Hallo, Freunde, hier ist wieder Stachel-Guido! (Einen Moment Pause - ich muß meine lila Kuh füttern gehen...) Im Angesicht dieser Jubiläumsdiskette (4 Jahre Cactus - und noch kein bißchen dazugelernt) wird mir ganz melancholisch ums Herz. Was haben wir in dieser Zeit nicht alles erlebt. Beispielsweise CACTUS 1, CACTUS 28, CACTUS 33 und sogar CACTUS 41! Sowas prägt. Seh ich ja an den Rillen, die ich mir in der Zeit vor dem Amiga in den Hintern gesessen habe. In solchen melancholischen Stunden tauchen dann immer wieder dieselben Fragen auf: Wie haben wir das nur geschafft? War es gut, was wir getan haben? Müssen wir das noch lange machen? Oder werden wir wegen schlechter Führung vorzeitig begnadigt? Was hat dieser verdammte grüne Punkt zu bedeuten? Und: Was wäre, wenn es CACTUS in 50 Jahren noch immer gäbe? Alle bis auf die letztgenannte Frage sind unbeantwortbar. Doch die letzte Frage war ein willkommener Anlaß für mich, die neue CACTUS-Zeitmaschine auszuprobieren. Und so verbrachte ich den 1. April 2042 im CACTUS-Haus in Grevenbroich. Im folgenden nun mein schonungslos offener Bericht über die unvorstellbaren Cactus-Exzesse in 50 Jahren. Ort: Grevenbroich-Noithausen, CACTUS-Hauptquartier. Zeit: Dienstag, 1. April 2042, morgens um 8.00 Uhr. Die CACTUS-Küche. Vor einem kleinen Teller Milchreis sitzt ein steinalter Freddy und spielt mit gichtigen Fingern an seinem Gebiß, das in einem Glas auf dem Tisch schwimmt. Er nimmt das Gebiß aus dem Glas und zieht ganz in Gedanken damit surrealistische Muster in den Milchreis. Wie jeden Morgen betrauert er auch an diesem Tag sein hartes Schicksal: "Warum habe ich die ganze Bande bloß aufgenommen? Tagaus, tagein der Ärger um den Behindertenparkplatz vor dem Haus! Und jeden Morgen die Sucherei, wem welches Gebiß gehört. Ach, wenn das meine Andrea noch miterlebt hätte!" Mit einem freundlichen Grinsen (seit seinem Unfall mit einem defekten Diskettenlaufwerk zeigt Guidos Gesicht IMMER ein freundliches Grinsen) schlurft nun Stachel-Guido in den Raum. Wohlwollend zieht er Freddy eins mit dem Krückstock über den Rücken und nuschelt frohgemut: "Moin, moin, alter Knabe! Wasch gibsch schum Früschtück?" Freddy versucht verzweifelt, sein fallengelassenes Gebiß im Milchreis zu finden, gibt es aber dann auf und schiebt die Portion zu Stachel- Guido hinüber, der seine 120 Kilo soeben auf die Eckbank wuchtet. Stachel-Guido läuft das Wasser im Munde zusammen (= er sabbert), und unter einem hohlen Ächzen greift er sich den fast leeren 1-Kilo-Beutel Schokostreusel vom Fenstersims. Eine schnelle Handbewegung, bei der das überbeanspruchte Gelenk dezent knackt, und die restlichen Streusel sind im Milchreis. Eine weitere schnelle Handbewegung, aber nicht von Stachel-Guido, und der Milchreis verschwindet glucksend in Jogis Mund. "Da war aber ein großes Schokoladenstück drin!" kommentiert Jogi das Geräusch berstenden Plastiks. Während Freddy fassungslos ist (die Krankenkasse übernimmt nur noch 5 % der Kosten für Gebisse), bleibt Stachel-Guido gelassen: "Wieder der alte Anschleich-Trick, was? Gleich morgen baue ich dir eine Klingel an die Krücken. Naja, ich wollte sowieso meine Diät beginnen...". "Das sagst du schon seit 50 Jahren!" kommentiert Marcus, der inzwischen die Küche betreten hat. Stachel-Guido geht gleich zum Gegenangriff über: "Was waren das denn heute Nacht für merkwürdige Geräusche in deinem Zimmer? Wieder die ganze Nacht LARRY 60 gespielt, wie?" Doch Marcus grinst nur: "Nicht so laut, Alter! Du weckst sie sonst auf!" Freddy, Guido und Jogi wie aus einem Mund: "Wer ist SIE?" Marcus in dem Bemühen, lässig zu wirken (was durch einen kleinen Asthma- Anfall leider nicht ganz gelingt): "Ach, hab ich euch noch nicht erzählt, daß ich gestern am Seniorenstift ´Fröhliches Alter´ vorbeigekommen bin? Da ist mir doch glatt diese tolle sechzigjährige Frührentnerin bis nach Hause nachgelaufen..." Stachel-Guido, der an Details stets interessiert ist: "Einzelheiten!" Gerade als Marcus zum Sprechen ansetzt, verhindert ein lautes Poltern aus dem ersten Stock vorläufig, daß Guidos Wissensdurst gestillt wird. Sekunden später kommt Achim die Treppe herunterschichen; den kahlen Schädel ziert eine große blaue Beule. "Jeden Morgen beim Aufstehen dasselbe! Wieso sind diese Decken nur so niedrig gebaut?" entziffern wir sein Gebrabbel. Achim, der mit 60 nochmal gewachsen ist (seit das Atomkraftwerk in Grevenbroich gebaut wurde) und es jetzt auf 2,60 Meter bringt, beugt sich nun vorsichtig zum Erste-Hilfe-Kasten hinunter und befestigt wie jeden Morgen ein großes Pflaster auf seinem Kopf. "Leute, ich hab´s!!!" sprudelt es dann aus ihm heraus. "Was denn jetzt schon wieder? Rheuma oder Altersschwachsinn?" keucht der kurz nach Achim aufgetauchte, schwer unter Raucherlunge leidende Tommi, der sich dabei seine Morgenzigarette anzündet. "Ich habe mein Spiel fertig!" schwärmt Achim. "Was denn, das Ding, an dem du schon seit 1988 arbeitest?" entgegnen die anderen Cacteen im Chor. "Genau. Ich habe die ganze Nacht durchprogrammiert. Gleich heute nachmittag werde ich das Spiel beim Produzenten abliefern!" Stachel-Guido zieht seinen Terminkalender unter erheblichem Geächze aus der Hosentsache (jawoll, man hat eine Hose gefunden, die Stachel- Guido noch paßt!). "Naja, dann werde ich den Tag wohl damit verbringen, ein paar Schokostreuselchen und so Kleinigkeiten zu beschaffen..." Marcus wirft sein Gesicht in Lachfalten, wobei er sich gar keine Mühe geben muß, denn die Falten sind sowieso vorhanden: "Daraus wird wohl nichts mehr. Heute nacht hatte ich ebenfalls noch Zeit, die CACTUS-Disks 588 bis 592 zusammenzustellen. Die müssen nächste Woche raus. Und jetzt laß dir mal was einfallen." Stachel-Guido grübelt eine Weile nach und meint dann: "Ich hätte da so eine Idee. Wie wär´s mit einer Serie ´CACTUS im Kindergarten´ oder ´Cactus-Kids´ oder so ähnlich?" Was bei allen eine Schweigeminute auslöst: "Ja, ja, die gute alte Zeit..." Benutzen wir diesen Augenblick besinnlicher Stille und verlassen wir die gealterten Cacteen für ein paar Stunden, um am Abend desselben Tages wiederzukehren. Ort der Handlung ist diesmal das traute Wohnzimmer der Cactus-Usergruppe, wo Freddy nach der harten Tagesmühe (er muß mit seinem Computerhandel ´Hard & Soft Weichert´ die altgewordene Stachel- truppe ernähren) bewegungslos in seinem Lieblingssessel vor dem 3D-Fernsehen (integriert in einen Amiga 44500 GTI) liegt. Im Fernsehen läuft "Die Preise sind heiße" mit Kees Wijnvoordt, dem Sohn des berühmten Harry. Die Kandidatin gewinnt gerade einen Freiflug zum Jupiter, weil sie den Preis eines hartgekochten Eies mit "455.666,56 ECU" richtig erraten hat. Kees: "Jaja, Erraten humanum est, wie schon der Lateiner sagt." Freddy: "Hechel, hechel, japs..." Stachel-Guido kommt reingestürmt (oder was er dafür hält, mit 76!) und freut sich: "Scheint zu Ende zu gehen mit dem armen Freddy. Wie gut, daß ich immer dieses gefälschte Testament bei mir habe! Jetzt muß ich nur noch das echte finden..." "War ja nur´n Scherz!" wehrt Stachel-Guido beleidigt ab, als Freddy wild aufspringt und versucht, ihm einen Knoten in den Hals zu drehen. Mit unglaublicher Fingerfertigkeit schafft Stachel-Guido es sogar, das hinter seinem Rücken verborgene Testament in die hintere Hosen- tasche zu bugsieren. Der Kampflärm hat die anderen Cacteen angelockt, die sich bis auf Achim alle je nach körperlichem Zustand mehr oder weniger schnell im Wohn- zimmer einfinden. Marcus: "Schaut mal, wie sich die beiden auf dem Boden wälzen! Ich glaub, die haben was miteinander!" Freddy und Guido schauen sich an und zeigen Marcus dann gemeinsam, was sie von solchen Sprüchen halten. Die fröhliche Keilerei, an der sich nach und nach auch die anderen Cacteen beteiligen, findet erst ihr Ende, als Achim bedächtig ins Wohnzimmer hineinkommt und sich auf Freddys Fernsehsessel fallenläßt. Wie von Zauberhand hört die Schlägerei auf; Guido läßt Marcus´ Perücke fallen, Tommi zieht sein Gebiß aus Jogis Bein, Freddy lockert den Würgegriff um Jürgen ein wenig und Jogi gibt Tommi das Glasauge wieder. Jogi bringt es auf den Punkt: "Was gibt´s neues von deinem Spiel, Achim? Hat man es angenommen?" Achim: "Im Prinzip ja." Der Cactus-Chor: "ABER???" Achim: "Naja, das Programm ist nicht hundertprozentig lauffähig mit dem neuen Amiga 588668 GF. Unter Umständen ist der Sound zu leise. Das muß ich nur noch ändern, aber dann ist das Spiel fertig!" Marcus sieht´s gelassen: "Na gottseidank. Stellt euch nur mal vor, Achim hätte gar nichts mehr zu tun." Freddy wird von einem stillen Weinkrampf geschüttelt: Schon wieder kein Geld für Miete zu holen. Stachel-Guido holt seinen Taschenkalender heraus und notiert, wie jedesmal bei einem geplatzten Ablieferungstermin für Achims Spiel, ein Kreuz hinein. Beim Zählen der Kreuze kommt er auf genau 50 Kreuze. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Und so sieht der Abend des 1. April 2042 die Cacteen in Schampus baden. Nur Freddy begibt sich schon frühzeitig ins Bett. Auf der Treppe hinterläßt er große Pfützen aus Tränen... -------------------------------------------------------------------------- Zum Schluß wie immer ein paar grantige Bemerkungen an alle, die Stachel- Guido gerade in den Sinn kommen (frische Opfer! HARHAR!): MARCUS BUNGERT - Spitznamen: "Beau Bungert", "BB". Ein freundlicher Gruß in das heimelige Kaarst, wo Marcus jeden Morgen die Opfergaben heidnischer CACTUS-Anbeter auf der Fußmatte vor der Tür findet. Als da wären: Drohbriefe, sehr reife Tomaten, Kondome mit Innen-Stacheldraht und erwürgte PD-Disketten. Danke für die Zusammenstellung dieser Disk! FREDDY WEICHERT - Spitznamen: "Schneemann", "Eistüte". Spielt auch im kältesten Winter draußen Fußball. Besonderes Merkmal: Braucht sich nicht zu rasieren - es reicht, wenn er die Stoppeln abbricht! THOMAS NICK - Spitznamen: "Tinas Mann", "Teerlunge" Die Icons, die Ihr auf dieser Diskette seht, stammen auch diesmal nicht von Tommi. Irgendwann bekomme ich ihn trotzdem dazu, die seit September 1845 versprochenen Icons zu malen... GUIDO COENEN - Spitznamen: "Stachel-Guido", "Der da". Habe alle Übersetzungen und diesen Text hier erledigt. Ein weiterer Meilenstein für die CACTUS- Ruhmeshalle. Wenn´s eine gäbe. ATARI - Bitte stirb nicht! Wir Amiganer brauchen ein Feindbild! COMMODORE - Ein genialer Schachzug, der neue A600: Jetzt kann Commodore endlich die überproduzierten C64-Gehäuse loswerden. Muß nur ein neues Typenschild drauf. Dem "grünen Punkt" - Schon gehört? Mittlerweile wurden die ersten Babys mit grünem Punkt auf dem Hintern geboren. Wenn das Baby verbraucht ist, kann man es an das Krankenhaus zurückgeben. Als nächstes werden Kernkraftwerke damit ausgestattet. Nach dem ersten Ausbrennen des Reaktorkerns nimmt der Hersteller (oder dessen überlebende Nachkommen) das Kraftwerk zurück und recycelt es. Durch Verkauf an die dritte Welt. Allen, die uns unterstützen - Hilfe! Laßt uns nicht allein mit den unbezahlten Rechnungen! MTV - Für die tägliche Einsicht, daß auch Popstars nur ganz alltägliche Idioten sind - nach den Musikvideos zu schließen. Schlußwort: ----------- Gubba gubba brabbel. (Auch ein Jubiläum: Das bisher kürzeste Schlußwort!) Guido, der Stacheligste Stachelige.