Hallo, Freunde, hier ist wieder Stachel-Guido! (Einen Moment Pause, um Dir Gelegenheit zu geben, nach Deinem Freund / Deiner Freundin zu schauen. Wo will die komische Type denn auf einmal mit den Koffern hin? Schon zurück? Du hast ihn/sie rausgeschmissen? Gut gemacht - jetzt kannst Du Deine Chips abends alleine essen. Allerdings gibts da noch ein paar andere Sachen, die Du abends alleine machen darfst...) Und hier ist sie wieder: Die einzig autorisierte Geschichte der größten Band auf Erden - MILLI AMIGI !!!!! Als wir unsere sieben Helden das letzte Mal verließen, bereiteten sie sich gerade auf den ersten Live-Auftritt vor. Zur Erinnerung noch einmal die geniale Besetzung für diesen Auftritt: Marcus - Sänger Freddy - Sänger Jogi - Songwriter, Musiker, Begleitband (Synthesizer) Guido - Songtexter, Begleitband (Drums) Tommi - Manager, Begleitband (Keyboards) Jürgen - Bühnenaufbau, Begleitband (E-Guitar) Achim - Software-Tuning, Begleitband (Blockflöte) Hach, wir waren schon eine schmucke Truppe! Besonders Tommi in seinem Bananenröckchen sah zum Aufessen süß aus. (Was die Fans auch später versuchten, hihi). Während wir uns in der Garderobe vorbereiteten (jeder goß noch etwas grüne Farbe auf seine Haare, sofern vorhanden), wurde Tommi sichtlich nervös. Ich bot mich als Beichtvater an: "Is was, Alter?" - "Naja, also, Leute, wißt Ihr, wir sind heute abend nur Vorgruppe..." Wir probierten es aus, aber es war unmöglich, Tommis Keyboard quer in seinen Mund zu schieben. Seitdem kommt sein Kopf allerdings nur noch in Schräglage durch Türen... Merkwürdig nur, daß Tommi auch nach unserer Therapie nicht ruhiger wurde. Wir schoben das auf den Entzug (schon zwei Minuten ohne Zigarette!) und begaben uns langsam in Richtung Bühne. Vorher mußten wir selbstverständlich noch einen großen Spiegel auf- treiben, denn Tommis Unterlippe hinderte ihn daran, die Tasten seines Keyboards zu erkennen. Der Saal war brechend voll (einige Cacteen auch) - die Menge tobte, als wir in unseren originellen Kostümen auf die Bühne stürmten. Das Publikum trampelte vor Begeisterung mit den Füßen, als der Veranstalter seine Ansage beendete: "Und bevor wir zur Hauptattraktion des heutigen Abends kommen, den Wildecker Herzbuben, jetzt also - MILLI AMIGI!" Ich schaute nun doch etwas genauer ins Publikum und sah jetzt erst, daß da nicht ein paar tausend Schuhe auf den Boden trommelten, sondern ein paar tausend KRÜCKEN!. Naja, gab´s wenigstens keinen Ärger mit minderjährigen Groupies... Wir begannen also, loszurocken und führten ein paar unserer härtesten Songs vor wie z.B. "All the vögels are hier already", "It klappers the mill at the rausching bach" und "A hunter from Kurpfalz". Sämtlich natürlich von mir getextet - naja, die Poesie liegt mir eben. (*** Wer bringt Stachel-Guido die Wahrheit bei? -Marcus- ***) Allmählich drehten wir stärker auf; ich hatte den Eindruck, das Publikum ging jetzt so richtig mit - eigentlich kein Wunder bei unschlag- baren Titeln wie "Sah a boy a Röslein stehn" oder "When a man loves a chicken". Vereinzelte Pfeifversuche einiger unsportlicher Schrittmacher- Träger endeten aufgrund technischer Defekte spätestens nach jeweils zwei Minuten - dann waren die dritten Zähne hin. So brachten wir die erste Stunde verhältnismäßig gut hinter uns. In der Halbzeitpause räumten wir dann kurzfristig unseren Platz für die freundlichen Mitarbeiter der Firma "Geronto-Krall". Die verkauften den Gästen ein paar Heizdecken und Fußwärmer zu zivilen Preisen. Nachdem der Tieflader das Geld weggeschafft hatte, machten wir uns fertig für die zweite Hälfte unseres Auftritts. In der zweiten Stunde widmeten wir uns besonders unserem weiblichen Publikum (die älteren Damen an der Bühne streckten bereits verlangend ihre Krückstöcke nach Tommis Banane(n) aus). Nach den ersten Klängen unseres absoluten HAMMER-Hits "Altersheim-Rock" wurden die Omas in der ersten Reihe ohnmächtig; ab der zweiten Reihe hörte man das laute Knacken arthritischer Gelenke bei wilden Verrenkungen. Bei unserer Walzer-Parodie "At the nice, blue Donau" sprangen schließlich sämtliche Besucher wie ein Mann auf - zumindest versuchten es die meisten. In diesem Moment wurde es schlagartig still im Saal - wo vorher noch Krücken in Ekstase den Rhythmus mitgeschlagen hatten, das Scharren der Rollstühle und die keifenden Stimmen Tausender begeisterter Sarganwärter die Atmosphäre wie ein gigantisches Schwert durchdrangen, herrschte auf einmal absolute Stille. Freddy, dem in diesem Moment ein Zacken aus der Krone fiel, war über den lauten Knall des Aufpralls fast noch erstaunter als wir anderen. Jürgen versuchte die Situation mit einem Scherz zu überspielen: "Fans, ich geb´ ne Runde Doppelherz für alle!" Als sich daraufhin noch immer nichts rührte, wagte sich Marcus langsam vor und fühlte den Puls der älteren Dame, die während des ganzen Konzerts ständig "Ausziehen! Ausziehen!" gebrüllt hatte. Marcus´ Kommentar: "Ey, Leute, die Mutti ist so kalt wie Käpt´n Iglos Fischstäbchen! Und sieht übrigens auch genauso aus..." Eine halbe Stunde später stand es endgültig fest: Unser erstes Konzert war für alle unsere Fans auch das letzte. Alle bis auf einen Fan waren auf dem Höhepunkt unseres Auftrittes einem Herz- schlag erlegen. Und der eine Fan, der nicht am Herschlag gestorben war, eine 96jährige Ledige aus Oberlahnstein, hatte sich auf dem Klo den goldenen Schuß gesetzt: Eine ganze Flasche Oil of Olaz intravenös! Das Motto des Tages: "Nix wie weg, Jungs!" Drei Wochen später. Dreitausend Kilometer weiter. (*** Und das unerträg- lichste: Dreihunderttausend blöde Sprüche von Stachel-Guido dazwischen! -Freddy- ***) Sieben abgerissene Gestalten kämpften sich durch einen dichten Urwald; Meilen entfernt von der nächsten McDonalds-Filiale, und vom Bananenröckchen der einen Gestalt waren nur mehr ein paar Schalen übrig. Die CACTUS- grüne Tarnfarbe ihrer Haare verbarg die Gestalten nahezu perfekt; spindeldürr und nach Bier lechzend wichen sie hungrigen Krokodilen aus, schlugen einige mittelgroße Würgeschlangen in die Flucht und traten dabei zielsicher in jeden Ameisenhaufen. "Ich kann nicht mehr!" stöhnte Marcus steinerweichend, bevor er einen mittelgroßen Skorpion in den Sand trat. "Ich kann noch - aber wo läßt sich in dieser Wildnis schon eine Frau auftreiben?" keuchte ich. Mein rechtzeitiges Ducken verhinderte, daß mich Marcus´ Schuh (bzw. dessen Reste) traf, und so kam Tommi in den Genuß eines blauen Auges. Ein heiseres Knurren entrang sich Tommis Kehle, und Mordlust machte sich in seinem ungebläuten Auge breit. Sicherlich hätte Marcus im nächsten Moment einen leichten Tadel einstecken müssen, hätte sich uns nicht plötzlich ein riesiger Gorilla in furchteinflößender Pose genähert. "Du brauchst keine Angst zu haben, mein Junge, ich bin im Tier- schutzverein!" versuchte ich den bedrohlich nahe gekommenen Bruder von King Kong zu beruhigen. (Es war übrigens der GROßE Bruder von King Kong!) "Groaaaar!" machte der Fellbesitzer und kam noch näher. Ich hatte wie immer meinen Brockhaus dabei und schlug nach unter "G" wie "Groaaaar!", hatte aber kein Glück. Naja, war sowieso ein Sonderangebot gewesen. Ich schleuderte das dumme Buch dem Gorilla entgegen, der es lässig mit der linken Pfote einfing und grollte: "Schon mal was von Recycling gehört, Schwachkopf?" Meine Schlagfertigkeit ließ mich in jenem Moment nicht im Stich: "Äh, äh, was´n jetzt los?" redete ich das Zotteltier in Grund und Boden. "Haha, Guido, sieht doch jeder, daß das kein richtiger Gorilla ist. In dem Fliegenfänger steckt doch sicher irgend so´n Winzling drin" grinste Achim. In dem Moment öffnete sich in der Hüfte des Gorillas eine Klappe, eine Leiter fuhr aus, und ein Pygmäe kletterte in rasender Geschwindig- keit daran herunter. Der kleine Kerl baute sich vor Achim auf und winkte ihn mit der Hand zu sich herunter. Achim beugte sich hinab und mußte einen vollen rechten Haken einstecken. "Das wird dich lehren, andere Leute als Winzling zu verunglimpfen!" krakeelte der Zwerg und war auch schon wieder im Gorilla verschwunden. Aus dem Gorilla erklang seine Stimme: "Nur zu eurer Information; ich bin hier der Sheriff und habe den Auftrag, euch sofort in die nächste Maschine nach Deutschland zu setzen! Also los, Jungs! Und keine Mätzchen!" Was antwortet man auf eine solch liebenswürdige Aufforderung? Wir versuchten es erst mal mit "Ja, Sir!" und folgten dem Gorilla. Dennoch keimte in uns bereits der Gedanke an eine Revolution. Flüsternd erklärte ich den anderen Cacteen meinen Plan: "Paßt mal auf, Stacheljungs, wär doch gelacht, wenn wir nicht mit so einem Ersatz-Plüschbär fertigwürden! Mein Plan ist folgender: Auf mein Kommando ´Los´ springt ihr den Gorilla von hinten an und baut ihm die Batterie aus." Marcus durchschaute die Genialität meines Plans nicht sofort: "Und was machst DU dabei, Guido?" - "Naja, ich überwache das Ganze natürlich..." Die Pfiffe und Buhrufe machten dann den Gorilla auf uns aufmerksam, und eine Viertelstunde später setzten wir unseren Weg fort - in Handschellen. Weitere zwei Stunden später saßen wir bereits im Flugzeug nach good old Germany; im Frachtraum allerdings, beim Zoll als Importpflanzen deklariert. Und zwar als fleischfressende. So kamen wir während des Fluges immerhin zu zwei warmen Mahlzeiten, obwohl ich zugeben muß, daß ich schon bessere Fliegen gegessen hatte - waren wohl nur aufgewärmt... Als wir in Deutschland ankamen und ausgeladen wurde, waren wir fast schon wieder guter Laune - bis auf Jürgen, der wohl ein paar verdorbene Fliegen erwischt hatte. Die Laune verging uns allerdings schnell wieder, als wir unmittelbar hinter der Zollschranke ein halbes Dutzend höchst offiziell aussehender Herren erspähten. Unaufhaltsam wurden wir diesen Herren entgegengeschoben. Tommi versuchte es mit einem Trick: "Tut mir leid, meine Herren, wir geben prinzipiell kein Trinkgeld!" "Ich glaube, Sie verkennen die Lage" erwiderte einer der lebenden Anzüge mit Grabesstimme. "Darf ich vorstellen: Grabowitz, Grabowitz, Grabowitz, Grabowitz, Grabowitz und Müller-Grabowitz - wir vertreten die Erben Ihrer letzten Konzertbesucher." Ich versuchte zu retten, was noch zu retten war: "Also, hören Sie, Herr Grabowitz" - "Verzeihung, ich bin Müller-Grabowitz!" - "Also, Herr Müller-Grabowitz, wir können nichts dafür - echt ehrlich! Hand drauf! Großes Pfandfinderehrenwort!" "Nun, die Erben jedenfalls haben uns zu diesem hier beauftragt" erwiderte Müller-Grabowitz ungerührt, während er seine Hand langsam unter das Revers seines schwarzen Jacketts schob. Ich machte mich auf die eine oder andere Explosion gefaßt und hielt mir die Augen zu. Als nach zehn Minuten noch immer nichts passiert war außer einer Menge Paiergeraschel, wagte ich es langsam, meine Augen wieder zu öffnen. Was ich sah, wirkte auf den ersten Blick wie sechs grausam in der Blüte ihrer Jahre (oder auch NACH der Blüte, was, Tommi?) hingemetzelte Cacteen. Auf den zweiten Blick erkannte ich Müller-Grabowitz, der vor mir stand und mit einem Stück Papier vor mir herumwedelte. Tapfer, wie ich nun mal bin, nahm ich das Papier entgegen und warf einen Blick darauf - dann noch einen - und noch einen - und fiel in Ohnmacht. Hier nun der Inhalt des brisanten Papyrus: "Wir, die Erben der fünftausenddreihundertundzweiundneunzig Konzert- besucher des Konzerts vom 1.1.1991, in dem die Gruppe ´MILLI AMIGI´ auftrat, sind der festen Überzeugung, daß unsere Erblasser durch die (mehr oder minder musikalischen) Aktivitäten der oben anstehenden Gruppe ein frühzeitiges Ende fanden. Wir möchten Ihnen hiermit unseren allerherzlichsten Dank aussprechen und verbleiben ---------------------- mit freundlichen Grüßen Die lachenden Erben. P.S.: Anbei ein Scheck über 5 Millionen DM als kleiner Beweis unserer Anerkennung." Als ich wieder zu mir kam, waren die übrigen Cacteen bereits eifrig dabei, das Geld mit beiden Händen auszugeben. Während Freddy sich von seinem Anteil noch zehn bis zwanzig große Motorräder kaufen wollte, hatte Tommi bereits erste Hausentwürfe fertig. Marcus dagegen wollte von den ersten hunderttausend Mark erstmal seinen Panda instandsetzen lassen. Der Rest würde seine Deoversorgung für die nächsten siebenund- sechzig Jahre sicherstellen; und zum Versaufen wären auch noch ein paar Mark übrig. Die beiden Jürgens berieten, sich in eine Großbrauerei einzusaufen, äh, einzukaufen. Einzig Achim blieb auf dem Boden der Tatsachen: "Ich werde mir endlich eine neue Blockflöte kaufen. Aus Platin. Mit Diamanten. Aber ganz schlicht." Nach und nach gelang es mir allerdings, die Cacteen zu überreden, das Geld sinnvoll anzulegen. Ich hatte da ein paar tolle Anlagen an der Hand - alle im Osten, mit hundertprozentiger Gewinnchance natürlich, denn im Osten konnte es ja nur aufwärts gehen! So kam es dann, daß wir die eine Hälfte unseres Geldes in sowjetischen Staatsanleihen und die andere Hälfte in jugoslawischen Ferienobjekten investierten. Aber das ist eine andere Geschichte... -------------------------------------------------------------------------- Zum Schluß eine Tüte Anerkennung für alle Mitwirkenden dieser Diskette: MARCUS BUNGERT - Drückt dem Mann ein Programm in die Hand, und er macht drei bis sechzehn CACTUS-Disketten daraus. "Marcus" ist übrigens lateinisch und heißt soviel wie "der, der mit der Festplatte hadert". Typische Redewendung: "Moment mal, ich glaube, ich habe mir grad die Platte geputzt - aaarrrrgggg!!!" THOMAS NICK - Heißt in Wirklichkeit Ugulo Pingalphapong und stammt aus der fünften Galaxie (A57 bis Kreuz Moers und dann links abbiegen) - das behauptet er zumindest nach dem zwölften Bierchen. Ansonsten ist er ganz OK und findet ab und an sogar Zeit, ein wenig PD zu besorgen. Tommi = CACTUS-Rohstofflieferant. FREDDY WEICHERT - Freddies Haus ist jetzt umgebaut - Wohnkomfort auf allen Ebenen. Und wenn er Glück hat, läßt sein Hund ihn sogar rein... GUIDO COENEN - Euer schnuckeliger kleiner Diskjockey hat mal wieder zugeschlagen und ein paar einzigartige Texte gedichtet. Oh göttliche Inspiration! (*** Das heißt Transpiration, und Du solltest dich jetzt wirklich mal waschen, Guido! -Tommi- ***) ATARI - Hast Du ´nen Atari gern, bleiben Dir die Freunde fern. Hast Du ´nen Atari lieb, ist Dein Gehirn wohl mehr ein Sieb... COMMODORE - Ich liebe diese Werbestrategie: Erst alle auf DOS 2.0 heiß machen, und dann auf der AMIGA ´91 die lange Nase drehen: Ätsch... Allen, die uns erwähnen - Nein, wir meinen damit NICHT die Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst"... Allen, die uns unterstützen - Kohle her! Den Teenage Mutant Hero Turtles - Cowabunga! Nieder mit Krang und dem Shredder! Schlußwort: ----------- Schon gehört? Lachen wird ab nächsten Monat steuerpflichtig! Grundlage dafür ist das Gleichheitsprinzip: Weil die Ossis nix mehr zu lachen haben, sollen wir´s uns auch abgewöhnen... (Ja, ich weiß, das klingt blödsinnig - aber waren die Begründungen für die bisherigen Steuern einleuchtender?) Daher diese CACTUS-Ausgabe mit ganz besonders sparsamen Humor-Einlagen. Achja, zum Abschluß noch ein Beitrag aus der Rubrik "Schlagzeilen, die wir gerne sehen würden": Millionen Kinder enttäuscht - Onkel Dittmeyer trinkt heimlich COLA! Guido, der Stacheligste Stachelige.