Hallo, Freunde, hier ist wieder Stachel-Guido! (Einen Moment Pause, um unserer Brüder und Schwestern zu gedenken. Die wissen nämlich ganz genau, daß Du jetzt wieder stundenlang vor dem Glotzkasten hockst und klauen Dir gerade Deine ganzen Klamotten aus dem Kleiderschrank.) Hach, tut das gut, wieder von allem frei zu sein - von Zwang, von Übelkeit, von Milzbrand, und vor allem von Geld. Wie Du vom letzten Text auf CACTUS 29 weißt (* der Text war wirklich das Letzte! -Tommi- *), haben wir zehn Frauen auf den Pluto geschossen und das Geheimnis um Jack Tramiel, das Geheimnis um die Amiga-Herstellung und das Geheimnis um das ultimative Haarwuchsmittel gelüftet. Deshalb hatten wir beschlossen, ab sofort in eigener Regie Amigas zu fabrizieren, die wir dann unter dem Namen "Miraculix" verkaufen wollten. Der ganze Plan mußte natürlich erst einmal eine Leitung haben, und ich als der geborene Leiter kaufte mir erst einmal einen schönen Terminkalender. Ich hab' mal gelesen, sowas braucht man als Unternehmer. War sogar noch gut erhalten, aus dem Jahre 1965. Naja, man will ja stilvoll anfangen, und da macht sich was antikes immer gut. Also habe ich das wertvolle Stück erst einmal gut weggeschlossen (in meinen Diskettenkasten. Da findet ihn keiner; ist für CACTUS 500-579 reserviert, die erst nächstes Jahr erscheinen). Anschließend setzten wir uns zusammen und gemeinsam auseinander. Wichtigstes Problem war der Standort der geplanten CACTUS-Amiga-Fertigung. Tommi war wie immer für die Berge, seine Freundin für die See. Gewonnen hat schließlich unser Freddy. Der hat einen Gewerbeschein und bekommt damit viele Sachen billiger. Und er konnte uns ein total gutes Gelände besorgen: Den Kartoffelacker um die Ecke. Der Acker gehörte zuvor der Firma RUSHWARE, die darauf Disketten züchten wollte. Sie hatten mal gehört, die dümmsten Bauern hätten die dicksten Kartoffeln und dachten, sie könnten hier die dicksten Disketten anpflanzen. Das hat aber nicht so hingehauen, denn wie jeder weiß, braucht man für Disketten Spezial-Magnet-Dünger, dessen Herstellungsverfahren ein Fuji-Patent ist. Und auf dem Weg von Japan nach Deutschland ist das Rezept dann irgendwo fuji gegangen. Anschließend wollte RUSHWARE dann Spieleprogrammierer auf dem Acker züchten. Die hier erzeugten Programmierer gingen dann aber alle zu KINGSOFT und ließen ihren Erzeuger im Stich. Langer Rede kurzer Sinn: Wir kauften das Gelände für einen Appel und drei Eier. Dazu mußten wir leider einen Kleinkredit bei Freddies Mutti aufnehmen, denn seit unserer letzten großen Geburtstagsfeier war die CACTUS- Kasse sogar mit 21,30 DM ins Minus geraten. Wir feiern übrigens auch den Valentinstag, Sonnenwende, Frühlins-/Sommer-/Herbst-/Winteranfang und den Namenstag von Freddies Katze. Mit Hilfe des Amiga berechneten wir schließlich den besten Standort der CACTUS-Produktionshalle. Tommi entwarf dann mit DBW-Render ein Raytracing- Bild der zukünftigen Halle, und ich überlegte, wie ich den Bau am besten leiten könnte. Wir konstruierten schließlich einen Bungalow mit 5 mal 5 Meter Grundfläche. In der Mitte war ein Raum von 2 mal 2 Metern für die Produktion reserviert. Der Rest drumherum war die Verwaltungsabteilung. Ich rechnete nach: Zehn Cacteen minus dem Verwaltungschef (ich) macht neun Cacteen. Das war optimal! Ich teilte alle Cacteen in drei Schichten ein, um ganztägig produzieren zu können. Und ich weise die Behauptung entschieden zurück, die Cacteen hätten sich nicht auf die Arbeit gefreut. Nach ein paar leichten Hammerschlägen auf den Daumennagel waren sogar alle dazu bereit, ganztägig zu arbeiten! Ich hatte mit dem blöden Verwaltungskram natürlich die schwerste Arbeit von allen, die ich aber (wie sonst?) mit Erfolg meisterte. Und so produ- zierten wir fröhlich in den Tag hinein. Wenn ab und zu mal eine Cactee vor Erschöpfung zusammenbrach, mußte ich leider die Essensrationen von allen kürzen, denn durch den Arbeitsausfall verringerten sich ja leider unsere Einnahmen. Das ging drei Monate so gut. Eines Morgens betrat ich pünktlich zum Arbeitsbeginn um 11:00 Uhr das Büro, um neine übliche zwoeinhalb verantwortungsvollen Stunden abzuarbeiten, als ich etwas Schreckliches sah. Wir hatten damals den allerersten produzierten Amiga als Meilenstein der CACTUS-Geschichte unter Glas ausgestellt. Doch was war jetzt davon übriggeblieben - eine undefinierbare Masse, aus der nur noch das Netzkabel herausragte! Fieberhaft suchte ich nach einer Erklärung und wurde durch einen Telefon- anruf bei Commodore endlich fündig. Mir gefiel es allerdings überhaupt nicht, was ich da zu hören bekam. Zur Amiga-Erzeugung hatten wir ja auf CACTUS 29 eine Spezialmixtur entdeckt, mit der wir Amigas schufen. Anscheinend hatten wir aber eine der wichtigs- ten Zutaten, nämlich den Langzeithärter, vergessen! Das würde bedeuten, die bereits verkauften 10.456 Amiga/Miraculix-Rechner lösen sich alle auf! Mir wurde ganz übel, als ich an die Schadensersatz- prozesse dachte. Da der erste umgewandelte Amiga aber erst nach zwei Monaten in Serienfertigung ging, hatten wir noch genug Zeit, um CACTUS 30 und 31 fertigzustellen. Schließlich würde sich der erste verkaufte Amiga erst in zwei Monaten auflösen. Ich alarmierte die anderen Cacteen, und gemeinsam entschieden wir uns für einen taktischen Rückzug. Schließlich hatten wir Millionen verdient, und das würde für uns alle ausreichen, um uns einen schönen Lebensabend auf der Sonnenseite zu ermöglichen. Kopf hoch, Brian, Du weißt doch, wie das geht: "Always look on the bright side of life..." Wir stimmten also über unser Reiseziel ab. Tommi war für die Berge, seine Freundin für die See. Gewonnen hat schließlich Michael, der meinte: "In Grönlang ist die Nacht sechs Monate lang. Was meint Ihr, wie man da einen draufmachen kann!" Wir packten also Badehose, Sonnenschutzmittel und Eisbärabwehrspray ein. Auch unsere Gemeinschaftszahnbürste mußte mit, und als Reiseproviant hatte ich für zwölf Zentner Kartoffelchips gesorgt. Eines Abends, genau drei Tage vor dem Termin, an dem sich die ersten Amigas auflösen würden, war alles arrangiert und abreisebereit. Frohgemut ging ich zur nächsten Schweizer Bank und wollte etwas von unserem Nummernkonto abheben, um die Reiseunkosten zu finanzieren. Auf dem Weg dahin ging mir ständig durch den Kopf, etwas vergessen zu haben, aber ich kam nicht darauf, was es war. Kugelschreiber und Hand zum Unterschreiben führte ich beides mit, also was konnte ich vergessen haben? In der Bank angekommen, wußte ich, was ich vergessen hatte: Die Nummer des Nummernkontos! Mit allen Wassern gewaschen, war ich natürlich viel zu vorsichtig, sie einem Stück Papier anzuvertrauen. Also dachte ich bei mir: Wem haben wir das viele Geld zu verdanken? Eigentlich dem ersten Amiga, den wir hergestellt hatten. Also - ritzte ich die Nummer in die Gehäuseinnenseite des ersten hergestellten Amigas. Daß dieses Gerät sich in eine schleimige Masse aufgelöst hatte, hast Du ja bereits eben erfahren. Gottseidank hatten die anderen Cacteen Verständnis für die Lage (und die beiden Rippenbrüche verheilten schnell. Auch die angeschwollenen Augen, Blumenkohlohren, plattgetretenen Füße und Milzrisse sind kaum der Rede wert. Selbst der Magendurchbruch reizt mich heute zum Lachen, sobald der Schmerz einmal nachläßt). Wir mußten also spontan umdisponieren. Naja, der Schwarzwald ist auch ganz schön, und hier gibt es erfreulich wenig Leute, die uns wiederer- kennen. Gesunde Gegend also. Wir sitzen den ganzen Tag an der frischen Luft (da wir kein Geld haben, um uns ein Zimmer zu leisten) und verbringen endlich einmal nicht den ganzen Tag am Amiga (da wir ihn versetzen mußten). Du wirst uns wahrscheinlich nicht wiedererkennen; wir haben uns lange Mäntel und wilde Bärte angeschafft. Ist einfach wärmer, wenn man die ganze Nacht auf Parkbänken verbringt. Und nun der Spendenaufruf zugunsten notleidender Cacteen: Wir suchen noch alte Zeitungen zum Zudecken sowie ein paar Flachmänner (nee, bleib sitzen, Jürgen, Du bist nicht gemeint!). Und hat nicht jemand zehnmillionendreitausendeinhundertzwo Mark und dreißig Pfennig? Genau soviel müßten wir nämlich zurückzahlen, um uns wieder in der Öffent- lichkeit sehen lassen zu können. Vielleicht geht ja einer sammeln, da sonst die nächste Cactus-Diskette ausfällt (und die nachfolgenden ebenso). Tja, lassen wir uns mal überraschen. Prost! Was krabbelt denn da? Eine Küchenschabe? Herrlich! So einen Leckerbissen habe ich seit Wochen nciht mehr gehabt! Laßt sie mir! Heeeee! Nicht alle auf einmal! Ich hab' sie als erster gesehen! Der Spruch des Monats: Raufst Du dir die Haari, hast Du nen Atari... Zum Schluß wieder mal ein warmer Dank (der kostet wenigstens nichts, hehe) an alle wichtigen Leute: WOLLI HEISLER - Wer kennt ihn nicht, den CACTUS-Disk-Ersteller mit dem heißen Laufwerk? Du? Na, da bist Du nicht allein; vier Milliarden weitere Menschen kennen ihn ebenfalls nicht... Trotzdem danken wir ihm mal für die fachgerechte Erstellung dieser Diskette. (Ihr wißt also, an wen Ihr die faulen Eier schicken müßt, wenn's die Disk nicht tut, hehe...) FREDDY WEICHERT - Dafür, daß er die CACTUS-Mailbox auf seinem Drittrechner (!) fährt. Tja, da zeigt sich, wer hier rechnerbegeistert ist. Sein Name FREDDY ist auch nur ein Schreibfehler des Standesbeamten; in Wirklichkeit heißt er FREAKY. GUIDO COENEN - Tja, wer einen so wuuunderschönen Namen besitzt wie ich, der braucht keinen Spitznamen, nicht wahr? Bitte? "Stachus"? Nee, denkt Euch mal was besseres aus. Die besten Vorschläge werden mit einer Erwähnung in dieser Rubrik bestraft! Josef Herrmanns - Für die Demo der Haushaltsbuchführung. Rein zufällig verkauft der gute Mann das Programm als Firma "Herrmanns & Kommelter" im Original. Sachen gibt's... Unsere Freundinnen - Wir haben sie noch nicht wegrationalisiert. ATARI ST - Es soll Leute geben, die noch einen haben. Das halte ich allerdings für ein Gerücht. COMMODORE - Irgendsone Firma in Frankfurt, die sich nicht weiter um ihre Rechner kümmert... Die Zeitschrift PD - Dafür, daß es sie gibt. Allen, die uns erwähnen - Wir haben nichts dagegen, Leute! Hiermit wird jeder- frau und -mann die Erlaubnis erteilt, Cactus lobend zu erwähnen. Kostenlos! Schlußwort: ----------- Geld- und Sachspenden und Heiratsanträge sind jederzeit willkommen! (Heiratsanträge bitte mit Bild; Geld und Sachen nehmen wir auch ohne; so großzügig sind wir halt.) Achja, nochwas: Schickt bitte mehr Papiergeld; an dem vielen Gold haben wir immer so schwer zu schleppen... GUIDO, der Stacheligste Stachelige. Euer Redakteur Guido Jetzt noch ein Wort in eigener Sache: Bis jetzt haben wir noch keinerlei Rückmeldung zu dieser Rubrik bekommen. Wenn das so weitergeht, wird diese Spalte in Zukunft ganz entfallen oder zumindest stark gekürzt, denn dieser Text macht ehrlich am allermeisten Arbeit. Wenn ihn keiner liest, dann kann ich mir ja diese Arbeit sparen. Guido.