FÜR DEIN KOMMEN.
 WIR DANKEN DIR, DAß DEIN HERZ FÜR UNS SCHLÄGT UND WIR DICH SEHEN WERDEN,
 WIE DU WIRKLICH BIST. LAß DIESE HOFFNUNG IN UNS NICHT ERLAHMEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 13,33-37@{ui}
@{b} Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!@{ub}
 Markus 13,37 (EÜ)
 Wenn nicht einmal der Sohn Zeit und Stunde seines Kommens kennt, wie sollen
 wir sie dann wissen? Darum die dringliche Forderung: Seid wachsam!
 "Gregoreite" heißt das im Griechischen. Davon hergeleitet der Name "Gregor
 -der Wachsame". Ein Name als Programm! Muß nicht die Wachsamkeit für jeden
 Christen auf dem Programm stehen? Daher Pius XII: "Die Gefahr von heute ist
 die Müdigkeit der Guten," Wachsam sein!
 Der Teufel sieht seine Chance überall dort, wo die Wachsamkeit nachläßt.
 "Den Teufel spürt das Völklein nie, und wenn er sie beim Kragen hätte"
 (Faust I).
 Für den Autofahrer ist jede Unaufmerksamkeit lebensgefährlich. Nicht selten
 liest man in Unfallberichten, besonders wenn Fernfahrer beteiligt sind:
 "Der Fahrer war übermüdet, am Steuer eingeschlafen." Ähnlich auch: "Der
 Schrankenwärter war eingenickt und hatte die Schranke nicht
 heruntergelassen." Seid wachsam! Diese Mahnung zieht als durchlaufende
 Perspektive durch das ganze Neue Testament. So etwa im ersten Petrusbrief:
 "Seid nüchtern und wachsam! Eurer Widersacher, der Teufel, geht wie ein
 brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm
 Wiederstand in der Kraft des Glaubens" (5,8f.). Als Christen sind wir immer
 im Dienst und können Jesu Mahnung nicht ernst genug nehmen. Es geht um
 Leben und Tod.@{b}
 HERR, ICH BIN MÜDE, UND MEIN EIFER ERLIEGT AUCH HEUTE WIEDER DER GEFAHR ZU
 ERLAHMEN. WO ICH FÜR DIE SACHE CHRISTI KEINEN ERFOLG SEHE, BIN ICH NUR
 ALLZU LEICHT GENEIGT ZU RESIGNIEREN. RÜTTLE DU MICH IMMER WIEDER WACH UND
 GIB MIR BEREITSCHAFT UND KRAFT, DIR MIT FREUDIGEM HERZEN ZU DIENEN IN DER
 GEWIßHEIT DEINES SIEGES.@{ub}                      Johannes Günther

@ENDNODE
@NODE "Markus 14a" "Markus 14,1-11"
@{i}                     Markus 14,1-11@{ui}
@{b}              Jesu Tod - ein abgekartetes Spiel?@{ub}
 "Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um", lautet ein Sprichwort. Hätte
 sich Jesus sein qualvolles Ende nicht ersparen können? Wenn man liest, wie
 die Hohenpriester und Schriftgelehrten Pläne schmieden, um ihn zu
 beseitigen, erscheint einem das Leiden und Sterben Jesu durchaus
 vermeidbar. Mit ein wenig Überlegung hätte sich Jesus denken können was ihn
 erwartet. Er aber wollte ja das Leiden auf sich nehmen. Ein Ausweichen
 stand für ihn nicht zur Debatte. Ihm kam es darauf an Gottes Willen zu
 erfüllen. Die bösen Absichten der Hohenpriester und Schriftgelehrten dienen
 letztlich nicht ihrem Zwecken, sondern sind Teil von Gottes Heilsplan. In
 diesen göttlichen Plan gehört auch die Geschichte von der Salbung Jesu in
 Bethanien. Vordergründig beschreibt sie eine nur schwer verständliche
 Verschwendung. Die Reaktion der Jünger ist begreiflich. Anstatt das
 kostbare Nardenöl über Jesus auszugießen, hätte man es besser verkaufen
 sollen, um damit Bedürftige zu unterstützen. Völlig richtig - und doch ganz
 falsch gedacht. Für den Herrn ist das Beste gerade gut genug. Eine Flasche
 Nardenöl, eine wertvolle Kirche, ein herrliches Musikwerk - das sind alles
 keine zweckmäßigen Dinge. Aber zur Ehre des Herren sind sie wichtig. Und
 wie steht es mit dem Verrat des Judas? Dient auch diese schändliche Tat dem
 Willen Gottes? So unglaublich es klingt: Ja, Jesu Tod dient unserer
 Erlösung. Es ist kein abgekartetes Spiel, sondern Teil von Gottes Plan.
 Alles Positive und Negative um Jesu Leiden dient doch der Erfüllung des
 göttlichen Willens.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS! DEINE PLÄNE SIND UNS OFT UNVERSTÄNDLICH. WEISE UNS
 IMMER WIEDER IN DIE SCHRANKEN, DAMIT WIR DEINEN PLÄNEN NICHT IM WEGE STEHEN
 UND UNSER HEIL NICHT AUFS SPIEL SETZEN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 14,1-11@{ui}
@{b} Jesus sprach: Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Wahrlich, ich sage
 euch, wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das
 sagen zu ihrem Gedächtnis.@{ub}   Markus 14,6.9 (LB)
 Es gibt nicht nur Menschen, die "päpstlicher" als der Papst sind. Viele
 wollen auch "christlicher" als Christus sein. Das war sogar unter den
 ersten Jüngern Jesu so. Sie ärgern sich über die Verschwendung. Eine Frau,
 was für eine wohl, zerbricht eine Flasche mit dem feinsten Parfüm und salbt
 damit das Haupt des Meisters. Da er in das Haus des Aussätzigen, des
 "unheilbar Kranken", des Ausgestoßenen gegangen ist, wird er auch für sie
 da sein. Das ist Grund genug, um zu danken. Und wenn der Dank nicht nur mit
 Worten geschieht, sondern auch durch eine Tat, dann ist das ein sprechendes
 Zeichen dafür, daß er wirklich von Herzen kommt. Die Frau hat etwas getan,
 was überflüssig ist. Es wäre auch ohne diese "Verschwendung" gegangen. Ein
 Schritt weiter: Auch jedes "Dankeschön" wird als überflüssig, ja als
 verdächtig angesehen. "Von Dankschreiben bitten wir abzusehen."
 Und noch einen Schritt weiter: Da wird um der "reinen Lehre" willen, oder
 eben wie hier, aus "sozialen" Gründen alles Überflüssige, was das Leben
 erst schön macht, abgewiesen. Steckt nicht Haß auf das Schöne hinter jedem
 religiös verbrämten Bildersturm wie hinter jeder politisch motivierten
 Kulturrevolution?
 Die Frau, die das wertvolle Parfüm aus Liebe zu Jesus opferte, ist zu einem
 Vor-Bild für alle geworden, die das Schöne dieser Welt in den Dienst Gottes
 stellen.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU HAST DIE KOSTBARE GABE DER FRAU IN BETHANIEN
 ANGENOMMEN, WEIL SIE EIN ZEICHEN IHRER LIEBE WAR. WIR BITTEN DICH: LAß AUCH
 UNS DEINE LIEBE ERKENNEN UND ERWIDERN UND DIR SCHENKEN, WAS WERTVOLL UND
 SCHÖN IST - ALS ZEICHEN DAFÜR, DAß WIR GANZ FÜR DICH DASEIN WOLLEN. AMEN.
@{ub}                                                Jürgen Boeckh

@ENDNODE
@NODE "Markus 14b" "Markus 14,12-16"
@{i}                     Markus 14,12-16@{ui}
@{b}                    Es ist alles bereit!@{ub}
 Ein Fest will vorbereitet sein. Wenn man Gäste einlädt, will man ihnen auch
 etwas bieten. Es wäre peinlich, wenn das Gastmahl von Zufälligkeiten
 bestimmt würde, wenn etwa nicht genügend Stühle vorhanden wären, Speisen
 und Getränke nicht ausreichten usw. Von sorgfältiger Vorbereitung hängt
 also das Gelingen eines Festes wesentlich ab. So plant auch Jesus sein
 Abschiedsmahl mit seinen Jüngern sorgfältig. Er überläßt nichts dem Zufall.
 Die Jünger scheinen erstaunt über die Sicherheit, mit der Jesus seine
 Anweisungen erteilt. Ein Speiseraum steht zur Verfügung, wie bestellt.
 Jesus weiß daß der Hausherr ihm den Raum gibt. Das Fest kann beginnen. Es
 ist alles bereit. Wie sieht es nun bei uns aus? Auch die Teilnehmer des
 Mahles nehmen die Worte vom "Vorbereiten" auf. Es gab und gibt die ernste
 Vorbereitung auf die Abendmahlsfeier, bei der Gemeindeglieder den
 Entschluß, zum Abendmahl zu gehen, von dieser inneren Vorbereitung abhängig
 machen. Christus ist zur Vergebung bereit, aber wer sie sich wünscht, will
 oft zuvor die Beichte aussprechen und die Vergebung zugesprochen bekommen.
 Darum legen viele Christen auf das Beichtgebet und die Absolution im
 Abendmahlsgottesdienst Wert. Andere bereiten sich, wenn sie zum Abendmahl
 gehen, auf die Vergebung Christi vor und bedenken, was sich dadurch bei
 ihnen ändern soll. Wieder andere freuen sich schon im voraus auf das Mahl,
 das wie ein Vorgeschmack der ewigen Seligkeit. Ihre Vorbereitung ist die
 Vorfreude.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, DU HAST DICH FÜR UNS ALLE IN DEN TOD GEGEBEN. HILF
 UNS, EINANDER DADURCH ALS BRÜDER UND SCHWESTERN ANZUERKENNEN. LAß UNS
 ZUEINANDER SO EMPFINDEN, WIE DU ES TATEST, UND SO DEIN MAHL GENIEßEN. AMEN

                   Ich liege, Herr, in deiner Hut@{ub}     Gedicht
                    Ich weiß, daß auch der Tag, der kommt,
                    mir deine Nähe kündet
                    und daß sich alles, was mir frommt,
                    in deinen Ratschluß findet.
                    Sind nun die dunklen Stunden da,
                    soll hell vor mir erstehen
                    was du, als ich den Weg nicht sah,
                    zu meinem Heil ersehen.
                    Du hast die Lider mir berührt.
                    Ich schlafe ohne Sorgen.
                    Der mich in diese Nacht geführt,
                    der leite mich auch morgen.
                    @{i}Jochen Klepper, 1938



                         Markus 14,12-16@{ui}
@{b} Jesus schickte zwei seiner Jünger voraus und sagte: Bereitet alles für
 uns vor!@{ub}  Markus 14,13.15 (EÜ)
 Wir kennen alle das Wort: "Die Vorfreude ist die schönste Freude!" Eine
 besondere Freude ist die schönste Freude ist es, ein Fest vorzubereiten zu
 können: einen Geburtstag oder eine Hochzeit, ein Kinderfest oder ein
 Gemeindefest. Zu den beiden Jüngern, die Jesus auf den Weg schickte, sagte
 er: "Der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoß zeigen, der
 schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist..."
 Am Anfang seines Weges war er mit ihnen in Kana auf einer Hochzeit gewesen,
 bei einer Familienfeier also. Jetzt will er mit seiner "geistlichen
 Familie", seinen Jüngern, das Paschamahl (pascha heißt es im griechischen
 Urtext des Neuen Testamentes, im Hebräischen heißt es Pesach) feiern. Es
 hat seinen guten Sinn, daß er nicht alles von dem Hausherr, der einen Raum
 zur Verfügung stellt, machen läßt. Er spannt zwei seiner Jünger ein. Sie
 sind, so könnten wir sagen, die ersten Diakone. Später wird die Gemeinde
 mehr solcher Menschen berufen, die "zu Tische dienen" (Apostelgeschichte
 6,2). Immer wieder braucht Jesus Menschen, die ihm vorausgehen, die dafür
 sorgen, daß alles bereit ist, wenn er kommt, die in der Gemeinde, ob sie
 klein ist oder groß, eine besondere Aufgabe erfüllen.
 Wenn wir heute das Mahl feiern, ist kein im Tempel geopfertes Lamm mehr
 dabei. Wir blicken beim heiligen Mahl auf ihn, das Lamm Gottes, "am Stamm
 des Kreuzes geschlachtet" (EKG 55). Für Jesus und seine Jünger lag der
 Schatten des Todes über dem Festmahl, über dem Paschamahl des Neuen Bundes
 leuchtet das Licht der Auferstehung.@{b}
 WÜRDIG IST DAS LAMM, DAS GESCHLACHTET WURDE, MACHT ZU EMPFANGEN, REICHTUM
 UND WEISHEIT, KRAFT UND EHRE, HERRLICHKEIT UND LOB. AMEN.@{ub}(Offenbarung
 5,12)                                             Jürgen Boeckh



@ENDNODE
@NODE "Markus 14c" "Markus 14,17-26"
@{i}                     Markus 14,17-26@{ui}
@{b}                  Nehmet: Das ist mein Leib@{ub}
 Von den frühesten Anfängen der Gemeinde an sind die Worte Jesu beim
 Abendmahl der Mittelpunkt der Feier. Wenn im Gottesdienst Brot und Wein
 genommen werden, erklingen dazu diese Worte. Schon der Apostel Paulus hat
 sie als einen festen Bestand der Überlieferung selbst vermittelt bekommen.
 Sie umfassen über die Abschiedssituation hinaus manche andere
 Jesusgeschichte mit. "Nehmet", so hören wir Jesus hier. Als er im Vergleich
 von Juden und Heiden wie von Kindern und Fremden redete, da kommt das Wort
 vom Brot und vom "nehmen" in ganz anderem Zusammenhang vor: Den Kindern
 soll das Brot nicht genommen werden; die Frau, die das hören muß, weist
 dagegen auf die Brosamen, die selbst den Hunden zufallen. Daran wird
 deutlich, daß Jesus alle, die zu ihm kommen, hört und sich ihrer annimmt.
 In der Abendmahlsgeschichte sehen wir ihn als Hausherrn und Einladenden für
 jeden, der zu ihm kommt. Dabei kann der Gedanke überhaupt nicht aufkommen,
 die anderen Gäste würden vorgezogen und die anderen etwa arm gemacht. Das
 heilige Abendmahl gibt uns, was wir brauchen: Speise bei großer Schwäche.
 Unsere Schwäche ist ja mitgemeint, wenn wir von der der Jünger lesen. Sie
 sind alle unsicher, wem Jesus den Verrat vorher ankündigt. Wir lesen bei
 Markus auch nicht, daß einer der Jünger in dieser Szene Jesus näher als
 irgendein anderer gestanden hätte. Alle werden von ihm mit dem
 lebensspendenden Brot bewirtet. Der Verräter ist mit in der Gruppe der
 Gäste. Ihm wird allerdings das Strafwort zugedacht, das davon spricht, es
 wäre ihm besser, nie geboren zu sein. Trotzdem soll die Abendmahls-
 geschichte niemand angst machen. Jesus gebietet uns sogar "Nehmet!"@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, HILF UNS ZU UNBESCHWERTEM FEIERN IN GEMEINSCHAFT MIT
 DIR UND UNSEREN MITCHRISTEN. VERTREIBE ALL UNSERE SORGEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 14,17-26@{ui}
@{b} Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach
 er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann
 nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie
 tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des
 Bundes, das für viele vergossen wird.@{ub}  Markus 14,22-24 (EÜ)
 Es hat seinen guten Sinn, wenn die Worte der Einsetzung des Heiligen Mahles
 im Gottesdienst im gleichen Wortlaut gesprochen werden. So prägen sie sich
 ein. Der Liturg wie die ganze im Namen Jesu versammelte Gemeinde können sie
 innerlich mitvollziehen und auch über den Gottesdienst hinaus im Gedächtnis
 behalten.
 Dennoch ist es auch gut, wenn wir solche vertrauten Worte auch einmal in
 einer anderen Übersetzung hören und auf uns wirken lassen. Dadurch kann
 manches bewußt werden, worüber wir sonst nicht nachdenken. "Er sprach den
 Lobpreis" und "Er sprach das Dankgebet" heißt es hier statt "Er dankte." So
 wird deutlich, daß die alte, durch Jesus mit einem neuen Sinn versehene
 Handlung des Paschamahl ist. Der Lobpreis beginnt mit den Psalmen 113 und
 114, mit der Erinnerung an Gottes Handeln in der Geschichte: "Da Israel aus
 Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk, da ward Juda des Herrn
 Heiligtum, Israel sein Königreich."
 Jeder Christ, ob er aus Israel stammt, das der Herr zuerst erwählt hat (wie
 Jesus und seine Jünger) oder aus den Völkern der "Heiden" (wie die meisten
 von uns), gehört zu dem Volk, das Er aus Ägypten gerufen hat.@{b}
 GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß DU IM HEILIGEN MAHL UNS GEMEINSCHAFT SCHENKST MIT
 DEM VOLK, DAß DU AUS ÄGYPTEN GEFÜHRT HAST UND MIT MENSCHEN AUS ALLEN
 VÖLKERN. AMEN.@{ub}                                  Jürgen Boeckh


@ENDNODE
@NODE "Markus 14d" "Markus 14,27-31"
@{i}                     Markus 14,27-31@{ui}
@{b}               Große Worte - und nichts dahinter!@{ub}
 "Auf mich kannst du dich verlassen; Ich halte zu dir!" So etwas hört man
 gern. Wir brauchen Menschen, auf die wir zählen können; Menschen, die uns
 auch dann nicht im Stich lassen, wenn es brenzlich wird. Was wir nicht
 brauchen, sind Menschen, die nur mit Worten zuverlässig sind und uns im
 Ernstfall dann doch im Stich lassen. Als solche erwiesen sich die Jünger
 Jesu mit Petrus an der Spitze. Der Ernstfall steht ihnen noch bevor, noch
 haben die Häscher nicht zugeschlagen, noch ist alles ruhig. Da ist noch
 leicht sagen: "Wenn sie alle Ärgernis nähmen, so doch ich nicht!" Jesus
 weiß, daß Petrus sein Wort nicht halten wird - vielleicht auch gar nicht
 halten kann. Er sagt es voraus, nicht schadenfroh oder anklagend, sondern
 als Feststellung: "Heute wirst du mich verleugnen!" Jesus kennt die
 Schwachheit seiner Jünger, ihn beeindrucken große Worte nicht. Er warnt
 auch vor Prahlerei. Und diese Warnung gilt uns allen. Nehmen wir nicht auch
 den Mund oft viel zu voll? Sagen wir es noch deutlicher: Jeder von uns ist
 Petrus ähnlich. Überprüfen wir doch hin und wieder unsere Worte. Kann man
 sich wirklich auf uns verlassen? Stehen wir zu Menschen, die uns vertrauen?
 Jesus wurde von seinen Jüngern enttäuscht. Aber am Ende nahm er sie doch in
 seinen Dienst. Versuchen wir, uns zuverlässig zu erweisen - ohne große
 Worte. Seine Vergebung hilft auch uns dazu.@{b}
 LIEBER HERR, UNSERE WORTE SIND OFT GRÖßER ALS UNSERE TATEN. HILF UNS, DAß
 WIR UNS NICHT MEHR VORNEHMEN, ALS WIR HALTEN KÖNNEN. VERGIB UNS, WENN WIR
 MENSCHEN ENTTÄUSCHEN, DIE SICH AUF UNS VERLASSEN. DANKE, DAß DU UNS
 TROTZDEM LIEBST. AMEN@{ub}


@{i}                       Markus 14,27-31@{ui}
@{b} Jesus sprach zu Petrus: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht,
 ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.@{ub}
 Markus 14,30 (LB)
 Niemand soll den Mund zu voll nehmen. Das ist eine alte Regel. Schon bei
 dem Prediger Salomo (5,4) lesen wir: "Es ist besser, du gelobst nichts, als
 daß du nicht hältst was du gelobst." Gewiß, es kam aus dem Überschwang des
 Herzens, was der Jünger Simon gesagt hatte: "Und wenn sie alle Ärgernis
 nehmen, so doch ich nicht!" Aber niemand kann für sich selbst garantieren.
 darum antworten wir in der Kirche, wenn es um ein Gelöbnis geht, etwa bei
 der Taufe, der Konfirmation oder der Trauung, nicht mit einem glatten "Ja".
 Wir sagen: "Ja, mit Gottes Hilfe!"
 Simon Petrus hört die Mahnung des Herrn gar nicht. "Er aber redete weiter",
 heißt es. "Höre, Herr, denn dein Knecht redet", so könnten wir seine
 Großspurigkeit, in Umkehrung der Bitte des Propheten Samuel (3,10),
 charakterisieren. Wir wissen, wie es weitergeht. Er wird seinen Herrn und
 Meister verleugnen. Aber haben wir einen Grund, uns über den Jüngern zu
 erheben? Immerhin mußte Simon um sein Leben bangen. Er hatte Gefängnis und
 Tod vor Augen.
 Verleugnen wir ihn nicht oft schon viel eher, da, wo wir keinerlei
 leiblichen, materiellen Schaden zu befürchten haben? Auf manchen unserer
 Kirchtürme ist der Hahn zu sehen. Er erinnert uns an die Mahnung Jesu.@{b}
 HERR, MEIN GOTT, ICH BITTE DICH: GIB MIR DIE KRAFT, DICH NICHT ZU
 VERLEUGNEN, WENN ICH GEFORDERT WERDE, SONDERN DURCH WORT UND TAT ZU
 BEZEUGEN, DAß ICH ZU JESUS CHRISTUS GEHÖRE. AMEN.@{ub}
                                                     Jürgen Boeckh

@ENDNODE
@NODE "Markus 14e" "Markus 14,32-42"
@{i}                     Markus 14,32-42@{ui}
@{b} Jesus sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen
 Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst.@{ub}
 Markus 14,36 (LB)
 "Nicht wie du willst, sondern wie ich will!" So oder so ähnlich sagt es ein
 kleines, trotziges Kind. Und es fängt an zu schreien, wenn seinem Willen
 nicht Genüge getan wird. "Nicht wie du willst, sondern wie ich will!" - es
 liegt in unserer Natur, daß wir so beten, auch als erwachsene Menschen.
 Aber ist das ein Gebet? Ist das nicht vielmehr eine Nötigung Gottes?
 Auch Jesus, der -einerseits- ein Mensch war wie wir, hat Gott den Herrn,
 als seinen lieben Vater ("Abba") angerufen, ihn zu bewahren vor der
 Verhaftung, vor der Folter und vor einem gewaltsamen Tod. Im Brief an die
 Hebräer heißt es sogar: "Er hat in den tagen seines irdischen Lebens Bitten
 und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom
 Tod erretten konnte..." (Hebräer 5,7). Aber er war -andererseits- nicht nur
 ein Mensch wie wir. In seinem Gebet um Bewahrung, um das leibliche Wohl,
 war ein Vorbehalt: Gott, der Vater, weiß, was das Beste für mich -und für
 alle- ist!
 Beten heißt, sich ganz in Gott begraben                   Gedicht
 und aus Gott zum Leben auferstehen.
 Willst du deinen Willen blühen sehn,
 mußt du ihn erst Gott geopfert haben.
 Wer die Kraft fand, allem zu entsagen,
 ward auch fähig, alles zu erjagen. (Walter Flex)@{b}
 HERR, SCHENKE MIR DEN GEIST JESU, GIB MIR DIE KRAFT, SO ZU BETEN, WIE ER
 GEBETET HAT. AMEN@{ub}                               Jürgen Boeckh

@ENDNODE
@NODE "Markus 14f" "Markus 14,43-52"
@{i}                     Markus 14,43-52@{ui}
@{b}                        Verraten@{ub}
 Die Erfahrung des Alleingelassenwerdens macht Jesus am Ende seines
 Lebensweges nicht nur einmal. Auch der Bericht vom Verrat des Judas zeigt
 die totale Einsamkeit des Menschensohnes. Da ist der, der sich immer für
 die Menschen und ihre Nöte einsetzte, ausgeliefert an eine fremde Macht,
 verraten und verlassen von seinen engsten Freunden und Begleitern. Eine
 Umarmung und ein Kuß - eigentlich die Zeichen engster Verbundenheit -
 werden zum Zeichen des Verrates. Jesus läßt alles an sich geschehen. Er
 wehrt sich nicht, aber er zeigt seine Verwunderung: Ich bin so oft mit euch
 zusammen gewesen, ihr habt meinen Worten zugehört, und ihr hattet nichts
 gegen mich! Heute erst führt ihr mich gefangen ab? - Aber das gehört eben
 zu dem, was Gott, der Vater, dem Sohn zumutet: selbst die, die ihm am
 nächsten sind, sollen ihn nicht verstehen. Allein soll Jesus den Weg durch
 das Leiden gehen. Und er geht diesen Weg auf eine uns Menschen ganz
 ungewohnten Weise, und darin zeigt sich, wie er bis zum letzten Atemzug uns
 Menschen den Willen Gottes vorlebt: er rächt sich nicht, weder an seinem
 Verräter noch an denen, die ihn gefangennehmen. Er verurteilt nicht, die
 ihn verlassen haben, sondern er erträgt seine Passion in einer Ruhe,
 Gelassenheit und Nüchternheit, die man sich kaum vorstellen kann. Wenn wir
 Menschen leiden müssen, dann fragen wir: warum gerade ich? Wir fragen nach
 den Ursachen, wir können den Sinn nicht begreifen und klagen. Jesus tut das
 nicht. Er weiß, daß sein Leiden dem Willen des Vaters entspricht, und ist
 gehorsam. Er weiß, daß jedes göttliche Handeln an uns sinnvoll ist.@{b}
 LIEBER HIMMLISCHER VATER!
 WIR DANKEN DIR, DAß DU IN DEINEM SOHN JESUS CHRISTUS ZU UNS MENSCHEN
 GEKOMMEN SIND. ES IST GUT ZU WISSEN, DAß DEIN HANDELN AN UNS IMMER SINNVOLL
 IST. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 14,43-52@{ui}
@{b} Jesus sagte: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und
 Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag war ich bei euch im
 Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht verhaftet; aber (das ist
 geschehen), damit die Schrift in Erfüllung geht.@{ub} Markus 14,48-49 (EÜ)
 Hermann Göring hat es einmal offen ausgesprochen: Ein "politischer
 Verbrecher" ist schlimmer als ein Krimineller. Mit Hitler, Göring und
 Konsorten ist diese Meinung keineswegs aus unserer Welt verschwunden. In
 vielen Staaten unserer Erde sitzen Menschen in Gefängnissen, vegetieren in
 Lagern oder leben in der Verbannung; Menschen, die weder gestohlen noch
 betrogen noch gemordet haben. Ihr Verbrechen: eine andere politische
 Meinung, die sie nicht für sich behalten haben, eine andere Hautfarbe oder
 Nationalität, ein religiöses Bekenntnis, das sie öffentlich bezeugt, ein
 Gottesdienst, den sie mit anderen zuhause oder im Wald gehalten haben.
 Christen sollten nicht vergessen, daß derjenige, nach dem sie sich nennen,
 auch als "politischer Verbrecher" behandelt worden ist, "Wer von euch kann
 mir eine Sünde nachweisen?" hatte er einmal gefragt (Johannes 8,46).
 Niemand konnte es. Er wurde dennoch verhaftet, verurteilt, gefoltert und
 auf grausame Weise hingerichtet. Wie in unserem Jahrhundert: Man verhaftet
 ihn nicht am hellen Tage, sondern in der Nacht. Wer heute auf den
 gekreuzigten Jesus sieht, kann er vorbeisehen an denen, die in unserer Welt
 "geplagt, geschlagen und gemartert" werden? @{b}
 HERR, HILF UNS , DAß WIR DIE LEIDEN UNSERER BRÜDER UNS SCHWESTERN ERKENNEN
 UND FÜR SIE EINTRETEN SO, WIE ES UNS MÖGLICH IST. AMEN.@{ub}
                                                        Jürgen Boeckh

@ENDNODE
@NODE "Markus 14g" "Markus 14,53-65"
@{i}                      Markus 14,53-65@{ui}
@{b}                       Ausgeliefert@{ub}
 Jesus geht den Weg in den Tod. Ausgeliefert und verlassen muß er nun
 erleben, anhand falscher Zeugen aussagen angeklagt zu werden. So beschreibt
 es jedenfalls Markus. Aber war denn das, was man von ihm sagte, so falsch?
 Oder hat etwa Jesu Worte vom Abriß und Aufbau des Tempels (wie sie auch von
 anderen Evangelisten bezeugt werden) falsch verstanden oder falsch
 ausgelegt wie so viele seiner Worte? Feststeht, daß dieser Mann Jesus von
 Nazareth ein unbequemer Zeitgenosse war: für die römische Staatsmacht war
 er gefährlich wie jeder, der als Prophet oder Messias galt. Und den
 jüdischen Behörden die sich sichern mußten vor jedem, der die Einhaltung
 der Gesetze und des Tempelkultes hinterfragte, war er im Wege. Jesus bot
 Juden wie Römern Grund genug zur Verfolgung mit seinem Messiasanspruch und
 mit dem, was er verkündigte von der Freiheit vor dem Gesetz. So haben dann
 auch Juden und Heiden, religiöse und weltliche Behörden zusammen, um diesem
 Jesus von Nazareth ein Ende zu bereiten. Im Laufe der Geschichte sind sehr
 häufig die Juden allein verantwortlich gemacht für den Tod Jesu, und die
 Judenverfolgungen sind oft damit begründet worden. Wir wissen, daß das
 historisch falsch und ein Abschieben der Verantwortung ist, denn Juden und
 Römer waren sich einig, einen Unbequemen zu beseitigen, aber Jesu Anhänger
 haben wenig dazu getan, das zu verhindern. Wir hätten es wohl auch nicht
 getan! Manchmal wollen wir heute auch nicht Jesus hören, wenn er unser
 Gewissen anspricht, indem er Nachfolge, Liebe und Buße von uns erwartet.
@{b} HERR JESUS CHRISTUS, DER DU FROMMEN UND HEIDEN EIN UNBEQUEMER
 ZEITGENOSSE WARST, HILF UNS ZUR NACHFOLGE, ZUR LIEBE UND ZUR BUßE. VERGIB
 UNS, DAß WIR MIT UNSERER ABLEHNUNG DEINEN TOD VERSCHULDET HABEN. AMEN.
@{ub}


@{i}                     Markus 14,53-65@{ui}
@{b} Er aber schwieg und gab keine Antwort.@{ub}  Markus 14,61 (EÜ)
 Der Sohn Gottes in den Händen der Menschen! So geht er seinen Weg zu Ende,
 erfüllt er seinen Auftrag. Das Kleinwerden Gottes in Jesus Christus hat in
 der Krippe begonnen und vollendet sich am Kreuz. Petrus folgt ihm von
 ferne. Die Freunde sind weit weg. Jesus schweigt zu allen Anklagen, die
 gegen ihn vorgebracht werden. Jesus, der immer den Menschen zugewandt lebte
 und sie von allen Krankheiten heilte, er schweigt und tut nichts. Keine
 Auseinandersetzung! Als aber der Hohepriester ihn fragt: "Bist du der
 Messias, der Sohn des Hochgelobten", sagt er ganz offen: "Ich bin es." Die
 Frage nach seiner Identität ist die einzige Frage, zu der Jesus in der
 Passion Stellung bezieht. Eindeutig sagt er, daß er der Messias und der
 Sohn Gottes ist. Er bekennt, daß er als Menschensohn zur Rechten Gottes
 sitzen und einmal als Richter kommen wird. Die Zurückhaltung, die wir sonst
 im Evangelium feststellen, ist verschwunden. Er macht deutlich, wer er ist
 und worin seine Aufgabe und Sendung besteht. er ist der von Gott Gesandte,
 der Heil bringt. Sein künftiger Platz ist an der Seite Gottes und seine
 künftige Aufgabe, von allen die letzte Rechenschaft zu verlangen und alles
 in der Herrlichkeit Gottes zu vollenden. Jesus, der alle Menschen mit Gott
 verbinden kann, wird als Verführer abgetan und verurteilt. Sein Weg bringt
 uns Heil.@{b}
 ALLMÄCHTIGER GOTT, SCHAU HIN AUF DAS LEIDEN DEINES SOHNES. RICHTE UNS
 WIEDER AUF. SCHENKE UNS DIE FREIHEIT, MIT JESUS AUF DEM WEG ZU BLEIBEN UND
 DEN MENSCHEN ZU DIENEN. DARUM BITTEN WIR DURCH CHRISTUS, UNSEREN HERRN.
@{ub}                                                   Heinrich Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 14h" "Markus 14,66-72"
@{i}                      Markus 14,66-72@{ui}
@{b}                        Verleugnet@{ub}
 Kann man sich auf seine Freunde verlassen? So mancher hat es schon erlebt:
 Mit der Zuverlässigkeit und Treue von Menschen ist es oft nicht weit her.
 Das fängt in der Schule an, und diese Haltung ist auch am Arbeitsplatz und
 in der Freizeit zu finden. So sind wir Menschen. So war auch der Mensch
 Petrus. Aus der Ferne wollte er die Verhandlungen mit Jesu beobachten,
 unerkannt bleiben. Aber ganz nebenbei wird er doch angesprochen, und schon
 ist er verunsichert, zieht sich zurück, ja er verleugnet den, den er so
 verehrte. Aber da ist auch der Mensch Jesus, der verhört wird. Ganz allein
 und doch standhaft steht er vor denen, die doch nur seinen Tod wollen. Er
 bleibt seinem Auftrag treu und seinem Vater, er entzieht sich nicht,
 sondern steht zu seinem Wort. Das ist eben der große Unterschied: Jesus,
 der Gottessohn, hält dem Vater die Treue. Petrus, ein Mensch wie wir,
 beweist seine Untreue gegenüber Gott, indem er seinen Herrn verleugnet.
 Dieser Bericht ist wie ein Spiegel, der uns vorgehalten wird. Wir erkennen
 darin Gott, wie er sich uns Menschen in Jesus Christus zuwendet. Er bekennt
 sich zu uns trotz unserer Fehler und angesichts der Strafe, die er dafür
 verbüßen muß. Und wir sehen uns, von Gott abgewendet, wie wir uns unseres
 Bekenntnisses schämen, wie wir Angst haben vor Spott oder vor Ärger, vor
 beruflichen Nachteilen oder gesellschaftlichem Alleingang. Dem Verleugner
 Petrus hat er vergeben. Wir dürfen ihn bitten.@{b}
 HERR, DU BIST BIS IN DEN TOD HINEIN UNS MENSCHEN TREU GEBLIEBEN. DU WEIßT,
 DAß UNS DIESE TREUE DIR GEGENÜBER SCHWERFÄLLT. WIR BITTEN DICH: HILF UNS,
 UNSER BEKENNTNIS ZU DIR IN UNSEREN WORTEN UND TATEN SICHTBAR WERDEN ZU
 LASSEN. AMEN.
                      Der Mann aus Nazareth@{ub}               Gedicht
              Er ist ganz Wort, auch wo sein Mund nicht spricht.
              Ist Wort mit Händen, Wort in Reiseschuhn.
              Ist Anruf und Verspruch. In seinem Tun
              sagt sich die Liebe, die den Bann zerbricht.

              Auf die Verfemten ruft er kein Gericht.
              Er ißt mit ihnen, feiert, läßt sie ruhn.
              Jedwede Heimkehr will ihr Fest. Und nun?
              Wer zahlt? Er mit sich selbst. Sie können's nicht.

              Wer so die Welt und ihre Norm bestreitet,
              wird abgetan und auf den Tod berannt.
              Nun hängt er, blutend an das Kreuz gespreitet,
              und überläßt es - angespien vom Bösen,
              von Durst gequält, zum Reißen ausgespannt -
              dem, der ihn Sprach, ihn treulich einzulösen.
              @{i}      Joachim Dachsel



                         Markus 14,66-72@{ui}
@{b} Da fing er an zu fluchen und schwor: Ich kenne diesen Menschen nicht,
 von dem ihr redet.@{ub}   Markus 14,71 (EÜ)
 Die große Einsamkeit und Verlassenheit des Herrn wird in dieser Szene
 deutlich. Keiner geht seinen Weg mit. Petrus verleugnet den Herrn. Eine
 Magd sieht ihn am Feuer sitzen. Sie schaut ihn genau an und sagt: "Auch du
 warst mit diesem Jesus aus Nazareth zusammen" (Vers 67). Petrus bestreitet
 es: "Ich weiß nicht und verstehe nicht, wovon du redest" (Vers 68).
 Und es ist wohl nicht einmal eine Lüge. In dieser Aussage kommt die ganze
 Betrübnis des Petrus zum Ausdruck, nicht nur seine Angst, sondern auch
 seine Enttäuschung und seine Verwirrung. Er weiß nicht mehr, was er von
 Jesus halten und sagen soll. Und als dieselbe Magd noch einmal anfängt:
 "Der gehört zu ihnen" (Vers 69), da bestreitet es Petrus noch einmal.
 Diesmal trennt er sich damit auch von seinen Freunden. Er hat den Sinn für
 die Verbindungen mit Jesus und mit der Jüngergemeinschaft verloren. Er
 verleugnet Jesus und verleugnet seine Freunde.
 Wir möchten Petrus fragen. "Was hast du in dieser Stunde durchgemacht?" Ob
 er sich erinnert an das Wort des Herrn: "Ich sage euch: Wer sich vor den
 Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den
 Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird
 auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden" (Lukas 12,8f). Petrus flucht
 und schwört, den Herrn nicht zu kennen. Als der Hahn kräht, bricht alles
 zusammen "Und er begann zu weinen". In seinen Tränen ist seine Umkehr
 angedeutet. @{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, MACH, DAß WIR UNS IN UNSEREN PRÜFUNGEN VON DIR LIEBEN
 LASSEN. LAß UNS VON DEINEM KREUZ BEZWUNGEN WERDEN, DAMIT WIR DICH ALS DEN
 ERKENNEN, DER DU BIST, NÄMLICH GOTT, DER UNS LIEBT UND ALLE UNSERE WEGE
 MITGEHT.@{ub}                                   Heinrich Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 15a" "Markus 15,1-15"
@{i}                      Markus 15,1-15@{ui}
@{b} Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn Pilatus aus.@{ub}
 Markus 15,1 (EÜ)
 Wir schauen Jesus und die Menschen, die auf seinem Leidensweg eine Rolle
 spielen. Jesus erleidet! Die Hohenpriester und Ältesten faßten über ihn ein
 Beschluß. Gefesselt wird er abgeführt und der staatlichen Gewalt
 ausgeliefert! Das ist sein Leidensweg.
 Wichtig ist in dieser Szene das Schweigen Jesu. Er schweigt zu allen
 Anklagen, die gegen ihn vorgebracht werden. Nur auf die Frage: "Bist du der
 König der Juden?" kommt die Antwort: "Du sagst es." Ähnlich kurz vorher
 beim Verhör vor den Hohenpriestern (vgl.Markus 14,62).
 Die Menschen um ihn herum reden und schlagen auf ihn ein; er aber schweigt.
 Zwischen diesen aufgeregten Menschen bleibt Jesus mit seiner schweigenden
 Gegenwart der Herr. Wir sehen Jesus, der uns als Mensch die Verwundbarkeit
 Gottes enthüllt. Pilatus dagegen ist ein Mann, der alles für sich retten
 will: seine Stellung, die Huld des Kaisers, die Gunst des Volkes und nicht
 zuletzt die guten Beziehungen zu den jüdischen Behörden. Er sah, was hier
 vorging. "Er merkte nämlich, daß die Hohenpriester nur aus Neid Jesus an
 ihn ausgeliefert hatten" (Markus 15,10). Er sucht einen Ausweg, der nicht
 gegen sein gewissen verstößt und ihm zugleich erlaubt, sich selbst zu
 retten.
 Eine der schlimmsten Gefahren für das Zusammenleben der Menschen ist der
 Opportunismus. In ihm liegt die Wurzel des Bösen. Pilatus ist
 Opportunist.Wir werden mit hineingenommen in diese Szene. Was steckt von
 Pilatus in uns?@{b}
 HERR, UNSER GOTT, DU HAST DEINEN SOHN IN DER ARMUT EINES MENSCHEN ZU
 ERKENNEN GEGEBEN. ENTHÜLLE UNS, WAS WIR SIND.
 JESUS, LAß DEIN LEIDEN UND KREUZ NICHT VERGEBLICH FÜR UNS SEIN. HEILE UND
 DURCH DEINE WUNDEN.@{ub}                        Heinrich Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 15b" "Markus 15,16-23"
@{i}                     Markus 15,16-23@{ui}
@{b}                     Der Verspottete@{ub}
 Myrrhe in Wein war als Betäubungsmittel für Jesus gedacht. Er nahm es
 nicht. Klar bis zuletzt ist er gewesen. Dabei erfüllt sich alles, wovon er
 gesprochen hatte. Sein Leib und sein Blut, er selbst ganz und gar geht in
 den Tod. Für ihn wird keine Ausnahmesituation geschaffen. Vielmehr tritt
 noch der Spott zur Angst und Schmerzen. Wie schrecklich die Willkürszene um
 Jesu ist, machen uns die Worte klar: "Sie riefen die ganze Abteilung
 zusammen." Langsam fängt es an und steigert sich. "Sie zogen ihm einen
 Purpurmantel an." Wenn heute Kinder König spielen, genügt dazu auch eine
 rote Decke oder ein Stück aus dem Lumpensack. "Sie flochten eine
 Dornenkrone und setzten sie ihm auf." Zum Hohn kommt die Folter, aber der
 Verspottete soll leben bleiben. Das ist aber nur ein Aufschub, wie wir
 wissen. Die Schmerzen, die Angst und auch das Leiden unter dem Spott
 steigern sich ja noch. Mit Leib und Blut, ganz und gar, geht Jesus in den
 Tod, auch mit vollem Bewußtsein.
 Heute und in diesen Tagen wird in vielen Gemeinden und von vielen
 einzelnen, auch Kranken, das heilige Abendmahl gefeiert. Leib und Blut des
 Herrn sind für uns in den Tod gegeben, so wird heute gesungen und gesagt.
 Sein Bild steht vor uns beim Abendmahl. Es gibt keinen Gequälten und
 Geängsteten, der Jesus nicht nahe wäre. Er selbst ist in seinem Leben all
 den schrecklich Geängsteten nahegekommen. Aber es könnte jeder sagen: Das
 ist zu wenig; nur nahe sein hilft nicht. Es könnte auch heißen: Es
 scheitern so viele Menschen und gehen zugrunde; Jesus ging es auch so.
 Nahesein heißt aber auch helfen. An sehr vielen Stellen des Neuen
 Testaments erkennen wir das an Jesus. Allerdings fällt es uns schwer, ihn
 auch in der Verspottungsgeschichte so zu sehen. Der Verspottete wirkt
 selbst völlig hilflos, erst recht wirkt er nicht wie ein Helfer. Dennoch
 hat das Bild Jesu in der Qual schon viele in Ängsten gestärkt. Der
 sowjetische Schriftsteller Michael Bulkakow hat in den dreißiger Jahren auf
 dem Krankenbett, dem Tode nahe, in einem Jesusroman all die Qualen
 geschildert, die er selbst empfand. Der Geängstete und Gequälte war ihm
 ganz nah. Wir wissen darüber hinaus zwei Dinge. Jesus ist zu neuem Leben
 erweckt worden. Mit Leib und Seele schenkt er sich uns in Brot und Wein,
 seinem Leib und Blut.@{b}
 WIR DANKEN DIR, HERR, FÜR DEIN ABENDMAHL. WIR DANKEN DIR AUCH, DAß DU EINER
 DER GEÄNGSTETEN UND GEQUÄLTEN GEWORDEN BIST. WECK IN UNS DIE FÄHIGKEITEN,
 BEI MENSCHEN SEIN ZU KÖNNEN, DIE IN SCHMERZEN LEBEN UND IN ÄNGSTEN SIND.
 HILF IHNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 15,16-23@{ui}
@{b} Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.@{ub}
 Markus 15,20b (EÜ)
 Ganz den Menschen ausgeliefert: Sie trieben mit ihm Spott. Sie führten ihn
 zur Kreuzigung hinaus. Die Vorübergehenden verhöhnten ihn. Das ist sein
 Leidensweg. In ganz neuer Weise erfahren wir in dieser Szene, daß Jesus von
 Nazareth der Immanuel, der "Gott mit uns" ist. Er steckt in unserer Haut
 gerade auch, was unsere Wehrlosigkeit, unser Ausgeliefertsein und unsere
 Hinfälligkeit angeht. Es gibt keine vorformulierte Antwort auf das Warum
 des Leids, aber er leidet mit und zeigt dadurch, daß Leiden zum
 menschlichen Leben gehört. Die Passion Jesu sagt uns, daß wir zu allen
 menschlichen Schicksalsschlägen Ja sagen können.
 Der Anspruch, den Jesus stellt und das Geschehen, das ihm widerfährt,
 stehen sich gegenüber und scheinen sich zu widersprechen. Er hält den
 Anspruch aufrecht. "Ich bin der Messias, der Sohn Gottes." Zugleich ist er
 aber verurteilt, gefesselt, wehrlos. Im Anschauen seines Weges und im
 Mitgehen kann uns aufgehen, wie sehr dieser Jesus von Nazareth unser
 Immanuel ist.
 Seit altersher betrachten Christen die Stationen des Kreuzweges. Sie lassen
 diesen Weg Jesu in sich aufleben. Dabei kann die Erkenntnis aufleuchten:
 alle Ungerechtigkeit und Unterdrückung in der Welt ist schon hineingenommen
 in den Leidensweg Jesu. Er begegnet uns heute in den Unterdrückten unserer
 Tage.@{b}
 ALLMÄCHTIGER, EWIGER GOTT, HILF UNS, DEN LEIDENSWEG DEINES SOHNES SO ZU
 BETRACHTEN, DAß UNS DARAUS HEIL UND LEBEN ERWÄCHST. RICHTE UNS AUF UND
 SCHENKE UNS NEUES LEBEN. DAS ERBITTEN WIR DURCH CHRISTUS, UNSEREN HERRN.
@{ub}                                                 Heinrich Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 15c" "Markus 15,24-41"
@{i}                      Markus 15,24-41@{ui}
@{b}                    Sie kreuzigten ihn@{ub}
 Wer kreuzigt Jesus? Nach dem Zusammenhang sind es die römischen
 Wachmannschaften unter einem Hauptmann. Als Schuld, die zum Tode führte,
 steht über dem Kreuz: "Der König der Juden". Pilatus hatte ihn deswegen
 verurteilt. Vorübergehende, ohne daß gesagt würde, aus welchen Kreisen sie
 stammten, spotten ebenso wie die jüdischen Hohenpriester über Jesu Wort vom
 Zerbrechen des Tempels. Dies aber geschieht bereits -wie Markus schreibt-
 sinnbildhaft beim Zerreißen des Tempelvorhangs. Israels Tempel zerbricht,
 nicht nur der Tempel des Leibes Jesu. Jesus aber wird an all dem als
 Messias dargestellt. Die Finsternis am hellen Mittag hat etwa diesen Sinn.
 Wenn der Menschensohn kommen wird, um die Seinen zu versammeln, geht ihm
 das Zeichen der Verfinsterung der Sonne voraus (13,24). Aber ein Heide
 spricht hier von Gottes Sohn. - Wer kreuzigt Jesus? Es sind nach dem
 Markusevangelium Heiden und Juden. Der Ton liegt nicht etwa auf den Juden.
 Aber dieser Tod trifft sie stärker; denn in dem Zerreißen des
 Tempelvorhangs ist schon die Zerstörung des Tempels im Jahre 70 vorweg
 abgebildet. Israels Zerstreuung ist damit schon angedeutet. Der römische
 Offizier, der Jesus kreuzigte, scheint manchem in dieser Darstellung näher
 bei Jesus, als es Israel ist. Traurig schreibt ein jüdischer Ausleger vor
 genau 50 Jahren im faschistisch regierten Deutschland: "Der großen
 römischen Welt wenden sich die Wünsche und die Hoffnungen zu. - Besonders
 wenn man vom Tode Jesu erzählt, wollte man sie entlasten, um dafür das
 jüdische Volk zu belasten." Das Markusevangelium ist nicht einseitig. Auf
 die Frage: Wer kreuzigte Jesus? gibt es die Antwort: Jeder, der mit ihm zu
 tun hat. Paul Gerhardt dichtete für sich und jeden, der sein Lied singt.
 "Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so über
 zugericht'? - Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des
 Sandes an dem Meer." Juden und Heiden sind Jesus von Anfang an nachgefolgt.
 Die Frauen aus Galiläa, Jüdinnen, und übrigens keine Männer, auch keine
 Fremden, sind in dieser Geschichte bei Jesus, auch der römische Hauptmann.
 Ebenso haben Juden und Heiden Jesus abgelehnt. Durch das Evangelium zieht
 uns Jesus Christus in dieses Geschehen hinein. Wer dadurch angesprochen ihm
 folgt, dem gelten alle Verheißungen des Herrn, jetzt und am Tage des
 Gerichts.@{b}
 WIR DANKEN DIR HERR, DAß DEIN TOD AUCH UNS GILT. HILF UNS, DIR
 NACHZUFOLGEN. NIMM UNS EINMAL MIT IN DEINE AUFERSTEHUNG HINEIN. SCHENK UNS
 HEUTE SCHON FREUDE DARAN. AMEN.


@{i}                      Markus 15,24-41@{ui}
@{b} Auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten verhöhnten ihn.@{ub}
 Markus 15,31 (EÜ)
 Bis in die Todesstunde hinein wird Jesus verspottet. Die Leute, die
 vorbeikommen, verhöhnen ihn. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die
 Verantwortung im jüdischen Volk tragen und die Repräsentanten des Glaubens
 sind, zeigen so ihre Verachtung. Selbst die beiden Männer, die mit Jesus
 gekreuzigt werden, beschimpfen ihn. Das schafft tiefe Einsamkeit um Jesus.
 Von weitem sehen einige Frauen zu. Mehr Nähe schaffen auch sie nicht mehr.
 Die Kreuzigung selbst wird nur kurz erwähnt. Mit Worten aus dem Psalm 22
 wird geschildert, daß ihm die Kleider genommen werden (vgl. Markus 15,24;
 Psalm 22,19). Auch diese Schmach gehört zu seinem Leidensweg. Um die neunte
 Stunde schreit Jesus seine grenzenlose Verlassenheit hinaus: "Mein Gott,
 mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15,34; Psalm 22,2) Es ist
 zugleich das Schlußwort seines Lebens. Christus ist in die äußerste Tiefe
 hinabgestiegen. Einer, der mich liebt, ist dahin gegangen, wohin jeder
 Mensch allein gehen muß. Wo uns keine Stimme von Menschen mehr erreichen
 kann, da erreicht uns sein Schrei vom Kreuz. Die Erfahrung der
 Verlassenheit kann so die letzte Verbindung zum Vater sein. Jesus läßt an
 seiner Person Gottes Liebe zur verlassenen und verlorenen Menschheit
 aufleuchten. Wer das Kreuz als Lebenszeichen versteht kann aus der Armut
 und Verlassenheit des eigenen Lebens die Gewißheit gewinnen, von Gott
 geliebt zu sein. Was mit Worten nicht mehr zu vermitteln ist, kann im
 Hinschauen auf das Kreuz erahnt werden: grenzenlose Liebe.@{b}
 HEILIGER GOTT, DU HAST DEINEN SOHN DER SCHMACH DES KREUZES UNTERWORFEN, UM
 UNS ZU RETTEN. GIB DAß ALLE DIE AN IHM GLAUBEN, AUCH MIT IHM LEBEN.@{ub}
                                                         Heinrich Janssen

@ENDNODE
@NODE "Markus 15d" "Markus 15,42-47"
@{i}                     Markus 15,42-47@{ui}
@{b}                      Der Begrabene@{ub}
 Die Erinnerung an das Begräbnis Jesu hat dem heutigen Tag im kirchlichen
 Kalender den Namen "Stiller Sonnabend" gegeben. Bei näherem Zusehen aber
 trägt uns Markus eine Botschaft vor, die keineswegs nur Rückschau und
 Erinnerung ist, sondern unserem Glauben weiterhilft. Wir lesen, wie
 erstaunt Pilatus ist, als er hört, daß Jesus schon tot sei. Damit ist nicht
 nur auf die Ausnahme eines schnellen Todes am Kreuz hingewiesen; das schon
 wurde von Gemeinden der ältesten Zeit als ein Wunder Gottes betrachtet.
 Vielmehr wird uns durch das ausführliche Eingehen auf den Tod Jesu noch
 etwas anderes vermittelt. Pilatus erkundigt sich lange und gibt schließlich
 amtlich den Verstorbenen frei zur Beisetzung. Alles trägt den Stempel des
 Dienstlichen und Amtlichen. Das Wort "Beglaubigung" könnte eine Überschrift
 für dies Stück des Evangeliums sein. Markus unterstreicht, daß Jesus tot
 ist, und sagt uns auf diesem Umweg, daß Jesus wirklich Mensch war. Er
 schreibt ja nichts von der Geburt Jesu. Diese Geschichte hier muß mit
 helfen, das Menschsein Jesu zu betonen. Daran liegt ihm besonders viel.
 Damals mußte wohl schon Gerüchten gewehrt werden, Jesus sei ein
 überirdischens Wesen gewesen. Von da aus ist es nicht weit zu der
 Behauptung, Jesus habe nie gelebt. Der Evangelist schreibt von Jesus in
 etwa dem zeitlichen Abstand, wie wir ihn von den Ereignissen des zweiten
 Weltkrieges haben. Glaubwürdige Zeugen überliefern uns durch die
 Grabesgeschichte: Jesus hat gelebt und lebt in Ewigkeit zugleich. Nicht
 sein Sterben war das Wunder, seine Auferstehung ist es.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DU MENSCH GEWORDEN BIST. WIR BITTEN DICH, DAß WIR
 NICHT STEHENBLEIBEN BEIM NACHDENKEN ÜBER DEINE IRDISCHE GESCHICHTE. LAß UNS
 ZUM GLAUBEN FINDEN, DAß DU FÜR UNS MENSCH GEWORDEN BIST UND WIR IN EWIGKEIT
 ZU DIR GEHÖREN. AMEN.
                     Aus dem Lied "Das Kirchenjahr"@{ub}     Gedicht
                   Vor deines Felsengrabes Höhlung
                   ward hart und schwer ein Stein gestemmt.
                   Am Morgen kamen wir zur Ölung
                   und fanden nur dein Totenhemd.
                   Kein Fels hat deinen Weg gewehrt.
                   Wir folgten, Herr, bekehrt.

                   Durch Stern und Krippe, Kreuz und Taube,
                   durch Fels und Wolke, Brot und Wein
                   dringt unaufhörlich unser Glaube
                   nur tiefer in dein Wort hinein.
                   Kein Jahr von unsrer Zeit verflieht,
                   das dich nicht kommen sieht.
                   @{i}  Jochen Klepper


                           Markus 15,42-47@{ui}
@{b} Josef von Arimathäa, der auch auf das reich Gottes wartete, wagte es,
 um den Leichnam Jesu zu bitten.@{ub}   Markus 15,43 (EÜ)
 Josef von Arimathäa wird als ein vornehmer Ratsherr bezeichnet, der "es
 wagte", zu Pilatus zu gehen. Ein Mann mit Einfluß sorgt dafür, daß Jesus
 nicht in ein Massengrab für Verbrecher kommt. Alles, was zu einem würdigen
 Begräbnis gehört, wird vollzogen. Josef von Arimathäa wagt es! Ein Mann,
 der das Kommen des Reiches Gottes wartet, bewegt in dieser Stunde etwas.
 Was mag der Grund für diese wagemutige Liebestat gewesen sein? Im
 Lukasevangelium wird von ihm gesagt, daß er dem, "was die anderen
 beschlossen und taten", seine Zustimmung nicht gab, "weil er gut und
 gerecht war" (Lukas 23,51). Im Matthäusevangelium wird gar gesagt: "Auch er
 war ein Jünger Jesu" (Matthäus 27,57). Wie auch immer sein Verhältnis zu
 Jesus war, in diesem Dienst erweist er ihm eine ähnliche Liebestat wie
 Maria Magdalena, die Jesus bei einem Mehl mit einem kostbaren Salböl die
 Füße salbte. Liebe weckt Mut. Und Mut bringt einen Menschen auf den Weg.
 Es ist wie ein Ahnen auf Zukünftiges, wenn am Ende der Szene gesagt wird,
 daß zwei Frauen all das aus der Nähe beobachten. Der Weg geht weiter.
 Zum ältesten Glaubensbekenntnis gehört auch der Satz: Jesus wird begraben.
 das Begräbnis bestätigt, daß er tot war. das Grab ist Ende und Anfang. Es
 ist ein Denkmal des Todes und der Auferstehung. das Grab spricht von der
 Erniedrigung und Erhöhung Jesu Christi. So bestätigt es auch, daß er von
 den Toten auferstanden ist.@{b}
 GOTT, DU HAST JESUS UM SEINES TODESLEIDENS WILLEN MIT HERRLICHKEIT UND EHRE
 GEKRÖNT. DURCH DEN TOD DEINES SOHNES LÄßT DU UNS HOFFEN, WAS WIR GLAUBEN.
 GIB, DAß WIR DURCH SEINE AUFERSTEHUNG ERLANGEN, WAS WIR ERSEHEN.@{ub}
                                                      Heinrich Janssen


@ENDNODE
@NODE "Markus 16a" "Markus 16,1-6"
@{i}                     Markus 16,1-8@{ui}
@{b}                    Blick nach vorn!@{ub}
 Wer "Jesus" sagt, an diesen Namen glaubt, blickt dabei nicht zuerst zurück
 auf eine Gestalt, die vor fast 2000 Jahren lebte. Er blickt nach vorn und
 erwartet, Begegnung und Gemeinschaft mit Jesus zu erfahren. Zu den
 Erfahrungen, die Christen schon gemacht haben, gehört, daß uns das
 geschriebene Wort sehr lebendig für unser Leben anspricht. Es gehört auch
 dazu, daß unser Gebet nicht leer zurückkommt. Es gibt Augenblicke, in denen
 uns allein die Nähe Jesu spürbar wird, aber es gibt diese Erfahrung auch im
 Kreis der Brüder und Schwestern. Der Glaube ist ein Unterwegsein von
 Ostererfahrung zu Ostererfahrung. Als die Frauen am Morgen des
 Auferstehungstages zum Grabe kamen, war ihr Wahrnehmungsvermögen
 verschleiert von der trauernden Liebe. Der Gedanke an den Stein des Grabes
 ließ sie ihre Ohnmacht empfinden. Er war zugleich ein Zeichen für den
 unwiderruflichen Schlußpunkt, den der Tod setzt. Er, Jesus, war nicht mehr
 da, unerreichbar in einem verzweifelten, hoffnungslosen Sinne. Es bedurfte
 des von Gott gesandten Boten, den Stein und das, wofür er stand,
 wegzuwälzen. Merkwürdigerweise sagte der Engel genau das gleiche, was sie
 ohnehin wußten: "Er ist nicht hier!" Aber diese Aussage ist verbunden mit
 einer freudigen, unermeßlichen, Hoffnung und Zukunft eröffnenden Botschaft:
 "Er ist auferstanden." Das heißt: Laßt die Angst hinter euch! Ihr werdet
 ihn sehen! Ihr werdet ihn wahrnehmen in eurer Alltagswelt, dort, wo ihr
 lebt, arbeitet, Freude und Leid erfahrt. Die Osterbotschaft verkündet ein
 Geheimnis und zugleich, was es für uns bedeutet. Der Gekreuzigte ist der
 Lebendige, Gegenwärtige. Er ist -wenn man es einmal so ausdrücken darf-
 "wirklicher als jede Wirklichkeit, weil er Tod und Vergänglichkeit hinter
 sich gelassen hat in seiner Auferstehung. Und eben dies liegt als Erfahrung
 immer von neuem vor uns. Er ist schon an dem Ort. zu dem hin wir noch
 unterwegs sind. Er wird uns begegnen. Er wird uns anreden. Er wird uns die
 Zeichen seiner Macht schenken. Und wie die Glaubenden, so ist die ganze
 Menschheit - sie wissen es oder wissen es nicht - unterwegs, ihm entgegen.
 Diese Gewißheit ist das Ende aller Angst vor dem Gedanken, Jesus könnte
 bloße Vergangenheit sein und unsere Hoffnung ohne Grund. Blicken wir nach
 vorn, er ist unsere Zukunft.@{b}
 VON TAG ZU TAG, HERR, SCHAUEN WIR AUS NACH DIR. LAß UNS DEINE NÄHE
 ERFAHREN, DEINE WEISUNG UND DEINE HILFE. DU BIST DER LEBENDIGE, AUCH IN DEN
 AUGENBLICKEN, WO DIE ANGST UNSEREN BLICK VERSTELLT. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 16,1-8@{ui}
@{b}                    Blick nach vorn!@{ub}
 Wer "Jesus" sagt, an diesen Namen glaubt, blickt dabei nicht zuerst zurück
 auf eine Gestalt, die vor fast 2000 Jahren lebte. Er blickt nach vorn und
 erwartet, Begegnung und Gemeinschaft mit Jesus zu erfahren. Zu den
 Erfahrungen, die Christen schon gemacht haben, gehört, daß uns das
 geschriebene Wort sehr lebendig für unser Leben anspricht. Es gehört auch
 dazu, daß unser Gebet nicht leer zurückkommt. Es gibt Augenblicke, in denen
 uns allein die Nähe Jesu spürbar wird, aber es gibt diese Erfahrung auch im
 Kreis der Brüder und Schwestern. Der Glaube ist ein Unterwegsein von
 Ostererfahrung zu Ostererfahrung. Als die Frauen am Morgen des
 Auferstehungstages zum Grabe kamen, war ihr Wahrnehmungsvermögen
 verschleiert von der trauernden Liebe. Der Gedanke an den Stein des Grabes
 ließ sie ihre Ohnmacht empfinden. Er war zugleich ein Zeichen für den
 unwiderruflichen Schlußpunkt, den der Tod setzt. Er, Jesus, war nicht mehr
 da, unerreichbar in einem verzweifelten, hoffnungslosen Sinne. Es bedurfte
 des von Gott gesandten Boten, den Stein und das, wofür er stand,
 wegzuwälzen. Merkwürdigerweise sagte der Engel genau das gleiche, was sie
 ohnehin wußten: "Er ist nicht hier!" Aber diese Aussage ist verbunden mit
 einer freudigen, unermeßlichen, Hoffnung und Zukunft eröffnenden Botschaft:
 "Er ist auferstanden." Das heißt: Laßt die Angst hinter euch! Ihr werdet
 ihn sehen! Ihr werdet ihn wahrnehmen in eurer Alltagswelt, dort, wo ihr
 lebt, arbeitet, Freude und Leid erfahrt. Die Osterbotschaft verkündet ein
 Geheimnis und zugleich, was es für uns bedeutet. Der Gekreuzigte ist der
 Lebendige, Gegenwärtige. Er ist -wenn man es einmal so ausdrücken darf-
 "wirklicher als jede Wirklichkeit, weil er Tod und Vergänglichkeit hinter
 sich gelassen hat in seiner Auferstehung. Und eben dies liegt als Erfahrung
 immer von neuem vor uns. Er ist schon an dem Ort. zu dem hin wir noch
 unterwegs sind. Er wird uns begegnen. Er wird uns anreden. Er wird uns die
 Zeichen seiner Macht schenken. Und wie die Glaubenden, so ist die ganze
 Menschheit - sie wissen es oder wissen es nicht - unterwegs, ihm entgegen.
 Diese Gewißheit ist das Ende aller Angst vor dem Gedanken, Jesus könnte
 bloße Vergangenheit sein und unsere Hoffnung ohne Grund. Blicken wir nach
 vorn, er ist unsere Zukunft.@{b}
 VON TAG ZU TAG, HERR, SCHAUEN WIR AUS NACH DIR. LAß UNS DEINE NÄHE
 ERFAHREN, DEINE WEISUNG UND DEINE HILFE. DU BIST DER LEBENDIGE, AUCH IN DEN
 AUGENBLICKEN, WO DIE ANGST UNSEREN BLICK VERSTELLT. AMEN.@{ub}


@{i}                     Markus 16,1-8@{ui}
@{b} Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. er ist auferstanden; er
 ist nicht hier.@{ub}  Markus 16,6 (EÜ)
 Die Frauen auf dem Wege zum Grabe Jesu wollten einem Toten die letzte Ehre
 erweisen. Sie hatten alles so gut vorbereitet, doch dann konnten sie die
 wohlriechenden Öle nicht mehr gebrauchen, weil die Ereignisse einen so
 unerwarteten Verlauf genommen hatten. Wie verständlich wird ihr tiefes
 Erschrecken über das, was sie nun erleben. Sie müssen innerhalb von wenigen
 Augenblicken völlig umlernen. Ostern verstehen will gelernt sein. Der
 Auferstandene setzt ganz neue Tatsachen. Er ist nicht mehr der Gemarterte
 und Gestorbene, der auf unsere Verehrung wartet, er ist uns vielmehr weit
 voraus und wartet darauf, daß wir zu ihm kommen, um sein Lebendigsein ganz
 neu zu begreifen. Solange wir in Jesus nur eine Gestalt der Vergangenheit
 sehen, die wir als schöne oder schmerzliche Erinnerung verehren möchten,
 müssen auch wir erfahren: "Er ist nicht hier." Erst wenn wir begreifen, daß
 wir Jesus, den Auferstandenen, immer vor uns haben, kommt in unser Leben
 eine nach vorne gerichtete Bewegung hinein. "Es war einmal" - das ist nicht
 der Ton von Ostern. Ostern heißt: Der lebendige, von Gott auferweckte
 Christus, ist jetzt bei uns und kommt immer neu auf uns zu. Er läßt sich
 von denen finden, die den Glauben und den Mut haben, ihn im Heute und im
 Morgen immer neu zu entdecken. Ostern ist die Einladung, von gestern
 Abschied zu nehmen um des Neuen willen, das der Auferstandene für uns
 bereit hält. Solche Abschiede, wie schwer sie auch fallen mögen, machen
 nicht ärmer, sondern führen uns in die Freude, daß der Auferstandene heute
 und morgen immer bei uns ist.@{b}
 DANKE, LIEBER HERR, DAß DU UNS IN DER GEMEINSCHAFT MIT DIR IN EIN LEBEN
 VOLLER ÜBERRASCHUNGEN RUFST. DANKE, DAß DU UNS MITTNIMMST IN DEIN LEBEN
 HINEIN.@{ub}                                     Ernst-Peter Weldin


@ENDNODE
@NODE "Markus 16b" "Markus 16,9.20"
@{i}                     Markus 16,9-20@{ui}
@{b}                 Zeugen der Auferstandenen@{ub}
 Der als der Lebendige erscheint, muß dem gesamten Jüngerkreis Unglauben
 vorhalten. Er nennt auch den Grund dafür: ihres Herzens Härte. Die Wahrheit
 von Ostern anzunehmen, fällt nicht allein in die Zuständigkeit des
 Verstandes. Ostern geht das Herz, also den ganzen Menschen mit allen seinen
 Sinnen, Erfahrungen, Gewissensbindungen, Sehnsüchten und Hoffnungen an. So
 deckt der Herr die Ursache auf - und meint damit ebenso auch uns: Es liegt
 an eurem innersten Wesen, wenn ihr euch in Zweifel und Ausflüchten der
 Botschaft vom Leben verschließt. Um so unbegreiflicher aber ist der
 Fortgang in diesen Schlußgedanken des Markusevangeliums: Eben diesen
 Menschen mit ihrem Unglauben und ihres Herzens Härte wird der Auftrag zur
 Weltmission erteilt. Tatsächlich steht am Anfang der Kirche keine
 Elitemannschaft, bewährt im Glauben und zum Einsatz bereit. Da sind keine
 Frauen und Männer, die überwältigt von der Gewißheit "Er lebt" sagen: Nun
 laßt uns zu den Menschen gehen, zu allen auf dem ganzen Erdenkreis, um
 ihnen die Frohe Botschaft zu bringen. Da sind nicht brennende Herzen, die
 es drängt zu bezeugen, wer der Lebendige und Leben schaffende ist. Am
 Anfang steht nur er, der zu den Seinen kommt und sie trotz ihres Unglaubens
 beauftragt und mit Vollmacht ausrüstet. Daß es Verkündigung des Evangeliums
 durch Wort und Tat heute in allen Erdteilen gibt, ist von Anfang an allein
 sein Werk gegen das Widerstreben ängstlich verschlossener Menschenherzen.
 Und wie überwindet der Herr damals wie heute solchen Unglauben? Indem er
 uns in den Dienst nimmt. Wer sich trotz Ängstlichkeit, Zweifel und
 Schwachheit in den Zeugendienst hineinnehmen läßt, z.B. als Eltern
 gegenüber den Kindern, als Jugendliche gegenüber Mitschülern, als
 Berufstätige gegenüber Kollegen, als Mitarbeiter der Kirche wie und wo auch
 immer, der kann die hilfreiche Nähe des Auferstandenen erfahren. Da erleben
 wir, wie unser eigener Glaube wächst und gefestigt wird, indem wir anderen
 zum Glauben helfen wollen. "Und der Herr wirkte mit ihnen." Das gilt auch
 heute. Welcher Trost und welche Ermutigung! Nicht meine Bewährung im
 Glauben fordert er als Voraussetzung, sondern wenn ich seinem Ruf folge,
 dann überwindet er meine Zweifel. So fängt es wirklich gut an.@{b}
 HERR, ÜBERWINDE AUCH HEUTE UNSEREN UNGLAUBEN MIT SEINEN ZWEIFELN UND SEINER
 ANGST. LAß UNS SPÜREN, DAß DU BEI UNS BIST, WENN WIR FÜR DICH EINSTEHEN
 MÖCHTEN VOR UNSEREN MITMENSCHEN. WIR LOBEN UND PREISEN DICH. WIR DANKEN
 DIR, DAß DU UNS ZU DEINEN BOTEN MACHEN WILLST. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 16,9-20@{ui}
@{b}                     Unwiderstehlich!@{ub}
 Es gehört zur Lebenserfahrung, daß sich - im guten Sinne - manchmal etwas
 gegen unsere Absicht und unseren Willen bei uns durchsetzt: ein Mensch, ein
 Gedanke, ein Vorhaben. Unser anfänglicher Widerstand wird überwunden, was
 uns begegnet, hat sich als "unwiderstehlich" erwiesen. Die Botschaft von
 der Auferstehung Jesu ist für die Jünger, die Freunde Jesu in diesem Sinne
 "unwiderstehlich" gewesen.
 Alle Ostertexte bezeugen uns die Furcht und den Zweifel gegenüber den
 ersten Nachrichten von der ungeheuren Tatsache, der Gekreuzigte sei als der
 Lebendige erschienen. Eine Eigentümlichkeit unseres heutigen Abschnittes
 vertieft dies noch. Vermutlich ging von der ursprünglichen Handschrift des
 Markusevamgeliums der Schluß verloren. Die Gemeinde hat später einen neuen
 Schluß angefügt, um das Evangelium wieder vollständig zu machen. Sie hat in
 Kurzfassung das Osterzeugnis der anderen Evangelisten zusammengefaßt in der
 Gewißheit, daß auch Markus selbst nichts anderes in dem verlorengegangenen
 Schluß bezeugt hat. Im ganzen Zeugnis der ersten Christenheit ist also
 enthalten, daß die Gewißheit von der lebendigen Wirklichkeit und
 Wirksamkeit Jesu von Nazareth sich gegen die Trauer, die Resignation, die
 Skepsis und den Unglauben der Jünger hat durchsetzen müssen. Die
 Osterbotschaft aber erweist sich bis auf diesen Tag als unwiderstehlich.
 Und noch in jedem heute neu beginnenden und neu aufbrechenden Glauben
 wiederholt sich diese Erfahrung. Wie eindrücklich sind die
 Lebenserfahrungen junger Menschen heute, die sich als Erwachsene zur Taufe
 entschließen. In nicht wenigen Gemeinden finden sich "Neuchristen",
 Menschen, in deren Kindheit und Jugend "Glaube" nicht vorkam und die in der
 Begegnung mit dem Evangelium als Erwachsene den Lebendigen erkannten.
 Vielleicht ist es überhaupt eine Weise, wie sich die Wahrheit der
 Auferstehung Jesu Christi zeigt, daß dieser Herr und sein Wort sich immer
 von neuem gegen den Kleinglauben, Irrglauben und Unglauben unter uns
 durchsetzen müssen. Aber sie tun es auch. In uns selbst erleben wir dies
 immer wieder, wenn wir seine bewahrende, rettende und helfende, uns Weg und
 Ziel zeigende Wirklichkeit entdecken. Auch dies wäre ein Bekenntnis: "Du,
 Herr, bist unwiderstehlich!"@{b}
 HERR, WO WIR AM ENDE SCHEINEN, FÄNGST DU ERST AN. WIR DANKEN DIR, DAß DU
 UNS UND DEINE GEMEINDE DURCH DIE MACHT DEINER WAHRHEIT UND LIEBE ERNEUERST.
 WIR BITTEN DICH, DAß MENSCHEN DICH SUCHEN UND FINDEN UND BEI DIR DAS LEBEN
 EMPFANGEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Markus 16,9-20@{ui}
@{b} Auch sie gingen und berichteten es den anderen, und auch ihnen glaubte
 man nicht.@{ub}   Markus 16,13 (EÜ)
 Ostern hat es nicht leicht. Gottes Handeln an Jesus paßt nicht in unsere
 Erfahrung hinein. Wir können die Menschen gut verstehen, die damals die
 Botschaft der Auferstehung nicht einordnen konnten und mit Unglauben
 reagierten. Neben dem Wunder der Auferstehung begegnet uns in dieser
 Geschichte das Wunder, wie Jesus in seiner Barmherzigkeit den Unglauben der
 Jünger überwindet, indem er sich ihnen offenbart. Nun fallen alle
 Vorbehalte, jetzt gilt auch für die Jünger nur noch eines: Jesus lebt.
 Damit wird auch klar, daß wir Menschen durch unsere Verkündigung keinen
 Glauben stiften können. Glaube in anderen Menschen entsteht nur dann, wenn
 Christus selbst den Hörern eine Glaubensgewißheit schenkt, die jeden
 Zweifel besiegt. Seit Ostern ziehen seine Jünger durch die Welt und
 verkündigen das Leben durch den auferstandenen Christus. Aber was wirkt ihr
 Wort, wenn nicht Christus selbst es den Zuhörern gewiß werden läßt! Und das
 ist gut so. Glaube ist ein Geschenk, das allein Christus austeilt. Alle
 Boten des Evangeliums tun Handlanger-Dienste, das Entscheidende tut
 Christus selbst. Wo immer ein Mensch die gute Nachricht von der
 Auferstehung hört und daran glaubt, hat Christus durch den heiligen Geist
 dieses persönliche Ja zu der Botschaft gewirkt. Die Aufgabe der Gemeinde
 Christi besteht darin, die Botschaft so glaubwürdig wie möglich und so
 deutlich wie möglich weiterzugeben. Ist das geschehen, ist ihre Aufgabe das
 Gebet zu Christus, daß er selbst dafür sorgt, daß bei den Empfängern der
 Botschaft Glaube daran erwacht. So sorgt der Herr selbst dafür, daß seine
 Gemeinde in der Welt wächst, wann wie und wo er es will.@{b}
 HERR, WIR BITTEN DICH, WIRKE DU BEI ALLEM, WAS WIR FÜR DICH TUN, DAS
 ENTSCHEIDENDE.@{ub}                               Ernst-Peter Weldin



@ENDNODE

@NODE "Lukas 1a" "Lukas 1,1-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Lukas 1,1-17@{ui}
@{b}                Gott handelt überraschend@{ub}
 Die Ankündigung der Geburt des Johannes - nur von Lukas berichtet - ist
 dazu da, uns Christus zu verkündigen. Wir lesen, daß Zacharias und
 Elisabeth den Wunsch und die Hoffnung auf ein Kind längst begraben hatten.
 Viele Jahre haben sie darum gebetet. Wir ersehen dies aus dem Wort des
 Engels. Solche Erfahrung zerstörter Hoffnungen wird jedem von uns vertraut
 sein, bis hin zur Resignation. Aber nun ist es beeindruckend, daß die
 beiden alten Leute nicht als vergrämt und von Gott abgewandt dargestellt
 sind, sondern daß Lukas von ihnen sagt: "Sie wandelten in allen Geboten des
 Herrn untadelig!" Bei ihnen ist derselbe Glaube, wie wir ihn aus dem
 Herrengebet kennen. "Dein Wille geschehe!" Da wird plötzlich ihr Leben
 völlig umgekrempelt. Gott läßt Zacharias die Geburt eines Sohnes
 verkündigen. Das Wunder ist nicht nur "ein Sohn", sondern daß er ein Mensch
 ist, der "groß sein wird vor dem Herren", der Glauben weckt und Jesus den
 Weg bereitet. Zacharias' größte Stunde ist für uns erzählt worden. Die
 Erfüllung seines Wunsches zu einer Zeit, da alles dagegen spricht, sagt
 uns: Das Unmögliche macht Gott möglich. Auf Christus soll auf jede Weise
 hingewiesen werden. Erwarten wir von Gott noch Unmögliches? Kann Gott noch
 mit uns reden? Oder verschließen wir uns enttäuscht vor ihm? Vielleicht
 will er in unserem Leben auch etwas ändern, was uns selbst und anderen gut
 sein wird. Johannes jedenfalls ist nicht nur zur Freude seiner Eltern zur
 Welt gekommen, sondern um die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen
 vorzubereiten.@{b}
 LAß UNS DAS VERTRAUEN NICHT VERLIEREN, HERR, DAß DU JEDERZEIT UNSER LEBEN
 VERÄNDERN KANNST, WENN DEIN PLAN MIT UNS MENSCHEN ES NÖTIG MACHT. NIMM
 UNSER GEBET AN UND STÄRKE UNSEREN GLAUBEN. AMEN.@{ub}


@{i}                       Lukas 1,1-17@{ui}
@{b} Und er wird vor ihm hergehen in Geist und Kraft des Elia, zu bekehren
 die Herzen der Väter zu den Kindern.@{ub}  Lukas 1,17 (LB)
 Vom Geist des Elia erfüllt, wird Johannes zu Israel sprechen, zu ihm rufen,
 es zur Umkehr bewegen. Und diese Züge des Elia wird auch später Jesus von
 Nazareth tragen - die Boten Gottes sind jeweils von Geist und Kraft des
 Elia erfüllt. Mit diesem Wort von der Kehre der Väterherzen zu den Kindern
 endet offen und voller Erwartung die Heilige Schrift des Alten Testaments -
 allerdings erst nach Luthers Umstellung des Prophetenteils an die dritte
 und letzte Stelle der Hebräischen Bibel. Nach dieser Umstellung von der
 Mitte an den Schluß kommen Ende des Alten und Anfang des Neuen Testaments
 zueinander wie Verheißung und Erfüllung - unser Wort ist das Schlußwort des
 Propheten Maleachi (3,24).
 Elia begleitet Israel alle Tage, düstere und fröhliche Tage, Alltage und
 Festtage. Er ist wach, stets auf der Hut, nie gleichgültig, zäh, kühn,
 reizbar, vor allem: unbeugsam. Ein Zeitgenosse Homers, aber ein Wüstenfuchs
 mit langen Haar, scharfer Sprache, voller Glut und Leidenschaft, gegen die
 Eitlen, für die Demütigen, klug, treu und voller Gottesgerechtigkeit. Er
 fühlt tief und sieht wie Gottes letzter Prophet in der Schwärze der
 Verirrungen gleich einem Blitz fährt er, erleuchtend und blendend zwischen
 sein Volk. Er trägt ein härenes Gewand und einen Ledergürtel um die Lenden
 ...Und so tritt Johannes gleich einem wiedergekommenen Elia auf und Israel
 gegenüber!
 Und er wird das messianische Wunder der Herzensverwandlung beginnen: Daß
 das Herz der Väter zu den Kindern gelangt, ehe den Kindern geboten wird
 sich den Vätern zu öffnen. Damit wird die Grundregel der antiken Welt von
 Herrschaft und Gehorsam umgekehrt. Elia und Johannes, die Vor-Boten des
 Messias!@{b}
 HERR, GIB UNS VOM GEIST DES ELIA, DAß WIR UNBEUGSAM WERDEN.@{ub}
                                                 Helmut Ruppel

@ENDNODE

@NODE "Lukas 1b" "Lukas 1,18-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 1,18-25@{ui}
@{b}               Zweifel an der Gebetserhörung@{ub}
 Die Zusage Gottes, doch noch einen Sohn zu haben, ist für Zacharias so
 gewaltig, daß er ganz sichergehen will und um ein Zeichen bittet. Er hat
 wohl nicht mehr ernsthaft mit einer Gebetserhörung gerechnet. Es wird
 geschildert, wie erschrocken er über die Gabe ist, die er fast schon in den
 Händen hält. Woran könnte er erkennen, daß er nicht träumt? In der Bibel
 können wir öfter nachlesen, daß göttliche Boten Zeichen zu geben bereit und
 auch fähig sind, So auch hier: Zacharias wird stumm! Und er bleibt es bis
 zur Geburt des Johannes. wenn in der Bitte um ein Zeichen so etwas wie
 Unglauben mitgeschwungen hat, so hat Zacharias jetzt Zeit, nachzudenken
 über den Weg Gottes mit ihm. Es ist ihm verkündet worden, daß dieses
 bevorstehende große Ereignis nicht nur ihn und seiner Frau angeht, sondern
 alle, das ganze Volk. Während er im Tempel noch dem Engel gegenübersteht,
 wartet draußen "das Volk" auf ihn. er ist selbst nur ein Teil des Volkes.
 Und sein Sohn wird für dieses Volk dasein.
 Würden wir auf eine plötzliche Gebetserhöhung ähnlich reagieren wie
 Zacharias? Könnten wir eine Erfüllung überhaupt annehmen, oder würden wir
 dann so vom Zweifel beherrscht sein, daß wir die kleinen Zeichen, die Gott
 uns vielleicht sogar ungebeten gibt, nicht mehr sehen? Unser Vertrauen zu
 Gott steht oft auf sehr schwachen Füßen. Vielleicht müßte Gott uns auch so
 zur Ruhe zwingen wie Zacharias, damit wir wieder mehr über ihn nachdenken,
 seine Wunder erkennen und bereit werden, seine Wege mit uns zu gehen.@{b}

 GOTT, WIR DANKEN DIR FÜR DEINE GEDULD, DIE DU MIT UNS ZWEIFELNDEN MENSCHEN
 HAST. ES FÄLLT UNS OFT SO SCHWER, DEINEN GUTEN WILLEN MIT UNS ZU ERKENNEN.
 LAß UNS NICHT UNGEDULDIG WERDEN, WENN DU ANDERS HANDELST, ALS WIR ERWARTEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                       Lukas 1,18-25@{ui}
@{b} Und Zacharias sprach zu den Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn
 ich bin schon alt, und mein Weib ist betagt.@{ub}  Lukas 1,18 (LB)
 "Es gibt", sagte Johannes XXIII. einmal, "zwei Türen in die Freiheit, in
 das Paradies: die Unschuld und die Buße. Wer von uns könnte sich als
 schwacher Mensch anmaßen, die Tür der Unschuld weit offen zu finden? Die
 zweite Tür, die der Buße, ist auf jeden Fall offen: Es ist der sicherste
 Weg in die Freiheit!"
 Gabriel, der Bote Gottes, ist recht streng zu Zacharias. Hatte der doch nur
 eine Frage gestellt, die wir schon kennen, die vor der Geburt des anderen
 großen Segenträgers seines Volkes auch schon gestellt worden war: Sarah
 fragt sich lachend nach dem Sinn dessen, was die drei Boten Gottes ihrem
 alten Ehemann verkündigen (Genesis/1.Mose 18,11), denn sie ist ja auch "alt
 und hochbetagt". Und Johannes selbst wird später aus dem Gefängnis heraus
 fragen. "Bist du es, der da kommen soll, uns zu befreien? Oder müssen wir
 auf einen anderen warten?"
 Warten, Bangen, Zweifel, Fragen - das gehört auch zum Advent. Hören soll
 Zacharias, nicht gegenfragen - der Engel ist sehr streng - Engel sind eben
 nicht diskusionslustig, sie haben etwas auszusagen, nicht etwas zu bereden,
 zu erwägen oder gesprächsweise zu prüfen und wie unsere gesammelten
 Ausweichversuche alle heißen mögen. Höre Israel - so lautet das Bekenntnis,
 oder genauer: Höre, Zacharias! Höre Kirche; Höre, Gemeinde; höre, Familie!
 Er kann nicht hören - so kann er auch nicht Gott loben und seinen Namen
 preisen bis zur Geburt seines Sohnes Johannes. Mit Stummheit geschlagen,
 mit geschlossenem Mund, harrt er der Geburt entgegen - seine Buße ist ein
 verordnetes Schweigen. Zur Unzeit geredet; das läßt uns nachdenklich
 werden. Sarah lachte, Zacharias fragte zurück; und wir? Hören wir? Gehören
 wir dem Wort Gottes?@{b}
 LIEBENDER VATER, ÖFFNE UNSERE OHREN FÜR DEIN WORT!@{ub}
                                                         Helmut Ruppel


@ENDNODE

@NODE "Lukas 1c" "Lukas 1,26-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 1,26-38@{ui}
@{b}                    Gott geht eigene Wege@{ub}
 Viele Maler haben mit großer Zartheit jene biblische Szene gemalt, die wir
 heute lesen und in der Gabriel Maria erscheint, um ihr die unerhörte
 Botschaft ihrer Begnadung zu bringen, durch die die Trennung des Menschen
 von Gott aufgehoben werden sollte. Wer wollte das Wunder gedanklich
 zergliedern, um es begreiflich zu machen? Lassen wir es doch als unfaßbar
 stehen! Auch die junge Frau, die Gott sich ausgesucht hat für sein Handeln
 zur Rettung der Welt, kann es nicht verstehen. Sie wundert sich über den
 Gruß des Boten. Vielleicht staunt sie, daß Gott gerade sie anredet und
 auswählt. Auf alle Fälle aber reagiert sie anders als Zacharias. Maria ist
 ganz ergeben. Sie beugt sich unter den willen ihres Gottes: "Siehe, ich bin
 des Herrn Magd."
 Wie selten sind wir bereit, uns so bedingungslos Gottes Willen
 unterzuordnen. Und dennoch will uns Gott in seinen großen Plan als kleine
 Werkzeuge hineinnehmen. Wir fürchten uns, den Boden unter den Füßen zu
 verlieren. Maria fürchtet sich auch. Aber sie vertraut darauf, daß Gott sie
 richtig führen wird. So ist sie ein Beweis dafür geworden, daß Gott in
 seinem Heilstun nicht an uns Menschen vorbeigegangen ist. In ihr trafen
 Gottes Heilswillen und menschlicher Gehorsam aufeinander und verschmolzen
 zu dem Wunder, das wir zu jedem Christfest neu bestaunen. Doch dabei dürfen
 wir es nicht bewenden lassen. Vielmehr sollen wir uns auch in Gottes Wirken
 hineinnehmen lassen, damit er in uns Glauben wecken kann, der uns und
 anderen zum Segen wird.@{b}
 VATER IM HIMMEL, WIR DANKEN DIR, DAß DU MENSCHEN WILLIG MACHST, SICH VON
 DIR GEBRAUCHEN ZU LASSEN ZUR RETTUNG DER MENSCHEN. LAß UNS BEGREIFEN, DAß
 WIR AUCH DER RETTUNG BEDÜRFEN. GIB IN UNSER HERZ DIE TIEFE GLÄUBIGKEIT, DIE
 DIR GANZ VERTRAUT. AMEN.@{ub}


@{i}                         Lukas 1,26-38@{ui}
@{b} Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du,
 Hochbegnadete! Der Herr ist mit dir!@{ub}  Lukas 1,28 (LB)
 Ave Maria! Chaire! Schalom lach! Wie sollten wir nun sprechen?
 Freu dich Maria!                                             Gedicht
 Ich sehe dich in tausend Bildern,
 Maria, lieblich ausgedrückt,
 Doch keines von allen kann dich schildern,
 wie meine Seele dich erblickt.
 Novalis gleich können wir nur Worte aneinanderreihen und Bilder immer
 wieder ansehen, doch wer vermag diese Worte und diese Begegnung zu
 schildern?
 Der "englische Gruß" ist gewiß das Echo auf die drei alten Propheten
 Zephanja (3,14f.), Joel (2,21f.) und Sacharja (9,9), deren Botschaft
 lautet: "Freue dich, Tochter Zion (Israel), denn Jahwe, dein König, dein
 Gott, befindet sich mitten unter euch!" Alle drei Propheten rufen zur
 messianischen Freude auf, jedes Mal übersetzen die Kirchenväter mit "Ave!"
 Dies unscheinbare Wort birgt den höchsten Ausdruck der Freude: Nun wird der
 Messias, der Befreier kommen. Hier ist eine Frau, "voll der Gnade" des
 Heiligen Geistes. Das Grundwort "Gnade" meint insgesamt Liebe, Güte,
 Sympathie, Schönheit, Charme, mit heiligem Geist erfüllt. Und noch nicht
 genug. "Der Herr ist mit dir!" Eine Wendung, die die Bibel häufig im
 Zusammenhang mit dem Bund gebraucht. Im Bund mit dem Volk will Gott seine
 Gegenwart besiegeln und bestärken. So schließt er nun einen ständigen Bund
 mit Maria, die hier für das Volk Gottes steht. Wenn wir es bis hierher
 nachgesprochen haben, folgen wir der Bitte des klugen Erasmus von
 Rotterdam:@{b}
 JUNGFRAU MARIA, DEIN SOHN GEWÄHRE UNS, DAß WIR IN DER NACHAHMUNG DEINES
 HEILIGEN LEBENS DEN HERRN JESUS IM INNERSTEN UNSERER SEELE EMPFANGEN KÖNNEN
 UND, WENN WIR IHN EINMAL AUFGENOMMEN HABEN, DAß WIR IHN NIE MEHR VERLIEREN!
@{ub}                                                     Helmut Ruppel


@ENDNODE

@NODE "Lukas 1d" "Lukas 1,46-55"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 1,46-55@{ui}
@{b}                     Gottes Freude über uns@{ub}
 Die Zeit der vorweihnachtlichen Erwartung geht zu Ende. Die Erfüllung
 kommt. Und mit der Erfüllung kommt Gottes Freude, die unser Leben erfüllen
 und tragen will. Maria betet, ganz hingegeben an Gott: "Meine Seele erhebt
 den Herrn, und mein Geist freut sich des Gottes, meines Heilandes." Heute
 wird diese Freude von Gott uns zugesprochen. Die Unruhe der weihnachtlichen
 Vorbereitungen klingt aus. Viele haben sich viel Mühe gemacht. Mancherlei
 Besorgungen haben uns beschäftigt. Jetzt kommt das Bleibende. Gott will die
 Sehnsucht nach Erfüllung und Freude stillen. Gottes Freude kommt. Diese
 Freude wollen wir in unser Leben eindringen lassen: Christ, der Retter, ist
 da! Das Kind in der Krippe ist Gottes Freude über uns. Gottes Freude ist
 Kraft, die unsere Welt verändert. Gewalt und Unterdrückung sind nicht
 abgeschafft, aber Gott in der Krippe ist nicht ohnmächtig und hilflos. Gott
 schafft eine neue Weltordnung, in der wir als Menschen Gottes leben können,
 wo die Würde des Menschen etwas gilt. Gottes neue Weltordnung ist eine
 Lebensordnung, in der "Oben" und "Unten", Macht und Ohnmacht, Reichtum und
 Armut, Stärke und Schwäche die Menschen nicht auch zugleich in "gut" und
 "schlecht" einteilen. Gott gibt jedem seine Würde, schenkt jedem ein
 erfülltes Leben. Gottes Freude für uns ist wie ein belebender Strom."Seine
 Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten." Dieser
 Strom des Lebens macht alles anders. Menschliche Größe verliert den
 Eindruck, den sie macht. Gott allein ist groß. mein Geist freut sich
 Gottes, meines Heilandes." Das Geschehen der Christnacht macht jedermann
 deutlich, was Gott will: Frieden für diese Welt, für uns Menschen, auch
 Versöhnung. Noch leiden wir am Unfrieden. Noch seufzen wir unter Streit und
 Unversöhnlichkeit. Wer die Freude Gottes in sein Leben hineinläßt, der wird
 Versöhnung und den Frieden leichter in seiner Umwelt zuwege bringen. Gottes
 Freude macht uns fähig und frei, das zu tun, was Gott will. Gottes Wille
 wird uns überhaupt erst wieder klar, wenn wir sehen, daß Gott uns zugute
 etwas will. Wir sind hineingenommen in Gottes Rettung. Gewiß, noch haben
 wir Anfechtungen und leiden zu ertragen. Doch es gilt: "Er denket der
 Barmherzigkeit."
 Der heilige Abend ist da. Mit Maria, der Mutter des Herrn, beten wir:
 "Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines
 Heilandes."@{b}
 WIR DANKEN DIR, HERR, DAß DU IN DIE DUNKELHEIT DIESER WELT KOMMST UND SIE
 HELL MACHST. WIR DANKEN DIR, HERR, DAß DU DIE GROßE FREUDE BIST. ERFÜLLE
 UNS MIT DEINER GROßEN FREUDE. WIR PREISEN DICH. AMEN.@{ub}


@{i}                 Lukas 1,46-55@{ui}

@{b} Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer ausgehen.
@{ub} Lukas 1,53 (LB)

 Die Texte dieser Wochen -der dritten Adventswoche- beginnen mit einigen
 Zeilen aus dem Lukasevangelium.
 Es handelt sich hier um die Weissagung der Geburt des Johannis, des Sohnes
 der Elisabeth und des Zacharias, der später Johannes der Täufer genannt
 werden wird. Angekündigt wird die Geburt von Jesus von Nazareth.
 Unser Text wird in der Lutherbibel mit der Überschrift "Marias Lobgesang"
 versehen. Maria dankt für die prophetischen Worte, für die Vision, die sie
 erhalten hat und lobt den Allmächtigen. Sie lobt die Barmherzigkeit, die
 Allmacht und wieder die Barmherzigkeit.
 Auch zu Zeiten von Maria war die Welt nicht so geordnet, daß das von mir
 gewählte Wort Praxis war. Es gab Herrscher und Beherrschte, Es gab Reiche
 und Arme, es gab Unterdrücker und Bedrückte, es gab Unfriede und Krieg.
 Elend und Not. So ist das Bibelzitat eine Vision, eine Vision auf das Wort
 des Allmächtigen, das von Maria mit Lob hervorgehoben wird.
 Diese Zeilen scheinen uns vielleicht merkwürdig in einer Zeit, wo Worte
 wie "Utopie" und Vision" fast ein Tabu sind oder jedenfalls bei vielen
 verpönt sind. Heute sagt man uns: "Es ist nicht mehr Zeit der Visionen",
 oder: "Das Zeitalter der Utopien ist vorbei." Vielleicht sagen wir selbst
 auch manchmal: Was sollen Utopien und Visionen - Pragmatismus ist gefragt.
 Pragmatismus ist die Losung dieses Jahrzehnts.
 Aber ist dies richtig? Können wir wirklich ohne eine Schau der Zukunft,
 ohne ein Ziel -wenn vielleicht auch erst in ferner Zukunft- leben?
 Uns jedenfalls, die wir in er Bibel lesen, ermahnt der Text zu anderem
 Denken und Leben. Dort heißt es am Ende: "Wie er geredet hat zu unseren
 Vätern, Abraham und seinen Kindern, in Ewigkeit"(Lukas 1,55).
                                                     Peter Heilmann



@ENDNODE

@NODE "Lukas 1e" "Lukas 1,39-56"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 1,39-56@{ui}
@{b}                         Vorfreude@{ub}
 Die Ankündigung der Geburt des Johannes und die Ankündigung der Geburt Jesu
 werden miteinander verbunden. Die zwei Frauen, auf denen eine besondere
 Verheißung liegt, begegnen sich. Maria bekommt als Hinweis auf Gottes Pläne
 gesagt, daß auch Elisabeth schwanger sei. Ihre Begrüßung durch Elisabeth
 wird zur Huldigung. Damit wird uns der Sinn dieser Kindheitsgeschichten,
 die nur bei Lukas stehen, verdeutlicht: Das Kind, das Maria verheißen ist,
 ist der längst Verheißene, der Heiland der Welt. Der Verwandtenbesuch
 wandelt sich dadurch zum Gottesdienst, "daß nichts anderes darin geschehe,
 denn daß unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort,
 und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang"(Luther). Maria
 dankt mit ihrem Loblied Gott, dem Herrn ihres Lebens, dem Herrn über die
 Welt, dem Herrn seines Volkes. Maria ist ein Zeugnis dafür, daß Gott aus
 Nichts etwas schafft, daß er das Geringe, Elende, ja das Tote - wie Luther
 sagt - köstlich und lebendig macht und das, was etwas ist, zunichte und
 gering macht. Die Aussagen klingen revolutionär: Gott wird den sozialen
 Ausgleich schaffen. Hier schauen wir voraus auf das Wirken und die Predigt
 Jesu und erkennen darin einen bleibenden Auftrag für die Christenheit. Gott
 ist und bleibt der Herr seines Volkes. Maria sieht das für ihr Volk, für
 Israel, vom Vater des Glaubens Abraham an bis zu ihrem eigenen Erleben.
 Christus bringt das Heil für alle bis zu uns in unsere Zeit. So können auch
 wir in den Lobgesang zur Ehre Gottes einstimmen.@{b}
 HERR GOTT!
 GIB, DAß WIR UNS AUF DAS KOMMEN UNSERES HEILANDS SO FREUEN KÖNNEN, WIE SICH
 KINDER AUF DAS CHRISTFEST FREUEN. LAß UNS DIR DANKEN, DAß DU DICH IMMER
 WIEDER ALS HERR UNSERES LEBENS, UNSERER WELT UND UNSERER KIRCHE ERWEIST.
 AMEN.@{ub}


@{i}                          Lukas 1,39-56@{ui}
@{b} Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht
 deines Leibes!@{ub}   Lukas 1,42
 Eine bevorstehende Geburt - das ist eine Nachricht, die man rasch
 weitersagen muß, die man nicht für sich behalten kann, nicht verstecken,
 nicht verbergen kann; bald wird sie sehr offensichtlich. So begrüßen sich
 die Frauen Maria und Elisabeth stürmisch und herzlich: "Dich hat Gott
 gesegnet! Mehr als anderen Frauen hat er dir anvertraut!" Elisabeth ist
 ebenso voll des Jubels über die wachsende Hoffnung, die Maria vor sich her
 trägt. Und die beiden Frauen tauschen Erfahrungen, künftige Erfahrungen,
 wunderbare Erfahrungen. "Und Wunder sind, wie jedermann weiß,
 Veränderungen, an die vorher niemand dachte und keiner glauben mochte"
 (Wolff).
 "Benedeien", das hebräische "Barach", sehr häufig in der Bibel vorkommend,
 heißt soviel wie "Dank sagen, mit Worten loben, preisen, sich freuen,
 feiern". Auf Maria nun bezogen, kann man mit Leonardo Boff sagen: "Du bist
 Anlaß für Freude und Lob, du bist Grund dafür, Gott zu danken, weil du
 begnadet wurdest...Mutter des Messias zu werden" (Boff, Ave Maria,
 Düsseldorf 1982). Und diese Hoffnung nun trägt sie, und sie trägt die
 Hoffnung der Welt mit Gottes Hilfe über alle Berge und durch alle Täler bis
 nach Bethlehem. Und immer wieder wiederholt sie für sich und alle, die es
 damals und heute hören wollen, das Lied der Hoffnung: Meine Seele erhebt
 den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes, denn er hat
 die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
 In einem lieblichen Tal nahe Jerusalem, Ein Kerem, zeigt man heute den Ort,
 wo die beiden zusammengetroffen sind, Maria und Elisabeth. Es ist ein
 schattiger Platz mit einer Quelle, ein guter Ort, zu träumen vom kommenden
 Friedensreich und seinem Messias.@{b}
 VATER, GEDENKE DEINER BARMHERZIGKEIT UND HILF DEINEN KINDERN AUF!@{ub}
                                                  Helmut Ruppel

@ENDNODE

@NODE "Lukas 1f" "Lukas 57-66"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 1,57-66@{ui}
@{b}                        Mitfreude@{ub}
 Wenn ein ersehntes Kind geboren wird, ist die Freude groß. Nicht nur die
 Eltern, auch Verwandte und selbst Nachbarn freuen sich mit. Viele fragen:
 Wie heißt denn das Kind? Bei Zacharias und Elisabeth war es nicht anders,
 als es heute ist: Der Name des Kindes steht schon lange fest. Doch er wurde
 nicht von den Eltern ausgesucht, sondern bereits bei der Ankündigung der
 Geburt genannt. Nachbarn und Verwandte wundern sich, daß es ein in der
 Familie unbekannter Name sein soll: Johannes, zu deutsch: Gott ist gnädig.
 Ob all die vielen Jungen und Männer, die Johannes, Hans, John oder Hannes
 heißen, sich der Herkunft und Bedeutung ihres Namens bewußt sind?
 Gott ist gnädig - Zacharias erlebte das, als seine Sprechfähigkeit
 wiederkehrte. Sein Unglaube gegenüber der Verheißung des Gottesboten
 verschloß ihm den Mund. Nun ist das Engelwort in Erfüllung gegangen. Seine
 ersten Worte sind voller Lob und Dank. "Was meinst du, will aus diesem
 Kindlein werden?" Diese Frage ist nur dazu da, um uns schon zu erinnern:
 Wir wissen, daß Johannes mit Christus verbunden sein wird. Wir lesen in den
 Evangelien von seinem Wirken und von seinem gewaltsamen Tod. Das darf uns
 aber nicht an Gottes Gnade zweifeln lassen. Sie ist nicht gleichzusetzen
 mit einem Leben, in dem der Mensch alles an Glück, Gesundheit und Wohlstand
 hat, was er sich nur wünscht. Gottes Gnade ist Gottes Nähe an allen Tagen,
 an traurigen und fröhlichen, in Alltagslasten und bei Festtagsfreude. Wie
 Zacharias und Elisabeth Gottes Gnade erfuhren, so können wir sie heute
 erleben. Gott will uns nahe sein.@{b}
 LIEBER HERR!
 LAß UNS NICHT AN DEINEN VERHEIßUNGEN ZWEIFELN. SCHENKE UNS DIE GEWIßHEIT
 DEINER NÄHE. GIB, DAß WIR SIE MITTEN IN DER UNRAST DIESES TAGES ERFAHREN,
 UND LAß UNS DIR FÜR DIE ERFÜLLUNG DEINER VERHEIßUNG DANKEN. AMEN@{ub}


@{i}                        Lukas 1,57-66@{ui}
@{b} Und alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was meinest
 du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.@{ub}
 Lukas 1,66 (LB)
 Die Hand des Herrn schickte ihn voraus; so wurde Johannes Bote und
 Vorläufer. Er sagt an, was und wer nun kommen wird, Er ruft die große, gute
 und ernste Bußbotschaft voraus. Seine Botschaft allein zählt, seine Person
 nicht, die wird bald aus den Erzählungen wieder verschwinden, seine
 Ankündigung und der Angekündigte selbst werden bleiben.
 Nach Mose und nach Jesaja ruft nun Johannes den dritten, den entgültigen
 Auszug aus der Sklaverei aus; nun kommt das Befreiende endlich in Gang.
 Mose und Jesaja nannten sich nicht selbst Befreier, unnütze Knechte hinter
 der Botschaft der Befreiung waren sie wohl in den eigenen Augen. Doch das
 historische Erscheinen Jesu in unserer Welt wird von einem recht
 exzentrischen jungen Mann angekündigt, auffällig gekleidet in rauhem
 Fellwams mit einem ledernen Gürtel - dagegen ist Jesus nahezu unauffällig.
 "Eigentlich würde man an ihm vorbeigehen, gäbe es nicht jenen
 absonderlichen Mann, der mit dem Finger auf ihn zeigt", schreibt der
 holländische Dominikaner Schillebeeckx. Das ist sein Auftrag: demütig und
 mutig zugleich Bote und Vorläufer zu sein. Und da ist auch unser Auftrag
 heute, wenn es um Befreiung im Namen Christi geht: demütig und mutig
 zugleich Bote und Vorläufer zu sein.
 Später, als ihn seine Gerechtigkeitspredigt in Herodes Gefängnis gebracht
 hat, beschleichen ihn Zweifel, und er läßt bei Jesus anfragen: "Bist du
 der, der da kommen soll - sollen wir auf einen anderen warten?" Jesus
 sendet die Johannesjünger mit dem Auftrag, vom Alltag zu erzählen und wie
 das Reich Gottes anhebt...und der Warnung sich nicht irre machen zu lassen.
 Und auch darin sind wir ihm so ähnlich, im Zweifeln und Irrewerden.@{b}

 HERR, LAß UNS DEINE BOTEN WERDEN, NOCH HEUTE!@{ub}         Helmut Ruppel


@ENDNODE
@NODE "Lukas 1fg" "Lukas 1,68-79"
@{i}                    Lukas 1,68-79@{ui}

@{b} Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst
 sein Volk... Du wirst vor dem Herrn hergehen, ...auf daß Licht erscheine
 denen, die a sitzen in Finsternis und im Schatten es Todes und richte
 unsere Füße auf den Weg des Friedens@{ub} Lukas 1,68.76.78-79 (LB)

 Der alte Priester Zacharias, der seinen Dienst im Tempel von Jerusalem
 tat, als Jesus noch nicht geboren war, konnte es nicht glauben, als er
 während seines priesterlichen Dienstes am Altar eine Stimme vernahm, die
 ihm die Geburt seines Sohnes, Johannes des Täufers, ankündigte. Sein
 ungläubiges Erstaunen war so groß, daß er verstummte. Lukas berichtet:
 "Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, daß er so lange im
 Tempel verweilte. Und da er herausging, konnte er nicht mit ihnen reden;
 und sie merkten, daß er ein Gesicht gesehen hatte im Tempel" (Lukas
 1,21-22). Stumm sein macht einsam. In er Not der Einsamkeit bedenkt
 Zacharias betend, was ihm widerfuhr. Als ihm die Sprache wiedergegeben
 wird, klagt er nicht Gott an, sondern stimmt vor der Gemeinde diesen
 Lobgesang an.
 Advent ist die Zeit des Wartens, die Zeit des geduldigen Hörens in einer
 lauten, von Unrast erfüllten Welt. In der Stille, abseits vom Treiben der
 vorweihnachtlichen Zeit werden uns die Sinne und das Gewissen geöffnet für
 das Handeln des lebendigen Gottes. Wir dürfen es mit dem Lobgesang des
 Zacharias bekennen, daß die verborgene Macht Gottes in dem Kind von
 Bethlehem, in dem Mann von Nazareth anschaulich geworden ist, den Johannes
 der Täufer tauft und auf den r hinweist. - Gottes Kommen auf Erden hat
 nach dem Bekenntnis des Zacharias ein doppeltes Ziel: daß er uns erlöst,
 befreit von den Mächten, die uns umtreiben - Furcht, Angst, Geltungsdrang,
 Erfolg. Nur die Gegenwart Gottes, der uns in Jesus Christus nahe ist,
 weichen diese Mächte.
 Und das zweite: Daß er "richte unsere Füße auf den Weg des Friedens". Aus
 dem Frieden Christi dürfen wir leben, um Friedensstifter in unseren
 Wohnungen, Dörfern und Städten zu werden. Versöhnung, statt Trennung und
 Unfriede!@{b}

 Wir danken dir, Herr Jesu Christ, des Vorläufer Johannes ist; hilf, daß
 wir folgen seiner Lehr, so tun wir dir die rechte Ehr.@{ub} (EKG 114,6).
                                           Hans-Otto Furian


@ENDNODE
@NODE "Lukas 1g" "Lukas 1,67-69"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 1,67-69@{ui}
@{b}                  Gott bleibt bei seinem Volk@{ub}
 Unser Abschnitt ist in manchen Bibelausgaben mit den Worten überschrieben:
 Lobgesang des Zacharias. Gottes Versprechen an den alten Priester hat sich
 erfüllt. Johannes wurde geboren. Gottes Geist hat Zacharias erfüllt. Er
 darf einen Blick hinter den Vorhang, der sonst jedem Menschen den Blick auf
 die Zukunft verhüllt, tun. Noch ist der verheißene Erlöser nicht sichtbar
 erschienen. Dank aber gebührt Gott dem Herrn. Die Gewißheit, die aus den
 Worten der Alten Kirche spricht, lautet: Gott hat besucht, er hat erlöst.
 Der erste Sänger dieser Liedverse kennt die alttestamentlichen Schriften.
 In ihnen ist an mehreren Stellen die Rede davon, daß der Weg des Herrn
 bereitet wird. Der Messias wird dem Herrn selbst den Weg bereiten. Durch
 den heiligen Geist aber weiß Zacharias: Mein Sohn wird der Wegbereiter des
 Messias sein; dessen Stunde ist gekommen. Strahlen des aufgehenden
 Freudenlichtes zeichnen sich für den betenden und lobpreisenden Priester
 schon am Horizont der Welt ab. Wer die Worte genau nimmt, der liest hier
 nur, daß ein Nachfahre aus dem "Hause David" der Versprochene ist. Schon
 die jüdischen Schriftgelehrten aber hatten die Verheißung an König David so
 verstanden, daß da der Messias angekündigt wurde, nicht irgendein
 königlicher Nachfahre. Der Messias also wurde erwartet. Und er wurde aus
 der späten Nachkommenschaft der Familie Davids erwartet. Wir aber hören aus
 dem Lukasevangelium, daß der Jesus in die Familie Davids hineingehört. So
 können auch die Worte des Zacharias bereits ganz treffend den Inhalt der
 Sendung des Gottes-Sohnes in die Welt erfassen und beschreiben. Durch ihn
 kommt Gott selbst zu seinen Menschen. Es wird kein flüchtiger "Besuch"
 sein. Nein, er wird für die Dauer sein. Gott bleibt bei seinem Volk und
 schenkt ihm selbst die Erlösung.
 Auch als Jesus stirbt, kann das Gottes Gegenwart für uns nicht aufheben.
 Jesus sagt beim Abschied. "Siehe, ich bin bei euch alle Tage." Auch wir
 können uns am Kommen unseres Herrn freuen. Er tritt in unser Leben, das von
 Leid und Sünde durchzogen ist, und will uns froh und frei machen. Er bietet
 sich uns als der Sünderheiland und Erlöser an. Nicht wie ein Besucher, um
 den wir uns mühen müssen. dringt er bei uns ein, sondern als der Helfer in
 aller Not. Er bringt uns Gottes bleibenden Frieden.@{b}

 WIR DANKEN DIR, HERR JESUS, DAß DU UNS ALLEZEIT NAHE BIST. WIR DANKEN DIR,
 DAß DU UNSER LEID WENDEST UND UNSERE SCHULD VERGIBST. WIR DANKEN DIR, DAß
 DU UNS FREUDE UND FREIHEIT BRINGST. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 1h" "Lukas 1,67-80"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 1,67-80@{ui}
@{b}                  Ein unbekanntes Weihnachtslied@{ub}
 Mancher, der es sich wünschen würde, kann heute Abend nicht zur
 Christvesper gehen. Die Weihnachtsgeschichte und die vertrauten Lieder sind
 auch im Radio zu hören. Es ist für die, die gehen können, schön,
 mitzusingen, wenn eine große Gemeinde kräftig singt "O du fröhliche, o du
 selige, gnadenbringende Weihnachtszeit". Niemand braucht sich der Tränen zu
 schämen. Erinnerungen werden wach. Früher wurden in vielen Familien erst
 einige Weihnachtslieder gesungen, ehe die Bescherung begann. heute ist es
 seltener geworden. Aber viele summen die Melodien mit, die von der Platte,
 der Kassette, dem Radio her erklingen. Es wird einem dabei warm um das
 Herz. Unter den vielen alten und neuen Weihnachtsliedern, die in diesen
 Tagen erklingen, wird das Lied aus der Bibellese von heute wohl kaum zu
 hören sein. Dabei steht es sogar in unserem Gesangbuch. Wir finden es unter
 den Lobgesängen. Sein lateinischer Name Benedictus entspricht den
 Anfangsworten, ebenso ist es beim Magnificat der Maria, das wir vorgestern
 lasen. Zacharias dankt Gott für die Erfüllung seiner Verheißungen. Man
 merkt dem Lobgesang an, wie vertraut der Verfasser mit Psalmen und
 Prophetenworten des Alten Testaments ist. Das Lied ist fast nur eine
 Aneinanderreihung von lauter Bibelversen. Sie bekräftigen die Aussage: Gott
 hat sein Volk besucht und erlöst. Gott kommt zu uns durch sein Wort, in
 seinem Sohn Jesus Christus, durch die Kraft des Heiligen Geistes. Das
 geschieht nicht immer unter solchen auffallenden Umständen, wie es
 Zacharias, Elisabeth, Maria erlebten. Gott kommt zu uns, wenn wir ihn in
 unseren Nöten um Hilfe und neue Kraft bitten. Beim Lesen in der Bibel, beim
 Hören von Predigten und Rundfunkandachten, beim Singen der Lieder spüren
 wir es: Gott kommt zu uns wie ein lange ersehnter Besuch. er macht uns los
 von dem, was uns belastet. In diesen Tagen wünschen wir besonders, daß
 Feindschaft zwischen Menschen und Völkern aufhört. Neben solcher
 Feindschaft kennen wir aber auch die Sorgen, Lasten, Nöte, die uns wie böse
 Feinde anfallen. Gott macht uns davon frei. Das Lied geht weiter: Es
 spricht vom Auftrag an Johannes. Es wird auf Christus, das Licht der Welt,
 hinweisen. Dieses Licht durchbricht selbst die Finsternis des Todes.
 Darum feiern wir ein fröhliches Christfest.@{b}

 LIEBER HERR UND HEILAND: SCHENKE UNS ALLEN CHRISTTAGSFREUDE, FREUDE AN DEN
 ZEICHEN DER LIEBE, MIT DENEN WIR UNS GEGENSEITIG BESCHENKEN, UND FREUDE
 ÜBER DEIN KOMMEN, DAS UNS VON ALLER FINSTERNIS UND SÜNDE ERLÖST. AMEN.@{ub}


@{i}                       Lukas 1,67-80@{ui}
@{b} Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst
 sein Volk.@{ub}  Lukas 1,68 (LB)
 Die Geburt eines Menschen ist jedesmal der Beginn einer neuen Möglichkeit
 in unserer Geschichte - Jubelrufe begleiten sie, heute seltsamerweise in
 den Hütten und Zelten der Armen lauter als in den Eigenheimen der Reichen.

 In dieser Nacht gedenken wir einer Geburt, die später mit einem
 wunderschönen Bild benannt und gemalt wurde: Gott hat sein Volk besucht.
 Die Herrlichkeit Gottes, sein "Glänzen", wie das elementar übersetzt werden
 müßte, erstrahlte in dieser Nacht, will erstrahlen in jeder Dunkelheit.
 Dies Bild "Gott hat sein Volk besucht" beschreibt wie kein anderes Leben
 und Handeln des Christus aus Galiläa. Er kommt zu Besuch, sieht die
 Unangesehenen an, ißt und trinkt mit ihnen, stellt ihre Würde wieder her,
 wird ihnen gerecht und bringt die Gerechtigkeit zum Leuchten. Gottes Liebe
 wohnt unter den Menschen in der Gestalt Jesu, des Christus. Können wir
 dieses Bild, diese Geschichte verstehen? Können wir diesen Glauben glauben?
 Gott hat sein Volk besucht! Nach fast 20 Jahrhunderten scheinen wir
 Christen uns an diesen Besuch gewöhnt zu haben. Es geschieht wenig
 Bemerkenswertes angesichts dieses Besuches, wir beschenken uns selbst. Und
 doch: In diesem Kind bricht immer wieder ein neues Licht durch, ein
 Strahlen, eine andere Kraft - sie nannten es damals die Liebe Gottes in
 Person.
 Und so sitzen wir in dieser Nacht zusammen und hören die Geschichte von dem
 Kind, in dem etwas anderes aufleuchtet als Verzweiflung und Immerweiterso!
 Der Besuch Gottes bei uns - unglaublich, unfaßbar. Doch nur, wenn wir nicht
 hinhören und die Tür verschließen. Gott wohnt dort, wo man ihn einläßt.@{b}

 LIEBENDER VATER, EIN STERN GEHT AUF AUS JAKOB, WIR BITTEN DICH UM SEIN
 LICHT.@{ub}                                          Helmut Ruppel


@ENDNODE

@NODE "Lukas 2a" "Lukas 2,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 2,1-14@{ui}
@{b}                     Das habt zum Zeichen@{ub}
 Unsere Weihnachtsbräuche sind reich an Zeichen die bildhaft eine Wahrheit
 des Glaubens ausrücken. Geschenke, mit denen wir einander erfreuen, sollen
 uns daran erinnern, daß Gott uns seine Liebe schenkt und uns mit der großen
 Freude erfüllen will, "die allem Volk widerfahren wird". Das Licht der
 Kerzen spiegelt etwas von dem hellen Schein wider, der aufgegangen ist, als
 der Heiland geboren wurde. Für die Hirten von Bethlehem sollte die Krippe
 das Zeichen dafür sein, daß sie in dem darin liegenden Kind den Heiland
 finden, den lange ersehnten Retter des Volkes. Ein merkwürdiges Zeichen! Es
 liefert keinen Beweis dafür, daß dieses Kind der erwartete Messias ist,
 aber es gibt den Hirten und uns einen entscheidenden Hinweis. In diesem
 Kind kommt Gott uns nahe. "Es ist in keinem anderen Heil." Wir haben keinen
 anderen Erlöser zu erhoffen als Jesus, der als Sohn einfacher Leute in
 einem Stall geboren ist. Nehmen wir diesen Hinweis glaubend an, dann wird
 uns die ganze Weihnachtsgeschichte zum Zeichen. es wird uns zum Zeichen,
 daß das Kind in einem Stall geboren wurde, weil die Eltern, "sonst keinen
 Raum in der Herberge" fanden. In Krippenspielen tritt oft ein abweisender
 Gastwirt oder auch seine Frau auf, die den Eltern des Kindes mehr oder
 weniger unfreundlich begegnen. Davon erzählt die Bibel nichts, aber die
 legendäre Ausschmückung hat ihren Sinn: Wir Menschen verschließen uns immer
 wieder vor dem zu uns kommenden Gott. Wir verwehren ihm den Raum in unserem
 Leben, ihm, der uns große Freude und Frieden bringen will. "Er kam in sein
 Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf"(Joh 1,11). Die Legende vom
 abweisenden Gastwirt kann uns ebenso wie die biblische Erzählung vom Kind
 in der Krippe zum Zeichen werden: Gott ist in unserer Welt. er ist da in
 den Nächsten und Fernsten. Das Kind in der Krippe erinnert uns an Kinder,
 die in den Slums ferner Großstädte hungern oder in Flüchtlingslagern
 hausen, aber auch an Kinder, die inmitten von Wohlstand nach Liebe
 verlangen. Mögen wir die Zeichen dafür erkennen, wo und wie wir etwas von
 der großen Freude weitergeben können, die für alle Menschen bestimmt ist.
@{b}
 WIR DANKEN DIR, HERR, FÜR ALLE ZEICHEN DEINER LIEBE, DIE WIR AN DIESEM
 WEIHNACHTSFEST WIEDER ERKENNEN DÜRFEN. HILF, DAß WIR IN DAS LOB DER ENGEL
 EINSTIMMEN UND DIR DIE EHRE GEBEN. DEIN FRIEDEN BREITE SICH AUS IN DER WELT
 UND IN UNSEREN HERZEN. AMEN.@{ub}


@{i}                        Lukas 2,1-14@{ui}
@{b} Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der
 Herr, in der Stadt Davids.@{ub}  Lukas 2,11 (LB)
 Jeder erlebt sein eigenes Weihnachtsfest. Der eine in ungebrochener
 Erwartung, der andere in Beklommenheit. Der eine zählt die Tage bis zum
 Fest, der andere wünscht: Ach wäre doch bald alles vorbei! Je älter wir
 werden, desto deutlicher wird uns, daß Weihnachten eine Station auf einem
 langen Weg ist, die Stationen gleichen sich nicht. Weihnachten nach der
 Geburt des ersten Kindes ist anders als nach dem Tod eines Menschen, mit
 dem wir eng verbunden waren.
 Weihnachten führt uns nach innen, verbindet uns mit der Geschichte unseres
 eigenen Lebens, ist also sehr persönlich. Gleichzeitig ist Weihnachten
 weltweit: Ein Fest geht um die Welt. In vielen Sprachen, in ganz
 verschiedenen Formen und Stimmungen, in glanzvollen Kathedralen und in
 armseligen Buschkirchen, dem Stall von damals nicht unähnlich. Da ist ein
 Band, das dieses Fest zusammenhält: Diese einzigartige Geschichte, die
 Geschichte von der Geburt. "Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot
 von dem Kaiser Augustus ausging..."
 Diese Geschichte ist uns sehr vertraut, und doch enthält sie das Geheimnis
 einer uns immer wieder neu und unverbraucht treffenden Botschaft von großer
 Freude, die allen gilt.
 Es ist und bleibt ein überwältigendes Wunder: Gott hat sich auf den Weg zu
 uns gemacht mit diesem Kind. In ihm wird die Leidenschaft Gottes zu dieser
 Welt, zu diesem schönen, gefährdeten blauen Planeten und zu allen Kreaturen
 sichtbar und greifbar. Deswegen können wir uns dem Wort des Engels öffnen:
 Fürchtet euch nicht!@{b}
 HERR, UNSER GOTT, WIR FEIERN DAS FEST DER GEBURT DEINES SOHNES JESUS
 CHRISTUS. IN IHM BIST DU ALS MENSCH ZU UNS MENSCHEN GEKOMMEN. GIB, DAß
 UNSER LEBEN IN DEINER NÄHE HELL, FRÖHLICH UND MUTIG WIRD.@{ub}
                                                 Karl Ludwig Kohlwage


@ENDNODE

@NODE "Lukas 2b" "Lukas 2,15-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 2,15-20@{ui}
@{b}                  Die Hirten kehrten wieder um@{ub}
 Am 2.Weihnachtstag denken viele von uns schon wieder an den kommenden
 Alltag. Mancher stöhnt, daß die Festtage so schnell vergehen. Die
 Arbeitspause der Hirten war sicher noch kürzer als unser Fest. Sie kehren
 wieder um zu ihrer Herde, in ihren harten Alltag. dabei preisen und lobten
 sie Gott für alles, was sie gesehen und gehört hatten. Können wir das auch?
 Haben wir in diesen Tagen etwas gesehen und gehört, wofür wir Gott danken
 und loben? Sonst sollte es heute geschehen. Wir können uns jederzeit mit
 den Hirten auf den Weg machen "und die Geschichte sehen, die da geschehen
 ist, die uns der Herr kundgetan hat". Für die Augen des Glaubens liegt
 Bethlehem mit Maria, Josef und dem Kind in der Krippe nicht ferner als für
 die Hirten der Weihnachtsgeschichte. Sie konnten genau wie wir nur mit den
 Augen des Glaubens erkennen, daß das Kind in der Krippe unser Heiland ist.
 Nur im Glauben konnten sie die Botschaft der Engel verstehen und annehmen,
 die ihr Leben ganz unerwartet veränderte. Sie kehrten zurück in ihren
 Alltag, und wir erfahren nichts darüber, wie es ihnen weiter erging. Doch
 zweierlei geschah auf ihrem Weg von der Krippe in den Alltag: Sie breiteten
 das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war, und sie lobten
 Gott. So wurde die Rückkehr in den Alltag zur Umkehr in ein neues Leben.
 was sie erfahren hatten, erfüllte die Hirten so sehr, daß sie es nicht für
 sich behalten konnten. Sie mußten es anderen mitteilen. So wurden diese
 einfachen Menschen die ersten Missionare der frohen Botschaft.
 Warum sollten wir nicht das gleiche tun wie die Hirten? Haben wir etwas
 gesehen und gehört von der Liebe Gottes, die durch Jesus in die Welt und
 damit zu uns gekommen ist, dann können wir es anderen mitteilen. Vielleicht
 freut sich jemand, wenn wir erzählen, was wir in der Kirche erlebten oder
 was uns zu Weihnachten froh gemacht hat. Die ungebildeten Hirten erzählten
 einfach, was ihr Herz erfüllte. Gott schenke uns, daß auch wir etwas von
 der frohen Weihnachtsbotschaft mitnehmen und mitteilen können, wenn wir in
 den Alltag zurückkehren.
 Paul Gerhardt singt in einem seiner Weihnachtslieder davon: "Der Will' ist
 da, die Kraft ist klein; doch wird dir nicht zuwider sein mein armes Herz,
 und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an."@{b}

 HERR, WIR BITTEN DICH, DAß DU UNS WIE DIE HIRTEN MIT DER FREUDE ERFÜLLST,
 DIE NICHT AN FESTLICHE STIMMUNG GEBUNDEN IST. HILF, DAß WIR ETWAS DAVON
 WEITERGEBEN UND MIT IN DIE NEUE WOCHE NEHMEN. AMEN.@{ub}


@{i}                        Lukas 2,15-20@{ui}
@{b} Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da
 geschehen ist.@{ub}   Lukas 2,15 (LB)
 Weihnachten ist ein Fest des schnellen Übergangs. Mancher hat sich noch am
 Morgen des Heiligen Abends in seiner gewohnten Rolle gesehen, zu Hause, im
 Beruf, unterwegs. Und dann ziemlich abrupt. "Laßt uns nun gehen nach
 Bethlehem!"..."Und sie kamen eilend", heißt es von den Hirten, etwas außer
 Atem, abgehetzt. Nicht wenige werden es genauso empfunden haben: Man muß
 erst einmal zur Ruhe kommen und richtig durchatmen.
 Es gibt kaum ein Datum, bei dem der Umbruch so spürbar ist zwischen Alltag
 und Fest, zwischen grauer Normalität und gefüllter Glaubensgeschichte.
 Darin liegt eine Gefahr: Weihnachten als Gegenwelt, als Traum von einem
 friedlichen. harmonischen Leben jenseits des Alltags, als Rückkehr in
 verklärte Vergangenheit.
 Heute am 2.Weihnachtstag breitet sich schon wieder ein Hauch von
 Nüchternheit aus. damit stellt sich die Frage: Was klingt nach? Was hält
 der Ernüchterung stand? Was bewegen wir - wie Maria - in unserem Herzen!
 Es ist doch auffällig, wie sehr die Weihnachtsgeschichte eingebettet ist in
 harte, ganz und gar unliebliche Realität, wie weit entfernt ist sie von
 Idylle und Träumerei: die Volkszählung, Menschen werden aus Gründen genauer
 Steuererfassung in Bewegung gesetzt, die verschlossenen Türen in Bethlehem,
 die Geburt im Stall, der Futtertrog für das Neugeborene, nach der Geburt
 die Flucht nach Ägypten und das barbarische Massaker an den Kindern in
 Bethlehem. Das sind die Umstände der Menschwerdung Gottes.
 Die Weihnachtsgeschichte überspringt die bedrängende Wirklichkeit von
 Menschen nicht, ihre Kraft, ihr Hoffnungsimpuls liegt gerade in ihrer
 Wahrhaftigkeit und Realitätsnähe. Gott stellt sich sehr nachdrücklich auf
 die Seite derer, die Härte und Skrupellosigkeit erfahren.@{b}

 HERR, MEIN GOTT, WEIHNACHTEN GEHT ZU ENDE. BEWAHRE MICH VOR
 OBERFLÄCHLICHKEIT. SCHENKE MIR EIN WORT, DAS DIE TIEFE MEINES HERZENS
 ERREICHT. DU BIST NICHT WIE WIR, ABER EINER VON UNS. LAß MICH DARAUS KRAFT
 UND HOFFNUNG SCHÖPFEN FÜR DEN WEG VOR MIR.@{ub}
                                                Karl Ludwig Kohlwage

@ENDNODE

@NODE "Lukas 2c" "Lukas 2,(22-24)-38(-40)"
@TOC "MAIN"
@{ui}                   Lukas 2,(22-24)-38(-40)@{ui}
@{b}                    Erwartung wird erfüllt@{ub}
 Nicht jede Erwartung wird erfüllt, und schon gar nicht sofort. Sicher ist,
 daß uns Träume und Wünsche durch unser ganzes Leben begleiten. Wer aber die
 Beziehung zur Wirklichkeit dabei verliert, kann leicht scheitern.
 Enttäuschungen, die aus zu hoch gespannten Träumen stammen, sind leider
 selbst zu Weihnachten unvermeidlich. Nun aber gehören zu den Gestalten der
 Weihnachtsgeschichte auch Simeon und Hanna. Sie werden uns mit einer
 Erwartung geschildert, die nicht enttäuscht wird. Viele Generationen vor
 ihnen sind von derselben Hoffnung wie sie getragen worden. Sie selbst haben
 sie im eigenen Leben - Hanna in 84 Jahren - gegen Zweifel und Augenschein
 geduldig festgehalten. Jetzt erfahren sie "den Trost Israels", das
 langersehnte Heil. Solche Erfahrung mit Gott kommt nur durch den Geist, der
 von Gott kommt. Das kleine Kind als die Erfüllung von Gottes großen Zusagen
 zu sehen, kann nur mit den Augen des Glaubens gesehen werden. "Meine Augen
 haben deinen Heiland gesehen." In dem Kind, das er in die Arme nimmt, hält
 Simeon das Heil der Welt für sich und alle Menschen in den Händen. Dabei
 bekennt er, daß Gott sein Versprechen an ihm wahrgemacht hat. Er ist am
 Ziel seiner Wünsche. Ist das nicht auch unser aller Ziel, zur persönlichen
 Gewißheit zu finden? Viele von uns wünschen es sich, daß sich das wahrhaft
 Neue, das Reich Gottes, auch heute Bahn bricht. Es ist immer verwunderlich,
 wenn wir eine lange bekannte Wahrheit plötzlich als etwas Wichtiges für uns
 entdecken. Glauben zu können ist nicht nur ein Wunsch. Gott erfüllt ihn.
 Jesus wird jedoch zum Zeichen bestimmt, an dem die Entscheidung fällt "für
 viele in Israel", wer "zu Fall kommt" und wer "aufsteht". Dabei ist es wohl
 möglich, daß die Glaubenden ungewollt eine Minderheit bilden.
 Es braucht keiner darüber überrascht zu sein. An der Person Jesu hat sich
 immer Widerspruch entzündet. Es ist sowohl gesunder Streit ausgetragen
 worden, als auch schmerzender, verletzende Zerrissenheit zutage getreten.
 Der Mutter Jesu wird im Blick auf den Sohn tiefes Seelenleid angekündigt.
 Ein hartes Ringen und ehrliche Gespräche werden auch heute auf dem Weg zur
 Erkenntnis Gottes nötig sein. Der Gekreuzigte gerade ist der Schöpfer des
 Lebens. Er ist die Erfüllung uralter Hoffnung und der nicht veraltende
 Ursprung für unsere Zuversicht als Christen.@{b}
 HERR, LIEBER GOTT!
 VOR DIR KÖNNEN WIR UNS ZEIGEN, WIE WIR WIRKLICH SIND. ÖFFNE DOCH UNSERE
 TRÄGEN AUGEN WEIT, DAß WIR SEHEN, WIE DU UNS HÄLTST. STÄRKE UNS, DAMIT WIR
 AUCH ANDERE STÄRKEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 2d" "Lukas 2,21-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 2,21-24@{ui}
@{b}                   Man gab ihm des Namen Jesus@{ub}
 Jesus heißt "Gott hilft". Damals war das ein gewöhnlicher Name. Gott ist
 uns in einem Menschen nähergekommen, von dem die Kirche bekennt, er sei
 "wahrer", wirklicher Mensch. Als solcher gehörte er zum Volk der Juden und
 war ihrem Gesetz unterworfen. Durch die im Gesetz gebotene Beschneidung
 wird der Jude zum Mitglied des Bundesvolkes und gewinnt Anteil an den
 göttlichen Verheißungen, die diesem Volk gelten. Nach 3.Mose 12,3.4 hatte
 die Beschneidung acht Tage nach der Geburt zu erfolgen, und danach mußte
 die Mutter 33 Tage zu Hause bleiben. Da sie infolge der Geburt als kultisch
 unrein galt, mußte sie nach dieser Zeit ein Opfer für ihre Reinigung
 darbringen. Zwei Tauben waren das Opfer der ärmeren Leute, die das sonst
 übliche Schaf nicht aufbringen konnten. Auch daran zeigt sich, daß Jesus
 wirklicher Mensch ist: Von Anfang an nimmt er am echten Leben der Menschen
 teil, er hat Anteil an ihrer Armut und an ihrer Frömmigkeit. Die Eltern
 brachten das Kind in den Tempel, um es seinem himmlischen Vater
 anzuvertrauen. Daraus entstand das Fest der "Darstellung des Herrn" am
 2.Februar, auch Lichtmeß genannt, das im evangelischen Raum ziemlich
 unbekannt ist. Was uns die Evangelien aus der Kindheit Jesu erzählen, dient
 dazu, seine enge Verbundenheit mit dem Vater zu bezeugen. Nur aus dieser
 einmaligen Gemeinschaft des Vaters mit dem Sohn ist zu erklären, daß aus
 dem gewöhnlichen Namen des Menschen Jesus der Name wurde, "der über alle
 Namen ist" und in dem "sich beugen sollen aller deren Knie, die im Himmel
 und auf Erden und unter der Erde sind" (Phil.2,9-10).@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS ICH DANKE DIR NICHT ALLEIN FÜR DEINE MENSCHWERDUNG UND
 GEBURT, SONDERN AUCH FÜR DEINEN FREUDENREICHEN UND HILFREICHEN
 SELIGMACHENDEN NAMEN. DENSELBEN HAST DU MIR ZUM SCHATZ IN MEIN HERZ GELEGT,
 ZUM TROST, ZUM SEGEN, ZUM LEBEN. AMEN.@{ub}


@{i}                        Lukas 2,21-24@{ui}
@{b} Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden mußte, gab man
 ihm den Namen Jesus.@{ub}   Lukas 2,21 (LB)
 Weihnachten ist vorbei. Die Nüchternheit des Alltags umgibt uns wieder, wir
 müssen Tritt fassen im Normalen, auch wenn der Jahreswechsel noch vor uns
 liegt.
 Vielleicht ist es hilfreich, daran zu erinnern, daß schon die allerersten
 Gäste des Weihnachtsfestes mit dieser Ernüchterung, mit der unabweislichen
 Forderung des Alltags fertig werden mußten. Ich meine die Hirten von den
 Feldern um Bethlehem. Sie waren an der Krippe gewesen, die Klarheit des
 Herrn hatte sie umleuchtet, die großartige Botschaft der Engel hatten sie
 gehört. "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen
 ein Wohlgefallen" - aber dann mußten sie wieder an die alltägliche, oft
 eintönige Arbeit bei den Herden, Uns geht es ja ähnlich.
 Aber Weihnachten im Rücken muß eine Hilfe sein. Wir werden nicht aus einer
 verträumten Idylle gerissen, sondern uns soll aufgehen , daß das Licht der
 Menschwerdung über allem liegt. "Das ewige Licht geht da herein gibt der
 Welt ein' neuen Schein".
 Auch der Bibelabschnitt für diesen Tag ist von Normalität bestimmt. Die
 Eltern folgen gehorsam den normalen Fristen und Vorschriften, die
 einzuhalten sind, wenn ein Junge geboren ist. Acht Tage nach der Geburt
 wird er beschnitten, in Jerusalem wird er im Tempel als erstgeborener Junge
 in besonderer Weise als Geschenk Gottes bezeugt, das für diesen Fall
 vorgeschriebene Opfer wird dargebracht. Das Gesetz wird erfüllt, Jesus ist
 keine Ausnahme, er ist ein Kind unter Kindern. Die Eltern machen nichts
 Besonderes aus ihm.
 Nur im Namen Jesus (=Gottes Hilfe) tritt das Außergewöhnliche hervor.
 Dieser Name ist keine menschliche Entscheidung, sondern vom Engel gegeben.
 Wo dieser Name verkündet und geglaubt wird, kann das Leben nicht grau und
 glanzlos sein.@{b}
 HERR JESUS, DIE GESCHICHTE VON DEINER GEBURT HABEN WIR GEHÖRT. FÜLLE UNS
 WIEDER NEU MIT STAUNEN DARÜBER, DAß DU DICH FÜR UNS ENTSCHIEDEN HAST UND
 UNS NAHE BIST. LAß DEINEN NAMEN FÜR IMMER MIT UNSEREM LEBEN VERBUNDEN SEIN.
@{ub}                                              Karl Ludwig Kohlwage


@ENDNODE

@NODE "Lukas 2e" "Lukas 2,29-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 2,29-32@{ui}
@{b}                  Was bleibt von Weihnachten?@{ub}
 Bald hat der Alltag uns wieder. War das nach dem Hasten der letzten Wochen
 nun alles? Bleibt etwas für immer? Unsere gelesenen Verse wollen uns dazu
 verhelfen. Sie führen uns in den Tempel nach Jerusalem. Nach jüdischer
 Sitte kommen Maria und Joseph mit dem Jesuskind, um für seine Geburt zu
 danken und als arme Eltern ein bescheidenes Opfer darzubringen. Dabei
 begegnet der Jesusfamilie ein alter Mann mit Namen Simeon. Ihm war
 versprochen, vor seinem Tode dem Christus zu begegnen. Lange hatte Simeon
 auf die Einlösung dieser Zusage gewartet. Jetzt ist sie da. Den erstaunten
 Eltern nimmt er ihr Kind vom Arm und bekennt: "Herr, nun läßt du deinen
 Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen
 Heiland gesehen." Eine beeindruckende Szene, die einem nahegeht und der
 sich keiner entziehen kann. Der lebensmüde, lebenslang auf den "Trost
 Israel" Wartende hält diesen Trost, den Heiland der Welt, den Erretter und
 Befreier in seinen Armen. Sein hoffnungsvolles Warten war nicht vergebens.
 Alle bisherige Dunkelheit weicht dem Licht dieses Kindes. Vom zu Ende
 gehenden Weihnachten bliebe das Wesentliche bei uns, wenn wir wie Simeon
 entdeckten, daß Gott schon längst in unsere persönliche und in die
 Weltgeschichte eingestiegen ist. Es geht darum, ihn neu zu entdecken, wie
 er mitten in Höhen und Tiefen seine Möglichkeit auftut. Aus dieser
 Entdeckung wird für uns neue Hoffnung auf die Zukunft hervorkommen. Noch
 einmal steht das Bild vor uns: Der alte Simeon hält das Jesuskind auf
 seinen Armen. Freundlich sieht auch uns dieses Jesuskind an. Mit Recht
 könnte Gott uns auch anders ansehen. Aber das ist das Wunder der Weihnacht,
 das in uns bleiben will: Daß Jesus Christus sich entdecken läßt und dabei
 unsere Welt und uns genau wie den Simeon damals, freundlich ansieht; daß er
 sie geliebt hat und immer noch liebt. Das ist in der Geschichte der
 Menschheit und in unserer eigenen das eigentliche neue Blatt. Das ist
 Gottes Weise mit seiner Welt: Sich entdecken lassen und freundlich ansehen.
 Deshalb können wir von dem nahen Kind der Weihnacht viel erwarten. Wir
 erkennen in ihm den Trost der Welt Dann ist mit uns für immer alles gut.
 Vielleicht fällt uns nun leichter, unseren Mitmenschen als Gottes geliebtes
 Kind zu erkennen und freundlich anzusehen. Dann bleibt das Wesentliche von
 Weihnachten auch morgen.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS MIT WEIHNACHTEN AUF IMMER
 NAHE GEKOMMEN BIST UND DICH ZU ERKENNEN GIBST. BLEIBE UNS FREUNDLICH, DAMIT
 WIR DIE KRAFT HABEN, DEM ANDEREN FREUNDLICH ZU BLEIBEN. AMEN.@{ub}



@{i}                 Lukas 2,29-32@{ui}

@{b} Ein Licht, zu erleuchten die Völker und zum Preis seines Volkes
 Israel.@{ub}  Lukas 2,32 (LB)

 Jesus hat einen doppelten Auftrag an er Menschheit bekommen, einen an den
 "Heiden" (biblisch besser: "Völkern"), einen zweiten an dem jüdischen
 Volk. Beide Aufgaben hängen zusammen, aber jede hat einen eigenen Inhalt.
 Uns Menschen aus dem Gewimmel der Völker bringt er Licht und ist es
 selbst.
 Anders als die Juden müssen wir uns ja immer wieder erst die Augen reiben.
 Denn von Hause aus sind wir "ferngehalten vom Bürgerrecht Israels und
 fremd den Bündnissen der Verheißung, ohne Hoffnung und ohne Gott in der
 Welt" (Epheser 2,12).
 Deutsche, Russen, Franzosen, Polen und so weiter sind keine Völker, die
 Gott sich zum Dienst erwählt hat. Das ist nur das jüdische Volk. Kommt
 Jesus zu uns, ruft er uns heraus aus Vaterhaus und Freundschaft, wie Gott
 es Jahrtausende vor uns schon mit Abraham, dem Vater Israels getan hatte.
 Erreicht auch uns die Berufung, treten wir aus unserer nationalen
 Ahnungslosigkeit von Gott ins Jesuslicht seiner Liebe, seines Rechtes. Die
 neue Gottesgemeinschaft, nicht unser Volk, wird dann unsere Heimat.
 Darüber gehen uns die Augen auf.
 Wozu aber dieser Abstand zum Volk, in dem ich geboren bin? Jesus wirkt an
 uns Nicht-Juden "zum Preis seines Volkes Israel", deines Geliebten,
 Erstgeborenen; Gott will, daß es in den Völkern viele Menschen gibt, die
 sein Volk Israel loben und lieben. Nicht ich - der andere, mir Fremde ist
 der Gesegnete des Herrn. Uns segnet Gott zugleich mit ihm, wenn wir nicht
 immer zuerst nur an uns denken, sondern das Gebot erfüllen: "Wünschet
 Jerusalem Glück. Euch, meinen Brüdern und Freunden, will ich Frieden
 wünschen" (Psalm 122,6.8).
                                        Friedrich-Wilhelm Marquardt


@ENDNODE

@NODE "Lukas 2f" "Lukas 2,2,25-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 2,25-35@{ui}
@{b}                   Gesetzt zum Fall und Aufstehen@{ub}
 Die Geschichte beginnt fast idyllisch: Ein frommer, alter Mann erlebt,
 worauf er ein ganzes Leben lang gewartet hatte. Vom Heiligen Geist
 erleuchtet, konnte er prophetisch erkennen und aussprechen, was Gott mit
 diesem Kind Jesus vorhat. Segnend nahm er es auf seine Arme und stimmt ein
 Loblied an. Tiefer Friede und innige Freude sprechen aus seinen Worten.
 "Was der alten Väter Schar höchster Wunsch und Sehnen war und was sie
 geprophezeit, ist erfüllt in Herrlichkeit." Simeon drückt nicht nur seine
 persönliche Freude darüber aus, daß seine Hoffnung sich erfüllte, sondern
 der Blick weitet sich aus bis in die Völkerwelt. Von diesem Kind sieht er
 ein Licht ausstrahlen, das die Heiden erleuchten wird. Das alles sind
 Worte, die zur froher und dankbarer Weihnachtsstimmung passen. Doch dann
 klingen ernste Töne auf: "Dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für
 viele." Er wird zum Stein des Anstoßes werden und Widerspruch hervorrufen.
 Auseinandersetzungen um ihn werden entstehen, die in tiefen Schmerz
 hineinführen. Ein Schwert wird durch die Seele der Mutter Jesu dringen.
 Alle weihnachtliche Idylle ist vorbei. Der Prophet sieht die Mutter voller
 Schmerzen unter dem Kreuz des Sohnes. Das ganze Leben dieses Kindes wird
 unter das Zeichen des Kreuzes gerückt, an dem viele Anstoß nehmen und
 deshalb in den Unglauben fallen. Doch viele werden nicht darin bleiben,
 sondern aufstehen zu einem neuen Leben im Glauben. So kann durch
 schmerzhafte Erfahrung und Entscheidungen hindurch die Weihnachtsfreude neu
 aufstrahlen.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DIE FROHE BOTSCHAFT UNS FRIEDEN UND HOFFNUNG
 BRINGT. HILF, DAß WIR NICHT IN UNGLAUBEN FALLEN, WENN DIE RÄTSEL EIGENER
 UND FREMDER LEIDEN UNS BEDRÜCKEN. LAß UNS IMMER NEU AUFSTEHEN ZUM LEBEN IM
 GLAUBEN. AMEN.@{ub}


@{i}                          Lukas 2,25-35@{ui}
@{b} Denn meine Augen haben das Heil gesehen.@{ub} Lukas 2,30 (EÜ)
 Die Begegnung des greisen Simeon mit dem Kind Jesus ist ein Bild tiefen
 symbolischen Gehaltes. Altes Leben und junges Leben. Vergehendes Leben und
 neues Leben. Jesus in den Armen Simeons: Das leben Jesu als Erfüllung des
 menschlichen Lebens.
 Simeon ist verheißen worden, er werde den Tod nicht schauen, bevor er den
 Messias des Herrn gesehen habe. Bei der Begegnung im Tempel nimmt er Jesus
 in die Arme und preist Gott: "Nun läßt du, Herr, deinen Knecht, wie du
 gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen,
 daß du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden
 erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."
 Im Johannes-Evangelium heißt es von Jesus: "In ihm war das Leben, und das
 Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis"
 (Johannes 1,4-5a). Mit Jesus kommt unerhört Neues in die Geschichte der
 Menschen und in das Leben eines jeden einzelnen von uns. Von ihm fällt
 Licht in unser Leben, weil er Leben geben kann über den Tod hinaus. Nicht
 Vergeblichkeit, Verlöschen, Zerfall und Untergang stehen am Ende, sondern
 Hoffnung, Erfüllung und Leben, das Jesus uns bringt.@{b}
 UNSICHTBARER GOTT!
 DEIN LICHT IST IN DIE WELT GEKOMMEN UND HAT DIE FINSTERNIS ÜBERWUNDEN. SIEH
 GNÄDIG AUF UNS UND LAß UNS DIE HERRLICHKEIT DER GEBURT CHRISTI MIT WÜRDIGEM
 LOB FEIERN.@{ub}                                     Reinhard Lettmann


@ENDNODE

@NODE "Lukas 2g" "Lukas 2,36-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 2,36-40@{ui}
@{b}                     Erfüllte Hoffnung@{ub}
 Hanna hat auf den Erlöser gewartet. Simeon steht nicht allein mit seiner
 Hoffnung. Andere sind da, die diese Hoffnung teilen. Neben den Mann tritt
 die Frau wie Maria neben Zacharias. es gibt die Gemeinde der Wartenden,
 Hoffenden und Glaubenden. es hat sie immer gegeben. Hanna und Simeon
 gehören zu ihr. Beide warten "auf die Erlösung Israels". Sie begnügen sich
 nicht mit dem, was jeder Tag ihnen bringt. Sie sehen nach vorn und wissen:
 Das Entscheidende in unserem Leben liegt noch vor uns. Sie lassen sich
 ihren Glauben etwas kosten. Hanna betet und fastet "von einer Morgenwache
 bis zur andern". So wird sie zu einem Zeichen eines Lebens, das sich
 ausstreckt nach Gott und neugierig ist auf das, was er noch vorhat. Sie
 begegnet einem Kind, einer kleinen Ahnung des Gottesreiches, einem Erlöser,
 der erst heranwachsen muß. Und das genügt ihr. In diesem Kind erkennt sie
 Gottes Heil. Mit diesem Kind erfüllt sich ihr Warten. Sie ist damit
 einverstanden, daß das Heil der Welt anders aussieht als sie erwartet hat.
 - Wir haben zusammen mit der Gemeinde Weihnachten gefeiert. Ist die
 Botschaft auch bei uns angekommen? Leben wir nun in einer Zeit, in der Gott
 sein Heil und seinen Frieden verwirklicht? Wir können dankbar und gelassen
 in ein neues Jahr gehen. Das Jahr des Heils hat mit Jesu Geburt schon
 angefangen. Wir können gespannt sein, was Gott alles noch vorhat mit der
 Welt und mit unserem Leben und welche Überraschung er für uns bereit hat.
 "Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr."@{b}
 HERR!
 ÖFFNE UNSERE AUGEN UND UNSERE HERZEN, DAMIT WIR DIE WUNDER ERKENNEN, DIE DU
 UNS WIRKST, LAß UNS FÜR ANDERE EIN ZEICHEN DER HOFFNUNG WERDEN! AMEN.@{ub}


@{i}                         Lukas 2,36-40@{ui}
@{b} Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit
 Fasten und Beten.@{ub}    Lukas 2,37 (EÜ)
 Die Prophetin Hanna gehört zu denen im Volk Israel, die auf die Erlösung
 Jerusalems warten. Sie ist ein Mensch der Sehnsucht, die wachend und betend
 Ausschau hält nach Gottes Heil.
 Sind auch wir Menschen der Sehnsucht? Die Sehnsucht gehört zum Menschen.
 Sie kann sich in vielerlei Formen ausdrücken. Sie kann von konkreten
 Erwartungen bestimmt sein. Oft jedoch ist sie eher unbestimmt und läßt sich
 nicht im einzelnen festlegen.
 Es gibt eine versunkene Sehnsucht, abgesunken in die Tiefen des
 Unbewußten, die sich in verhüllten Formen äußert. Ein Mensch der Sehnsucht
 ist auch ein Mensch der Träume.
 Gegenstand der Sehnsucht der Menschen ist ein erfülltes Leben in
 Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden, das nicht von Hunger,
 Krankheit, Gewalt und Tod bedroht ist. Doch das letzte Ziel der Sehnsucht
 ist damit noch nicht erreicht. Sie streckt sich immer wieder aus, einer
 weiteren Erfüllung entgegen.
 Sehnsucht und Verheißung entsprechen einander. Die Prophetin Hanna erwartet
 in Sehnsucht die Erfüllung der Verheißung Gottes. Gott erfüllt ihre
 Sehnsucht. er läßt sie sein Heil in Jesus schauen.@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 ERWECKE IN UNS DIE WAHRE SEHNSUCHT NACH DIR, DAMIT WIR UNS WACHEND UND
 BETEND FÜR DAS GROßE GESCHENK DEINES SOHNES ÖFFNEN.@{ub}
                                                  Reinhard Lettmann

@ENDNODE

@NODE "Lukas 2h" "Lukas 2,41-52"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 2,41-52@{ui}
@{b}                      Mit Jesus gehen@{ub}
 Das gibt es auch im übertragenen Sinn: Man kann Jesus aus den Augen
 verlieren. Man kann ohne ihn weitergehen, ohne es recht zu merken. Das kann
 einer Gemeinde passieren, einer Kirche, aber auch einzelnen Menschen.
 Mancher macht diese bittere Erfahrung erst, wenn er aufgerüttelt worden ist
 durch ein Ereignis in seinem Leben. Einmal war Jesus dabei. Es gab
 Gemeinschaft mit ihm. Doch dann hat man ihn aus den Augen verloren. Von
 Maria und Joseph wird hier in Form einer Geschichte erzählt, wie sie ihn
 verloren, als sie meinten, ihn sicher bei sich zu haben. Er war ja ihr
 Sohn. Gerade deshalb verstehen sie ihn nicht, suchen sie ihn an der
 falschen Stelle. Zu finden ist er im Haus seines himmlischen Vaters. Auf
 Bildern wird diese Szene meist so dargestellt, daß Jesus in der Mitte steht
 und lehrt. Lukas sagt es anders: Jesus hört und fragt zuerst, er antwortet
 auch auf die Fragen der Schriftgelehrten. Er ist dort zu Hause, wo Menschen
 nach dem Willen Gottes fragen, auch bei uns, wo sie im Gespräch die Bibel
 befragen und gemeinsam eine Antwort finden. - Weiter erkennen wir hier, wie
 Jesus im Hören und Fragen der Weg klar wird, den er zu gehen hat, auch wenn
 andere ihn nicht verstehen.
 Auch wir verstehen Jesus nicht, wenn wir wie Joseph und Maria meinen, Jesus
 sicher zu haben; wenn wir gar meinen, er sei dazu da, das zu tun, was uns
 paßt, und wenn wir gar meinen, er sei dazu da, das zu bestätigen und
 unseren Wegen zuzustimmen. Wir finden Jesus nur, wenn wir das Wort der
 Bibel befragen und Wegweisung erbitten. So können wir ihn auch dann finden,
 ja gerade dann, wenn wir meinen, wir hätten ihn verloren.@{b}

 LIEBER HERR, GIB ALLEN, DIE DICH SUCHEN, DAß SIE DICH FINDEN, UND ALLEN,
 DIE DICH GEFUNDEN HABEN, DAß SIE BEI DIR BLEIBEN, BIS ALL UNSER SUCHEN
 ERFÜLLT IST IN DEINER GEGENWART. AMEN.@{ub}



@{i}                          Lukas 2,41-52@{ub}
@{b} Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht,
 daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?@{ub} Lukas 2,49 (EÜ)
 Das erste Wort, das die Evangelien uns aus dem Munde Jesu überliefern, ist
 ein Wort tiefen Selbstbewußtseins. Wer ist Jesus? Auf diese Frage werden
 nicht nur heute ganz verschiedene Antworten gegeben. Der Evangelist
 Matthäus berichtet, wie Jesus seiner Umgebung die Frage stellt: "Für wen
 halten die Leute den Menschensohn?" Die Jünger kennen die Meinung des
 Volkes und antworten. "Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija,
 wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten." Jesus fragt auch
 seine Jünger: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Simon Petrus antwortet:
 "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes" (Matthäus 16,13-16).

 Nach dem Zeugnis aller Evangelien weiß Jesus sich in einer einmaligen und
 unübertragbaren Gemeinschaft mit Gott, den er seinen Vater nennt. Unser
 Wort aus dem Lukasevangelium ist ein Zeugnis dafür. Diese Gemeinschaft mit
 Gott ist die Mitte und das Geheimnis seiner Person und seiner Sendung.
    Wer ist dieser Jesus, der so von Gott als seinem Vater spricht, der sich
 in so einzigartiger Weise Gott als seinem Vater verbunden und von ihm
 gesandt weiß? Das Zeugnis der Evangelien gibt die Antwort: Er ist der Sohn
 Gottes.@{b}
 EWIGER GOTT!
 FÜR UNS UND UM UNSERES HEILES WILLEN IST DEIN SOHN MENSCH GEWORDEN. LAß UNS
 DIESES GEHEIMNIS IM GLAUBEN ERFASSEN UNS BEWAHREN.@{ub}
                                                           Reinhard Lettmann

@ENDNODE
@NODE "Lukas 3a" "Lukas 3,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 3,1-6@{ui}
@{b}                   Gottes Gnade und Gericht@{ub}
 Es ist nötig und heilsam, immer wieder die Stimme Johannes des Täufers zu
 hören und zu beherzigen, nicht nur in der Adventszeit des Kirchenjahres, wo
 sie ihren festen Platz unter den Lesungen im Gottesdienst hat. es ist gut,
 Johannes nicht zu überhören, wenn wir Jesus als unserem Heil begegnen
 wollen. Denn es hat seinen Sinn, daß Christus diesen Vorläufer und Herold
 hat. Wir haben es ja oft in der Gemeinde gehört, daß Gott sein großes und
 endgültiges Ja zu uns Menschen gesprochen hat, das Ja seiner Liebe und
 Treue zu aller Kreatur. Gerade dieses Ja enthält aber in sich auch ein
 Nein, ein Nein zu unserem verkehrten Wesen und Verhalten. Daß Christus uns
 Gottes Vergebung bringt, das schließt doch ein, daß wir diese Vergebung
 nötig haben. Angesichts des großen göttlichen Ja, das Johannes in Christus
 kommen sieht, verkündigt er so das göttliche Nein, damit die Menschen sich
 des göttliche Ja recht erfreuen können. Nur wenn wir das Gericht annehmen,
 das über unser böses Wesen gesprochen wird, werden wir die Gnade recht
 begreifen, die uns in Christus geschenkt ist. Zum Zeichen dessen vollzog
 Johannes im Jordan die Taufe der Buße: Das Böse im Menschen muß sterben,
 wie einer im tiefen Wasser ertrinkt. Und damit sind alle Leute aufgerufen,
 kehrt zu machen und ihr Leben zu bessern zum Zeichen, daß es ihnen ernst
 ist mit Gottes Gnadengebot. So wird dem kommenden Christus der Weg geebnet.
 Und das alles gilt auch für uns, damit auch wir den Heiland Gottes sehen.
 @{b}
 HERR, UNSER GOTT, DU SCHENKST UNS IN CHRISTUS DEINE VERGEBUNG UND DAMIT
 DEINE GANZE LIEBE. SO WOLLEN WIR AUCH DEINEM GERECHTEN GERICHT RECHT GEBEN.
 GIB, DAß WIR UNS DARUNTER BEUGEN UND SO FÜR DEINE GÜTE DANKBAR WERDEN.
 AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 3b" "Lukas 3,7-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 3,7-9@{ui}
@{b}                   Kein Anspruch auf Gnade@{ub}
 Auch dieses harte Wort Johannes des Täufers ist uns genauso nötig und
 heilsam wie seinen damaligen Zuhörern. Denn die Sache, um die es hier geht,
 betrifft auch uns. Christus kommt und mit ihm Gottes Heil: Vergebung der
 Sünden und damit Leben und Frieden. Aber indem Gott so in Christus kommt,
 ergeht zugleich auch das Gericht über alles böse Wesen der Menschen, und
 zwar ausnahmslos über alle. Johannes macht deutlich, daß man die göttliche
 Gnade nicht haben kann, ohne das göttliche Gericht anzuerkennen. Als
 Bußprediger, der zur Umkehr ruft, sagt er allen, daß es nicht
 selbstverständlich ist, daß Gott uns liebt, und daß wir erst recht keinen
 Anspruch auf sein Heil geltend machen können. Darum wendet Johannes sich
 auch so leidenschaftlich gegen alle diejenigen, die auf Grund ihrer äußeren
 Zugehörigkeit zur Kirche meinen, die Güte Gottes gepachtet zu haben. "Gott
 muß doch gut zu mir sein, denn ich habe doch immer zu ihm und zu seiner
 Gemeinde gehalten..." "Wir haben doch Abraham zu unserem Vater." Wer so
 denkt und redet, der muß sich sagen lassen, daß Gott frei und mächtig ist,
 sich aus dem Nichts ein neues Volk zu schaffen. Nein, gegenüber der Liebe
 und Treue Gottes, die in Christus erscheint, sind alle Menschen gleich
 dran, Fromme und Unfromme, Kirchliche und Unkirchliche. Christus kommt zu
 ihnen allen. Darum sind sie auch alle aufgerufen, um Gottes Gnade zu
 empfangen und zu leben.@{b}
 HERR, UNSER GOTT!
 WIR MÜSSEN BEKENNEN, DAß WIR IMMER WIEDER DEINE GÜTE ALS SEBSTVERSTÄNDLICH
 HINNEHMEN. GIB, DAß WIR DEINE VERGEBUNG ALS DAS GROßE UNVERDIENTE WUNDER
 BEGREIFEN UND DAß WIR DIR DAFÜR DURCH UNSER LEBEN DANKEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 3c" "Lukas 3,10-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 3,10-14@{ui}
@{b}                    Buße im Alltäglichen@{ub}
 Angesichts des kommenden Christus, der das Heil Gottes bringt, ruft
 Johannes der Täufer alle Menschen zur Umkehr von ihren bisherigen
 verkehrten Wegen. Sie sollen die kommenden göttliche Gnade ernst nehmen,
 indem sie ihr Leben bessern. Sie sollen Buße tun, aber wie macht man das?
 Da auch uns der Ruf des Johannes gilt, fragen auch wir: "Was sollen wir
 denn tun?" Die Antwort des Täufers scheint sehr einfach zu sein. Ist es
 nicht alles selbstverständlich, was er fordert? Ist das Gebot Jesu nicht
 sehr viel größer, wenn wir etwa an seinen Aufruf zur Feindesliebe denken?
 Ist es nicht ein bißchen wenig, wenn wir nur aufgefordert werden, uns wie
 anständige, ehrliche, friedliche Leute zu verhalten? Aber fangen wir doch
 damit erst einmal an! Erst einmal ein bißchen Bruderliebe! Erst einmal ein
 bißchen Hilfsbereitschaft gegenüber dem Nachbarn, der uns braucht! Erst
 einmal ein bißchen friedfertigen Umgang mit dem schwierigen Nächsten! Erst
 einmal ein bißchen dankbare Genügsamkeit bei dem, was wir haben! Wir werden
 dann schon merken, daß das alles in der Praxis des Alltages gar nicht so
 einfach ist, wie es sich zunächst anhört. Im übrigen steht Johannes der
 Täufer auch mit seinem gebietenden Wort ganz dicht bei dem Christus, den er
 ankündigt. Denn das Selbstverständliche und das Außerordentliche gehört in
 den Geboten Jesu Christi immer eng zusammen. Und wie will einer dem Gebet
 Jesu folgen, wenn er nicht erst einmal und immer wieder dem einfachen
 Aufruf Johannes des Täufers nachkommt?@{b}

 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS, DU RUFST AUCH UNS IN DEINE NACHFOLGE. DU ZEIGST
 UNS AN JEDEM TAG NEU, WOZU DU UNS GEBRAUCHEN WILLST, DAMIT WIR DIR AN
 UNSEREN MITMENSCHEN DIENEN. GIB UNS DAZU DEINEN HEILIGEN GEIST! AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 3d" "Lukas 3,21-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 3,21-38@{ui}
@{b}                  Der neue Mensch erscheint@{ub}
 Unter denen, die Johannes im Jordan getauft hat, ist auch der erschienen,
 den der Täufer als das Heil der Welt angekündigt hatte. Auch Jesus läßt
 sich taufen, erfüllt damit alle Gerechtigkeit (Matth 3,15) und erklärt sich
 solidarisch mit den Sündern. In dieser Stunde seiner Taufe bekräftigt Gott
 ihn erneut als seinen lieben Sohn und bestätigt ihn durch die Sendung
 seines Geistes als den, der auf Erden den Willen seines Vaters vollzieht.
 Mit dieser Stunde aber hat Johannes seinen Heroldsauftrag erfüllt, und
 Jesus beginnt sein Heilswerk auf Erden. An dieser Stelle nun schaltet Lukas
 in seinen Text ein Geschlechtsregister Jesu ein und will damit sagen, daß
 er, der "Aufgang aus der Höhe" (Luk.1,18), zugleich in einer Reihe
 menschlicher Ahnen steht, die über den König David bis auf Adam
 zurückreicht. Der, den Johannes allem Volk als den Richter der Welt
 verkündigt hatte, ist der "zweite Adam" und als solcher der neue Mensch
 Gottes (Röm.5,12-19). Er ist der Anfänger und Vollender einer neuen
 Menschheit. Während der Stammbaum des Matthäus-Evangeliums von Abraham
 ausgeht und damit Jesus als den Herrn seiner Gemeinde darstellt, wird Jesus
 hier bei Lukas als der weltweite Herr und Heiland aller Menschen
 verkündigt. Das altkirchliche Epiphaniasfest, das am heutigen Tage in
 unserem Kalender verzeichnet ist, hat diesen Inhalt gehabt. In der
 Finsternis der Welt erscheint in Christus der neue Mensch Gottes als das
 Licht der Welt. "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und
 Ende steht da" (EKG 53).@{b}
 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS, IN DIR SEHEN WIR DEN NEUEN MENSCHEN UND DEN
 ANFÄNGER EINER NEUEN MENSCHHEIT. UND WEIL WIR ZU DIR GEHÖREN, DARUM DÜRFEN
 AUCH WIR NEUE MENSCHEN SEIN. HILF UNS, WEIL DER "ALTE ADAM" UNS IMMER NOCH
 ZU SCHAFFEN MACHT. AMEN.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Lukas 3e" "Lukas 3,21-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 3,21-38@{ui}
@{b}                  Der neue Mensch erscheint@{ub}
 Unter denen, die Johannes im Jordan getauft hat, ist auch der erschienen,
 den der Täufer als das Heil der Welt angekündigt hatte. Auch Jesus läßt
 sich taufen, erfüllt damit alle Gerechtigkeit (Matth 3,15) und erklärt sich
 solidarisch mit den Sündern. In dieser Stunde seiner Taufe bekräftigt Gott
 ihn erneut als seinen lieben Sohn und bestätigt ihn durch die Sendung
 seines Geistes als den, der auf Erden den Willen seines Vaters vollzieht.
 Mit dieser Stunde aber hat Johannes seinen Heroldsauftrag erfüllt, und
 Jesus beginnt sein Heilswerk auf Erden. An dieser Stelle nun schaltet Lukas
 in seinen Text ein Geschlechtsregister Jesu ein und will damit sagen, daß
 er, der "Aufgang aus der Höhe" (Luk.1,18), zugleich in einer Reihe
 menschlicher Ahnen steht, die über den König David bis auf Adam
 zurückreicht. Der, den Johannes allem Volk als den Richter der Welt
 verkündigt hatte, ist der "zweite Adam" und als solcher der neue Mensch
 Gottes (Röm.5,12-19). Er ist der Anfänger und Vollender einer neuen
 Menschheit. Während der Stammbaum des Matthäus-Evangeliums von Abraham
 ausgeht und damit Jesus als den Herrn seiner Gemeinde darstellt, wird Jesus
 hier bei Lukas als der weltweite Herr und Heiland aller Menschen
 verkündigt. Das altkirchliche Epiphaniasfest, das am heutigen Tage in
 unserem Kalender verzeichnet ist, hat diesen Inhalt gehabt. In der
 Finsternis der Welt erscheint in Christus der neue Mensch Gottes als das
 Licht der Welt. "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und
 Ende steht da" (EKG 53).@{b}
 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS, IN DIR SEHEN WIR DEN NEUEN MENSCHEN UND DEN
 ANFÄNGER EINER NEUEN MENSCHHEIT. UND WEIL WIR ZU DIR GEHÖREN, DARUM DÜRFEN
 AUCH WIR NEUE MENSCHEN SEIN. HILF UNS, WEIL DER "ALTE ADAM" UNS IMMER NOCH
 ZU SCHAFFEN MACHT. AMEN.@{ub}
@ENDNODE


@NODE "Lukas 4a" "Lukas 1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 4,1-13@{ui}
@{b}                     Die Versuchung Jesu@{ub}
 Am Anfang des Alten und des Neuen Testaments steht jeweils eine
 Versuchungsgeschichte, dort die Adams, hier die Jesu. Hier wie dort
 versucht der Satan, Gottes Gebot in Frage zu stellen. Doch während Adam der
 Verlockung erliegt, überwindet Jesus sie. Er hält sich an das klare Wort
 Gottes. So wird er auf die probe gestellt und besteht sie. Mit den Worten
 der Bibel, das heißt des Alten Testaments, weist er den Versucher zurück.
 Er gibt Gott allein die Ehre und bleibt so der Stärkere. Der Versucher muß
 von ihm weichen. Diese Versuchungsgeschichte lesen wir ähnlich bei
 Matthäus. Doch ein Unterschied fällt auf. Bei Matthäus ist die Versuchung
 mit der Weltherrschaft die letzte und wohl auch die schwerste. Bei Lukas
 ist die Versuchung, bei der der Versucher ein Bibelwort im Munde führt, die
 letzte. Der Evangelist meint also, die Versuchung sei dort die schlimmste,
 wo sich der Versucher auf ein Wort der Bibel berufen möchte. Und er hat
 hier wohl recht gesehen. Anfechtungen und Versuchungen bleiben den Christen
 niemals erspart. Auch daß solche Versuchungen sich unter Bibelworten
 verbergen, ist immer wieder vorgekommen. Es genügt nicht, sich auf ein
 bestimmtes Bibelwort zu berufen. Man muß darauf achten, an wen und in
 welcher Lage ein solches Wort gerichtet ist. Wer das nicht beachtet, könnte
 völlig falsche Konsequenzen ziehen. Man kann sich dann leicht verhören. Die
 lange Geschichte der Kirchen bietet dafür reichlich Beispiele. Wir aber
 wollen uns wie einst Jesus an das klare Bibelwort halten. "Dein Wort, o
 Herr, laß allweg sein die Leuchte unsrer Füße."@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS!
 WIR DANKEN DIR, DAß DU ALLEN VERSUCHUNGEN DES BÖSEN WIDERSTANDEN HAST. HILF
 UNS, Dß WIR IN ALLEN LEBENSLAGEN DEINEN WILLEN KLAR ERKENNEN, UND LAß UNS
 DEINEM WORT GEHORSAM SEIN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 4b" "Lukas 4,14-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 4,14-21@{ui}
@{b}                 Heute ist diese Schrift erfüllt@{ub}
 Mit der Erzählung von Jesu Predigt in seiner Heimatstadt Nazareth beginnt
 Lukas den Bericht von Jesu öffentlicher Wirksamkeit. Er weiß dabei, daß
 Jesus vorher schon anderswo gewirkt hat. Wenn er trotzdem diese Geschichte
 an den Anfang stellt, hat er dabei eine bestimmte Absicht. Sie wird an den
 Worten erkennbar, in denen Lukas diese erste Predigt gipfeln läßt: "Heute
 ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren." Jesus hat eine
 Predigt über diesen Text aus dem letzten Teil des Buches Jesaja gehalten.
 Dort wird von dem bevorstehenden Heil für alle Leidenden und Bedrängten
 gesprochen. Der Prophet hatte verkündigt, daß den aus der babylonischen
 Gefangenschaft Heimgekehrten eine unvorstellbare Heilszeit bevorstehe. In
 den Heilungstaten, die von Jesus erzählt werden, sieht Lukas die alten
 Verheißungen erfüllt. Sie bedeuten, das ist seine feste Überzeugung, den
 Anbruch der neuen göttlichen Heilszeit. Für ihn ist das Kommen Jesu auf
 diese Erde die "Mitte aller Zeit". Können wir ihm in dieser Überzeugung
 folgen? Werden wir nicht einwenden. Im Grunde ist doch alles beim alten
 geblieben? Die "neue Zeit" ist doch auch nur die "alte Zeit"? Wir können
 einer Frage nicht leichthin ausweichen: Ist Jesus die Mitte der Zeit, müßte
 dann nach ihm nicht alles anders geworden sein? Wer so fragt, muß im Sinne
 des Evangelisten die Antwort bekommen: Ja, es ist alles neu geworden, denn
 Jesus ist von den Toten auferstanden. Wer diese Auferstehung wirklich
 ernsthaft glaubt, kann verstehen, was mit dem hier bezeugten Anbruch der
 göttlichen Heiszeit gemeint ist.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS IN DIE GEMEINSCHAFT DER
 HEILIGEN AUFGENOMMEN HAST. WIR BITTEN DICH, ZEIGE UNS DEN PLATZ, AN DEM DU
 UNS BRAUCHST. AMEN
                            Mein Lebenslauf@{ub}            Gedicht
                   Mein Lebenslauf ist bald erzählt.
                   In stiller Ewigkeit verloren
                   Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt.
                   Bis daß ich sichtbar ward geboren.
                   Was aber nun? - Auf schwachen Krücken,
                   Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
                   Bin ich getrost dahingeholpert,
                   Mitunter grad, mitunter krumm,
                   Und schließlich mußt ich mich verschnaufen.
                   Bedenklich rieb ich meine Glatze
                   Und sah mich in der Gegend um.
                   O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
                   Stand wiederum am alten Platze,
                   Und vor mir dehnt sich lang und breit,
                   Wie ehedem die Ewigkeit.
                   @{i}    Wilhelm Busch   @{ui}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 4c" "Lukas 4,22-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 4,22-30@{ui}
@{b}                 Jesus wird in Nazareth abgelehnt@{ub}
 Jesus war in seiner Heimatstadt Nazareth wohlbekannt. Die Leute dort haben
 ihn als Kind gekannt. Sie kannten seine Familie, den Vater Joseph und seine
 Geschwister. Sie kannten sein Werden und seine Entwicklung. An ihm und an
 seiner Familie war bislang nichts Besonderes erkennbar gewesen. So kommen
 die, die Jesus unmittelbar gehört haben, nicht zum Glauben an ihn. Ihre
 Ablehnung ist in gewissem Sinne verständlich. Sie meinen: "Wie kann dieser
 Jesus, den wir seit seinen Kindertagen kennen, von sich behaupten, daß mit
 ihm eine neue Zeit, die Gnadenzeit Gottes angebrochen sei? Es war ja auch
 an ihm nichts Außergewöhnliches zu spüren. er zog als Wanderprediger,
 begleitet von einigen wenigen Anhängern, durch das Land. Solche
 Wanderprediger waren in jenen Tagen nichts Besonderes. daß er sich als den
 Anfang einer neuen Zeit bezeichnet hat, muß denen, die ihn so lange
 gekannte hatten, unverständlich sein. Vielleicht können wir diese Zweifel
 verstehen. Wir glauben daran, daß mit Jesus eine neue Zeit, die Heilszeit
 Gottes, begonnen hat. Und wir erleben dann Tag für Tag, daß in dieser
 "Heilszeit" im Grunde alles beim alten geblieben ist. Unsere Welt ist bis
 heute keine "heile Welt". Täglich hören wir von Gewalt, von ungeheuerlichen
 Rüstungen. Uns mag darüber angst werden. Fragen wir, was ist denn wirklich
 neu geworden, dann kann es nur eine Antwort geben: Jesus ist von den Toten
 auferstanden. das ganze Evangelium ist im Grunde nur das Zeugnis für seine
 Auferstehung. Wenn wir an sie glauben, dann wird alles neu, dann sehen wir
 diese unsere Welt mit neuen Augen. Dann begreifen wir das Wort: "Heute ist
 diese Schrift erfüllt."@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, MACHE UNS FEST, IM GLAUBEN. ÜBERWINDE DU ALLE ZWEIFEL,
 DIE UNS BESCHLEICHEN. GIB UNS DIE GEWIßHEIT, DAß DU UNS ZUR SEITE BIST, DAß
 DU HILFST. LAß UNS VON GANZEM HERZEN BETEN: DEIN WILLE GESCHEHE. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 4d" "Lukas 4,31-37"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 4,31-37@{ui}
@{b}                     Jesus in Kapernaum@{ub}
 Mit dem völligen Bruch hat Jesu Auftreten in seiner Vaterstadt Nazareth
 geendet. Er hat seine Heimat verlassen und ist gemäß dem Bericht des Lukas
 nie wieder dorthin gegangen. Nun hören wir von seinem Kommen nach
 Kapernaum, einem Ort am See Genezareth. Auch dort hält er am Sabbat eine
 Predigt. Doch Lukas erzählt nichts von dem, was er dort gesagt hat; er
 berichtet von einem ungewöhnlichen Ereignis bei dieser Predigt. Wir hören
 von einem "Besessenen", der die Predigt stört.
 Man mag bei der Schilderung an einen Epileptiker denken, der einen schweren
 Anfall bekommen hat. Diese Krankheit hat man in Jesu Tagen allgemein als
 das Werk böser Geister verstanden, wie viele andere Krankheiten auch. Und
 wenn es Jesus gelungen war, einen solchen Kranken in seinen Krämpfen zu
 heilen, dann hat man gemeint, daß er den bösen Geist ausgetrieben habe. Die
 Zuschauer dieser Begebenheit haben vielleicht nicht viel von Jesu Predigt
 mitbekommen, aber dieses ungewöhnliche Geschehen hat ihnen imponiert. In
 den beiden Anfangspredigten Jesu, von denen Lukas erzählt, hören wir: Er
 war "mächtig in Taten und Worten".
 Sicher hatte Jesus in Kapernaum "imponiert". Doch zu einer wirklichen,
 klaren Hinwendung zu Jesu ist es kaum gekommen. Wir lesen später das Wort
 Jesu über diese Stadt: "Du, Kapernaum, wirst bis in die Hölle
 hinuntergestoßen werden." War also Jesu Wirken in dieser Stadt letztlich
 ebenso vergeblich wie in Nazareth? Doch durch lauter Mißerfolge führt Gott
 seine Sache am Ende zum Sieg. Das möge uns Trost geben in unseren
 Anfechtungen und Zweifeln.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU FREI MACHST VON FALSCHEN
 BINDUNGEN. GIB, DAß WIR DEIN WORT HÖREN UND ES IN UNS AUFNEHMEN. LAß
 WIRKUNGEN VON IHM AUSGEHEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 4e" "Lukas 4,38-44"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 4,38-44@{ui}
@{b}                       Die Gottesherrschaft@{ub}
 "Das Wunder ist des Glauben liebstes Kind." Mit diesem Satz versucht Faust
 in Goethes gleichnamiger Dichtung die Fragwürdigkeit der Wunder zu
 kennzeichnen. Ein Pfarrer begann seine Predigt über ein Wunder mit der
 Frage: Wäre uns das Evangelium zeitgemäßer, wenn die Wunder Jesu nicht im
 Neuen Testament stünden? Spontan rief ein Gottesdienstbesucher. Nur das
 nicht! Dadurch entwickelte sich die sonst übliche Predigt des Pfarrers
 zögernd zu einem Gespräch aller in diesem Gottesdienst anwesenden
 Gemeindeglieder. Alle kamen zu dem gemeinsamen Ergebnis, die Bibel wäre
 ohne die Wunder unvollkommen. Wir glauben ja nicht an die Wunder, sondern
 wir glauben an Jesus Christus. So wollen auch die Wunderberichte, die mit
 dem Auftreten Jesu verbunden sind, auf ihre Weise die Kraft dieses Glauben
 an Jesus Christus erfaßt werden, da verändert sich etwas. Wie dies
 geschieht, das haben die Menschen zur Zeit Jesu auf ihre Art zu deuten
 versucht. Würden sie also in der Bibel fehlen, wäre ihr das
 Anschauungsmaterial genommen, das die Veränderung, die durch Christus
 geschieht, sichtbar macht. In jeder Zeit wird diese Veränderung anders
 wahrgenommen und dargestellt, weil die Menschen in sich wandelnden
 Weltbildern erzogen werden. Wir sind zurückhaltender gegenüber "Wundern".
 Ob dies dem Glauben entspricht, das muß immer wieder geprüft werden. Die
 Wunder des Neuen Testaments wollen Zeichen des Anbruchs der
 Gottesherrschaft sein. Jesus stellt fest: "Wenn ihr nicht Zeichen und
 Wunder seht, glaubt ihr nicht" (Joh.4,48).@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß MIT DEINER GEGENWART DAS REICH
 GOTTES UNTER UNS ANBRICHT. ÖFFNE UNS DIE HERZEN, DAMIT WIR DIE ZEICHEN
 ERKENNEN, IN DENEN SICH DIE GOTTESHERRSCHAFT KUNDTUT. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 5a" "Lukas 5,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 5,1-11@{ui}
@{b}                     Zum Dienst berufen@{ub}
 Lukas erzählt mit dieser Geschichte die Berufung der ersten Jünger, unter
 denen Petrus eine besondere Stellung einnahm. Jesus brauchte Menschen, die
 bereit waren, andere für das Evangelium zu gewinnen. Dadurch sollten
 Hoffnung und Freude weitergegeben werden. So wollte und will es Jesus
 damals wie heute. dabei wußte er auch, wie schwer dieser Dienst ist,  daß
 nur der ihn tun kann, der seine eigene Erfahrungen mit Jesus gemacht hat.
 Deshalb gewährt der Herr dem Simon, der Später den Beinamen Petrus erhielt,
 solche Erfahrung. es fing sehr einfach an. Simon stellte dem Herrn das
 eigene Boot für eine Predigt zur Verfügung. Dabei erfuhr er von der
 Vollmacht, die Jesus eigen war. Nur so ist es zu erklären, daß sich Simon
 anschließend nicht weigerte, zum Fischfang auf den See zu fahren, obwohl
 die Fangaussichten am Tage gleich Null waren. Unter dem Eindruck der
 gehörten Predigt glaubte er aber, sich auf das Wort des Herrn verlassen zu
 können. Der Erfolg gab ihm recht. Simon sah sich reich beschenkt.
 Gleichzeitig meinte er jedoch, dieses nicht verdient zu haben. Er hatte
 doch keine Vorleistungen erbracht, im Gegenteil, sein bisheriges Leben
 hatte eine solche Zuwendung nicht verdient. Aber Jesus ließ Simon nicht
 los. er sollte wissen, wie barmherzig und gnädig sein Herr ist, dem er
 fortan zu dienen hatte. damit war seinem leben und dem der Gefährten eine
 neue Zielrichtung gegeben. Indem sie alles verließen und Jesus nachfolgten,
 hatten sie ein neues, völlig verändertes Leben begonnen.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS!
 DU LÄßT ES NICHT AN ERFAHRUNGEN IN UNSEREM LEBEN FEHLEN, DIE WIR MIT DIR
 MACHEN KÖNNEN. ÖFFNE UNS DEN BLICK FÜR DEINE GNÄDIGE ZUWENDUNGEN IN FREUD
 UND LEID, DAMIT WIR DEINER GEGENWART IMMER NEU GEWIß WERDEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 5b" "Lukas 5,12-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 5,12-16@{ui}
@{b}                     Ein neuer Anfang ist möglich@{ub}
 Wer betet nicht bei einer Krankheit oder der eines geliebten Menschen um
 Heilung? Auch der Aussätzige in unserer Geschichte betete darum. Voller
 Vertrauen wandte er sich an Jesus. Er war von dessen Hilfe überzeugt.
 Deshalb appellierte er an Jesu Willen: "Herr, willst du..." Damit
 unterstellt er sich der Entscheidung Jesu. Was ihm dann dessen Antwort
 bedeutet haben mag, können wir nur ahnen. Sie brachte ihm die ersehnte
 Heilung. Das Leben konnte für ihn neu beginnen. Er würde nicht länger am
 Rande der Gesellschaft leben müssen, sondern wieder in diese eingebunden
 sein. - Nun hätten wir aber diese Geschichte falsch verstanden, wenn wir
 sie als Beispiel für den Erfolg rechten Betens ansehen wollten. Dann hätten
 alle recht, die trotz intensiven Betens keine Hilfe erfahren und sich darum
 enttäuscht von Gott abgewandt haben. Vielmehr geht es in dieser Geschichte
 um die Ermöglichung eines Neuanfangs, den Jesus denen gewähren will, die
 ihn darum bitten. Wenn wir vor wenigen Tagen davon lasen, daß sich in Jesus
 alttestamentliche Verheißung erfüllten, dann lasen wir damit von etwas
 Neuem in dieser Welt, nämlich der Herrschaft Gottes. Da darf der Mensch
 frei werden von allen ihn bedrängenden Bindungen. Nun kann Gottes Hilfe für
 sein Leben Bedeutung gewinnen. Dieser Wille ist auf das heil des Menschen
 ausgerichtet. Jesus entzieht sich nicht. Da können Menschen Heilung
 erfahren; aber auch dann, wenn sie ausbleibt, kann ihnen Jesus Christus neu
 zur Ermutigung und Hoffnung in ihrer Lebenssituation werden.@{b}

 HIMMLISCHER VATER! WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS HELFEN WILLST IN ALLEN
 BEDRÄNGNISSEN. UND WENN DU ANDERS MIT UNS UMGEHST, ALS WIR ES VON DIR
 ERBETEN HABEN, DANN LAß UNS AUCH HIERIN DEINEN GUTEN UND GNÄDIGEN WILLEN
 ERKENNEN. AMEN.
                               Dank @{ub}                Gedicht
                 Ich danke dir für mein Leben,
                     andere verrecken, während ich lebe.
                 Ich danke, daß ich atmen kann,
                     andere röcheln unter Sauerstoffmasken.
                 Ich danke, daß ich gesund bin,
                     andere siechen dahin, da mir's gut geht.
                 Ich danke, daß ich zu essen habe,
                     so viele schreien nach Brot.
                 Ich danke, daß ich in Frieden lebe,
                     so viele kennen nur den Krieg.
                 Ich danke, daß der Glaube mit Halt gibt,
                     so viele wissen nicht, was das ist: glauben.
                 Ich danke und frage doch beunruhigt,
                     warum die anderen, nicht ich, das Kreuz tragen.
                     @{i}     Lothar Zennetti @{ui}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 5c" "Lukas 17-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 5,17-26@{ui}
@{b}                   Es geht um den ganzen Menschen@{ub}
 Jesus lehrte und heilte. beides gehörte für ihn zusammen. Leib und Seele
 soll geholfen werden. So predigte Jesus seinen Hörern zum einen die
 frohmachende Botschaft von der vergebenden Liebe Gottes. Doch er sprach
 nicht darüber, ohne daß es sogleich geschah. Eben darum ging es ihm, als er
 dem Gelähmten, der auf Heilung wartete, die Vergebung seiner Sünden
 zusprach. Wahrscheinlich hatte dieser ein solches Wort nicht erwartet. Die
 Heilung seiner Lähmung ist ihm wichtig gewesen. Kranke sehnen sich danach,
 wieder richtig und ohne Schmerzen leben zu können. Aber welchen Wert hat
 das Leben für einen gesunden wie für einen kranken Menschen, wenn es an
 seiner Wurzel nicht in Ordnung ist, wenn Schuld und Sühne dasselbe
 belasten? Deshalb stand vor der Heilung des gelähmten die Vergebung seiner
 Sünden durch Jesus. An dieser Stelle sollte er zuerst Gottes Liebe
 erfahren. Wem Sünde vergeben ist, der darf neu anfangen, befreit von allem,
 was seine Vergangenheit überschattete.- Nun ging es aber Jesus nicht nur um
 das Heil des Menschen, sondern auch um sein Wohl. deshalb nahm er sich zum
 anderen auch der körperlichen Leiden der Menschen an. Dem Gelähmten half er
 wieder auf die Beine. Dieser war so glücklich, daß er für seine Heilung
 Gott preisen konnte. Damit war er wirklich heil geworden, denn Menschen,
 die Gott preisen können, sind zu neuen Menschen geworden. Außenstehende
 begreifen das nicht und staunen verständnislos: Doch Gott will das Heil und
 das Wohl für alle Menschen.@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL! STÄRKE UND ERHALTE UNS DEN GLAUBEN, DER UNS DES
 HEILS GEWIß MACHT. GIB, DAß WIR DICH HEUTE MIT UNSEREN WORTEN UND TATEN
 PREISEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 5d" "Lukas 5,27-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                           Lukas 5,27-32@{ui}
@{b}                       Gemeinschaft, die verändert@{ub}
 Es ist beeindruckend, wie selbstverständlich der Zöllner Levi dem Ruf Jesu
 folgte. Aber das ist nicht das Entscheidende an der Geschichte. Wichtiger
 ist der Hinweis auf die Leute, denen sich Jesus zuwandte. Die Zollbeamten
 waren beim Volk verhaßt. Man pflegte mit ihnen keinen Umgang, sondern ließ
 sie links liegen. Solche Unterscheidungen in gute und schlechte Menschen,
 in gerechte und ungerechte, in sympathische und unsympathische hat es immer
 gegeben. Sie werden auch bleiben, solange es Menschen gibt, die sich für
 besser als andere halten. Jesus kannte dagegen keine Unterschiede: Allen
 Menschen galt seine Liebe. Daß diese Liebe besonders dankbar von denen
 angenommen wurde, denen sonst Liebe und Verständnis versagt blieben, ist
 begreiflich. Vielleicht hatte auch deshalb Levi so spontan auf Jesu Ruf
 reagiert. Seine Freude kannte jetzt keine Grenzen mehr. Er gewährte Jesus
 Gastfreundschaft im eigenen Hause als Ausdruck engster Verbundenheit mit
 ihm. Seine Kollegen, die ebenso von den Leuten ausgeschlossen waren, lud
 Levi dazu. So erleben sie eine Gemeinschaft, die sie gewiß machte, daß
 Jesus sie angenommen hatte. Sie, die bisher verachtet und übergangen
 wurden, hatten ihren Platz in der Gemeinschaft mit Jesu gefunden. dadurch
 wurde es ihnen möglich, ihr Leben neu zu verstehen. Die Gemeinschaft mit
 dem Herrn hatte sie verändert. Natürlich rief dieses Verhalten Jesu den
 Protest der gerechten hervor. Sie wollten nicht begreifen, daß Gottes Liebe
 besonders dort wirksam wird, wo Menschen aus eigener Kraft nicht mehr
 zurechtkommen.@{b}
 HERR GOTT, DEINE GÜTE KENNT KEINE GRENZEN. WIR BITTEN DICH, NIMM DICH IN
 GNADEN DERER AN, DIE DEINE LIEBE BESONDERS NÖTIG HABEN. LAß UNSERE WELT IN
 IHRER NOT NICHT OHNE TROST UND HOFFNUNG. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 5e" "Lukas 5,33-39"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 5,33-39@{ui}
@{b}                     Es ist alles neu geworden@{ub}
 Wie haben wir uns als Christen zu verhalten? Diese Frage beschäftigte immer
 wieder Menschen, die mit ihrem Glauben ernst machen wollten. Die Antworten
 hierauf fielen und fallen recht unterschiedlich aus. Es gibt Christen, die
 sich ernst geben und auf die Freuden des Lebens meinen verzichten zu
 müssen. Andere betonen die Freude, die das Evangelium schenkt, und
 gestalten deshalb dankbar und fröhlich ihr Leben. Die Frage nach dem
 rechten Verhalten reicht bis auf die Zeit Jesu zurück. Damals stießen sich
 die Pharisäer und andere Fromme an dem Verhalten der Jesusjünger. Unter
 diesen war das als Bußübung geltende Fasten nicht üblich. Sie gerieten in
 Verdacht, ihren Glauben nicht ernst zu nehmen.
 Jesus reagierte eindeutig: Überlieferte Traditionen sind gut, aber sie
 haben ihre Zeit. Durch Jesus war Neues in die Welt gekommen. Dieses Neue
 muß aber von Menschen erfahren werden, wenn sie begreifen wollen, daß die
 Zeit für manche überlieferten Frömmigkeitsformen vorüber ist. Wem bewußt
 wurde, daß Jesus uns den Zugang zu Gott eröffnete und daß unser Leben
 dadurch eine neue Qualität erhielt, der kann nicht mehr traurig sein.
 Nicht, daß wir uns nun schrankenlos ausleben können; wohl aber werden wir
 aus Dankbarkeit für empfangene Liebe und Vergebung in Verantwortung vor
 Gott leben. Da müssen wir nicht eine ernste Miene aufsetzen oder uns durch
 fasten Zwang antun: Vielmehr dürfen wir guten Mutes unser Leben anpacken
 und bewältigen. Mit Paulus können wir bekennen: "Ist jemand in Christus, so
 ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist
 geworden.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS!
 DURCH DICH WISSEN WIR UNS VON GOTT DEM VATER GEHALTEN UND IN SEINER LIEBE
 GEBORGEN. LAß UNS DAS GRUND ZUR FREUDE SEIN, DIE WIR ANDEREN MENSCHEN
 WEITERGEBEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 6a" "Lukas 1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 6,1-11@{ui}
@{b}                     Die Liebe geht allem vor@{ub}
 Den Juden war durch das Sabbatgebot jegliche Arbeit an Feiertagen verboten.
 Unter das Verbot fiel auch das Ährenraufen. Es galt als Erntearbeit.
 Kranken durfte nur bei Lebensgefahr geholfen werden. Das war ein hartes
 Gesetz. Es mußte genau eingehalten werden. Die Oberen achteten darauf. Oft
 kam dabei das Wohl des Menschen zu kurz.
 Jesus hebt diese Sabbatordnung nicht auf. Wer sie leichtfertig außer Kraft
 setzt, wird schuldig. Jesus macht sich nicht zum Sklaven dieser Ordnung.
 Wissend übertritt er sie aus Barmherzigkeit. Er stellt sich schützend vor
 seine Jünger und heilt am Sabbat einen Kranken.
 Wer so handelt, ist Gott recht, denn der Sabbat ist für den Menschen da. Er
 ist eine wohltuende Ordnung. Das Sabbatgebot gilt so für uns nicht mehr.
 Dennoch heißt es: "Du sollst den Feiertag heiligen!"
 Das ist als gute Ordnung gedacht. Wer sie zum Gesetz erhebt, verfehlt ihren
 Sinn. Der Sonntag will uns helfen, auf Gottes Wort zu hören, um so in
 seiner Liebe zu bleiben. Das Hören des Wortes darf aber nicht auf den
 Feiertag beschränkt bleiben. Es soll unser Alltagsleben bestimmen. Nur so
 wird unser handeln durch Liebe geprägt sein. Dabei steht immer der Mensch
 im Mittelpunkt. Immer ist es der, der mir gerade unmittelbar
 gegenübersteht. Viele warten auf unsere Zuwendung. Oberstes Ziel bleibt,
 ihnen zu helfen, Leben zu schützen und zu erhalten, die uns anvertraute
 Erde zu bauen und zu bewahren. Wehe uns, wenn wir Leben verderben. Um für
 andere dazusein, müssen wir uns im rechten Hören auf sein Wort von seiner
 Liebe leiten lassen.@{b}

 HERR, WIR HABEN DEINE LIEBE ERFAHREN. LAß UNS DIESE LIEBE AN DIE
 WEITERGEBEN, DIE AUF UNSERE ZUWENDUNG WARTEN. HILF UNS, LEBEN ZU SCHÜTZEN
 UND ZU ERHALTEN UND DIE UNS ANVERTRAUTE ERDE ZU BEBAUEN UND ZU BEWAHREN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 6b" "Lukas 6,12-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 6,12-19@{ui}
@{b}                      Apostelberufung@{ub}
 Jesus geht auf einen Berg. Dort durchwacht er betend die ganze Nacht. er
 holt sich Weisung von Gott. Am Morgen sammelt er seine "Jünger" um sich.
 Das sind die, die bei ihm sind, sein Wort hören, seine Hilfe erfahren und
 ihm vertrauen. Aus ihnen wählt er zwölf aus. Die Wahl geschieht von Gott
 durch Jesus. Er nennt sie "Apostel". Als seine Gesandten sollen sie ihn
 vertreten. Sie stehen an seiner Stelle vor den Menschen. Sie sind seine
 Stellvertreter. Wer sie hören will, wird den hören, der sie gesandt hat.
 Als seine Apostel müssen sie von ihm lernen. Er sendet sie aus und sagt
 ihnen seinen Beistand zu. Er wird sie bei ihren Zeugendienst nicht allein
 lassen.
 So gehen die Apostel über die Landstraßen der Erde. Überall verkündigen
 sie, was ihnen aufgetragen ist. Sie werden zu Zeugen seiner Auferstehung.
 Ihren Hörern rufen sie zu: "Jesus ist auferstanden! Er lebt. Er ist euer
 Herr." Immer wieder hat sich Jesus im Laufe der Geschichte der Kirche
 Menschen erwählt. Er hat sie berufen, die frohe Botschaft von der Hilfe
 Gottes durch Jesus weiterzusagen. das haben sie getan. Das zu tun, will
 Jesus uns aussenden. Wir sollen seine Stimme sein und in die Welt
 hineinrufen: "Jesus lebt! Jesus ist euer Retter. Er ist alle Tage bei euch,
 als der Herr der Gemeinde."
 Einst kamen viele Menschen zu Jesus, ihn zu hören und seine Heilkraft zu
 erfahren. Heute warten viele Menschen auf ein Wort, das ihrem Leben
 Richtung und Ziel gibt. Enttäuschen wir sie nicht.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, DU HAST UNS ZU ZEUGEN DEINER HERRLICHKEIT BERUFEN. LAß
 UNS BEI UNSEREM ZEUGENDIENST NICHT ALLEIN UND STÄRKE UNSEREN GLAUBEN, DAMIT
 WIR IM VERTRAUEN AUF DICH DEINEN NAMEN OHNE MENSCHENFURCHT PREDIGEN. AMEN.
@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 6c" "Lukas 6,20-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 6,20-26@{ui}
@{b}                  Jesu Wort an seine Gemeinde@{ub}
 Jesus steht vor seiner Jüngergemeinde. Es sind arme Leute. Als sie ihm
 folgten, haben sie alles aufgegeben und Hunger und Entbehrung auf sich
 genommen; aber sie stehen nicht allein. Jesus ist bei ihnen. Er ist ihr
 Helfer und Retter. Sie dürfen mit ihm in Gemeinschaft leben. Zu den Armen
 gehören die "Stillen im Lande". Sie haben nichts vorzuweisen, aber sie
 erwarten vertrauensvoll alles von Gott. Zu ihnen gehören, die um ihres
 Glaubens willen belächelt, verachtet und als Außenseiter angesehen werden,
 auch die Hungernden, Weinenden und Diskriminierten, die sich auf ihn
 verlassen. Sie alle sind bei Gott geachtet. Ihnen wird die gute Botschaft
 gesagt: "Selig seid ihr Armen!" Die Reichen und Selbstherrlichen trifft das
 "Wehe euch." Dieser Ruf will zur Umkehr bewegen. Jesus verwirft nicht
 Reich  und Sattsein an sich. Er meint den Wohlstand, der nichts abgeben
 will. Wer sich an seinem Reichtum und seinem leiblichen Wohl genügen läßt,
 ohne an die Armen zu denken, wird zur Besinnung gerufen. Wer in der
 Gemeinde sein eigenes Ansehen, seinen Vorteil und seine materielle
 Sicherung sucht, wer die Schätze der Erde ausbeutet und die Natur schändet
 und dabei die Armen von den Gütern des Lebens ausschließt, entehrt Gott.
 Wir, als die Glieder der Gemeinde, sind besonders angesprochen. Es kann
 keine echte Gemeinschaft mit Jesus ohne rückhaltloses Vertrauen zu ihm
 geben. Die Jünger hatten sich ganz in Jesu Hände gegeben. Tun wir es ihnen
 nach! Dann wird auch für uns gelten: "Selig seid ihr!"@{b}

 VATER IM HIMMEL, DU GIBST UNS, WAS WIR ZUM LEBEN BRAUCHEN. HILF UNS, DAß
 WIR UNS NICHT AN UNSEREM LEIBLICHEN WOHL GENÜGEN LASSEN, SONDERN AN DIE
 ARMEN UND HUNGERNDEN IN ALLER WELT DENKEN, IHNEN ZU HELFEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 6d" "Lukas 6,27-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 6,27-36@{ui}
@{b}                      Völlige Liebe@{ub}
 Das ist ein harter Brocken, der uns da zugemutet wird. Jesu Forderungen
 erscheinen uns unrealistisch. Bleiben wir nicht immer wieder bei dem alten
 Schema: "Auge um Auge, Zahn um Zahn"? Wir pochen auf unser Recht, uns zu
 wehren. Damit sind wir mitten in dem Teufelskreis von Schlag gegen Schlag,
 Haß gegen Haß, Fluch gegen Fluch, Gewalt gegen Gewalt. Wie ist diesem
 Teufelskreis zu entrinnen? Jesus weist uns den Weg. Er ruft zur
 grenzenlosen Liebe auf. Sind wir dazu bereit? Natürlich lieben wir auch.
 Wir wenden uns denen zu, die uns nahestehen: der Familie, den Verwandten,
 den Freunden, den Gleichgesinnten. Wir suchen sie uns aus. Das hat
 Vorteile. Wir können Gegenliebe erwarten. So fühlen wir uns wohl. Solche
 Liebe meint Jesus nicht. Christen sollen Gottes Handeln an uns abbilden.
 Seine Liebe ist grenzenlos. Sie ist vorbehaltlos für uns da, für Gute und
 Böse, Gerechte und Ungerechte. Allen läßt sie die Sonne scheinen.
 Grenzenlose Liebe zu üben, hat nichts mit Schwächlichkeit zu tun. Sie macht
 uns vielmehr zu freien Herren aller Dinge. Wir können selbstlos und
 geduldig verzichten, unseren Vorteil auf Kosten anderer zu suchen. Solche
 tragende Geduld und hingebende Liebe lassen uns für andere dasein. Darin
 liegt die Stärke der Liebe. Allerdings, nur unerhörtes Vertrauen zu Gott
 ermöglicht sie. Als Lohn winken nicht materielle Güter. Auf uns wartet die
 Gemeinschaft mit Gott, in der wir als seine Söhne und Töchter leben dürfen.
 Nur völlige Liebe führt zu ihm. Durch sie werden wir in seiner rettenden
 Gemeinschaft erhalten.@{b}

 VATER IM HIMMEL, DANK SEI DIR FÜR DEINE GROßE LIEBE, DIE DU UNS IN JESUS
 CHRISTUS GEZEIGT HAST. WIR BITTEN DICH, LAß UNS IN TRAGENDER GEDULD UND
 HINGEBENDER LIEBE FÜR ANDERE DASEIN UND SO DEINER LIEBE WÜRDIG WERDEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 6e" "Lukas 6,37-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 6,37-42@{ui}
@{b}               Nach dem Maß der Barmherzigkeit@{ub}
 Keiner lebt für sich allein. Immer begegnen wir anderen Menschen. Wir sind
 auf ein Leben in der Gemeinschaft angewiesen. Von unserem Verhalten
 zueinander hängt viel für uns ab. Verfehlungen und Schuld trennen, was
 zusammengehört. das läßt sich nicht einfach abtun. Jede Schuld muß als
 Schuld beim Namen genannt werden. Das ist ganz in Ordnung. Schlimm wird es
 erst, wenn wir verurteilen und verdammen und den anderen mit seiner Schuld
 allein lassen. Wieviel hartherziges Richten gibt es doch auch in der
 christlichen Gemeinde. Mit welchem Maß messen wir eigentlich? Ist es unser
 eigenes Maß? Das könnte auf uns zurückschlagen. Wir übersehen dabei, daß
 Gott allein das letzte Urteil spricht. Jesus sagt: "Richtet nicht! Verdammt
 nicht! Vergebt! Gebt!" Das Maß der Barmherzigkeit Gottes soll gelten. Er
 ist im Übermaß barmherzig. Wie können wir da hartherzig urteilen? Wir leben
 doch von seiner Vergebung! Versäumen wir nicht, die Barmherzigkeit Gottes
 weiterzugeben. Das schließt den Willen ein, den Schuldigen zu tragen und
 ihm geduldig nachzugehen. Er bedarf der helfenden und heilenden
 Hilfsbereitschaft. Nur so gibt es einen Neuanfang. Das gilt für alle
 Bereiche des Lebens: im Verhältnis zwischen Alten und Jungen, zwischen
 Eheleuten, zwischen Gliedern der Gemeinde. Nicht zu richten und zu
 verdammen, sondern zu vergeben und hinzugeben, das macht frei zu
 schenkender Liebe. Wer so gibt, ohne auf Gegenleistung zu rechnen, empfängt
 von Gott die Fülle seiner Gaben und findet Freude an neuer Gemeinsamkeit
 mit Gott und mit anderen.@{b}

 HERR, WIR LEBEN VON DEINER VERGEBUNG. LAß UNS DAS ERKENNEN, DAMIT WIR
 ANDERE NICHT HARTHERZIG VERURTEILEN, SONDERN UNS IHRER ANNEHMEN UND IHNEN
 ZU EINEM NEUEN ANFANG VERHELFEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 6f" "Lukas 43-49"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 6,43-49@{ui}
@{b}                 Wort und Tat gehen zusammen@{ub}
 Zum Schluß seiner "Feldrede" spricht Jesus in Gleichnissen. Es er sagt, ist
 klar und einleuchtend. Er redet uns als Glieder seiner Gemeinde an. Wir
 sind getauft und im Glauben erzogen. Wir lesen die Bibel und beten. Wir
 sind der Gemeinde treu geblieben. Mancher arbeitet an ihr mit. Auch gehen
 wir regelmäßig zum Gottesdienst. Vielleicht versuchen wir auch, durch
 unsere Lebensweise zu zeigen, daß wir Christen sind. Das alles tun wir,
 weil wir Hörer des Wortes sind; denn der Glaube kommt aus dem Wort. Doch es
 gibt Scheinglauben. Dieser spricht: "Herr, Herr!" und preist den Namen
 Jesu; aber dabei bleibt es. Es kommt nicht zur Tat. Jesus nennt das: Glaube
 ohne Früchte. So geht durch die Gemeinde eine Scheidung. Da sind die, die
 nur hören, und da sind die Täter des Wortes. Rechter Glaube drängt aus
 einem guten Herzen heraus zur gehorsamen Tat im Leben. Er will sich im
 Alltag bewähren, wo wir zu Hause sind, wo wir unsere Entscheidungen
 treffen, wo wir Angst haben zu bekennen, wo wir Menschen begegnen, die uns
 das leben schwer machen. Rechter Glaube wirkt ein Herz voller Liebe, das
 sich helfend der Not anderer zuwendet, einen Mund, der versöhnende,
 tröstende Worte spricht, Füße, die zu Einsamen und Kranken gehen, und
 Hände, die zupacken, wo Not am Mann ist.
 Wo solche Früchte des Glaubens reifen, da steht ein Menschenleben auf einen
 festen Grund. Es ist, wie Jesus sagt, "wohl gebaut". Wir brauchen in
 unserer Zeit viele Menschen, die um Jesu Christi willen ihre Zeit und ihre
 Kraft in den Dienst anderer Menschen stellen.@{b}

 VATER IM HIMMEL, DU TUST UNS DEIN WORT KUND; LAß ES IN UNSERE HERZEN
 DRINGEN UND UNS ZU RECHTEM GLAUBEN FÜHREN, DER IN DER LIEBE TÄTIG WIRD UND
 SICH IN UNSEREM ZUSAMMENLEBEN MIT JEDERMANN WIRKSAM ERWEIST. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 7a" "Lukas 7,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 7,1-10@{ui}
@{b}                       Verwunderlich@{ub}
 Die jüdischen Freunde sagen von dem Hauptmann: "Er ist es wert", er selbst
 sagt: "Ich bin nicht wert...". Unter uns ist es oft umgekehrt: Manch einer
 hält von sich selbst mehr, als andere von ihm halten. Jesu Eingreifen ist
 offenbar unabhängig davon, wie andere einen beurteilen, oder wie man sich
 selbst beurteilt. Er ist zwar bereit, mit denen, die sich bei ihm für den
 Hauptmann verwenden, mitzugehen, bleibt aber zunächst in der ganzen
 Begebenheit passiv. dagegen wird von seiner Verwunderung berichtet, und das
 ist wohl die Hauptsache in der Erzählung. Jesus wundert sich über den
 Glauben dieses Offiziers. In der tat, daß ein "Ungläubiger" sich so offen
 und so erwartungsvoll an einen jüdischen Rabbi wendet, läßt erstaunen. Ganz
 von ungefähr kam das allerdings nicht: Der Mann schätzte das Volk Israel,
 er war sogar Erbauer der Synagoge in Kapernaum, vermutlich
 Genehmigungsinstanz und Geldgeber zugleich. Kein Wunder, daß Vorsteher der
 jüdischen Gemeinde ihm besondere Achtung entgegenbrachten. Der eigentliche
 Grund aber für Jesu Verwunderung war offensichtlich die Tatsache, daß ein
 an Befehle gewohnter Mann, der auf Grund seines Ranges erreichen konnte,
 was er nur wollte, hinsichtlich der eigentlichen Probleme des Lebens seine
 Ohnmacht erkannte und sich auf demütiges Bitten verlegte. Wo gab es so
 etwas in Israel? Wo gibt es das unter uns Christen? Je höher einer steht,
 um so schwerer wird es ihm, herunter zu steigen. Aber der Herr "erhebt die
 Niedrigen" (Lk.1,52), unabhängig davon, ob sie zur Gemeinde gehören oder
 Außenstehende sind.@{b}

 HILF, HERR, DAß WIR VON DIR ALLES ERWARTEN, WAS ZUR GESUNDHEIT UND ZUM HEIL
 ERFORDERLICH IST. UND HILF AUCH, DAß WIR SELBST DAS TUN, WAS WIR ZU TUN
 VERMÖGEN UND WOZU WIR GEFORDERT SIND. AMEN.@{ub}



@{i}                       Lukas 7,1-10@{ui}

@{b} Sprich nur ein Wort, dann muß mein Diener gesund werden.@{ub}
 Lukas 7,7 (EÜ)

 Oh, Ewigkeit, du Donnergott!
 Und das Wort war bei Gott
 und Gott war das Wort,
 und das Wort war das Fleisch
 und wohnte unter uns.
 "sprich nur ein Wort,
 dann wird meine Seele gesund!"
 Dieser befehlsgewaltige Hauptmann von Kapernaum verstand etwas von der
 Gewalt der Worte. Seit eh und je wurde dieses Wissen für die Kriegsführung
 benutzt - mißbraucht!
 Der Hauptmann hatte in seinem Beruf erfahren, daß ein Wort über Leben und
 Tod entscheiden kann. Aber obwohl er sich dieses Metier des Tötens
 ausgesucht hat, begreift er etwas vom Glauben der Juden. Das Wort, "du
 sollst nicht töten", läßt ihn sich schuldig fühlen. Er baut sogar eine
 Synagoge. Er, der diesem Volk mit seinem Glauben nicht angehört, spürt,
 daß von Jesus Frieden und Liebe und damit etwas Heilbringendes ausgeht. Er
 fragt nicht, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten, die es ja eigentlich
 besser wissen müßten, nach der Vollmacht, sondern er erlebt sie als
 unmittelbare Wirklichkeit. Sogar Jesus ist von solchen Glauben tief
 betroffen. Erinnern wir uns, daß er einmal zu einer Samariterin sagt, es
 sei nicht recht, "seinen eigenen Kindern" etwas vorzuhalten, und erst auf
 ihr inständiges Bitte hilft er.
 Entscheidend ist er Glaube des Menschen. Entscheidend vor allem ist, daß
 hier aus dem jüdischen Volk der Sohn des allmächtigen Vaters, des Herrn
 aller Herren, "dem Weltengott" hervorgeht. Es handelt sich nicht um einen
 Lokalgötzen, um den mit den umliegenden Ländern gefeilscht werden könnte,
 welches Volk nun den größten und einflußreichsten aufzuweisen hat. Es geht
 nicht um veränderbare Grenzen und Dogmen, sondern um die Welt. Also hat
 Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab. Kein Name
 könnte den fassen, der sich Mose als das ewige Sein zu erkennen gab.@{b}

 Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich
 zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden@{ub} (EKG 132,1).
                                                 Lissy Kühl-Jeschke


@ENDNODE

@NODE "Lukas 7b" "Lukas 7,11-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 7,11-16@{ui}
@{b}                        "Weine nicht!"@{ub}
 Wir kennen diesen Weg zum Grab, wie ihn in Nain die Mutter hinter dem Sarg
 ihres Sohnes hergehen mußte. Eine große Menge aus der Stadt begleitete sie,
 denn es handelte sich um einen besonders tragischen Fall. Der Verstorbene
 war noch jung, er war der einzige Sohn Sohn seiner Mutter und, da sie
 verwitwet war, der einzige, der für sie bis in das Alter hinein hätte
 sorgen können. Wir kennen die Hilflosigkeit, die uns alle erfaßt, wenn wir
 von solch einem Todesfall hören, der uns Betroffen macht. Ein Zug der
 Traurigen, dem Tode Unterlegenen bewegt sich dem Friedhof zu. Der Weg zum
 Grab ist eine Einbahnstraße. Doch was nun geschieht, geschieht im Gegenzug,
 wider alles Erwarten. Es geschieht nicht aus Liebe zu dem Verstorbenen. Ob
 für ihn weiterzuleben tatsächlich glücklicher war, ist nicht gesagt. Was
 Jesus tat, tat er im Erbarmen mit der Mutter in ihrer verzweifelten Lage,
 im Protest gegen den sich so allmächtig gebenden Tod und im entschlossenen
 Kampf gegen diese allgemeine Resignation, in der wir unsere Hoffnung auf
 Gott von den sogenannten harten Realitäten begrenzen lassen. Daß Gott
 barmherzige und darin übermächtige Wirklichkeit ist, das leuchtete am
 Stadttor von Nain auf, wo unter dem Anfruf des Stärkeren der Tod den Toten
 zurückgeben mußte, wo die Mutter ihren Sohn noch einmal als Gabe Gottes
 empfangen durfte und die todesfürchtige Traurigkeit sich verwandelte in
 eine gottesfürchtige Freude, wo das Trauerlied abgebrochen und das Loblied
 Gottes angestimmt werden konnte.
 Natürlich müssen wir alle sterben. Natürlich wird keiner von uns noch am
 Beerdigungstag auf die Wiederbelebung eines Verstorbenen rechnen. Aber seit
 Jesus Christus wie der Jüngling zu Nain gestorben ist und begraben wurde,
 wie wir alle einmal begraben sein werden, ist das Sterben und
 Begrabenwerden etwas anderes geworden, weil Christus aus Tod und Grab
 auferweckt worden ist.
 Wir werden im Zug zum Grabe hin nicht mehr traurig sein wie die, die keine
 Hoffnung haben, für die das "Natürliche" das Endgültige ist. Das Herrenwort
 "Weine nicht!" gilt allen Traurigen. Man soll es weitersagen. Es steht die
 starke barmherzige Wirklichkeit Gottes dahinter, seine ganze Ewigkeit.@{b}

 HERR, WIR GEHEN DEINEM TAG ENTGEGEN, AN DEM DU ALLE TRÄNEN ABWISCHEN WIRST
 UND KEIN LEID MEHR SEIN WIRD. WIR DANKEN DIR FÜR ERFAHRENEN TROST UND
 BITTEN DICH FÜR ALLE TRAURIGEN UM STÄRKENDE ZUVERSICHT UND FRÖHLICHE
 HOFFNUNG. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 7c" "Lukas 7,11-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 7,11-17@{ui}
@{b}                      Weine nicht!@{ub}
 Gott hat Macht über den Tod, das war Israels Bekenntnis. Diese Gewißheit
 sprachen jüdischen Fromme in den Psalmen aus, erzählten jüdische
 Geschichtsschreiber etwa in den Berichten von Elia (1.Kön.17,1ff.) und
 Elisa (2.Kön.4,18ff.), bezeugten die Propheten und vor allem die jüdischen
 Apokalyptiker. In diesen Zusammenhang reihen sich die Auferweckungswunder
 Jesu ein. Auch die Erzählung vom Jüngling zu Nain steht in der Kette der
 Gottes Lebensmacht preisenden prophetischen Verkündigung: "Ein großer
 Prophet ist unter uns aufgestanden" und: "Gott hat sein Volk besucht." Um
 dieses  Zeugnis des Lukas geht es: In Jesus "besucht uns das aufgehende
 Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die da sitzen in Finsternis
 und Schatten des Todes".
 Die Begegnung mit ihm birgt für alle Trauernden, Leidenden, Sterbenden die
 Aufforderung in sich: "weine nicht!" - jedenfalls nicht Tränen der
 Hoffnungslosigkeit, der Gottverlassenheit, der Verzweiflung. Auch dann
 nicht, wenn wir am Totenbett eines geliebten Menschen stehen, der nicht
 wieder aufsteht. Denn "alle Tränen", Tränen der Trauer und der
 Erschütterung angesichts des Verlassenseins von einem Wegbegleiter, Tränen,
 deren sich keine zu schämen braucht, "wird Gott abwischen..., denn der Tod
 wird nicht mehr sein".
 Wie gut wäre es, wenn einer, der bei einer so tragischen Beerdigung wie der
 hier geschilderten oder auch sonst zur Schar der Trauernden gehört,
 Menschen trifft, die auch in dieser Situation Jesus vertrauen. Denn da
 begegnet dem Tod das Leben!@{b}

 HERR, UNSER GOTT, WELCH UNHEIMLICHE MACHT IST DER TOD! WIE SEHR TRIFFT,
 ERSCHÜTTERT, SCHLÄGT ER UNS! HILF UNS, DER ZUSAGE DEINES PROPHETEN ZU
 VERTRAUEN: "GOTT WIRD DEN TOD VERSCHLINGEN AUF EWIG UND WIRD DIE TRÄNEN VON
 ALLEN ANGESICHTEN ABWISCHEN". AMEN.@{ub} (Jes.25,8).

@ENDNODE

@NODE "Lukas 7d" "Lukas 7,18-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 7,18-23@{ui}
@{b}                       Evangelium für Arme@{ub}
 Diese unsere Welt, die Welt der Blinden und Lahmen, der Aussätzigen und
 Stummen, der vom Tod Bedrohten und Überwältigten und nicht zuletzt die Welt
 der Armen, das ist der Lebens-, Dienst- und Zeugnisbereich Jesu.
 Physisches, psychisches und soziales Elend ist der Feind, dem Jesus mit
 allen Energien zu Leibe rückt. Die verhängnisvolle Verlagerung der
 Evangeliumstendenzen in ein vermeintlich besseres Jenseits und ihr
 verharmlosender Bezug allein auf den inneren Menschen ist in unserer Zeit
 durch die biblische Wiederentdeckung, daß Armut nicht gottgewollt ist,
 entkräftet worden. Um die Befreiung der Armen aus ihrem unverschuldeten und
 unerträglichen Zustand geht es der vielgenannten "Theologie der Befreiung".
 "Armen wird das Evangelium gepredigt" heißt ganz bestimmt nicht, ihnen wird
 gepredigt, sie sollten sich in Geduld und Demut mit ihrer Lage abfinden. Es
 heißt, daß Jesu Botschaft und Einsatz und in seiner Nachfolge das
 Engagement der Christen auf das zielt, was Lukas programmatisch im
 Lobgesang der Maria verkündigt: "Die Hungrigen füllt der Herr mit Gütern
 und läßt die Reichen leer ausgehen" (Luk.1,53).
 Daß dies sich verwirkliche, dafür sind Christen mit verantwortlich.
 Johannes und seine Anhänger ärgerten sich darüber, daß dieser von Jesus
 erwartete Umbruch nicht sofort und umgreifend sichtbar wurde.
 Aber Jesus sagt auch uns heute: "Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert."
 Worauf es ankommt, ist, an ihm zu bleiben und mit ihm zäh, unverdrossen und
 hoffnungsvoll "Armen des Evangelium" zu bringen.@{b}

 LIEBER HERR! IN WELCH EINER UNGERECHTEN WELT LEBEN WIR! DU BIST GEKOMMEN,
 DAS ZU ÄNDERN. LAß UNS IN WORT UND EINSATZ TEILHABER DIESER DEINER
 FROHBOTSCHAFT FÜR ALLE LEIDENDEN UND UNTERDRÜCKTEN UNSERER ERDE WERDEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 7e" "Lukas 7,24-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 7,24-35@{ui}
@{b}                 Die Bedeutung Johannes des Täufers@{ub}
 Jesus benutzt die Anfrage des Täufers zu einer ausführlichen Belehrung des
 Volkes über dessen Persönlichkeit. Damals, als Johannes taufte, sagt er,
 seid ihr alle an den Jordan gelaufen, um dabeizusein. Ihr sagtet: "Das ist
 ein neuer Prophet!" Und Johannes der Täufer war das und noch mehr! Er war
 der Engel (Bote) Gottes, der sein kommendes Reich ankündigte. Und nun fügt
 Jesus etwas Merkwürdiges hinzu. Und doch ist der Kleinste im Reich Gottes
 größer als er.
 Was heißt das?
 Sicher doch, daß die Würde, die Gott uns im Reiche seines Sohns verleiht,
 größer ist als alles, was eigene Leistungen uns erwerben können. Der Täufer
 war doch ganz im Denken des Gesetzes befangen: Der Mensch muß etwas
 leisten, sonst ist er Gott nicht recht. Mit Jesus, der zu den Sündern geht,
 fängt etwas Neues an, nämlich Vergebung und Gnade.
 Also: Das freie Geschenk Gottes ist die Grundlage des Lebens im
 Gottesreiche. Aber, sagt Jesus, die Menschen, die einst der Täufer und die
 er jetzt selber anredete, haben weder ihn noch jenen verstanden. Sie sind
 wie spielende Kinder, die bald hierhin und bald dahin laufen und nichts
 wirklich mitmachen. Gerade die geistlichen Führer des Volkes,
 Schriftgelehrte und Pharisäer, haben sich nicht zur Buße führen und taufen
 lassen. Sie lassen sich nicht von Gottes Ruf erneuern. Was ihnen Johannes
 der Täufer sagte und was Jesus ihnen bringt, paßt nicht in ihre
 Vorstellungen und Gedanken zur Königsherrschaft Gottes. Damit haben sie
 sich selbst aus dem Gottesreiche ausgeschlossen. Andere aber werden kommen,
 an die sie nie gedacht hatten, und "Kinder" dieses Reiches werden.@{b}

 HERR, BEWAHRE UNS DAVOR, SCHWANKENDE ROHRE IM WIND ZU SEIN, HEUTE JA UND
 MORGEN NEIN ZU SAGEN. MACH UNS FEST UND AUFMERKSAM AUF DEINE WAHRHEIT UND
 KLARHEIT. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 7f" "Lukas 7,36-50"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 7,36-50@{ui}
@{b}                    Störung eines Gastmahls@{ub}
 Es dürfte der Mut der Verzweiflung sein, mit dem diese Frau es wagt, in das
 Haus des Pharisäers einzudringen. Alle Anstandsregeln durchbrechend, geht
 sie nur hin zu Jesus. Wenn einer helfen kann, dann ist er es. Sie tut
 wortlos an Jesus, was sie meint, tun zu müssen. Und Jesus läßt sie
 gewähren. Weiß er nicht, wer sich da an ihm zu schaffen macht, diese Frau,
 die doch nur Verachtung verdient? In den Augen des Gastgebers Simon, der es
 mit seinem Glauben an Gott gewiß ernst meint, ist Jesus erledigt. Waren
 dessen Worte vielleicht noch des Nachdenkens wert, daß er diese Frau
 erträgt, disqualifiziert ihn endgültig als Rabbi. Jesus hat sich in eine
 Ebene ziehen lassen, in die er nach der Meinung der sehr Frommen
 hineingehört. Eine provokative Begebenheit ist diese Begegnung Jesu mit
 einer solchen Frau.
 Sprengstoff enthält diese Geschichte bis heute. Gerade die, die mit Ernst
 Christen sein wollen, haben bestimmte Vorstellungen.
 Geben wir uns auch noch so offen, es bleibt eine gewisse Sperre. Für Jesus
 gilt das nicht. Er durchschaut den Menschen, weist die Umkehr nicht zurück.
 "Dir sind deine Sünden vergeben" heißt das erlösende Wort. Die Frau hat
 alles empfangen. Ihr absonderliches Verhalten war Ausdruck ihres Glaubens
 an Jesus. Sie wußte sich nicht anders als in dieser Form der liebe
 mitzuteilen. Jesus hat sie verstanden und angenommen. Simon hat ein
 gepflegtes Gespräch mit Jesus gesucht und geht leer aus. Passen wir auf,
 daß es uns unterderhand nicht ähnlich ergeht wie Simon. Mehr noch, machen
 wir uns nicht schuldig an denen, die Jesus nicht zurückweist, die
 vielleicht mit dem Mut der Verzweiflung zu uns kommen.. Sie mögen anders
 sein, als wir sie uns wünschen. Ihr bisheriger Lebensstil, ihr Aussehen,
 ihr Benehmen mögen uns befremden. Entscheidend ist die Ernsthaftigkeit
 ihrer Umkehr. Für sie ist Jesus offen. Ihnen gilt das im Namen Jesu
 gesprochene Wort: "Dir sind deine Sünden vergeben."
 Es bleibt die Frage: Stehen wir auf der Seite des Pharisäers, der von Jesus
 durchschaut wird? Oder sind wir im Bewußtsein unserer eigenen Schuld
 überwältigt von der vergebenden Güte Gottes, die uns in Christus begegnet?
 Dann werden wir niemandem im Wege stehen, der auf Jesus zueilt. Ja, wir
 werden ihn annehmen und uns mit ihm freuen.@{b}

 HERR, UNSER GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß DU IN JESUS CHRISTUS OFFEN BIST FÜR
 ALLE, DIE DA UMKEHREN UND VERGEBUNG SUCHEN. GIB, DAß WIR NIEMANDEN IM WEGE
 STEHEN, DER ZU DIR WILL. LAß UNS SO ZU IHM SEIN, WIE DU ZU IHM BIST.
 AMEN.@{ub}


@{i}                        Lukas 7,36-50@{ui}
@{b}                       Der Maßstab Jesu@{ub}
 Wir übersehen leicht das Anstößige des geschilderten Vorgangs. Wir lesen ja
 alles im nachhinein. Wir kennen ja Jesu Reaktion. Was uns da einleuchtet,
 unterscheidet sich oft sehr von unserem Alltag. Wir trennen zu leicht die
 evangelische Geschichte von der gemeindlichen Wirklichkeit. Das
 Sonderrecht, das wir Jesus hinsichtlich seines Verhaltens einräumen, spornt
 uns leider sehr wenig zu eigenem Verhalten an. Was die Praxis gegenüber
 offenbaren Sündern betrifft, so ist die Geschichte der Kirche weithin ein
 Trauerspiel. Noch heute sind es oft ausgerechnet die Frömmsten, die sich
 von gesellschaftlich Deklassierten, vor allem von denen, die anders sind
 mit Abscheu abwenden.
 Jesus mißt den anderen offensichtlich nicht an dem, was er ist oder war,
 was er weiß oder nicht weiß, was er gelernt hat oder nicht gelernt hat, was
 er glaubt oder nicht glaubt, ob er sich benimmt oder daneben benimmt. Er
 mißt ihn an der Liebe die ihn motiviert und bestimmt. Liebe aber ist keine
 Veranlagung, die der eine mehr, der andere weniger hätte. Unsere Liebe ist
 eigentlich Echo auf empfangene Liebe. Dieses Echo auszulösen, hat Gott
 seine unbegreifliche Liebe in Jesus Gestalt werden lassen. Sie gilt dem
 Frommen - von damals und heute -, dessen Einladung Jesus sich nicht
 versagt. Sie gilt jedem von uns, dem 50-Silbergroschen- und dem
 500-Silbergroschen-Schuldner, Sie besteht in jedem Fall in schenkender
 Vergebung, in vergebender Liebe. Ob und wie wir sie beantworten, danach
 sind wir gefragt.@{b}

 LIEBER HERR! DEINE LIEBE HÖRT NIEMALS AUF. HILF MIR, DAß MEINE WORTE, MEINE
 ERKENNTNIS, MEIN GLAUBE, MEIN EINSATZ FÜR ARME UND AUCH MEINE
 OPFERBEREITSCHAFT GETRAGEN UND GETRÄNKT WERDEN VON DEINER LIEBE. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 8a" "Lukas 8,1-3"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 8,1-3@{ui}
@{b}                     Dank führt zum Dienst@{ub}
 Die wenigen Sätze scheinen nicht viel auszusagen. Von Jesus heißt es ganz
 allgemein, daß er durch Städte und Dörfer zog und die gute Nachricht von
 der Königsherrschaft Gottes ausbreitete. Er wird von den zwölf Jüngern und
 von einigen Frauen begleitet.
 Aber dann kommt doch etwas Besonderes: Von drei Frauen werden die Namen
 genannt. (Die Gemeinde um Jesus ist keine anonyme Menge.) Es sind Menschen
 mit ihrem persönlichen Schicksal. Die Evangelisten nennen Namen mit einer
 bestimmten Absicht. Meist sind es Leute, die den damaligen Lesern und
 Hörern des Evangeliums noch bekannt sind.
 Lukas fordert seine Zeitgenossen gleichsam auf: Geht hin und fragt sie
 selbst oder verwandte oder Freunde und Nachbarn. Fragt im Dorf Magdala am
 See Genezareth nach Maria. Erkundigt euch bei den Leuten des Chuza nach
 Johanna. Prüft nach daß es sich wirklich so verhält, wie ich es berichte.
 So sind die Frauen indirekt Zeugen des Evangeliums. Sie werden es später
 auch sehr direkt: Maria und Johanna gehen mit anderen Frauen zum Grab des
 Gekreuzigten. Sie wollen dem Toten die letzte Ehre erweisen. Doch statt
 dessen empfangen sie die Ehre, daß sie als erste die Auferstehung des Herrn
 Christus bezeugen können.
 Übrigens ist nicht ganz sicher, ob Maria Magdalena die große Sünderin ist,
 von der im vorangehenden Abschnitt erzählt wir. Das aber ist gewiß: Sie
 wurde gleich Johanna und Susanna von schwerer Krankheit geheilt.
 Die Frauen sind für die Begegnung mit Jesus und für seine Hilfe so dankbar,
 daß sie ihm nun mit ihren Möglichkeiten, auch mit ihrem Besitz, dienen.
 Dank führt zum Dienst.@{b}

 WIR DANKEN DIR, HERR JESUS CHRISTUS, DAß DU ALS MENSCH ZU UNS GEKOMMEN
 BIST, UNSERE NÖTE VERSTEHST UND UNS HILFST. GIB, DAß WIR DEINE HILFE NICHT
 ALLZU SELBSTVERSTÄNDLICH BEANSPRUCHEN. LAß UNS DIR MIT UNSEREN
 MÖGLICHKEITEN DIENEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 8b" "Lukas 8,4-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 8,4-15@{ui}
@{b}                  Vom rechten Hören und Tun@{ub}
 Wie sorglos geht dieser Bauer mit dem kostbaren Saatgut um! Er müßte doch
 wissen, daß die Saat auf dem Weg, auf dem Fels, zwischen den Dornen keine
 Frucht bringen kann. Der Sämann im Gleichnis handelt aber genauso wie jeder
 normale Bauer in Palästina. Denn anders als bei uns wird nicht zuerst das
 Feld vorbereitet, sondern kurz vor Beginn der Regenzeit wird zunächst gesät
 und dann gepflügt. Sonst würde die Ackerkrume vom Wind verweht werden. Beim
 Pflügen wird der Weg über den Acker, nach der Ernte aus Bequemlichkeit
 festgetreten, umgebrochen. Jetzt erst merkt der Bauer auch, wie dünn die
 Erdschicht über dem Kalkgestein ist. Und er ahnt schon, wo sich die Samen
 von Unkraut und Dornen häufen.
 Es fällt auf, daß Jesus, der Herr, diesem Gleichnis eine Deutung anfügt,
 die speziell für die Jünger gedacht ist. Jedes einzelne Bild wird als
 geistliches Geschehen ausgelegt. Dabei erfolgt eine Umdeutung. Erst heißt
 es, der Same sei das Wort Gottes. Nun wird der auf unterschiedlichen Boden
 gefallene Same mit den Hörern und ihre unterschiedlichen Reaktion auf das
 Wort Gottes verglichen.
 Eins ist deutlich: Es gibt kein garantiert wirksames Rezept für die
 Ausbreitung der guten Nachricht. Unsere Erwartungen werden häufig genug
 enttäuscht. Doch das darf nicht dazu führen, daß wir aufgeben wollen.
 Immer wieder nehmen Menschen die frohe Botschaft an, so ernsthaft, daß es
 sich auf ihr ganzes Leben und Handeln auswirkt. Der Erfolg ist nicht gleich
 sichtbar, doch wir können getrost darauf vertrauen, daß Gottes Wort wächst
 und wirkt.@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL! DURCH DEINEN SOHN JESUS CHRISTUS HAST DU UNS DIE
 FROHE BOTSCHAFT ÜBERMITTELT. LAß ES UNS DER KRAFT DEINES HEILIGEN GEISTES
 ZUTRAUEN, DAß DIESE BOTSCHAFT IMMER WIEDER ANGENOMMEN UND WEITERGEGEBEN
 WIRD. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 8c" "Lukas 8,16-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 8,16-21@{ui}
@{b}                    Glaube bewirkt Gemeinschaft@{ub}
 Für sich genommen, erscheint die Aneinanderreihung dieser Verse etwas
 unmotiviert. Ihre Beziehung  zueinander wird durch den größeren
 Zusammenhang bestimmt. Dieser Abschnitt gehört eigentlich noch zum
 Gleichnis vom Sämann und dessen Deutung hinzu. Dort wird das Wort Gottes
 mit dem Samen verglichen. Hier erfolgt der Vergleich mit dem Licht. Licht
 ist nur dann von Nutzen, wenn es die Umgebung erhellt. Es nutzt wenig, wenn
 es verdeckt wird. So ist auch die frohe Botschaft kein Besitz, der
 ängstlich versteckt und heimlich verborgen werden will. Die gute Nachricht,
 die Jesus bringt, soll verbreitet werden. Durch sie entsteht Glaube. Mit
 dem Glauben ist das eine seltsame Sache: Je mehr er bedrängt, gefordert,
 bezeugt wird, um so stärker wird er. Je mehr wir unseren Glauben
 verheimlichen, um so schwächer wird er. Und Glaube bewirkt Gemeinschaft.
 Die Verbindung durch den Glauben kann stärker werden als jede
 verwandtschaftliche Beziehung. Wir alle wissen, was uns unsere Familie
 bedeutet. Da tut es weh, wie Jesus seine Mutter und seine Brüder abweist.
 Eltern und Geschwister, die Trennungen in der Familie erleben, können das
 nachempfinden.
 Hinter dem abweisenden Wort steht jedoch auch die Einladung, in Jesus den
 zu erkennen, der in der Vollmacht Gottes redet und handelt. Später lesen
 wir, daß Maria ihren Sohn in der Stunde der Kreuzigung nicht allein läßt
 und das sein Bruder Jakobus zur ersten Christengemeinde in Jerusalem
 gehört.
 Hören wir die Einladung heraus: Wir alle haben die Chance, durch das Hören
 und Tun des Wortes Gottes Schwestern und Brüder des Herrn zu sein.@{b}

 LIEBER HERR UND HEILAND! WIR DANKEN DIR FÜR DIE GEMEINSCHAFT DURCH DEIN
 WORT. SO GEHÖREN WIR ALLE ZUR GROßEN FAMILIE DER KINDER GOTTES. MACHE UNS
 MUT, ANDEREN MENSCHEN ZU BEZEUGEN, WAS UNS DER GLAUBE AN DICH BEDEUTET.
 AMEN.@{b}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 8d" "Lukas 8,22-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 8,22-25@{ui}
@{b}                        Hilfe in der Not@{ub}
 Unter den Jüngern waren erfahrene Fischer. Sie kannten den See Genezareth
 und seine Tücken. Die Ufer sind zum Teil von Bergen begrenzt. Auch heute
 noch sind die Fallwinde gefürchtet, die plötzlich hereinbrechen und den See
 brodeln lassen. Jesus, ermüdet vom Tag, schläft bei der Fahrt über den See
 ein. Er ist kein Übermensch, ständig nur voller Aktivität. Er benötigt den
 Schlaf wie jeder andere auch und wird nicht einmal vom Sturm wach.
 Wir spüren die Angst der Jünger, als sie ihn weckten und riefen: "Meister,
 Meister, wir kommen um!" Jesus erweist sich als der Herr über die
 Naturgewalten. Er bedroht Sturm und Meer, als seien es wütende Tiere. De
 Jünger aber müssen sich den Vorwurf gefallen lassen: "Wo ist euer Glaube?"
 - Jesus ist auch der Herr der Natur. So erfährt ihn der Gläubige. Ich kann
 es verstehen, wenn Menschen an solchen Bibelabschnitten Anstoß nehmen. Der
 eigentliche Anstoß liegt aber eher in der frage nach unserem Glauben.
 Reicht es auch unter Belastungen aus? Wer um die Gemeinschaft mit Jesus
 weiß, braucht sich in keiner Lage zu fürchten. Viele von uns werden sich an
 Notsituationen in ihrem Leben erinnern. Man wurde hin und her geworfen, das
 Wasser stand einem bis zum Hals, und man konnte nur noch schreien: Herr,
 ich komme um! Und doch waren die Hilfe und der Helfer so nahe. Wir werden
 nicht vor jeder Not bewahrt. Aber wir können fest darauf vertrauen, daß uns
 Christus der Herr in der Not nicht allein läßt. darum ist kein Grund zum
 Verzagen auch nicht in aussichtsloser Lage. Unser Herr ist nahe und hilft
 uns.@{b}

 DU, JESUS CHRISTUS, BIST HERR ÜBER ALLE MÄCHTE UND GEWALTEN, DIE UNS
 BEDRÄNGEN. LAß UNS NICHT VOR ANGST UMKOMMEN. GIB UNS DAS FESTE VERTRAUEN,
 DAß WIR IN DEINER NÄHE SICHER UND GEBORGEN SIND. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 8e" "Lukas 8,26-39"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 8,26-39@{ui}
@{b}                     Hilfe bei der Krankheit@{ub}
 Dies ist eine Geschichte, die für Bibelleser eine Zumutung bedeuten kann.
 Der geringere Anstoß liegt im Heilungswunder, der größere in dessen Art und
 Weise. Es geschieht auf Kosten von 500 Schweinen und ihren Besitzern.
 Eine Hilfe zum Verständnis bringt der Blick in die Zeitgeschichte.
 Geisteskrankheit wurde so erklärt: Fremde, dämonische Geister haben von
 einem Menschen Besitz ergriffen. Wenn man ihren Namen erfährt, kann man sie
 vertreiben; dann wird der Mensch gesund.
 Ein wenig klingt dies Verständnis noch in unserer Sprache an. Wir schimpfen
 unseren ungezogenen Jungen aus: "Was ist denn in dich gefahren?" - Den
 Juden war der Genuß von Schweinefleisch aus rituellen Gründen verboten. Die
 Geschichte spielt also in heidnischem Gebiet; für Juden war der Tod der
 Tiere nicht tragisch. Das genügt als historischer Hinweis. Für uns sind 3
 Punkte wichtig: Jesus der Herr kommt als Helfer. Er überschreitet die
 Grenze zum nichtjüdischen Land und hilft dem, der ihn braucht, auch dem
 Heiden. Er setzt Zeichen für Gottes Herrschaft, die keine Grenzen kennt.
 Wenn einer unsere Hilfe benötigt, können wir sie nicht von seiner
 Konfession abhängig machen. - Trotz des Wunders stößt Jesus der Herr auf
 Ablehnung. Schlimmer als der wirtschaftliche Verlust ist die Beunruhigung.
 Jesus, der Herr, bringt nicht Harmonie, er schreckt uns auf.-
 Der Geheilte will in der Nähe Jesu bleiben. Dort fühlt er sich geborgen.
 Jesus schickt ihn fort und befiehlt ihm, in seiner Heimat die großen Taten
 Gottes zu bezeugen. Jesus, der Herr, beruft uns dort zu Zeugen, wo wir
 seine Hilfe erfahren haben.@{b}

 WIR DANKEN DIR, HERR JESUS CHRISTUS, DAß DU KEINE TRENNUNGSLINIEN ZIEHST.
 DEIN ERBARMEN GILT JEDEM, DER DEINE HILFE BRAUCHT. HILF, DAß WIR UNSERE
 ENGHERZIGKEIT ÜBERWINDEN UND ÜBERALL DEINE GRENZENLOSE LIEBE BEZEUGEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 8f" "Lukas 8,40-56"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 8,40-56@{ui}
@{b}                     Hilfe gegen den Tod@{ub}
 Zwei bemerkenswerte Ereignisse sind hier eng miteinander verflochten. In
 beiden geht es um Menschen, die ein geradezu grenzenloses Vertrauen zur
 Macht und zu den Hilfsmöglichkeiten Jesu haben. Verwöhnt durch den
 Fortschritt der Wissenschaft, verlangen wir in unserer Zeit, daß der Arzt
 bei fast jeder Krankheit helfen kann und muß. Es paßt uns gar nicht, daß es
 auch heute noch unheilbare Erkrankungen gibt. In solchen Fällen wird dann
 jedes Mittel ausprobiert.
 Kann man es da jener Frau verargen, daß sie von Jesus ein Wunder erwartet,
 nachdem alle anderen Bemühungen erfolglos blieben? Der Weg zur todkranken
 Tochter der Jairus, zu der Jesus gerufen wurde, verzögert sich dadurch. Auf
 die nachdrückliche Frage hin bekennt sich die Frau zitternd zu dem, was sie
 getan hat, Doch ihr wird nichts genommen, sondern mit dem Zuspruch des
 Herrn: "Gehe hin in Frieden" noch mehr dazu gegeben. Durch den Aufenthalt
 bedingt, scheint nun jede Hilfe für das sterbende Kind zu spät zu kommen.
 Die Tatsache des Todes spricht gegen Jesus. Eigentlich kann er nur noch die
 Eltern trösten. Sein Wort: "Sie schläft" erntet den Spott der Klagefrauen.
 Das verhüllende Wort "entschlafen" statt "sterben" war schon damals
 durchaus üblich. Doch es bekommt im Munde Jesu einen neuen Sinn. Mit seiner
 Auferstehung ist der Tod nicht mehr das Ende, sondern ein Durchgang.
 Wir wollen uns nicht täuschen: Der Ruf in das Leben gilt für diese Tote nur
 auf Zeit. Der neue Ruf ergeht an dem Tag, an dem der auferstandene Herr
 unsere Hoffnung auf das ewige Leben zur Erfüllung bringen wird.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! VIELE MENSCHEN LEIDEN UNTER DEN NÖTEN IHRER KRANKHEIT,
 ÄNGSTIGEN SICH VOR DEM TOD, TRAUERN UM NAHE ANGEHÖRIGE. SCHENKE IHNEN UND
 UNS ALLEN DAS FESTE VERTRAUEN: DU HILFST UNS, DU ZEIGST DEINE MACHT. AMEN.
@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 9a" "Lukas 9,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 9,1-9@{ui}
@{b}                    Jesus bringt Bewegung@{ub}
 Jesus ruft seine Jünger zusammen. Es ist wichtig, daß die Leute Jesu
 zusammenkommen. Er stattet sie aus mit dem, was sie für ihren Dienst in der
 Welt brauchen. Sie erhalten Vollmacht. Er sendet seine Jünger zu Predigt
 und Diakonie. Teilen und Heilen sind die Aufgaben. Für diesen Auftrag
 müssen Christen die Hände frei haben. Auf alles, was vom Auftrag abhalten
 könnte, wird verzichtet. Wer verzichten kann, gewinnt Zeit für sich und für
 die Menschen, zu denen er geht. So bringt Jesus Menschen, die er
 beauftragt, in Bewegung. Er schickt sie los zu den Menschen in ihrer
 Umgebung. Die Jünger Jesu werden zu den Menschen in ihrer Umgebung. Die
 Jünger Jesu werden zu Boten ihres Auftraggebers, in dessen Namen sie reden
 und handeln. Die Jünger gehorchen dem Wort Jesu, gehen zu den Menschen,
 verkündigen die frohe Botschaft und machen Kranke gesund.
 Predigt und Diakonie sind bleibende Aufgaben der Kirche Jesu Christi. Dazu
 gehört auch der Besuchsdienst, bei dem Gottes Wort wie auch Hilfe angeboten
 werden. Durch das Evangelium kommt Heilung in das Leben. Wir sind immer
 Besucher und Besuchte zugleich. "Gott hat besucht und erlöst sein Volk."
 Das bleibt auch Herodes nicht verborgen. Er fängt an, nach Jesus zu fragen.
 Er will Jesus sehen.
 Das Evangelium bleibt in der Öffentlichkeit nicht verborgen. Die Frage nach
 Jesus wird immer wieder gestellt. Hoffentlich haben wir Kraft und Zeit
 genug, hinzuhören. Die Boten Jesu hören, bevor sie reden.
 - Heute ist Aschermittwoch. Jesus ruft uns zur Umkehr und zum Neubeginn.
 Sein Ruf bringt uns in Bewegung. Gerade so, wie wir sind, will Jesus uns
 gebrauchen und segnen.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! WIR DANKEN DIR FÜR DIE MENSCHEN, DIE UNS DAS
 EVANGELIUM GEBRACHT HABEN. WENN DU UNS GEBRAUCHEN KANNST, MACH UNS ZU
 GLAUBWÜRDIGEN BOTEN DEINES REICHES. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 9b" "Lukas 9,10-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 9,19-17@{ui}
@{b}                       Gute Erfahrung@{ub}
 Die Jünger haben im Dienst Jesu gute Erfahrungen gemacht. Sie kommen zurück
 zu Jesus und berichten. Jesus will mit ihnen allein sein.
 Auch wir werden Jesus viel zu sagen haben von den Erfahrungen, die wir als
 Christen machen. Gewiß werden wir nicht etwa von großen Dingen reden, die
 wir getan haben, wie die Jünger, sondern von dem, was er getan hat. Diese
 Erfahrung behalten wir nicht für uns.
 Doch lange kann Jesus mit seinen Jüngern nicht allein sein. Die Menge zieht
 ihm nach. Er redet mit den Menschen von dem Reich Gottes, kümmert sich um
 sie und heilt Kranke. Jetzt sollen andere mit Jesus gute Erfahrungen
 machen. Es kann sein, daß wir dabei etwas beiseite treten müssen, damit
 andere zu Jesus kommen können. Wir wollen nicht im Wege stehen.
 - Doch dann kommen die Jünger wieder aus ihrem Abseits heraus. Sie machen
 sich Sorgen um die Menge. Sie haben keine Herberge und nichts zu essen.
 - Und nun kommt die Überraschung. Die Jünger hatten Jesus die Situation der
 Menschen beschrieben in der Erwartung, daß er helfen werde. Doch er sagt:
 "Gebt ihr ihnen zu essen." Jetzt sind die Jünger dran. Und sie beginnen zu
 diskutieren und ihre Ohnmacht einzugestehen. Jesus erwartet Gehorsam von
 ihnen. Als sie beginnen zu tun, was Jesus sagt, geschieht unter ihren
 Händen das Wunder. Das ist eine neue Erfahrung für die Jünger. Wenn sie
 gehorchen, werden andere satt.
 - Dies ist eine Geschichte für uns Christen heute. Jesus erwartet unseren
 Gehorsam. Wenn wir anfangen, die kleinen Schritte des Glaubens zu wagen,
 will er sein Wunder tun.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! WIR DANKEN DIR FÜR DIE GUTEN ERFAHRUNGEN, DIE WIR MIT
 DIR MACHEN DÜRFEN. HILF, DAß WIR NICHT ANDEREN IM WEGE STEHEN, DENEN DU
 NAHE SEIN WILLST. LAß UNS DIR GEHORCHEN UND MACHE AUCH HEUTE HUNGERNDE
 SATT. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 9c" "Lukas 9,18-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 9,18-27@{ui}
@{b}                       Nachfolge wird ernst@{ub}
 Jesus stellt eine überraschende Frage: "Wer sagen die Leute, daß ich sei?"
 Was sagen die Leute heute von Jesus? Wenn wir so fragen, merken wir schon,
 daß wir selber gefragt sind.
 - Jesus bereitet seine Jünger auf die Nachfolge vor. In der nachfolge muß
 man sagen können, wer Jesus ist. Petrus spricht es aus: "Du bist der
 Christus Gottes!"
 Manchmal wissen andere nicht so recht, was wir meinen, wenn wir von Jesus
 reden. Sie haben aber ein Recht darauf, dies zu erfahren. Unser Bekenntnis
 ist gefordert. Aus uns selbst haben wir das nicht. Das Bekenntnis zu Jesus
 Christus ist ein Geschenk von Gott. Wer Jesus Christus nachfolgt soll auch
 wissen, wem er nachfolgt. Sein Weg führt ans Kreuz. Nachdem er seine Jünger
 zum Bekenntnis des Glaubens geführt hat, redet er nun auch von seinem Weg.
 er spricht von seinem leiden, Sterben und Auferstehen. Seelsorglich hat er
 sie so weit geführt, daß sie nun auch die Leidensankündigungen hören
 sollen. Jesus geht den Weg des Gehorsams. Er tut den Willen Gottes. Wer
 sich zu Jesus hält, muß das wissen. Sein Weg geht ans Kreuz, und unser Weg
 geht unter das Kreuz. Nachfolge ist ernst.
 Die Sätze über die Nachfolge in unserem Text kann man in Zusammenhang
 bringen mit dem Leben von Menschen, die den Weg der Nachfolge gewagt haben.
 Sie sind dann auch eine Lebensbeschreibung mancher Christen. Sie sind auch
 eine Beschreibung des Weges der Kirche Jesu Christi. Es ist gut, sich daran
 erinnern zu lassen. Jesus nimmt uns mit auf seinem Weg.@{b}

 UNSER HERR JESUS CHRISTUS, WIR MÖCHTEN DEN WEG MIT DIR GEHEN. ABER ES IST
 EIN SCHWERER WEG. LAß UNS NICHT ALLEIN BLEIBEN. GIB UNS SCHWESTERN UND
 BRÜDER DIE MIT UNS GETRÖSTET UND DANKBAR AUF DEM WEG DES GLAUBENS BLEIBEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE
@NODE "Lukas 9d" "Lukas 9,28-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 9,28-36@{ui}
@{b}                       Mit Jesus auf dem Berg@{ub}
 Diese Berggeschichte mit Jesus hat sich tief eingeprägt. Sie ist in der
 Bibel aufbewahrt, damit sie weiterwirkt. Jesus nimmt Petrus, Johannes und
 Jakobus mit auf einen Berg. Der Berg ist in der Bibel oft Zeichen für die
 Nähe Gottes. Jesus betet auf dem Berg. Die Jünger erleben merkwürdige
 Vorgänge. Das ist wichtig für die Vorbereitung auf den Leidensweg Jesu. Sie
 sollen ihm nachfolgen. Darum sollen sie vorher mit ihm hier gewesen sein.
 Dort bekommen sie eine Ahnung von der Herrlichkeit Jesu. Ihre Augen werden
 einen Augenblick für die Welt Gottes geöffnet. Sie sehen Jesus ganz anders.
 Sie sehen ihn "verklärt". Das war eine Sternstunde des Glaubens. Es gibt
 Sternstunden des Glaubens. Wer sie erlebt hat und sich daran erinnert, wird
 getröstet. Zu gut können wir verstehen, daß dies den Jüngern gefällt. Hier
 wollen sie bleiben. Sie wollen Hütten bauen, Hütten für Jesus, für Mose und
 Elia. Sie wollen zu hause sein bei Jesus. Doch in diese Wünsche der Jünger
 hinein redet Gott: "Dies ist mein auserwählter Sohn, den sollt ihr hören."
 Und dann sind sie mit Jesus allein.
 Mitten in unsere Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen hinein spricht
 Gott. Er weist uns allein auf seinen Sohn. Die Jünger erfahren, daß Jesus
 bei ihnen bleibt, auch nach dem Bergerlebnis. Jesus bleibt bei uns, an sein
 Wort können wir uns halten, auch wenn es Zeiten gibt, in denen wir
 betroffen schweigen. er bleibt uns gnädig zugewandt.@{b}

 HERR, UNSER GOTT! DEIN SOHN HAT DEN HIMMEL FÜR UNS GEÖFFNET. MANCHMAL
 WERDEN WIR UNSERES GLAUBENS GANZ FROH. DANN GIBST DU UNS KRAFT, DEN WEG
 JESU MITZUGEHEN. BLEIBE BEI UNS IN DEN TIEFEN UND AUF DEN HÖHEN UNSERES
 LEBENS. LAß UNS AUF DICH SEHEN UND DEIN WORT ALS WEGLEITUNG HÖREN. AMEN.
@{ub}

@ENDNODE
@NODE "Lukas 9e" "Lukas 9,37-45"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 9,37-45@{ui}
@{b}                     Macht und Ohnmacht@{ub}
 Als Jesus mit seinen Jüngern vom Berg der Verklärung kommt, wartet viel
 Arbeit auf ihn. Ihm kommt eine große Menschenmenge entgegen. Viele
 Erwartung konzentrieren sich auf Jesus. Ein Mann spricht seine persönlichen
 Erwartungen aus. Er erzählt von der Krankheit seines Sohnes, von seiner
 eigenen Ohnmacht und von seiner Angst. Von den Jüngern ist er auch
 enttäuscht. Sie können nicht helfen. So wird mancher von der Kirche und von
 Christen enttäuscht sein. Sie konnten auch nicht helfen.
 Das sind Ohnmachtserfahrungen, die wir kennen und die weh tun. Jesus
 spricht seine Jünger an: "Wie lange soll ich bei euch sein und euch
 erdulden?" Jetzt greift Jesus ein. "Bring deinen Sohn her!" Er setzt seine
 Macht gegen die Ohnmacht des Vaters und seiner Jünger. Er heilt den Kranken
 Sohn. Damit bringt er etwas von der Herrlichkeit des Berges der Verklärung
 in die Niederung des Lebens. Dies werden wir brauchen, daß dann und wann in
 unserem Leben etwas aufleuchtet von der Herrlichkeit Jesu Christi. Durch
 seine Wunder weist er hin auf die Herrlichkeit, die uns erwartet. Die Leute
 sind damals entsetzt über diese Herrlichkeit Gottes. Wo die Macht auf die
 Ohnmacht der Menschen trifft, kann man sich nur entsetzen. -
 Und dann nimmt Jesus seine Jünger nochmals beiseite. Er spricht zum zweiten
 Mal mit ihnen von seinem Leiden. Diesmal noch kürzer und noch radikaler.
 Aber sie verstehen es nicht. Verstehen wir es, daß er, dessen Macht und
 Herrlichkeit eben aufleuchtete, nun der Macht der Menschen preisgegeben
 wird? "Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an ."@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! DU HAST UNS ZEICHEN DEINER MACHT UND HERRLICHKEIT
 GEGEBEN. VERGIB UNS UNSERE OHNMACHT. MACHE UNS STARK IM VERTRAUEN ZU DIR
 UND GROß IN DER HOFFNUNG AUF DIE HERRLICHKEIT DES VATERS. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 9f" "Lukas 9,46-50"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 9,46-50@{ui}
@{b}                    Jesus hat andere Maßstäbe@{ub}
 Die Frage, die hier unter den Jüngern auftaucht, spricht ein Thema an, das
 wir kennen und das wir in der Regel als normal empfinden: Wer ist in einer
 Gruppe der Bedeutendste?
 Zugespitzt wird es aber gerade in der Kirche zum Problem: Wer ist der
 Größte? Da ist dann die Rede von "oben" und "unten". Wer hat das Sagen in
 der Kirche? Diese Frage ist immer noch nicht für alle beantwortet, Es macht
 uns Not, daß dies so ist. Oft genug hemmt dies Problem den Dienst und die
 Glaubwürdigkeit der Gemeinde.
 Jesus sieht das und geht darauf ein. Er setzt andere Maßstäbe. Er stellt
 ein Kind unter die Jünger. Kinder sind kostbares Gut. Wenn Jesus Kinder
 ruft, mit ihnen oder von ihnen redet, dann hat das immer eine besondere
 Bedeutung. Kinder gelten viel im Reich Gottes. Wir müssen das immer wieder
 neu begreifen. Wenn Kinder die gebührende Rolle in der Kirche spielen, dann
 ist die Machtfrage unter den Erwachsenen und unter den Mitarbeitern
 meistens bald nicht mehr wichtig.
 So setzt Jesus neue Maßstäbe im Blick auf unsere Frage nach den
 "Rangordnungen" in der Kirche. Die Frage darf uns nicht böse machen. Sie
 darf auch nicht die einen groß und die anderen klein machen. Es gibt nicht
 die einen, die den Dienst tun, und die anderen, denen der Dienst gilt. Alle
 sind immer Empfangende und Gebende zugleich. Dadurch wird auch ein anderer
 Maßstab im Blick auf die Toleranz gesetzt.
 Angesichts eines Menschen, der sich bei seinem Tun außerhalb der Gemeinde
 auf Jesus beruft, setzt Jesus sich für Toleranz ein. Es gibt eine Toleranz
 aus Liebe. Jesus geht mit uns sehr tolerant um.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! DU HAST ES SCHWER MIT UNS. WIR DANKEN DIR FÜR DEINE
 GÜTE UND NACHSICHT. DU GIBST UNS NEUE MAßSTÄBE FÜR UNSEREN UMGANG
 MITEINANDER. HILF UNS, AUS DEINER LIEBE ZU LEBEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 9g" "Lukas 9,51-56"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 9,51-56@{ui}
@{b}                     Der letzte Weg beginnt@{ub}
 Mit unserem heutigen Abschnitt beginnt der Bericht über den letzten Weg
 Jesu nach Jerusalem. Voran steht die Feststellung: "Als die Zeit erfüllt
 war." Zweimal wird das gesagt: einmal "Als die Zeit erfüllt war, sandte
 Gott seinen Sohn", und das zweite Mal im heutigen Text. Dadurch bekommt
 diese reise ihre Bedeutung. Es ist Gottes erfüllte Zeit. Hier gibt es
 keinen Aufschub und keine Verzögerung. Alles muß sich dem einordnen. Jesus
 nimmt seine Jünger mit auf diesen Weg. Sie haben zu lernen für ihren
 künftigen Dienst. -
 Auf dem Weg will Jesus Station machen. er trifft alle gebotene
 Vorbereitungen bis hin zur Herbergssuche. Doch "sie nahmen ihn nicht auf".
 Es ist wie zu Weihnachten. "Sie hatten keinen Raum in der Herberge." Das
 Kreuz deutet sich an. Die Spannung zwischen den Samaritern und den Judäern
 ist der Hintergrund für die Ablehnung der Herberge. Irgendein Grund wird
 sich immer finden, Jesus abzulehnen. Das können die Jünger gar nicht
 verstehen. Sie begehren auf. Feuer soll vom Himmel fallen. Eine
 aufbegehrende Jüngerschar oder eine aufbegehrende Kirche bringen nicht die
 Lösung. Sie machen es ihm noch schwerer. Darum weist er sie zurecht. Das
 ist eine wichtige Erfahrung für die Jünger. Doch es bleibt keine Zeit für
 unnötige Diskussionen. Sie gehen weiter in ein anderes Dorf, Jesus bleibt
 zielstrebig auf dem Weg. Er will den Willen des Vaters erfüllen. Davon darf
 ihn nichts mehr abhalten, auch seine Jünger nicht. Vor ihm liegt ein
 schwerer Weg. er weicht nicht aus. Es ist der Weg, der zur Rettung der Welt
 führt. Die Kraft dazu gibt ihm der Vater.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! DU BIST DEN WEG ANS KREUZ GEGANGEN. VIEL STAND DIR IM
 WEGE. DOCH DU BIST DEM VATER GEHORSAM GEBLIEBEN. WIR DANKEN DIR DAFÜR, NIMM
 UNS MIT AUF DEINEN WEG UND LAß UNS UNTER DEM KREUZ BLEIBEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 9h" "Lukas 9,57-62"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 9,57-62@{ui}
@{b}                      Begegnungen unterwegs@{ub}
 Jesus ist mit seinen Jüngern weiter unterwegs. Dabei kommt es zu
 verschiedenen Begegnungen. Es kommt jemand zu Jesus. Er ist offensichtlich
 ganz entschieden. Er will Jesus nachfolgen. Für ihn ist alles klar. Und
 Jesus lobt den Menschen nicht einmal. Er sagt ihm deutlich, worauf er sich
 einläßt. Jesus erzählt von sich: "Die Seinen nahmen ihn nicht auf."
 Wie lesen wir heute diesen Text? Wir haben uns häuslich eingerichtet. Die
 Nachfolge Jesu hat andere Formen angenommen. Aber bequemer ist es nicht
 geworden. In der nachfolge Jesu bleibt die Bereitschaft zu Konsequenzen
 gefragt. Das wird auch gleich deutlich bei der zweiten Begegnung. Da ruft
 Jesus einen Menschen, mitzukommen auf seinen Weg. Er will, aber er hat eine
 wichtige Angelegenheit noch vorher zu erledigen. Sein Vater ist gestorben.
 Der Mann ist in Trauer. Er will seinen Vater begraben. Die Antwort Jesu
 klingt für uns herausfordernd. Jesus geht selbst den Weg in Tod und
 Auferstehung. In seiner Nachfolge sind wir in jeder Situation Botschafter
 des Reiches Gottes. Das duldet keinen Aufschub. Darum geht es auch bei der
 dritten Begegnung zu Jesus. Er will nur noch zu Haus Abschied nehmen.
 Jesus macht ihn darauf aufmerksam, daß er das Ziel nicht aus den Augen
 verliert. Angesichts der vielen Familien, in denen Christen und
 Nichtchristen zusammenleben, brauchen wir solche Worte Jesu. Sie machen uns
 deutlich, daß es auf dem Weg mit Jesus sehr praktisch zugeht. Dieser Weg
 erfordert den ganzen Menschen. Jesus gibt Gnade auf dem Weg.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! DU BEGEGNEST UNS AUF UNSEREM LEBENSWEG. MANCHMAL
 MERKEN WIR ERST SPÄTER, DAß DU ES WARST. MACH UNS BEREIT, DIR ZU FOLGEN.
 LAß UNS ZIELBEWUßT LEBEN. MACH UNS ZU GLAUBWÜRDIGEN BOTEN DEINES REICHES.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 10a" "Lukas 10,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 10,1-16@{ui}
@{b}                     Die Ernte ist groß@{ub}
 Jesus sieht vor sich die Welt, wie sie wirklich ist. Da sind Krankheiten,
 Katastrophen und schier unlösbare Probleme. Er sieht aber in allem nicht
 nur die Verlegenheiten der Menschen, sondern mehr noch die großen
 Gelegenheiten Gottes. Alles deutet darauf hin, daß die Zeiger der Weltenuhr
 vorangeschritten sind. "Die Ernte ist groß."
 In der Menschheit ist etwas herangereift, was ungeahnte Möglichkeiten für
 die Sache Gottes eröffnet. Wo kurzsichtige Menschenaugen nur unüberwindbare
 Widerstände erblicken können, schaut Jesus bereits, wie Türen sich öffnen.
 "Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige."
 Menschen werden gebraucht, die in der entscheidenden Stunde mit ganzer
 Kraft zur Mitarbeit bereit sind. Es ist, als ob die oft gehörte Klage nie
 verstummt: Es fehlen die Leute...Aber auch vor dieser Schwierigkeit darf es
 keine Kapitulation geben. Durch die Macht des Gebetes kann die Not
 überwunden werden. "Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in
 seiner Ernte." Bis in unsere tage hinein ist diese Bitte vielfältig erhört
 worden. Menschen wachen auf und lassen sich senden. Seinen Boten gibt Jesus
 klare Weisungen. Obwohl sie wie "Lämmer unter die Wölfe" gehen, sollen sie
 auf alle falschen Sicherungen verzichten. Ohne Hemmungen dürfen sie die
 ihnen erwiesene Freundlichkeiten entgegennehmen. Alle Kraft haben sie auf
 das Wesentliche zu konzentrieren. Ablehnung braucht sie nicht zu
 erschüttern. Es geht beim Hören ihrer Botschaft um Sein oder Nichtsein. So
 dienen die Mitarbeiter des Herrn dem Einbringen der Ernte.@{b}

 HERR, WIR DANKEN DIR FÜR DIE GEWIßHEIT, DAß DEINE STUNDE IM KOMMEN IST. WIR
 HÖREN DEINEN RUF ZUR MITARBEIT. LAß UNS ARBEITER SEIN IN DEINER GROßEN
 ERNTE. ERWECKE VIELE MENSCHEN ZU DIESEN DIENST. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 10b" "Lukas 10,17-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 10,17-20@{ui}
@{b}                      Grund zur Freude@{ub}
 Wenn Menschen sich freuen, kann es dafür ganz verschiedene Gründe geben.
 Die von Jesus ausgesandten Boten kommen von ihrem Großeinsatz zurück und
 sind voll vom Erlebten. Sie haben es erfahren, welche Macht vom Worte
 Gottes ausgeht. Jesus freut sich mit ihnen. "Ich sah den Satan vom Himmel
 fallen wie einen Blitz." Noch hat er auf Erden große Macht, aber: "ein
 Wörtlein kann ihn fällen."
 Den Jüngern wird die Gewißheit vermittelt, daß sie im Namen ihres Herrn
 immer wieder Sieg erfahren dürfen. "Doch darüber freut euch nicht, daß euch
 die Geister untertan sind. Freut euch aber, daß eure Namen im Himmel
 geschrieben sind."
 Auch die schönsten Erfahrungen könnten nicht die eigentliche Grundlage
 unserer Gewißheit sein. Sie sind darum auch nicht der tiefste Grund unserer
 Freude. Dann wären wir nämlich schlecht dran, wenn die unvermeidlichen
 gegenteiligen Erlebnisse kommen.
 Gut ist darum der bekannte Satz: Der Glaube macht Erfahrungen, aber er
 gründet sich nicht auf sie. Er hat sein festes Fundament nur in der durch
 Gottes Wort geschenkten Überzeugung, daß "unsere Namen im Himmel
 geschrieben sind". Wir stehen im Buch des Lebens, wir sind eingeschrieben
 in das Herz Gottes, wir sind seine Kinder, weil Jesus für uns eintritt. Im
 Augenblick der heiligen Taufe, bei der unser Name genannt wurde, ist dieser
 Tatbestand besiegelt worden.
 Am heutigen Todestage Martin Luthers ist es gut, sich daran erinnern zu
 lassen, was für ihn die eigene Taufe bedeutet hat. Bleibende Freude gibt es
 nur durch die Gewißheit, gerettet zu sein.@{b}

 TREUER GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß WIR AUCH IN ALLEM LEIDE IMMER WIEDER
 FREUDE HABEN DÜRFEN. MACH UNS FROH DURCH DIE ZUVERSICHT, DAß UNS NICHTS VON
 DEINER LIEBE TRENNEN KANN. LAß UNS FREUDE WEITERGEBEN. AMEN.

                        Freude im Leide@{ub}             Gedicht
                       Wenn ich ihn nur habe,
                       wenn er mein nur ist,
                       wenn mein Herz bis hin zum Grabe
                       seine Treue nie vergißt:
                       weiß ich nichts von Leide,
                       fühle nichts als Andacht, Liebe und Freude.
                       @{i} Friedrich von Hardenberg (Novalis)@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 10c" "Lukas 10,38-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 10,38-42@{ui}
@{b}                          Eins ist not@{ub}
 Die Schwester Maria und Marta sind jeweils zum Inbegriff einer bestimmten
 Art von Frömmigkeit geworden. Beide haben Jesus aufgenommen. Beide dienen
 ihm in unterschiedlicher Weise. Marta wirkt als unermüdliche Hausfrau, um
 durch viele Handreichungen ihre Gastfreundschaft zu bewähren. Sie wird zum
 Leitbild eines tätigen Christseins, das völlig auf die praktischen Aufgaben
 des Lebens gerichtet ist. Maria wird uns als die aufmerksam Hörende vor
 Augen gestellt, die ganz voll Andacht und innerer Sammlung ist. In ihr
 scheinen sich jene Richtungen des Christentums widerzuspiegeln, denen es
 besonders um Gebet, Stille und Empfangsbereitschaft geht. Maria wird von
 Marta wegen ihrer Untätigkeit kritisiert. Jesus nimmt die Angegriffene in
 Schutz. "Maria hat das gute Teil erwählt." Martas Aktivität ist zwar gut
 gemeint und lobenswert, aber Maria hat das Gebot des Augenblicks besser
 verstanden. Jesus ist nicht immer in ihrem Hause. Wenn er bei ihnen ist und
 zu ihnen spricht, ist das Zuhören wichtiger als alle Betriebsamkeit.
 Beide Ausprägungen des Glaubenslebens, die eben angedeutet wurden, haben
 ihr Recht. Beide gehören zusammen. Das kommt gut in dem alten Sprichwort
 zum Ausdruck: Bete und arbeite!
 Es wird immer wieder nötig sein, gegenüber einer nur die Innerlichkeit
 pflegende Frömmigkeit unsere Weltverantwortung zu betonen. Auf der anderen
 Seite gibt es eine Gefährdung in umgekehrter Richtung. Das rechte Handeln
 kann nur aus der Stille und dem Hören kommen. "Eins ist not, ach Herr,,
 dies Eine lehre mich erkennen doch..."@{b}

 TREUER GOTT, LAß UNS STILL WERDEN VOR DIR. BEWAHRE UNS DAVOR, IN LEERE
 BETRIEBSAMKEIT ZU FLÜCHTEN. GIB UNS DIE FÄHIGKEIT, DAS VORDRINGLICHE VOM
 WENIGER WICHTIGEN ZU UNTERSCHEIDEN. GEH MIT UNS DURCH DIESEN TAG.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 11a" "Lukas 11,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 11,1-13@{ui}
@{b}                   Bittet, so wird euch gegeben@{ub}
 Gott mutet uns das Beten zu. Und er will, daß wir um das zum Leben
 Notwendige bitten. Wenn jemand seinem Freund um etwas bittet, dann wird er
 dies erhalten, auch wenn es Mitternacht ist. Und wenn ein Sohn seinen Vater
 um Brot bittet, dann wird er ihm keinen Stein geben, sondern Brot, denn er
 weiß ja, daß sein Sohn Hunger hat.
 Sollte Gott armseliger schenken als ein Vater? Beten ist nicht umsonst.
 Jesus versichert seinen Jüngern, daß ihre Gebete Erhörung finden werden.
 "Bittet, so wird euch gegeben." Dieses sehr bekannte Wort darf aber nicht
 falsch verstanden werden. es ist keine Zauberformel; wer betet, spricht
 auch keine Beschwörungen aus. Die Gebete der Christen haben mit Magie
 nichts zu tun. Es geht im Gebet der Christen darum, daß Gottes Wille
 geschieht. Wer im Namen Jesu betet, der betet sich immer tiefer in Gottes
 Willen hinein: "Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"
 Jesus lehrt seine Jünger beten. Sie sollen um das tägliche Brot beten, um
 die Vergebung der Sünden, daß Gott sie nicht in Versuchung führe. Gebete
 öffnen verschlossene Türen. Gott verwirft nicht unser Gebet; er zensiert
 nicht unsere Bitten; er findet unsere Ängste nicht lächerlich. Er hört auf
 unser Beten, auch wenn wir ihn um irdische Dinge bitten: um Nahrung,
 Wohnung, Kleidung und Gesundheit, für den Beruf und die Familie. Wir sollen
 aber erst recht um das bitten, was wir für unser geistliches Leben
 brauchen. Jesus nennt da vor allen Dingen den Heiligen Geist. Gott wird ihn
 uns geben, weil er unser guter Vater ist.@{b}

 LIEBER HERR! SCHENKE UNS DEINEN HEILIGEN GEIST, DAMIT WIR RECHT GLAUBEN
 KÖNNEN. NIMM DIE UNBARMHERZIGKEIT, SELBSTSUCHT UND GLEICHGÜLTIGKEIT VON UNS
 UND MACHE UNS FÄHIG ZU ECHTER MENSCHLICHER GEMEINSCHAFT. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 11b" "Lukas 11,14-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 11,14-28@{ui}
@{b}                 Und die Menge verwunderte sich@{ub}
 Der Evangelist Lukas berichtet von einer Wunderheilung Jesu. Das konnten
 andere Zeitgenossen Jesu auch. Es gab jüdische Dämonenaustreiber und viele
 heidnische Wundertäter. Wunder als Beweis dafür, daß Jesus Gottes Sohn war,
 das wäre ein schwacher und untauglicher Beweis. Aber die Menge verwundert
 sich. Doch einige beginnen ein Streitgespräch mit Jesus. Sie verlangen
 Zusatzwunder. Sie verlangen ein neues Zeichen vom Himmel. Die anderen
 sagen, Jesus sei mit dem Teufel im Bunde. Dieser gebe ihm die Kraft zu
 übermenschlichen Taten.
 Schon damals gab es Menschen, die Fragen an Jesus hatten. Und seine
 Antworten? In meinem Tun, so sagt er, streckt Gott der Welt seinen Finger
 entgegen. Und er sagt noch mehr: In meinem Tun ist das Reich Gottes mitten
 unter euch. In Jesus offenbart sich Gottes wunderwirkende Macht. Gottes
 Reich, um das wir bitten, befreit uns vom Teufel. Wer zum Reich Gottes
 gehört, braucht den Satan nicht zu fürchten. Wer bei Jesus ist, wird es
 spüren, daß die bösen Mächte keine Chance haben. Wir wären aber
 unglaubwürdig, wenn wir so täten, als hätten wir mit Jesus den Satan ein
 für allemal überwunden. Wir leben weiter in dieser Welt. Und darum müssen
 wir immer wieder neu gegen die Anläufe des Teufels gewappnet sein. Wir
 beten ja im Vaterunser: Erlöse uns von dem Bösen, heute und morgen und alle
 Tage. Wir stehen unter Gottes Schutz, wenn wir ihn Stunde um Stunde
 erbitten; und sein Reich kommt zu uns, wenn wir es wagen, Tag für Tag als
 Bürger dieses Reiches zu leben.@{b}

 LIEBER HERR! HILF UNS, DEM BÖSEN IN UNSEREM LEBEN ZU WIDERSTEHEN. SCHENKE
 UNS DIE KRAFT DEINES GEISTES, DAß WIR BEI DIR BLEIBEN UND VON DEINEM WEG
 NICHT ABWEICHEN. LAß UNS DEIN WORT HÖREN UND AUS DEINEM WORT LEBEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 11c" "Lukas 11,29-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 11,29-36@{ui}
@{b}                 Siehe, hier ist mehr als Salomo@{ub}
 Die Menschen aller Zeiten, auch der Gegenwart, wollen Zeichen sehen. Sie
 fordern Beweise. So haben auch die Leute zur Zeit Jesu Zeichen von ihm
 gefordert. Er soll es beweisen, daß er der Sohn Gottes, der Messias ist.
 Jesus lehnt solche Zeichen ab.
 Worin ist Jona den Einwohnern von Ninive zum Zeichen geworden? Jona sagte
 ihnen das Wort Gottes, und dieses Wort Gottes stellte sie in die
 Entscheidung, und sie kehrten um. Jona, dem Leben wiedergegeben, wurde so
 den Menschen in Ninive zum Zeichen gegeben, daß sie sich bekehrten.
 Auch die Königin vom Süden hat die Weisheit Salomos gesucht und angenommen.
 Kreuz und Auferstehung weisen Jesus als den Christus aus. Wer diese Zeichen
 nicht sieht, wird kein anderes erhalten. Und dieses Zeichen ist mehr als
 das Zeichen des weisen Salomon, ist mehr als das des prophetischen
 Bußpredigers Jona. So ist Jesus selbst das Zeichen, das Gott der Welt
 gegeben hat. er ist das Licht der Welt. Gott hat dieses Zeichen nicht in
 die Verborgenheit hingestellt, sondern allen sichtbar gemacht.
 Was soll ein Licht unter einem Scheffel? Ein Licht stellt man auf den
 Leuchter, dann leuchtet es und alle können sehen. Es liegt also nicht an
 dem Licht, sondern die Schuld liegt bei den Menschen. Jesus zeigt eine
 große Gefahr auf. Es ist möglich, daß das Licht, das den Menschen geschenkt
 wurde, von diesen in Finsternis verwandelt wird.
 Aber so muß es nicht gehen. Jesu Worte enden mit einer Verheißung. Wer
 vom Licht Jesu erfaßt ist, dessen Leben wird ganz Licht sein. Das läßt uns
 aktiv werden. Wir sollen Leuchtzeichen Gottes sein.@{b}

 LIEBER HERR! DU BIST DAS LICHT DER WELT. SCHENKE AUCH UNS LEUCHTKRAFT, DAß
 WIR EIN GUTES ZEUGNIS ABLEGEN VON DEINEM REICH. DEIN KREUZ IST UNSER
 ZEICHEN. GIB UNS DEN MUT, AUCH IN SCHWEREN STUNDEN, DEIN KREUZ ZU UMFASSEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 11d" "Lukas 11,37-44"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 11,37-44@{ui}
@{b}                An der Liebe Gottes geht ihr vorbei@{ub}
 Jesus geht auf Einladung eines Pharisäers in sein Haus und nimmt am Mahl
 teil. Nach den Reinheitsvorschriften mußten vor Tisch die Hände gewaschen
 werden. Das tat Jesus nicht, und sein Gastgeber ist verwundert. Jesus nimmt
 dies zum Anlaß, um mit dem Pharisäer ein Gespräch zu führen über die
 Reinheit vor Gott. Die Pharisäer halten den für rein vor Gott, der die
 kultischen Reinheitsvorschriften durchführt. Jesus sagt aber, daß diese
 Äußerlichkeiten wenig Sinn haben. Gott will das reine Herz. Er verlangt
 unsere ganze Hingabe. Die Pharisäer halten die Becher und Schüsseln außen
 rein, aber ihr Inneres ist voll Bosheit. Sie geben Almosen, weil das Gesetz
 es so vorschreibt. Der Wille Gottes aber wird dadurch nicht erfüllt. "An
 der Liebe Gottes geht ihr vorbei", sagt Jesus. Gewiß soll auch das Gesetz
 erfüllt werden. Aber gerade in der Erfüllung des Gesetzes muß deutlich
 werden, daß nicht der Beweggrund zur Erfüllung des Gesetzes sein. Die
 äußere untadlige Erfüllung des Gesetzes genügt nicht. Es geht um die
 Wandlung des Herzens nach dem Willen Gottes. Ihr Pharisäer, sagt Jesus,
 zeigt eure Frömmigkeit als eine Maske. Sie ist schön anzusehen, aber hinter
 ihr versteckt sich "Raubgier und Bosheit". In den Synagogen wollen sie
 obenan sitzen, und auf dem Markt wollen sie gegrüßt sein. Alle
 Anstrengungen der Pharisäer gehen an Gottes Liebe vorbei. Aber gerade um
 diese Liebe geht es. Sie erfüllt das ganze Gesetz.@{b}

 LIEBER HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DEIN REICH UNTER UNS BEGONNEN HAT. WIR
 DANKEN DIR, DAß DU ZU UNS REDEST UND WIR DICH VERSTEHEN. LAß UNS FÜR ANDERE
 DEINE RECHTEN BOTEN SEIN UND LAß SIE DURCH UNSERE LIEBE DEINE LIEBE
 ERFAHREN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 11e" "Lukas 11,45-54"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 11,45-54@{ub}
@{b}                         Weh euch!@{ub}
 Dieses "Weh euch!", das Jesus über die Schriftgelehrten spricht, ist zum
 Erschrecken. Es ist das Gegenteil zu dem "Selig", das er gesprochen hat.
 "Weh euch Schriftgelehrten", denn ihr legt den Menschen mit euren
 ausgeklügelten Gesetzen unerträgliche Lasten auf.
 Die drei Wehrufe machen es deutlich, daß die Schuld der Schriftgelehrten
 noch größer ist als die der Pharisäer, denn sie haben als Theoretiker die
 Voraussetzungen geschaffen für das praktische Verhalten der Pharisäer. Was
 die Schriftgelehrten lehren, das führen die Pharisäer aus. Sie setzen
 Denkmäler den Propheten, die von ihren Vorfahren ermordet wurden. Sie
 lehnen Jesus ab. Bei all ihrem Tun suchen sie nicht Gottes Ehre, sondern
 ihre eigne Ehre. "Wer Jesus nicht als Messias anerkennt, kann Gottes
 Offenbarung und Heilsgeschichte nicht erfassen", schreibt ein Ausleger
 dieser Verse. Abel wurde von seinem Bruder erschlagen; Sacharja kam
 zwischen Altar und Tempel um; Jesus muß am Kreuz sterben. Damit ist der
 Höhepunkt der Geschichte des Widerstandes gegen Gottes Wort erreicht. Wer
 nur selber selig werden will, verkennt die Botschaft Gottes. Luther hat
 einmal gesagt: "Es ist nicht genug, daß du selbst selig wirst, du mußt auch
 deinen Bruder mitbringen." Die Schriftgelehrten aber hindern das Volk, zu
 Jesus zu kommen.
 Rechter Gottesdienst gründet auf dem Zeugnis der Wahrheit, wie es die
 Propheten und die Väter des Glaubens verkündigten. Echte Frömmigkeit setzt
 alles auf Jesus Christus, weil er der Heiland der Welt ist.@{b}
 LIEBER HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DU DEN KREUZESTOD FÜR UNS GESTORBEN BIST.
 VERGIB, WENN WIR DIES NICHT RICHTIG ERKANNT HABEN UND EIGENE WEGE GEGANGEN
 SIND. GIB UNS WEISHEIT UND LIEBE FÜREINANDER, DAMIT WIR DEINE GEMEINDE
 BAUEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 12a" "Lukas 12,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Lukas 12,1-12             @{ui}
@{b}                  Glauben heißt Bekennen    @{ub}
 Eben waren es die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten, deren Heuchelei
 Jesus anprangert. Doch nun warnt er auch seine Jünger davor; und die
 Menschenmenge, die unterdessen zusammengekommen war, darf und soll es
 mithören. Der Pharisäer Heuchelei lag darin, daß sie äußere Formen der
 Frömmigkeit hervorkehrten, um Gott zu ehren, während ihre Bereitschaft
 gering, den Nächsten zu lieben, gering war. Bei den Jüngern ging es oft
 darum, daß sie nicht offen zu bekennen wagten, an wen sie glaubten. Am
 Abend des Ostertages beispielsweise versammelten sie sich und verschlossen
 die Türen aus Furcht vor den Juden. In der Finsternis Trafen sie sich und
 wagten kaum, den Namen Jesus einander ins Ohr zu flüstern. Aber dieser Name
 kann und soll nicht verborgen bleiben. Furcht vor Menschen ist hier nicht
 angebracht, weil doch Gott über alle Dinge zu fürchten, zu lieben und zu
 vertrauen ist. Der aber wird in der Stunde der Herausforderung den Seinen
 mit dem Heiligen Geist beistehen. Zwar kann es dennoch sein, daß der
 Bekenner von Menschen getötet wird. Doch Gott spricht das letzte Wort, und
 der erhöhte Jesus wird für die Seinen eintreten. dann wird der Tod seine
 Beute herausgeben müssen und nicht ein Haar davon zurückbehalten dürfen.
 Gott kennt freilich die Schwäche der Menschen und die lähmende Macht der
 Furcht. Darum ist er bereit, ein Versagen in der das Bekenntnis
 erfordernden Situation zu vergeben. Wie aber will der bestehen, der meint,
 der Fürsprache des Geistes nicht zu bedürfen? Bekenntnis ist etwas anderes
 als Heldentum und Zivilcourage.@{b}
 HERR, DU HAST UNS DIE KRAFT DEINER AUFERSTEHUNG ERFAHREN LASSEN. SCHENKE
 UNS NUN DEINEN GEIST, DER UNS VON MENSCHENFURCHT UND HEUCHELEI BEFREIT. LAß
 AUCH ANDERE ERFAHREN, WEM WIR GEHÖREN UND VERTRAUEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 12b" "Lukas 12,13-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 12,13-21@{ui}
@{b}                        Was soll ich tun?@{ub}
 Immer wieder müssen Menschen empörende Ungerechtigkeit und Benachteiligung
 erfahren wie dieser Mann, dessen Bruder sich weigerte, das Erbe
 ordnungsgemäß mit ihm zu teilen. Läßt Jesus das kalt? Hält er den Streit um
 Gerechtigkeit für belanglos? Zwar kommt er dem Wunsch des Bittstellers
 nicht nach, doch gibt er in der Frage nach dem Recht des Eigentums etwas zu
 bedenken, wodurch diese in ein neues Licht gerückt wird. Jesus erzählt von
 einem Mann, der sehr erfolgreich ist. Ja, der über Erwarten hohe Ertrag
 seines Feldes stellt ihn vor die Frage: "Was soll ich tun?" Die Antwort
 scheint ihm freilich nicht zweifelhaft: Der Überschuß muß festgehalten und
 aufbewahrt werden. So läßt sich ein sorgenfreies Leben bis in eine
 weitreichende Zukunft sicherstellen. Doch die wirkliche Zukunft wird mit
 solchen Gedanken geradezu verfehlt. Über die Zeit unseres Lebens und das,
 was wir als unseren Besitz ansehen, verfügt ein anderer. Als Schöpfer des
 Lebens und Geber aller guten Gabe, wird er das eine wie das andere zu
 seiner Stunde zurückfordern. Arm wird dann sein, wer das ihm Anvertraute
 nicht in Treue und Gehorsam verwaltet hat.
 Gegen das Bemühen um Gerechtigkeit ist nichts zu sagen. Wer in Treue und
 Gehorsam mit dem ihm Anvertrauten umgeht, kann dazu sicher etwas beitragen.
 Allerdings geht es weniger um die Frage, ob mein Bruder sich dazu bewegen
 läßt, mit mir zu teilen, sondern ob ich zum Teilen mit dem Bruder bereit
 bin. Weil Jesus als Befreier kam und nicht als Richter, kann er diese
 Bereitschaft auch bei mir auslösen.@{b}

 HERR, DU SCHENKST UNS TÄGLICH GUTE GABEN. HILF, DAß WIR DEINEM WILLEN GEMÄß
 DAMIT UMGEHEN. IN DEINER NEUEN WELT SOLL GERECHTIGKEIT WOHNEN. DARUM LAß
 UNS HEUTE MIT DEM BENACHTEILIGTEN BRÜDERN TEILEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 12c" "Lukas 12,22-34"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 12,22-34@{ui}
@{b}                   Trachtet nach seinem Reich@{ub}
 Wieder und wieder will etwas bezahlt sein: Miete, Fernsehgebühr,
 Kraftfahrzeugsteuer, Versicherung, Gas und Strom. Neue Schuhe werden
 gebraucht, ein neuer Mantel. An den Urlaub muß man denken, an Tante Lottis
 Geburtstag. Eine neue Schrankwand wäre ein Traum. Schließlich will man auch
 essen und trinken. Kurz gesagt: Das Leben ist teuer. Doch während man noch
 hin- und herrechnet, wird man um Spenden gebeten für die Kirchenerneuerung,
 für die Innere Mission, für die Aktion Brot für die Welt... Ist dafür
 eigentlich noch etwas drin? Wieviel kann ich dafür allenfalls noch
 abzweigen? Ein Prozent meines Nettoverdienstes oder zwei, vielleicht gar
 zehn Prozent?
 Jesus setzt keine Norm. Aber er sagt: Ihr könnt getrost alles geben.
 "Verkauft, was ihr habt, und gebt..."
 Soll man das wörtlich nehmen? Wozu würde das führen? Dazu würde es führen,
 sagt Jesus, daß ihr merken könnt: Ihr habt einen Vater im Himmel. Der aber
 weiß, was ihr braucht, und sorgt dafür, daß ihr es zu seiner Zeit empfangt.
 Er läßt den Vögeln und den Blumen das Ihre zuteil werden, deshalb werdet
 auch ihr nicht zu kurz kommen. Jesus setzt, wie gesagt, keine Norm. Aber
 wenn unser Herz wirklich bei Gott ist, müßte das wohl auch an dem erkennbar
 sein, wofür wir etwas ausgeben. Wenn wir ihn wirklich für unseren Vater
 halten, dürfen wir ihm auch etwas zutrauen.
 Gott weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben. Es gefällt ihm, der
 kleinen Herde, die an ihn glaubt, das Reich zu geben. Alles, was wir sonst
 brauchen, dürfen wir erst recht von ihm erwarten.@{b}

 HIMMLISCHER VATER, DU WILLST UNS DIE UNERMEßLICHE HERRLICHKEIT DES LEBENS
 IN DEINEM REICH SCHENKEN. MACH DARUM AUCH UNS GEBEFREUDIG UND FREI VON
 KLEINLICHEN RECHNEN IN DEN BEDÜRFNISSEN DES ALLTAGES. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 12d" "Lukas 12,35-48"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 12,35-48@{ui}
@{b}                      Seid auch ihr bereit@{ub}
 Noch einmal klingt der Gedanke an, daß Geben seliger ist als Nehmen. Was
 wir haben, ist uns zur Verwaltung anvertraut. Einem Verwalter aber steht es
 schlecht an, wenn er nur selber ißt und trinkt und sich dabei gar betrinkt,
 statt den Leuten seines Herrn zur rechten Zeit zu geben, was ihnen zusteht.
 Er wird zur Verantwortung gezogen werden, sobald sein Herr kommt. Geradezu
 dumm ist es, wenn ein Verwalter denkt: "Mein Herr kommt noch lange nicht."
 Wie einer vom unangemeldeten Einbruch des Diebes überrascht wird, so wird
 der wiederkommende Herr vor ihm stehen.
 Doch nicht darauf kommt es an, Tag und Stunde der Wiederkunft des Herrn
 genau zu errechnen, sondern jederzeit bereit zu sein wie Knechte, die
 wachend die Rückkehr ihres Herrn erwarten. In solcher Erwartung lassen sie
 bereits jetzt ihre Lichter brennen und haben den langen Saum ihres Gewandes
 zu den Lenden hochgegürtet, um sofort laufen zu können und ihrem Herrn zur
 Verfügung zu stehen, wenn er anklopft.
 Wen gilt die Mahnung zu solcher Bereitschaft? Gilt sie allen oder nur uns,
 die wir den Willen des Herrn kennen? Jesus kommt nicht nur zu denen, die
 ihn kennen. Aber wer ihn kennt, sollte in um so größerer Bereitschaft
 leben. er weiß ja, daß man im Dienste Jesu nicht ärmer wird. Wohl klingt es
 unglaublich wie das Märchen von der verkehrten Welt, und doch ist es die
 reine Wahrheit, die schon viele erfahren haben: "Er wird sich schürzen und
 wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen." In seinem Gang zum
 Kreuz hat er es schon getan. Das Abendmahl bezeugt es.@{b}

 HERR, DU WARST BEREIT, DEIN LEBEN FÜR UNS ZU GEBEN. LAß UNS NUN DEINE
 DIENER SEIN UND ALLEZEIT DIE UNS ANVERTRAUTEN GABEN IN TREUE UND MIT WACHEN
 SINNEN GEBRAUCHEN, WIE ES DEINEN WILLEN ENTSPRICHT. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 12e" "Lukas 12,49-59"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 12,49-59@{ui}
@{b}                     Ein Feuer auf Erden@{ub}
 Ein Feuer auf Erden? Das muß die Welt verändern. Altes wird vergehen und
 Neues dafür werden. Doch ist ein hoher Preis zu entrichten, damit es zu
 dieser Veränderung und Erneuerung kommt. Jesus muß eine Taufe über sich
 ergehen lassen, die nicht weniger bedeutet als sein Sterben. Denn wer ein
 weltveränderndes Feuer anzünden will, wird auf Widerspruch stoßen. Und wer
 sich zu dem bekennt, der dieses Feuer anzündet, zieht ebenfalls Widerspruch
 auf sich. Selbst der engste und vertrauteste Kreis der Familie kann vor
 dieser Auseinandersetzung nicht bewahrt bleiben. Hier steht letztes auf dem
 Spiel. Oder sollten wir noch nicht gemerkt haben, daß es in der Frage nach
 Jesus um letztes geht? An Wind und Wolken läßt sich erkennen, was für
 Wetter kommt. Sagen uns Kreuz und Auferstehung nichts? Das Feuer ist schon
 angezündet. Das Gericht über uns und die Welt naht herbei. Wir sind bereits
 auf den Weg dahin. Wie weit ist es noch? Ein Schritt, ein Tag? Worauf
 warten wir? Hoffen wir immer noch, uns selbst und unser Leben rechtfertigen
 zu können? Dann hätte Jesus die Kreuzestaufe umsonst erduldet. Doch er nahm
 sie auf sich, damit auch bei uns Altes vergeht und Neues wird.
 Geben wir ihm endlich recht, der für uns bezahlt hat bis auf den
 allerletzten heller. Wer könnte das sonst für uns tun? Haben wir aber
 Frieden gefunden, wo es um Letzte geht, wird es uns leichterfallen, Frieden
 zu suchen, wo Vorletztes auf dem Spiel steht. Wir können so erfahren, daß
 Jesu Feuer nicht nur Zwietracht bringt, sondern auch Licht und Wärme
 spendet.@{b}

 HERR, DURCH DEIN LEIDEN AM KREUZ HAST DU UNSER LEBEN ERNEUERN WOLLEN. LAß
 UNS DADURCH SO VERÄNDERT WERDEN, DAß AUCH ANDERE GERN EIN JA ZU DIR SAGEN.
 HILF ABER, ES AUSZUHALTEN, WENN SIE BEIM NEIN BLEIBEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 13a" "Lukas 13,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 13,1-9@{ui}
@{b}                   ...wenn ihr nicht Buße tut@{ub}
 Es gibt Nachrichten, die auch einen ruhigen Menschen in Zorn, Wut und Haß
 versetzen. Sicher hat auf strenggläubige Juden die Nachricht von der
 Bluttat des Pilatus etwa so gewirkt: Wenn dem römischen Statthalter nicht
 einmal mehr der Tempel heilig ist, dann sind nicht nur wir, das jüdische
 Volk, dann ist auch unser Gott herausgefordert. So haben wohl die jüdischen
 Widerstandskreise der Zelotenbewegung diese Nachricht verstanden. Wenn sie
 es waren, die Jesus informierten, dann wollten sie ihn zur Teilnahme an
 ihren Gegenaktionen auffordern.
 Ganz andere Untertöne bekam diese Information, wenn sie durch die
 Pharisäerpartei Jesu überbracht wurde. Dann bedeutet sie: Begreifst du nun
 endlich, was für schwere Sünder deine der Widerstandsbewegung anhängenden
 galiläischen Landsleute werden können?
 Jesus läßt sich nicht auf diese Alternativen festlegen. Er klagt die Römer
 nicht an. Er hadert nicht mit Gott. er gestattet auch nicht, die Opfer des
 Pilatus nachträglich als besonders schwere Sünder zu bezeichnen. Für ihn
 ist der Tod der Galiläer ebenso wie das Unglück am Siloahturm ein
 Warnzeichen Gottes für das ganze Volk, ein Ruf Gottes zur Umkehr. Diese
 Umkehr verweigert, wer die Toten zu besonders schweren Sündern macht und
 sich dadurch als nicht betroffen zu erkennen gibt. Diese Umkehr verweigert
 aber auch, wer da meint, Gottes Sache mit Waffen retten zu müssen.
 Beide Gruppen verkennen den Ernst der Lage Israels. Jesus warnt das
 Gottesvolk, indem er es mit einem unfruchtbaren Feigenbaum vergleicht,
 dessen Tage gezählt sind. Wir haben diese Verse recht gelesen, wenn sie
 auch uns zur Buße führen.@{b}

 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS HERAUSRUFST AUS ÜBERHEBLICHKEIT, AUS
 RELIGIÖSER SICHERHEIT UND KIRCHLICHEN TRADITIONEN. HILF UNS, DAß WIR DEINEN
 RUF HÖREN, DEINE WARNUNGEN BEACHTEN UND DEINEN WEG GEHEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 13b" "Lukas 13,10-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 13,10-17@{ui}
@{b}                      Alles Volk freute sich@{ub}
 Wir können diesen Abschnitt wohl nur mit Staunen lesen. Diese Probleme
 haben wir nicht mehr! So sind wir schnell dabei, über die "sturen"
 Zeitgenossen Jesu den Stab zu brechen. Aber wir tun gut daran, uns vor
 jeder Überheblichkeit zu hüten. Sie entlarvt nur unsere Unfähigkeit, andere
 Zeiten und Glaubensrichtungen zu verstehen.
 Für die Zeitgenossen Jesu war die rechte Feier des Sabbats eine ernste
 Glaubensfrage, weil es ihnen beim Befolgen der religiösen Gebote wirklich
 um Leben und Tod des ganzen Volkes ging. Welche Rolle spielt es da, wenn
 eine Frau nach 18 Jahren Krankheit einen Tag länger auf die Heilung warten
 sollte? Auch Jesus geht es um den rechten Gehorsam gegenüber Gott. Gerade
 darum heilt er die kranke Frau am Sabattage, denn dieser Tag soll doch
 deutlich machen, wie sehr Gott an seinen Menschen interessiert ist. So
 nimmt Jesus den Kampf auf gegen eine erstarrte Kirchen- und
 Gesellschaftsordnung, die Gottes Gebot um seinen Sinn bringt. Wenn kein
 Bauer etwas dabei findet, auch am Sabbat sein Vieh zu versorgen, muß dann
 nicht erst recht die Sorge um den Menschen nach Gottes Willen geboten sein?
 Und wenn es um das Wohl des ganzen Volkes geht, gehören dazu nicht auch die
 Frauen und die Kranken? So geht es in dieser "Wundergeschichte" gar nicht
 um das Wunder der Heilung, sondern um das "Wunder", daß auch die Frauen und
 die Kranken vollwertige Glieder Israels sind. Um Gottes willen, der mit
 seinem Geboten "Leben und Frieden" schaffen will, nimmt Jesus den Kampf mit
 dem Synagogenvorsteher auf. Dieser Kampf Jesu geht auch in unseren Tagen
 weiter in Kirche und Welt. Nachfolge Jesu erfordert den Einsatz der
 Christen für das Lebensrecht aller Menschen.@{b}

 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DU AUCH UNSERE VORURTEILE UND UNSEREN STARRSINN
 ÜBERWINDEST. WIR BITTEN DICH, LAß UNS DEINEM WIRKEN RAUM GEBEN, DAß WIR
 WERKZEUGE DEINES FRIEDENS WERDEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 13c" "Lukas 13,18-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 13,18-21@{ui}
@{b}                    Einem Senfkorn gleich@{ub}
 Täglich beten Millionen Christen "Dein Reich komme". Aber wenn uns einer
 fragt, was wir mit diesem Gebet eigentlich meinen, geraten wir oft in arge
 Verlegenheit.
 Auch Jesus ist immer wieder gefragt worden, was seine Rede vom Reich Gottes
 besagen soll. er hat auf diese Fragen mit Vergleichen geantwortet, die aus
 dem täglichen Leben stammen. So verwendet Jesus das winzige kleine
 Senfkorn, aus dem das größte der damals gepflegten Gartengewächse wird, als
 Bild für das Reich Gottes. Beiden gemeinsam ist der unscheinbare Anfang und
 das große Ergebnis. Was ist von einem in der Erde liegenden Senfkornsamen
 schon zu sehen? Und doch wird aus ihm allmählich ein großer Strauch.
 Was ist vom Anbruch des reiches Gottes im Wirken Jesu schon zu sehen? Was
 bedeuten die paar geheilten Kranken angesichts des Krankheitselends in der
 Welt und die paar bekehrten Sünder angesichts der immer noch unerlösten
 Menschheit?
 Aber so, wie der kleine Senfkornsame den großen Strauch verbürgt, so
 verbürgt das Wirken Jesu bei aller Unscheinbarkeit das unaufhaltsame Kommen
 des reiches Gottes, dessen Zukunft mit Jesu schon begonnen hat. Jesus
 verbürgt, daß die Liebe Gottes in dieser Welt unaufhaltsam wirkt und ihr
 Ziel erreichen wird: die eine Menschheit, in der die Menschen und Völker
 füreinander leben können in Frieden und Gerechtigkeit. Die intensive, alles
 durchdringende Wirkung des Reiches Gottes bezeugt das Gleichnis vom
 Sauerteig. Wie ein wenig Sauerteig eine große Menge Mehr durchsäuert, so
 durchdringt der Geist der Liebe Jesu vor allem aber in uns und in jedem
 einzelnen Christen.@{b}

 HERR, WIR BEKENNEN DIR: ES FÄLLT UNS OFT SO SCHWER, AUF DEIN REICH ZU
 HOFFEN UND DICH AUCH IN UNSERER WELT AM WERK ZU SEHEN. GIB UNS HOFFNUNG UND
 MUT, DAß WIR AUCH MIT UNSEREM LEBEN DEIN KOMMENDES REICH BEZEUGEN KÖNNEN.
 AMEN.
                                 Sendungswort@{ub}        Gedicht
                        Er hat uns angenommen!
                        Gehen wir darum mit der Einsicht,
                        daß jung und alt in der Gemeinde
                        ihre Verschiedenheit fair austragen müssen.
                        Christus begegnet uns als Freund!
                        Gehen wir darum mit der Absicht,
                        aufeinander zu hören und es dem anderen
                        abzunehmen, daß auch er es ernst meint.
                        Christus hält Gemeinschaft mit uns!
                        Gehen wir darum mit der Aussicht,
                        daß die Gemeinschaft mit ihm und mit allen
                        Menschen, die uns brauchen, unsere große
                        Chance ist und bleibt.

@ENDNODE

@NODE "Lukas 13d" "Lukas 13,22-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 13,22-30@{ui}
@{b}                    Erste werden Letzte sein@{ub}
 Jesus ist auf dem Wege nach Jerusalem. Dort wird er verhaftet, angeklagt
 und hingerichtet werden. Das ist ihm bewußt. Er hat es seinen Jüngern schon
 angekündigt. Unterwegs lehrt Jesus in den Städten und Dörfern, durch die
 sie kommen. Aber der Zulauf zu seinen Predigten ist nicht mehr so groß wie
 in Galiläa. Das veranlaßt einen seiner Jünger zu der Frage: "Herr, meinst
 du, daß nur wenige selig werden?" Dahinter steht die Sorge um die Wirkung
 der von Jesus verkündigten guten Nachricht. Zu allen Zeiten ist die Kirche
 von dieser Frage umtrieben worden. Wie kommt es, daß wir mit unserm Zeugnis
 von Gottes rettendem Handeln in Jesus Christus so wenig Menschen erreichen?
 Und warum wenden sich so viele Menschen ab, die einmal zur Kirche gehört
 haben? Liegt das an uns, weil wir nicht oft genug oder nicht gut genug
 unsern missionarischen Auftrag erfüllen? Oder ist es in Jesu Entscheidung
 begründet, der eben nur wenige retten will? Jesu Antwort auf diese Frage
 ist eine Zurechtweisung. Er macht deutlich, daß diese Frage für uns und die
 Sache Jesu nicht hilfreich ist. Wichtig ist allein, daß wir mit unserm
 ganzen Leben dem entsprechen, was er uns gelehrt hat. Wenn wir das tun
 werden wir auch in der rechten Weise seine Zeugen sein. Die Wirkung seiner
 Botschaft können wir getrost ihm überlassen. Jesus faßt seine Mahnung in
 die Worte: "Ringet darum, daß ihr durch die enge Pforte hineingeht..."
 Der Weg in das reich Gottes ist also kein gemütlicher Spaziergang. Er
 fordert unsern ganzen Einsatz und auch manchen Verzicht. Man kann nicht dem
 nachfolgen, der in Jerusalem den Tod am Kreuz erlitten hat, wenn man selber
 allen Belastungen aus dem Wege geht. Es reicht nicht, einfach nur zur
 Kirche zu gehören. Auch der Nachweis, daß wir oft am Gottesdienst
 teilnehmen und das Wort Gottes hören, verfängt nicht. Es kommt alles darauf
 an, daß wir seinem Wort gehorchen. Und diesen Gehorsam sollten wir nicht
 auf gelegenere Zeiten verschieben. Es könnte sonst zu spät sein. Wir werden
 nicht immer freien Zugang zum Reiche Gottes haben. Jesus spricht im
 Gleichnis von einer verschlossenen Tür. Zwar werden die Väter und Mütter im
 Glauben und viele Menschen aus allen Teilen der Welt einen Platz finden im
 Reiche Gottes, aber dennoch könnten gerade wir ausgeschlossen sein. Aus
 Menschen, die jetzt Erste sind, können Letzte werden.@{b}

 HERR, WIR DANKEN DIR FÜR DEIN WORT. GIB UNS DEN MUT UND DIE KRAFT, IHM ZU
 GEHORCHEN. SCHLIEß UNS NICHT AUS VON DEINEM REICH, SONDERN LAß IMMER UND
 ÜBERALL IN WORT UND TAT DEINE ZEUGEN SEIN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 13e" "Lukas 13,31-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 13,31-35@{ui}
@{b}                    Und ihr habt nicht gewollt@{ub}
 Jesus hat böse Geister ausgetrieben und Menschen gesund gemacht. Er war
 darum bemüht, Menschen zu sammeln und ihnen Geborgenheit zu vermitteln.
 Aber dennoch ist er auf Widerstand und Ablehnung gestoßen. Die Pharisäer
 haben ihn gewarnt: "Geh weg von hier, denn Herodes will dich töten."
 Vielleicht war das nur eine Drohung, um Jesus aus diesem Gebiet zu
 vertreiben. Jesus reagiert auf die Drohung merkwürdig. er läßt sich nicht
 einschüchtern. Er weiß sich in Gottes Hand und kennt den Ort, an dem er
 nach Gottes Ratschluß den Kreuzestod erleiden muß. Darum fährt er mit
 seinen Wohltaten fort, solange Gott ihm Zeit gibt. Auch die Menschen in
 Jerusalem, die ihn dann zur Kreuzigung ausliefern, veranlassen ihn nicht
 zum Zorn. Er beklagt nur ihren Unglauben. Aber er weiß auch, daß die Zeit
 kommen wird, in der sie ihn endlich als den anerkennen werden, der er in
 Wahrheit ist. Sie werden ihn mit Psalmworten begrüßen: "Gelobt ist, der da
 kommt in dem Namen des Herren!"
 Das wird nicht nur ein vorübergehendes Loben sein, sondern ein endgültiges.
 So haben Ablehnung und Widerstand gegen Jesus keine letzten Kraft. Jesus
 wird den Sieg behalten.
 Heute wird freilich Jesu Botschaft noch von vielen Menschen abgelehnt.
 Nicht wenige empfinden sie als Zumutung. Sie wollen lieber allein mit ihrem
 Leben fertig werden. Auch Christen haben sich manchmal ihren Glauben so
 zurechtgemacht, daß Jesus mit seinem wirklichen Reden und Tun nicht mehr in
 ihr Programm paßt.
 Vielleicht müßte Jesus auch im Blick auf unser Verhalten sagen: "...und ihr
 habt nicht gewollt."@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU TROTZ ALLEN WIDERSTANDES DEIN
 RETTUNGSWERK FÜR ALLE MENSCHEN DURCHGEHALTEN HAST. ÖFFNE UNSERE HERZEN UND
 ERFÜLLE SIE MIT DEINEM WILLEN, DAß WIR UNS GERN VON DIR LEITEN LASSEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 14a" "Lukas 14,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 14,1-14@{ui}
@{b}                       Jesus als Gast@{ub}
 Wir beobachten Jesus beim Besuch im Haus eines hochgestellten Pharisäers.
 Er ist Gast bei einem festlichen Mahl am Sabbat. Lehrer der heiligen
 Schrift wurden sonst am Sabbattisch gerne gesehen; aber Jesus wird
 "belauert". Das Festmahl verläuft dadurch nicht so wie ein Gastmahl sonst.
 Ein Kranker erscheint plötzlich vor Jesus. Durch die lauernden Blicke wird
 die Anwesenheit des Wassersüchtigen als eine absichtlich für Jesus
 errichtete Falle dargestellt. Wir Jesus an Gottes Tag ruhen und den Gästen
 die Heilige Schrift erläutern, oder wird er sich ablenken lassen von der
 fordernden Gegenwart des Kranken und die unruhige Abriet des Arztes
 aufnehmen?
 Er legt ihnen eine Frage über den Feiertag Gottes vor. Sie mußten selbst
 erläutern, was sie aus der Heiligen Schrift wissen und wie sie sie auf sich
 beziehen. Da schweigen sie. Eine Krankenheilung am Sabbat wäre unerhört.
 Jesu Antwort ist klar. Er heilt.
 Der Sabbat ist Gottes Tag. Gott in seiner Güte und seiner Nähe wird durch
 die Heilung verkündigt.
 Von seiner erschreckenden Nähe handeln auch die folgenden Ratschläge Jesu
 für die Gäste. Das Dargestellte wird zum Gleichnis. Wenn wir Gäste haben,
 wird bei festlichen Gelegenheiten die Tischordnung festgelegt. Manchmal
 liegt auf jedem Platz eine Karte des Gastes, der erwartet wird. Was ist
 aber, wenn es solche Festlegungen nicht gibt, wenn sich jeder selbst
 plaziert? Kommt dann noch ein besonders angesehener Gast, muß vielleicht
 einer peinlicherweise aus der Nähe des Gastgebers wegrücken.
 Den Platz in Gottes Reich können wir alle uns nicht selber geben. Wir
 empfangen ihn von Gott.
 Weiß das jeder in der Kirche? Bescheidenheit und Treue im täglichen Dienst
 sind gefragt.@{b}

 HERR GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß DU ZU UNS SPRICHST. HILF, DAß WIR NICHT AN
 EIGENSÜCHTIGES DENKEN, SONDERN DIR DIE EHRE GEBEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 14b" "Lukas 14,15-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 14,15-24@{ui}
@{b}                      Eine persönliche Einladung@{ub}
 Manchmal empfinden wir eine Einladung wie ein persönliches Geschenk. Zwar
 gibt es auch Einladungen, über die wir uns nicht freuen; nur Rücksichten
 veranlassen uns, hinzugehen. Jesus aber erzählt im Gleichnis von Gottes
 Geschenk, das wir uns nicht selber nehmen können: Wir sind bei Gott
 eingeladen. Er beschenkt uns mit Leben. An Abendmahlsfeiern werden wir
 erinnert, wenn wir hier lesen: "Kommt, es ist alles bereit!"
 Doch in der Erzählung Jesu erscheinen Menschen, die mit Entschuldigungen
 ablehnen, zu kommen. Völlig unvorbereitete "Zaungäste" nehmen ihre Plätze
 ein. Dabei sind auch solche, die zur Zeit Jesu grundsätzlich abgelehnt
 worden wären. So ist die Geschichte einerseits ein Gerichtswort an Jesu
 damalige Hörer. Die zum auserwählten Volk gehörten, hatten vergessen, was
 das für eine Auszeichnung war. Andere werden berufen.
 Es ist nun aber auch ein Wort an uns. Nichtjuden sind längst nicht mehr
 Zaungäste in Gottes Reich. Ob wir Auserwählten das Äußerste an Einsatz,
 Opfer und Hingabe erkennen, das unser Herr für uns tat und das im Bild von
 der herzlichen Einladung ausgesprochen ist? Die Einladung wartet immer auf
 den Entscheidungswillen in unserem Herzen. Wir erkennen in den Gemeinden,
 zu denen wir gehören, manchen Zug der Erzählung an Menschen von heute
 wieder. Wir sehen uns und Zeitgenossen von uns abgebildet. Es kommt mancher
 neu dazu, von dem wir es kaum erwartet hätten. Dafür fehlen leider
 Menschen, die zur Gemeinde gehören. Vielleicht fehlen auch wir manchmal,
 wo wir erwartet werden.@{b}
 HERR, WIR DANKEN DIR DAFÜR, DAß DU UNS DURCH JESUS CHRISTUS IMMER WIEDER
 PERSÖNLICH EINLADEN LÄßT. WIR BEKLAGEN UNSERE EIGENE LAUHEIT, UNSERE
 INTERESSENLOSIGKEIT. LEHRE UNS DIE FROHE GEWIßHEIT, DAß ALLEIN DEIN WORT
 ENTSCHEIDENDE LEBENSHILFE IST, NICHT NUR AM SONNTAG. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 14c" "Lukas 14,25-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 14,25-33@{ui}
@{b}               Jesus in allem den Vorrang geben@{ub}
 Soll ich wirklich meine Mutter hassen und meine Frau und die Kinder? Können
 etwa diejenigen, in deren Familien Streit und Trennung ist, am besten Jesu
 Jünger sein? Wir spüren, so kann dieses Wort Jesu nicht gemeint sein. Haß
 als Gefühlsausdruck, als innere Feindschaft gegen die nächsten Menschen,
 das hat Jesus selbst nicht praktiziert, und das will er ganz sicher auch
 nicht von uns.
 Jesus hat aramäisch gesprochen. Das aramäische Wort, das in der
 griechischen Übersetzung mit "hassen" wiedergegeben ist, meint aber nicht
 ein Hassen nach unserem Verständnis. es bedeutet: jemanden zurücksetzen,
 sich gegebenenfalls gegen jemand entscheiden. Wenn ich Jesu Jünger sein
 will, müssen alle anderen Ansprüche an mich dahinter zurückstehen. Er teilt
 seine Herrschaft über mich mit keinem anderen, auch nicht mit dem mir
 liebsten Menschen.
 Daß Jesus dieses Wort so verstanden wissen will, zeigt er in Vers 33: "Wer
 nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein." Was will
 Jesus mit diesem provozierenden Wort erreichen? Er will, daß ein Mensch die
 Kosten überschlägt, wenn er Christ werden will. Und wenn jemand bereits
 Christ ist, soll er sich klarmachen, was es heißt, in der Nachfolge Jesu
 zu stehen. Es kann Spannungen mit den Eltern geben, wenn jemand Christ
 wird. Es kann sein, daß der Ehepartner ihm vorwirft, er übertreibe es mit
 dem Christsein, wenn er auch nur einfach Jesu Willen tun will. Auch das ist
 immer wieder vorgekommen, daß Geschwister sich von einem Christen
 distanziert haben, weil er sich zu Jesu Jüngern hält. In solchem Fall muß
 ein Christ "Prioritäten" setzen, muß er deutlich machen, wer für ihn an
 erster Stelle steht. Das kann schmerzliche Spannungen in einer Familie
 geben. Aber Jesus, der alles für mich einsetzte, kann mit Fug und Recht
 erwarten, daß er für mich der Erste und Wichtigste ist. Nur wenn ein Christ
 bereit ist, so konsequent Jesu Jünger zu sein, kann er für seine
 Mitmenschen ein Zeuge Jesu werden. Oft hat ein Christ hinterher beschämt
 und dankbar erfahren, daß dieses Zeugnis den nächsten und liebsten Menschen
 Achtung abgenötigt hat, ja, daß sie dadurch auch zu Christus geführt
 wurden.@{b}

 HERR, WIR BITTEN DICH, SEGNE UNSERE FAMILIEN. GIB UNS, DAß WIR DIR RECHT
 NACHFOLGEN UND DU FÜR UNS AN ERSTER STELLE STEHST. WIR DANKEN DIR, DAß DIE
 DARAUS ENTSTEHENDE SPANNUNGEN FÜR UNSERE UMGEBUNG UND FÜR UNS ZUM SEGEN
 WERDEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 14d" "Lukas 14,25-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 14,25-35@{ui}
@{b}                      Persönliche Bindungen@{ub}
 Es gibt kaum jemanden ohne persönliche Bindungen. Es kann aber nötig
 werden, daß um der nachfolge Jesu Christi willen persönliche Dinge in den
 Hintergrund treten müssen. Immer wird es schwierig sein, die Bindung an
 seine Nächsten und die Nachfolge Jesu Christi zu vereinen. Die Menschen der
 Reformationszeit etwa haben Jesus verstanden, wenn sie bezeugt haben, daß
 alle Beziehungen, in denen ein Christ steht, erst in Christus ihren Sinn
 und ihre Tiefe gewinnen.
 Für manchen Pfarrer heute, der eine Pfarrstelle sucht, spielen die
 schulischen Möglichkeiten seiner Kinder und die Gelegenheit seiner Frau,
 ihren Beruf auszuüben, eine wichtige Rolle. Aber "weiße Flecke" auf der
 Karte eines Kirchengebietes darf es nicht geben. Gottes Wort muß nicht nur
 überall unterrichtet und gepredigt, sondern vor allem auch gelebt werden.
 Weiter lesen wir in der heutigen Tageslesung von Entscheidungen, bei denen
 es darum geht, sie durchzustehen und für sie einzutreten.
 Wir überlegen in solchem Fall gründlich. Hier betrifft es die Frage, ob wir
 Jesu Jünger sein wollen. Bonhoeffer hat sich, wie Schüler von ihm
 berichten, zunehmend gefragt, was er antworten würde auf die Frage: Warum
 bist du Christ geblieben? Die Frage warum wir Christen geworden sind, ist
 ja bei allen von uns, die wir als Kinder getauft wurden, in gewisser Weise
 einfach zu beantworten. Wohl aber müssen wir auf die Frage antworten
 können, warum wir jetzt Christen sind.@{b}

 HERR, UNSER GOTT, DU WEIßT, WIE SCHWER UNS OFT DIE ENTSCHEIDUNG ZWISCHEN
 DEINEN ANSPRUCH UND UNSEREN PERSÖNLICHEN INTERESSEN WIRD. WIR HABEN OFT
 VERSAGT. HILF UNS DOCH, DAß WIR ENTSCHEIDUNGSFREUDIGER WERDEN UND OPFER
 BRINGEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 15a" "Lukas 15,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 15,1-10@{ui}
@{b}                       Das Verlorene suchen!@{ub}
 Wir wissen alle, daß wir oft genug Verlorenes trotz eifrigen Suchens nicht
 wiederfinden. Wir dürfen dem Verlorenen nicht unser ganzes Leben lang
 nachtrauern. Aber ganz falsch ist es, wenn wir Verlorenes vorschnell
 aufgeben.
 In der Beispielgeschichte vom guten Hirten, der keinen Weg und keine Mühe
 scheut, um das verlorene Schaf zu finden, stellt sich Jesus selbst dar.
 Ebenso verhält es sich beim Gleichnis von der Frau, die das ganze Haus
 umkehrt und in jeden finsteren Winkel hineinleuchtet, um den verlorenen
 Groschen zu finden.
 Jesus macht es sich zur Aufgabe, Menschen zu suchen, die von anderen
 verloren gegeben wurden. Er hat keine Berührungsängste. Er will den
 Verlorengegebenen ihr Selbstwertgefühl wiedergeben. Er hält sie für wert,
 daß sie ihr Leben neu gestalten können. Dazu brauchen sie allerdings die
 Einsicht ihrer Mitmenschen, daß sie eben nicht für immer verloren sind. Sie
 müssen merken, daß es Menschen gibt, die sich darüber freuen. Wir denken an
 Vater Bodelschwingh. Mit viel Liebe und Phantasie gab es den
 Landstreichern, die lange angeschrieben waren, das Bewußtsein wieder, nicht
 außerhalb der Gesellschaft zu stehen. Mit viel Liebe und Phantasie nehmen
 sich heute Menschen in der Kraft und im Geist Jesu der Suchtgefährdeten an
 und tragen sie gleichsam auf ihren Schultern. Wo wir selbst nicht helfen,
 sollten wir viel Verständnis für die Hilfsbedürftigen und für die Helfer
 haben. Wir werden nicht alle erreichen und nicht immer Erfolg haben. Aber
 wir sollen uns bemühen. Jesu Beispiel und Ruf gilt: Sucht das Verlorene!
 @{b}
 LIEBER HERR JESUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU STÄNDIG AUF DER SUCHE NACH UNS
 BIST. LAß KEINEN VON UNS VERLORENGEHEN IN IRGENDEINER SUCHT. BEWAHRE UNS
 VOR DER EIGENSUCHT. GIB UNS DEN MUT, DAß WIR EINANDER SUCHEN UND UNS
 VONEINANDER FINDEN LASSEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 15b" "Lukas 15,11-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 15,11-32@{ui}
@{b}                    Du aber solltest fröhlich sein!@{ub}
 Der verlorene Sohn ist beinahe sprichwörtlich geworden. Es prägt sich tief
 ein, wie er auf die schiefe Bahn gerät und doch den Mut zur Umkehr besitzt
 und wie ihn der Vater voll Liebe wieder aufnimmt.
 Aber eigentlich ist die Geschichte von zwei verlorenen Söhnen, die beide
 Umkehr und Annahme brauchen.
 Welchem der beiden gleichen wir? Der jüngste Sohn rührt uns, aber wir
 gleichen doch wohl mehr dem Ältesten, der zu Hause blieb. Er war fleißig
 und anständig, er hat seinem Vater keinen Kummer gemacht. Sicher ist auch
 er froh, daß der verlorene Bruder wieder nach Hause gefunden hat. Aber daß
 der Vater ein so großes Fest anrichten muß, ist ihm unverständlich. Er
 hätte es wohl eher verdient, daß der Vater ihm ein Fest bereitet.
 Warum soll auch er ein verlorener Sohn genannt werden? Er meint, daß er von
 seiner eigenen untadligen Tüchtigkeit lebe. Er hat es nie empfunden, daß
 sein Leben eingebettet war in die Liebe des Vaters, von dessen Güte er
 gelebt hat. Er müßte zweifache Freude haben. Das wäre einmal die Freude
 darüber, daß er immer im Hause des Vaters war, daß er an allem teilhaben
 konnte, was der Vater an Gutem bot. Das wäre auch Freude darüber, daß er
 nun einen Bruder hat, mit dem er gemeinsam daran teilhaben kann. Wird auch
 der ältere Bruder zurückfinden zum Vater?
 Mit dieser Frage werden wir entlassen Empfinden wir unser Verhältnis zu
 Gott als verpflichtende Last oder als Geschenk der Geborgenheit in seinem
 Hause, das viele Wohnungen hat? Kann nicht jeder Tag ein Fest werden? In
 Gottes Liebe ist jeder eingeschlossen, der hinzufindet.@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL, WIR DANKEN DIR, DAß WIR SCHON IN UNSEREM LEBEN, DAS
 SO VIELES UMSCHLIEßT, IN DEINEM HAUSE SEIN KÖNNEN. TÄGLICH UMGIBST DU UNS
 UND BESCHENKST UNS MIT DEN GABEN DEINER GÜTE. LAß UNS FROH WERDEN ÜBER ALLE
 MENSCHEN, DIE BEI DIR SEIN WOLLEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 16a" "Lukas 1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 16,1-9@{ui}
@{b}                     Was soll ich tun?@{ub}
 Es gehört eine kräftige Portion Mut und Kaltblütigkeit dazu, so wie der
 Verwalter zu handeln. Ihm wird vorgeworfen, den Besitz seines Herrn zu
 verschleudern. Ausreden helfen nicht, die Tatsachen sprechen gegen ihn. Er
 sieht, was auf ihn zukommen wird, seine Entlassung. Wie soll es dann
 weitergehen? Allein schafft er es nicht. Er benötigt Menschen, die ihm
 helfen. Da ihm sowieso vorgeworfen wird, er veruntreue das Anvertraute,
 läßt er alle betroffenen Schuldner daran Anteil haben. Er verringert deren
 Schuldsumme. So hat er für jeden etwas getan, und sie werden ihn später
 nicht im Stich lassen. Er ist vorbereitet, denn er hat die Zeit, die ihm
 noch bleibt, gut genutzt.
 Doch nun kommt das Überraschende, daß der Herr, und hier ist Jesus gemeint,
 dieses Verhalten lobt. Er hat klug gehandelt, wird ihm bestätigt. Er hat in
 der kurzen Zeit, die er noch als Verwalter hatte, alle Kräfte, alle
 Phantasie angestrengt und sich auf die Zukunft eingestellt.
 Das sollen wir Christen lernen, unsere Situation im Angesicht Gottes
 richtig zu erkennen und unsere Zeit zu nutzen. Gott richtet unsere Augen
 auf die Zukunft, auf sein Gericht. er läßt uns heute anfangen, mit Umsicht,
 mit Einfallsreichtum, mit Mut, auch mit Kaltblütigkeit für ihn tätig zu
 sein. Gottes Gericht kommt auf uns zu, und es verändert sich vieles, wenn
 wir uns so realistisch sehen, wie der Verwalter sich einschätzte. Wo ist
 unser Erfindungsreichtum, wenn es um unseren Herrn geht? Wo ist unsere
 schnelle Auffassungsgabe, wenn es darum geht, was wir für einen anderen tun
 können? wo ist unsere Bereitschaft, Neues zu probieren, wenn darauf
 geachtet wird, wie wir als Christen leben?@{b}

 LIEBER HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS NÜCHTERN UNSERE SITUATION ERKENNEN
 LÄßT. WIR BITTEN DICH, LAß UNS KLUG LEBEN UND DEINEN WILLEN TUN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 16b" "Lukas 16,10-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 16,10-15@{ui}
@{b}                     Worauf es ankommt@{ub}
 Wem bin ich treu? Mir selbst? Meinen Prinzipien? Gott? Meiner Familie? Oder
 wem sonst? Ist es nicht manchmal leichter zu sagen, wem ich untreu geworden
 bin? Dieses Wort treu ist eng verbunden mit dem Wort Vertrauen. Wem
 vertraue ich? Wem bin ich anvertraut? Es sagt doch etwas über eine
 Verbindung aus. Wem bin ich fest verbunden? Wo bin ich zuverlässig?
 In unserem Text wird vom "Mammon" geredet. Beide schließen sich aus. Wer
 der Gier nach dem Geld verfallen ist, der ist von Gott fern. Wer Gott
 dient, für den hat das Geld jedenfalls einen anderen Stellenwert. Es ist
 Mittel, aber nicht Ziel. "Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott",
 sagt Martin Luther im Großen Katechismus zum ersten Gebot. Es ist nicht das
 Geld, aber es ist Gott, der uns mit Liebe jeden Tag umgibt und uns hilft,
 Liebe weiterzugeben.
 Lachten und spotteten die Pharisäer, weil sie vermuteten, diese Einstellung
 sei zu weltfremd? Hat nicht aber gerade "der ungetreue Verwalter" aus der
 Evangelienerzählung, die gestern zu lesen war, gezeigt, wie Geld und Besitz
 nur Mittel, aber nie Ziel sein dürfen?
 Die volle Lohntüte ist in der Tat noch nicht die ewige Seligkeit. Aber
 manch einer sucht die auch lange Zeit nicht.
 Aber von der Erfüllung eines Menschenlebens träumt wohl jeder. Sie wird
 sichtbar, wo Gottes Treue in meinem Leben aufleuchtet, wo uns Treue und
 Zuverlässigkeit begegnen. Gott gegenüber spüren wir: Wir werden ernst
 genommen. Gott sieht in unser Herz und erkennt uns durch und durch. Weil er
 uns dennoch treu ist, können auch wir uns darin üben, ihm treu zu sein und
 anderen mit dieser bei ihm gelernten Treue zu begegnen.
 Das zählt viel bei Gott.@{b}

 HERR, UNSER GOTT! WIR DANKEN DIR, DAß DU TREU ZU UNS STEHST. LAß UNS GERADE
 HEUTE IM GEDENKEN AN DIE PROGROMNACHT NACH DEM GEHORSAM GEGENÜBER DEINEM
 WORT FRAGEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 16c" "Lukas 16,16-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 16,16-18@{ui}
@{b}                       Gesetz und Evangelium@{ub}
 Welche Erfahrungen haben wir mit den Zehn Geboten gemacht? Waren sie
 hilfreich oder haben wir uns in unserer Freiheit eingeengt gefühlt? Legen
 sie uns zu sehr fest oder helfen sie uns, richtige Entscheidungen zu
 treffen? Viele richten sich heute nicht mehr nach ihnen. Macht nicht jeder
 das, was er will und was ihm nützt? Wie sieht es mit unserer christlichen
 Freiheit aus? Hat nicht das Evangelium das Gesetz und die Propheten
 abgelöst? Aber gerade an dem Gesetz erkennen wir unser Versagen. Es ist und
 bleibt ja Gottes Gesetz. Jesus sagt: "Es ist aber leichter, daß Himmel und
 Erde vergehen, als daß ein Tüpfelchen vom Gesetz fällt."
 Das Evangelium läßt uns dennoch leben, und das baut uns wieder auf. Gott
 vergibt uns. Gottes Liebe zu uns ist größer als alle unsere Schuld. Wir
 dürfen wieder neu anfangen. So leben wir in dieser Spannung von Gesetz und
 Evangelium, von unserem Versagen und Gottes Vergebung.
 Eine gebrochene Ehe ist nach wie vor ein Versagen, auch wenn es heute nicht
 mehr moralisch anstößig scheint.
 Schuld bleibt Schuld. Ein kaputtes Gefäß wird noch nicht damit ganz, daß
 alle kaputte Gefäße haben. Die Frage ist: Wie geht es weiter, wie lebe ich
 angesichts des entstandenen Scherbenhaufens?
 In bezug auf das sechste Gebot sind wir auf die Vergebung Gottes ebenso wie
 bei allen anderen Geboten angewiesen, Verheiratete, Geschiedene,
 Alleinstehende. Aus dieser Vergebung neu anfangen zu dürfen, macht frei und
 froh. So baut Gott aus angebrochenen, gefährdeten und kaputten Gefäßen das
 Reich Gottes auf. Er allein füllt unseren Mangel auf.@{b}

 HIMMLISCHER VATER! WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS VERGIBST UND UNS FREI MACHST.
 WIR LOBEN DICH DAFÜR, DAß DU KAPUTTES LEBEN WIEDER HEIL MACHST. WIR BITTEN
 DICH, DAß WIR BEI ALL DEINER VERGEBUNG DEINE GEBOTE ERNST NEHMEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 16d" "Lukas 16,19-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 16,19-31@{ui}
@{b}                  Auf Gottes Wort hören bewahrt@{ub}
 Was ist dem reichen vorzuwerfen? Eigentlich nur seine Dummheit, nicht über
 den Augenblick hinausgedacht zu haben. Er ist kein Wucherer, keiner, der
 bewußt andren Schaden zufügt.
 Gerade seine Harmlosigkeit kann uns erschrecken, in der er kontaktlos und
 unbekümmert an seiner Umgebung vorbeilebt.
 So gehen Priester und Levit an dem von Räubern überfallenen vorbei, erzählt
 Jesus im Gleichnis ja auch. Von Lazarus wird uns nicht berichtet, daß er
 besonders fromm oder gläubig war. Er schaut begehrend auf den Reichen, um
 von seinem Resten sich zu sättigen, wie die Hunde, die seine Wunden
 leckten. Nachdem beide gestorben sind, sagt Jesus, wendet sich das Blatt.
 Nun schaut der Reiche in seiner Qual begehrend auf Lazarus, der in Abrahams
 Schoß sitzt. Nur der Leidende sieht jeweils den anderen.
 Dabei spricht doch Gottes Wort ständig zu uns. Alle Gebote, das ganze
 "Gesetz und die Propheten", die Anrede Gottes an uns in der gesamten Bibel,
 schärfen unseren Blick für die Menschen um uns, gerade auch für die
 Leidenden. Doch hören wir in den guten Tagen darauf?
 Unsere Geschichte ist kein "Reiseführer für das Jenseits". Es geht ihr
 zuallererst darum, daß wir Gottes Wort ernst nehmen. Dazu gehört, das Leid
 um uns herum zu erkennen und nach unseren Möglichkeiten Abhilfen zu
 schaffen. Gott nimmt Partei für die Armen und Notleidenden. Nur wenn
 sein Wort uns trifft und wir danach tun, dann erfüllen wir unsere
 Bestimmung.@{b}

 HERR, UNSER GOTT! BEWAHRE UNS VOR DER GLEICHGÜLTIGKEIT GEGENÜBER DEINEM
 WORT UND DEN MITMENSCHEN. LAß UNS DEIN WORT ERNST NEHMEN, AUCH WENN ES
 UNBEQUEM IST. SCHÄRFE UNSEREN BLICK FÜR MENSCHEN DIE UNSERE HILFE
 BENÖTIGEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 17a" "Lukas 17,5.6"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 17,5.6@{ui}
@{b}                    Gott kann - ihr könntet!@{ub}
 Daß auch die Apostel um Stärkung ihres Glaubens bitten müssen, verschweigt
 die Bibel nicht, sowenig wie ihr Mißverstehen. ihr Verleugnen, Verraten und
 Fliehen.
 Das bringt uns die Jünger nahe. Im Zusammenhang des Evangeliums kommt diese
 Bitte unmittelbar, nachdem Jesus von dem Verhältnis der Jünger
 untereinander, sozusagen von den innerkirchlichen Beziehungen gesprochen
 hat. Für nicht wenige von uns liegen dort die härtesten Belastungsproben
 unseres Glaubens, daß wir, obwohl wir doch alle an Christus glauben, nicht
 in der Lage sind, verträglicher, freundlicher, vergebungsbereiter
 miteinander umzugehen. Und wenn einer siebenmal am Tage sich an mir
 verschuldet und siebenmal es bereut, dann soll ich auch siebenmal ihm
 vergeben?
 So meint es Jesus, und so wünschen wir es auch, daß es in den Gemeinden
 geschehen möge. Aber welche tiefverwurzelten Vorbehalte hindern uns da,
 schlechte Erfahrungen, verletztes Ehrgefühl! Wie kann man das ausrotten?
 "Wenn ihr Glauben hättet", sagt Jesus, und hat damit offenbar etwas anderes
 im Blick als die Jünger, die doch sicher meinten, Glauben zu haben, nur
 eben nicht genug, noch zu schwachen Glauben. Für Jesus aber gibt es nicht
 kleinen oder großen, schwachen oder starken, viel oder wenig Glauben. Für
 ihn gibt es entweder Glauben oder Nichtglauben. Denn in seinem Sinn ist
 Glaube der menschliche Teil der Beziehung, in die Gott in seiner Liebe sich
 zu uns begeben hat. Und weil Gott sich immer ganz und gar uns zuwendet,
 nicht einmal schwächer und dann wieder stärker, und weil es in
 Glaubensdingen zuerst und zuletzt immer auf das ankommt, was Gott tut,
 darum genügt auch nur ein Senfkorn-Glaube auf unserer Seite. Gottes ganze
 Liebe hat uns dann berührt, sein ganzes Leben hat er uns geöffnet mit
 allem, was er kann und hat. Gott kann, warum nicht, auch dem tiefwurzelnden
 Maulbeerbaum befehlen, sich ins Meer zu versetzen? Warum nicht auch
 gänzlich verfahrene Zwistigkeiten lösen? Warum nicht auch meinen Stolz von
 innen her aufbrechen und mich neu zugänglich machen für den, der mir
 Unrecht und Leid zufügte?
 Und wenn Glauben heißt, mit Gott zu leben, auf seine Liebe einzugehen,
 denken, was er denkt, wollen, was er will - dann heißt Glauben auch:
 Können, was Gott kann. "Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn,
 dann könntet ihr...!"@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL, DU HAST IN JESUS CHRISTUS DEINE LIEBE EINDEUTIG
 GEMACHT. HILF UNS ZU DEM GLAUBEN, IN DEM WIR DICH ÜBER ALLE DINGE FÜRCHTEN,
 LIEBEN UND DIR VERTRAUEN. HILF UNS ZUM LEBEN AUS SOLCHEM GLAUBEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 17b" "Lukas 17,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 17,1.10@{ui}
@{b}                       Vor Mißbrauch schützen@{ub}
 "Wir sind unnütze Knechte!" Wer bei diesem Satz traurig wird und nicht
 froh, der hat ihn falsch verstanden. Denn falsch ist es, wenn die Aussage
 benutzt wird, um anderen oder sich selbst ein schlechtes Gewissen zu
 machen, um anzutreiben und zu unterdrücken.
 Ein Leitsatz der Diakonissen lautet: "Mein Lohn ist, daß ich darf."
 Diese Art zu leben sieht auf den ersten Blick positiv aus. Und doch kann es
 negative Wirkungen haben, wenn etwa einer Dienst bis zum Umfallen tut und
 trotzdem Minderwertigkeitsgefühle hat. Umgekehrt kann das Hochmut und
 Arroganz hervorrufen, wenn einer meint: Niemand arbeitet so viel wie ich.
 Jesus sagt: So selbstverständlich, wie ein Sklave seine Arbeit tut, so
 selbstverständlich lebt der Christ in der Nachfolge seines Herrn.
 "Wir gehören zu Gott mit allem, was wir sind und haben; darum ist es so
 dumm, mit Gott abrechnen zu wollen", sagt Calvin. Alles Vergleichen und
 Messen des Glaubens ist falsch; ihn etwa bei einem als besonders groß oder
 oder bei einem anderen als beschämend klein einzustufen. Es geht nicht um
 weniger oder mehr, sondern um den echten Glauben, der wirkt, mag er noch so
 winzig sein. Dieser Glaube ist ein Geschenk - unser ganzes Dasein ist ein
 Geschenk. Sklaven konnte man in der Antike kaufen. Wir Christen sagen, daß
 wir "teuer erkauft" sind. Nicht aber, damit Gott jemanden hat, der für ihn
 arbeitet, sondern weil er uns Menschen liebt. Gott will nicht unsere
 Leistung, sondern er will, daß wir das Leben als Geschenk entdecken. Daß
 daraus dann Dankbarkeit und Liebe folgen und daß die Liebe mit ihrer
 Aufgabe nie ans Ende kommt, ist wohl klar.@{b}

 DU, GROßER GOTT, WILLST UNSER KLEINES LEBEN. DARÜBER KÖNNEN WIR NUR
 STAUNEN. LAß UNS AN DICH GLAUBEN UND DIR DIENEN MIT ALLEN KRÄFTEN, DIE WIR
 HABEN, UNSER LEBEN LANG. AMEN.
                               Unnützer Knecht@{ub}        Gedicht
                          Ich bin ein unnütz Knechte,
                          mein Tun ist viel zu schlechte,
                          denn daß ich ihm bezahl
                          damit das ewig Leben;
                          umsonst will er mirs geben
                          und nicht nach meim Verdienst und Wahl.

                          Auf Gott steht mein Vertrauen,
                          sein Antlitz will ich schauen
                          wahrlich durch Jesus Christ,
                          der für mich ist gestorben,
                          des Vaters Huld erworben,
                          mein Mittler er auch worden ist.
                          @{i}   Aus dem Lied
                          "O Welt, ich muß dich lassen"@{ui}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 17c" "Lukas 17,11-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 17,11-19@{ui}
@{b}                     Von der Heilung zum Heil@{ub}
 In einer Gemeindeordnung in Neuguinea ist festgelegt, daß jedes
 Gemeindeglied jährlich einmal den Ältesten darüber Rechenschaft ablegt, was
 Gott ihm alles geschenkt und was er damit angefangen hat.
 Vieles in unserem Leben ist Geschenk. Machen wir uns das bewußt, fühlen wir
 Dankbarkeit gegenüber Gott.
 Dem Samariter erging das so. Und die anderen Geheilten? Offensichtlich sind
 sie sehr schnell in ihr altes Leben zurückgekehrt. Wie oft nehmen wir uns
 an besonderen Stationen unseres Lebens vor, neu zu beginnen, unser Leben zu
 ändern. Aber dann hat uns der Alltag wieder. So ist es wirklich
 ungewöhnlich, was der Samariter (ausgerechnet er, der Außenseiter) tut. Er
 lobt Gott und fällt vor Jesus nieder, den er als Heiland und Helfer der
 Menschheit erkennt, obwohl Jesus doch wie jeder Wanderprediger oder
 Wunderheiler damals aussah. Die Dankbarkeit und der Glaube des Samariters
 bleiben nicht ohne Erwiderung. Jesus führt ihn zum vollen Heil seines
 Lebens, das von Gott ausgeht und bei Gott endet. Jesus hat keinen Menschen
 gezwungen, zu glauben und Gott zu ehren. Er nahm auch niemals Gottes Gaben
 einem Menschen weg, der ihm gegenüber die Dankbarkeit vergessen hatte.
 In unserer Geschichte kehrt nur einer um und erfährt, daß Gesundheit noch
 nicht alles ist. Für ihn beginnt ein neues Leben mit Gott.
 Übrigens erzählt Lukas die Geschichte so, daß wir ans Abendmahl erinnert
 werden. Der Ruf: "Herr, erbarme dich!", die Aufforderung: "Steh auf!"
 /"Erhebt eure Herzen") und der Lobpreis erinnern uns daran, daß das
 Abendmahl auch Eucharistie genannt wird: Danksagung.@{b}

 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß WIR MIT ALLEN SORGEN UND NÖTEN ZU DIR KOMMEN
 DÜRFEN. WIR DANKEN DIR, DAß WIR DIR UNSER HERZ AUSSCHÜTTEN DÜRFEN. WIR
 DANKEN DIR FÜR ALLES GUTE IM LEBEN UND BITTEN DICH IMMER NEU UM DAS
 GESCHENK DEINER NÄHE FÜR JEDEN TAG. AMEN.

                              Wochendank@{ub}          Gedicht
                    Was mag schon in sieben Tagen geschehn?
                    Inzwischen könnten wir lautlos vergehn,
                    als Beute von Unheil und Tod.
                    Wir sind doch gefährdet in Schwäche und Pein,
                    gäbst du uns nicht täglich Öl und Wein,
                    Kleidung und reichlich Brot.

                    Wir danken für sieben Tage Geduld,
                    für sieben Tage vergebene Schuld,
                    für siebenfach Heiligen Geist.
                    Wie könnten wir nur eine Woche bestehn?
                    Wir müßten verderben und irregehn,
                    wenn du uns den Weg nicht weist.
                    @{i}     Wolfram Böhme @{ui}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 17d" "Lukas 17,20-37"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 17,20-37@{ui}
@{b}                        Nicht berechenbar@{ub}
 Ein Bild reiht sich an das andere. Und jedes Bild sagt uns: Wir können uns
 das kommende Reich Gottes nicht vorstellen. Ortsangaben gibt es nicht.
 Berechnungen sind eindeutig verboten. Nötig ist es aber trotzdem, sich
 nicht in die falsche Sicherheit zu wiegen. Nötig ist es, auf das Reich
 Gottes hinzuleben. Ja, mehr noch: wahrzunehmen, daß es durch Jesus Christus
 verborgen schon begonnen hat - mitten unter uns. Unser übliches Leben,
 unser Hängen am Besitz und an der Vergangenheit kann uns blind und
 unbeweglich machen. Jesus sagt: Das leben, das der Mensch krampfhaft
 bewahren oder sich durch rücksichtslose Selbstbehauptung schaffen will, ist
 Schein. Das Leben, das Christus durch seinen Geist erweckt, ist
 Wirklichkeit. beweisen läßt sich das alles nicht. deshalb braucht man Mut
 zu einem Leben, das frei ist von dem, was uns gefangenhalten will. Solch
 ein Leben im Glauben könnte den Mitmenschen so sinnlos vorkommen wie der
 Bau der Arche durch Noah oder die Flucht Lots. Aber vielleicht finden die
 Menschen solch ein Leben auf Gott hin gar nicht komisch, denn praktisch
 verwirklicht es sich dich in der Nachfolge Christi. Echte Nachfolger
 Christi aber waren schon immer wichtig für die Welt. Sie brauchen keine
 Angst vor dem entgültigen Wiederkommen Christi zu haben und keine Angst in
 der Gegenwart, trotz vorausgesagter Anfechtungen. Alle Begegnungen mit
 Jesus im irdischen Leben des Menschen ist Einübung auf jenen Tag hin, an
 dem Gott selbst in der Gestalt Jesu Christi den Menschen in das endgültige
 Leben mit Gott hereinholt.@{b}

 HERR, HILF UNS ZU EINEM UNBEKÜMMERTEN LEBEN, AUSGERICHTET AUF DICH HIN. GIB
 UNS EIN FREIES HERZ UND EINE LEICHTE HAND, WENN ES UM BESITZ, STELLUNG UND
 ANDERE WICHTIGE DINGE DES LEBENS GEHT. LENKE UNSEREN LEBENSWEG ZU DIR.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 18a" "Lukas 18,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 18,1-8@{ui}
@{b}                 Allezeit beten und nicht nachlassen@{ub}
 Die Geschichte vom Richter, der erst ganz abwesend ist, schließlich aber
 doch noch einer armen Frau zu ihrem Recht verhilft, ist nur in einem Punkt
 ein Gleichnis für uns und Gott, da nämlich, wo wir erkennen: Bitten ist
 nötig. Sonst wird uns der Rechtskundige, der einer Witwe lange nicht
 beistehen will, nur als schlechtes Beispiel vorgeführt. Aber selbst der
 Hartgesottene lenkt ein, weil ihm die Frau ständig auf die Nerven geht:
 "Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten?"
 Das Bitten, das nicht aufhört, das ständige Gebet, ist der Vergleichspunkt.
 Jesus sagt: Bitten ist nötig. Aber uns wird erklärt, auf welche Bitten hin
 Gott den Seinen Recht schaffen wird. Das Rufen bei Tag und Nacht kann nach
 dem ganzen Zusammenhang der Geschichte kein Gebet um alltägliche Dinge
 sein. Davon ist anderswo die Rede. Das "Mastgebet des Egoismus" allerdings
 will Gott nie.
 Wir lesen um diesen Schriftabschnitt herum vom jüngsten Tag, auch davon,
 daß wir als Sünder vor Gott stehen.
 Wie werden wir und wie wird die ganze Kirche am letzten Ende vor Gott
 dastehen? Diese Frage klingt aus dem letzten Satz des Gleichnisses heraus:
 "Wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf
 Erden?" Das klingt fast so als ob die Gefahr bestünde, daß am Ende gar
 keine Kirche mehr da ist. Jedenfalls weisen uns diese warnenden Worte erst
 recht auf das Gebet. Bitten wir Gott um vieles, das uns auf dem Herzen
 liegt, wenn wir seine Gemeinde ansehen! Oft sind wir doch recht hilflos,
 wie wir ihnen als Christen Förderung erteilen können. Wir denken an
 Menschen, die Gott brauchen. Wenn wir selber uns ihnen verweigern, werden
 sie wohl auch von Gott den Eindruck großer Ferne haben. Wir wollen also um
 unsere eigene Glaubwürdigkeit bitten. Wir bitten für die Gemeinde, in der
 wir leben. Aber diese Bitten werden uns aufmerksam machen auf das, was wir
 selbst tun können, Sie werden uns unterscheiden lassen zwischen dem, was
 Gott von uns als Christen erwartet, und dem, was wir nie und nimmer tun
 können. Bitten ist nötig, denn wir geben dadurch vor Gott zu, wie
 geringfügig wir als seine Helfer etwas für die Gemeinde tun. Wir zeigen
 aber auch, was uns an seiner Gemeinde liegt. Unsere Liebe zu Gott zeigt
 sich auch im wiederholten Gebet für andere in der Gemeinde, die uns
 persönlich vielleicht gar nicht liegen. Wir selbst sind auch Sünder, denen
 oft vergeben wird.@{b}

 HERR, ERHALTE DEINE KIRCHE AUCH BEI UNS UND MACH UNS ZU BRAUCHBAREN
 HELFERN. AMEN.@{ub}


@{i}                          Lukas 18,1-8@{ui}
@{b}                     Beten im gewagten Vertrauen@{ub}
 Ist unser Beten nicht doch immer ein Wagnis? Werden wir gehört? Sind wir
 dem Gang der Ereignisse nicht doch schutzlos ausgeliefert? Wer hilft uns
 zum Recht? Jesus kennt solche Fragen. Sonst hätte er nicht eine so gewagte
 Geschichte von der bittenden Witwe erzählt. Er will uns heute damit sagen:
 Wenn sich schon ein so verschlagener Mann wie dieser Richter durch die
 Bitten zum Handeln bewegen läßt, dann könnt ihr Christen es erst recht von
 Gott erwarten. Für Gott sind wir keine lästigen Bittsteller, sondern
 geliebte Kinder. Unser Verhältnis zu ihm steht doch auf einer ganz anderen
 Grundlage. er hat sich wie ein Vater schon zu uns gewendet, ehe wir es
 wußten oder ahnten. Gerade darum wartet er darauf, daß wir ihm unsere
 Sorgen und Schwierigkeiten offen sagen. Unser Gebet ist die Sprache des
 Glaubens. Für heute und für alle Tage unseres Lebens wollen wir es aus dem
 Gleichnis lernen: Weil ich einen Vater habe, der sich für mich
 interessiert, darum wende ich mich in allem, was mich belastet, zuerst an
 ihn. Ehe ich mit einem Menschen über meine Angst, meine Schmerzen oder
 meine Not spreche, will ich es Gott sagen, der mich am besten kennt. Weil
 ich einen Vater habe, der mich liebt, hoffe ich unbeirrt, daß er seine
 Zusagen an mit erfüllt. Mir kann nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Das
 wäre nicht gut für mich. Aber Gott wird mir das schenken, was er für mich
 vorgesehen hat. Daran lasse ich mir genügen. So macht mich Gott reif für
 seinen Dienst an anderen Menschen und für die Ewigkeit. Unsere Geschichte
 endet mit einer persönlichen Frage: Wird Christus Glauben finden? Wie steht
 es mit meinem Vertrauen?@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL! DU LÄDST UNS EIN, MIT DIR ZU REDEN. WIR DANKEN DIR
 FÜR DIESES ANGEBOT. ES IST UNSER VORRECHT, DAß WIR DIR ALLES SAGEN KÖNNEN,
 WAS UNS BEGLÜCKT UND WAS UNS BESCHWERT. LAß UNS DARIN NICHT MÜDE WERDEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 18b" "Lukas 18,9-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 18,9-14@{ui}
@{b}                    Unser Platz ist vor Gott@{ub}
 Es kommt alles darauf an, daß wir unseren Platz vor Gott finden. Dazu
 erzählt uns Jesus das Gleichnis, in dem zwei Menschen äußerlich und
 innerlich auf unterschiedlichen Plätzen stehen.
 Da ist der tadelsfreie Pharisäer. Es ist gar nicht so leicht, sein Gebet
 als falsch zu erkennen. Seine Frömmigkeitstaten stellen die meisten von uns
 in den Schatten. er nimmt es sehr genau mit seinem Glauben und Leben.
 Sprechen wir ihm das nicht ab. Er kann sogar Gott dafür danken, daß er ihm
 das fromme Leben ermöglicht hat.
 Da steht der Zöllner auf einem anderen Platz. Er hat nichts, worauf er sich
 vor Gott berufen könnte. Er weiß nicht einmal. ob er Gott überhaupt
 ansprechen darf. Deswegen steht er da mit gesenktem Kopf in respektvoller
 Entfernung.
 Um so erstaunlicher ist Jesu Urteil über die beiden so unterschiedlichen
 Menschen. Die Lüge des Pharisäers liegt im Seitenblick auf den anderen. Wer
 auf andere herabsieht, verkennt seinen waren Platz vor Gott und macht sein
 Gebet zur Lüge.
 Wir alle leben wie dieser Zöllner von Gottes Erbarmen. Das will uns Jesus
 für den heutigen Tag sagen. Wir bleiben darauf angewiesen, daß Gott uns
 annimmt mit unseren Vorzügen und Schwächen. Wenn wir unseren Platz vor Gott
 gefunden haben, hat das auch etwas damit zu tun, welchen Platz wir vor
 Menschen einnehmen. Sie sollten uns nicht als hochmütige Besserwisser
 erleben, sondern als demütige Mitmenschen.
 Wir kennen die Abgründe, in die man hineingeraten kann. Wir kennen aber
 auch den, der uns den Platz im Herzen des Vaters freihält.@{b}

 UNSER GOTT UND VATER! DU DENKST UND URTEILST ANDERS ÜBER UNS UND UNSERE
 MITMENSCHEN, ALS WIR ES OFT TUN. BEI DIR GILT NICHTS ALS GNADE UND LIEBE,
 BARMHERZIGKEIT UND VERGEBUNG. BEWAHRE UNS VOR SELBSTÜBERSCHÄTZUNG AUF
 KOSTEN ANDERER. HILF UNS, DAß WIR ALLEIN AUS DEINER LIEBE LEBEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 18c" "Lukas 18,18-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 18,18-30@{ui}
@{b}                      Freiheit zum Loslassen@{ub}
 Ein hochgestellter Mann tritt vor Jesus hin und fragt nach dem ewigen
 Leben. er ist immer anständig geblieben. Er hat die Gebote gehalten, keine
 ehe zerstört, nicht getötet, nicht gestohlen, nicht hinterrücks über andere
 geredet, seinen Eltern die nötige Achtung erwiesen. Er ist ein angesehener
 Mann.
 Jesus spricht ihm das nicht ab. Aber er prüft, wie ernst es der Reiche mit
 seine Frage nach dem Leben meint. "Verkaufe alles, was du hast, und gib's
 den Armen." Das lohnende Leben aus der Fülle Gottes gewinnt man nicht, wenn
 man festhält, was man hat. Damit dreht man sich um sich selbst. Ewiges,
 erfülltes Leben gewinnt man nur, wenn man sich selber losläßt und sich Gott
 anvertraut. Auf solcher Lebensgrundlage werden die Armen wichtig. Sie sind
 nicht Randfiguren, die man mit Almosen abspeisen kann, sondern der
 Prüfstein des Glaubens.
 Jesus sagt das mit einer Deutlichkeit, die keinen Zweifel aufkommen läßt.
 Das Gespräch in unserer Geschichte begann so hoffnungsvoll. Es endet mit
 Traurigkeit bei dem Reichen und mit Erschrecken bei den Jüngern.
 Was löst Jesu Wort bei uns aus? In einer Gesprächsrunde über diesen Text
 sagt jemand: "Eigentlich leben wir alle verkehrt. Irgend etwas stimmt bei
 uns nicht. Uns macht nicht die Arbeit sondern die Freizeit mit dem
 Habenwollen kaputt. Manche Neuanschaffung überfordert unsere Kräfte, weil
 wir dann nur noch mit der Pflege zu tun haben. Wann sehen wir endlich ein,
 daß sich unser Lebensstil ändern muß?"
 Im Angesicht der Armen und der gefährdeten Umwelt gewinnt Jesu Wort neue
 Bedeutung.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! DU KENNST UNS ALS MENSCHEN, DIE SO GERN BEHALTEN
 WOLLEN, WAS SIE SICH GESCHAFFEN HABEN. LAß UNS DURCH DEIN WORT UNRUHIG
 WERDEN UND ERKENNEN, DAß DU DIE EINZIGE LEBENSGRUNDLAGE BIST. VOR ALLEM
 ABER HILF UNS ENTDECKEN, WAS WIR MIT DEM, WAS WIR HABEN, FÜR ANDERE TUN
 KÖNNEN. AMEN.
                      Dein G'schenk und Gab'@{ub}     Gedicht
                 Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab
                 mein Leib und Seel und was ich hab
                 in diesem armen Leben.
                 Damit ichs brauch zum Lobe dein,
                 zu Nutz und Dienst des Nächsten mein,
                 wollst mir dein Gnade geben.

                 Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr,
                 des Satans Mord und Lügen wehr;
                 in allem Kreuz erhalte mich,
                 auf daß ichs trag geduldiglich.
                 Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott,
                 mein Herr und Gott,
                 tröst mir mein Seel in Todesnot,
                 @{i}    Martin Schalling@{ui}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 18d" "Lukas 18,31-43"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 18,31-43@{ui}
@{b}                    Am Beginn des Leidensweges@{ub}
 Jesus Christus begibt sich auf den Weg nach Jerusalem - ins Leiden und ans
 Kreuz.Doch die Leidensweissagung ist zugleich eine Auferstehungsweissagung.
 Auf diesem Wege geht er nicht an dem Blinden am Wegesrand vorüber. er will
 nicht, daß Menschen ausgeschlossen sind von Wahrnehmung, Erkenntnis und
 Gemeinschaft. Jesus hat Kranke geheilt. In seiner Nachfolge sind auch
 Liebe, unsere Hoffnung und unser Glaube herausgefordert, wo uns Unheil
 begegnet. Es gibt kein noch so großes Ziel, das uns davon entbinden könnte,
 mit unseren Möglichkeiten für andere einzutreten. Jesus ist auf dem Weg
 nach Jerusalem, um durch sein leiden, Sterben und Auferstehen Heil für alle
 Menschen zu bewirken. Er läßt sich von diesem Weg nicht abbringen, aber er
 läßt sich vorübergehend aufhalten durch den Ruf eines Menschen, der von ihm
 Hilfe erwartet. Da werden nicht große und kleine Aufgaben gegeneinander
 abgewogen. Das Persönliche wird nicht zurückgestellt wegen des Allgemeinen,
 die ferne Aufgabe nicht vergessen wegen der naheliegenden. Die Sorge um den
 Leib wird nicht übersehen wegen der Sorge um die Seelen.
 So gehören auch für uns der Friede weltweit und der mit dem Nächsten
 zusammen, Brot für die Welt und das Einstehen für den Nachbarn, Diakonie
 und Verkündigung.
 Jesus vollendet sein Werk, indem er gehorsam bleibt, auch als ihn das ins
 Leiden führte. Ihn, der gehorsam war bis zum Tode, hat Gott erhöht. Erst
 der Gekreuzigte wird auferweckt. Jesus erfüllt und vollendet so, was die
 Propheten sagten. Noch im Leide wird deutlich: Gott steht zu seinem Wort.
 Man kann sich auf ihn verlassen.
 Wir sind leidensscheu. Manchmal hindert uns schon die Rücksicht auf unsere
 Bequemlichkeit daran, den Weg zur Kirche oder zu einem Menschen zu gehen,
 der auf uns wartet. Oft haben Leidensscheu und Ungehorsam die leiden
 vergrößert und verlängert.
 Jesus geht freiwillig dorthin, wo die Entscheidungen fallen. Er weicht
 nicht aus. Und er behält den Menschen am Rande seines Weges im Blick. Die
 Jünger begriffen von alledem nichts, schreibt Lukas.
 Sind wir verständiger? An Jesus können wir erkennen, daß Nachfolge und
 Barmherzigkeit zusammengehören und daß unser Leid Stärkung, ja Segen für
 andere sein kann.@{b}

 HERR, DU HAST DURCH DAS LEIDEN JESU CHRISTI UNSERE ERLÖSUNG VOLLBRACHT.
 VERGIB UNS UNSERE BEQUEMLICHKEIT, UND HEILE UNS VON UNSERER BLINDHEIT. LAß
 UNS ÜBER DEN GROßEN AUFGABEN NICHT DIE BEDÜRFTIGKEIT UNSERER NÄCHSTEN
 VERGESSEN. AMEN.@{ub}


@{i}                            Lukas 18,31-43@{ui}
@{b}                        Von Tauben und Blinden@{ub}
 Auf den ersten Blick haben die beiden Teile der heutigen Lesung wenig
 Gemeinsames. Zunächst teilt Lukas uns eine Rede Jesu an seine engsten
 Vertrauten mit, dann lesen wir von der Heilung eines Blinden. Wie ein
 Vorgesetzter seinen Mitarbeitern eine vertrauliche Dienstsache mitteilen
 mag, so ruft Jesus die Zwölf zusammen und teilt ihnen mit: Der Weg nach
 Jerusalem, der vor ihnen liegt, wird der Weg in Leiden und Tod sein. Schon
 zweimal hat Jesus so zu seinen engsten Vertrauten gesprochen, doch bisher
 nicht so ausführlich.
 Bei der ersten Leidensansage berichtet Lukas keine Reaktion der
 Angesprochenen. Bei der zweiten steht es ähnlich wie im heutigen Lesestück:
 Weder verstehen noch begreifen die engsten Vertrauten, was Jesus ihnen
 mitteilt, auch trauen sie sich nicht, ihn nach dem Sinn seiner Aussagen zu
 fragen. Hier nun, nach der ausführlichsten der drei Ansagen, heißt es nur:
 Sie verstanden nicht, sie begriffen nicht; der Sinn war ihnen verborgen.
 Lukas berichtet keine Reaktion. Wir lesen nur: Sie wußten nicht, was das
 Gesagte war. Sind ihre Gedanken vielleicht schon zu sehr bei dem
 Passahfest, das nach ihrer Ansicht das Ziel des Weges nach Jerusalem sein
 wird? Auf jeden Fall: Sie sind taub für seine Worte.
 Wie anders gibt sich da der Blinde! Er fragt, er ruft, er schreit, er
 bittet; er bringt die Leute in Bewegung. Er erfährt Hilfe.
 Am Schluß der Leidensansage steht bedrückendes Schweigen. Jesus hat taube
 Ohren gepredigt. Am Schluß der Blindengeschichte steht Gotteslob.@{b}

 MANCHES MAL GEHEN DEINE WORTE AUCH AN UNS UNGEHÖRT UND UNVERSTANDEN
 VORÜBER, BRUDER JESUS. WIR SIND ZU SEHR MIT UNS SELBST BESCHÄFTIGT. UND
 DOCH RUFT UNSER HERZ NACH DIR. GIB UNS DEN GLAUBEN: DU KANNST UNS HELFEN.
 AMEN. @{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 19a" "Lukas 19,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 19,1-10@{ui}
@{b}                       Der Tag des Heils@{ub}
 Wenn wir dies lesen, sind es nicht eigentlich uralte Geschichten von
 "gestern" und "vorgestern", bzw. von vor 1900 Jahren. Zweimal wird in
 unserem Predigttext darauf hingewiesen, daß es sich um "heute" handelt.
 Natürlich war damit etwas gemeint, das schon damals, als es geschah,
 stimmte. Aber nur bei flüchtigem Hinsehen ist es etwas Damaliges. In
 Wirklichkeit gibt es in der Bibel ein Wort, das zwar richtig übersetzt
 "heute" heißt, aber nicht den Tag meint, der dem gestrigen folgt und dem
 morgigen vorangeht. Mit diesem "Heute" der Bibel setzt Gott dem
 vergänglichen "Heute" der unerlösten Welt sein bleibendes "Heute" entgegen.
 Der lang andauernde Heilstag ist es, den Jesaja als "den Tag des Heils"
 bezeichnet, der nicht vergeht.
 Es geht um das "Heute", von dem Jesus sagt: "Heute ist dieses Wort der
 Schrift erfüllt vor euren Ohren." "Euch ist heute der Heiland geboren", so
 verkündigen es die Engel auf Bethlehems Fluren, und Jesus sagt zu dem
 Schächer am Kreuz: §Heute wirst du mit mir im Paradiese sein."
 "Heute", also seitdem die Heilszeit angebrochen ist, kümmert sich Jesu um
 Menschen, die seine Hilfe brauchen, auch um einen Mann wie Zachäus: "Heute
 muß ich in deinem hause einkehren." Dieses Mal ging es ihm nicht um Kranke,
 Lahme und Blinde, sondern um einen, der aus einem ganz anderen Grund am
 Rande der Gesellschaft lebte: um den Zöllner, der im Dienst der römischen
 Besatzungsmacht stand und Menschen seines Volkes betrog. Kein Wunder, daß
 das Volk gegen Jesus nurrt, weil er sich um ihn kümmert. Der Besuchte muß
 aber auf ihn hören und bereit sein, sein bisheriges Leben völlig zu ändern.
 Weil er das tut und versuchen will, wieder gut zu machen, was er gesündigt
 hat, ist ihm und seinem Hause "heute Heil widerfahren". Das ist
 ein Heil, das nicht morgen mit dem Weggang Jesu verschwindet. Für ihn ist
 endgültig mit diesem "Heute" der Tag des Heils angebrochen.
 Auch für uns gilt dieses Heil, wenn wir uns das Wort der Schrift zu eigen
 machen: "Heute, so ihr seine Stimme höret, so verstocket eure Herzen
 nicht." Jesus hätte auch gerne von uns eine Antwort, wie sie Zachäus ihm
 gegeben hat, damit für uns ebenso sein Wort gilt: "Heute ist diesem Hause
 Heil widerfahren." "Weil Jesus ruft, so höre du und greif mit beiden Händen
 zu. Wer seiner Seele heut' verträumet, der hat die Gnadenzeit versäumet.
 Heut komm, heut nimmt dich Jesus an."@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, KOMM DU AUCH ZU UNS UND MACHE JEDEN TAG UNSERES LEBENS
 ZU EINEM TAG DES HEILS. AMEN.@{ub}


@{i}                         Lukas 19,1-10@{ui}
@{b}                  Auf der Seite des Kaltgestellten@{ub}
 Kaltgestellt ist der Oberzöllner Zachäus in diesem Lesestück. Lange haben
 seine Mitbürger auf diese Gelegenheit gewartet. Ein Gauner, ein
 stadtbekannter Betrüger, einer, der auf Kosten seiner Mitmenschen lebt -,
 nur tut er das mit staatlicher Duldung, man kann ihm nichts anhaben, er übt
 Macht aus mit seinem verrufenen Beruf. Niemand kann ihn zur Rechenschaft
 ziehen, doch heute ist er ganz schlecht dran. Die Leute schieben den
 kleinen Mann beiseite. So einer ist es nicht wert, den erwarteten Gast mit
 dem legendären Ruf auch nur zu sehen. Wo er es auch versucht, man läßt ihn
 nicht nach vorn, verstellt ihm die Sicht. Wenn er seinen Wunsch
 verwirklichen will, muß er sich etwas anderes ausdenken. Ein Maulbeerbaum
 an der Straße lädt Zachäus ein. Zachäus erklettert ihn. Zwischen den
 dichten Blättern ist er selbst nicht zu sehen und hat doch die beste
 Übersicht. So läßt sich die Situation ertragen. Jesus entdeckt Zachäus in
 seinem Versteck, lädt sich bei ihm ein, geht an der Seite des Zöllners an
 den Wartenden vorbei. Jesus verdirbt sich den Ruf. So etwas tut kein
 anständiger Mensch. Mit so einen zeigt man sich nicht auf der Straße. Erst
 recht gibt man so einem nicht den Vorzug vor all den anderen: den
 Ehrlichen, den Anständigen, den Leuten mit dem guten Ruf.
 Was keiner von diesen ahnt, ereignet sich im Haus des Zachäus: Ein Mensch
 wagt einen neuen Anfang. Jesus gibt Zachäus die Chance, sich von seinem
 falschen Leben frei zu machen: "Heute ist diesem Haus Heil widerfahren."
 @{b}
 HERR JESUS CHRISTUS! IN DIR KOMMT GOTT ZU UNS. WIR DANKEN DIR, DAß DEIN
 HEIL UNS AUCH GILT. HILF UNS, DAß WIR NICHT VERGESSEN, DEIN HEIL AN DIE
 WEITERZUGEBEN, DIE ES BRAUCHEN. LAß UNS GLEICH DIR AUSNAHMSLOS UND
 BEDINGUNGSLOS FÜR ALLE MENSCHEN DASEIN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 19b" "Lukas 19,11-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 19,11-27@{ui}
@{b}                    Auf Jesu Zukunft ausgerichtet@{ub}
 In den ersten christlichen Gemeinden hoffte man auf die baldige Wiederkunft
 Jesu. Aber die Jahre vergingen, ohne daß das Reich Gottes offenbar wurde.
 Man wurde des Wartens müde. Der Eifer, im Sinne Jesu zu leben und zu
 handeln, wurde zusehends geringer. Das Leben als Christ schien sinnlos zu
 werden. Und nun antwortet das Lukasevangelium: Wie der Edle in jenem
 Gleichnis zunächst abwesend ist und als König zurückkehrt, so ist es mit
 Jesus. Es gibt keine Veranlassung, an seiner Rückkehr zu zweifeln. Im
 Gegenteil: Jetzt kommt es darauf an, die Zeit der Abwesenheitdes kommenden
 Königs recht zu nutzen. Wohl den klugen Knechten, die ihrem Herrn die Treue
 gehalten haben. Für sie ist die Wartezeit eine Zeit der Bewährung geworden.
 Dabei werden wir auf Unterschiede aufmerksam gemacht. Zwar haben alle
 Knechte die gleiche Gabe erhalten; aber die Erfolge ihrer Arbeit mit dieser
 Gabe sind durchaus verschieden. Nur darauf kommt es an, daß ein jeder mit
 seiner Gabe nach Kräften gearbeitet hat. Nicht erst der Verlust der
 anvertrauten Gabe, sondern schon die Untätigkeit macht alles zunichte.
 Stillstand ist der Tod. - Wieviel Leben könnte in unserer Kirche sein, wenn
 wir nicht viele unserer Gaben für uns behielten. Wo Leben ist, da wächst
 es. Da gibt es keinen toten Besitz, dessen man sich freut. Die Gemeinde
 Jesu ist nicht dazu berufen, Wächter eines frommen "Museums" zu sein. Die
 Welt fragt nicht nach solchen Museen, sondern nach Kräften, die helfen und
 heilen. Wir sollten unsere Gaben nicht im innerkirchlichen Raum verbergen,
 sondern damit arbeiten, bis unser Herr kommt.@{b}

 DEIN WORT WEITERSAGEN, DAS IST DEIN AUFTRAG FÜR UNS, BRUDER JESUS. STEH UNS
 BEI, WENN WIR DAS VERSUCHEN. SEI IN UNSERN WORTEN, DIE VON DIR ZEUGEN
 WOLLEN. SEI IN UNSERM TUN, DAS AUF DICH HINWEISEN MÖCHTE. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 19c" "Lukas 19,28-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 19,28-40@{ui}
@{b}                    Ein merkwürdiger Festzug@{ub}
 Für einen heutigen Zuschauer müßte dies ein Anblick sein, der ihm ein
 leicht spöttisches Lachen ins Gesicht zwingt: Fast wie ein Karnevalszug
 bewegt sich dieser Festzug auf Jerusalem zu, die Leute in diesem Zug
 benehmen sich, als wären sie etwas verrückt, der Gefeierte, die Hauptperson
 im Zug, reitet auf einem Esel. Doch hier ist niemand, der unbeteiligt
 zuschaut. Hier sind einmal diese fröhlichen Menschen, die mit allen ihnen
 gerade zur Verfügung stehenden Mittel sagen und singen und zeigen möchten,
 für wen sie den Mann auf dem Esel halten: Für den seit Jahrhunderten
 erwarteten Gesandten des Ewigen. Aber da sind noch andere. Da sind die
 Tempelwachen und die römischen Besatzungssoldaten in der Burg Antonia.
 Wenn dieser Zug sich vom Ölberg abwärts ins Kidrontal bewegt, so müssen
 diejenigen die Macht ausüben, zur Kenntnis nehmen: Jesus kommt nach
 Jerusalem als der König von Israel. Daraufhin ist der ganze Bericht
 angelegt. Das beginnt, als Jesus den beiden Jüngern den merkwürdigen
 Auftrag erteilt. Das setzt sich fort, als die Jünger es so finden, wie
 Jesus es ihnen vorhergesagt hat, das gipfelt in dem spontan gebildeten
 Festzug und dem Gesang, der die Worte der Engelbotschaft in der heiligen
 Nacht aufnimmt: Friede im Himmel und Ehre in der Höhe. Was damals
 angekündigt wurde, ereignet sich hier, vom Geist des Herrn bewegte Menschen
 rufen es aus und bestätigen es: Der Versprochene und Erwartete ist da.
 Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!@{b}

 GELOBT SEIST DU, DER DA KOMMT IM NAMEN DES HERRN! VON DIR ERWARTEN WIR HEIL
 FÜR ALLE MENSCHEN AUF DER ERDE. WIR SINGEN DIR UNSER LIED, WIR FREUEN UNS
 ÜBER DICH. GIB UNS DEINEN FRIEDEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 19d" "Lukas 19,41-48"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 19,41-48@{ui}
@{b}                      Menschliche Züge@{ub}
 Jesus weint, Jesus wendet körperliche Gewalt an. Paßt das in das Bild, das
 wir von dem Heiland mit uns herumtragen? Bleibt Jesus noch der Messias,
 wenn er als erwachsener Mann weint, wenn er sich (Joh.2) eine Geißel von
 Stricken macht und damit nach Menschen schlägt?
 Wahrscheinlich wirkt es auf die Leser, für die es ursprünglich geschrieben
 war, anders als auf uns, die mit einem fertigen Bild von diesem Mann
 umgehen und Züge übersehen, die nicht in dies Bild passen. Jesus ist der
 Sohn, der Gesandte des Ewigen, das wollen auch diese beiden Szenen
 mitteilen. Er weiß, daß Menschen ohne politische Verantwortung in Jerusalem
 das Sagen haben; er weiß, daß ihre verkehrte Politik in eine Katastrophe
 führen muß, bei der die Stadt und die Menschen in ihr von den übermächtigen
 Römern vernichtet werden. Er weiß, daß hier religiöse Opferveranstaltungen
 stattfinden, bei denen kein Herz mehr mitschlägt, bei denen es nur noch um
 Pflicht und Geschäft geht. Das Feilschen der Händler und Wechsler und ihre
 Kunden übertönt die Gesänge und Gebete im Innern des Tempels. Der
 Gottesdienst, der Menschen auferbauen und zu gemeinsamen gutem Erleben
 führen soll, ist eine sinnlose Pflichtübung der Beteiligten geworden. gegen
 die politische Verantwortungslosigkeit unternimmt Jesus nichts, aber sie
 erregt ihn so, daß er vor allen Leuten weint und sein weinen erklärt. Gegen
 den Mißbrauch des Tempels wehrt er sich sehr dramatisch. Doch er zeigt auch
 einen neuen Weg: Er lehrte täglich im Tempel.@{b}

 DU BIST OFT ANDERS, ALS WIR ERWARTEN, BRUDER JESUS. WIR MEINTEN, DU WÄRST
 ÜBER ALLES ERHABEN, WAS UNS MIT UNS SELBST OFT SCHWIERIGKEITEN MACHT. ES
 IST GUT, DAß DU UNSEREM ALLTAG SO NAHE BIST. WIR DANKEN DIR. BLEIBE BEI
 UNS. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 20a" "Lukas 20,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 20,1-9@{ui}
@{b}                    Eine Frage ohne Antwort@{ub}
 Warum nutzt Jesus die Gelegenheit nicht, öffentlich vor den Vertretern von
 Staat und Kirche von seinem Auftrag zu sprechen? Sie hatten doch ein Recht,
 danach zu fragen. Wenn einer im Tempel zu vielen Menschen predigt, wird man
 doch nach seinem Auftraggeber fragen dürfen. Es ist verwunderlich, wenn wir
 hier lesen, daß sie ihn selber fragen und nicht heimlich Auskünfte
 einholen. Für alle unsere Zweifel und Fragen gibt es keine bessere
 Möglichkeit, als ihn selber im Gebet zu fragen. Auch Johannes, der Täufer,
 hatte aus dem Gefängnis fragen lassen: "Bist du es wirklich?"
 An Johannes erinnert Jesus mit seiner Gegenfrage und macht dadurch
 deutlich, daß sie beide zusammengehören. Ihre Vollmacht fließt aus
 derselben Quelle. Wenn die Hohenpriester und Schriftgelehrten Johannes und
 seine Taufe nicht als Gottes Wek annehmen, so entlarven sie sich selbst.
 Sie sind gar nicht bereit, sich die richtige Antwort geben zu lassen. Sie
 sind längst entschlossen, ihm nicht zu glauben. Sind wir nicht auch in
 dieser Gefahr? Von Gott reden wir, aber wollen wir wirklich auf ihn hören?
 Sind unsere Glaubensfragen echt? Sie sind nur echt, wenn wir offen sind für
 eine Antwort. Es gibt ein Fragen, das in Wirklichkeit ein Sichverweigern
 ist, Gott zu finden, wo er sich finden lassen will. Die Hohepriester,
 Schriftgelehrten und Pharisäer verpassen ihre Chance. Für die, die nicht
 hören wollen, hat Jesus keine Antwort. Wir fragen uns: Suchen wir Gott von
 ganzem Herzen? Dann will er sich von uns finden lassen.@{b}

 HERR, JESUS CHRISTUS, SCHENKE UNS DAS VERTRAUEN DARAUF, DAß DU DICH VON UNS
 FINDEN LÄßT. WENN UNSER GLAUBE KLEIN WIRD UND ZWEIFEL IN UNS ZUNEHMEN DANN
 HALTE DU UNS FEST. WIR DANKEN DIR FÜR DEINE TREUE. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 20b" "Lukas 20,9-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 20,9-19@{ui}
@{b}                 Sind wir die bösen Weingärtner?@{ub}
 Die Zuhörer des Gleichnisses hatten wohl verstanden, daß sie mit den
 Weingärtnern gemeint waren. So werden auch wir hören müssen, an welcher
 Stelle wir zu finden sind. Ein ausländischer Besitzer verpachtet seinen
 Weinberg. Als die ernte herankommt, benehmen sich die Pächter wie Besitzer.
 Sie verjagen die abgesandten Knechte.
 Handeln wir nicht ähnlich, wenn wir das, was uns von Gott geliehen wurde,
 als unser Eigentum betrachten: Diese Erde, die wir bebauen und bewahren
 sollten? Leben, Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Familie, Arbeit und vieles
 andere sind anvertrautes Gut. Sie gehören Gott. Das vergessen wir oft. Gott
 hat große Geduld. In dem Maße, wie die "Selbstgerechtigkeit" der
 Weingärtner wächst, wächst Gottes Einsatz. Nach den Knechten schickt er
 "seinen lieben Sohn". Vor ihm müßten sie doch Achtung haben! Sie wittern
 die Chance, den Weinberg endgültig an sich zu reißen, deshalb töten sie den
 Sohn. Aber sie haben sich verrechnet. Sie haben den Schöpfer und Geber des
 Weinbergs vergessen. Der gibt sich nicht in ihre Hand. Kam er in seinem
 Sohn als Retter, jetzt kommt er als Richter. Er wird sie bestrafen und
 seinen Weinberg anderen geben.
 Die Schriftgelehrten fühlen sich getroffen. Jesus lenkt auf ein anderes
 bekanntes Beispiel über: Der verworfene Stein wird zum Eckstein.
 Vor Jesus liegt die Zeit des Leidens. Menschen um ihn herum sind dabei, ihn
 als unbrauchbar wegzuwerfen. Doch er wird der wichtigste Stein in Gottes
 Bau einer neuen Gemeinde. Gott hat zu Ostern einen Neubeginn geschaffen. Es
 gibt eine Hoffnung für uns, auch wenn wir uns oft wie böse Weingärtner
 verhalten.@{b}

 HERR, WIR GEHEN OFT MIT DEINEN GABEN UM, ALS OB ALLES NUR FÜR UNS ALLEINE
 DA SEI. LEHRE UNS BEGREIFEN, DAß WIR VERANTWORTUNG HABEN. MACH UNS ZU
 DEINEN GUTEN MITARBEITERN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 20c" "Lukas 20,20-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 20,20-26@{ui}
@{b}                      Eine hinterhältige Frage@{ub}
 Als die Pharisäer ihre Leute zu Jesus schicken, haben sie Böses im Sinn.
 Ihre Frage ist so fornuliert, daß Jesus in Konflikt geraten muß: Sie nähern
 sich mit schmeichelnden Worten und fragen ihn, was er von der Steuerzahlung
 hält. Sagt er ja zur Steuerzahlung, dann kann er doch nicht der Messias
 sein. Denn vom Messias erwarten sie Befreiung, nicht die finanzielle
 Unterstützung der Besatzungsmacht. Alle Menschen, die ihn für den Messias
 halten, werden ihn verlassen. Bekennt sich Jesus zur Steuerverweigerung,
 könnten sie ihn als Aufrührer bei den Römern anzeigen. Die Pharisäer selber
 zahlten ihre Steuer, trotz aller Ablehnung der Römer. Ihre Frage ist ganz
 unwahrhaftig. Gibt es für Jesus einen Ausweg? Er läßt sich auf das
 "entweder Kaiser - oder Gott" nicht ein. Er bittet um einen Silbergroschen,
 die Steuermünze. Mir dem Hinweis auf das kaiserliche Bild auf der Münze
 empfiehlt Jesus, dem Kaiser zu zahlen, was gefordert wird, aber Gott zu
 geben, was Gott zusteht.
 Das heißt doch: Auch wenn ihr dem heidnischen Kaiser Steuern zahlt, nehmt
 ihr Gott die Ehre nicht weg. Was dem Kaiser zu geben ist, das ist klar.
 Aber was ist denn Gott zu geben? Jesus läßt die Frage offen. Darüber müssen
 seine Zuhörer selber nachdenken. Vor dieser Frage stehen wir auch immer
 wieder: Was erwartet Gott von uns? In unserem Lebens- und Arbeitsbereich
 müssen wir uns fragen, was Gott von uns erwartet. Auch für unser verhalten
 im gesellschaftlichen Leben sind wir Gott verantwortlich.@{b}

 HERR, UNSER GOTT, WIR STEHEN OFT VOR SCHWIERIGEN FRAGEN UND WISSEN NICHT,
 WIE WIR UNS ENTSCHEIDEN SOLLEN. HERR, HILF UNS, DAß WIR UM GEHORSAM GEGEN
 DICH DAS RICHTIGE TUN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 20d" "Lukas 20,27-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 20,27-40@{ui}
@{b}                        Mit Gott leben@{ub}
 Nun sind es die Sadduzäer, die Jesus befragen. Die Sadduzäer glaubten nicht
 an die Auferstehung der Toten. Mit einem "konstruierten Fall" wollen sie
 gegenüber Jesu den Glauben an die Auferstehung lächerlich machen: Eine Frau
 wurde nacheinander von 7 Brüdern geheiratet. Wem soll nun diese Frau nach
 der Auferstehung angehören? Jesus antwortet ihnen: Das leben nach der
 Auferstehung wird anders sein. Es ist nicht einfach nur die Fortsetzung des
 jetzigen Lebens. In Gottes neuer Welt kann auch die menschliche
 Gemeinschaft nicht bleiben, wie sie ist. Es wird dann eine Gemeinschaft
 geben, die weiter und tiefer ist als die, die wir jetzt haben. Jesus sagt:
 Sie werden den "Engeln gleich und Gottes Kinder sein". Und das heißt doch
 wohl: Sie werden ganz Gott zugewandt und aufs herzlichste mit ihm verbunden
 sein.
 Sind wir damit "ärmer" dran? Jesus sagt den Sadduzäern aber noch mehr: Ihr
 kennt die Geschichte von der Berufung des Mose am Dornbusch. Da gab sich
 Gott Mose zu erkennen als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das waren
 längst verstorbene Leute! Aber es waren Menschen, mit denen Gott eine
 Geschichte begonnen hatte und denen seine Zusage galten. Und Gott ist nicht
 ein Gott der Toten, sondern der lebenden! Er läßt nicht zu Ende gehen, was
 er angefangen hat, auch bei diesen Menschen nicht. Gott hat auch mit uns
 eine Geschichte begonnen. Auch uns gelten seine Zusagen. Und durch Jesus
 Christus wissen wir es erst recht, daß Gott unser Leben will. "Ihm leben
 sie alle." Er will mit uns zusammen sein in einer Gemeinschaft, in der er
 für uns und wir für ihn leben. Und darum kann der Tod nicht das Ende für
 uns sein.@{b}


 HERR, WIR DANKEN DIR, DAß DU DEIN LEBEN MIT UNSEREM LEBEN VERBINDEN WILLST.
 DU HAST UNS MIT JESUS CHRISTUS GEZEIGT, DAß DU IN LIEBE AN UNS DENKST.
 STÄRKE IN UNS DIE HOFFNUNG, DAß UNSER WEG MIT DIR ZU EINEM GUTEN ZIEL
 KOMMT. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 20e" "Lukas 20,41-44"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 20,41-44@{ui}
@{b}                           Wer ist Jesu?@{ub}
 "Sage uns,aus welcher Vollmacht tust du das?" - mit dieser Frage begann das
 20. Kapitel des Lukasevangeliums. Die führenden Theologen seiner Zeit
 wollten von Jesus erfahren: Wer bist du eigentlich? Bist du wirklich der
 Messias, der Christus? Deshalb stellten sie ihm die verschiedensten Fragen.
 Zum Schluß fragt Jesus sie. Der Messias soll doch aus dem Geschlecht Davids
 kommen, er ist "Davids Sohn". Aber David spricht in den Psalmen von ihm als
 von seinem Herrn. Wie kann der Christus beides zugleich sein - Davids Sohn
 und Davids Herr? Eine schwierige Frage. Sie wird nicht beantwortet. Sie
 bleibt hier offen. Ob sie ein jeder für sich selbst beantworten muß? Es
 geht um das Geheimnis der Person Jesu. Einerseits ist er ein Mensch wie
 wir, andererseits ist er ein Herr. Einer sogar, der schon zur Zeit Davids
 Herr war und der sich einmal als Herr aller Heiden erweisen wird. Die
 Christenheit hat es später so bekannt: Er ist wahrer Mensch und wahrer
 Gott. Auch uns stellt sich diese Frage immer wieder neu. Ist Jesus eine
 beachtenswerte Persönlichkeit oder der Herr aller Herren, der war, ist und
 sein wird? Es kann nicht ohne Konsequenzen für das eigene Leben bleiben,
 wie wir diese Frage beantworten.
 Martin Niemöller wurde einmal gefragt, warum er 1933 bald in Konflikt mit
 den "Deutschen Christen" geriet. Er sagte: "Da hieß es für mich: Wird die
 Kirche Jesus von Nazareth nach dem biblischen Zeugnis anerkennen, ihn als
 ihren Herrn haben und auf ihn als ihren Herrn hören, oder wird das nicht
 geschehen? Wenn es nicht geschieht, kann ich nicht Ja dazu sagen."@{b}

 JESUS, LAß MICH ERKENNEN, DAß DU DER HERR ALLER HERREN BIST. DIR MÖCHTE ICH
 VERTRAUEN SCHENKEN. HILF MIR, DAß ICH DIR GEHORSAM BIN IN MEINEM LEBEN UND
 LAß ES NICHT OHNE SEGEN SEIN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 20f" "Lukas 20,45-21,4"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 20,45-21,4@{ui}
@{b}                       Sie lebte in Gott@{ub}
 Wir hören Kritik und Lob aus dem Munde Jesu: Wir können das heute nicht
 mehr so nachempfinden, aber dieses Urteil über die Schriftgelehrten und
 diese Beachtung der armen Witwe waren damals etwas Ungeheuerliches. Die
 Schriftgelehrten waren - wie die Pharisäer - durchaus Leute, die ihren
 Glauben ernst nahmen. Angesichts der Gleichgültigkeit anderer wollten sie
 ein bewußt frommes Leben führen. Das ließen sie sich etwas kosten: Zeit und
 Geld! Sicherlich, sie gaben von ihrem Überfluß, wie Jesus sagte, aber sie
 gaben von ihrem Überfluß, wie Jesus sagte, aber sie gaben, und nicht zu
 knapp: den zehnten Teil ihres Einkommens. Was waren dagegen die Pfennige
 der Witwe? Und doch! Jesus sagt: Sie hat mehr gegeben als alle anderen.
 Warum? Jene gaben etwas, sie gab das Letzte, was sie hatte - sie gab sich
 damit selbst. Jene lebten Gott gegenüber und erlagen immer wieder der
 Versuchung, mit ihren Gaben und Gebeten Gott und den Menschen etwas
 vorweisen zu wollen, sie lebten in Gott. Indem sie auch noch das letzte
 gab, was sie hatte, sagte sie zu ihm: Hier bin ich, denn du bist Gott, dem
 ich mich schulde mit allem, was ich bin und habe, du hast es ja mir erst
 gegeben.
 Diese Frau war frei geworden von der Sorge um ihre eigene Existenz. Sie,
 die keine monatliche Rente erhielt, wußte: Ohne Gottes Güte kann ich
 sowieso nicht leben.
 Jesus sah diese Frau, die sonst niemand sah, und war beeindruckt. Auch in
 unserer Kirche sind viele unbekannte und einfache Menschen, die in stiller
 Hingabe und Treue Gott Dank sagen. Achten wir das nicht gering! Mögen die
 Reicheren und Prominenten weiterhin fehlen, sind solche Menschen unter uns,
 haben wir viel.@{b}
 HERR, DU GIBST NICHT WENIG, SONDERN ALLES. DU GIBST DICH SELBST. WIR DANKEN
 DIR! HILF UNS, DAß WIR DIR VERTRAUEN KÖNNEN WIE DIESE ARME FRAU, DAß WIR
 ALLEIN DURCH DICH LEBEN. AMEN@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 21a" "Lukas 21,5-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Lukas 21,5-19              @{ui}
@{b}        Du der Welten Heil und Richter       @{ub}
 Ein krasser Gegensatz leitet die Endzeitrede ein: Von Schmucksteinen kommt
 Jesus darauf, daß von Jerusalems Steinen keiner auf dem anderen bleiben
 wird. Die Zerstörung Jerusalems ist für Juden und Christen der ersten
 Generation, auch Christus, ein einschneidendes Ereignis gewesen.
 Untergangs-, aber auch Aufbruchsstimmung wurden dadurch geweckt. "Zorn über
 dies Volk" - das konnte bei kleinlichem Verständnis durchaus schadenfroh
 von Christen gegenüber Juden Mißverstanden werden. Wir lesen hier aber
 zugleich von den angedeuteten Verfolgungen der frühen Gemeinde und
 erkennen, daß sie die einheimischen Verantwortlichen noch fürchtete. Neben
 den Befürchtungen vor einem allgemeinen Untergang stand  die
 Selbstsicherheit der frühen Christen, daß sie selbst diesen Untergang trotz
 vieler miterlebter Schrecken überstehen würden. Zwischen Befürchtung und
 Schadenfreude spricht Jesus hinein: "Das Ende ist noch nicht so bald da."
 Wir stimmen dem natürlich rückblickend zu, aber wir wissen, wenn wir
 vorausdenken, ebensowenig, wann es kommen wird. Die Frage: "Wann wird es
 geschehen?" wird auch uns nur mit dem Hinweis Beantwortet: "Laßt euch nicht
 verführen!" Übrigens besteht nach diesem Evangelienkapitel die Verführung
 darin, vorschnell die eigene Verantwortung abzulegen und alles schleifen zu
 lassen. Was not ist, wird uns Gott geben. Es gibt heute aber auch die, die
 aufgeregt Endzeitstimmung verbreiten und Menschen damit ängstigen . Um die
 Angst vor Kommenden geht es Jesus ebensowenig wie etwa darum, daß Menschen
 ihre Verantwortung an Gott zurückgeben. Es prägt uns die Furcht vor Gott
 ein, der uns das Leben gewinnen läßt.@{b}
 HERR, LAß UNS FEST BLEIBEN BEI DIR UND AUCH DARIN, WAS DU VON UNS
 ERWARTEST, LAß UNSER ZUTRAUEN ZU DIR NICHT ERSCHLAFFEN . AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 21b" "Lukas 21,20-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 21,20-28@{ui}
@{b}                     Ich weiß, was fest besteht@{ub}
 Die Bibelworte von den Zeichen des Endes sind uns nicht zum Grübeln
 gegeben. Wir erkennen aus ihnen, daß der Herr der Zukunft bleibt. Wer
 voraussehen möchte, findet hier keinen Fingerzeig, unsere Einbildungskraft
 soll sich nichts ausmalen. Wir lesen Weissagungen, keine Wahrsagerei.
 "Es werden Zeichen geschehen." Nur von Gott redet die Bibel so ehrfürchtig,
 daß sie den Namen des Handelnden nicht ausspricht. "Es werden Zeichen
 geschehen", heißt: Gott tut die Zeichen. er allein wird einmal das Ende der
 Welt herbeiführen, nicht menschlicher Wahnwitz. Sonne, Mond, Sterne und
 auch das Meer sind hier und noch an einigen Stellen der Bibel Zeichen
 dafür, daß Gott unser menschliches Leben sichert und vieles in ihm in
 geordneten und absehbaren Bahnen verlaufen läßt. Die Himmelskörper sind
 seit alten Zeiten für genauere und sichere Zeitmessung benutzt worden. Hier
 heißt es: Gott schenkt uns Zeit zum Leben.
 Das Meer ist in der Bibel oft ein Bild für alle Gefahren, die ein
 Menschenleben verschlingen können. Darum betont die Bibel oft: Gott hat dem
 Meer seine Grenze gesetzt. Er schenkt uns Raum zum Leben.
 Die Zeichen an den Himmelskörpern und die Angst vor dem Brausen des Meeres
 im heutigen Schriftabschnitt weisen demgegenüber auf das Ende der Welt.
 Wenn alles vom gewohnten Gang abweicht, ist das irdische Leben gefährdet.
 Seit die erste explodierende Atombombe "heller als tausend Sonnen" von den
 überlebenden Japanern beschrieben wurde, seit es diese Angst gibt, ist es
 für uns besonders nötig zu hören: der Herr allein führt das Ende der Welt
 herbei. @{b}

 HERR, GIB UNS DIE GEWIßHEIT, DAß DU IN ALLEM KOMMENDEN BEI UNS BLEIBST.
 AMEN.
                      Wo alles wankt und fällt@{ub}          Gedicht
        Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht,
        wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht;
        ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt,
        wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.

        Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ,
        der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist,
        der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort,
        die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.

        So weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was fest besteht
        und in dem Erdenstaube nicht mit als Staub verweht;
        ich weiß, was in dem Grauen des Todes ewig bleibt
        und selbst auf Erdenauen des Himmels Blumen treibt.
        @{i}              Ernst Moritz Arndt @{ui}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 21c" "Lukas 21,25-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 21,25-33@{ui}
@{b}                    Die Botschaft des Advent@{ub}
 Das Thema des 2.Advent ist die Wiederkunft Christi, die in der Christenheit
 zwar immer, manchmal aber unsachlich behandelt worden ist. Doch bekennt die
 Gemeinde im sonntäglichen Gottesdienst: "Von dort wird er kommen, zu
 richten die Lebenden und die Toten."
 Was soll nun die Gemeinde ausgerechnet mit diesem Thema in der Adventszeit,
 die doch das Weihnachtsfest vorbereitet? Wir sollen erkennen, daß wir nur
 im Blick auf den "letzten Advent", die Wiederkunft Christi, rechte
 Adventsfreude erleben können.
 In seinen Endreden, denen unser heutiger Predigttext entnommen ist,
 beschreibt Jesus das Ende in gewaltigen Bildern: Die Erde wird nicht immer
 so bleiben, wie sie ist, sondern es kommt die Zeit, in der alles vergehen
 wird, damit sein Reich kommen kann.
 Haben wir aber nicht gerade genug von den ständigen Bedrohungen der Erde
 und aller Völker durch die Kräfte der Vernichtung, die in Menschenhände
 gegeben sind! Sollen wir uns nun auch noch als Christen das Ende stets vor
 Augen halten? Wir sollen und dürfen es, weil wir nichts zu fürchten
 brauchen. Wir müssen uns nicht davor verstecken und die Köpfe einziehen,
 sondern Jesus sagt: "Sehet auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure
 Erlösung naht." (Vers 28)
 Das Ende der Welt ist nicht das endgültige, sondern der Beginn des Reiches,
 um dessen Kommen wir jedesmal mit den Worten des Vaterunsers beten: "Dein
 Reich komme."
 In einer Begräbnisliturgie heißt es: "Deine Wiederkunft zu uns oder unsere
 Heimholung zu dir, tröst uns, lieber Herr und Gott." Entscheidend für unser
 Leben und Sterben ist das Wort Jesu. "Himmel und Erde werden vergehen, aber
 meine Worte vergehen nicht." Durch das Wort Gottes wurde die Welt
 geschaffen, durch sein Wort entsteht auch sein neues Reich in einem neuen
 Himmel und einer neuen Erde. Das einzige, was bleibt, ist Gott und
 sein Wort, von dem es am Anfang des Johannesevangeliums heißt: "Am Anfang
 war das Wort." Und dieses Wort Gottes ist Jesus Christus selber. Er hat uns
 zu Kindern seines Vaters gemacht und schenkt uns dadurch das Bürgerrecht in
 seinem Reich.
 Gehören wir zu ihm, dann wird uns der Gedanke an das Ende nicht
 erschrecken, sondern vielmehr alle falsche, oberflächliche und nur
 stimmungsgemäße Adventsfreude nehmen und dafür eine Freude schenken, die
 nie vergeht, die Freude auf seinen letzten Advent.@{b}

 HERR, LAß DIE BOTSCHAFT DES 2.ADVENT MIT IHREN TROST UND IHRER FREUDE FÜR
 UNS ALLE ZU RECHTEN ADVENTSFREUDEN WERDEN. AMEN@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 21d" "Lukas 21,29-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 21,29-38@{ui}
@{b}               In deine Hand o laß getrost uns fallen@{ub}
 In diesem Kapitel wird uns sehr deutlich verkündigt, daß der Herr selbst
 das Ende der Welt herbeiführen wird. Wir werden ihn immer wieder bitten,
 daß er es nicht dem menschlichen Wahnwitz erlaubt, durch einen Atomkrieg zu
 diesem Ende beizutragen. Martin Luther hat selbst den heranrückenden
 Jüngsten Tag nicht als Entschuldigung dafür gelten lassen wollen, Daß ein
 Mensch etwa seine Verantwortung nicht mehr ernst nehmen sollte. Die
 Gottesfurcht ist etwas ganz anderes als die Angst vor allem, was uns
 treffen kann. Wir werden ja nicht erst von den "letzten Dingen"
 angefochten. Vieles andere scheint uns wie ein Anfang vom Ende zu sein.
 Schwere Krankheiten bei uns oder Angehörigen und Freunden von uns gehören
 dazu. Unfälle zeigen uns, wie wir immer vom Tode bedroht sind. Wir werden
 unsere Gedanken nicht erst auf das Ende der Welt zurichten müssen, um an
 unser eigenes Ende zu denken. Das Ende der Welt liegt in Gottes Hand. Wir
 aber sind vielleicht schon lange vor diesem Ende von Dingen bedroht, die
 wir mit darunter verstehen können, wenn es hier heißt: "Wenn aber dieses
 anfängt zu geschehen..." Bei allen Zeichen, die uns an die Zeitlichkeit bei
 uns selbst erinnern, auch etwa bei allen Zeichen des Alterns, gilt uns das
 Herrenwort: "Dann sehet auf!" Jesus hat die Blicke seiner Jünger auf das
 Kommende gerichtet und ihnen gesagt: Ihr wißt, was kommt! Wir gehen nicht
 etwas Unbekanntem entgegen, sondern dem Herrn.
 Wir kennen keine Einzelheiten, aber wir hören: "So wißt, daß das Reich
 Gottes nahe ist." Nahe sein heißt nicht: Leider noch nicht da, sondern: Bei
 uns ist Gott.@{b}

 HERR, WIR BITTEN DICH, DAß DIE EHRFURCHT VOR DIR MANCHE FURCHT, DIE UNS
 ÜBERFÄLLT, BESIEGT. LAß UNS AUF DICH HOFFEN. AMEN.
                        Gottes Lieb in Ewigkeit@{ub}       Gedicht
                     Himmel, Erd und ihre Heere
                     hat er mir zum Dienst bestellt;
                     wo ich nur mein Aug hin kehre,
                     find ich, was mich nährt und hält:
                     Tier und Kräuter und Getreide;
                     in den Gründen, in der Höh,
                     in den Büschen, in der See,
                     überall ist meine Weide.
                     Alles Ding währt seine Zeit,
                     Gottes Lieb in Ewigkeit.

                     Weil denn weder Ziel noch Ende
                     sich in Gottes Liebe findt,
                     ei so heb ich meine Hände
                     zu dir, Vater, als dein Kind,
                     bitte, wollst mir Gnade geben,
                     dich aus aller meiner Macht
                     zu umfangen Tag und Nacht
                     hier in meinem ganzen Leben,
                     bis ich dich nach dieser Zeit
                     lob und lieb in Ewigkeit.
                     @{i}   Paul Gerhardt@{ui}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22a" "Lukas 22,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Lukas 22,1.6@{ui}
@{b}                     Er sucht Gelegenheit@{ub}
Daß Jesus Feinde hatte, ist selbstverständlich. er machte keinen Unterschied
 zwischen hoch und niedrig. Er milderte seine Worte nicht vorsichtig,
 sondern sagte schroff die Wahrheit. Er ging nicht um den Kern herum, er
 zielte ins Zentrum. Er deckte die geheimsten Beweggründe von Menschen auf
 und verurteilte jede Lieblosigkeit als einen Verstoß gegen das, was Gott
 will. Menschlich gesprochen: Das konnte nicht gut ausgehen. Denn wer sich
 getroffen fühlt, ist auch verletzt und verbittert. Und verbindet sich
 empörte Betroffenheit mit Macht, dann droht Gefahr. So möchten die
 Maßgeblichen seines Volkes Jesus als einen Störenfried beiseite schaffen.
 Sie warten geradezu nur eine günstige Gelegenheit ab. Die ist gegeben,
 bevor zum Fest viele Menschen zusammenströmen und solange jeder noch mit
 Vorbereitungen beschäftigt ist.
 An den Plan beteiligt ist einer der Männer, die Jesus am nächsten stehen.
 Warum handelt Judas so? Die Evangelisten begnügen sich mit den Tatsachen.
 Psychologische Erläuterungen geben sie nicht. Unsere Gedanken kreisen zwar
 immer wieder um Fragen wie die: Was ging in Judas vor? War er von Jesus
 enttäuscht? Wünschte er sich offenen Widerstand und Waffengewalt, um die
 Fremdherrschaft im Lande abzuschütteln? Wollte er Jesus durch die
 persönliche Bedrängnis zwingen, seine heimliche Majestät offenkundig zu
 machen? Erstrebt er selbst einen Namen, sei es auch durch zweideutiges Tun?
 Neben Petrus und Johannes ist Judas der Jünger, dessen Name nicht vergessen
 werden kann. Aber es bleibt rätselhaft, warum Judas sich zum Verrat
 bereitfand, wie die Sünde schon auf den ersten Seiten der Bibel
 rätselhafterweise da ist.@{b}

 HERR, DU BIST DEINER GEMEINDE NAHE DURCH DEIN WORT UND MACHST UNS DADURCH
 ZU DEINEN JÜNGERN. BEWAHRE UNS DAVOR, DAß WIR UNTREU WERDEN. LAß UNS AUF
 DICH HÖREN UND ZUSAMMENHALTEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 22b" "Lukas 22,7-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                            Lukas 22,7-23@{ui}
@{b}                             Für euch@{ub}
 Jesus hat sich eingefügt in das Volk, in dem er geboren wurde. Aber was er
 sagte und tat, reicht weit über den Rahmen eines einzigen Volkes hinaus. Er
 feierte mit den Jüngern das Passafest, aber er machte es zum Gleichnis
 eines größeren Geschehens. Aus dem Alten Bunde Gottes mit einem Volk wurde
 der neutestamentliche mit allen, die zu Jesus gehören.
 Wenn die alttestamentliche Gemeinde das ungesäuerte Brot aß und sich zum
 Mahl um ein geschlachtetes und zubereitetes Lamm zusammensetzte, dachte sie
 an den Auszug der Vorfahren aus Ägypten. Die gläubig Feiernden waren gewiß:
 Auch uns gilt Gottes Zusage; auch für uns gibt es Rettung aus Knechtschaft
 und Bedrängnis.
 Auf Jesu Anweisung bereiten zwei Jünger das Festmahl vor. Auch der Besitzer
 des Hauses, der den Raum zur Verfügung stellt, wird ein Anhänger Jesu
 gewesen sein.
 Wieder ist es eine Stunde des Aufbruchs, denn Jesus geht auf die Passion
 zu. Der Aufbruch führt näher zum erlösenden Ziel. Insofern ist schon der
 Anfang ein Stück Erfüllung. Das letzte gemeinsame Mahl deutet auf die
 endgültige Gemeinschaft mit Gott. Brot und Wein meinen den Opfertod Jesu.
 Wer Brot und Wein als seine Gabe annimmt, empfängt das Einssein mit dem
 Herrn. Der Verräter kann nicht hindern, was Gott will. Jede Feier des
 heiligen Abendmahls verbindet uns mit dem Herrn, der es seinen Jüngern
 austeilt, und stellt uns unter die Zusage: Für euch. Es verbindet uns mit
 denen, die es heute empfangen, die es in der Vergangenheit empfingen und in
 der Zukunft empfangen werden. In den Einsetzungsworten erreicht uns ein
 Klang der Ewigkeit.@{b}

 HERR, LAß UNS  NIE VERGESSEN, WAS WIR DIR WERT SIND. DU SCHENKST UNS MIT
 BROT UND WEIN DICH SELBST. WIR WOLLEN DEINE GABE NICHT GERINGACHTEN UND UNS
 FREUDIG UND DANKBAR VON DIR EINLADEN LASSEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22c" "Lukas 22,24-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 22,24-30@{ui}
@{b}                         Der Größte@{ub}
 Einen gewissen Geltungstrieb hat jeder Mensch. Die Frage ist nur, bei
 welcher Gelegenheit er sich zeigt und in welcher Art. Daß Jesus der Herr
 ist, darüber sind sich die Jünger einig. Er hat von seinem Reich
 gesprochen. In jedem Reich gibt es eine Rangordnung. Menschen dürfen
 befehlen, oder sie müssen gehorchen. Die Männer, die Jesus auf seinen Wegen
 folgten, haben treu zu ihm gehalten. Das erkennt Jesus durchaus an.
 Unablässig haben sie sich von ihrem Herrn belehren lassen und haben doch
 etwas ganz Wichtiges nicht von ihm gelernt. Wir dürfen es ihnen nicht
 übelnehmen, denn es wird in der Gefolgschaft Jesu auch von den Wissenden
 leicht vergessen. Von Jesus lernen, heißt in den meisten Fällen: umlernen.
 Das ist schwer. Manches läßt sich tatsächlich nur durch das gute Beispiel
 erfassen.
 An Jesus selbst wird anschaubar, was er meint. Er will, daß die Seinen sich
 an ihm ein Beispiel nehmen. In seinem Munde erhalten die Worte herrschen
 und dienen einen neuen Klang. Das Große an Jesus ist gerade, daß er sich
 ganz zur Verfügung stellt. Er ist da für den, der Rat braucht oder Trost
 sucht oder Hilfe. Er ist da für den, der Rat braucht oder Trost sucht oder
 Hilfe. Er ist da für den Verirrten, der sich vor Gott versteckt. Er fühlte
 sich nicht zu vornehm für die Verrichtung des Alltags. Vielleicht hat er
 seine Jünger auch bei Tisch bedient, was sonst ein Diener besorgte.
 Je näher jemand Jesus kommt, desto dienstwilliger wird er, im Sinne Jesu
 desto größer.
 Das Reich, das Jesus meint, wird nicht erobert. Das Heimatrecht im Reich
 Gottes wird geschenkt.@{b}

 LIEBER HERR CHRISTUS, WIR WISSEN, DAß WIR DAS BESTE VON DIR LERNEN KÖNNEN.
 WIR HABEN DEIN BEISPIEL. ABER OFT FINDEN WIR EINEN ANDEREN MAßSTAB
 BEQUEMER. HABE GEDULD MIT UNS, WENN WIR IN DEINER SCHULE FEHLER MACHEN.
 AMEN. @{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22d" "Lukas 22,31-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 22,31.38@{ui}
@{b}                    Es muß vollendet werden@{ub}
 Wie ein weißer und ein schwarzer Faden verschlingen sich die Ereignisse bei
 Jesu Leiden und Sterben. Die Macht des Bösen möchte den auslöschen, der den
 Weg des Heils geht. Wenn Jesus dem Anschein nach scheitert, so wird das
 eine schwere Probe für seine Freunde sein. Werden sie noch in dem
 Verurteilten den von Gott Gesandten sehen? Diese Not der Anfechtung nimmt
 Jesus seinen Jüngern nicht ab. Wohl aber tritt er vor Gott dafür ein, daß
 gläubiges Vertrauen auch einen solchen Schlag aushält. Petrus ist kein
 unerschütterlicher Glaubensheld - niemand ist das -, aber der Abirrende
 kann sich besinnen und umkehren, sich und den anderen zum Heil. Petrus
 meint es gewiß ehrlich: Mit dir, Herr, durch Not und Tod! Doch jesus weiß,
 was von dem Aufflammen des Jüngers in dieser Stunde zu halten ist. Und
 Petrus wird es begreifen, nachdem er versagt hat. Jesus wird es begreifen,
 nachdem er versagt hat. Jesus versucht den Jüngern die Augen für den Ernst
 der Lage zu öffnen. Wohl haben die Männer um Jesus auf die bescheidene
 Sicherheit ihres Daseins verzichtet, aber zu hungern brauchten sie nicht.
 In Zukunft jedoch werden sie sich einen Vorrat halten müssen. Die Zukunft
 wird so gefahrdrohend sein, daß ein Schwert wichtiger ist als ein
 Obergewand.
 Hier wird nicht zu bewaffnetem Widerstand aufgerufen, wohl aber die
 lebensgefährliche Situation angedeutet.
 Bereits im Alten Testament ist zu lesen, daß man Gottes Boten wie
 Verbrecher behandeln wird. Jesus muß den Weg des Gehorsams gehen bis zum
 bitteren Ende. Es ist Vollendung im wahren Sinn des Wortes.@{b}

 HERR, IN MANCHEN STUNDEN SIND WIR UNSERES GLAUBENS FROH UND ES SIEHT ALLES
 SO LEICHT AUS. HERR, DU KENNST UNS ABER, WENN WIR SCHWERES ERLEBEN. STÄRKE
 UNS, WENN WIR VERZAGEN, WENN WIR MUTLOS WERDEN UND UNSER GLAUBE ERMATTET.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22e" "Lukas 22,39-46"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 22,39-46@{ui}
@{b}                         In Anfechtung@{ub}
 Jesus flieht nicht. Er geht an den Ölberg, wie er es auch wohl sonst tat.
 Kein menschliches Ohr konnte die Worte vernehmen, die Jesus in dieser
 entscheidenden Stunde vor Gott brachte. Aber wie Jesus sich verhielt, das
 war beredt genug. Noch in dieser Stunde geht es ihm darum, seinen Jüngern
 innerlich Halt zu schenken. Das vermag in dieser Lage nur das Gebet. Gegen
 Anfechtungen, gegen Angst und Zweifel gibt es keine andere vergleichbare
 wirksame Hilfe.
 Auch Jesus betet. Das Wirksame und die Hilfe des Gebets bedeuten natürlich
 nicht im geringsten, daß sich ruckartig alle Anfeindung ändern.
 Es war ein bitterer Kelch, den der himmlische Vater Jesus reichte:
 Abgelehnt wurde er, wo er das Beste wollte, von seinem Volk in Stich
 gelassen, in seiner wahren Bedeutung von den meisten nicht erkannt; vor
 sich sah er ein schmähliches Ende.
 Das alles in stiller Nacht einsam durchzukämpfen, ist eine Art Todeskampf.
 Aber Gott schenkte dem Betenden Kraft. Ein Engel stärkte ihn, so drückt der
 Evangelist es aus.
 Es gibt eine Verbindung zwischen dem verborgenen Gott, der Manchmal so
 rätselvoll handelt und so Schweres zuläßt, und dem, der Gottes Hand auch
 dann sucht. Jesus ist mit dem Ansturm dessen, was drohte fertig geworden;
 er hat sich durchgekämpft. Seine Jünger hören, daß er sie aufstehen heißt
 zum Gebet. Die Anfechtung ist für sie ganz stark. Weil Gottes Handeln aber
 verkündigt wir, ist es, als ob der Himmel sich öffnet über Jesus. So hören
 wir es in der Weihnachtsbotschaft, in der Verkündigung von Jesu Taufe und
 hier aus der Gethsemanegeschichte heraus. In den Ostergeschichten
 schließlich wird deutlich, daß wir es sind, für die sich eigentlich der
 Himmel öffnet.@{b}

 ALLMÄCHTIGER GOTT, WIR DÜRFEN MIT DIR SPRECHEN WIE KINDER MIT IHREM LIEBEN
 VATER. ABER MANCHMAL RÜTTELT DIE ANGST AN UNSEREM VERTRAUEN. NUR WENN WIR
 AUF DICH BLICKEN, WAGEN WIR DIE SCHWERE BITTE: DEIN WILLE GESCHEHE. AMEN.
@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22f" "Lukas 22,47-53"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 22,47-53@{ui}
@{b}                       Macht der Finsternis@{ub}
Was hier vor sich geht, scheut das helle Tageslicht. Im Dunkel der Nacht
 wird der Unschuldige verraten und festgenommen. Gelegenheit Jesus zu
 verhaften, wäre vorher genug gewesen. Aber es sollte ja unauffällig und
 heimlich geschehen. Eine ganze Schar ist es, die sich zum Ölberg aufmacht.
 So wichtig ist ihnen das Unternehmen. Oder fürchten sie den Gesuchten?
 Wollen sie einen bewaffneten Widerstand im Keim ersticken? Angeführt werden
 sie von Judas, der durch den Begrüßungskuß zeigen will: Dieser ist es!
 Während Jesus erneut auf das Gebet und damit auf Standhaftigkeit verweist,
 kommen die anderen. Sie sind da, "als er noch redete".
 Zeichenhaft ist auch dieser Zug. Jesus übt Seelsorge, während alle an
 Gewalt denken. Die Jünger selbst warten nur auf den Befehl zur
 Verteidigung. Einer schlägt sofort los. Nur der Evangelist Johannes nennt
 hier den Namen Petrus. Aber Jesus wehrt ab und heilt die Wunde. Er läßt es
 nicht zu, daß einer von den "kleinen Leuten" die Schuld der Auftraggeber
 ausbadet. Seine Haltung ist würdig und überlegen, und seine Worte decken
 die Wahrheit auf: Nicht er ist anzuklagen, sondern die Befehlshaber, die in
 der Öffentlichkeit keinen Finger gerührt haben. Was in dieser Nacht
 geschieht, ist verbrecherisch. Es würde nicht gelingen, wenn es nicht in
 den geheimnisvollen Plan des Ganzen gehörte: "Dies ist eure Stunde."
 Ganz am Ende lesen wir dann noch von der "Macht der Finsternis". Sie ist
 etwas viel Gefährlicheres als die geschilderte Abenddunkelheit. Sie ist
 vielmehr ein Sinnbild für alles Böse und Erschreckende.
 Unser Herr hat das ertragen. Das zeigt uns zu unserem Glück: Jedem
 Bedrohten ist er nahe.@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL, HILF UNS STANDZUHALTEN, WENN JEMAND UNS - AUCH UM
 DEINETWILLEN - UNRECHT TUT. MACHE UNS GEWIß, DAß NACH DIESER STUNDE EINE
 ANDERE SCHLÄGT UND DAß LETZTLICH JEDE STUNDE AUS DEINER HAND KOMMT. AMEN.
@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22g" "Lukas 22,54-62"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Lukas 22,54-62@{ui}
@{b}                         Jesus sah ihn an@{ub}
 Daß Jesus Jünger hatte, war den Machthabern selbstverständlich bekannt.
 Aber in ihren Augen waren es offenbar harmlose Toren. Sie würden von allein
 zurückweichen, sobald die Hauptperson fehlte. Man fürchtete keine
 weitgreifende Bewegung, sondern einen einzelnen. Deshalb ließ man die
 Jünger laufen, als Jesus festgenommen wurde. Petrus folgt in einiger
 Entfernung, als Jesus in den Palast des Hohenpriester abgeführt wird.
 Gerade die Priesterschaft hat ein Interesse daran, Jesus zu beseitigen. Sie
 vergessen ihm nicht, wie energisch er auf die Mißstände im Tempel
 hingewiesen hat.
 In der kühlen Nacht rücken die Knechte um ein Feuer zusammen. Petrus setzt
 sich dazu. Wahrscheinlich um zu beobachten, was weiterhin mit Jesus
 geschieht. Er bleibt nicht unerkannt, doch wird er nicht fortgewiesen. Eine
 Magd betrachtet ihn genau und ist ihrer Sache sicher: Der gehört zu "ihm".
 Einer der Knechte stellt das gleiche fest. In beiden Fällen bestreitet es
 Petrus. Er unterläßt das einzige, was er noch für Jesus tun kann, sich zu
 ihm zu bekennen. Einem dritten fällt an Petrus etwas auf: Er verrät durch
 seine Aussprache, daß er aus Galiläa stammt. Auch Jesus begann seine
 Wirksamkeit in Galiläa. Gerade dort sind die eifrigsten Nationalisten zu
 Hause, die Feinde der Römerherrschaft. Darum antwortet Petrus zum dritten,
 der ihn anspricht, dem Sinn nach zwar ablenkend: Dummes Zeug sagst du! Aber
 dahinter steckt Angst. Als es Morgen wird, als der Hahn kräht, hat der
 Jünger seinen Herrn dreimal verleugnet. Da trifft ihn der Blick Jesu. Zum
 Verhör kann Petrus ihm nicht folgen. Er trauert über sich selbst.@{b}

 HERR, OFT TRAUEN WIR UNS MEHR TAPFERKEIT ZU, ALS WIR IN DER ENTSCHEIDENDEN
 STUNDE AUFBRINGEN. DAS IST GRUND ZUM SCHÄMEN. AUCH WIR FÜHLEN DEN BLICK,
 DER PETRUS TRAF. VERGIB UNS UNSERE SCHULD. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 22h" "Lukas 22,63-71"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 22,63-71@{ui}
@{b}                         Gottes Sohn@{ub}
 Wer mit Jesus zu tun hat, steht vor der Frage: Wer bist du? Das schließt
 weitere, wichtigere Fragen ein. Bedeutest du etwas für mich? Willst du
 etwas von mir? Hab ich etwas von dir? Die Zeitgenossen Jesu antworten
 verschieden, je nachdem, wie sie Jesus kennengelernt hatten. Manche zählten
 ihn zu den Propheten. Die Gefangenenwärter greifen das auf und treiben
 ihren Spott damit.
 Wenn es bei einer Sache auf Leben und Tod ging, mußte sie bei Tage
 verhandelt werden. So wird Jesus nach Tagesanbruch von der in religiösen
 Fragen zuständigen jüdischen Körperschaft verhört. Vorsitzender ist der
 Hohepriester. Auch die Behörde stellt die Frage: Wer bist du? Sie muß es
 aus seinem eigenen Munde hören. Maßt er sich etwas an, was strafbar ist,
 dann werden Zeugenaussagen überflüssig.
 Bist du Christus? Ein glattes ja wäre den Vernehmenden am liebsten. Aber
 Jesus bejaht indirekt, indem er an einen Psalmvers anknüpft (Psalm 110,1).
 So macht er eine Aussage, aber er fragt sie zugleich nach ihrem eigenen
 Glauben.@{b} Ihr@{ub} müßt Stellung nehmen; glaubt ihr, daß der Gottessohn
 kommt? Da folgt noch schärfer formuliert die entscheidende Frage: Bist du
 denn Gottes Sohn? Das wird von ihm bejaht und ist für sie Gotteslästerung,
 ein todeswürdiges Verbrechen.
 Aber es kann auch als Auflehnung gegen den römischen Kaiser ausgelegt
 werden. Deshalb läßt sich das Todesurteil der römischen Behörde zuschieben,
 die es auch vollstrecken darf. Vorher aber wird der römische Richter Jesus
 fragen. Wo aber denn ein Vorurteil gefaßt ist, ist jede Frage nur zum
 Schein gestellt. Das ist heute noch nicht anders.@{b}

 LIEBER HERR CHRISTUS, WIR BITTEN FÜR UNS SELBST, DAß DIE FRAGE, WAS VON DIR
 ZU HALTEN IST, NICHT VERSTUMMT. ABER WIR DANKEN DIR, DAß GOTT UNS IN DEINEM
 WORTE ANSPRICHT, DAß ER UNS DURCH DICH NACHGEHT UND AN UNS HANDELT.
 AMEN@{ub}

@ENDNODE
@NODE "Lukas 23a" "Lukas 23,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 23,1-12@{ui}
@{b}                         Ausgeliefert@{ub}
 Gegen Jesus ist man sich einig. Die führenden Leute des Landes, denen die
 römische Besatzungsmacht gar nicht recht war, kommen nun doch in großer
 Schar zu Pilatus, dem Statthalter Roms. Er hat in Rechtssachen das letzte
 Wort. Nun soll er das Urteil sprechen und Jesus beseitigen. Pilatus zögert,
 er möchte sich heraushalten. Er schiebt Jesus zu Herodes nach Galiläa ab.
 Der ist zuständig, denn da war Jesus zu Hause. Herodes, der gern im
 Schatten der großen Weltmacht seine eigenen politischen Pläne durchsetzen
 wollte, kommt das recht. Er ist Pilatus gern zu Diensten, beide werden
 Freunde. Gegen Jesus sind sie sich einig. Wie zwischen Mühlsteine gerät
 Jesus ins Getriebe der politischen Interessen. Im Hohen Rat hatte es noch
 einen Wortwechsel gegeben, Jesus hatte sich klar als der Christus bekannt.
 Vor Pilatus antwortete er nur kurz auf die Frage des Statthalters; bei
 Herodes schweigt er ganz. Schließlich ist er den Soldaten ausgeliefert.
 Wozu läßt uns das Evangelium diesen demütigenden Weg des ausgelieferten
 Jesus sehen? Häufig wollen Christen daraus die Lehre ziehen, daß man sich
 besser aus dem Getriebe der Welt heraushält, schon gar aus der Politik.
 Können wir wirklich die Welt sich selbst überlassen? Können wir uns
 ängstlich oder auch überheblich heraushalten? Wir sind doch täglich
 verwickelt in das Geschehen um uns herum. Wie gut, daß Jesus dem nicht
 ausweicht. Er hilft uns zu begreifen, daß wir nie von Gott verlassen sind,
 auch wenn wir uns völlig ausgeliefert fühlen. Auf dem Weg mit Jesus
 erkennen wir, wie weit Gottes Hand reicht. Er hat das letzte Wort.@{b}

 LIEBER HERR! WIR DANKEN DIR, DAß JESUS MITGEHT UND HINDURCHTRÄGT DURCH ALLE
 BESCHWERNISSE UND ANFECHTUNGEN. WIR BITTEN FÜR ALLE, DIE SICH AUF VIELE
 WEISEN AUSGELIEFERT FÜHLEN: ZEIGE IHNEN DEINE NÄHE. DEIN IST DAS REICH UND
 DIE KRAFT UND DIE HERRLICHKEIT. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 23b" "Lukas 23,13-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 23,13-25@{ui}
@{b}                         Totgeschrien@{ub}
 Werden uns in diesem Abschnitt der Leidensgeschichte Jesu die Ohren
 klingen? Da wird geschrien, und es geht uns an.
 Wir lesen: Es wird kein Urteil nach Recht und Gesetz gesprochen, sondern
 Jesus wird totgeschrien, bevor er am Kreuz stirbt. Er wird dem Willen einer
 haßerfüllten Menge ausgeliefert; ein Unrecht, das gen Himmel schreit. Denn
 gerade noch hatte der oberste Gerichtsherr erklärt: Jesus ist unschuldig.
 Aber kurz darauf gellt das ohrenbetäubende "Kreuzige ihn!" durch die
 Straßen.
 Mancher wird sich daran erinnern, wie es in der Passion von J.S.Bach die
 Chöre hinausschreien. Das ist nicht nur ein Konzerterlebnis. Wir wissen
 selbst, wie die Zunge, "Das unruhige Übel" (Jakobus 3) zur Waffe werden
 kann. Rufmord nennt man es, wenn durch raffinierte Fehlinformation oder
 glatte Lüge Menschen kaputt gemacht werden. Das Fernsehen liefert manchmal
 erschütternde Bilder und selbst der Ton dazu, wie Menschen auf Kommando Haß
 erfüllte Parolen herausschreien. Wo Menschen überschrien werden, etwa
 Minderheitsgruppen, da wird Jesus totgeschrien. Er wird durch solche Art
 zum Schweigen gebracht. Aber noch das Bild der still Leidenden hat uns
 etwas zu sagen für die Zukunft der Welt und für den Sinn unseres eigenen
 Lebens. Wir sehen vor uns, wie er dem Unwillen der Menschen verfallen ist.
 Die letzte schlimme Strecke zur Kreuzigung beginnt. Gott entzieht sich dem
 nicht; er zieht Jesus nicht heraus. Gott setzt dem Unwillen der Menschen
 seinen Heilswillen entgegen. Gott hört nicht auf, zu uns zu reden, auch
 noch durchs Kreuz. Klingen uns bei all dem, was wir hier lesen, die Ohren?
 @{b}
 HERR, UNSER GOTT! WENN WIR DICH TOTSCHWEIGEN, WENN WIR EINSTIMMEN IN DEN
 CHOR DERER, DIE DEIN WORT ÜBERTÖNEN, DANN VERGIB UNS! WIR DANKEN DIR, DAß
 DU HEUTE NOCH ZU UNS SPRICHST. LAß UNS DICH HÖREN UND DIR FOLGEN! AMEN.
 @{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 23c" "Lukas 23,26-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Lukas 23,26-32@{ui}
@{b}                      Klagen oder tragen@{ub}
 Simon von Kyrene hat sich nicht dazu gedrängt, Jesus das Kreuz zu tragen
 und ihm so den Kreuzestod ein wenig zu erleichtern. Sie griffen ihn und
 zwangen ihn dazu.
 Wenn doch wenigstens einer von denen, die Jesus vorher so treu begleitet
 hatten, jetzt zur Stelle gewesen wäre! Doch die Jünger sind geflohen, einer
 hat ihn sogar verraten, der andere ihn verleugnet. Lassen wir nicht bis
 heute Jesus auf seinem Weg zum Kreuz im Stich?  Wissen wir nicht viele
 Gründe zu nennen, um uns vor einem klaren Bekenntnis zu ihm zu drücken? So
 tragen wir nicht am Kreuz und am Leiden Jesu, wie es - wenn auch wohl nicht
 aus eigenem Willen - Simon von Kyrene getan hat. Wir würden uns wie er zu
 Jesus halten, wenn wir anderen Menschen das Kreuz ihres Lebens etwas mit
 tragen helfen würden. Hungernde und Verfolgte in vielen Ländern,
 Geschändete und Gefolterte können fragen: Warum sind gerade wir dazu
 verurteilt? Wir können auch an Menschen denken, die auf der Schattenseite
 des Lebens stehen, weil sie unerwartet hart von Krankheit und persönlicher
 Not getroffen wurden. So kann einer unerwartet in die Nähe Jesu kommen. Da
 drückt es ihn - das Kreuz!
 Simon von Kyrene ist auf diese Weise in die Leidensgeschichte Jesu
 hineingekommen. Das hat offenbar sein Leben entscheidend geprägt. Der
 Evangelist Markus weiß zu berichten, daß Simon der Vater des Rufes sei, der
 nach Römer 16 zur ersten Christusgemeinde gehörte. Wo uns das Leben zu
 tragen gibt, wo andere Menschen unser Mittragen brauchen, da ist Jesus ganz
 nahe.
 Ganz anders geht es bei der großen Schar der Leute, die mitleidig den Weg
 Jesu zum Kreuz mit ihren Klagen begleiten. Weh uns, wenn sich die
 Passionszeit nur in klagenden Worten erschöpft. weh uns, wenn die Kirche
 und mit ihr wir Christen angesichts des Unrechts nur mit Erklärungen von
 Synoden und mitleidigen Worten zur Stelle sind. Nicht Mitleid ist gefragt
 sondern Mit-Leiden.
 Wann werden sie uns denn bedrücken: das Unrecht, die Not, die Verlassenheit
 unter uns Menschen, in der Ferne und in der Nähe?
 Lassen wir uns doch davon packen, wie es den Simon von Kyrene gepackt hat!
 So kommen wir in die Leidensgeschichte Jesu hinein. Wir werden begreifen,
 wie Jesus vor uns steht mit seinem Kreuz, das wir ihm mit aufgedrückt
 haben.@{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, LAß UNS DAS KREUZ, ANNEHMEN WO ES IN UNSER EIGENES
 LEBEN HINEINDRINGT. HILF UNS AUS DEM MITLEIDIGEN KLAGEN HERAUS. GIB UNS
 KRAFT UND MUT, DIE LAST MIT ANDEREN ZU TRAGEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 23d" "Lukas 23,33-49"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 23,33-49@{ui}
@{b}                            Heute@{ub}
 In diese Todesstunde Jesu am Kreuz hat Gott alles hineingelegt, was er uns
 zu sagen hat. Da ist Gott für jeden Menschen ganz gegenwärtig. Müßte er
 nicht, nachdem sie Jesus ans Kreuz gebracht haben, einen Schlußstrich gegen
 alle ziehen? Müßte er sich nicht distanzieren von seinen Jüngern, die ihn
 im Stich gelassen haben? Von der Volksmenge, die zwar mitleidig jammerte,
 aber nun einfach zusieht, wie Jesus sich zu Tode quält? Von den spöttischen
 und ironischen Oberen von Kirche und Staat ebenso wie von den
 Uniformierten, die von Berufs wegen die Hinrichtung besorgen?
 Statt dessen aber stößt Jesus noch einmal und endgültig die Tür zu Gott für
 sie alle auf: "Vater, vergib ihnen!"
 Jesus ist den Menschen nach den Worten aus dem gleichen Lukasevangelium
 bekannt geworden durch die Botschaft der Engel an die Hirten: "Euch ist
 heute der Heiland geboren." Nun endet dies Leben, und Gott besiegelt darin
 seine Botschaft an die Menschen: Euch ist heute der Heiland gestorben. Für
 uns alle ist er gestorben, heute für jeden, der es nur annehmen will.
 Dann kommt es zu diesem eigenartigen Gespräch der drei Gekreuzigten
 untereinander. Die Entscheidung, vor die uns Jesu Tod stellt, wird hier in
 ihrer letzten Endgültigkeit dargestellt. Der eine lästert und wehrt sich
 gegen Gott bis in die letzten Minuten des Sterbens hinein. Für den anderen
 ist es auch da noch nicht zu spät. Jesus, der selbst zum Tode verurteilt
 ist, sagt ihm zu: Heute ist für dich der Weg zu Gott frei. Hier leuchtet
 schon das Kreuz das Licht der Auferstehung auf. So kommt Jesus in seinem
 Wort, seinem Zuspruch, auf jeden Menschen zu als der lebendige Weg zum
 Vater. Er geht diesen Weg nicht am Tode vorbei, er entschwindet nicht auf
 eigenartiger Weise in einem Wolkenhimmel, sondern er geht den Weg durch den
 Tod hindurch. Das macht ihn glaubwürdig für uns sterbliche Menschen.
 Die "Bekannten" von Jesus schauen sich das alles aus der ferne an. Bin ich
 nicht auch so einer, der doch gut bekannt ist mit Jesus? Auf Papier ist das
 für einen Kalenderzettel leicht hingeschrieben. Aber wer von uns bleibt
 nicht nur abwartend und distanziert? Einer ist nach dem Bericht des Lukas
 sehr dicht dran an Jesus: der Offizier, der wahrscheinlich das
 Hinrichtungskommando kommandiert. Er begreift: Der Tod Jesu geht mich an.
 @{b}
 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS NOCH IN DEINER TODESSTUNDE
 ZUM VATER RUFST. HILF UNS HEUTE NOCH, UNTER DEINEM KREUZ FREI ZU WERDEN VON
 ANGST UND SCHULD UND MIT DIR DEN WEG ZUM NEUEN LEBEN IN GOTT ZU GEHEN.
 AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 23e" "Lukas 23,50-56"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Lukas 23,50-56@{ui}
@{b}                      Warten und ruhen@{ub}
 Eine eigenartige Stimmung liegt über diesem Tag zwischen der Kreuzigung
 Jesu und seiner Auferstehung, zwischen Karfreitag und Ostern. Manchem mag
 es sogar ein wenig beschaulich vorkommen, wie der gute und fromme Josef von
 Arimathia, der bisher das offene Bekenntnis zu Jesus gescheut hatte, ihm im
 Tode nun doch noch einen letzten Liebesdienst tut. Oder ist es doch mehr
 für ihn? Wir hören was er hofft. Jesus hatte seine Jünger das Beten
 gelehrt. Dazu gehört auch die Bitte: "Dein Reich komme!" Josef wartet auf
 Gottes Reich. Mit ihm zusammen, sind vor dem Sabbat ein paar Frauen am
 Grab. Sie wollen Jesus noch nach dem Tode die Treue halten. Doch kommen sie
 nicht einmal dazu, um wenigstens noch ein paar wohlriechende Kräuter mit
 ins Grab zu geben. Die strenge Sabbatgebote binden ihnen die Hände. So
 müssen sie ruhen. Sie haben Zeit. Ihre Hoffnung ist begraben.
 Ob nicht manche klein gewordene Gemeinde und mancher verzagte Christ
 ähnlich oder ebenso hin und wieder den Eindruck hat, nur noch in Erinnerung
 leben zu können? Es kommt alles darauf an, daß Gott selbst sich als der
 Lebendige erweist.
 So beginnt das letzte Kapitel im Lukasevangelium, das Auferstehungskapitel,
 mit einem großen Aber. Immer neu setzt der Evangelist an: "Aber". Wir
 brauchen es, daß der lebendige Gott sein großes Aber in unsern menschlichen
 Karsamstag hineinspricht: "Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat
 durch unsern Herrn Jesus Christus."@{b}

 HERR, UNSER GOTT, FÜHRE UNS IN DIE STILLE VOR DIR, WENN WIR UNS IN UNSERER
 EIGENEN GESCHÄFTIGKEIT VERLIEREN? SPRICH UNS DEIN LEBENDIGES WORT ZU, WENN
 WIR IN TROSTLOSIGKEIT VERSINKEN! NIMM UNS MIT AUF DEINEN WEG! AMEN.

                   Herr, mach uns still und rede du@{ub}     Gedicht
                  Nun gib uns Pilgern aus der Quelle
                  der Gottesstadt den frischen Trank,
                  laß über der Gemeinde helle
                  aufgehn dein Wort zu Lob und Dank.

                  Schließ auf, Herr, über Kampf und Sorgen
                  das Friedenstor der Ewigkeit.
                  In deiner Burg sind wir geborgen,
                  zum Kampf gestählt, zum Dienst bereit.

                  Zeig uns dein königliches Walten,
                  bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh.
                  Du wirst allein ganz recht behalten:
                  Herr, mach uns still und rede du.
                  @{i}    Otto Riethnüller 1935@{ui}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 24a" "Lukas 24,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 24,1-12@{ui}
@{b}                       Er ist auferstanden@{ub}
 Die Apostel wollen es nicht glauben. Die Auferstehung ist ja eine
 "unglaubliche" Sache. Wir stoßen hier an eine Grenze des Sagbaren und
 Verstehbaren. So verwundert es nicht, daß jedes Evangelium auf seine Weise
 die Auferstehung Jesu bezeugt.
 Alle Evangelien stimmen darin überein, daß Frauen die ersten Zeugen der
 Auferstehung waren. Lukas nennt drei Schritte, mit denen die Frauen auf die
 Botschaft "Er ist auferstanden" reagieren: Sie gedachten an seine Worte,
 sie gingen wieder weg vom Grab und sie verkündigten alles den elf Jüngern
 und den andern allen.
 Hier ist uns beispielhaft gezeigt, wie die Gemeinde und der einzelne Christ
 zum Osterglauben kommt. Am Anfang steht das Zeugnis der Boten Gottes. Darin
 kommt zum Ausdruck, daß es hier nicht um eine von Menschen erdachte oder
 erträumte, sondern von Gott stammende Nachricht geht. Die Gemeinde lebt von
 dieser Nachricht, weil Gottes Geist sie immer neu dazu bewegt, jene drei
 Schritte der Frauen vom Ostermorgen zu wiederholen.
 Wir denken wie sie an Worte Jesu, etwa: "Ich bin die Auferstehung und das
 Leben" (Joh 11,25), oder an die Vorhersage seines Todes und seiner
 Auferstehung. Indem die Gemeinde sich an Jesu Worte erinnert, wird ihr
 klar, daß der gute Plan Gottes mit uns sich in Jesus erfüllt. "Gott hat es
 alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht." In dieser getrosten
 Gewißheit kann die Gemeinde vom Grab weggehen. Wer die Osterbotschaft
 gehört und angenommen hat, sucht den Lebenden nicht bei den Toten. Glaube
 an Jesus ist keine Verehrung eines Toten, sondern Umkehr aus der Welt des
 Todes in die des Lebens. Damit ist nichts gegen die Pietät gesagt, mit der
 wir die Gräber unserer Verstorbenen pflegen. Der Osterglaube läßt uns aber
 nicht an den Gräbern stehen, sondern führt zu den Lebenden, die die
 Botschaft von der Auferstehung brauchen. Das ist der dritte Schritt.
 Es fällt uns schwer Trauernden das tröstende Wort zu bringen. Wichtiger als
 Worte ist es, den Trauernden nahezusein in der Gewißheit, daß der
 Auferstandene gegenwärtig ist. er will uns aus seinen Trost empfangen und
 weitergeben können.@{b}

 WIR DANKEN DIR, HERR, UNSER GOTT, DAß DU UNS NICHT DEM TOD AUSLIEFERST,
 SONDERN UNS AN DER AUFERSTEHUNG JESU TEILHABEN LÄßT. STÄRKE UNS IM
 OSTERGLAUBEN, DAMIT WIR TOD UND GRÄBER HINTER UNS LASSEN UND DEN SIEG DES
 LEBENS BEZEUGEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 24b" "Lukas 24,13-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Lukas 24,13-35@{ui}
@{b}                    Ihre Augen wurden geöffnet@{ub}
 Jesus ist auferstanden, aber die Jünger sehen ihn nicht. Der Auferstandene
 ist bei ihnen, aber sie er kennen ihn nicht. Das war damals so, bis ihre
 Augen geöffnet wurden, und es ist heute so, wenn Gottes Geist uns nicht die
 Augen des Glaubens öffnet. Deshalb ist es nötig, daß zum Osterwunder der
 Pfingstgeist hinzukommt. Der lebendige Herr muß uns durch seinen Geist den
 Blick für seine Gegenwart frei machen. Dieser Blick ist oft durch die
 probleme verstellt, mit denen wir nicht fertig werden. Wir können es den
 beiden Männern auf dem Weg nach Emmaus wohl nicht ganz nachempfinden, wie
 enttäuscht sie waren. Uns ist ja bekannt, wie die Geschichte ausgeht. Aber
 wir kennen aus dem eigenen Leben Enttäuschungen, die uns den Blick dafür
 verstellten, daß der lebendige Herr gegenwärtig ist. Unsere Augen werden
 für den Helfer geöffnet, wenn wir ihm wie die Emmausjünger anvertrauen, was
 uns belastet. Wir können es im Gebet tun und im Gespräch mit anderen
 Christen. Eine große Hilfe, den lebendigen Herrn als den Gegenwärtigen zu
 erkennen, ist das heilige Mahl. Die beiden Männer erkannten den Herrn, als
 er mit ihnen am Tisch saß, das Brot nahm. danke, es brach und es ihnen gab.
 Danach verschwand er vor ihnen. Es handelte sich um eine der wunderbaren
 Erscheinungen des Auferstandenen, die uns modernen Menschen schwer
 verständlich sind. Ohne diese Begegnung des Herrn mit den zeugen der
 Urgemeinde gäbe es aber keinen Osterglauben, keine Kirchen, kein
 Christentum. Die christliche Gemeinde entstand dadurch und lebt davon, daß
 Gottes Geist Menschen die Augen öffnete für die Realität des Auferstandenen
 und daß diese weitersagen, was sie erkannt haben.
 Wir können die Erscheinung des Auferstandenen nicht mit dem Verstand
 einleuchtend erklären, aber wir dürfen im Glauben mit dem mittelalterlichen
 Mystiker Meister Eckhart kühn behaupten: "Gott ist mir näher, als ich mir
 selber bin. Gott ist auch dem Stein und Holz nahe, sagt Eckhart, aber sie
 wissen es nicht. Wüßten sie es, wären sie selig wie der höchste Engel.
 "Brannte nicht unser Herz in uns?" fragten die Jünger sich, nachdem Jesus
 ihnen begegnet war. Sie konnten jetzt gar nicht anders, als weiterzusagen,
 was sie mit Jesus erlebt hatten.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, DU KENNST ALLE ENTTÄUSCHTEN UND MUTLOS GEWORDENEN,
 AUCH IN DEINER GEMEINDE. SENDE IHNEN MENSCHEN, DIE IHNEN HELFEN, DEINE NÄHE
 ZU ERFAHREN. ÖFFNE UNS DIE AUGEN DES GLAUBENS, DAß WIR DICH ALS DEN
 LEBENDIGEN UND GEGENWÄRTIGEN ERKENNEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Lukas 24c" "Lukas 24,36-49"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Lukas 24,36-49             @{ui}
@{b}             Die Schrift verstehen            @{ub}
 Alle Ostergeschichten enthalten bei Lukas eine Schrifterklärung. Jesus
 tritt in die Mitte der Jüngerschar und leitet sie an, seinen Weg im
 biblischen Licht zu verstehen. Hier spiegelt sich der Erkenntnisweg der
 Urgemeinde wider. Ihr ging im Studium der Heiligen Schrift auf, daß ein
 göttlicher Plan Jesu Weg führte.Sie erkannten, daß in allem Unbegreiflichen
 Gottes heilsamer Wille sich verwirklichte. Ein göttliches Muß stand hinter
 allem. Gott wollte es so, das hat Jesus der Schrift entnommen, und er hat
 diesen Willen Gottes bejaht. Das wurde den ersten Christen rückschauend
 klar. Sie verdankten diese Erkenntnis ihrem Herrn, der ihnen das
 Verständnis der Schrift öffnete. Auch wir leben als Gemeinde davon daß der
 Auferstandene uns durch seinen Geist die Schrift öffnet, damit wir seinen
 heilsamen Plan erkennen. Wesentlich ist nicht, wie er damals den Jüngern
 erschienen ist, sondern daß er heute in seinem Wort zu uns kommt und im
 heiligen Mahl wahrhaftig bei uns ist. Wenn er uns die Schrift öffnet, wird
 auch für uns das göttliche Muß wirksam, und dann sind wir seine Zeugen. Das
 ist keine belastende Verpflichtung, die wir noch zusätzlich zu unseren
 sonstigen Aufgaben übernehmen müssen, sondern es ergibt sich, wenn er in
 unsere Mitte getreten ist und uns seinen Frieden gebracht hat. In rechter
 Weise die Schrift zu Verstehen,ist nicht nur eine Frage des Verstandes,
 sondern eine Aufgabe des ganzen Lebens. Dazu brauchen wir die Kraft aus der
 Höhe, die der Auferstandene seiner Gemeinde verheißen hat.@{b}
 HERR, UNSER GOTT, HILF UNS, DAß WIR DEINEN PLAN MIT DER WELT UND MIT UNS
 ERKENNEN. SCHLIEßE UNS DEIN WORT IMMER NEU UND TIEFER AUF, DAß WIR DARIN
 DICH DEN LEBENDIGEN UND GEGENWÄRTIGEN FINDEN. AMEN.@{ub}

@ENDNODE

@NODE "Lukas 24d" "Lukas 24,50-53"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Lukas 24,50-53                @{ui}
@{b}                 Umkehr mit Freude              @{ub}
 Von den Hirten erzählt die Weihnachtsgeschichte, daß sie Gott priesen und
 lobten, als sie von der Krippe zu ihren Herden zurückkehrten. Freude und
 Dank erfüllten sie auf ihren Weg in den Alltag. Das gleiche hören wir in
 der Himmelfahrtsgeschichte. Mit großer Freude kehrten die Jünger nach
 Jerusalem zurück, nachdem der Herr sie gesegnet hatte und von ihnen zum
 Vater gegangen war. Diese Freude ist ein Schlüssel dazu, Himmelfahrt recht
 zu verstehen. Wir haben uns den Zugang zur Bedeutung der Himmelfahrt lange
 dadurch erschwert, daß wir in räumlichen Vorstellungen befangen blieben,
 wie sie im antiken Weltbild möglich waren. Das mußte spätestens im
 Zeitalter der Weltraumfahrt unverständlich werden. Der wirkliche Sinn der
 Himmelfahrt hat sich aber noch nie dem Denken im Rahmen von Raum und Zeit
 erschlossen, sondern nur dem Lobpreis, wie er in Tersteegens
 Himmelfahrtslied erklingt: "Sollt ihr nicht zu Fuß dir fallen und mein Herz
 vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug betracht` deine Glorie, deine
 Macht?" Diese Freude erfüllt die Jünger, nachdem der Herr sie gesegnet hat.
 Die Segnung bevollmächtigt die Jünger zum Dienst und gibt ihnen die Kraft
 zu bedenken: "Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm untertänig,
 ehret, liebet, lobet ihn!" Der Segen am Schluß des Gottesdienstes sendet
 uns dazu, daß wir in der Kraft des Auferstandenen zurückkehren in unseren
 privaten, dienstlichen und Gesellschaftlichen Lebensraum. Unter dem Segen
 des Herrn können wir mit Freude in den Alltag zurückkehren.@{b}

 SCHENKE, HERR, UNS HEUTE DEINEN SEGEN, DER UNS MIT FREUDE ERFÜLLT, DAMIT
 WIR DICH LOBEN UND PREISEN KÖNNEN, AUCH WENN UNS NICHT DANACH ZUMUTE IST.
 STÄRKE UNS IN DER GEWIßHEIT, DAß DU UNS NAHE BIST. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1a" "Johannes 1,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 1,1-5@{ui}
@{b}                     Im Anfang war das Wort@{ub}
 "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Und Gott sprach: "Es werde Licht!
 Und es ward Licht."
 So lauten die ersten Sätze der Bibel. So wird Gott bekannt: Als der redende
 Gott. Gott und sein Wort gehören zusammen. Gott und sein Wort sind geradezu
 eine Einheit. Gottes Wort ist sein Tun. Gottes Wort ruft alles ins Leben.
 Gottes Wort ist das Licht, das die Finsternis durchdringt. Ohne Gottes Wort
 gäbe es nur Tod, Kälte, Dunkel, das Nichts oder, wie es der biblische
 Schöpfungsbericht ausrückt, "Tohuwabohu", An diese Bekenntnisaussagen wird
 man durch die ersten Verse des Johannesevangelium erinnert. Dennoch sind
 sie eine Art Geheimsprache. Was wollen alle diese Begriffe sagen, die wir
 in unserem Text hören? Ginge es nur um eine Schöpfungsgeschichte, die
 könnte man doch ausreichend und plastischer am Anfang der Bibel lesen.
 In der Tat geht es darum nicht. Vielmehr kommt es dem vierten Evangelisten
 ganz und gar auf eine Bekenntnisaussage der damaligen Christenheit an,
 nämlich auf die: Das Wort, durch das Gott eine außergöttliche Wirklichkeit
 schuf und und ihr in Beziehung bleibt, dieses Wort schwebt nicht irgendwo
 geheimnisvoll zwischen Himmel und Erde, sondern nimmt Gestalt an,
 menschliche Gestalt, wird greifbar, faßbar, erkennbar, "wohnt unter uns".
 Alle diese Sätze zielen auf das in Vers 14 Gesagte. Sie sagen: Jesus ist
 das menschgewordene Wort Gottes, von Anbeginn zu Gott gehörig, mit Gott
 eins. er ist das schöpferische Leben, das Licht, das alle Finsternis
 erhellt.@{b}

 EWIGER GOTT, DIR SEI DANK, DAß DU NICHT IN UNZUGÄNGLICHER VERBORGENHEIT
 BLEIBST, DAß DU ZU UNS REDEST, DAß DEIN WORT GESTALT GEWONNEN HAT IN JESUS
 CHRISTUS. WIR WOLLEN AUF IHN HÖREN, IHM VERTRAUEN, IHM GEHORCHEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                   Johannes 1,1-5@{ui}

@{ub} Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht
 ergriffen.@{ub} Johannes 1,5 (LB)

 Obwohl wir in Deutschland auf er Lichtseite dieser Welt leben, wissen wir,
 was Finsternis ist. Nicht nur aus der Erinnerung oder aus dem Fernsehen.
 Es gibt auch bei uns viel Finsternis: in den Verhältnissen, in denen wir
 leben, wo nicht wenige durch das soziale Netz fallen. Armut, Verzweiflung,
 Drogen - all das gibt es ganz in unserer Nähe, und wir nehmen es oft nur
 beiläufig und auch dann nicht wirklich wahr. So sehr stehen wir auf der
 Lichtseite des Lebens. Erst wenn es einen selbst betrifft oder einen nahen
 Menschen, merken wir, was es zum Beispiel heißt, unheilbar krank oder von
 Drogen abhängig zu sein. Wir verdecken Finsternis oft genug mit
 Glitzerkram, vielleicht haben wir es zu Weihnachten gerade wieder getan.

 Es gibt aber auch in uns selbst viel Finsternis, Bereiche unseres eigenen
 Lebens, des vergangenen wie des gegenwärtigen, die wir auch vor uns selbst
 möglichst nicht aufdecken. Das können persönliche Probleme sein - und wir
 wagen es nicht, mit jemanden darüber zu sprechen. Nach der Nazizeit haben
 wir es in Deutschland erlebt und erleben es jetzt im Osten Deutschlands
 wieder, daß es auch die eigene Verflochtenheit in das gesellschaftliche
 Leben und möglicherweise in das Überwachungssystem sein kann - eine eigene
 Wirklichkeit, die wir aus unserem Leben hinausdrängen wollen, über die wir
 auch mit den nächsten Menschen nicht sprechen und selbst verdrängen.

 Licht deckt auf, legt offen. Es gibt viel Wirklichkeit in uns und um uns,
 die das Licht scheut - die wir bewußt im Dunkel lassen. Jesus Christus ist
 das Licht, das nicht gnadenlos aufdeckt und den Menschen dann sich selbst
 überläßt. Er stellt unser Leben in ein neues Licht. Es ist das Licht der
 Liebe, in er Vergebung möglich ist, die von ihr lebt. In der alles
 zudeckenden Finsternis ist Zukunft eröffnende Vergebung nicht möglich.

 Das Licht Jesu Christi beschönigt nicht, läßt nicht einfach Bereiche
 unseres Lebens weg. Sein Licht umfängt uns und stellt uns in neues Leben
 eröffnende Zusammenhänge. Er bringt uns in Bewegung, schafft
 Zusammenhänge. Er bringt uns in Bewegung, schafft Veränderung, in uns und
 durch uns. Es kommt auf unsere Bereitschaft an, sich ihm zu öffnen. Viel
 hängt für uns davon ab.
                                                  Markus Meckel


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1b" "Johannes 1,6-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 1,6-8@{ui}
@{b}                        Der Zeuge@{ub}
 Es hat in der Geschichte des Volkes Gottes viele Zeugen gegeben, die die
 Israeliten nicht an sich selbst ziehen, sondern von sich weg auf Gott
 hinweisen wollten.Solche Zeugen waren z.B. Mose, Elia, Jeremia.
 Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung trat einer auf, "der hieß
 Johannes". Er muß großen Zulauf, Anhänger, Nachfolger und Verehrer gefunden
 haben. Manche haben noch 50 und mehr Jahre später Johannes als  d e n
 Gottgesandten angesehen. In der Tat sagt der Evangelist, er war "von Gott
 gesandt". Aber er selbst war "nicht das Licht", auf das zu blicken zur
 Erhellung des Lebens es ankommt, "sondern er sollte zeugen von dem Licht".
 Dieses Zeugnis des Täufers freilich war, anders als das aller vorherigen
 Zeugen in Israel, einzigartig.
 Mose war Zeuge des verborgenen Gottes, der seinem Volk am Sinai die
 wunderbare Weisung seines Willen gab. Elia wies auf den einen, alleinigen,
 unsichtbaren Gott hin, als die Israeliten in Gefahr standen, ihre Knie vor
 sichtbaren Götterbildern, vor Natur- und Geschichtsgottheiten zu beugen:
 Der Herr ist Gott, der Herr allein. Jeremia verfluchte im Namen Gottes den,
 der sich auf Menschen verläßt, und segnete den, der sich auf den Herrn
 verläßt.
 Johannes aber wies auf einen gegenwärtig sichtbaren Menschen hin und sagte:
 Der ist's! In dem ist Gott unter uns. "Ich bin nicht der Christus", "aber
 er ist mitten unter euch getreten". Er allein kann mit Recht sagen: "Ich
 bin das Licht der Welt." @{b}

 WIR DANKEN DIR, GOTT, FÜR DIE VIELEN ZEUGEN DEINES NAMENS, AUCH FÜR DAS
 SCHRIFTLICHE ZEUGNIS DER PROPHETEN, EVANGELISTEN UND APOSTEL. MACH IHR
 ZEUGNIS UNTER UNS LEBENDIG UND MACH UNS ZU LEBENDIGEN ZEUGEN. AMEN.@{ub}


@{i}                   Johannes 1,6-8.15@{ui}

@{b} Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch
 ihn zum Glauben kommen.@{ub}  Johannes 1,7 (EÜ)

 Johannes wußte, wer er war und wollte nichts anderes sein. "Er muß
 wachsen, ich aber muß abnehmen", so sagt er an anderer Stelle. Das ist
 nicht selbstverständlich. Wie schwer fällt es oft, sich selbst so
 einzuschätzen und sich anzunehmen, mit den Gaben und Möglichkeiten, aber
 eben auch mit den Grenzen, die man hat. Wie schwer ist es, den Ort für das
 eigene Leben zu finden, von dem man weiß: Das ist wirklich das, was ich
 kann und soll. Dies ist jetzt meine Aufgabe.
 Johannes weiß: Seine Aufgabe und sein Leben ist es, Zeuge zu sein. Zeuge
 für den, der das Licht ist, der das Leben erhellt und verändert. Er ist
 selbst nicht das Licht, er verweist auf den anderen. Er vertraut auf
 Gottes Zusage, den zu senden, er wirklich Leben schenkt. Johannes ist ein
 Zeuge, der mit seinem Leben für diese Botschaft einsteht. Der Glaube, das
 Vertrauen, das er bezeugen will, prägt sein eigenes Leben - und sein
 Sterben. Er ruft zur Umkehr, das eigene Leben zu verändern, damit es
 Zukunft hat. Mit diesem Ruf zur Umkehr, zur Veränderung, ist er ganz nah
 bei der Botschaft Jesu. Der Zeuge wird geprägt von dem, wovon er Zeugnis
 gibt.
 Johannes verwies auf Jesus, war Wegweiser zu ihm hin.
 Auch uns will Gott heute als seine Zeugen. Wir haben -anders als Johannes-
 das Zeugnis von Jesus vielfältig vor uns, können uns von ihm anstecken
 lassen. Der Glaube an Jesus Christus, die Leben schaffende Liebe weist
 sich an auf solches Zeugnis von Menschen für Menschen. Seine Macht bricht
 nicht über die Menschen herein wie eine Naturgewalt. Sein Licht weist sich
 an auf Menschen, die es wie Fackelträger weitertragen, die Zeugnis ablegen
 von ihm, mit ihrem Wort und mit ihrem Tun. Viele legen es als seine
 Schwäche aus. Doch liegt gerade darin seine Kraft. Das Licht will unsre
 Wirklichkeit nicht von außen bescheinen, sondern sie von innen her zum
 Leuchten bringen. Gott gebraucht uns nicht als Marionette, er will uns als
 Partner, als Zeugen. So weist er sich an auf unsere Freiheit, auf die
 verändernde Kraft seiner Liebe, die uns zu Zeugen macht. Erst wenn wir
 selbst vom Zeugnis durchdrungen sind, wird auch unser Zeugnis wahrhaftig
 und glaubwürdig sein.
                                                   Markus Meckel


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1c" "Johannes 1,9-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 1,9-13@{ui}
@{b}                         Erleuchtung@{ub}
 Wir haben schon zu Vers 1-8 auf den hingewiesen, von dem ständig die Rede
 war, ohne daß der Evangelist bisher seinen Namen genannt hätte. Das
 geschieht auch in diesem Text nicht. Aber es ist keine Frage: Jesus
 Christus ist nach dem Bekenntnis des Evangelisten "das wahre Licht, das
 alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen".
 Ist das nicht eine Übertreibung? Nicht nur, daß es in unserer Welt, etwa in
 Asien oder Afrika, bis heute ungezählte Menschen gibt, die noch nie von
 Christus gehört haben, auch in den sogenannten christlichen Ländern sind
 viele vom Christuszeugnis unberührt.
 Zur Zeit des Evangelisten waren die Christen im großen römischen Weltreich
 noch eine verschwindende Minderheit. Das hinderte Johannes nicht, den in
 den, in dem er Gottes Gegenwart auf Erden bezeugte, als "das wahre Licht"
 für "alle Menschen" zu bekennen. Das heißt freilich nicht, daß er als
 solcher auch von allen erkannt würde. Vielmehr: "er war in der Welt, aber
 die Welt erkannte ihn nicht." Dennoch, immer gab und gibt es Menschen, die
 "von Gott geboren" "Gottes Kinder" werden. Damit ist alles andre als
 unmündiges naives Kindsein gemeint. Es ist vielmehr eine
 "Bevollmächtigung", die Verantwortung und Würde, Beauftragung und
 Verpflichtung beinhaltet. So will Johannes den Glauben der Christen, die er
 mit der Gotteskindschaft gleichsetzt, verstanden wissen. Wenn die Begegnung
 mit Christus den Menschen dazu erleuchtet, ist das eine das Leben
 bestimmende Wirklichkeit!@{b}

 WIR DANKEN DIR, LIEBER VATER, DAß DU UNS BEVOLLMÄCHTIGST, DEINE KINDER ZU
 SEIN, DAMIT WIR UNTER UNSERN SCHWESTERN UND BRÜDERN VERANTWORTLICH LEBEN
 KÖNNEN UND IM NAMEN JESU DAS LEBEN DERER ERHELLEN, DIE IM DUNKELN SIND.
 AMEN.@{ub}


@{i}                    Johannes 1,9-13@{ui}

@{b} Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
 allen, die an seinen Namen glauben.@{ub}  Johannes 1,12 (EÜ)

 Die letzten drei Jahre haben große Veränderungen gebracht. Für uns in
 Deutschland, für Europa insgesamt. Es ist aber nicht nur eine äußere
 Veränderung. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch: Es gibt kein
 "Weiter so" für den Westen, als seien im Osten eben nur welche
 dazugekommen, die nun auch die Freiheit haben. Mit dem Ost-West-Gegensatz
 ist die Welt auch komplizierter geworden. Es braucht neue Orientierung-
 nicht nur im Osten. Man kann die Veränderungen nicht einfach nur als Sieg
 des Westens verstehen. Es geht um Erneuerung auch im Westen, zu dem wir
 gehören. Wie erden wir zukunftsfähig in unserer Art zu wirtschaften, im
 Verbrauch von Ressourcen, in der Art und Weise, wie wir Konflikte
 austragen? Sind wir im Westen Europas das große Vorbild, wie wir es gern
 darstellen? Was, wenn man in anderen Teilen der Welt genauso leben will
 wie wir - und das Recht können wir niemanden absprechen? Schon am
 Energieverbrauch zeigt sich, daß das zu Katastrophen führen würde.

 Was hat das mit unserem Text zu tun, damit, daß wir ihn, Jesus Christus,
 in unser Leben aufnehmen, um Kinder Gottes zu werden - so wird sich
 vielleicht manch einer fragen? Ich denke, sehr viel. Denn wir müssen die
 Grundhaltungen offenlegen, die unser Zusammenleben bestimmen, nicht nur im
 kleinen Kreis der Familie, er eigenen Gemeinde und der Menschen, mit denen
 ich Kontakt habe. Wir stehen in Zusammenhängen, die wir durch die Art
 unseres Verbrauchs, unserer politischen Verhaltensweisen und in vielen
 Entscheidungen des Alltags mitbestimmen. Oft machen wir uns das nicht
 bewußt. Doch wir stehen vor er Herausforderung, darauf Antwort zu geben:
 Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind nötig, damit wir in dieser
 Welt menschenwürdig leben können - ohne uns als Insel des Wohlstands von
 den Ärmeren auf dieser Erde mit zunehmender Rigorosität abschotten zu
 müssen? Wie können wir als Kinder Gottes auf dieser Erde leben - und nicht
 nur als Nutznießer des Glücks, gerade hier geboren zu sein? Über diese
 Fragen brauchen wir gerade in unseren Kirchen und Gemeinden viel stärker
 als bisher das Gespräch - und mit den Antworten, die wir finden, auch das
 verbindliche Handeln aus dem Glauben heraus, den wir dieser Welt bezeugen
 wollen.
                                                  Markus Meckel


@ENDNODE
@NODE "Johannes 1ed" "Johannes 1,14.16-18"
@{i}                      Johannes 1,14.16-18@{ui}

@{b} Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen
 des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.@{ub}  Johannes 1,18 (EÜ)

 Zum Jahresende schauen wir zurück auf ein Jahr. Wer sich dafür die Ruhe
 nimmt, bekommt dabei eine Fülle von Ereignissen wieder neu in den Blick.
 Sowohl gesellschaftliche und politische Ereignisse aus verschiedenen
 Teilen der Welt als auch persönliches Erleben, Erfahrungen von und mit
 Menschen, denen wir verbunden sind. Ein Jahr der verschiedensten
 Ereignisse auf verschiedenen Eben - da stellen sich manche Zusammenhänge
 her, überraschende Erkenntnisse vielleicht. Manches scheint klarer zu
 werden, erhält durch den Zusammenhang einen Sinn, der uns vorher so nicht
 zugänglich war. Und dann gibt es hin und wieder den einen oder anderen,
 der sagt: Hier hat Gott mit mir, an mir gehandelt.
 Ich erinnere mich sehr gut an ein Gespräch, in dem einer fragte: "Könnten
 Sie etwas benennen, wovon Sie sagen würden, hier hat Gott an mir
 gehandelt?" Das hat mich sehr beschäftigt. Wie kommen wir auf eine solche
 Aussage, wann treffen wir sie?
 "Niemand hat Gott je gesehen." Wir sind angewiesen auf das Zeugnis der
 Erfahrung mit Gott. Das Johannesevangelium zeigt in beeindruckender Weise,
 daß sich Gott nicht unmittelbar durch den Blick auf die vielfältige
 Wirklichkeit erschließt, sondern eben durch ihn, durch Jesus Christus. Und
 die Erfahrung mit ihm, die das Neue Testament so vielfältig bezeugt,
 erschließt die Möglichkeit, ihn, seine Liebe, seine Führung auch sonst in
 den Menschen zu erkennen, Im Lauf geschichtlicher Erfahrung. So kann uns
 Gott dann überall begegnen - in der vielfach gekreuzigten Kreatur dieser
 Welt ebenso wie in der Erfahrung von Liebe, von Versöhnung und
 Veränderung. Jesus Christus hilft uns, die Welt und die Menschen um uns
 entdecken - uns an ihnen zu freuen, mit ihnen zu leiden und für sie
 einzutreten. Die Kunde von Gott schafft Leben. Sie macht das Leben - im
 banalen Sinne - nicht einfacher, doch erfüllter. Gott schenke uns solch
 erfülltes Leben.
                                              Markus Meckel


@ENDNODE
@NODE "Johannes 1d" "Johannes 1,14-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 1,14-18@{ui}
@{b}                    Unausschöpfliche Fülle@{ub}
 Das ist die "Weihnachtsgeschichte" des Johannesevangeliums. Man Kann sie
 freilich mit der uns geläufigen Erzählung des Lukas nicht vergleichen, auch
 nicht mit dem Bericht des Matthäus. Alle drei Evangelisten aber stimmen in
 dem Bekenntnis überein: Jesu Kommen in die Welt ist ein Wunder- und
 Gnadenakt Gottes und will auf alle Fälle besagen: "Gott ist mit uns"
 (Matth.1,23).
 Die heutigen fünf Verse bringen das in immer neuen Aussagen zum Ausdruck:
 In Jesus Christus (dessen Name erstmals in V.17 genannt wird) ist Gottes
 Lichterglanz (Luther: "Herrlichkeit") aufgeleuchtet. Er ist's, bezeugt
 Johannes, der der Schöpfer und das Licht der Welt genannt wird. Gottes
 ganze, unausschöpfliche, unausdenkbare "Fülle" wird in ihm den irdischen,
 vergänglichen Menschen zugewandt. Zu der Gabe Gottes an Israel, dem "durch
 Mose" gegebenen "Gesetz", gibt Jesus aus seiner Fülle "Gnade und Wahrheit".
 "Gnade", das ist Gottes in Jesus unmittelbar erfolgende Zuwendung zum
 Menschen. "Wahrheit", ein besonders wichtiges Wort im Johannesevangelium,
 das ist die gegenwärtige Wirklichkeit Gottes, also, wie vorher nach
 Matthäus gesagt: "Gott mit uns."
 Der letzte Vers will unterstreichen, daß uns der Zugang zu dem für uns
 sterbliche und unvollkommene Menschen nicht sichtbaren und erkennbaren Gott
 nun eröffnet ist durch Jesus Christus. Denn er, ganz zu Gott gehörig, ja,
 mit Gott eins, hat uns in seiner Person und in seinem Wort Kunde von Gott
 gebracht.@{b}

 HERR, DU WOHNST UNTER UNS. NUN SIND HIMMEL UND ERDE NICHT MEHR GETRENNT.
 NUN IST GOTT NICHT IN UNAUSLOTBARER FERNE, SONDERN GANZ IN UNSERER NÄHE.
 GIB UNS DEINEN GEIST, DAß WIR IM ALLTAG UNSERES LEBENS DICH BEI UNS WISSEN
 UND AUS DEINER FÜLLE LEBEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1e" "Johannes 1,19-23(24-28)"
@TOC "MAIN"
@{i}             Johannes 1,19-23 (24-28)      @{ui}
@{b}                   Wer bist du?            @{ub}
 So fragen wir uns, wenn wir einem Menschen zum ersten Mal begegnen. Wir
 möchten wissen, mit wem wir es zu tun haben. Neugier ist in uns. Wir haben
 Erwartungen. Wir befürchten, daß unsere Erwartungen enttäuscht werden. Wer
 bist du? Was willst du von mir? Was kannst du mir bedeuten? Genauso fragen
 sich die denen wir, begegnen. Deshalb lohnt es sich, über uns selbst
 nachzudenken. Wer bin ich? Ich bin ein Christ, gehöre zu Jesus. Was bedeute
 ich dadurch dem anderen? Er erwartet etwas von mir. Er erwartet, daß ich
 ehrlich bin, ihn nicht enttäusche. Er erwartet, daß ich ihm helfe, wo er
 Hilfe braucht. Er erwartet, daß ich seine Fragen beantworte, die Antwort
 nicht schuldig bleibe. Er kann erwarten, daß ich ihm meinen Glauben
 bezeuge, ihn ihm glaubhaft zu machen versuche. er hofft, daß seine
 Erwartungen sich erfüllen. Er soll durch mich etwas von Jesus erfahren. Bin
 ich nicht überfordert? Ich bin oft so allein, fühle mich zu einer
 Minderheit gehörig! Doch da sind ja noch andere, Christen wie ich. Ich
 treffe sie im Gottesdienst, bei Zusammenkünften der Gemeinde. Ich bin Teil
 der Kirche. Auch sie wird Gefragt: Wer bist du? Wir, die Gemeinde müssen
 Antworten geben. Unsere Antwort ist das Wort, die Botschaft von Jesus. Aber
 Worte reichen nicht! Wir verkünden den Frieden Gottes, der mit Jesus in
 die Menschenwelt kommt. Unser Verhalten müßte dem entsprechen. Wir
 verkünden die große Freude, die allen Menschen zuteil werden soll.
 Wenigstens uns müßte man doch diese Freude anmerken. Denn wir sind Zeichen
 in unserer Welt. Wir sind Wegweiser auf den hin, der von Gott gesandt ist,
 daß er allen Menschen Rettung, Leben, Freude und Frieden bringe. Ob wir den
 richtigen Weg weisen? Wir sind Rufer zu dem Gott, der sich über die
 Geringen, die Zu-Kurz-Gekommenen, die Hilfesuchenden erbarmt. Ob unser Ruf
 hörbar ist? Johannes der Täufer versammelte viele Menschen um sich. Doch
 der Versuchung, sich zu überschätzen, hat er widerstanden. Er wollte nicht
 Ansehen genießen, das ihm nicht zukam. So wies er alle, die ihn fragten,
 auf den Bedeutenderen hin: Ich bin nicht der Retter! Kein Mensch, kein
 Christ, keine Kirche kann Retter sein! Jesus, von Gott ausersehen, unsre
 Last auf sich zu nehmen und uns davon zu befreien, der ist allein der
 Retter von Gott. Weisen wir, gerade in diesen Tagen, auf ihn hin! @{b}

 HERR, WIR DANKEN DIR FÜR DIE GUTE NACHRICHT, DAß JESUS GEKOMMEN IST, UNS ZU
 ERLÖSEN VON ALLEN BÖSEN. HILF UNS, DAß WIR ALLZEIT ALS DEINE BOTEN ANDEREN
 DEN WEG ZU DIR ZEIGEN UND IHN AUCH SELBST GEHEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1f" "Johannes 1,19-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 1,19-28@{ui}
@{b}                    Er ist mitten unter euch@{ub}
 Als das vierte Evangelium geschrieben wurde, gab es Gemeinden, in denen
 sich ein Kult um den Täufer Johannes rankte. Man hielt ihn für eine
 messianische Gestalt oder für den endzeitlichen Propheten. Dem setzt der
 Evangelist das Selbstzeugnis des Johannes entgegen: Ich bin nicht der
 Christus, nicht Elia, nicht der Prophet.
 Wer dann? "Eine Stimme", nicht mehr. Sie ruft nicht sich selbst aus,
 sondern fordert alle, die sie hören, auf, dem den Weg zu bahnen, auf den
 allein es ankommt, dem wahren Christus.
 Wir heutigen Menschen sind von einem Meer von Stimmen umgeben. Darum können
 wir die ungezählten "Stimmen", die uns vor allem im Radio und Fernsehen
 entgegentönen, kaum recht unterscheiden. Da erklingen nicht nur die Stimmen
 derer, die sich selbst produzieren, sondern auch derer, die sich selbst
 produzieren, sondern auch derer, die auf irgendeinen "Großen" hinweisen als
 auf den schlechthin Maßgeblichen, Weg- und Zukunftweisenden. Und sicher gab
 es immer und gibt es auch heute Menschen, auf die man hören sollte. Der
 Täufer war einer von ihnen. Aber er war es darin, daß er nicht auf sich,
 sondern auf den hinwies, dem den niedrigsten Dienst zu erweisen er sich
 selbst nicht für wert hielt. "Er ist mitten unter euch getreten, den ihr
 nicht kennt."
 Kennen wir ihn? Ist uns bewußt, daß er mitten unter uns ist? Wie können wir
 ihn erkennen? Wir sollten die vielerlei Stimmen daraufhin abhören, ob sie
 uns an die materiell, geistig und geistlich Armen weisen. Mit ihnen als
 seinen Brüdern und Schwestern ist der Leidende, der Gekreuzigte, der
 Lastträger mitten unter uns.@{b}

 LIEBER HERR! WIR DANKEN DIR, DAß DU BEI UNS BIST. ABER WIE OFT BIST DU UNS
 VERBORGEN! LAß UNS HERAUSHÖREN, WELCHE STIMMEN UNS VON DIR FORT UND WELCHE
 UNS ZU DIR, UND ZU UNSERN SCHWESTERN UND BRÜDER, HINFÜHREN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 1,19-28@{ui}
@{b} Er sprach: "Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet
 den Weg des Herrn!", wie der Prophet Jesaja gesagt hat(Jesaja 40,3).@{ub}
 Große Aufregung in Jerusalem. Was da am Jordan geschieht, paßt nicht in das
 gewohnte Bild der geordneten Religion. Dieser merkwürdige Täufer macht die
 zuständigen Priester und Leviten nervös. Viele Menschen kommen zu Johannes
 und begehren "die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden"(Lk 3,3).
 Eine Kommission macht sich auf den Weg an den Jordan. "wer bist du?" lautet
 die harte Kontrollfrage. Bist du der Christus? Bist du Elia? Bist du der
 Prophet? Ein dreifaches klares "Nein" ist die Antwort. Dieser Mann läßt
 sich nicht einordnen in die herrschenden Vorstellungen. Er widersteht auch
 der Versuchung, etwas Besonderes sein zu wollen: "Ich bin eine Stimme eines
 Predigers in der Wüste." Nur eine Stimme ist dieser Mann am Rande der
 Wüste, nur ein Hinweis auf den kommenden Christus.
 Das ist eine Herausforderung für alle nachfolgenden Zeugen und Prediger.
 Der Täufer entläßt uns nicht aus seinem Vorbild. Nicht um uns, unser
 Ansehen geht es, sondern um Christus allein. Er soll einziehen in das Leben
 der Menschen.


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1g" "Johannes 1,29-34"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 1,29-34@{ui}
@{b}                     Auf Jesus ist Verlaß@{ub}
 Wie viele Menschen haben wir schon enttäuscht? Durch wie viele sind wir
 schon enttäuscht worden? Es ist schon etwas, Menschen zu begegnen, auf die
 Verlaß ist; die handeln, wie sie reden; die machen, was sie versprochen
 haben; die für sich behalten, was ihnen anvertraut wurde; die da sind, wenn
 man sie braucht. Auf Gott aber hoffen wir und wollen nicht enttäuscht
 werden, wenn es um den Sinn unseres Lebens geht und um die Hoffnung für
 unsere Welt. Johannes der Täufer zeigt auf den Menschen Jesus. "Da ist der,
 der nach mir kommt und schon vor mir war."
 Eine geheimnisvolle Rede ist das und doch eigentlich ganz einfach: Der
 Mensch Jesus offenbart, was Gott schon immer für die Menschen und für die
 Welt wollte. Jesus gehörte vor allem Anfang schon zu Gott. Er kam "aus
 Gottes ew'gen Rat"; er ist "Gottes Sohn", der Mensch, auf den wirklich
 Verlaß ist. Warum können wir Jesus vertrauen? Wir hören noch einmal auf
 Johannes den Täufer: "Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde
 trägt!" ist das auch eine geheimnisvolle Rede, die eigentlich ganz einfach
 ist? Durch Jahrhunderte und Jahrtausende haben Menschen in allen Weltteilen
 ihren vielen Göttern geopfert, um sie gnädig zu stimmen, um die eigene
 Schuld vergessen zu machen. Viele "Opferlämmer" wurden auf vielen Altären
 dargebracht, auch im Tempel in Jerusalem. Uns zeigt Jesus, wie Gott, unser
 Vater, zu diesen Opfern steht. Er braucht sie nicht. Sie helfen uns nicht.
 Menschen opferten, um die Strafe für ihre Gottlosigkeiten und
 Unmenschlichkeiten abzuwenden. Gott aber will eben unsere Gottlosigkeit und
 unsere Unmenschlichkeit selbst überwinden. Das schafft nicht unser Opfer.
 Das schafft allein sein Opfer. Mit Gottes Willen gibt Jesus sein Leben dar
 für uns. Mit Jesus gibt Gott sich hin für uns. Wirkliche Rettung kommt
 nicht aus unseren Opfern sondern aus Gottes Liebe. Und Jesus offenbart
 verläßlich: Gott ist Liebe.
 Unsere Gemeinschaft mit dem verläßlichen Menschen Jesus, mit dem
 verläßlichen Gott feiern wir, wenn wir Abendmahl feiern. Jede
 Abendmahlsfeier aber ist die Vorwegnahme des großen Festes, das Gott liebt
 die Welt. Dafür können wir mit unserem Leben Zeugen sein.@{b}

 GOTT, UNSER VATER, VERWANDLE MIT DEINER LIEBE UNSER LEBEN UND RETTE UNSERE
 WELT. LAß UNS DEINE VERLÄßLICHKEIT AN JEDEM TAGE NEU ERFAHREN. BEWAHRE UNS
 VOR ALLEM, WAS UNS IN UNSERER VERKEHRTHEIT FESTHÄLT UND UNSERE HOFFNUNG
 SCHWÄCHT. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 1,29-34@{ui}
@{b}                       Gottes Lamm@{ub}
 Solche Bedeutung hat die Aussage von Christus, dem Lamm Gottes, gewonnen,
 daß die Gemeinde seit Jahrhunderten in der Abendmahlsliturgie singt:
 "Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich
 unser." Woran ist gedacht?
 Im 2. Buch Mose wird erzählt, daß das Blut des Passalammes eine
 entscheidende Rolle bei der Befreiung Israels aus der ägyptischen
 Knechtschaft spielte. Für den Evangelisten Johannes ist Jesus das wahre
 Passalamm. Er , so darf man übertragen, befreit aus der Knechtschaft der
 Sünde. Die einst Israel zuteil gewordene Errettung gilt nun der ganzen
 Welt. Darum ist es sinngemäß, daß wir das Lamm-Gottes-Lied gerade beim
 Abendmahl singen. Es stellt uns ja stets neu in die Gemeinschaft dessen,
 der uns zuspricht: "Mein Blut wird für euch vergossen zur Vergebung der
 Sünden." Darum bezeugt Johannes ihn als das "Lamm Gottes".
 Das Wort "bezeugen" kommt im Evangelium des Johannes, zusammen mit dem
 Hauptwort "Zeugnis", nicht weniger als 47 mal vor. Es ist dem Evangelisten
 so wichtig, weil alle später Geborenen, die nicht "Augen-Zeugen" waren,
 also auch wir, auf das Zeugnis der Zeugen angewiesen sind, und für uns
 heißt das zugleich: auf das Zeugnis der Schrift.
 In der Theologischen Erklärung von Barmen (1934) heißt es darum im ersten,
 wichtigsten Satz: "Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift
 'bezeugt' wird", ist das Wort Gottes, auf das wir zu hören haben. Die Taufe
 und das Abendmahl sind bis heute zeugniskräftige Zeichen, die uns im
 Hinblick auf Jesus sagen wollen: "Der ist's."@{b}

 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS, DU BIST FÜR UNSERE SÜNDEN DEN TOD AM KREUZ
 GESTORBEN UND HAST UNS DADURCH AUS DER KNECHTSCHAFT DES BÖSEN BEFREIT. GIB,
 DAß WIR DEIN OPFER DANKBAR ANNEHMEN UND DIR DIENEN UNSER LEBEN LANG.
 AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 1,29-34@{ui}
@{b} Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor
 mir gewesen ist, denn er war eher als ich.@{ub} Joh 1,30
 Es klingt, als wollte uns Johannes hier ein Rätsel aufgeben: Einer nach
 mir, einer vor mir, und doch derselbe: wer ist das? Er hätte auch fragen
 können: Noch niedriger, aber viel größer als ich: wer ist das?
 Wenn man einem ein Rätsel aufgibt, muß man selbst auch die Lösung wissen.
 Johannes wußte sie. Er zeigt auf Jesus und sagte: Dieser ist's. Kürzer geht
 es kaum. Aber wie viele Zweifel, wie viele Kämpfe mit sich selbst mag es
 ihn gekostet haben, bis er die Lösung dieses Rätsels fand, das Gott ihm
 aufgegeben hatte! Aber nun weiß er sie. Und darum gibt er sie weiter:
 Dieser ist's, der mein Leben umfangen hält. Gottes Lamm, das der Welt Sünde
 trägt. So hilft ein guter Zeuge Jesu Christi andern, die Lösung des eigenen
 Lebensrätsel zu finden, indem er auf den Meister weist, den er selbst
 gefunden hat. Vielleicht kommen ihm morgen wieder Zweifel an Jesus - wer
 weiß? Ihm, andern, uns selbst. Ob uns dann einer hilft, indem er uns die
 Lösung sagt, die wir gestern noch selber wußten?
 Viele wissen sie doch, weil sie Jesus kennen!


@ENDNODE

@NODE "Johannes 1h" "Johannes 1,35-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 1,35-42@{ui}
@{b}                       Was sucht ihr?@{ub}
 Diese Frage sollten wir als an uns selbst gerichtet hören. Was suchen wir
 eigentlich in unserem Leben? Glück oder wenigstens Zufriedenheit, etwa im
 Beruf, in der Ehe, in der Familie, im Haus und Garten, bei Hobbys oder im
 Urlaub? Warum nicht? Aber da gibt es fast überall beides: Glück und Pech,
 Befriedigung und Enttäuschung. Was ist in allem Auf und Ab unseres Lebens
 bleibender Halt, Gehaltenwerden? Jesus sagt: "Kommt und seht!"
 Darum jedenfalls geht es: Ihm gegenüber nicht in Distanz zu bleiben, in
 Wartestellung, in Zuschauerhaltung. Wer sich zu Jesus aufmacht, darf ihn
 als "Gottes Lamm" erkennen. Das heißt als den Heiland, der nicht herrscht,
 sondern duldet, der nicht andre opfert, sondern sich selbst, der nicht
 Lasten aufbürdet, sondern sie trägt. Sich auf ihn einlassen heißt getragen
 werden, zugleich aber selber tragen, Geduld erfahren, zugleich aber andere
 erdulden, auch in Tiefen nicht allein sein, zugleich aber auch mit anderen,
 selbst um den Preis des Opfers, in die Tiefe hineingehen. Ihn zu "sehen"
 bekommen heißt, mit anderen Menschen verbunden zu werden. Der Text
 schildert, mit einem Bild aus dem Sport ausgedrückt, eine Art
 Staffettenweitergabe. Beim Kontakt mit Jesus werden andere Menschen unsere
 Brüder und Schwestern, nicht nur in der Gemeinde, auch in der Familie, im
 Betrieb, in der Schule, in der Armee, über alles Trennende hinweg.
 Es gehört zu den schönsten Erfahrungen, die man machen kann, daß
 Verbundenheit mit Jesus einen Kontakt herstellt, der die Schranken der
 Rasse, der Klasse, des Standes, der Volkszugehörigkeit und auch der
 Überzeugung überwindet.@{b}

 WIR DANKEN DIR, HERR, DAß DU UNS IN EINE GEMEINSCHAFT STELLST, IN DER WIR
 VON DIR HÖREN UND UNS GEGENSEITIG DEN WEG ZU DIR WEISEN KÖNNEN. DANK SEI
 DIR, DAß DU UNS BEIM NAMEN RUFST. STELLE UNS TÄGLICH IN DEINEN DIENST.
 AMEN.@{ub}


@{i}                        Johannes 1,35-42@{ui}
@{b} Andreas findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben
 den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte.@{ub} Joh 1,41
 Eine Bewegung geht durch diesen Text. Suchen und fragen, kommen und sehen,
 finden und gefunden werden: damit wird der Weg bezeichnet, auf dem Menschen
 zu Jüngern Jesu geworden sind. Alles beginnt hier mit dem Wort des Täufers,
 der im Menschen Jesus den erwarteten Messias "sieht". Nicht einen
 weltlichen Herrscher, wie andere Volksgruppen ihn ersehnten, sondern das
 "Lamm Gottes", das sich selber hingibt für die Rettung der Welt. Und dieser
 Funke zündet. Andreas und sein Gefährte wollen Jesus kennenlernen. Diese
 Begegnung hat ihr weiteres Leben grundlegend geprägt. Daß Andreas danach
 seinen Bruder Simon findet, ist kein Zufall. Wer den Messias gefunden hat,
 ja, sich von ihm finden ließ, kann nicht schweigen. Er muß weitergeben, was
 ihm zuteil geworden ist.
 So kommt eine Bewegung in Gang, die bis heute nicht zum Stillstand gekommen
 ist. Die staunende Entdeckung: wir haben den Erlöser gefunden, geht weiter
 wie eine Staffette, die einer dem anderen übergibt. Wer sie ergreift,
 erfährt die grundlegende verändernde Kraft, die von Jesus ausgeht.

@ENDNODE

@NODE "Johannes 1i" "Johannes 1,43-51"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 1,43-51@{ui}
@{b}               Was kann aus Nazareth Gutes kommen?@{ub}
 Heute heißt das: Was ist von diesem Jesus schon zu erwarten? Vielleicht
 könnten Christen darauf dieselbe Antwort geben wie damals Philippus: "Komm
 und sieh es!"
 Zwar können wir niemanden direkt zu Jesus führen, wohl aber dahin, wo von
 ihm die Rede ist, wo Menschen in seinem Namen zusammenkommen. Das könnte
 eine Familie sein, in der an Jesus geglaubt wird, eine Gruppe Jugendlicher,
 in der nach Jesus gefragt wird, ein Gesprächsabend, bei dem eine Antwort
 Jesu gesucht wird, ein Kirchentag, der die Sache Jesu erkennbar machen
 will, ein Gottesdienst, in dessen Mitte die Botschaft Jesu steht.
 Freilich dürfen es bei alledem nicht um eine abgekapselte, religiöse, für
 Hinzukommende fremde Welt gehen, sondern die des alltäglichen Lebens.
 Nathanaels Überwindung seiner Skepsis und seine Bereitschaft, sich auf den
 Weg zu Jesus zu machen, zeitigt ein für ihn überraschendes Ergebnis. Er
 wollte kritisch prüfen und sah sich selbst durchschaut und erkannt,
 zugleich aber angenommen, ja, positiv beurteilt, Jesus hatte ihn beim Lesen
 der Heiligen Schrift beobachtet - Rabbiner wählten gern den Platz unter
 einem Baum als Ort ihres Studiums. Ein "rechter Israelit", das war einer,
 der in der Schrift forschte. Jesus hatte er freilich bei seinem
 Schriftstudium nicht entdeckt, obwohl Philippus sagt, er sei es, von dem
 "Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben habe". Erst die Begegnung mit
 Jesus selbst löst das Bekenntnis aus: "Du bist Gottes Sohn, du bist der
 König von Israel."
 Sollte es nicht auch heute zu solcher Erkenntnis kommen, wenn Menschen, die
 Jesus "gefunden" haben, Suchende zu führen?@{b}

 HERR, WIR HABEN IN DEINER GEMEINDE VIELFACH ERFAHREN, DAß VON DIR GUTES
 KOMMT, JA DAS FÜR UNSER LEBEN BESTE UND WICHTIGSTE. DARUM BITTEN WIR DICH
 ALS GOTTES SOHN, ALS KÖNIG VON ISRAEL: SEI UNSER ALLER HELFER. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 1,43-51@{ui}
@{b} Jesus antwortete und sprach zu Nathanael: Du glaubst. weil ich dir
 gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum.@{ub} Joh 1,50
 "...daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum", daß ich dich gesehen
 habe mitten in deiner Arbeit, daß ich dich gesehen habe hinter deinem
 Arbeitstisch, mitten unter den unerledigten Sachen oder als du dabei warst,
 für diese Woche vollends abzuschließen. "Daß ich dich gesehen habe unter
 dem Feigenbaum", sagt Jesus, das ist wahr und wichtig für dich. Denn es
 bekommt jeder Tag, es bekommt das Alltägliche eine Würde ohnegleichen: die
 Würde jenes Feigenbaums, unter dem Jesus den Nathanael sah, längst ehe der
 das bemerkte. Es gibt keinen Ort, es gibt keinen Tag, wo Jesus mich nicht
 sehen und im Auge behalten würde. So hat auch der heutige Tag, der Abend,
 der Morgen, seine Würde: Gott behält mich im Auge. Und wenn er mich
 woanders braucht, so wird er mich dort rufen, wo ich bin, wie er es bei
 Nathanael tat. Das ist der Grund zu einem grenzenlosen Vertrauen, das ist
 Grund zum Glauben. H-O


@ENDNODE

@NODE "Johannes 2a" "Johannes 2,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 2,1-12@{ui}
@{b}                      Das Zeichen@{ub}

 In dieser Wundergeschichte geht es nicht um das Wunder als solches. Wer das
 meint, müßte durch die Feststellung am Schluß "Und seine Jünger glaubten an
 ihn" stutzig werden. Seine Jünger? Und der Speisemeister? Und das
 Brautpaar? Und die Hochzeitsgäste? Waren sie nicht die eigentlich
 "wunderbar" Beschenkten? Sollte denn das Wunder nicht gerade sie zum
 Glauben führen? Allerdings: Wunder helfen dem nicht, der nicht glaubt. Sie
 begründen nicht den Glauben. Genau umgekehrt ist es: "Wer glaubt, entdeckt
 auch Wunder. Aber: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!", so läßt
 Johannes den Auferstandenen sagen (20,29). Das befreit von der müßigen
 Erwartung irgendwelcher Wunder.
 Aber was will diese Erzählung dann besagen? Johannes erzählt in Kap.6, wie
 Jesus mit wenigen Broten Tausende gespeist hat. Kein Wunder (!), daß die
 Menschen ihn suchen, um ihre Brotsorgen loszuwerden. er aber sagt zu ihnen:
 Ihr sucht mich um des Brotes willen. Aber "ich bin das Brot des Lebens".
 Darauf also sollte jenes vermehrte Brot hinweisen: auf ihn. Darauf soll in
 unserer Geschichte der Gute Wein hinweisen: auf ihn.
 Der letzte Satz heißt: "Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat." Es zeigt
 auf ihn, der sagt: "Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an
 mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten" (6,35).
 Wein war in Israel als Getränk ebenso wichtig wie Brot als Speise. Wein war
 zugleich Ausdruck der Freude. Diese Erzählung will Jesu Herrlichkeit
 offenbar machen. Die besteht darin, daß er Leben und Freude in Fülle ist
 und schafft.@{b}

 Herr, du bist das Brot, das den Hunger nach Gerechtigkeit stillt. Du bist
 der Wein, der den Durst nach Leben löscht. Von deiner Fülle dürfen wir
 Gnade um Gnade nehmen. laß uns in dir leben. Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 2,1-12@{ui}
@{b} Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa,
 und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
@{ub}
 Da gehen Menschen die Augen auf für die Herrlichkeit Jesu. Und das
 ausgerechnet bei einem Glas Wein. dabei ist eigentlich gar nichts
 Besonderes geschehen. Hochzeit haben sie gefeiert, und einige von ihnen
 hatten selbst am Festtag schlichte Alltagsarbeit zu vollbringen. Sie mußten
 Wasser in die Steinkrüge schütten, wie jeden Tag. Aber dann ist da mitten
 in den gewöhnlichen Verrichtungen auf einmal ein ungewöhnlicher Glanz.
 Wein, wo vorher Wasser war. Wein, der des Menschen Herz erfreut. Auf einmal
 wird klar: Da, wo sich unser leben abspielt, führt Jesus die Regie. Da
 mischt er sich unter die, denen die Lebensfreude vorlorenzugehen droht. Da
 ist er darauf aus, daß Menschen von Herzen froh werden. Da läßt er uns
 schmecken und sehen, wie freundlich er ist.
 Die Sterndeuter entdeckten Jesu Herrlichkeit im armseligen Stall. Einem
 Hauptmann gingen unter dem Kreuz die Augen auf für Gottes Sohn. Und auch
 wir werden heute Gelegenheit haben, zu entdecken, was er uns Gutes getan
 hat.                                                               B-B
 @{b}             Die Verwandlung der Welt@{ub}        Gedicht
                  beginnt nicht beim Bau von Türmen
                  und nicht bei den konstruktiven Ideen,
                  nicht bei den Wagnissen der Technik
                  oder den Experimenten der Wissenschaft.
                  Sie vollzieht sich in der Stille,
                  oder die Welt bleibt
                  bei allem Tun und Bauen die alte.
                  Die Verwandlung der Welt
                  geschieht am tiefsten im Sakrament.
                  Sie betrifft nicht die Dinge und ihre Veränderung,
                  wohl aber die Gedanken, die Pläne, die Gesinnungen,
                  die Ziele des Menschenherzens.
                  Wo Wasser sich in Wein wandelt, da wandelt sich
                  der Tod in das leben, das Elend in das Fest.
                  Da wandelt sich diese Welt
                  der Schmerzen und der Verzweiflung
                  in das göttliche Reich des himmlischen Lobgesangs:
                  Der Weg von der Taufe zum Abendmahl
                  kennzeichnet diese Verwandlung,
                  und hier, nirgends sonst,
                  beginnt die Verwandlung der Welt.
                  @{i}       Jörg Zink@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 2b" "Johannes 2,13-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 2,13-25@{ui}
@{b}            Dem Hausherren die Ehre geben@{ub}

 Es gibt bestimmte Vorstellungen davon, was sich gehört und was nicht. Wer
 etwas auf sich hält, der beachtet die gängigen Sitten und Gebräuche. Das
 Verhalten in einem Kirchengebäude unterliegt auch bestimmten Regeln. Aber
 diese Regeln sind, wie alle Wertvorstellungen, nicht für alle Zeiten
 festgelegt. Sie wandeln sich. Aber es gibt immer Menschen, die mit den
 Wandlungen nicht Schritt halten können. Das Abbröckeln von früheren
 Wertvorstellungen und Verhaltensmuster macht vielen Menschen zu schaffen.
 Sie sehnen sich nach Zeiten, in denen - scheinbar - genau feststand, was
 richtig und was falsch ist.
 Da wäre also das Verhalten im Gotteshaus. Man sollte meinen, Ehrfurcht wäre
 hier selbstverständlich. Und in der tat sind viele Menschen beim Betreten
 einer Kirche irgendwie andächtiger als draußen. Nun gibt es aber eine ganze
 Reihe von Anlässen, die manche Menschen als unpassend für eine Kirche
 betrachten. Manchen stört schon lautes Lachen. bei anderen ist die Grenze
 des Erträglichen erst da, wo bei Veranstaltungen in einer Kirche geraucht
 wird. Es wird also viele Menschen geben, die wegen ihrer eigenen Meinung
 darüber, was sich schickt, Jesus recht geben, wenn er Händler aus dem
 Gotteshaus verjagt. Aber hätte er bei uns nicht aus ganz anderen gründen
 Anlaß zum Zorn? Sicher, Viehändler finden wir in unseren Kirchen nicht. Es
 herrscht ja auch keine Nachfrage nach Opfertieren. Aber sind wir deswegen
 schon ganz dabei, Gottes Willen zu hören und aufzunehmen, und bereit, ihn
 zu tun? Das wäre Ehrfurcht vor Gott.@{b}

 Herr Jesus Christus, lehre du uns, daß wir uns so verhalten, wie es vor dir
 recht ist. Wenn wir uns viel zu oft selbst in den Vordergrund stellen, dann
 wehre allem Drang in uns, der deiner Ehre Schaden zufügt. Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 2,13-25@{ui}
@{b} Jesus sprach zu denen, die die tauben verkauften: Tragt das weg und
 macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!@{ub}   Joh 2,16

 Darauf legen alle vier Evangelisten Wert: Gottes Haus, der Ort seiner
 Selbstmitteilung an die Menschen, soll wirklich Gottes- und nicht
 Menschenhaus sein.
 Wie gehen wir damit um? Im Nachdenken über diese Frage werde ich still. Ist
 Gott tatsächlich Herr in seinem Haus? Daß er es sei, bekennen wir unentwegt
 in Predigt, Lied, Gebet und Kirchenordnung. Doch wie steht es mit der
 Praxis? Übrigens: "Tempel", "Gotteshaus" bin ja auch ich. Als einzelne und
 miteinander in der Gemeinde des Herrn sollen und dürfen wir Ort der
 Selbstmitteilung Gottes an die Welt sein (1.Kor 3,16f). Sind wir's
 wirklich? Endgültig beantworten kann nur Gott diese Frage, nicht ich. Aber
 ich darf und soll sie als Geschenk und Einladung in meinen Alltag
 hineinnehmen: Gott will in mir wohnen, ich darf seine Wohnung sein. Damit
 erfährt mein Leben täglich neu einen großartigen Anstoß: Ich und die um
 mich herum können und sollen merken, daß der Ewige - gepriesen sei sein
 Name! - mit mir zusammen ist. Das reicht, um froh und tapfer den Tag
 anzunehmen.                                                        A-K


@ENDNODE
@NODE "Johannes 3a" "Johannes 3,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 3,1-13@{ui}
@{b}               Erneuerung durch den Geist@{ub}

 Fruchtbare Gespräche zwischen Nichtchristen und Christen sind in unserer
 Zeit nicht Außergewöhnliches. Es gibt genügend gemeinsame Interessen, die
 Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten zueinanderführen. Wir können es
 uns kaum vorstellen, daß jemand sich im Schutze der Nacht zu einem Gespräch
 schleichen muß. Aber es ist schon bewundernswert, wenn sich jemand, wo die
 Situation es gebietet, wenigstens heimlich auf die Suche nach der Wahrheit
 macht.
 Ein Pharisäer löst sich von seinen Gesinnungsfreunden und sucht Jesus auf,
 um mit ihm über die brennenden Fragen des Lebens zu sprechen. Die
 Dunkelheit mag ihm einen gewissen Schutz geben, aber sie kann auch dazu
 geeignet sein, das Gespräch frei vom Lärm des Tages zu führen.
 Es geht Nikodemus um die Frage, wie man Zugang zu Gott findet. Sicher hat
 er seine Meinung. Aber es spricht für ihn, daß er auch Jesu Meinung
 erfahren will. Dabei macht Jesus es ihm ganz gewiß nicht leicht. Anstatt
 ihm Komplimente über seinen Mut zu machen, gibt er ihm eine ziemlich harte
 Nuß zu knacken: Nur der findet Zugang zu Gott, der aus Wasser und Geist
 geboren wird. Das bedeutet: Keine noch so große Anstrengung vermag den
 Zugang zu Gott zu erzwingen. Gott selbst ermöglicht ihn durch seinen Geist.
 So wenig, wie ein Mensch seine Geburt selbst bewirken kann, so wenig kann
 er seine Wiedergeburt erzwingen. Aber er kann bei sich selbst gewisse
 Voraussetzungen schaffen: Offene Ohren, Bereitschaft zum Dienen, Offenheit
 für nötige Korrekturen. Wenn das da ist, dann ist Veränderung möglich, und
 der Mensch wird erneuert.@{b}

 Lieber Herr, erneure uns täglich durch deinen Geist. Mach uns offen zum
 Gespräch mit dir und miteinander. Mach uns gewiß, daß auch wir nach deinem
 Willen neu geboren sind. Amen.@{ub}


@{i}                 Johannes 3,1-13@{ui}
@{b} Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von meuem geboren
 werden.@{ub}   Joh 3,7

 Der Theologe Nikodemus muß sich sehr wundern. Da will er mit Jesus ein
 ernsthaftes theologisches Gespräch führen und bekommt lauter Sachen zu
 hören, die nicht in sein Denkschema passen. Wie macht man das denn, noch
 einmal geboren zu werden? Als erwachsener Mann wieder in den Mutterleib
 zurück?
 Niemand kann zu seiner Geburt irgend etwas dazutun. Geboren WIRD man.
 Irdisch von seiner Mutter, geistlich durch den Heiligen Geist. In Taufe und
 Glaube wird das deutlich. Beides kommt von Gott. Daß ein Mensch dadurch
 wieder neu geboren ist und ein ganz neues Leben beginnt, ist nicht eine
 Frage unseres sündigen Verstandes, sondern unseres Lebens. Wer dankbar
 angenommen hat, was Gott an ihm tut, der weiß, daß er ein neues Leben hat.
 Gott hat ihm eine neue Existenz geschenkt. Wie Gott das macht, bleibt sein
 Geheimnis. Dem kann unser Verstand nach-denken, es aber nicht enträtselt.
 Ein Geheimnis erdenkt man nicht, man erlebt es.
 Also, Nikodemus, wundere dich nicht. Nimm das Wunder der Wiedergurt an und
 laß an dir geschehen, was Jesus Gutes mit dir vorhat.                  B-Br


@ENDNODE

@NODE "Johannes 3b" "Johannes 3,14-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 3,14-21@{ui}
@{b}                    Gottes Liebe macht frei@{ub}
 Es gibt viele Möglichkeiten, wie man seine Liebe beweist: durch Geschenke,
 durch Anteilnahme, durch Verständnis etwa. Gelegentlich bringt man auch
 Opfer, um seine Liebe ganz unmißverständlich zu bezeugen. Auf jeden Fall
 aber will derjenige, der liebt, klarstellen: ich meine es ernst. Liebe ist
 immer verbindlich. Nun reden wir Christen viel von Gottes Liebe. Und wir
 reden nicht nur davon, sondern glauben auch daran. Natürlich fragen wir
 auch nach Beweisen seiner Liebe. Da ist dann sofort an Jesus zu denken. Er
 ist Gottes größter Liebesbeweis. Für viele Christen ist das wie
 selbstverständlich geworden. Aber auf das vermeintliche Selbstverständliche
 muß immer wieder aufmerksam gemacht werden. Daß Gott uns seinen Sohn gab,
 ist mehr als nur ein Lehrgrundsatz. Es ist das größte Zeichen seiner Liebe.
 Sich selbst einem Menschen, den man liebt, aufzuopfern, ist das stärkste
 und ganz seltene Zeichen dafür, daß man es ernst meint. Gott hat dieses
 Zeichen gegeben, und nun liegt es an uns, es anzunehmen. Gott gab seinen
 Sohn, um die Welt zu retten.
 Die Voraussetzungen, unter der wir diese Rettung erfahren, ist der Glaube.
 Mit dem Glauben an Gottes Sohn steht und fällt für uns alles: Gut und Böse,
 Licht und Finsternis, Wahrheit und Lüge.
 Der Glaube an Gottes Sohn macht uns frei für das Gute und zeigt uns, daß er
 uns vor dem Bösen rettet. Aufrichtige Liebe trägt Früchte. Die Früchte von
 Gottes Liebe sind, daß wir uns ändern zum Guten hin. Mehr noch: Durch
 Gottes Liebe werden wir gerettet, brauchen uns nicht zu fürchten, werden
 frei und gewinnen das Leben.@{b}

 HERR, UNSER GOTT, DEINE LIEBE ERÖFFNET UNS DEN WEG ZUR FREIHEIT. WIR DANKEN
 DIR, DAß DU UNS DEINEN SOHN GESCHENKT HAST, DAMIT WIR DAS EWIGE LEBEN
 HABEN. WIR  BITTEN DICH, UNS DEINER LIEBE WÜRDIG ZU ERWEISEN. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 3,14-21@{ui}
@{b} Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab,
 damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden.@{ub} Joh 3,16
 Wenn Sie der einzige Mensch wären, der auf dieser Erde lebte, wäre Jesus
 allein für Sie gestorben und auferstanden.
 Wagen Sie, das für sich in Anspruch zu nehmen, denn Gott selbst bürgt
 dafür! Er sagt, daß alle - und damit meint er jeden für sich allein - das
 ewige Leben haben werden, die an seinen Sohn glauben. Gott schuf den
 Menschen einzeln. Jeder von uns ist ein Orginal - einmalig, kostbar,
 geliebt. Darum wünscht er sich sein Geschöpf auch als Gesprächspartner, als
 Gegenüber. Doch unsere Sucht nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung
 verdrängte ihn aus dem Mittelpunkt unseres Lebens und stellte unser Ich
 groß heraus. Diese Schuld riß einen Abgrund auf. Was aber tat Gott in
 seiner unverständlichen Liebe? Er warf seinen Sohn in den Abgrund, um ihn
 zu schließen und uns zurückzuholen aus unserer selbstmächtigen und
 zerstörerischen Verkehrtheit.
 Wer dieser lebendigen Brücke traut und darübergeht wird gerettet.
 Ist so eine Liebe nicht überwältigend? Müßte man nicht alles dafür aufgeben
 und sich ihr allein in die Arme werfen? Bä-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 3c" "Johannes 3,22-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 3,22-30@{ui}
@{b}             Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen@{ub}
 Der letzte Wille eines Menschen hat meistens besonderes Gewicht. Was er an
 Gedanken und Vorstellungen zurückläßt, wird oft noch lange im Gedächtnis
 aufbewahrt, besonders dann, wenn dieser Mensch einem etwas bedeutet hat.
 Die Erinnerung der Schüler des Täufers Johannes bewahrt sein Zeugnis über
 den, der nach ihm kommt, dessen Vorläufer er ist. Von diesem Jesus sagt
 Johannes: Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.
 Man kann es für Bescheidenheit halten. Doch es steckt mehr dahinter. Dieser
 Satz ist für Johannes ein Programm. Der Täufer ist ein Mensch, der voll und
 ganz hinter der Sache steht, von der er redet. Er nennt die Dinge beim
 Namen, sucht nicht nach Ausflüchten, schließt keine Kompromisse. Und er
 schmückt sich nicht mit mit fremden Federn. Seine Schüler würden ihn nur zu
 gern als Christus verehren. Doch Eitelkeit ist Johannes fremd. er weiß, daß
 er nichts weiter zu tun hat, als durch Taufe und Bußpredigt die Menschen
 auf den wirklichen Christus vorzubereiten. Eigene Rücksichtnahmen verbieten
 sich. Johannes will, so schildern ihn die Evangelien, keine Karriere
 machen, in dem der auftritt, der sich als Christus zu erkennen gibt.
 Dies ist das Vermächtnis des Täufers, eines Menschen also, der konsequent
 die Wahrheit verkündet und für sie geradesteht. Auf ihn warten keine
 Auszeichnungen, sondern das Gefängnis und schließlich der Tod. Aber er
 weiß: Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben
 ist. So versteht er seine eigene Bestimmung.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS! WIR BRAUCHEN DICH UND DEINE HILFE. WIR DANKEN DIR FÜR
 MENSCHEN, DIE UNS AUF DICH AUFMERKSAM MACHEN. WIR BITTEN DICH: BEWAHRE UNS
 VOR FALSCHEM STOLZ UND RICHTE UNSEREN SINN ALLEINE AUF DICH. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 3,22-30@{ui}
@{b} Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe; Ich bin nicht der
 Christus, sondern vor ihm hergesandt.@{ub}  Joh 3,28
 Die Jünger des Täufers bekommen mit einem Juden Streit über die Bedeutung
 ihres Meisters. Da gehen sie zu ihm hin, um von ihm selber zu hören, wer er
 wirklich ist und was für einen Auftrag er hat. Johannes verweist sie auf
 das, was sie selbst erlebt haben. Er ist nichts anderes als der
 ausgestreckte Finger, der auf Jesus, den Messias, zeigt (Joh 1,19ff). Er
 ist nicht der Messias, sondern sein Vorbote. Um dies seinen Jüngern zu
 verdeutlichen, sagt er: "Ich bin nicht der Bräutigam, sondern der Freund
 des Bräutigams"(V.29).
 Der Freund spielt im Orient vor und bei der Hochzeit eine wichtige Rolle.
 Er ist der Brautwerber und Festordner. Hauptperson aber ist der Bräutigam.
 Die Freude des Freundes ist die Freude über den Bräutigam. Dieses - so sagt
 Johannes - ist die mir zugewiesene Aufgabe.
 Johannes muß nicht nach seiner Bedeutung oder nach seinem Erfolg suchen. Er
 hat beides gefunden, als er Jesus, dem Messias, begegnete. Als Evangelist
 verkündigt er den Beginn der Herrschaft Gottes. B-C


@ENDNODE

@NODE "Johannes 3d" "Johannes 3,31-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 3,31-36@{ui}
@{b}                     Von oben nach unten@{ub}
 "Doch der Segen kommt von oben": Diese Worte aus der "Glocke" von Schiller
 sind manchem geläufig. Handelt es sich um einen forschenden Blick nach
 langersehnten Regenwolken oder dem sehnsüchtigen Blick nach der Sonne, dann
 ist die Blickrichtung nach oben ja durchaus naheliegend. Aber Schiller
 meint den Blick nach oben, wir sind unten, das war jahrhundertelang die
 Vorstellung von Christen. Was von oben kommt, steht demzufolge auch über
 den Menschen.
 Wir haben gestern den Anfang des letzten Zeugnisses des Täufers Johannes
 gelesen.
 Unser heutiger Abschnitt beschließt dieses Vermächtnis. Es gibt ein Oben
 und ein Unten. Statt "oben" sagt das Johannesevangelium auch "Licht"
 gegenüber der Finsternis, es spricht von "Himmel" gegenüber der "Welt". Das
 "Oben" ist also derjenige, von dem Hilfe erwartet wird. Johannes kann diese
 Hilfe nicht geben; er gehört zum "Unten" wie jeder von uns. Er kann auch
 keinen Zugang nach "oben" verschaffen. Aber er kann auf den Weg aufmerksam
 machen, der "oben" und "unten" verbindet. Jesus Christus ist der Weg. Wer
 an ihn glaubt, hat das ewige Leben, bleibt also nicht "unten". Dazu kam
 Gott selbst zu uns, um uns den Weg zu ihm nach "oben" zu ermöglichen.
 Noch leben wir "unten". Aber wir wissen, daß dies nicht unsere endgültige
 Station ist. Gottes Reich steht allen offen, die an ihn glauben. Es beginnt
 auch nicht irgendwann später, sondern jetzt.@{b}

 HERR, UNSER GOTT! ZIEH UNS ZU DIR. SENDE UNS DEINEN GEIST, DAMIT WIR DIE
 RICHTUNG NICHT VERLIEREN. BEWAHRE UNS VOR IRRWEGEN UND LAß UNS IM AUFBLICK
 AUF DICH UNSER LEBEN FÜHREN. AMEN.@{ub}


@{i}                        Johannes 3,31-36@{ui}
@{b} Der vom Himmel kommt, der ist über allen und bezeugt, was er gesehen
 und gehört hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an.@{ub}  Joh 3,31.32
 Hell wird es heute morgen, hell von oben, vom Himmel her. Es ist nicht mehr
 dunkel, hoffnungslos auf unserer Welt. Die Frage nach dem Warum und Wozu
 hat ihre tiefe Antwort bekommen. Der Täufer Johannes bezeugt es: Jesus
 Christus ist "vom Himmel" gekommen, er ist "über allen"!
 Seine Herrschaft hat er angetreten, er schenkt Leben, das bleibt, auch wenn
 Tod und Todesangst wieder und wieder die Macht an sich reißen wollen. -
 Jetzt darf der Blick nach oben gehen. Der gekrümmte Körper kann sich
 aufrichten. Schluß ist es mit Einsamkeit und dunkler Belastung. Wie die
 Sonne von oben auf uns herabscheint, so fällt das Licht des lebendigen
 Herrn Jesus Christus in unsere müden Herzen. Das wir's nur glaube! Daß
 wir's nur für uns annehmen! Daß wir nur nicht matt abwinken, wo uns diese
 Wahrheit bezeugt wird. Es geht ja um nichts weniger als um Leben oder Tod.
 - Was sollen wir tun? Jesus Christus erlauben, Herr unseres Lebens zu sein.
 Ihm vertrauen in allen Widerwärtigkeiten des Lebens. Er trägt durch. Bä-S
 @{b}                Jesus und die Sonne@{ub}           Gedicht
                     Tagsüber ist Sonnenschein.
                     Nachts ist kein Sonnenschein.
                     Jesus aber scheint Tag und Nacht.
                     Die Sonne geht im Osten auf.
                     Die Sonne geht im Westen unter.
                     Jesus aber geht niemals unter.
                     Die Sonne vertreibt die Dunkelheit.
                     Die Dunkelheit des Herzens kann sie nicht vertreiben.
                     Jesus aber vertreibt die Dunkelheit des Herzens.
                     Herr Jesus,
                     du bist die Sonne der Gnade.
                     Du bist die Sonne der Gerechtigkeit.
                     Gib uns Wärme,
                     wenn wir in der Kälte der Gleichgültigkeit zittern.
                     Gib uns Licht,
                     wenn wir in der Dunkelheit
                     der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit wandern.
                     Dann könnte dein Licht durch uns reflektiert werden
                     und deine Wärme durch uns weiterstrahlen.
                     @{i}       Johnson Gnanabaranam@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 4a" "Johannes 4,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 4,1-14@{ui}
@{b}                  Die Isolierung durchbrechen@{ub}
 Wir schlagen ein neues Kapitel auf. Sehr ausführlich wird im ersten Teil
 von dem Gespräch zwischen zwei Menschen erzählt. Es ist die Begegnung
 zwischen Jesus und einer samaritanischen Frau.
 In unserer Zeit nennen wir Christen gerne große Zahlen: 20000 Besucher bei
 einem Kirchentag. 300 kamen zum Festgottesdienst. In unseren kleiner
 gewordenen Gemeinden brauchen wir von Zeit zu Zeit die Bestätigung durch
 eine große Gemeinschaft. Viele Gleichgesinnte stärken unseren Glauben. Wir
 brauchen aber ebenso das Gefühl, daß wir nicht bloß als Mitglieder einer
 großen Gemeinschaft wichtig sind, sondern um unserer selbst willen. Wir
 brauchen den Menschen, der sich um uns müht, der mit uns redet oder mit uns
 schweigt, der sich nicht scheut, viele Treppen zu steigen, um an unsere Tür
 zu gelangen.
 Unser heutiger biblischer Abschnitt zeigt das in eindrücklicher Weise.
 Jesus hält zur Mittagszeit, der Zeit der größten Hitze, Rast am Brunnen,
 als die samaritanische Frau kommt, um Wasser zu schöpfen. Es ist eine
 ungewöhnliche Zeit, um an eine entfernte Wasserstelle zu wandern. Kommt
 diese Frau bewußt allein und absichtlich zu einer Zeit, in der sie fast
 sicher sein kann, keinen zu treffen? Das Gespräch, das ganz verständlich
 mit der Bitte Jesu um Wasser begonnen wird, erreicht schnell eine große
 Tiefe. Die Frau läßt einen Durst erkennen, der nicht mit Wasser zu löschen
 ist. Jesus spricht zu ihr von einem Wasser, das uns selber zur Quelle
 werden läßt. Auch wenn ihn die Frau noch keineswegs versteht, führt Jesus
 sie und uns dazu, zu bitten: Hilf mir, daß diese Quelle in mir sprudelt.
 @{b}
 HERR, UNSER GOTT, SCHICKE UNS MENSCHEN, DIE UNSERE EINSAMKEIT DURCHBRECHEN.
 LAß UNS NICHT FEHLEN, WENN UNSERE HAND GEBRAUCHT WIRD. ERFÜLLE UNS GANZ,
 DAMIT AUCH VON UNS HOFFNUNG AUF DIE EWIGKEIT AUSGEHT. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 4,1-14@{ui}
@{b} Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht
 zu ihr: Gib mir zu trinken!@{ub}  Joh 4,7
 Die ablehnende Haltung der Pharisäer führt dazu, daß Jesus nach Galiläa
 zieht. Er nimmt den kürzeren Weg durch Samaria, das von einem
 halbheidnischen Mischvolk bewohnt wird. Die Gräben zu den Juden sind tief.
 Am Brunnen des Stammvaters Jakob rastet Jesus mit seinen Jüngern. Hier, an
 diesem Ort irdischer Erquickung, beginnt ein Gespräch über das Wasser des
 Lebens. Jesus überwindet die Mauern seiner Zeit. Er spricht mit einem
 Mitglied des "unreinen Volkes"; er wendet sich einer Frau zu. Sie ist davon
 überrascht. Fast spöttisch weist sie ihn auf sein ungewöhnliches Vorgehen
 hin. Jesus beginnt das Gespräch nicht mit einer Belehrung oder einem
 Appell, sondern mit einer Bitte: "Gib mir zu trinken!"
 Der Sohn Gottes beugt sich ganz tief herab. Er setzt sein Heil nicht
 machtvoll durch, sondern als einer von uns spricht er uns an. Er kennt
 Hunger und Durst und alle Nöte unseres Menschseins.
 So kann ein Gespräch beginnen, das zur Quelle führt, zu ihm als dem ewigen
 Retter. Sch-D@{b}
                    Wecke auf die tauben Ohren@{ub}              Gedicht
                    Herr, von dem mich Welten trennen,
                    du, den ich so oft betrübt-
                    ja, ich darf dich Vater nennen,
                    heimgeholt, im Sohn geliebt.

                    Du erhörst, die zu dir schreien,
                    Feind nur dem, der dich verlacht,
                    Richten, Retten und Befreien,
                    alles steht in deiner Macht.

                    Gib den Mut, mit dir zu ringen,
                    jedem, der dich je erkannt.
                    Wer kann Welt und Tod bezwingen,
                    der bei dir nicht Gnade fand!

                    Wecke auf die tauben Ohren,
                    höre den, der zu dir schreit.
                    Überführe selbst die Toren,
                    Herr, von deiner Wirklichkeit.
                    @{i}    Helmut Lamparter@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 4b" "Johannes 4,15-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 4,15-26@{ui}
@{b}                  Kein Bereich ist ausgeklammert@{ub}
 Drei Tabus verletzt Jesus, als er die Frau am Brunnen anspricht.
 Erstens: Zwischen Juden und Samaritanern herrschte jahrhundertelange
  Feindschaft. Jesus geht darüber hinweg.
 Zweitens: Er redet mit einer Frau und durchbricht damit das damals übliche
  Verhalten eines Mannes.
 Drittens: Er spricht ein Thema an, das die meisten Menschen sehr
  beschäftigt, bei dem jedoch unser Mund fest geschlossen bleibt, wenn es um
  uns Persönlich geht - das Thema der partnerschaftlichen Beziehungen.
 Jesus bittet die Samariterin, ihren Mann zu rufen. Er hat den wunden Punkt
 im Leben dieser Frau getroffen. Sie hat keinen, der sich zu ihr bekennt und
 zu dem sie gehört.
 Nach Meinung der damaligen Zeit war es sicher ein unmoralisches Leben, das
 sie führte. Wie unsagbar traurig ist es, wenn ein Mensch wieder und wieder
 versucht, in einer Partnerschaft zu leben, ohne Erfüllung zu finden. Steht
 nicht im Schöpfungsbericht: "Gott schuf sie, einen Mann und eine Frau"?
 Sollte nicht jeder einen haben dürfen, der zu ihm gehört, für den er sorgen
 und an den er sich lehnen kann? Fast scheint es so, als ob die
 Samaritanerin mit der Frage nach der richtigen Art der Anbetung das
 Gespräch auf ein unverfängliches Thema lenken will. Jesus führt zu dem
 persönlichen Bereich zurück. Die Frage nach der Anbetung ist eine, die wir
 nur sehr persönlich beantworten können. Wir müssen zu Gott als wahrhaftige
 Menschen beten. Dazu gehört, daß kein Bereich ausgeklammert bleibt. Es
 braucht auch nichts verschwiegen zu werden, denn Gottes Geist durchdringt
 und kennt uns und vermittelt uns überall einen unmittelbaren Zugang zu dem
 Herrn des Lebens.@{b}
 HERR, WIR SEHNEN UNS NACH EINEM MENSCHEN, ZU DEM WIR GEHÖREN. WIR HABEN
 ABER MITMENSCHEN GEGENÜBER AUCH SCHON OFT VERSAGT. SCHENKE UNS EINEN NEUEN
 ANFANG UND GUTES GELINGEN IM MITEINANDER. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 4,15-26@{ui}
@{b} Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.@{ub} Joh 4,26
 Ausgerechnet einer Frau, die ein sehr zwielichtiges Leben führt, gibt Jesus
 sich zu erkennen. Warum kommt sie in der Mittagshitze zum Brunnen, wo doch
 sonst alle erst am Frauen mit dem Finger auf sie zeigen. Und ausgerechnet
 dieser Frau wendet Jesus sich zu. Welch wunderbares Gespräch entwickelt
 sich am Brunnen zwischen den beiden! So hat noch keiner mit der Frau
 gesprochen. So hat noch keiner ihre Schuld beim Namen genannt und sie doch
 so liebevoll angenommen. Eine Ahnung steigt in ihr auf: "Ich sehe, daß du
 ein Prophet bist." Doch dabei bleibt es nicht. Unversehens führt das
 Gespräch die Samariterin zu dem Satz: "Ich weiß, daß der Messias kommt." Da
 gibt sich Jesus der Frau zu erkennen: "Ich bin's der mit dir redet."
 Wenn wir doch auch so auf Jesus hören, ihn fragen und mit ihm reden
 könnten! Im Gebet ist uns diese Möglichkeit gegeben. Da schenkt er auch uns
 die Gewißheit: "Ich bin es, dein Erlöser, den du so nötig hast. Ich befreie
 dich von allem, was dich quält. Ich schenke dir wahres, erfülltes Leben."
 B-F


@ENDNODE

@NODE "Johannes 4c" "Johannes 4,19-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 4,19-26@{ui}
@{b}                       Gott ist Geist@{ub}
 "Gott ist Geist." Das ist einer der mißverständlichsten Sätze in der
 Bibel, mißverständlich dann, wenn er als philosophischer Satz verstanden
 wird, der Gott in das Unsichtbare, in die Unverbindlichkeit entrückt.
 Unmißverständlich wird das Wort aber, wenn wir den erkennen, von dem es
 kommt. Wer Gott ist, erfahren wir erst in der Geschichte, die er mit uns
 hat.
 Die samaritanische Frau, deren Vergangenheit ihre Zukunft überschattet,
 begegnet in Jesus demnach Gott und zugleich dem Herrn ihres Lebens. Weil er
 die Quelle des Lebens für alle Menschen ist, darf auch die
 schuldiggewordene Frau aus ihr schöpfen und dadurch das wahre Leben
 gewinnen. "Gott ist Geist" heißt also Grenzüberschreitung: Keiner ist auf
 Grund von Geburt, Rasse, Geschlecht oder Religion aus der Liebe Gottes
 ausgeschlossen. Die Unterschiede sind nicht belanglos. "Ihr wißt nicht, was
 ihr anbetet; wir wissen aber was wir anbeten", hält Jesus dieser Frau vor.
 Dennoch - von nun an wird es nicht darauf ankommen, an welchem Ort und nach
 welchem Ritus, sondern daß Gott angebetet wird "im Geist und in der
 Wahrheit". Ob Garizim oder Zion, ob Samariter oder Jude, ob Frau oder Mann
 - vor der offenbaren, wahrhaftigen Liebe Gottes werden die überlieferten
 Gegensätze, sie mögen noch so eingeschliffen, ja einleuchtend sein, einfach
 überholt. Das zukünftige Heil wird nicht gegeneinander, sondern miteinander
 gewonnen, weil Gott es begründet. Denn er kommt in unsere Geschichte
 herein, gerade das ist unsere Hoffnung. "Gott ist Geist" heißt darum
 Geschichtswirksamkeit Gottes: Durch das Kommen Jesu wird die Welt
 verändert, indem die menschlichen Beziehungen verändert werden.
 Gemeinschaft wird zwischen Nahen und Fernen, Freunden und Feinden
 gestiftet. Wo der gute Geist Gottes die Menschen bewegt, beginnen sie
 aufzuatmen und Hoffnung aus der Quelle des Lebens zu schöpfen. Hätte Jesus
 sich nicht auf das Gespräch mit der Frau am Brunnen eingelassen, wäre ihr
 die Liebe Gottes in Person nie begegnet. Nun aber kann sie anderen zum
 Leben helfen, damit sie auch dem begegnen können, der spricht: "Ich bin's,
 der mit dir redet." Das ist unmißverständlich.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU DICH AUF UNS EINGELASSEN HAST.
 HILF UNS, DAß WIR ANDEREN IN LIEBE BEGEGNEN UND IHNEN ZUM WAHREN LEBEN
 HELFEN. LAß UNS IN DEINEM GEIST DAS TRENNENDE ÜBERWINDEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 4d" "Johannes 4,27-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 4,27-38@{ui}
@{b}                         Antwort@{ub}
 Der biblische Abschnitt, den wir gestern gelesen haben, endet mit dem
 Hinweis der Samariterin, daß der kommende Messias die letzte Antwort geben
 wird auf alle für uns noch offene Fragen.
 Jesus erwidert mit dem Bekenntnis: "Ich bin es!"
 Heute lesen wir die Antwort der Frau. Wie wird sie reagieren, mit Lachen,
 Skepsis, Zweifel oder der Frage nach Beweisen?
 Diese Frage ist eine Frage an uns. Wie haben wir bisher auf die immer und
 immer wieder gehörte Verkündigung reagiert: "Jesus ist es, wartet nicht auf
 einen anderen!" Haben wir schon geantwortet oder haben wir die Entscheidung
 auf später vertagt? Als die Frau den Brunnen verläßt, bleibt ihr Wasserkrug
 zurück. Das kann ein Zeichen sein für den überstürzten Aufbruch, denn die
 Samaritanerin läuft in die Stadt, um das eben Gehörte allen weiterzusagen.
 Es kann aber auch ein versteckter Hinweis auf die Worte Jesu über das
 lebendige Wasser sein. Hatte er doch gesagt, daß er den Menschen so zu
 trinken geben kann, daß sie in Zukunft keinen Durst mehr haben werden,
 sondern selber zur Quelle werden. Nun braucht sie dieses Wasser nicht mehr,
 denn wie aus einer Quelle sprudelt es aus ihr heraus: "Kommt, seht! Sollte
 er der Christus sein?" Aufgehoben scheint die Kluft, die sie eben noch von
 den anderen Einwohnern der Stadt zu trennen schien. Die Jünger, gerade erst
 aus der Stadt gekommen, bleiben verwundert zurück. Warum spricht Jesus
 gerade mit dieser Frau, warum wird sie seine Botin? Wir stellen diese Frage
 auch oft im Blick auf das, was wir erleben. Menschen mit bewegtem Vorleben,
 Menschen, die nicht mit der Kirche aufgewachsen sind, werden oft die
 eifrigsten Missionare.@{b}

 HERR UNSER GOTT, WIR SIND ZU EINER ANTWORT AUF DIE BOTSCHAFT DES
 EVANGELIUMS BERUFEN. OFT SCHIEBEN WIR DIESE ANTWORT IMMER WEITER VOR UNS
 HER. HILF UNS, DAß WIR MIT UNSEREM GANZEN LEBEN "JA" ZU DIR SAGEN. AMEN.
@{ub}

@{i}                     Johannes 4,27-38@{ui}
@{b} Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen
 dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.@{ub} Joh 4,34
 Ohne Saat keine Ernte, ohne Ernte keine "Speise". Wie vertraut ist uns doch
 die Aufeinanderfolge von der Aussaat bis zu dem, was der Mensch zum Leben
 braucht. Aber unser "Brot für die Welt" - Gott sei's geklagt! - besitzt
 nicht den Nährwert, alle Hungrigen zu speisen. Daher ist es gut zu wissen,
 daß Jesu Speise, sinnbildlich gesprochen, von ganz anderer Qualität ist. Er
 nährt sich von der Verbundenheit mit dem Vater, seiner Liebe und
 Gerechtigkeit und teilt diese Speise aus an die Welt. er ist gekommen, die
 nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, mit neuem Lebensmut satt zu machen.
 Ja, er selbst "das Brot des Lebens"(6,35). Mit seinem Gang zum Kreuz hat
 Jesus den Weg zu einer lebendigen Hoffnung frei gemacht. Seitdem wird die
 Saat des Evangeliums ausgesät, weckt die Predigt Glauben und gibt teil an
 der "Speise" Jesu. Bis heute trägt die Gemeinde Jesu dazu bei, daß Menschen
 mit Gottes Liebe "gesättigt" werden, wenn sie einlädt: "Schmecket und sehet
 wie freundlich der Herr ist."                                     J-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 4e" "Johannes 4,39-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 4,39-42@{ui}
@{b}            Wir glauben nicht der Menschen wegen@{ub}
 Aus der Missionsarbeit erzählt man sich die Geschichte von dem Afrikaner,
 der lange am Taufunterricht teilgenommen hatte. Eines Tages sagte er zu dem
 weißen Missionar: "Jetzt bin ich soweit, daß ich mich taufen lassen könnte,
 zuvor möchte ich jedoch dein Heimatland besuchen, um zu sehen, wie dort die
 Menschen leben." Dem Missionar schwand jede Hoffnung auf eine Taufe. Sein
 Schützling würde sicherlich sehr enttäuscht zurückkehren, wenn er sähe, wie
 unchristlich oft getaufte Menschen miteinander umgehen. Doch es geschah ein
 Wunder. Nach seiner Rückkehr meldete sich der Afrikaner zur Taufe.
 Vorsichtig fragte der Missionar: "Du mußt doch viel gesehen haben, was mit
 dem christlichen Glauben nicht vereinbar ist?" "Das stimmt", war die
 Antwort. "Dadurch aber habe ich gemerkt, daß es nicht an den Menschen
 liegen kann, ob wir glauben. Wäre es ein menschliches Werk, wäre der
 christliche Glaube schon seit Jahrhunderten vergessen. Ich habe gesehen,
 daß der Glaube trotz der Fehler der Menschen lebt."
 Wir sollten an die Worte des Afrikaners denken, wenn wir uns wieder einmal
 über die Unzulänglichkeiten anderer Christen geärgert haben. Wir hören die
 biblische Botschaft durch andere Menschen und werden durch bestimmte
 christliche Persönlichkeiten auf unserem Glaubensweg geprägt.
 Es gibt aber auch viel Enttäuschung . In dem Bericht des
 Johannesevangeliums wird die Frau, die Jesus am Brunnen trifft, zur
 Verkünderin. Ihre Worte finden Gehör. Sehr bald aber sagen ihre
 Mitbewohner, daß sie nicht glauben, weil sie es gesagt habe, sondern weil
 sie selber zum Glauben gekommen seinen. Das Ziel der Verkündigung ist die
 Bindung an Jesus, nicht an den Übermittler.@{b}

 HERR UNSER GOTT, LAß UNS NICHT AN DER BOTSCHAFT IRRE WERDEN, WENN MENSCHEN
 UNS ENTTÄUSCHEN. HILF UNS, DAß WIR NICHT ANDEREN ZUM ÄRGERNIS WERDEN,
 SONDERN GEMEINSAM AUF JESUS BLICKEN, DER UNS NICHT ENTTÄUSCHT. AMEN.
                             Ein Christ genannt           Gedicht
                       Warum wirst du ein Christ genannt?
                       Weil ich durch den Glauben
                       ein Glied Christi bin
                       und dadurch an seiner Salbung Anteil habe,
                       damit auch ich
                       seinen Namen bekenne,
                       mich ihm
                       zu einem lebendigen Dankopfer hingebe
                       und mit freiem Gewissen
                       in diesem Leben
                       gegen die Sünde und den Teufel streite
                       und einst in Ewigkeit mit ihm über alle
                          Geschöpfe herrsche.@{i}
                       Frage 32 des Heidelberger Katechismus


                           Johannes 4,39-42@{ui}
@{b} Noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen und sprachen zu der
 Frau: Von nun an glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen.@{ub} Joh
 4,41.42
 Menschen auf Jesus hinweisen - das ist die Aufgabe des Zeugen. Die Frau aus
 Samarien hat sich als eine solche Zeugin erwiesen. Was sie bei Jesus
 entdeckt und gefunden hat, behält sie nicht für sich. Nein, sie bezeugt:
 "Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe"(V.39). Er hat mich mit meiner
 Schuld angenommen. - Vermutlich hätte keiner den Weg zum Glauben gefunden
 ohne das lebendige Zeugnis von Menschen. Für viele wird es das Zeugnis der
 Eltern gewesen sein, das sie nach Jesus fragen läßt. Für andere mag das
 Leben eines bekannten Gotteszeugen der Anstoß gewesen sein, sich mit Jesus
 auseinanderzusetzen.
 Doch alles kommt darauf an, daß einer nicht bei der Person des Zeugen
 stehen- oder hängenbleibt, sondern den persönlichen Anschluß an Jesus
 findet und sagen kann: "Von nun an glaube ich nicht mehr um deiner Rede
 willen." Denn glauben - das heißt buchstäblich sich selber ver-lassen und
 sich ganz auf Jesus und sein Wort verlassen.                      B-R


@ENDNODE

@NODE "Johannes 4f" "Johannes 4,43-54"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 4,43-54@{ui}
@{b}                     Glaube auf das Wort@{ub}
 Es ist schon eine seltsame Geschichte, diese Erzählung von dem hohen
 Beamten, der auf ein Wort hin glaubt. Selten ist Jesus auf seinem Weg durch
 die Provinzen auf solch einen Glauben gestoßen. Die größten Zweifler
 scheinen die zu sein, die bewußt ein Leben im Glauben, eines nach den 10
 Geboten führen wollen. Entweder lehnen sie Jesus grundsätzlich ab oder sie
 fordern immer neue Beweise seiner Vollmacht.
 Nun kommt ein hoher Beamter zu Jesus mit der Bitte, seinem kranken Sohn zu
 helfen. Ob er ein römischer Offizier ist, wie es die anderen Evangelien in
 vergleichbaren Geschichten erzählen, oder ob er aus dem jüdischen Volk
 stammt, wissen wir nicht. Ein Mensch in seiner Position hat wohl den
 Kontakt zu den gläubigen Kreisen verloren. Doch welch ein Unterschied
 besteht zwischen ihm und denen, die ihm schnell den richtigen Glauben
 absprechen würden. Mit kindlichem Vertrauen wagt er einen langen Weg, mit
 großer Beharrlichkeit wiederholt er seine Bitte. Das Erstaunlichste ist
 wohl, daß er Jesus auf ein Wort hin glaubt. erst viel später, erst am
 nächsten Tag - Ortskundige haben errechnet, daß zwischen dem Ort der
 Begegnung und dem Haus des Beamten etwa 27 km liegen müssen - bekommt der
 Glaube seine Bestätigung.
 Daß es solchen Glauben nicht nur in der Schilderung der Evangelien gibt,
 sondern auch heute, ist uns nicht fremd. Zwar suchen auf der einen Seite
 Menschen, gerade auch aus kirchlicher Tradition, immer Beweise für ihren
 Glauben, aber es glauben andere, auch solche, die erst neu zum Glauben
 gekommen sind, Jesus auf sein Wort hin.@{b}

 JESUS CHRISTUS, WIR BEKENNEN, DAß ES UNS SCHWERFÄLLT, AUF EIN WORT HIN ZU
 GLAUBEN. WIR WOLLEN SICHERHEIT HABEN. GIB UNS EINEN GLAUBEN, DER DIR
 VERTRAUT, OHNE SICHERHEIT DER BEWEISE. HILF UNS ZU DIESEM VERTRAUEN. AMEN.
                     Ununterbrochen beschenkt@{ub}      Gedicht
                   Wenn man lebt, versteht sich das Leben
                    von selbst.
                   Versteht sich das Leben von selbst?
                   Unerklärlich bleibt mir meine Existenz.
                   Ich kann es nicht fassen und begreifen,
                    daß ich bin.
                   Daß ich anfangen kann.
                   Daß ich immer wieder etwas Neues
                    erfahren kann.

                   Ich denke an die Menschen,
                   die etwas von mir erwarten.
                   Ich denke an die Menschen,
                   die mir helfen, daß ich leben kann.
                   Nichts versteht sich von selbst.
                   Wenn ich es recht bedenke,
                   werde ich ununterbrochen beschenkt.
                   @{i}    Otto und Felicitas Betz@{ui}


@{i}                     Johannes 4,43-54@{ui}
@{b} Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt
 ihr nicht.@{ub}  Joh 4,48
 Jesus ist gekommen, um Menschen zu retten. Darum kommt es für uns darauf
 an, daß wir eine persönliche Beziehung zum Retter haben. Die Gefahr der
 Menschen war es immer, zuerst etwas zu wollen und dann vielleicht auch an
 Jesus zu glauben. Damit sind wir jedoch auf dem besten Weg, auf die Gabe
 statt auf den Geber zu sehen, die Heilung zu suchen, eine Sache statt einer
 Person zu wollen. So verlieren wir das Wichtigste. Doch davor will Jesus
 uns bewahren. Darum versagt er manchmal die Erfüllung unserer Wünsche.
 Der Mann, der als erster diesen so abweisend klingenden Satz hörte, hat
 verstanden. Am Ende der Geschichte heißt es von ihm: "Und er glaubte mit
 seinem ganzen Hause." Nun blickt er auf Jesus selbst. Damit ist ihm das
 Entscheidende widerfahren. Und auch sein Sohn ist wirklich geheilt.
 Wir aber sehen, was Glauben nach dem biblischen Zeugnis ist, nämlich: Jesus
 um seiner selbst willen lieben, ihn meinen, dem Retter gehören.         B-O


@ENDNODE

@NODE "Johannes 5a" "Johannes 5,1-9a"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 5,1-9a@{ui}
@{b}                    Willst du gesund werden?@{ub}
 Das ist eine merkwürdige Frage. Natürlich wollte der Mann gesund werden.
 Trotz aller bisherigen Mißerfolge und Enttäuschungen hat er nicht
 aufgegeben. Sonst wäre er ja nicht noch immer wieder zu der heilenden
 Quelle gekommen. "Willst du gesund werden?" - was für eine Frage!
 Vielleicht freilich hat Johannes mit dieser Frage ganz einfach nur die
 Schilderung der Situation für das Wunder Jesu geben wollen. Dann wäre es
 sozusagen nur eine rhetorische Frage. Aber liegt es nicht viel näher, in
 ihr mehr anzunehmen? Wie steht es denn, wenn wir selbst krank sind,
 tatsächlich mit unserm "Willen", gesund zu werden? Zum Willen gehört auch
 Tun! Wünschen wir uns nur, gesund zu werden, oder tun wir auch etwas dafür?
 Ziehen wir Folgen daraus, wenn in unserm bisherigen Verhalten etwas war,
 was die Krankheit mitverursacht hat? Halten wir die Trennung davon mit
 aller nötigen Entschiedenheit durch?
 Und: "gesund werden" - was heißt denn das? Zweifellos heißt es hier, in der
 Heilungsgeschichte, zuerst körperlich gesund zu werden.
 Das Zeugnis des Johannes vom "Leben" in Christus führt uns aber von
 vornherein auch über die leibliche Genesung hinaus. Richtet sich denn, wenn
 wir "gesund werden wollen", unsere Erwartung nur auf Ärzte, Krankenhäuser
 und gegebenenfalls Kuren oder auch wirklich Gottes und Jesu Tun? Von denen
 jedenfalls ist im Folgenden die Rede. Die Heilungsgeschichte mitsamt ihrer
 merkwürdigen Frage ist die Einleitung dazu - nicht weniger, aber auch nicht
 mehr.@{b}
 WIR DANKEN DIR, GOTT, DAß DU UNS AN LEIB, SEELE UND GEIST GESUND MACHEN
 WILLST, UND BITTEN DICH DA HEUTE BESONDERS FÜR DIE KRANKEN, DIE SCHON LANGE
 AN IHRER KRANKHEIT LEIDEN, DAß SIE WIRKSAME HILFE ERHALTEN, MEDIZINISCHE
 UND SEELSORGELICHE. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 5,1-9a@{ui}
@{b} Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen.@{ub} Joh 5,7
 "Ich habe keinen Menschen", wieviel Leid ist in diesen vier Worten
 zusammengefaßt: keinen Menschen, der sich wirklich um mich kümmert; keinen
 Menschen, mit dem ich reden kann; keinen Menschen, der mich versteht;
 keinen Menschen, der mich begleitet in meiner Trauer; keinen Menschen der
 mir heraushilft aus meiner Verzweiflung; keinen Menschen der meine
 Einsamkeit teilt; keinen Menschen, der mir wieder Mut macht.
 Unzählige klagen so. Viele haben die Hoffnung aufgegeben. Aber hier findet
 einer einen Menschen. Vielmehr: Er wird gefunden. Nach achtunddreißig
 Jahren der Hoffnungslosigkeit. Der Mann am Teich Betesda hatte schon längst
 nicht mehr geglaubt, daß noch einer käme. Aber nun ist er da: Jesus, der
 Menschensohn. Er spricht den Kranken an, und das Leben des Mannes kann noch
 einmal beginnen.
 Öffnen wir doch unsere Augen und Ohren, daß wir Menschen entdecken, die
 nicht mehr weiterkommen. Sie sind in unserer nächsten Umgebung. Gehen wir
 hin zu ihnen und sagen: Jesus ist da, auch für dich. In seinem Namen will
 ich bei dir sein.                                                 S-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 5b" "Johannes 5,9b-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 5,9b-18@{ui}
@{b}                  Sündige hinfort nicht mehr!@{ub}
 Wie gestern, so lesen wir auch heute ein überraschendes Wort. Überraschend
 ist es, weil vorher nicht davon die Rede war, daß der Kranke eine besondere
 Sünde begangen hätte. Auch erfahren wir gerade bei Johannes, daß Jesus die
 alte Vorstellung von einem schuldhaften Zusammenhang von Sünde und
 Krankheit verlassen hat. Er zeigt eine ganz neue Auffassung, wie auch Sünde
 und Krankheit dem dienen, die Macht des Offenbarers zu erweisen. Vor allem
 aber ist klar, daß die eigentliche Thematik der heutigen Losung der
 aufgekommene Sabbatstreit ist und dessen weitere Verschärfung durch Jesu
 Wort, er wirke in Einheit mit dem Vater.
 Was soll denn aber das "Schlimmere" sein, das bei weiterem Sündigen
 angedroht wird? Das große Thema, daß Jesus und Gott, der Vater,
 zusammenwirken, scheint dafür zu sprechen, sich nicht weiter anzuhalten bei
 der Mahnung, "hinfort nicht mehr zu sündigen". Oder sollte dies für die
 Offenbarung eine ganz wesentliche Stelle sein? Könnte sie nicht jedenfalls
 uns heute, denen die Sabbatproblematik längst fernliegt, die hohen Themen
 des Abschnitts erst richtig erschließen? Diese Jesusworte mahnen uns doch:
 Du bist auch "gesund geworden", Jesus hat auch dir "das Leben" geschenkt,
 verschleudere es nicht, sonst verfällst du dem ewigen Tod; Jesus hat dir
 die Freiheit von einengenden Ordnungen gebracht, nutze diese Freiheit zum
 Guten, mißbrauche sie nicht, sonst wird es ärger als vorher; Jesus treibt
 an uns Gottes Werk, laß es dir gefallen, versündige dich nicht an ihm,
 sonst bist du gerade unter der Gottesoffenbarung verloren, während er dich
 doch retten will.@{b}

 HERR GOTT, VATER IM HIMMEL, HERR JESUS CHRISTUS, VOM VATER ZU UNS GESANDT,
 LAß UNS ERKENNEN, WO UNSERE VERSUCHUNGEN LIEGEN! HILF UNS DURCH DEINEN
 GEIST, IHNEN ZU WIDERSTEHEN! HAB DANK, DAß WIR UNS IMMER WIEDER DEINEM
 WIRKEN ANVERTRAUEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 5,9b-18@{ui}
@{b} Da sprachen die Juden zu dem, der gesund geworden war: Es ist heute
 Sabbat; du darfst dein Bett nicht tragen.@{ub}   Joh 5,10
 Das ist ein frontaler Zusammenstoß: der Geheilte, der kaum sein Glück
 fassen kann, mit seinem Bettzeug unter dem Arm, und die Gesetzeswächter
 - mit ihrem Verbot.
 Bevor der Mann Opfer dieses "Verkehrsunfalls" wird, nimmt Jesus sich seiner
 an. Dafür trifft dann Jesus selbst der Bannstrahl (V.18).
 Wer sind diese Frommen? Sie warten sehnsüchtig auf das Reich Gottes. Und
 das kann nach ihrer Tradition erst dann kommen, wenn ganz Israel an einem
 Tag lückenlos den Sabbat heiligt. Dazu sollen zahllose Zusatzgesetze
 helfen. Aber wie erschütternd: Die Gesetzeseiferer werden selbstgerecht und
 blind für die Gnade Jesu. Zu allen Zeiten wollen sie das Reich Gottes
 selbst herbeiholen. Doch diese Gesetzlichkeit macht immer lieblos. Statt
 sich mit dem geheilten zu freuen, trifft ihn der eiskalte Befehl: "Du
 darfst dein Bett nicht tragen."
 Ähnlich geschah es in unseren Tagen: "Mach' dir erst eine andere
 Haarfrisur, dann kannst du zu uns kommen." Wen wundert es, wenn dieser
 junge Christ ganz verstört seinen Glauben hinwirft?                    B-Sa


@ENDNODE

@NODE "Johannes 5c" "Johannes 5,19-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 5,19-23@{ui}
@{b}                   "Wer den Sohn nicht ehrt..."@{ub}
 In der Heilungsgeschichte ging es noch um "gesund machen" eines einzelnen
 Kranken; jetzt geht es umfassend um "Totenerweckung". Im Sabbatstreit ging
 es noch darum, Jesus habe mit seiner Aufforderung an den Geheilten, sein
 Bett zu nehmen und umherzugehen, eine göttliche Anordnung aufgehoben.
 Umherzugehen war am Ruhetag verboten. Jetzt heißt es von ebendemselben
 Jesus, Gott habe ausgerechnet ihm "alles Gericht übergeben". Das heißt,
 dieser angebliche Gesetzesbrecher soll nun sogar über Leben und Tod der
 Menschen entscheiden. Als er im Sabbatstreit sagt, Gott, sein Vater, ruhe
 nicht aus, sondern sei täglich weiter am Werk und so tue also auch er es,
 ist damit zwar schon aus dem Streit um das "Gesetz" ein Streit um Jesus und
 Gott geworden. Jetzt aber geht es plötzlich um das Verhältnis der Kritiker
 Jesu ihrerseits zum einen wahren Gott. Jetzt kommt es zu dem schlagenden
 Satz Jesu: "Wer mich nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der mich gesandt
 hat." Das bedeutet: Nehmt mein Urteil an und zollt mir die Ehre, eins zu
 sein mit dem Vater.
 Die Steigerungen verschlagen uns heute den Atem. "Absolutheit des
 Christentums" ist zwar eine sehr fragliche Sache. Denn nicht das
 Christentum zeichnet sich unter den Religionen der Welt als hervorragend
 aus. Aber Christus selbst ist nach unserm Glauben der eine, der mit keinem
 Menschen und keinen anderen "Religionsstiftern" auf eine Linie zu bringen
 ist. Er ist der eine, durch den Gott von sich aus an uns Menschen wirkt. An
 ihm, dem einen, entscheidet sich für uns "die Sache mit Gott".@{b}

 HILF UNS, HERR GOTT, DICH ZU ERKENNEN IN DEINEM WIRKEN, IN DEINER
 BESTÄNDIGKEIT, IN DEINER LIEBE. WIR DANKEN DIR, DAß DU DEINEN SOHN, DEN
 EINGEBORENEN, ZU UNS GESANDT HAST UND TÄGLICH IN IHM ZU UNS SPRICHST.
 AMEN.@{ub}


@{i}                        Johannes 5,19-23@{ui}
@{b} Der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird
 ihm noch größere Werke zeigen, so daß ihr euch verwundern werdet.@{ub}
 Joh 5,20
 "Er macht sich selbst Gott gleich" - das war das Schlimmste, was man Jesus
 damals vorwerfen konnte. Doch auch wenn er für seine Worte keine Zustimmung
 findet, Jesus bleibt bei dem, was er von seiner Verbindung zum Vater gesagt
 hat, und macht seinen Zeitgenossen und uns damit deutlich, daß kein Weg an
 ihm vorbeiführt. Wer zu Gott möchte, der muß sich an Jesus halten, ja mehr
 noch, Jesus verlangt für sich die gleiche Ehre, die Gott gebührt (V.23).
 Er fordert das nicht in gotteslästerlicher Selbstüberhebung, sondern weil
 der Vater ihm die Macht übergeben hat.
 Was damals den Menschen die größte Anfechtung war, ist zur Grundlage
 unseres Glaubens geworden: Wie der Vater handelt, so handelt auch der Sohn.
 Und wenn der Vater Macht hat, Tote aufzuerwecken, dann kann auch Jesus
 ewiges Leben geben jedem, der ihm vertraut.
 Das sind die "größeren Werke", von denen Jesus hier spricht: Wie der Sohn
 so werden auch die Seinen ewig leben. Wahrlich nicht nur Grund zum
 "Verwundern", sondern zu anbetendem Lob und Dank.                     K-M


@ENDNODE

@NODE "Johannes 5d" "Johannes 5,24-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 5,24-30@{ui}
@{b}                    "Wer mein Wort hört..."@{ub}
 In einem Konzentrationslager vor etwa 50 Jahren gelang es einem Häftling,
 unbemerkt von den Aufsehern im Vorbeigehen einen anderen Häftling, einen
 Pfarrer, zu fragen: "Nicht wahr, es heißt doch '...der hat das ewige
 Leben'?" Der andere verstand sofort, daß es um Gewißheit de ewigen Lebens
 nicht erst in Zukunft, sondern "schon jetzt" ging, und er konnte dem
 Mitgefangenen gerade noch zuflüstern: "Ja - 'hat'!" Der Frager ist später
 freigekommen, und dann hat er erzählt, was ihm das Schriftwort aus dem
 5.Kapitel bei Johannes und seine Bestätigung durch den Pfarrerkameraden
 damals bedeutet hat. Es hat ihm eben "das Leben" bedeutet, nämlich "Leben,
 auch wenn er sterben müßte"(11,25). Es hat ihm also auch ein neues
 Verhältnis zum Tod verschafft. Beim "Tod" ging es für ihn jetzt nicht mehr
 oder jedenfalls nicht mehr beherrschend um die Bedrohung, im Lager
 umgebracht zu werden, sondern um die schreckliche Möglichkeit, jenes
 andere, neue Leben zu versäumen, das Leben aus dem Wort Jesu, aus dem Hören
 auf ihn und aus dem Glauben an ihn. Er gewann, und darauf spitzte sich für
 den Gefangenen damals alles zu, auch ein anderes Zeitgefühl. Die Tage und
 Nächte im Lager blieben beängstigend und die Hoffnung auf Befreiung daraus
 dauerte an. Und Entscheidend war das Glaubenserlebnis, schon "vom Tode zum
 Leben hindurchgedrungen" zu sein.
 Das ist die unvergeßliche Erinnerung, auch für die, die später davon
 hörten. Zwar war die Situation ein Extremfall. Aber für jede Situation
 gilt, daß die Entscheidung über "Leben" und "Tod" in der Begegnung mit der
 Offenbarung des Wortes Christi fällt.@{b}

 WIR DANKEN DIR, HERR GOTT, DAß DU DEINEN SOHN JESUS CHRISTUS ZUM RICHTER
 ÜBER UNS GESETZT HAST. LAß UNS DAS LEBEN NIRGENDWO ANDERS SUCHEN ALS DURCH
 IHN BEI DIR! BEWAHRE UNS VOR DEM TOD IM UNGLAUBEN UND HILF UNS, GUTES ZU
 TUN. AMEN.@{ub}


@{i}                         Johannes 5,24-30@{ui}
@{b} Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten hören werden die
 Stimme des Sohnes Gottes, und sie hören werden, die werden leben.@{ub}
 Joh 5,25
 Können denn Tote hören? Diese Frage mag uns beschäftigen. Aber
 erstaunlicher und tröstlicher ist es doch, daß unser Herr ruft: Lebende und
 Tote. Jesus spricht nicht vom Tod, sondern vom Leben. Wenn immer der Tod
 der Sünde Sold ist, muß es um die Befreiung aus diesem Dasein im
 Todesschatten gehen. Deshalb werden wir gerufen, die Stimme des Guten
 Hirten zu hören. Jesus sagt es eindringlich: Hört; denn wer hört, wird
 leben! Er allein kann so sprechen, denn er hat dem Tode die Macht genommen.
 Zum Zeichen dafür hat sein Vater ihn aus dem Tod ins Leben gerufen. Dieses
 Geschenk des Lebens verspricht er denen, die ihm folgen, weil sie auf ihn
 gehört haben. Wer hört, wird leben. Das Versprechen gilt denen, die im
 irdischen Leben sind. Und es wird gehört von den Toten - so weit reicht die
 Stimme des Herrn. Darauf sollten wir bauen. Jesus macht keine leeren Worte.
 Wir können erfahren, daß wir als Hörende den Todesschatten hinter uns
 lassen. Darum steht hier der strahlende, mutmachende Satz: "Es kommt die
 Stunde und ist schon jetzt."                                         Br-N
                 @{b}Aus dem jüdischen Achtzehnbittengebet@{ub}     Gedicht

                 Du bist mächtig in Ewigkeit, Herr.
                 Du belebst die Toten,
                 du bist reich an Hilfe.
                 Du erhältst alles Lebende in Liebe,
                 belebst die Toten mit großer Barmherzigkeit.
                 Du stützt die Fallenden,
                 heilst die Kranken
                 und befreist die Gefesselten.
                 Du bewährst deine Treue denen,
                 die im Staube schlummern.
                 Wer ist wie du,
                 der Allmacht Herr!
                 Wer ist dir gleich,
                 ein König, der tötet und belebt
                 und das Heil erblühen läßt!
                 Getreu bist du,
                 die Toten wieder zu beleben.
                 Gelobt seist du, Herr,
                 der die Toten belebt.


@ENDNODE

@NODE "Johannes 5e" "Johannes 5,31-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 5,31-40@{ui}
@{b}                      Zeugnis für Jesus@{ub}
 Was wir gestern gelesen und gehört haben, ruft geradezu eine Frage hervor.
 Nehmen wir den Fall, daß auch ein Atheist das gelesen hätte und uns fragen
 würde: Wieso soll sich wirklich Leben und Tod an diesem Jesus entscheiden?
 Dann müßte ein Christ doch überzeugende Gründe dafür nennen können.
 Nehmen wir unser Verhältnis zu anderen Religionen. Vor allem trennt uns von
 ihnen doch eben unser Glaube an die Gottesoffenbarung in Christus. Wie
 können wir anderen nachweisen, daß für uns Christus unverzichtbar ist und
 daß wir nicht nur an "einen Gott" glauben? Was uns selbst betrifft, so
 haben wir den Glauben doch nicht als Dauerbesitz. Vielmehr wird er jeden
 Tag neu errungen werden. Am schlimmsten sind unsere Rückfälle in ein Leben
 ohne Jesus.
 Wie können wir dies in uns überwinden? Im Grunde sind diese Fragen ebenso
 alt wie das Christentum überhaupt. Sonst würde Jesu Rede bei Johannes nicht
 davon handeln. Ganz wesentlich ist am heutigen Abschnitt, daß er jegliche
 Beweismöglichkeit für die Autorität Jesu ausschließt. Es verneint sogar,
 daß Jesus über sich selbst etwas aussagen könnte. Alles steht auf dem
 Zeugnis Gottes selbst für den Sohn. Es ist das Zeugnis in der Schrift und
 in den "Werken", von denen das größte die Totenauferweckung mit der Gabe
 des ewigen Lebens ist. Praktisch heißt das: Wir können nur einladen, "zu
 ihm zu kommen". Wir lassen uns darauf ein, daß seine Einzigartigkeit nur
 "um eurer Rettung willen" betont wird, wie er sagt. Gerade dieses Wenige
 entspricht dem göttlichen Zeugnis von ihm und hat die Verheißung, daß es
 wirkt.@{b}

 WIR BITTEN DICH, HERR, FÜR DAS ZEUGNIS DEINER GEMEINDE IN DER VERKÜNDIGUNG,
 IN DER UNTERWEISUNG, IM GLAUBENSGESPRÄCH, IN EVANGELISATION UND MISSION.
 WIR BITTEN, DAß UNSER REDEN DEMÜTIGER DIENST AM ZEUGNIS VON DIR WERDE.
 AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 5,31-40@{ui}
@{b} Aber ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben hättet.@{ub}
 Joh 5,40
 Jesus steht während seiner dreijährigen öffentlichen Wirksamkeit immer neu
 in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten seines
 Volkes. Er bescheinigt ihnen, daß sie mit Fleiß die Schriften des Alten
 Testaments lesen und erforschen. Aber sie finden in ihrem Studieren immer
 nur eine Bestätigung der eigenen Frömmigkeit. Sie sehen nicht, daß das
 Herzstück des Alten Testaments, vor allem der Propheten, der Hinweis auf
 den kommenden Erlöser ist, der durch sein Wirken und Sterben neues Leben
 schenken will. Er, Christus wird das neue Reich aufrichten, das über den
 Tod und über die Sünde siegt.
 In Jesus Christus, dem menschgewordenen Wort Gottes, ist das Reich Gottes
 angebrochen. Die Zeitgenossen Jesu aber stoßen sich an der Unscheinbarkeit
 und Niedrigkeit des Heilands. Doch gerade dieser Weg der Selbsterniedrigung
 ist unsere Rettung. An Jesus vorbei finden wir trotz aller Frömmigkeit
 keine Vergebung der Sünden, kein Leben und keine Seligkeit.           D-L


@ENDNODE

@NODE "Johannes 5f" "Johannes 5,41-47"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 5,41-47@{ui}
@{b}                 Gottes Liebe in sich haben@{ub}
 Am Schluß der Rede Jesu kommt nun noch die Frage auf uns zu, "von wem wir
 Ehre suchen". Sie trifft uns, denn es ist eine prüfende Frage. Sie hat noch
 eine besondere Eindringlichkeit dadurch, daß sie uns noch weiter fragt, ob
 "wir Gottes Liebe in uns haben".
 Die Frage nach der "Ehre" prüft uns daraufhin, auf wessen Anerkennung wir
 bauen. Sie setzt Voraus, daß wir alle für ein sicheres, gutes Lebensgefühl
 persönliche Anerkennung brauchen. Wir gewinnen sie durch andere in der
 Familie, im Beruf, in der Gemeinde und in der Öffentlichkeit, vielleicht
 auch nur durch einen einzigen Menschen, dessen Urteil uns etwas wert ist.
 Manchem genügt aber auch die Anerkennung, die er vor sich selber hat.
 Wir kennen alle diese Möglichkeiten, und wir teilen auch manche davon.
 Jesus aber stellt ihr die andere gegenüber, Anerkennung durch Gott zu
 suchen und dadurch Sicherheit und Gewißheit des Lebens zu empfangen. Diese
 Gegenüberstellung ist gleichbedeutend damit, entweder aus dem "Gesetz" und

 aus dem Stolz auf uns selbst zu leben oder sich durch die Schrift auf Jesus
 weisen zu lassen. Gott hat ihn uns gesandt, und durch ihn verspricht er uns
 nicht nur das Leben, sondern er schenkt es uns auch.
 Eben damit stellt sich ganz tief in uns die Frage: Lieben wir Gott? Lieben
 wir ihn wirklich, wenn wir bekennen müssen, daß es auf seine Anerkennung
 ankommt? Ziehen wir Kraft aus dieser Anerkennung, und nur daraus und nicht
 aus dem Stolz über uns selbst? Das heißt: Leben wir wirklich und ganz im
 Glauben an ihn? Jesu ganze Rede ist ein Werberuf dazu.@{b}

 HERR, UNSER GOTT, DAS GESCHENK EINES ERFÜLLTEN UND IN DIR GEBORGENEN LEBENS
 IST GROß. WIR KÖNNEN ES NICHT FASSEN, DU ABER GIBST ES UNS TÄGLICH NEU.
 DAFÜR WOLLEN WIR DICH PREISEN IN DEINER GEMEINDE UND VOR DER WELT. AMEN.
@{ub}

@{i}                       Johannes 5,41-47@{ui}
@{b} Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre,
 die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?@{ub}  Joh 5,44
 Ehre - ein schillernder Begriff! Einerseits beschreibt er ein
 unverzichtbares Gut. Ehrlos zu leben wäre menschenunwürdig. Deshalb schützt
 Gott in seinem Geboten Ruf und Ehre des Menschen. Andererseits aber treiben
 wir Mißbrauch mit der Ehre, sind auf Lob und Anerkennung aus, und nicht
 wenige sind stolz auf Posten und Ehrenämter, mit denen sie ihr
 Geltungsbedürfnis befriedigen.
 Wir möchten, daß von dem Glanz der Ehre ein wenig auf unser graues,
 durchschnittliches Leben fällt. Wir versuchen, durch Leistungen die
 Anerkennung unserer Mitmenschen zu erringen.
 Da sagt einer: "Gut gemacht!", und wir strahlen. Ein Lob, und uns schwillt
 die Brust. Das alles bleibt aber eitel, solange die Frage nach Gott nicht
 geklärt ist. Das bißchen Glanz, das ich durch die Anerkennung von Menschen
 erreichen kann, reicht nicht aus, die Dunkelheit zu vertreiben, die meine
 Sünde verbreitet. Ich brauche einen ganz anderen Lichtglanz als menschliche
 Ehre. Ich brauche das Licht der Vergebung. Das ist die Ehre, die Gott mir
 antun will. Diese Ehre will ich suchen.                             L-C


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6a" "Johannes 6,1-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 6,1-15@{ui}
@{b}                     Das Wenige ist genug@{ub}
 Hätten wir Jesus besser verstanden als die Volksmenge, besser als Philippus
 und Andreas? Das meinen wir sicher nicht. Was Jesus tut, überschreitet die
 Grenzen des Verständlichen. Da denken die Jünger zwangsläufig an das
 Nächstliegende: Was würde es kosten, alle sattzumachen? Ihnen fallen nur
 die lächerlichen fünf Gerstenbrote und zwei Fische ein. Später überlegen
 alle, wie man sich die Anwesenheit Jesu, verbunden mit ihren Wohltaten, auf
 Dauer sichern könnte.
 Wir hätten bestimmt nicht anders gedacht. Uns verbindet sehr vieles mit
 denen, von denen wir lesen. Es waren - Gott sei Dank! - keine
 Ausnahmemenschen.
 Was aber ist das Wunder? Unter den Händen Jesu reicht das Wenige. Wenn er
 austeilt, werden alle satt, ja es bekommen alle, soviel sie wollen. Ob sich
 das eigentliche Wunder gar darin vollzieht, daß die Menschen etwas anderes
 wollen als sonst? Wir wollen doch sonst da, wo es nichts kostet, oft
 nehmen, soviel nur möglich ist, ob wir es brauchen oder nicht.
 Ist sattwerden auch ein Wunder? Mancher erinnert sich noch an Care-Pakete
 und Graupensuppe nach dem Krieg. Ja, es ist eines. Auch in unserer
 Geschichte hätte es dabei bleiben sollen, daß alle erkennen: Es ist ein
 Wunder Gottes, daß wir satt werden und haben, was wir zum Leben brauchen.
 Das aber wollen sich alle sichern. Zum König wollen sie Jesus machen. Doch
 dazu bleibt er nicht bei ihnen. Was bleibt, ist das Zeichen des Glaubens.
 Der Evangelienbericht zeigt uns, daß Menschen Grund hatten zum Glauben.
 Jesus hatte ihnen ein Zeichen dafür gegeben. Dieses Zeichen wirkt weiter.
 Jesus wirkt in ihm weiter, Gott sei Dank.@{b}

 HERR, UNSER GOTT! BARMHERZIGER VATER! WIR BITTEN DICH: LAß UNS FROH WERDEN
 ÜBER DEIN WIRKEN AN DEN MENSCHEN. SCHENKE UNS OFFENE AUGEN FÜR DIE
 VERÄNDERUNGEN IN DER WELT, DIE AUS DEM GLAUBEN KOMMEN. HILF UNS, HEUTE
 DANKBAR ZU SEIN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 6,1-15@{ui}
@{b} Jesus nahm die Brote, danke und gab sie denen, die sich gelagert
 hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten.@{ub} Joh 6,11
 Ich möchte gar nicht mehr wegschauen von diesem wunderbaren Bild.
 Fünftausend Männer haben sich um Jesus gelagert. Frauen und Kinder werden
 gar nicht mitgenannt, aber sie waren natürlich mit dabei. Es waren also in
 Wirklichkeit weit mehr über zehntausend Menschen. Und Jesus steht da und
 teilt aus, Brot und Fisch, Brot und Fisch. Keiner braucht sich
 vorzudrängeln, keiner braucht Angst zu haben, daß er zu kurz kommt. Die
 fünf Gerstenbrote und zwei Fische, über die Jesus das Dankgebet gesprochen
 hatte, sie reichen für alle. Sie reichen auch für Millionen und Milliarden.
 Wenn Jesus austeilt werden alle satt, dann bleibt immer etwas übrig. So
 reich ist der Herr. Er stillt auch unseren Hunger nach Sinn, nach
 Erfüllung, nach einem Leben, das sich lohnt.
 Wo wir seine Gabe mit Dank empfangen, da können wir mit Johannes bekennen:
 "Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade"(1,16".
 Da können auch wir weitergeben, himmlisches und irdisches Brot, damit alle
 sattwerden.                                                          S-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6b" "Johannes 6,16-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Johannes 6,16-21           @{ui}
@{b}                      Begegnung              @{ub}
 "Gottes Weg ist in den Flüssen und in den großen Wassergüssen, und du
 spürst nicht seinen Fuß" - heißt es in dem Lied "Wunderanfang, herrlichs
 Ende". Man möchte es zu dieser Geschichte singen, weil es Anfang, Mitte und
 Ende aller Gottestaten besingt. Etwas Alltägliches geschieht zu Beginn der
 Geschichte. Am Anfang der wunderbaren Brotvermehrung setzen die Jünger im
 Boot über nach Kapernaum. Mindestens Vier von ihnen sind erfahrene Fischer.
 Diesen See kennen sie wie ihre Westentasche. Doch mitten auf dem See
 geschieht das unheimliche Wunder der Begegnung. Ist diese Geschichte nicht
 eher ein Gleichnis als eine Wundergeschichte? Als ein Gleichnis für unsere
 Lebenszeit Können wir lesen. Damit fällt auf, daß die Aktivität der Jünger
 immer geringer wird. Entschlossen beginnen sie ihre Fahrt. Dann kommt der
 Sturm. Es wird schwierig. Schließlich begegnet ihnen Jesus. Da fürchten sie
 sich bloß noch. Doch Jesus nimmt ihnen die Furcht - und sie sind am Ziel.
 Es ist gut, diese Geschichte wie ein Gleichnis für unsere eigene
 Lebenserfahrung und Glaubenserfahrung zu lesen. Die schwierige Mitte der
 Geschichte fällt mit dem glücklichen Ende in eins, weil Jesus da ist. Der
 Liedvers vom Anfang sagt in ähnlicher Weise gleichnishaft etwas von Gottes
 Macht, die wir in den großen Wogen und dem Auf und Ab unseres Lebens nicht
 gleich spüren. "So auch in dem Meer der Sorgen hält Gott seinen Pfad
 verborgen, daß man nach ihm suchen muß." Zeigt er sich aber, dann
 überwaltigt und erschreckt uns seine Nähe wohl. Darum sagt Jesus: "Ich
 bin`s; fürchtet euch nicht."@{b}


 HERR, UNSER GOTT, NOCH WISSEN WIR NICHT ALLES, WAS UNS DIESER TAG BRINGT.
 JETZT SEHEN WIR NUR DAS NÄCHSTLIEGENDE. WIR BEFEHLEN DIR DEN TAG. HILF UNS
 UND UNSEREN MITMENSCHEN ZUR FREUDE. BEGEGNE UNS SO, DAß WIR UNS NICHT
 FÜRCHTEN MÜSSEN. AMEN.@{ub}



@{i}                   Johannes 6,16-21                        @{ui}
@{b}  Er aber sprach zu ihnen: Ich bin`s; fürchtet euch nicht  @{ub}
 Joh 6,20
 Es war schon zum Fürchten. Nacht und Sturm auf dem See Genezareth.
 Einsam kämpft sich das Boot der Jünger durch die Wellen. Da nähert sich
 eine Gestalt auf dem Wasser. Entsetzen und panischer Schrecken packt sie.
 Aber die Stimme Jesu klärt alles. "Ich bin`s!" Ich bin`s doch. Vorbei ist
 der Schrecken, gebannt die Furcht, wenn seine Stimme erkannt wird. Der
 Laut, der zuerst vielleicht zusammenzucken läßt, verwandelt die Nacht, den
 Abstand und die Unsicherheit. Ich bin`s! Das vertrauen kommt mit seinem
 Wort. Ich bin`s, den ihr kennt. Ich bin`s der Macht hat zu heilen und zu
 vergeben. Ich bin`s, der euch persönlich berufen hat. Ich bin`s, den ihr
 noch nicht ganz kennt und den ihr doch schon genug kennt. Ich bin`s, von
 dem ihr dachtet, er wäre über dem See - und der doch bei euch ist.
 "Fürchtet euch nicht!" Jesus erspart uns nicht die Furcht. Er ließ auch die
 Jünger zunächst allein in der Nacht und das Erschrecken gehen. Aber er will
 nicht, daß wir in der Furcht bleiben. Er will Vertrauen und Getrostheit. so
 wie er nach Ostern den erschrockenen Jüngern sagt: "Friede sei mit euch!"


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6c" "Johannes 6,22-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 6,22-29@{ui}
@{b}                     Gottes Zeichen sehen@{ub}
 Jesus stellt die Leute immer wieder vor Unbegreifliches. Gerade hatten sie
 erlebt, wie eine große Menschenmenge auf wunderbarer Weise satt geworden
 war. Jetzt entdecken sie, daß er auf ungewöhnliche Art ans andere Ufer
 gelangt sein mußte. Gestern lag nur ein Boot am Ufer, und Jesus war nicht
 eingestiegen - wie kam er dann über den See? Die Leute fragen ihn danach,
 aber er beantwortet ihre Frage nicht, sondern er geht auf die Haltung ein,
 die ihre Frage hervorbringt. Diese Haltung ist an das Sensationelle, das
 äußerlich Sichtbare und Beeindruckende gebunden. Die wunderbare Speisung
 und die geheimnisvolle Überquerung des Sees beschäftigen die Leute, doch es
 kommt auf etwas anderes an. Es gilt, Gottes Zeichen zu sehen, die im Tun
 Jesu aufleuchten.
 Gottes Zeichen sehen wir, wenn wir an den glauben, den er gesandt hat. Die
 wunderbare Speisung wird zum Bild dafür, was wir im Glauben empfangen,
 nämlich Nahrung, die zum ewigen Leben bleibt.
 Im heiligen Abendmahl erhalten wir solche unvergängliche Nahrung. Ihr
 heilsame Wirkung ist freilich an den Glauben gebunden. Im Glauben sehen wir
 in, mit und unter den äußeren Zeichen von Brot und Wein die Liebe dessen,
 der sich für uns geopfert hat. Gottes Liebe in diesen Zeichen sehen zu
 können und dankbar anzunehmen, das ist Glaube. Daß wir überhaupt glauben
 können und daß wir einzelnen Christen glauben, ist Gottes Werk an uns und
 mit uns. Gottes Werk besteht nicht im Sensationellen. Gott ist am Werk, wo
 Menschen vertrauend das in sich aufnehmen, was uns ewiges Leben gibt.@{b}

 HILF UNS, GOTT, DAß WIR BEI DEINEM WORT NICHT AN ÄUßEREN FRAGEN
 HÄNGENBLEIBEN. ÖFFNE UNS DAS VERSTÄNDNIS FÜR DIE ZEICHEN DEINER LIEBE, DIE
 DU UNS IN JESUS ZUGEWANDT HAST. STÄRKE UNS MIT DER NAHRUNG ZUM EWIGEN
 LEBEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 6,22-29@{ui}
@{b} Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum
 ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben.@{ub}  Joh 6,27
 Von Menschen, die den Hunger kennen, habe ich gelernt, den Unterschied
 zwischen der Speise, die vergänglich ist, und der Speise, die bleibt,
 einmal ganz anders zu verstehen, als ich es gewohnt war.
 Die Speise, die zum ewigen Leben bleibt, so sagen sie, besteht aus Brot und
 Fisch, Reis und Bohnen. Im Unterschied zu der Speise, die nicht bleibt, ist
 sie allerdings ein Ergebnis gerechten Teilens, eine Speise, die aus der
 Liebe kommt und dem Einsatz für Gerechtigkeit. -
 Die Menschen in unserer Geschichte suchen die Sättigung. das ist
 verständlich. Aber Jesus hat mehr gebracht. er hat ein Zeichen gegeben, ein
 Zeichen für das Reich Gottes, dessen Bürge er ist.
 Wir kennen Jesu Worte, wir wissen von seinem Tod und seiner siegreichen
 Auferstehung. Wir hören seinen Ruf. Er will uns ewiges Leben schenken. Ohne
 Sünde und Tod - auch ohne Hunger.. Als Menschen, denen so großes verheißen
 ist, müssen wir alles dafür tun, daß schon jetzt die Güter der Welt gerecht
 geteilt und die Hungrigen der Erde satt werden.                         R-P
 @{b}           Ein Glaubensbekenntis von den Philippinen@{ub}     Gedicht
                Wir glauben an Gott,
                der uns geschaffen hat
                und unter uns wirkt,
                der in Jesus Christus gekommen ist,
                zu befreien, zu versöhnen
                und alles neu zu machen.

                Wir vertrauen uns Gott an,
                der uns ruft, seine Kirche zu sein,
                die anderen zu lieben und ihnen zu dienen,
                Gerechtigkeit zu suchen
                und dem Bösen zu widerstehen,
                Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen,
                zu verkündigen,
                unseren Anwalt und unsere Hoffnung.

                Im Leben und im Tod ist Gott mit uns.
                Ihm sei Dank und Lob, Amen.


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6d" "Johannes 6,30-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 6,30-40@{ui}
@{b}                     Was der Vater gibt@{ub}
 Befremdend wirkt die Frage der Leute: "Was tust du für ein Zeichen?" Sie
 hatten ja gerade die wunderbare Speisung erlebt, aber nicht gesehen, was
 Gott ihnen damit zeigen wollte.
 So können Menschen Gottes wunderbares Tun erleben, ohne ihn darin zu
 erkennen und ihm zu glauben. Statt dessen berufen sie sich auf ihre große
 Tradition: Unsere Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, Brot vom
 Himmel empfangen. Was hast du dagegen zu bieten? Jesus antwortet wieder
 indirekt: Es geht nicht darum, was ich zu bieten habe, sondern was der
 Vater gibt, und er gibt das wahre Brot vom Himmel. Dieses Brot Gottes
 bringt der Welt das Leben.
 Jetzt reagieren die Leute positiv: "Herr, gib uns allezeit solches Brot."
 Was uns Leben gibt, möchten wir immer haben. Nach Leben verlangen alle, ob
 sie an Gott glauben oder nicht. Es gibt zwar keine Garantie dafür, daß das
 Leben gelingt, aber es gilt die Einladung Jesu, daß wir zu ihm kommen
 dürfen, um von ihm das Brot des Lebens zu empfangen. Und es gilt die
 Zusage, daß er keinen hinausstößt, der zu ihm kommt, auch wenn er mit
 Zweifeln und Schuld beladen ist oder unpassende Fragen stellt. Jesus
 erfüllt Gottes Willen, indem er den Menschen die Liebe des Vaters bezeugte
 und vorlebte. Er hat nicht nur keinen hinausgestoßen, der zu ihm kam,
 sondern er ist den Menschen nachgegangen, er hat sie gesucht wie die
 verlorenen Schafe, damit keiner der ihm Anvertrauten verlorenginge.
 Dieser Sendungsauftrag Jesu kommt zu einem Ziel, wenn Menschen ihn im
 Glauben annehmen.@{b}

 HERR UNSER GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß WIR KEINEN MANGEL AN LEIBLICHEN BROT
 LEIDEN MÜSSEN. HILF, DAß WIR AUCH DANKBAR ANNEHMEN, WAS UNS ZUR GEISTLICHEN
 NAHRUNG DIENT, UND GIB ALLEN MENSCHEN, WAS SIE FÜR LEIB UND SEELE BRAUCHEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 6,30-40@{ui}
@{b} Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß ich nichts
 verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich's auferwecke am
 Jüngsten Tage.@{ub}   Joh 6,39
 Was hat der Vater im Himmel Jesus gegeben? Vollmacht, Weisheit, Kraft für
 das Reich Gottes und die Menschen. Vor allem: Gott gab ihm Menschen, die
 bereit waren, auf die Liebe Gottes einzugehen.
 Manche Menschen wollen ihren Lebensweg allein gehen. Das respektiert Gott.
 Diese Menschen kann er nicht in Jesu Hände geben. Wer aber bekennt: Ich
 brauche die Heimat in der Liebe Gottes, den gibt der Vater in die Hand
 Jesu, damit dieses Leben in Zeit und Ewigkeit mit Gott entfaltet wird.
 Jesus führt den Willen Gottes aus. Er wacht mit großer Treue darüber, daß
 diese Menschen nicht aus dem Bereich Gottes verlorengehen. Verlorenes wäre
 nicht mehr da. Wir aber sollen für Gott da sein.
 Gegen die listigen und mächtigen Angriffe Satans bewahrt Jesus die
 Menschen, auch im Spott und in der Verachtung der anderen, auch im Leid.
 Das ist Jesu Ziel: Seine Menschen werden bei ihm sein in der großen
 Herrlichkeit Gottes, wenn Gott diese Weltgeschichte beenden wird. Was für
 eine Verheißung!                                                   Sch-K


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6e" "Johannes 6,41-51"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 6,41-51@{ui}
@{b}                     Von Gott gelehrt@{ub}
 Wie kann man eigentlich Glauben? So fragen Menschen, die sich darüber
 wundern, daß es immer noch Christen gibt. Auch uns Christen liegt diese
 Frage nicht fern, denn es schmerzt uns, daß so viele nicht glauben, auch
 Menschen, die uns nahestehen. Jesus sagt: "Es kann niemand zu mir kommen,
 wenn ihn nicht der Vater zu mir zieht."
 Glauben ist nicht unsere Leistung. es ist auch keine Fähigkeit, die geerbt
 wird, sondern Gottes Tat in uns. Nur von Gott Gelehrte können glauben. Dazu
 gehören Menschen mit einfacher Schulbildung ebenso wie Akademiker. Geistig
 Behinderte, die sich über die Zuwendung der göttlichen Liebe freuen, sind
 nicht weniger von Gott gelehrt als kluge Synodale, die darüber diskutieren,
 was ewiges Leben bedeutet. Kinder erweisen sich oft in überraschender Tiefe
 als von Gott gelehrt. Niemand ist von Gott her ausgeschlossen, wir können
 uns nur selber davon ausschließen, auf den Vater zu hören. Wie wir gestern
 gelesen haben, stößt Jesus keinen von sich, der sich zu ihm auf den Weg
 macht. Unser Glaube ist unser Weg zu ihm und zugleich mit ihm. Auf diesem
 Weg stärkt er uns durch das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
 Wir empfangen es, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden, in der Bibel nach
 seinem Willen fragen, im Gottesdienst gemeinsam mit den anderen sein Wort
 hören und ihm danken. Stärkung auf diesem Wege ist nicht zuletzt die Gabe
 des heiligen Mahles. Wir sind in der rechten Weise von Gott gelehrt, wenn
 wir uns im Abendmahl Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit schenken
 lassen.@{b}
 WIR DANKEN DIR, HERR, DAß DU UNS ZU DIR GEZOGEN HAST UND LAß DU UNS IM
 GLAUBEN BEWAHREN WILLST. GIB, DAß VIELE DER MENSCHEN, DIE NOCH NICHT AN
 DICH GLAUBEN, SICH VON DIR LEHREN LASSEN, DAMIT SIE DEN WEG DES EWIGEN
 LEBENS FINDEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 6,41-51@{ui}
@{b} Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem
 Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit.@{ub}   Joh 6,51
 Jesus sagt: "Ich bin das Brot, das euch Leben gibt." Er sieht die vielen,
 die nach einem gültigen Leben hungern, die sich nach Erfüllung und Freude
 sehnen. Ich denke an einen jungen Mann. Er sitzt auf den Stufen der
 Gedächtniskirche in Berlin. Er sieht aus wie 25, ist aber erst 16. Von zu
 Hause lief er weg. Die Eltern wissen nicht. wo er sich herumtreibt. Da
 kommt der Satz über seine Lippen: "Es ist doch alles zwecklos."
 Was heißt das nun, wenn Jesus diesem 16jährigen das Leben anbietet? Was den
 Jungen bis dahin getrieben hat, daß er sich so fallen ließ, das wird ein
 dichtes Knäuel fast unentwirrbarer Umstände sein. Leben heißt für ihn, die
 Entdeckung machen: ich werde geliebt. Ich bin angenommen. Auf welchen
 Stufen auch ein Mensch sitzt, vielleicht ganz drunten oder ganz am Ende -
 Jesus geht die Stufen zu ihm hinunter und gibt ihm zu verstehen: Komm und
 häng dich an mich, vertrau mir dein Leben an. Diese Einladung Jesu gilt
 nicht nur uns. Sie soll auch der Junge in Berlin erhalten, erfahren,
 erleben.                                                            R-S


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6f" "Johannes 6,47-51"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 6,47-51@{ui}
@{b}                      Brot wird gebraucht@{ub}
 Weil es Jesus ist, von dem wir lesen, nehmen wir das an, was er sagt und
 tut. Bei jedem anderen würden wir so etwas wohl ablehnen: Ein junger Mann
 macht auf sich aufmerksam. Aber das, was er sagt, ist verschlüsselt und
 schwer verständlich. Niemand begreift, was er meint. Dabei ist der
 Gegenstand gar nichts Kompliziertes, es ist Brot.
 Doch damit ist es in der zuvor erzählten Begebenheit ziemlich merkwürdig
 zugegangen. Zunächst wurden fünftausend Menschen, die ihm, dem jungen Mann,
 nach einer Krankenheilung zuhören wollten, mit fünf Gerstenbroten und zwei
 Fischen gesättigt. Anschließend konnte man noch zwölf Körbe mit Resten auf
 sammeln. Als dann die Sattgewordenen mehr von ihm wissen wollten,,
 behauptete er, er sei Brot vom Himmel. Doch viele kannten ihn. Er stammt
 aus Nazareth, ist der Sohn Josefs und Marias und heißt Jesus. -
 Der Anstoß, den manche Zeitgenossen an Jesus nahmen, ist auch für viele
 Menschen heute nicht geringer. Er, ein Mensch wie jeder andere, behauptet,
 Brot des Lebens zu sein, Brot, das vom Himmel kommt. Zugleich aber gibt er
 den Menschen Brot zu essen. Doch wir lesen, daß das sein eigenes Fleisch
 sei, dessen Genuß ewiges Leben zur Folge habe.
 Ist das zu verstehen? zusammen mit allen, die damit Mühe haben, wollen wir
 versuchen, das zu verstehen. Als Jesus auf die elementarsten Bedürfnisse
 der Menschen eingeht, Hunger und Sättigung, hat er alle auf seiner Seite.
 Aber diese einmalige Sättigung soll auch ein Zeichen sein, daß wir, so wie
 vom täglichen Brot, auch von der ewigen Liebe und Güte Gottes leben.
 Zugleich mit dem Essen und Sattwerden will Jesus auch das Begreifen und
 Verstehen hervorrufen, daß unser Leben seine Wurzeln in Gott hat und daß er
 uns Gott nahebringt.
 Hier wollen ihm seine Zuhörer nicht mehr folgen. Es ist keine
 leidenschaftliche Auflehnung, eher ein enttäuschtes Abbröckeln. Will Jesus,
 den sie doch alle kennen, sie wirklich Gott nahebringen? Es ist merkwürdig,
 aber genau das, worauf die ganze Geschichte hinausläuft: Als Jesus sich
 selbst den Menschen gibt, verliert er sie. Alle wollen selbständig und
 unabhängig sein. Dennoch gibt er sich selbst, achtet nicht auf sein Leben,
 verschwendet sich.
 Wenn wir ihn aufnehmen, nehmen wir zugleich Hoffnung auf inmitten von
 Hoffnungslosigkeit. Wir erfahren es im heiligen Abendmahl sichtbar und
 spürbar.@{b}
 HERR, LAß UNS NICHT NUR ESSEN UND SATTWERDEN, SONDERN AUCH HOFFEN UND
 DARAUF VERTRAUEN, DAß DU UNS ALLES, WAS DEM LEBEN DIENT, GEBEN WIRST. WIR
 BITTEN DAMIT AUCH UMS SATTWERDEN FÜR HUNGERNDE UND UM HOFFNUNG FÜR
 TRAURIGE. AMEN. @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6g" "Johannes 6,52-59"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Johannes 6,52-59@{ui}
@{b}                       Sein Fleisch essen?@{ub}
 "Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?" Das scheint eine
 berechtigte Frage zu sein. Ein wörtliches Verständnis der rede Jesu mußte
 höchst anstößig wirken und zu absurden Mißverständnissen führen. So wurde
 in den ersten Jahrhunderten den Christen vorgeworfen, daß sie in ihren
 Versammlungen Menschenfleisch äßen. Um ein solches Mißverständnis des
 heiligen Mahles auszuschließen, haben die reformierten Theologen im 16.
 Jahrhundert den symbolischen Charakter von Brot und Wein betont: Sie
 bedeuten Leib und Blut Jesu, und die heilsame Bedeutung seines Todes wird
 uns zuteil, wenn wir das Brot essen und den Wein trinken.
 Zwischen den Konfessionen gab es viel Streit um diese Deutung, denn die
 Lutheraner sahen im symbolischen Verständnis eine Schmälerung der Gabe
 Gottes. Sie wollten betonen, daß der Herr leiblich zu uns kommt, um unser
 ganzes Leben zu durchdringen, wenn wir im heiligen Mahl >Brot und Wein
 essen und trinken. Heute trennt dieser Streit unsere Kirchen nicht mehr,
 denn es ist unbestritten, daß Gottes Gabe, die er uns im Abendmahl schenkt,
 unser ganzes Leben und damit auch unsere leibliche Existenz verändert und
 erneuert. Beim Abendmahl denken wir nicht nur an Christi Opfertod und reden
 davon, sondern wir essen und trinken Brot und Wein als sichtbare Gestalten
 seines für uns gegebenen Leibes und Blutes. Darin verbindet er sich mit
 uns, und wir bleiben in seiner Gemeinschaft, de auch der Tod nicht aufheben
 kann. In der Verbindung mit Christus haben wir schon das ewige Leben.@{b}

 HERR, UNSER GOTT, WIR DANKEN DIR, DAß DU DICH UNS GIBST, DAMIT UNS NICHTS
 FEHLT, WAS WIR ZUM EWIGEN LEBEN BRAUCHEN. HILF, DAß DEIN WORT UND DIE GABE
 DER SAKRAMENTE UNS STÄRKEN IN DER GEMEINSCHAFT MIT DIR. AMEN.@{ub}


@{i}                        Johannes 6,52-59@{ui}
@{b} Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des
 Menschensohnes eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch.
@{ub} Joh 6,53
 Kein Mensch hat von sich aus das Leben. Leben kommt immer von außen. Leben
 ist immer Geschenk. Das Johannesevangelium bezeugt: Jesus Christus ist das
 Leben. Nur wenn wir an ihm Anteil haben, haben wir Leben in uns.
 Wie geschieht das?
 Es wird dadurch möglich, daß Gott Mensch geworden ist, daß er in Jesus
 Christus Fleisch und Blut angenommen hat. Gott hat sich ganz zu uns
 herabgelassen.
 Doch dadurch haben wir immer noch kein Leben in uns. Wie ein nicht
 gelesenes Buch im Bücherschrank dem Besitzer nichts nutzt, so vermittelt
 die bloße Tatsache, daß Jesus Mensch geworden ist, noch nicht das Leben. Es
 kommt vielmehr darauf an, Anteil an Jesus, Anteil am Leben zu bekommen. Das
 geschieht allein dadurch, daß wir glauben, daß wir dankbar annehmen, was er
 uns schenkt.
 Nirgends wird das so deutlich wie im Abendmahl. Hier hat sich Gott ganz zu
 uns heruntergelassen. Hier schenkt er sich uns ohne jeden Vorhalt. Wer
 Jesus vertraut und sich im Abendmahl in die Gemeinschaft mit ihm
 hineinnehmen läßt, der hat Leben in sich.                             W-W


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6h" "Johannes 6,60-65"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 6,60-65@{ui}
@{b}                      Eine harte Rede@{ub}
 "Eine harte Rede", sagten die Jünger. Sie finden es schwer, Jesus zu
 verstehen. Auch uns geht manches Wort Jesu schwer ein, obwohl wir im
 Unterschied zu den Jüngern nach Pfingsten leben und den lebendig machenden
 Geist schon empfangen haben. Was die Jünger als harte Rede empfanden, war
 das Zeugnis von der Menschwerdung Gottes, also der Inhalt der
 Weihnachtsbotschaft.
 Es mag gut sein, einmal mitten im Sommer daran zu denken. Daß Gott in dem
 armen Krippenkind Mensch wurde, haben wir mit einem schönen Kranz
 volkstümlicher Bräuche umwunden, so daß uns die Anstößigkeit dieser
 Verkündigung kaum bewußt wird. Eine ebenso harte Rede ist für unseren
 Verstand das Wort von der Himmelfahrt. Das der Menschensohn dorthin
 zurückkehrt, wo er vor seiner Menschwerdung war, bleibt für uns ein toter
 Lehrsatz, wenn wir nicht bekennen können: "Jesus Christus herrscht als
 König." Dazu kann uns nur Gottes Geist bewegen.
 "Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch taugt dazu nicht." Das
 meinte der Apostel Paulus im 1.Korintherbrief: Was Gott betrifft, weiß
 niemand außer dem Geist Gottes. Ohne ihn ist jede Rede von Gott eine harte
 Rede, dem menschlichen Verstand unzumutbar. Beim Glauben geht es aber nicht
 nur darum, daß wir eine Lehre annehmen oder als unzumutbar ablehnen,
 sondern es geht um eine persönliche Beziehung. Wer Jesus verrät, zeigt
 damit, daß er nicht an ihn glaubt. In der Gefahr, ihn durch unser Reden und
 Tun zu verraten, stehen wir alle. Es ist Gottes Gnade, wenn er uns davor
 bewahrt, und es ist die Wirkung seines Geistes, wenn die Worte Jesu unser
 Leben bestimmen.@{b}

 HERR, DU WEIßT, WIE GEFÄHRDET UNSER GLAUBE OFT IST. DOCH DU KANNST UNS
 DAVOR BEWAHREN, DAß WIR DICH MIT UNSEREN WORTEN ODER MIT UNSEREM TUN
 VERRATEN. SCHENKE UNS DURCH DEINEN GEIST AUCH HEUTE LEBENDIGEN GLAUBEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 6,60-65@{ui}
@{b} Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze.
@{ub} Joh 6,63
 Viele leiden darunter, daß es in unseren Gemeinden oft so lahm und kraftlos
 zugeht. Und bekümmert stellen sie fest, daß auch bei ihnen selbst nicht
 viel an frischem geistlichen Leben zu spüren ist. Doch wie kommt eine
 Gemeinde, wie kommt ein einzelner Christ zu neuem geistlichen Leben?
 Jesus sagt: durch den Heiligen Geist. Alle menschlichen Möglichkeiten
 dagegen, die die Bibel mit dem Ausdruck "Fleisch" zusammenfaßt, versagen.
 Durch keine noch so kluge Methode ist geistliches Leben zu schaffen. Wir
 sind in Glaubensdingen ganz und gar abhängig, daß Gott durch seinen
 heiligen Geist in uns wirkt.
 Das schmeckt uns "Machern" nicht. Kann ich wirklich nichts machen? Nein!
 Muß ich also die Hände in den Schoß legen und warten, ob der Heilige Geist
 mich irgendwann lebendig macht? Ebenfalls nein! Denn Jesus sagt gleich im
 nächsten Satz: "Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und
 sind Leben." Jesu Worte darf ich also begierig in mich aufsaugen, sie in
 meinem Herzen bewegen - so wird es bei mir und meiner Gemeinde lebendig.B-E


@ENDNODE

@NODE "Johannes 6i" "Johannes 6,66-71"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 6,66-71@{ui}
@{b}                    Schmerzliche Scheidung@{ub}
 Jesus erlebte, daß die Menschen zu ihm strömten, aber auch, daß sie sich
 von ihm abwandten. Viele von denen, die ein Stück ihres Lebensweges mit
 Jesus gegangen sind, haben die Verbindung zu ihm aufgegeben. "Wollt ihr
 auch weggehen?" fragt Jesus die zwölf Jünger.
 Wollt ihr euch, fragt er uns, etwa denen anschließen, die von Jesus
 abrücken, weil sie es für normal halten, etwas mitzumachen, nur weil es
 viele tun?
 Petrus antwortet mit einem Bekenntnis, das die vier Evangelisten
 unterschiedlich überliefern. Hier leitet er sein Bekenntnis mit einer
 Gegenfrage ein, die keine echte Frage ist: "Herr, zu wem sollten wir
 gehen?" Es gibt doch niemanden, bei dem wir finden könnten, was wir bei dir
 haben, nämlich ewiges Leben, meint er. Wir können doch nicht von dem
 weggehen, in dem uns Gott begegnet, um uns einer unbekannten Zukunft
 auszuliefern. Es gibt keine Alternative zu unserem Weg mit dem Herrn. Das
 ist eine klare Entscheidung für Petrus gewesen.
 Die Geschichte von der Verleugnung des Herrn durch Petrus zeigt aber, daß
 solche Entscheidung nicht vor dem Versagen bewahrt. Unser Glaube heute
 bietet keine Garantie dafür, daß wir jederzeit treu zu Jesus stehen. Es ist
 allein Gottes Gnade, wenn er uns zum Bekenntnis befähigt und vor dem
 Verleugnen bewahrt. Wir haben deshalb kein Recht, einen Jünger wie Judas zu
 verurteilen. Gott allein steht das Urteil zu, und er ist größer als unser
 Herz, das sich schnell über andere empört. Gott helfe uns, daß uns nie
 seine Worte des ewigen Lebens fehlen.@{b}

 DEINE WORTE DES EWIGEN LEBENS, HERR, MÖGEN MIT UNS GEHEN AN JEDEM TAG.
 BEWAHRE UNS DAVOR, DAß WIR UNS IN UNSEREM DENKEN, REDEN UND TUN VON DIR
 ABWENDEN. HILF ALLEN CHRISTEN, SICH ZU DIR ZU BEKENNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 6,66-71@{ui}
@{b} Von da an wandten sich viele seiner jünger ab und gingen hinfort nicht
 mehr mit ihm.@{ub}  Joh 6,66
 Jesus hat den Menschen, die mit ihm gezogen waren, sehr sachlich, aber
 ebenso deutlich gesagt: Es gibt Leute unter euch, die glauben nicht (V.64).
 Er hat aber daraus nicht gefolgert: Die sollen sich wegscheren! Die
 Entscheidung, zu bleiben oder zu gehen, nimmt er keinem ab. Aber er sagt,
 welchen Einsatz er erwartet von denen, die sich auf seinen Weg einlassen.
 Jesus geht es auch nicht darum, daß sich möglichst viele um ihn scharen.
 Als die große Menge weggeht, schaut er nicht mit ängstlichem Blick auf
 seine Getreuen und bittet: Bleibt wenigstens ihr bei mir! Er fragt sie:
 "Wollt ihr auch weggehen?" -
 In Sachen des Glaubens darf es keinen Zwang geben. Wer zu Jesus kommt, muß
 es aus eigenem Entschluß tun. Es geht schief, wenn wir versuchen, andere
 Menschen zu überreden oder mit sanftem Druck zum Glauben zu bringen.
 Immer wieder sind Menschen, die eine Zeitlang von Jesus begeistert waren,
 "weggegangen". Zu allen Zeiten aber hat der Geist Gottes Menschen dazu
 gebracht, daß sie sich auf Jesus einließen. Er will und wird das auch unter
 uns tun.                                                              D-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 7a" "Johannes 7,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 7,1-13@{ui}
@{b}                  Der richtige Zeitpunkt@{ub}
 Wenn wir uns an unser bisheriges Leben erinnern, fallen uns gewiß auch
 einige besondere Stunden ein: Wie es uns einmal gelungen war, für eine
 weittragende Entscheidung genau den richtigen Zeitpunkt zu erwischen; wie
 wir ein andermal jämmerlich versagt haben, so daß wir uns heute noch
 schämen, wenn wir bloß daran denken. In gewisse Entscheidungen haben wir
 uns auch gegen unseren Willen hineindrängen lassen, und zu spät mußten wir
 erkennen, in welche Unfreiheit uns dieser Fehler führte. Manchmal waren wir
 auch voreilig und wollten mit dem Kopf durch die Wand.
 Jesus hat sich nicht hinreißen lassen, ließ sich nicht unter Druck setzen.
 Im Johannesevangelium haben wir das schon einmal kennengelernt bei der
 Erzählung von der Hochzeit zu Kana, wo er seine Mutter ziemlich schroff
 zurückwies. Im heutigen Abschnitt sind es die Brüder, denen er eine Abfuhr
 erteilt: Ihr müßt schon mir überlassen, wann, und wo und wie ich in
 Erscheinung trete. "Meine Zeit ist noch nicht da", sagt er klar und
 geheimnisvoll zugleich. Wenig später geht Jesus und tut, was zu tun ist.
 Woher erhält Jesus die Gewißheit darüber, daß die Zeit reif ist?
 Wir empfinden einen großen Abstand zwischen Jesus und seinen Brüdern,
 zwischen Jesus und uns.
 Und doch: Laßt uns ihm nachfolgen! Jesus bleibt unabhängig; er gehorcht
 allein der Stimme seines Vaters im Himmel. Für Entscheidungen, die wir zu
 treffen haben, lernen wir daraus: Vorsicht, wenn uns Dritte in
 lebenswichtige Entscheidungen hineinreden wollen. Auch in unserem Leben
 bleibt Freiheit nur gewahrt, wenn wir geduldig auf ein Signal von Gott
 warten.@{b}
 HERR JESUS, WIE OFT SIND WIR UNSICHER IN UNSEREN ENTSCHEIDUNGEN. WIR FRAGEN
 DA UND DORT, WAS WOHL AM BESTEN SEI; WIR FÜHLEN UNS AUF MANCHE WEISE
 GEDRÄNGT, ETWAS ZU TUN, WOVON WIR GAR NICHT ÜBERZEUGT SIND. SCHENKE UNS
 FREIHEIT, UNS ALLEIN NACH DIR ZU RICHTEN. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 7,1-13@{ui}
@{b} Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit ist
 allewege.@{ub}   Joh 7,6
 Jesu Zeit und unsere Zeit, das ist nicht dasselbe. Wenn er zu seinen
 Brüdern sagt: "Eure Zeit ist allewege", dann meint er damit auch uns mit
 unseren alltäglichen Umgang mit der Zeit. Da planen und verplanen wir
 unsere Zeit aus eigenen Stücken. Da achten wir darauf, einen günstigen
 Zeitpunkt nicht zu verpassen, damit wir keinen Verlust erleiden. Da wollen
 wir ständig Zeit sparen, denn Zeit ist Geld, und stehen am Ende doch nur
 als die großen Verlierer da. - Jesus dagegen läßt den günstigen Termin des
 Beginns des Laubhüttenfestes verstreichen. Er zieht nicht nach Jerusalem,
 um dort vor den versammelten Pilgern seine Macht zu demonstrieren. Er
 wartet auf seine Zeit. Die aber wird von seinem Vater im Himmel bestimmt.
 Wenn diese Zeit gekommen sein wird, dann geht es nicht um Gewinn und
 Ansehen, sondern um den Verlust seines Lebens in Kreuz und Niedrigkeit.
 Denn nur so kann er uns retten, uns herausreißen aus aller vertanen Zeit
 und zu Gewinnern des ewigen Lebens machen.                           S-N
@{b}         Menschenzeit und Gotteszeit@{ub}                Gedicht
             Wieder ist ein Jahr vergangen. Herr - ich sage dafür Dank,
             wenn manch Wunsch und auch Verlangen in der Gegen-
             wart versank: Du bewirkst in Freud und Leid
             Menschenzeit und Gotteszeit.

             Ja, ich weiß, du willst uns tragen bis ins Alter jeden Tag. Du
             hebst an dein Herz die Fragen und willst trösten, wenn wir
             zag. Schenke uns Barmherzigkeit
             auf dem Weg zur Gotteszeit.

             Herr, du läßt die Sonne scheinen auf Gerecht und Unge-
             recht; deine Gnade kann vereinen unterm Regen Gut und
             Schlecht. Deine Güte reicht soweit.
             Danke für die Gotteszeit.

             Du hast mich ja angenommen, wie ich bin und wie ich war.
             Wie zu uns dein Reich kann kommen, sagen Jesu Worte
             klar. Mache uns zum Tun bereit:
             Umkehr in die Gotteszeit.
             @{i}         Anneliese Bungeroth@{ui}





@ENDNODE

@NODE "Johannes 7b" "Johannes 7,14-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 7,14-24@{ui}
@{b}                 Auseinandersetzung mit Jesus@{ub}
 Beim Laubhüttenfest kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Jesus. In
 seinem Reden und Tun verherrlicht er den himmlischen Vater. Die
 Schriftgelehrten bemühen sich eifrig und zum Lobe Gottes um die Erfüllung
 seines Gesetzes, erkennen aber in Jesus nicht den von Gott Gesandten. Jesus
 verteidigt sich mit den Worten, er suche nicht seine eigene Ehre, sondern
 die Ehre dessen, der ihn gesandt hat.
 Hier geht es nicht um eine theologische Diskussion, die für die Praxis
 keine Bedeutung hat. An einer zurückliegenden Begebenheit wird erläutert,
 daß die Juden nicht nach dem Willen Gottes urteilen. Jesus hatte einen
 Menschen geheilt, der 38 Jahre krank gewesen war. Das war am Feiertag
 geschehen. Der Geheilte hatte dann sein Bett nach Hause getragen. Die
 Gegner Jesu haben aber an einer so wunderbaren Heilung etwas zu
 kritisieren: "es ist heute Sabbat, du darfst dein Bett nicht tragen."
 (Johannes 5,10) Als sie erfahren,, daß Jesus dieses dem gerade Geheilten
 aufgetragen hat, wollen sie den Herrn gar töten, auch deshalb, weil er am
 Ruhetag einen Menschen gesund gemacht hat. Das ist in ihren Augen Arbeit
 und somit eine Verletzung des dritten Gebotes. Jesus gibt daraufhin zu
 bedenken: Der Vollzug der Beschneidung als Kennzeichen der Zugehörigkeit
 zum alten Gottesvolk ist am Sabbat erlaubt. Wenn nun der ganze Mensch
 geheilt wird, das soll nicht erlaubt sein?
 Sowohl die Gabe des Feiertages als auch die wiederhergestellte Gesundheit
 sind Grund zur Freude. Freuen wir uns mit an der Freude anderer?@{b}

 LIEBER HIMMLISCHER VATER! WIR BITTEN DICH, LAß UNS DIE GABEN DANKBAR
 WAHRNEHMEN, DIE DU UNS TÄGLICH SCHENKST. ERHALTE UNS DEN GLAUBEN AN DEN
 ERLÖSER, UNSERN HERRN JESUS, DEN DU ZU UNSEREM HEIL GESANDT HAST. AMEN.
@{ub}

@{i}                       Johannes 7,14-24@{ui}
@{b} Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.
 Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von
 Gott ist.@{ub}   Joh 7,16.17
 Noch einmal geht es um Jesu Legitimation. Wer gibt Jesus das Recht, im
 Namen Gottes zu sprechen? Seine Gegner werfen ihm die fehlende theologische
 Ausbildung vor. Nach ihrer Meinung kann nur der die Schrift verstehen, der
 bei einem Schriftgelehrten in die Schule gegangen ist. Jesus ist von keinem
 Schriftgelehrten ausgebildet worden. Was er sagt, kann deshalb nach
 Auffassung der Gegner nicht den Anspruch erheben, göttliche Wahrheit zu
 sein. Es ist in ihren Augen nicht anders als menschliche Überheblichkeit.
 Jesus geht auf diesen Vorwurf ein. Er entkräftet ihn durch einen einfachen
 Gedankengang: In seiner Lehre beruft er sich gar nicht auf Schriftgelehrte,
 sondern auf Gott selbst. Und es läßt sich feststellen, ob er damit Gottes
 Ehre oder die eigene Ehre sucht. Vertritt Jesus Gottes Ehre, redet er auch
 in göttlicher Vollmacht. Das kann man aber nicht theoretisch entscheiden.
 Nur wer seine Lehre befolgt, wird erkennen, daß Jesus in voller
 Übereinstimmung mit Gott steht.                                     St-B

@{b}                Rückblick@{ub}                          Gedicht
                    Dein Wille ist geschehen
                    in den Tagen. an denen ich glücklich war,
                    an denen ich Liebe empfangen
                    und Erfüllung und Freude gefunden habe.
                    Alles Glück ist in Gefahr. Das hast du bestimmt.
                    Ich bejahe deinen Willen.
                    Dein Wille ist geschehen
                    auch auf allen dunklen Wegen
                    des Elends und der Angst.
                    Ich danke dir, daß ich nicht zugrunde ging.
                    Ich danke dir, daß ich meine Schuld nicht büßen muß.
                    Ich danke dir, daß ich eins bin mit dir
                    und nicht zerfallen mit mir selbst.
                    Dein Wille ist meine Kraft
                    in meiner Schwäche.
                    Ich nehme deine Kraft an und vertraue ihr.
                    Dein Wille ist es, der mich weiterführt
                    bis zum Ende meiner Tage und weiter.
                    Dein Wille geschieht. Ich bitte dich,
                    daß er geschieht, auch durch meinen Willen.
                    @{i}             Jörg Zink@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 7c" "Johannes 7,25-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 7,25-30@{ui}
@{b}                      Die Herkunft Jesu@{ub}
 Die Auseinandersetzung mit Jesus geht weiter. Einige wundern sich, daß er noch
 frei und öffentlich reden kann. Ist Jesus inzwischen als der erwartete
 Heilsbringer anerkannt worden? Das kann nicht sein, denn woher der Messias
 einmal kommen wird, ist ein Geheimnis, die Herkunft Jesu aber ist bekannt. Nun
 kann man viel von einem Menschen gehört haben , man kann ihm auch schon
 begegnet sein und mit ihm gesprochen haben, aber dadurch weiß man eigentlich
 noch nichts von ihm.
 Erst recht gilt das von Jesus. Man kann im Neuen Testament alles über ihn
 gelesen haben und ihn doch nicht kennen, Das steht hinter den Worten, die
 Jesus laut ausruft: "ihr kennt mich und wißt, woher ich bin. Es ist ein
 Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt."
 Normalerweise werden, wenn es um die Herkunft geht, die Eltern genannt, aber
 das reicht bei Jesus nicht. Wer eine Biographie schreibt, der beschäftigt sich
 auch mit der Familie und der Kindheit des Betreffenden, er überprüft vieles.
 Was Jesus von seiner eigentlichen Herkunft sagt, kann nicht überprüft werden.
 Es ist nur dem Glauben zugänglich, daß er von dem lebendigen Gott kommt, "den
 ihr nicht kennt". Das ist ein scharfer Vorwurf gegen die, die nach Gott fragen
 und sich bemühen, ihm zu Gefallen zu leben. Die Zuhörer empfinden die Worte
 des Herrn als Hochmut, und das ist in ihren Augen eine Gotteslästerung. Sie
 ziehen die Konsequenz, Jesu zu beseitigen. Er ist aber nicht von dem Vorhaben
 der Menschen abhängig. Nach Gottes Plan ist die Stunde seines Todes damals
 noch nicht gekommen.@{b}

 HERR, UNSER GOTT! WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS DEN GLAUBEN AN JESUS GESCHENKT
 HAST. WIR BITTEN DICH, FESTIGE DAS VERTRAUEN AUF DEN ERLÖSER IN UNS, DAß WIR
 IHN ALS DEN VON GOTT ZU UNSEREM HEIL GESANDTEN ERKENNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 7,25-30@{ui}
@{b} Wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird
 niemand wissen, woher er ist.@{ub}   Joh 7,27
 Niemand kennt den Messias, bevor er sich seinem Volk offenbart. Die Herkunft
 des Messias bleibt geheimnisvoll. Dies ist die in Israel verbreitete Meinung.
 Darum kann der Zimmermannssohn aus Nazareth nach Ansicht der Gläubigen in
 Jerusalem nicht der Messias sein. Die überlieferte Lehre vom Messias trifft
 auf Jesus von Nazareth nicht zu. Viele Menschen kennen Jesus von Kindheit an.
 Seine Familie ist in Nazareth ansässig. Das Bild, das man vom Messias hat,
 hindert die Leute daran, aufmerksam auf Jesu Worte zu hören. So verstehen die
 Gläubigen in Jerusalem nicht, daß Jesus selbst auf seine wahre Herkunft
 hinweist: "Es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat" (V.28). Jesus weiß,
 daß Gott ihn gesandt hat. Er lebt in der unmittelbaren Nähe Gottes und ist
 doch als einer aus dem Volk Israel seinem Volk und allen Völkern nahe. Seine
 Verborgenheit besteht darin, daß er sein leben öffentlich führt.
 Dieses Geheimnis übersteigt auch heute unser Wissen und Erkennen.       W-Mo


@ENDNODE

@NODE "Johannes 7d" "Johannes 7,31-39"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 7,31-39@{ui}
@{b}                        Freude am Leben@{ub}
 Einfache Menschen haben die Taten Jesu schnell bekanntgemacht. Viele glauben
 an ihn. Andere sprechen zumindest die Vermutung aus, daß er der erwartete
 Erlöser sei. Es können kaum noch mehr Zeichen dafür gesetzt werden, als Jesus
 es schon tut. Die Tempelbehörde greift ein. Sie erteilt den Auftrag, Jesus
 vorzuführen. Die Diener hören ihm zu, verstehen den Sinn seiner Worte aber
 nicht. Sie vermuten, er wolle die Gegend verlassen. Jesus sagt am letzten Tag
 des Laubhüttenfestes: "Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen
 Leib werden Ströme des lebendigen Wassers fließen."
 Das Laubhüttenfest ist das jüdische Erntedankfest, auf dem um Regen für das
 nächste Jahr gebetet wird. Ausreichende Wasserversorgung ist eine
 Existenzfrage. Das nimmt Jesus auf. Er sagt, der Mensch brauche zum Leben mehr
 als nur genügend zu essen und zu trinken. So kann etwa der Wert eines Festes
 nicht an der Menge der dazu bereiteten Speisen und Getränke messen werden,
 sondern an den Möglichkeiten, Menschen zu begegnen und wirkliche Freude zu
 erleben. Es heißt im Neuen Testament: "Das Reich Gottes ist nicht Essen und
 Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist."
 (Römer 14,17)
 Gottes Geist ist der Erneuerer unseres Lebens. Das alles können wir gehen von
 ihm aus. Gottes Geist ist damit gemeint. Gott selbst begegnet uns, wenn wir
 uns zu Jesus wenden und ihm nachfolgen. Jesus sagt, daß uns diese Nachfolge
 Freude am Leben schafft und Freude auf ein Leben, das nicht enden will.@{b}

 BARMHERZIGER VATER! DU WEIßT, WIE KÜMMERLICH ES OFT IN UNSEREM LEBEN AUSSIEHT.
 ERINNERE UNS BITTE AN DEINE ZUSAGE, GIB UNS KRAFT ZUM VERTRAUEN, SO DAß DIE
 FREUDE STETS IN UNSEREN HERZEN ERNEUERT WIRD. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 7,31-39@{ui}
@{b} Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und
 rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!@{ub}   Joh 7,37

 Sieben Tage dauerte das Fest in Jerusalem. Und der letzte Festtag ist der
 wichtigste und schönste. Wenn alle sich im Tempel zum Morgengebet versammeln,
 wird feierlich Wasser gereicht. Die Priester haben es aus der Siloahquelle
 geschöpft und um den Altar getragen. Das ist der Augenblick, wo Jesus
 einladend ruft: "Wen dürstet, der komme zu mir!"
 Wer das Gefühl hat, seine Seele vertrockne vor lauter Angst und Sorge, der
 schütte sein Herz vor mir aus, sagte Jesus. Er weiß, was dem Menschen guttut.
 Jesus weiß, daß ein leben ohne Gott ein verdurstendes Leben ist. Und ein Leben
 ohne Liebe auch. Menschen, die an solchem Durst leiden, werden eingeladen:
 Kommt und trinkt! Kommt und glaubt! Wer die einladende Stimme hört und ihr
 folgt, der wird sein Kommen nicht bereuen. Und denen, die kommen, reicht Jesus
 den Kelch und sagt: "Trinkt alle daraus."
 Kommen und trinken - das ist glauben. So einfach ist das. In seiner Liebe gibt
 Jesus uns das, was wir zum Leben brauchen und uns vor dem Verdursten bewahrt.
                                                                        H-Le


@ENDNODE

@NODE "Johannes 7e" "Johannes 7,40-52"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 7,40-52@{ui}
@{b}                 Ergebnisloses Streitgespräch@{ub}

Die Jesus zum Verhör bringen sollen, kehren unverrichteterdinge zurück. Sie
 sind überwältigt von seiner Rede. Nach dem Inhalt der Worte Jesu fragen die
 Hohenpriester und Pharisäer nicht. Sie werden als Menschen dargestellt, die
 sich selbst und jeden, der es hört, abstreiten, daß Jesus der verheißene
 Messias ist. Auf Grund ihrer vorgefaßten Meinung schließen sie jeden Irrtum
 aus. Wer anderes zu bedenken gibt, wird mit der Anklage belegt: "Habt ihr euch
 verführen lassen?" Wer vom Volk auf Jesus hört und nachdenklich wird oder ihm
 gar glaubt, wird mit den Worten, nichts vom Gesetz zu wissen, abgetan.
 Aber auch der Hohe Rat und die Pharisäer sind nicht alle einer Meinung.
 Unter ihnen ist Nikodemus, der mit Jesus schon einmal unter vier Augen
 gesprochen hat. Er gibt zu bedenken; Auch nach dem Gesetz muß man erst einen
 Menschen anhören, bevor man ihn verurteilt. Mit einer knappen Antwort wird
 dieser Einwand außer Kraft gesetzt: "Bist du auch ein Galiläer? Forsche und
 sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf."
 Die Antwort läßt erkennen: sie sind zu keinem sachlichen Gespräch bereit. Ihre
 Sicherheit verführt sie zur Unkorrektheit gegenüber dem Gesetz. Sie lassen
 sich von ihrer feststehenden Meinung nicht abbringen.
 So bleibt das Streitgespräch ohne Ergebnis.
 Wir haben uns zu überprüfen, ob wir beim Gespräch über den Glauben an den
 Erlöser sachlich bleiben. Wenn wir mit anderen über Jesus sprechen, wird es
 sicher nicht immer ein befriedigendes Ergebnis für jeden haben. Gut ist aber,
 wenn solche Gespräche zum weiteren intensiven Hören auf Jesus anregen.@{b}

 LIEBER VATER IM HIMMEL! WIR BITTEN DICH, GIB DAß WIR BEREIT SIND, ÜBER UNSEREN
 GLAUBEN AUSKUNFT ZU GEBEN. SCHENKE, DAß WIR DABEI SACHLICH BLEIBEN UND DAß DIE
 LIEBE ZU DIR UND DEN MITMENSCHEN UNS LEITE. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 7,40-52@{ui}
@{b} Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser.@{ub}   Joh 7,46

 Die Knechte des Hohen Rates, die Jesus hätten gefangennehmen sollen, können
 den Befehl nicht ausführen. Jesu Worte hatten sie tief getroffen und
 beeindruckt. So etwas hatten sie nie gehört. Ihnen ergeht es dabei so wie
 vielen anderen Menschen auch, von denen die Evangelien uns berichten: Die
 Worte Jesu zielen bis ins Innerste eines Menschen. Sein Wort weckt
 grenzenloses Vertrauen, ermutigt zu neuen, ungeahnten Schritten. Sein Wort
 vertreibt Krankheiten und gebietet den Gewalten der Natur. Jesus redet so wie
 sonst kein anderer Mensch, weil bei ihm Person und Wort eine völlige Einheit
 bilden. Er selber ist das Wort, das er spricht. Ein solches Wort kann niemand
 unberührt lassen. Auch die Hohenpriester und Pharisäer läßt dieses Wort nicht
 kalt. Aber ihnen ist es anstößig. Sie versuchen, Jesus zum Schweigen zu
 bringen.
 Wissen die Hohenpriester und ihre Knechte, daß Gott selbst sie in diesem Wort
 anspricht? Wo Jesus - damals wie heute - Menschen in seinem Wort begegnet, da
 bleibt nichts gleichgültig. Da geht es um nichts weniger als um Rettung oder
 Verlorensein.                                                        So-D


@ENDNODE

@NODE "Johannes 7f" "Johannes 7,53-8,11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 7,53-8,11@{ui}
@{b}                 Die Gnade des Neuanfangs@{ub}

Wenige Geschichten des Neuen Testaments haben auf Außenstehende eine solche
 Wirkung ausgeübt wie unsere. Sie steht nicht in den ältesten Handschriften des
 Evangeliums. Ob sie so geschehen ist, läßt sich nicht nachweisen. In
 eindrücklicher Weise macht sie deutlich, wo die Mitte der Botschaft Jesu
 liegt. Wer anschaulich machen will, was "Evangelium" heißt, der kann es
 besonders gut mit dieser Geschichte tun. Die knappe Szene ist so überzeugend
 geschildert, daß man sich ihrer Wirkung kaum entziehen kann:
 Eine Frau auf frischer Tat im Ehebruch ergriffen. Welche Anteile ein Mann
 daran hat, spielt für die Ankläger keine Rolle. Nach dem Gesetz müssen beide
 sterben (3.Mose 20,10). Die Männer haben die Frau ertappt. Der Fall scheint
 klar. Wie wird sich Jesus verhalten? - Er schreibt mit dem Finger auf die
 Erde. Die Spannung steigert sich. Die Ankläger drängen auf Antwort. Und dann
 sagt der Herr das Wort, das zum Sprichwort wurde: "Wer unter euch ohne Sünde
 ist, der werfe den ersten Stein auf sie." - Wie geschlagene Hunde gehen sie
 davon, die Schriftkundigen, einer nach dem andern. Keiner wagt es, den Stein
 zu werfen. Niemand kann von sich behaupten, er sei ohne Sünde. - Die
 Begegnungen Jesu mit der Frau ist damit nicht zu Ende. Er spricht sie nicht
 frei von Sünde, aber er verdammt sie nicht. "Gehe hin und sündige hinfort
 nicht mehr." Die Frau erlebt, daß Jesus die Gnade des Neuanfangs schenkt. Ihm
 geht es darum, daß der Sünder frei wird von Sünde und Schuld.
 Wem das Wort von der Vergebung gesagt ist, der kann nicht leben wie bisher.
 Gnade schenkt neues Leben.@{b}

 HERR, SCHNELL GERATEN WIR IN DIE ROLLE DER ANKLÄGER. LEHRE UNS ERKENNEN, DAß
 WIR NUR LEBEN KÖNNEN, WENN DU UNS UNSERE SÜNDEN VERGIBST. HERR, ERBARME DICH!
 AMEN.
                        Ich habe ein Wort gefunden@{ub}      Gedicht

                        Ich habe ein Wort gefunden,
                        dafür will ich dir danken:
                        Du suchst nicht den Gesunden,
                        du bist ein Arzt der Kranken.

                        Das will ich nicht vergessen,
                        will bei dem Wort mich halten,
                        will mir's ins Herze pressen,
                        die Hände drüber falten.

                        Ich möchte gern gesunden:
                        Du bist ein Arzt der Kranken.
                        Das Wort hab ich gefunden,
                        dein Wort! - Darf ich dir's danken?
                        @{i} Rudolf Alexander Schröder


                           Johannes 7,53-8,11@{ui}
@{b} Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich
 niemand verdammt?@{ub}    Joh 8,10

 Eine Frau wird beim Ehebruch ertappt. Männer zerren sie zu Jesus und zeigen
 mit dem Finger auf sie. Nach jüdischem Verständnis muß sie gesteinigt werden.
 Aber in diesem Fall wollen die Gegner Jesu ihm auch eine Falle stellen; mehr
 noch, sie wollen ihn zu Fall bringen. Wenn er nämlich diese Frau verurteilt,
 ist er nicht der Heiland der Sünder, wie er immer behauptet. Wenn er sie
 freispricht, kann er nicht zu Gott gehören. Jesus ist in der Zwickmühle. So
 denken seine Gegner.
 Jesus aber spricht die Ankläger an. Er verwickelt sie selber in diesen Prozeß.
 Der Frau aber begegnet er mit dem Wort der Befreiung. Jesus verharmlost die
 Schuld nicht. Er vergibt sie. Die Frau bleibt verantwortlich für das, was sie
 getan hat. Aber Jesus schenkt ihr aus aller Schuld heraus einen befreiten
 Anfang. Jesus wäre der einzige gewesen, der den Sein hätte werfen können. Und
 er verbietet, daß Schuldige andere Schuldige anklagen und verurteilen.    G-W


@ENDNODE

@NODE "Johannes 8a" "Johannes 8,3-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Johannes 8,3-11@{ui}
@{b}            Gemeinde Jesu - Gemeinde begnadigter Sünder@{ub}

 "Was sagst du?" Ja, was soll Jesus dazu sagen? Fragt man ihn doch, damit man
 ihn fangen kann. Sagt er: "Steinigt die Frau", so verleugnet er seine eigene
 Sendung. Denn er ist doch gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.
 Sagt Jesus aber: "Laßt die Frau unbehelligt", so wendet er sich gegen Mose und
 das Gesetz Gottes, denn das Gesetz verlangt Bestrafung des Sünders.
 Auch das ist Jesus unmöglich. Er ist nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen,
 sondern zu erfüllen.
 Was nun also? Er muß einen dritten Weg gehen, eine Lösung der Schuldfrage, die
 der Sendung Jesu entspricht und zugleich auch das Gesetz Gottes ernst nimmt.
 Damit, daß Jesus nicht sofort antwortet, sondern in den Sand schreibt, schafft
 er eine Bedenkzeit. Und damit, daß er denjenigen, der ohne Sünde ist,
 auffordert, den ersten Stein zu werfen, zwingt er sie alle, über sich selbst
 nachzudenken. Nicht ein einziger findet sich, der den Mut hat zu behaupten, er
 sei ohne Sünde und habe das Recht, die Frau zu verurteilen. Jeder wird
 überführt, daß er selbst ein Sünder ist.
 In der Nähe Jesu redet das Gewissen des Menschen sehr deutlich. Da vergeht es
 ihm, andere zu verurteilen. Übrigens, was hätten wir getan, wenn wir in der
 Schar der Ankläger gestanden hätten?
 Da haben wir noch nie gestanden?
 Doch, da stehen wir oft, und zwar bei unserer Arbeit, in der Gemeinde oder
 auch in der Familie. Bitte werfen sie keinen Stein, weder den ersten noch den
 zweiten. Wir setzen uns sonst an die Stelle des Richters, die allein Gott
 zusteht. Immer wenn wir andere verurteilen, werden wir dreifach schuldig. Wir
 nehmen den Platz ein, der Gott gehört. Wir erheben uns über unseren Nächsten.
 Wir tun so, als ob wir ohne Schuld wären. Wer selbst Sünder ist - und das sind
 wir alle - Gehört nicht in die Reihe der Ankläger. Er gehört an die Seite der
 Frau. Vor Jesus entsteht eine Solidarität der Sünder und zugleich entsteht
 dort durch Jesu Vergebung die Gemeinschaft der Heiligen, die Gemeinde Gottes.
 Wer das erlebt hat, nämlich Erkenntnis der eigenen Sünde und völliger
 Freispruch, für den gibt es nur noch einen Lebensauftrag, die Menschen zu
 Jesus zu rufen. Denn bei ihm gilt: "Wer seine Sünden leugnet, dem wird es
 nicht gelingen. Wer sie aber bekennt und läßt, den wird die Barmherzigkeit
 umfangen" (Sprüche 28,13).@{b}

 HERR, VERGIB UNS, DAß WIR UNS OFT IN DIE SCHAR DER RICHTENDEN GESTELLT HABEN.
 WIR BRAUCHEN VERGEBUNG. HILF UNS, UNSERE SÜNDE ZU BEKENNEN UND ZU LASSEN UND
 IN DER VERGEBUNG ZU LEBEN. AMEN.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 8b" "Johannes 8,12-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 8,12-20@{ui}
@{b}                    Das Licht des Lebens@{ub}

 Das Johannesevangelium ist wie eine vielgestaltig gehaltene Predigt. Der
 Evangelist kleidet seine Verkündigung in Geschichten, Begegnungen und
 Streitgespräche. Eine Biographie können wir aus seinen eindrucksvollen
 Berichten nicht zusammenstellen, obwohl immer wieder Einzelheiten des Lebens
 Jesu auftauchen.
 In unserm Kapitel finden wir kunstvoll gestaltete Streitgespräche mit den
 Juden, besonders mit den Pharisäern. Wir gehen fehl, wenn wir darin nur
 Auseinandersetzungen sehen mit frommen Juden in der Umgebung Jesu. Die
 Pharisäer stehen hier für alle Menschen, die die Botschaft Jesu in Frage
 stellen, die ihn nicht verstehen. Sie stehen besonders für fromme Leute, die
 es ernst meinen mit ihrem Glauben, in deren Vorstellungen aber Jesus mit
 seinen unerhörten Worten nicht paßt. Wenn also von den Pharisäern gesprochen
 wird, sollen wir uns getrost persönlich einbeziehen lassen.
 In unserm Abschnitt geht es um die Einheit von Gott und Jesus. Was ist das für
 ein Anspruch: Wer Jesus kennt, kennt Gott!
 Jesus ist also nicht der außergewöhnliche, hervorragende Mensch, dessen
 Vorbild es nachzueifern gilt. Das könnte von vielen Großen der
 Menschheitsgeschichte gesagt werden.
 Wer Jesus sieht, der sieht Gott; und wer Gott sehen will, der schaue auf
 Jesus! Unser Leben wird nicht reichen, um diese Gleichung wirklich zu
 verstehen. Wir werden uns an die Worte halten müssen, die uns von ihm
 überliefert sind. Jesus ruft uns in seine Nachfolge. Wer ihm folgt, wird
 erleben, daß Jesu Wort das Licht auf seinem Wege sein wird. Er wird ihn als
 das Licht der Welt bezeugen.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, LAß UNS DEIN WORT HÖREN, IHM GLAUBEN UND VERTRAUEN, SO
 DAß WIR DEN WEG DER NACHFOLGE GEHEN KÖNNEN. WEISE UNS DEN WEG. DU BIST DAS
 LICHT DER WELT. MACH AUCH UNSER LEBEN HELL. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 8,12-20@{ui}
@{b} Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in
 der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.@{ub}  Joh 8,12

 "Ich bin das Licht der Welt." Mit diesen Worten sagt Jesus zugleich: "Ich bin
 der, von dem die Schrift von der ersten Seite an redet." Jesus ist das Licht,
 von dem es in der Bibel heißt, daß es gut war. Er ist das Licht für die
 Menschen, das Leben schenkt. Dann aber sagt Jesus mit diesen Worten auch: "Ich
 bin der, auf den die Propheten hingewiesen haben."
 Jesus ist das große Licht, das denen scheint, die im Finstern wandeln. So
 heißt es bei Jesaja. Er ist das Licht, ist die Hoffnung für die Völker.
 Und Jesus ist das Licht, das in die Welt gekommen ist und auf das die Frommen
 in Israel seit Generationen warteten.
 Wenn Jesus sich als Licht der Welt vorstellt, dann ruft er damit auf, ihm zu
 folgen.
 Einst führte Gott sein Volk in der Feuersäule aus Ägypten und wies ihm den Weg
 aus Knechtschaft und Finsternis. So will Jesus auch uns den Weg zum Leben
 führen. In seinem Licht geht keiner in die Irre. Keiner, der sich ihm
 vertrauensvoll anschließt, bleibt dem Dunkel, der Ungewißheit und der Angst
 überlassen.                                                            Wi-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 8c" "Johannes 8,21-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 8,21-30@{ui}
@{b}                     Jesus und die Macht@{ub}

 Warum äußert sich Jesus nur in so rätselhaften Worten? Was will er den
 schriftkundigen und weisen Gottesmännern denn wirklich sagen? Will er das
 Leitungsgefüge der Tempelbehörde umkrempeln, indem er sich "obenan" setzt und
 die angestammten "leitenden Geistlichen" nach unten dirigiert? Und wie sollen
 die Gesprächspartner die dunklen Worte vom Fortgehen, Suchen und Nicht-Finden
 deuten? Es ist nicht von ungefähr, daß sie an Selbstmord denken, der den Juden
 streng verboten war. Aber nein, sie werden gescholten. Sie haben gar nichts
 verstanden. Wenn ihr nicht glaubt, seid ihr "von unten", von der Welt, dann
 kommt ihr um in euren Sünden.
 Ein unduldsamer Mann tritt den Schriftkundigen entgegen, der alle ihre
 Kenntnisse über den Haufen wirft. Seine Rede ist wohl mit Absicht rätselhaft,
 weil er weiß, daß Gott der Geschichte dieses Volkes und der ganzen Welt eine
 andere Richtung geben wird.
 Wir müssen das Johannesevangelium richtig verstehen: Wenn vom unerreichbaren
 Fortgehen, vom Oben und vom Erhöht-Werden die Rede ist, dann ist das ein
 Hinweis auf Jesu Kreuzestod, Auferstehung und Himmelfahrt.
 Schon am Kreuz ist er höher als alle Menschen, ist er sozusagen über ihnen.
 Und weil Jesus weiß, daß dies der von Gott, seinem Vater, gewollte Lebensweg
 für ihn ist, kann er so selbstbewußt und hart auftreten. Wir haben uns daran
 gewöhnt, in Jesus den liebevollen, uns zugewandten Retter zu sehen, der uns
 annimmt, wie wir sind. Aber Jesus ist auch der Christus, der Erhöhte. Und wenn
 wir auch im Glauben mit ihm verbunden sind, so bleibt er uns dennoch manchmal
 ein Rätsel. Zu verstehen, warum Passion und Kreuz sein mußten, ist eine
 lebenslange Aufgabe, an der wir immer wieder buchstabieren.
 Die Erhöhung Jesu Christi, seine Hoheit, seine Überlegenheit ist uns auch
 deshalb so schwer verständlich, weil sich menschliche Gegnerschaft mit so viel
 Erfolg gegen ihn durchsetzen kann. Aber indem seine Gegner ihn kreuzigten,
 erhöhte Gott ihn. Und seine nächsten Schritte sind Tod und Auferstehung - und
 die haben seine Gegner nicht mehr in der Hand. Da sind sie "die Unten", die
 Unterlegenen, und der Gekreuzigte ist der Lebendige. Nun wird sichtbar werden,
 wen er zu sich zieht: Den, der an ihn glaubt.@{b}

 JESUS, MANCHMAL VERSTEHEN WIR DICH NICHT, DEIN WORT NICHT UND DEN WEG NICHT,
 DEN DU UNS FÜHRST. DANN WIRD ES UNS SCHWER, AN DICH ZU GLAUBEN. SCHENKE UNS
 GUTE ERFAHRUNGEN MIT DIR, DAß WIR DIR IMMER GLAUBEN KÖNNEN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 8,21-30@{ui}
@{b}                   Jesus - von oben her@{ub}

 Wir Menschen sind alle "von unten her". Wir gehören dieser Welt an mit ihrem
 Licht und ihrem Schatten. Das trifft auch für die Kirche zu. Sie bürgt durch
 ihr Dasein noch nicht dafür, daß die Maßstäbe, die Jesus gegeben hat, auch die
 Grundlage für ihr Leben und Wesen sind.
 Das mag Anlaß sein dafür, daß Menschen, denen die Kirche am Herzen liegt und
 die zugleich mit ihren Leitungsstrukturen nicht einverstanden sind, eine
 "Kirche von unten" ins Leben riefen.
 Ihre gute Absicht soll nicht bestritten werden. Mit dem Wort Jesu in unserm
 Abschnitt ist sie aber schwer in Einklang zu bringen: "Ihr seid von unten her,
 ich bin von oben her." Es ergibt sich die paradoxe Feststellung: Kirche ohne
 Herrschaftsstrukturen, Kirche von unten, kann nur da sein, wo der die Maßstäbe
 setzt, der "von oben her" ist.
 Zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die von dem "Menschen" Jesus
 fasziniert waren. Das sollen wir auch nicht gering achten. Die Tür zum Glauben
 kann auf diese Weise geöffnet werden. Der Weg des Glaubens jedoch führt
 weiter. Er läßt uns erkennen, daß wir diese Welt dadurch noch nicht zum Guten
 bringen, daß wir den Menschen Jesus zum Vorbild haben. Wir erwarten die
 Herrschaft Gottes von da her, wohin wir nicht kommen können, auch in dem
 besten Leben, wir erwarten sie von da, wo Jesus jetzt ist, bei Gott. Seine
 Herrschaft bricht herein, wenn die Zeit gekommen ist. Wir dürfen in der
 Erwartung des Reiches hier schon Zeichen der Hoffnung setzen. Es geht eben
 nicht um ein Lippenbekenntnis. Es geht darum, daß wir danach fragen, welchen
 Auftrag Gott für uns hat. Dann werden wir tun, was Jesus im Auftrag Gottes zu
 uns sagt.@{b}

 WER SIND WIR, HERR, DAß DU ALS DER HEILIGE ZU UNS KOMMST? IN GROßER TREUE
 BEGEGNEST DU UNS, WIR ABER WOLLEN DICH NICHT ERKENNEN. UNSERE OHREN SIND TAUB
 FÜR DEINE BEFEHLE, DENN WIR TRACHTEN MEHR NACH UNSERM EIGENEN NUTZEN ALS NACH
 DER VERHERRLICHUNG DEINES NAMENS. DARUM FEHLT UNS DIE KRAFT, VON DIR
 GLAUBWÜRDIG ZU REDEN. REDE DU, HERR! WIR HOFFEN AUF DICH. AMEN@{ub}


@{i}                     Johannes 8,21-30@{ui}
@{b} Er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid
 von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.@{ub}   Joh 8,23

 Sie reden aneinander vorbei, Jesus und seine Zuhörer. Er spricht von seinem
 Weggang zum Vater, und sie meinen, er wolle sich das Leben nehmen.
 Wie kommt es zu diesem Mißverstehen der Worte Jesu, von dem Johannes hier
 nicht zum erstenmal berichtet? Jesus selbst gibt die Antwort: Ihr seid von
 unten her, ich bin von oben her.
 Oben und unten - zwei verschiedene Welten prallen aufeinander. Gottes Welt,
 die Welt der liebe, des Lichts und des Lebens, und unsere Welt, angefüllt mit
 Feindschaft und Finsternis, mit Tod und Verderben. Da kann es keine
 Verständigung geben. Zu groß ist der Abgrund, der zwischen beiden Welten
 klafft. Aber muß es dabei bleiben? Ist der Abgrund unüberbrückbar? Müssen wir
 in "unseren Sünden sterben"?
 Nein, denn Jesus selbst überbrückt diesen Abgrund. Er führt durch seinen
 Kreuzestod Gottes Welt und unsere Welt zusammen. Durch ihn haben wir Zugang zu
 Gott. Er schenkt uns den Glauben, und wir können das Wort seiner Liebe
 verstehen. Weil er für uns starb, steht uns der Himmel offen.              S-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 8d" "Johannes 8,31-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 8,31-36@{ui}
@{b}                    Bleibet an meinem Wort@{ub}

 Ein volles Jahr liegt hinter uns; wir haben vor Augen, wie wir geführt worden
 sind. Aber wir erinnern uns auch an die, die uns in diesem Jahr verlassen
 haben, die gestorben sind. In mancher Gemeinde werden die Namen der Toten
 heute noch einmal vorgelesen, aber die Namen der Getauften - Kinder,
 Jugendliche und Erwachsene - und der Konfirmierten und aller Paare, die für
 ihre Ehe Gottes Wort und Segen erbaten. Es gibt überall aber auch solche, die
 sich von der Gemeinde entfernt haben. Wir sind selber wohl auch angefochten
 worden im letzten Jahr und fragen jetzt vielleicht: Stimmt denn das mit Gottes
 Führung immer? Durch Zweifel, Anfechtungen und Krisen hindurch erreicht uns
 der Ruf unseres Herrn Jesus Christus: "Bleibet an meinem Wort!" Ohne Christi
 Wort können wir nicht Christen sein. Um uns ein Leben mit Gott zu ermöglichen,
 hat uns der Ruf des Herrn getroffen und will uns das Wort Christi heute im
 alten Jahr und alle Tage im neuen erreichen. -
 Jesus war mit seinen Jüngern unterwegs nach Jerusalem. Uns wird im
 Johannesevangelium verkündigt, daß das Kreuz, auf das Jesus zugeht, sein Thron
 ist. Unser Herr ruft zu allen Menschen vom Kreuz her und bietet jedem an, von
 ihm die Befreiung von aller Sünde anzunehmen.
 Das lesen wir auch im Blick auf Menschen des jüdischen Volkes. Die
 Abrahamskindschaft ist eine Gabe Gottes. Die bleibende Freiheit von Sünden ist
 nicht durch das mühsame Befolgen und teilweise Einhalten der Gottesgebote zu
 erreichen.
 Einige Kapitel weiter lesen wir das Herrenwort: "Ein neues Gebot gebe ich
 euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch, daß ihr euch
 untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe." An der Liebe soll jeder die
 Jünger Christi erkennen. An die Stelle des unfreien Seufzen darüber, niemals
 Gottes Gebot erfüllen zu können, tritt das Neue. -
 Als Christen sollten wir den Johannestext nicht gegen die Juden gerichtet
 verstehen. Es ist eine Einladung zur frei machenden Gnade Christi, zu der alle
 Menschen gerufen werden. Für uns, die wir glauben, soll das heißen, immer
 wieder neu auf das Wort unseres Herrn zu hören. Juden und Christen gilt die
 Mahnung Jesu vor der Selbstsicherheit. Sein Gebot der Liebe und sein
 freisprechendes Wort geleiten uns in das neue Jahr.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS FÜHRST UND IN DIE
 GOTTESKINDSCHAFT GERUFEN HAST. WIR DANKEN DIR AUCH, DAß DU DEIN KREUZ FÜR ALLE
 MENSCHEN GETRAGEN HAST. HILF, DAß VIELE ZU DIR KOMMEN UND BEI DIR BLEIBEN.
 AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 8,31-36@{ui}
@{b}                    Die Wahrheit macht frei@{ub}

 Ludwig Allendorf dichtete 1736 in dem Lied "Jesus ist kommen, Grund ewiger
 Freude": "Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden, er, der Sohn Gottes, der
 machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande..."
 Ja, sind wir denn in Sünde und Schande gewesen? Wer von uns ist denn unfrei?
 Auch die gläubigen Juden, Jesu Zuhörer damals, konnten nichts anfangen mit
 seiner Rede von der Befreiung durch die göttliche Wahrheit.
 "Ich bin doch ein freier Mensch, ich weiß, was ich tue und was ich will!" so
 reden wir ja auch heute. Aber Jesus deckt eine Scheinfreiheit auf: Wie Blinde,
 die meinen, zu sehen, so sind die Menschen vielfach Sklave, die sich für Freie
 halten, Sklaven ihrer selbstgeschaffenen Abhängigkeiten, ihrer eigenen Moral
 und Lebensführung. Und nur die, die sich an Jesus Christus halten, diese
 menschgewordene göttliche Wahrheit, werden davon frei werden. Sie werden in
 der Lage sein, alte Bindungen abzustreifen und falsche Sicherheiten
 fallenzulassen. So schenkt Jesus Christus vertrauen, eine große innere
 Befreiung. Das erleben etwa Menschen, die sich dankbar unter Gottes Wort
 treffen, weil sie durch dieses Wort frei geworden sind aus der
 Lebens Gebundenheit durch den Alkohol und nun in einer neuen,
 lebenserhaltenden Freiheit leben, Es ist gut zu wissen, daß derjenige, für den
 das Wort Gottes Lebensgrundlage und Richtschnur des Handelns ist, mit Jesus
 Christus verbunden bleibt und frei sein kann von aller Selbstbetäubung,
 Selbstzerstörung und Gottesferne. Denn Gottes Wahrheit und seine Liebe weisen
 uns von uns weg auf den anderen.@{b}

 HERR, SO WIE WIR LEBEN, FESSELN WIR UNS AN VIELE DINGE. HILF UNS, DEINER
 GÖTTLICHEN WAHRHEIT ZU VERTRAUEN UND DEINE BEFREIENDE LIEBE ANZUNEHMEN. AMEN.

                      Lied aus Schwerin@{ub}              Gedicht
      Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und
      Weite und wie ein Zuhause. Frei sind wir da, zu wohnen und
      zu gehen. Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.

      Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, Freiheit, aus
      der man etwas machen kann. Freiheit, die auch noch offen
      ist, für Träume, wo Baum und Blume Wurzeln schlagen
      kann.

      Herr, du bist Richter, du nur kannst befreien, wenn du uns
      freisprichst, dann ist Freiheit da. Freiheit, sie gilt für
      Menschen, Völker, Rassen, soweit wie deine Liebe uns ergreift.


@{i}                   Johannes 8,31-36@{ui}
@{b} Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine
 Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei
 machen.@{ub}       Joh 8,31.32

 Kann man an einem Wort bleiben? Kann ein Wort zu einer Bleibe werden, zu einem
 Ort, an dem man sich gerne aufhält? Jesus sagt: Mein Wort ist solch eine
 Bleibe. In meinem Wort könnt ihr euch zu Hause fühlen.
 Schon in unserem Alltag gibt es ja menschliche Worte, die wir gern hören, die
 wir festhalten möchten, in denen wir geborgen sind.
 Zum Beispiel, wenn einer zu uns sagt: "Ich verstehe dich, mit dir bin ich gern
 zusammen, ich mag dich." Die Worte Jesu besagen nichts anderes. Sie sind, alle
 zusammengenommen, eine einzige große Liebeserklärung Gottes. Wer sich diesen
 Worten öffnet, der hat die Wahrheit erkannt, der durchschaut die Lügen, die
 uns weismachen wollen, wir kämen auch ohne Gott zurecht. Wo wir bei Jesus und
 seinem Wort bleiben, da werden wir frei. Als freie Menschen können wir im Haus
 der Liebe Gottes ein- und ausgehen und als Jünger Jesu andere zu dieser
 Freiheit einladen.                                                       Hl-N





@ENDNODE

@NODE "Johannes 8e" "Johannes 8,37-45"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 8,37-45@{ui}
@{b}                    Die Wahrheit ertragen?@{ub}

 Jesus kennt seine Zuhörer und Gesprächspartner ganz genau. Sie berufen sich
 zwar auf ihre Abstammung vom Erzvater Abraham, aber daß dies auch eine
 Verpflichtung für die Zukunft bedeutet, haben sie verstanden. Sonst hätten sie
 doch so gehandelt wie Abraham, sie hätten Gott geglaubt und nicht zugelassen,
 daß der Christus, der erwartete Messias, getötet wird. Und gerade das ist bei
 den Gesprächspartnern Jesu aus dem eigenen Volk nicht der Fall. Sie
 verschließen sich gegen die göttliche Wahrheit, und ihr Mordwille beweist, daß
 sie nicht wie die wirklichen Kinder Abrahams handeln, sondern aus ihrer
 eigenen Unfreiheit und Angst heraus. Die Wahrheit könnte ja manches
 Unangenehme aufdecken. Deshalb muß Jesus, der die Wahrheit ans Licht bringt,
 von der Bildfläche verschwinden. Durch die Wahrheit werden Dunkelheiten auch
 unseres Lebens aufgedeckt, es kommt etwas ans Licht, das wir lieber nicht
 zeigen möchten, und deshalb wehren wir uns dagegen. So haben es die
 Zeitgenossen Jesu auch getan. Sie wehrten sich gegen die Wahrheit, daß Gott
 sich den Menschen in Jesus Christus offenbart. Und darum bezeichnet Jesus sie
 als Teufelskinder, als Ungläubige, die weit weg von Gott sind. Er sieht in
 ihnen Menschen, die sich zwar für gottesfürchtig und treu im Glauben halten,
 aber die den nicht lieben, der ihnen Gottes Liebe gebracht hat, sondern ihn
 töten.
 Wir halten uns wohl auch für gläubige Christen. Können wir die Wahrheit seiner
 Worte vertragen? Lieben wir den, den Gott auf die Welt geschickt hat, um uns
 zu retten, oder kreuzigen wir ihn nicht auch immer wieder?@{b}

 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS, DURCH DEINE GÖTTLICHE WAHRHEIT DECKST DU DIE
 DUNKELHEITEN UNSERES LEBENS AUF. LAß UNS DEINEM WILLEN GEHORCHEN UND UNS VOM
 LICHT DEINER WAHRHEIT BESTIMMEN. AMEN.@{ub}


@{i}                       Johannes 8,37-45@{ui}
@{b} Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten,
 denn mein Wort findet bei euch keinen Raum.@{ub}   Joh 8,37

 Abrahams Kinder? O ja, sie stammen von ihm ab in langer, fast unübersehbarer
 Folge der Geschlechter. Aber, wie seltsam: Ging es bei dem Vater des Glaubens
 um Aufbruch und Wagnis, um vertrauensvolle Preisgabe aller Sicherheit
 verkehrt. Und sie werden versuchen, in dieser Sicherheit verblendet,
 Gottes Wort zum Schweigen zu bringen. - Wir werden uns hüten, die Worte Jesu
 gegen sein eigenes Volk auszuspielen. Wo auch Christen hierzulande ihre
 Abstammung gegen Gottes erwähltes Volk gekehrt haben, verbietet sich dies von
 selbst. Und sind wir nicht selbst so oft Kinder jener Sicherheiten, die wir
 hinter uns glauben: Taufe oder Bekehrung, die das Christsein garantieren; ein
 christliches Abendland, das uns mit seinen Werten ausstattet, zu deren
 Sicherung fast alles erlaubt ist?
 Abrahams Kinder aber werden von der Verheißung gelockt, kennen Murren und
 Zweifel und suchen doch sein Wort mit Hunger und Sehnsucht.           N-L


@ENDNODE

@NODE "Johannes 8f" "Johannes 8,46-59"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 8,46-59@{ui}
@{b}                 Die Wahrheit - eine Anmaßung@{ub}

 Das Streitgespräch zwischen Jesus und den Menschen seiner Zeit ist an seinem
 Ende angekommen. Es hat sich immer mehr zugespitzt, und nun bekennt Jesus sich
 zu seinem göttlichen Auftrag und der damit verbundenen Verheißung: "So jemand
 mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich."
 Welch eine Gotteslästerung für fromme jüdische Ohren ist das! Das gibt es doch
 gar nicht, daß unser Zeitgenosse Jesus solch eine Verheißung im Namen Gottes
 machen darf, denken sie.
 Was für eine Anmaßung ist dieses Wort gegenüber den großen Gestalten der
 Offenbarungsgeschichte Israels: Abrahams und der Propheten, die doch alle
 gestorben sind. Auch sie haben ja doch Gottes Wort gehört und danach gelebt.
 Wir kann man da Jesu Wort ernst nehmen?
 Mit diesem Mann stimmt etwas nicht, das haben sie schon lange gemerkt, er ist
 ein Hochstapler, ein Gotteslästerer, ein Verrückter!
 Die Aufregung steigert sich noch, als Jesus behauptet, schon vor Abraham
 dagewesen zu sein. Das war der Gipfel der Anmaßung. Das Unverständnis
 verwandelte sich in Haß. Der Mordwille, den Jesus kurz vorher angeprangert
 hatte, wurde nun offenbar. Aber Jesus entzog sich noch einmal ihrem Anschlag,
 denn "seine Zeit war noch nicht gekommen".
 Wenn wir heute diesen Abschnitt lesen, dann fühlen wir uns vielleicht erhaben
 über die Reaktion der Zeitgenossen Jesu, oder wir verurteilen sie sogar, weil
 wir glauben, daß Jesus als das fleischgewordene Wort Gottes von allem Anfang
 her war. Wir wissen so viel mehr als Jesu Diskussionspartner damals, handeln
 wir deshalb anders?@{b}

 OFT GENUG IN UNSERM LEBEN, HERR, WOLLEN WIR DEINEN ANSPRUCH AN UNS NICHT
 WAHRHABEN. ES FÄLLT UNS SCHWER, DEINEM WORT ZU VERTRAUEN. UNSERE EIGENEN
 WAHRHEITEN VERDRÄNGEN DEINE GROßE WAHRHEIT. VERGIB UNS HERR! AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 8,46-59@{ui}
@{b} Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham
 wurde, bin ich.@{ub}   Joh 8,58

 Auf dieses Wort hin heben Hände harte, tödliche Steine auf, um sie zu werfen.
 Jesus hat ihnen zuvor nicht weniger hart gesagt: Ihr hört nicht auf mich, ihr
 glaubt nicht an mich, ihr seid nicht aus Gott!
 Das ist ein noch viel schwerer Stein als diejenigen, die nun gegen Jesus
 erhoben werden und es nur bestätigen können: "nicht aus Gott".
 Das ist die tiefste Not, die hier in der Ablehnung, die Jesus findet,
 offenbart wird. Und es ist nur eine Folge daraus, daß die Nichthörenden darum
 Kinder des Teufels genannt werden. Wären sie wirklich Abrahams Kinder, müßten
 sie Jesus kennen und sich daran freuen, durch ihn Gotteskinder zu werden. -
 Abraham ist der vater des Glaubens. Die Glaubenden sind seine Kinder. Als
 solche verstehen auch wir uns. Abrahamskindschaft bezeichnet indirekt auch
 unsere Glaubensherkunft.
 Jesus sagt: Ich bin vor allem, also auch vor deiner religiösen Herkunft und
 deinem persönlichen Glaubensweg. Ich komme auf dich zu als das Gotteswort, das
 dich ins Licht und ins Leben ruft.
 "Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes."                             C-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 9a" "Johannes 9,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 9,1-7@{ui}
@{b}                Sehende Augen gibt er den Blinden@{ub}

 Es beginnt alles damit, daß Jesus einen Menschen sieht, so wie nur er ihn
 sehen kann: mit den Augen des barmherzigen Gottes, der will, daß allen
 Menschen geholfen werde. Wenn Jesus uns ansieht, dann hat für uns die Stunde
 der Hilfe geschlagen, dann werden wir befreit von aller Finsternis, denn er
 sagt: "Dieweil ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt."
 Der Blindgeborene in unserer Geschichte ist zudem noch den verurteilenden
 Ansichten seiner Mitmenschen ausgesetzt: Die Tatsache seiner Blindheit wird
 als eine Strafe für begangene Sünden gedeutet. Dieses Gefangensein hinter den
 Gittern eines eisernen Vergeltungsgesetzes gehört mit zu seiner Finsternis.
 Für viele Menschen gründet in der als unlöslich behaupteten Verbindung von
 Sünde und Strafe die sogenannte moralische Weltordnung.
 Jesus aber läßt sich dadurch nicht einschränken. Er ist uns bleibt frei in
 seinem Wirken. Er läßt sich durch keine Gesetzmäßigkeiten, durch keine Sitten
 und Regeln, durch keine menschlichen Vorurteile daran hindern, Gottes
 verlorene Geschöpfe in ein menschenwürdiges Leben zurückzuholen, und erweist
 die Herrlichkeit seiner Hilfe gerade an der erbarmungswürdigsten Kreatur.
 Darum ist jede Ordnung im konkreten Fall daraufhin zu prüfen, ob sie dem
 Menschen dient oder nicht.
 Das gilt auch für den Sabbat, den wöchentlichen Ruhetag, an dem Jesus diesen
 Blinden heilt. Der Sabbat, und für uns entsprechend der Sonntag, ist um des
 Menschen willen gemacht - und nicht umgekehrt. Durch die aufwendige Art des
 Gesetzes ist, das an diesem Tag auch die kleinste Arbeit verbietet, und die
 Pharisäer, die strengen Gesetzeshüter, behaupten dann ja auch: "Dieser Mensch
 ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält" (V.16).
 Mit zur Heilung gehört es dann, daß Jesus den Blindgeborenen zum Teich Siloah
 schickt, um sich dort zu waschen. Mit dem gehorsamen Hingehen und Waschen in
 dem immer frischen "lebendigen" Wasser dieses Teiches bekennt der mann, wie
 bei der Taufe, seinen Glauben an den Heiland. Und dann erzählt er allen
 Menschen, die er trifft, von seinem Wohltäter.
 So wird jeder, dem Christus geholfen hat, zum Zeugen und Missionar seines
 Helfers.@{b}

 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS, WIR DANKEN DIR, DAß DU UNSER HELFER BIST. WIR
 BITTEN DICH, ÖFFNE UNS DIE AUGEN, DAß WIR DICH IMMER BESSER ERKENNEN. LAß UNS
 AUF UNSEREM WEGE DIE MITMENSCHEN SEHEN, DIE UNS BRAUCHEN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 9,1-12@{ui}
@{b} Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag
 ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.@{ub}   Joh 9,4

 Jesus sagt die beiden Sätze im Angesicht eines Blinden, der von Geburt an
 nichts sieht. er macht keine Schuldzuweisungen, gibt auch keine einleuchtenden
 Entschuldigungen. "Jener ist blind geboren, damit Gottes Werke an ihm
 offenbar werden... Wir müssen die Werke dessen tun, der mich gesandt hat."
 Jesus dreht den Spieß um. Die Frage heißt nicht: Wer ist Schuld? Die Frage
 heißt: Was müssen wir tun? Blinde, Leidende und Kranke sind die
 personifizierte Aufforderung Jesu an seine Jünger zu handeln. Unser Handeln
 verträgt keinen Aufschub. Wer endlos diskutiert, lenkt von der Arbeit ab. Wer
 falsche Fragen stellt, schaut in die falsche Richtung. Jesus handelt sofort.
 Er heilt den Blinden und macht ihn sehend. Er IST das Licht der Welt. Wir sind
 Blinde und Jünger zugleich. Wir leben von seinem Licht und sind zugleich das
 Licht der Welt. Jesus spricht im Wir-Stil. Wir sind seine Werks-Angehörigen.
 Wir sind seine Hände, seine Füße, sein Mund.
 Die beiden Sätze Jesu enthalten eine unglaubliche Verheißung und Vollmacht.
                                                                          R-W


@ENDNODE

@NODE "Johannes 9b" "Johannes 9,13-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 9,13-23@{ui}
@{b}              Ein Sehender sieht nicht durch@{ub}

 Ein Mann ist sehend geworden. Nun wird er von den Pharisäern verhört. Er merkt
 es bald: Es geht um Jesus. Dem Geheilten ist die Rolle des Belastungszeugen
 zugedacht. Das Vorurteil über Jesus soll bestätigt werden: Er hat den Sabbat
 gebrochen, er ist ein Sünder.
 In der Tat ist das Wunder der Neuschöpfung an einem Sabbat geschehen. Dies ist
 kein Zufall. Hat Jesus damit den Sabbat gebrochen? Manche meinen dies. Wer
 allerdings sehen kann, der erkennt, daß der Sabbat Gottes nicht gebrochen ist,
 sondern daß mit Jesus der Sabbat anbricht: Blinde sehen, Lahme gehen,
 Aussätzige werden rein, den Armen wird das Evangelium verkündet. Jesus ist
 nicht Herr über den Sabbat in dem Sinn, daß er an diesem Tag machen kann, was
 ihm beliebt, daß er ihn also auch brechen kann. Daß Jesus Herr über ein Gebot
 ist, hat er in keinem Fall dadurch gezeigt, daß er es übertreten hätte. Ganz
 im Gegenteil, er hat jede Weisung Gottes befolgt. Durch sein Erscheinen, durch
 sein Wort werden Himmel und Erde neu geschaffen. Sie kommen in Ordnung, sie
 werden so, wie sie Gott gemeint hat. Die von Krankheit und Tod gezeichnete
 Welt wird verändert und zum Leben gebracht.
 Wer erkennt das? Die Eltern des Mannes, der nun sieht, halten sich zurück. Sie
 sind eingeschüchtert. Sie wollen nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen
 werden.
 Der Sehende sagt: Jesus ist ein Prophet. Das ist noch nicht die volle
 Erkenntnis, doch es ist ein weiterer Schritt auf dem Erkenntnisweg. Er geht
 ein Wagnis ein.@{b}

 HERR WIR BITTEN DICH UM ERKENNTNIS UND MUT, DAMIT WIR DICH BEZEUGEN KÖNNEN.
 WIR DANKEN DIR, DAß DU MITTEN IN DER AUSEINANDERSETZUNG BEI UNS BIST. AMEN.
@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 9c" "Johannes 9,24-41"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 9,24-41@{ui}
@{b}                 Jesus vollendet sein Werk@{ub}

 Jesus läßt einen Menschen, der dabei ist, ihn zu erkennen, nicht auf halbem
 Weg stehen. Er hat das gute Werk begonnen, nun vollendet er es auch. Er führt
 den Sehenden zur vollen Erkenntnis.
 Dies geht nicht ohne Auseinandersetzung. Am Ende wird der Mann aus der
 Gemeinschaft ausgestoßen. Ist er nun nicht schlimmer dran, als er es am Anfang
 war? Von einem blinden Bettler sagten die Leute zwar, daß er für eine
 besondere Sünde leiden muß, doch sie hatten auch Mitleid und haben Almosen
 gegeben. Jetzt wird er hinausgestoßen. Muß die Gemeinschaft mit Jesus damit
 bezahlt werden, daß die Gemeinschaft mit Menschen zerbricht?
 Manchmal ist es so. Und doch haben Christen keine Alternative. Wer die Heilung
 und Rettung, die Sündenvergebung und Befreiung durch Jesus erfahren hat,
 bekennt: Herr, ich glaube.
 Das natürliche Sehen kann uns dazu verführen, alle Warnungen in den Wind zu
 schlagen. "Ich werde schon selbst sehen."
 Wer geistlich sieht, läßt sich von Jesus führen. Jesus hat einen Menschen aus
 der Dunkelheit befreit. Er sagt; Wir müssen wirken, solange es Tag ist. Noch
 ist er am Werk. Es ist Entscheidungszeit. Wirken, das heißt, Menschen zu
 gewinnen, die Gottes Wirken an sich geschehen lassen, die sich die Augen
 öffnen lassen und die damit bereit sind, ihn zu bekennen, auch wenn sie
 dadurch in der Heimat zu Fremden werden. Wer Gottes verändernde Kraft
 empfangen hat, wird zum Mitarbeiter Jesu.
 Wir haben die Aufgabe, mit ihm zu wirken, solange es Tag ist. Die sich gegen
 Jesus sperren, verfallen dem Gericht. Richten heißt gerade machen, neu
 ausrichten. Auch im Gericht will Gott letztlich retten.@{b}

 WIR BITTEN DICH, HERR, FÜR MENSCHEN, DIE UM DEINETWILLEN IN IHRER UMGEBUNG ZU
 FREMDEN WERDEN. WIR DANKEN DIR FÜR DIE GEBORGENHEIT BEI DIR. AMEN.

                    Man lobe dich in der Stille@{ub}         Gedicht
                     Herr, du hast deinen Namen
                     sehr herrlich in der Welt gemacht;
                     denn als die Schwachen kamen,
                     hast du gar bald an sie gedacht.
                     Du hast mir Gnad erzeiget;
                     nun, wie vergelt ichs dir?
                     Ach, bleibe mir geneiget,
                     so will ich für und für
                     den Kelch des Heils erheben
                     und preisen weit und breit
                     dich hier, mein Gott, im Leben
                     und dort in Ewigkeit.
                     @{i}  Johann Rist


                            Johannes 9,24-41@{ui}
@{b} Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen damit, die nicht
 sehen, sehend werden, und die sehen, blind werden.@{ub}   Joh 9,39

 Daß der Blindgeborene sehend geworden war, ließ sich nicht bestreiten. Doch
 daß Jesus in der Kraft Gottes den Mann am Sabbat geheilt hatte, konnten die
 Pharisäer nicht gelten lassen. Was nicht sein durfte, konnte auch nicht sein.
 Weil ihnen echte Argumente gegen Jesus fehlten, griffen sie zur Gewalt und
 stießen den Geheilten aus der Gemeinschaft der Synagoge aus.
 Auch wenn ihre Augen sehen konnten, endete ihr vermeintliches Bescheidwissen
 über Jesus und sein Handeln in der Verblendung. Nicht daß Jesus dies gewollt
 hätte. Doch an ihm scheiden sich die Geister. Während die einen sich ihm
 Verweigern, beginnt der Geheilte nicht nur erstmals in seinem Leben seine
 Umwelt wahrzunehmen; auch für Jesus gehen ihm die Augen auf. Erst sieht er ihn
 als Prophet, dann als den von Gott Gekommenen und schließlich als den von
 Daniel verheißenen Menschensohn, der Gottes Wirken auf Erden zum Ziel bringen
 wird. Damit aber ist aus dem ehemals Blinden ein Glaubender geworden.      P-D



@ENDNODE

@NODE "Johannes 10a" "Johannes 10,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 10,1-10@{ui}
@{b}                    Jesus, die Tür zum Leben@{ub}

 Jeder Mensch spricht die Sprache seiner Zeit und benutzt Bilder, die er aus
 seinem Leben kennt. Auch Jesus hat das getan.
 Das alte Israel war zum großen Teil ein Viehzüchtervolk und lebte vom Ertrag
 seiner Herden. Darum war ihm das Bild vom Hirten und seiner Schafherde
 vertraut. Hier schildert Jesus den Zugang zur Herde. Wenn sie des Nachts in
 ein Mauergehege getrieben werden, um vor Gefahren geschützt zu werden, so
 kann sie der Hirt durch die Tür zum Weiden wieder herausholen. Der Türhüter
 kennt den Hirten und wird ihm öffnen. Will ein Fremder aber in den Hof
 eindringen, muß er über die Mauer steigen. Solches Verhalten und die
 unbekannte Stimme verursachen Unruhe und Unsicherheit in der Herde.
 Jesu Hörer konnten mit diesem Bild nichts anfangen. Nicht etwa, weil sie
 solche natürlichen Gegebenheiten nicht verstanden, sondern sie konnten den
 verborgenen Sinn nicht entdecken. So muß Jesus selbst erklären: Ich bin die
 Tür. Wer durch mich eingeht, wird gerettet werden. Ich kann wirkliches
 Leben geben, Leben in Fülle. Ohne mich wird niemand das Leben geben, Leben
 in Fülle. Ohne mich wird niemand das Leben erhalten, das Gott ihm zugedacht
 hat. -
 Ob wir Jesu Wort besser verstehen als seine Hörer damals? Ob wir begreifen,
 daß wir Geborgenheit nirgendwo anders finden als nur bei uns?
 Schon in den Psalmen heißt es: "Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu
 seinem Volk und zu Schafen seiner Weide." - Geborgenheit und Leben in Fülle
 sind für uns bereit. Warum brechen wir selbst immer wieder aus und begeben
 uns in Gefährdung und Verwirrung? Wir wollen die "Tür" doch nicht aus dem
 Auge verlieren!@{b}

 GOTT, GIB UNS SEHENDE AUGEN, DAß WIR AN DER TÜR JESUS CHRISTUS NICHT
 VORBEIGEHEN. WECKE IN UNS DIE SEHNSUCHT NACH LEBEN UND GEBORGENHEIT BEI
 DIR. UND WO DU UNS GEBRAUCHEN WILLST ALS HELFER, DA ZEIGE UNS DEUTLICH
 UNSERE MÖGLICHKEITEN. AMEN.@{ub}


@{i}                     Johannes 10,1-10@{ui}
@{b} Ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.@{ub}   Joh 10,7

 Wer von uns hat nicht schon die Erfahrung gemacht, vor verschlossener Tür
 zu stehen! Man kommt von einem Gang, einer Reise zurück, und die Tür ist
 verschlossen. Es ist niemand zu Hause, und der Schlüssel findet sich nicht.
 Man ist ausgesperrt. Das bedeutet Ärger und Zeitverlust. Aber mit einiger
 Geduld kann man diesem Mißgeschick abhelfen.
 Ungleich schlimmer ist es, wenn wir bei Menschen vor verschlossener Tür
 stehen. Bei einem der Kinder vielleicht, bei den Eltern, bei Mitarbeitern
 oder einer Nachbarin.
 Es kostet Kraft, wenn man keinen Zugang zu einem Menschen findet, wenn
 unsere Worte abprallen und jedes Anklopfen überhört wird. In dieser Lage
 ist es ein großer Trost, daß Jesus gesagt hat: "Ich bin die Tür zu den
 Schafen." In vielen Fällen führt der Zugang zu anderen Menschen nur über
 ihn. Er kann Herzen bewegen und Türen öffnen, wo für uns alles verschlossen
 scheint. Das Gespräch mit Jesus über einen Menschen ist oft wirksamer als
 ungeduldiges Bemühen und gewaltsames Drängeln. Wir dürfen auf seine
 Verheißung bauen und ihn im Gebet daran erinnern, daß er die Tür ist.  S-


@ENDNODE

@NODE "Johannes 10b" "Johannes 10,11-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 10,11-21@{ui}
@{b}                     Sein Eigentum@{ub}

 Im alten Israel war das Bild vom guten Hirten ein Bild von hohem Rang. Es
 trug um seiner großen Verantwortung willen geradezu königliche Züge.
 Heute kommt uns dieses Bild unmodern vor. Dabei brauchen wir nur ein wenig
 einfühlende Liebe, um es richtig zu verstehen. Denn der rechte Hirte mußte
 nicht nur ein umsichtiger, sondern auch wetterharter und starker Mann sein.
 Oft genug mußte er sich ganz einsetzen für seine Herde. Ein feiger,
 verzärtelter Mensch war zu diesem Dienst nicht zu gebrauchen.
 In unserm Text wird uns gesagt, daß wir einen Hirten haben, der sich nicht
 nur für uns verantwortlich weiß, sondern dessen Eigentum wir sind und der
 für uns den höchsten Einsatz leistete, der sich denken läßt, sein eigenes
 Leben. Damit verstehen wir auch besser, was am Karfreitag geschah: Gott
 schlug den Hirten, die Schafe der Herde zerstreuten sich! So konnte es
 kurze Zeit sinnlos erscheinen, daß Jesus sich geopfert hatte. Aber er
 bezeugt von sich selbst, daß er freiwillig, ohne Zwang, getan hat, im
 Einverständnis mit Gott.
 Welche Treue zu seinen Geschöpfen kommt darin zum Ausdruck! Denn wie
 naheliegend wäre es für Jesus gewesen, sich in Sicherheit zu bringen. Aber
 wir sind für ihn kein numeriertes Herdentier, sondern er kennt uns und
 nennt uns bei unserem Namen. Daher kann er uns auch sicher führen, durch
 alle finsteren Täler unseres Lebens (Psalm 23), bis hinein in die Fülle
 seines Lebens. Dort werden alle, die ihm gefolgt sind, zu einer großen
 Herde werden.@{b}

 HERR, WIE GUT IST ES, DAß DU UNS KENNST UND LIEBST. DU LÄßT UNS GETROST
 LEBEN. FÜHRE UNS DURCH ALLE GEFAHREN. LAß UNS UNVERSEHRT ZU EINER HERDE
 WERDEN, DEREN HIRTE DU BIST. AMEN.@{ub}


@{i}                   Johannes 10,11-21@{ui}
@{b} Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen
 mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse
 mein Leben für die Schafe.@{ub}   Joh 10,14.15

 Die Herde Gottes ist bedroht. Seine Menschenkinder sind in Gefahr. Böse
 Hirten, Diebe und Räuber, denen es nur um ihren Nutzen, ihren Gewinn geht,
 verschaffen sich gewaltsam Zutritt zur Herde. Doch wenn Gefahr sich
 ankündigt, suchen sie das Weite. Die Fürsorge für die Herde hat nur den
 Zweck, sie am Ende zu schlachten und umzubringen. -
 Es gibt nicht wenige Menschen, die sich genauso vorkommen: ausgenutzt,
 bedroht, im Stich gelassen und am Ende dem Tod ausgeliefert. Aber da ist
 der Gute Hirte, dem seine Schafe mehr wert sind als das eigene Leben. Der
 Gute Hirte, dessen liebevolle Stimme aus tausenden herauszuhören ist. "Der
 mich liebt und der mich kennt und bei meinem Namen nennt." Er läßt mich
 nicht in Stich. Er geht vor mir her. er kennt die guten Weidegründe. er
 sorgt dafür, daß ich nicht verkümmern muß. Er schützt mich vor allen bösen
 Feinden, wenn es sein muß auch vor mir selber. Auf seine Stimme will ich
 hören. Ihm allein will ich folgen.                                  S-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 10c" "Johannes 10,22-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 10,22-30@{ui}
@{b}                   Der Ruf des Hirten@{ub}

 Ungewißheit können wir Menschen schlecht ertragen. Das war zu allen Zeiten
 so. Die Menschen, die Jesus in der Feststimmung umringen, wollen auch
 Klarheit. Ist es wirklich der Christus?
 Eigentlich hätten sie es wissen müssen! Aber vor lauter Vorbehalten sind
 sie wie blind. Jesus sagt: Ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen
 Schafen. Nicht Beweise helfen ihnen zur Gewißheit, sondern richtiges Hören
 und Vertrauen! Wenn Schafe die Stimme ihres Hirten erkennen, folgen sie ihm
 ohne Zaudern.
 Viele Zuhörer Jesu hatten noch keinen Zugang zu ihm und seiner Verheißung.
 Doch Jesus lädt immer wieder alle ein, ihn zu hören und ihm vertrauensvoll
 zu folgen. Freilich, er hat keinem, der ihm folgen wollte, etwas
 vorgegaukelt. In völliger Offenheit sprach er vielmehr von dem schmalen
 Weg, der zum Leben führt und den nur wenige finden. Er sprach von der
 Selbstverleugnung, die der Preis des ewigen Lebens ist. Aber die dazu
 bereit sind, dürfen gewiß sein: Nichts kann uns scheiden von der Liebe
 Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart (Römer 8,35.39). Die sich ihm
 anvertrauen, hält er fest. Wir werden ermutigt, uns einzulassen auf ein
 Leben mit Jesus, und sollten nur Angst haben, hinzugeraten in den Sog der
 Gottlosigkeit, die den Verheißungen des guten Hirten nicht mehr traut und
 meint, wir würden es anderswo besser haben.
 Kann sich irgendwer mehr für uns einsetzen als Jesus? Er läßt uns wissen,
 daß unser Heil allezeit gewiß und sicher sein wird, weil es nämlich von
 Gottes unüberwindlicher Macht gehütet wird.@{b}

 HERR JESUS CHRISTUS, RUF UNS SO LANGE, BIS WIR DEINE STIMME HÖREN UND DEINE
 VERHEIßUNGEN IN UNSER HERZ DRINGEN. BEWAHRE UNS VOR ZWEIFEL, DER UNS VON
 DIR TRENNEN WILL. DENN OHNE DICH WERDEN WIR NICHT LEBEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 10,22-30@{ui}
@{b} Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand
 kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.@{ub}
 Joh 10,29.30

 Die jüdische Gemeinde feierte die Erinnerung an den Befreiungskampf des
 Judas Makkabäus, der den entweihten Tempel seiner rechten Bestimmung
 zurückgab. Er sollte wieder Ort sein, "da Gottes Ehre wohnt". Mitten unter
 den Festbesuchern befand sich Jesus. In ihm offenbarte sich die
 Herrlichkeit Gottes. Aber wer erkannte ihn? Da waren die geistlichen Führer
 des Volks, schriftkundige Männer, aber wer Jesus war, erkannten sie nicht.
 Seine Worte und Werke genügten ihnen nicht, obwohl darin das Geheimnis
 seiner Person enthüllt war.
 Zum Wissen und verstehen muß eben noch das ganz andere kommen: der Glaube,
 der durch die Worte und Zeichen Jesu geweckt werden kann. Wie ein Geschenk
 aus des Vaters Hand nimmt Jesus die Menschen entgegen, die ihm nachfolgen.
 Sie sind untrennbar mit ihm verbunden. Sie kennen den Guten Hirten. Sie
 sind bei ihm geborgen und geschützt vor allen Angriffen von innen und
 außen. Jesus ist mit dem Vater eins, darum gibt es für die Seinen keine
 Ungewißheit mehr. Nichts kann sie trennen von der Liebe Gottes.   St-O


@ENDNODE

@NODE "Johannes 10d" "Johannes 10,31-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 10,31-42@{ui}
@{b}                   Feindschaft und Werbung@{ub}

 Zweimal lesen wir in unserem Text, daß die Juden Jesus steinigen oder
 seiner habhaft werden wollten. Wie konnte es nur zu solchen Haß kommen? Die
 Taten Jesu stören die Juden weniger als vielmehr seine Worte. Aus ihnen
 hören sie eine Gotteslästerung heraus, auf die zu damaliger Zeit die
 Todesstrafe stand. Doch Jesus macht deutlich, daß sich Worte und taten
 nicht trennen lassen. Gerade daran kann jeder erkennen, daß er nicht einer
 der üblichen Wundertäter ist, sondern wirklich Gottes Sohn.
 "Wenn...außer Gott kein Heil, keine Gerechtigkeit, kein Leben ist, und
 andererseits Christus alles, das in sich hat, dann ist er gewiß als Gott
 ausgewiesen" (Calvin).
 Obwohl die Juden auf den Messias warteten, zeigt sich hier erschreckend,
 wie wenig sie wirklich damit gerechnet haben, ja wie blind sie für Gott
 selber sind. In solcher Gefahr stehen auch wir. Wir können am kirchlichen
 Leben teilnehmen. Wir können über "Gott und die Welt" reden, wir können
 über die ganze Bibel Bescheid wissen. Aber ob wir Gott in Christus erkennen
 und uns von ihm in Anspruch nehmen lassen, ist noch sehr die Frage. Am Ende
 unseres Textes heißt es: "Viele sprachen: Alles, was Johannes von diesem
 gesagt hat, das ist wahr. Und glaubten allda viele an ihn." Das sind
 Menschen gewesen, die nicht in vorgefaßten Meinungen und Schemata
 verharrten, sondern alles, was sie sahen und hörten, in ihr Herz dringen
 ließen. Das ist wohl die einzige und richtige Möglichkeit, Jesus als den
 Christus zu erkennen, der uns gerettet, gerechtfertigt, geheiligt hat und
 uns lebendig macht.@{b}

 HERR, BEFREIE UNS VON VORGEFAßTEN MEINUNGEN UND BEHAUPTUNGEN ÜBER DICH. DENN
 DAS MACHT UNS UNFÄHIG, AUF DEIN WORT ZU HÖREN. WECKE ALLE MORGEN UNS DAS
 OHR, DAMIT WIR HÖREN, WIE EIN JÜNGER HÖRT. AMEN.@{ub}



@{i}                    Johannes 10,31-42@{ui}
@{b} Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der
 Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu
 Gott.@{ub}   Joh 10,33

 Die Zeitgenossen haben Jesus verstanden. "Ich und der Vater sind eins"
 (V.30), so hatte Jesus gesagt. Das erschien ihnen als Gipfel der
 Gotteslästerung. War es nicht klar, daß hinter Jesu Worten und Taten der
 Anspruch stand, der erwartete Messias zu sein? Darum ihr Urteil, das uns so
 unbegreiflich erscheint: Steinigung! Und später: Kreuzigung! Tod! Sie
 hatten Jesus verstanden, aber sie lehnten ihn ab. Sie wollten seinen
 Anspruch beseitigen, weil er ihnen bedrängend nahekam.-
 Die Strafe der Steinigung ist inzwischen abgeschafft. Aber es gibt eine
 moderne Form der Steinigung: so tun, als hätte man nicht gehört,
 totschweigen, verdrängen. Wir werfen Steine auf Jesus, wenn wir ihn zwar
 gut und vorbildlich finden, ihm aber nicht unser Leben anvertrauen. Wir
 steinigen Jesus geistlich, wenn wir uns unsere Schuld und die unserer
 Nächsten nicht von ihm vergeben lassen. Denn er ist wahrhaftig Gott und
 Herr. Sein Anspruch fordert uns heute ebenso wie damals heraus.     M-D


@ENDNODE

@NODE "Johannes 11a" "Johannes 11,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Johannes 11,1-10             @{ui}
@{b}        "Den du liebhast,der liegt krank"      @{ub}
 "Es lag aber einer krank." Dieser Erkrankte ist bekannt, ebenso seine
 Schwestern. Sein Wohnort ist Bethanien und liegt drei Kilometer von
 Jerusalem entfernt. Daß Lazarus krank ist, gehört zum Menschlichchsten, was
 ihm passieren kann. Das haben unübersehbar viele Menschen mit Lazarus
 gemeinsam, daß sie krank sind. In gewissem Sinn sind wir alle irgendwie
 krank und brauchen Gottes Hilfe. "Da sandten seine Schwestern zu ihm und
 ließen ihm sagen: Herr, siehe, den du liehast, der liegt krank." Wir
 sollten es allen Kranken, wir sollten es allen Mitmenschen sagen, daß Jesus
 sie liebhat. Das ist die Aufgabe der Kirche, an allen Orten zu verkündigen,
 daß Jesus den kranken Lazarus liebt. So entschließt er sich, nach Bethanien
 und damit in die Nähe Jerusalems zurückzukehren, von wo er gerade entwichen
 war, um dem Zugriff seiner Feinde zu entgehen. Während er zwei Tage wartet,
 wird ihm klar, daß nicht nur die Schwestern ihn rufen, sondern daß sein
 himmlischer Vater ihn zurückholen will an den Ort, wo der Tod ihn erwartet.
 Seine Jünger wollen ihn daran hindern. Er antwortet mit dem Gleichnis von
 dem Tag, der zwölf Stunden hat. Seine zwölfte Stunde ist zwar nahe, aber
 solange sie noch nicht da ist, muß er im Licht wirken und die kurze Zeit
 nutzen. Er hat den Lazarus so lieb, daß ihn nichts daran hindern kann, ihm
 zu helfen. Ja, er wird für alle Menschen in den Tod gehen, um ihnen eine
 ewige Hilfe zu schaffen. Damit, daß er für die Menschen stirbt, wird er
 Gott ehren und von Gott verherrlicht werden.@{b}
 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS! WIR DANKEN DIR, DAß DU ALLE MENSCHEN LIEBST.
 WIR BITTEN DICH, LAß UNS IN DEINER LIEBE BLEIBEN, DAMIT WIR ALLE UNSERE
 MITMENSCHEN SO SEHEN, WIE DU SIE SIEHST, UND ALLEN NAHE SIND, DIE UNS
 BRAUCHEN. AMMEN.@{ub}



@{i}                     Johannes 11,1-10       @{ui}
@{b} Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe,
     der, den du lieb hast, liegt krank. Joh 11,3 @{ub}
 Auch Jesus hatte ganz persönliche Vertraute und Freunde. Das ist kein
 Widerspruch zu der göttlichen Liebe, die er allen Menschen entgegenbrachte.
 Er ist der menschliche Jesus mit menschlichen Empfindungen, der uns hier
 begegnet.Jesus schwebt nicht über den Wolken und stand nicht über den
 Dingen, sondern mittendrin. Mit den Geschwistern Lazarus, Marta und Maria
 verband ihn eine tiefe Freundschaft. - Wie gut ist es, im Augenblick der
 Not und Verzweiflung Freunde zu haben, mit denen ich rechnen kann! Familie
 und Freunde rücken in solchen Augenblicken enger zusammen und schenken die
 wichtige Nähe. Ganz selbstverständlich für die Geschwister gehört auch Jesus
 dazu. Aber die Nähe Jesu bedeutet für sie noch mehr. Sie erwarten von ihm,
 daß seine Nähe und Liebe heil machen kann, so wie sie es bei ihm schon
 manches Mal erfahren haben. - Ich bin froh, daß ich mir in Augenblicken der
 Verzweiflung der Liebe Jesu ganz sicher sein darf. Seine Liebe kann mich
 heilen.                                                             Hk-H


@ENDNODE

@NODE "Johannes 11b" "Johannes 11,11-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 11,11-19@{ui}
@{b}               Glauben angesichts des Todes@{ub}

 Mit dem kranken Lazarus ist es nun ganz und gar zum Ende gekommen. Jesus
 weiß es und teilt es den Jüngern mit: "Lazarus, unser Freund, schläft; aber
 ich gehe hin, daß ich ihn aufwecke." Weil Jesus Macht über den Tod hat,
 darum kann er den harmlosen Ausdruck "Schlaf" gebrauchen und darum dürfen
 auch wir von unseren Verstorbenen sagen: Sie sind eingeschlafen. Das ist
 wunderbar, daß die Jünger das nicht verstehen und meinen, es sei vom
 leiblichen Schlaf die Rede. So muß Jesus ihnen offen sagen: "Lazarus ist
 gestorben." Dabei ist Jesus so sehr souveräner Herr der Lage, daß er sich
 um seiner Jünger willen freut, nicht schon früher zu Lazarus gegangen zu
 sein. Sie sollten nämlich glauben lernen da, wo von seiten der Menschen
 nichts mehr zu hoffen ist. Daran liegt Jesus viel, daß seine Christen durch
 ihn glauben und hoffen lernen da, wo sie von sich aus keinen Weg mehr
 sehen. Der Jünger Thomas verspricht zwar, mit Jesus, der jetzt dem Kreuz
 entgegengeht, sterben zu wollen, aber an den Herrn, der Tote auferweckt,
 glaubt er auch nicht.
 Dann wird ausdrücklich festgestellt, daß der Tote beim schließlichen
 Eintreffen Jesu schon vier Tage lang tot ist und im Grabe liegt, daß also
 wirklich keinerlei Aussicht auf eine Wiederbelebung mehr besteht.
 Die Trauergäste, aus dem nahen Jerusalem zum Klagegesang gekommen, sind
 doch nur Ausdruck menschlicher Ohnmacht gegenüber der Wirklichkeit des
 Todes. Sie stehen hier in einem spürbaren Gegensatz zu dem einen, der mit
 der Macht seines Wortes der Todeswirklichkeit siegreich begegnet.@{b}

 LIEBER HERR JESUS CHRISTUS! WIR DANKEN DIR, DAß DU UNS DIE HOFFNUNG DES
 EWIGEN LEBENS SCHENKST. LAß UNS DARUM ANGESICHTS DES TODES NICHT VERZAGEN
 UND GIB UNS IMMER DEN RECHTEN TROST FÜR ALLE TRAUERNDEN. AMEN.@{ub}


@{i}                      Johannes 11,11-19@{ui}
@{b} Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen.@{ub}
 Joh 11,17

 Lazarus, ein guter Freund ist gestorben. Jesus ist zu spät gekommen, um
 noch helfen zu können. Jetzt wird ganz selbstverständlich von ihm erwartet,
 daß er sich in die Schar der Trauernden einreiht. Die Angehörigen, die
 Nachbarn und die vielen Freunde haben sich versammelt, sie trauern und
 beugen sich vor der Macht des Todes. - Da stellt sich sofort die Frage, die
 uns allen an die Existenz geht: Was bleibt in diesem Augenblick, im
 Angesicht des Todes? Was bleibt, wenn ein junger Mensch verunglückt der
 Ehepartner nicht mehr aus dem Krankenhaus zurückkehrt oder der Bruder
 stirbt?
 Bleibt jetzt nichts als die Ohnmacht des Lebens vor dem Tod? -
 Bevor Jesus mit seinen Jüngern zum Dorf des Lazarus aufbrach, sagte er zu
 ihnen: "Ich freue mich um euretwillen, damit ihr glauben lernt."
 Glauben auch jetzt noch, das ist für uns Menschen nicht mehr machbar. Dazu
 bedarf es des lebendigen Gottes, der unser Leben will und nicht unseren
 Tod. Jesus rechnet ganz fest damit. Ich will es gerne von ihm lernen.
                                                                    Hk-H


@ENDNODE

@NODE "Johannes 11c" "Johannes 20-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Johannes 11,20-27@{ui}
@{b}           "Ich bin die Auferstehung und das Leben"@{ub}

 Martha, eine der beiden Schwestern des verstorbenen Lazarus, läuft Jesus
 entgegen: "Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben."
 Dieses Wort ist von unzähligen Menschen im Leid in ähnlicher Weise geklagt
 worden: Wenn uns Jesus rechtzeitig beigestanden hätte, wäre das Unheil
 nicht geschehen. Aus solcher Klage spricht ein gewisses Zutrauen zu Jesus
 und doch zugleich eine Enttäuschung darüber, daß das Ersehnte nicht
 eingetreten ist.
 Jesus antwortet: "Dein Bruder wird auferstehen." Martha versteht das so,
 wie sie es gelernt hat: als eine Vertröstung auf eine ferne Zukunft am Ende
 aller Zeit. Und solche Vertröstung ist ein schwacher Trost für alle, die
 von Jesus Hilfe auf der Stelle erwartet haben. Darauf spricht der Herr nun
 das entscheidende Wort: "Ich bin die Auferstehung und das Leben."
 Und so ist er heute da für alle, die an ihm glauben und sein Wort gelten
 lassen und ihm folgen. So ist er da in unserer Gegenwart als das wahre,
 ewige Leben. Wo er angenommen wird als der Herr, bei dem der Mensch mit
 seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geborgen ist, da ereignet sich
 Auferstehung von den Toten, verborgen noch, aber ganz wirklich. Da gibt er
 Anteil an seinem Leben, wenn dies auch in dieser Weltzeit noch "unter der
 Maske des Todes verborgen ist". Da kann uns dann kein Tod mehr trennen von
 der Liebe Gottes. Wenn das gilt: "Christus, der ist mein Leben", dann ist
 alles, was die Menschen gemeinhin unter Tod und Leben verstehen, nicht mehr
 so wichtig. "Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden."@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Da wir durch den Glauben an dich das Leben
 haben, das kein Tod zerstören kann, bitten wir dich: Gib uns täglich diesen
 Glauben, damit wir getrost der Zukunft entgegensehen. Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 11,20-27@{ui}
@{b} Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber
 auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.@{ub}
 Joh 11,21.22

 Ratlos, traurig und enttäuscht ist Martha, als sie Jesus, dem Freund der
 Familie, entgegengeht. Der einzige, der hätte helfen können - da kommt er
 nun. Aber er kommt zu spät. Der Bruder ist schon beerdigt, es ist nichts
 mehr zu machen. Warum war Jesus nicht eher gekommen und hatte den, den er
 doch lieb hatte, vorm Sterben bewahrt? Martha weiß keine Antwort. Es ist,
 als ob sie Jesus ihre ganze Verzweiflung ins Gesicht schreien möchte: Wärst
 du doch hier gewesen! Aber du warst nicht da, als wir dich brauchten. Warum
 nur, Herr? Eine Frage, die wir so oder ähnlich alle schon gestellt haben.
 Aber haben wir auch getan, was Marta hier tut? Trotz aller Enttäuschung
 geht sie zu Jesus. Sie gräbt sich nicht ein in ihrem Schmerz. Dieser
 Schritt auf Jesus zu ist ein Schritt heraus aus ihrer Not. Sie erkennt: Es
 hat sich gar nichts geändert. Es ist derselbe Jesus, der immer gewußt hat,
 was nötig und richtig ist. Er wird auch jetzt helfen, durch die Kraft
 Gottes, die in ihm wirkt, und durch seine Liebe zu uns. Mit ihm ist die
 Hilfe da.                                                        Si-O


@ENDNODE

@NODE "Johannes 11d" "Johannes 11,28-44"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 11,28-44@{ui}
@{b}                    Jesus gibt ein Zeichen@{ub}

 Jesus hat angesichts des Todes sein entscheidendes Wort gesprochen: "Ich
 bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob
 er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr
 sterben." Wer diesem Wort glaubt, dem ist ewig geholfen, der "ist vom Tode
 zum Leben hindurchgerungen" (5,25).
 Und dann hören wir, daß dem Wort noch das Zeichen folgt. Das kann es geben,
 daß Christus seinem Wort, durch das er uns sein ewiges Leben schenkt, noch
 ein Zeichen beigibt. Dieses wird aber nur von denen verstanden, die dem
 Wort glauben. Denn das Zeichen will in keinem Fall das Wort und den Glauben
 an das Wort ersetzen. So haben ungläubige Zuschauer angesichts einer
 Wunderheilung Jesu einmal behauptet: "Er treibt die bösen Geister aus durch
 Beelzebub, ihren Obersten" (Luk.11,15).
 Darum ergrimmt Jesus auf dem Weg zum Grab des Lazarus und ist betrübt, weil
 die Leute, die da alle herumstehen und laut weinen, nicht an ihn glauben.
 Auch Maria denkt, wie Martha am Anfang der Geschichte, der Retter sei hier
 zu spät gekommen. Soviel Unglaube und Hoffnungslosigkeit in der Gegenwart
 dessen, der die Auferstehung und das Leben ist! Trotzdem gibt Jesus das
 Zeichen, und ausführlich wird erzählt, daß er den Stein vom Grab
 herausruft. Und so scheiden sich dann die Geister: Die an Jesus glauben,
 nehmen das Zeichen als Hinweis auf ihn, als Gleichnis seiner Auferstehung;
 die anderen verstehen nicht, was er tut, weil sie nicht an ihn glauben.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du auch zu uns redest in
 deinem Wort, das uns das wahre Leben gibt. Laß uns immer bessere Hörer
 deines Wortes werden, damit unser Glaube einen festen Grund hat. Amen.@{ub}


@{i}                      Johannes 11,28-44@{ui}
@{b} Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm
 heraus! @{ub}   Joh 11,43

 Warum hat Jesus den Lazarus dem Tod entrissen? Wollte er seinem Freund,
 wollte er dessen Schwestern etwas Gutes tun?
 Wenn wir auf den Zusammenhang schauen, in dem dieses Wort Jesu steht, dann
 wird deutlich, daß es Jesus vor allem um das Volk geht, das dort in
 Bethanien im Trauerhaus und am Grab umhersteht. Jesus möchte, daß alle
 Leute, die da zusammengekommen sind, ermutigt werden, an ihn als den
 Christus Gottes zu glauben. Jesus vollzieht kein Schauwunder, das schon
 deshalb wirkungslos geblieben wäre, weil Lazarus später doch gestorben ist.
 Er lädt vielmehr jedermann ein, darauf zu vertrauen und damit zu rechnen,
 daß ihm alle Macht im Himmel und auf Erden übergeben ist, auch die Macht
 über den letzten Feind, den Tod. Wer dazu bereit ist, sich ganz auf Jesus
 und seine Macht zu verlassen, der wird leben, "ob er gleich stürbe".
 Es ist lebensnotwendig, fest damit zu rechnen, daß auf unserem Weg durch
 die engste Pforte einer dabei ist, von dem wir bekennen: "Tod, Sünd, Leben
 und Genad, alls in Händen er hat; er kann erretten alle, die zu ihm
 treten."                                                           C-S


@ENDNODE

@NODE "Johannes 11e" "Johannes 11,47-53"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 11,47-53@{ui}
@{b}                  Warum mußte Jesus sterben?@{ub}

 Diese Frage bewegt viele Menschen. War es wirklich Gottes Plan, oder ist
 Jesus das Opfer der Machtinteressen oder der Rivalitäten zwischen Juden und
 Römer geworden?
 Die Juden hatten Jesus zum Tode verurteilt - wegen Gotteslästerung. Aber
 Pontius Pilatus fand keine Schuld an ihm. So mußte der Hohe Rat erst
 drohen: "Läßt du diesen frei, so bist du des Kaisers Freund nicht!"
 In unserem Abschnitt aber hören wir, daß den führenden Juden die Zeichen
 und Wunder zu viel wurden, die Jesus tat. Ihr Ansehen beim Volk schien in
 Gefahr, und die Angst vor den Römern saß ihnen im Nacken. Kurz vor dieser
 Bibellesung steht, daß Jesus Lazarus auferweckt hat.
 Gewiß, es war noch nicht ewiges Leben, was Jesus Lazarus gegeben hat. Aber
 es verdeutlicht sein Wort: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Niemand
 kommt zum Vater denn durch mich." Und es war eine Unterstreichung dessen,
 was er damit gemeint hat. Die Mitte unseres Abschnitts, das doppeldeutige
 Wort des Kaiphas, weist - richtig verstanden - in die gleiche Richtung:
 Jesus muß sterben, damit wir leben. Jesus ist Mensch, er ist wie wir aus
 Fleisch und Blut, ein Mensch, der dem Tode verfallen ist. Aber Jesus
 verkörpert Gottes Freundlichkeit; er verkörpert sie auch in seinem Tode. Er
 ist allen nahe, die den Tod erleiden, besonders, wenn sie sterben wie er:
 verachtet, mißverstanden, zu Unrecht angeklagt und verurteilt, verhöhnt,
 geschunden. Was wäre wohl geworden, wenn Jesus hochgeachtet, alt und
 lebenssatt gestorben wäre? Die Geschundenen hätten ihn nicht als ihren
 Bruder ansehen können. So schmerzhaft und leidvoll der Tod am Kreuz ist:
 für Johannes ist er schon ein Stück Rückweg zum Vater, von dem Jesus ja
 herkommt. Darum faßt Johannes all das unter dem Stichwort "Erhöhung"
 zusammen, was unser Heil ausmacht: Kreuzigung und Tod, Auferweckung und
 Himmelfahrt. "Mußte Jesus so sterben?" Johannes antwortet: Ja, Jesus mußte
 so sterben, aber zu seinem Sterben gehört unlösbar die Auferstehung und die
 Rückkehr zum Vater. So wird das Ja Gottes zu dem Lebenswerk Jesu sichtbar,
 die Einheit von Vater und Sohn.
 Das prophetische Wort des Hohenpriesters Kaiphas, vom Sterben des einen für
 alle, auch für uns, verdeutlicht diese Sicht des Evangelisten Johannes.@{b}

 Lieber Vater im Himmel, immer wieder stoßen sich Menschen an dem Tode Jesu.
 Schenke es uns, daß wir ihn nicht nur in unserem Denken begreifen, sondern
 ihn auch dankbar und froh annehmen und danach leben. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 11f" "Johannes 11,45-54"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 11,45-54@{ui}
@{b}                Souverän auch auf dem Leidensweg@{ui}

 An Jesus scheiden sich die Geister: Die einen nehmen das Zeichen der
 Auferweckung des Lazarus als einen Hinweis auf Christus und glauben an ihn.
 Sie glauben also nicht an das Wunder, sondern an den Herrn, der die
 Auferstehung und das Leben ist, und bekommen in solchem Glauben Anteil an
 seinem ewigen Leben. Die anderen, die die Wahrheit nicht erkennen und Jesu
 Wirken mißverstehen, zeigen ihn bei den Hohepriestern an. Daraufhin tritt
 der Oberste Rat zusammen. Diese entscheidende Versammlung befürchtet, daß
 wegen des Wirken Jesu die Römer eines Tages einschreiten und die Existenz
 des Volkes vernichten könnten. Die mißverstehen das Wirken Jesu als ein
 politisches, weil sie nicht erkennen, daß sein Reich nicht von dieser Welt
 ist. Schließlich stellt der leitende Hohepriester Kaiphas fest, daß die
 Klugheit erfordere, das kleinere Übel dem größeren vorzuziehen. So müsse
 hier also im Interesse des Volkes der einzelne geopfert werden. Und gerade
 dieser Satz wird in einem ganz anderen Sinn Geltung bekommen. Gegen sein
 Wissen und Wollen macht Kaiphas hier eine prophetische Aussage. Was er
 sagt, wird erfüllt werden, denn Jesus wird für sein Volk, ja für alle
 Kinder Gottes in der Welt, sterben. Was der Oberste Rat nach den Gesetzen
 seiner Klugheit beschließt, muß dazu dienen, daß der Wille Gottes im Kreuze
 Jesu zur Erfüllung kommt. So muß alles, was Menschen tun, selbst wenn böse
 Absichten dabei im Spiele sind, in jedem Fall dazu beitragen, daß Gottes
 Wille in Jesus Christus zum Heil der Welt geschieht.@{b}

 Herr, unser Gott! Du hältst Menschen und Mächte in deiner Hand und führst
 die Welt deinem Ziel entgegen. Wir bitten dich, gib uns immer neu den
 rechten Glauben, daß wir dir ganz vertrauen und alle Resignation
 überwinden. Amen. @{ub}


@{i}                    Johannes 11,45-54@{ui}
@{b} Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß das
 ganze Volk verderbe.@{ub}   Joh 11,50

 Das sagt Kaiphas, der Hohepriester. Er spricht einen Grundsatz aus, der
 allgemeine Überzeugungskraft hat. Es ist besser, wenn einer seine Hand
 durch eine schmerzhafte Operation verliert, als daß der ganze Körper
 vergiftet wird und zugrunde geht. Es ist besser, dieser eine, Jesus von
 Nazareth, wird geopfert, als daß alle ins Verderben gebracht werden. Denn
 er zieht viele Menschen in seinen Bann, es wird zu Unruhen kommen, die
 Römer werden hart durchgreifen, alle haben es dann auszubaden. -
 Der Evangelist Johannes aber erkennt in diesen Ratschlag des Kaiphas eine
 tiefere Wahrheit, den Heilswillen Gottes. Dieser eine, der Sohn Gottes,
 soll dahingegeben werden, damit das Unheil von allen abgewendet wird, damit
 sie durch sein Opfer Leben gewinnt. So ist Kaiphas, ohne daß es ihm selbst
 bewußt ist, zum Mund Gottes geworden, der die tiefere Wahrheit ausspricht.
   Hat nicht die Gemeinde Jesu zu allen Zeiten erlebt, daß Gottes Werk durch
 Menschenweisheit nicht außer Kraft gesetzt werden kann, daß alles dem
 großen Ziel Gottes dienen muß, selbst das Böse?              K-E



@ENDNODE

@NODE "Johannes 11g" "Johannes 11,55-57"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 11,45-54@{ui}
@{b}                Souverän auch auf dem Leidensweg@{ui}

 An Jesus scheiden sich die Geister: Die einen nehmen das Zeichen der
 Auferweckung des Lazarus als einen Hinweis auf Christus und glauben an ihn.
 Sie glauben also nicht an das Wunder, sondern an den Herrn, der die
 Auferstehung und das Leben ist, und bekommen in solchem Glauben Anteil an
 seinem ewigen Leben. Die anderen, die die Wahrheit nicht erkennen und Jesu
 Wirken mißverstehen, zeigen ihn bei den Hohepriestern an. Daraufhin tritt
 der Oberste Rat zusammen. Diese entscheidende Versammlung befürchtet, daß
 wegen des Wirken Jesu die Römer eines Tages einschreiten und die Existenz
 des Volkes vernichten könnten. Die mißverstehen das Wirken Jesu als ein
 politisches, weil sie nicht erkennen, daß sein Reich nicht von dieser Welt
 ist. Schließlich stellt der leitende Hohepriester Kaiphas fest, daß die
 Klugheit erfordere, das kleinere Übel dem größeren vorzuziehen. So müsse
 hier also im Interesse des Volkes der einzelne geopfert werden. Und gerade
 dieser Satz wird in einem ganz anderen Sinn Geltung bekommen. Gegen sein
 Wissen und Wollen macht Kaiphas hier eine prophetische Aussage. Was er
 sagt, wird erfüllt werden, denn Jesus wird für sein Volk, ja für alle
 Kinder Gottes in der Welt, sterben. Was der Oberste Rat nach den Gesetzen
 seiner Klugheit beschließt, muß dazu dienen, daß der Wille Gottes im Kreuze
 Jesu zur Erfüllung kommt. So muß alles, was Menschen tun, selbst wenn böse
 Absichten dabei im Spiele sind, in jedem Fall dazu beitragen, daß Gottes
 Wille in Jesus Christus zum Heil der Welt geschieht.@{b}

 Herr, unser Gott! Du hältst Menschen und Mächte in deiner Hand und führst
 die Welt deinem Ziel entgegen. Wir bitten dich, gib uns immer neu den
 rechten Glauben, daß wir dir ganz vertrauen und alle Resignation
 überwinden. Amen. @{ub}


@{i}                    Johannes 11,45-54@{ui}
@{b} Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß das
 ganze Volk verderbe.@{ub}   Joh 11,50

 Das sagt Kaiphas, der Hohepriester. Er spricht einen Grundsatz aus, der
 allgemeine Überzeugungskraft hat. Es ist besser, wenn einer seine Hand
 durch eine schmerzhafte Operation verliert, als daß der ganze Körper
 vergiftet wird und zugrunde geht. Es ist besser, dieser eine, Jesus von
 Nazareth, wird geopfert, als daß alle ins Verderben gebracht werden. Denn
 er zieht viele Menschen in seinen Bann, es wird zu Unruhen kommen, die
 Römer werden hart durchgreifen, alle haben es dann auszubaden. -
 Der Evangelist Johannes aber erkennt in diesen Ratschlag des Kaiphas eine
 tiefere Wahrheit, den Heilswillen Gottes. Dieser eine, der Sohn Gottes,
 soll dahingegeben werden, damit das Unheil von allen abgewendet wird, damit
 sie durch sein Opfer Leben gewinnt. So ist Kaiphas, ohne daß es ihm selbst
 bewußt ist, zum Mund Gottes geworden, der die tiefere Wahrheit ausspricht.
   Hat nicht die Gemeinde Jesu zu allen Zeiten erlebt, daß Gottes Werk durch
 Menschenweisheit nicht außer Kraft gesetzt werden kann, daß alles dem
 großen Ziel Gottes dienen muß, selbst das Böse?              K-E



@ENDNODE

@NODE "Johannes 12a" "Johannes 12,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 12,1-11@{ui}
@{b}                   Verschwenderische Liebe@{ub}

 Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Sein Tod ist bei den Gegnern bereits
 beschlossene Sache. Andererseits ist vielen Menschen die Begegnung mit
 Jesus zum entscheidenden Ereignis ihres Lebens geworden. Sie begegnen ihm
 mit Liebe und Verehrung.
 Eine von ihnen ist Maria. Sie erweist Jesus einen Dienst, der über das
 übliche Maß von Gastfreundschaft hinausgeht. Verschwenderisch geht sie mit
 teuerster Salbe um. Ein Motiv wird nicht genannt. Aber kurz zuvor lesen wir
 von der Auferweckung ihres Bruders Lazarus. Sie will ihre Dankbarkeit dafür
 bezeugen. Dankbare Liebe läßt sie verschwenderisch sein. Sie tut das ganz
 demütig, indem sie die Füße Jesu und nicht sein Haupt salbt. Die Geste
 dankbarer Liebe wird aber von Judas mißverstanden, der nach diesem Bericht
 jedes Ding nur von seinem Nutzen her bewertet. Er sieht in dem allem reine
 Verschwendung, die nichts bringt. Er war, wie Johannes erzählt, jahrelang
 mit Jesus umhergezogen und ihm nahe gewesen; er hatte noch immer nichts
 begriffen. Es scheint zwar so, als sei ihm das Anliegen Jesu, sich den
 Armen und Hilflosen zuzuwenden, wichtig. Aber welche große Möglichkeit für
 sein Leben ihm mit Jesus von Gott her gegeben ist, hat er nicht verstanden.
 Auch daß ein Mensch gerne die Liebe zu Jesus allen Verpflichtungen
 vorordnet, ist ihm unverständlich geblieben. Darum rechtfertigt Jesus das
 Verhalten dieser Frau. Wo sich Menschen aus Dankbarkeit Jesus gegenüber
 verschwenden, da zeigt sich, daß alle Dinge des Lebens für sie einen neuen
 Wert bekommen haben, der nicht mit Geld aufzurechnen ist.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Du hast unser Leben durch deinen Sohn reich
 gemacht. Wir wissen uns von dir geliebt und angenommen. Laß uns dafür
 dankbar und bereit sein, diesen Dank uns auch etwas kosten zu lassen. Amen.
@{ub}

@{i}                      Johannes 12,1-11@{ui}
@{b} Da sprach Jesus: Laß sie in Frieden! Es soll gelten für den Tag meines
 Begräbnisses.@{ub}  Joh 12,7

 Maria tut mehr, als sie weiß. Ihre Anhänglichkeit und Liebe zu Jesus zeigt
 sie in der verschwenderischen Salbung. Sie verströmt sich und macht sich
 damit zugleich verletzbar. Aber Jesus nimmt sie in Schutz. Er bringt ihr
 Handeln mit seinem Tod in Verbindung, dem er entgegengeht. Er deutet die
 Salbung als künftige Einbalsamierung seines Leichnams. Er versteht sie als
 vorausahnende Einwilligung in sein stellvertretendes Leiden. Jesus erhebt
 Marias liebevolle Geste zum tiefen Symbol seiner Sendung. -
 Die Passionszeit ruft uns. Jesus wieder auf seinen Weg nachzufolgen. Seine
 Leidensgeschichte begleitet uns von jetzt an. Sie lädt uns ein, daß wir sie
 betrachten und bedenken. Manche Leute verzichten in diesen Wochen auf
 etwas, das ihnen angenehm ist. Manche opfern Zeit oder Geld für jemanden,
 der sich nach Menschlichkeit sehnt. Niemand soll meinen, daß solche Ansätze
 zu gering oder ungeschickt seien. Jesus läßt sie sich gefallen. Er versteht
 sie vollkommener, als wir sie je gemeint haben können. So wie er Marias
 Salbung angenommen und geadelt hat.                                  D-N
@{i}              Wenigstens einer@{ui}                   Gedicht
                  "Sag doch einmal etwas über die Hausfrauen",
                  meinte meine Frau.
                  "Die arbeitet doch auch,
                  und keiner redet davon."
                  Sie hatte natürlich völlig recht.
                  Wenn ich nur daran denke,
                  wie viele Kinder jeden Tag
                  versorgt werden müssen,
                  und wie viele Kranke und Alte
                  hilflos wären ohne diesen Dienst.
                  Ich kann mir gar nicht vorstellen,
                  wie das ohne sie gehen sollte...
                  Im Lichte stehen die Hausfrauen kaum.
                  Sie tun ihre Auftreibende, entsagungsvolle Arbeit
                  ohne viel Anerkennung.
                  Vom Geld ganz zu schweigen.
                  Vielleicht ist das ein Trost,
                  was in der Bibel steht:
                  "Ich kenne deine Mühsal, spricht der Herr"(Offb 2,2).
                  Wenigstens einer, der sieht, was sie tun.
                                Karl Christian Götzger


@ENDNODE

@NODE "Johannes 12b" "Johannes 12,12-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 12,12-19@{ui}
@{b}                Ein großes Mißverständnis@{ub}

 Jesu Einzug in Jerusalem wird uns als Sensation geschildert. Alles geschah
 dabei spontan. Der Jubel galt dem Mann, der auf einzigartige Weise seine
 Macht offenbart hatte. Die Auferweckung des Lazarus war in aller Munde, als
 sie ihm zuriefen: "Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn."
 So wurde Jesus als König empfangen, von dem man alles erwarten konnte.
 Schon einmal wollten sie ihn zum König machen. Damals hatte er fünftausend
 Menschen wunderbar gespeist. Von einem solchen Menschen war noch mehr zu
 erwarten. Ihn hielten sie für fähig, die entscheidende Wende im politischen
 Leben des jüdischen Volkes herbeizuführen. Außerdem hatte er selber davon
 gesprochen, daß er von Gott gesandt sei. So schienen die Gebete des Volkes
 um Errettung erhört. Darum jubelte es Jesus zu.
 Andererseits ist es aber auffällig, daß wir nichts von einer Reaktion Jesu
 hören. War nicht dieser triumphale Empfang in Jerusalem ein einziges
 Mißverständnis? Von den Jüngern heißt es, daß sie zunächst nichts
 verstanden. Nach Jesu Tod und Auferstehung begannen die Jünger aber zu
 verstehen, daß Jesus zu Recht so begrüßt wird: "Gelobt sei, der da kommt in
 dem Namen des Herrn." Da wurde ihnen bewußt, wie sehr das nach Ostern
 verständlich wird. Von seiner Verherrlichung her erscheint auch diese
 Geschichte in einem neuen Licht, nämlich als Zeichen der anbrechenden
 Gottesherrschaft.
 Weil Jesus uns verändert und zum ewigen Leben führt, sind Dankbarkeit und
 Freude am Platz. Sie sind unmißverständlich.@{b}

 Herr Jesus Christus! Du hast dich uns Menschen ausgeliefert: unseren
 Mißverständnissen, unserer Macht und Willkür, um uns heimzubringen zu dir.
 Laß uns bei aller Arbeit nicht vergessen, daß unser Leben durch dich neu
 geworden ist. Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 12,12-19@{ui}
@{b} Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, daß ihr nichts
 ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.@{ub}  Joh 12,19

 Sie wollten zum letzten Schlag gegen diesen Jesus ausholen, dann traf sie
 dieser Menschenauflauf wie ein Schlag. Die Pharisäer steckten nach dem
 Einzug in Jerusalem die Köpfe zusammen: Diese Abstimmungsergebnis mit den
 Füßen ist eindeutig; alle Welt rennt ihm nach; wir richten nichts mehr aus.
 Das ist doch die Stunde Jesu! Jetzt kann er seine Macht ausspielen. Jetzt
 braucht er nur noch zum Sturm auf den Tempel zu blasen - aber Jesus reitet
 am Tempel vorbei. Hätte er doch wenigstens einen Fluch ausgestoßen, diese
 frommen Männer entlarvt, anstatt sie einfach weitermachen zu lassen!
 Jesus aber will die Zahl der Machtmenschen nicht vermehren. Solche, die
 andere an die Wand spielen, austricksen und aufhängen, gibt es genug. Wir
 brauchen jemand, der uns nicht mit Macht, sondern mit Liebe begegnet.
 Wir sehnen uns nach einem, der uns Ohnmächtige mächtig macht, auch und
 gerade angesichts des Todes.
 Deshalb widersteht Jesus jeder Versuchung und reitet am Tempel vorbei nach
 Golgatha. Dort wird er seine Übermacht beweisen.                    E-S


@ENDNODE

@NODE "Johannes 12c" "Johannes 12,20-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 12,20-26@{ui}
@{b}                   Bereit zur Nachfolge?@{ub}

 Die Frage der Griechen ist verständlich. Sie hatten von Jesus gehört; nun
 wollten sie ihn auch sehen. Wie es scheint, ging Jesus auf diese Bitte
 nicht ein.
 Nicht auf die menschliche Gestalt kommt es an, sondern darauf, was durch
 sie in Bewegung gebracht wird. Jesus muß sterben, wenn daraus gleichsam
 "Frucht" für uns erwachsen sollte. Gleichzeitig nennt Jesus für seine
 Jünger und alle Menschen den bewußten Verzicht eine wichtige Voraussetzung
 für Entdeckungen in einem neuen Leben. Wir entdecken aber bei uns meistens
 Widerstände gegen eine solche Lebenshaltung. Unsere Lebensfreude ist größer
 als die Bereitschaft, um Jesu willen Opfer zu bringen. Dabei ist nicht
 einmal an die Hingabe des Lebens zu denken, wie es hier herausgehört wird.
 Verzicht kann Opfer werden, wenn uns dieser sehr schwer wird. Unsere
 Freizeit und unser Geld können angefragt sein, wenn es gilt, sich im Namen
 Jesu der Not anderer Menschen anzunehmen. Jeder Rückzug vom gelebten
 Glauben bringt unserem Leben einen Qualitätsverlust, der uns früher oder
 später einmal schmerzlich bewußt wird. Deshalb ruft Jesus in die Nachfolge,
 damit wir uns am Wort und der Zusage Jesu orientieren. Auch wenn wir das
 tun und ihm nachfolgen, gibt es Höhen und Tiefen im Leben, aber niemals ein
 Fernsein von Gott. Er will, wie es heißt, einen solchen Menschen ehren,
 d.h., er will an ihm seine Verheißung zur Erfüllung bringen. Wir erfahren,
 daß er über uns Herr ist, wenn wir in seiner Nachfolge leben.@{b}

 Herr Gott, himmlischer Vater! Wir danken dir, daß du uns zum Glauben an
 deinen Sohn berufen hast. Gib, daß uns dieser Glaube wichtig bleibt, damit
 wir deinen Sohn allezeit vor Augen haben und zu seiner Nachfolge bereit
 sind. Amen.@{ub}


@{i}                  Johannes 12,20-26@{ui}
@{b} Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein
 Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.@{ub}
 Joh 12,26
 Nachfolge Jesu ist kein Herrschen. Sie ist Dienst. Denn unser Herr ist
 selber ein Diener. Wer in seine Fußstapfen tritt, wird dienen - oder er
 geht nicht in seinen Fußstapfen.
 Es ist ein Dienst, der aufs Ganze geht. Er fordert nicht ETWAS von uns. Er
 fordert UNS. Um unsere ganze Lebenshingabe geht es. Das Leben hingeben -
 das heißt bei Licht besehen: sterben. So ist es tatsächlich auch gemeint.
 Das ist nicht jedermanns Sache. Wer stirbt schon gern? Aber da ist ein
 Unterschied: Alles Sterben dieser Welt hat mit Trauer zu tun, mit Gräbern,
 mit Verwesungsgeruch.
 Schlechte Aussichten, kann man da nur sagen. Das Sterben im Dienst Jesu
 aber hat mit Freude zu tun. Auferstehungskräfte wirken da jetzt schon mit.
 Dieses Sterben ist umweht von würzigem Lebensgeruch. Jesus gönnt uns dieses
 Sterben, diesen Dienst, der so kostbar und teuer ist.
 Warum ist er so kostbar? Weil er im Windschatten Jesu geschieht. Ganz nah
 bei ihm, an seiner Hand.
 "Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein." Herzliche Einladung zum
 Dienst!                                                              Ei-S


@ENDNODE

@NODE "Johannes 12d" "Johannes 12,27-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 12,27-33@{ui}
@{b}                   Die Verherrlichung Gottes@{ub}

 Ein kurzes Gebet Jesu zeigt uns, daß Jesus wirklicher Mensch war. Es läßt
 uns Ängste erkennen vor den Ereignissen, die auf ihn zukamen. Andererseits
 ist es von der Gewißheit geprägt, daß sein ganzer Einsatz der
 Verherrlichung des himmlischen Vaters dient.
 Diese beiden Einblicke bewahren uns davor, in Jesus einen Helden zu sehen,
 der über alle Anfechtungen und Ängste erhaben war. Dadurch kommt er uns
 sehr nahe. In dieser Nähe zu uns ereignet sich jene Verherrlichung des
 Namens Gottes, um die Jesus betet. Nun ist Gott nicht mehr der ferne oder
 gar fremde Gott, sondern derjenige, der sich der Menschen annimmt. Dadurch
 war der Name Gottes schon zuvor unter Menschen verherrlicht worden. Immer
 wieder lesen wir darüber in den Evangelien und auch davon, wie Menschen
 hierfür Gott lobten und ihm dankten. Doch ebenso soll der Name Gottes durch
 das Leiden und schließlich durch die Auferweckung des Sohnes verherrlicht
 werden. Offenbart sich doch im Leiden Jesu Gottes Liebe, die um
 unsertwillen zum größten Opfer bereit ist; außerdem wird sich hierdurch das
 Gericht am Fürsten der Welt vollziehen. In der Stunde seines größten
 Triumphes wird eben dieser Fürst entmachtet. Zwar übt er auch weiterhin
 Macht aus; er wird weiterhin Menschen verführen, ihr Leben zum eigenen
 Vorteil auf Kosten anderer zu gestalten. Wo sich aber Menschen auf Christus
 einlassen, da werden sie frei von diesen alten Bindungen. Sie wissen sich
 unter der Herrschaft Jesu, durch die ihr Leben einen neuen Inhalt erhalten
 hat.@{b}
 Himmlischer Vater! Wir danken dir für diesen Tag. Gib uns dir Kraft, alle
 Aufgaben, die uns gestellt werden, zu bewältigen. Binde uns jederzeit an
 dich und verherrliche durch unser Tun deinen Namen. Amen.

                  Der Messias@{ub}                       Gedicht
          Er, den man ans Kreuz schlug,
          weil er offen eine Metropole provozierte
          und die frommen Oberhäupter seiner Zeit und seines Landes,
          er war der Messias, der Christus,
          der von Gott gesandt war in die Welt.
          Aber die Menschen wollten es nicht glauben,
          denn es ist viel leichter und angenehmer,
          Sehnsucht zu haben und zu warten und sich etwas auszumalen,
          als dem Einen zu begegnen, der von sich gesagt hat:
          Ja, ich bin es. Gott hat mich gesandt.
          Ich bringe Frieden, Liebe und Gerechtigkeit.
          Ihr sollt sie von mir lernen. Ihm zu glauben heißt,
          ihm nachzufolgen und ihm gleich zu werden.
             Und das ist schwer.
                                  @{i}Hannelore Frank


                           Johannes 12,27-33@{ui}
@{b} Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich
 habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.@{ub}
 Joh 12,28

 Die Stunde ist da. Die Stunde der eigentlichen Arbeit Jesu. Erst wenn diese
 Stunde von ihm durchlitten sein wird, wird Jesus rufen können: "Es ist
 vollbracht!" Dann wird Jesus Menschen zu sich ziehen, die rechtmäßig ihm
 gehören. Dann wird der Teufel als "Fürst dieser Welt" die
 Entscheidungsschlacht verloren haben.
 Was sind das für Zusammenhänge! es ist, als ob uns dafür ein Organ fehlen
 würde. Damals schon und heute erst recht. Als damals Gott aus seiner Welt
 seine Stimme hören ließ, gab es unterschiedliche Erklärungen. Natürliche
 und Übernatürliche. Die einen vermuteten ein Frühjahrsgewitter. Die anderen
 wähnten einen Engel am Werk. Aber die "Stimme vom Himmel" selbst verstand
 keiner. So ferne sind wir von der Erkenntnis Gottes. -
 Wie gut ist es darum, daß Jesu Gebet auch für uns heute gilt: "Vater,
 verherrliche deinen Namen!"
 Es wäre zuwenig, bloß Mitleid mit dem leidenden Jesus zu haben. Jesus will,
 daß uns Gott sein großes Handeln in der "Stunde" Jesu erkennen läßt.
                                                                Sch-S

@ENDNODE

@NODE "Johannes 12e" "Johannes 12,34-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 12,34-36@{ui}
@{b}                     Glaube an das Licht!@{ub}

 Wo Menschen sich an Jesus stoßen, haben sie stets Fragen. Das ist gut so.
 Menschen, die nichts mehr fragen, sind mit sich und der Welt fertig. Fragen
 führen weiter. Wichtig ist, daß einer da ist, der sie beantwortet.
 Damals hatten die Menschen auch ihre Fragen an Jesus. Ihre Vorstellungen
 vom erwarteten Christus deckte sich nicht mit der Selbstdarstellung Jesu.
 Sie erwarteten einen in Ewigkeit unveränderlich bleibenden Christus. Jesus
 aber spricht von seiner Erhöhung. Das ließ die Menschen fragen. Doch Jesus
 meint mit der Erhöhung das Kreuz und den Tod und auch schon die
 Auferstehung. Das gibt dem gegenwärtigen Augenblick seine Bedeutung. Ihn
 gilt es zu nutzen. Jesus spricht von sich in diesem Zusammenhang als dem
 Licht, das nur noch kurze Zeit den Menschen leuchtet. Es will die
 Finsternis im Menschen durchdringen. Nur so können Menschen zu Kindern des
 Lichts werden.
 Über die Frucht des Lichtes lesen wir im Epheserbrief, daß sie in lauter
 Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit besteht. Das ist es, was der Mensch und
 die Welt brauchen und was sie zu einer wirklichen Zukunftshoffnung
 berechtigt. Doch die hierfür gegebene Gelegenheit muß genutzt werden. Uns
 gilt das Wort: "Glaubt an das Licht, solange ihr's habt!"
 Damit ist nicht nur unser Glaube an Jesus angesprochen, sondern auch unser
 Verhältnis zur Gegenwart. Die Entscheidungen fallen heute. Heute gilt es,
 sich dem Licht zu öffnen und durch den Glauben Klarheit ins eigene Leben zu
 bekommen. Dadurch wird sich vieles in unserem Leben neu ordnen lassen.@{b}

 Vater im Himmel! Wir danken dir für das Licht das dein Sohn in unsere Welt
 brachte. Wir bekennen dir, daß wir oft in der Finsternis bleiben. Gib, daß
 das Licht unsere Finsternis durchdringt und neue Klarheit schafft. Amen.

                    Ich bin das Licht...@{ub}         Gedicht
           Laß mich offen sein, Herr, für dein Licht.
           Gehe ein in mich, in jede Pore meines Körpers,
           in alle Dunkelheiten meiner Seele.
           Durchdringe mich mit dem Blick deiner Augen
           bis in die Abgründe des Unterbewußten.
           Und so wandle mich, Herr,
           denn nichts kann bleiben
           vor deinen Augen,
           wie es war in Schatten und Nacht.
           Alles wird Licht,
           alles wird Liebe,
           was sich deinem Antlitz zuwendet
           in blindem Vertrauen.
           @{i}      Otto Gillen


                            Johannes 12,34-36@{ui}
@{b} Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes
 werdet.@{ub}   Joh 12,36

 An das Licht glauben - ein merkwürdiger Befehl! Geht das überhaupt? Ist
 Glaube nicht immer ein Vertrauen zu einer Person, die nicht lügt, deren
 Wort die Wahrheit ist?
 Glaube ist doch das tragfähige Vertrauensverhältnis zwischen zwei Personen.
 Jesu Wort und Jesu Person wurden in Frage gestellt, in Zweifel gezogen.
 Deshalb spricht er jetzt von sich als dem Licht. Wer ihm vertraut, wer ihm
 folgt, wird nicht betrogen, belogen oder getäuscht. Jesus stellt fest: Ihr
 habt - noch - das Licht.
 Welch eine Chance ist das! Doch das Licht bleibt nicht für immer. Damit
 weist Jesus zunächst auf seinen Abschied von der Welt, auf seinen
 Kreuzestod hin. Aber auch für uns, die wir wissen, daß Jesus auferstanden
 ist und für immer lebt, gibt es ein Zuspät. Wir können die Gnadenzeit
 verschlafen, die Frist, die uns gegeben ist versäumen. Jesus mahnt uns
 deshalb: Schiebt eure Entscheidung nicht auf die lange Bank, schenkt mit
 eurer ganzes Vertrauen, hört meinen Ruf, bleibt nicht im Schatten des Todes
 sitzen. Ich mache eurer Leben hell. Bei mir werdet ihr zu Kindern des
 Lichts.                                                             H-N


@{i}                       Johannes 12,34-36@{ui}
@{b}                      Glaubt an das Licht!

 Heute feiern wir den letzten Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Unsere
 Weihnachtslieder sind noch nicht verklungen, die Lesungen von Weihnachten
 und dem Epiphaniastag haben wir noch frisch in der Erinnerung. In Häusern,
 Gemeinderäumen und Kirchen glänzten, wie in allen Jahren, auch diesmal
 wieder Lichterketten, Sterne und Transparente. Was bleibt aber, wenn wir
 diese äußeren Symbole wegräumen? Trösten wir uns vielleicht mit einer
 allgemeinen Lichtgläubigkeit, etwa in der Art: Nun werden zum Glück die
 Tage wieder länger, letzten Endes wird das Licht dich siegen?
 In unserem heutigen Predigttext ist ganz eindeutig von Christus, dem Licht,
 die Rede. Und dieses Licht ist keine Illumination oder bengalische
 Beleuchtung, die man nach Bedarf beiseite räumen kann. Dieses Licht
 leuchtet so hell, daß auch wir Kinder des Lichtes werden können. Ob wir das
 sind, zeigt sich nach einer anderen Bibelstelle daran, wie wir es mit der
 Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit halten (Epheser 5,9).
 Aber nun enthält unser heutiger Bibeltext auch auch eine Mahnung, daß wir
 mit dem Licht, das uns in Christus zuteil wird, nicht leichtfertig umgehen.
 Immer und für alle Zeit wird es in gleicher Weise nicht für uns da sein.
 Niemand kann vorher berechnen, wie lange Gottes Gnadenstunde währt.
 Unser irdisches Licht, in der Gestalt der Sonne kommt in genau bekannten
 und berechenbaren Rhythmen zu uns. Wie lange Christus in seiner Gnade bei
 uns bleibt und eine finstere, dunkle Nacht ausbleibt, kann keiner von uns
 errechnen. Deshalb ist es so wichtig, die vorhandene Zeit zu nutzen. Denn
 das haben auch die Christen früherer Jahrhunderte schon gewußt, daß die
 Finsternis plötzlich und unverhofft wieder Gewalt über uns bekommen kann.
 So singt der Liederdichter Johann Heinrich Schröder 1695: "Jesu hilf
 siegen, du Fürste des Lebens, sieh wie die Finsternis dringet herein."
 Und die Alte Kirche legte immer ganz besonderen Wert darauf, daß im
 Abendmahl Christus als das Licht erscheint und daß jeder, der daran glaubt,
 sich durch die Feier des heiligen Mahles gegen die Finsternis wappnen zu
 könne.
 So mahnt uns heute dieser Text auch, die Zeit, die Gott uns schenkt, zu
 nutzen als eine Zeit, in der er da ist wie ein helles Licht. Daß er sich
 auch verbergen kann, lesen wir als ernste Mahnung.@{b}

 Herr Christus, du bist das helle Licht, das auch unsere Gegenwart
 erleuchten will. Wir bitten dich heute: Bleibe bei uns in dieser unserer
 Zeit und verbirg dich nicht vor uns. Erleuchte auch die Dunkelheit unserer
 Tage. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 12f" "Johannes 12,37-43"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 12,37-43@{ui}
@{b}                   Ohnmacht des Glaubens?

 Damals wie heute bewegt Christen die Frage, weshalb sich so viele Menschen
 der guten Botschaft Gottes verschließen.
 Für Jesaja war das ebenso ein Problem wie für den Evangelisten Johannes.
 Unsere Fragen gehen in dieselbe Richtung. Eigentlich müßte die Predigt von
 Christus doch alle Menschen erreichen, da er für die ganze Welt am Kreuz
 starb. Besitzt das Evangelium letztlich nicht die Kraft, die wir ihm
 zutrauen? Immerhin wird fast zweitausend Jahre dieses Evangelium von Jesus
 gepredigt. Hat es viel bewirken können? Vieles spricht dafür, eine solche
 Frage zu verneinen. Der Evangelist Johannes sieht hierfür zwei Gründe:
 Einmal findet er eine Antwort in der Predigt des Jesaja. Daraus geht
 hervor, daß diese Taubheit von Anfang an in den Heilsplan Gottes mit
 eingeschlossen ist.
 Von Pharao lesen wir einmal, daß Gott ihn in seiner Verstocktheit am Leben
 erhalten habe, damit an ihm die Kraft Gottes sichtbar würde.
 Wenn das Licht Jesu Christi in die Welt scheint, wird die Finsternis
 außerhalb dieses Lichtbereichs erst spürbar. Aber noch ein anderer Grund
 wird hier für die Verstocktheit der Menschen genannt. Es ist die Angst,
 durch das Bekenntnis zu Jesus an anderer Stelle etwas zu verlieren, und
 wenn es das Ansehen vor den Menschen ist.
 Wir lesen von den Oberen im Volk, die trotz ihres Glaubens diesen nicht
 öffentlich bekannten, weil sie den Ausschluß aus der Synagoge fürchteten.
 Trotz allem dürfen wir daran festhalten, daß das Evangelium allen Menschen
 gilt und denen, die es annehmen, Hilfe, Erneuerung und Hoffnung schenkt.
@{b}
 Herr Jesus Christus! Wir erleben um uns herum sehr viel Unglauben. Laß uns
 dadurch nicht unsicher werden, sondern daran festhalten, daß du deinen
 guten Weg mit uns gehen wirst und daß dein Wort am Ende den Sieg behält.
 Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 12,37-43@{ui}
@{b} Auch von den Oberen glaubten viele an ihn; aber um der Pharisäer willen
 bekannten sie es nicht, um nicht aus der Synagoge ausgestoßen zu werden.
@{ub} Joh.12,42

 Sie glaubten an ihn - und kreuzigten ihn. Sie gehörten nicht zu den
 Menschen, von denen Jesus am Kreuz sagte: "...denn sie wissen nicht, was
 sie tun." Ihnen hatte Gott nicht "ihre Augen verblendet und ihr Herz
 verstockt" (V.40).
 Die "Oberen", die Jesus als Gottes Sohn erkannten, wußten, was sie taten,
 als sie im hohen Rat für seine Hinrichtung stimmten. Aus Furcht vor den
 anderen opferten sie ihr Gewissen und ihre "Ehre bei Gott".
 Glaube ohne Bekenntnis ist schlimmer als Unglaube. Wird es auch einmal von
 mir heißen: Um der Nachbarn und Arbeitskollegen willen bekannte er seinen
 Glauben nicht, um nicht aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen zu werden, denn
 er hatte "lieber Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott"?
 Sind wir bereit, für Jesus auch Nachteile in Kauf zu nehmen? Christen, die
 Christus nicht bekennen, liefern ihn ans Kreuz. -
 Herr, vergib uns, denn wir wissen, was wir tun. Wir haben deine
 Herrlichkeit gesehen. Laß uns heute mutig und fröhlich von dir reden.
                                                                 D-S


@ENDNODE

@NODE "Johannes 12g" "Johannes 12,44-50"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 12,44-50@{ui}
@{b}                      Gott in Christus@{ub}

 Nach der Überlieferung des Johannes ist Jesus mit den Worten unseres
 heutigen Bibelabschnittes zum letzten Mal vor seiner Gefangennahme an die
 Öffentlichkeit getreten. Noch einmal faßt er in ihnen die wichtigsten
 Punkte seiner Verkündigung zusammen. Hierbei verweist er besonders auf
 seine Einheit mit dem Vater: "Wer mich sieht, der sieht den, der mich
 gesandt hat."
 Nur in ihm, in Jesus Christus, hat Gott sein rettendes und helfendes
 Handeln uns zugewandt. Im Blick auf den Sohn wird uns Gottes Barmherzigkeit
 bewußt und konkret. Darum können unsere Hinwendung und unser Vertrauen zu
 Christus immer nur Hinwendung und Vertrauen zum lebendigen Gott sein. Weil
 Vater und Sohn eine Einheit sind, bekommen das Leben und die Predigt Jesu
 ihr besonderes Gewicht. Deshalb ist Jesus zum Licht der Welt geworden.
 Weder in den unerklärbaren Dingen dieser Welt noch in der Natur finden wir
 Gott, sondern allein in Jesus Christus begegnen wir der Liebe Gottes, die
 unser Leben hell machen kann. Wer im Glauben an Jesus Christus ja sagt zu
 Gott, für den wird im Leben vieles neu werden; er sieht nun, worauf es in
 seinem Leben ankommt. Das macht aber gleichzeitig den Anspruch des Wortes
 Jesu deutlich: "Was ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt
 hat." Dieses Wort ist nicht dazu da, daß man darüber mehr oder minder
 gelehrt diskutiert, sondern daß es uns in die Entscheidung stellt.
 Wenn Gott es ist, der durch Jesus Christus zu uns redet, dann kann es sich
 bei dieser Entscheidung nur um eine solche für oder gegen Gott handeln. Wo
 es aber um Gott geht, da geht es für uns immer um Leben und Tod, um
 Vollendung oder Untergang. Wir können Gott nur danken, daß er uns durch
 Jesus Christus die Möglichkeit des Lebens geschenkt hat!@{b}

 Barmherziger Gott und Vater! Gehe du mit uns in die vor uns liegende Woche.
 Gib Gelingen zu unserem Werk und schenke uns bei aller Arbeit jene
 Augenblicke der Stille, in denen wir offen sind für dein Wort, damit wir
 dich nicht aus den Augen verlieren. Amen.

                   Gib mir ein starkes Herz@{ub}        Gedicht
                     Gib mir ein starkes Herz,
                     auch das Schwerste zu tragen;
                     gib mir den Mut zum JA
                     noch in den dunkelsten Tagen.
                     Gib mir den hellen Schein,
                     der überm Walde steht,
                     wenn vor dem nächtlichen Gang
                     scheidend der Tag vergeht.
                     Gib mir zum Lächeln Kraft
                     und zum Verstehen und Begreifen;
                     laß mich zur Bruderschaft
                     wachsen und reifen!
                     @{i}       Ernst Kurt Exner


                           Johannes 12,44-50@{ui}
@{b} Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern
 an den, der mich gesandt hat.@{ub}   Joh 12,44

 Das ist kennzeichnend für Jesus: Er will keinen Glauben, der nicht zugleich
 und zuerst Glaube an Gott, den Vater, ist. So eng ist das Verhältnis zu
 dem, der ihn gesandt hat, so tief sein Vertrauen zum Vater. Jesus will den
 Glauben der Menschen nicht für sich allein. Er sucht nicht seine eigene
 Ehre. Er will in allem nur das eine: den Vater verherrlichen; das aber mit
 ganzer Entschiedenheit. Mit ungeheurem Ernst ruft Jesus die Menschen, die
 ihm zuhören, zum Glauben. Seine ganze Rede faßt er in den Versen der
 heutigen Tageslese noch einmal zusammen und zeigt, wie schwerwiegend Glaube
 oder Unglaube seiner Zuhörer ist. Wer Jesus zuhört, hat es eben nicht mit
 einer der vielen menschlichen Botschaften oder Wahrheiten zu tun, sondern
 mit Gott selbst. Wer an Jesus glaubt, glaubt nicht an irgendeinen
 religiösen Lehrer, sondern an den, der ihn gesandt hat.
 So entscheidet sich unser Lebensschicksal daran, wie wir auf Jesu Ruf
 antworten. Deshalb bitten wir täglich: Herr hilf uns zu echtem Glauben!
                                                                    L-Ta


@ENDNODE

@NODE "Johannes 13a" "Johannes 13,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 13,1-11@{ui}
@{b}                    Ständige Erneuerung@{ub}

 Im Leben Jesu beginnt ein neuer Abschnitt. Er weiß das. Die Entscheidung
 ist gefallen. Die Zeit für den Abschied ist gekommen. Er wird aus dieser
 Welt zum Vater gehen. Seine Jünger werden nicht mit ihm gehen können.
 Dennoch läßt er angesichts des Todes seine Liebe zu ihnen nicht erkalten.
 Sie brauchen ihn weiter, und er bleibt ihnen in der Gemeinschaft mit Gott
 verbunden, die er ihnen brachte. Dafür setzt er ein Zeichen.
 Er steht von der Mahlzeit auf und rüstet sich wie der niedrigste Knecht. Er
 füllt ein Becken mit Wasser, tut einen Schurz um und wäscht den Jüngern die
 Füße.
 Petrus sieht nur die Erniedrigung seines Herrn. Da muß er hören: Ohne die
 Fußwaschung hat er keine Gemeinschaft mit ihm. Was Jesus tut, ist ein
 Gleichnis aus dem Leben. Wer rein sein will, der badet; aber die Füße in
 den Sandalen werden immer wieder staubig. Sie müssen täglich mehrere Male
 gewaschen werden.
 Was will damit zeigen? Die Jünger sind durch ihren Glauben rein, sind mit
 Gott versöhnt. Die Glieder der Gemeinde Jesu Christi sind "gewaschen", sind
 getauft auf Jesu Namen, sind in die Gemeinschaft mit Gott versetzt. Sie
 gehören ihm und sind ihm verbunden. Das steht fest und ist unverlierbar.
 Doch der getaufte Christ, der Vergebung empfangen hat, bleibt nicht frei
 von Sünde. Er braucht ständige Erneuerung. Dazu hat Jesus das Abendmahl
 gestiftet. Trotz unserer Schwachheit und Schuld dürfen wir immer wieder an
 den Tisch des Herrn treten. Da werden wir der großen Gabe Gottes gewiß, in
 der er uns vergebend und tragend allezeit festhält.
 Darauf dürfen wir vertrauen.@{b}

 Herr, aus Liebe zu uns hast du dich selbst erniedrigt und Leiden und Tod
 auf dich genommen. Bewahre uns vor Überheblichkeit und laß uns zum Dienen
 bereit werden, damit wir deine Liebe zu den Menschen tragen. Amen.@{ub}


@{i}                      Johannes 13,1-11@{ui}
@{b} Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er
 sie bis ans Ende.@{ub}    Joh 13,1

 Jesus schickt sich an, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Johannes
 erklärt, warum Jesus das tut. Der Grund ist seine grenzenlose Liebe. Alle,
 die an dem Mahl teilnehmen, erfahren sie. Auch Judas wird nicht
 ausgeschlossen. Es gibt keine Vorverurteilung, wohl aber eine Warnung, die
 nur der Betroffene selbst verstehen kann, wenn er es will. Christi Liebe
 bietet ihm noch einmal die Möglichkeit, in der Gemeinschaft zu bleiben. Es
 ist an ihm, diese Liebe anzunehmen. - "Er liebte die Seinen bis ans Ende",
 das heißt, bis zu dem Zeitpunkt, da "seine Stunde gekommen war". Mehrmals
 ist im Johannesevangelium davon die Rede, daß diese Stunde noch nicht da
 ist: so beim Hochzeitsmahl in Kana (Joh 2,4), am Beginn seiner öffentlichen
 Wirksamkeit und auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem, wo Jesus bereits die
 Verhaftung droht (Joh 7,30).
 Jetzt aber, in der Abschiedsstunde, die Erniedrigung und Erhöhung zugleich
 ist, geschehen keine aufsehenerregende Wunder, geschieht keine gewaltige
 Wortverkündigung mehr, sondern ein einfacher Liebesdienst an den Nächsten.
                                                                 F-B

@ENDNODE

@NODE "Johannes 13b" "Johannes 13,12-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 13,12-20@{ui}
@{b}                    Zum Dienst berufen@{ub}

 Mit der Fußwaschung hat Jesus den Seinen ein Beispiel gegeben. Wie er sich
 zum Dienst an ihnen erniedrigt hat, so sollen sie einander tun. Sie sind
 zum Dienst füreinander bestimmt und berufen. Immer werden sie Anlaß finden,
 das zu tun, zu helfen und zu vergeben, zu trösten und zu tragen. Das wird
 sie manchmal hart ankommen; denn Eigenliebe und Selbstbehauptungstrieb
 wehren sich dagegen und wollen nicht vergeben und tragen. Das Streben nach
 Macht wirkt hemmend. Da gilt die Mahnung: Denkt nicht, daß ihr größer seid
 als ich; denn "der Knecht ist nicht größer als der Herr, noch der Bote
 größer als der, der ihn gesandt hat."
 Jesus sendet seine Jünger in die Welt als seine Boten, dienend seine Liebe
 zu den Menschen zu tragen. Dabei stehen sie unter der Verheißung, daß, wer
 sie aufnehmen wird, wird mit ihnen auch Jesus und seinen Vater im Himmel
 aufnehmen. So hoch ist der Auftrag geachtet, der Auftrag seiner Kirche;
 aber kein Christ in ihr kommt um das Dienen herum. Überall auf der Erde, wo
 die Kirche und ihre Glieder über andere herrschen und Macht gewinnen wollen
 sich zur Ehre, verfehlen sie ihren Auftrag. Damit ist ein für allemal die
 Grundlage ihrer Existenz festgelegt. Es darf nicht unter ihrer Würde sein,
 zu tun, was Jesus tat. Daran allein werden sie gemessen - jede Gemeinde, ob
 groß oder klein, die weltweite Kirche, jeder Christ. Wer nicht wie ein
 Knecht oder eine Magd bereit ist, Jesu geringsten Bruder zu dienen, der
 hört auf, Bote Jesu zu sein; denn in seinen geringsten Brüdern und
 Schwestern begegnet uns der Herr selber.@{b}

 Barmherziger Gott, du hast dich trotz unserer Fehler uns in Liebe
 zugewandt. Bewahre uns davor, nach Macht über andere zu streben. Laß uns
 erkennen, daß du uns zum Dienst an unseren Mitmenschen berufen hast. Amen.
@{ub}

@{i}                   Johannes 13,12-20@{ui}
@{b} Wenn nun ich, eurer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so
 sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen.@{ub}   Joh 13,14

 Was Jesus meint, macht uns Schwierigkeiten. Der Meister verrichtet
 Sklavendienst, der Herr erniedrigt sich vor seinen Knechten.
 Das ist so unmöglich, als wenn der Hotelgast dem Zimmerdiener die Schuhe
 putzt oder der Chef dem Chauffeur die Tür aufhält. Das verkehrt die
 gewohnten Verhältnisse. Oben und Unten, Macht und Ohnmacht werden
 vertauscht.-
 Bei euch Christen soll es ebenso sein, sagt Jesus. Ihr seid frei, wenn ihr
 einander dient - ihr seid groß, wenn ihr auf Macht verzichtet - ihr seid
 stark, wenn ihr keine Gewalt gebraucht - ihr seid herrlich, wenn ihr
 demütig seid.
 Das widerspricht allem, was wir von Kind an gelernt haben; ja, es ist
 geradezu gegen unsere menschliche Natur. Aber es ist die Art Jesu: zu
 dienen, wo er sich bedienen lassen könnte - zu überzeugen, wo er sich
 durchsetzen könnte - zu lieben, wo er nicht verstanden wurde. So lebte er
 Versöhnung, so schuf er Frieden, so wirkte er Gemeinschaft, so veränderte
 er die Welt.
 So soll es auch bei euch sein, sagt er. Einen Versuch wäre es wohl heute
 wert!                                                               H-H
 @{b}          Frei sein@{ub}
               Ich möchte gern frei sein von meiner Angst,
               gegen den Strom zu schwimmen,
               damit ich tun kann, was recht ist.
               Ich möchte gerne frei sein von dem Zwang,
               immer nur an mich selber zu denken,
               damit ich auch den anderen sehe.
               Ich möchte gerne frei sein von meiner Art,
               den bequemsten Weg zu gehen,
               damit ich mich mit guten Gewissen
               freuen kann über das Erreichte.
               Ich möchte gerne frei sein von der Lieblosigkeit
               anderen gegenüber, die mir nicht liegen,
               damit es mir nachher nicht leid tut.
               Ich möchte gerne frei sein
               von meinem Neid auf jeden, der etwas ist oder hat;
               denn Neid macht nicht glücklich.
               Ich möchte gerne frei sein von meiner Schuld,
               die mich immer wieder bedrückt,
               damit ich neu anfangen kann. -
               Wenn Christus euch befreit,
               dann seid ihr wirklich frei.         Peter Cornehl


@ENDNODE

@NODE "Johannes 13c" "Johannes 13,21-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 13,21-30@{ui}
@{b}                    Jesus und der Verräter@{ub}

 Nicht alle aus dem Jüngerkreis werden ausgesandt. Judas sitzt mit an der
 Tafel. Die Nacht mit ihrer Finsternis ist angebrochen. Das ist wie ein
 Hinweis auf das bevorstehende Geschehen. In der Finsternis kann gedeihen,
 was Judas vorhat. Die Jünger ahnen nichts; aber Jesus weiß es und spricht
 es aus: "Einer unter euch wird mich verraten."
 Das Erschrecken der Jünger ist nur zu verständlich. Der Verräter hatte
 ihnen seine Absicht verbergen können. Jetzt wird ihm gezeigt, daß Jesus ihn
 durchschaut hat.
 "Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe." Auch hier erweist sich
 Jesus als der Herr. Er wird den Verräter nicht hindern. Er befiehlt ihm:
 "Was du tust, das tue bald!"
 Die anderen aus der Tischrunde sind nicht eingeweiht in das, was geschieht.
 Judas hat es nach dem Bericht nicht getan. Jesu Wort an Judas aber hat ihn
 nach dem ganzen Zusammenhang auch nicht bloßstellen sollen. Es dient einem
 anderen Zweck; es soll sagen: Auch wenn Judas das Werkzeug des Satans ist,
 geschieht Gottes Wille. Jesus ist bereit, gehorsam nach Gottes Willen in
 den Tod zu gehen. Der Verräter eilt hinaus in die Nacht, den Verrat zu
 vollenden. Nun wandelt er in der Finsternis und weiß noch nicht, wo sein
 Weg enden wird. Wollen wir Judas verdammen? Hüten wir uns davor, es allzu
 schnell zu tun. Das steht uns nicht zu. Keiner darf den anderen
 verurteilen; denn wir wissen alle nicht, wann wir Jesus untreu werden.
 Darum fordert Jesus uns auf: "Wachet und betet, damit ihr nicht in
 Anfechtungen fallt!"@{b}

 Herr Jesus Christus, du hast uns in deine Nachfolge gerufen. Nimm weg, was
 uns von dir scheidet. Laß uns nicht der Versuchung erliegen, dir untreu zu
 werden und Wege zu gehen, die ins Verderben führen. Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 13,21-30@{ui}
@{b} Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von
 wem er wohl redete.@{ub}   Joh 13,22

 Zwölf Männer sitzen mit Jesus an einem Tisch. Seit etwa drei Jahren sind
 sie Tag und Nacht zusammen. Jesus hatte sie zum Glauben gerufen, und sie
 hatten ihm ihr Leben anvertraut. Doch dann fallen in dieser Runde Worte wie
 Keulenschläge: "Einer von euch wird mich verraten." Allen stockt der Atem.
 Sie fragen sich, wer von ihnen wohl so verlogen, falsch und niederträchtig
 sein könnte, Jesus seinen Feinden auszuliefern. Sie meinen, einander zu
 kennen. Doch jetzt werden sie mißtrauisch, denn sie merken, es geht um
 Leben und Tod. Sie spüren tief in ihrem Inneren: Auf uns alle ist kein
 Verlaß, auf keinen einzigen. -
 Wer wirklich zu Jesus gehört und heute mit ihm lebt, der wird sich selber
 gegenüber tief mißtrauisch. Der weiß: In mir sind unberechenbare Abgründe
 verborgen. Ich habe Anlaß, mir alles Schlechte zuzutrauen. Wer das erkennt
 und begreift, kann sich nur zu Jesus hinflüchten, der für alle
 offensichtlichen und heimlichen "Verräter" gestorben ist.
 Ich kann aufatmen, weil Jesus mich kennt mit all meiner Schuld und trotzdem
 liebt.                                                            Fr-W


@ENDNODE

@NODE "Johannes 13d" "Johannes 13,31-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 13,31-35@{ui}
@{b}                Liebe - Kennzeichen der Christen@{ub}

 Die Entscheidung ist gefallen. Jesus hat sie selber herbeigeführt. Er hat
 überwunden. Der Verräter ist unterwegs. Da spricht Jesus: "Jetzt ist der
 Menschensohn verherrlicht!" Das ist der Grund zur Freude. Nicht die dunklen
 Mächte haben gewonnen. Dem Sohn ist Herrlichkeit zugefallen. Da gibt es
 kein Wehklagen über den Leidensweg, der zum Tode führt. Da ist alles Dank
 und Lobpreis. Jesus weiß, daß er nur noch kurz bei seinen Jüngern sein
 wird. Sie werden den unmittelbaren Umgang mit ihm entbehren. In dieser
 Abschiedsstunde gibt er ihnen einen Auftrag. Es ist ein einziges Gebot. Sie
 sollen einander lieben, wie er sie geliebt hat. Dadurch bleiben sie mit ihm
 und untereinander verbunden. Die Liebe wird sie zusammenhalten; denn wo
 Liebe geübt wird, da haben Haß und Machtstreben keinen Platz mehr im Leben.
 Das ist eine Berufung, die den ganzen Menschen fordert, Anspannung aller
 Kräfte ein Leben lang. Die Liebe soll zum Kennzeichen der Gemeinde vor
 aller Welt werden. Sie ist Gabe seiner Gnade. Die Welt kann den Glauben der
 Christen bezweifeln. Er läßt sich nicht beweisen. Wo Christen aber aus
 Liebe handeln, wird es von jedem verstanden. Es bedarf offener Ohren und
 Augen der Christen, die Not und das Leid anderer aufzuspüren, helfende
 Hände, diese Not zu lindern und zu beseitigen, eilende Füße, Kranke zu
 besuchen, sie zu trösten, eines bereiten Herzens, sich dem Schuldigen
 zuzuwenden, ihm zu vergeben und aufzuhelfen. Das sind Zeichen, an denen die
 Welt die Glieder der Gemeinde Jesu erkennen kann.@{b}

 Herr, ich rufe zu dir und bitte dich, öffne mein Herz für meine
 Mitmenschen, damit ich mich ihnen zuwende und sie allezeit liebe, wie du
 mich geliebt hast. Laß den Tag nicht fern sein, da wir als Brüder
 miteinander leben. Amen.@{ub}


@{i}                      Johannes 13,31-35@{ui}
@{b} Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie
 ich euch geliebt habe.@{ub}    Joh 13,34

 Die Nacht des Verrats ist gekommen. Jesus hat den elenden, schmachvollen
 Weg ans Kreuz vor sich. Doch er sagt zu seinen Freunden: Verzweifelt nicht;
 gerade jetzt wird die Herrlichkeit Gottes offenbar werden. In meiner
 tiefsten Erniedrigung werdet ihr meine Herrlichkeit erkennen können.
 Tatsächlich, wenn er selbst die Augen öffnet, können wir die Herrlichkeit
 Jesu Christi gerade da erkennen, wo scheinbar nur noch Gottesfinsternis
 sich ausbreitet. Denn am Kreuz offenbart er die Überlegenheit seiner Liebe.
 "Wie er die Seinen geliebt hatte, so liebte er sie bis ans Ende"(13,1).
 Unvergeßlich ist seine Liebe; und siegreich ist sie. Vielen Menschen gibt
 sie Kraft, auch anderen Menschen in Liebe zu begegnen.
 Ausdrücklich gebietet Jesus, daß die Seinen "einander" lieben sollen, in
 der Gemeinde also, in der Familie, in der Nachbarschaft. Nächsten - Liebe
 ist das Übungsfeld der Fernsten - Liebe.
 Neu an Jesu Gebot ist, daß Gott selbst durch Christus ermöglicht, was er
 gebietet: Seine Liebe will täglich angenommen und bewährt werden.
                                                                    H-De


@ENDNODE

@NODE "Johannes 13e" "Johannes 13,36-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 13,36-38@{ui}
@{b}                    Warum muß es so sein?@{ub}

 Jesus hat angekündigt, er werde seine Jünger allein zurücklassen. Davon
 sind Petrus und seine Mitjünger tief betroffen. Sie haben allen Grund dazu.
 Alles hatten sie aufgegeben, alle Brücken hinter sich abgebrochen, um ihm
 nachzufolgen. Nun sollen sie allein zurückbleiben. Das ist für sie
 undenkbar.
 Petrus kleidet die ganze Not seines Herzens in die Worte: "Herr, wo gehst
 du hin?" Er möchte ihn auf seinem Weg begleiten. Sogar sein Leben will er
 wagen. Er sieht nur die Festigkeit des Herrn, aber er weiß nichts von dem
 Hohn und der Gewalt der Mächtigen, von dem Spott der Soldaten und Mägde,
 von der Angst seines Herzens. Er wird seinen Herrn verleugnen, wenn das auf
 ihn zukommen wird. Das sagt ihm Jesus voraus.
 Wir wissen: Paulus konnte der Realität der Gewalt nicht standhalten. Er
 leugnete, Jesus zu kennen - nicht nur einmal, sondern dreimal. Und dennoch
 entzieht ihm Jesus seine Gnade nicht. Petrus hat getan, was menschlich ist.
 Das bewegt uns. Wir wollen mit Ernst Christen sein; aber wir kennen auch
 unsere Schwachheit. Oft nehmen wir uns vor, alles für Jesus zu tun. Und
 dann versagen wir doch. Wie schnell verleugnen wir unseren Glauben. Darum
 erhebe sich keiner über den anderen!
 Der Apostel Paulus mahnt im 1.Korintherbrief: "Wer sich läßt dünken, er
 stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle!" Doch er fügt hinzu: "Gott ist
 getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen."
 Das ist unsere Zuversicht. Gott weiß um unsere Schwachheit. Trotzdem läßt
 er uns nicht fallen, sondern hält uns fest in seiner Gnade. Ihm sei Dank.
 @{b}
 Treuer Christus, ziehe uns schwache Menschen dir nach. Gib einen tapferen
 und willigen Geist, ein furchtloses Herz, rechten Glauben und feste
 Hoffnung; und wenn wir schwach werden, so gehe deine Gnade voran.
 Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 13,36-38@{ui}
@{b} Jesus antwortete ihm: Du willst dein Leben für mich lassen? Wahrlich,
 wahrlich, ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal
 verleugnet hast.@{ub}   Joh 13,38

 "Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht
 hinkommen", so hatte Jesus schon früher zu den Jüngern gesprochen (7,34).
 Jetzt sagt er es noch einmal dem Petrus persönlich: "Wo ich hingehe, kannst
 du mir diesmal nicht folgen."
 Petrus begreift wohl als erster, was Jesus meint. Und er macht sich zum
 Sprecher der Jünger, wenn er sagt: "Ich kann dir doch folgen, ich will mein
 Leben für dich lassen."
 Es ist dem Petrus sicherlich Ernst mit dem, was er sagt. Doch da muß Jesus
 ihm klarmachen: "Petrus, du hast dein Herz noch nicht erkannt. Wenn es
 darauf ankommt, wirst du mit deiner Kraft am Ende sein. Du wirst mich
 dreimal verleugnen."
 Was Jesus sagt, trifft ein: Nicht Petrus läßt sein Leben für den Herrn,
 vielmehr stirbt Jesus für den Petrus, ja, für die Sünden der ganzen Welt.
 - Wir wollen Gott bitten, daß er uns immer die richtige Blickrichtung
 schenkt: nicht auf unser Herz und das, was wir bereit sind, für Jesus zu
 tun, sondern auf das, was er für uns getan hat.                     Ho-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 14a" "Johannes 14,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 14,1-7@{ui}
@{b}                   Weg, Wahrheit und Leben@{ub}

 "Euer Herz erschrecke nicht!" Das ist ein Wort des Trostes und der
 Ermutigung. Die Jünger brauchten Stärkung. Ihnen war bewußt geworden, daß
 so etwas wie ein Abschied von ihrem Herrn bevorstand. Jesus sagt den
 Jüngern, daß sie nicht im Stich gelassen werden. In seines Vaters Haus sind
 viele Wohnungen. Es geht voran auf einem Wege, der zur wirklichen Heimat
 führt. Ist dieser Weg bekannt? Thomas, der immer als besonders bereitwillig
 und überzeugungswillig dargestellt wird, bezweifelt es.
 Jesus antwortet kurz und klar. "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das
 Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Es ist nicht so, daß es
 viele Wege gäbe, zwischen denen wir wählen könnten. Mit herausfordernder
 Einseitigkeit wird festgestellt, daß Jesus der einzige Weg ist, der zum
 eigentlichen Ziel führt. Ebenso hart und schroff klingt es, wenn gesagt
 wird, daß es neben vielen Richtigkeiten nur die eine letzte Wahrheit gibt,
 die uns im Sohne Gottes entgegenleuchtet. Gleiches gilt vom Leben. Es gibt
 viele Arten und Formen des Lebens. Der Hunger nach Leben ist etwas ganz
 Elementares. Hier wird gesagt, daß nur in Christus uns das wahre und ewige
 Leben geschenkt wird. Man spricht in diesem Zusammenhang vom
 Absolutheitsanspruch der christlichen Botschaft. In unserer Zeit sind wir
 dieser Hinsicht aus guten Gründen empfindlich. Dennoch kommen wir um das
 Wort Gottes nicht herum. Beim Weg, bei der Wahrheit und beim Leben geht es
 um das Entscheidende.
 Die Bibel sagt: Christus allein schenkt Leben, wo ein Menschenleben zu Ende
 geht. Ihn erkennen geht über alles sonst.@{b}

 Herr, unser Heiland. Wir danken dir, daß Weg, Wahrheit und Leben uns in dir
 gegeben sind. Mach uns bereit, diesen Weg zu gehen, aus dieser Wahrheit zu
 leben und uns dieses Leben schenken zu lassen. Amen.@{ub}


@{i}                  Johannes 14,1-7@{ui}
@{b} In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre,
 hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?
@{ub}
 Jesus verspricht seinen Jüngern einen Ort, wo es für viele Platz hat. Das
 sind immer mehr als alle, an die wir denken. Jesus geht hin, uns bei Gott
 eine Stätte zu bereiten. Die Jünger aber bleiben vorerst, wo sie sind. Das
 Wort von den Wohnungen bewirkt nicht, daß sie das Haus der Erde verlassen.
 Er muß es verlassen und sterben. Sie werden verwaist sein, nachdem sie in
 ihm die Gottesnähe gehabt haben. Aber er wird ihnen seinen Geist senden.
 Das bedeutet: Gott wird Wohnung in den Menschen machen. Er wird sie auf
 ihrem Weg begleiten. Und sie müssen nicht sorgen, ob für sie am Ziel des
 Weges bei Gott Raum genug ist.
 Jesus bereitet uns bei Gott eine Wohnung. Das weckt Unerschrockenheit an
 unserem Ort. Wir halten hier aus, weil dort für uns gesorgt ist.
 Vergessen wir nicht, daß Jesus, der vom Haus des Vaters spricht, nichts
 hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Mit seinem Wort verspricht er uns
 kein bleibendes irdisches Zuhause, sondern er schenkt uns in aller
 Ungeborgenheit die tiefe Geborgenheit in Gott.             C-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 14b" "Johannes 14,8-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 14,8-14@{ui}
@{b}                   Zeigen uns den Vater@{ub}

 Gott schauen, das war immer wieder die Sehnsucht frommer Menschen.
 Philippus sagt: "Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns." Wohl dem
 Menschen, dem es genug ist, das Wichtigste erfaßt zu haben! Dennoch kann
 sich Jesus über die Frage seines Jüngers nicht freuen. Philippus hat noch
 nicht begriffen, daß auch Jesus Gott nicht anders, als dem Glaubenden auch
 sonst möglich ist, zeigen kann. Vor allem aber scheint Philippus noch nicht
 erkannt zu haben, wer vor ihm steht. Jesus sagt: "Wer mich sieht, der sieht
 den Vater." Das ist der Kernsatz nicht nur im Evangelium des Johannes,
 sondern für die ganze biblische Botschaft. Wo Jesus den Menschen begegnet,
 da offenbart sich Gott als der Vater, dem wir unbedingt vertrauen können.
 Im Antlitz des Sohnes leuchtet uns die Liebe des Vaters entgegen.
 Jesus fragt: "Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir?"
 Ohne diesen Glauben sind wir blind für die Gegenwart Gottes. Das Vertrauen
 auf einen unsichtbaren Vater im Himmel wird sich für uns nur durchhalten
 lassen, wenn der Blick auf den Sohn Gottes gerichtet bleibt, der Mensch
 wurde. Sein Wort ist Gottes Wort, seine Werke sind Taten Gottes. Wer sich
 von diesem Glauben ergreifen läßt, wird Großes erfahren.
 Verwunderlich ist die Verheißung, daß die Jünger des Herrn noch größere
 Werke tun werden als ihr Meister. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich der
 Wirkungsraum der Jünger zumindest geographisch erweitert. Wo im Namen Jesu
 zuversichtlich gebetet wird, geschieht Erstaunliches. Grundlage dieses
 Betens bleibt die Gewißheit: Er will unser Gebet.@{b}

 Ewiger Gott, wir danken dir, daß wir dich als Vater anrufen dürfen. Stärke
 uns auch an diesem Tag, daß wir unser Vertrauen nicht wegwerfen. laß uns
 dich da suchen, wo du allein zu finden bist. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 14,8-14@{ui}
@{b} Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich
 nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater!@{ub}  Joh 14,9

 Ein Jünger hat einen frommen Wunsch. Ist es die Nähe Jesu, die ihm Mut
 gemacht hat zu seiner kühnen Bitte? "Herr, zeige uns den Vater, und es
 genügt uns."
 Gott schauen, einmal nur: inmitten einer vergänglichen Welt seine Ewigkeit;
 inmitten von Not und Elend seine Herrlichkeit; inmitten von Schuld und
 Gewalt seine Liebe; inmitten von Lüge und Spott seine Wahrheit; in allen
 Zweifeln und Anfechtungen seine Nähe. Das wäre genug für ein ganzes Leben.
 Das würde Gewißheit geben, auch wenn es gilt, Jesus gehen zu lassen.
 Bin ich dir nicht genug? So fragt Jesus den Jünger mit der Sehnsucht nach
 Gott. Jesus nahe zu sein, mit ihm zu gehen, bei ihm zu bleiben, aus seinem
 Wort zu leben, das heißt ja, Gott zu begegnen. Mehr wird den Jüngern nicht
 versprochen. Gott wird anschaulich, wird erkannt in Jesus, dem Bruder der
 Menschen, der ganz aus dem Vater lebt und dessen Wahrheit offenbart. Nur so
 findet man Gott in dieser Welt, und mehr ist nicht zu finden.
 "Wer mich sieht, der sieht den Vater." Das ist genug.                 N-L


@ENDNODE

@NODE "Johannes 14c" "Johannes 14,15-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 14,15-19@{ui}
@{b}                      Ihr sollt leben!@{ub}

 "Ich lebe, und ihr sollt auch leben." Dieses Wort Jesu finden wir manchmal
 auf Grabsteinen. Es wird uns zugerufen bei Trauerfeiern, es ist eine
 stärkende Botschaft für Sterbende und ihre Angehörigen. So wie Jesus vom
 Tod erweckt wurde, so ist uns neues, bleibendes Leben zugesagt, auch wenn
 wir durch Sterben und Tod hindurch müssen.
 Diese Hoffnung "jenseits des Grabes" steht aber in der Bibel nicht
 isoliert, sie ist auch nicht eine Hoffnungslosigkeit "diesseits des Grabes"
 entgegengesetzt.
 "Ihr sollt leben", das sagt Jesus seinen Jüngern zunächst und unmittelbar
 für die ihnen verbleibende irdische Lebenszeit. Er wird zwar von ihnen
 gehen, und sie werden sich verlassen vorkommen, abgeschnitten vom wahren
 Leben, denn Leben mit Jesus ist wahres Leben. Doch das wird nicht lange so
 bleiben. Jesus wird in anderer Weise bei ihnen sein. Weil er lebt, kann er
 sich ihnen mitteilen durch seinen Heiligen Geist. Der wird dafür sorgen,
 daß sie nicht auseinanderlaufen, sondern eine Gemeinde werden. Dieser Geist
 wird sie trösten und aufrichten in den Kämpfen nach außen und innen, die
 auf sie warten. Er wird ihnen das Wort Gottes einsichtig machen. Der
 Heilige Geist wird sie mit Freude erfüllen und vor allem mit der höchsten
 Gabe, mit der Liebe. -
 Das gilt bis heute. Von diesem Beistand des Geistes lebt die Kirche Jesu
 Christi. Wieviel Zank und Uneinigkeit belastet uns, in der einzelnen
 Gemeinde wie auch in und zwischen den Kirchen! Es ist Gottes Geist, der die
 Christen und Kirchen immer wieder zur Zusammenarbeit führt und zum
 gemeinsamen Gebet und Lob Gottes fähig macht. Es ist der Geist Christi, der
 uns aufmuntert, neue Versuche wagen läßt, uns Lust und Phantasie weckt.
 (Es ist gut, daß wir von solchem Leben hören können, nicht nur in fernen
 Ländern, sondern in unserer Nähe.)
 Auch uns ist Gottes Heiliger Geist als Tröster und Helfer versprochen.
 Gottes Zukunft ist offen für alle. Für ihn gibt es keine "hoffnungslosen
 Fälle". Vielleicht begegnen wir heute jemandem, der ausgelaugt, mutlos und
 ziellos dahinlebt. Vielleicht leiden wir an unserer eigenen "toten"
 Gemeinde. Nein, Jesus lebt, und wir sollen auch leben. Der Funke des
 Geistes ist näher als wir denken. Er kann uns auch zu neuem Leben
 entzünden, daß wir's glauben und weitersagen: Jesus lebt!@{b}

 Herr, hab Dank für die Hoffnung und dafür, daß du uns Mut zur Zukunft
 schenkst. Du lebst, und wir können mit dir leben, jetzt und immer. Gib uns
 deinen Geist, daß wir dich täglich bei uns haben und auch anderen Hoffnung
 geben können. Amen.@{ub}




@ENDNODE

@NODE "Johannes 14d" "Johannes 14,15-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 14,15-20@{ui}
@{b}                     Ich komme zu euch@{ub}

 Das Gefühl des Verlassenseins kann große Not bereiten. Wir kennen das
 Erschrecken von Kleinkindern, die plötzlich nicht mehr wissen, wo ihre
 Mutter geblieben ist.
 Jesus hat den Jüngern angekündigt, daß sie ihn nicht immer in der Weise um
 sich haben würden, wie sie ihn kannten. Sie sollen aber wissen, daß sie
 nicht verlassen wie Waisenkinder zurückbleiben werden. Ihnen gilt das
 Trostwort. "Ich komme zu euch." Hiermit ist noch nicht die Wiederkunft des
 Herrn am Ende der Tage gemeint, wo er in Herrlichkeit, aller Welt sichtbar,
 erscheinen wird.
 In unserem Bibelabschnitt geht es um den Inhalt der Botschaft von Ostern
 und Pfingsten. Jesus stärkt seine Jünger mit der Zusage, daß er sich als
 der Lebendige erweisen wird. Er wird in einer noch intensiveren Weise bei
 ihnen sein, als sie es bis zum Karfreitag erlebt haben. Die Jünger werden
 den Heiligen Geist empfangen, der hier als Geist der Wahrheit bezeichnet
 wird. Er wird nicht von jedermann empfangen werden. Wer sich aber von ihm
 ergreifen läßt, der wird vor allem zu der Gewißheit kommen: Jesus lebt!
 Wenn wir diesen Geist der Wahrheit erbitten, wird er uns geschenkt werden.
 Er wird uns die Kraft geben, die durch ihn vermittelte Wahrheit nun auch
 kräftig zu bezeugen.
 Jesus sagt: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben." In diesem Satz steckt der
 ganze Trost des Evangeliums. Es ist nicht nötig, daß wir uns in einer Welt,
 die oft recht dunkel ist, alleingelassen fühlen. Jesus ist bei uns alle
 Tage und in jeder Stunde. Es klingt wie ein Liebeslied, wenn wir von ihm
 lesen: "Ihr in mir und ich in euch."@{b}

 Herr, wir danken für deine Zusage, daß du auch heute bei uns sein willst.
 Vertreibe durch diese Gewißheit die Ängste unseres Herzens. Gib uns den
 Geist der Wahrheit, daß wir als deine Zeugen wirken können. Amen.@{ub}


@{i}                  Johannes 14,15-20@{ui}
@{b}               Ich lebe, und ihr sollt leben@{ub}

 Im Geschäftsleben gibt es Teilhaber. Sie sind Mitbesitzer einer Firma. Das
 ist besonders erfreulich, wenn der Gewinn ausgeschüttet wird. Der gehört
 nämlich allen, auch den Teilhabern. Oft kann man das schon beim Firmennamen
 lesen, wer da Teilhaber ist: Knagge & Peitz, Zahn & Nopper. Oder es heißt
 nur: & Co. Da sind dann glückliche Leute, die vom Gewinn profitieren. -
 Noch viel fester schließt sich Jesus mit denen zusammen, die ihm vertrauen
 und folgen. Ganz knapp und doch völlig fest sagt er: "Ich und ihr auch!"
 Was von ihm gilt, soll auch bei ihnen gelten. Das kann keiner mehr
 auflösen. Das kann niemand mehr unwirksam machen. Was Jesus erarbeitet hat,
 davon sollen jetzt auch seine Freunde profitieren. er läßt sie ungekürzt
 daran teilhaben. "Ich lebe - ihr sollt auch leben!" Das ist stärker als
 alle Todesschrecken, die uns heute in Angst und Trauer versetzen. Auch wenn
 wir noch die letzte, kurze Wegstrecke gehen müssen, wir bekommen den vollen
 Sieg über den Tod - wie Jesus!
 Aber schon heute sollen wir das volle und satt machende Leben haben. Jesus
 gibt es uns jetzt.                                               Sche-S


@ENDNODE

@NODE "Johannes 14e" "Johannes 14,21-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 14,21-24@{ui}
@{b}                   Das Wort des Vaters@{ub}

 Die evangelische Kirche wird oft "die Kirche des Wortes" genannt. Damit ist
 wohl gemeint, daß in ihr das Wort Gottes im Mittelpunkt steht.
 Ja, wenn es immer so wäre!
 Oft müssen wir den Eindruck haben, als ginge es nicht um das eine
 eindeutige Wort Gottes, sondern um die vielen Wörter von Menschen, die gern
 über ihre eigenen Meinungen zu allen möglichen Problemen reden. Das Wort
 Gottes will nicht zerredet, sondern gehört und eingehalten werden. Es geht
 weniger um Theorie als um Praxis. Ohne Liebe zu Jesus werden wir hierzu
 keinen Zugang haben. "Wer mich liebt, der wird mein Wort halten." Nicht nur
 die Gefühle sind wichtig, Taten sind gefragt. Diese Taten sind allerdings
 nur möglich, wenn durch das Wort Gottes der Glaube geweckt worden ist, der
 in der Liebe wirksam wird. Das Wort, mit dem Gott, der Vater, ganz
 eindeutig zu uns redet, heißt Jesus Christus. In ihm ist das Entscheidende
 gesagt. Wer dieses Wort hört und in sich aufnimmt, steht unter einer großen
 Verheißung: "Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und
 Wohnung bei ihm nehmen."
 Unser Herz als Wohnung des Dreieinigen Gottes, nichts Größeres kann uns
 zuteil werden. Dies soll nicht das Vorrecht eines kleinen auserwählten
 Personenkreises sein, Ruf und Einladung gelten allen Menschen. Es bleibt
 dem Geheimnis des Ratschlusses Gottes vorbehalten, warum es nur eine
 Minderheit ist, die diesem Ruf folgt. Anstatt in unfruchtbare Grübeleien
 über diese Frage zu verfallen, wollen wir zweierlei tun: Das Wort Gottes
 auf uns selber wirken lassen und es frohen Herzens weitergeben.@{b}

 Vater im Himmel! Wir freuen uns, daß du nicht schweigst, sondern durch
 deinen Sohn deutlich zu uns redest. Mach uns fähig, dein Wort zu hören und
 zu halten. Schenke uns die rechte Art, es weiterzugeben. Amen.@{ub}


@{i}                      Johannes 14,21-24@{ui}
@{b} Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn
 lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.@{ub}
 Joh 14,23

 Welche Atmosphäre in einer Wohnung herrscht, hängt von ihren Bewohnern ab.
 Ob sie einladend oder abweisend wirkt, liegt an der "Luft", die dort
 herrscht. Die Atmosphäre ändert sich nur, wenn die Bewohner sich ändern.
 Können wir uns ändern? Christus hat verheißen, zu uns zu kommen und Wohnung
 bei uns zu nehmen. Sein Kommen ändert die Atmosphäre.
 Aber - geben wir Christus Raum? Oft sind unsere Herzen durch Angst vor der
 Zukunft, vor Schicksalsschlägen, Krieg oder Umweltzerstörung versperrt.
 Angst aber schafft eine unwirtliche Atmosphäre. Auch Sehnsucht besetzt
 unsere Herzen. Wo sich alles um das eigene Ich dreht, bleiben die Türen für
 Gott und die Menschen verschlossen. Aus eigener Kraft können wir die
 Geister nicht vertreiben. Aber es gibt Hoffnung für uns: "Wir werden kommen
 und Wohnung nehmen."
 Gott sieht nicht tatenlos zu, wie fremde Geister und Mächte von uns Besitz
 ergreifen. Er reinigt die Atmosphäre mit dem Geist seiner Liebe. Wo seine
 Liebe einzieht, werden andere Menschen von ihr angezogen.          N-S


@ENDNODE


@NODE "Johannes 14f" "Johannes 25-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 14,25-26@{ui}
@{b}                 Der Tröster, der Heilige Geist@{ub}

 Christen glauben an den heiligen Geist. Er ist für uns so wichtig, daß er
 immer wieder mit dem Vater und dem Sohn in einem Atemzug genannt wird.
 Nicht nur zu Pfingsten beschäftigt uns die Frage, wer oder was mit dem
 Namen "Heiliger Geist" gemeint ist. Zu seiner Kennzeichnung wird ein Wort
 gebraucht, das Martin Luther in seiner Übersetzung gern mit dem Ausdruck
 "Tröster" wiedergibt. Es ist damit gesagt, daß die Wirkung dieses Geistes
 vor allem darin besteht, uns Trost und Ermutigung zu verschenken. Man
 könnte das im Urtext stehende Wort auch mit "Beistand", "Anwalt" oder
 "Helfer" übersetzen.
 In unserer heutigen Bibelstelle wird die Gefahr angesprochen, daß die
 Jünger schnell vergessen könnten, was ihr Herr ihnen gesagt hat. Als
 besondere Aufgabe des Heiligen Geistes wird herausgestellt, die Jünger
 alles zu lehren und sie an alles zu erinnern, was sie durch Jesus gehört
 haben. Nicht nur seine Worte sollen vergegenwärtigt werden, sondern alles,
 was er für uns getan hat. Scheinbar Vergangenes wird in das Jetzt und Heute
 hineingestellt. Der Heilige Geist als Lehrer ist mehr als nur Vermittler
 von intellektuellen Einsichten. Er erfaßt die Herzen und weckt Glauben.
 Durch ihn wächst die Gewißheit, daß Jesus lebt und mitten unter uns ist.
 Dadurch ist die Bibel für uns mehr als eine Häufung toter Buchstaben. Der
 Sinn ihres Inhaltes wird klar, Durchblicke werden geöffnet, die eigentliche
 Mitte tritt hervor. Die großen Geister dieser Welt mögen uns mancherlei
 Richtiges beibringen - der Heilige Geist führt zu Jesus. Dadurch wird er
 zum Tröster, der Kräfte vermittelt.@{b}

 Komm, Heiliger Geist, auch zu uns. Überwinde die Verzagtheit unserer
 Herzen. Öffne uns den Blick für den Grund unserer Freude und Zuversicht.
 Tröste uns und schenke die Kraft, Trost zu vermitteln. Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 14,25.26@{ui}
@{b} Der Tröster wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich
 euch gesagt habe.@{ub}     Joh 14,26


 Es gibt Erinnerungen, die sind furchtbar, und es gibt Erinnerungen, die
 sind wie neue Lebenskraft. Gute Worte können solch eine Lebenskraft sein.
 Gute Worte, die jemand zu uns gesagt hat und die wir im stillen immer
 wiederholen: ein Lob, ein Kompliment, ein liebevoller Satz. Oder einfach:
 "Ich freue mich, wenn du kommst." Solche guten Worte sind wie ein Trost,
 wenn andere, harte Worte oder schlimme Nachrichten auf uns prasseln.
 Jesus hat denen, die an ihn glauben, versprochen, daß seine guten Worte mit
 ihnen gehen werden. Der Heilige Geist wird sie immer neu lebendig machen.
 Die Erinnerung an ihn, den Auferstandenen, wird Hilfe und Trost sein. In
 seinen Worten wird er selber dasein. Deshalb ist es wichtig, daß wir dem
 Heiligen Geist Raum geben, daß er uns an Jesu gute Worte erinnern kann:
 "Kommt her zu mir, wenn ihr mühselig und beladen seid, ich will euch
 erquicken. - Siehe, ich bin bei euch alle Tage. - Meinen Frieden schenke
 ich euch. - Ich lebe, und ihr sollt auch leben." Diese Worte gelten noch.
 In seinem guten Wort ist Jesus auch heute bei uns.                 Pr-R

 @{b}                Des Geistes Zeugnis@{ub}         Gedicht
                     Wir glauben wider den Augenschein;
                     wir glauben nicht, weil wir sehen:
                     Das innere Zeugnis des Geistes ist's,
                     das uns den Kampf läßt bestehen.

                     Die Augen, sie sehen Bosheit und Trug,
                     sehn Zufall und blindes Verderben.
                     Der Geist wirket Zeugnis unserem Geist,
                     daß wir Gottes Kinder und Erben.

                     Wir wissen nicht, was wir beten solln,
                     wie sichs vor dem Heilgen gebühret.
                     Der Geist, er hilft unsrer Schwachheit auf;
                     wir haben sein Seufzen verspüret.

                     Und wenn unsre Herzen matt und leer,
                     wenn wir an uns selber verzagen:
                     Wir halten uns an der Hand, die uns hält,
                     lernen kindlich das Abba sagen.
                     @{i}     Lindolfo Weingärtner@{ui}




@ENDNODE

@NODE "Johannes 14g" "Johannes 14,27-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 14,27-31@{ui}
@{b}                  Meinen Frieden gebe ich euch@{ub}

 Friede ist ein Hauptwort unserer Zeit. Eine Menschheit, die Gewalt und
 Blutvergießen in schlimmster Weise erlebt hat, sehnt sich nach wirklichem
 Frieden. In dieser Hinsicht gibt es zwischen Christen und Nichtchristen
 keinen Unterschied. Allerdings bedarf es einer immer neuen Besinnung
 darauf, was Frieden im Vollsinne des Wortes bedeutet. Sicher ist mehr damit
 gemeint als nur ein Ruhen der Waffen, wiewohl auch das schon eine gute und
 wichtige Sache ist. Beständigkeit kann eine Friedensordnung nur haben, wenn
 wir selber Menschen des Friedens sind. Der Friede mit Gott schafft Frieden
 mit uns selber und mit den Menschen unserer Umgebung. Es fällt auf, mit
 welchem Nachdruck Jesus in seinem an die Jünger gerichteten Abschiedswort
 betont, daß er nicht irgendeine Art von Frieden schenken will, sondern
 seinen Frieden. "Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt." Es wird den
 Jüngern keine Garantie dafür gegeben, daß sie immer nur friedliche Zeiten
 erleben werden. Die Stürme des Lebens werden an ihnen nicht vorübergehen,
 aber in alledem dürfen sie sich im Frieden ihres Herrn geborgen wissen.
 Wenn Jesus, unter bittersten Qualen am Kreuze hängend, seinen Feinden
 vergibt und sich ganz in die Hände seines Vaters fallen läßt, dann
 offenbart sich darin der Friede, der höher ist als alle Vernunft. Durch das
 Leiden und Sterben unseres Heilands werden wir da ganz hineingenommen. Nun
 können wir es uns wirklich zusprechen lassen: "Euer Herz erschrecke nicht
 und fürchte sich nicht!" Wer diesen Frieden erfahren hat, kann in eine
 friedlose Welt hineingehen.@{b}

 Herr, wir leiden unter dem Zustand dieser Welt und unter der Friedlosigkeit
 unseres Herzens. Wir schauen auf zu dir als dem Bringer des wirklichen
 Friedens. Laß uns von ihm ganz durchdrungen werden.Amen.@{ub}

@{i}                     Johannes 14,27-31@{ui}
@{b} Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater
 gehe; denn der Vater ist größer als ich.@{ub} Joh 14,28

 Ist das ein Vorwurf Jesus an die Adresse seiner Jünger? Jetzt noch, bei
 diesem Abschied, wo Menschen meist sowieso viel empfindlicher und
 unsicherer sind? Jesus ist den Jüngern immer voraus. Sie möchten ihn für
 sich behalten. Aber er ist für niemanden verfügbar. Dafür lehrt er sie in
 dieser Abschiedsstunde, wie sie ohne seine leibliche Gegenwart leben
 können. Jemanden lieb haben heißt auch, den Geliebten loslassen können; ihm
 Freiheit gewähren; sich für ihn freuen. In diesem Loslassen liegt für alle
 eine große Chance: In jedem Abschied ist die Gelegenheit für einen neuen
 Anfang enthalten, auch wenn dies mit viel Trauer und großen Schmerzen
 verbunden ist. So sollen auch die Jünger den Abschied Jesu verstehen. Sie
 sollen lernen, selbständig ihren Weg zu gehen. Gerade darin wird Gott
 verherrlicht. Gerade so ist seine Größe zu erfahren. Denn er verläßt die
 Jünger ja nicht. Er bleibt bei ihnen, über alle Abschiede hinaus, in allen
 neuen Anfängen. Seine Liebe läßt sie nicht allein, die Jünger nicht, uns
 alle nicht.                                                           R-F


@ENDNODE

@NODE "Johannes 15a" "Johannes 15,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 15,1-8@{ui}
@{b}                    Der wahre Weinstock@{ub}

 Ein anziehendes Bild stellt uns Jesus vor Augen: Die Gemeinschaft mit ihm
 ist lebenspendend. Sicher dürfen wir das, was Jesus seinen Jüngern sagte,
 auch auf unsere Kirche heute beziehen. Sie ist, entgegen häufigen Anschein,
 keine Organisation von Nummern und Karteiseelen, sondern ein lebendiger
 Organismus, in dem Jesus der Weinstock, also Nahrungsquelle und Halt für
 alles, ist. Wir sind die Reben, die von ihm getragen werden und durch ihn
 leben.
  Was gibt Jesus das Recht, zu sagen: Ich bin der wahre Weinstock? Es
 ist seine Solidarität mit uns Menschen. Er hat unser Leben bis in die
 letzte Erniedrigung, in das letzte Leiden, in die tiefste Verzweiflung
 geteilt. Der himmlische Vater hat das angenommen, als er Jesus von den
 Toten auferweckte, den ersten, dem alle folgen sollen, die an ihn glauben.
 Das macht ihn zum wahren Weinstock, von dem wir unvergängliches Leben
 empfangen. Niemand sonst kann uns das geben. Deshalb gilt es, bei ihm zu
 bleiben, ihm zu folgen. Denn zum Weinstock gehört der Weingärtner, sagt
 Jesus. Gott wird unfruchtbare Reben entfernen, die fruchtbaren beschneiden,
 daß sie mehr Frucht bringen, nämlich die Heiligung des täglichen Lebens.
 Tröstlich ist es, daß Jesus uns sagt: Ihr seid schon rein um des Wortes
 willen, das ich zu euch gesagt habe. Immer wieder wird das im Neuen
 Testament wiederholt, daß, wer an Ihn glaubt, das ewige Leben hat. So
 brauchen wir uns nicht zu fürchten, daß wir vor Gott nicht bestehen können.
 Längst hat er uns um unseres Glaubens willen angenommen.@{b}


 Herr, wir danken dir, daß wir wie Reben vom Weinstock alles Leben von dir
 empfangen. Laß nicht zu, daß wir durch unsere eigene Schuld oder durch
 andere Einflüsse von dir getrennt werden und die lebendige Verbindung mit
 dir verlieren.Amen.@{ub}



@{i}                     Johannes15,1-8@{ui}
@{b} Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.@{ub}
     Joh 15,1

 Wir leben in einer Welt, die umstellt ist von Bildern. Man braucht nur
 einmal daran zu denken, wie viele davon jeden Tag in uns hineinfallen durch
 das Fernsehen und andere Medien. Fast alle diese Bilder beschreiben
 Aktionen. "Action" ist das große Stichwort, das viele begeistert. Aber wenn
 unsere Seele nicht untergehen will in der Flut der Bilder, die schnell an
 unserem Auge vorübergehen, bedarf es der stillen Bilder, die zum Nachdenken
 und Verweilen einladen. Jesus hat in den "Ich-bin-Worten" solche stillen
 Bilder gewählt, um sich und seine Sendung zu beschreiben.
 Hier geht es um den Weinstock. Eingepflanzt in den Acker Erde, stellt sich
 Jesus vor als der, der zu uns gehört. Auch Gott, dem Vater, wird ein
 besonderer Platz zugewiesen. Er ist der "Weingärtner", er sorgt dafür, daß
 der Weinstock nicht verdorrt, daß ihm Sorgfalt und Pflege zugute kommt. Und
 wir? Wir sind die Reben. Um unseretwillen ist der Weinstock vom Weingärtner
 in die Erde gepflanzt, damit wir blühen, wachsen und Frucht tragen. Welch
 ein Zusammenhang, welch eine Hoffnung für unser Leben!               K-S

@{b}                Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben @{ub}

                    Spendende Fülle,                             Gedicht
                    du leise Kraft,
                    was in mir reift,
                    kommt von dir.

                    Meine Zukunft
                    schlummert in dir
                    und in den Gaben,
                    die du verleihst.

                    Reinige mich,
                    auch wenn es schmerzt,
                    ich möchte werden,
                    was du für mich siehst.

                    Welche Frucht dann wird,
                    darüber befinde du,
                    dein Bleiben ist alles,
                    was ich brauche.

                    @{i} Ernst-Peter Weldin@{ui}



@ENDNODE

@NODE "Johannes 15b" "Johannes 15,9-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                Johannes 15, 9-17        @{ui}
@{b}                Bleibt in meiner Liebe   @{ub}
 Von der Liebe ist die Rede. Das ist ein Wort, das auf viele nichtssagend
 wirkt. Allzuoft wird davon oberflächlich in Schlagern, Filmen und
 rührseligen Büchern gesprochen. Mancher kann darüber nur noch lächeln. Von
 Jesus können wir lernen, was Liebe wirklich ist. Sie ist etwas Starkes, das
 nicht so bald vergeht; die unbedingte Zuwendung zum andern, die sich durch
 nichts beirren läßt. So hat sich Jesus uns zugewandt, hat er sich auch
 durch den Haß, der ihn ans Kreuz brachte, nicht davon abbringen lassen, uns
 zu lieben. Durch Liebe hat er Haß und Tod überwunden. Zu dieser Liebe
 beruft er seine Jünger. Es ist keine leichte Entscheidung, die er von Ihnen
 erwartet. Sie wird uns zu schwerer Arbeit für andere führen. Deshalb zeigt
 er uns auch, wo diese Liebe ihre Quelle hat: bei der alles übersteigenden
 Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, zum Menschen. Aus ihr wächst die Liebe
 des Herrn Jesus zu uns. Sie will uns dazu bringen, seiner Liebe zu folgen
 und sie zu erwidern, indem wir sie an andere weitergeben. Dadurch will er
 unser Leben mit Freude erfüllen. Ja, er nennt uns sogar Freunde. Freunde
 sind freie Menschen, die Anteil haben an dem, was ihr Freund tut. Als
 Freunde des Herrn sollen wir seine Zuwendung zu Menschen, seine
 Entscheidung für Menschen nicht als etwas ansehen, das nur für uns
 geschehen ist, sondern mit seiner Hilfe auch Liebe üben. Dann werden wir zu
 Friedensstiftern unter den Menschen, so führen wir seinen Auftrag aus, wenn
 wir seine Liebe an Menschen weitergeben, die wir erreichen. Von dieser
 Entscheidung für Gottes Welt können wir uns nicht abbringen lassen.

 @{b}Herr, du hast uns deine Freunde genannt. gib, daß wir zu jeder Zeit
 diesem Namen entsprechen als Menschen, die dir vertrauen, und aus diesem
 vertrauen täglich neue Kraft gewinnen. Amen.@{ub}




@{i}                    Johannes 15, 9-17     @{ui}
@{b} Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner
     Liebe!@{ub}   Joh 15,9
 Ganz schlicht und knapp lassen sich unsere tiefsten Sehnsüchte benennen.
 Wir haben Sehnsucht nach einem Namen, wollen bekannt und unverwechselbar
 sein. Und wir haben Sehnsucht nach einer Heimat, einem Ort, wo wir
 hingehören, einem Platz, an dem wir bleiben können. Diese Sehnsüchte
 schicken uns auf die Suche. Sie lassen uns nicht lange dort, wo wir gerade
 sind. Sie machen uns zu Herumtreibern. In dieses ratlose Treiben hinein
 klingt die einladende Stimme Jesu. Er macht uns bekannt mit dem Vater, der
 uns liebevoll und unverwechselbar beim Namen nennt. Er wird unser Bruder,
 der die Liebe des Vaters schrankenlos mit uns teilt und Heimat bietet. Er
 ist die Tür, die aufgeht. Dringend bittet er, einzutreten und zu bleiben,
 damit unser Vagabundieren ein Ende hat. "Sein Haus hat offene Türen." Hier
 wird keiner eingeengt. In der Liebe Jesu wohnen heißt endlich Mensch sein,
 ein Mensch mit einem guten Namen, mit einer Heimat und einem festen
 Platz der Zugehörigkeit. Wer einmal im Haus der Liebe Jesu Wohnung gefunden
 hat, den zieht es mit Macht immer Wieder hinein.                     K-V


@{i}                      Johannes 15,9-12(-17)@{ui}
@{b}                      Bleiben in der Liebe@{ub}

 In den werbenden, fast beschwörenden Worten sagt Jesus: "Bleibet in meiner
 Liebe!" Laßt das, was eurer Leben verändert hat, nicht nur eine Episode
 sein. Glauben und Leben sind eine untrennbare Einheit - ohne Gottes Liebe
 leer und ohne Sinn. In immer neuen Wendungen und mit wechselnden Bildern
 beschreibt Jesus das Wunder des Glaubens als Bewegung der Liebe vom Vater
 zum Sohn zu den "Freunden" hin. Und dieser Freundeskreis bleibt offen, weil
 diese Liebe keine Grenzen kennt. Sie ist keine "Zweierbeziehung", sie will
 sich anderen mitteilen. Sie wächst aus dem Lebenszusammenhang mit Christus
 und schafft eine Gemeinschaft von Menschen, die einander so begegnen, wie
 sie es durch Christus erfahren haben.
 Das sind, nur äußerlich gesehen, zwei Schritte. Eben noch hat Jesus das in
 dem sehr anschaulichen Bild vom organischen Lebenszusammenhang von
 Weinstock und Reben deutlich gemacht: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die
 Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht: denn ohne
 mich könnt ihr nichts tun" (V.5).
 Wohl geht es zuerst um den lebenswichtigen Zusammenhang von Weinstock und
 Reben. Da darf es keinen "Knick in der Leitung" geben. Aber die Rebe ist
 nicht für sich da. Sie hat eine Daseinsberechtigung nur dann nur dann, wenn
 sie die lebenschaffende Kraft des Weinstocks weiterleitet, damit Frucht
 entsteht. "Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebt, gleich wie
 ich euch liebe."
 Hier ist die erwartete Frucht dieser Liebesbewegung von Gott her genannt:
 In der Liebe untereinander hat sie ihr Ziel. Und Jesus umschreibt den Weg
 und das Ziel mit dem Wort Freude: "Damit meine Freude in euch bleibe und
 eure Freude vollkommen werde."
 Das alles ist nicht verklärte Vergangenheit, weit weg von der Wirklichkeit
 unseres Lebens. Sicher haben die Jünger vielen von uns eines Voraus: Sie
 können Tag und Stunde benennen, in der Jesus sie in diesen
 Lebenszusammenhang der Liebe Gottes hineingerufen hat. Aber damals wie
 heute gilt: "Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt..."
 In der taufe sind wir in die Gemeinde Christi hineingenommen worden. Wir
 konnten nichts dazu tun. Aber es liegt an uns, ob wir dabeibleiben. In der
 Gemeinde erfahren wir durch Wort und Sakrament von der Liebe Gottes, und
 wir bleiben in ihr, wenn wir sie weitergeben in den Begegnungen unseres
 Alltags.@{b}

 Herr, lieber Vater, wir danken dir, daß du uns in deine Gemeinde gerufen
 hast. Laß uns fest darauf vertrauen, daß deine Liebe uns gilt und uns auch
 hält, wenn wir untreu werden. Hilf uns, diese Liebe weiterzugeben. Amen.
@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 15c" "Johannes 15,18-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 15,18-25@{ui}
@{b}             Der Knecht ist nicht größer als sein Herr@{ub}

 Mancher wird über diesen Bibeltext erschrocken sein. Ist das so, daß wir
 als Christen den Haß der Welt auf uns ziehen? Wir möchten, wie jeder
 Mensch, in Frieden mit unseren Mitmenschen leben. es ist schwer, Haß zu
 ertragen, ohne selbst zum Haß verleitet zu werden, zu Bitterkeit oder
 Resignation. Doch Jesus sagt uns: Daran, daß es ein schwerer Weg ist, könnt
 ihr erkennen, daß ihr auf dem richtigen Weg seid.
 Seine Jünger können nicht stromlinienförmig allen Schwierigkeiten und
 Widerständen ausweichen. Das kann natürlich leicht falsch verstanden
 werden. Mancher kommt vielleicht in Versuchung, Schwierigkeiten, die er aus
 ganz anderen Gründen hat, mit seinem Glauben zu entschuldigen. Damit wir
 uns da nicht täuschen lassen, verweist uns Jesus auf sich: "Haben sie mich
 verfolgt, werden sie auch euch verfolgen."
 Es geht also keineswegs um eine Protesthaltung aus einer persönlichen,
 vielleicht achtenswerten Haltung heraus, sondern allein um Jesus. Der Herr
 hat ja den Haß nicht gesucht und hat seine Jünger gemahnt, Böses mit Gutem
 zu überwinden. Überspitzt kann man sagen, ein wesentlicher Teil seines
 Wirkens diente nur dazu, uns das einzuschärfen. Wir sollen uns also nicht
 vom Haß überwältigen lassen, sondern von unserem Herrn, seinem Wort, seinem
 Beispiel lernen.
 Jemand hat einmal ein gutes Wort dafür gefunden: Jesus ist nicht gegen
 irgendwen gestorben, sondern für alle, also auch für seine Gegner, und Gott
 hat ihn auch nicht gegen irgendwen auferweckt, sondern für uns alle.
 Jetzt gilt: Wer sagt, er sei im Licht, und haßt seinen Bruder, der ist noch
 in der Finsternis.@{b}

 Herr, du willst, daß wir in der Liebe bleiben. Gib, daß wir lernen, mit
 deiner Hilfe allen Haß zu überwinden, daß wir auch da, wo wir angefeindet
 werden, für alle Menschen offen bleiben. Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 15,18-25@{ui}
@{b} Wenn euch die Welt haßt, so wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat.
@{ub}   Joh 15,18

 Dieser Satz hat sich in der Kirchengeschichte in vielfacher Weise
 bewahrheitet. Bis in unsere Tage hinein werden Christen gemieden und
 gehaßt. Sie sind Fremdkörper, lästig und ärgerlich. Ihr Botschaft von der
 Versöhnung mit Gott wird oft als Besserwisserei empfunden, als unerlaubte
 Einmischung in persönliche Dinge.
 Kritiker des Evangeliums befürchten ihre Entmündigung. Der Gedanke, daß
 Christus erfülltes Leben schenkt, ist ihnen fremd. Darum sind Widerstand
 und Haß um Christi willen normal. Christen müssen das wissen, sonst gibt es
 falsche Reaktionen. Wer sich als Christ persönlich angegriffen fühlt,
 schlägt oft persönlich zurück. Damit wird jedoch die Chance verpaßt,
 Menschen zu gewinnen. Haß kann nur mit Liebe beantwortet werden. Sonst
 kommt es zu unerträglichem Selbstmitleid im Leben des Christen. Davor will
 Jesus seine Leute bewahren. Selig nennt er sie, wenn sie der Feindschaft
 positiv begegnen. Er bittet sie sogar, fröhlich und getrost zu sein
 (Mt 5,11 f). Das können wir nur lernen, wenn wir bei Jesus in die Lehre
 gehen.                                                           K-We


@ENDNODE

@NODE "Johannes 15d" "Johannes 15,26-16,4a"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 15,26-16,4a@{ui}
@{b}                   Ihr werdet meine Zeugen sein@{ub}

 Vielleicht hat mancher von uns im Gottesdienst, wenn in den Gebeten und
 Predigten vom Heiligen Geist die Rede ist, seine Schwierigkeiten, weil er
 nicht recht verstehen kann, was das heißt.
 Hier erfahren wir es aus dem Munde des Herrn. Es ist Gottes persönliche
 Gegenwart unter uns, sein Trost, sein Beistand, durch die er uns helfen und
 ermutigen will. Durch ihn sollen wir die Wahrheit über uns, unser Leben,
 unseren Glauben erfahren. Er will uns in äußeren Anfechtungen, die wir um
 unseres Glaubens willen erleiden, beistehen und in inneren Nöten
 aufrichten. Natürlich besteht zwischen uns und den Jüngern damals ein
 Unterschied. Sie waren aus eigener Anschauung Zeugen des Herrn, wir dagegen
 sind auf ihr Zeugnis angewiesen. Trotzdem können wir die Worte des Herrn
 auch auf uns beziehen. Dazu sendet uns Jesus den Geist der Wahrheit, daß
 wir, obwohl wir ihn nicht mehr leibhaft sehen können, doch seine Gegenwart
 erleben. Wir müssen uns nicht fürchten, wir brauchen uns über seine
 scheinbare Abwesenheit nicht zu bekümmern. Trotz aller Anfeindungen wird
 die Sache unseres Herrn weitergehen. Der Geist der Wahrheit wird als Zeuge
 für ihn eintreten, mit seiner Hilfe werden auch wir Zeugen des Herrn. Aus
 dieser Gewißheit beziehen wir die Kraft, die wir brauchen. Durch seinen
 Heiligen Geist macht uns Jesus Mut, unseren Glauben zu bekennen. Denn das
 Recht dazu bekommen wir nicht aus unserer Tüchtigkeit oder Klugheit oder
 gar ethischen Überlegungen. Das wäre ein ganz unrechter Hochmut.
 Nein, es ist allein der Geist des Herrn, er gibt die wahre Autorität.@{b}

 Herr, du hast uns zu deinen Zeugen berufen. Du willst durch deinen Heiligen
 Geist bei uns sein und uns in alle Wahrheit leiten. Darum vertrauen wir auf
 dich. Laß uns Tag für Tag aufs neue aus deiner Kraft leben. Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 15,26-16,4a@{ui}
@{b} Ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.
@{ub}   Joh 15,27

 Jesus sagt zu seinen Jüngern: "Ihr seid meine Zeugen. Ihr seid mir
 nachgefolgt. Ihr habt gehört, was ich gesagt habe. Ihr habt gesehen, was
 ich getan habe. Ihr wißt, wer ich bin. Jetzt trete ich die Herrschaft an.
 Am Kreuz wird es offenbar: Ich bin der König der Wahrheit. Das werdet ihr
 auch noch miterleben. Dann könnt ihr es aller Welt bezeugen. Durch eurer
 Zeugnis wird mein Geist, der Anwalt der Wahrheit, andere Menschen in den
 Herrschaftsbereich meiner Liebe hineinholen. Ich sage euch das jetzt, damit
 ihr nicht an mir irre werdet, wenn man mich verurteilt oder euch verfolgt."

 Ja, die Jünger damals, die waren von Anfang an bei ihm. Aber wir? Wie
 können wir heute Zeugen Jesu sein? Wenn wir die Stimme seiner Zeugen lesen
 und hören, kommt er, der Geist der Wahrheit, auch zu uns. Er sagt uns, wer
 Jesus ist. Er macht uns gewiß, daß Jesus uns aus der Finsternis ins Licht
 führt. So werden auch auch wir zu Zeugen und dürfen weitersagen, was wir
 mit Jesus erlebt haben. Dazu sind wir da. So wird er, der König der
 Wahrheit, sein reich weiterbauen.                                K-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 16a" "Johannes 16,4b-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 16,4b-11@{ui}
@{b}               Jesus läßt die Seinen nicht allein@{ub}

 "Ich war bei euch" - mit diesen Worten schwingen Rückblick und
 Abschiedsstimmung mit. Immer wieder wird die Gegenwart Vergangenheit, das
 kann uns schon auf die Seele fallen, wenn wir es wieder einmal begreifen.
 Für die Jünger war das nicht anders. Ihr Erleben mit Jesus schloß seinen
 Abschied und seine Kreuzigung mit ein. Aber Trauer und Kummer über sein
 Scheiden und sein Ende sind nicht alles. Jesus Weg führt darüber hinaus.
 Sein Ziel für die Jünger und auch für uns liegt jenseits von Vergangenheit
 und Vergessen. Er geht zum Vater, aber er will nicht aller Erdenlast
 enthoben sein.
 Nein, er bleibt mit den Seinen verbunden. Aus dem Ziel. aus der Zukunft
 heraus, bleibt er uns allen, seiner ganzen Gemeinde, aller Welt in neuer
 Weise nahe als Heiliger Geist, als Tröster und Fürsprecher, als ewiger
 Richter und Retter.
 Auch die sogenannten Abschiedsreden Jesu sind Evangelium. Es ist eine frohe
 Botschaft, was der Evangelist Johannes damit den Glaubensgefährten seiner
 Zeit und uns weitergibt. Jesus, der leibhaftig in unsere Welt war und zu
 einer ganz bestimmten Zeit lebte, ist dennoch kein "Mann aus der
 Vergangenheit". Jesus handelt in der Gegenwart an uns. An die Stelle des
 Sehens, wie es die ersten Jünger erlebten, ist das begreifende Glauben
 getreten. Wir begreifen und verstehen, was Sünde ist und was nach Jesu
 Maßstäben richtig ist.
 Schenkt Gott uns seinen Geist, dann begreifen wir, daß er Herr ist. Und
 diese Gewißheit setzt aller Trauer und aller Vergänglichkeit eine Grenze.
 @{b}
 Jesus, wir danken dir, daß du uns nahe bleibst mit deinem guten, heiligen
 Geist in deinem Wort und deinem Sakrament. Hole uns heraus aus unseren
 Traurigkeiten und Trägheiten, nimm uns mit auf deinem Weg. Amen.@{ub}


@{i}                 Johannes 16,4b-11@{ui}
@{b} Wenn der Tröster kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die
 Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht.@{ub}  Joh 16,8

 Die Jünger sind traurig, weil Jesus bald nicht mehr sichtbar bei ihnen sein
 wird. Aber Jesus tröstet sie: Er läßt sie nicht allein, sondern er wird
 ihnen den Heiligen Geist als Tröster, Beistand und Helfer senden. Der wird
 der Welt die Augen und Herzen für Jesus öffnen. Wo er wirkt, erkennen die
 Menschen: SÜNDE ist nicht allein dieses oder jenes moralische
 Fehlverhalten, sondern sie gründet darin, daß ich mir Jesus vom Leibe
 halten will.
 GERECHTIGKEIT vor Gott erwirkt sich niemand aus eigener Kraft; sondern der
 empfängt sie, der darauf vertraut, daß Jesus für meine Schuld am Kreuz
 bezahlt hat.
 Das GERICHT ist nicht mehr eine drohende Zukunftsvision, sondern es ist in
 Tod und Auferstehung Jesu schon ergangen.
 Alles, was zwischen mir und Gott steht und mich jetzt noch ängstet und
 bedroht - das Böse, die Schuld und der Tod -, alles das ist in Christus
 schon entmachtet. So ist der Tröster bei uns und sagt uns und durch uns
 aller Welt:
 Leg alles in Jesu Hand; ersteht für dich ein und will dich retten in aller
 Not.                                                                R-H


@ENDNODE

@NODE "Johannes 16b" "Johannes 16,12-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 16,12-15@{ui}
@{b}          Die ganze Wahrheit kennen wir noch nicht@{ub}

 Das ist ein Satz, der auf sehr viele Vorgänge unseres Lebens zutrifft. Da
 hatten wir von diesem oder jenem Ereignis gehört; und wenn Jahre später
 geheime Archive geöffnet werden, stellt sich das ganze Geschehen anders da.
 Manchmal ahnen wir, wie sich etwas abgespielt hat, aber wir erfahren nichts
 Genaues darüber und fühlen uns hilflos. Das macht uns im Blick auf
 alltägliche oder politische Vorgänge zu schaffen. Um wieviel hilfloser sind
 wir, wenn wir bei einer Krankheit die Wahrheit nicht kennen und nur wissen,
 daß es um Leben und Tod geht.
 In gewisser Weise sind auch Glaubensfragen solche letzten Fragen: Warum
 kann mein Kind nicht glauben? Warum nahm das Gottesvolk der Juden seinen
 Heiland nicht an? Warum sterben die Gemeinden? Wir suchen nach Antworten.
 Aber es bleiben so viele Fragen offen - das ist so, obwohl wir auf
 Pfingsten zurücksehen, obwohl wir das Kommen des Heiligen Geistes bekennen.
 Dieser Geist der Wahrheit bringt uns durchaus schon voran auf dem Wege der
 Gotteserkenntnis und des Ahnens, wie Gott handelt.
 Aber sehr, sehr vieles verstehen wir eben nicht. Das ist eine tröstliche
 Nachricht, daß wir einmal zum Begreifen der vollen Wahrheit kommen sollen.
 Das ist ein Versprechen des Herrn, das wir ernst nehmen dürfen. Die
 Verwirklichung dieses Versprechens beginnt sogar schon jetzt. Nämlich
 dort, wo wir Gott als Liebe erkennen und preisen.
 Wie gesagt: Noch steht viel aus, aber die Zukunft Gottes hat schon
 begonnen, in der Gott alles in allem sein wird und nur noch seine Wahrheit
 gilt!@{b}

 Herr, du weißt, wie oft wir an dir zweifeln, dich nicht verstehen. Laß uns
 dein Wirken und deinen Willen tiefer begreifen. Öffne uns für die Wahrheit
 deiner Liebe. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 16,12-15@{ui}
@{b} Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in
 alle Wahrheit leiten.@{ub}    Joh 16,13

 Der Heilige Geist, den Jesus seinen Jüngern verheißt, wird sie "in alle
 Wahrheiten leiten". Er wird ihnen aufschließen und erklären, wer Jesus ist,
 nämlich der Sohn Gottes, der ins Leiden, in die Niedrigkeit und in den
 Dreck dieser Welt gekommen ist. Und er ist der, vor dem einmal alle
 niederknien werden, wenn er seine gnädige Herrschaft für alle sichtbar
 machen wird.
 Vom Heiligen Geist sind keine Sonderoffenbarungen über die Weltgeheimnisse,
 keine philosophischen Weisheiten und keine Zukunftsvoraussagen zu erwarten.
 Der Heilige Geist legt vielmehr aus, was es jetzt und für alle Zukunft
 bedeutet, daß Jesus gekreuzigt wurde und auferstanden ist. Der Heilige
 Geist hat kein eigenes Thema. er redet, was Gott ihm über Jesus "vorgesagt"
 hat (V.13). Er redet nicht von einer abstrakten Wahrheit - denn die
 Wahrheit ist eine Person und heißt Jesus. Wem aber diese Wahrheit aufgeht
 und einleuchtet, dem wird auch die Wahrheit über sich selbst aufgehen: Wir
 sind Gott und den Menschen schuldig geblieben, was sie zu Recht von uns
 erwarten konnten - aber wir dürfen leben.                           V-W


@ENDNODE

@NODE "Johannes 16c" "Johannes 16,16-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 16,16-24@{ui}
@{b}                      Bleibende Freude@{ub}

 Kennen wir nicht auch Christen, die immer alles genau verstehen und
 erklären können? Manchem sind solche Menschen unheimlich; ihre Darlegungen
 stoßen oft eher ab, als daß sie Hilfe wären.
 Ganz anders sind die biblischen Berichte angelegt, in denen vom
 Unverständnis der Jünger und von ihrem Unglauben berichtet wird.
 Ja, so ist das auch mit uns: Wir verstehen manches nicht, was Jesus sagte
 und tat. Aber wir können uns an das halten, was Jesus versprochen hat. So
 verlassen wir uns auf diese Versprechen, welches Johannes überliefert hat,
 daß wir in die große, bleibende Freude mit hineingenommen werden sollen.
 Ein Vorschein dieser Freude liegt seit Weihnachten und seit Ostern schon
 über unsere Welt. Der große Schweizer Theologe Karl Barth hat das einmal so
 ausgedrückt: "Alles vergeht - aber es vergeht im Widerschein der
 Auferstehung." Und auch das andere Versprechen des Herrn dürfen wir ernst
 nehmen: Die Erhörung unserer Gebete. Die Voraussetzung für unser Beten ist
 die Gewißheit, daß Gott lebt und hört und uns kennt. Er wird uns als der
 Vater allen Lebens verkündigt. Wir stellen die Erfüllung in seine
 väterliche Güte und Weitsicht; wir vertrauen darauf, gehört zu werden und
 zu empfangen, wie und wann er es für richtig hält. Wenn von Gebetsnot die
 Rede ist, dann denken wir nicht nur an jene, die gar nicht beten können,
 und auch nicht daran, mit Gott zu hadern, weil es keine Erfüllungsgarantien
 gibt. Eine Not unserer Gebete ist es, daß wir vieles erbitten, aber zu
 selten um Erfülltwerden mit bleibender Freude flehen.@{b}

 Lieber Vater, habe Dank für die Zusagen, die durch Jesus auch uns gelten:
 Daß wir Freude erfahren sollen, daß du uns erhören wirst. Laß uns diese
 Versprechen ernst nehmen, erfülle uns mit Freude und Gewißheit. Amen.@{ub}


@{i}                        Johannes 16,16-24@{ui}
@{b}                An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen@{ub} Joh 16,23

 Der Tag an dem Jesus hier zu seinen Jüngern spricht, ist der Tag nach einer
 Durststrecke dunkler Traurigkeit. "Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr
 mich nicht mehr sehen (weil ich gestorben und begraben sein werde); und
 abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen" (V.16).
 Die Jünger HABEN ihn gesehen, den Auferstandenen, den Sieger über Schmach
 und Tod, den Anfang der neuen Schöpfung. Dieses Sehen führte zu dem großen
 Osterjubel: Der Tod ist besiegt! Nichts kann den Sinn unseres Lebens mehr
 in Frage stellen. Eine Freude, "die niemand von euch nehmen wird". Ein Tag,
 "an dem ihr nichts mehr fragen werdet". So steht es da. Darf es also die
 Warum- und Wie-lange-Fragen der Psalmen für uns Christen nicht mehr geben?
 Oh doch! Wir leben ja erst im OsterGLAUBEN, noch nicht in der vollen
 Osterwirklichkeit. Wir leben noch in der Anfechtung. Und doch haben wir im
 Glauben, schon teil an der Osterwirklichkeit, so daß wir unsere
 bedrängenden Fragen und Bitten schon gelöst wissen in dem, der das A und
 das O, der Anfang und das Ende ist.                                 L-E



@ENDNODE

@NODE "Johannes 16d" "Johannes 16,25-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 16,25-33@{ui}
@{b}               Die Zeiten durchdringen sich@{ub}

 Von Gott gekommen und wieder zu Gott gegangen: In diese Aussage des
 Johannes und seiner Gemeinde über Jesus Christus ist eine andere
 eingeschlossen. Jesus, der so in der Welt war, wie wir in der Welt sind,
 hat die Welt überwunden. Er tat es in seinem Sieg am Kreuz und in der
 Auferstehung.
 Auf Grund dieser Tatsachen können wir getrost sein. Alle Menschen haben
 einmal Angst. Auch Kirchen sind nicht frei von Angst in bestimmten Zeiten:
 Angst in allen Schattierungen: von kraetürlicher Angst um das nackte Leben
 bis zu der Angst um die Existenz der Kirche. Anlässe zu solchen Ängsten
 gibt es viele. Aber das ist eben die Folge davon, daß Christus hier auf
 Erden war: Allem Bösen und Schrecklichen sind Grenzen gesetzt worden, denn
 unser Herr hat diese Welt überwunden, er hat die Türen der Gotteswelt
 aufgetan, hat Gottes Liebe und die Maßstäbe des Gottesreiches gebracht.
 Das ist nicht ferne Zukunft. Der Tag, die Stunde, jene Zeit sind da! Die
 Offenbarung der Wirklichkeit Gottes ist in Gang gekommen, seit Jesus hier
 lebte, seit er litt, starb, auferstand. Er ist der Geist des Glaubens und
 der Stärke, der Menschen zum Leben aus dem Glauben bringt.
 Johannes will uns davon abbringen, die entscheidenden Ereignisse erst von
 einer Zukunft zu erwarten, die noch aussteht.
 Gewiß, das Heute ist noch nicht das Morgen, die Vollendung steht noch bei
 Gott. Aber je deutlicher wir dem Herrn in unserem Glauben und Handeln
 nachfolgen, desto deutlicher wird das, was Gott schon jetzt an uns tut.
 @{b}
 Heiliger Gott, wir leben schon in deiner Ewigkeit. Danke, daß alles Böse
 durch unseren Heiland überwunden worden ist. Laß uns dessen auch am
 heutigen Tage gewiß sein und dir mit Wort und Tat die Ehre geben. Amen.
 @{ub}


@{i}                     Johannes 16,25-33@{ui}
@{b}     Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.@{ub} Joh 16,32

 Das war Jesus wichtig, das prägte er seinen Jüngern ein, daß er vom Vater
 im Himmel auf die Erde gekommen sei und wieder zum Vater zurückkehre, ja,
 daß der Vater immer mit ihm verbunden bleibe. Warum ist das so wichtig?
 Die Jünger haben kurz vor Jesu Abschied den Eindruck, sie seien zum Glauben
 gekommen. Darüber sind sie dankbar und froh. Doch Jesus sagt zu ihnen: Ihr
 werdet zerstreut werden; ein jeder wird das Seine aufsuchen; ihr werdet
 mich allein lassen. Aber ich bin dennoch nicht allein, denn der Vater ist
 bei mir.
 Die Verbundenheit Jesu mit dem Vater hängt also nicht von unserem Glauben
 ab. Bei uns wird es immer ein Auf und Ab geben. Wir können nicht auf uns
 bauen. Auch nicht auf unseren Glauben. Aber Jesus und der Vater im Himmel
 bleiben verbunden. Daß Gottes Liebe in Jesus zu uns gekommen ist, kann nie
 mehr rückgängig gemacht werden. Wir leben in einer Zeit des Rückgangs der
 Christenheit; harte Auseinandersetzungen sind gekommen. Das läßt uns nicht
 gleichgültig; aber viel wichtiger ist, daß es dennoch gilt: "Ich bin nicht
 allein, denn der Vater ist bei mir."                              Ka-B


@ENDNODE

@NODE "Johannes 17a" "Johannes 17,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 17,1-5@{ui}
@{b}                  Das Werk ist vollendet@{ub}

 Zu den Schlüsselworten des Evangelisten Johannes gehört der Ausdruck
 "Stunde". "Meine Stunde ist noch nicht gekommen", heißt es beim ersten
 öffentlichen Auftreten Jesu bei der Hochzeit zu Kana. Mit den Worten: "Es
 kommt die Stunde und ist schon jetzt", weist Jesus auf seine nahe Passion
 hin. Als er in zwei kritischen Situationen seinen Verfolgern entgeht,
 vermerkt Johannes: "Denn seine Stunde war noch nicht gekommen." Nach dem
 Einzug in Jerusalem lesen wir: "Was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus
 dieser Stunde? Nein, darum bin ich in diese Stunde gekommen."
 Nun ist sie da, auf die alles abzielt: die Stunde des Kreuzes. In ihr
 vollendet sich Jesu Weg und Auftrag. Jesus ist seinen Weg gegangen im
 Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater. Er hat das Werk vollendet, das er
 tun sollte. Dabei war er Versuchungen und Anfechtungen nicht entnommen.
 Selbst in der Tiefe eigener Erschütterungen, im Dunkel des vor ihm
 liegenden Sterbens hat er nur eine Bitte, daß der Vater ihn bestätige und
 verherrliche, indem er ihm Kraft gebe, seinen Weg bis ans Ende zu gehen und
 damit seinen Auftrag zu erfüllen.
 In diesem völligen Gehorsam des Sohnes bis zum Tode am Kreuz wird Gott die
 Ehre geben, wird der Vater vor den Jüngern verherrlicht. Daran können sie
 Jesus erkennen. Er hat sie aber in die Gemeinschaft mit dem Vater
 hineingenommen, hat ihnen auch den Sinn seines Leidens und Sterbens
 gedeutet. Dies gläubig anzunehmen und in der nachfolge zu bewähren, schenkt
 ewiges Leben.@{b}

 Herr Jesus Christus! An dein Gebet klammern wir uns, wenn unsere Stunde da
 ist und alles um uns dunkel wird. Beweise deine Macht, die ewiges Leben
 schenkt, an uns, denn deine Liebe hört nie auf. Stärke unser Vertrauen.
 Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 17,1-5@{ui}
@{b} Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei
 dir hatte.@{ub}   Joh 17,5

 Wer ein schönes Zuhause hat, sehnt sich immer wieder dahin zurück. Ich
 denke mir, daß Jesus ähnlich empfunden hat. Er war aus dem himmlischen
 Vaterhaus gekommen und hatte die enge Gemeinschaft mit Gott als sein ewiges
 Zuhause erlebt. Herrlich war es da!
 Das hatte Jesus aufgegeben, um mit uns in einer Welt zu leben, die gar
 nicht herrlich ist. Lieblosigkeit, Heuchelei, Machtkämpfe sind bei uns zu
 Hause. Deshalb blieb Jesus ein Fremder mit seiner Botschaft von der Liebe
 und von der Wahrheit. Offenbar konnten wir ihn auch nicht ertragen und
 haben ihn ausgestoßen. Vor den Toren der Stadt auf der Hinrichtungsstätte
 war noch Platz für ihn.
 Bevor Jesus diesen Weg geht, zieht er sich zum Gebet zurück. Er kann das
 alles durchstehen, wenn er sein himmlisches Zuhause nicht aus den Augen
 verliert. Gottes Herrlichkeit wartet auf ihn. Das gab ihm Kraft zum Tragen.
 Ob uns eine solche Gewißheit auch weiterhelfen kann? Ein ewiges Zuhause
 haben macht manches in der Fremde leichter erträglich. Weil Jesus beim
 Vater ist, steht auch uns der Himmel offen.                         S-D

@{b}            Abschied@{ub}             Gedicht

                Abschied. Immer wieder Abschied.
                Das Leben ist eine ununterbrochene Kette
                von Abschieden.
                Von jedem "Heute darf ich dein Gast sein"
                gibt es einen Abschied.
                Von jedem Menschen gibt es einen Abschied.
                Keine Verbindung hat Bestand,
                keine Verbindung hält für immer.
                Ja selbst von dieser Welt
                müssen wir eines Tages Abschied nehmen.
                Wir sind hier zu Gast, für eine bestimmte Zeit.
                Ich will meinen Gastgeber kennenlernen.
                Ich will zu ihm gehören und bei ihm sein.
                Er ist der einzige,
                der die endlose Kette von Abschieden
                eines Tages schließen kann.
                Und ich möchte ihn dann erkennen,
                wenn er mir entgegenläuft,
                um mich in die Arme zu nehmen
                und zu mir zu sagen:
                "Jetzt bist du für immer bei mir!"
                @{i}     Rainer Haak@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 17b" "Johannes 17,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 17,1-8@{ui}
@{b}                 Christus betet zu Gott@{ub}

 Dieses Kapitel des Johannesevangeliums wird "Das hohepriesterliche Gebet"
 genannt. Nur einmal im ganzen Neuen Testament ist ein volles Kapitel dem
 Gebet Jesu vorbehalten; das ist ein Hinweis auf die Besonderheit dieses
 Gebetes. Jesus hat von den Seinen Abschied genommen, ihnen gesagt, was sie
 erwartet, und mit ihnen geredet, um sie zu stärken.
 Nach der intensiven Zuwendung zu den Jüngern lesen wir nun von der
 Zuwendung zu den Jüngern lesen wir nun von der vollen Hinwendung zu Gott.
 Jesus betet zu Gott: "Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn,
 damit der Sohn dich verherrliche." Jesus weiß, daß sein Auftrag sich dem
 Ende, dem Höhepunkt nähert. Er weiß, daß er ans Kreuz gehen muß, wenn er
 Gottes Auftrag treu bleiben will. Das Zeichen der Schande und der Ohnmacht
 aber soll der Ort der Verherrlichung werden. Gott der Vater soll sich zu
 ihm stellen, damit deutlich wird, daß Jesus bei Gott ist und bleibt. Wo
 Gott ist, kann nur Herrlichkeit aufleuchten und muß das Dunkel weichen.
 So kann nur einer beten, der ganz zu Gott gehört, dem alles an Gottes
 Herrlichkeit und nichts an seinem eigenen Leben liegt. Nicht erst jetzt in
 besonders bedrängender Lage sucht Jesus die rettende Hilfe Gottes, sondern
 er hat immer und in allen Lagen seines Lebens mit Gott gelebt und ist darum
 sicher, daß Gott da ist - auch im letzten Dunkel. Hoffnung auf Leben in
 Ewigkeit bricht an für uns.
 "Das ist aber das ewige Leben, daß sie... dich, der du allein wahrer Gott
 bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen." Dazu hat Jesus
 gelebt, dazu nimmt er Leiden auf sich: Menschen sollen und dürfen dadurch
 Gottes Herrlichkeit erkennen. Jesus betet auch vor Gott um diese
 Verdeutlichung, um Offenbarung.
 Ist das auch ein Gebet für uns? Ganz gewiß, denn: "Gott will uns damit
 locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine
 rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten
 sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater." Das ist Martin Luthers
 Erklärung zum Vaterunser. Das hohepriesterliche Gebet ist nicht unser
 Gebet, aber es ringt um den uns zugewandten Vater. Das Nachdenken über
 diesen Abschnitt der Bibel will uns hinführen zum eigenen Gebet, zum immer
 neuen Versuch, uns mit unserem ganzen leben Gott anzuvertrauen und dabei
 von ihm alles zu erwarten.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Hilf uns, mit dir zu sprechen. Besiege den
 Zweifel in unserem Herzen und laß uns getrost darauf vertrauen, daß du uns
 hörst und uns hilfst. Laß uns so, wie wir an uns denken, auch an andere
 denken. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 17c" "Johannes 17,6-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 17,6-13@{ui}
@{b}                    Die große Fürsprache@{ub}

 Wir kennen alle den Wert der Fürsprache. Nicht nur Kinder, die sich nicht
 selbst durchsetzen Können oder Bange haben, brauchen jemand, der für sie
 eintritt. Auch wir Großen sind dankbar, wenn sich jemand für uns einsetzt,
 unsere Anliegen vertritt, uns vor Ungerechtigkeit bewahrt, unsere Fehler
 entschuldigt oder uns ganz einfach in Schutz nimmt.
 Ist uns bewußt, daß die Fürsprache mit Jesus in die Welt gekommen ist?
 Jesus stellt die Seinen in eine große Fürsprache vor seinem himmlischen
 Vater. In unserem Abschnitt wird dies besonders deutlich. Jesus weiß, daß
 die Jünger, die er gefunden hat, "nicht aus eigener Vernunft noch Kraft" zu
 ihm gekommen und bei ihm geblieben sind. Fleisch und Blut haben es ihnen
 nicht offenbart, daß in Jesus der Christus Gottes vor ihnen stand und mit
 ihnen redete, sondern sein Vater im Himmel. So weiß er sich für seine
 Jünger verantwortlich und bittet für sie beim Abschied, daß Gott sie
 stärken und erhalten wolle in der gefundenen Gemeinschaft. Denn sie bleiben
 zurück, bleiben in der Welt, deren Ablehnung und Haß er so schmerzlich
 erfahren hat. Er kennt den Ehrgeiz und den Streit seiner Jünger, wer unter
 ihnen der größte sei. So bittet er für sie, daß sie "eins seien": nicht nur
 einig im Sinne von Brüderlichkeit, sondern eins im Glauben, im Gehorsam und
 der Liebe. Er versteht ihre Traurigkeit und Angst, die sein Sterben ihnen
 bereiten wird. Darum bittet er für sie, daß sie seine Freude in sich tragen
 können, die ihn auch jetzt erfüllt, wo die ganze Schwere des Kreuzweges vor
 ihm liegt.@{b}

 Du lieber Herr! Wir danken dir, daß deine Fürbitte deiner Gemeinde gilt.
 Wir haben sie nötig. Denn wir bekennen dir unseren Ehrgeiz, und in uns
 wohnt oft die Angst. Wenn uns Freude und Vollmacht zu Zeugnis und Dienst
 fehlen, erbarme dich unser. Amen.@{ub}


@{i}                  Johannes 17,6-13@{ui}
@{b} Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit meine Freude
 in ihnen vollkommen sei.@{ub}   Joh 17,13

 Jesus will, daß seine Jünger und Nachfolger mit seiner Freude erfüllt
 werden. Diese Freude entsteht dort, wo uns durch Jesu Wort aufgeht, daß ihm
 Gott selbst in unsere Welt gekommen ist und uns errettet hat. Da sehen wir:
 Gott hat die Welt und uns nicht aufgegeben. Jesu Name steht für seine Liebe
 zu den Verlorenen. Durch sein Wort tritt er mit uns Sündern in Verbindung,
 ohne daß wir vergehen müssen. Durch seinen Tod rettet er uns vor dem ewigen
 Verderben, und durch seinen Ostersieg gibt er uns Anteil an seinem Leben.
 Das ist der Grund zur Freude, einer Freude, die nicht aus uns selber kommt
 oder in uns selber liegt. Es ist die Freude derer, die vom Todesurteil der
 Sünde befreit sind, im Sterben Hoffnung haben und durch Jesus Gott als
 ihren Vater erkennen. Diese Freude bleibt in der Gemeinde auch jetzt, da
 Jesus zum Vater zurückgekehrt ist. Denn das hohepriesterliche Gebet Jesu
 dauert fort, weil er als erster, der Menschenantlitz trug, vor Gott steht
 und auch für uns betet.                                           B-O



@ENDNODE

@NODE "Johannes 17d" "Johannes 17,14-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 17,14-19@{ui}
@{b}                  Die Jünger und die Welt@{ub}

 Im Verständnis des Evangelisten Johannes ist "die Welt" etwas wie eine
 starke Strömung, die von Gott wegzieht. Darum ist Jesus Gebet für die
 Seinen so dringlich, weil er sie in dieser Welt zurückläßt, in der das Böse
 sie angreift. Die Jünger sind natürlich Menschen wie alle anderen auch,
 versuchlich und anfällig. Aber an ihnen ist etwas geschehen, was sie
 verwandelt hat. Sie haben Jesu Predigt gehört, seine Taten gesehen und
 kommen nicht mehr von diesem Herrn los. So wendet sich der Haß "der Welt",
 der Jesus trifft auch gegen sie. Doch diese Not kann ihnen Jesus nicht
 ersparen, er will sie ja gerade in die Welt senden. Darum bittet er für
 sie, daß sie der Versuchung zum Abfall widerstehen können, daß sie von der
 Zeitströmung nicht mitgerissen werden, daß sie mitten in der Welt vor dem
 Argen bewahrt bleiben. Nur der Vater kann dies in ihnen bewirken, ihre
 Kraft reicht dazu nicht aus. Sie sollen "in der Wahrheit geheiligt" sein,
 d.h., sie sollen nicht nur gläubige und in der Liebe tätige Menschen sein,
 sondern sie sollen etwas von der Klarheit Gottes in sich tragen, seinen
 Ernst wie seine Güte bezeugen können. Echt und tief soll ihr Leben
 durchdrungen sein von der Wahrheit, die ihnen in Jesus und seinem Wort
 begegnet ist. Je tiefer sie in seinem Wort wurzeln, desto fähiger werden
 sie als Boten für ihren Dienst in der Welt. Denn der Welt hilft kein Bote,
 der nur Worte hat, ohne auch in seinem Wesen Zeuge seiner Botschaft zu
 sein. Als solche Boten sendet Jesus die Seinen in die Welt, damit sie seine
 Sendung fortsetzen. Daß sie dies treu und gehorsam tun können, darum bittet
 er den Vater.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, und er
 sendet uns. Laß uns treu und gehorsam ausrichten, was dem Bau deiner
 Gemeinde dient und der Welt hilft. Erfülle uns dazu mit deiner Liebe. Amen.

        Sei du mit mir@{ub}                              Gedicht
        Herr, den ich tief im Herzen trage, sei du mit mir!
        Du Gnadenhort in Glück und Plage, sei du mit mir!
        Im Brand des Sommers, der dem Manne die Wangen bräunt,
        wie in der Jugend Rosenhage, sei du mit mir!
        Behüte mich am Born der Freude vor Übermut,
        und wenn ich an mir selbst verzage, sei du mit mir!
        Gib deinem Geist zu meinem Lied, daß rein es sei,
        und daß kein Wort mich einst verklage, sei du mit mir!
        Dein Segen ist wie Tau den Reben; nichts kann ich selbst,
        doch daß ich kühn das Höchste wage, sei du mit mir!
        O du mein Trost, du meine Stärke, mein Sonnenlicht,
        bis an das Ende meiner Tage, sei du mit mir!
        @{i}      Emanuel Geibel


                           Johannes 17,14-19@{ui}
@{b} Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die
 Welt.@{ub}   Joh 17,18

 Gegen Ende seines Lebens zieht Jesus Bilanz. er gibt seinem Vater
 Rechenschaft. Dabei denkt er auch an seine Jünger. Ihr Leben und sein
 eigenes sind eng miteinander verknüpft.
 "Wie du mich gesandt hast, so sende ich sie." Es ist derselbe souveräne
 Wille, der sendet. Einer Welt, die sich am göttlichen Wort stößt, ist
 Gottes Wort zu sagen. Es ist eine Botschaft, die fremd ist, die aufdeckt,
 überführt - genauso aber auch Leben schafft und heilt. Gottes Sendung
 bringt Widerstand mit sich, Auseinandersetzungen. Da sind konkurrierende
 Weltanschauungen, die ein sinnvolles Leben ohne Gott versprechen. Gesandt
 wie Christus - nicht nur mit dem Wort, sondern mit der ganzen Existenz. Für
 den Vater verfügbar, wach für die, zu denen die Botschaft getragen werden
 soll. Bereit, den Mißerfolg auszuhalten, bei Gottes Wahrheit zu bleiben,
 auch wenn dies Nachteile, ja Schmerzen und Leiden bringt, der Mund sich
 schließen muß. Gesandt wie Christus - bereit loszulassen, Vorrechte
 aufzugeben, im Irdischen ohne "Ort" zu sein, aber ganz verwurzelt in Gott
 und seinem guten Willen.                                          V-P


@ENDNODE

@NODE "Johannes 17e" "Johannes 17,20-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Johannes 17,20-26@{ui}
@{b}                     Das Ziel aller Wege@{ub}

 Jesu Gebet bleibt nicht bei der kleinen Schar seiner Jünger stehen. Sie
 werden ja als seine Apostel durch ihre Predigt auch andere mit Jesu Worten
 und Taten bekannt machen. So bleibt seine Fürbitte allen, die durch das
 Wort der Boten zum Glauben kommen. Je größer aber eine Gemeinschaft ist,
 desto gefährdeter ist ihr Zusammenhalt. Darum sorgt sich Jesus um ihre
 Einheit und bringt sie in immer wiederholten, dringlichen Bitten vor seinen
 Vater. Diese Einheit ist nicht nur für die Gemeinschaft unter den Jüngern
 wichtig, sondern sie hat entscheidende Bedeutung für ihr Zeugnis und ihren
 Dienst.
 Welche Verantwortung liegt dadurch auf der Gemeinde Jesu. Wenn die Welt an
 den Jüngern sieht, daß bei ihnen selbstlose Liebe geübt wird, daß hier in
 Einmütigkeit gelebt und gehandelt wird, daß ihre Gemeinschaft nicht nur in
 gleichen Zielen oder übereinstimmenden Gefühlen besteht, sondern in der
 nachfolge ihres Herrn, dann kann in der Welt der Glaube aufbrechen, daß der
 Anfänger dieser Bruderschaft wirklich von Gott gesandt ist.
 Wenn Christen Liebe üben, hat das seine Quelle allein darin, daß sie selbst
 aus dem Ja Gottes, aus seiner Liebe leben. Jesu Gebet gipfelt darin, daß er
 sagt: "Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir
 gegeben hast."
 Wir können nur Beten: Dein Wille geschehe. Jesus darf seinen Vater sagen,
 was er mit dem ganzen Ernst seiner Liebe "will". Mit ganzer Liebe will er
 die unauflösliche und völlige Gemeinschaft mit uns, die bis in die Ewigkeit
 reicht. Welch tröstliches Gebet für uns.@{b}

 Herr, deine Liebe kennt keine Grenzen, sie gilt für Zeit und Ewigkeit. Du
 willst, daß deine Gemeinde eins sei, aber wir sind davon noch weit
 entfernt. Erinnere uns an dein letztes Gebet und erneuere in uns den Dank
 für deine Fürsprache. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 17,20-26@{ui}
@{b} Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch
 ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien.@{ub}
 Joh 17,20.21

 Sieht die Wirklichkeit der Christenheit nach bald zweitausend Jahren nicht
 ganz anders aus?
 Der Auferstandene sieht, wie die Seinen - in vielen Kirchen, Konfessionen
 und Gruppen zerspalten - unablässig um die Wahrheit ringen. Aber zugleich
 leidet er darunter, daß viel Streitsucht, Rechthaberei und Lieblosigkeit
 dieses Einssein immer wieder gefährden.
 Jesu Fürbitte ist eindeutig und klar. Weil er die Herzen der Menschen kennt
 und weiß, wieviel Finsternis das helle Licht noch so edler Gedanken und
 Ziele verdunkelt, GEBIET er nicht: Ihr müßt einmütig sein! Denn Liebe kann
 man nicht befehlen, und Glaubenserkenntnis ist immer ein Gottesgeschenk. Er
 BITTET vielmehr den Vater, daß uns unser Getrenntsein schmerzt? Tun wir
 alles, was der Einmütigkeit der Christen dient? Nur wenn wir füreinander
 beten, dürfen wir um die Wahrheit streiten. Dann wird uns Gott einmal
 zusammenbringen. Denn auch dafür hat Christus gelitten.          Scho-L

 @{b}         Laß doch die Kirchen zusammenwachsen@{ub}        Gedicht

              Herr,
              nur deine väterliche Güte kann zusehen,
              wie Eitelkeit und Besserwisserei
              deine Kirchen auseinanderzerren.
              Herr,
              sie können sich nicht mehr vergeben,
              aber zu deinem Mahl gehen sie trotzdem.
              Herr,
              sie reden miteinander,
              sie nicken,
              sie sagen jaja
              und dann ABER.
              Und dieses ABER
              setzen sie auch
              hinter das Gebet deines Sohnes:
              Laß sie alle eins sein.
              Herr, wir danken dir,
              daß dein versöhnender Geist
              nun die Kirchen in Ghana versammelt.
              Dein Geist ist viel stärker
              als unsere menschliche Tradition.
              @{i}         Gebet aus Ghana


                           Johannes 17,20-26@{ui}
@{b}                   ...damit die Liebe in uns sei@{ub}

 Wenn wir die Botschaft der Bibel auf wenigen Seiten zusammenzufassen
 versuchten, dann dürfte das Gebet Jesu um die Einheit seiner Jünger nicht
 fehlen.
 Jesus ist eins mit dem Vater. Im Johannesevangelium wird das in jedem
 Kapitel bezeugt. Von Anfang an ist der Sohn Gottes mit dem Vater eins im
 Wesen und tut seinen Willen. Jesus handelt nicht eigenmächtig, er wartet
 auf die "Stunde", die der Vater ihm vorschreibt: zum Heilen und Helfen, zum
 Reden und Streiten, zum Leiden und Sterben.
 Weil er so in allem ganz nah bei Gott ist, können die Jünger seine
 Herrlichkeit schon in seinem Erdenleben erkennen. Seine Auferstehung und
 Himmelfahrt sind nur das Siegel darauf. Sie wissen: Nun ist er erst recht
 und für immer beim Vater.
 Für alle aber, die zu Jesus gehören, hat das Konsequenzen. Die
 Drei-Einheit des Vaters mit dem Sohn im Heiligen Geist beten wir an. Aber
 nicht nur das, sie ist auch die Grundlage für die Einheit aller Christen.
 Aller Christen? Der evangelischen und katholischen, der Großtäufer und der
 Kindertäufer, der liberalen und strenggläubigen? Ist bei der Vielfalt
 christlicher Gruppen und Richtungen die Einheit der Christen mehr als eine
 schöne Wunschvorstellung?
 Ja, sie ist eine Wirklichkeit, tiefer als alle Trennungen. Wir arbeiten mit
 unserm Eigensinn zwar immer weiter an den Spaltungen - und bis zur
 Wiederkunft des Herrn wird es wohl schmerzliche Risse geben -, aber
 gleichzeitig können wir schon erleben, daß Jesus Gebet um die Einheit
 seiner Jünger nicht vergeblich ist. Denn es muß nicht erst eine in allem
 übereinstimmende Lehre geben, damit Christen eins sein können. Die Liebe
 ist die größte Gabe des dreieinigen Gottes, ja, Gott ist die Liebe. Wo
 Christen der unterschiedlichsten Richtungen sich zusammenfinden und
 miteinander beten, da erfahren sie es: Wir sind trotz allem eine Familie
 von Brüdern und Schwestern. Wo wir uns zusammenschließen um andern Liebe zu
 erweisen, da verlieren die Argumente an Kraft, die uns einreden, es gäbe
 nur heillose Verwirrung im Leib Christi. Denn Christus lebt, und er selbst
 hält uns zusammen und wird dafür sorgen, daß seine Liebe weiterwirkt in die
 Welt hinein.@{ui}

 Herr, Jesus Christus, du bist unsere Hoffnung. Auf dich wollen wir blicken.
 Du bist in der Herrlichkeit mit dem Vater, und doch bist du zugleich uns
 nah und bringst uns zusammen. mach uns eins in dir, damit auch die glauben,
 die es jetzt noch nicht können. Amen.@{ub}




@ENDNODE

@NODE "Johannes 18a" "Johannes 18,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Johannes 18,1-11@{ui}
@{b}                  Ich bin es, sucht ihr mich?@{ub}

 Viele Personen kommen in dieser dramatischen Szene vor: die zwölf Jünger
 Jesu, eine Kohorte römischer Soldaten, die Diener der Tempelwache, von
 denen Malchus namentlich genannt wird. Nach Zahl und Macht sind es sehr
 unterschiedliche Gruppen: Die bewaffneten Soldaten mit dem Gewicht der
 Römerherrschaft; die einheimischen Tempeldiener, aber nur mit Duldung der
 Besatzungsmacht. Die Jünger sind schon nicht mehr eine einheitliche Gruppe,
 denn Judas geht bereits den eigenen Weg. Als Verräter führt er die
 bewaffnete Schar an, um seinen Herrn auszuliefern.
 Genannt wird noch Petrus als einziger aktiver Gegenpol zu dem Verräter.
 Doch wenn man genauer liest, verblaßt alles, was die vielen handelnden
 Personen tun, vor, vor dem einen, der auch in dieser Situation das
 Geschehen in der Hand hat: Jesus. Er weiß, was ihm begegnen wird. Er geht
 Judas entgegen. Er spricht das erste und das letzte Wort. Er stellt sich
 vor seine Jünger und nimmt alle Verantwortung auf sich. Er weist den
 übereifrigen Petrus zurecht. Vor seiner Haltung und seinem Wort wird das
 abgekartete Spiel der nächtlichen Verhaftung geradezu lächerlich. Aber auch
 der Versuch einer Gegenwehr ist nicht angemessen, nicht so sehr, weil sie
 doch aussichtslos wäre.
 Nein, der "Kelch" des Leidens ist vom Vater, von Gott selbst gegeben. Darum
 ist uns hier nicht nur eine der vielen schlimmen Geschichten von
 menschlichem Leid und Unrecht erzählt. Vielmehr ist es die eine große
 Geschichte von der unbegreiflichen Liebe Gottes zu uns.
 In dieser Karwoche ergeht an uns, wenn auch in anderer Weise, die Frage:
 Wen sucht ihr? Wir wollen darauf mit ganzem Herzen antworten: Jesus von
 Nazareth.@{b}

 Herr Jesus Christus, begegne du selbst uns in dieser Woche. Laß uns nicht
 achtlos vorübergehen an dir, wenn du uns ansiehst und anrufst. Nimm uns mit
 auf deinem Weg, damit wir unsern Weg nicht verfehlen. Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 18,1-11@{ui}
@{b} Da fragte er abermals: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus von
 Nazareth. Jesus antworte Ich habe euch gesagt, daß ich es bin. Sucht ihr
 mich, so laßt diese gehen!@{ub}    Joh 18,7.8

 "Wen sucht ihr?" Zweimal muß Jesus sie fragen, die Leute von der
 Tempelwache, den Hohepriestern und dem römischen Statthalter. Und was
 geschieht? Der stolze Zug mit seinen Fackeln und Waffen geht zu Boden. Es
 ist etwas anderes, ob man von Jesus hört oder ob man vor ihm steht.
 Wer Jesus begegnet, bleibt nicht, wie er ist. Das erfahren Menschen bis
 heute.
 "Ich bin's, der mit dir redet", und das Leben der samaritischen Frau
 verändert sich. "Ich bin Jesus, den du verfolgst", und der
 Christenverfolger Saulus wird zum Missionar.
 Jesus stellt sich vor seine Jünger. Er weiß, sie sind der Härte des
 Passionsgeschehens nicht gewachsen. Ihr Glaube ist nicht stark genug, die
 Angst vor Menschen bringt Petrus dazu, seinen Herrn zu verleugnen. Aber
 Jesus ist und bleibt der Gute Hirte bis zuletzt. "Sucht ihr mich, so laßt
 diese gehen!" Weil er ans Kreuz geht, dürfen wir frei ausgehen. Jesus
 stellt sich vor uns. In seinem Schutz sind wir geborgen. Das ist die Hilfe
 für heute!                                                         E-K


@ENDNODE

@NODE "Johannes 18b" "Johannes 18,12-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 18,12-27@{ui}
@{b}               Petrus aber folgte Jesus nach@{ub}

 Als sie Jesus in der Nacht greifen wollten, trat er ihnen entgegen und
 sprach: Ich bin's. Als sie Petrus in der Nacht fragten, ob er ein Anhänger
 dieses Jesus sei, sagte er: Ich bin's nicht. Was ist geschehen in der
 kurzen Stunde, seit derselbe Petrus seinen Herrn im Garten Gethsemane mit
 dem Schwert verteidigen wollte? Wie kann Mut und Feigheit, Treue und
 Verleugnung so nahe beieinander sein in einem und demselben Menschen?
 Wir brauchen wohl nicht weit zu suchen, um Erklärungen für dieses Verhalten
 zu finden. So war nicht nur Petrus, so sind wir Menschen: widersprüchlich
 und unbeständig,, guten Willens und im entscheidenden Augenblick kopflos
 und schwach.
 So sind wir Christen: Wir wollen Jesus nachfolgen, und wenn die Gelegenheit
 da ist, ihn vor anderen zu bekennen, schlagen wir entweder unbesonnen drein
 (mit Schlagworten zumeist) oder ziehen uns stumm zurück. Wer von uns, die
 Jesus als ihren Herrn kennen, kennte nicht die Trauer über sich selbst,
 wenn wieder eine Gelegenheit vorübergegangen ist, verpaßt, verloren durch
 unseren feigen Kleinglauben? Daß es auch Petrus nicht besser gemacht hat
 und daß die Schreiber des Evangeliums dies bei dem späteren Zeugen und
 Apostel nicht retuschiert haben, ist ein Trost für uns. Jesus hat sich
 nicht von Simon Petrus getrennt.
 In der Nacht des Verrates und der Verleugnung stand Jesus ganz allein da.
 Beim Verhör war er verlassen von dem Jünger, der ihm Treue bis in den Tod
 versprochen hatte. Aber es gab einen neuen Anfang für Petrus, weil Jesus
 ihm die Treue hielt bis in den Tod und darüber hinaus.@{b}

 Herr, du weißt, was wir dir schon alles versprochen haben. Wir schämen uns,
 wenn wir daran denken, wie wir oft nur unsere Ruhe und Sicherheit suchen.
 Verzeih uns bitte und entlaß uns nicht aus deinem Dienst! Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 18,12-27@{ui}
@{b} Da leugnete Petrus abermals, und alsbald krähte der Hahn.@{ub}
 Joh 18,27

 Petrus meint, er kann für sich garantieren. Aber als ihn die Reinmachefrau
 des Hannas angeht, fällt er bereits um. "Ich soll zu Jesus gehören? Das muß
 eine Verwechslung sein!" Während Jesus drinnen geohrfeigt wird, wärmt sich
 Paulus draußen am Feuer die Hände. Als man ihn dort erkennt, leugnet er
 wieder. Er wird das dritte Mal gefragt. "Da leugnete Petrus abermals, und
 alsbald krähte der Hahn."
 Wenn wir doch heute mehr solche Hähne hätten! Petrus fällt ein: Als er noch
 Jesus pausbäckig versicherte: "Ich will mein Leben für dich lassen", hatte
 er ihm geantwortet: "Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal
 verleugnet hast." Petrus hatte gedacht, er könne für sich die Hand ins
 Feuer legen, und hat mit dem Feuer gespielt. Daß er sich dabei die Finger
 verbrannte, ist kein Wunder. Das Wunder ist: Jesus kannte Petrus und seine
 Schuld schon vorher. Und er hat ihn trotzdem geliebt und ihm vergeben.
 Er kennt dich und deine Schuld schon vorher. Er weiß, welche Fehler du
 heute machen wirst. Und hat dich trotzdem lieb! Vergiß das nie: Er liebt
 dich trotzdem!                                                      L-K


@ENDNODE

@NODE "Johannes 18c" "Johannes 18,28-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 18,28-40@{ui}
@{b}                    Dennoch ein König@{ub}

 Ohne Frage war es ein politischer Prozeß, der da in Jerusalem zur
 Verhandlung stand. In Judäa hatte es schon häufig Unruhen gegeben. Aber
 manches war für Pilatus schwer einsichtig. Warum hatte die einheimische
 Oberschicht, die alles andere als römerfreundlich war, dem Statthalter
 einen Mann zur Aburteilung überlassen, der doch zu ihnen gehörte? Warum
 wollten sie Jesus los sein? Wem war er gefährlich? Pilatus hatte Mühe,
 diesen Gefangenen politisch einzuordnen: Ein König, der keinen Anspruch auf
 ein Land erhebt, dem es nicht um Gewalt, sondern um Wahrheit geht? Pilatus
 hätte sich nach allen Evangelien diesen Prozeß gern vom Halse gehalten.
 Doch er konnte es nicht - und bis heute bewegt Jesus die Welt.
 Das Römerreich ist vergangen. Andere Reiche sind gekommen und gegangen.
 Doch immer - und in unserer Zeit mit großer Dringlichkeit - fragen Menschen
 nicht nur nach Macht und Gewalt, sondern nach der Wahrheit. Und viele
 bekennen, daß Jesus, den Pilatus für einen seltsamen jüdischen Heiligen
 hielt und schließlich doch hinrichten ließ, ihr König ist, ja der Herr über
 alle Könige. Zwar ist sein?reich nicht von dieser Welt, nicht nach den hier
 üblichen Maßstäben und Grundsätzen aufgebaut. Und doch ist es in dieser
 Welt überall wirksam, wo Wahrheit die Lüge bekämpft und Gottes
 Gerechtigkeit proklamiert wird.
 Daß Jesus auch heute darauf verzichtet, seiner Wahrheit mit Gewalt zum
 Durchbruch zu verhelfen, ist nur gut, auch wenn wir das manchmal wünschten.
 Aber Jesus mit Bomben - das wäre nicht mehr die Wahrheit.@{b}

 Jesus Christus, unser Herr und Heiland, nimm uns unsere falsche Unruhe um
 deine Sache, als kämest du nicht ans Ziel mit deinem reich. Hilf uns, aus
 der Wahrheit zu leben, auf dich zu sehen, deine Stimme eindeutig zu hören.
 Amen.
               Verpflichtung@{ub}                            Gedicht
               Jeden Tag über die Lehren und das Leben Jesu nachzudenken;
               nie zu vergessen, daß die gewaltlose Bewegung Gerechtigkeit
               und Versöhnung sucht, nicht den Sieg;
               im Geiste der Liebe zu gehen und zu sprechen, denn Gott
               ist die Liebe;
               täglich zu Gott zu beten, daß er mich dazu benutzen möge,
               allen Menschen zur Freiheit zu verhelfen;
               persönliche Wünsche zu opfern, um allen Menschen zur
               Freiheit zu verhelfen;
               im Umgang mit Freund und Feind die Regeln der
               Höflichkeit zu beachten;
               danach zu trachten, ständig anderen und der Welt zu dienen;
               mich Gewalttätigkeit der Faust, der Zunge und des Herzens
               zu enthalten.


@{i}                   Johannes 18,28-40@{ui}
@{b} Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit
 bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.@{ub}
 Joh 18,37

 Der Hohe Rat, die jüdische Behörde, hat Jesus dem Statthalter Pilatus zur
 Vollstreckung des Urteils übergeben. Zuständigkeitshalber. Die Anklage
 lautet: Verbrecher, Revolutionär, Gotteslästerer.
 "Bist du der König der Juden?" fragt Pilatus ironisch. Da beginnt die
 Seelsorge Jesu (V.34). Ahnt der religiös uninteressierte Richter etwas vom
 Geheimnis der Person Jesu? Der Angeklagte ist ihm unheimlich, so daß er
 nochmals fragt: "So bist du dennoch ein König?" Jesu Antwort ist ein Werben
 um Pilatus: König? Ja! Aber ein König anderer Art als Tiberius oder
 Herodes. Jesus ist kein Gewaltherrscher. Sein Königtum ist nicht "VON
 dieser Welt", aber es ist IN dieser Welt. Es wächst von Tag zu Tag - allem
 Widerstand zum Trotz -, wo ein Mensch auf Jesu Stimme hört und, von der
 wahrheit seines Wortes getroffen, vor Christus kapituliert. Pilatus blieb
 im Dämmerlicht der Lüge und nahm wenig später ein Ende mit Schrecken. Er
 verpaßte seine Chance. Gott gebe es, daß wir in der Stimme Jesu die
 rettende Wahrheit Gottes erkennen.                                 M-Bu


@ENDNODE

@NODE "Johannes 19a" "Johannes 19,1-16a"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 19,1-16a@{ui}
@{b}                      Von oben her@{ub}

 Macht haben, Entscheidungen treffen und durchsetzen können ist die
 heimliche oder auch offenkundige Sehnsucht vieler Menschen. Der
 Machtgebrauch verleiht oft ein eigentümliches Gefühl von Bedeutung und
 Größe der eigenen Person.
 Diesen Sachverhalt spiegelt die letzte Begegnung des Pilatus mit Jesus in
 unserem Abschnitt wider. Jesus ist ganz ohnmächtig. Für die Soldaten und
 die Menge ist er schon so gut wie verurteilt. Pilatus wiederum tritt ganz
 als Entscheidungsträger, als Machthaber auf. "weißt du nicht, daß ich Macht
 habe, dich loszugeben, und Macht habe dich zu kreuzigen?" Er wird als
 "letzte Instanz" gekennzeichnet.
 Ja, du hast die Macht, stellt Jesus fest, aber - "von oben her", von Gott.
 Gemeint ist die Macht, jetzt, in diesem Augenblick. Pilatus weiß, das gegen
 alle Gerechtigkeit und Wahrheit geht, das Todesurteil über Jesus, den
 wahrhaftigen Sohn Gottes zu sprechen...
 Es ist widerspruchsvolle Spannung, daß Pilatus frei handelt und eine eigene
 Entscheidung trifft und doch mit seinem Willen einem höheren Willen dienen
 muß, den er nicht einmal kennt.
 Aber das gilt nicht nur für Pilatus. In der Sicht des Evangelisten können
 alle, die da auf böse Weise meinen, ihren selbstbewußten Willen
 durchsetzen zu können, dies nur, weil sie dazu die Möglichkeit "von oben
 her" haben. Gerade so dienen sie gegen ihre eigene Absicht dem Liebeswillen
 Gottes, dem Heil der Welt.
 Jesus aber geht ganz frei seinen Weg. Er ist ganz "von oben her", und darum
 ist er der eigentlich Handelnde. fast deuten seine Worte Pilatus gegenüber
 Mitleid an. Jesus fordert Pilatus auf, zu Ende zu bringen, was nach dem
 Willen des Vaters beschlossen ist. Aber gerade Jesus freizugeben, hat
 Pilatus keine Macht. Hier hat die Hoffnung und Gewißheit von Christen
 gegenüber allen Dunkelheiten und Abgründen der Geschichte und des Daseins
 ihre Wurzel.
 Für uns bleiben viele Fragen offen, denn die Wirklichkeit des Bösen, die
 von Ungerechtigkeit und Haß, Leid und Schmerz bedrücken uns immer wieder.
 Aber der Weg Jesu vermittelt uns die Zuversicht, daß Gott seinen guten
 Willen für uns und seine Schöpfung zum Ziel bringt und daß diesem Vorhaben
 alle Macht, auch gegen deren Willen, dienen muß. Darum gehen wir den Weg,
 den Jesus uns zeigt, und wissen, daß wir gerade so mitwirken am Kommen
 seines Reiches.@{b}

 O Gott! Du läßt uns am Weg deines Sohnes erkennen, daß dein Wille die Macht
 der Mächtigen und die Ohnmacht der Ohnmächtigen benutzt, um deine Liebe zum
 Ziel zu bringen. Laß uns darauf unsere Hoffnung gründen. Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 19,1-16a@{ui}
@{b} Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und
 Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!@{ub}  Joh 19,5

 In der haut des Pilatus möchte ich nicht stecken. Der genießt zwar
 Reichtum, Macht und Ansehen, aber seinen Gefangenen, an dem er keine Schuld
 findet, muß er fanatischen Eiferern und einer aufgebrachten, tobenden
 Volksmenge überlassen. Sein Appell: "Seht, welch ein Mensch", egal, ob
 spöttisch, anerkennend oder achselzuckend gemeint, bewirkt nichts, im
 Gegenteil: die Menge schreit noch lauter: "Kreuzige ihn!" Und Pilatus zieht
 sich zurück - ängstlich, feige, gleichgültig. Warum soll er was riskieren?
 Er wäscht seine Hände in Unschuld. - Ob er den Gefangenen gerettet, sich
 ohne Wenn und Aber für ihn eingesetzt hätte, hätte er gewußt, daß es
 Christus war, der vor ihm stand? Vielleicht erahnte er, der an viele Götter
 glaubte, den Gottessohn. Aber dieses Glaubensfünkchen war zu schwach, um
 etwas zu bewirken und in Ganz zu setzen.
 Wenn ich über Pilatus nachdenke, stelle ich fest, daß ich oft in seiner
 Haut stecke.                                                      S-Dü


@ENDNODE

@NODE "Johannes 19b" "Johannes 19,16b-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 19,16b-30@{ui}
@{b}                   Die neue Möglichkeit@{ub}

 Auch in der Stunde der Kreuzigung läßt Johannes uns Jesus als der Sohn
 Gottes erkennen, als den König, dessen Reich zwar nicht von dieser Welt
 ist, aber mitten in dieser Welt. Unter dem Kreuz bricht es an durch sein
 Wort. Das erfährt auch die kleine Schar von Anhängern, die sich in der Nähe
 des Kreuzes zusammengefunden hat: einige Frauen, darunter die Mutter des
 Herrn und der Lieblingsjünger. Sie sind erfüllt von Schmerz und Trauer über
 das Sterben Jesu. Sie meinen unwiderruflich zu verlieren, was ihnen das
 Liebste war. Eben in diesem Moment ergeht an sie das Wort des am Kreuz
 Erhöhten und zeigt ihnen ein neues Tätigkeitsfeld für ihre Liebe. Zur
 Mutter sagt er: "Frau, siehe, das ist dein Sohn!", und zum Lieblingsjünger:
 "Siehe, das ist deine Mutter!"
 Damit ist eine neue Familie ins Dasein gerufen, die Familie Gottes. Jesus
 distanziert sich nicht von seiner Mutter, wenn er sie mit "Frau" anredet.
 Er macht nur deutlich, daß die bisherige Verbundenheit umgewandelt werden
 muß. Aber es gibt die Möglichkeit neuer Beziehungen. Mutter für andere zu
 sein, Sohn für andere - das charakterisiert die neue Familie Gottes. Sie
 ist das neue Feld, auf dem alle Mütterlichkeit, Väterlichkeit, Kindesliebe
 ihre Entfaltung und Betätigung im Namen Jesu finden kann. Unter dem Kreuz
 werden sie zusammengeführt. Unter dem Wort Jesu wird das Band einer
 Zusammengehörigkeit geknüpft, das fester, inniger, umfassender zu sein
 vermag als natürliche Bindungen. Menschen unter dem Kreuz können und sollen
 einander zur Heimat, zur Familie werden durch die Kraft der Liebe, die sich
 am Kreuz für alle gab. Es ist das Kennzeichen lebendiger christlicher
 Gemeinde, daß sie Zeugnis. und Dienstgemeinschaft ist, und auch eine
 Gemeinschaft von Mitmenschen. Es ist Jesu Wille, daß wir in dieser Welt als
 Gemeinde eine Lebensgemeinschaft verwirklichen, in der wir nach unseren
 Möglichkeiten mütterlich, väterlich, geschwisterlich miteinander umgehen
 und leben. Dann sind wir bestimmt von der Liebe, die Christus uns schenkt
 und die wir ihm schenken möchten. So wird er unter uns gegenwärtig.
 "Von der Stunde an" - unter dem Kreuz - "nahm sie der Jünger zu sich",
 heißt es im Text. Es ist die erste Veränderung, die erste Verwandlung von
 Menschen durch das Kreuz Jesu, die uns überliefert wird. Das ist die Kraft
 des Kreuzes, daß es die Liebe erweckt.@{b}

 O Gott! Wir danken dir, daß die Liebe deines Sohnes die Quelle ist, aus der
 unsere Liebe sich erneuert. Laß uns verwandelt werden und laß uns diese
 Welt verändern durch seine Liebe. Amen.@{ub}


@{i}                 Johannes 19,16b-30@{ub}
@{b} Als nur seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
 spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht
 er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!@{ub}    Joh 19,26.27

 Er geht seinen Weg hinaus aus der Stadt. Er trägt sein Kreuz zur
 Schädelstätte. Dort wird er gekreuzigt. Aber niemand hat einen Blick für
 ihn. Niemand spricht mit ihm. Die einen sind mit seinen Kleidern
 beschäftigt. Er ist ihnen so viel wert, wie er am Leibe hatte. Die anderen
 reden über ihn. Sie beschweren sich bei Pilatus über die Aufschrift auf
 seinem Kreuz. Und die, denen sein Sterben zu Herzen geht, sind sprachlos
 und stumm mit ihrem Kummer beschäftigt, jeder für sich allein. Da spricht
 der Gekreuzigte sie an und knüpft eine neue Beziehung zwischen ihnen, die
 sie nicht logisch begreifen, aber doch in schlichtem Gehorsam wahrnehmen
 können. "Von der Stunde(!) an, nahm sie der Jünger zu sich."
 In seiner Sterbestunde bekräftigt Jesus die neue Wirklichkeit für das
 Leben, die er schon früher aufgezeigt hat (vgl. Mt 12,46-50). Seine Mutter
 und der Jünger, den Jesus liebhat, erfahren als erste ganz konkret: Wer zu
 Jesus gehört, gewinnt eine neue Familie.                            Te-K


@ENDNODE

@NODE "Johannes 19c" "Johannes 19,31-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 19,31-42@{ui}
@{b}                  Letzte Ehre - erste Ehre@{ub}

 Es ist eine ehrenvolle Bestattung gewesen, die die Anhänger Jesu seinem
 Leichnam nach der Kreuzigung zuteil werden ließen. Nur vornehme Leute
 konnten sich ein Felsengrab in einem Garten leisten. Mit einem Übermaß an
 aromatischen Stoffen und Ölen wurde der Leichnam zubereitet und dann in
 wertvolle Leinentücher gehüllt.
 Es liegt ein demonstrativer Nachdruck in dem Bericht von der würdevollen
 Bestattung Jesu. nach einem schmachvollem Kreuzestod, einer abgrundtiefen
 Erniedrigung wird er nun mit "allen Ehren" beigesetzt und als der zu Gott
 erhöhte Sohn verehrt. Noch hat sich -im Gang der Berichterstattung- das
 unbegreifliche und nur mühsam zu fassende Ereignis der Auferstehung nicht
 vollzogen, es scheint überhaupt nicht im Blickfeld zu sein. Aber es ist
 schon alles bereit für dieses neue Geschehen. Johannes spricht mehrmals von
 dem "Rüsttag", der dem besonderen festlichen Sabbat vorausging und um
 dessentwillen noch schnell die Beisetzung Jesu erfolgen sollte. Alles soll
 "gerüstet" sein für das Fest. Der Rüsttag bekommt damit eine heimliche
 Doppelbedeutung. er ist die Bereitung auf den großen Tag Gottes. Was die
 Jünger mit dem Erweis letzter liebevoller Ehre bekundeten, wird machtvoll
 sichtbar werden in der Auferstehung. Von diesem Ereignis her ist die
 Bereitung des Leibes des Gekreuzigten schon erste Ehre gegenüber dem, der
 als der Lebendige seinen Jüngern begegnen wird. Die verborgene Bedeutung
 dieser ehrenvollen Bestattung ist schon ein Zeugnis von der Gewißheit, daß
 auch unser Tod "Hindurchgang" zur Vollendung beim Vater ist. Jede
 Grablegung ist "Rüsttag". das gehört wesentlich mit zum christlichen Umgang
 mit dem Tod und dem Sterben.@{b}

 O Gott! Dein Sohn ist mit uns eins geworden im Sterben und im Tod. Hilf uns
 durch den Heiligen Geist darauf zu vertrauen, daß er uns auch eins werden
 läßt mit seinem Leben, heute und in alle Ewigkeit. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 19,31-42@{ui}
@{b} Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, den Pilatus,
 daß er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es.@{ub}
 Joh 19,38

 Am Karsamstag werden wir in die Stille geführt. Es ist die Zwischenzeit von
 Tod und Auferstehung. Die Kriegsknechte haben an dem Gekreuzigten das
 letzte Werk getan. was soll mit dem Leichnam Jesu geschehen? In dieser
 Zwischenzeit faßt sich ein Jünger ein Herz. Was er vorhat, ist ein Wagnis,
 ja ein Bekenntnis. Mutig begibt er sich zu Pilatus, der keine Ahnung davon
 hat, daß sein Name noch nach Jahrtausenden von der Kirche Jesu Christi
 sonntäglich genannt wird. Zu diesem Mann macht sich Josef von Arimathäa mit
 seiner Bitte auf den Weg. Offenbar fragt sonst niemand danach, was mit dem
 Leib des Gekreuzigten geschieht. Sie sind alle noch tief betroffen von der
 furchtbaren Wirklichkeit der Kreuzigung.
 Nun aber gebührt diesem Josef von Arimathäa der menschliche Ruhm, die
 letzte Liebestat für seinen Herrn zu tun. Da ist sein Grab, das einsame
 Grab, für den Besitzer des Gartens selbst bestimmt. Josef von Arimathäa
 tritt diesen Raum an seinen Herrn ab. Doch dies geschieht nur für Stunden.
 In Ewigkeit wird der Herr ihn in seinem Raum aufnehmen.             B-B

 @{b}               Joseph von Arimathäa@{ub}           Gedicht
                    Sei mir willkommen, Leib des Herrn,
                    hier hast du alles, was ich hab.
                    Ich gäbe Herz und Haus dir gern,
                    doch du brauchst nur ein Felsengrab.

                    Die Leute sagen, ich sei reich.
                    Ein Armer bin ich, Herr, vor dir
                    und dem geringsten Sünder gleich,
                    doch du kommst selbst im Tod zu mir.

                    So nimm mein Grab und meinen Tod
                    in deinen Opfertod hinein,
                    denn du wirst über meine Not
                    der Herr der Ewigkeiten sein.
                    @{i}    Albert Bartsch@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Johannes 20a" "Johannes 20,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 20,1-10@{ui}
@{b}          Auch der Osterglaube braucht das Wort@{ub}

 Das einzige in dieser Ostergeschichte gesprochene Wort ist ein irrtümlicher
 Erklärungsversuch für etwas, was vernünftig nicht zu erklären ist: Der
 Stein ist abgewälzt, Jesu Grab ist leer. Da muß doch jemand den toten Jesus
 weggetragen haben. Aber wohin? Und nun folgt auf Grund der Anzeige der
 Maria von Magdala der Lauf der beiden Jünger zum Grab, das Beschauen des
 Tatbestandes durch diese Untersuchungskommission außerhalb und innerhalb
 des Grabes, die gradezu kriminalistische Feststellung, welche Tücher hier
 lagen und welche dort. Jedoch, was hilft es? Nur von dem anderen Jünger
 konnte gesagt werden, "er sah und glaubte".
 Wer gemeint hat, der Osterglaube würde ihm leichterfallen, wenn Archäologen
 das Felsengrab Jesu tatsächlich entdecken und nachweisen könnten, daß Jesus
 tatsächlich über den Ostermorgen hinaus nicht hätte darin gelegen haben
 können, der täuscht sich. Der wahre Osterglaube brauchte auch bei den
 ersten zeugen mehr als bloßes Sehen. Er braucht das Wort. Und das ist auch
 uns gesagt, nämlich im Wort des Alten Testamentes. Dabei muß man nicht
 allein an bestimmte Voraussagen bestimmter Propheten denken; es ist das
 Wort, mit dem Gott all die Jahrhunderte hindurch sein Volk angeredet, es
 geleitet und gelockert, in seinem Versagen getragen und ihm in Gnade immer
 neue Zukunftsträume eröffnet hat. Die Schrift verstehen, heißt verstehen,
 daß Jesus Christus so ganz und gar in diese Geschichte hineingehört und
 sein Leben und Sterben die Antwort des Gehorsams auf alles ist, was Gott je
 gesagt hat: Jesus ist das Wort Gottes. Darum mußte auch Christus von den
 Toten auferstehen. Wie wäre sonst Gott in seinem Wort wahr und lebendig und
 in seiner Liebe treu geblieben? Dieses "Muß" ist nicht von der Art, wie
 naturwissenschaftliche Beweise zwingend sind, so daß es nichts mehr zum
 Verwundern gäbe. Verwunderlich aber ist nun in erster Linie nicht, was da
 am und im leeren Grab zu sehen war. Verwunderlich ist die Treue und
 Wahrhaftigkeit Gottes. Der können wir glauben, so wahr Jesus Christus von
 den Toten auferstanden ist. Das ist die beglückende Wahrheit in der
 Ostergeschichte vom leeren Grab Jesu.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß nicht mehr der Tod das letzte Wort hat, sondern
 du, unser lebendiger Gott. Laß an diesem Osterfest dein Wort zum Wort
 unseres Lebens werden, das uns mit Christus aus Todestraurigkeit und Grab
 errettet.@{ub}


@{i}                       Johannes 20,1-10@{ui}
@{b} Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo
 sie ihn hingelegt haben.@{ub}   Joh 20,2

 Der Ostermorgen ist angebrochen. Das Unfaßliche ist geschehen: Jesus ist
 auferstanden, vom Vater auferweckt als der Erstgeborene vieler Schwestern
 und Brüder. Aber das weiß noch niemand an diesem Morgen. Mit blutendem
 Herzen geht Maria von Magdala zum Grab Jesu. Was sollte denn jetzt aus der
 großen Wende ihres Lebens werden? War sie noch die Frau, "von der Jesus
 sieben böse Geister ausgetrieben hatte" (Mk 16,9)? Oder würden die
 finsteren Mächte wieder zurückkehren, nur furchtbarer und endgültiger als
 zuvor? Alles steht für sie auf dem Spiel. Doch Maria wird zur ersten Zeugin
 von Ostern. es ist Jesus selbst, der sie in der Macht seines österlichen
 Lebens anspricht und aufrichtet. Da wird sogar das leere Grab, das sie
 zunächst nur als Verhöhnung ihrer Trauer empfindet, zum Zeichen des
 Ostersieges. Das Osterlicht durchbricht ihre, aber auch unsere Todesnacht.
 Gott sei Dank, daß es nun in aller Ewigkeit gilt: "Jesus Christus hat dem
 Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans
 Licht gebracht."                                                   W-N


@ENDNODE

@NODE "Johannes 20b" "Johannes 20,11-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 20,11-18@{ui}
@{b}              Ostererfahrung ganz persönlich@{ub}

 Das grundstürzende und machtvollste Ereignis der Weltgeschichte, die
 Auferstehung Jesu Christi, ist hier eingefangen in eine zarte und stille
 Begebenheit im Garten des Josef von Arimatäa. Der Sieg Gottes über den Tod
 und damit auch über unser Leben geht nicht über unsere Köpfe hinweg. Er
 begegnet einem jeden angemessen: Paulus vor Damaskus wie in einem Blitz, so
 daß er stürzt; Maria in der Stille eines Frühlingsmorgens. Jesus hatte sie
 von schwerer Krankheit befreit. Sie war ihm mit den Jüngern nachgefolgt und
 hatte auch unter dem Kreuz ausgehalten. Alles hatte sie mit ihm verloren.
 Nun war das Grab leer. Die Traurigkeit erfüllte sie so, daß sie nicht
 einmal die Engel wahrnahm und auch den auferstandenen Jesus nicht erkannte.
 Die Dunkelheit des Herzens trübt den Blick für Gottes Wahrheit. da ist von
 uns her auch kein Zugang zu schaffen. der Osterglaube ist nicht unsere
 Möglichkeit. Aber der Auferstandene ruft Maria mit Namen. Sie ist von ihm
 gemeint, Maria ganz persönlich. Mit diesem Anruf ist alles in Erinnerung
 gebracht, und die Gemeinschaft zu neuer Lebendigkeit ist erweckt. Der
 Auferstandene bricht in seinem Wort durch alle Zweifel, Traurigkeiten und
 Bedenklichkeiten hindurch und macht uns seiner Nähe gewiß. Aber die ist nun
 anderer Art, als Maria meinte. Jesus ist nicht "wieder" auferstanden, ist
 nicht in das bisherige Leben zurückgekehrt, sondern uns in Gottes Leben
 vorangegangen, in unsere Zukunft. das ist für uns noch nicht zum Fassen und
 Begreifen: "Rühre mich nicht an!" Ist das enttäuschend? Nicht, wenn wir uns
 deutlich machen, daß eine Rückkehr in das bisherige Leben nichts als nur
 eine befristete Zeitzugabe hätte sein können, vielleicht dreißig oder auch
 vierzig weitere Jahre, aber dann wäre endgültig Schluß gewesen. Was Jesus
 mit sich bringt, ist aber neues Leben, Gottes Leben, ewiges Leben vom Vater
 und bei dem Vater. In dieses Leben will Christus uns hineinnehmen, für
 immer. Das bedeutet allerdings auch Distanz.
 Die in der Auferstehung eröffnete Christusgemeinschaft ist noch etwas
 anderes, als was die Jünger in der Nachfolge Jesu auf den Straßen
 Palästinas erlebt haben und nur in der Erinnerung lebendig sein könnte; sie
 ist im Glauben gegenwärtige Gottesgemeinschaft.@{b}

 Unser Vater im Himmel. Du hast Jesus Christus auferweckt in einer Weise,
 die viele Fragen für uns offenläßt. Sprich so zu uns, daß wir seines
 Ostersieges gewiß sind und Botschafter deiner Wahrheit für andere sein
 können. Amen.@{ub}


@{i}                   Johannes 20,11-18@{ui}
@{b} Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn
 gesehen.@{ub}   Joh 20,18

 Die ganze Kraft und Hoffnung des Glaubens geht von den fünf Worten aus, die
 Maria den Jüngern sagt: Ich habe den Herrn gesehen!
 Wer mit Maria glauben will, wird von ihrem Osterweg lernen müssen. Es war
 ein Weg zum Grab, ein Weg der Tränen. Nicht einmal die beiden Engel konnten
 Hoffnung wecken, sondern hören nur die Klage: "Sie haben meinen Herrn
 weggenommen." Vom Schmerz getrübte Augen sehen nur, was der Alltag erwarten
 läßt. Maria hält den Auferstandenen für den Gärtner. Den Fürsten des Lebens
 erkennt sie nicht. Erst als er ihren Namen nennt, öffnen sich ihre Augen.
 Alles ist jetzt lebendig, was sie mit Jesus erfahren hat. Die Vergebung der
 Schuld, die befreiende Wahrheit seiner Botschaft, ihr neues Leben auf
 seinem Weg. Nur ihren Namen nennt der Auferstandene. Doch dabei erfüllt
 sich die alte Verheißung: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist
 mein."
 Jetzt sieht Maria in die Welt Gottes hinein. Sie erkennt ihren Herrn und
 darf es nicht mehr für sich behalten: Christus ist auferstanden.
 Das macht uns Mut, den eigenen Osterweg zum Glauben zu suchen und zu
 finden.                                                            Sp-D


@ENDNODE

@NODE "Johannes 20c" "Johannes 20,19-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Johannes 20,19-23@{ui}
@{b}                  Empfang und Geben@{ub}

 In seiner Auferstehung tritt Jesus Christus nicht nur aus der Enge seines
 Grabes in die Weite des Gotteslebens hinaus, er kommt auch umgekehrt aus
 der gewonnenen Weite herein in die Enge unserer Kreise und Ängstlichkeiten.
 Die Furcht der Jünger, die sie hinter verschlossene Türen gedrängt hat, ist
 verständlich. Was den Meister betroffen hat, das haben auch seine Jünger zu
 befürchten. Zwar haben sie sich von ihm distanziert - oder ist gerade dies
 der tiefste Grund ihrer Furcht, das böse Gewissen, Treue mit Untreue
 vergolten zu haben? Der auferstandene Herr aber tritt nicht zu ihnen, um
 sie deshalb zu verurteilen, obwohl das eigentlich zu erwarten gewesen wäre.
 es zeigt ihnen die verwundeten Hände nicht als Beweismittel der Anklage,
 sondern als Ausweis der Liebe, als Unterpfand der Vergebung: Durch Jesu
 Wunden ist nun Friede mit Gott. Und diesen am Kreuz gewonnenen Frieden
 behält Christus nicht für sich, er bringt in mit und die ganze Weite seines
 Herzens und seines Sendungsauftrages: "Friede sei mit euch!" Da wurden die
 Jünger froh in einer ansteckenden, um sich greifenden Freude, der auch wir
 unsere Herzen nicht verschließen wollen.
 So wie Jesus an dem, was er empfangen hat, den Jüngern vollen Anteil gibt,
 so werden nun auch sie in Auftrag genommen: Die empfangene Vergebung ist
 zum Weitergeben; in den Frieden, den der Auferstandene uns zuspricht,
 sollen immer mehr Menschen einbezogen werden. Unter dem Anhauch des Geistes
 Jesu Christi wird die kleine Gruppe der Ängstlichen zum Quellort eines
 Lebensstromes von Vergebung, Freude und Frieden.@{b}

 Herr, tritt auch zu uns. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
 vergeben unseren Schuldigern. Laß den Strom deines Lebens nicht an uns
 vorbeiziehen. Gib uns Anteil an deinem Frieden. Laß uns in der Osterfreude
 bleiben. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 20,19-23@{ui}
@{b} Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da
 wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen.@{ub}  Joh 20,20

 Der Riegel ist vorgeschoben, die Tür ist verschlossen. Fensterläden
 verdunkeln den Raum. Der Lärm von der Straße, die Abendsonne und das Leben
 überhaupt, alles bleibt draußen.
 Drinnen in der Dunkelheit und Todesstille hocken die paar Männer, die
 nichts mehr sehen und hören, die auch nicht mehr miteinander sprechen, weil
 alles gesagt ist. Ist das das Ende? - Trostlose und verängstigte Menschen,
 die keine Kraft und keine Hoffnung mehr haben, brauchen mehr als tröstende
 Worte. Denn was verändern Worte allein? Gehört hatten die Jünger ja bereits
 von Maria Magdalena, daß Jesus nicht tot, sondern auferstanden ist.
 Der Mann, dem sie geglaubt hatten, der seine Worte immer mit Taten
 verbunden hatte, mit Zeichen, die man fühlen, sehen, spüren und manchmal
 sogar schmecken konnte, kennt seine Jünger. Er kommt zu ihnen, damit sie
 nicht allein auf Worte angewiesen sind: Den Frieden, den er ihnen bringt,
 den können sie spüren. "Da wurden die Jünger froh."
 Wenn zum Glauben die Freude kommt, kann man Fenster und Türen aufmachen und
 hinausgehen.                                                         W-F


@ENDNODE

@NODE "Johannes 20d" "Johannes 20,24-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 20,24-31@{ui}
@{b}               Nicht sehen und doch glauben@{ub}

 Alle Jünger bezeugen, daß Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.
 Einer, Thomas, kann es nicht glauben, obgleich er damit ganz allein steht.
 Es geht, wo es um Glaube oder Unglaube geht, um die Wahrheitsfrage; und die
 kann nie durch Mehrheitsabstimmung ermittelt werden. Der Glaube muß auf
 eigenen Füßen stehen, wenn er mein rechter Glaube sein soll.
 Darin hat Thomas einfach recht, ihm selbst müßte etwas geschehen, eine
 eigene Erfahrung müßte er machen können. Er irrt aber, wenn er meint, daß
 diese Erfahrung im körperlichen Begreifen des Auferstandenen bestehen
 müßte. Die Geschichte von der erneuten Begegnung Jesu mit der Jüngergruppe,
 an der diesmal auch Thomas beteiligt ist, ist doch so erzählt, daß niemand
 auf den Gedanken kommt, Thomas hätte sich erst einmal die von ihm
 gestellten Bedingungen erfüllt und tatsächlich die Finger in Jesu Nägelmale
 und die Hand in die Seitenwunde gelegt, ehe er seinen Glauben bekannt hat.
 das hat alles überhaupt keine Bedeutung mehr. Bedeutung aber hat das Wort,
 das Jesus zu ihm ganz persönlich sagt. Wer "es" mit Thomas nicht glauben
 kann trotz aller Osterlieder und Osterpredigten, der soll seinen Glauben
 nicht vom Begreifen der Auferstehung abhängig machen. Er soll aber um das
 Wort bitten, das ihm gilt, und sich dafür offenhalten. er soll sich dort
 einfinden, wo die Gemeinde Christi gemeinsam auf dieses Wort wartet, es
 gesagt bekommt und hört, und wo der Auferstandene versprochen hat, mitten
 unter uns zu sein. Dann werden wir auch nicht "es" glauben, sondern ihm
 glauben und uns ihm voll anvertrauen: "Mein Herr und mein Gott."@{b}

 Herr Jesus Christus, solange, bis wir dich einmal sehen werden am Ende
 unserer tage, sind wir darauf angewiesen, daß du dich selbst uns beweist.
 Wir danken dir, daß du es tust. Wir glauben, hilf unserem Unglauben. Amen.
 @{ub}

@{i}                Johannes 20,24-31@{ui}
@{b} Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!@{ub}
 Joh.20,28

 Zehn Jünger sind beisammen, als der auferstandene Jesus sie besucht. Thomas
 ist nicht dabei. Als er den Bericht der zehn hört, ist er skeptisch. "Ich
 muß das selber erleben, sonst kann ich es nicht glauben." Acht tage später
 erfüllt Jesus diesen Wunsch. Er begegnet dem Thomas, und der kann ihn sehen
 anfassen, mit ihm sprechen.
 Bis heute bezeugen Menschen: "Mir ist der Auferstandene begegnet." Es ist
 dann nicht davon die rede, daß man Jesus mit den Augen sieht und ihn
 berühren kann. Aber obwohl unsichtbar, ist seine Gegenwart doch so
 überwältigend, daß Menschen mit dem Auferstandenen sprechen, als stünde er
 vor ihnen. Sie beten: "Mein Herr und mein Gott." Für sie besteht kein
 Zweifel, daß es diesen Gott gibt.
 Schon im Alltag ist es ein großer Unterschied, ob ich sage: ein Auto, oder:
 mein Auto. Viel stärker gilt das für das geistliche Leben. "Ein Gott", das
 glauben auch die Mohammedaner. "Irgendein Gott" unter vielen, das glauben
 auch die Hindus. Aber: "Mein Gott, Vater meines Herrn Jesus Christus" -
 diese frohmachende Anrede ist nur dem Christen möglich.               M-H


@ENDNODE

@NODE "Johannes 21a" "Johannes 21,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Johannes 21,1-14@{ui}
@{b}                   Ihr werdet finden@{ub}

 Wenn Kinder einen Film nacherzählen, merkt man meistens, wie schwer es
 ihnen fällt, unter allen Ereignissen den roten Faden zu entdecken.
 Was aber ist der rote faden in dieser Ostergeschichte? Auch hier gibt es
 viele Ereignisse nebeneinander: Die Jünger machen einen überraschenden
 Fang; Petrus allein zieht das Netz ganz unversehrt heraus; nur der
 Lieblingsjünger erkennt Jesus sofort; die Jünger wissen, daß ihnen Jesus
 begegnet, aber sie wissen auch wieder nicht, ob er es ist; Jesus speist
 die, die doch übergenug fingen.
 Viele Überlieferungen sind in einer Geschichte zusammengefaßt. Das
 Erstaunen der ersten Gemeindeglieder über den Auferstandenen begegnet uns
 deutlich. Ehrfüchtige Scheu ist dabei, aber auch die Umstellung darauf ist
 spürbar, daß Jesus nun nicht mehr so da ist, wie sie ihn kannten. Aber da
 ist er dennoch. Er stärkt auch die Seinen mit dem geheimnisvollen Mahl, das
 wie ein Abbild des Abendmahls ist. Uns allen ist Jesus ebenso nah wie der
 ersten Generation. besonders auch im Abendmahl. Genauso wie sie gehören wir
 zu einer Kirche. Das Netz mit den vielen Fischen ist sicher ein Gleichnis
 für die unzerreißbare Gemeinschaft der Gemeinde. Jesus hat sie
 hervorgerufen. Nach seinem Willen ist sie da. Das Auswerfen des Netzes auf
 sein Wort hin zeigt das an. Petrus hat eine große Aufgabe, der
 Lieblingsjünger aber auch, die anderen Jünger sind ebenso beteiligt. Es
 gibt nicht einen besonderen Gemeindegründer. Jesus alleine ist es. Keiner
 von uns darf sich rühmen, einen anderen wirklich "angeschleppt" oder
 "mitgebracht" zu haben. Wenn Jesus will, kommen ungeahnt viele Menschen zur
 Gemeinde hinzu.@{b}

 Wir danken dir, Herr, daß wir zu den Deinen gehören und du dabei hältst.
 Wir bitten dich für Menschen, die wir gerne auch bei dir wüßten. Hol sie
 heran zu dir. Amen.@{ub}


@{i}                     Johannes 21,1-14@{ui}
@{b} Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger
 wußten nicht, daß es Jesus war.@{ub}   Joh 21,4

 Wer im Bannkreis des Todes und der Trauer lebt, dessen Augen sind gehalten.
 Der kann den Auferstandenen nicht erkennen, wie hell auch die Sonne
 scheinen mag. Dem bleibt das Herz traurig und der Tag dunkel, und alle
 Zeichen des Lebens sind ihm nur Erinnerung an den erlittenen Verlust und
 mehren seine Bitterkeit. Nichts will mehr gelingen.
 Aus dieser Traurigkeit kann sich keiner allein befreien. Da muß der
 Auferstandene schon selbst erscheinen und uns die Augen öffnen. da muß uns
 sein Wort erreichen und uns ans Werk setzen, damit wir das Wunder des
 Lebens aufs neue erfahren. Ohne sein lebenschaffendes Wort blieben wir bei
 uns selber, in unserer Traurigkeit und in unserer Verzweiflung. Allein sein
 Wort kann uns daraus befreien.
 Es ist tröstlich, daß dieses Wort uns im Alltag erreicht, bei Tätigkeiten,
 die wir auch dann noch ausführen können, wenn unsere Augen blind von Tränen
 sind und unsere Herzen schwer von Trauer. Der schlichte Gehorsam gegenüber
 dem Wort des Auferstandenen erschließt uns neues Leben.             Goe-K


@ENDNODE

@NODE "Johannes 21b" "Johannes 21,15-19"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 21,15-19@{ui}
@{b}                  Weide meine Schafe!@{ub}

 Das ist einer der drei Bibelsprüche in der Kuppel der Peterskirche in Rom.
 Hoch über dem Altar und dem Thronsessel des römischen Bischofs angebracht,
 wird er auf den jeweiligen Papst bezogen. Tief unter dem Altar ist eine
 Reihe frühchristlicher und heidnischer Begräbnisstätten ausgegraben worden.
 Im langen Streit darüber, ob die zentrale Grabanlage das echte Petrusgrab
 enthalte, hat die katholische Kirche dies immer behauptet. Petrus, dem Jesu
 Wort vom Märtyrertod galt und der dem Herrn nachfolgte, und die Petrus-
 Nachfolger auf dem römischen Bischofssitz - das ist ein eindrücklicher
 Zusammenhang.
 Heutzutage bringt ihn das Fernsehen nahe bei der Übertragung des
 Papstsegens "urbi et orbi", nämlich "der Stadt" Rom und "dem Erdkreis". Wer
 aber den Blick auf alte Denkmäler dieser Stadt richtet, wenn er diese
 Bibelworte bedenkt, wem werden Bilder von Jesus, dem guten Hirten,
 eindrücklich.
 Zu den ältesten Bildern christlicher Kunst gehört die Darstellung eines
 Hirten, der ein Lamm auf der Schulter trägt. In den frühchristlichen
 Grabanlagen, den Katakomben, ist es an vielen Stellen zu sehen. Es zeigt
 uns, was das Bibelwort sagt: Wir sind die Herde Jesu. Er ist der Hirte.
 "Meine Lämmer" sagt er zu Petrus, als er ihm den Auftrag gab, darauf zu
 achten, daß ihnen nichts fehlt. Dabei sagte er sehr deutlich, daß auch
 Petrus sterben wird. Im Leiden wird er den Anbefohlenen nahe sein. Von der
 Herrschaft steht da nichts, auch nicht von alleiniger Leitung, das zeigt
 der Zusammenhang.
 Uns allen gibt dies Wort die Gewißheit, daß Jesus auch Schuldiggewordene
 wie Petrus wieder beauftragt und sich selber um seine Gemeinde kümmert, daß
 sie alles zum Leben Nötige hat.@{b}

 Herr, vergib uns und nimm auch uns in deinen Dienst. Überwinde du selber,
 was Christen voneinander trennt. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 21,15.19@{ui}
@{b} Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du
 mich lieb?@{ub}   Joh 21,17

 "Doppelt genäht hält besser", sagt man. Aber dreimal? Sooft stellt Jesus
 seinem Jünger Petrus nach der Auferstehung dieselbe Frage: Hast du mich
 lieb? Kein Wunder, daß Petrus traurig wird. er hat Jesus lieb, und er weiß
 auch, daß er nicht für sich selbst garantieren kann. Hat er doch dreimal
 bei der Verleugnung gesagt: Ich kenne diesen Jesus nicht. Aber Jesus sucht
 sich nach der Auferstehung keine neuen Leute, sondern ruft die, die ihn in
 der Stunde der Verhaftung und Verurteilung verlassen haben. Was für eine
 Basis für die Mitarbeiterschaft! Erprobte Versager! Mitarbeit in der
 Gemeinde, Berufung zum Dienst werden nicht entschieden durch Qualifikation
 und Fortbildung, sondern durch die persönliche Frage Jesu an uns: Hast du
 mich lieb?
 Kann man eigentlich heute noch so reden? Ist das nicht zu persönlich? Nein.
 Ich lerne: Glauben betrifft nicht irgendwelche religiösen Sphären; es geht
 vielmehr um die Frage: Wen liebst du? Vielleicht kann man das erst richtig
 begreifen, wenn man seine Verleugnung Jesu schon hinter sich hat.
                                                                      Fi-W


@{i}                     Johannes 21,15-19@{ui}
@{b}                    Jesus zur Hand gehen@{ub}

 Vergeben ist nicht vergessen. Die Verleugnung des Petrus ist vergeben. Wie
 könnte ihn sonst der Auferstandene in jene wunderbare Mahlgemeinschaft der
 Jünger am See Tiberias mit einbezogen haben?
 Aber vergessen hat es der Herr nicht, wie schnell der begeisterungsfähige
 und mit Worten starke Simon, Jonas Sohn, voller Angst leugnet, ihn, Jesus,
 auch nur zu kennen (Joh 18,27). Auch Petrus hat diese dunkelste Stunde
 seines Lebens nicht vergessen. Aber nach den Tränen seiner Reue ist ihm aus
 der vergebenden Liebe seines Herrn ein neuer Anfang geschenkt. Warum, so
 grämt er sich in seinem Herzen, traut ihm Jesus nicht zu, daß er von nun an
 ihm unbedingt zur Seite stehen wird? Was soll dieses dreimalige Fragen?
 Wir verstehen, daß ihn das traurig macht. Aber es ist nicht eine
 nachträgliche Bestrafung oder verletzende Demütigung, wenn Jesus so
 intensiv nach seiner Liebe fragt. Vielmehr möchte Jesus ihm helfen. Nicht
 die Größe der Aufgabe, die ihm übertragen werden soll, fordert gründliche
 Selbstprüfung. Begeisterung allein genügt nicht, wenn Bewährung ansteht.
 Aber die Antwort des Petrus zeigt auch, daß er gereift ist. Hier redet
 nicht mehr der Jünger, der sich seiner selbst meint unbedingt sicher sein
 zu können: "Warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben
 für dich lassen" (Joh.13,38). Das waren die großen Worte auf dem Weg nach
 Jerusalem, mit denen er die warnenden Ankündigung seines Herrn, sein
 vorausschauendes Wissen entkräften wollte. nun aber hat er unter Schmerzen
 gelernt: "Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe."
 Jetzt, da Petrus nicht von seiner eigenen Selbsteinschätzung ausgeht,
 sondern dem traut, der allein Menschenherzen ergründen, aber auch fest
 machen kann, ergeht an ihn der große Auftrag. Er soll in Jesu Namen das
 Hirtenamt in der Gemeinde ausüben. Nun wird er ihm nachfolgen können, aber
 nicht aus eigener Kraft oder eigenem Wollen, sondern weil Jesus ihn führt.
 Uns Heutige trennt viel von der Einzigartigkeit dieses Apostelschicksals.
 Aber Hirtenamt ist nicht nur Apostel- oder "Pastoren"-Sache (Pastor heißt
 Hirte). Zu "weiden", d.h. zum Glauben zu rufen und zum Glaubensleben zu
 helfen, also dem großen guten Hirten zur Hand gehen zu dürfen, ist jedem
 aufgetragen, der Jesus lieb hat.@{b}

 Herr, du kennst uns besser, als wir uns selber kennen können. Schenke du
 uns den Geist der Liebe und der Treue zu dir, damit wir dir aufrichtig
 dienen und in Treue nachfolgen. Amen.@{ub}



@ENDNODE

@NODE "Johannes 21c" "Johannes 21,20-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Johannes 21,20-25@{ui}
@{b}                Was wird aber mit diesem?@{ub}

 Noch leben Menschen unter uns, die um die Jahrhundertwende geboren wurden.
 Sie sind für uns wie eine Brücke zu Zeiten hinüber, die uns sonst sehr fern
 liegen. Manchem gibt so ein Hochbetagter die stille Beruhigung: Da lebt
 noch einer aus einer Generation lange vor uns. Manchmal erscheint es uns
 dadurch fast so, als ob uns selber der Tod noch lange nicht erreichen
 könnte.
 Im heutigen Bibeltext lesen wir von einer ganz anders gemeinten Äußerung
 der Jünger: "Dieser Jünger stirbt nicht", sagen sie von dem sehr alten
 "Lieblingsjünger". Aber sie mißverstehen damit ein Jesuswort. Auch "der
 Jünger, den Jesus lieb hatte" ist in hohem Alter gestorben. Jesus verfügt
 über jeden anders. Petrus stirbt den Märtyrertod, der andere Jünger wird
 uralt. Märtyrer zu werden galt als höchste Form der Nachfolge. War der
 andere Jünger Jesu doch weniger lieb als Petrus? Nein, beide sind
 ausdrücklich Jesu beauftragte Jünger.
 Auch unsere Aufträge sind unterschiedlich. Einer bekommt die Kraft, einen
 Menschen wirklich im Glauben zu erziehen. Ein anderer bekommt die Zeit,
 jahrzehntelang einem oder mehreren zur Seite zu stehen. Wieder ein anderer
 bekommt die Fähigkeit, seiner Familie über lange und schwierige Zeiten
 hinweg ständig Gott nahe zu bringen. Einer wirkt wie ein Wirbelwind in
 einer Gemeinde, kurz und überraschend, aber seine Tätigkeit bleibt vielen
 lange ein Anstoß, sich zu Gott zu halten. Im Familien- wie im
 Freundeskreis, an einzelnen und in der Gemeinde und Kirche hat Gott seine
 sehr unterschiedlichen Aufgaben für uns. Keiner muß neidisch fragen: "Was
 wird aber mit diesem?"@{b}

 Herr, laß uns, ohne neidisch zu werden, sehen, welche Aufgaben andere für
 dich leisten. laß uns erkennen, was du von uns erwartest. Gib uns die
 Kraft, es zu tun. Amen.@{ub}


@{i}                    Johannes 21,20-25@{ui}
@{b} Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins
 nach dem anderen aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die
 Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.@{ub}  Joh 21,25

 Aus den drei anderen Evangelien wissen wir, "noch viele andere Dinge, die
 Jesus getan hat". Dafür sind wir dankbar. Johannes aber will sich ganz
 bewußt beschränken. Er will nicht alles berichten, sondern "nur" das
 Wesentliche. Sein ganzes Evangelium ist ein einziger Ruf zum Glauben an
 Jesus, der von Anfang an bei Gott war und jetzt wieder bei Gott ist - an
 Jesus, der wirklicher, wahrhaftiger Mensch wurde und am Kreuz starb, um uns
 den Weg zu bahnen zu seinem Vater. Ja, er bahnte nicht nur den Weg. ER
 selber war und ist der Weg, der einzige Weg zu Gott. Braucht es mehr als
 dieses Wissen? Nein. Denn das genügt zum Leben und zum Sterben: diesen Weg
 kennen und auf ihm zu bleiben. Und alle, die diesen Weg kennen und auf ihm
 bleiben. Und alle, die diesen Weg gegangen sind, haben mit ihrem
 Lebenszeugnis die Frohe Botschaft von Jesus Christus, sein Evangelium,
 weitergeschrieben. Was sie mit Jesus erlebt haben, sprengt in der Tat das
 Fassungsvermögen aller Bücher der Welt.                            M-L


@ENDNODE
@NODE "Apostel 1a" "Apostel 11-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 1,1-14@{ui}
@{b}                     "...und werdet sein"@{ub}

 Das Ende einer Geschichte ist manchmal zugleich der Anfang einer neuen. Das
 erste Kapitel der Apostelgeschichte versteht sich als Nahtstelle zwischen
 der Geschichte Jesu von Nazareth, die sich, begrenzt im Bereich von
 Palästina, ereignete und mit seinem Tod und seiner Auferstehung endete, und
 der grenzenlosen Geschichte des auferstandenen Herrn, die mit seiner
 Himmelfahrt und der Sendung der Jünger in die Weite der Welt beginnt. Weil
 Jesus auf neue Weise auch zukünftig bei den Jüngern sein will, wo immer die
 Seinen auf der Welt versammelt sein werden, geht er zum Vater, hört die
 bisherige Gemeinschaft auf. Vom Vater her wird er ihnen nahe sein, über
 ihnen sein an allen Orten, wie der Himmel, in den sie ihn entschwinden
 sehen.
 Ein Abenteuer bereitet sich in unserem Text vor, der erste Anfang einer
 unendlichen Geschichte. Eine Verheißung wird der kleinen Erstlingsschar
 gegeben für ihren Weg: Die neue, nicht sichtbare, aber wirksame und reale
 Gemeinschaft mit ihrem Herrn im Heiligen Geist.
 In der Gemeinde wird in dieser Gemeinschaft weiter erfahren werden, was die
 Jünger in den Erdentagen Jesu mit ihm erlebt haben. Die Wahrheit und Kraft
 seines Wortes wird spürbar werden, die Taten seines Erbarmens und seiner
 Liebe werden geschehen. So wird er "gegenwärtig" sein, der "über" ihnen
 ist.
 Die Gemeinde Christi mag ohne Einfluß sein, aber sie kann nicht ohne
 Wirkung sein. Sie wird ohne Macht sein, aber nicht ohne Kraft des Geistes,
 ohne Vollmacht. Das ist nicht ihre Leistung, sondern seine Gabe. Davon lebt
 die Gemeinde und das ist ihre Zukunft, die Gewißheit des Fortgangs der
 unendlichen Geschichte, bis er selbst, der lebendige Herr, sie vollendet.
@{b}
 Herr, du hast uns zu einem Glied in der Kette deiner Gemeinde durch die
 Zeiten gemacht. Laß uns durch deinen Geist Zeugen deines Sohnes sein an dem
 Ort, an den du uns gestellt hast. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Apostel 1b" "Apostel 1,15-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 1,15-26@{ui}
@{b}                        Vor Ort@{ub}

 Ein Apostel wird nachgewählt. Der Platz des Judas - "einer von uns" - ist
 nach dessen schrecklichem Ende leer. Lukas berichtet dies nicht als
 Erinnerung an dunkle Vergangenheit, sondern im Blick auf die künftige
 Aufgabe. Zeugnis zu geben von Jesus Christus, seinem Tod, seiner
 Auferstehung, seinem Wort und seiner Zukunft. Darum soll der neue Apostel
 Augen- und Ohrenzeuge sein, um so mit seiner ganzen Person die erste Kunde
 vom Evangelium weitergeben zu können.
 Wir wissen von diesem Matthias nicht viel. Manche Ausleger der Bibel haben
 gemeint, diese ganze Wahl sei eine Belanglosigkeit gewesen, da Gott doch
 offensichtlich Paulus als den "Zwölften" erwählt habe. Nun ist Paulus gewiß
 ein von Gott Berufener gewesen, erwählt zu einer Zeugenschaft und
 weltweiten Wirksamkeit, die von keinem der Apostel, der Menschen der ersten
 Christengeneration übertroffen wurde. Eben darum ist Matthias nun aber auch
 tröstlich und ermutigend. Er ist offensichtlich ein sehr
 "durchschnittlicher" Mann, nur einfach Zeuge des Todes und der Auferstehung
 Jesu und wird als solcher gewählt, erwählt, "um an den Ort zu gehen, wohin
 er gehört". So steht es jedenfalls da. Gott will einfach aber von Jesus
 Christus erfüllte Menschen, die an ihrem Ort -vor Ort- Zeugen sind. Zu
 ihnen bekennt sich Gott, zu ihrem bescheidenen Dienst. Es werden alle
 gebraucht, Menschen, gelegentlich wie Paulus, meistens aber Leute wie
 Matthias, wie wir alle.
 Nun gibt es einen Unterschied zwischen Matthias und uns, dessen Augen- und
 Ohrenzeugenschaft. Wir nennen uns auch nicht Apostel. Aber jeder Christ
 kann Zeugnis geben - und nur dies ist Zeugnis - von dem, was ihm Jesus
 Christus ist und was er mit ihm erfahren hat. Der Platz solchen Zeugnisses
 ist dort, wo auch sonst unser leben geschieht, eben "vor Ort". @{b}

 Herr, du willst unseren unauffälligen Dienst für deine Sache. Gib uns
 deinen Geist, damit wir nicht Hindernis, sondern Werkzeug deiner Liebe
 sind. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 2a" "Apostel 2,1-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 2,1-13@{ui}
@{b}                     Begeisterte Christen@{ub}

 Diese Geschichte gehört zu den bekanntesten biblischen Geschichten. Sie ist
 oft gemalt worden; die Darstellung des Lukas drängt ja geradezu danach, in
 Farbe umgesetzt zu werden. In einzelnen christlichen Gruppen gibt es auch
 heutigentags Zungenreden. Aber nicht solche besonderen Erscheinungen machen
 Gemeinden in allen Kirchen zu Gemeinden des in der Gegenwart wirkenden
 Gottesgeist. Sondern es geht, wie am ersten Pfingsfest, darum, die großen
 Taten Gottes auszusprechen. Nicht nur die Ereignisse biblischer Zeit werden
 in der Wiedergabe zum Lob des Herrn, auch die Widerfahrnisse unserer
 Gegenwart und des eigenen Lebens sind Anlaß, Gottes macht und Wirklichkeit
 anderen gegenüber zu rühmen. Das kann in der je eigenen Sprache geschehen.
 Redet nicht nur der Mund, sondern das Herz, dann wird solche Sprache über
 alle Sprachbarrieren hinweg auch heute verstanden. Freilich steht wie
 damals neben dem Verstehen die Anlehnung. Daß ein Mensch von seinen
 Glaubenserlebnissen zutiefst aufgewühlt ist und davon Zeugnis gibt, zwingt
 seine Zuhörer nicht, Zustimmung laut werden zu lassen. Wann und auf welche
 Weise Gott Ablehnung überwindet, dürfen wir ihm getrost überlassen. Aber
 wir sollten uns erbitten, daß wir Christen sind, die begeistert sind. Denn
 wenn Gottes Geist Leben und Antriebskraft ist, dann entspricht dem Glauben
 doch wohl die Begeisterung in des Wortes tiefster Bedeutung. Trockene
 langweilige Menschen gibt es genug. Lahme Christen, lahme Kirchen sind Gott
 nicht lieb.@{b}

 Gott, Heiliger Geist, bewege uns zum Lob deines Wirkens in unserem Leben
 und unserer Zeit. Bringe uns immer wieder in Gang, reiß uns heraus aus dem
 allzu Gewohnten, damit wir auf ganz neuer Weise dich erfahren und dich
 bezeugen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 2b" "Apostel 2,14-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 2,14-28@{ui}
@{b}                      Rettung ist angesagt@{ub}

 Das pfingstliche Sprachen- und Hörwunder bedarf ebenso wie die in den
 Evangelien von Jesu berichteten Wundertaten der Deutung. Hier ist es
 Petrus, der als Sprecher der Zwölf, d,h, der Kirche, die Deutung gibt.
 Seine Predigt entspricht wohl dem Typ urchristlicher Missionspredigt.
 Angeknüpft wird an Situation oder Denkweise der Hörer; so verteidigt hier
 Petrus die Gemeinde gegen den Vorwurf der Trunkenheit. Aber wichtig ist
 nicht das Für und Wider solcher Vorwürfe; wichtig ist es, zur Sache zu
 kommen. Und die Sache ist die Deutung allen Geschehens unter dem
 Blickwinkel des Glaubens. Das, was vor Zeiten als Zeugnis des Glaubens
 niedergelegt wurde, kann dabei Hilfe sein. Was einst gepredigt wurde oder
 geschah, findet in späterer Zeit Parallelen oder Erfüllung. Aus dem, was in
 Erinnerung an die Jahrhundertelange zurückliegende Joel-Predigt als
 Erklärung des Pfingstgeschehens genannt wird, ist über alle Zeiten hinweg
 auch für uns die Verheißung gültig: Wer den Namen des Herrn anrufen wird,
 soll gerettet werden.
 Dieser Name ist nicht irgendein Name alter Zeit, sondern für immer der
 Christus-Name des Jesus von Nazareth. Daß mit Jesus unsere Rettung angesagt
 und angeboten ist, ist nicht ein Predigtthema zurückliegender
 Geschichtsepochen. Nein, das ist die Mitte unseres Glaubens auch in der
 Gegenwart. Und wo immer von Jesus Christus gesprochen wird, da ist von ihm
 als von dem zu reden, der uns alle zurechtbringt. Wir werden uns an das
 Zeugnis der Bibel halten und versuchen, verstehbar unseren Herrn zu
 bezeugen.@{b}

 Jesus, wir rufen dich an. Du bist unser Retter. In dir ist uns Gott in
 seiner Liebe nahe gekommen. Dich brauchen wir. Erfülle auch an uns und
 unserer Kirche deine Verheißung. Laß uns aus deinem Geist heraus leben.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 2c" "Apostel 2,22.23.32.33.36-39"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 2,22.23.32.33.36-39@{ui}
@{b}                 Vom Wirken des Heiligen Geistes@{ub}

 Jenes erste Pfingstfest in Jerusalem war etwas Besonderes. Aber das, was
 dann bei der Predigt des Apostels Petrus geschah, ereignete sich auch heute
 noch ähnlich. Petrus predigt von Jesu irdischer Wirksamkeit, von Kreuzestod
 und Auferweckung und von der Ausgießung des Heiligen Geistes.
 Und indem Petrus predigt, geht es den Hörern durchs Herz. Sie werden
 unruhig und fragen, was sie tun sollen. Zwar wird ihnen von Petrus erst die
 Gabe des Heiligen Geistes verheißen, aber Gottes Geist wirkt schon darin,
 daß er die Herzen der Hörer anrührt.
 Wie geschah das? Offenbar so, daß den Hörern über der predigt deutlich
 wird: Jesus von Nazareth ist wirklich von Gott durch taten, Wunder und
 Zeichen ausgewiesen. In seinem Kreuzestod hat sich nicht nur der Wille von
 Menschen erfüllt, sondern in, mit und unter dem, was dort Menschen getan
 haben, hat auch Gott seinen Ratschluß und seine Vorsehung verwirklicht.
 Gerade so ist Jesu Kreuzigung nicht nur ein Erweis menschlicher
 Grausamkeit, sondern auch das Zeichen der allen Haß und alle Feindschaft
 überwindenden Liebe Gottes. Durch seine Auferweckung ist Jesus ausgewiesen
 als der von Gott bevollmächtigter Herr und verheißener König (Christus).
 Und die Ausgießung des Heiligen Geistes ist kein Zufall, sondern die
 direkte Folge davon, daß Jesus auferweckt und an die Seite Gottes erhöht
 worden ist.
 Wo immer die Predigt die Zusammenhänge von Gottes Handeln aufdeckt und
 zugleich deutlich macht, wo und wie wir davon betroffen sind, da kann und
 will Gottes Geist auch an uns wirksam werden. Über die Predigt hinaus gibt
 es freilich eine noch grundsätzlichere Vergewisserung. Petrus weist seine
 Hörer auf die Taufe hin. Sie wirkt Vergebung der Sünden und vermittelt die
 Anwartschaft auf die Gabe des heiligen Geistes. Sie ist eine einmalige Tat
 Gottes an dem einzelnen, die freilich nur dann an uns wirksamer wird, wenn
 wir sie im Glauben ergreifen. Sie bleibt aber auch dann ein Angebot der
 Gnade Gottes, wenn sie noch nicht im Glauben empfangen ist. Darum ist auch
 die taufe von Kindern sinnvoll, wenn sie durch christliche Unterweisung
 dazu geführt werden, dieses Angebot für sich anzunehmen und daraus zu
 leben. Dazu darf es aber wiederum des immer neuen Hörens auf die Botschaft
 von Christus.@{b}

 Herr Jesus Christus, durch die taufe dürfen wir zu dir gehören, und du hast
 uns durch das Zeugnis von deinem leiden, Sterben und Auferstehen erreicht.
 Dafür danken wir dir. Leite uns nun auch durch deinen Geist.Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 2d" "Apostel 2,29-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 2,29-36@{ui}
@{b}                    Wofür sind wir Zeugen?@{ub}

 Die Pfingstpredigt des Petrus besteht zu einem guten Teil aus
 Beweisführungen auf Grund alttestamentlicher Schriftaussagen. Jüdische
 Hörer konnten so durchaus angesprochen werden, denn ihre
 Denkvoraussetzungen wurden ja getroffen. Für den christlichen Glauben war
 zugleich wichtig, daß Jesus von Nazareth als der Christus in direkter
 Beziehung zu Gesetz und Propheten, zu Gottesverheißung und Heilsgeschichte
 zu sehen ist.
 Das geht auch uns an, deren Denkvoraussetzungen heutzutage andere sind.
 Zugleich aber ist es nötig, daß das Herrsein Christi und seine lebendige
 Wirklichkeit persönlich bezeugt werden. "Des sind wir alle Zeugen": Ja,
 Petrus konnte auf seine und seiner Mitjünger Erfahrungen mit dem
 Auferstandenen verweisen. Diese Begegnungen mit dem lebendigen Herrn waren
 es ja gewesen, die zu Nachfolge und Mission veranlaßten. Wegen dieser
 erfahrenen Wirklichkeit mußten sie Jesus als Herrn und Christus ihrem Volk
 und aller Welt bezeugen.
 Jeder Christ ist ein Zeuge seines Herrn. Das ist ein guter und richtiger
 Satz. Aber was für Zeugen sind wir? Wir sagen gern, daß unser ganzes Sein,
 unser Tun und Lassen predigt. Das stimmt. Aber unsere Handlungen und unser
 Verhalten werden doch so lange stumm bleiben, wie nicht deutlich wird,
 worauf sie beruhen.
 Wenn wir nach dem Warum gefragt werden, dann kommt es darauf an, von
 unserem Glauben zu sprechen, von unseren Erfahrungen. Oft spricht nicht die
 Wiederholung biblischer Sätze Menschen an, sondern die persönliche
 Bezeugung unserer Glaubenserlebnisse mit dem Herrn, der als Realität in
 unserem Leben wirkt.@{b}

 Lieber Herr, deinem Wirken begegnen wir in allem, was wir sehen, erleben
 und lernen. Du bist auch in unserem eigenem Leben da. Laß uns wissen, daß
 du uns behütest und leitest. Laß uns anderen davon in rechter Weise Zeugnis
 geben. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 2e" "Apostel 2,37-41"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Apostelgeschichte 2,37-41@{ui}
@{b}               Durch die Predigt wird die Gemeinde gebaut@{ub}

 "Sie haben heute schön gepredigt": Petrus hört solch eine gelegentlich nach
 dem Gottesdienst fallende Bemerkung nicht. Seine Predigt hat ein anderes
 Echo. Ja, solch eine Reaktion wünscht sich wohl jeder Prediger:
 Betroffenheit und Nachfrage nach Konsequenzen. daß eine Predigt diese
 Wirkung hat, kann allerdings kein Prediger garantieren oder machen. Es ist
 Gottes Tun, ist Wirkung des Heiligen Geistes, wenn eine Predigt durchs Herz
 geht. Gedankensprühende, rhetorisch brillante Auslegungen bieten keine
 Sicherheit, daß so etwas geschieht. Und -Gott sei Dank!- sehr einfache, mit
 Mühen und unter Ängsten zustande kommende Auslegungen sind kein Hindernis
 dafür, daß Menschen ins Fragen und zum Glauben kommen. So wurde Gemeinde
 gebildet, so wird Gemeinde gebaut: Durch Predigt und durch Annahme des
 Wortes Gottes.
 "Gemeindeaufbau" ist ein bekanntes Wort unter Christen. Meist sind
 besondere kirchlichen Aktivitäten damit gemeint. Recht bedacht, ist aber
 alles kirchliche Handeln Hilfe zum Bau der Gemeinde Jesu Christi; oder es
 überlebt sich über kurz oder lang. nichts aber kann die Weitergabe der
 Frohen Botschaft ersetzen, geschehe sie nun in Form der predigt oder als
 Gespräch.
 Einst legten Petrus und die anderen Apostel ihr Zeugnis von Jesus Christus
 in Auslegung der Heiligen Schrift des Alten Testaments dar. Gemeinde
 erbauend bleibt Predigt heute auch nur dann, wenn die persönlichen Aussagen
 sich nicht verselbstständigen, sondern gebunden bleiben an die Auslegung
 und Weitergabe der ganzen Heiligen Schrift.@{b}

 Heiliger Gott, wir hören so oft von dir und können doch unberührt bleiben
 von deiner Botschaft. Schließe du selbst uns auf für dein Wort. Und gib
 jedem, der dich bezeugt, die zu Herzen gehende Sprache. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 2f" "Apostel 2,42-47"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Apostelgeschichte 2,42-47@{ui}
@{b}                         Lebendige Gemeinde@{ub}

 Ja, das sollte eine jede Gemeinde sein, in der wir mitleben: Lebendige
 Gemeinde! Solche Gemeinde ist geprägt von den Maßstäben Jesu Christi,
 durchdrungen von seinem Geist und seiner Liebe, Gemeinde von Schwestern und
 Brüdern, nicht nur der Anrede nach, sondern in der Wirklichkeit
 alltäglichen Zusammenlebens. Sie ist Gemeinde, deren Lebenszentrum die
 geistliche Gemeinschaft ist.
 Entwirft die Apostelgeschichte etwa nur ein Idealbild christlicher
 Gemeinde? Wird vielleicht im Rückblick manches verklärt? Wie sehr es in der
 Jerusalemer Gemeinde und den anderen Gemeinden urchristlicher Zeit
 "menschelte", erfahren wir ja aus dem Neuen Testament auch.
 Aber selbst wenn man die Darstellung der Urgemeinde eher skeptisch
 beurteilt, bleibt doch der Anspruch, bleibt die Sehnsucht: Gemeinde möchte
 dem Auftrag Christi entsprechen! Daß die Lebendigkeit einer Gemeinde sich
 ebenso wie das Umgehen der Christen miteinander auf andere Menschen
 auswirkt, wissen wir aus unserer Umwelt. Wo jeder nur an sich denkt, wo
 nichts von echter Gemeinschaft unter dem Wort und dem Kreuz des einen Herrn
 zu spüren ist, da wird niemand angezogen. Wo aber Herzlichkeit und das Lob
 Gottes zu hause ist, da kommen auch heute Menschen hinzu, denn nach solcher
 Gemeinschaft sehnen sich viele. Stellen wir uns doch in unserer Gemeinde
 dem Vergleich mit dem aus den Anfängen der Christenheit Berichteten und
 versuchen wir, nach unseren Gaben dazu beizutragen, daß unsere Gemeinde
 lebendige Gemeinde ist!@{ub}

 Vater, du läßt uns nicht für uns allein Christ sein. Danke für die große
 Gemeinschaft, in die du uns hineinberufen hast. laß uns bereit sein, das
 Unsere zu tun, damit die Kirche in der Welt und an unserem Ort deinen
 Willen tut. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 3a" "Apostel 3,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 3,1-10@{ui}
@{b}                       Heilende Zuwendung@{ub}

 Ein körperbehinderter Mensch sitzt an einer Kirchentür und hält bettelnd
 seine Hand auf, wenn die Gottesdienstbesucher vorbeigehen.
 So werden wir die Geschichte aus dem Neuen Testament heutzutage nicht
 erleben. Behinderte Menschen sind bei uns materiell meist versorgt. Das ist
 nicht das Problem. Aber wir sollten hinter diesem Bild des bettelnden
 Gelähmten die hilfsbedürftigen Menschen unserer Tage sehen: psychisch und
 körperlich kranke, alte, einsame Menschen, die irgendwo sitzen und auf die
 Hilfsbereitschaft anderer warten. Oft übersteigt die Erwartung unsere Kraft
 und unsere Möglichkeiten.
 Sehen wir auf die Apostel. Realistisch schätzen sie ihre Fähigkeiten ein
 und sagen offen, wozu sie in der Lage sind und wozu nicht. Es geht nicht um
 eine Münze und ein vielleicht schon mechanisches "Danke", sondern um eine
 Begegnung zwischen Menschen, um Zuwendung und Liebe.
 So haben die Apostel es im Zusammenleben mit Jesus erfahren. Die
 christlichen Kirchen von heute können mit allen ihren finanziellen Mitteln
 das Elend auf dieser Erde nicht heilen, kaum merklich lindern. Aber der
 einzelne Christ kann hier und da ein Hoffnungszeichen setzen, wenn er sich
 einem Menschen persönlich zuwendet mit der Hilfe, die in seinem Kräften
 steht. Jesus hat nur einige wenige Menschen geheilt, hat ihnen Leben oder
 Gesundheit noch einmal geschenkt. Er hat damit Zeichen gesetzt: Gott ist
 größer und mächtiger. Sein Wille geschieht in der Welt. Und sein Wille ist
 es, daß diese Welt einmal ganz gesund und heil wird.
 An dem Gelähmten geschieht das zeichenhaft schon hier. Im Glauben an den
 Namen Jesu und in seiner Kraft und Vollmacht, wie sie ihnen zu Pfingsten
 versprochen wurde, können die Apostel heilen. Im großen Vertrauen auf
 diesen Namen Jesus Christus wird dieser Mensch gesund. Das ist wunderbar.
 Das läßt ihn springen und Gott in der Gemeinde loben. Über 40 Jahre hat er
 die Hoffnung auf Besserung und gesundes Leben nicht aufgegeben.
 So sollte unser Glaube auch an Gott festhalten, auf seine Liebe setzen, ihm
 alles zutrauen, ob unsere Not nun körperliche Behinderung oder tödlicher
 Krankheit, Ehescheidung oder Familienzwist oder irgend etwas anderes ist.
 Wir dürfen alles, auch das Unerträglichste, in Gottes Hand legen und auf
 seine Hilfe hoffen.@{b}

 Herr, du bist stärker als alles, was uns belastet und betrübt. Hab Dank,
 daß wir das immer wieder erfahren dürfen. Wir bitten dich, stärke unser
 Vertrauen zu dir. Gib uns Kraft zur Hoffnung. Amen.@{ub}


@{i}                 Apostelgeschichte 3,1-10@{ui}
@{b}                Heilung durch den Erlöser@{ub}

 Ein Bettler sitzt vor der Tempeltür. Er ist auf Almosen angewiesen. Eine
 staatlich geregelte Sozialfürsorge gab es damals noch nicht. das ist heute
 in vielen Ländern anders geworden. Nur nicht alles, was Menschen Not
 bereitet, ist behoben. Wenn auch nicht alle, so können doch mehr Leiden als
 früher durch ärztliche Hilfe geheilt werden.
 Es ist aber nicht bei jeder Krankheit so. Die Apostel bringen dem Gelähmten
 als Hilfe des Herrn Jesus Christus Gesundheit und das Ende der
 Abhängigkeit. Ein Zeichen für die heilende  Macht des Erlösers wird
 gesetzt. Was hier geschieht, versetzt die Tempelbesucher in Staunen. Der
 Zweifel einer Verwechslung ist ausgeschlossen: "Sie erkannten ihn auch, daß
 er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen
 gebettelt hatte... Die Apostel sind beauftragt, Jesus als den Erlöser
 bekanntzumachen. Ihre spätere Predigt wird durch ein vorausgehendes Zeichen
 bekräftigt. Die Heilung des Lahmen ist gleichzeitig eine Veranschaulichung
 dessen, was der Erlöser bewirkt: Unser Leben soll in Ordnung gebracht
 werden. Das ist das große Ziel, zu dem Jesus hinführen will. Das Vertrauen
 zu ihm entsteht und verbreitet sich dadurch, daß er bekanntgemacht wird.
 Wenn wir Vertrauen zu diesem Herrn finden, lassen wir uns auch von ihm
 führen, wenn uns das Leben sehr schwer erscheint. Der Glaube an ihn
 erleichtert uns das leben, auch wenn wir noch durch manches Schwere
 hindurch müssen.
 Wir leben in dem zuversichtlichen Wunsch: "Heile du mich, Herr, so werde
 ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen..."@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir, daß du auch heute durch dein Wort und durch
 dein helfendes Tun bei uns bist. Wir bitten dich: Schenke, daß wir deine
 Gegenwart alle Tage unseres Lebens wahrnehmen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 3b" "Apostel 3,11-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 3,11-16@{ui}
@{b}                     Das Heil in Christus@{ub}

 Gestern haben wir von der Heilung eines gelähmten Bettlers gehört. Es muß
 nun genau entdeckt werden, wer hier geheilt hat. Der Gesundgewordene hält
 sich an die Apostel. Das nimmt das Volk wahr. Sie wundern sich sehr über
 das, was geschehen ist. Die Apostel lenken die Verwunderung von sich weg
 auf Jesus Christus hin: Wir haben es nicht bewirkt, daß dieser gehen kann.
 Zwischen den Zeilen steht: Wir sind nur Werkzeuge. Der eigentlich Handelnde
 ist der Gekreuzigte und Auferstandene. Dann wird sehr genau gekennzeichnet,
 um wen es hier geht. Es ist der, den ihr vor dem römischen Statthalter
 verleugnet habt. Das sollte sehr hart für die Zuhörer klingen. Die
 Kreuzigung lag damals noch nicht lange zurück. Sicher sind nicht nur genau
 diejenigen unter den Zuhörern gemeint, die kurz zuvor "Kreuzige, kreuzige
 ihn!" geschrien hatten.
 Es geht unausgesprochen schon hier darum, daß alle Menschen am Kreuzestode
 des Erlösers schuldig sind. Außerdem betrifft die Tatsache, daß Christus
 verleugnet wurde, auch Petrus.
 Gott hat den Gekreuzigten von den Toten auferweckt. Sein unschuldiges
 Sterben bedeutet Gnade für uns, Freispruch für Schuldige, Befreiung sogar
 für einen Mörder. Es wird die Freilassung des Barabbas anstelle von
 Christus erwähnt.
 Der Name des aufgeweckten Herrn Jesu steht nun über der ganzen Welt. Durch
 seine Macht wurde der gelähmte Bettler geheilt. Das ist ein Zeichen für das
 Heilshandeln des Herrn im allumfassenden Sinne.
 Was Christus zeichenhaft im Kleinen tut, das tut er auch im Großen. In ihm
 liegt das Heil der Welt.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Wir danken dir, daß du in deinem Sohn zu uns
 gekommen bist und daß uns der Erlöser bekanntgemacht worden ist. Wir bitten
 dich, daß wir ihn immer mehr kennenlernen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 3c" "Apostel 3,17-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 3,17-26@{ui}
@{b}                Alles Verheißene wird erfüllt@{ub}

 Die Jesus zum Tode verurteilt haben, die da geschrien haben: "Kreuzige,
 kreuzige ihn!" haben es in Unwissenheit getan. Sie wußten nicht, wer Jesus
 wirklich ist. Wer nicht an Christus glaubt, der fühlt sich an seinem Tode
 nicht schuldig. Erst mit der Verkündigung dessen, was das Kreuz auf
 Golgatha bedeutet, entsteht ein Bewußtsein von Schuld. Diese Rede aus der
 Apostelgeschichte lädt aber gleichzeitig damit zur Annahme der Vergebung
 ein. Damit ruft sie zur vertrauensvollen Hinwendung zu dem Erlöser. Es ist
 eine Umkehr vom bisherigen Lebensstil zu einem neuen. Das ist Buße,
 Sinnesäußerung, Umkehr.
 Es wird außerdem gesagt, worauf alles hinausläuft. Der Tod Jesu gehört zum
 Plan Gottes. das Ziel ist die "Zeit der Erquickung". Wo die Schuld vergeben
 ist, da ist der Friede mit Gott. Die Begnadigten atmen auf. Alles wird
 wiederhergestellt sein. Es geht um die im Sinne Gottes wiederhergestellte
 Schöpfung. Was die Propheten vorausgesagt haben, wird erfüllt. Ihre Worte
 lassen eine unbeschreibliche Heilszeit ahnen. In den angeführten Stellen
 aus dem Alten Testament wird besonders auf den hingewiesen, der uns die
 Teilhabe am Neuen ermöglicht. Alles zu lassen, was der Vergangenheit
 angehört, ist ebenso Teil der Bekehrung wie, daß wir uns jetzt
 ausschließlich an Jesus halten. Ob einer diese Entscheidung trifft oder
 nicht, entscheidet über Leben und Tod.
 Zahlenmäßiges Zugehören zum Gottesvolk ist noch nichts. Die Entscheidung
 für Jesus aber ist die Folge des göttlichen Segens, für den wir nur danken
 können.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns den Glauben geschenkt hast. Wir vertrauen
 dir. Schenke uns täglich die Einsicht, daß wir deine Hilfe in unserem Leben
 brauchen. Laß uns das Ziel des Glaubens erreichen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 4a" "Apostel 4,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 4,1-12@{ui}
@{b}                  Das freimütige Bekenntnis@{ub}

 Aufsehenerregendes ist im Tempel geschehen. Die Angelegenheit muß überprüft
 werden. Es geht um die Heilung des Lahmen und um die Predigt von Jesus
 Christus. Dabei besteht für die Prüfenden der Verdacht, daß die Zuhörer
 aufrührerisch beeinflußt worden sind. Deshalb werden die Apostel verhaftet
 und am anderen Morgen verhört. Daß sie einen Kranken Gutes erwiesen haben,
 kann nicht zur Anklage gehören. Deshalb informieren sich die Verhörenden
 zunächst: "Aus welchem Namen habt ihr das getan?" Petrus bekommt wieder die
 Gelegenheit, seinen Glauben zu bekennen, und er tut es mit eindrücklichen
 Worten.
 Er weist auf den Gekreuzigten und Auferstandenen hin. Dieser Herr ist der
 Stein, den die Bauleute verworfen haben: Jesus wurde von seinem Volk
 ausgestoßen. Er ist zum Eckstein geworden. Seine Gemeinde wird unter
 anderem mit einem Bau verglichen, bei dem Jesus Christus der Hauptstein
 ist. Nur durch ihn kann die Menschheit heil werden und heil bleiben. Wir
 haben als Christen auch heute die Aufgabe, das zu verkündigen. Petrus gibt
 damit Auskunft über seinen Glauben. Es ist für Christen selbstverständlich,
 daß sie gegenüber jedem dazu bereit sind. Petrus redet "voll Heiligen
 Geistes". Er hat erlebt, daß sich die Zusage seines Herrn an ihm und seinen
 Mitchristen erfüllt. Sie stehen sogar vor Gericht um ihres Glauben willen.
 Christus hat gesagt: "...sorget nicht..., was ihr sagen sollt; denn der
 Heilige Geist wird euch zu derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt"
 (Lukas 12,11-12).
 Es gibt ganz sicher Christen, die die Erfüllung dieser Zusage auch heute
 erfahren.@{b}

 Lieber Herr! Wir bitten dich: Gib uns allezeit Mut, das zu bezeugen, was
 wir glauben. Lege uns die rechten Worte in den Mund und schenke, daß unsere
 Mitmenschen die Wahrheit deines Wortes zu Herzen nehmen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 4b" "Apostel 4,13-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 4,13-22@{ui}
@{b}                      Unmögliches Schweigen@{ub}

 Die Boten des Herrn Jesus werden verhört. Die Gerichtsbehörde ist sehr
 beeindruckt von ihren Aussagen. Keine gelehrten Leute stehen vor ihnen,
 sondern Menschen, die sich schlicht zu Jesus Christus bekennen. Der Glaube
 an ihrem Herrn macht sie stark und mutig. Die Behörde beschließt eine
 Beratung unter Ausschluß der Angeklagten. Der Hohe Rat ist in eine
 schwierige Lage hineingeraten. Der breiten Öffentlichkeit ist die Tat an
 dem gelähmten Menschen bekannt geworden. Nur der Name "Jesus" darf nicht
 weiter verbreitet werden. Dadurch würde nach Meinung des Rates das Volk
 verführt werden.
 Sicher kann die Behörde nicht anders entscheiden, denn sie glaubt trotz der
 Heilung des Gelähmten nicht an den Erlöser. So bleibt ihr nichts anderes
 übrig, als die Apostel unter Drohungen zu warnen. Es wird ihnen verboten,
 im Namen des Herrn Jesus zu reden. Unerschrocken verteidigen die Apostel
 ihr Recht mit einem Satz, den Hohepriester einsehen müßten: "Man muß Gott
 mehr gehorchen als den Menschen." Diese Boten des Herrn können durch
 Androhung von Gewalt nicht mundtot gemacht werden. Andererseits können sie
 auch nicht mit Gewalt den Glauben an Christus erzwingen. Dieser Glaube
 schenkt Geborgenheit, Hoffnung und Freude.
 Die Apostel möchten das, was sie erfahren haben, auch anderen mitteilen.
 Sie können es nicht für sich behalten. Das geht auch Christen so, die heute
 leben. Sie können die Beweggründe nachempfinden, aus denen heraus die
 Apostel bezeugt haben: "Wir können ja nicht lassen, von dem zu reden, was
 wir gesehen und gehört haben." Es kann unmöglich verschwiegen werden.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Wir möchten auch anderen das mitteilen, was
 unserem Leben von dir her einen lohnenden Sinn gegeben hat. Schenke uns
 bitte, daß wir die Gelegenheiten dazu wahrnehmen und nutzen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 4c" "Apostel 4,23-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 4,23-31@{ui}
@{b}                     Stärkung durch das Gebet@{ub}

 Als die Apostel aus der Gerichtsverhandlung entlassen werden, ist die Lage
 für sie bedrohlich. Das erzählen sie den versammelten Brüdern und
 Schwestern im Glauben. Die Gemeinde kann nichts besseres tun, als daß sie
 ihre Sorgen im Gebet vor Gott ausbreitet.
 So wie wir -besonders im Gottesdienst- kennen auch die ersten Christen
 bereits fest formulierte Gebet. Sehr oft beten sie mit Texten aus den
 Psalmen. Die Anrede in ihrem Gebet entspricht etwa dem, wie wir den
 himmlischen Vater mit "Allmächtiger Gott" anreden. Dann erinnern sie sich
 an die Worte aus einem Psalmgebet, die durch den Geist Gottes dem David
 eingegeben wurden: "...Die Könige der Erde treten zusammen, und wie Fürsten
 versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus."
 Das ist genau die Lage, die die Urgemeinde gerade erlebt. Sie Bittet nun
 nicht um Befreiung aus dieser Lage, sondern es wird die Erinnerung an das
 Leiden und Sterben Jesu geweckt. Christen haben es nicht nur einmal
 erfahren, daß Reden und Lehren im Namen des Herrn Jesus den Widerspruch der
 Welt erregt. Das muß zuvor geschehen. Es gehört zum Plan Gottes. Die
 betende Gemeinde macht sich das bewußt. Nachdem sie durch das Wort Gottes
 ihre aktuelle Lage beleuchtet hat, fügt sie sich in diese Situation und
 betet: "Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut
 zu reden dein Wort."
 Der letzte Vers unseres heutigen Abschnittes bringt ihre Gewißheit der
 Gebetserhörung zum Ausdruck. Trotz der bedrohlichen Lage haben sie Kraft,
 weiter im Namen von Jesus zu reden. Durch das Gebet sind sie gestärkt
 worden.@{b}

 Allmächtiger Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde! Wir danken dir, daß
 wir in unserem Leben erfahren haben, daß du Gebete erhörst. Wir bitten
 dich, daß auch zukünftig dein Wille bei uns geschieht. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 4d" "Apostel 4,32-37"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 4,32-37@{ui}
@{b}                    Ein Herz und eine Seele@{ub}

 Eine Gemeinschaft, in der keiner Mangel leidet. Das ist die christliche
 Urgemeinde in Jerusalem. Nicht eine kleine Gruppe besonders selbstlos
 veranlagter Menschen, sondern eine große Gemeinde, die ständig neuen Zulauf
 erhält. Alle verstehen sich als eine Gemeinschaft, in der einer mit dem
 anderen teilt. Begüterte -es dürfen nicht viele sein- verkaufen ihren
 Besitz und stellen den Erlös den Aposteln zur Verfügung, besonderen
 Notständen abzuhelfen. Sie tun es freiwillig, ohne jeden gesetzlichen
 Zwang.
 In der Welt des Altertums ist das ebensowenig üblich, wie wir heute damit
 rechnen können. Das legt die Frage nahe nach der bewegten Kraft, die aus
 der Menge der Gläubigen ein Herz und eine Seele werden läßt.
 Die Antwort liegt in dem Hinweis auf das vollmächtige Zeugnis der Apostel
 von der Auferstehung Jesu Christi. Gottes Geist, der Jesus auferweckt hat,
 schafft neues Leben, das sich in einer Wandlung des Denkens und Tuns
 erweist. Die Utopie von der Befreiung des Menschen von seinem Egoismus wird
 Wirklichkeit; sie kann und will es auch heute werden. Wir leben nicht im
 überschaubaren Bereich einer Urgemeinde; die Verhältnisse sind andere
 geworden, die Aufgaben vielfältiger. Es geht nicht mehr nur um Nöte des
 unmittelbar Nächsten, sondern darum, daß die Zahl der Hungernden und
 hoffnungslosem Elend Preisgegebenen in der Welt ständig zunimmt. Wir müssen
 erkennen, daß karitative Hilfsmaßnahmen -so wichtig sie auch sein mögen-
 nicht mehr ausreichen, die Dinge wirklich zu ändern, sondern daß es
 weltweit neuer Ordnungen bedarf. Erfolg können diese aber nur dann haben,
 wenn sie von einem neuen Denken im Geist des lebendigen Christen bestimmt
 sind.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns deine Schwestern und Brüder nennst. Hilf,
 daß wir auch so miteinander umgehen. Laß uns in Solidarität mit den
 Benachteiligten unsere Verantwortung dafür erkennen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 5a" "Apostel 5,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 5,1-11@{ui}
@{b}                      Ananias und Saphira@{ub}

 Auch in der Urgemeinde gibt es Versagen und Schuld. Ananias und Saphira
 beteiligen sich wohl an der urchristlichen "Gütergemeinschaft". Sie
 verkaufen einen Acker, aber bringen nur einen Teil des Erlöses zu den
 Aposteln. Ihre Schuld liegt in dem falschen Schein, den sie erwecken, in
 ihrem Opfer unter unredlichem Vorbehalt. Damit hintergehen sie nicht nur
 die Gemeinschaft, sondern versuchen, Gott zu betrügen. Darum trifft sie
 sein tödliches Gericht.
 Je länger wir über diese Geschichte nachdenken, desto deutlicher wird ihr
 tiefer Ernst, dem wir nicht ausweichen sollten. es ist gefährlich, in die
 Nähe Gottes zu kommen, wenn wir ihm mit Falsch im Herzen begegnen.
 Die Liebesgemeinschaft der Urgemeinde ist keine erbauliche Idylle, von der
 wir, vielleicht mit einigem Bedauern, aber zugleich auch mit tausend
 schlechten Gründen, sagen, daß sie heute leider nicht zu verwirklichen ist.
 Diesem Geist sich öffnen, heißt Leben für den einzelnen Menschen und für
 die Menschheit. Ihm sich verschließen oder gar bewußt sich gegen ihn
 stellen, bedeutet Tod in einem viel schlimmeren Sinn, als leibliches
 Sterben sein kann. Vielleicht erfahren wir deshalb so wenig von den
 heilenden Segenskräften Gottes, weil wir sein Gericht nicht wirklich
 fürchten. Es kündigt sich an in den vielfältigen Gefahren für die Chance
 zur Einsicht und Umkehr darf nicht vertan werden!@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du die von dir geliebte Welt bisher erhalten
 hast. Hilf uns, in den heute drohenden Gefahren dein Gericht über unser
 Versagen zu erkennen. Gib uns Kraft, gehorsam und selbstlos zu tun, wozu du
 uns befreit hast. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 5b" "Apostel 5,12-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 5,12-33@{ui}
@{b}              Gott mehr gehorchen als den Menschen@{ub}

 Die Geschichte von der wunderbaren Befreiung der Apostel aus dem Gefängnis
 verschließt sich vordergründigen Erklärungsversuchen. Doch wie immer sich
 diese Befreiung zugetragen hat, deutlich wird, daß Gott Wege öffnen kann,
 wo Menschen keinen Ausweg sehen. Wichtiger noch ist die Sache, um
 derentwillen die Apostel im Gefängnis sind. Es geht um ihre Predigt von der
 Auferstehung des gekreuzigten Jesus von Nazareth. Gegen das ausdrückliche
 Verbot des Hohen Rates hatten sie den lebendigen Christus verkündigt, und
 die Zahl derer, die ihrem Zeugnis Glauben schenken, hatte zugenommen. Das
 hatte den Zorn der jüdischen Obrigkeit erregt und zur Verhaftung der
 Apostel geführt. Ehe es zum Verhör kommen kann, sind sie wieder frei und
 lehren das Volk im Tempel "alle Worte des Lebens". Sie haben ein gutes
 Gewissen und sehen keinen Grund, sich zu verstecken, lassen sich auch
 willig von Neuem festnehmen und vor den Hohen Rat führen. Es geht um den
 Inhalt ihrer Verkündigung: "Ihr wollt dieses Menschen Blut über uns
 bringen." Die Apostel haben zwar nichts Derartiges gesagt. Aber die Predigt
 von der Auferstehung Jesu bedeutet in der Tat eine Anklage gegen alle, die
 ihn zum Tode verurteilt haben. Das wissen auch die Apostel, aber es ist
 nicht ihre Sache, anzuklagen. Vielmehr erweisen sie sich auch in dieser
 Stunde als echte Zeugen ihres Herrn, indem sie die Gottestat der
 Auferweckung Jesu bezeugen als Ruf zur Buße und Angebot der Vergebung auch
 für die an seinem Tode Schuldigen.@{b}

 Herr, wir danken dir für die Gnade, daß du deiner Christenheit immer wieder
 mutige Zeugen deiner Wahrheit schenkst. Gib auch uns Kraft, alle
 kleinmütigen Ängste zu überwinden, wo wir zu solchem Zeugnis gefordert
 sind. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 5c" "Apostel 5,34-42"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 5,34-42@{ui}
@{b}                     Der Rat des Gamaliel@{ub}

 Die Männer des Hohen Rates sind betroffen und ratlos. Nicht bereit, ihre
 Schuld zu erkennen und sich unter das Wort von der Vergebung zu stellen,
 vermögen sie in den mutigen Zeugnis der Apostel nur die Herausforderung zu
 sehen. Sie beraten, wie sie sich der unbequemen Mahner entledigen können.
 Da steht Gamaliel auf, einer der berühmtesten Schriftgelehrten seiner Zeit.
 Auch der Apostel Paulus hat als Lernender zu seinen Füßen gesessen, als er
 noch den Namen Saulus trug. Gamaliel rät zur Besonnenheit und verweist auf
 Erfahrungen die man mit anderen Volksbewegungen und ihren Führern gemacht
 hat. Sie sind gekommen und wieder vergangen. So wird es auch den Aposteln
 und ihren Anhängern ergehen, wenn sich ihr Reden und Tun als Menschenwerk
 erweist. Sollte es sich jedoch als Gotteswerk herausstellen, wäre es
 töricht und gefährlich, gegen Gott streiten zu wollen. Darum empfiehlt er,
 die Apostel laufen zu lassen und abzuwarten, wie es weitergehen wird. Sein
 Vorschlag findet Zustimmung.
 Das heißt aber auch, daß man einer Entscheidung in der Sache ausweicht; die
 Gelegenheit, zur Einsicht und Umkehr zu kommen, ist vertan. Ungestraft will
 man die Apostel diesmal aber nicht davonkommen lassen. Sie werden
 ausgepeitscht. Das soll dem erneuten Verbot, von Jesus zu reden, Nachdruck
 verleihen. Von den Aposteln lesen wir, daß sie dennoch fröhlich davongehen.
 Was sie erlitten haben, ist ihnen um Christi willen widerfahren. Dem
 Auftrag ihres Herrn gehorchend, hören sie nicht auf, Tag für Tag im Tempel
 und in den Häusern der Gemeindemitglieder zu lehren und die frohe Botschaft
 von Jesus Christus weiterzusagen.@{b}

 Herr, erhalte uns das Vertrauen in deine Verheißung, damit nicht
 Kleinglaube und Resignation unser Bekenntnis zu dir unglaubwürdig machen.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 6a" "Apostel 6,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Apostelgeschichte 6,1-7@{ui}
@{b}                Probleme einer wachsenden Gemeinde@{ub}

 Vielleicht denken wir, solche Sorgen wollen wir auch haben. Wir erlebten,
 daß unsere Gemeinde kleiner wurde und haben damit unsere Probleme.
 Lukas berichtet uns von den Schwierigkeiten, die eine stark anwachsende
 Gemeinde hat. Sie wird schnell unübersichtlich. Auf die Probleme einzelner
 kann nicht mehr so eingegangen werden. Leicht kann einer in seiner Not
 übersehen werden. Es kommt zu Spannungen. Wir hören von Witwen, die nicht
 genügend betreut werden. Sie waren in besonderer Weise auf Hilfe
 angewiesen, war doch ihre Versorgung mit dem Tod ihres Mannes ungeklärt.
 Sie stehen hier für alle Schutz- und Hilfsbedürftigen.
 Wir wissen, daß auch in unseren kleinen Gemeinden oft genug die nötige
 Hilfe ausbleibt. Nicht selten kommt die Klage: "Ich war krank und keiner
 hat mich besucht." Der Pfarrer kann überfordert sein, alle Besuche allein
 zu schaffen.
 So erging es auch den Zwölfen in Jerusalem. "Es ist nicht recht, daß wir
 für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen." Sie
 versuchten das Problem durch Erweiterung des Mitarbeiterstabes und durch
 Arbeitsteilung zu lösen. Eine Gruppe von Sieben wurden gewählt, die sich
 vor allem um die Versorgung der Hilfsbedürftigen kümmern sollte.
 Doch läßt sich das Geistliche vom Praktischen so einfach trennen? Schon
 bei der Auswahl der Sieben wurde gefordert, daß sie einen guten Ruf haben
 und voll Heiligen Geistes und Weisheit sein sollten. So werden alle sieben
 unter dem Gebet und dem Handauflegen der Zwölf in ihr neues Amt eingeführt.
 Gottes Segen und die Fürbitte der Gemeinde bilden eine wichtige
 Voraussetzung für den Dienst, soll er gelingen.
 So ist es auch in unseren kleinen Gemeinden. Ihre Chance ist, daß sie
 übersichtlicher sind und wir mehr voneinander wissen können. Das ist nicht
 automatisch so, aber es ist möglich. Wenn wir uns auf die kleinen Zahlen
 einlassen, kann eine gute Gemeinschaft entstehen, in der wir uns
 gegenseitig helfen können. Da ist dann jeder gefragt, wie bei einer gut
 funktionierenden Familie. Jeder hat seine Begabung, die er einbringen kann.
 Auch wer krank und schwach ist, kann die Gemeinde noch mit seinem Gebet
 unterstützen. Gott benötigt für seine Sache einen jeden von uns.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns alle mit Gaben ausgestattet hast. Laß sie
 uns einbringen in unsere Gemeinde und segne sie, daß wir zu einer
 Gemeinschaft zusammenwachsen, in der keiner übersehen wird. Amen.@{ub}


@{i}                     Apostelgeschichte 6,1-7@{ui}
@{b}                        Gemeindediakonie@{ub}

 In der Gemeinde in Jerusalem ist es zu Spannungen zwischen den hebräischen
 und den griechischen Juden gekommen. Die einen, hebräisch sprechend. schon
 immer in Jerusalem ansässig, aufs engste verbunden mit dem Tempel und fest
 verwurzelt in der Vätertradition des Alten Testaments, verstehen sich mit
 den zwölf Aposteln als eigentlicher Kern der Gemeinde. Die anderen sind
 Zugewanderte aus den jüdischen Kolonien des Römischen Reiches. Sie sprechen
 griechisch und leben nicht in der ungebrochenen Tradition des
 Tempeldienstes. Sie fühlen sich von den hebräischen Juden zurückgesetzt und
 benachteiligt bei der Zuteilung der Liebesgaben.
 Unzufriedenes Murren geht in der Gemeinde um. Dazu können die Apostel nicht
 schweigen. Wie sie dabei verfahren, zeugt von Weisheit und besonderem
 Geschick zur Menschenführung. Ohne auf die Spannungen einzugehen, machen
 sie in der Gemeindeversammlung den Vorschlag, sieben Männer mit gutem
 Leumund und entsprechenden Gaben auszuwählen, die sich um die
 wirtschaftlichen Dinge kümmern sollen. Dabei lassen sie auch erkennen, daß
 solche Arbeitsteilung auch ihrem eigenen Dienst der Lehre und der
 Verkündigung zugute kommt. Die griechischen Namen der Erwählten lassen
 darauf schließen, daß sie vornehmlich aus dem Kreise derer kommen, die sich
 beschwert fühlen. Damit ist dem Unwillen in der Gemeinde der Grund
 entzogen, eine Spaltung verhindert und der Überforderung der Apostel ein
 Ende gemacht. Unter Gebet und Handauflegung werden die Sieben zu ihrem
 Dienst ordiniert.@{b}

 Herr, wir klagen darüber, daß es auch unter Christen so viel
 Unzufriedenheit und Neid gibt, und daß so viel Notwendiges nicht getan
 wird. Laß uns nicht darauf warten, daß andere es tun. Überwinde alles
 Trennende und hilf uns einander besser zu verstehen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 6b" "Apostel 6,8-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 6,8-15@{ui}
@{b}                          Stephanus@{ub}

 Sieben Männer waren zu praktisch-diakonischem Dienst in der Gemeinde
 berufen und ordiniert worden. Wie sie diesem Auftrag nachgekommen sind,
 darüber berichtet uns die Apostelgeschichte nichts. Nur zwei von ihnen
 begegnen uns im weiteren Verlauf der Ereignisse: Philippus und Stephanus.
 Philippus zieht missionierend durch das Land. Stephanus bleibt in
 Jerusalem. Hier haben die aus allen teilen des Römischen Reiches stammenden
 griechischen Juden ihre eigenen Synagogen, in denen sie ihre aus der
 Diaspora mitgebrachten Traditionen pflegen. Hier ist Stephanus zu finden,
 als ein Mann "voll Gnade und Kraft" das Evangelium von Jesus Christus
 verkündigend. Natürlich kommt es dabei auch zu Auseinandersetzungen und
 Streitgesprächen. Man sieht sich der Weisheit und Überzeugungskraft des
 Stephanus nicht gewachsen, will sich aber auch seinen Argumenten nicht
 beugen. Wo geistige Waffen versagen, greift man gern zu List und Gewalt. Es
 gelingt seinen Widersachern, vor dem Hohen Rat Anklage wegen
 Gotteslästerung zu erheben. Falsche Zeugen treten auf, so lesen wir. Damit
 ist nicht gemeint, daß sie unrichtige Aussagen machen. Sie geben durchaus
 zutreffend wieder, was Stephanus gesagt hat. Mit seinem Zeugnis von Jesus,
 dem Gekreuzigten und Auferstandenen, hat er sich natürlich gegen den Tempel
 mit seinem Opferdienst und gegen das Gesetz ausgesprochen. Nur, daß er
 damit in Wahrheit eben nicht Gott gelästert, sondern im Gegenteil den
 wirklichen Heilswillen Gottes verkündigt hat.@{b}

 Herr, wir danken dir für die Gaben, die du einem jeden von uns gegeben
 hast. Bewahre uns vor falschem Stolz im Erfolg und laß uns nicht aufgeben
 und verzagen, wenn wir auf Ablehnung und Unverständnis stoßen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 7a" "Apostel 7,1-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 7,1-17@{ui}
@{b}                     Vor dem Hohen Rat@{ub}

 Die Szene erinnert an Jesu Begegnung mit dem Hohen Rat. Da waren auch
 falsche Zeugen, die aufgetreten sind, um eine endgültige Handhabe zur
 Verurteilung Jesu zu liefern. Eigentlich wiederholt sich sogar diese
 Begegnung aus dem Passionsgeschehen in der Begegnung des Stephanus mit dem
 Hohen Rat. Denn Stephanus, einer der gewählten ersten Diakone, tritt als
 Zeuge Jesu auf. Er verkündet Gottes Wort, die Erfüllung aller Verheißungen
 in Jesus Christus.
 Aus ihm spricht Jesus. Das macht Stephanus so anders. Hier ist kein
 Angeklagter, der Schuld eingestehen müßte, der Gotteslästerung getrieben
 hätte. Nein, im Gegenteil. Stephanus steht vor dem Hohen Rat als ein vom
 Geist Gottes Getriebener: furchtlos, frei, offen. Darum kann er auch nicht
 einfach mit einem Ja oder einem Nein die Frage des Hohenpriesters
 beantworten. Beides würde das nicht treffen, worum es wirklich geht. Denn
 "Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern
 geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns
 geredet."
 So faßt der Anfang des Hebräerbriefes die Gedanken dieser Rede auf seine
 Weise zusammen. Es ist eine Geschichte der Ablehnung Gottes. Der Hohe Rat
 bekommt noch einmal die Möglichkeit: Jesu Bote, Stephanus verkündet ihm
 Gottes Willen und ruft zum Ziel aller Verheißungen - zu Christus. Er
 erinnert die Versammelten an die Geschichte der Väter des Glaubens, von
 Abraham bis Joseph, an die zielvolle Führung Gottes.
 Wir wissen, daß der Hohe Rat das nicht hören wollte. Wir aber dürfen aufs
 neue dankbar erkennen, wie der Gott der Herrlichkeit von damals an bis
 heute hilfreich wirkt.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir, daß wir zu dir gehören dürfen und daß wir
 deine stärkende Hilfe täglich neu erfahren. Hilf uns, es denen
 weiterzusagen, die dich noch nicht erkannt haben. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 7b" "Apostel 7,17-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 7,17-29@{ui}
@{b}                   Blick zurück von Christus her@{ub}

 Was Stephanus hier predigt, ist den Mitgliedern des Hohen Rates nicht
 unbekannt. Auch sie kennen sich in der Geschichte ihres Volkes genau aus.
 Bei den Passahfeiern zum Beispiel sehen sie dankbar darauf zurück.
 Aber da ist ein Unterschied: Stephanus sieht von Christus her auf Gottes
 Wirken. Für ihn ist die Geschichte Gottes mit seinem Volk zielvoll auf
 Christus hin gerichtet. Das sollte schon an den Erzvätern verdeutlicht und
 soll nun an der Gestalt des Mose einsichtig gemacht werden. Stephanus
 benutzt die Gestalten der Vergangenheit wie erklärende Bilder eines Buches.
 So zeigt er nun am Bild des jungen Mose noch einmal, daß das Volk Israel
 für Gottes Wege blind ist. Mose meinte, sein leidendes Volk in Ägypten
 müßte eigentlich verstehen, daß Gott ihm durch seine Hand Rettung bringen
 will. Aber sie verstehen es nicht. Sie stoßen ihn zurück. Doch wenn Gott
 etwas vorhat, können es Menschen nicht hindern. Selbst das Verhalten des
 Mose kann Gottes guten Willen für seinem Volk nicht ändern. Auch die
 Ablehnung des Mose durch die anderen hält Gottes Weg nicht auf. Gottes
 Entschluß ist unumstößlich.
 Mose ist die eine Etappe auf dem Weg, der schließlich in Christus vollendet
 wird. Stephanus erlebt beim Hohen Rat, was Christus in seinem "Bilderbuch",
 in seiner Predigt vom reichen Mann und armen Lazarus abschließend Vater
 Abraham sagen läßt: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie
 sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.
@{b}
 Himmlischer Vater, du hast uns viele Zeugen des Glaubens gegeben, auch
 Stephanus, Petrus und Paulus. Verleihe uns, daß wir ihnen in der Treue zu
 dir und im Eifer zum Bekenntnis folgen durch Jesus Christus. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 7c" "Apostel 7,30-45"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 7,30-45@{ui}
@{b}                     Israels Zwiespältigkeit@{ub}

 Noch einmal wird es deutlich: es geht nicht darum, lediglich Geschichte zu
 kennen und zu erzählen. Es geht um die Einsicht in die Geschichte. So
 unterscheidet sich die Geschichtsbetrachtung des Stephanus ganz stark von
 der "Haggada", von der aufzählenden Geschichte der Rettung Israels beim
 Passahmahl. Erst zurückhaltend, dann aber immer stärker gibt Stephanus
 seinem Rückblick in Israels Vergangenheit ganz bestimmte Akzente. es geht
 ihm jetzt besonders darum, das zwiespältige Verhalten des Volkes
 aufzudecken. da gibt es Gehorsam auch im Leiden und in der Not, aber da ist
 auch zugleich Unglaube und Untreue. Kaum läßt Mose das Volk eine Weile
 allein, bilden sie sich einen eigenen Gott und beten fremde Götter an. Es
 konnte ja gar nicht anders kommen, als es später dann auch mahnend und
 strafend geschah.
 Diese Rede ist ein Stück christlicher Schriftauslegung. Es gehört schon Mut
 dazu, dieses alles dem Hohen Rat vorzutragen. Immerhin steht Stephanus vor
 dem Gremium, das über ihn, über seinen Tod oder sein Leben entscheidet.
 Aber das hält ihn nicht ab.
 Lukas schildert uns damit, wie Stephanus seine Richter anklagt. Er sieht
 tiefer als sie: Es geht um Tod und Leben vor Gott. Seine Rede ist nicht ein
 letzter Verzweiflungsakt einer Rechtfertigung, sondern ein mahnend ernster
 Ruf zur Annahme des erlösenden und frohmachenden Heils. Gott hat es uns
 allen in Jesus Christus bereitet.
 Nicht nur bei den Männern des Hohen Rates, nicht nur in Israel, auch in
 unserem Leben geht es oft zwiespältig zu. Glaube im Gottesdienst und Glaube
 im Alltag, gehen sie nicht vielfach auseinander? Wir haben Grund, Stephanus
 zu hören.@{b}

 Himmlischer Vater! Wir vergessen oft deine hilfreiche Güte und Führung.
 Vergib unseren Kleinglauben, der uns auf falsche Wege bringt. Hilf uns
 durch dein Wort zurück zu dir und Jesus Christus, deinen Sohn. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 7d" "Apostel 7,44-53"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Apostelgeschichte 7,44-53@{ui}
@{b}                      Erkennen wir ihn?@{ub}

 Die Rede von Stephanus hat ihren Höhepunkt erreicht. Von der weiten
 Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein hat er schonungslos die Irrwege
 Israels aufgezeigt. Er will den Weg zur Umkehr vorbereiten. Israel hat
 gemeint, den allmächtigen Gott, den Schöpfer aller Dinge, im Tempel, einem
 menschlichen Bauwerk, verfügbar zu haben. Es hat immer wieder dem Heiligen
 Geist widerstrebt. Es hat Propheten verfolgt. Jetzt sieht Stephanus den
 Hohen Rat, die Repräsentanten Israels, als Verräter und Mörder des
 Gerechten vor sich und greift ihn hart an. Zwar fällt der Name Jesu nicht,
 und doch geht eine Linie durch die ganze Geschichte Israels hin zu dem
 einen, der alleine der ist, nach dem sich Israel schon immer sehnt: der
 gerechte. Er hat das Gesetz erfüllt. Israel hatte es bekommen, aber nicht
 gehalten. Wer kann es schon halten? Jesus hat es getan. In Ihm ist das
 Gesetz erfüllt. Es ist alles neu geworden. Da liegt die große Chance für
 alle. Jesus vergab selbst denen, die ihn handgreiflich ans Kreuz schlugen;
 Jesus legte seinen Jüngern das Gebot der ständigen Vergebungsbereitschaft
 ans Herz; Jesus hat in vielen Bildern und Beispielen gezeigt, was Vergebung
 ist: Jesus ist nun auch bereit, denen zu vergeben, die hier dem Stephanus
 zuhören. Welch eine Chance ist das auch für uns, denn auch wir brauchen
 seine erlösende Hilfe. Anders kommen wir nicht aus den Irrtümern und
 Irrwegen unseres Lebens heraus. Gott kommt in Jesus den Zöllnern und
 Sündern entgegen. Er ist durch Stephanus dem Hohen Rate nahe. Sie haben es
 nicht erkannt. Durch Jesus ist uns Gott ganz nah.@{b}

 Allmächtiger Gott! Du bist uns in deinem Sohn entgegengekommen, aber wir
 haben ihn auch oft nicht erkannt. Öffne unsre Augen und Herzen für ihn.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 7e" "Apostel 7,54-8,3"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 7,54-8,3@{ui}
@{b}                     Tod des Stephanus@{ub}

 Es war im Gottesdienst einer Gemeinde schwarzer Christen. Die Stimme des
 Predigers wird auf einmal lauter, sein Sprechen immer schneller.
 Schließlich geht sein Sprechen in ein Singen über. Mit erhobenen Händen
 schaut er verzückt nach oben und bewegt seinen Körper, als wolle er zum
 Himmel entschweben.
 Damit läßt es sich vergleichen, wenn wir lesen, daß Stephanus den Himmel
 offen sah. Laut verkündigt er es den Männern des Hohen Rates. "Ich sehe den
 Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!"
 Ähnliches kommt auch in den übersprudelnden lebhaften Predigten
 schwarzamerikanischer Prediger vor. Da stimmen im Gottesdienst die Männer
 und Frauen, die Jungen und Alten, immer stärker laut und jubelnd in den
 Gesang ihres Predigers ein. Der ganze Raum ist vom Lobe Gottes erfüllt.

    Auch beim Hohen Rat geht es laut zu, aber aus ganz anderen Gründen. Die
 gesetzten Männer schreien und halten sich die Ohren zu. Für sie ist das,
 was Stephanus ausspricht, eine Gotteslästerung. nach dem Gesetz darf man
 sie nicht anhören und muß sie verhindern. Außerdem muß sie mit der
 Todesstrafe belegt werden. Und die wird dann auch gleich vollzogen. So
 blind sind sie.
 Wieder einmal wurde in der Geschichte dieses Volkes ein Bote Gottes nicht
 erkannt. Aber mitten unter denen, die Stephanus töten und die Gemeinde
 verfolgen, ist einer, der eines Tages selbst erleben wird, daß der Himmel
 offensteht und Jesus Christus zu ihm spricht. Noch meint Saulus durch Töten
 Jesus zu vernichten. Bald wird er als Paulus das Heil in Christus
 verkünden.@{b}

 Herr Jesus Christus! Du hast uns in deine Gemeinde gerufen und uns ein
 neues Leben geschenkt. Hilf uns, daß wir auch andere davon etwas spüren
 lassen, damit sie mit uns gemeinsam dich loben und preisen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 8a" "Apostel 8,8,4-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 8,4-25@{ui}
@{b}                     Geistesgegenwart@{ub}

 Für in Not geratene Menschen ist es eine willkommene Erleichterung, wenn
 einer geistesgegenwärtig das Richtige tut. Dann gehen sie nicht unter. Sie
 finden einen Ausweg. Ihr Geist wird frei vom Druck der Angst und beginnt,
 wieder sinnvoll zu arbeiten.
 Die christliche Gemeinde erlebt diese Erleichterung in der Gegenwart des
 Heiligen Geistes. In Jerusalem hatte sie eine große Verfolgung betroffen.
 Männer und Frauen waren verhaftet worden. Andere waren geflüchtet. Sie
 hatten sich in verschiedene Richtungen zerstreut. Diese notvolle Situation
 wurde auf eine erstaunliche Weise gemeistert. Sie "predigten das Wort". Sie
 nahmen nicht nur ihr Schicksal aus Gottes Hand, sondern sie wußten sich
 jeder an einen neuen Platz zur Verkündigung gerufen. Geistesgegenwärtig
 nutzten sie diese Gelegenheit. Und der Geist wirkte weiter. Freude ergriff
 die Herzen. Sogar Simon, ein Zauberer, wurde gewonnen. Er ließ sich taufen.
 Den Aposteln in Jerusalem war der Neuaufbruch berichtet worden. Als ihre
 Abgesandten erschienen Petrus und Johannes. Sie bestätigten den Glauben
 durch Handauflegung, ein Zeichen der Übermittlung Heiligen Geistes.
 Auch Simon wollte dies können. Er erhoffte sich Erweiterung seiner
 Wirkungsmöglichkeiten. Alte Gewohnheiten folgend bot er den Aposteln dafür
 Geld an. Sie lehnten es ab.
 Gottes Geist ist nicht für Geld zu haben. Er ist Gottes freies Geschenk.
 Freilich braucht die Gemeinde dringend die heilsame Gegenwart des Geistes
 Gottes. Daher darf sie um ihn bitten und tut es unablässig: Komm, Heiliger
 Geist!@{b}

 Herr, unser Gott! Wir danken dir, daß du deiner Gemeinde den Beistand
 deines guten Geistes versprochen hast. Wir bitten dich: Hilf uns durch
 deinen Geist, Glaube und Liebe und Hoffnung zu bewahren, dir zur Ehre und
 dem Nächsten zum Segen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 8b" "Apostel 8,26-38"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 8,26-38@{ui}
@{b}                  Niemand soll draußen bleiben@{ub}

 Diese ist nicht nur eine buntfarbene und anschaulich dargebotene Erzählung,
 sie ist zugleich ein sehr "theologischer Text", Einerseits fördert sie aus
 uns Bilder hervor, die orientalisch gefärbt sind: Wüste, Königin,
 Schatzkammer - fast eine Märchenbilderwelt. Die Nennung bestimmter Orts-
 und Landschaftsnamen erinnert uns andererseits an mancherlei Nachrichten
 aus der Tagespresse: Jerusalem, Gazastreifen, Äthiopien. Schon so wird ein
 aktueller Bezug zur Gegenwart geschaffen.
 Das alles macht uns neugierig, und wir lesen die Erzählung nochmals. Dabei
 entdecken wir, daß sie uns sagt. Von Anfang an ist allen Völkern die
 Botschaft des Evangeliums zugedacht, und kein Mensch, auch kein
 eigenartiger oder ungewohnter, soll ausgeschlossen sein. Damit enthält
 diese Geschichte eine wesentliche Antwort auf die Frage, was wir als
 Christen in einer Zeit tun können, in der die Botschaft der Schrift von
 vielen kaum oder gar nicht gehört oder gelesen wird. Wir selbst leben
 davon, daß das Wort Gottes für unser Leben ganz wesentliche Antworten gibt.
 Wenn aber religiöse Überzeugungen und "Ansichten" nicht weitergesagt werden
 müssen sie verlorengehen.
 Selbst in bewußt christlichen Familien überläßt man es weiterhin den
 Katecheten und Pastoren, für die Vermittlung biblischer Geschichten an die
 eigenen Kindern zu sorgen. Wo man so denkt, schiebt man die kirchlichen
 Mitarbeiter in die Rolle dessen, der als einziger in der Woche von Gott
 erzählt. Er "muß es ja tun"; es ist sein Beruf. Er repräsentiert die
 Kirche. Was können wir selbst tun, um niemand draußen zu lassen?
 Hier nun hören wir aus dieser Geschichte, daß das Gespräch über den Glauben
 seine große Bedeutung hat und behalten wird, gerade, wo es fast beiläufig
 geführt wird, irgendwo auf dem Weg zwischen unseren Häusern, mit wem auch
 immer.
 Im heutigen Bibeltext spricht einer aus, daß er die Bibel noch nicht
 versteht. Er beginnt zu lesen, hier ist es Jesaja 53. da gibt ein anderer
 eine von ihm begriffene Botschaft wieder und wagt auch zu fragen: hast du
 verstanden? Haben wir den Mut zu einem Stück Wegbegleitung im Augenblick,
 in dem wir gefordert sind? Wir wissen, daß wir irgendwo den einzelnen sehen
 werden, mit dem wir zu sprechen haben, um gemeinsam Gott zu erkennen.@{b}

 Herr unser Gott, wenn wir in mancherlei Versuchung geraten, dich zu
 vergessen, dich nicht ernst zu nehmen in deinem Wort, dann sammle unsere
 Gedanken auf dein Wort und führe uns im Gespräch zusammen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 8c" "Apostel 8,26-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 8,26-40@{ui}
@{b}                       Glückliche Reise@{ub}

 Lukas erzählt von einer Ministerreise. Mit gutem Recht kann man den Mann
 aus Äthiopien den Finanzminister jenes Landes nennen. Er ist freilich nicht
 als Minister unterwegs, sondern als Privatmann. Er hat den Tempel in
 Jerusalem als Heide besucht, um anzubeten. Dabei erfahren wir nicht, durch
 wen oder auf welche Weise er von dem Gott Israels gehört hat. Nun ist er
 auf der Heimreise. Wie wir gern von Reisen etwas mitbringen, hat auch er in
 Jerusalem etwas mitgenommen, eine Buchrolle mit der Botschaft des Propheten
 Jesaja. Dafür hat er sicher sehr viel Geld ausgeben müssen; aber die Sache
 war es ihm wert. Diese Rolle liest er unterwegs. Nach dem Brauch der
 damaligen Zeit liest er laut. Philippus kann die gelesenen Worte hören und
 fragt: "Verstehst du auch, was du liest?" Dem reisenden kommt diese
 Begegnung offenbar ganz recht. Er gibt offen zu: "Wie kann ich, wenn mich
 nicht jemand anleitet?" Er bittet Philippus, aufzusteigen, sich zu ihm zu
 setzen und ihm das Gelesene zu erklären. Philippus nutzt die Chance und
 erzählt von Jesus als dem gottgesandten Erfüller der prophetischen
 Voraussage. So gewinnt er das Herz des Äthiopiers für Jesus. Der läßt sich
 schließlich von Philippus taufen und damit eingliedern in die Gemeinde
 Jesu. Daß Philippus verschwindet, stört ihn nicht. Er weiß sich mit Jesus
 verbunden, und das macht seine reise für ihn zu einer glücklichen Reise.
 Wer sich mit Jesus verbunden weiß, der zieht seine Straße fröhlich. Er hat
 einen treuen Reisegefährten auf glatten und holprigen Straßen, an hellen
 und dunklen Tagen, im Leben und im Sterben. Wer sich ihm auf seinem
 Lebensweg anvertraut, darf gewiß sein, daß er zum guten Ziel kommt.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Du hast uns in der Taufe mit dir verbunden.
 Dafür danken wir dir. Wir bitten dich: Laß uns das niemals vergessen,
 sondern aus dieser Bindung stets neue Kraft für unseren Weg gewinnen. Amen.
 @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 9a" "Apostel 9,1-9"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 9,1-9@{ui}
@{b}                      Bis hierher@{ub}

 Jeder setzt sich im Leben seine Ziele und versucht, sie mit mehr oder
 weniger Beharrlichkeit zu erreichen. Oft haben wir dabei mit
 Schwierigkeiten zu kämpfen, aber die wenigsten lassen sich sogleich
 entmutigen. Wir rufen uns selber zu: "Schwierigkeiten sind dazu da,
 überwunden zu werden." Zuweilen aber kommen wir an eine Grenze, die wir
 nicht mehr überschreiten können. Nichts läuft mehr. Es ist, als riefe uns
 eine höhere Gewalt zu: "Bis hierher und nicht weiter!"
 So ist es dem Pharisäer Saulus, dem späteren Apostel Paulus, ergangen. Voll
 Eifer trat er für den Glauben der Väter ein. Den Pharisäern, den strengsten
 und damit überzeugendsten Wächtern für die Reinheit des Glaubens, hatte er
 sich angeschlossen. Jesus von Nazareth war für diese Leute ein Irrlehrer.
 Sie taten alles in ihrer Macht Stehende, um das Feuer dieser Irrlehre
 auszulöschen. Das erste Blutopfer hatte dieser Eifer schon gefordert.
 Stephanus war gesteinigt worden. Im Zusammenhang damit taucht zum erstenmal
 in der Apostelgeschichte der Name Saulus auf. Die Hinrichtungszeugen hatten
 ihre Kleider zu seinen Füßen niedergelegt, und ausdrücklich wird vermerkt:
 "Saulus hatte Wohlgefallen an seinem Tode." Dieser Eifer läßt ihn nach
 Damaskus ziehen. Auch hier will er aufräumen. Aber Christus tritt ihm
 selber entgegen. Christus bewahrt seine Gemeinde nicht vor Widerspruch und
 Widerstand, aber wenn er seine Stunde gekommen sieht, dann läßt er auch
 seine Gegner erfahren: Bis hierher kommen wir und nicht weiter.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Du hast damals Paulus beim Verfolgen deiner
 Gemeinde Einhalt geboten. Laß deine Gemeinde immer erfahren, daß du der
 Herr aller Herren, der König aller Könige bist. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 9b" "Apostel 9,10-19a"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 9,10-19a@{ui}
@{b}                    Beschämende Überraschung@{ub}

 Unser Urteil über einen Menschen führt leicht zum Verurteilen, wenn wir
 nicht damit rechnen, daß er sich ändern kann. Wir sind manchmal fertig mit
 einem, und doch kann es Überraschungen geben.
 Hananias in Damaskus hat eine solche Überraschung erlebt. Er hatte sein
 Urteil über Saulus von Tarsus: Das ist ein Verfolger der christlichen
 Gemeinde.
 Die Apostelgeschichte hat es leicht, Paulus so darzustellen. er hat sich ja
 in seinen eigenen Briefen an viele Gemeinden selbst dieser Vergehen
 bezichtigt. Nie hat er geleugnet, Gemeinden verfolgt zu haben. Hananias
 fürchtet sich vor dem Auftrag, den Jesus ihm wegen Paulus gibt. Wie konnte
 Christus ihn, den wehrlosen Christen, zu diesem Christushasser, also
 gleichsam in die Höhle des Löwen zu schicken? Aber der Herr blieb bei
 seinem Auftrag, uns Hananias ging.
 Es gehört zur Eigenart des Buches Apostelgeschichte, daß es das
 unaufhörliche Vordringen des Evangeliums schildert oder wenigstens
 andeutet. darum wird auch hier wie in einem Programm vorgeführt, wie
 brauchbar Jesus den ehemaligen Verfolger findet. Hananias muß es
 aussprechen: "Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir
 auf dem Wege hierher erschienen ist, daß du wieder sehend und mit dem
 Heiligen Geist erfüllt werdest." Saulus fiel es wie Schuppen von den Augen,
 äußerlich und innerlich, und er ließ sich taufen.
 Solche Überraschungen gibt es durch Jesus Christus auch heute noch. Er
 vermag seine kleingläubige Gemeinde zu beschämen und ihr überzeugende
 Mitarbeiter zu gewinnen, von denen wir das sicher nicht geglaubt hätten.
 @{b}
 Lieber Herr Jesus Christus! Du hast den Kleinglauben deiner Jünger oft
 beschämt. Laß auch uns erfahren, daß du größere Möglichkeiten hast, als wir
 kleingläubigen Menschenkinder für möglich halten. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 9c" "Apostel 9,19b-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 9,19b-31@{ui}
@{b}                       Im Kreuzfeuer@{ub}

 Soldaten können im Kriege zwischen die Fronten geraten. Das ist eine
 tödliche Situation, denn man bekommt Feuer von beiden Seiten. Wie soll man
 sich schützen?
 Im Leben kann einem ähnliches passieren. Man gerät in Widerspruch zu
 bisherigen Freunden. Die alten Gegner geben ihre Gegnerschaft aber nicht
 automatisch auf. Wo liegt der Ausweg aus solcher Bedrängnis?
 Saulus erlebte das gleiche nach seiner Bekehrung. Er hält mit dem
 gewonnenen Christusglauben nicht hinter dem Berge. Er bezeugt ihn in den
 jüdischen Gotteshäusern, den Synagogen.
 Die Juden sind überrascht, denn sie haben von Saulus als von einem
 Christusfeind gehört. Nun zeigt er sich als Christuszeuge. Das weckt ihren
 Widerspruch, ihren Widerstand, und sie beschließen seinen Tod. Saulus muß
 fliehen. Im Korb wird er von der Stadtmauer heruntergelassen. Er kommt nach
 Jerusalem, und hier bekommt er Feuer von der anderen Seite. Die Christen
 glauben ihm zunächst nicht, daß aus einem Christenverfolger ein
 Christusprediger geworden ist. Sie begegnen ihm mit Mißtrauen. Saulus aber
 bekommt einen Anwalt. Barnabas tritt für ihn ein. Ihm vertraut die
 Gemeinde, und von nun an kann Saulus ungehindert bei den Christen aus- und
 eingehen. Erleichtert setzt er sich nun auch in Jerusalem für Christus ein.
 Das weckt den Zorn der Jerusalemer Christusfeinde. Auch sie beschließen
 seinen Tod. Nun ist aber aus dem Mißtrauen der Christen Solidarität
 geworden. Sie ziehen ihn aus der Gefahr und bringen ihn nach Cäsarea.
 Das klare Bekenntnis zu Christus schließt Christen zusammen und hilft
 ihnen, Gefahren zu bewältigen.@{b}

 Herr Jesus Christus! Du hast uns verheißen: Wer mich vor den Menschen
 bekennt, den will ich vor meinem himmlischen Vater bekennen. So bitten wir
 dich: Hilf uns zu einem klaren Bekenntnis zu dir in unserer Zeit! Amen.
 @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 9d" "Apostel 9,32-43"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 9,32-43@{ui}
@{b}                      Signale der Liebe@{ub}

 Wenn ein Kranker wieder gesund wird, ist Anlaß zur Freude. Sind Ärzte und
 Schwestern an der Heilung beteiligt, dann ist man ihnen dankbar. Mit den
 Instrumenten und Medikamenten der modernen Medizin sind erstaunliche
 Heilungen möglich. Bei manchen Kranken versagt freilich die Kunst des
 Arztes. Gemeint sind hier nicht die unheilbar Kranken, sondern die, die
 keinen Mut und keinen Willen zum Leben mehr haben. An ihnen wird deutlich:
 Heilung  ist nicht nur ein körperlicher Vorgang. Auch die Seele ist
 beteiligt. Ja, bei manchen Kranken ist die seelische Gesundung die
 Hauptsache. Alles weitere stellt sich von selbst ein. Petrus findet in
 Lydda solch einen Mann mit Namen Äneas. Er sagt ihm auf den Kopf zu:
 "Äneas, Jesus Christus macht dich gesund; steh auf und mach dir selber das
 Bett." Äneas nimmt diesen Befehl ernst und kann ihn erfüllen.
 Der Name Jesus Christus überwindet die Kraft der Lähmung. Für die
 Augenzeugen dieser Heilung ist sie ein Siegel der Liebe Gottes in Jesus
 Christus. Sie wenden sich ihm zu.
 Ähnliches ereignet sich in Joppe. Eine beliebte Frau mit Namen Tabita ist
 nicht nur krank, nicht nur sterbenskrank, nein, schon gestorben. So ist es
 dem Berichterstatter geschildert worden. Man hatte die Frau jedenfalls
 aufgegeben und die damals üblichen Klageweiber bestellt. Petrus aber gibt
 die Frau noch nicht auf. Er kniet nieder zum Gebet, und in der Kraft des
 Gebets wagt er den Befehl: "Tabita, steh auf!" Und der Befehl wird
 Wirklichkeit. Tabita wird den Ihren lebendig wiedergegeben. Dem Gebet des
 Jüngers folgt ein Signal der Liebe Gottes. Antwort finden Gebete allemal.
 @{b}
 Herr Jesus Christus! Du hast uns geboten: Bittet, so wird euch gegeben;
 suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. So hilf
 uns, daß wir nicht müde werden in der Fürbitte für alle, die uns befohlen
 sind. Amen.

                    Jesus lebt, mit ihm auch ich@{ub}        Gedicht
                    Jesus lebt, mit ihm auch ich!
                    Tod, wo sind nun deine Schrecken?
                    Er, er lebt und wird auch mich
                    von den Toten auferwecken.
                    Er verklärt mich in sein Licht;
                    dies ist meine Zuversicht.

                    Jesus lebt! Wer nun verzagt,
                    lästert ihn und Gottes Ehre.
                    Gnade hat er zugesagt,
                    daß der Sünder sich bekehre.
                    Gott verstößt in Christo nicht;
                    dies ist meine Zuversicht.
                 @{i} Christian Fürchtegott Gellert@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 10a" "Apostel 10,1-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 10,1-20@{ui}
@{b}                       Gottes Wille@{ub}

 Was hier im zehnten Kapitel der Apostelgeschichte geschildert wird, ist für
 die christliche Gemeinde von großer Bedeutung. Kornelius, ein Römer, wird
 in den Kreis der christlichen Gemeinde aufgenommen. So etwas war bisher
 noch nicht dagewesen. Kornelius ist Hauptmann in Cäsarea. Von ihm wird
 berichtet: Er ist ein Mann, der viel Gutes tut, gottesfürchtig ist und
 betet. Auf der Suche nach Gott hat er eines Tages eine Vision. Durch alle
 Verhüllungen hindurch redet Gott selbst und zeigt Kornelius den Weg, den er
 beschreiten soll. Dieser Weg führt ihn zu Petrus, dem Apostel des Herrn. Er
 soll dem Kornelius durch die Botschaft von Christus helfen.
 Für Petrus ist das keine leichte Aufgabe. Denn die strenggläubigen Juden
 glaubten, Gott habe für die Heiden nichts übrig. So steht zwischen
 Kornelius und Petrus das jüdische Gesetz. Einer darf des anderen Haus nicht
 betreten. Durch eine Vision erfährt Petrus Gottes Willen. Zunächst ist
 Petrus entsetzt, doch kann er die Weisung weder mißverstehen noch ihr
 ausweichen. Gott handelt und bereitet ihn so auf die Besucher vor, die zu
 ihm kommen. Petrus muß lernen, alte überholte Gewohnheiten zu überwinden.
 Denn Gott will, daß allen Menschen geholfen wird. So wird Petrus sein
 Werkzeug an dem Heiden Kornelius.
 Gottes Willen zu begreifen, stößt bei uns auch heute immer wieder auf
 Unverständnis und Ablehnung. Wir müssen wie Petrus lernen, überholte
 Gewohnheiten zu überwinden. Wenn wir in unserer Kirche offen und beweglich
 werden für unsere Mitmenschen. kommt Gottes Wille zum Ziele.@{b}

 Herr, unser Gott, du willst allen Menschen begegnen. So bitten wir dich,
 laß uns deine Boten sein. Hilf uns, deinen Willen zu erkennen und
 weiterzusagen, und mache uns bereit, Boten deiner Liebe zu sein. Amen.

                      Ach Gott, verlaß mich nicht@{ub}    Gedicht
           Ach Gott, verlaß mich nicht! Gib mir die Gnadenhände;
           ach führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf vollende
           zu meiner Seligkeit. Sei du mein Lebenslicht,
           mein Stab, mein Hort, mein Schutz; ach Gott, verlaß mich nicht!

           Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wallen;
           ach laß mich nimmermehr in Sünd und Schande fallen.
           Gib mir den guten Geist, gib Glaubenszuversicht,
           sei meine Stärk und Kraft; ach Gott, verlaß mich nicht!

           Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf aus Herzengrunde:
           Ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde.
           Wenn mich Versuchung plagt und meine Seel anficht,
           so weiche nicht von mir; ach Gott, verlaß mich nicht!
           @{i}              Salomo Franck@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 10b" "Apostel 10,21-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Apostelgeschichte 10,21-33@{ui}
@{b}                    Etwas Neues geschieht@{ub}

 Was in unserem Textabschnitt geschieht, war für die strenggläubigen Juden
 unbegreiflich. Wir erinnern uns noch einmal an die jüdische Einstellung
 gegenüber den Heiden. Jede Berührung mit den Heiden oder sogar mit Juden,
 die sich nicht an das Gesetz halten, war für einen strenggläubigen Juden
 damals untersagt.
 Nun geschieht etwas Neues. Ein neuer Tag bricht an für die junge
 christliche Gemeinde. Petrus fordert die Boten des Kornelius zum Eintreten
 auf und gewährt ihnen Gastfreundschaft. Petrus geht dann selbst in das Haus
 des Heiden Kornelius in Cäsarea.
 Kornelius empfängt Petrus wie einen Gott, fällt zu seinen Füßen nieder und
 betet ihn an. Petrus aber richtet ihn auf und sagt: "Ich bin auch nur ein
 Mensch."
 Petrus ist sich dessen bewußt, was er tut, als er in das Haus des Heiden
 Kornelius geht. Er gehorcht dem Willen Gottes. Gott selbst ist am Werk. Für
 ihn gibt es keinen Unterschied zwischen Heiden und Juden. Von seiner
 Barmherzigkeit und Liebe ist keiner ausgeschlossen. Er ist nicht nur der
 Gott der Juden, sondern Gott aller Völker. Vorurteile sind durchbrochen.
 Etwas Neues ist geschehen. Der erste Schritt ist getan. Nicht ein bißchen
 Menschlichkeit zwischen Juden und Heiden wird praktiziert, sondern etwas
 ganz Neues: Die Liebe Gottes verbindet Menschen zu einer fruchtbaren
 Gemeinschaft. Christen sind zu allen Zeiten aufgerufen, Hindernisse
 wegzuräumen und Vorurteile abzubauen, die uns von anderen trennen. Jeder
 kann in seinem Lebensbereich Nachfolger Christi sein.@{b}

 Herr Gott, himmlischer Vater, von deiner Liebe und Barmherzigkeit ist
 keiner ausgeschlossen. Dafür danken wir dir und bitten dich, laß diese
 Liebe unter uns wirksam werden in Jesus Christus, deinem Sohn. Amen. @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 10c" "Apostel 10,21-35"
@TOC "MAIN"
@{i}                 Apostelgeschichte 10,21-35@{ui}
@{b}                    Gott ist für alle da@{ub}

 Daß es unter Menschen nur gerecht zugeht, wenn das Recht nicht bestimmten
 Menschen zuliebe unterschiedlich angewendet wird, ist ein allgemein
 verbreiteter Grundsatz. Es besteht Gleichheit vor dem Gesetz ohne Ansehen
 der Person. Behandeln Ärzte ihre Patienten ohne Ansehen der Person, sind
 sie geschätzt. Auch von Lehrern wird das im Umgang von mit ihren Schülern
 erwartet.
 Daß diese Ansicht mit einem biblischen Grundsatz zusammenhängt, ist weniger
 bekannt. Gott sieht die Person nicht an, wenn Menschen zu ihm kommen
 sollen. Der Hauptmann Cornelius wurde von den Menschen im Lande Juda mit
 Vorurteilen und Mißtrauen angesehen. Denn er war kein Jude und gehörte zur
 gehaßten Besatzungsmacht, die im Land viel Einfluß besaß.
 Nur waren die ersten Christen aus dem Volk Israel der Auffassung, daß ihr
 Glaube eigentlich nur für Juden in Frage käme. Zu ihrer Überraschung müssen
 sie nun erfahren, daß Gott jeden Menschen berufen kann; ganz gleich, aus
 welchem Volk er stammt und welchen Beruf er hat. Für Gott gibt es keine
 grundsätzlichen Unterschiede. Er wählt sich Menschen aus allen Völkern und
 Rassen, Klassen und Religionen. Unser Gott fragt nicht danach, ob wir
 Männer oder Frauen, Kinder, Erwachsene oder alte Menschen sind. Jeder, ob
 er viel oder wenig gelernt hat, ist dazu berufen, das Evangelium
 kennenzulernen. es ist wichtig, daß wir diese Erkenntnisse durchhalten. Oft
 verschließen wir uns vor anderen. Wir meinen, Gott habe mit ihnen nichts im
 Sinn.
 Aber woher wissen wir das so genau? Gottes Liebe gilt jedem Menschen und
 ohne Ansehen der Person. Darum hoffen wir für jeden, daß Gott ihm nahe
 kommen kann. Das Besondere an dem Hauptmann war, daß er Sehnsucht nach Gott
 hatte. Und er tat für die Menschen in seiner Umgebung viel Gutes. So suchen
 viele Gott, ohne daß sie Genaueres von ihm wissen. An eben diesen Menschen
 bewahrheitet sich der Satz: Suchet, so werdet ihr finden. Dem, der mit
 Ernst nach Gott fragt und Gutes tut, zeigt Gott seine Liebe und läßt ihn
 Jesus finden. Er ist ihm recht und angenehm. Das zu lernen und im Umgang
 mit jedem Menschen zu entdecken, ist die Aufgabe für uns Christen, die wir
 uns nicht zufrieden geben möchten mit der Kirche, wie sie ist. Sie ist in
 Wahrheit viel größer, als wir sehen und ahnen.@{b}

 Herr, du nimmst dich eines jeden an, wie er ist. Mache uns frei von aller
 Enge, die dir nichts zutrauen möchte. Laß alle Suchenden finden, was du
 ihnen allein geben kannst. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 11a" "Apostel 11,1-18"
@TOC "MAIN"
@{i}                 Apostelgeschichte 11,1-18@{ui}
@{b}                   Das Gesetz der Liebe@{ub}

 Die Geschehnisse um Petrus und Kornelius sind so bedeutsam, daß sie zweimal
 wiedergegeben werden. Das Zusammentreffen des Petrus mit dem Hauptmann
 Kornelius und seine Taufe haben etwas ganz Neues entstehen lassen. Es ist
 der Anfang der Heidenmission, entstanden durch den unmittelbaren göttlichen
 Befehl. In dieser Begegnung im Hause des Kornelius ist ein Zeichen dafür
 gesetzt, daß das Christentum für alle Menschen da ist.
 Noch aber sind einige Schwierigkeiten zu überwinden. So kommt es, als
 Petrus wieder nach Jerusalem zurückkehrt, zu einer entscheidenden
 Auseinandersetzung innerhalb der Kirche. Petrus muß sich vor den frommen
 Juden, seinen Brüdern und Aposteln wegen seines Handelns im Hause des
 Kornelius verantworten. Ihm wird vorgeworfen, gegen das Gesetz gehandelt zu
 haben. Petrus aber kann nur berichten, was geschehen ist. Und dabei wird
 offenbar, daß er nicht menschlichen Gesichtspunkten gefolgt ist, sondern
 der Führung Gottes. Petrus stellt die klare Anweisung Gottes dem Gesetz
 gegenüber. Wenn Gott durch seine Boten den Heiden "die gleiche Gabe gegeben
 hat wie auch uns, die da gläubig geworden sind an den Herrn Jesus
 Christus", wie konnte er Gottes Willen widersprechen? Gott ist für alle
 Menschen da. So können Christen Dienst und Hilfe anderen Menschen nicht
 verweigern. Die Argumente des Petrus wurden von seinen Gegnern anerkannt.
 er habe nach dem Willen Gottes gehandelt, nach einem neuen Gesetz der
 Liebe. Mit seinem Wort und seinem Geist wirkt Gott auch heute in der Welt.

 Durch uns Christen kann die Welt Gottes Liebe erfahren. Wir sollten nicht
 nur über unseren Glauben sprechen, sondern ihn durch unser Verhalten
 beweisen.@{b}

 Allmächtiger und barmherziger Gott, du rufst uns zu dir, daß wir in deinem
 Namen unseren Weg gehen sollen. Stärke uns und rüste uns aus mit deiner
 Kraft, daß wir unseren Mitmenschen die Hilfe nicht verweigern. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 11b" "Apostel 11,19-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                 Apostelgeschichte 11,19-30@{ui}
@{b}                    Brüderliche Hilfe@{ub}

 Was durch die Begegnung zwischen Petrus und dem Hauptmann entstanden ist,
 breitet sich aus. Es ist ein bedeutsames Ereignis in der Kirchengeschichte.
 Ganz bewußt wird nun das Evangelium den Heiden gepredigt. Hier in
 Antiochien beginnt die weltweite Mission des Christentums. Aus Zypern und
 Kyrene kommen Männer und verkündigen die frohe Botschaft von Jesus
 Christus. Ihre Namen bleiben unbekannt. Tatsache aber ist, daß viele
 Menschen in der Stadt sich zu Jesus Christus bekannten. So entsteht in
 Antiochien zum ersten Mal neben der judenchristlichen auch eine
 heidenchristliche Gemeinde, die sehr rasch wächst.
 Diese Nachricht verbreitet sich bis nach Jerusalem. So wird Barnabas nach
 Antiochien gesandt. Er aber geht nicht allein, sondern begibt sich zunächst
 nach Tarsus, um mit Saulus nach Antiochien zu gehen. Was sich während ihrer
 einjährigen Tätigkeit in Antiochien ereignet hat, erfahren wir nur aus
 einigen kurzen Andeutungen. Vielen Leuten verkündigen sie das Evangelium.
 Das Ergebnis ihrer Arbeit ist, daß zum ersten Mal die Jünger in Antiochien
 "Christen" genannt werden.
 Wir Christen sehen in Jesus den Sohn Gottes und Heiland aller Menschen, wir
 gehören zusammen und sind füreinander verantwortlich. Das zeigt sich
 deutlich in der Haltung der Christen in Antiochien. Als in Palästina eine
 Armut und Hungersnot ausbricht, beschließen sie ein Hilfsprogramm für die
 notleidenden Brüder in Judäa. Ein Spendenaufruf wird erlassen. Das ist die
 erste Kollekte. So werden die Christen in Antiochien Vorbild für die ganze
 Christenheit.@{b}

 Herr Jesus Christus, laß uns allen Menschen so begegnen, wie du es von uns
 haben willst. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 12a" "Apostel 12,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 12,1-11@{ui}
@{b}            Wunderbare Rettung eines Boten Gottes@{ub}

 Eine wundersame Geschichte ist das. Können wir sie so nehmen, wie sie
 geschrieben steht? Es wird uns damit nicht gedient sein. Wir können auch
 als Menschen des Glaubens nicht damit rechnen, daß in der hoffnungslosen
 Situation heutiger faschistoider Staaten einem Gefangenen in Ketten ein
 Engel Gottes persönlich erscheint und eine unblutige Befreiung herbeiführt.
 Auch dürfen wir nicht sagen, wir hätten zu wenig Glauben, wenn wir als
 Christen unter Unrechtsregimen eine solche Gottestat nicht erleben. Es gibt
 Beispiele genug, wo treue Glaubenszeugen auf grausame Weise in Kerkern und
 Konzentrationslagern umgekommen sind. Wer wollte sagen, ihnen hätte es an
 Glauben gemangelt?
 Die Tiefe dieser Wundergeschichte wird uns eröffnet, wenn wir sehen, daß
 diese Geschichte eine Botschaft hat, die auch für uns heute da ist. Sie
 nimmt ohne Scheu Elemente auf, die unsere Vorstellung nicht zugänglich
 sind. Diese Geschichte macht auf großartige Weise deutlich, daß Gott Mittel
 und Wege hat, die Seinen auf unerwartete und unvorstellbare Weise in
 höchster Not vor dem Untergang zu bewahren.
 Darüber hinaus dient die Erzählung besonders dazu, die Rettung des Petrus
 als Gottes Tat darzustellen, die Rettung eines Mannes, den er zu seinem
 Werk der Mission senden wollte. Die Botschaft für heute ist, daß Gott durch
 den Menschen seine Sache in der Welt voranbringen kann, wo der natürliche
 Menschenverstand keine Möglichkeiten mehr erkennt.
 Sollte diese Erkenntnis nicht für uns heute wichtig sein? Wie oft können
 wir die bange Frage hören, ob denn die Kirche, ob denn das Evangelium heute
 noch vorankommen können? Wie bitter sind auch die Erfahrungen treuer
 Christen, die erleben müssen, daß alle Aktivitäten die Gemeinde nicht
 bewahren können vor Rückgang!
 Petrus ist in einer Lage, in der er nichts mehr tun kann. Er muß sogar von
 dem Engel ermuntert werden, sich anzuziehen. Auf den Befehl, ihm zu folgen,
 macht er sich auf, weiß aber nicht, was das alles bedeuten soll. So sehr
 liegt alles daran, daß Gott selbst etwas tut, wenn es um die Ausbreitung
 des Evangeliums von Jesus Christus geht. es kommt darauf an, daß wir bereit
 sind zu folgen, wenn er uns ruft, wenn er die Stunde des Handelns anzeigt.
 @{b}
 Herr, wir bekennen dir unsern Unglauben und unsere Unfähigkeit, deinen Ruf
 zu vernehmen und ihm ohne Wanken zu folgen. Sende uns deinen Geist, daß wir
 merken, wenn du uns zu besonderem Dienst senden willst. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 12b" "Apostel 12,1-19a"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 12,1-19a@{ui}
@{b}               Der Herr hat mich errettet!@{ub}

 Unser Glaube lebt vom Vertrauen auf Gott. Dabei werden uns herrliche
 Erfahrungen zuteil. So erlebte es Petrus in aussichtsloser Lage als
 Gefangener des Herodes.
 Wir nennen es oft ein Wunder, wenn Gott unmittelbar in unser Leben
 einfreift. Hier finden wir ein besonderes Beispiel dafür, wie ein Bote des
 Herrn zum Helfer wird. Gott läßt seinen Apostel nicht in den Händen des
 Feindes! Er hört die Gebete seiner Gläubigen, die unaufhörlich zu ihm
 rufen, und schenkt uns Rettung und Heil. Am Ende solchen Geschehens steht
 hier das heilsame Entsetzen und die neue Erkenntnis: Nun weiß ich
 wahrhaftig, daß der Herr mich errettet hat!
 Zu allen Zeiten haben Menschen auf diese oder ähnliche Weise Gottes Macht
 erfahren. Aber da ist noch etwas anderes. Wir haben im Leben unsere eigenen
 Maßstäbe und zählen Gottes Wunder nach jenen Gebetserhörungen, die uns
 sichtbar Gutes bringen. Wie aber, wenn Gott ganz anders handelt? Wie, wenn
 Gebete scheinbar unerhört bleiben? Wenn das nicht geschieht, was wir
 erbitten und erwarten? Bestehen wir dann die Glaubensproben? Ja, dann gilt
 es, unseren menschlichen Willen dem höheren und besseren Willen Gottes
 unterzuordnen und im Namen Jesu zu beten: "Nicht mein, sondern dein Wille
 geschehe."
 Lassen wir unsere gefühlsmäßigen Maßstäbe fallen. Gott weiß, warum er so
 oder so handelt. Er weiß um das Ziel, die Vollendung, und daß der Tod
 niemals das Letzte, nur das Vorletzte ist.
 Petrus wurde noch eine Spanne Zeit zum Wirken gegeben, bevor auch er
 heimgeholt wurde.
 Auch wir haben noch eine Spanne Zeit. Möge sie fruchtbar sein für Gottes
 ewiges Reich!@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir, daß du wunderbar an den Deinen handelst und
 wir oft deine Hilfe erfahren. Laß uns aber auch dann, wenn du anders
 entscheidest, als wir denken, nicht irre werden und die Glaubensproben
 bestehen. Amen.

                           Gebet@{ub}                      Gedicht
                   Wohin sollte ich mich wenden,
                   wärst du nicht mein Herr und Gott,
                   alle meine Wege fänden,
                   wär ich nicht in deinen Händen,
                   keinen Trost in meiner Not.

                   Doch weil du das Licht der Erde
                   und der Herr des Himmels bist,
                   weiß ich, was auch aus mir werde,
                   daß in jeglicher Beschwerde
                   deine Liebe bei mir ist.
                   @{i}   Albert Bartsch@{ui}



@ENDNODE

@NODE "Apostel 12c" "Apostel 12,19b-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 12,19b-25@{ui}
@{b}                     Gottes Wort wächst@{ub}

 Ein grimmiger Herrscher, eine Volksmenge, die ihm schmeichlerisch zum Munde
 redet, und sein jähes Ende, davon wird in unserem Schriftabschnitt
 berichtet. Dem gehen die Begebenheiten voraus, die die Gemeinde schwer
 trafen, nämlich die Tötung des Jakobus und die Inhaftierung des Petrus. Der
 Herrscher Herodes Agrippa, ein Enkel des alten Herodes, hatte seine Macht
 mißbraucht. Hier lesen wir, wie man ihn zum Schein vergöttert. nach einer
 vorübergehenden Sperrung von Lebensmittellieferungen ins Nachbargebiet
 erklärt er sich zum Einlenken bereit. Die nun wieder Versorgten tun so, als
 ob sie ihm aufrichtig danken. Sie schmeicheln ihm, als sei er einer ihrer
 Götter. Er läßt es sich gefallen. Da greift Gott dann ein. Der König stirbt
 plötzlich. Was bleibt ist für Lukas das Wesentliche: "Das Wort Gottes wuchs
 und breitete sich aus." Gott will, daß die Gemeinde lebt.
 Wir gedenken heute (18.Juli 89) an Paul Schneider, der vor fünfzig Jahren
 ermordet wurde. Er schreibt vor seiner endgültigen Verhaftung: "Mögen die
 Strafen auch angewandt werden, so weiß ich doch, daß Gottes Gericht und
 Gerechtigkeit schaffen wird denen, die Unrecht leiden."
 Um so dankbarer dürfen wir sein, daß Gottes Wort uns frei und öffentlich
 erreicht. Der Herr hat uns sein unverlierbares Wort gegeben. Es wuchs und
 mehrte sich in vielen Zeiten. Dieses Wort ist Maßstab aller Dinge in
 unserem Leben. es ist das Wort der Wahrheit, gegeben, um uns zur Vollendung
 zu bringen. es will unser Dasein bestimmen, will uns in den Entscheidungen
 unseres Lebens zur Klarheit verhelfen. Schließlich will es uns vom Glauben
 zum Schauen der Herrlichkeit Gottes führen.@{b}

 Herr wir danken dir, daß dein lebendiges Wort uns erreicht und uns zum
 ewigen Leben berufen hat. Laß es uns der Maßstab aller Dinge und täglicher
 Segen sein. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 13a" "Apostel 13,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 13,1-12@{ui}
@{b}                  Warnung vor Zauberei@{ub}

 Boten Jesu sind für die frohe Botschaft viel unterwegs. Eine Gruppe von 3
 Männern reist von Antiochien 25 km zu Fuß zur Hafenstadt Seleucia und von
 dort mit dem Schiff nach der Insel Zypern. Dieses Unternehmen ist nicht
 ihrer eigenen Planung entsprungen, sondern geschieht im Auftrag und in der
 Begleitung des Heiligen Geistes. Vorher hatten diese Männer gebetet und
 gefastet.
 Damit wird uns gesagt, daß sie sich ganz und gar Gott zuwandten. Die
 Handauflegung der Brüder ist Zeichen für die Hand Gottes, die sie schützt
 und unter die sie sich beugen. Vollmacht und Führung des Heiligen Geistes
 merken sie sehr bald.
 Nach einem Marsch von 160 km quer durch die Insel treffen sie in der
 Hauptstadt Paphos auf den römischen Statthalter Sergius Paulus. Zu seinem
 Hofstaat gehört der Zauberer Bar-Jesus. Er ist jüdischer Abkunft. Aber im
 Altes Testament steht auf die Sünde der Zauberei die Todesstrafe. Auch als
 vernünftiger Mann kann der Statthalter anscheinend auf die finsteren
 Machenschaften des Zauberers nicht verzichten. "Man kann nie wissen..." ist
 eine auch bei uns gebrauchte Redensart. Paulus aber, so heißt er von jetzt
 ab, nennt den Zauberer "Sohn des Teufels".
 Zauberei trennt zu allen Zeiten von Gott. Deshalb greift er hart durch. Der
 Zauberer erblindet für eine Weile. Der Statthalter erkennt die Macht des
 wahren Gottes über alle Lügenmächte der Zauberei.
 Jesus macht auch heute von ihnen frei, auch durch diese Geschichte.@{b}

 Herr, hab Dank, daß du mächtiger bist als alles andere. Laß uns dir allein
 ganz vertrauen. Befreie uns von allem Aberglauben. Mach mit deiner frohen
 Botschaft auch allen Menschen und auch uns diesen Tag zu einem Geschenk.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 13b" "Apostel 13,13-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 13,13-25@{ui}
@{b}                    Der Name Jesus@{ub}

 Hört man eine Station der reisenden Apostel nach der anderen: Paphos,
 Perge, Antiochien (in der heutigen Türkei), so übersieht man leicht, daß
 sie dazu Hunderte von Kilometern zu Fuß zurücklegen mußten. Wie war das da
 mit der Verpflegung? Warum macht Johannes Markus plötzlich nicht mehr mit?
 Er kehrt um. War ihm die Anstrengung zu groß? Gefiel ihm das rasche
 Weiterziehen von Ort zu Ort nicht? Paulus und Barnabas setzen jedenfalls
 ihren Missionsauftrag in der Hauptstadt Paphos fort. Am Sabbat sieht man
 sie in der jüdischen Synagoge zur Versammlung. Dort werden sie als Gäste
 aufgefordert, etwas zur Gemeinde zu sagen. Paulus ergreift das Wort und
 schildert die Geschichte des Volkes Israel: Erwählung der Väter, Befreiung
 aus Ägypten, Einnahme des gelobten Landes, Regierung Israels durch Richter,
 Samuel und schließlich durch die Könige Saul und David. es ist die
 Geschichte der Treue und Geduld Gottes mit seinem Volk. "David" ist für
 Paulus das Stichwort, um auf den "Sohn Davids", Jesus, den Retter seines
 Volkes und der Menschheit, zu kommen. So groß die Vergangenheit Israels
 war, die Zukunft mit Jesus ist größer. Auf den Glauben an ihn, die
 Verbindung mit ihm, kommt alles an. Noch ist nur der Name genannt. Wie
 werden die Hörer darauf reagieren?
 Auch heute ist das Bekenntnis unseres Glaubens vor der Welt mit der Nennung
 des Namens Jesu verbunden. Getrauen wir uns das? Im Anrufen dieses namens
 liegt die Rettung für uns, die Unseren und alle Menschen.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir freuen uns, daß dein Name hoch erhaben ist über
 alle anderen Namen. Wir beten dich an als den Herrn über die ganze Welt,
 auch über uns. Wir bitten dich, den Sohn Gottes, heute um deinen Beistand.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 13c" "Apostel 13,26-41"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 13,26-41@{ui}
@{b}              Der erste Schritt zur Freiheit@{ub}

 Es ist heute anders als damals: Über Gott läßt sich oft nicht reden, weil
 viele damit aus Unkenntnis nur einen ihnen nichtssagenden Begriff
 verbinden; aber mit Jesus ist das anders. Schließlich war er einmal ein
 Mensch wie wir und damit eine Person. In Antiochien dagegen kündigt sich
 gerade erst bei der Erwähnung des Namens Jesu ein großer Streit an. Paulus
 klagt die Juden in der Synagoge an, daß ihre Oberen Jesus völlig
 ungerechtfertigt ans Kreuz geschlagen haben. Weiter verkündigt er die von
 allen Aposteln bezeugte Auferstehung Jesu.
 Damit zeigt er, daß Jesus mehr und größer ist als David. Jesus allein kann
 auch Sünden vergeben. Gottes Gesetz, durch Mose gegeben, stellte Schuld
 fest, aber befreite nicht davon. Gerettet werden kann nur, wer glaubt.
 Dieser Glaube bringt die Erkenntnis und das Bekenntnis eigener Schuld in
 uns hervor. Dabei erkennen wir, wie groß die Vergebung Jesu ist.
 Jede Gerichtsverhandlung beginnt mit einer Anklage. Aus ihr ergibt sich die
 Verurteilung, Freispruch oder Begnadigung. Es gibt keine allgemeine
 Begnadigung durch Gott ohne Erkenntnis der Schuld. Wenn Gott am Ende der
 Zeit über uns richtet, dann wird er auf alle Fälle unsere Schuld offen
 darlegen. Erst vor dieser erschreckenden, entsetzenden und unausweichlichen
 Erkenntnis verstehen wir, was Begnadigung durch Gott bedeutet.
 In Antiochien sind die Zuhörer darüber nachdenklich geworden und wollten
 mehr davon hören. Wir dagegen möchten unsere Schuld vor Gott oft lieber
 verschweigen und umgehen oder uns selbst entschuldigen. Ob wir darüber auch
 einmal nachdenken? Es könnte der erste Schritt zu unserer Befreiung sein.
 @{b}
 Herr Jesus Christus, weil du heute, gestern und in Ewigkeit derselbe bist,
 hilf uns, eine ehrliche Bestandsaufnahme unserer Vergangenheit zu machen.
 Vergib uns heute. Laß uns nicht auf unsere Sünde sehen, sondern auf dich.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE


@NODE "Apostel 13d" "Apostel 13,42-52"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 13,42-52@{ui}
@{b}                   Freude statt Ärger@{ub}

 In Antiochien sind es treue Glieder der jüdischen Gemeinde, die den
 Aposteln erst widersprechen und dann mit Intrigen und Verleumdungen Paulus
 und Barnabas aus der Stadt vertreiben. Sie tun das nicht nur aus Neid. Ihr
 Widerstand liegt tiefer. Diese Gemeindeglieder wissen nämlich ganz genau,
 daß sie selbst sich als erste ändern müßten, wenn sie der verkündigten
 Botschaft glaubten und sie annähmen. Gerade das wollen sie aber nicht. Es
 ist immer einfacher, die zu verleumden und anzugreifen, die als ersten
 Schritt Sündenerkenntnis predigen. Selbst seine Sünden zu bekennen, ist
 viel schwerer.
 Für die Apostel damals folgt aus der Ablehnung durch die Juden eine
 Hinwendung zu denen, die noch nicht zur Gemeinde gehören. Damit aber haben
 die Juden in Antiochien sich selbst ihr Urteil gesprochen. Wir lesen das
 schroffe Wort: Ihr haltet euch selbst nicht für würdig das ewige Lebens.
 Dennoch endet die Geschichte positiv. Vor und neben dieser Ablehnung gibt
 es Einzelgespräche der jünger mit vielen Juden, die Christen werden wollen.
 Auch unter den Heiden gibt es aber von nun an sehr viele, die bewußt die
 Vergebung ihrer Sünden erfahren und die zu anderen davon sprechen. Das
 größte Geschenk aber besteht darin, daß diejenigen, die Jesus bewußt
 nachfolgen, die Gabe des Heiligen Geistes empfangen und empfinden. Damit
 ist eine große Freude verbunden, die der Heilige Geist zu allen Zeiten
 schenkt. Sie ist Gottes gnädige Antwort auf die Bitte um Vergebung unserer
 erkannten Schuld.@{b}

 Lieber Herr, laß uns doch die Stunde erkennen, da du uns zur Umkehr bringen
 willst. Gib uns den Mut, dir alles zu sagen, was auf uns liegt. Erlöse uns
 davon. Laß uns diese Befreiung anderen nicht vorenthalten. Amen.

                       Segne deines Wortes Lauf@{ub}      Gedicht
                     Ach laß dein Wort recht schnelle laufen;
                     es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein.
                     Ach führe bald dadurch mit Haufen
                     der Heiden Füll zu allen Toren ein.
                     Ja wecke doch auch Israel bald auf
                     und also segne deines Wortes Lauf!

                     Du wirst dein herrlich Werk vollenden,
                     der du der Welten Heil und Richter bist.
                     Du wirst der Menschheit Jammer wenden,
                     so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist.
                     Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn;
                     du tust doch über Bitten und Verstehn.
                     @{i}  Karl Heinrich von Bogatzky@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 14a" "Apostel 14,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 14,1-7@{ui}
@{b}               Sie blieben lange Zeit dort@{ub}

 Jede Stadt in Kleinasien hat ihr eigenes Gesicht. Jede dieser Städte hat
 auch eine eigene Geschichte der apostolischen Tätigkeit. Am Beispiel von
 Ikonion wird die Strategie des Apostels Paulus besonders deutlich. Es ist
 die Hauptstadt der Provinz Lykaonien. Kreuzpunkt mehrerer Handelswege.
 Unter anderen führt die Via Sebaste, die wichtigste Ost-West-Verbindung
 Kleinasiens, durch Ikonion.
 Paulus geht zuerst in solche Städte, von denen er hofft, daß sie auch
 Mittelpunkte für die Ausstrahlung des Evangeliums in ihre Umgebung werden
 könnten. Dort bleibt er möglichst lange, um einen intensiven Gemeindeaufbau
 zu erreichen. er sucht zumeist auch solche weltoffenen Städte mit jüdischen
 Gemeindehäusern aus, weil er dort einen Anknüpfungspunkt und ein
 Weitertragen seiner Arbeit erwartet. Interessant ist auch, daß die hier
 ansässigen Juden offenbar einen gewissen Einfluß auf die lykaonischen
 Bevölkerung ausüben können. Es spielt dabei eine untergeordnete Rolle, daß
 ihr Einfluß sich dann auch einmal gegen den Apostel wendet. Obwohl die
 Boten des Evangeliums Ikonion nach einiger Zeit wieder verlassen müssen,
 die Gemeindegründung ist ihnen gelungen. Timotheus, der Mitarbeiter des
 Apostel Paulus, kann später seine Arbeit fortsetzen (16,2). Die Flucht des
 Paulus aus Ikonion ist nicht das Ende der neugegründeten Gemeinde. Weitere
 und größere Aufgaben warten auf den Apostel. In Ikonion ist ein Anfang
 gesetzt, darum ging es. Auf dieser Arbeit liegt der Segen Gottes. Auch die
 feindselige Haltung einiger Leute in Ikonion ändert nichts daran.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Öffne unsere Herzen für dein Wort. Hilf uns,
 daß wir darin die wichtigste Hilfe für unser Leben entdecken und dir danach
 mit allen Kräften dienen. Gib uns einen dauerhaften Glauben. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 14b" "Apostel 14,8,20"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 14,8-20@{ui}
@{b}                  Sie nannten Barnabas Zeus@{ub}

 Welch eine Verwirrung! Lystra liegt nur knapp 40 km südlich von Ikonion.
 Nach der Flucht ergeht es den Aposteln hier zunächst gänzlich anders.
 Übertriebene Begeisterung, ja Vergötterung begegnet ihnen, aber wie schnell
 kann sie umschlagen! Hätte Paulus vielleicht froh sein sollen über diese
 Reaktion? Nein, denn er durchschaut die üble Situation, in die ihn diese
 Begeisterung bringen kann. Er nutzt sie nicht aus, weil sie der Redlichkeit
 des Evangeliums schadet.
 In der Geschichte der Kirche hat es oftmals falsche Zustimmung und
 übertriebene Begeisterung gegeben. Wir müssen uns jedoch immer vor billigen
 Erfolgen hüten. Zwischen Zeus und dem lebendigen Gott besteht der
 Unterschied wie zwischen Götze und wahrem Gott. So ist auch ein Unterschied
 zwischen dem Weg Gottes und dem Erfolg des Paulus. Darum muß der Apostel
 die Lobhudelei zurückweisen.
 Die überlieferte Predigt besteht aus zwei wesentlichen Gedanken. Zuerst
 richtet sie sich leidenschaftlich gegen den griechischen Götterkult und
 erteilt damit eine ungewöhnlich harte Antwort auf die Begeisterung. Dann
 aber geht Paulus sehr vorsichtig mit seinen Hörern um. Er redet noch nicht
 von Christus und seinem Kreuzestod. Er spricht vielmehr nur von der Güte
 Gottes in der Schöpfung. Ihm ist deutlich, daß gerade hier angesichts der
 übertriebenen Begeisterung das Evangelium einen langen Anmarschweg braucht.
 Wie sehr er mit dieser Einschätzung recht gehabt hat, zeigt die üble
 Behandlung am Ende. Bis die Gemeinde in Lystra gefestigt war, braucht es
 noch mehrere Besuche und intensive Arbeit.@{b}

 Lieber Herr und Gott! Wir danken dir, daß du uns die Augen öffnest, daß wir
 sehen, was echt und was falsch ist. Laß uns deinen Willen immer deutlicher
 erkennen. Hilf uns auch, daß wir uns danach richten. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 14c" "Apostel 14,21-28"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 14,21-28@{ui}
@{b}               Sie machten viele zu Jüngern@{ub}

 Erstaunlich kurz ist der Bericht über die Arbeit in Derbe, obwohl gerade
 hier offenbar die Gemeindegründung verhältnismäßig schnell und dauerhaft
 gelungen war. Man muß auf die Worte achten. Kirche und Gemeinde haben
 keinen Eigenwert, es geht auch nicht um Anhängerschaft des Paulus. Das Wort
 "Jünger" soll vielmehr darauf hinweisen, daß hier eine entscheidende
 Bindung an Jesus Christus erfolgt ist. Darauf kommt es an. Die Predigt des
 Evangeliums hat die Entscheidung für Jesus Christus zur Folge. Die Apostel
 wenden sich dann wieder den "Sorgenkindern" zu. Noch einmal stehen die drei
 Städte auf dem Programm, aus denen sie vertrieben worden waren, Ihr kurzes
 Auftauchen in diesen Orten ist nötig, um die zarten Pflänzchen der neuen
 Gemeinde zu stärken.
 Bei diesen Kurzbesuchen steht dreierlei an. Zuerst machen die Apostel auf
 bevorstehende Trübsal und Leiden aufmerksam. Man soll sich da keinen
 Illusionen hingeben. Dann ordnen sie Zuständigkeit in den Gemeinden: Paulus
 weiß als ein erfahrener Organisator, wie wichtig gerade in schwierigen
 Zeiten eine klare Leitung ist. Und an dritter Stelle wird von der
 geistlichen Zurüstung im Gebet berichtet; die Gemeindeglieder werden in
 nächster Zukunft wissen müssen, daß sie auf Gott allein und seinen Beistand
 angewiesen sind. Erst dann kehren die Apostel an den Ausgangspunkt ihrer
 Missionsreise, in den "Heimathafen" zurück. Eine wichtige Etappe ist
 abgeschlossen. Für neue Unternehmungen braucht man neue Überlegungen und
 ausreichende Vorbereitungen.@{b}

 Lieber Vater im Himmel! Auf unserem Wege als Christen geht nicht alles
 glatt. Wir kommen zu dir und nennen dir alle unsere Probleme. Wir bitten
 dich um deinen Beistand. Führe uns so, daß wir unser Leben lang bei dir
 bleiben. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 15a" "Apostel 1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 15,1-12@{ui}
@{b}                Befreiung zur Weltmission@{ub}

 Es wäre falsch gewesen, Heiden erst über den Umweg von Beschneidung und
 Einhaltung des mosaischen Gesetzes zu Christen zu bekehren.
 Warum durfte das nicht sein?
 Viele Menschen im Altertum fühlten sich gegenüber den erdrückend Starken
 der Zeit zu schwach zur Mitgestaltung in der Öffentlichkeit. "Da kannst du
 doch nichts machen!" dachten sie. Ihnen konnten auch die aufrüttelnden
 Forderungen zu einem vollkommenen Leben, wie sie das jüdische Gesetz
 stellte, nicht helfen. Er verstärkte im Gegenteil noch das Ohnmachtsgefühl.
 Man kann das durch Mose gegebene Gottesgesetz aus eigener Kraft nicht
 erfüllen. Auch richtet es Schranken gegenüber den anderen "unreinen"
 Menschen auf.
 Wer aber hätte die Verantwortung übernehmen können, den Heidenchristen die
 Einhaltung des alttestamentlichen Gesetzes als Weg zum Heil zu erlassen?
 Kein Mensch konnte das. Aber Gott selbst hat es getan. Das waren die
 sensationellen Erfahrungen von Petrus und Paulus: Auch den Glauben an Jesus
 Christus werden ihre Herzen gereinigt. Der Herr macht keinen Unterschied
 mehr zwischen Juden und Heiden. Die Einheit der Gemeinde Gottes wird uns
 damit vor Augen gemalt. Das Leben hat durch Jesus Christus einen Sinn, denn
 die Seligkeit ist allen Gläubigen sicher.
 Warum haben wir Christen oft so wenig inneren Trieb zur Mission? Vielleicht
 ist das so, weil wir zu sehr von Gesetz und Leistung her leben und denken
 anstatt aus dem Geist der Gnade und Freude Jesu Christi.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns durch den Glauben frei machst von aller
 Enge und Gesetzlichkeit. Wir bitten dich, gib uns deinen Geist der
 Vergebung, Liebe und Freude. Erwecke uns zu Zeugen deiner Herrlichkeit.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 15b" "Apostel 15,13-35"
@{i}                Apostelgeschichte 15,13-35@{ui}
@{b}             Rücksichtnahme im Zusammenleben@{ub}

 Die Befreiung durch Christus vom Gesetz gestattet keine Rücksichtslosigkeit
 gegenüber anderen Mitmenschen. Ohne Zweifel war es für die Judenchristen
 schwer zu vertragen, daß die Heidenchristen ohne das alttestamentliche
 Gesetz selig werden konnten. Aber dieses Opfer haben sie um Jesu willen
 bringen müssen. Dagegen war ihnen ein Zusammenleben und besonders auch
 gemeinsame Mahlzeiten mit Heidenchristen innerlich unmöglich. Die Spaltung
 der Gemeinde drohte. Da haben die Apostel eine kluge Gemeindeordnung
 beschlossen, die das Zusammenleben aller ermöglichte. Die Heidenchristen
 sollen sich mit Rücksicht auf die Judenchristen so verhalten, wie es nach
 dem 3.Buch Mose für die Nichtisraeliten im jüdischen Herrschaftsgebiet
 vorgeschrieben ist: Keine Teilnahme in heidnischen Götzenopfer, kein Genuß
 solchen Opferfleisches und kein Verzehr von Blut. Schließlich wurde auch
 die "Unzucht", d.h. insbesondere Ehen zwischen zu nahen Verwandten,
 verboten.
 Wenn wir auch heute nicht genau wissen, wie lange und wo überall dieses
 "Aposteldekret" eingehalten wurde, so ist es doch in seiner Weisheit für
 uns ein Modell, um Frieden in Gemeinden zu bringen, die wegen
 Glaubensfragen zerstritten sind. Alle, die damit zu tun haben und bekommen,
 sollen in der Schrift forschen und im Hören auf Gottes Führung beraten.
 Wenn wir lesen, daß den Zerstrittenen durch den Heiligen Geist geantwortet
 wird, heißt das: Die Versammelten haben Gott um einen Rat gebeten und ihn
 erhalte. Alle beteiligten Gemeindeglieder werden Rücksicht auf das Gewissen
 der anderen nehmen müssen.@{b}

 Herr, du Gott der Liebe und des Friedens, schenke deinen Frieden in unsere
 Herzen und Gemeinden. Lehre uns erkennen, was zum Frieden dient. Mach uns
 bereit zur Rücksichtnahme auf die Gewissen anderer. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 15c" "Apostel 15,36-16,5"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 15,36-16,5@{ui}
@{b}              Missionsarbeit trotz Meinungsstreit@{ub}

 Wo Missionsarbeit getrieben wird, da gibt es Meinungsverschiedenheiten. Das
 liegt nicht nur daran, daß Missionare oft eigengeprägte, starke
 Persönlichkeiten sind, sondern das kommt vor allem auch daher, daß die
 Entwicklung an einem Ort schon weitergegangen ist als an einem anderen.
 Gewiß ist es günstig, wenn, wie in Lystra, ein gemeinsamer kirchenleitender
 Beschluß der Mitarbeiter bekanntgegeben werden kann. Umgekehrt muß man aber
 damit rechnen, daß auch Leitende wie Paulus und Barnabas hart
 aneinandergeraten und nicht mehr miteinander arbeiten können.
 Woher kommt das?
 Die Ursache bei den im Text genannten Aposteln liegt darin, daß sie wegen
 ihrer Verantwortung vor Gott ganz besonders gewissenhaft ihre Meinungen
 bildeten. So gab es zwischen Paulus und Barnabas schon schwerwiegende
 Differenzen wegen der Tischgemeinschaft zwischen Juden- und Heidenchristen.
 Zweifellos hat Paulus in dieser Frage den Willen Gottes für die weitere
 Entwicklung erkannt. Ob umgekehrt Barnabas in der Beurteilung des Johannes
 Markus damals vor Gott recht hatte, wissen wir nicht. Jedenfalls kam es
 deshalb zu heftiger Auseinandersetzung und Trennung von Paulus und
 Barnabas.
 Es ist für uns heute ein Trost; daß es in der Urchristenheit trotz
 unterschiedlicher Meinungen doch gemeinsame Missionsarbeit gegeben hat. Das
 ist eine Mahnung, das Zeugnis von Mitchristen gelten zu lassen, so
 unterschiedlich sie in ihren Auffassungen und in ihrer persönlichen Art
 auch sein mögen. Wichtig ist, daß viele die Gnade Gottes verkündigen, der
 uns trotz unserer Fehler in seinen Dienst stellt.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns trotz unserer Fehler in deinen Dienst
 stellst. Vergib uns unsere Eigenwilligkeit, und mach uns durch deinen Geist
 zu fröhlichen Zeugen deiner Gnade. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 16a" "Apostel 16,6-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 16,6-15@{ui}
@{b}                Jesus führt zu neuen Ufern@{ub}

 Die Zeugen Jesu zogen durch Kleinasien, ohne einen Missionserfolg
 erzielen zu können. Auf ihre Reise von Syrien bekamen sie weder rechts noch
 links des Weges Gelegenheit zur Verkündigung. Es muß Paulus und den anderen
 schwergefallen sein, diese Erfolglosigkeit als Werk des heiligen Geistes zu
 verstehen. Doch gerade durch diese Einschränkungen wurden sie
 vorwärtsgetrieben bis ans Ufer ihres Erdteiles. Dort empfingen sie den Ruf
 nach Europa. Im Traum wurde Paulus angefleht: "Komm herüber nach Mazedonien
 und hilf uns!" Endlich war ihnen wieder klar, zu welchem missionarischen
 Dienst sie Gott in dieser Situation berufen hatte: Sie sollten das
 Evangelium an neuen Ufern predigen!
 Es war ein mutiges Unternehmen. Mit schwachen Küstenbooten, die nur
 tagsüber bei Sichtverbindung zum Festland oder zu Inseln fahren konnten,
 gelangten sie an die Küste Griechenlands. Aber ausgerechnet in einer
 Römersiedlung wurden sie zum ersten Zeugendienst herausgefordert. Damit
 drang die Botschaft von Christus nicht nur in das nächste Land, sondern
 weiter in das große Römische Reich.
 Zur Ermutigung für Nachfolgende schildert Lukas den Verlauf der ersten
 Missionsschritte in unserem Erdteil: Eine Randsiedlerin, die aus Kleinasien
 zugezogene Purpurhändlerin Lydia, hörte auf die Verkündigung, Gott tat ihr
 das Herz auf, eine Suchende wurde zur engagierten Christin. Sie trat in den
 Sendungsdienst des Herrn, nachdem sie und alle, die mit ihr
 zusammenwohnten, getauft worden waren.@{b}

 Herr Jesus! Gib uns durch deinen Geist Kraft und Mut für die
 missionarischen Aufgaben deiner Gemeinden in unserer Zeit. Laß uns nicht
 verzagen, wo Wege versperrt erscheinen. Öffne die Herzen der Menschen für
 dein Evangelium. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 16b" "Apostel 16,9-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 16,9-15@{ui}
@{b}                Komm herüber und hilf uns@{ub}

 Da ist ein Mensch in Not. Dem anderen geht es ganz gut. Aber dazwischen ist
 so etwas wie eine tiefe Kluft, wie ein breiter Graben. Hilferufe bleiben
 ungehört. Welch eine Freude ist es dagegen, wenn der Ruf "Komm doch!"
 gehört wird. Es werden Welten überbrückt, wenn Menschen aufeinander zugehen
 und wenn abgegeben wird von dem, was der besser Ausgerüstete kann und hat.
 Was im mitmenschlichen Erleben zum Glück täglich geschieht, das hat auch
 einmal auf besondere Weise für unseren Glauben mit der Bitte "Komm doch!"
 angefangen.
 Mit einem Traum, mitten in der Nacht, unterwegs auf einer Reise begann die
 Ausbreitung des Glaubens auf unserem Erdteil Europa. Wieder einmal ist
 Paulus dabei, die gute Nachricht von Jesus Christus unter die Menschen zu
 bringen. Viele Enttäuschungen hatte er schon erlebt. Müde ruht er an der
 Küste Asiens, in der heutigen Türkei, aus und schläft. "Komm herüber nach
 Mazedonien und hilf uns!" - das hört er im Traum. Er sieht und hört, wie er
 gerufen wird. Er fühlt sich berufen, er steht auf und geht. Die Botschaft
 von Jesus Christus kommt nach Europa. Es beginnt die Geschichte der Kirche
 in all den Ländern, die zu Europa gehören. Gutes und Böses bringt diese
 Geschichte mit sich. Aber von hier ging die Entdeckung der ganzen Welt aus.
 Mission wurde von da an bis an die Enden der Erde getrieben. Es sollte
 alles gut werden. Aber wir wissen heute, was Menschen im fürchterlichen
 Mißbrauch aus Gottes Evangelium und aus seiner guten Schöpfung der breiten
 Erde gemacht haben.
 In diesem Jahr soll nun endlich eine Weltversammlung der Christen für
 Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zusammenkommen.
 Christen wollen etwas gutmachen. Die gute Nachricht soll wahr werden und
 wahr bleiben für alle Menschen dieser Erde und für die ganze Kreatur.
 Menschen sollen es wieder spüren und froh darüber werden, daß Gott die
 ganze Welt lieb hat.
 Es ist kein Zufall, daß es eine Frau war, Lydia in Philippi, die zuerst das
 Wort von der Liebe Gottes gehört hat. Sie war jedenfalls, die sogleich ihr
 Herz und ihr Haus geöffnet hat. Damit fängt es wohl immer an. Wo keine
 Kirche ist, da genügt eine Wohnung allemal, um zusammenzukommen, Gottes
 Wort zu hören, mit ihm zu reden und in Freude und Leid beieinander zu sein.
 @{b}
 Gott, unser aller Vater, wir bitten dich: Laß uns als deine Kinder wie
 Geschwister miteinander leben. Da, wo Streit ist, laß Versöhnung wachsen.
 Da, wo Not ist, laß uns in Liebe einander verbunden sein. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 16c" "Apostel 16,16-24"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 16,16-24@{ui}
@{b}                Verkündigung hat Wirkung@{ub}

 Auf dem neuen Missionsfeld erfuhren die Apostel bald, daß ihr Einsatz nicht
 ohne Wirkung auf die Öffentlichkeit blieb. Eine Sklavin, die wie ein Kind
 jedem die Wahrheit ins Gesicht sagte, brachte den Stein ins Rollen.
 Sie war arm dran, diese Frau, denn aus ihrem zwanghaften Reden zogen ihre
 Herren reichen Gewinn, indem sie daraus ein einträgliches Wahrsagegeschäft
 machten. In ihrer Einfalt schrie sie tagelang hinter den Aposteln her:
 Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des
 Heils verkündigen!
 Aber mit der Zeit wurde dem Paulus diese Art von Unterstützung zu viel. Er
 wollte aus jenem besessenen Eifer keinen Nutzen ziehen. Sichtlich war die
 Frau von dem Geist eines religiösen Fanatismus ergriffen, der mit dem
 befreienden Geist Jesu nichts zu tun hatte. Nun mußte der Bote Jesu das
 erlösende Wort sprechen: "Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, daß du von
 ihr ausfährst!" Und das Wort hatte Wirkung. Wie bei den machtvollen Worten
 Jesu gegen die bösen Geister seiner Zeit hatte das Wort seines Apostels den
 gleichen Erfolg: Die arme Frau wurde von ihrer Besessenheit geheilt. - Aber
 bald mußten die Apostel am eigenen Leibe spüren, wie die guten Wirkungen
 des Wortes mit Nebenwirkungen verbunden waren, die sie freilich gleichfalls
 in eine Linie mit Jesus stellten. Wie bei ihrem Herren zog die Heilungstat
 Verfolgung nach sich. Die enttäuschten Ausbeuter der Geheilten rächten
 sich. Unter der Anklage der Störung der gewohnten Ordnung wurden die
 Heilsbringer in das Gefängnis gebracht und im Folterblock gefesselt. War
 nun alles blockiert?@{b}

 Lieber Heiland! Du hast Menschen geheilt, die unter bösen Zwängen litten.
 Befreie auch uns von solchen Bindungen. Hilf uns, in deinem Namen lösende
 Worte zu sagen, wo wir in Verkrampfungen verstrickt sind. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 16d" "Apostel 16,23-34"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 16,23-34@{ui}
@{b}               Gottes Sache kommt zum Ziel@{ub}

 Der Start in Philippi war gut. Nachdem Paulus mit seinem Begleiter Silas
 dem Ruf nach Makedonien gefolgt war, verlief alles erfolgversprechend. Die
 Verkündigung der Heilsbotschaft von Jesus fand offene Ohren. Schnell
 bildete sich eine kleine christliche Gemeinde. Und nun dieser Rückschlag!
 Paulus hatte gewagt, im Namen Jesu eine heidnische Sklavin von ihrem
 Wahrsagegeist zu befreien. Damit war ihr Besitzer um seine Einnahmequelle
 gekommen. Die beiden Apostel werden gefoltert und landen schließlich im
 Gefängnis. Eine ausweglose Lage. Warum läßt Gott zu, daß diese Erweckung
 zum Glauben an Jesus Christus, kaum begonnen, schon wieder ein gewaltsames
 Ende findet?
 Die Apostelgeschichte will uns in ihren Erzählungen aus der ersten Zeit der
 Christen deutlich machen, daß dergleichen Erfahrung keineswegs etwas
 Ungewöhnliches für die Kirche ist. Gottes Sache ist dadurch nicht
 entscheidend zu bremsen. Gott hat sein Ziel nicht aus den Augen verloren,
 alle Menschen durch seine Boten mit der Botschaft von Jesus Christus
 bekannt zu machen. So finden wir nun Paulus und Silas nicht verzweifelt und
 gebrochen im tiefsten Kerker. Sie versuchen, auch in dieser schwierigen
 Lage Menschen des Glaubens zu sein. Und als es Mitternacht wird, stimmen
 sie den Lobgesang an, wie sie es nach ihrer Gebetsordnung gewohnt waren.
 Ein gemeinsames Lied kann solidarisieren, kann in Schwung bringen, kann Mut
 machen. Hier ist es mehr. Die Treue im Beten und Loben hilft ihnen über die
 Krisen und Anfechtungen hinweg.
 Da machen sie die Erfahrung, daß die Türen wieder aufgehen. So, wie der
 auferstandene Jesus keine verschlossenen Türen kennt, so kann auch die
 Botschaft von Jesu letztlich nicht unter Verschluß gehalten werden.
 Dann geschieht das Wunder:
 Der Gefängnisaufseher und seine Hausgemeinschaft werden Christen. Nun
 stimmen in das Gotteslob, das in der Tiefe des Kerkers gesungen wurde,
 viele andere mit ein.
 Wir denken an den standhaften Paul Schneider, der seinen Mithäftlingen Mut
 zuspricht, und an die tröstlichen Worte Dietrich Bonhoeffers aus dem
 Gefängnis, die noch heute Menschen zum Glauben führen. Gottes Sache kommt
 zum Ziel, auch wenn seine Boten daran leiden oder sogar sterben müssen.
 Die Kirche hat in einer langen Geschichte immer wieder erfahren: Das treue
 Beten und Lobsingen steht unter Gottes Verheißung.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß du die nicht verläßt, die treu zu
 dir stehen. Laß uns auch in unserem Leben erfahren, daß du Menschen zu dir
 führst. Und hilf uns, dich darüber zu loben. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 16e" "Apostel 16,25-40"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 16,25-40@{ui}
@{b}               Gotteslob gehört zur Mission@{ub}

 Im Gefängnis von Philippi wurden zwar die Apostel Paulus und Silas mit
 ihren Füßen in den Folterblock eingeschlossen, aber in ihren Herzen waren
 sie nicht blockiert. Nicht eigene Schuld hatte sie in die schmerzliche Lage
 gebracht. Vielmehr war diese Gefängnisnacht eine wichtige Etappe auf dem
 Missionsweg nach Europa. Auf dem Weg, zu dem sie durch Jesu Geist gerufen
 waren, sollten noch viele weitere Etappen folgen, gute und schwere. So
 stimmten sie in dunkler mitternächtlicher Ruhe ein Loblied an. Sie beteten
 sicherlich um Befreiung, aber bestimmt auch um das Wachstum der Mission
 Jesu Christi. Ihr Gotteslob rief ein Staunen hervor. Die Apostel wurden
 durch höhere Macht befreit. Die neu geschenkte Möglichkeit, wieder ihre
 Füße bewegen zu können, nutzten sie jedoch nicht zur Flucht vor ihrer
 Aufgabe. Vielmehr wandten sie sich gerade auch in dieser Situation dem
 verzweifelten Gefängnisaufseher zu und bewahrten ihn vor dem Selbstmord.
 Daß die von ihm zuvor Eingekerkerten jetzt seine Retter wurden, warf den
 Mann um. In seiner Erschütterung verlangte er nun nach ganzer Rettung. Von
 den Glaubenszeugen so zum Glauben an den Herrn Jesus gerufen, lauschten er
 und sein Haus der Gottesbotschaft, begehrten sie die Taufe. Als der Morgen
 graute, erfüllte jubelndes Gotteslob die Stätte.
 Daß auch die ersten Christen sich in der Welt nicht rechtlos fühlen mußten,
 wird von Lukas abschließend betont: Unter Berufung auf das römische Recht
 kamen die Apostel wieder in Freiheit.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Du hast uns als deine Boten in diese Welt
 gesandt. Du bist der Kraftquell bei all unseren missionarischen Aufgaben.
 Laß unseren Dienst an den Menschen stets vom Dankgebet und Gotteslob
 getragen sein. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 17a" "Apostel 17,1-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 17,1-15@{ui}
@{b}                Gottes Wort im Menschenwort@{ub}

 Der Apostel Paulus hat in Philippi beides erfahren: die menschenverändernde
 Kraft der Botschaft von Jesus Christus und das Leiden, in das der
 Wahrhaftige Zeuge Jesu kommen kann. Auf das Zureden der Brüder hin zieht er
 nun weiter in andere Städte: nach Thessalonike (das heutige Saloniki) und
 nach Beröa. In beiden Städten predigt er zuerst in der Synagoge. Die
 Glieder des Volkes Israel bleiben die zuerst in Gottes Bund und Dienst
 Gerufenen. In unlöslicher Weise sind die Jünger Christi mit dem Volk Israel
 verbunden, und doch geht das Evangelium von Jesus Christus über das
 jüdische Volk hinaus "in alle Welt". Und in aller Welt geschieht, was von
 der Missionstätigkeit des Paulus berichtet wird: Viele glauben, aber andere
 rotten sich zusammen, um dieser "den ganzen Erdkreis erregenden" Botschaft
 Widerstand entgegenzusetzen. Das war die christliche Botschaft damals also
 doch: erregend!
 Wir haben, wie der bedeutende asiatische Evangelist D.T.Niles sagt, ihr das
 Schlimmste angetan und sie zu einer langweiligen Sache gemacht. Das war zu
 den Zeiten des Apostels Paulus offenbar anders. Und anders als heute war
 auch das Verhalten der Gemeindeglieder, die allem Anschein nach zugleich
 aufgeschlossen und kritisch waren. Wir finden heute zumeist nur das eine
 oder das andere. Wir werden es wieder lernen müssen, beides miteinander zu
 verbinden: Die vertrauensvolle Öffnung dem Gotteswort im Menschenwort
 gegenüber und das suchende Fragen und Prüfen, "ob es sich so verhielte".
 @{b}
 Du läßt uns, Herr, dein ewiges Wort im schwachen und mißdeutbaren
 Menschenwort verkündigen. Schenke uns dadurch Befreiung aus unguten
 Bindungen zu hilfreichem, dankbaren Dienst. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 17b" "Apostel 17,22-28a(-34)"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 17,22-28a(-34)@{ui}
@{b}                    Der bekannte Gott@{ub}

 Wir lesen diesen biblischen Text an dem Sonntag, der den Namen Jubilate
 trägt: Jubelt! Freut euch! Dankt dem Gott, der allein alle Macht im Himmel
 und auf Erden hat! Freut euch! Gott ist kein Unbekannter oder Fremder. er
 ist nicht in irgendwelchen Fernen. Freut euch, er ist euch ganz nah in
 Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen! Weil das so ist, sind alle
 Bedrängenden und fordernden Mächte in ihre Grenzen gewiesen. Sie haben kein
 recht mehr an uns. Allein Jesus der Gekreuzigte und Auferstandene ist
 Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben. In ihm sind wir frei.
 Die Griechen waren fromme Leute. Beim Gang durch Athen sah der Apostel
 viele sehenswerte und prächtig gestaltete Tempel und Altäre. er sah viele
 Menschen, die viele Götter verehrten.
 Wenn der Apostel heute durch unsere Städte ginge, was würde er sehen? Er
 würde sehen, daß wir uns mancherlei Götter machen, letzte Instanzen, die
 unser Leben beherrschen, für die viel Mühe und Kraft eingesetzt wird. Er
 würde unsere Sehnsüchte kennenlernen, mit denen wir auf Leben, Gesundheit,
 Glück und Erfüllung aus sind. Er würde vielen Menschen begegnen, die ihre
 ganze Arbeitskraft hingeben, um sich ein erfülltes Leben zu schaffen. Und
 der Apostel würde entdecken, daß hinter all dem Mühen doch eine geheime
 Sorge steckt: Und wenn ich doch nicht an alles gedacht habe? Und wenn meine
 Sicherungen nicht halten? Und wenn Krankheit in mein Leben einbricht? Und
 wenn doch alles im Grabe endet - was dann?
 Auch die Athener kannten das. Deshalb hatten sie sich eine zusätzliche
 Sicherung eingebaut: einen Altar für den unbekannten, vergessenen Gott. Und
 nun bezeugt der Apostel: Ihr habt den lebendigen Gott vergessen. Den
 verkündige ich euch. Dieser eine Gott ist Grund und Halt für euer Leben. Er
 schenkt euch die Lebensfülle, nach der ihr vergebens mit all euren
 Anstrengungen trachtet. Der eine Gott ist da, nicht in dem gekreuzigten und
 auferstandenen Christus.
 Wer dem glaubt und vertraut, in dessen Leben strömt die Fülle des Lebens
 und der Liebe. So nah ist euch Gott. Dieser Jesus wird heute uns
 verkündigt. Ihm dürfen wir uns ganz anvertrauen. Welch eine Freude:
 Jubilate, freut euch! Amen.@{b}

 Von Herzen danken wir dir, Herr Jesus Christus. Du bist der Auferstandene,
 der uns Leben und Freiheit schenkt. Hab Dank, daß wir dich kennen und mit
 Namen nennen dürfen. Hab Dank, daß unser Leben in dir sein Ziel hat. Amen.
 @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 17c" "Apostel 17,27"
@TOC "MAIN"
@{i}                  Apostelgeschichte 17,27@{ui}
@{b}                       Jahreslosung 1989:
                       Keinem von uns ist Gott fern@{ub}

 Die Rede des Paulus auf dem Areshügel, dem Areopag von Athen, ist wieder
 einmal für uns aktuell. Paulus hat sie in missionarischer Absicht gehalten.
 Lukas hat sie als begeisterter Ausbreiter der guten Nachricht auf seine
 Weise in der Apostelgeschichte dargestellt. Paulus verantwortet sich vor
 Nichtchristen über seinen Glauben. Daß er dabei wirklich Verantwortung
 trägt, wird durch die Erwähnung des Areshügels unterstrichen; das war
 Athens Gerichtsstätte.
 Aus dieser Rede hören wir die Jahreslosung: "Keinem von uns ist Gott fern."
 Damit sollen Menschen für Christen gewonnen werden. Zwei Gründe werden
 genannt, aus denen sie Gott suchen sollen. Er hat unsere Erde bisher
 bestehen lassen und gibt uns Zeit zum Leben, und er hat auf unsere Erde den
 Platz zum Leben bisher erhalten und nicht durch Katastrophen oder durch
 menschliche Schuld verschwinden lassen. Zeit und Platz zum Leben hat er
 geschützt. Diese Gnade Gottes, seine Geduld und Bewahrung, gilt jedem
 Menschen, denn unsere Erde ist nicht teilbar. In diesem Sinne ist er auch
 denen nicht fern, die ihn noch gar nicht kennen. Hier steht das Bild dessen
 vor uns, der für jeden plant und sorgt. Mit ihm haben die ersten Christen
 andere zu gewinnen gesucht, nachdem sie selbst ihn so erkannt hatten. Im
 auferstandenen Jesus war er ihnen so planend und sorgend für alle
 erschienen. - Lukas fand dafür sogar vergleichbare Gedanken bei seinen
 nichtchristlichen Lesern.
 Das ist bei unseren Mitmenschen anders. Aber, daß Gott schon immer diese
 Erde schützt, daß er der Vernichtung der Erdoberfläche widersteht und sie
 für nächste Generationen bewohnbar erhält, das zu vermitteln sind wir denen
 schuldig, die mit uns leben. Wenn Christen in der Nachfolge Leben schützen
 und bewahren, verstehen das auch Nichtchristen.
 Unser Andachtskalender möchte den Lesern helfen, Gottes Wort zu hören und
 Erkenntnisse für ihr Leben als Christen zu finden.


@ENDNODE

@NODE "Apostel 17d" "Apostel 17,16-34"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 17,16-34@{ui}
@{b}              Angebot des Glaubens an alle@{ub}

 Der Bericht über den wahrscheinlich nur kurzen Aufenthalt des Apostels
 Paulus in Athen ist einer der gedankentiefsten und beziehungsreichsten
 Abschnitte der Apostelgeschichte.
 Die Rede des Apostels auf dem Areopag, dem Sitz des Obersten Gerichtshofes,
 ist mehr als nur eine Predigt. Sie ist eine Grundsatzerklärung über die
 christliche Mission. Auch geht sie ein auf die uns heute wiederum sehr
 beschäftigende Frage von "Evangelium und Kultur". Paulus praktiziert hier,
 was er in 1.Korinther 9,19-23 erläutert: Er geht bis an die Grenzen des ihm
 Möglichen ein auf seine Hörer, "damit er möglichst viele (für das
 Evangelium) gewinne". Der Apostel macht deutlich, daß Christen nicht
 pauschal alles vor- und nichtchristliche Mühen um den Sinn des Lebens
 verwerfen. Sie hören auf die Erkenntnisse anderer, nehmen sie, wo es
 möglich ist, auch zustimmend auf. Freilich läßt Paulus auch keinen Zweifel
 daran, daß der Bote Christi nicht eine neue Philosophie bringt, sondern das
 Zeugnis von Gott, "dem Herrn des Himmels und der Erde". Dieser uns nicht
 ferne und doch so unbekannte Gott ist offenbar geworden durch den, der
 durch die Auferweckung von den Toten als der Richter über den ganzen
 Erdkreis beglaubigt wurde. Sosehr Paulus in dieser seiner Ausdrucksweise
 und durch die Vermeidung des Namens Jesu auch auf seine Hörer eingeht: er
 verschweigt nicht, daß der Glaube an den Auferstandenen, der allen
 angeboten wird, Umkehr ist und ein neues Denken und verändertes Handeln
 meint.@{b}

 Herr des Himmels und der Erde, laß uns mit Achtung und Sorgfalt die
 Erkenntnisse bedenken, die menschliches Forschen gewonnen hat; laß uns aber
 vor allem die Stimme deines Geistes hören, der uns in alle Wahrheit leitet.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 18a" "Apostel 18,1-22"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 18,1-22@{ui}
@{b}                 Fürchte dich nicht!@{ub}

 Oft haben wir diesen Ruf Gottes schon in der Bibel gelesen: Immer wieder
 werden Menschen, die erschrocken oder entmutigt sind, wieder aufgerichtet
 und getröstet. Auch der Apostel Paulus hat das nötig. Er predigt und legt
 die Schrift aus, und schon gibt es Zustimmung und Ablehnung. Welche
 schlimmen Folgen die Ablehnung haben kann, das haben wir schon gelesen. Wie
 mag dem Apostel zumute gewesen sein, wenn er so oft fluchtartig davoneilen
 mußte? Vielleicht mußte er denken an das prophetische Wort Simeons über
 Jesus, der "zum Fall und zum Aufstehen" kommen soll zu "einem Zeichen, dem
 widersprochen wird". Darin hat der Apostel viel Erfahrung gesammelt.
 Ob wir das hätten aushalten können? Gott tröstet ihn und macht ihm Mut. Er
 hat liebe Freunde gefunden und darf hier in Korinth endlich einmal in Ruhe
 Arbeiten und die frohe Botschaft verkündigen. Allerdings wird auch hier
 widersprochen und sogar gelästert, aber es geht zunächst friedlicher zu als
 in den anderen Städten. Er darf hier die Erfahrung machen, daß der Herr,
 der ihn sendet, ihm neue Chancen gibt. Sein Ausruf: Euer Blut komme auf
 euer Haupt! erinnert uns an den Propheten Hesekiel, der die Ungläubigen
 gewarnt hat und dann getrost sagen konnte: Ich habe euch alles verkündet,
 nun ist es eure Entscheidung, das Wort anzunehmen oder nicht.
 Gott schickt Menschen in die Gemeinde zu Korinth, selbst der
 Synagogenvorsteher schließt sich der christlichen Gemeinde an "Fürchte dich
 nicht!", das ist als Zuspruch Gottes eine Erfahrung, die Paulus machen
 kann.@{b}

 Lieber Herr Jesus! Du hast deinen Apostel durch viele Anfeindungen geführt.
 Schenke uns auch solche Glaubenskraft, daß wir dein Wort anderen Menschen
 sagen können. Laß uns auch heute Erfahrungen mit dir machen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 18b" "Apostel 18,23-19,7"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 18,23-19,7@{ui}
@{b}                 Die Gabe des Geistes@{ub}

 In unermüdlicher Arbeit finden wir den Apostel Paulus unterwegs. Das legt
 uns die Frage nahe, ob wir denn immer bereit sind, uns für Christus und
 unsere Mitmenschen voll einzusetzen. Oft denken wir doch nur an uns selbst
 und meinen, wir müßten unsern Vorteil sichern. Die Personen, die in unserem
 Schriftwort vorkommen, beschämen uns bei solchen Gedanken.
 Eben hat Paulus eine lange Reise mit viel Arbeit hinter sich, da bricht er
 nach kurzem Verweilen wieder auf. Auch der hier genannte Apollos scheut
 keine Mühe, das Evangelium zu verkünden.
 Aquila und Priscilla begegnen uns wieder. Sie nehmen sich des Predigers an.
 Doch bei aller Aktivität fehlte etwas. Wie steht es mit der Geisttaufe,
 fragt Jesus. Von Apollos wird uns berichtet, daß er wohl in vielen Bescheid
 wußte. Dazu wurde er noch von Aquila und Priscilla unterrichtet. Aber sie
 kannten und praktizierten noch die Johannestaufe. Johannes der Täufer hatte
 zur Umkehr und zur Hinwendung zum Reich Gottes gerufen. Was Paulus und die
 anderen Apostel erlebt hatten, das war doch viel mehr. Denken wir doch nur
 an die Bekehrung des Hauptmanns Cornelius. So tauft Paulus in der Gemeinde
 Ephesus auf den Namen des Herrn Jesus. Und das Wunder geschieht auch hier:
 Der Heilige Geist kommt auf die Getauften. Die Wirkung dieser Gabe bleibt
 nicht aus. Auch heute geschieht dieses Wunder. Gott schenkt seinen geist,
 wenn wir darum bitten.
 So hat es uns der Herr Jesus gelehrt. "Bittet, so wird euch gegeben;
 suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan! Denn wer
 da bittet, der empfängt; und wer da suchet, der findet; und wer da
 anklopft, dem wird aufgetan"(Matth.7).@{b}

 Lieber Herr Jesus! Wir danken dir, daß du deine Verkündiger mit deinem
 Geist ausgerüstet hast. Wir bitten dich für uns und für alle, die getauft
 werden, schenke uns deinen Geist, daß wir dich bezeugen und in deiner Gnade
 bleiben, und dir folgen auf dem Weg des Lebens. Amen.

                 Nimm Christum in dein Lebensschiff@{ub}      Gedicht
                 Nimm Christus in dein Lebensschiff
                 Mit gläubigem Vertrauen.
                 Stoß ab vom Strand und laß vor Riff
                 Und Klippe dir nicht grauen;
                 Und flög auf wilder Wogenbahn
                 Dein Schifflein auch hinab, hinan
                 Und schlügen selbst die Wellen
                 Ins Schiff hinein,
                 Kannst ruhig sein,
                 Er läßt es nicht zerschellen.
                 @{i}   Julius Sturm@{ui}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 19a" "Apostel 19,8-22"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 19,8-22@{ui}
@{b}                  So wächst das Wort@{ub}

 Mit Bewunderung lesen wir die Berichte vom Entstehen und Wachsen der ersten
 Gemeinden. Das wünschten wir uns auch: so viele neue Gemeinden, so viel
 neue Leute in den Gemeinden, so viel Opferbereitschaft. Wie kommt das
 Wachstum zustande?
 Paulus predigt frei und öffentlich, er lehrt und überzeugt vom Reich
 Gottes. Anders war es nie; Durch klare überzeugende Verkündigung wächst die
 Gemeinde. Es ist das Wort Gottes, das Wort von Jesus Christus, das Wort vom
 Reich Gottes, das wirkt. In ihm liegt die Kraft Gottes. Das gilt für alle
 Zeiten, solange die Erde steht, auch heute. Gott sei Dank dafür!
 Freilich auch das andere können wir aus der Apostelgeschichte erkennen:
 Ohne Kampf ohne Auseinandersetzungen geht es nicht. Das Bekenntnis, die
 Hinwendung zu Jesus Christus bedeutet immer zugleich, daß man sich von
 anderem abwendet. Paulus verläßt die Synagoge, das Gotteshaus der jüdischen
 Gemeinde, weil dort Jesus nicht als der Messias, der Christus anerkannt
 wurde. Es kommt aber auch zu Trennungen von jüdischen Geisterbeschwörern,
 die versuchen, den Namen Jesu für ihre Zwecke auszunutzen. Schließlich
 distanzieren sich viele Christen vom Aberglauben ihrer Vergangenheit. all
 das geht gewiß nicht ohne Schmerzen vor sich. Aber es sind wichtige,
 notwendige Schritte, wenn der Glaube lebendig bleiben und wachsen will. Die
 Gemeinde lebt nicht vom Kompromiß zwischen Altem und Neuem, sondern von der
 klaren Entscheidung für Jesus Christus. So wächst das Wort auch heute unter
 uns.@{b}

 Lieber Herr Jesus Christus! Wir danken dir, daß du uns dein Wort bis heute
 erhalten hast. Herr, gib uns Kraft zu klaren Entscheidungen, damit wir mit
 ganzem, ungeteiltem Herzen an dir hängen. Erneuere uns und unsere
 Gemeinden. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 19b" "Apostel 19,23-40"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 19,23-40@{ui}
@{b}        Was von Händen gemacht ist, das sind keine Götter@{ub}

 Wer wüßte das nicht, daß die Gebilde unserer Hände bestenfalls Kunstwerke,
 bestenfalls Kostbarkeiten sind, aber nie und nimmer Götter. Trotzdem ist
 mit ihnen nicht so leicht fertig zu werden. Denn wenn erst einmal ein Bild
 oder auch eine Idee von Menschen verehrt wird, dann gewinnt sie auch an
 Macht und schlägt immer mehr Leute in ihren Bann.
 Die Goldschmiede von Ephesus wußten das. Vom Glauben an die Göttin Diana
 lebten sie, wahrscheinlich nicht schlecht. Und im Namen dieser Diana
 gelingt es ihnen ohne große Mühe, einen Aufruhr in der Stadt zu entfachen,
 der um ein Haar in einem Blutbad endet.
 Und so ist das bis auf diesen Tag. Wir Menschen sind immer wieder dabei,
 uns Götter zurecht zu machen, sie zu verehren und ihnen so Macht zu
 verleihen. Worauf vertrauen wir nicht alles: auf Geld und Gut, auf Macht
 und gute Beziehungen. Und wovor fürchten wir uns nicht alles: vor Unglück
 und Gewalttat, vielleicht sogar vor der schwarzen Katze und vor Freitag,
 dem 13. Und was wird nicht alles liebend verehrt: Menschen und Dinge, Autos
 und Gärten.
 An all diesen Stellen lauert die Gefahr des Götzendienstes. Denn, so
 erklärt Martin Luther das erste Gebot: "Wir sollen Gott über alle Dinge
 fürchten, lieben und vertrauen." Wer etwas anderes außer Gott mehr fürchtet
 und liebt als ihn, wer ihm mehr vertraut als Gott, der ist ein
 Götzendiener, nicht besser als die Schmiede von Ephesus, nicht besser als
 die grölende Menge im Zirkus.
 Nein, wir haben keinen Grund, die Verirrung der Epheser von damals zu
 belächeln. Auch für uns ist das erste Gebot das wichtigste und das
 schwerste: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir."@{b}

 Herr Gott, himmlischer Vater! Du allein bist der allmächtige Gott, der
 König aller Könige und Herr aller Herren. Vergib, daß wir uns immer wieder
 von dir abwenden lassen. Schenke uns deinen Geist, daß wir dich allein
 fürchten und lieben und dir allein vertrauen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 20a" "Apostel 20,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 20,1-16@{ui}
@{b}             Sie wurden nicht wenig getröstet@{ub}

 Worüber? Daß der "Predigt-Unfall" keine bösen Folgen hat. Der aus dem
 Fenster gestürzte Kirchenschläfer erhält Leben und Gesundheit zurück. Gott
 schenkt dem Apostel Paulus, daß seine Predigt, die doch gewiß auch von der
 Auferstehung Jesu Christi gehandelt hat, nicht von einem tödlichen Unfall,
 sondern von einem Zeichen des Lebens begleitet wird. Das ist um so
 tröstlicher, als sich Paulus auf dem Wege nach Jerusalem, in die Hochburg
 seiner schlimmsten Feinde, befindet und alles darauf hindeutet, daß er dort
 sterben muß. Gott gibt ihm auf jenem Weg, der von Schatten des Todes
 verdunkelt wird, ein Lebenszeichen, ein Zeichen dafür, daß er mitten in der
 Katastrophe wunderbar bewahren kann. So tröstet Gott. Er räumt nicht
 einfach alle Steine aus dem Weg. Er erspart den Seinen Leid und Krankheit
 nicht. Jesus Christus hat nicht nur seinen Jüngern, sondern uns allen
 gesagt, daß nur der in seiner Nähe, in seiner Nachfolge bleiben kann, der
 bereit ist, sein Kreuz zu tragen und mit ihm zu leiden. Aber er sorgt auch
 dafür, daß dieser Weg der nachfolge immer wieder von Tröstlichem, von
 Zeichen des Lebens, von Freude und Hilfe gekennzeichnet ist. Wunderbare
 Hilfen, Rettung in Gefahr, Heilung in Krankheitsnot, das darf jeder Christ
 immer wieder erleben. Natürlich können wir solche Wunder nicht fordern und
 nicht herbeizwingen. Gott schenkt sie uns, wann er will, wann er es für gut
 hält, aber doch so, daß wir getröstet werden, wenn wir Trost nötig haben.
 @{b}
 Lieber Herr Jesus Christus! Du kennst alle Not und alles Leid dieser Welt.
 Aber du schenkst uns auch immer wieder Zeichen deiner Barmherzigkeit und
 deiner Hilfe. Laß uns auch heute deinen Trost erfahren, damit wir den Mut
 behalten. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 20b" "Apostel 20,17-38"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 20,17-38@{ui}
@{b}              Und nun befehle ich euch Gott@{ub}

 "Gott befohlen", so grüßen wir uns mitunter zum Abschied. Wir befehlen uns,
 wie übergeben uns in die Fürsorge Gottes. Etwas Ähnliches geschieht, wenn
 der Apostel Paulus sich in Milet von den Ältesten seiner Gemeinde Ephesus
 verabschiedet. Er übergibt die Gemeinde Gott. Paulus weiß, daß er in eine
 ungewisse, gefahrvolle Zukunft geht. Zum Abschied erinnert er an sein Mühen
 und an seine treue Arbeit. Vor allem aber weist er darauf hin, daß er den
 "ganzen Ratschluß Gottes verkündigt hat". Diesen ganzen Ratschluß Gottes
 soll die Gemeinde unter Leitung ihrer Ältesten auch in Zukunft bewahren.
 Das ist der Abschiedswunsch des Apostels. Wenn er die Gemeinde Gott
 übergibt, dann meint er nichts anderes, als daß das ganze unverkürzete
 Evangelium in Geltung bleiben soll, daß die Gemeinde an der frohen
 Botschaft von Jesus Christus unerschütterlich im Glauben festhält. Schon in
 der Apostelgeschichte wird angedeutet, daß dies keine einfache Aufgabe sein
 wird. Es gibt zu vieles, was die Christen immer wieder von der Hauptsache,
 dem Evangelium ablenkt. Da ist die äußere Bedrohung durch den römischen
 Staat, der sich die Ausrottung der Kirche zum Ziel gesetzt hatte. Da sind
 aber auch die geistigen Probleme, die fremde Religionen, Philosophien und
 Weltanschauungen mit sich bringen.
 Es ist für Christen zu allen Zeiten schwer gewesen, den ganzen Ratschluß
 Gottes, das ganze Evangelium festzuhalten. Da hilft nur, daß wir das Wort
 Gottes, die Heilige Schrift, ernst nehmen, sie immer wieder hören und
 bedenken.@{b}

 Herr Jesus Christus! Erhalte uns und deine ganze Kirche bei dir und deinem
 Wort. Bewahre uns, daß wir uns nicht ablenken lassen. Schenke uns treue
 Hirten und Lehrer deines Wortes. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 21a" "Apostel 21,1-14"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 21,1-14@{ui}
@{b}              Wir knien am Ufer und beten@{ub}

 Die kleine Gemeinde in Thyrus hatte Paulus und seine Begleiter sieben Tage
 beherbergt. Er wird erzählt haben. Wunderbares hatte er erlebt, aber auch
 Gefängnis und Mordanschläge. Die Brüder und Schwestern hatten Angst um ihn.
 Sie wollten ihm sein Reiseziel ausreden. Lukas ist überzeugt, daß Gottes
 Geist sie dazu bewegt hatte. Was Paulus erwidert, wird nicht erwähnt. Als
 wären ihre Bitten nichts, lesen wir hier: "Als wir die Tage zugebracht
 hatten, da machten wir uns auf und reisten weiter." Bewegend wird der
 Abschied am Ufer von Männern, Frauen und Kindern der Gemeinde geschildert.
    Nach einem Tag in Ptolomäis öffnete sich ihnen in Cäsarea das Haus des
 Philippus. Auch dessen Töchter standen im Dienst der Verkündigung des
 Evangeliums. Ein weiterer Gast erschien nach einigen Tagen, Agabus, ein
 Prediger mit zukunftsweisenden Worten. er kannte die Situation in
 Jerusalem. Mit einem eindrücklichen Zeichen verdeutlichte er die Zukunft
 des Paulus. Alle waren betroffen. Sie baten ihn mit Tränen, nicht nach
 Jerusalem zu reisen. Paulus war gerührt von ihrer Fürsorge. Aber er ließ
 sich nicht von seinem Vorhaben abbringen und erklärte sich bereit zum
 Leiden und Sterben.
 Wie konnte Paulus so fest an seinem Platz halten? Wollte nicht Gott ihn
 durch seine Freunde hindern? Durfte er ihre Worte überhören?
 - Was ist Gottes Wille?
 Diese Frage wird auch uns umtreiben. Es ist gut, daß man auf treue Freunde
 hört. Aber schließlich muß doch jeder selber seine Schritte wagen. Die
 Freunde müssen dann schweigen und Gott vertrauen, daß er auch aus unserer
 vielleicht falschen Entscheidung etwas Gutes entstehen lassen wird.@{b}

 Wir danken dir, Herr, für liebe Menschen, die sich um unseren Weg Gedanken
 machen. Dir vertrauen wir uns an. Zeig uns den nächsten Schritt, Dein Wille
 geschehe. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 21b" "Apostel 21,15-26"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 21,15-26@{ui}
@{b}                "So tu, was wir dir sagen!"@{ub}

 Paulus und seine größer gewordene Begleitergruppe wurden von den Brüdern in
 Jerusalem gern aufgenommen. Damit sind nicht die Brüder der Gemeindeleitung
 um Jakobus gemeint. Zu denen gehen Paulus und seine Freunde am nächsten
 Tag. er hat viel zu berichten: Gott hat ihn zu den Nicht-Juden geführt. Sie
 glauben an Jesus, sind eifrig in der Liebe und der Fürsorge für die
 Gemeinde in Jerusalem. Alle freuten sich und dankten Gott. Doch auch in
 Jerusalem ist die Gemeinde gewachsen.
 "Bruder, du siehst, wieviel tausend Juden gläubig geworden sind und alle
 sind Eiferer für das Gesetz." Hier liegt das Problem. Gegen Paulus geht das
 Gerücht um, er habe die Juden, die Christen geworden sind, gelehrt, die
 heiligen jüdischen Sitten zu lassen.
 Wenn Heiden Christen werden können, ohne die jüdischen Bräuche übernehmen
 zu müssen, lag ja der Gedanke nahe: Auch Juden brauchen sich nicht mehr
 daran zu halten; denn Jesusnachfolge ist das Kennzeichen eines Christen,
 nicht Mosesnachfolge. Für Paulus galt ein Entweder-Oder, für Jakobus und
 die Ältesten ein Sowohl-Als-auch. Hier brach ein tiefer Gegensatz auf.
 Paulus wird eingeschüchtert. Wir hören keine Erwiderung. Sah er in der
 jüdischen Umgebung alles mit anderen Augen als in der heidnischen? Er ließ
 sich bevormunden. Gegen seine Überzeugung willigte er in eine öffentliche
 Bußübung ein. Auch die Kosten für vier andere übernahm er. -
 Wir sind überrascht. Warum stellte Paulus die Erkenntnis des Evangeliums
 zurück? Wollte er es nicht zum Bruch mit den Autoritäten Jerusalems kommen
 lassen? Hatte er Angst?@{b}

 Herr, wir fragen beunruhigt: Wo erdrücken wir andere durch unsere
 Autorität? Wo zwingen wir sie gegen ihre Überzeugung? Wo bevormunden wir?
 Bewahre uns vor dem Mißbrauch unserer Macht und unseres Einflusses! Amen.
 @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 21c" "Apostel 21,27-40"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 21,27-40@{ui}
@{b}              "Er lehrt gegen unser Volk!"@{ub}

 Der Apostel Paulus geriet in Lebensgefahr. Es kam, wie es seine Freunde
 vorausgesehen hatten. Der Zorn der jüdischen Gesetzestreuen traf den
 Abtrünnigen. Ein Gemisch von Wahrheit und Lügen erfüllte die Stadt. Im
 Tempel hatte man ihn entdeckt. Man zerrte ihn in den Vorhof der Heiden.
 Dort wollten sie ihn erschlagen. Das Heiligtum sollte nicht mit Blut
 besudelt werden. Die römische Besatzungsmacht duldete keine Unruhen. Sie
 schritt ein und konnte gerade noch das Schlimmste verhindern. Paulus wurde
 in Schutzhaft genommen. -
 Wir schütteln den Kopf: Wie konnte er so ahnungslos sein? Wenn schon die
 Christen jüdischer Herkunft gegen ihn standen, wieviel mehr die Juden. In
 der Predigt des Paulus vom Glauben an Jesus und vom Leben aus der Liebe war
 kein Platz mehr für das Gesetz des Mose und den Tempel. Er hatte in vielem
 die Traditionen seines Volkes hinter sich gelassen und lehnte sie in der
 Missionspredigt als Weg zu Gott ab. Nur die Nachfolge Jesu konnte der Weg
 zu Gott sein. Es lag nahe zu behaupten, er verachte, was dem jüdischen
 heilig ist. Nun sah man ihn in auffälliger Bußhaltung im Tempel. Aber sie
 trauten ihm nicht. Niemand dachte, er wäre heimgekehrt zum Kult seiner
 Väter. Darum tobten sie gegen ihn - Paulus steht wirklich im Zwielicht.
 Wenn Gesetz und Tempel zu dem Alten gehören, das vergangen ist, wie konnte
 er zurückfallen?
 Paulus antwortet darauf 1.Kor.9,20: "Den Juden bin ich wie ein Jude
 geworden, damit ich die Juden gewinne", wie er den Heiden ein Heide
 geworden ist, um sie zu gewinnen. Aber durch den Auftritt im Tempel hat er
 keinen gewonnen, sondern viele verprellt. Das gibt zu denken.@{b}

 Herr, wir werden nicht ohne Kompromisse mit anderen zusammen leben können.
 Aber laß uns dich dabei nicht verleugnen. Führe uns zu guten Freunden!
 Weise uns deinen Weg! Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 22a" "Apostel 22,1-22"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 22,1-22@{ui}
@{b}                 Paulus, der mutige Zeuge@{ub}

 Es ist wie ein großer Auftritt. Paulus, im Gewahrsam römischer Macht, hält
 eine Rede an Juden. Er blickt dabei auf den Tempel, die Mitte seines
 Volkes. Es geht dabei um sein Leben; ihm aber ist wichtiger, daß es um den
 Auftrag an sein geliebtes Volk geht. Paulus hat nichts anderes vorzubringen
 als sein persönliches Zeugnis.
 Um zwei Bezeugungen geht es ihm, zuerst um den Beweis: Ich bin Jude wie
 ihr. Er spricht die gleiche Sprache, ist in demselben Gesetz unterwiesen,
 hat darum mit Eifer die Abtrünnigen zur Ordnung zurückführen wollen oder
 der Bestrafung ausgeliefert. Dies Bekenntnis ist unanfechtbar und empfiehlt
 ihn seinen Hörern. Das zweite aber, das er bezeugt, hat ihn erschüttert.
 Jesus Christus, den er verfolgte, hat sich lebendig erwiesen, obgleich
 Menschen ihn getötet und für immer totgeglaubt hatten. Er hat Paulus, den
 Verfolger, mit Namen gerufen, zur Selbsterkenntnis geführt und zum
 Missionar ausgesucht.
 Er schenkt Befreiung und Neuanfang nicht nur Paulus, dem außergewöhnlichen
 Mann, allein, vielmehr allen Menschen. Diese Botschaft steckt in der
 Beauftragung, die Paulus einst am heiligen Ort des Tempels erhielt. In
 Gottes Haus zeigte sich ihm Jesus. Paulus verstand, daß Jesus der erwartete
 Messias Gottes ist. Der Apostel mußte seitdem, wenn er gehorsam sein
 wollte, Juden und Nichtjuden auf Christus hinweisen. Das lehnt die Menge
 ab. Sie widerspricht auch dem, daß Jesus Christus der gleiche Herr ist, den
 Israel unsichtbar schon immer kannte.
 Es wäre gut für uns, Gott zu bitten, daß er uns die Wunder erkennen läßt,
 die an uns geschehen. Paulus, sein Zeuge, macht uns Mut, viel gute
 Veränderung an Menschen zu erwarten.@{b}

 Lieber Herr! Lob und Dank sei dir, daß du auch heute Menschen zu deinen
 Zeugen machst! Erwecke auch solche, bei denen wir es nicht für möglich
 halten. Laß sie uns annehmen und mach uns fähig, eigenmächtig gezogene
 Grenzen aufzubrechen. Amen.@{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 22b" "Apostel 22,23-30"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 22,23-30@{ui}
@{b}              Paulus beansprucht sein Recht@{ub}

 Diese Szene, in der Paulus den römischen Offizieren gegenübersteht, beginnt
 so gespannt, wie sie gelöst endet. Die Frage nach den Ursachen des
 Konflikts zwischen den Juden und Paulus fördert für die Soldaten etwas
 Unerwartetes zutage. Der Gefesselte erweist sich als den Römern ebenbürtig,
 fast überlegen, und kann ihnen auf der gleichen Stufe als freier Bürger
 gegenübertreten. Zunächst gewinnt er auf der Ebene des Rechts so die
 Achtung der Soldaten. Er ist ihr gleichberechtigter Gesprächspartner.
 Paulus beansprucht diese Freiheit. Darin spiegelt sich, wie er seinen
 Auftrag versteht, die Heilsbotschaft zu übersetzen. Das Evangelium muß in
 der jeweils verschiedenen Sprache und Denkweise der Hörer ausgerichtet
 werden, um von ihnen verstanden werden zu können. Das ist nicht billige
 Anpassung, sondern Wegbereitung. Er stellt sich auf den Standpunkt, an dem
 den unterschiedlichen Menschen die Befreiung durch Christus zugesagt wird.
 Paulus sagt selbst: "Ich bin den Juden wie ein Jude geworden..., den
 Gesetzlosen wie ein Gesetzloser..., allen bin ich alles geworden, damit ich
 auf alle Weise einige rette."
 Die Freiheit des Evangeliums hat ihn einmal den Verzicht auf ein
 Menschenrecht geboten, ihn aber ein anderes Mal die Beanspruchung eines
 Rechts fordern lassen. In beidem zeigt sich, wie Paulus in seinem Verhalten
 wie in der Erfahrung, die er an Menschen macht, das Wirken des guten
 Geistes spürt, in dessen Auftrag er handelt.
 Wenn wir selbst in dieser Spur wagen zu leben und hören, wie ein Jünger
 hört, werden wir das wohl auch heute entdecken.@{b}

 Lieber Herr! Wir danken dir für die Freiheit, die du uns im Evangelium
 gibst, für die Entscheidung, die du Menschen zutraust. Laß uns erkennen,
 wann wir um eines anderen willen auf unser Recht verzichten müssen und wann
 es beanspruchen dürfen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 23a" "Apostel 23,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 23,1-11@{ui}
@{b}                Der Herr stand Paulus bei@{ub}

 Trost Stärkung und Zuspruch hatte der gefangene Apostel Paulus dringend
 nötig, denn Verhöre, Gerichtsverhandlungen, Haftzeiten, Ketten und
 Ungewißheit säumten seine Weg in die Metropole des Römischen Reiches. Auf
 der schnell einberufenen Versammlung des Hohen Rates ging es turbulent zu.
 Weder ein Krimineller noch ein politischer oder religiöser Wirrkopf stand
 vor Gericht, sondern ein Zeuge Jesu. Mit Freimut und Geschick stand er vor
 Leuten, die ihm an den Kragen wollten. Kein schlechtes Gewissen plagte ihn.
 Entschlossen schaut Paulus seinen Anklägern in die Augen. Bei aller Härte
 in den Auseinandersetzungen mit den führenden Leuten im Judentum spüren wir
 das heiße Werben des Apostels für sein Volk heraus. Auch ein Schlag ins
 Gesicht und der Tumult im Saal können ihn in der Hoffnung für Israel nicht
 irre machen.
 Der Heilige Geist war es, der dem Apostel die Worte in den Mund legte, über
 die der alte Zwiespalt zwischen den überlieferungstreuen Pharisäern und den
 mehr freigeistigen Sadduzäern erneut aufbrach. Durch die Hand des römischen
 Offiziers holte ihn der Herr aus der tobenden Menge heraus. Kein Bruder in
 Christus stand ihm zur Seite. Verunsicherte Soldaten und fanatische
 jüdische Mitbürger waren um ihn.  Da brach ein heller Lichtstrahl in die
 dunkle Zelle der Haft zum Apostel herein. Jesus der Herr hatte ihn nicht
 vergessen. Er wußte, was sein angefochtener Bote jetzt nötig hatte.
 Jesus weiß auch uns, die wir jetzt dieses Kalenderblatt lesen, mit Trost
 und Ermutigung in unseren Anfechtungen zu erreichen.@{b}

 Herr, manchmal fühlen wir uns von allen Menschen verlassen und allein
 gelassen. Danke, daß du uns verstehst und unser unruhiges Herz in deinen
 Frieden hineinnimmst. Stehe allen, die angefochten sind, zur Seite. Amen.
 @{ub}


@ENDNODE
@NODE "Apostel 23b" "Apostel 23,12-35"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 21,12-35@{ui}
@{b}                  Die Kraft Gottes@{ub}

 Fanatismus in jeder Form macht Menschen blind und skrupellos. Über vierzig
 Männer haben nur ein Ziel: Paulus muß getötet werden. Dieser Schandfleck
 Israels muß verschwinden. Es ist ihnen Ernst damit, Paulus umzubringen. So
 lange werden sie auf Nahrung verzichten, bis ihr Mordplan gelungen ist.
 Der Anschlag auf das Leben des Paulus ist zwar wohl durchdacht, aber er
 mißlingt. Die Verschwörung bleibt nicht geheim. Ein Verwandter des Paulus
 meldet den geplanten Mord den Offizieren der römischen Garnison. Noch in
 der Nacht wird Paulus mit zweihundert Soldaten in Sicherheit gebracht. Das
 Ganze klingt abenteuerhaft.
 Doch zwischen den Zeilen des Evangelisten Lukas sieht das Auge des Glaubens
 den lebendigen Gott, den Vater Jesu Christi, am Werk. Dieser Herr hält
 seine Hand über den so gefährdeten Apostel. Das Evangelium von der Rettung
 aus Sünde und Tod muß Paulus noch vor viele Menschen tragen, Gebildete und
 Ungebildete, Juden und Griechen. In Haftzeiten lernt der Apostel noch
 stärker und anhaltender für die Gemeinden zu flehen und Zeugnis zu geben
 für die Kraft Gottes, die in allen Schwachheiten ausreicht.
 Es mag sein, daß Paulus vieles nicht verstanden hat, was ihm widerfuhr.
 Auch wir begreifen viele Wege nicht, die der Herr uns führt. Aber
 rückblickend staunen wir über die wundersamen und verschlungenen Pfade, die
 wir gegangen sind. Wir beginnen Gott zu preisen auch für dunkle Stunden,
 schlaflose Nächte, körperlichen und seelischen Schmerz. Wenn der Herr mit
 uns geht, brauchen wir uns vor dem geöffneten Rachen der Hölle und des
 Todes nicht zu fürchten.@{b}

 Herr Jesus Christus, deine Wege sind uns oftmals verborgen, aber
 rückblickend können wir nur staunen und anbeten. So preisen wir dich und
 vertrauen uns dir ganz an. Dank sei dir, daß du uns nicht losläßt. Amen.
 @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 24a" "Apostel 24,1-21"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 24,1-21@{ui}
@{b}              Ein Richter wird nachdenklich@{ub}

 Es geht nicht anders zu als drei Jahrzehnte vorher im Prozeß gegen Jesus:
 Falsche Anschuldigungen werden erhoben. Tertullus weiß, daß seine Anklage
 in den Augen der Römer nicht ausreicht: Paulus sei ein Sektenprediger und
 habe versucht, den Tempel zu entweihen. Darum bringt der Anwalt noch eine
 Lüge vor: Paulus habe zum Aufruhr angestiftet auf dem ganzen Erdkreis! Aber
 alle beteiligten wissen, daß es Aufruhr gegen den römischen Staat durch
 Paulus nirgends gegeben hat, sondern allenfalls Unruhe in den jüdischen
 Gemeinden. Weil nun alle Argumente so schwach sind, setzt Tertullus ein
 Wort an den Anfang seiner Rede, das die Gefühle des Richters beeinflussen
 soll: "Dieser Mann ist eine Pestbeule", - so der  griechische Wortlaut.
 Ganz Unrecht hat er nicht: Christentum, so wie es Paulus gepredigt und
 gelebt hat, wirkt ansteckend, eine ansteckende Gesundheit. Und dann nennt
 Paulus das Thema, das so oft Unruhe erregt hat: Die Predigt von der
 Auferstehung; denn wenn die Toten auferstehen, dann wird Gott noch einmal
 fragen, wie wir gelebt haben. Dann kann man ja nicht über Leichen gehen,
 wie es Statthalter und Oberpriester in Cäsare und Jerusalem immer wieder
 getan haben.
 Dann kann man nicht das Recht verdrehen wie der Anwalt. - Paulus hat sie
 nachdenklich gemacht, auch uns; denn jeder, der andere beurteilt oder
 verurteilt, vor Gericht oder im alltäglichen Gerede, wird daran erinnert,
 daß wir unsere Urteile mitnehmen werden in das ewige Leben. Und beschämt
 müssen wir dann erfahren, wieviel Gott uns zu vergeben hat.@{b}

 Vater im Himmel, du bringst uns zum Nachdenken. Du fragst, wie wir leben.
 Laß uns nicht so beschämt dastehen, wenn du uns zu dir rufst. hilf uns, daß
 wir gerecht über andere urteilen, gerecht und liebevoll. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 24b" "Apostel 24,22-27"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 24,22-27@{ui}
@{b}                  "Schluß für heute!"@{ub}

 Felix findet es interessant, sich über religiöse Fragen zu unterhalten.
 Drusilla hat ihm einiges über den jüdischen Glauben erzählt, aber sie hat
 nicht alles gesagt. Sie hat erzählt, daß der Glaube an den lebendigen Gott
 eine interessante Weltanschauung ist, auch für Römer, aber sie hat nicht
 gesagt, daß es da auch ein paar Regeln für die persönliche Lebensführung
 gibt.
 Nun erinnert Paulus den Statthalter und seine Frau an solche Regeln. Er
 redet über die Gerechtigkeit und über die Enthaltsamkeit und über das
 Gericht. "Schluß für heute!" ruft Felix. Er mag das Thema "Gerechtigkeit
 und Gericht" nicht. Von Geburt ein Sklave, freigelassen von Kaiser
 Claudius, hatte er sich schnell gegen Konkurrenten durchgesetzt. Ein
 römischer Historiker schreibt: Felix habe die Macht eines Königs mit der
 Gesinnung eines Sklaven ausgeübt, voller Willkür und Grausamkeit.
 Auch das Thema "Enthaltsamkeit" liegt dem Statthalter nicht. Er weiß, daß
 die Juden mit diesem Wort vor allem gute, feste Regeln für die Ehe meinen.
 Aber er selbst ist ein Ehebrecher. Er hatte sich in Drusilla verliebt, als
 sie noch die Frau des Königs von Edessa war. Und er hat diese Ehe
 zerbrochen. "Schluß für heute!" ruft er darum. Wahrhaftig, der große
 Statthalter ist kein Barbar. Er liebt religiöse Gespräche, aber das Thema
 will er bestimmen.
 Auch für uns lohnt es sich, darüber nachzudenken, welche christliche Fragen
 wir gern und ausgiebig diskutieren und welchen wir gern ausweichen.
 Sicherlich sind die letzten für uns am wichtigsten.@{b}

 Herr, du willst nicht nur unser Interesse, du willst, daß unser ganzes
 Leben dir gehört. Wir danken dir für die guten Regeln, die du uns gegeben
 hast. Schenke uns die Kraft, nach deinen Weisungen zu leben. Amen.@{ub}



@ENDNODE

@NODE "Apostel 25a" "Apostel 25,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 25,1-12@{ui}
@{b}                Gottes Wort geht weiter@{ub}

 Machtwechsel in Cäsarea. Die Unsicherheit ist groß. Wie wird es weitergehen
 mit dem gefangenen Paulus? Kommen die zum Ziel, die ihn als Staatsfeind und
 Unruhestifter mit Hilfe der römischen Obrigkeit loswerden wollen? Oder geht
 es durch Paulus weiter mit der Sache Gottes, ist Gottes Heil weiter
 unterwegs zu den Menschen, unabhängig von allen Ränkespiel und
 Machtmißbrauch?
 Wir lesen: Festus widersteht dem Auslieferungswunsch der Juden und bewahrt
 damit Paulus vor dem geplanten Hinterhalt, der seinen Tod bedeuten würde.
 Und auch Paulus begibt sich, vor die Wahl gestellt, nicht unnötig in
 Gefahr. Gottes Sache muß weitergehen. Das allein ist wichtig. Darum beruft
 er sich auf seine Rechte als römischer Staatsbürger.
 Wenn wir auf unsere Rechte pochen, dann wollen wir meistens dem Leiden
 entgehen, Auseinandersetzungen vermeiden. Beides liegt Paulus fern. Aber er
 setzt Akzente: Weder gegen die Juden noch gegen den Tempel, noch gegen den
 Kaiser richten sich seine Verkündigung und sein Handeln. Was ihn trägt und
 hält und was er weitergeben möchte ist die Hoffnung zu Gott. Kein "gegen",
 sondern ein "für" bestimmt sein Leben. Darum sucht er nicht Konfrontation,
 sondern Verbündete. Darum unternimmt er Schritte, die ihm einsichtig und
 vernünftig erscheinen und in seinen Augen Aussicht auf Erfolg haben. Er
 resigniert nicht, und er geht nicht zum Angriff über. Wir wollen ruhig und
 bedacht das Mögliche tun, im Vertrauen darauf, daß Gottes Sache weitergeht.
 Dazu will uns dieses Wort Mut machen.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Wir wissen oft nicht, welchen Weg wir gehen
 sollen. Wir suchen nach Orientierungshilfen. Laß alles, was wir tun, von
 der Hoffnung auf dich bestimmt sein, einer Hoffnung die uns und die anderen
 meint. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 25b" "Apostel 25,13-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 25,13-27@{ui}
@{b}               Der Bote und seine Botschaft@{ub}

 Agrippa II. macht mit seiner Schwester dem neuen römischen Prokurator einen
 Antrittsbesuch. Ihm trägt Festus das Problem "Paulus", das ihn beschäftigt,
 vor, denn noch immer ist ja Paulus sein Gefangener. Er hofft auf den Rat
 und die Sachkenntnis des jüdischen Königs, denn mit der Person des Paulus
 geht es ja zugleich um die Sache, die er vertritt. Bote und Botschaft sind
 nicht zu trennen. Festus versucht, möglichst genau darzulegen, was diesem
 Paulus vorgeworfen wird. Aber es wird deutlich: Bei allem Bemühen und
 Gerechtigkeit und Korrektheit ist ihm das, was Paulus sagt, zutiefst
 unverständlich. Es ist nicht sein Glaube. Dennoch will er dem Angeklagten
 das Recht auf Verteidigung einräumen.
 Das Gespräch der beiden Staatsmänner fand bisher ohne Paulus statt. Das
 soll anders werden, so der ausdrückliche Wunsch des jüdischen Königs.
 Paulus selbst soll zu Wort kommen und damit auch die Sache, die er
 vertritt. "Auch ich möchte den Mann hören", so sagt Agrippa. Er sagt damit
 gleichzeitig. ich möchte hören, was er zu sagen hat. Die Anhörung soll in
 aller Öffentlichkeit stattfinden; im Audienzsaal in Anwesenheit der
 Tribunen und der hervorragenden Männer der Stadt. Heidnische
 Stabsoffiziere, heidnische einflußreiche Persönlichkeiten, das werden die
 Adressaten der Botschaft sein.
 Ihnen wird Paulus darzulegen haben, was ihn bewegt und treibt. Ein
 sinnloses Unternehmen? Ganz und gar nicht; Paulus wird Jesus Christus als
 den Lebendigen bezeugen.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du mit deiner Botschaft auch uns meinst. Wir
 danken dir, daß du uns liebst und uns immer wieder einen neuen Anfang
 schenkst. Laß uns so leben, daß andere durch uns erfahren: Für dich gibt es
 keine Unwürdigen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 26a" "Apostel 26,1-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 26,1-23@{ui}
@{b}                   Leben als Zeugnis@{ub}

 Paulus erhält die Erlaubnis, für sich zu sprechen. Es geht um seine
 Verteidigung und gleichzeitig um viel mehr. Denn, indem Paulus von sich
 erzählt, kann er doch immer nur den einen bezeugen, der sein Leben so
 völlig geändert hat, der Grund und Ursprung der Mission ist und sich bis
 zur Stunde als Retter und Erhalter seines Lebens erweist.
 Im Nachhinein erscheint es Paulus völlig logisch, daß die pharisäische und
 damit auch seine Hoffnung auf die Auferstehung der Toten konkret geworden
 ist in der Auferstehung Jesu von den Toten. Und dennoch hatte Paulus
 diejenigen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgt, gepeinigt,
 ausgeliefert. Er hatte versucht, sie und damit auch ihre Botschaft zum
 Schweigen zu bringen. Er hatte bestritten, daß dieser Jesus Christus, der
 Retter und Heiland der Welt, ist. Dann ist er ihm begegnet als einem Licht,
 vor dem man nicht mehr ausweichen, sondern nur noch niederfallen kann. Noch
 einmal erfahren wir von diesem Erlebnis bei Damaskus.
 So wichtig ist es, so grundlegend für Paulus und alle, die durch sein
 Zeugnis zum Glauben kommen: So handelt der Auferstandene. Er unterbricht
 den falschen Weg, nicht um zu vernichten und zu unterwerfen, sondern um
 aufzurichten. Jetzt hat es Paulus selbst erfahren: er rettet, er
 beauftragt. Das, was Paulus selber erlebt und gesehen hat, das soll er
 weitersagen über alle bisher bestehenden Schranken hinweg. Sein Leben und
 dieses Zeugnis gehören zusammen.@{b}

 Herr, oft verstehen wir nicht, warum unsere Pläne nicht aufgehen. Wir
 merken nicht, daß wir an dir vorbeidenken und leben. Laß uns erkennen, daß
 du selbst in unser Leben treten willst, um uns auf den rechten Weg zu
 bringen. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 26b" "Apostel 26,24-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 26,24-32@{ui}
@{b}                     Verpaßte Chance?@{ub}

 Paulus hatte die Gelegenheit, sich zu verteidigen. In seiner Rede wurde
 deutlich, daß sein Leben und sein Auftrag zusammengehören. Er muß
 weitersagen, was er selbst erfahren hat: Jesus lebt, er ist der Herr, der
 zur Umkehr ruft, um zu retten und zu heilen.
 Wie reagieren nun seine Zuhörer? Unter ihnen war ja nur ein Jude, König
 Agrippa II. Nur bei ihm konnte Paulus die Kenntnis der Heiligen Schrift
 voraussetzen. Für alle übrigen war das eine fremde Welt, wenn auch all das,
 von dem Paulus hier spricht, sich in aller Öffentlichkeit und keineswegs im
 verborgenen zugetragen hat. So verwundert es nicht, daß Festus den Eindruck
 hat, Paulus rede irre, obwohl er doch gleichzeitig anerkennt: Du bist ein
 gelehrter Mann. Auch das Wissen und die Redegewandtheit eines Paulus
 reichen offensichtlich nicht, um Menschen zum Glauben zu bringen. Im
 Unterschied zu Festus zeigt Agrippa viel Verständnis, aber Christ wird er
 nicht. Eines jedoch ist den Zuhörern klar geworden: Was dieser Gefangene
 sagt, ist kein Verbrechen, nichts, was Tod oder Kerker verdient.
 Ist das zu wenig? Erwarten wir nicht oft von Gesprächen mit Nichtchristen
 viel mehr? Vielleicht sind Hörbereitschaft und Offenheit für eine ihnen
 fremde Welt ein erster Schritt. Paulus hat durch das, was er sagte, diese
 Bereitschaft jedenfalls nicht verbaut oder verhindert. Menschen zum Glauben
 zu bringen, das steht weder in seiner noch in unserer Macht. Das ist allein
 dem Willen Gottes überlassen, der auch heute Menschen ruft und beauftragt.
 @{b}
 Herr, wir wissen: Oft erwarten wir von anderen Menschen Verständnis und
 Offenheit und sind selbst nicht bereit, sie zu verstehen und anzunehmen.
 Wir bitten dich: Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 27a" "Apostel 27,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 27,1-12@{ui}
@{b}               Nicht geborgen in der Arche@{ub}

 Es ist soweit, Paulus ist auf der Seefahrt nach Rom. Es ist nicht seine
 erste Seereise, er erlebt auch nicht den ersten Schiffbruch. Den Korinthern
 hat er geschrieben: Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und
 eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer (2.Kor.11,25). Eine direkte
 Fahrgelegenheit gibt es nicht. Der Hauptmann, der den Transport leitet, hat
 zunächst Plätze auf einem Schiff belegt, das im Nordwesten Kleinasiens
 beheimatet ist. Bis zum Hafen Myra an der Südwestküste Kleinasiens kann es
 benutzt werden. Es findet sich ein Schiff, das Weizen von Ägypten nach
 Italien bringt. Es sind 276 Menschen an Bord, es handelt sich also um ein
 Frachtschiff, das auch Passagiere mitnahm. Paulus scheint eine gewisse
 Bewegungsfreiheit zu haben. Der Hauptmann erlaubt ihm, in Sidon an Land zu
 gehen, wo ihn die Gemeindeglieder pflegen und verpflegen. Das Schiff kommt
 nur langsam vorwärts. Der Monat Oktober ist bereits für kleinere
 Segelschiffe auf dem Mittelmeer gefährlich.
 "Nur langsam", "mit Mühe", "der Wind hinderte uns", so wird die Fahrt
 beschrieben. Paulus erkennt die Gefahr. Er warnt. Wie kann das enden? Aber
 niemand hört auf den Warner. Da sind Leute, die etwas von der Seefahrt
 verstehen. Aber der Rat des Paulus wird in den Wind geschlagen. Das scheint
 normal. Und doch macht der Glaube wach, die Lage zu erkennen, und schenkt
 auch Illusionslos die Kraft zum Tun dessen, was der Augenblick erfordert.
 @{b}
 Gott, öffne unsere Herzen und unsere Ohren, daß wir aufmerksam auf deine
 oft so verborgenen Weisungen achten. Laß uns zu rechter Zeit erkennen, was
 uns in unserem Leben aufgegeben ist. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 27b" "Apostel 27,13-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 27,13-26@{ui}
@{b}                  Gemeinsam in einem Boot@{ub}

 Gegen den Rat des Paulus ist trotz der vorgerückten Jahreszeit die fahrt
 von Kreta aus fortgesetzt worden. Das Schiff gerät in den Nordsturm, die
 Bora. Die Seeleute verlieren die Gewalt über das Schiff. Es wird erst nach
 Südwesten, dann nach Nordwesten getrieben. Mit knapper Not gelingt es, das
 Rettungsboot an Bord zu bringen. Es bleibt zu befürchten, daß das Schiff
 gegen die nordafrikanische Küste abgedrängt würde, um dort an den
 gefürchteten Sandbänken und Riffen zu zerschellen. Eine letzte Notmaßnahme
 wird getroffen. Sie gürten den Schiffsrumpf. Aller entbehrlicher Ballast
 wird über Bord geworfen: "Da viele tage weder Sonne noch Sterne schienen
 und ein gewaltiges Ungewitter uns bedrängte, war all unsere Hoffnung auf
 Rettung dahin." Jeder hat mit seinem Leben abgerechnet.
 Paulus hat wie alle anderen Angst. Es ist keine Schande Angst zu haben. in
 einer der endlosen Sturmnächte wird ihm jedoch der Zuspruch Gottes gewiß:
 "Fürchte dich nicht, Paulus, du mußt vor den Kaiser gestellt werden; und
 siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren."
 So wird er den Verzweifelten zum Halt. Christen und Nichtchristen sind auf
 demselben Schiff und unter allen Umständen miteinander solidarisch in Not
 und Gefahr.
 Paulus hält die Zusage Gottes fest. Wie können Sturm und Wellen den Plan
 Gottes hindern? In einer Glaubensgewißheit macht Paulus allen Mut. Was ist
 Licht, Leuchtturm, Kompaß in den Stürmen und Wettern des Lebens? Daß wir
 uns daran halten dürfen: Gottes Wort zum Leben bleibt bestehen.@{b}

 Gott, du bist oft so verborgen. Wir sehen dein Angesicht nicht. Wir wissen
 nicht, wie unser weg sein wird. Laß uns nicht versinken in unseren Ängsten
 und Zweifeln. Gib uns die Gewißheit, daß du es um Jesu willen gut mit uns
 meinst. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 27c" "Apostel 27,27-44"
@TOC "MAIN"
@{i}                Apostelgeschichte 27,27-44@{ui}
@{b}                  Rettung im Schiffbruch@{ub}

 Das Schiff treibt weiter, von den Stürmen gepeitscht, im offenen Meer.
 Mitten in der 14.Nacht tritt eine Veränderung der Lage ein. Jemand meldet
 Anzeichen von Land. Die Nachprüfung mit dem Senkblei bestätigt es. Wird man
 nun an einer Küste Schiffbruch erleiden?
 Was nun geschieht: Es ist so verständlich, daß die Schiffsleute an ihre
 eigene Rettung denken. Sie fassen den Plan, das verlorene Schiff mit dem
 Beiboot heimlich zu verlassen und die Passagiere ihrem Verderben zu
 überlassen. Paulus erkennt die gefährliche Lage und verhindert den Plan der
 Seeleute. Die Soldaten greifen ein und übergeben das Boot kurzerhand dem
 Meer. In dem anbrechenden Morgengrauen fordert Paulus die Erschöpften auf,
 Speise zu sich zu nehmen und sich zu stärken für den immer noch nicht
 endenden Kampf mit Sturm und Wellen. Mitten im Toben der Naturgewalten
 findet Paulus innere Ruhe. er spricht vor ihnen allen das Tischgebet. Und
 sie werden alle ruhig und essen. Neuer Mut kommt über sie und gibt ihnen
 Kraft, etwas zu unternehmen. Sie schaffen die gesamte Getreideladung über
 Bord, spannen ein kleines Segel auf und lassen das entlastete Schiff in
 eine Bucht gleiten, wo es auf einer Untiefe strandet. Das Schiff zerbricht
 unter den anprallenden Wellen. Neue Todesgefahr kommt über alle. Soldaten
 wollen die Gefangenen töten, um ihr Entrinnen zu hindern. Der Hauptmann
 wehrt diesem Vorhaben. "Und so geschah es, daß sie alle gerettet ans Land
 kamen."
 Solche Erfahrungen von Hilfen sind Zeichen auf dem Wege des Glaubens.@{b}

 Gott, in allen Ängsten sei uns nah. Mach uns stille, wenn die Wetter des
 Lebens an uns reißen. Schenk uns die Gewißheit, daß wir niemals tiefer
 fallen können als immer nur in deine Hand hinein. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 28a" "Apostel 28,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 28,1-10@{ui}
@{b}               Gastfreundschaft und Hilfe@{ub}

 Nun waren alle gerettet: die Besatzung des Schiffes, die Soldaten, die
 Gefangenen, unter ihnen der Apostel Paulus mit seinen Gefährten, unter
 ihnen der Apostel Paulus mit seinen Gefährten. Auf der Insel Malta erfuhren
 sie eine nicht alltägliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Spontan
 wurde einfache Humanität und Mitmenschlichkeit praktiziert.
 Christen sollen sich auch heute zur Praktizierung von Nächstenliebe,
 Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft gerufen wissen. Wir können uns darüber
 von Herzen freuen, daß hilfsbereite Solidarität auch von Nichtchristen
 erwiesen wird und dabei nicht nach Nationalität, Hautfarbe, Weltanschauung
 oder Religion gefragt wird. Not lehrt nicht nur beten, sondern führt auch
 zueinander.
 Leider ist das nicht immer so. Not kann auch ins Fluchen und in den Kampf
 gegeneinander führen. Das Wort Jesu Christi will die guten Anlagen im
 Menschen stärken. es hilft uns, hartherzigen Egoismus zu überwinden. Alle
 Menschen auf dieser Erde sollten sich immer besser als eine solidarische
 Lebens- und Notgemeinschaft verstehen lernen. Wir dürfen uns jedoch nicht
 entmutigen lassen, wenn die anderen uns durch unterschiedliche Auffassungen
 in Erstaunen versetzen.
 Man hielt Paulus, weil eine Schlange sich an seiner Hand  festgebissen
 hatte, für einen von der Göttin der Strafgerechtigkeit verfolgten Mörder,
 welcher, der Seenot entronnen, nun doch sterben müsse. Er wurde jedoch
 gnädig bewahrt und konnte, bevor er mit seinen Begleitern gut versorgt, in
 Ehren verabschiedet wurde, noch viele Kranke durch Gottes Kraft heilen. Der
 Hilfsbedürftige wurde selbst zum Helfer.@{b}

 Lieber himmlischer Vater! Wir alle haben schon so oft Hilfe erfahren. dafür
 danken wir dir. Laß uns erkennen, wo und wie wir anderen in Not und
 Krankheit beistehen können. Schenke uns zur notwendigen Tat deinen Geist.
 Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 28b" "Apostel 28,11-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                 Apostelgeschichte 28,11-16@{ui}
@{b}                    Von Malta nach Rom@{ub}

 Nach drei Wochen Winteraufenthalt auf der Insel Malta segelte Paulus mit
 dem Gefangenentransport auf einem Schiff Weiter, das unter dem Zeichen der
 "Zwillinge", der Dioskuren, der Söhne des Zeus, Kastor und Pollux, fuhr.
 Sie wurden als Beschützer der Schiffer und Reisenden und Gäste, in Sparta
 auch als Schutzgötter des Landes verehrt. Die Schiffer hatten die
 Vorstellung, diese würden, wenn man sie bei Sturm anrief und ihnen weiße
 Lämmer gelobte, auf Rossen durch die Luft jagend, das Ende des Sturmes
 bewirken.
 Paulus konnte wegen dieses Aberglaubens nicht aus dem Schiff aussteigen. Er
 mußte andere Anschauung tolerieren und dabei doch im eigenen Bekenntnis zu
 Christus treu beharren.
 Auch heute erfahren wir uns vielleicht in einem Verkehrsmittel als Fahr-
 und Lebensgemeinschaft, mitunter auch als Schicksalsgemeinschaft. Es wäre
 gut, die ganze Menschheit würde sich mehr als eine Gemeinschaft verstehen,
 die im gleichen Boot sitzt, und das heißt, die, auf dem gleichen Planeten
 durch das Weltall fliegend, trotz unterschiedlicher Auffassung auf Gedeih
 oder Verderb miteinander verbunden ist. Paulus kam nach einem
 Zwischenaufenthalt in Syrakus und Rhegion schließlich zum damaligen
 Überseehafen Puteoli. Von dort, wo er Glaubensgenossen gefunden hatte, zog
 Paulus auf dem Landwege nach Rom. Als ihm Christen aus Rom auf einer
 Wegstrecke von 65 bzw.50 km entgegeneilen, um ihm ein feierliches
 Ehrengeleit zu geben, wurde er von neuer Zuversicht erfüllt. In Rom
 gewährte man Paulus leichtere Haftbedingungen.@{b}

 Herr, wir danken dir, daß du uns in Lebensgemeinschaften hineinstellst und
 wir nicht allein sind mit unseren Aufgaben, Freuden und Leiden. Laß uns
 verständnisvoll und tolerant sein und uns doch treu zu dir bekennen. Amen.
 @{ub}


@ENDNODE

@NODE "Apostel 28c" "Apostel 28,17-31"
@TOC "MAIN"
@{i}               Apostelgeschichte 28,17-31@{ui}
@{b}               Paulus als Missionar in Rom@{ub}

 Lukas, der nicht als exakter Historiker, sondern als engagierter
 Schriftsteller geschrieben hat, wollte auf eine überzeugende Weise den
 Siegeszug des Evangeliums bis in die Hauptstadt Rom darstellen. So
 schildert er, wie selbst noch der gefangene Apostel den vom Herrn gegebenen
 Missionsauftrag erfüllte. Man wird an Jesus erinnert, der nach der
 Darstellung des Lukas noch am Kreuz die vergebende Liebe des Vaters für die
 Schuldigen erbat und Worte des Trostes und der Hoffnung sprach. Die
 Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft vom Sieg über Sünde und Tod.
 Paulus wandte sich auch in Rom zunächst an die Juden als das erwählte Volk
 Gottes. Seine Predigt von der Hoffnung Israels, die in Jesus, dem Messias,
 erfüllt war, seine Verkündigung des Heils durch Christus Jesus und des
 durch Jesus gegenwärtigen und kommenden Gottesreichs wurde von einigen zwar
 mit einer gewissen Offenheit gehört, von vielen jedoch abgelehnt.
 Da es offensichtlich zu keiner wirklichen Bekehrung zu Christus kam, wurde
 die ablehnende Haltung der Juden als Erfüllung der Weissagung des Propheten
 Jesaja verstanden. Darum verkündigte Paulus nun auch in Rom vor allem den
 Heiden, d.h. den Nicht-Juden, das Heil in Jesus. Obwohl Lukas zur Zeit der
 Abfassung seiner Apostelgeschichte vom Märtyrertod vieler Christen gewußt
 hat, schloß er seinen Bericht ohne Hervorhebung des Märtyriums sehr
 hoffnungsvoll. Mit einer möglichst positiven Darstellung des römischen
 Staates wollte er wohl auch einer ungehinderten freimütigen Verkündigung
 des Evangeliums dienen.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß wir die Predigt vom Kreuz und von
 der Auferstehung als Botschaft vom Heil hören dürfen. Wir bitten dich um
 einen festen Glauben, ein treues Bekenntnis zu dir. Amen.@{ub}


@ENDNODE

@NODE "Römer 1a" "Römer 1,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 1,1-7@{ui}

@{b} Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm
 Heiland Jesus Christus!@{ub}  Römer 1,7 (EÜ)

 Unzählige Male haben die meisten von uns diese Worte schon in der Kirche
 sagen hören. Aber es ist mit ihnen wie mit dem Vaterunser: Man hat es oft
 gesprochen, damit man sich des Sinnes überhaupt bewußt wird, und dennoch
 ertappt man sich immer wieder dabei, wie man soeben über diesen oder jenen
 Satz gedankenlos hinweggerutscht ist.
 Was heißt denn das "Gnade sei mit euch"? Wir wissen, daß es die Gnade
 Gottes ist, auf die wir angewiesen sind. Sie ist ein Geschenk, das wir
 nicht verdienen. Der Gruß des Apostels an die ersten Christen in Rom ist
 damit zugleich Fürbitte bei Gott, auch diesen Menschen seine Gnade nicht zu
 versagen. Sie ist mit dem Friedensgruß verknüpft, der im jüdischen Volk
 noch heute gebräuchlich ist (Schalom" heißt "Friede"). Aber Paulus meint
 nicht nur den allgemeinen, äußeren Frieden, also die "Abwesenheit von
 Krieg", wie gelegentlich gesagt wird. Friede von Gott bedeutet für uns
 Menschen das gleiche wie Friede mit Gott, und dieser Friede entsteht von
 selbst, wenn wir nach seinem Willen leben. In diesem Sinne könnte sogar
 mitten im Krieg für uns Frieden sein. Der Gruß des Apostels enthält neben
 der Fürbitte also auch die Aufforderung an die Menschen, die ihn lesen,
 ihren Frieden mit Gott zu machen, indem sie seine Gebote -zu allererst das
 Gebot der Nächstenliebe- achten.@{b}

 Herr, wir sind auf deine Gnade und den Frieden mit dir mehr angewiesen als
 auf alle Bedürfnisse unseres Lebens. Mach uns das immer wieder bewußt,
 damit anderes sich nicht vordrängen kann. Amen.@{ub}
                                                 Wilhelm Nordemann


@ENDNODE
@NODE "Römer 1b" "Römer 1,8-15"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 1,8-15@{ui}

@{b} Wir wollen uns gegenseitig durch unseren Glauben Mut machen; ihr mir,
 und ich euch.@{ub}  Römer 1,12 (EÜ)

 Seit dem gestrigen Montag bis zum Sonntag Judica (17.März) und dann wieder
 von Osterdienstag bis zum 18.April lesen wir gemeinsam den Römerbrief.
 Seine besondere Bedeutung wird schon dadurch deutlich, daß er unter den
 Episteln an erster Stelle steht, obwohl andere Briefe älter sind. Paulus
 schrieb ihn während seines dritten Aufenthalts in Korinth (etwa 55-56 n.
 Chr.) zur Vorbereitung eines Besuches, den er der kleinen urchristlichen
 Gemeinde in Rom auf dem Wege nach Spanien abstatten wollte (Kap. 15,22-24).
 Um sich den römischen Christen bekannt zu machen, legt er darin gleichsam
 ein theologisches Selbstbekenntnis ab. Die Geistesgewalt -und geistliche
 Gewalt- des Briefes erschließt sich dem Leser am leichtesten, wenn er ihn
 erst einmal im ganzen auf sich wirken läßt, ehe er ihn abschnittsweise
 liest. Die Einheitsübersetzung mit ihren Zwischenüberschriften ist dazu
 eine gute Hilfe. In der theologischen Wissenschaft teilt man, abgesehen von
 dem Eingangsgruß und den persönlichen Grüßen und wiederholten Ermahnungen
 am Schluß, den Brief in einen Systematischen Teil, der die Grundlagen des
 Christenglauben umreißt (Kap.1-11), und einen Ethischen Teil, der seine
 Verwirklichung im weltlichen Alltag erörtert (Kap.12-15).
 Schon der erste Abschnitt nach dem Eingangsgruß enthält eine Erkenntnis,
 die die meisten von uns schon an sich selbst erfahren haben: Das Beispiel
 anderer macht Mut. Schulkameraden, die nach der Konfirmation oder Firmung
 zur Jugendgruppe gehen, helfen durch ihr Beispiel, eigenes Zögern zu
 überwinden. Der Ehepartner oder auch nachbar, für den der sonntägliche
 Kirchgang eine selbstverständliche Regel ist, bewirkt mehr als der eigene
 gute Vorsatz. Von Paulus' Zeiten bis heute ist das "einander Mut machen"
 der eigentliche Grund für die Entstehung von Gemeinden und deshalb kann man
 von einer Gemeinde schon da sprechen, wo "zwei oder drei versammelt sind in
 meinem Namen" (Mt 18,20), aber ebenso da, wo Tausende, die sich nicht
 persönlich kennen, auf dem Petersplatz in Rom Ostern oder in einem
 Sportstadion einen Kirchentagsgottesdienst feiern.@{b}

 Herr, hilf uns, Schwellenamgst zu überwinden. Hilf uns, einander Mut zu
 machen zum Glauben. Hilf uns, Beispiel zu sein, ohne das für ein Verdienst
 zu halten. Amen.@{ub}
                                                         Wilhelm Nordemann


@ENDNODE

@NODE "Römer 1c" "Römer 1,16-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                            Römer 1,16-17@{ui}

@{b} Zu dieser guten Nachricht bekenne ich mich ohne jede Furcht; denn in
 ihr wirkt Gottes macht. Sie bringt allen Menschen Rettung, die ihr glauben;
 den Juden zuerst, aber ebenso den Menschen aus anderen Völkern. Durch die
 Gute Nachricht zeigt Gott allen, wie er selbst dafür sorgt, daß sie vor ihm
 bestehen können. Der Weg dazu ist vom Anfang bis zum Ende bedingungsloses
 Vertrauen auf Gott. Denn es heißt ja: "Wer Gott vertraut, kann vor ihm
 bestehen und wird leben."@{ub}   Römer 1,16-17 (EÜ)

 Dieser Text muß in den Ohren der gläubigen Juden des Altertums geradezu
 revolutionär geklungen haben. Sie alle hatten gelernt, daß die strikte
 Einhaltung der christlichen Gesetze der sichere Weh ins Paradies sei. In
 sinngemäßer Anwendung des alttestamentlichen "Auge um Auge, Zahn um Zahn"
 glaubten sie, daß Gott Gutes mit Gutem vergelten, also gute Werke belohnen
 werde, ja belohnen müsse, es darauf also einen Anspruch gebe, so wie bei
 gegenseitigen Verträgen, die Menschen miteinander schließen.
 Aber eben dies ist die Gute Nachricht, die Gott durch Jesus Christus in die
 Welt hat bringen lassen: Der Glaube allein, das bedingungslose Vertrauen
 auf Gott, bewirkt schon die Rettung vor dem ewigen Nichts. Das heißt zwar
 keineswegs, daß "gute Werke", genauer: die praktische Anwendung des Gebots
 der Nächstenliebe, ganz ohne Sinn wären. Wer recht von Herzen glaubt, dem
 ist es auch ein Herzensbedürfnis, die Gebote Gottes zu erfüllen, von seinem
 Glauben an andere weiterzugeben, tätige Nächstenliebe zu üben, Gott immer
 wieder für seine Güte zu danken. Glauben ohne gute Werke ist nicht denkbar.
 Aber sie sind nicht die Ursache, sondern die Folge des Eins-Seins mit Gott.
 Die beiden für den heutigen Tag ausgewählten Verse bringen damit den Kern
 der christlichen Lehre auf den Punkt: Wer glaubt, wird gerettet. Was den
 Menschen als Gott wohlgefällig erscheint, hat Gott gegenüber keinen
 eigenständigen Wert, sondern kann allein Frucht des Glaubens sein.@{b}

 Herr, erwecke in uns das unbedingte Vertrauen, das uns hundertfältige
 Frucht bringen läßt. Bewahre uns vor der Eitelkeit der Vorstellung, wir
 könnten uns mit guten Werken dein Reich verdienen. Amen.@{ub}
                                                  Wilhelm Nordemann

@ENDNODE

@NODE "Römer 1d" "Römer 1,18-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Römer 1,18-32@{ui}

@{b} Weil sie es für nötig hielten, nach Gott zu fragen und ihn ernst zu
 nehmen, hat Gott sie ihrem untauglich gewordenen Verstand überlassen, so
 daß sie tun, was sich nicht gehört.@{ub}   Römer 1,28 (EÜ)

 Die für den heutigen Tag zur Lektüre empfohlenen Verse 18-32 liest man am
 besten erst einmal im größeren Zusammenhang der Kapitel 1-4. Dabei wird
 deutlich, daß Paulus eine Beweisführung für seine Erklärung (Kap.1,16-17)
 unternimmt, daß der Mensch nicht aufgrund eigener Leitung, sondern allein
 durch das unbeirrte Vertrauen auf die Gnade Gottes gerettet wird: Er
 schildert zunächst drastisch, wie schlecht die große Mehrheit der Menschen
 ist (Kap.1,18-32). Aber auch die Besseren sind in Wahrheit nicht besser;
 indem sie die andern verurteilen, obwohl auch sie nicht von Sünde frei
 sind, richten sie sich selbst (Kap.2,10). Das gilt auch und gerade für das
 Volk Israel. Wer das Gesetz kennt und es dennoch übertritt, ist mindestens
 ebenso, wenn nicht schwerer zu bestrafen als derjenige, der es nicht kennt
 (Kap.2,11-29). Vor Gottes Gericht könnte deshalb letztlich niemand bestehen
 (Kap.3,1-20). darum hat Gott mit den Menschen Erbarmen und sorgt dafür, daß
 sie vor ihm bestehen können; er will die Menschen annehmen, wenn sie sich
 nur auf Jesus Christus verlassen (Kap.3,21-31), was Paulus sodann am
 Beispiel Abrahams nochmals verdeutlicht (Kap.4).

 Aber bleiben wir für heute bei Paulus' Sündenregister, das übrigens auch
 Homosexualität und lesbische Liebe einschließt, und nicht einfach Teil der
 sexuellen Freiheit ist, wie manche modernen Kirchenleute meinen. Man liest
 es mit Grausen, dieses Register, und bleibt doch irgendwie unbeteiligt. Der
 zivilisierte Mensch mordet nicht mehr, streitet nur noch selten und betrügt
 nicht; er macht allenfalls vorteilhafte Geschäfte. Sind wir also besser als
 die alten Römer? Kaum - wir ersetzen Vorsatz lediglich durch
 Gedankenlosigkeit. Wir bauen störanfällige Atomkraftwerke, fahren bei Nebel
 zu schnell, vergiften das Wasser durch Sondermüll-Entsorgung und die Luft
 mit Abgasen. Daran, daß wir allzumal Sünder sind, die ohne das Erbarmen
 Gottes verloren wären, hat sich nichts geändert.@{b}

 Herr, hilf uns erkennen, wo wir sündigen, damit wir etwas dagegen tun
 können. Amen.@{ub}
                                                       Wilhelm Nordemann


@ENDNODE
@NODE "Römer 2a" "Römer 2,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                            Römer 2,1-16@{ui}

@{b} Wie wollt ihr Gottes Gericht entkommen, wenn ihr selbst genau das tut,
 was ihr den anderen vorwerft?@{ub}   Römer 2,3 (EÜ)

 Es gehört zu den Eigenheiten des Menschen, sich von anderen abheben zu
 wollen. Auf vielfältiger Weise bringt er das zum Ausdruck: durch sein
 Auftreten, durch seine Kleidung, durch sein Auto, seinen Titel oder
 Dienstgrad, den er betont; manchmal sind sogar Häuser oder wenigstens
 Gartentore das äußere Zeichen demonstrativen Selbstwertgefühls.
 Am besten freilich hebt man sich von den anderen ab, wenn man mit der
 besten Freundin oder am Stammtisch über sie redet, was freilich zu Lasten
 Abwesender geht. Stets wird dabei unbekümmert zu Gericht über andere
 gesessen: Wie kann die nur - so etwas tut man doch nicht - das würde mir im
 Traum nicht einfallen - unmöglich der Kerl - mit so was will ich nichts zu
 tun haben. Dabei sehen wir in aller Regel nur den äußeren Vorgang, das
 Ergebnis; wüßten wir, warum es dazu kam, wären wir vermutlich vorsichtiger
 in unserem Urteil, vielleicht gar still. Wer weiß denn, was zwischen zweien
 vorgefallen ist, von denen einer plötzlich aus einer langen Gemeinschaft
 ausbricht? Hätten wir in gleicher Situation nicht möglicherweise genauso
 gehandelt? Sind wir wirklich so sicher, daß wir der Versuchung nicht
 erlegen wären, die einen anderen Menschen zu einer unbedachten,
 folgenschweren Handlung veranlaßt hat? In gleicher Situation, natürlich: in
 ausgelassener Stimmung, zwar etliches getrunken, oder der letzte Bus ist
 längst weg und das eigene Auto so bequem vor der Gasthaustür - oder der
 Ehemann seit Wochen nachlässig, ja gedankenlos, und dann dieser andere,
 ohnehin eigentlich mein Typ - oder das einmalige, totsichere Geschäft, das
 da angeboten wurde und alle Finanzsorgen auf einmal zu beheben versprach...
 Wir sind allzumal schwach, und unser Vorzug gegenüber anderen besteht meist
 nur darin, daß uns die konkrete Situation, in der sie einen Fehler gemacht
 haben, erspart geblieben ist.@{b}

 Herr, nimm die Überheblichkeit gegenüber anderen von uns. Mach uns bewußt,
 daß wir ebenso schwach sind wie sie, und daß wir selbst deine Gnade
 mindestens ebenso nötig haben wie andere. Amen.@{ub}
                                                     Wilhelm Nordemann


@ENDNODE

@NODE "Römer 2b" "Römer 2,17-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 2,17-29@{ui}

@{b} Ihr bildet euch etwas darauf ein, daß Gott euch sein Gesetz gegeben
 hat; aber ihr lebt nicht danach und macht Gott damit Schande.@{ub}
 Römer 2,23 (EÜ)

 Der heutige Lesetext ist nur äußerlich eine Philippika gegen die
 Scheinheiligkeit mancher Juden des Altertums, die sich auf ihre
 Sonderstellung als auserwähltes Volk Gottes beriefen, aber nicht besser
 waren als ihre heidnische Umgebung. Vielmehr sind die von Paulus
 apostrophierten Juden nur Beispiel für die allgemeine Erscheinung, daß
 besonders religiös geprägte Gruppen von Menschen leicht in die Gefahr der
 Selbstgerechtigkeit geraten, manchmal sogar mit der Folge, daß sie im Namen
 ihrer Religion Verbrechen zu begehen imstande sind.
 Während der mittelalterlichen Inquisition, aber auch bei manchen Puritanern
 in der neuen Welt des 18.Jahrhunderts, wurden unschuldige Menschen als
 Hexen verfolgt. Der Haß iranischer Mullahs gegen Ungläubige beruft sich
 ausdrücklich auf die Lehren des Propheten Mohammed. Kirchenführer in
 Südafrika erklärten die Apartheid ebenso für gottgewollt wie zuvor deutsche
 Christen im Dritten Reich den Nationalsozialismus; andererseits riefen
 evangelische Synoden bei uns zum Boykott südafrikanischer Obstlieferanten
 auf. Internationale Kirchenorganisationen glauben zu wissen, welcher
 Freiheitskampf gerecht und deshalb von ihnen mit Geld, auch solchem für
 Waffenkäufe, zu unterstützen sei.
 Die frommen Juden des Altertums wußten, daß das Auserwähltsein zugleich
 eine besondere Verpflichtung bedeutet. Wer Gottes Wort und damit Gottes
 Willen genauer kennt als andere, muß sich selbst noch öfter und noch
 genauer fragen, ob er ihm gehorcht oder nicht.@{b}

 Herr, wir alle, die wir in diesem Kalender lesen, gehören zu der Schar
 derer, die in der Gefahr stehen, selbstgerecht zu sein. Bewahre uns davor,
 vor lauter christlichem Eifer Christus zu vergessen. Amen.@{ub}
                                                  Wilhelm Nordemann


@ENDNODE
@NODE "Römer 3a" "Römer 3,1-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Römer 3,1-8@{ui}

@{b} Was ist nun der Vorzug der Juden, der Nutzen der Beschneidung? Er ist
 groß in jeder Hinsicht. Vor allem; Ihnen sind die Worte Gottes anvertraut.
 @{ub} Römer 3,1-2 (EÜ)

 Sehr groß war das Land Israel in der biblischen Zeit nicht. Seine Könige
 waren keine Weltenherrscher, und auch in der Kunst gab es Völker, die viel
 schöpferischer waren. Im Vergleich mit anderen Völkern der damaligen Zeit
 wirkte Israel eher bescheiden. Aber eines hatte es allen voraus: Gott hatte
 Israel mit seinem Wort beschenkt. Der Schöpfer der Welt hatte sich in
 Israel bekannt gemacht. Das konnte kein anderes Volk aufweisen! Dich wie
 ist Israel mit dieser Gabe umgegangen? Eigentlich nicht viel anders, als
 wir es auch tun. Gottes Worte hatten es immer recht schwer, in den Herzen
 der Israeliten zuhause zu sein. Für das Volk gab es die Verheißung Gottes,
 daß sein Segen auf ihm ruhen würde, wenn es den Worten Gottes gehorchen
 würde. Aber die Eigenwilligkeit des Volkes verspielte diesen Segen nach und
 nach bis zum Beginn der Babylonischen Gefangenschaft. Und danach war Israel
 nur noch Besatzungsland der jeweiligen Herren. An Israel können wir lernen,
 was aus Menschen wird, die mit dem anvertrauten Wort Gottes nicht richtig
 umgehen. So kann Israel uns helfen zu erkennen: Genau so sind wir auch.
 Damit gibt es für uns keinen Grund, überlegen auf Israel herabzusehen.
    Für eines haben wir Israel dankbar zu sein: Es hat uns die Worte Gottes
 aus dem Alten Testament geschenkt, indem es sein Reden bewahrt und
 überliefert hat. Ein ganz großes Geschenk an die Welt! Ohne Gottes Worte an
 Israel gäbe es kein Evangelium von Jesus Christus. Schaut man im Rückblick
 auf Israel, könnte es sein, als wollten uns diese Menschen eindringlich
 sagen: Ihr Menschen, wann auch immer ihr lebt, paßt auf, wie ihr mit Gottes
 Wort umgeht, damit es euch nicht so ergeht wie uns damals.@{b}

 Hab Dank, Herr, daß du dich durch Israel mit uns bekannt gemacht hast. Gib
 uns Kraft deinen Worten zu gehorchen, damit sie uns zum Segen werden.@{ub}
                                                   Ernst-Peter Weldin



@ENDNODE
@NODE "Römer 3b" "Römer 3,9-20"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Römer 3,9-20@{ui}

@{b} Durch das Gesetz kommt es zur Erkenntnis der Sünde.@{ub}
 Römer 3,20 (EÜ)

 In einer indischen Weisheit heißt es: "Der andere, das bist du."
 In der heutigen Bibellese spricht Paulus von der Untreue Israels. Und am
 Ende steht die Erkenntnis: Wir alle sind genauso wie Israel. "Es gibt
 keinen, der gerecht ist, auch nicht einen."
 Das hören wir nicht gern und bäumen uns dagegen auf. Gibt es denn nicht
 viel Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden und Wahrheit unter uns Menschen?
 Gewiß, solange wir nach menschlichen Maßstäben urteilen, können wir auf
 manch Gutes hinweisen, durch das sich Menschen auszeichnen. Aber die
 Botschaft der Bibel mutet uns zu, daß wir uns so sehen lernen, wie Gott uns
 sieht. Und unter diesem Blick Gottes zerfällt das, worauf wir Menschen uns
 soviel einbilden. Woran liegt das?
 Nehmen wir als Beispiel die zehn Gebote. In ihnen beschreibt Gott, wie er
 sich ein richtiges Leben vorstellt. Vergleichen wir unser Leben einmal mit
 diesen Weisungen Gottes. Bei einem flüchtigen Vergleich mögen wir
 feststellen, daß wir uns bemühen, im großen und ganzen nach ihnen zu leben.
 Wir tun manches nicht, wovor sie uns warnen, aber in unserer Phantasie
 übertreten wir sie ständig. Und jeder Mensch hat da seine ureigenen
 Schwachstellen. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: Wir können die
 Gebote nicht halten. Wenn wir die Gebote auf uns wirken lassen, entdecken
 wir plötzlich im Klartext, wer wir sind.
 Genau das meint Paulus, wenn er schreibt, durch das Gesetz kommt es zur
 Erkenntnis, auch wenn sie wehtut, aushalten. Erst dann werden wir zu
 schätzen wissen, wie Gott uns helfen will. In diesem Text stellt Paulus
 gewissermaßen die Diagnose über uns. In den folgenden Texten erfahren wir
 die Therapie. Und das ist gut, sonst stünde es recht trostlos mit uns. @{b}

 Herr, gib uns Mut, uns einzugestehen, wer wir wirklich sind, und öffne
 unsere Herzen für das Evangelium, das uns Hilfe bringt.@{ub}
                                                 Ernst-Peter Weldin


@ENDNODE
@NODE "Römer 3c" "Römer 3,21-26"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 3,21-26@{ui}

@{b} Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart
 worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten.@{ub} Römer 3,21 (EÜ)

 Wenn wir ehrlich vor Gott sind, müssen wir ihm sagen: Wir bringen die
 Gerechtigkeit niemals auf, die er von uns erwartet. Zuviele Energien
 stecken in uns, die gegen Gottes Willen arbeiten. Vor Gott bleiben wir
 immer Schuldner. Das ist die Diagnose: Nun spricht Paulus von der Therapie,
 die Gott selbst einleitet: Er sendet Jesus in diese Welt. In seinem Leben
 gibt es nichts, was gegen Gott gerichtet ist. Durch Jesus gibt es jemanden
 auf dieser Erde, der den Erwartungen Gottes umfassend entspricht. In Jesus
 werden alle Wünsche Gottes erfüllt, wenn er daran denkt, wie Menschen vor
 ihm leben sollen. Darum ist Jesus für unseren Glauben einzigartig und
 unersetzbar. Wir können uns bemühen, wie wir wollen, wir können tun, was
 wir wollen, immer bleiben wir weit hinter dem zurück, was Gott erwartet.
 Nur bei Jesus ist das anders. Er ist die Gerechtigkeit in seiner Person,
 die vor Gott bestehen kann. Das ist für uns Menschen eine gute Nachricht:
 Wir werden eingeladen, uns einfach zu Jesus Christus zu stellen; dann
 bekommen wir all das geschenkt, was Jesus Christus an Gerechtigkeit und
 Vollkommenheit darstellt. Es ist so, als wende sich das Blatt auf einmal:
 Wir müssen nicht mehr länger mühsam und vergeblich daran arbeiten, Gott
 durch irgendwelche guten Werke zu gefallen, wir dürfen erkennen, daß Gott
 uns ein Geschenk macht: Jesus, unseren Erlöser. Er gibt uns Grund zum
 Hoffen. Und das Wunderbare daran ist, daß Jesus uns keine neue Programme
 vorgibt, wie wir uns zu Gott hinarbeiten können, sondern daß er uns einfach
 teilnehmen läßt an seiner Gerechtigkeit, wenn wir ihm vertrauen. Alles, was
 wir in dem Einen: Jesus Christus.@{b}

 Herr, wir danken dir für das Geschenk Jesus, der alles erfüllt hat, was du
 von uns erwartest.@{ub}
                                                     Ernst-Peter Weldin


@ENDNODE
@NODE "Römer 3d" "Römer 3,27-31"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Römer 3,27-31@{ui}

@{b} Wir sind der Überzeugung, daß der Mensch gerecht wird durch Glauben,
 unabhängig von Werken des Gesetzes.@{ub}   Römer 3,28 (EÜ)

 Glauben hat viele Gesichter. Wir glauben an den Sieg einer guten Sache, wir
 glauben an einen Menschen, den wir lieben, wir glauben an den Sinn unserer
 Arbeit.
 Soviele Gestalten der Glaube hat, eines ist immer da: ein Inhalt des
 Glaubens. Das gilt auch für Paulus, wenn er vom Glauben spricht. Für ihn
 heißt der Glaubensinhalt: Jesus Christus. In einem Gedicht von Wilhelm
 Willms heißt es über Jesus: " er nahm den tod in kauf/ er gab sein leben in
 zahlung/ er machte unser soll zum haben (In: D.Block [Hrsg.], Nichts haben
 und doch alles haben - Gedichte zum Thema Hoffnung, Hamburg 1977,S.205).
 Mit diesen Worten ist alles gesagt, was Paulus in Römer 3 über Jesus
 schreibt. Glauben nicht an irgendeine verschwommene fromme Idee, sondern an
 "ihn". Warum ist das so? Weil in Jesus alles zu finden ist, was Gott
 erwartet, und weil Jesus uns dies alles schenken will. Glauben heißt nichts
 anderes als annehmen, was Jesus uns geben möchte: Gerechtigkeit vor Gott.
 Christus möchte seine Gerechtigkeit brüderlich mit uns teilen. Und damit
 sind wir bei der anderen Seite des Glaubens: Er ist immer eine sehr
 persönliche Angelegenheit. Glauben, das kann mir niemand abnehmen, dafür
 muß ich ganz allein mich entscheiden. Gott nimmt mich, den einzelnen
 Menschen so ernst, daß er darauf wartet, was ich mit seinem Angebot Jesus
 Christus, mache. das ist nicht irgendein überzogener Individualismus, das
 liegt im tiefsten Wesen des Glaubens, der immer eine persönliche Beziehung
 herstellt zu dem, was man glaubt.
 Aber das ist nicht irgendein Glaubensinhalt, den wir uns nach unserem
 Belieben zurechtlegen können, nur der Glaube rettet uns, der auf Christus
 schaut, so, wie die Bibel ihn uns verkündigt.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir, daß uns in dir alles begegnet, was uns
 Kinder und Freunden Gottes macht, allein durch den Glauben an dich.@{ub}
                                                  Ernst-Peter Weldin


@ENDNODE
@NODE "Römer 4a" "Römer 4,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 4,1-12@{ui}

@{b} Abraham glaubte an Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit
 angerechnet.@{ub}   Römer 4,3 (EÜ)

 Abrahams Leben in der Bibel nachzulesen, ist eine sehr spannende Sache.
 Als Gott ihn beauftragte, in ein unbekanntes Land zu gehen, gehorchte er
 und ging. Wenn es darauf ankam, konnte er sehr mutig sein, damals zum
 Beispiel, als er seine Verwandten befreite, die in Gefangenschaft geraten
 waren. Und als er es in Ägypten mit der Angst zu tun bekam, man könnte ihm
 dort wegen seiner schönen Frau das Leben nehmen, half er sich durch eine
 geschickte List. Paulus der diesen Abschnitt von Abraham schreibt, kannte
 das alles genau, doch von diesen Ereignissen schreibt er nichts, ihn
 interessiert nur Abrahams Glaube.
 Gott hat ihm einen Sohn verheißen. Nach menschlichem Ermessen waren Sara
 und Abraham längst aus den Jahren heraus, in denen sie auf eigene Kinder
 hoffen konnten. In diese hoffnungslose Situation kam Gottes Verheißung. Und
 Abraham reagierte darauf mit dem Vertrauen: Was Gott ansagt, wird er auch
 tun. Wie persönlich ist der Inhalt dieser Verheißung! Gott verspricht
 diesen beiden alten Menschen die Erfüllung einer tiefen Sehnsucht. Und
 Abraham stellt sich ganz darauf ein, er lebt auf diese Erfüllung hin.
 Das ist die Größe Abrahams, von der wir lernen können. Er hatte nichts in
 der Hand als nur die Zusage seines Gottes. Dich diese Zusage wurde für ihn
 wie ein Kompaß, der ihn leitete durch all die Jahre, bis Isaak geboren
 wurde. Das ging nicht ohne Probleme. auch Versagen stellten sich ein, aber
 Abraham hielt unbeirrt an Gottes Versprechen fest. Das war seine
 Gerechtigkeit: Er überließ sich einfach dem, was Gott mit ihm vorhatte.
 Paulus möchte uns an dem Beispiel Abrahams vermitteln, was Glauben heißt:
 Ich stelle mich ganz auf das ein, was Gott für mich tun will, und ich nehme
 es an.@{b}

 Herr, hilf uns zu einem Glauben, der dir alles zutraut, und gib uns Kraft,
 dieses Vertrauen täglich durchzuhalten.@{ub}
                                                    Ernst-Peter Weldin


@ENDNODE
@NODE "Römer 4b" "Römer 4,13-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Römer 4,13-25@{ui}

@{b} Der Glaube soll auch uns angerechnet werden, die wir an den glauben,
 der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.@{ub}
 Römer 4,24 (EÜ)

 Von Abraham lernen wir, wie wir glauben können, von Paulus erfahren wir,
 woran wir glauben sollen: an Jesus, unseren Herrn. Menschlich gesehen war
 Abraham in einer Lage ohne Hoffnung, aber er vertraute wider allen Schein.
 Genau dort möchte Paulus uns abholen, wenn er vom Glauben an Jesus spricht.
 Ähnlich wie Abraham befinden wir uns auch Gott gegenüber in einer
 hoffnungslosen Situation. Von dort aus gibt es nichts, was wir Gott bieten
 könnten, um gerecht vor ihm zu sein. Aber Gott macht uns in seinem Sohn
 Jesus ein Angebot. Sein Leben und Sterben ist für Gott so wertvoll und
 gültig, daß einem jedem Menschen, der glaubt, die Gerechtigkeit Jesu
 angerechnet wird, als wäre es seine eigene Gerechtigkeit. Wie ein Sprung
 durch einen Krug durchzieht die Sünde und das Böse unser Leben. Dieser
 Wahrheit können wir nirgends entrinnen. Das Evangelium verkündet uns die
 Hilfe. Jesus ist der Helfer; indem er unsere Sünden auf sich nimmt, nimmt
 er sie uns ab.
 Martin Luther hat das so gesagt: "Die Sünde hat nur zwei Orte, wo sie ist.
 Entweder ist sie bei dir, daß sie dir auf dem Halse liegt, oder sie liegt
 bei Christus, dem Lamme Gottes. Wenn sie nun dir auf dem Rücken liegt, so
 bist du verloren; wenn sie aber auf Christus ruht, so bist du frei. Nun
 greife zu, welches du willst" (aus: Kurt Aland, Luherlexikon, Göttingen
 1974, Zitat Nr.1310,S.316).
 Für viele Menschen heute sind die Gedanken, die Paulus beschäftigen, längst
 kein Thema mehr. Aber vielleicht führt dieser Bibeltext dazu, daß wir
 nachdenklich werden und erkennen: Erst wenn unser Verhältnis zu Gott in
 Ordnung kommt, kommen viele Dinge in unserm Leben und in unseren
 Beziehungen zu anderen in Ordnung, weil wir einen Verbündeten, Christus,
 bekommen haben, der uns zu leben hilft. Das gilt für jeden Menschen, wenn
 er nur glaubt.@{b}

 Herr Jesus Christus, wir danken dir für all das, was du für uns getan hast.
 Wir kommen zu dir und bleiben bei dir, weil du unsere Hoffnung bist.@{ub}
                                                  Ernst-Peter Weldin

@ENDNODE
@NODE "Römer 5a" "Römer 5,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 5,1-5@{ui}

@{b} Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden
 mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.@{ub}  Römer 5,1 (LB)

 "Er hadert mit seinem Schicksal", sagen wir von einem Menschen, der mit
 sich selbst nicht klar kommt, der über seine Lebenssituation schimpft und
 murrt und klagt. Aus solchem Hader mit dem Schicksal folgt oft auch Hader
 mit anderen: Wer unzufrieden ist mit sich, der schimpft auch leichter über
 andere, wird aggressiv und mürrisch, kein angenehmer Zeitgenosse. Wer mit
 seinem Schicksal hadert, der lebt in einem inneren Unfrieden.
 Schicksal - was ist das eigentlich? Könnte man nicht auch sagen: Er hadert
 mit Gott; er lebt in Zwietracht mit Gott, denn er kann nicht annehmen, daß
 ihm Gott dieses Leben, so wie es ist, geschenkt hat?!
 Paulus sagt: Durch Christus sind wir versöhnt mit Gott und damit auch mit
 unserer eigenen Uneinigkeit und Zerrissenheit. Wir haben Frieden, wir
 bekommen den Mut, zu sein, wie wir sind, jung zu sein, so lange wir jung
 sind, alt zu sein, wenn wir alt sind. Natürlich gibt es auch schmerzliche
 Erfahrung im Leben. Paulus blendet sie nicht aus. Sie sind eine Realität.
 Ich denke dabei an schwere Krankheiten, an Verfolgung; ich denke an Sorgen
 um die Kinder, an den Tod naher Menschen; ich denke an berufliche Probleme
 und an die Arbeitslosigkeit. Das alles ist eine Realität. Aber Paulus sagt:
 Im Glauben kann diese dunkle Realität in einem anderen Licht erscheinen.
 Ja, diese dunklen Erfahrungen können in unserem Leben produktiv werden.@{b}

 Gott, oft fühle ich mich zerrissen, hin- und hergezogen zwischen vielen
 Ansprüchen und Forderungen. Schenke du mir Frieden und Gelassenheit und gib
 mir die Kraft, auch Schweres zu bestehen. Amen.@{ub}
                                                Karl-Heinz Lütcke



@ENDNODE
@NODE "Römer 5b" "Römer 5,6-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Römer 5,6-11@{ui}

@{b} Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns
 gestorben ist, als wir noch Sünder waren.@{ub}  Römer 5,8 (LB)

 Die übliche Weise unter Menschen, mit Schuld umzugehen, besteht darin, die
 Schuld möglichst schnell auf andere zu schieben. "Du bist schuld", sagen
 Kinder immer vom anderen, wenn sie Streit miteinander haben. Und die
 Erwachsenen machen es nicht anders: Immer finden sie, wenn etwas schief
 gegangen ist, einen anderen, der schuld ist; und die gegenwärtigen
 Schuldvorwürfe eskalieren oft zu großen Konflikten. Manchmal sind es sogar
 ganze Gruppen, die für ein Unglück verantwortlich gemacht werden.
 "An allem sind die Juden schuld". hieß es früher in schrecklicher
 Verdrehung der Wahrheit und mit schrecklichen Folgen. Man sieht, wie
 gerade der Versuch, Schuld auf andere zu schieben, die Schuld vergrößert.
    Auf diesen Hintergrund haben wir zu verstehen, was es bedeutet, wenn
 Jesus, der Schuldlose, Schuld auf sich nimmt: Mit seinem Leiden und Sterben
 trägt er mit an den Folgen menschlicher Schuld und Blindheit und schafft so
 Versöhnung und Frieden. Noch am Kreuz sagt er im Blick auf seine Peiniger:
 "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."
 Jesus trägt am Kreuz das Schicksal, das eigentlich alle anderen verdient
 hätten. er setzt sich den bitteren Erfahrungen des Menschseins aus. Hier
 liegt die Vollmacht begründet, mit der er nun zu einem neuen Umgang mit
 Schuld und Versagen befreit: nicht mehr Böses mit Bösem vergelten, sondern
 vergeben und barmherzig sein.@{b}

 Gott, himmlischer Vater. Am Kreuz deines Sohnes Jesus Christus erkennen wir
 deine Liebe. Wir bitten dich: Laß deine Liebe und deinen Frieden unter uns
 wirksam werden. Laß uns barmherzig miteinander umgehen. Mach uns bereit,
 einander zu vergeben. Mache uns zu Boten der Versöhnung in der Welt. Amen.
 @{ub}                                          Karl-Heinrich Lütcke



@ENDNODE
@NODE "Römer 5c" "Römer 5,12-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Römer 5,12-21@{ui}

@{b} Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen
 gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle
 Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt.@{ub}
 Römer 5,18 (LB)

 Von zwei großen Bewegungen ist in diesem Abschnitt die Rede: das eine ist
 die große Bewegung, die die Menschen seit Menschengedenken, seit Adam,
 bestimmt: die Sünde. Sie ist, wie wir immer wieder erfahren, eine
 machtvolle Bewegung, die immer neu Menschen in ihren Bann zieht, weil sie
 ansteckend ist: Da hat einer jemand anderen durch Bosheit verletzt, und nun
 will der sich rächen, setzt noch einen drauf, und langsam schaukelt sich
 die Geschichte zu einem massiven Konflikt hoch. Daß der Mensch sein will
 wie Gott, so beschreibt die Bibel das Wesen der Sünde. Sein wollen wie
 Gott, das heißt ja, daß wir uns selbst zum Herren und Maßstab machen,
 unsere Ziele und Wünsche absolut setzen, Recht behalten, das letzte Wort
 behalten wollen; und daraus wächst dann der zermürbende Kleinkrieg des
 Alltags, aber auch die großen Konflikte zwischen den Völkern. Auch die
 Zerstörung unserer Umwelt hat etwas mit dem welterobernden Handeln des
 Menschen zu tun, der sich selber zum Maßstab gemacht hat. Paulus
 charakterisiert diese Bewegung der Sünde, die mit Adam ihren Anfang nahm,
 als tödlich, todbringend. Und er stellt dieser tödlichen Bewegung die große
 lebensfreundliche Bewegung entgegen, die in Jesus Christus ihren Anfang
 genommen hat. Während die Menschen sonst sein wollen wie Gott und gerade
 dadurch ihr Leben zerstören, ist in ihm Gott menschlich geworden. Während
 im Zeichen der Sünde der Weg steht, der durch den Wunsch nach Allmacht und
 Herrschaft bestimmt ist, geht und weist Jesus den weg, der in er
 Bereitschaft zum Dienen im Zeichen der Liebe steht. In der christlichen
 Gemeinde wollen wir miteinander lernen, an dieser neuen Bewegung Anteil zu
 haben, die in Christus begonnen hat.@{ub}
                                           Karl-Heinrich Lütcke


@ENDNODE
@NODE "Römer 6a" "Römer 6,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Römer 6,1-11@{ui}

@{b} So auch ihr, haltet dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebt
 Gott in Christus Jesus.@{ub}   Römer 6,11 (LB)

 Noch einmal neu anfangen können . es gibt Situationen im Leben, wo solch
 ein Wunsch ganz stark ist: Wenn einer sich mit seinen Lebensentscheidungen
 in eine Sackgasse manövriert hat und nicht mehr aus noch ein weiß; oder
 wenn einer sein Leben als verpfuscht erlebt, enttäuscht sieht, wie alle
 sich von ihm abwenden. Verstrickt in die Folgen von Sünde (eigener wie
 fremder), so könnte Paulus eine solche Situation beschreiben, ja so sieht
 er den Menschen überhaupt. Dankbar blickt er zurück auf den Neuanfang, den
 die Taufe bedeutet. Diesen Neuanfang beschreibt er mit den kräftigsten
 Bildern: Der alte Mensch stirbt in der Taufe, und der neue Mensch, der in
 Gerechtigkeit lebt und in der Verbindung mit Christus, beginnt zu leben.
 Ganz augenfällig wird das in Kirchen, in denen die Taufe auch heute noch so
 vollzogen wird, wie es in früheren Zeiten Tradition war: so, daß der
 Täufling ganz eingetaucht und nicht nur mit Wasser benetzt wird. In solcher
 Taufpraxis kommt sehr plastisch vor Augen, worum es in der christlichen
 Taufe geht.
 Es fällt uns heute schwer, dieses totale Neuwerden nachzuvollziehen. Meist
 sind wir als kleine Kinder getauft und haben einen solchen Bruch in unserem
 Leben nicht erlebt. Darum ist es nötig, sich immer wieder auf die Taufe zu
 besinnen.
 Luther schreibt im Kleinen Katechismus: "Die Wassertaufe bedeutet, daß der
 alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und
 sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich
 herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und
 Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe."
 Leben mit Christus, von seinem Geist inspiriert sein - das ist also ein
 lebenslanger Prozeß. "Ich bin getauft!", das hat Luther sich in
 Krisenzeiten, in Zeiten des Zweifels immer wieder eingeprägt, sich wie an
 einem Strohhalm daran festgehalten. Das dürfen auch wir uns sagen lassen:
 Gott läßt dich nicht fallen; Gott läßt dich neu anfangen.@{b}

 Manchmal fühle ich mich so erschöpft und ausgebrannt. Ich leide darunter,
 daß mir nicht gelingt, was ich mir vorgenommen habe. Schenke mir, Gott, den
 Geist der Erneuerung, der mir neuen Mut und neue Kraft geben kann. Amen.
 @{ub}                                           Karl-Heinrich Lütcke



@ENDNODE
@NODE "Römer 6b" "Römer 6,12-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Römer 6,12-23@{ui}

@{b} Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige
 Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.@{ub}   Römer 6,23 (LB)

 Was ungerechte Praxis, Willkür ist, das wissen wir ja alle sehr gut. Schon
 Kinder haben ein sehr waches Gefühl für Ungerechtigkeit, und sie nehmen es
 nicht hin, wenn in einer Familie das eine Kind ständig bevorzugt wird. So
 können wir uns sehr wohl vorstellen, was Gerechtigkeit ist, im großen, im
 Weltmaßstab, aber auch im kleinen, in unserem Alltag. Paulus ermahnt, mit
 Leib und Seele, mit allen Gliedern den Weg der Gerechtigkeit zu suchen,
 dazu zu helfen, daß Menschen nicht im Elend leben müssen. Dieser Weg von
 der Ungerechtigkeit zum Dienst der Gerechtigkeit ist ein Weg in die
 >Freiheit: Heraus aus der Knechtschaft der Sünde, die uns in uns selbst
 gefangen hält. Daß Schuld belasten und einen Menschen gefangenhalten kann,
 das wissen wir. Der Sünde Knecht - das meint aber noch mehr. Wer gefangen
 ist von der Sünde, der kommt nicht los davon, der kann nicht anders, selbst
 wenn er möchte, so wie ein Suchtkranker, ein Alkoholiker zum Beispiel, der
 nicht anders kann als seine Sucht zu folgen und zu trinken.
 Das der Weg der Ungerechtigkeit und der Sünde nichts Gutes bringt, sondern
 menschliches Leben verletzt, weil ein böses Wort das andere ergibt und
 Konflikte eskalieren, das erfahren wir täglich.
 So verstehen wir es, wenn Paulus sagt: Der Sünde Sold ist der Tod. Um so
 wichtiger ist es, die in der Taufe geschenkte Gabe zu ergreifen, die
 Freiheit von der Macht der Sünde im Dienst der Gerechtigkeit. Durch die
 Taufe, so meint Paulus, sind wir befreit aus den tödlichen Kreisläufen der
 eskalierenden bösen Worte und verletzenden Taten. Weil wir zu Gott gehören,
 brauchen wir nicht selber wie Gott sein zu wollen, brauchen wir nicht immer
 den Überlegenen zu spielen. Wer aus dem Frieden mit Gott lebt, der kann
 vergeben, also auch im Konflikt nachgeben und den ersten Schritt der
 Versöhnung tun. Der kann sich zugestehen, daß er Felder macht und muß
 deswegen nicht immer Schuld auf andere schieben.@{b}

 Gott, ich möchte in meinem Leben Liebe üben, auf dem Weg von Gerechtigkeit
 und Versöhnung gehen. Aber immer wieder erlebe ich, wie wenig das gelingt.
 Gib du mir neue Kraft, daß in mir nicht das Böse, sondern dein guter Wille
 wirksam wird. Amen.@{ub}
                                            Karl-Heinrich Lütcke



@ENDNODE
@NODE "Römer 6c" "Römer 6,19-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Römer 6,19-23@{ui}

@{b}                 Das geschenkte Leben@{ub}

 Wir sind wohl alle dafür dankbar, daß bei uns die Todesstrafe abgeschafft
 ist. Wir können uns nicht vorstellen, welche Not es gewesen ist, von dieser
 Strafe betroffen zu sein. Eher können wir nachfühlen, wie einem
 Verurteilten zumute war, wenn er begnadigt wurde. Sein altes und verwirktes
 Leben wurde ihm ganz neu geschenkt. Eine gewaltige Last muß von seiner
 Seele gewichen sein. Mit großer Erleichterung konnte er sein Leben neu
 beginnen.
 Solche außerordentliche Befreiung zu neuem Leben erfahren wir, wenn wir
 durch die heilige Taufe den Tod und die Auferstehung unseres Herrn Jesus
 Christus an uns vollzogen wissen. Gott schenkt uns das Leben neu. Wir
 können darüber gar nicht genug nachdenken. Heute möchte uns der Apostel
 Paulus die die Köstlichkeit dieser Lebensgabe, die Gott uns gegeben hat,
 erneut vor Augen stehen, Was Gott uns in seinem Wort und Sakrament
 verspricht und gibt, ist ewig gültig. Daran kann niemand und nichts
 rütteln. Er hat uns in sein Leben hineingenommen, uns sein eigenes,
 unzerstörbares Leben verliehen. Morgenglanz der Ewigkeit fällt in unser
 Leben ein. Sicher bleibt der Tod vor uns. Er verliert jedoch seine notvolle
 und zerstörende Qualität. er wird zu einer Station in unserm Leben, wie es
 Krankheit und Leiden auch sind. Der Tod kann über uns nicht herrschen. Gott
 beherrscht den Tod. Ewige Freude wird über unserem Haupte sein, wenn wir
 das richtig begreifen. Und Begreifen ist nicht nur eine Sache des Denkens,
 sondern, wie das Wort es plastisch ausdrückt, eine Sache der Hände und
 Füße. Das geschenkte Leben von Gott will ergriffen sein, weil er uns
 ergriffen hat. Nun können wir mit Leib und Seele, Augen, Ohren und allen
 Gliedern, Vernunft und allen Sinnen mit Gott leben. Wie Albrecht Dürers
 "Ritter zwischen Tod und Teufel" dürfen wir kraftvoll und unbeirrt den
 Lebensweg Gottes mitgehen und dabei wie der Kämmerer aus Äthiopien nach
 seiner Taufe unsere Straße fröhlich ziehen. Dafür Gott zu danken und zu
 loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein, sind wir ihm schuldig. Was
 hier Martin Luther im Katechismus vom geschöpflichen Leben sagt, das gilt
 ja erst recht für das geschenkte Leben, das Gott uns für alle Ewigkeit
 verliehen hat. Diese Freude soll uns heute bestimmen.@{b}

 Nun bitten wir dich, Jesu Christ, weil du vom Tod erstanden bist, verleihe,
 was uns selig ist; damit von Sünden wir befreit dem Namen dein gebenedeit
 frei mögen singen allezeit: Halleluja. Amen.@{ub}



@ENDNODE
@NODE "Römer 7a" "Römer 7,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                   Römer 7,1-6@{ui}

@{b} Nun aber sind wir vom Gesetz frei geworden und ihm abgestorben, das uns
 gefangen hielt, so daß wir dienen im neuen Wesen des Geistes und nicht im
 alten Wesen des Buchstabens.@{ub}   Römer 7,6 (LB)

 Um den richtigen Umgang mit Gottes Geboten geht es dem Apostel Paulus. er
 hat die Gefahr vor Augen, daß Gottes Wille da gerade nicht befolgt wird, wo
 wir aus der guten Weisung ein System von Gesetzen machen, mit dessen Hilfe
 wir unser Leben in eigener Regie zu bewältigen meinen. Die Folge ist dann
 entweder Angst (etwas falsch zu machen) oder Hochmut (ich mache alles
 richtig, ich habe mein Leben im Griff), meist sogar in einem ständigen Hin
 und Her: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.
 An kleinen Alltagserfahrungen kann man deutlich machen, was auch im Großen
 gilt: Wenn ich irgendetwas leisten muß und ein anderer, der mir nicht
 wohlgesonnen ist, guckt mir ständig mit kritischen Blick über die Schulter
 und kommentiert jeden Fehler bissig, dann gelingt mir am Ende gar nichts
 mehr, dann bin ich ein Sklave des Gesetzes. Wenn ich aber frei, in einer
 Atmosphäre des Vertrauens arbeiten kann, dann gelingt mir auch besser, was
 ich soll. Im Großen meint Paulus so etwas, wenn er vom Dienst im neuen
 Wesen des Geistes spricht, im Unterschied zur tödlichen, lähmenden Macht
 des Buchstabens, Freiheit vom Gesetz - diese biblische Parole meint
 deswegen nicht Vernachlässigung des Willens Gottes. Diese Parole meint
 vielmehr: Die Liebe Gottes, die in Christus erschienen ist, macht uns frei,
 steckt uns an, gibt uns den Geist, der Leben fördern will. Nicht mit der
 Angst, alles falsch zu machen, sondern mit Freude werden wir dann
 versuchen, Gottes Willen zu tun, anderen mit Liebe zu begegnen und
 pfleglich mit Gottes Schöpfung umzugehen.@{b}

 Es gibt so viele Stimmen um mich herum, die von mir etwas wollen, mich
 auffordern, etwas zu tun. Schenke mir, Gott, Klarheit, daß ich erkenne, was
 jetzt für mich nötig ist zu tun, und gib mir die Freiheit, es mit freudigem
 Herzen zu tun. Amen.@{ub}
                                               Karl-Heinrich Lütcke



@ENDNODE
@NODE "Römer 7b" "Römer 7,7-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 7,7-13@{ui}

@{b} Durch das Gebot sollte die Sünde sich in ihrem ganzen Ausmaß als Sünde
 erweisen.@{ub}   Römer 7,13 (EÜ)

 Gottes Gebote, und jedes einzelne davon, entsprechen dem Willen Gottes mit
 uns Menschen. Zehn Gebote haben wir bekommen. Wieviele der Gebote aber
 werden in unserem täglichen Leben berücksichtigt und eingehalten? Gottes
 Gebote sind ja keine Gängelung des Menschen. Es sind vielmehr Geländer für
 ein gemeinsames Leben. Damit wir wissen, wo es langgeht. Wenn Gottes Gebote
 gehalten würden, könnte das zu einem menschenwürdigen Leben untereinander
 und in Übereinstimmung mit Gottes Willen führen. Die Bibel sagt uns in der
 Summe ihrer Aussagen, daß die Gebote ins Leben führen. Die Sünde aber
 verwandelt, was zum Leben gegeben ist, in den Anlaß zu Untergang und
 Absterben vor Gott. Denn im Widerstand gegen Gottes Gebote kommt erst der
 ganze innere Widerstand  und Aufruhr gegen Gott und seinen Willen mit uns
 zum tragen. Und das führt uns zur Trennung mit Gott, führt in eine
 gnadenlose Welt der Selbstdurchsetzung, in der der Mensch zum Feind des
 Menschen wird. Ohne Gottes Gebot wird unser menschliches Zusammenleben zum
 gnadenlosen Konkurrenzkampf untereinander. Das Gebot als Grenzziehung und
 Richtlinie macht unsere Sünde erst offenbar und deutlich.
 Sünde ist ein altes Wort, das von "Sund" herstammt. Sund bedeutet Trennung.
 Der Große und der Kleine Sund trennen bis heute einst zusammenhängendes
 Land im Diesseits und Jenseits. Alles, was uns von Gott trennt, also auch
 die Nichtbeachtung seiner Gebote, ist Sund/Sünde und führt von Gott weg in
 Tod und Untergang.@{b}

 Herr, mach uns deinen Willen und deine Gebote als Weg zum Leben wieder neu
 deutlich, damit wir richtig leben und nicht am wirklichen Leben
 Vorbeiexistieren.@{ub}
                                                Helmut Ludwig



@ENDNODE
@NODE "Römer 7c" "Römer 7,14-25a"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Römer 7,14-25a@{ui}

@{b}                 Gerecht und Sünder zugleich@{ub}

Diese Beschreibung des Christenlebens steht in Luthers Erklärung des
 Römerbriefes, die aus der Zeit vor dem Thesenanschlag 1517 stammt. Man kann
 daneben auch die Worte aus dieser Erklärung stellen: "Die Summe dieses
 Briefes ist: zu zerstören, auszurotten und zu vernichten alle Weisheit und
 Gerechtigkeit des Fleisches... und einzupflanzen, aufzurichten und
 großzumachen die Sünde."
 Bei unserem Abschnitt aus dem Brief mag man an das eben zitierte Lutherwort
 denken. Hier wird wirklich die Sünde "großgemacht". Manchem mögen diese
 Worte als überspannt und zu einseitig erscheinen. Stimmt wirklich immer,
 was hier steht: "Ich tue nicht, was ich will, sondern was ich nicht will,
 das tue ich"? Wohl wissen wir, daß das manchmal so ist: Wir tun nicht, was
 wir eigentlich tun wollen oder sollen. Die Gründe dafür mögen verschieden
 sein: Wir sind nicht allwissend und können trotz bester Absicht manchmal
 irren; wir können aus falscher Rücksicht oder aus Angst etwas tun, bei dem
 wir ein schlechtes Gewissen haben. Aber das ist noch nicht immer der Fall.
 Hat Paulus nicht zu schwarz gesehen? Wir wollen aber bedenken: Hier spricht
 Paulus las Christ. Die Begegnung mit dem auferstandenen Christus hat ihn
 sein ganzes bisheriges Leben anders sehen lassen. Einst hatte er sich
 eifrig bemüht, genau nach dem alttestamentlichen Gesetz zu leben. Doch seit
 der Begegnung mit Christus muß er das als Irrweg ansehen, er hat
 tatsächlich das Böse getan. Von diesen seinen Erfahrungen aus sind seine
 Worte verständlich. Sie sind aber auch viel mehr als nur ein persönliches
 Bekenntnis. Wenn der Apostel immer wieder das Wort "Ich" gebraucht, so
 meint er mit diesem Ich im Grunde alle Christen.
 Hier wird der Zwiespalt deutlich, in dem wir alle leben. Unser guter Wille
 und unsere taten klafften immer wieder weit auseinander. Das sieht Paulus,
 und so bleibt ihm nur der Klageruf: "Ich elender Mensch!"
 Doch das ist nicht der Schrei eines hoffnungslos Verzweifelten, denn es
 folgt alsbald das Bekenntnis. "Ich danke Gott durch Jesus Christus, meinen
 Herrn." Gott hält uns als die, die immer wieder straucheln, dennoch bei
 sich fest. Luther hat mit seinem am Anfang zitierten Wort "gerecht und
 Sünder zugleich" unser Christenleben richtig zusammenfaßt.@{b}

 Herr Jesus Christus! Wir wissen, daß wir vor dir immer wieder schuldig
 werden und nicht nach deinem Vorbild handeln. Wir danken dir, daß du uns
 nicht aufgibst. Laß uns dir im Leben und Sterben fest vertrauen! Amen.
@{ub}


@{i}                       Römer 7,14-25@{ui}

@{b} Denn ich tue das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht
 will.@{ub}   Römer 7,19 (EÜ)

 Das habe ich nicht gewollt, sagt einer, der Unglück angerichtet hat. Und
 tatsächlich darf man unterstellen, daß manches durch Menschen angerichtete
 Unheil oder Unglück nicht bewußt gewollt war. An den Verkehrsregeln wird
 deutlich, wie das gemeint ist: Es gibt Verkehrsregeln, Gebote und auch
 Verbote. Jeder weiß, daß das gut so ist. Ohne solche Regeln hätten wir das
 große Chaos im Straßenverkehr.
 Und obwohl wir wissen, daß es gut ist, nach den als sinnvoll erkannten
 Regeln zu leben und zu handeln, passiert es immer wieder, daß die
 Verkehrsgesetze übertreten werden. Keine Bußgeldordnung kann das strikte
 Einhalten der Verkehrsregeln erzwingen. Wenn es dann hinterher passiert
 ist: Blechschaden, Menschenschaden, Karambolagen mit mehrfach hohem
 Schaden, heißt es immer wieder: Das habe ich nicht gewollt. Und dieses
 nachträgliche "Das habe ich nicht gewollt" bringt nichts wieder zurecht,
 macht das Unglück nicht kleiner. Es ist merkwürdig: Das Gute, Vernünftige,
 Richtiger gerät uns oft ins genaue Gegenteil: ins Ungute, Unvernünftige und
 Verkehrte.
 Warum ist das so? Weil wir das Gute, das wir eigentlich tun
 wollten, nicht tun. Da ist oft etwas, was sich zwischen unser Wollen und
 Tun klemmt. Die Bibel nennt das die Sünde, die uns vom Guten und von Gottes
 Willen trennt und uns immer wieder ins Unglück reißt. Das zu bejammern,
 macht nichts besser. Es ändert sich nur wenn wir konsequent nach Gottes
 Willen fragen und ihn tun.@{b}

 Herr, unser Gott, laß uns loskommen vom eigenen Selbstbehauptungswillen und
 vom Hang zum Bösen und führe uns auf deinen Weg zum Guten, der zum Ziel
 bringt. Hilf, daß wir das Gute nicht nur wollen, sondern auch tun.@{ub}
                                                    Helmut Ludwig

@ENDNODE
@NODE "Römer 8a" "Römer 8,1-11"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 8,1-11@{ui}

@{b}            Gottes Geist will an uns wirken@{ub}

Jeder der sich zu Jesus hält, wird auch mit seinem Geist erfüllt werden. Er
 bleibt zwar ein Mensch von Fleisch und Blut mit seinen Fehlern und
 Schwächen, aber Christi Gerechtigkeit wird ihm angerechnet. Christus allein
 hat nämlich das Gesetz so erfüllt, wie es von Gott gemeint war. Seine
 Botschaft und sein Leben haben deutlich gemacht, wie sich jeder Mensch zu
 Gott und seinem Mitmenschen verhalten sollte. Jesu Leiden und Sterben
 zeigen uns aber auch, zu welchem Unrecht wir Menschen auf Grund unserer
 selbstgemachten Grundsätze fähig sind. Was damals Jesus geschehen ist,
 könnte sich ähnlich immer wieder ereignen. Gott aber hat Jesus von den
 Toten auferweckt. Er hat damit Jesu Botschaft bestätigt, die uns zusagt,
 daß Gottes Liebe und Vergebung größer ist als alle unsere Schuld. Das ist
 die Botschaft des Apostels Paulus in seinem Brief an die Christen in Rom.
 Das ist auch der zentrale Inhalt der Verkündigung der Kirche. Oft geht sie
 über unsere Köpfe hinweg und an uns vorbei. Aber immer wieder wird sie auch
 uns und andere erreichen. Und wo das geschieht, ist Gott mit seinem Geist
 an uns wirksam. Wir werden uns dann unserer eigenen Schuld und ihrer
 schlimmen Möglichkeiten bewußt. Deshalb werden wir nicht mehr auf unsere
 eigenen Kräfte und Vorsätze vertrauen und uns nicht mehr von ihnen leiten
 lassen. zu oft schon sind Menschen dadurch zu Handlangern des Todes
 geworden, daß sie versucht haben, ihre Vorstellungen gegen andere
 durchzusetzen. Für das Leben und den Frieden werden wir nur dann etwas
 ausrichten, wenn wir den Geist der Liebe Gottes in uns Raum geben. Sie
 trägt und ermutigt uns. Nach einem Rückfall in unsere alte egoistische
 Lebensweise ermöglicht sie uns den Neuanfang. Sie macht uns auch bescheiden
 im Blick auf uns selbst. Wir sind ja nicht durch unsere guten Taten vor
 Gott gerecht, sondern nur durch das Eintreten Christi für uns. Christus ist
 aber auch für die anderen eingetreten, auch wenn sie es noch nicht wissen
 oder wahrhaben wollen. Darum können wir es Gott zutrauen, daß er gerade
 auch die durch seine Liebe überwinden kann und will, von denen wir es nicht
 erwarten. Für sie und uns sollen wir Gott darum bitten, daß er durch seinen
 Geist an uns wirken möge.@{b}

 Wir danken dir, himmlischer Vater, für die Vergebung unserer Schuld und
 bitten dich: Erfülle uns und alle Menschen mit dem Geist deiner Liebe damit
 wir tun können, was dem Leben und dem Frieden dient. Amen.@{ub}


@{i}                       Römer 8,1-11@{ui}

@{b} Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich
 frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.@{ub}   Römer 8,2 (EÜ)

 Wer so lebt, kann sich wirklich frei fühlen. Die Rechtfertigung hat den
 heiligen Geist freie Bahn verschafft. Da sind die alten Abhängkeiten und
 das Verfallensein an an Sündentrennung und Tod erledigt und abgeschafft.
 Jesus, der Christus Gottes, stellt die Garantie der neuen Freiheit dar.
 Sein Kommen in unsere Welt und in unser Dasein ist die große Befreiung von
 aller bisherigen Unfreiheit. Das Gesetz der Sünde und des Todes ist für
 alle, die im neuen Geist der Freiheit leben, erledigt, abgeschafft und
 überholt. So schön und befreiend das alles in unseren Ohren klingt, so sehr
 verlangt es unser Mittun und unsere Aktivität im Geist der Freiheit. Das
 heißt: Der Geist des Lebens in Jesus Christus muß in unserer Lebenspraxis
 spürbar werden. Anders gesagt: Beim wirklichen Christsein mit neuem Geist
 und neuem Leben in der Freiheit Jesu Christi geht es nicht ums
 Sprücheklopfen, sondern um die tägliche Praxis. Darum können und sollen
 Christen keine verklemmten Menschen sein, die immer rückwärts blicken und
 dadurch eng und ungenießbar sind. Freie Menschen, die durch Jesus Christus
 ihre neue Freiheit gewonnen haben, sind Menschen, die Zukunft vor sich
 haben und deren Vergangenheit ausgelöscht und erledigt ist. Wer aber immer
 in seiner Vergangenheit lebt, den können Sünde, Untergang und Tod ganz
 schnell einholen. Christen sollen und dürfen dem heiligen Geist etwas
 zutrauen, daß er nämlich frei macht und ein Geist des Lebens ist.@{b}

 Herr, unser Gott, nimm du uns hinein in die Rechtfertigung und Freiheit
 deines Sohnes, Jesus Christus.@{ub}
                                                   Helmut Ludwig



@ENDNODE
@NODE "Römer 8b" "Römer 8,12-17"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 8,12-17@{ui}

@{b} Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes.@{ub}
 Römer 8,14 (EÜ)

 Richtiger müßten wir sagen: Die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind
 Kinder Gottes; denn dieses Römerbrief-Wort gilt ja nicht nur den Herren.
 Die Damen sind voll eingeschlossen. Im nachfolgenden Vers steht: Ihr habt
 den Geist empfangen, der euch zu Söhnen und Töchtern Gottes macht. Darum
 können wir Gott vertrauensvoll Vater nennen. Etwa im Vaterunser!
 Das setzt aber nun voraus, daß das Leben mit Gott stimmt und in Ordnung
 ist. Das meint nämlich der Satz: Alle, die sich von Gott leiten lassen. Es
 bedeutet, daß wir unsere Sorgen und Freuden, unseren Alltag und Feiertag
 mit Gott leben und mit ihm besprechen. Im Gebet mit Gott reden und sich vom
 ihm Leitordnung erbitten.
 In einer Schulklasse wurde der Religionsunterricht (geheim und schriftlich)
 erfragt, wer noch täglich betet. Eine verschwindende Minderheit
 signalisierte, daß sie noch täglich zu Gott bete. Und die anderen? Sie
 gaben frei zu, in den Tag hinein zu leben.
 Wächst da eine vaterlose Generation heran? Den leiblichen Vater sehen
 tagsüber die wenigsten, allenfalls abends beim Fernsehen. Es wird erzählt:
 Als der Fernseher defekt war, sah der Vater seinen Vierzehnjährigen an und
 sagte: Junge, wie bist du groß geworden! - Wie wäre es, wenn Gott zu seinen
 Söhnen sagen würde: Wie seid ihr mir fremd geworden? -
 Söhne und Töchter Gottes, die jungen und die alten, sind alle die, die sich
 vom Geist Gottes leiten lassen und zu Gott vertrauensvoll "Vater" sagen
 dürfen. Was geschieht mit einer Menschheit, die sich vom Geist Gottes
 wegstiehlt und nur noch nach eigenen Maßstäben lebt?@{b}

 Herr, unser Gott, laß nicht zu, daß wir uns deiner Geistesleitung entziehen
 und dir fremd werden!@{ub}
                                                    Helmut Ludwig



@ENDNODE
@NODE "Römer 8c" "Römer 8,18-25"
@TOC "MAIN"
@{i}                    Römer 8,18-25@{ui}

@{b} Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem
 Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er
 ihr Hoffnung.@{ub}    Römer 8,20 (EÜ)

 Gott ist der Herr der ganzen Schöpfung. Auch die Schöpfung ist ihm
 unterworfen. Das sollten wir uns heutzutage besonders deutlich machen. Wir
 Menschen sind ja Teil der Schöpfung. Auch die Schöpfung ist ihm
 unterworfen. Das sollten wir uns heutzutage besonders deutlich machen. Wir
 Menschen sind ja Teil der Schöpfung Gottes. Und wir sind auch der
 Vergänglichkeit unterworfen. Aber wo steht in der Bibel je geschrieben, daß
 wir die Schöpfung ausbeuten und zerstören sollen oder auch nur dürfen? Im
 Gegenteil, der Mensch soll Hüter und Bewahrer der Schöpfung sein! Davon
 haben wir uns freilich weit entfernt. Tiere sind ausgerottet, die
 Regenwälder werden gerodet, Pflanzen sind weggespritzt worden, die Schätze
 der Erde werden ständig geplündert. Hinterlassen wir unseren Kindern und
 Enkeln eine zerstörte, geplünderte, ausgedörrte Erde, mit der sie nichts
 mehr anfangen können, weil sich auf solcher Erde nicht mehr leben läßt? Wir
 selbst erleben ja Klimaverschiebungen in erheblichem Ausmaß. Die Rede ist
 vom Ozonloch und anderen, wahrscheinlich irreparablen Schäden. So hat Gott
 die Vergänglichkeit seiner Schöpfung ganz gewiß nicht kalkuliert. Er gab
 der Schöpfung und uns Hoffnung. Die Schöpfung und wir leben aus der
 Hoffnung einer künftigen Befreiung von Abhängigkeit und Zerstörung.
 Die Befreiung der ganzen Schöpfung einschließlich der Menschheit hängt aber
 zusammen mit dem Freiwerden der Menschen von Sünde, Schuld und Untergang.
 Der alte und in seinen Abhängigkeiten befangene Mensch wird nur auf
 Ausbeutung der Schöpfung zu eigenem Vorteil bedacht sein. Der neue Mensch
 der Freiheit Gottes und der Hoffnung sieht Gottes Schöpfung in einer ganz
 neuen Sicht.@{b}

 Herr, schenke uns deine Freiheit, die uns die Schöpfung erhalten und
 bewahren hilft und Umkehr bewirkt.@{ub}
                                                Helmut Ludwig



@ENDNODE

@NODE "Römer 8d" "Römer 8,26-30"
@TOC "MAIN"
@{i}                     Römer 8,26-30@{ui}
@{b}                    Beter haben Hilfe@{ub}

Ein hagerer, abgezehrt aussehender und nervöser Erzbischof, so erzählt eine
 Anekdote, klagte vor Papst Johannes XXIII., er könne unter der
 Verantwortung seines Amtes kaum noch schlafen. Die vielen Mißstände in der
 Welt, die Unzulänglichkeiten in der Kirche! Die Sorgen erdrückten ihn. Der
 Papst sah ihn gütig an: "Das verstehe ich. Mir ging es genauso, als ich
 Papst wurde. Doch eines Nachts kam ein Engel und sagte mir nur den einen
 Satz: Johannes, nimm dich nicht so wichtig!"
 Ich denke, das bedeutet, daß wir Gott mehr vertrauen sollten. Wenn das Heil
 der Welt und unserer kleinen Umgebung nur von uns selbst abhinge, dann
 stände es sicher schlimm. Sosehr wir uns auch mühen, wir sind zu schwach.
 Diese Schwachheit beeinträchtigt nicht nur unser äußeres Leben, sondern
 macht sich auch in unserem inneren Leben bemerkbar. Wie tröstlich, daß wir
 jetzt von Paulus erfahren: Der Geist hilft unserer Schwachheit auf! Gottes
 Geist hilft, wo wir nichts vermögen. Er vertritt uns. Wir brauchen uns
 nicht unserer Gebetsunfähigkeit zu schämen. Der Geist tritt für uns ein.
 Wir können bei Gott nicht besser vertreten sein. Zwar gilt Jesu Verheißung
 "Bittet, so wird euch gegeben", es gilt aber auch Luthers Erfahrung: Es ist
 das allerbeste Zeichen, wenn auf unsere Bitten hin scheinbar gerade das
 Gegenteil eintritt. Was Gott auch tut, es geht ihm immer um die
 Herrlichkeit, die uns offenbart werden soll. "Gott erfüllt nicht alle
 unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen", sagt Bonhoeffer. Darauf
 zielt das Wirken des Geistes. Dem dürfen wir vertrauen. Was Paulus
 schreibt, dürfen wir für bare Münze nehmen. Wir dürfen wissen, daß denen,
 die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Eine Illustration dieser
 Worte finden wir bei Paul Gerhardt, dessen Liedverse vielen Menschen Gebet,
 Hilfe und Trost geworden sind, ganz besonders dieser: "Befiehl du deine
 Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel
 lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch
 Wege finden, da dein Fuß gehen kann."
 In wenigen Tagen, am Pfingstfest, denken wir daran, daß die Jüngerschar in
 Jerusalem damals diese Erfahrung machen durfte. Es möchte auch unsere
 Erfahrung werden, darum bitten wir: Komm, Heiliger Geist, und hilf uns!@{b}

 Himmlischer Vater, der du die Herzen durch den Heiligen Geist erleuchtest.
 Hilf unserer Schwachheit auf, damit wir erkennen, was du für uns bereitet
 hast, und dich dafür mit aller Christenheit loben und preisen. Amen.@{ub}


@{i}                      Römer 8,26-30@{ui}

@{b} Wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt.
@{ub}   Römer 8,28 (EÜ)

 Nirgendwo in der Bibel ist versprochen worden, daß Gott den Seinen Leid und
 Kummer erspart. Gottes Wort ist keine Lebensversicherung zu problemlosem
 Durchkommen. Sein Sohn Jesus Christus hat vorgelebt, daß auch denen, die
 auf Gottes Seite stehen und sein Lebenswerk erfüllen, keine immerwährende
 Lebens-Sonnenscheingarantie beschert ist. Er, der Sohn Gottes selbst, hat
 das Leid bis in die tiefsten Tiefen erlebt und durchlaufen. Wir können und
 wollen froh und dankbar sein, wenn uns Leid im Leben erspart bleibt. Aber
 auch dort, wo das nicht der Fall ist, wo Leid und Kummer uns niederdrücken
 und sehr zu schaffen machen, sollen wir wissen und uns hoffend darauf
 verlassen: bei denen, die Gott lieben, wird Gott alles zum Guten und Besten
 führen. Das zu glauben und sich hoffnungsvoll darauf zu verlassen, nimmt
 Kummer und Leid seine Endgültigkeitszwänge. Gerade im Leid brauchen wir
 einen, an den wir uns klammern, der uns hält und nicht in unserem großen
 Kummer versacken und untergehen läßt. Wer sich gerade auch in Kummer und
 Leid an Gottes Hand festhält und klammert, wird erleben, daß sich selbst in
 scheinbarer Ausweglosigkeit immer wieder ein Weg öffnet, der aus der
 Talsohle herausführt.
 Wer im Leid beten kann und so mit Gott in Verbindung bleibt, den läßt Gott
 nicht fallen. Den läßt Gott nicht allein und im Stich. Wir sind nach Gottes
 Plan zur Freiheit von allen Abhängigkeit berufen. Auch von den
 Abhängigkeiten von Kummer und Leid.@{b}

 Herr, unser Gott, hilf uns aus allen Abhängigkeiten, auch aus Kummer und
 Leid, immer wieder zurück zur Freiheit derer, die dich als ihren Vater
 lieben. Herr führe auch bei uns alles zum Guten.@{ub}
                                                 Helmut Ludwig



@ENDNODE
@NODE "Römer 8e" "Römer 8,31-39"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 8,31-39@{ui}

@{b} Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?@{ub}  Römer 8,31 (EÜ)

 Die Gewißheit des Glaubens, die aus diesen Versen spricht, ist
 faszinierend. Es scheint, als habe der Apostel alles vergessen, was
 beschwerlich ist in seinem Leben. Der Gedanke an Gottes Liebe, die sich
 bedingungslos auf die Seite der Menschen stellt und so Partei für sie
 ergreift, daß er sogar seinen eigenen Sohn zugunsten der Menschen in die
 Waagschale wirft, läßt den Schreiber in großer Gelassenheit alle
 Herausforderungen annehmen.
 Gegen den Auserwählten Gottes gibt es keine Ankläger, und wenn einer
 versucht, Klage zu erheben, hat er verspielt ehe er anfängt. Und wer sind
 diese "Auserwählten"? Jene, die angefangen haben, Gott zu lieben, weil Gott
 ihnen alles geschenkt hat. Sie sind in Gottes Heilshandeln so
 hineingenommen, daß alle Verurteilung um der Sünde willen hinter ihnen
 gelassen wird. Wenn Menschen unverdienterweise ins Recht setzt, dadurch,
 daß der für sie Gestorbene und Auferweckte sich auf ihre Seite stellt und
 für sie eintritt - dann kann passieren, was will! Dann gibt es keine Macht
 der Welt - bekannte und unbekannte -, dann gibt es keine Beschwernis noch
 Drangsal - schon erlittene und noch bevorstehende -. die den Glaubenden aus
 der Bahn bringen können. Alle leiden dieser Welt können den Lobpreis auf
 Gottes Liebe, die uns im Messias Jesus gezeigt und erwiesen ist, nicht zum
 Verstummen bringen. Im durch nichts zu erschütternden Festhalten an dieser
 Liebe wird das Leben des Glaubenden zum Sieg über alles, was sich ihm in
 den Weg stellt.@{b}

 Wenn ich das lese, geht mir das Herz auf. Ich halte  mich fest an der
 glaubenden Zuversicht und Gewißheit dieses Glaubenden, der in Worte faßt,
 worauf sein Leben gründet. Mein Gott, ich spreche die Worte nach, ich lese
 sie wieder und wieder. Wer kann gegen mich sein, wer mich verurteilen? Was
 kann mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem
 Herrn. Was ergibt sich, wenn ich das alles bedenke?@{ub}
                                                       Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "Römer 9a" "Römer 9,1-5.31-10,4"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 9,1-5.31 - 10,4@{ui}

@{b}                        Was sich Gott leistet@{b}

"Wissen Sie", sagte neulich ein Kirchenältester, "die
 Vorstellungsgottesdienste müssen wir abschaffen. Die Konfirmanden müssen
 wieder geprüft werden. Bibelverse und Gesangbuchlieder sollten Sie
 auswendig lernen lassen. Wir mußten das auch. Das hat keinem geschadet."
 Abrufbares Wissen, Leistung zum Vorzeigen, das imponiert. Damit kann sich
 jeder sehen lassen.
 Der Mann, der das sagte, war ein gewissenhafter Arbeiter, ein treusorgender
 Vater. Er konnte selten "Nein" sagen, wenn man ihn brauchte. Ständig darauf
 festgelegt, Leistung zu bringen, beurteilte er mit diesem Maßstab die
 Menschen um sich herum. Und was jeden Tag richtig ist, warum sollte es
 nicht auch vor Gott gelten? Man könnte meinen, wir seien in einer jüdischen
 Gemeinde zur Zeit des Paulus. Selbstdisziplin, Strenge und Fleiß machen
 einen ordentlichen Menschen. Nur wenige konnten da mithalten. Die aber
 standen vor den anderen gut da. Das waren die Frommen, die es wirklich
 ernst nahmen mit Gott und ihrem Glauben. Jeder konnte es sehen, wie sie
 lebten, in der Bibel lasen und treu die Tradition bewahrten. Das imponiert
 und verschafft Ansehen. Solche Macht, gegründet auf die eigene moralische
 Überlegenheit, konnte nicht übersehen werden. Vor anderen und vor Gott zu
 glänzen, das ist eine Versuchung, ja oft gegründet auf die eigene
 moralische Überlegenheit, konnte nicht übersehen werden. Vor anderen und
 vor Gott zu glänzen, das ist eine Versuchung, ja oft sogar eine Erwartung:
 Eine gute Familie, eine intakte Ehe, eine einsatzbereite Einstellung, das
 erwarten wir von einem Christen, besonders dann, wenn er Mitarbeiter in
 einer Kirche ist. Leistung vor Menschen und vor Gott. Seit Jesus auf dieser
 Welt gelebt hat, kommt es nicht mehr darauf an, wie wir uns selbst oder
 andere beurteilen, sondern wie Gott uns mit unseren guten und schlechten
 Seiten brauchen will. Es geht nicht darum, einen großartigen Menschen
 aufzubauen: Das hat er alles im Konfirmandenunterricht gelernt, das weiß er
 alles aus der Bibel, das hält er alles für wahr. Für das Leben wichtig ist
 nur, es Jesus gleichzutun, der am Kreuz alles aufgeben kann, außer seinen
 Vater im Himmel. Dieser Stein des Anstoßes bleibt durch alle Zeiten
 hindurch: der Liebe zu vertrauen. Eigentlich haben wir schon als Kinder
 gelernt, wir wurden für unsere Eltern nicht liebenswerter durch moralische
 Anstrengungen. Wir sind geliebt.@{b}

 Jesus, es fällt uns schwer, darauf zu verzichten, aus unserem Leben etwas
 zu machen. Stehe uns im Weg, wenn wir uns selbst oder andere allein nach
 der Leistung beurteilen. Schenke uns das Vertrauen zu der bedingungslosen
 Liebe Gottes. Amen.@{ub}




@ENDNODE
@NODE "Römer 9b" "Römer 9,1-5"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 9,1-5@{ui}

@{b} Um meiner Brüder willen.@{ub}   Römer 9,3 (EÜ)

 Mit dem 9.Kapitel setzt Paulus in seinem Brief an die Römer neu an. Fast
 hat man den Eindruck: Jetzt kommt er erst zu seinem eigentlichen Thema. Die
 Frage nach Israel, seinem Volk, dem von Gott erwählten Volk, geht ihm
 besonders nahe. Wie verhält es sich mit seinen Brüdern und ihrem Verhältnis
 zum von Gott gesandten Messias?
 Wie sehr die Frage den Apostel beschäftigt, merkt man an der Art, wie er
 redet. Bevor er das Problem überhaupt anspricht, drückt er seine Betrübnis,
 seinen Schmerz über dieses Volk aus. Er hängt an ihm, ist ihm so verbunden,
 daß er bereit wäre, das Höchste -nämlich seine Verbundenheit mit Christus-
 hinzugeben, um Israel für Christus zu gewinnen. Was Paulus hier sagt,
 erinnert an Mose, der fürbittend einsteht und sagt, Gott solle ihn aus
 seinem Buch tilgen, wenn er dem Volk nicht vergeben kann (Ex/2 Mose 32,32).
 Doch wenn man Paulus genau zuhört, so ist es nicht nur seine persönliche
 Beziehung, die ihn so reden läßt, sondern er denkt an die hohen
 Auszeichnungen, die diesem Volk in seiner Geschichte widerfahren sind. Er
 erinnert an die besondere Erwählung dieses Volkes, seine Stellung als
 "Sohn" und die ständige Nähe zu seinem Gott. Wenn man letztere bedenkt, ist
 es um so schwerer zu begreifen, daß dieses Volk nicht ans Ziel der ihm
 gegebenen Verheißung kommen soll. Hier geht es plötzlich um mehr als nur
 den Schmerz über das Schicksal Israels, hier stellt sich Paulus die Frage
 nach der Treue der Verheißung Gottes. Kann man sich auf diesen Gott
 verlassen, wenn Israel, Jahwes Erstgeborener, in dieser Weise an seinem
 Ziel vorbeigeht und den Christus nicht erkennt, der doch aus diesem Volk
 stammt. Und wie wichtig er ihm ist, merkt man an der Art, wie schnell der
 Christustitel ihn zum Lobpreis anstiftet.@{b}

 Du unser Gott und unser Väter Gott, schau auf dein Volk, das dein Sohn,
 unser Herr, neu zusammengesammelt hat. Schau auf dein Volk, die Söhne und
 Töchter Israels ebenso wie die Brüder und Schwestern Jesu. Führe sie, damit
 sie dich erkennen, den allein wahren Gott und verdienen, dein Volk genannt
 zu werden.@{ub}
                                                    Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "Römer 9c" "Römer 9,6-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 9,6-13@{ui}

@{b} Es ist keineswegs so, daß Gottes Wort hinfällig geworden ist.@{ub}
 Römer 9,6 (EÜ)

 Es ist ganz offensichtlich: Paulus, der Jude, der Pharisäerschüler, der
 sein Volk und Gottes Gesetz und Verheißung liebt, hat Probleme. Israel hat
 den Messias, den Gottgesandten, verworfen. Diesen Messias Jesus, oder wie
 wir gewohnt sind zu sagen: Christus Jesus, hat Paulus erkannt als seinen
 Herrn. In ihm bringt Gott seinen Plan mit der Welt zum Ziel. Was ist dann
 mit Israel, mit Gottes erwähltem Volk? Gelten etwa "nach Christus" Gottes
 Verheißungen nicht mehr?
 Hier setzt unser Text ein. Und Paulus stellt fest: Gottes Wort ist nicht
 hinfällig geworden; was Gott sagt, das gilt. Gott bindet sich zwar an die
 Geschichte der Menschen, doch er läßt sich von den Menschen nicht einengen.
 Er hat zwar Israel zu seinem Volk gemacht, doch das heißt nicht, daß ganz
 Israel "dem Fleische nach" - wie Paulus im ersten Korintherbrief (10,18)
 sagt - einbezogen ist; Gottes Wirken richtet sich an das "Israels Gottes"
 (Gal 6,16). Das bedeutet nicht ein Auseinanderdividieren in zwei
 Volksteile; es heißt vielmehr, daß nach Gottes Absicht alle in seine
 Verheißung einbezogen sind, soweit sie sich einbeziehen lassen. Die
 Spannung, die zwischen dem Wirken Gottes in der Geschichte (an das Paulus
 glaubt) und der vorfindlichen Geschichte seines Volkes (die er erfährt)
 besteht, sieht Paulus in den beiden Abraham-Söhnen schon vorgezeichnet. Die
 drängende Frage nach Gottes Gerechtigkeit stellt Paulus in unserem Text
 noch nicht. Er will vielmehr den Blick darauf lenken, daß es auf Gottes
 Verheißung ankommt; an ihr allein soll die Geschichte des Volkes Gottes
 gemessen werden.@{b}

 Mein Gott, was quält sich dieser Paulus mit dem Schicksal seines Volkes,
 das von Gott erwählten Volkes, das an Gottes Verheißung vorbeigeht! Was
 kümmern mich solche Fragen? Den Verheißungen Gottes entsprechend zu leben
 - zu erkennen, was Gottes Plan ist - was er von uns will - mit  uns vorhat?
 Laß uns erkennen, was du mit uns vorhast.@{ub}
                                                   Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "Römer 9d" "Römer 9,14-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Römer 9,14-24@{ui}

@{b}                   Gottes freie Gnadenwahl@{ub}

"Ist denn Gott ungerecht?" Diese Frage legt sich uns nahe angesichts
 verschiedenster Menschenschicksale, angesichts mancher Ereignisse in der
 Welt. Paulus hat diese Frage aufgegriffen im Blick auf die Wege, die sein
 Volk Israel geführt worden ist. Da scheinen erst recht Gottes Liebe und
 Gottes Zorn unerklärlich vermischt zu sein. "Jakob habe nicht geliebt, aber
 Esau habe ich gehaßt" (V.13). Ist das nicht ungerecht? Paulus verneint
 diese Frage entschieden und erläutert Gottes Wirken an zwei bekannten
 Gestalten: Mose wurde erwählt zum begnadeten Führer Israels, Pharao wurde
 verstockt als Feind Israels. Das tat Gott aber nicht, weil er in seiner
 Souveränität eben so oder so mit den Menschen umgehen kann. So hat man es
 allerdings auch gesehen und hat dann mit Gott als einem kalten,
 unbarmherzigen Machthaber gedroht. Demgegenüber sagt uns der Apostel, daß
 Gott als freier, souveräner Herr nur einen einzigen Willen hat: den zur
 Rettung seines Volkes und der ganzen Menschheit. Und diesem Retterwillen
 Gottes müssen beide, Mose und Pharao, dienen. Beide werden, jeder an seiner
 Stelle, von Gott für seinen Heilsplan gebraucht.
 Ohne an das "Wollen und Laufen" von Menschen gebunden zu sein, regiert Gott
 zum Besten seines Volkes und der ganzen Welt.
 Aber da meldet sich nun noch einmal eine Frage. Wenn es nicht an jemandes
 "Wollen oder Laufen" liegt, sondern allein an Gottes Wirken, wie steht es
 dann mit der menschlichen Verantwortung? Ist man dann nicht ein willenloses
 Werkzeug in Gottes Hand? Hat dann Gott noch das Recht, einen zur
 Rechenschaft zu ziehen? Hier muß Paulus jetzt Gegenfragen: "Ja, lieber
 Mensch, wer bist du denn, daß du mit Gott rechten willst?" "Spricht auch
 ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so?" So kann Gott seinen
 Zorn zeigen an "Gefäßen des Zorns", die er doch mit großer Geduld trägt. So
 kann er "den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der
 Barmherzigkeit" deutlich machen. Seine Wege sind immer Wege in Gericht und
 Gnade, aber immer um der Gnade willen. Sein letztes und eigentliches Wort
 ist das Wort seiner Liebe. Das wird ein für allemal deutlich an dem Kreuz
 Jesu Christi, wo Gott allen Zorn über das Böse der Menschen auf seinen Sohn
 legt, damit alle durch ihn Barmherzigkeit erlangen.@{b}

 Herr, unser Gott, wir danken dir, daß wir zu dir und deiner Gemeinde
 gehören dürfen, obwohl wir es nicht verdient haben. Laß uns erkennen, daß
 auch alle unsere Mitmenschen von deinem ewigen Erbarmen umfangen sind.
 Amen.@{ub}



@{i}                         Römer 9,14-24@{ui}

@{b} Er erbarmte sich also, wessen er will.@{ub}   Römer 9,18 (EÜ)

In immer neuen Ansätzen wendet sich Paulus dem Israelproblem zu. Dabei läßt
 er sich nicht ablenken. Angesichts dessen, was Paulus erfährt, stellt er
 sich der Frage, ob Gott vielleicht ungerecht sein könnte. Doch das scheint
 ihm ein Widerspruch in sich selbst. Gottes Gerechtigkeit erweist sich für
 Paulus gerade darin, daß er so handelt, wie er handelt. In seinem
 erbarmenden Wirken zeigt er, daß er Gott ist. Das kann dem Menschen als
 Willkür und blindes Schicksal erscheinen, und dennoch: Indem Gott zu seinem
 Ziel kommt, geschieht dem Menschen Heil.
 Paulus, der Kenner von "Gesetz und Propheten", argumentiert mit Beispielen
 aus der Geschichte Israels. Darin wird allerdings auch klar: Wer sich mit
 Gott auf einem Machtkampf einläßt, der zieht den Kürzeren. Man merkt, daß
 Paulus alle Einwände, die einem beim aufmerksamen Lesen kommen, selber
 kennt. Wenn Gott doch alles vorherbestimmt und sogar die Dickköpfigkeit der
 Menschen noch unterstützt, wie kann man da überhaupt noch jemandem einen
 Vorwurf machen? Wer kann denn Gottes Willen widerstehen? Paulus weiß darauf
 auch keine Patentantwort. Offensichtlich sollen all diese Fragen, die
 menschlich so verständlich sind, nur das "Gott-Sein" Gottes vom Menschen
 aus beleuchten. Deshalb wird der Schöpfer ins rechte Licht gerückt. Dadurch
 soll nicht nur die "Ohnmacht" des Geschöpfs aufgezeigt werden, sondern es
 soll auch klar gesagt sein, daß im "undurchschaubaren" Wirken Gottes
 letztlich sein Heilsdenken zum Ausdruck kommt. Es geht nicht um düstere
 Vorherbestimmung; diese wird von Gottes erbarmender Liebe durchkreuzt. Und
 damit redet Paulus die römische Christengemeinde an, um ihr klar zu machen,
 daß nicht Gottes Erbarmen sie trifft.@{b}

 Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist. Deshalb glauben wir an und
 vertrauen wir auf dein Erbarmen mit allen, die du berufen willst aus deinem
 alten und neuen Gottesvolk.@{ub}
                                                    Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "Römer 9e" "Römer 9,25-29"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 9,25-29@{ui}

@{b} Sie werden Söhne des lebendiges Gottes genannt werden.@{ub}
 Römer 9,26 (EÜ)

 Man merkt, daß der Briefschreiber Paulus ein gründlicher Kenner der Schrift
 ist. Was er im vorhergehenden Vers (9,24) thesenhaft ausgesagt hat (Gott
 schafft sich "sein Israel" aus Juden und Heiden), das belegt er nun mit
 einer Reihe von Prophetenzitaten. Aus den Zeugnissen der Schrift beweist
 der Apostel, daß Gottes Heilshandeln schon im Alten Bund auf die
 Neuschöpfung Israels hinauslief. In den für jüdische Ohren ungeheuerlich
 klingenden Zitaten aus dem Propheten Hosea (Vers 25=Hos 2,25; Vers 26=Hos
 2,1) wird deutlich, was Erwählung durch Gott ist. Es ist Leben weckender
 Ruf. Gott ist der, der Nicht-Sehendes ins Sein ruft, wie Paulus schon im 4.
 Kapitel (Vers 17) schreibt. Ob Paulus seine Stammesgenossen mit solchen
 Aussagen schockieren wollte, um sie zur Einsicht zu bringen? Sicher war ihm
 wichtiger, der Gemeinde in Rom zu sagen, wie umwerfend das ist, was an
 ihnen geschehen ist. In der christlichen Gegenwart erweist das Wort der
 Verheißung seine eigentliche Tragweite, ja als echtes Verheißungswort kann
 es erst vom Christusgeschehen her in der Gegenwart der Gemeinde entdeckt
 werden. Schließlich bringt Paulus noch zwei Jesaja-Zitate (Vers 28=Jes
 10,22f; Vers 29=Jes 1,9). Diese Aussagen ziehen auf das Israel ab, wie
 Paulus es erlebt. Der "Rest" aus dem alten Israel ist im neuen Gottesvolk
 aufgehoben. Gott erfüllt sein Wort; aber es ist nicht eine schematische
 Erfüllung. Er bringt sein Werk zum Ziel, doch nicht ohne "Kürzungen".@{b}

 O mein Gott, ich lese es gern, zu deinen Söhnen und Töchter gezählt zu
 werden. Ich höre die Worte vom Berufen-Werden und Gerettet-Werden und
 beziehe sie gerne auf mich. Laß mich nicht vorschnell zufrieden sein und
 dahinleben als seien deine Worte in den Wind gesprochen, wenn ich
 Konsequenzen ziehen soll.@{ub}
                                                         Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "Römer 9f" "Römer 9,30-10,4"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 9,30-10,4@{ui}

@{b} Christus ist das Ende des Gesetzes, und jeder, der an ihn glaubt, wird
 gerecht.@{ub}   Römer 10,4 (EÜ)

 Gottes erwählendes Handeln hat also dazu geführt, daß im neuen Gottesvolk
 Juden und Heiden zusammengeschlossen werden. Dieses neue Gottesvolk soll
 vor der Welt Zeichen für Gottes Heilshandeln sein. Für Israel ist dies
 bedeutsam; es muß nämlich erkennen, daß das, was sein Ureigenes gegenüber
 den Heiden ist, nämlich das Gesetz, das Streben, ganz gesetzestreu zu sein,
 nicht zum Ziel geführt hat. Die Heiden hingegen, die das Gesetz nicht
 haben, "die nicht nach Gerechtigkeit strebten Gerechtigkeit erlangt haben".
 Bei Gott kommt es nicht auf das "Jagen" und "Laufen" an, sondern eben auf
 Gott! Auf seine Berufung kommt es an. Und die wird nicht in einem ererbten
 Gesetz erfaßt, sondern im Glauben. Hier aber ist Israel "gestolpert". Gott
 hat den "Stein des Anstoßes" -nämlich Christus- gesetzt; das hat Israel
 nicht akzeptiert. Israel als "Volk" hat den Glauben an das in Christus
 erschienene Heil verweigert. Dennoch wünscht und erbittet Paulus die
 Rettung für ganz Israel; denn er kann bezeugen, wie groß der "Eifer für
 Gott" bei seinen Brüdern ist. An ihrem Eifer fehlt es nicht, wohl aber an
 ihrer Erkenntnis. Sie verließen sich auf ihre aus der Gesetzestreue
 abgeleitete eigene "Gerechtigkeit". So haben sie die "Gerechtigkeit
 Gottes", die in Jesus Christus erschienen ist und im Glauben angenommen
 werden soll, verpaßt. Indem die Treue Israels nur in der Treue zur
 Tradition und sein Gehorsam nur im Gehorsam zum Gesetz bestand, ist Israel
 an der Offenbarung Gottes in Jesus Christus vorbeigegangen und hat nicht
 begriffen, daß Christus das Ende und das Ziel des Gesetzes ist.@{b}

 Lasset uns beten für alle, die Gott berufen hat, die er zu seinem Volk
 sammeln will, denen er seine Nähe verheißen hat. Lasset uns beten für
 Gottes Volk aus Juden und Heiden. Lasset uns beten für uns Christen, daß
 wir ein Zeichen sind für Gottes Heilswillen. Verschone uns, Herr, vor
 Hochmut.@{ub}
                                                       Gabriele Miller



@ENDNODE
@NODE "Römer 10a" "Römer 10,5-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Römer 10,5-13@{ui}

@{b} Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, wird Gerechtigkeit
 und Heil erlangen.@{ub}   Römer 10,10 (EÜ)

 Gestern haben wir gefragt, was Gott uns mit allem Geschehen ringsum
 "kundtun" will. Heute will Paulus uns den rechten Maßstab für unser Denken
 und Tun in die Hand geben.
 Wer vergißt, daß "Heil" und "Heilung" mehr als nur sprachlich aus derselben
 Wurzel kommen, der wird auch nicht begreifen, daß kein noch so
 erfolgreicher - medizinischer, politischer, ideologischer - Mechanismus den
 Glauben, das Gottvertrauen ersetzen kann.
 Wie oft -auch heute noch- wird "Glaube" als Fürwahrhalten kirchlicher
 Dogmen angesehen. Aber es ist doch Vertrauen und Treue zu Gott. Ohne dies
 Vertrauen verlieren wir alle Hoffnung, liefern uns der grauen Sorge aus.
 Dann kann sogar Vor-sorge (für das eigene Ich) zum teuflischen Fetisch
 werden und die Für-sorge (für den anderen) ins Abseits geraten. Gott aber
 will, daß allen geholfen werde. Nicht Selbstgerechtigkeit -auch nicht im
 noch so "frommen" Gewande- macht uns vor Gott "gerecht" und "heil". Paulus
 hat es erlebt, in welchen Teufelskreis ihn seine perfekte
 Gesetzesfrömmigkeit hineingetrieben hat. Erst die Botschaft Gottes in
 Christus hat ihn zum Glauben frei gemacht, zum unbegrenzten
 Gottesvertrauen; damit aber auch zum Bekenntnis vor allen Menschen. Wir
 kennen seinen Weg. Daß wir dies - in aller Bescheidenheit - auch für uns
 gelten lassen, ist allerdings unsere eigene Entscheidung! Um die kommen wir
 nicht herum! Und daran werden wir selbst gemessen.@{b}

 Heiliger, barmherziger Gott, du willst unser Heil in Zeit und Ewigkeit. Du
 willst uns heilen von allen Seelenschaden und gerecht machen vor deinen
 unbestechlichen Augen. Herr, schenke du uns aus Gnade durch unseren Heiland
 Jesus Christus ein glaubendes Herz und ein Leben, das in Wort und Tat zum
 Bekenntnis, zum Zeugnis wird. Amen.@{ub}
                                                         Hans Wallmann



@ENDNODE
@NODE "Römer 10b" "Römer 10,14-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 10,14-21@{ui}

@{b} So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft aber im Wort
 Christi.@{ub}   Römer 10,17 (EÜ)

 Mutter Teresa in Kalkutta bekennt: "Das Wesentliche ist nicht, was wir
 sagen, sondern was Gott uns und durch uns sagt. Alle unsere Worte werden
 nutzlos sein, wenn sie nicht von innen kommen. Worte, die nicht das Licht
 Christi geben, vermehren die Dunkelheit." Das selbstlose Helfen dieser Frau
 gründet allein in ihrem Glauben. Darin lebt sie für die Elendsten in den
 Armenvierteln, bewegt durch die seligmachende frohe Botschaft im Wort
 Christi. In seinem Geist geschieht ihr Helfen ohne Ansehen der Person; denn
 sein Wort öffnet die Augen für Gottes Liebeswillen und für seinen Frieden,
 der allen gilt. So wird das Helfen selbst zur Verkündigung. Es öffnet aber
 auch den Mund zur Weitergabe der Botschaft, mit der Christus aus der
 totalen Abhängigkeit von Menschen und Mächten freimacht. Sein Wort öffnet
 die Herzen zum Umdenken, zum anderen Menschen, dem "Nächsten".
 Jesu Botschaft ist das befreiende Wort für die ganze Menschheit mit allen
 ihren Problemen. Das gilt heute wie zur Zeit des Paulus. Aber jetzt, am
 Ende des zweiten Jahrtausends "nach Christi Geburt", ist die Welt weit mehr
 gefährdet als damals. Und heute auf allen Kontinenten und darüber hinaus!
 Um so mehr gilt es für jeden einzelnen von uns, das Wort Christi nicht nur
 selbst als die zum Glauben führende Botschaft aufzunehmen, sondern sie in
 Wort und Tat zu bezeugen. So können wir Hoffnung säen, wo ganze Völker in
 Hoffnungslosigkeit zu versinken drohen. "Glaube, Hoffnung, Liebe" (1 Kor
 13) dürfen nicht egoistisch in Kirchenmauern oder Völkergrenzen eingezwängt
 sein. Gott will, daß allen Menschen geholfen werde - und sie zur Erkenntnis
 der Wahrheit kommen.@{b}

 Herr, bleibe bei uns auch am Abend dieses Jahrtausends. Amen.@{ub}
                                                         Hans Wallmann



@ENDNODE
@NODE "Römer 11a" "Römer 11,1-10"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 11,1-10@{ui}

@{b} Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er einst erwählt hat.@{ub}
 Römer 11,2 (EÜ)

 Die griechische Welt war das eigentliche Missionsgebiet des Apostels
 Paulus. Von dort schreibt er an die noch junge römische Christengemeinde,
 um sie in ihrem Glauben zu stärken. In unserem Kapitel geht Paulus mit dem
 eigenen Volk scharf ins Gericht. Viele Aussagen des Alten Testaments müssen
 für seine Erklärungen und Ausführungen über das rechtfertigende Handeln
 Gottes herhalten. Es fällt oft schwer, diesen Apostel zu verstehen. Man muß
 wohl das Spannungsverhältnis gegenüber dem eigenen jüdischen Volk
 einerseits und die Liebe zu Israel andererseits in die Äußerungen des
 Paulus zusammen sehen. Es ist wahrhaftig einer inneren Zerreißprobe
 ausgesetzt, die sich in seinen Briefen deutlich widerspiegelt. Das
 Bewußtsein, von Gott als Volk auserwählt worden zu sein, war überlagert von
 einem starken religiösen Schuldkomplex: Israel muß wieder lernen, die Worte
 des Gesetzes zu beachten. Israel muß nur den Willen Gottes tun wollen, dann
 wird es ihm bald besser gehen; dann werden sie das Joch der Römer nicht
 mehr zu tragen haben. Paulus spricht Worte der Versöhnung und des
 Bekenntnisses zum jüdischen Volk: "Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das
 er einst erwählt hat." Paulus will mit diesem Trostwort sagen: Gott hat
 alles in seiner Hand; er ist größer als alle Unruhe auf Erden. Nach Trost
 sehnt sich das Volk Israel, und in Geduld warteten die Menschen des
 kommenden Heils, bis endlich der kam, den der greise Simeon als den Trost
 Israels grüßte und der als das geduldige Gotteslamm ins Leiden und ins
 Sterben ging.
 Wie hat Gott im Laufe der Zeiten dieses Volk durch die Jahrhunderte und
 Jahrtausende hindurch geführt und getragen. Wie oft schienen
 Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit dieses Volk überzeugt zu haben, daß
 Gott es verlassen und verstoßen hat. Doch das soll die Gemeinde in Rom
 wissen: "Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er einst gewählt hat."
@{b}
 Ach laß dein Wort recht schnelle laufen, es sei kein Ort ohn dessen Glanz
 und Schein. Ach führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll zu allen
 Toren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf und also segne deines Wortes
 Lauf! Amen.@{ub}
                                                       Karl Koehler



@ENDNODE
@NODE "Römer 11b" "Römer 11,11-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 11,11-24@{ui}

@{b} Du sollst wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt
 dich.@{ub}   Römer 11,18 (EÜ)

 Die Römer herrschen im Lande. Sie glauben nicht an den Gott Israels. Sie
 waren Heiden. Sie nahmen Steuern vom Volke. Die Juden haßten sie. Und doch
 ist da einer, Paulus, selbst ein Jude, der das Evangelium, die frohe
 Botschaft von Jesus Christus zu diesen "Besatzern" bringen will und auch
 schon eine beträchtliche Anzahl dieser Heiden für Christus gewinnen konnte.
    Das eigene Volk aber war noch verhaftet im Gestrüpp der zahllosen
 Gesetze und Vorschriften, die ihm auferlegt wurden. So wurden diese immer
 weniger befolgt. Schließlich fragten sie sich: Warum geht es uns so
 schlecht? Viele meinten, es läge wohl daran, daß sie die Gebote Gottes
 nicht mehr einhielten. Es genüge, die Gesetze und Vorschriften äußerlich zu
 halten, zum Beispiel am Sabbat auf keinen Fall arbeiten und beim
 Gottesdienst alles genau nach Vorschrift zu machen. Andere sagten, mit den
 schlimmen Zeiten würden sie schon fertig werden; man müsse nur klug sein.
 Ja, listig und klug waren sie. Nach außen hin gaben sie sich den Anschein,
 mit Gott Ernst zu machen. Aber in Wirklichkeit ist es anders. Sie tun
 nicht, was Gott will, und sie denken: "Uns kann nichts passieren, denn wir
 stammen ja von Abraham ab. Darauf nimmt Gott bestimmt Rücksicht" Aber Gott
 wird es nicht tun. Gott braucht dieses Volk nicht, um sich der Menschheit
 mitzuteilen. "Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich",
 sagt Paulus unmißverständlich seinem eigenen Volk. Er ermahnt es
 eindringlich, etwas zu tun, woran man merkt, daß es diesem Volke wirklich
 darum geht, so zu leben, wie Gott es will.
 Gott hat auch uns getragen, und in seinem Sohn Jesus Christus dürfen wir
 uns als einen Zweig aus dieser Wurzel wiederfinden. Die Kirche ruht auf
 Israels Geschichte mit Gott. Davon leben wir.@{b}

           Laß mich dein sein und bleiben,            @{ub}Gedicht
    @{b}   du treuer Gott und Herr.
           Von dir laß mich nichts treiben,
           halt fest an deiner Lehr.
           Herr, laß mich nur nicht wanken,
           gib mir Beständigkeit.
           Dafür will ich dir danken
           in alle Ewigkeit. Amen.@{ub}
                                         Karl Koehler




@ENDNODE
@NODE "Römer 11c" "Römer 11,25-32"
@TOC "MAIN"
@{i}                       Römer 11,25-32@{ui}

@{b} Das ist der Bund, den ich ihnen gewähre, wenn ich ihre Sünden wegnehme.
@{ui}   Römer 11,27 (EÜ)

Die Probleme, die Paulus zu seiner Zeit mit den Juden hatte, das Verhältnis
 zwischen Heiden- und Judenchristen mit seiner gemeinsamen jüdischen
 Vergangenheit, das alles betrifft uns heute nicht. Was uns betrifft, ist
 das Spannungsfeld zwischen heute und gestern, zwischen dem, was gewesen ist
 und dem, wie wir heute Antwort geben können als Christen. Uns liegt unsere
 eigene belastete Vergangenheit mit dem Volk der Juden und ihre
 Bewältigungen sehr viel näher als die des Apostels. Wir haben unsere
 eigenen, generationsbedingten großen Probleme und müssen sie deutlich
 machen und uns ihnen stellen.
 Wir sehen aber um uns den Unglauben und den Unverstand, der immer mächtiger
 zu werden scheint. Wir sehen Abfall und Untreue. So wie das Volk Israel
 blind geworden ist für die Gaben und Aufgaben, die Gott ihm zuwies, müssen
 auch wir bekennen, daß bei uns Abkehr von seinem heiligen Wort die Menschen
 erfaßt hat. Keine Generation ist näher bei Gott. Die Alten waren nicht, und
 die Jungen sind es nicht. Jede Generation muß sich vor ihm neu
 verantworten. Keiner darf sich zum Richter über den andern aufschwingen,
 keine Generation über die andere, die Christen nicht über die Juden.
    Die Hoffnung, an der Paulus für sein Volk, das nein sagte, festhält, ist
 auch für uns die Hoffnung; für uns, die wir auch immer wieder nein sagen,
 die wir Christus verleugnen, wie Israel ihn verleugnet hat. Diese Hoffnung
 ist in der Verheißung Gottes begründet: "Denn Gott hat die Welt so sehr
 geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn
 glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16)@{b}


           Du wirst dein herrlich Werk vollenden,
           der du der Menschen Heil und Richter bist;
           du wirst der Menschheit Jammer wenden,
           so dunkel jetzt dein Weg, o Heiliger, ist.
           Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn;
           du tust doch über Bitten und Verstehn. Amen.@{ub}
                                                  Karl Koehler



@ENDNODE
@NODE "Römer 11d" "Römer 11,33-36"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 11,33-36@{ui}

@{b} O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!@{ui}
 Römer 11,33 (EÜ)

 Nach zwei aus alttestamentlichen Gedanken (Jes 45,15 und 40,13)
 zusammengefügten Worten wird hier und in den letzten Versen dieses Kapitels
 in feierlicher Form zusammengefaßt, was über den Weg des göttlichen
 Heilsplans gesagt werden kann. Das ewige Ziel, auf das hin sich alles
 bewegen muß, ist in Jesus Christus sichtbar geworden. Wir sollten dieses
 Wort als Lobgesang hören, uns im Gebet vertiefen in die Wege und Gerichte
 Gottes, die wir nicht begreifen und von denen wir doch leben.
   An den Sonntagen singen wir zu Beginn der Gottesdienste und Messen (mit
 Ausnahme der kommenden Sonntage bis zum Karfreitag) das Gloria patri, das
 "Ehre sei dem Vater..." Wir werden dabei erinnert, daß sich die Gemeinde
 schon damit an den Ort stellt, an dem allein sie Gottes Wort vernehmen und
 ihm antworten kann.
 Gottes Wege sind unerforschlich, seine Entscheidungen unbegreiflich. Die
 Weisheit und die Wirklichkeit Gottes im Lauf der Dinge haben eine Tiefe,
 die wir nicht auszuloten vermögen. Wer erkennt denn den Weg des Herrn, und
 wer wäre je sein Ratgeber gewesen? Es ist im Grunde noch immer nur ein
 winzig kleines Stück, das wir von Gottes Wegen erkennen oder erfahren
 dürfen - durch seine Zulassung und durch seinen Geist. Das Entscheidende
 aber bleibt die Erkenntnis, daß alles Geschehen durch seine Hände geht.
    In dieser Gewißheit muß mir alles zum Besten dienen, was mich trifft und
 was die Welt trifft. Diesem Gott möchte ich mich anvertrauen, denn nur wenn
 ich an ihm bleibe, erkenne ich die Tiefe des Reichtums. Ich muß nicht ohne
 die Nähe Gottes leben: nicht im Leid, im Streß, im Einerlei des Alltags, am
 Fließband, bei freudigen Anlässen, in Gesprächen, die mich fordern. Ihm sei
 Ehre in Ewigkeit!@{b}

            Herr, den der Himmel nicht umfaßt
            noch dieser Kreis der Erden,
            Gott Heiliger Geist, laß mich in dir
            ein Geist mit Christus werden. Amen.@{ub}
                                                    Karl Koehler



@ENDNODE
@NODE "Römer 12a" "Römer 12,1-2"
@TOC "MAIN"
@{i}                      Römer 12,1-2@{ui}

@{b} Das sei eurer vernünftiger Gottesdienst.@{ub}  Römer 12,1 (LB)

 Wenn wir die heutige Bibellese recht verstehen wollen, geht es um ein neues
 Denken, um eine neue Einstellung, die wir als Christen an den Tag legen
 sollen. Paulus erinnert an unsere Grundbeziehung  und -bestimmung. Deshalb
 soll unser ganzes Leben ein Gottesdienst sein. Gottesdienst findet nach
 guter Sitte in unseren Gemeinden als "Hauptgottesdienst" an einem Sonntag
 statt. Auch wenn es Wochentagsgottesdienste gibt, dauern sie in der Regel
 nicht länger als eine Stunde. Eine Stunde am Tag oder gar nur an einem
 Sonntag Gottesdienst, das ist zwar eine lebenswichtige Sache, und doch nach
 Paulus zu wenig. Unser ganzes Leben gehört Gott und nicht nur stundenweise.
 Der Gottesdienst in unseren Kirchen ist ein besonderer Höhepunkt für uns,
 doch auch danach, dazwischen sind wir gefordert, uns ganz Gott zu öffnen
 und hinzugeben. Dies nicht nur mit unserer Seele, sondern auch mit unserem
 ganzen Körper, unserem ganzen Sein. Ein vernünftiger Gottesdienst sei
 totale Hingabe, wie ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig
 ist. Das ist die heutige Mahnung an uns.
 Zum Gottesdienst an sich gibt es eine leicht verständliche Erklärung: "Gott
 dient uns und wir dienen Gott." So gilt es, wie gesagt, auch für jede
 Stunde des Lebens. Es ist keine Einbahnstraße, in der wir uns bewegen. Gott
 gibt uns das Leben und unser Leben soll eine Antwort darauf sein. Dabei
 geht es immer um den Willen Gottes, um das Gute, Wohlgefällige und
 Vollkommene, wie es Paulus ausgedrückt hat. Dies gilt es, in allen
 Lebensbereichen zu prüfen. Nicht alles, was in dieser Welt und durch uns
 geschieht, dient Gott. Dennoch ist alles zu Gott hin geschaffen; auch wir.
 Noch einmal: Nicht nur eine Stunde gehört Gott, sondern unser ganzes Leben.
 Dazu bedarf es bei uns wirklicher Änderung unserer Einstellung und Haltung.
 Für Paulus geschieht dies durch eine Erneuerung unseres Sinnes, unserer
 Vernunft, wo wir alles Gott unterstellen und so das Leben mit ganz neuen
 Augen sehen, unter einem neuen Vorzeichen. Wo wir dies Halten, ist unser
 Leben ein vernünftiger Gottesdienst.@{b}

 Herr, wir wollen keine halben Sachen im Leben machen. Unser ganzes Leben
 soll dir gehören, laß es zu einem wirklichen Gottesdienst werden.@{ub}
                                                      Reiner Oprotkowitz



@ENDNODE
@NODE "Römer 12b" "Römer 12,3-8"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 12,3-8@{ui}

@{b} Denn ich sage jedem unter euch, daß niemand mehr von sich halte, als
 sich's gebührt zu halten, sondern daß er maßvoll von sich halte.@{ub}
 Römer 12,3 (LB)

 Demut ist nicht jedermanns Sache. In der Begegnung mit anderen Menschen
 stellen wir oft das Gegenteil fest: Wie überheblich können auch wir sein,
 wenn es um unser Ansehen, um unsere Selbstdarstellung geht. Meinen wir
 nicht doch, die Besten, die Klügsten zu sein? Es lohnt sich, darüber
 nachzudenken, wie wir uns vor anderen darstellen, aber auch vor Gott.
    Das Wort Demut hat in der Gemeinschaft von Christen seinen besonderen
 Platz, wobei es nicht etwa um eine unterwürfige und bescheidene Haltung des
 "Niederen" gegenüber dem "Höheren" geht. In der Bibel geht es dabei um die
 Begegnung mit Gott und ihre Bewährung im Verhältnis zum Nächsten. Für
 Thomas von Aquin ist Demut die Tugend, die den Menschen vor untergeordneter
 Selbstüberhebung bewahrt. Nach Luther ist wahre Demut die Erhebung zur
 göttlichen Würde, Freiheit und Liebe.
 Vor Gott sind wir "wer". Wir sind seine Kinder, und das Maß aller Dinge
 gibt er. Deshalb mahnt Paulus die Christen, maßvoll von sich zu halten, ein
 jeder, wie Gott das "Maß des Glaubens ausgeteilt hat". Es ist klar, daß
 nicht jeder alles kann, aber jeder hat seine Möglichkeiten und Fähigkeiten.
 Eben davon soll die Gemeinschaft, die Gemeinde Christi profitieren. Wie es
 an einem Körper viele Glieder gibt, die nicht alle dieselben Aufgaben
 haben, so verhält es sich auch mit dem "Leib Christi" (dem Bild für die
 christliche Gemeinde). Das Wichtigste ist, jeder hat seine Fähigkeiten. Und
 die soll er zur Ehre Gottes und zum Wohl der anderen mit einbringen. Die
 verschiedenen Gaben ergänzen einander und ergeben ein gutes Ganzes. Sehen
 wir unsere Fähigkeiten als ein Geschenk Gottes an, können wir sie auch
 dankbar zur Ehre Gottes ein setzen und den Mitmenschen damit dienen, ohne
 daß wir uns dabei etwas vergeben. Wir dürfen zufrieden sein mit dem, was
 wir haben und können. Und wenn uns etwas fehlt, gleicht Gott es für uns
 durch andere wieder aus. Keiner hat Grund, neidisch oder überheblich zu
 sein. Die Gemeinde ist der Ort, wo es vorgelebt wird, oder sollten wir
 besser sagen, vorgelebt werden soll!?@{b}

 Herr, du hast mir so viele Möglichkeiten geschenkt. Laß mich dafür dankbar
 sein und sie in deiner Gemeinde einsetzen, dir zur Ehre.@{ub}
                                                    Reiner Oprotkowitz


@ENDNODE
@NODE "Römer 12c" "Römer 12,9-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 12,9-16@{ui}

@{b} Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.@{ub}   Römer 12,11 (LB)

 Wer hat es nicht schon erlebt? Da haben wir uns etwas fest vorgenommen oder
 gute Vorsätze gefaßt, zum Beispiel einen Brief zu schreiben oder einen
 Besuch zu machen, der schon solange erwartet wird. Immer wieder haben wir
 es "auf die lange Bank geschoben"; es wurde nichts daraus. Manch gute
 Gründe wissen wir aufzuführen, und doch behagt uns die Tatsache nicht, daß
 wir noch nichts unternommen haben. Man muß nicht als antriebsarm gelten, um
 sich dies einzugestehen. In allen Lebensbereichen leiden wir unter dem, was
 der Apostel Paulus hier anmahnt: "Seid nicht träge in dem, was ihr tun
 sollt." Auch die Ausrede, daß es ja nicht nur den anderen, sondern auch uns
 dabei trifft, gilt nicht. Zuerst bin immer ich von Gott gefragt, was ich
 tue, und nicht, was der andere an mir versäumt. "Einer komme dem anderen
 mit Ehrerbietung zuvor", davon ist hier die Rede. Ob es um die
 Nächstenliebe, um Hoffnungsvolles, um Unterstützung geht, wir sind
 angefragt. Stets ist unser Vorbild gefragt; mit den Fröhlichen sich zu
 freuen und mit den Weinenden zu weinen. Fröhlich zu sein in Hoffnung,
 geduldig zu sein in Trübsal, am Gebet festzuhalten. Christsein ist immer
 etwas Aktives, als solches aber Dienst für den Herrn, der allen in der
 Gemeinde zugute kommt und damit letztlich auch wieder mir, weil die anderen
 es ebenso halten.
 Viele Aufforderungen sind in diesen wenigen Sätzen unserer heutigen
 Bibellese enthalten, die uns gelten. Sie sind nicht leicht zu erfüllen.
 Doch selbst wenn wir den Eindruck haben, es wird so unendlich viel von uns
 abverlangt, es ist besser mit Wenigem zu beginnen als untätig, träge zu
 bleiben. Wie heißt es so schön: "Der Appetit kommt beim Essen!" Warum
 sollte es mit unserem christlichen Handeln anders sein?@{b}

 Herr, wir wollen so vieles erledigen und anpacken. Gute Vorsätze haben wir
 alle. Doch gib, daß sie auch zur Tat werden, zum Guten für uns und den
 Nächsten.@{ub}
                                                Reiner Oprotkowitz



@ENDNODE
@NODE "Römer 12d" "Römer 12,17-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Römer 12,17-21@{ui}

@{b}                      Was die Liebe vermag@{ub}

 Zu unserem Leben in dieser Welt gehört die Erfahrung von Bösem und von
 Unfrieden. Es gibt große und sogar weltweite Auswirkungen des Bösen wie
 Krieg und andere Gefährdung menschlichen und anderen Lebens in der
 Schöpfung, aber auch begrenzte Konflikte zwischen einzelnen Menschen in
 ihrem Wohn- und Lebensgemeinschaften. In der Bibel lesen wir: "Das Dichten
 und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1.Mose
 8,21). Jesus wiederholt diese Feststellung mit den Worten: "Denn aus dem
 Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches
 Zeugnis, Lästerung" (Matthäus 15,19). Das Böse kann auch weniger
 dramatische Formen annehmen und doch menschliches Zusammenleben sehr
 erschweren und gefährden. Vergeltung und Rache sind untauglich, entstandene
 Feindschaften zu überwinden. Dem nach alten Maßstäben für normal gehaltenen
 Feindeshaß gebietet Jesus sein Halt mit der Aufforderung: "Liebt eure
 Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures
 Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute"
 (Matthäus 5). Paulus erinnert darum auch die Christen von damals und heute,
 daß Gott Zorn und Rache sich selbst vorbehalten hat. Dem in Not geratenen
 Feind helfen, ihm die Chance geben, aufrichtiger Gesprächspartner im Ringen
 um den Frieden zu werden, das will Gott. Das kann dem, der an mir schuldig
 geworden ist, helfen, mit mir zusammen das Böse zwischen uns zu überwinden.
 So Könnte auch bei uns deutlich werden, was die Liebe Christi noch immer
 vermag. Jesu Einladung: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und
 beladen seid..." will auch uns Christen untereinander helfen, ein besseres
 Miteinander wirklich zu wollen und zu praktizieren. Im Wissen um die
 gemeinsame Glaubensverantwortung konnte der Apostel "alle Geliebten Gottes
 und berufenen Heiligen in Rom" (Römer 1,7) auffordern, das Böse mit Gutem
 zu überwinden. Hatten sie doch für sich selbst einmal die Macht der
 vergebenden Liebe Gottes erfahren. Auch uns wird der Glaube an die macht
 der Liebe Gottes im Sinn zu haben und nach unserer Möglichkeit zum Frieden
 mit allen Menschen beizutragen. "Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses"
 (Römer 13,10).@{b}

 Barmherziger Gott und Vater, du hast durch deinen Sohn Jesus Christus die
 Macht des Bösen für uns überwunden. Hilf uns zu glauben, daß deine Liebe
 uns zu hilfreichen Füreinander befreien kann. Amen.@{ub}


@{i}                          Römer 12,17-21@{ui}

@{b} Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen
 Frieden. Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse
 mit Gutem.@{ub}  Römer 12,18.21 (LB)

 Schon vieles wurde in den letzten tagen von uns gefordert, angemahnt, wenn
 es um das Zusammenleben einer Gemeinde geht. Nichts war anonym oder für den
 lieben Nachbarn bestimmt, es galt jedem von uns. Fragten wir vielleicht,
 wie wir dem allen gerecht werden können? Kamen wir zu dem Schluß: "Das
 schaffe ich nie!"? Wie werden wir erst heute reagieren? Mit allen Menschen
 Frieden halten, das Böse mit Gutem zu überwinden, ist so etwas überhaupt
 möglich? Verlangt Paulus da nicht etwas Unmögliches von den
 Gemeindegliedern damals? Und auch von uns als Ur-Urenkel der damaligen
 Gemeinde? Wir spüren sofort, daß wir dabei nicht ausgeschlossen wären oder
 daß es nach fast 2000 Jahren weniger aktuell sein könnte. Mehr denn je gilt
 es in Frieden miteinander zu leben, mehr denn je gilt es, das Böse zu
 überwinden "Das Böse (die Sünde) lauert vor deiner Tür, und nach dir hat
 sie Verlangen; du aber herrsche über sie", so wird Kain schon von Gott
 ermahnt und erschlug doch seinen Bruder Abel (Genesis/1 Mose 4). Es ist
 also ein uraltes Problem, in Frieden zu leben, Frieden zu halten und das
 Gute zu wollen. Im Grunde genommen wissen wir es längst, daß man mit
 Unfrieden und Haß nicht leben kann, auf Dauer führt es in den eigenen
 Untergang. Daß wir uns vom Bösen nicht unterkriegen lassen, darauf sind wir
 schon bedacht, doch ganz frei sind wir nicht davon, zum Beispiel erfahrenes
 Unrecht zurückzuzahlen. Es bedarf großer Überwindung, nicht ins "Auge um
 Auge, Zahn um Zahn" zurückzufallen, sondern sogar noch das Böse mit Gutem
 zu "übertrumpfen" und "mundtot" zu machen. Zum Zanken gehören zum Beispiel
 immer zwei, wenn es an dir liegt, so halte du Frieden. Das wirkt oft
 Wunder. Der Bosheit die Angriffsfläche zu entziehen, die Güte in Person zu
 sein, überwindet, schafft neuen Raum zum Leben.@{b}

 Herr, laß uns endlich zu Friedensstiftern werden. Laß uns allem Bösen die
 Spitze nehmen.@{ub}
                                                Reiner Oprotkowitz



@ENDNODE
@NODE "Römer 13a" "Römer 13,1-7"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 13,1-7@{ui}

@{b} Denn vor denen, die Gewalt haben, muß man sich nicht fürchten wegen
 guter, sondern wegen böser Werke.@{ub}   Römer 13,3a (LB)

 Alles muß seine Ordnung haben, so sagen wir es oft ganz selbstverständlich.
 Wollte jeder machen, was er wollte gäbe es schnell ein totales
 Durcheinander, ein Chaos. Und das hilft keinem etwas. Das gilt ganz
 allgemein, im persönlichen Bereich, im privaten wie im öffentlichen Leben.
    Als Christen leben wir einmal unter der Ordnung unseres Gottes, unter
 der wir stehen. Die Gebote regeln unsere Beziehung zu Gott und den
 Mitmenschen. Im Grunde genommen bauen noch heute unsere Gesetze darauf auf.
 Zum anderen leben wir unter Gesetzen des Staates. In einer Demokratie, in
 der wir leben, werden wir mit der Aufforderung des Paulus' kaum
 Schwierigkeiten haben, "der Obrigkeit untertan" zu sein, in einer Diktator
 würde es uns schon schwerer fallen, alle Anordnungen zu befolgen. Auch bei
 uns ist manchmal vom "Sinn" oder "Unsinn" mancher Gesetze die Rede und die
 Frage danach, wer Macht (Obrigkeit) über uns auszuüben hat. Darüber gibt es
 vielfältige Betrachtungen und Meinungen. Für Paulus gibt es keine
 Obrigkeit, außer die von Gott. Wer ihr widerstrebt, zieht sich selbst das
 Urteil zu. Es kann hier keine Auseinandersetzung über das "Für und Wider"
 erfolgen, aber der Gedankengang der obigen Worte scheint mit wichtig zu
 sein: Man braucht keine Angst vor irgendwelcher "Macht" zu haben, wenn man
 nichts Böses tut, sondern sich dem Guten verschreibt: "Willst du dich aber
 nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, so wirst du Lob von ihr
 erhalten" (Vers 3b). Halte ich mich zum Beispiel an die Verkehrsregeln,
 brauche ich keine Angst vor Strafe zu haben. Sie sind für ein geregeltes
 Miteinander im Straßenverkehr unerläßlich. Fahre ich bei Rot über die
 Ampel, gefährde ich die anderen und mich selbst. Das ist doch leicht zu
 begreifen. Ich tue mir und dem anderen nichts Gutes damit an. Es ist etwas
 Wahres an dem Satz: "Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen."@{b}

 Herr, laß das Gute in meinem Leben siegen. Bewahre mich davor, mir und
 meinem Mitmenschen Schaden zuzufügen.@{ub}
                                                Reiner Oprotkowitz



@ENDNODE
@NODE "Römer 13b" "Römer 13,8-14"
@TOC "MAIN"
@{i}                           Römer 13,8-14@{ui}

@{b} Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.@{ub}   Römer 13,10 (EÜ)

 Den Standard unpersönliches Denkens kritisiert Eugen Drewermann in seinem
 Buch "Kleriker. Psychogramm eines Ideals". Demnach bewegen sich die
 Beiträge vieler Prediger in einem "formelhaften, absolut abstrakten und
 feierlich fixierten Schematismus der Gedanken". Was fehlt , ist das
 Ausgehen "von den Erfahrungen des Lebens" (118). Kurz: Die Inhalte kreisen
 um sich selbst und bleiben hohl. Dieser Vorwurf erscheint mir trotz seiner
 polemischen Verallgemeinerung bedenkenswert.
 Die Kritik Drewermanns beherzigend, habe ich für diese Woche unverbrauchte,
 plastische und sehr persönliche Geschichten ausgesucht. Sie sollen an den
 jeweiligen Schriftabschnitt heranführen.
 "Wer liebt, kann dem anderen nichts Böses antun" (Röm 13,10, Jörg Zink).
 Ein modernes Gleichnis dazu ist die Konfrontation des Autisten Raymond
 Babbitt mit seinem gesunden jüngeren Bruder Charlie. Charlie geht es um das
 Geld, das sein behinderter Bruder allein vom Vater geerbt haben soll.
 Kurzerhand wird der "ideotische" Bruder aus dem Behindertenheim entführt.
    Die Ereignisse des nun unvermeidbaren Zusammenseins lassen Charlies
 Kälte schmelzen. Er beginnt, die Qualitäten, seines Bruders zu ahnen und
 dessen Behinderung zu akzeptieren.beide Brüder entwickeln im Rahmen ihrer
 Möglichkeiten eine Zuneigung zueinander. Am Ende ist der Gesunde geheilt
 und der Kranke beinahe unverändert. Die Verfilmung "Rain Man" ist auch als
 Video eindrucksvoll.@{b}

 Guter Gott, hilf unserer Armseligkeit und gib uns den Mut, von Kindern,
 behinderten und Unbequemen zu lernen.@{ub}
                                             Heribert Schlensok



@ENDNODE
@NODE "Römer 14a" "Römer 14,1-12"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 14,1.12@{ui}

@{b} Nehmt den an, der im Glauben schwach ist, ohne mit ihm über
 verschiedene Auffassungen zu streiten.@{ub} Römer 14,1 (EÜ)

 "An den jungen Prediger" heißt das Gedicht Lothar Zenettis in seinem
 neuesten Buch, in dem sich ein junger Prediger enttäuscht darüber
 beschwert, daß seine "Worte... nichts bewirken". Die Zuhörer erkennen
 bestenfalls sein rhetorisches Talent. Zenetti schreibt:
 "Sprich dennoch, rate ich dir.
 Gib es nicht
 auf. Sieh noch genauer hin auf die Hörer.
 Sorgsamer achte deine Worte.
 Werde zuvor noch einer, der hört, und
 lerne schweigen, ehe Du sprichst."
 Solches Zuhören führt zum Zusehen. Da finden sich manche Erklärungen, wieso
 jemand "schwach" im Glauben ist. Mir erscheinen die Schwachen irgendwie
 ehrlicher als die Starken im Glauben, die Unerschütterlichen. Ist denn mein
 eigener Glaube so stark? Steht uns ein Urteil darüber zu? Das hier folgende
 Gebet ist die letzte Strophe des oben zitierten Gedichtes. Vielleicht macht
 es neugierig auf das komplette Bändchen sehr weiser und zugleich
 leidenschaftlicher Gedanken.@{b}

 Unermüdlich zeige den Weg. Aber
 indem Du ihn gehst. Selber im Glauben
 bemüht, sprich über den Glauben.
 Selber hoffend, rede von Hoffnung.
 Selber dich ändernd, predige Änderungen.
 Übe Geduld in allem. Rechne mit winzigen
 Schritten. Und vergiß dabei nicht:
 Du säst nur. Er läßt es wachsen. Er erntet.@{ub}
 (Lothar Zenetti, Wir sind noch zu retten. Neue Texte der Zuversicht,
 München 1989)
                                              Heribert Schlensok



@ENDNODE
@NODE "Römer 14b" "Römer 14,13-23"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 14,13-23@{ui}

@{b} Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist
 Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.@{ub} Römer 14,17 (EÜ)

 Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Friede und Freude sind einem agilen
 Sozialneid gewichen. Zugegeben, eine Zeit lang sah es so aus, als seien
 Einheit, Friede und Freude etwa zwischen allen Deutschen eingekehrt. Fast
 ebenso schnell kehrten der Alltag zurück, die menschlichen Fragen, die
 begründeten Bedenken und die Abgrenzung.
 Das Reich der Menschen ist Essen und Trinken, Auto und ein bißchen
 Umweltschutz und nicht Teilen, Verschenken, Freude. Froh ist, wer in
 Hamburg eine Wohnung findet. Nun gut, zu einem gewissen Teil ist das alles
 verständlich. Aber wie hebt man sich davon ab? Wie läßt sich wirkliche
 Freude im Heiligen Geist leben, ohne ausgenutzt und belächelt zu werden?
    Die Gabe des Geistes besteht darin, uns klar werden zu lassen, daß wir
 alle Beschenkte sind. Der Reichtum fällt freilich unterschiedlich aus. Dies
 soll aber nicht zu Arroganz führen, sondern ergibt eine klare Verpflichtung
 für den Wohlhabenden, der es fassen kann: von seinem Übermaß abzugeben.
 Bedürftige gibt es immer genug. Das, was da ist und von uns etwas
 untertreibend Lebensstandard genannt wird, reicht zum teilen allemal.@{b}

 Gütiger Gott, lehre uns den Geist deiner Großzügigkeit und
 Bedingungslosigkeit, damit wir zu freien, offenen und frohen Menschen
 werden.@{ub}
                                                   Heribert Schlensok



@ENDNODE
@NODE "Römer 15a" "Römer 15,1-6"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Römer 15,1-6@{ui}

@{b} Der Gott der Geduld und des Trostes ... und der Hoffnung.@{ub}
 Römer 15,5.13 (EÜ)

 Welche Namen hat mein Gott? Ich meine, welchen Eigennamen geben wir ihm?
 Ist es mir je in den Sinn gekommen? Gibt es einen Kosenamen, einen Zuruf,
 den er nur von mir Hört?
 Ich hätte in den eher trockenen, abgeklärten Texten des Römerbriefes alles
 andere vermutet als eine Anregung, über diese Frage nachzudenken,
 angestoßen durch die Formulierung: Der Gott der Geduld und des Trostes
 (Vers 5) und der Hoffnung (Vers 13).
 Eine Anregung, die stark genug wäre, endlich mal wieder das Griechisch-
 oder Lateinlexikon aufzuschlagen. Geduld, Trost, Hoffnung - da schillern
 Bedeutungsfelder! Eine solche Suche kann Ausgangspunkt für eine
 Theologische Tiefbohrung sein. Alles Forschen wird letztlich in der
 Feststellung münden, daß der Atem der Geduld Gottes weiter reicht als
 unsere menschliche Geduld. Von seinem Trost und seiner Hoffnung einmal ganz
 zu schweigen.
 Ich kenne einen jungen Priester, der sehr oft das Tagesgebet beschließt mit
 den Worten: "Dies bitten wir durch Christus unseren Herrn und Bruder." Die
 Anrede "Bruder" benutzt er so oft, daß sie mir auffiel als seine
 persönliche Charakterisierung Gottes. Ein naher, junger Gott!
 Paulus schlägt hier drei Gottesbezeichnungen vor. Kennen wir neue? Haben
 wir eine ganz individuelle?@{b}

 Wir danken dir, guter Gott, daß wir zu dir sprechen können. Schenk uns
 Phantasie, damit wir dir näher kommen und dich leidenschaftlicher
 beschreiben können.@{ub}
                                                 Heribert Schlensok



@ENDNODE
@NODE "Römer 15b" "Römer 15,7-13"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 15,7-13@{ui}

@{b}  Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur
 Ehre Gottes.@{ub}   Römer 15,7 (EÜ)

 Der Kinofilm "Die Reisen des Mr. Leary" nach dem gleichnamigen Buch von
 Anne Tyler schildert eine Annahme unter extremen Bedingungen: Macon Leary
 geht, nachdem seine Frau sich von ihm getrennt hat, vollkommen
 beziehungslos seiner Arbeit als freier Schriftsteller nach. Um das
 Zusammensein mit Menschen und die Begegnung mit Neuem so weit wie möglich
 zu verhindern, hat er sich raffinierte Abwehrmechanismen ausgedacht: Auf
 jede Reise pflegt er ein dickes Buch mitzunehmen, in dem er im Zug und im
 Flugzeug stundenlang auf dieselbe Seite stiert. Er setzt seinen Walkman auf
 und hört sich unbespielte Kassetten an. Er lebt in Paris unter Millionen
 von Franzosen wie ein Amerikaner, geht in England nur in amerikanische
 Restaurants usw.
 Sehr lange braucht er, um die Zuneigung einer Frau annehmen zu können. Er
 lernt, sie zu erwidern, lebt mit ihr und scheint glücklich. Ganz am Ende
 des Films lächelt er zum allerersten Mal.
 Buch und Film sprechen nicht an einer einzigen Stelle von Gott oder einem
 Gedanken daran. Folglich ist auch von der Annahme zur Ehre Gottes wenig die
 Rede. Das tut der Dichte dieser glaubhaften Begegnung keinen Abbruch. Es
 war für mich die schönste Geschichte einer Annahme 1989.@{b}

 Gott, weil du uns Menschen annimmst, hast du Jesus aus dem Tod gerettet. Du
 rufst auch uns in die Herrlichkeit des neuen Lebens. Laß diese Zuversicht
 in unser ganzes Leben dringen. Laß diese Freude aus unseren Taten strahlen,
 laß uns in dieser Freude anderen Menschen entgegengehen (nach Reinhard
 Lettmann).@{ub}
                                                   Heribert Schlensok



@ENDNODE
@NODE "Römer 15c" "Römer 15,14-21"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Römer 15,14-21@{ui}

@{b} Dabei habe ich darauf geachtet, das Evangelium nicht dort zu
 verkündigen, wo der Name Christi schon bekannt gemacht war.@{ub}
 Römer 15,20 (EÜ)

 Ich möchte das Evangelium auch heute dort verkündigen, wo es noch nicht
 bekannt gemacht ist. Bekannt gemacht heißt in unserem Lebenskreis: Das
 Evangelium übt keine Anziehungskraft mehr aus. Es verläuft bis zur
 Unkenntlichkeit. Seine Verkündigung geschieht farblos und vor eingeweihtem
 Publikum.
 Abhilfe wäre möglich: Meine Lieblingsplazierung sind die erleuchteten
 Plakate, wie man sie an Bushaltestellen sieht, aber auch Großflächenplakate
 an den Straßen, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, allesamt Orte (von
 Fernsehspots einmal abgesehen), wo das Evangelium noch nicht bekannt
 gemacht ist.
 Auf einem dieser Plakate sieht man eine ziemlich normale junge Frau, mit
 einem relativ normalen Gesicht, einer modischen Frisur. Sie wirkt weder
 affektiert noch frömmlerisch. In roten Buchstaben steht über dem Bild: "Die
 Kirche, langweilig." Unter folgt die Frage: "Und wie langweilig sind Sie?"
 Mir fallen noch viele solcher Plakate ein. Sie alle zeigen Bilder von
 völlig normalen Christen, die mit ungewöhnlichen Aussagen das Thema Kirche
 beleuchten. Im besten Sinne provozierend, souverän behutsam und entschieden
 mutig.
 Ich gebe zu, ich arbeite in der Werbung und habe solche Einfälle.
 Schlimmer: Ich finde, die Kirche müßte heute solche Einfälle haben - ganz
 im Sinne von Paulus. Mal sehen, was sich machen läßt.@{b}

 Herr, gib uns die Kraft, das Evangelium dort zu verkünden, wo es noch
 unbekannt ist. Gib uns den Mut, es auch dort zu verkünden, wo es verachtet
 wird. Gib uns die Ausdauer, es schließlich dort weiterzusagen, wo es in
 Vergessenheit geraten soll.@{ub}
                                               Heribert Schlensok



@ENDNODE
@NODE "Römer 15d" "Römer 15,22-33"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 15,22-33@{ui}

@{b} Der Gott aber des Friedens sei mit euch allen! Amen.@{ub}
 Römer 15,33 (LB)

 Mit "Reisepläne" ist unser Abschnitt aus dem Römerbrief in der Lutherbibel
 über- und mit dem Friedensgruß unterschrieben. Und dazu schreibt nun Ende
 Januar 1990 ein Mensch in der DDR ein paar Zeilen, die im April 1991
 gelesen werden wollen.
 Da hat der Apostel in seinem für die christliche Gemeinde besonders
 prägenden Brief seine theologischen Grundpositionen aufgezeichnet und wird
 nun am Schluß sehr persönlich. Er beschreibt eine Aufgabe an der
 Jerusalemer Gemeinde, die er noch wahrnehmen wird, und dann will er endlich
 reisen. Rom und Spanien sind seine Ziele. Viele Male ist er verhindert
 worden, dorthin zu gelangen. Ob Sie ahnen können, was das über Jahre hin
 bedeutet?
 -Nun endlich soll der Besuch als direkte Begegnung das treuliche
 Briefeschreiben ablösen. Endlich wird Paulus die Gemeinde treffen, zu der
 es so viele Beziehungen gibt, in der er viele Bekannte hat, wie wir im
 morgigen Abschnitt lesen werden. Endlich werden Reisepläne konkret, werden
 Gemeinschaft und Gemeinde aus der Vorstellung in die Wirklichkeit geführt.
    Vers 30-33 nennt konkrete Merkmale für solches Zusammensein von von
 Gemeinden: konkrete Fürbitte tun, sich dem Willen Gottes anvertrauen und
 seinen Frieden erbitten für alle. Und darin hatte wohl in der Zeit des
 Paulus und in unserer Zeit aller Besuch von Christen seinen tiefsten Sinn:
 einander vorurteilslos zu begegnen, gemeinsam Verantwortung wahrzunehmen
 für diese Welt (nicht nur für die Kirche!) und sich aneinander zu
 erquicken, zu stärken. Romano Guardini hat gesagt: "Das ist aller
 Gastfreundschaft tiefster Sinn, daß einer dem anderen Rast gebe auf dem
 Wege nach dem ewigen Zuhause."@{b}

 Herr, gib uns die Möglichkeit einander in deinem Frieden zu begegnen, im
 Glauben zu erquicken und deiner Friedensboten zu sein in unserer Zeit.
 Amen.@{ub}
                                                    Gottfried Schubert



@ENDNODE
@NODE "Römer 16a" "Römer 16,1-16"
@TOC "MAIN"
@{i}                        Römer 16,1-16@{ui}

@{b} Ich befehle euch unsere Schwester Phoebe.@{ub} Römer 16,1 (LB)

 Erstaunlicherweise hat Paulus in der unbekannten Stadt Rom sehr viele
 vertraute Gemeindeglieder. Achtzehn Männer und acht Frauen werden neben
 zwei Hausgemeinschaften namentlich genannt und zum Teil mit ihren
 besonderen Beziehungen zu Paulus erwähnt. Sie alle grüßt er am Schluß
 seines Briefes.
 Unbekannt ist der römischen Gemeinde aber jene Phoebe, von der am Anfang
 des Abschnitts die Rede ist. Sie stammt aus der Hafenstadt Kenchräa in der
 Nähe von Korinth. Hier hatte sie besondere Dienste wahrzunehmen, die es
 nahelegen, sie als erste (und einzige im Neuen Testament erwähnte)
 Diakonisse der christlichen Gemeinde zu nennen. Ihre Dienste werden den
 Frauen, den Armen, Kranken und Fremden ebenso gegolten haben, wie sie wohl
 auch Hilfe bei der Taufe der weiblichen Taufkandidaten geleistet haben
 wird. In solcher Tätigkeit hat sie viel Gutes gewirkt, hat Anerkennung
 gefunden, und auch Paulus hat ihr persönlich zu danken. Wahrscheinlich ist
 sie die Überbringerin seines Briefes an die Gemeinde von Rom, den Paulus in
 Korinth geschrieben hat. Mit dem Brief trägt sie die Empfehlung für sich in
 die hauptstädtische Gemeinde. Unklar bleibt, ob Phoebe längere Zeit in Rom
 bleiben wird, ob sie dort auch Gemeindeaufgaben übernehmen wird, oder ob
 sie mit einer kurzzeitigen Aufgabe in Rom weilt.
 Fremd ist sie und unbekannt und - eine Frau. Da braucht sie Fürsprache und
 die Aufforderung an die Gemeinde, aufgenommen zu werden, um Gemeinschaft
 erfahren zu können. Und genau da wird eine immerwährende Spannung der
 Gemeinde deutlich: Vertrautheit und Offenheit. Oder: Wieviel
 Geschlossenheit braucht eine Gemeinschaft, um verbindlich zu sein? Wieviel
 Offenheit, um wirksam zu sein?@{b}
 Herr, beides hast du deiner Gemeinde gegeben, die Versammlung zur
 Auferbauung und die Sendung zum Gemeindebau. Laß uns erkennen, daß das eine
 jeweils von anderen lebt. Amen.@{ub}
                                               Gottfried Schubert



@ENDNODE

@NODE "Römer 16b" "Römer 16,17-24"
@TOC "MAIN"
@{i}                         Römer 16,17-24@{ui}

@{b} Ich ermahne euch aber, daß ihr achtet auf die, die da Zerstreuung und
 Ärgernis anrichten.@{ub}   Römer 16,17 (LB)

 Paulus unterbricht den Schlußteil seines Briefes. Der Gruß an die vielen
 ihm bekannten Gemeindeglieder in Rom, die Empfehlung der Diakonisse Phoebe
 werden ihm die Gemeindesituation noch einmal genau vor Augen geführt haben.
 Dieser Gemeinde hat er diesen Brief geschrieben, den Lehrbrief des
 Evangeliums. Ob die Adressaten ihn verstanden haben? Ob wir ihn verstehen?
 Ist da nicht so vieles sehr schwer zu begreifen? Gerade der Römerbrief ist
 ja für Martin Luther und viele theologische Denker nach ihm zum Fundament
 christlicher Glaubenslehre geworden. Wegen der Eindeutigkeit des Briefes:
 "allein die Schrift, allein aus Gnade, allein aus Glauben", ist er zur
 Grundlage christlichen Bekenntnisses, christlicher Existenz geworden.
    Paulus scheint für die Gemeinde in Rom diese Existenzgrundlage bedroht
 zu sehen. Andere Wesensinhalte oder durch Schönrederei verkürzte Aussagen
 können die Lehre zur Leere machen. Worauf beruht dann die christliche
 Existenz angesichts einer heidnischen Umwelt? Was wird die Haltung der
 bedrohten Christen bestimmen wenn sie keinen Halt mehr haben?
 Darum beschwört Paulus die Gemeinde fast, daß sie sich in jedem Fall
 zurückziehen soll von denen, die den jungen Glauben verwirren. Verwirren
 und Verirren liegen sehr dicht beieinander. Darum ist die Mahnung zur
 Eindeutigkeit damals wie heute wesentlich für die Gemeinde, wenn sie in der
 Spur und in dem Dienst Jesu Christi bleiben will.@{b}

 Lieber Herr, wir bitten dich um offene Augen und Ohren, die vielen
 Botschaften zu unterscheiden, die uns ein lohnendes Leben versprechen. Laß
 uns bei dir bleiben, du treuer Heiland. Amen.@{ub}
                                                  Gottfried Schubert



@ENDNODE
@NODE "Römer 16c" "Römer 16,25-27"
@TOC "MAIN"
@{i}                          Römer 16,25-27@{ui}

@{b} Dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus von
 Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.@{ub}  Römer 16,27 (LB)

 Wenn ich den kurzen Abschnitt der heutigen Tageslese höre, der ja
 schließlich nur in einem mit einem Ausrufezeichen endenden Satt besteht,
 dann fühle ich mich in ein Sinfoniekonzert versetzt. Aus vielen einzelnen
 Abschnitten, aus langen und kurzen, schweren und beschwingten Sätzen ist es
 zusammenkomponiert. Zu seinem Schluß hin will es alle wesentlichen Melodien
 noch einmal aufnehmen, ineinanderfügen, sich steigern zum Endpunkt, zum
 Finale, zur Schlußaussage.
 Paulus hat mit diesem Brief eine Predigt gehalten. Er hat Christus
 verkündigt auf Gottes Geheiß hin, nicht aus eigenen Stücken. Das Geheimnis
 des Glaubens, Jesus Christus, ist bekannt gemacht worden, an die
 Öffentlichkeit getreten, nicht verborgen und sind vom Hören und Horchen zum
 Gehorchen, zum Gehorsam des Glaubens gekommen. Nicht für das
 alttestamentliche Gottesvolk allein hat das Gültigkeit, sondern für
 Menschen aller Völker, aller Weltanschauungen, aller Ideologien. Diese
 Botschaft zu verkündigen, kann allein Gott die Stärke geben, durch Jesus
 Christus.
 Dies alles steht in dem einen Satz, der dann ganz von seinem Schreiber,
 Paulus, wegweist, allein auf den einen Herrn, auf Jesus Christus. Er ist zu
 ehren über alle und von allen Menschen. Er ist die Wahrheit, die über alle
 Erkenntnisse und über alle Zeiten gültig ist. Er ist der Wahre, in dem wir
 erkennen können, was es heißt, ein von Gott erschaffener Mensch zu sein.
@{b}
 Herr, wir merken, daß wir nicht oft von dir reden, von deiner Ehre, sondern
 viel mehr bei uns selber sind und bei unseren Werken und Ehrungen. Wir
 merken oft nicht, daß wir in dieser Haltung vor dir schuldig werden. Darum
 wollen wir bitten: Vergib uns, Herr. Amen.@{ub}
                                                Gottfried Schubert



@ENDNODE
///
@NODE "Adresse" "Adresse"
@TOC "MAIN"



@{b}   Sabine, Christine, Michael und Dieter Paprocki - @{"EFT" LINK "EFT"}

   Kaiser Friedrich Straße 120b, 14476 Potsdam-Eiche, Tel. 0331/964389@{ub}





@ENDNODE

@NODE "Notext" "No Text"
@TOC "MAIN"


Zu dieser Stelle ist @{FG fill}in dieser Version@{FG text} noch  kein Text vorhanden!

@ENDNODE


@NODE "EFT" "EFT"

@{fg highlight} E F T - Evangelische-Franziskaner-Tertiaren@{fg text}

 Gibt es das? In der Tat wird es für viele katholische und evangelische
 Christen in unserem Land neu sein, daß es auch auf evangelischem Boden
 Menschen gibt, die nach der Ordensregel des Franz von Assisi zu leben
 versuchen, Menschen, die sich zum sogenannten Drittorden zählen.

 Ja, das gibt es, und zwar schon seit 1927.

 Das ist Anlaß und Grund, zurückzublicken und für Gottes gnädige Führung zu
 danken, aber auch den Blick nach vorn zu richten und nach dem weiteren Weg und
 seinen Aufgaben zu fragen.

 Wir fragen immer wieder neu nach unserem Weg, um zur Entfaltung kommen zu
 lassen, was als Artikel 1 in unserer Regel steht:

 "Die Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi sucht gemäß
 dem Beispiel des Armen von Assisi und der heiligen Elisabeth, der ersten
 deutschen Franziskanertertiarin, mitten im modernen Leben die Nachfolge
 Christi zu verwirklichen. Ihr Ideal ist das des heiligen Franziskus: @{u}zu
 leben nach dem Vorbild des heiligen Evangeliums."@{uu}

@{b} WAS BEEINDRUCKT UNS BEI FRANZ VON ASSISI?@{ub}

 Franz von Assisi (1182-1226) war der Sohn eines reichen Tuchhändlers. In
 seiner Jugend führte er ein Leben, daß allen Vergnügungen zugewandt war, aber
 auch den Menschen. Mit etwa 20 Jahren kam es zu einem Umbruch in seinem
 Denken, er fragte nach dem Willen Gottes in seinem Leben.

 Im Jahre 1206 betete er in einer kleinen Kirche in San Damiano: "Gib mir,
 Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen Auftrag
 erfülle." Und er hörte die Antwort im Anruf Gottes: "Geh hin und stelle mein
 Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist!"

 Das war die Stunde seinr Berufung.

 Er verstand den Auftrag zunächst ganz im wörtlichen Sinne und ging daran, die
 kleine Kirche zu restaurieren. Er änderte seinen bisherigen Lebensstil radikal
 und verzichtete auf das väterliche Erbe.

 Zwei jahre später, beim Lesen des Evangeliums von der Aussendung der Jünger
 ohne Besitz, wurde ihm sein eigener Auftrag deutlich. Nach kurzer Zeit
 schlossen sich ihm die ersten Gefährten an, die mit ihm in radikaler Armut
 durch das Land zogen, um so die Nachfolge Christi zu leben.

 Dies schloß auch die liebende Zuwendung zu allen Geschöpfen ein. Sie fand
 ihren Ausdruck u.a. in dem "Sonnengesang" und in dem mehrfach vertonten Gebet:
 "O Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens." Dies alles jedoch kam aus
 seinem Hauptanliegen, die frohe Botschaft von Jesus Christus aller Welt
 bekannt zu machen.

 So war sein Weg ganz und gar der Weg der Nachfolge Christi. In die
 Gemeinschaft mit ihm immer tiefer hinzuwachsen, war die eigentliche Mitte und
 Ausrichtung seines Lebens und Dienstes. Im Jahre 1224 empfing er am Berg
 Laverna die Stigmatisierung, die Wundmale Christi.

 Durch die heilige Klara wurden auch Frauen in diese Bewegung hineingezogen.
 Der zweite, weibliche Zweig des Ordens wurde gegründet, später dann sogar auch
 noch der dritte Orden (Tertiaren), ein Laienorden für die Menschen, die in
 ihrem Beruf und ihrer Familie nach ihren Möglichkeiten der Ordensregel gemäß
 leben wollen.

@{b} WIE DENKEN WIR UNS EINE FRANZISKANISCHE LEBENSFÜHRUNG?@{ub}

 Für Franziskus war die Entscheidung zu einem @{u}Leben in Armut@{uu} eine
 wichtige Voraussetzung dafür, frei zu sein für seinen Dienst - eine
 Entscheidung von nicht geringer Bindung und Tiefe als die bezüglich der Ehe.
 Er nannte in der Tat die Armut seine Herrin und eine Braut. Aber was bedeutet
 das für uns heute? Das Leben in einem der reichsten Länder der Erde ohne
 Hunger und Mangel und das Leben in Verantwortung für eine Familie läßt das
 Reden von Besitzlosigkeit leicht zu einem Lippenbekenntnis werden. Es geht
 heute um:
 - den Geist der einfachen Lebensführung,
 - die innere Freiheit gegenüber dem Habenmüssen,
 - das Offensein für die Zeichen der Zeit,
 - das Teilenkönnen - auch von Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten,
 - das Freisein von Neid.

 Die @{u}Liebe zur Kirche@{uu} erwuchs für Franziskus gegenüber dem äußeren und
 inneren Verfall der Kiche seiner Zeit.

 Wohl gibt es in unerem Land viele zweckentfremdete, reparaturbedürftige oder
 zum Museum degradierte Gottshäuser, aber noch mehr wenig besuchte
 Gottesdienste. In einer säkularisierten Gesellschaft geht es den Tertiaren um
 - regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst und an der Feier des heiligen
   Abendmahls,
 - verbindliches geistliches Leben im Alltag,
 - regelmäßige, geordnet Zeiten für Schriftlesung und Gebet,
 - freudigen Einatz seinr Gaben im Leben der Ortsgemeinde,
 - Zeithaben für die Schwestern und Brüder im Glauben.

 Neben diesen Seiten der franziskanischen Spiritualität ist das @{u}ökumenische
@{uu} Anliegen ein wichtiger Grundgedanke unserer Gemeinschaft. Wir beten und
 mühen uns um die Einheit aller christlichen Kichen im Glauben und in der
 Liebe, auf daß sich das hohepriesterliche Gebet des Herrn erfülle: "daß sie
 alle eins seien." (Joh.17,21)

 Die @{u}Liebe zu allen Geschöpfen@{uu} bewog Franziskus zum freudigen Lobpreis
 Gottes, aber auch zur Sorge für Kranke, Aussätzige und alle Kreatur.

 Wie aktuell ist heute
 - die Liebe zu allem Geschöpflichen in unserer von Krieg und Umweltzerstörung
   bedrohten Welt,
 - die Solidarität mit Menschen in jeglicher Not,
 - die Verfügbarkeit für den Dienst am Menschen,
 - die Beachtung und das Für-voll-Nehmen der Armen und Leidenden,
 - die Schlichtung von Unfrieden in der nächsten Umgebung.

 Diese Hauptgedanken sind es, die uns heute in der Nachfolge Christi bewegen.

@{b}WIE ENTSTANDEN DIE EVANGELISCHEN FRANZISKANERTRTIAREN?@{ub}

 Den Anstoß zu einer franziskanichen Bewegung innerhalb der @{u}evangelischen
 @{uu} Kirchen gab der französische Hugenottenpastor und spätere
 Kirchenhistoriker @{u}Paul Sabatier@{uu} (gestorben 1928) durch sein
 Franziskusbuch (1893), das eine sehr starke Verbreitung fand. Eine erste
 Frucht dieser Bewegung war die Gründung eines nach franziskanischem Muster
 geschaffenen Laien-Tertiaren-Ordens in er Hugenottenkirche Frankreichs.

 Ihr Gründer war der Pariser Theologieprofessor und Pastor @{u}Wilfried
 Monod@{uu}, der am Schluß einer Rede auf der Stockholmer Weltkirchenkonferenz
 1925 folgenden Wunsch aussprach: "Möge der Geist des heiligen Franziskus immer
 wieder auferstehen und sich überall in er Christenheit Sendboten eines neuen
 Laien-Tertiaren-Ordens erwecken, Prediger eines sittlichen, sozialen und
 geistlichen Evangeliums, das allein fähig ist, das furchtbare Gespenst einer
 Weltkatastrophe zu bannen."

 Unter den Zuhörern befand sich auch er Marburger Theologe @{u}Friedrich
 Heiler@{uu}, der von diesen Ausführungen tief ergriffen war. So machte Heiler
 1925 in Magdeburg den Vorschlag zur Gründung eines evangelischen
 Franziskanertertiarenordens. Dabei sagte er u.a.: "Was wir sogleich
 verwirklichen können, das ist ein Tertiarenorden im Geist des heiligen Franz.
 Sollten wir nicht dasselbe zuwegebringen, was ein französischer Hugenotte,
 Wilfrid Monod, ins Leben gerufen hat?...Wir Hochkirchlichen sollen Monods
 großes Ordensprogramm übernehmen und in noch engerem Anschluß an die Regel des
 heiligen Franz und seine kirchliche Frömmigkeit weiterführen."

 1927 wurde die "Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi"
 (Evangelische Franziskaner-Tertiaren = EFT) gegründet.

@{b}WIE SIEHT ES GEGENWÄRTIG BEI UNS AUS?@{ub}

 Zahlenmäßig ist unsere Gemeinschaft nicht groß. Wir wohnen weit verstreut in
 Deutschland, in er Schweitz und in Österreich. Doch wir alle sind verbunden in
 der Gemeinchaft des Glaubens und des fürbittenden Gebets.

 Zum besseren Kennenlernen und Verstehen werden jeweils zwei Schwestern oder
 zwei Brüder für eine Zeitlang zwecks Korrespondenz zu Weggefährten bestimmt.
 Mehrmals im Jahr erscheint ein Geschwisterbrief. Soweit möglich, kommen wir zu
 kleineren regionalen Treffen, zu Tagungen und Einkehrtagen zusammen,
 regelmäßig mit der Johannes-Bruderschaft, der auch viele Franziskaner-
 Tertiaren angehören, aber auch zu Begegnungen mit der Franziskanischen
 Gemeinschaft der katholischen Kirche.

 Zu unseren Treffen kommen auch immer wieder Gäste, und wir freuen uns über
 jeden, der unsere Gemeinschaft persönlich kennenlernen möchte.
 @{b}@{u}Sie alle sind herzlich eingeladen!@{uu}@{ub}

 Und wenn man verbindlich zu dieser Gemeinschaft gehören möchte?

 Das ist möglich für jeden getauften Christen. Nach einer mindestens ein-, in
 der Regel zweijährigen Probezeit (Noviziat) kann nach der Entscheidung durch
 den Konvent der Tertiaren die volle Aufnahme erfolgen.


 Die evangelischen Franziskaner-Tertiaren haben @{u}das alte franziskanische
 Zeichen@{uu} übernommen, die gekreuzten Arme mit den Wundmalen Christi
 (Stigmata) an den Handflächen, die sich an ein von einem Strahlenkranz
 umleuchtetes Kreuz lehnen. Über dem Kreuz sind die alten franziskanischen
 Grußworte eingeprägt:@{b}Pax et Bonum (Friede und Heil).@{ub}
 Am unteren Rand des Zeichens deuten die Anfangsbuchstaben E. F. T. an, daß die
 Träger dieses Zeichens dem evangelicshen Zweig der großen Franziskanerfamilie
 angehören.@{i}
                   Wir beten Dich an,
                   heiliger Herr Jesus Christus,
                   hier und in allen Deinen Kirchen
                   der ganzen Welt
                   und preisen Dich,
                   weil Du durch Dein heiliges Kreuz
                   die Welt erlöst hast.@{ui}
                      (Franz von Assisi)

@{b}@{u} Kontaktadressen:@{uu}@{ub}
 Pastor Friedhelm Bürgener               Frau Dr.Edda Winde
 Emmentaler Str. 92                      Wittgensdorfer Str.82A
 13409 Berlin                            09114 Chemnitz
 Tel.: 030-495 96 33                     Tel.: 0371-330 07 24

 und natürlich ich.








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