Hallo, Freunde, hier ist wieder Stachel-Guido! (Einen Moment Pause, um Dir Gelegenheit zu geben, eine andere Spieldiskette zu benutzen. Zum Beispiel als Frisbee, oder als Untersetzer für die Bierbüchse. Denn siehe, was da steht geschrieben im großen Buch der Cacteen: "Du sollst nicht haben andere Disketten neben Uns oder es soll geben einen Schaltfehler in Deinem Joystick auf daß gar 10 Pacmänner verlieren ihr elektronisches Dasein.") Kommen wir jetzt zu etwas völlig anderem. Wie Du sicher nach der langen cactuslosen Zeit nicht mehr weißt, hatte ich in der letzten Folge auf Cactus #43 die Idee meines Lebens: Wir Cacteen wollten uns nicht nur dumm (das waren wir ja schon), sondern dämlich verdienen. Zu diesem Zwecke kam mir die Idee, eine Popgruppe zu gründen, mit der wir mal schnell die Welt abkassierten. Wir wollten uns MILLI AMIGI nennen und in folgender Formation auftreten: Milli Amigi ----------- Marcus - Sänger Freddy - Sänger Jogi - Songwriter, Musiker, Begleitband (Synthesizer) Guido - Songtexter, Begleitband (Drums) Tommi - Manager, Begleitband (Keyboards) Jürgen - Bühnenaufbau, Begleitband (E-Guitar) Achim - Software-Tuning, Begleitband (Blockflöte) Leider erkannten die anderen Cacteen nicht sofort die genialen Ausmaße meiner Idee. (*** Und solche Ideen hat der dutzendweise!!! Was sagt man dazu? -Marcus- ***). So kam es also, daß ich gegen Ende der letzten Folge gebündelt wie ein Sack Brennholz auf einem Reisighaufen darauf wartete, daß jemand den Grill anwarf und mich knusprig braun briet. (*** Das wäre das erste Mal, daß Stachel-Guido etwas Farbe bekäme! -Tommi- ***) Währenddessen berieten die restlichen Cacteen, ob sie meinen Plan annehmen oder mich verbrennen oder beides zugleich tun sollten. Irgendwann gewann dann die Vernunft die Oberhand (wie Freddy es später einmal formulierte), und die Cacteen einigten sich darauf, meinen Plan auszuprobieren und mich sicherheitshalber trotzdem abzufackeln. Meinen Platz als Drummer könnte jeder Dämel einnehmen, war die einhellige Gruppenmeinung; deshalb wollte man den Job in nächster Zeit unserem Ex-Mitglied Emmi anbieten. "Und hiermit taufe ich Dich auf den Namen PHÖNIX II - viel Spaß!" rief nun hämisch grinsend Tommi Brutalo, und das Licht des Feuerzeugs in seiner Hand verlieh seinen blutunterlaufenen Trinkeraugen einen dämonischen Ausdruck. Mag aber auch sein, daß ihm von Markus´ Zigarette einfach nur die Augen tränten. Nu´ wirds ernst! dachte ich noch so bei mir und überlegte, ob es vielleicht Zweck hätte, nach Leibeskräften "112" zu rufen. Doch in dem Moment fing das Reisig vor mir bereits zu brennen an, und ich tat das einzig erfolgversprechende: Meine Augen begannen, die gesamte Gegend nach der versteckten Kamera abzusuchen. In dem Moment kam Freddies Riesenköter herangeprescht, hob sein Beinchen an dem einzigen baumähnlichen Gegenstand auf weiter Flur und - ließ laufen... Das einzig baumähnliche war in diesem Falle mein Scheiterhaufen, dessen Flammen gegen Freddies Hund natürlich keine Chance hatten. Nun konnten die Cacteen gar nicht mehr anders; sie mußten die Entscheidung durch höhere Gewalt anerkennen und banden mich los. Das hing in zweiter Linie vielleicht auch mit den netten Herren in den Uniformen zusammen, die uns wegen obszöner Grillplatzschändung festnahmen. Dem Richter war dieses Delikt gottseidank genauso unbekannt wie Dir, lieber Leser, und so kamen wir bereits nach vier Wochen wieder aus der U-Haft. (*** Meine Finger kleben jetzt noch im Schlaf die Tüten zusammen! Gestern nacht kam mein Hund unbemerkt in mein Bett gekrochen - jetzt habe ich eine schicke Felltasche! -Markus- ***) Nach der schönen Zeit im Knast (3 x täglich Essen!) bedrückte uns unser ärmlicher Alltag (3 x täglich Kohldampf) um so mehr, und deshalb machten wir uns nach unserer Entlassung unverzüglich an den Aufbau unserer Band. Dabei bedienten wir uns altbewährter Cactus-Taktik, indem wir von der Konkurrenz das jeweils Beste zusammenklauten. Unser Motto nahmen wir von den Blues Brothers ("Wir kommen im Auftrag des Herrn!"), die Brillen und Hüte lieh uns Elton John (er hatte noch ein paar Klobrillen übrig), die Synthies klauten wir bei J.M. Jarre, und die Klamotten gab´s preiswert beim Roten Kreuz. Blieb nur noch ein Problem, dessen Lösung schärfsten Sachverstand und allergrößte Sorgfalt erforderte: Wir brauchten irgend ein Erkennungs- zeichen; etwas Einzigartiges, Schrilles, Verrücktes, Blödsinniges, an dem uns die Fans jederzeit wiedererkennen würden. Freddy sah da gar kein Problem: "Wir haben doch Guido!" Tommi teilte aber meine Bedenken: "Kann ja sein, daß wir unseren guten Guido irgendwann einmal zufällig verlieren" - er machte eine schnelle Bewegung mit dem rechten Zeigefinger quer über den Hals und versuchte unschuldig zu lächeln - "und dann hätten wir kein Erkennungszeichen mehr..." Sachlich versuchten wir dem Problem beizukommen: "Ey, mach´ ma einer ´nen Vorschlag!" - "Bin zu besoffen dazu!" - "Stopft dem Kerl das Maul!" - "Wie wär´s mit ´nem Aufkleber: AMIGI-Fever steckt alle an!" - "Is´ doch total ausgelutscht, der Spruch!" - "Wir klauen einfach den BH meiner Oma und hängen ihn als Sonnenschirm über die Bühne!" - "Wie wär´s stattdessen mit DEINEM BH???" - "Das reicht - nimm DAS!" - "Ich nehme nicht, ich gebe lieber!" - "AU!" - "Riech mal an meiner Faust - riecht nach Friedhof!" Als wir wieder zu uns kamen, waren wir am ganzen Körper grün und blau. Das hatte aber nicht nur natürliche Ursachen, sondern rührte von der Farbe her, die wir im Endstadium unserer Diskussionsrunde zur Unter- streichung unserer Argumente herangezogen hatten. Am ulkigsten sah Marcus aus, den ein Kanister grüne Farbe voll am Kopf erwischt hatte. Vereinzelte dunkle Haare standen wie spitze Stacheln dazwischen hervor. Jogi bewahrte als einziger einen kühlen Kopf: "Das ist der neue Cactus- Look, Jungs! Ich fress´ nen Besen, wenn wir mit DEM Outfit jemals übersehen werden!" Potztausend, er hatte Recht! Bis zum heutigen Tage steht der Besen ungefressen an der Wand (obwohl wir ihn irgendwann doch besser essen sollten - so ein Besen hält sich schließlich nicht ewig). Und so gingen wir alle in die nächste Werkstatt und ließen uns ein paar Literchen grüne Acrylfarbe (die, die nie mehr abgeht) auf den Schopf sprühen. Die stachelförmige Frisur war ebenfalls kein Problem: Während die Farbe trocknete, las ich den anderen ein paar Kapitel meiner Memoiren vor. Nur Achim mußten wir bremsen: Er war von der neuen Haartracht so begeistert, daß er unbedingt auch die anderen Körperhaare einfärben lassen wollte. Erst unsere wiederholten Beteuerungen, beim Trocknen der Farbe würden alle Stacheln derart steif, daß er seine Hose nicht mehr zu bekäme, brachte ihn zur Vernunft. Nun fehlten uns nur noch zwei Sachen zum Starruhm: Ein durchschlagender Song und ein paar Instrumente, um ihn auch vorführen zu können (oder zumindest so zu tun). Das mit dem Song war kein Problem; Jogi hatte irgendwo noch eine alte selbstgeschriebene Ballade herumfliegen mit dem Titel "I´ll kick you right into your face, blockhead!". Ich als Cheftexter nahm ein paar kleinere Änderungen vor und wir hatten unseren ersten millionenträchtigen Titel. Der neue Name lautete nun "Cactus, I´m gonna miss you", und der Song handelte von einer 13jährigen Frührentnerin und ihrer Liebe zu Topfpflanzen. Ein Bombenthema, und so brandaktuell! Fehlten eigentlich nur noch die Instrumente, und unserem Erfolg stünde nichts mehr im Weg. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Am einfachsten war noch der Synthesizer zu besorgen: Wir bauten einen alten Schrott-ST zum Amiga um (ja, ich weiß, das ist unmöglich. Aber ist der Rest dieser Geschichte wahrscheinlicher???) und schlossen den MIDI-Ausgang an Muttis Rasierapparat an. Klang gar nicht mal so schlecht. Und wir wären bei jedem Konzert gut rasiert. Auch die Blockflöte für Achim war noch einfach zu bekommen. Wir brauchten uns nur vor die örtliche Musikschule zu stellen und bekamen die Dinger sackweise von den kleinen Mädchen aufgedrängt. Unser Ofen zehrt an kalten Wintertagen noch heute davon. Muttis Kochtöpfe mußten dann als Drums herhalten; ein wenig (benutztes) Butterbrotpapier drübergespannt, und der typische Milli Amigi - Sound war erschaffen. Keyboarder Tommi bekam einen Pappkarton mit aufgemalten Tasten - der Junge kann sowieso nicht spielen. Fehlte nur noch die E-Gitarre, an der wir uns eine Weile die Zähne ausbissen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Schließlich mußte jeder zwei Päckchen Kaugummi beackern, aus dem wir schließlich die Gitarrensaiten drehten. Ein bißchen Klarlack drauf - fertig! Was für ein Glück, daß ich nicht darauf spielen mußte... Das Ganze wurde dann fachmännisch von Tommi auf einen Käfer-Kotflügel aufgelötet und mit ein paar Drähten verkabelt - fertig. Das Schwerste war allerdings, jemand zu finden, der das Ding stimmen konnte - erst der vierte beging Selbstmord NACH dem Stimmen der Gitarre. Jetzt waren wir bereit für unseren ersten Auftritt - Welt, wir kommen! Wie gewaltig wir kommen, wirst Du allerdings erst auf CACTUS #45 erfahren. Mein Amiga bedarf jetzt der Kühlung - also rein mit der Cola! -------------------------------------------------------------------------- Zum Schluß ein paar warme Worte an die Mitwirkenden dieser Ausgabe, die gerade um mich herum in der Armenküche stehen (kannst das Gebiß draußen- lassen, Jogi, heut gibt´s Suppe): THOMAS NICK - Horch wer keucht von draußen rein? Kann ja nur ein Raucher sein! Unser Fast-Rentner hat mal wieder zugeschlagen und mehr oder weniger kräftig an diesem Diskettchen mitgewürgt, äh, -wirkt. FREDDY WEICHERT - Freddy hat ´nen Dachschaden! Tja, wer seinen ganzen Zaster mit teuren Motorrädern und aufwendigen Hochzeiten verpraßt, darf sich nicht wundern, wenn´s für den Dachdecker nicht mehr reicht. Aber in unseren Breitengraden fällt ja glücklicherweise kaum Regen, nicht wahr? Der Gute läßt sich trotzdem die Laune nicht vermiesen und hinterläßt rechts und links vom Wegesrand nur zufriedene Kunden, deren Diskbestellungen zwar manchmal etwas länger brauchen, dafür aber umso freundlicher abgefertigt werden. GUIDO COENEN - Der Esel nennt sich selbst zuerst. Ich nenne mich wie stets so etwa in der Mitte der Danksagungen, was für einen Platz zwischen Erdhörnchen und Ameisenbär reichen müßte. (*** Ich wüßt´ noch was: Milka-Kuh! -Tommi- ***) Tja, alle Texte sowie alle Icons und die Zusammen- stellung der Disk stammen von mir - glaubt doch keiner, daß ich in Kunst die Gnaden-Vier abonniert hatte! Ihr seht also, liebe Kinder, auch aus Euch kann noch etwas Unanständiges werden, wenn Ihr so alt werdet wie ich. JOSEF HERRMANNS - Der Händler läßt das Handeln. Schade, daß Du letzten Monat Deine Firma 3S-Service aufgegeben hast - wo ich Dich grade fragen wollte, was "3S" eigentlich bedeutet... ATARI - Heute mal nichts zu Atari. Schließlich redet man nichts Schlechtes über Tote. COMMODORE - Wer erinnert sich noch an den Plus/4 ??? Wohl nur der Herr ALDI. Ob der sich auch in ein paar Jahren als einziger an CDTV erinnern wird? Allen, die uns erwähnen - Das war seit Anfang dieses Jahres niemand. Hach, wir haben´s endlich geschafft und uns wieder vom Erfolgsdruck befreit. Weiß gar nicht, warum ich jetzt so weinen muß... Allen, die uns unterstützen - Danke, Mutti! Schlußwort: ----------- Wir hoffen, es hat Dir wieder mal gefallen. Wenn nicht, dann besorg Dir ganz schnell mal alle anderen Cactus-Disks und sieh nach, ob Dir diese Disks auch nicht gefallen. (Nein, Achim, Du bist NICHT damit gemeint. Ja, wir wissen, daß Du noch immer nicht alle Cactus-Disks besitzt.) Gefallen Dir die Cactus-Disks dann noch immer nicht, empfiehlst Du uns halt an Deine Feinde. Wenn Du keine Feinde hast, dann mach Dir einfach welche. Ich sage nur: Freunde kränken - Cactus schenken... Apropos - schon gewußt? Alte Original-Cactus-Disks aus dem Jahr 1988 (die sagenumwobene Nr. 1, damals noch von Freddy zusammengeleimt) werden mittlerweile schon zu Liebhaberpreisen gehandelt. Man muß nur einen Trottel finden, der nicht weiß, wie Telefonkarten wirklich aussehen. Guido, der Stacheligste Stachelige.