@LF 0 @OF 1 08 pearl.font @OF 2 13 beton.font @OF 3 11 topaz.font @TI "C= an Escom(E=) verkauft" @SH y @CO 4 1 @SF 2 @IX 16 C= an Escom(E=) verkauft @LF 12 @SF 1  (C) Sven Drieling @SH y  Am Donnerstag den 20. April 1995(fast ein jahr nach Verkündung der Liquidation am 29.4.94) war es endlich soweit, Commodore sollte in New York im Konferenzraum von Fullbright&Jawowrski versteigert werden(Fullbright&Jawowrski sind die Anwälte des bahamischen Liquidators von Commodore). Als aktuelle Interessenten waren bisher C= UK, CEI, Escom bekannt bei der Auktion kamen noch Computer Connection of California und Dell als mir bisher unbekannte Interessenten hinzu. Während C= UK erst gar nicht zur Auktion antrat, war es Computer Connection of California nicht möglich die eine million geforderten US-Dollar als Sicherheit vorzuweisen. C= UK gab es Grund an, daß sie gegen Escom und Dell bei der Auktion eh keine Chance hätten. So kam es dazu, daß Escoms 1. Gebot über ca. 6,6 mio. US$, das zunächst einzig anerkannte sein sollte, da Dell zwar die eine million Dollar als Sicherheit vorweisen konnte sie jedoch - wie wohl auch CEI - ihr Gebot an Bedingungen knüpften (Dell wollte eine ein monatige Prüfungszeit für die Amiga-Technologie und die Konkursunterlagen - Dell hatte erst zwei Wochen vor Auktionbeginn etwas von der Auktion erfahren), während der Liquidator jedliche Forderungen von vornherein ausgeschlossen hatte. Weshalb genau ist mir nicht bekannt, aber zumindest schlossen sich dann noch am Donnerstag Abend CEI und Dell zusammen, um ein gemeinsames Gebot abgeben zu können. Am Freitag fand dann die eigentliche Auktion statt. Dell bot dabei 15 mio. US$, dieses Gebot wurde aber wohl aufgrund der Unsicherheiten mit Dell und Escoms Einspruch nicht akzeptiert, so daß Escom letzendlich Commodore mit der Amiga-Technologie für schlappe 6,6 mio. US$ ersteigerte. Dieser Kauf mußt zwar noch förmlich vom Gericht bestätigt werden und eventuell könnten die Gläubiger - denen C= 100 mio. Dollar schuldet - Einspruch erheben, doch danach sieht es nicht mehr aus. Damit ist Escom nun im Besitzt von Commodore und des Amigas. Die Frage nach der Auktion war nun "Was würde Escom damit anfangen? Wollen sie auch wirklich den Amiga oder sind sie eventuell doch nur am C= Logo interessiert?" Die Beantwortung dieser Frage kam am Montag den 24.04.95 mit der Presseerklärung Escoms zum Kauf von C=. Dort hieß es u.a.: - "Escom führt die bekannten Markennamen "Commodore" und "Amiga" weiter." Gut das hatten sich viele schon gedacht. "Zukunftsweisende Amiga-Video/Multimedia-Technologie ersteigert." - Wow! Escom preist den Amiga als Zukunftsweisende Amiga-Video/Multimedia- Technologie an, wieso ist denn nie Commodore auf diese Idee gekommen? Ferner war dann noch davon die Rede, daß die Technologie von Commodore in Fachkreisen als Schlüsseltechnologie für den Multimedia Markt angesehen wird und das man zum einen PCs mit den Markennamen Commodore anbieten wolle und auch den legendären C-64 wieder für den Markt in Osteuropa produzieren wolle und dann gab Escom bekannt auch wieder die Produktion und den Vertrieb der Amiga-Reihe(A4000, A1200, und 600) aufnehmen zu wollen. Außerdem wurde in der Presserklärung angekündigt Amiga und klassische PC-Technik miteinander zu verschmelzen, um so die multimedialen Fähigkeiten des Amigas in die Welt der PCs zu bringen. In einem telefonischen Interview am 17.5.95 innerhalb einer von Klaus Dieter Ackermann moderierten Sendung bei Radio Hamburg zum Thema Commodore und Escom meinte Peter Kittel folgendes dazu(diese Interview wurde von Olaf Schaper, EAA@Escape.shnet.org eingetippt und im Z-Netz gepostet): KDA: Richtig, wie wird es denn aussehen. Ich habe hier zum Beispiel eine Frage "wird es eine Steckkarte für den PC geben, die den Amiga simuliert, respektive emuliert"? DPK: Wir sind zumindest darüber am Nachdenken. Man muß sich vergegenwärtigen, daß so eine Steckkarte ziemlich aufwendig wird, weil man doch praktisch einen dreiviertel Amiga auf so eine Steckkarte draufpacken müßte, damit es wirklich auch kompatibel funktioniert, sprich so ein Teil würde nicht allzu billig werden. Und dann wäre es eben nicht ganz sicher, daß das viele Leute auch kaufen würden. Also wir überlegen das, aber sicher versprechen kann ich das im Augenblick nicht. Außerdem wolle man mit auf den Amiga basierende Set-Top Boxen sich eine starke Position im zukünftigen interaktiven TV-Markt verschaffen. Soweit so gut. Escom verstand es also in ihrer Presseerklärung die erworbene Technologie in ein äußerst gutes Licht zu stellen und auch der Amiga sollte wieder produziert werden. Nur ganz so glauben, konnte ich es damals noch nicht. Am 7. Mai 1995 setzte dann Dr. Peter Kittel eine Mail mit der Überschrift "Wiederauferstehung" ins Internet. Sie begann damit, daß er bei Escom die Stelle des weltweiten Entwicklungsleiters für die Amiga-Technologie erhalten hat. Für die Entwicklung und Vermarktung der Amiga-Technologie wird eine eigenständige Tochterfirma der Escom AG gegründet. In der Mail damals schrieb er, daß sie wohl den Namen Commodore Amiga oder Amiga Commodore bzw. etwas in diese Richtung erhalten würde. Der Name C= wurde daraufhin von vielen im Netz kritisiert, da man damit nicht gerade glückliche Erinnerung und ein arges Mißmanagement verbindet. Der endgültige Name dieser neuen Firma mit zuerst mal ca. 50 Angestellten ist "Amiga Technologies GmbH" sein. Der Sitz dieser Firma befindet sich in Bensheim(südlich von Frankfurt). Von dort erfolgt die weltweite Koordination und Steuerung. Der europaweite Vertrieb der Produkte erfolgt über eine Filale in Holland (der Kauf von Commodore ging wohl von Escoms holländischen Geschäftsführer Bernard van Tienen aus, der davor Geschäftsführer von C= Holland war. Anmerkung: Escom Holland besteht mehr oder weniger komplett aus ehemaliger Mitarbeitern von C= Holland). Der Verkauf von Escom-Rechnern in der USA, soll dort über Distributoren ablaufen. Neben der Entwicklungsabteilung wird es auch eine Support-Abteilung geben, die den Developer- bis Enduser-Support koordinieren soll (Internet, Mailboxen) sowie eine Marketing-Abteilung, die wohl von Herr Wirsing geleitet wird. Herr Wirsing war auch der erste Ansprechpartner nachdem Kauf bei Escom für den Amiga. In dieser Mail schrieb Peter Kittel weiter, daß die Amiga Modellpallette wieder aufgenommen werden soll(ab September kann man wohl mit "neuen" Amigas rechnen) und die Weiterentwicklung des Amigas in Richtung RISC-Amiga gehen wird. Im Gespräch dafür sind im Moment der Power-PC von Motorola und die HP PA-RISC von Hewlett Packkard. Außerdem können, im Gegensatz zur Firmenpolitik von Commodore, die Amiga-Chips und andere Amiga-Technologien(Amiga OS) von Fremdfirmen z.B. zum Bau eines Laptops und Set-Top Boxen lizensiert werden. Wer ist Escom? @IY 2 Die Wurzel von Escom ist "Orgel Schmitt". Mit den Computerboom in den 80er expandierte Orgel Schmitt zu Schmitt Computer. Hmm, Schmitt Computer ging dann soweit ich mich erinnern kann in Konkurs. 1986 wurde dann Escom (eS wie Schmitt, Com wie Computer) gegründet. Hauptaktionär ist Schmitt mit 51% der Aktien. 25% hält Quelle und 10% Siemens/Nixdorf. Laut Angabe des PC Magazins 19/95 hatte Escom 1994 einen Umsatz von 2, 127 mrd. Mark und in 267 Escom-Läden in 9 Ländern arbeiten 2 430 Mitarbeiter. Ich schätze mal durch Übernahme einer Ladenkette in Großbritanien dürfte sich die Zahl erhöht haben. Wer ist Dr. Peter Kittel? @IY 2 Peter Kittel ist studierter Physiker und hat auch seinen Doktor in Physik gemacht. Seit Anfang der 80er war er quasi bis zum Ende von C= Mitarbeiter bei C= Frankfurt. Dort war er zunächst in der Endkundenunterstützung und im MS-DOS Bereich tätig bevor er sich dann um die Handbücher für die Amiga Rechner kümmerte (Organisation der Übersetzung etc.). Neben dieser Hauptaufgabe hatte er gegen Schluß u.a. den Job des Sysops der Combo übernommen und auch die Registration der Developer aus Deutschland lief über ihn. Außerdem ist er sehr auskunftsfreudig auf diversen Messen vertreten. In den Netzen ist er aufgrund seiner intensiven Anwesenheit und seiner Vorliebe für Amiga-Basic als Mr. All.All und Mr. Amiga-Basic bekannt(all.all ist der Befehl, mit dem sämtliche Newsgroups des Internets bestellt werden können). In den Netzen vertritt er zum einen eine sehr positive Einstellung gegenüber den Amiga und auch damals auch zu Commodore und antwortet zugleich oft hilfreich auf Fragen der Amigagemeinde. Adresse von Escom @IY 2 Wer Escom z.B. zum Kauf des Amigas gratulieren möchtet oder Fragen und Anregungen bezüglich des Amigas hat, kann ja an folgende Adresse(Firmensitz von Escom) schreiben: Escom Tiergartenstr. 9 64 646 Heppenheim Tel.: (0 62 52) 70 90 FAX : (0 62 52) 70 94 42 Schlußbemerkung @IY 2 Tja, hört sich alles erstmal recht gut an. Mal abwarten was daraus wird und wie die Amiga-Modelle dann ab September ausshen werden und ob sie sich verkaufen lassen. Die im nächsten Artikel von Axel aufgezählten Möglichkeiten wären im Fall eines Mißerfolgs immer noch vorstellbar. Auf der am 30.5.95 in Frankfurt stattfindenden Pressekonferenz - u.a. mit Manfred Schmitt - zur Übernahme der Amiga-Technologie wird man eventuell schon konkreteres erfahren. Wer möchte, kann versuchen über Gerasch&Partner(Fax 06151-819956) an eine Einladung zu kommen. (Termin der Konferenz und FAX-Nr. wurden von Ottmar Röhrig im Z-Netz gepostet). Quellen: - Amiga auction Report - Diverse Mails und Nachrichten @SH n