@TI "Was ist Realität?" @OF 1 43 Basel.font @OF 2 16 losse.font @SH y @CO 1 2 @SF 1 Was ist Realitaet? @SF 0 @CO 2 1 Wie real ist unsere Realität? Wie wirklich ist unsere Wirklichkeit? Stellen Sie sich vor, es gibt einen allmächtigen Gott. Stellen Sie sich vor, daß dieser Gott einst unser Universum geschaffen hat; so, wie wir es nun sehen. Kein Problem wird der ein oder andere nun vielleicht sagen. Aber, wenn dieser Gott allmächtig ist, müßte es ihm möglich sein, den ganzen Prozess der Erschaffung in einer Sekunde zu erledigen. Noch immer kein Problem? Vielleicht, aber was ist, wenn die Erschaffung erst kurze Zeit zurückliegt, so ca. 5 Minuten. Unmöglich? Bestimmt nicht, dies zu beweisen oder zu wiederlegen währe einfach ein Ding der Unmöglichkeit, da ein allmächtiger Gott durchaus in der Lage wäre dieses Universum "alt" erscheinen zu lassen: Sterne der unter- schiedlichen Altersstufen und Gesteine, welche nach unseren Messmethoden Jahrmillionen alt sind. Und Menschen, welche sich an Dinge und Geschehnisse erinnern, welche niemals stattgefunden haben. Ein zweites Beispiel: Im gesamten existierenden Universum gibt es nur ein einziges denkendes und intellegentes Wesen: Sie! Alles, was Sie um sich herum sehen ist nichts anderes als eine künstliche Welt, welche von Ihnen geschafffen wurde, um etwas Abwechselung in Ihr Leben zu bringen. Dieses von Ihnen für Sie geschaffene "Spiel" endet erst, wenn das von Ihnen vorher festgelegte "Spielziel" erreicht wird. Natürlich wird jeder sagen, der dies liest: "So ein Unsinn, ich bin mir meiner doch bewußt, genau wie meine Eltern und Freunde." Doch, können Sie sicher sein, daß dies nicht alles zu ihrem Spiel gehört? Ein weiteres Beispiel: Sie ziehen sich einen Cyberanzug an, setzten sich Ihre 3D-Brille auf und treten dank Ihres Hochleistungscomputers an jeden Ort, den Sie besuchen wollen. Alles wirkt echt und existiert im Computer sogar wirklich. Landschaft, Personen, ... alles ist vorhanden. Unmöglich? Nein, nicht einmal mehr unwahrscheinlich. Der "Cyberspace", wie diese Welt genannte wird, gehört in ca. 20 bis 30 Jahren zum Alltag jedes durchschnittlichen Europäers. Und genau dieser Cyberspace ermöglicht es dem User, in jeder erdenklichen Form, an jedem Ort und zu jeder Zeit in Erscheinung zu treten; dies nach Richtlinien, welche vorher vom User selbst festgelegt wurden. Space, das englische Wort für Raum vermag aber bei weitem nicht auszudrücken, welche Möglichkeiten sich hier bieten. Es geht hier um ganze Welten, unendliche viele Welten. Grenzen werden lediglich durch die Phantasie des Programmieres gesetzt. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß man als Programierer des Cyberspace zum Weltenschöpfer, oder vielmehr zu Gott wird. Heute befinden wir uns erst am Anfang dieser Technologie; nichts desto trotz wird sie schon in zahlreichen Gebieten angewand (Die Nasa berechnet und erforscht so z.B. verschiedene Aspekte der Raumfahrt). Dank voller sensorischer Erfassung des Körpers des Users wird es möglich sein, diesen vollkommen in die virtuelle Welt einzugliedern. Bald werden Filme, wie wir sie heute kennen keine große Rolle mehr spielen. Vielmehr begibt man sich in den Cyberanzug, lädt eine Diskette mit dem ent- sprechenden Programm und findet sich kurz darauf im selbigen wieder. Es wird möglich, aktiv in den Filmen mitzuspielen, in "Alien" trifft man auf Sigourney Weaver, in "Indenpedence Day" auf Jeff Goldblum und in "Terminator" auf Arnold Schwarzenegger. Mehr noch, man selbst kann Arnold Schwarzenegger sein. Nur kurze Zeit später kommt dem User die Welt um in herum real vor, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man glaubt wirklich dort zu sein und sich voll darauf konzentriert. Wie real ist nun unsere Welt? Und ..., was ist Realität? Was ist Wirklichkeit? Gibt es Wirklichkeit überhaupt; objektiv, unantastbar und unverletzbar? Nein, etwas derartiges gibt es nicht; Wirklichkeit ist eine Illusion! Was wir Menschen über unsere Sinnesorgane wahrnehmen können, ist nur ein kleines Abbild der Wirklichkeit. Und auch hiervon erreicht unser Gehirn nur ein kleiner Teil: im optischen, im akustischen und im sensorischen Bereich. Vieles, was wir mit unserem Körper nicht wahrnehmen können, ist nur über Geräte meß- und nachweisbar. Infrarot- und Ultraviolettlicht; Infra- und Ultraschall; Röntgen-, Alpha-, Beta- und Gammastrahlen sind hier nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was wir ohne Hilfsmittel nicht bemerken können. Und wer kann anhand dieser Fakten leugnen, daß es sehr viel mehr noch nicht Bemerktes und Unentdecktes gibt oder zumindest geben könnte. In der Welt des Allerkleinsten, in der Welt der Quanten, versagt unsere Auffassung von Realität vollständig. Der Atomphysiker Werner Heisenberg hat einmal folgendes geschrieben: "In den Experimenten über atomare Zustände haben wir es mit Dingen zu tun, mit Erscheinungen, die ebenso real sind wie irgendwelche Erscheinungen des täglichen Lebens. Die Atome oder Elementar- teilchen selber sind jedoch nicht ebenso real; sie bilden eine Welt der Potentialitäten oder Möglichkeiten und nicht eine solche der Dinge oder Tatsachen... Atome sind keine Dinge." Die Irrealität dieser Welt des Allerkleinsten läßt sich fraglos nicht einfach auf die Welt des Großen übertragen, wobei sich hier die Frage stellt, wie etwas, das nur aus Potentialitäten oder Möglichkeiten besteht, etwas aufbauen kann, das eine Tatsache, ein Ding, ein Faktum ist; wo wird hier die Grenze zwischen Irrealität und Realität überschritten? Möglicherweise liegt dies an der Grobstruktur unserer Meßinstrumente, vielleicht auch nur an der Theorie, an dem Bild, welches wir vom Universum haben. Nicht wenige große Physiker unseres Jahrhunderts - z.B. John von Neumann, Eugene Wigner, Erwin Schrödinger - glauben, daß nur unser eigener, bewußter Geist eine elementare Realität besitzt. Alles andere seien lediglich Konstruktionen, aus den eigenen Erfahrungen der Vergangenheit generierten und mit dem Bewußtsein gekoppelten. Schon in naher Zukunft werden die ersten Hard- und Softwareentwickler in der Lage sein, Cyberspace-Welten zu schaffen, welche sich kaum von unserer "realen" Welt unterscheiden. Welten mit ihren eigenen physikalischen Gesetzen, mit ihrer eigenen kosmologischen Geschichte und mit ihren eigenen (elektronischen) Lebewesen. Vielleicht werden diese Lebewesen mit der Möglichkeit der Replikation aus- gestattet sein und sich fortpflanzen und irgendwann werden sie möglicher- weise beginnen, ein Bewußtsein zu entwickeln. Sie werden sich fragen, wer sie sind und woher sie kommen und was es damit auf sich hat, mit ihrer Welt, mit ihnen selbst, mit ihrem Bewußtsein. Wir (in diesem Fall der Softwareentwickler) könnten Fallen einbauen, um für immer zu verhindern, daß diese Lebewesen die Wahrheit ihrer Existenz jemals erfahren. Wir könnten sie dabei beobachten, wie sie sich abmühen, philosopische und theologische Konzepte und Glaubenssysteme zu entwerfen und diese wieder fallenlassen. Sie werden sogar Wissenschaft betreiben, aber immer nur in dem Rahmen, den wir ihnen zugestehen. Und manchmal werden wir in unseren Cyberanzug schlüpfen, um in ihrer Welt als Person, als Gott, als lebloser Stein am Wegesrand oder vielleicht auch als außerirdischer Besucher aufzutauchen um ein wenig in diesem Spiel mitzuspielen. Ist unsere Welt in Wirklichkeit eine virtuelle Welt in irgendeinem Computersystem? Es gibt eine handvoll Wissenschaftler, die dies tatsächlich für möglich halten. Die Quantelung von Energie und Drehimpuls, das heißt ihre Zerstückelung in Welle und Teilchen, könnte in diese Richtung deuten. Sollte es sich jemals erweisen, daß sogar Raum und Zeit in ähnlicher Weise gequantelt sind, wäre dies ein äußerst ernstzunehmendes Argument - jedenfalls nach Meinung einiger Mathematiker. Hoffen wir in diesem Fall, daß niemand aus Versehen den Aus-Schalter drückt! P.Hartfil