ERINNERUNGEN AN BYTESHAKER (3) €Written by ZANY of GRACE Ich schließe mich kurzerhand und ohne großes Blabla an Dark Angels Einleitung an, für mich gilt das gleiche, weshalb ich diesen Artikel ebenfalls in Deutsch abgefasst habe. Als ich im März 1991 beschloß, zur Amiga-Messe nach Berlin zu fahren, suchte ich noch ein paar Mitfahrer, um die Fahrtkosten gering zu halten. Ich fragte ein paar Leute, doch nur Wenige hatten Bock mitzufahren. Schließlich sagte mir ein Freund, daß zwei andere Kumpels von ihm noch mitwollten. So lernte ich schließlich auf der Fahrt Marcus (einer der beiden) kennen. Auf der Messe kaufte ich mir ein paar Games, darunter auch Monkey Island. Marcus meinte daraufhin, daß er es vielleicht cracken könne. So kam ich einige Tage später wieder zu ihm. Von da an sahen wir uns alle paar Wochen. Irgendwann im Mai legte ich mir ein CB-Funkgerät zu und war fortan auf Kanal 19 Stammgast. Im Juni hatte ich wiedermal eine Debatte über Funk mit ein paar Leuten, als sich jemand mit dem Skip [=CB-Funker Codename] 'PLATTFUß' einmischte. Irgendwie kam das Thema auf Computer und wir beschlossen, uns noch am selben Tag zu treffen. Die Überraschung war umso größer, als wir feststellten, daß wir uns schon kannten. Durch die CB-Funke hatte ich somit öfters Kontakt mit Marcus, und es kam sogar soweit, daß ich fast jeden Tag zu ihm hinfuhr. Einmal gab er mir dann seine Tooldisk ('STASI-DISK') und zeigte mir auch sein erstes Intro, sowie ein Spiel, daß er mit Trainer versehen hatte. Er fragte mich, ob ich ihm Zeichensätze liefern könne. So kam es, daß ich ihm ein paar Charsets lieferte und mich auch am Zeichnen von Logos probierte. Mit der Zeit konnte ich halbwegs ordentliche Logo zeichnen, als Marcus auf die Idee kam, ein kleines Intro für Xerox, deren German Division wir jetzt waren, zu programmieren. Aus diesem kleinen Intro wurde schließlich das WASTED TIME Projekt und ich versorgte Marcus sowie Sven regelmäßig mit Logos und Zeichensatzvorschlägen. Die Arbeiten erstreckten sich von Ende 1991 bis in den März diesen Jahres hinein. Ungefähr ab diesem Zeitpunkt kam Marcus auf die Idee, daß wir doch etwas unternehmen könnten. Daraus folgte, daß wir nun einmal in der Woche in die Disco fuhren. Mit der Zeit kamen immer mehr Leute hinzu, bis wir mitunter zu Zehnt und mit mehreren Autos abfuhren. Eines Tages war es dann wieder Freitag und wir wollten los. Ich fuhr zu einigen Freunden um sie abzuholen und schließlich auch bei Marcus vorbei. Gegen 21.45 wollten wir dann mit 2 Autos los, wobei Marcus jedoch diesmal in das andere Auto einstieg, weil er mit einem alten Schulfreund blödeln wollte. Ich fuhr dann als erstes Auto weg, jedoch überholte mich der andere Fahrer im nächsten Ort. Dort war Tempo 30 und ich hielt mich wiedermal dran, so das ich bald das andere Auto nicht mehr sehen konnte. Kurz nach dem Ortsausgang kommt eine langgestreckte Linkskurve, nach der ich ein Schrottauto stehen sah. Ich dachte mir erst nichts weiter dabei, doch ich wurde stutzig, als ich auf der folgenden langen Geraden das andere Auto nicht mehr sah. Ich hielt sofort an und wendete. Als wir an dem Auto ankamen, sahen wir, daß es doch unsere Freunde waren. Wir begannen daraufhin, sofort die Verletzten zu bergen. Ein nachfolgender Fahrer rief über CB-Funk einen Krankenwagen und aus dem nahegelegenen Ort kam ein Sanitäter, so daß die Verletzten umgehend erste Hilfe erhielten. Mit dem Krankenwagen wurden sie dann in die verschiedenen Krankenhäuser gebracht, wo wir noch in der Nacht herauszubekommen versuchten, wer in welches Krankenhaus eingeliefert worden war und wie ihr Zustand war. Bei drei Fahrzeuginsassen hatten wir die beruhigende Gewissenheit, das ihnen nichts ernsthaftes passiert war, bzw. daß sie am nächsten Tag von der Intensivstation auf eine normale Station verlegt werden würden. Nur über Marcus erhielten wir keine näheren Informationen, so daß wir schon schlimmes ahnten. Am nächsten Tag erfuhren wir dann von seinen Eltern, daß Marcus schwerste Gehirnblutungen hatte. In den folgenden eineinhalb Wochen besserte sich Marcus' Zustand nicht und so waren wir auch darauf vorbereitet, als wir erfuhren, daß sich sein Zustand sogar noch weiter verschlechtert hatte. Zwei Tage später erhielt ich von seinen Eltern die traurige Nachricht, da Marcus gestorben war. Dies war für uns alle ein ziemlich großer Schock, und obwohl die anderen aus dem Krankenhaus entlassen worden waren, waren wir doch ziemlich fertig. Die restlichen Insassen des Autos sind heute ohne bleibende Schäden wieder gesund. Trotzdem fehlt uns Marcus sehr. Aus dem Unfall habe ich eine Lehre gezogen. Ich fahre noch vorsichtiger, als ich ohnehin schon gefahren bin und ich kann anderen nur sagen: Rast nicht so - die paar Minuten, die ihr einspart können sonst zur Ewigkeit werden. €Written by ZANY of GRACE