Subj : Wissenswertes zum HIV-Test ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ INHALT ------ V. Der HIV-Antikörper-Test. Fragen und Antworten 1. Wie der Test funktioniert 2. Welche unterschiedlichen Tests gibt es? 3. Wie zuverlässig ist der Test? 4. Was der Test aussagen kann 5. Was der Test nicht aussagen kann 6. Wann der Test sinnvoll sein kann 7. Eine gute Beratung gibt Entscheidungshilfen 8. Fragen, die in einer Beratung angesprochen und geklärt werden sollten 9. Was kann das Testergebnis für Sie bedeuten? 10. Wo der Test durchgeführt werden kann 11. Das Wichtigste über den HIV-Test in Kürze V.) Der HIV-Antikörper-Test. Fragen und Antworten ------------------------------------------------- Durch die ansteckende Abwehrschwäche Aids fühlen sich heute viele Menschen beunruhigt. Sie sind besorgt, ob sie sich vielleicht angesteckt haben könnten. Eine ausführliche Beratung kann hier weiterhelfen; der HIV-Antikörper-Test gibt Sicherheit. Er wird häufig fälschlich als "Aids-Test" bezeichnet und weist die Abwehrstoffe des Körpers nach einer Ansteckung mit dem "AidsErreger" HIV nach. Die Bezeichnung "Aids-Test" ist falsch, da dieser Test nicht eine Aids-Erkrankung nachweist, sondern nur eine frühere Ansteckung mit dem HIV. Er wird deshalb korrekt als HIV-Antikörper-Test bezeichnet. Inzwischen hat sich die einfachere Bezeichnung HIV-Test durchgesetzt. Wenn Sie vor der Frage stehen, "Soll ich mich testen lassen ?", dann möchte Ihnen diese Broschüre Grundlagen für Ihre eigene, verantwortungsbewusste Entscheidung geben. Sie kann Ihnen aber nur knappe Informationen bieten. Sollten Sie sich mit dem Gedanken tragen, den Test durchführen zu lassen, empfehlen wir in jedem Fall eine ausführliche persönliche Beratung bei Ihrem Arzt, dem Gesundheitsamt oder einer Aids-Beratungsstelle. 1.) Wie der Test funktioniert: ------------------------------- Bei einer Ansteckung durch Krankheitserreger entwickelt der Körper spezifische Abwehrstoffe (Antikörper). Auch bei einer Ansteckung mit dem Aids-Erreger HIV findet dies statt, ohne dass allerdings die Abwehrstoffe den Erreger wirksam bekämpfen können. Nach einer Ansteckung mit HIV finden sich ständig ansteckungsfähige Erreger im Blut, in der Samenflüssigkeit und in der Scheidenflüssigkeit. Abwehrstoffe werden einige Wochen nach einer Ansteckung nachweisbar. Im Test werden diese Abwehrstoffe (Antikörper) nachgewiesen. Das Ergebnis des Tests hat eine erhebliche Bedeutung für den betroffenen Menschen. Es wird als "positiv" bezeichnet, wenn Antikörper gegen HIV nachweisbar sind, obwohl die Tatsache, dass eine Ansteckung stattgefunden hat, für den betroffenen Menschen sicher alles andere als "positiv" ist. Das Ergebnis "negativ" bedeutet, dass Antikörper nicht nachweisbar sind. Welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, wird in den Fragen 4 und 5 genauer beantwortet. 2.) Welche unterschiedlichen Tests gibt es? ------------------------------------------- Heute sind zwei Testschritte üblich: zunächst ein "Suchtest" auf die im Blut vorhandenen Abwehrstoffe, der dann im Fall eines positiven Ergebnisses (also wenn möglicherweise HIV-Antikörper vorhanden sind) in jedem Fall sehr genau mit einem aufwendigen "Bestätigungstest" kontrolliert werden muss. Der Nachweis des Erregers selbst oder von seinen Bestandteilen ist zwar möglich, hat aber für die Diagnostik keine Bedeutung. Immer wieder wird in der öffentlichkeit über neue und vermeintlich bessere Testverfahren berichtet, die beispielsweise ganz besonders empfindlich sind oder das Ergebnis in sehr kurzer Zeit liefern. Diese Verfahren sind jedoch z. T. extrem aufwendig, in jedem Fall aber sehr störanfällig, so dass ihre Anwendung Speziallabors mit entsprechender Ausstattung und Erfahrung vorbehalten bleiben muss. 3.) Wie zuverlässig ist der Test? --------------------------------- Im Blut ist eine Vielzahl anderer Antikörper und möglicherweise störender Stoffe vorhanden, die beim Suchtest u. U. ebenfalls reagieren können. Es besteht daher die Möglichkeit eines irrtümlich ("falsch") positiven Testergebnisses. Deswegen wird ein positives Ergebnis des Suchtests in einem Bestätigungstest (der für diese Fehlerquellen unempfindlich ist) kontrolliert, um die irrtümliche Annahme einer Ansteckung auszuschliessen. Wenn eine Ansteckung längere Zeit zurückliegt, wird sie von den Tests auch zuverlässig angezeigt. Eine für jeden Einzelfall zutreffende exakte Zeitangabe dazu läßt sich aber nur schwer machen. Man weiss heute, dass nur in sehr seltenen Fällen HIV-Antikörper später als vier Monate nach einer Ansteckung nachweisbar werden. Lassen Sie sich in jedem Fall individuell beraten, was ein HIV-"negatives" Testergebnis für Ihre persönlichen Umstände jeweils zum gegebenen Zeitpunkt bedeutet. Ein "positiver" Test sollte zusätzlich mit einer späteren zweiten Blutentnahme überprüft werden. 4.) Was der Test aussagen kann: ------------------------------- Der Test sagt aus, ob Antikörper gegen HIV im Blut gefunden wurden oder nicht. Der Nachweis von Antikörpern bedeutet, dass zu irgendeinem früheren Zeitpunkt eine HIV-Ansteckung erfolgt ist. Ein angesteckter Mensch kann seinerseits unter bestimmten Umständen andere Menschen mit HIV anstecken - und zwar lebenslang. Der Test ist deshalb unabdingbar zur Sicherung von Blutspenden, Samenspenden und Organspenden. 5.) Was der Test nicht aussagen kann: ------------------------------------- Der Test kann keine Aussage über die Zukunft machen. Falls Sie angesteckt sind, kann er nicht sagen, ob oder wann Sie an Aids erkranken. Es ist also kein "Aids-Test" und keine Früherkennungsmassnahme. Der Test kann Sie auch nicht vor einer Ansteckung schützen: Er ist keine Vorbeugungsmassnahme! Für Ihre Sicherheit und für den Schutz Ihres Partners können nur Sie selbst durch Ihr Handeln Verantwortung übernehmen, z.B. durch das Benutzen von Kondomen. Ein Test kann trotz einer Ansteckung negativ ausfallen, wenn sich bei Ansteckung vor kürzerer Zeit noch keine Antikörper gebildet haben. Der Test kann also keine Aussage über eine Infektion in den letzten Wochen oder gar Tagen machen. Deshalb sind auch "Aids-frei"-Bescheinigungen z.B. in Partnerclubs oder in Bordellen irreführend und geben eine nur trügerische Sicherheit. 6.) Wann der Test sinnvoll sein kann: ------------------------------------- Der Test sollte immer dann erwogen werden, wenn ein Risiko einer HIV-Ansteckung gegeben war. Bei bestimmten Krankheitserscheinungen, die u.a. bei einer HIV-lnfektion auftreten können (z.B. wochenlang anhaltendes Fieber, über Wochen andauernde massive Durchfälle, langanhaltender Nachtschweiss, Hauttumoren oder dauernde Schwellungen der Lymphknoten, wenn andere Ursachen nicht gefunden werden), kann der Test zur Abklärung dieser Beschwerden sinnvoll sein, wenn früher ein Ansteckungsrisiko bestanden hat. Dies sollten Sie gegebenenfalls mit Ihrem Arzt besprechen. Bei einer schwangeren HIV-Trägerin kann der Erreger auf das Kind übertragen werden. Falls eine frühere Ansteckung möglich war, ist deshalb vor einer geplanten Schwangerschaft ein Test empfehlenswert. Er wird heute auch von den gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge kostenlos angeboten. Zweckmässig kann der Test bei Paaren mit Kinderwunsch oder dem Wunsch nach ungeschützter Sexualität (ohne Kondom) sein, wenn ein früheres Ansteckungsrisiko bestanden hat und eine Ansteckung ausserhalb der Partnerschaft jetzt ausgeschlossen werden kann. Ein äußerst niedriges Ansteckungsrisiko besteht, wenn Sie (insbesondere vor Oktober 1985) eine Bluttransfusion erhalten haben oder mit Blutprodukten behandelt wurden. Um herauszufinden, ob eine Ansteckung erfolgt ist, können Sie einen HIV-Test machen lassen. Ist er "negativ", können Sie in Zukunft unbesorgt sein. Menschen, die nach einer möglichen Ansteckung unsicher sind oder -vielleicht ganz unbegründete Angst haben, sollten sich ebenfalls unbedingt persönlich beraten lassen. In jedem Fall sollten Sie sich auch auf ein möglicherweise "positives" Testergebnis vorbereiten. Die Erkenntnis, sich mit HIV angesteckt zu haben, ist für jeden Betroffenen ein tiefer Einschnitt in sein Leben und meist ein schwerer Schock. Aus diesem Grund ist es unbedingt ratsam, bereits vor einem Test eine ausführliche und persönliche Beratung (s. Fragen 7 und 8) in Anspruch zu nehmen. 7.) Eine gute Beratung gibt Entscheidungshilfen: ------------------------------------------------ Ein mögliches HIV-Ansteckungsrisiko und die überlegung, den HIVAntikörper-Test zu machen, werfen sehr persönliche Fragen auf. Viele Menschen verspüren dabei Unsicherheit oder auch Angst. Und dies belastet besonders, wenn keine Möglichkeit besteht, mit anderen Menschen über diese Gefühle und Fragen zu sprechen. Hier kann Ihnen eine Beratung entscheidend weiterhelfen. Ganz auf Sie persönlich zugeschnitten können Sie Fragen stellen, Unsicherheit ausräumen, ängste und belastende Gefühle ansprechen und damit die für Sie richtigen und tragfähigen Entscheidungen treffen. Eine Beratung braucht Zeit und Vertrauen, gerade weil es um intime und persönliche Bereiche geht. Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck und erzwingen Sie keine Entscheidung. Wenn Sie sich noch nicht sicher genug fühlen, machen Sie einen weiteren Termin aus, um gemeinsam mit der Beraterin oder dem Berater eine verlässliche und haltbare Grundlage zu entwickeln. Sie brauchen bei einer Beratung Ihren Namen nicht zu nennen, wenn Sie das nicht wollen. Fragen Sie ruhig nach, wie die Anonymität der Beratung und des Ergebnisses eines möglichen HIVAntikörperTests gewährleistet wird. Berater/innen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Auch dies sollten Sie (wenn es Ihnen wichtig ist) ansprechen und sich zusichern lassen, damit Sie auch wirklich offen sprechen können. Wenn Sie sich zunächst lieber telefonisch Rat holen möchten, um dann vielleicht später das persönliche Gespräch zu nutzen, ist das ebenso möglich. Unter Frage 10 finden Sie Hinweise auf Beratungsmöglichkeiten. 8.) Fragen, die in einer Beratung angesprochen und geklärt werden sollten: ---------------------------------------------------------------------- - Wie sind die möglichen HIV-Ansteckungswege genau? - Gab es für Sie tatsächlich ein Ansteckungsrisiko? - Wieviel Zeit ist nach der möglichen Ansteckung vergangen ? Antikörper bilden sich erst nach einigen Wochen und können auch erst dann im Test nachgewiesen werden. - Welche medizinischen Möglichkeiten gibt es, falls Ihr Test "positiv" ausfällt? - Wie haben Sie sich bisher geschützt, und wie können Sie das in Zukunft sicher tun? Auch ein "negativer" Test ist nur dann wertvoll, wenn Sie selbst dafür sorgen, dass Sie in Zukunft kein Risiko mehr eingehen. - Haben Sie bisher schon einen HIV-Antikörper-Test durchführen lassen? - Welche Aussagekraft hat das Testergebnis in Ihrem Fall? - Was würde ein "negatives" oder "positives" Ergebnis für Sie ganz persönlich bedeuten? Oder möglicherweise für Ihre Partnerin/Ihren Partner? - Mit wem könnten Sie über Ihr Ergebnis sprechen? - Wie können Sie ein mögliches "positives" Ergebnis verarbeiten? Mit welcher Unterstützung könnten Sie im privaten Bereich rechnen?Welche Möglichkeiten der seelischen Betreuung und Unterstützung kann Ihnen die Beratungsstelle anbieten? - Was geschieht in der möglicherweise belastenden Wartezeit auf das Testergebnis? Können Sie auch dann auf den/die Berater/in zurückgreifen? Wie stark belastet Sie die Ungewissheit? - Ist sichergestellt, dass Ihnen das Testergebnis persönlich mitgeteilt wird und dass Sie dann wieder die Beratung nutzen können? - Wie werden die Schweigepflicht und die Anonymität der Beratung und des Testergebnisses gesichert? 9.) Was kann das Testergebnis für Sie bedeuten? ----------------------------------------------- Die Vielzahl der möglichen Folgen eines "positiven", aber auch eines "negativen" Testergebnisses kann nur in der persönlichen Beratung angesprochen werden. Hier können deshalb nur kurze Hinweise auf die wichtigsten Gesichtspunkte gegeben werden. In jedem Fall sollten Sie ein "negatives" Testergebnis nicht fälschlich als Sicherheit vor einer zukünftigen Ansteckung ansehen. Für Ihren Schutz können nur Sie selbst sorgen! Ein "positiver" Test, also der Nachweis einer Ansteckung, ist ein tiefer Einschnitt in Ihr gewohntes Leben, da Sie das Virus lebenslang in sich tragen werden und weitergeben können. Sie sollten den Rat Ihres Arztes befolgen und auf eine gesunde Lebensführung achten; in Ihrem Sexualverhalten muss die Gefährdung anderer ausgeschlossen werden. Wie Sie Ihre Partner wirksam vor der Ansteckung schützen, muß im einzelnen in der Beratung besprochen werden. Wie die Wirkung auf den Lebenspartner, Freunde oder Bekannte ist, kann vorher oft kaum abgeschätzt werden. Bei der Bewältigung der Probleme, die sich ergeben können, sollten Sie die Unterstützung von erfahrenen Berater/innen oder auch von Selbsthilfegruppen nutzen. Die Broschüre "Wenn der HIV-Test positiv ausfällt" gibt Ihnen weitere Hinweise. Sie ist kostenlos in Ihrer Beratungsstelle oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, erhältlich (Bestell-Nr. : 70020000). 10.) Wo der Test durchgeführt werden kann: ------------------------------------------ Grundsätzlich erfordert ein HIV-Test Ihre Einwilligung zur Durchführung, und damit Freiwilligkeit. Wichtig ist, dass die gewünschte Vertraulichkeit des Testergebnisses gegeben ist, das selbstverständlich auch der üblichen ärztlichen Schweigepflicht unterliegt. - Beim Arzt: Hier ist der Test im Rahmen der Abklärung von Gesundheitsstörungen auf Kosten der Krankenkasse möglich. Wenn Sie den Test anonym (ohne Namensnennung) durchführen lassen wollen, sprechen Sie dies und die Frage der Kosten dem Arzt gegenüber an. Ein Arzt steht unter Schweigepflicht, kann von dieser aber mit Ihrer Einwilligung entbunden werden. - Beim Gesundheitsamt: Die meisten Gesundheitsämter in der Bundes- republik Deutschland bieten heute den Test anonym und kostenlos an. In der Regel ist dort auch eine entsprechende Beratung möglich. - Die "AIDS-Hilfen" bieten Beratung zum Test an, jedoch nicht die Durchführung. In den meisten Ortsnetzen erreichen Sie die Beratung der AIDS-Hilfen unter der Sammelnummer 19411 (z.Zt. noch nicht in den neuen Bundesländern). - In Aids-Beratungsstellen (z.B. kirchliche oder freie Träger): Manche dieser spezialisierten Beratungsstellen bieten ebenfalls den HIV-Antikörper-Test an. - In Medizinaluntersuchungsämtern, Tropeninstituten usw.: Solche Einrichtungen gibt es in einigen Städten. Die AidsTelefonberatung kann Ihnen sagen, ob dies für Sie in Frage kommt: Telefon Köln (0221) 892031. 11.) Das Wichtigste über den HIV-Test in Kürze: ----------------------------------------------- - Der Test darf nur mit Ihrer Einwilligung durchgeführt werden, sonst ist die Maßnahme rechtswidrig! - Der Test kann eine früher erfolgte Ansteckung mit dem AidsErreger HIV nachweisen,nicht aber eine zu künftige Erkrankung oder eine kurz zuvor erfolgte Ansteckung! Der Test kann nichts über die Zukunft aussagen. Er ist keine Vorbeugungs- oder Schutzmassnahme. Für Ihren Schutz vor einer zukünftigen Ansteckungsgefahr können nur Sie selbst die Verantwortung übernehmen! - Zum Test gehört unbedingt eine persönliche, ausführliche Beratung vorher und bei der Ergebnismitteilung! - Bei Fragen oder Unsicherheiten lassen Sie sich beraten, wenn Sie wollen, auch anonym (ohne Namensnennung). Die Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln beantwortet Fragen und nennt Ihnen die für Sie günstig gelegenen Beratungs- stellen. Telefon: (0221) 892031. Quelle: Broschüre "Wissenswertes über den HIV-Test" 6. Auflage Oktober '94 BestNr. 70010000 herausgegeben von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA, 51101 Köln und dort kostenlos erhältlich.