@UB XL an der Uni .................... @CO21 XL an der Uni ============= von Michael Seibt Dieser Text wurde ursprünglich von Matthias Drees für ein ATARI XL Magazin geschrieben. Ich fand ihn aber so interessant, das ich ihn nochmal für euch abgeschrieben habe. In der Kölner Fachhochschule am Ubierring, wo sich zukünftige Sozial- pädagogen und Versicherungskaufleute Guten Morgen sagen, stehen ver- einzelt und zurückgezogen im Unterrichtsraum des Dozenten für Sprach und Literaturpädagogik noch ein letzter, stolzer Vertreter der Atari 8-Bit Computer-Serie einsam in der Ecke herum. Ich verfolgte die Spur unseres Kleinen an dieser wissenschaftlichen Institution zurück bis hin zu seinen Anfängen und stieß auf ein exemplarisches Stück Computer Geschichte. Nichts deutet hier im Aufenthaltsraum des Atari XL auf seinen möglichen Nutzen hin. Direkt nebenan dagegen, machen sich regelmäßig einige Teil- nehmer der Seminare von Prof. Dr. phil. Jürgen Fritz, Dozent für Spiel- und Interaktionspädgogik, an mehreren AMIGA-Rechnern zu schaffen. Nicht bierernste, geradezu abgehobene Thematik treibt die Objekte des Lehr- betriebes hier an den Rechner, sondern Computerspiele sollen klassifiziert , getestet und einer pädagogischen Bewertung unterzogen werden. Hier tummeln sich neben zahlreichen Ahnungslosen, die sich für ihren späteren Berufsalltag eine qualifizierte Meinung über den Computer und Computerspiele bilden wollen, auch einige Eingeweihte. Ihnen kommt es bei der Teiolnahme an diesen Seminaren dann eher darauf an, mit ihren bereits vorhandenen Kenntnissen locker und leicht ein paar Scheine zu machen, sozusagen spielend. Aber auch Entzugserscheinungen angesichts des grauen Hochschulalltags mit seinen rappelvollen Hörsälen und der ständigen Jagd nach Terminen und Prüfungsbedingungen, können in den weniger stark frequentierten Seminaren rund um den Computer wieder abgebaut werden und sich gar in Euphorie steigern, wenn sich die Spiele-Sessions mal wieder bis in die späten Abendstunden hinziehen. Da ich also auch bald erfuhr, daß der Atari XL nicht etwa zur Textanalyse oder gar zur automatischen Generierung von Gedichten eingesetzt wird, wendete ich mich an Prof. Dr. phil. Jürgen Fritz, auf den der Einsatz der 8-Bitter im Lehr- und Forschungsbetrieb der Hochschule tatsächlich zurückgeht. Begonnen hatte alles vor ca. 10 Jahren. Damals wurden der Hochschule 12 Geräte der 400er- und 2 Geräte der 800er-Serie im Rahmen der Forschungs- arbeit als Leihgeräte von Atari, damals noch mit Firmensitz in Hamburg, zur Verfügung gestellt. Später kamen noch die Diskettenstation 810, 4 Geräte der XL-Reihe und ein Atari-Drucker 1029 (Anm. des Schreibers: Ein 7-Nadel Drucker) hinzu. Die Präferenz für Atari-Computer geht bei Herrn Prof. Fritz bis auf seine Jugendzeit zurück. 1944 geboren, wohnte er eine Zeit lang gerade mal 3 Minuten von Atari Hamburg entfernt. Die Ratio der Wissenschaft enthüllte ihm etwas später aber auch die ganz objektiven Vorzüge der 8-Bit-Computer von Atari. Prof. Fritz preist sie gerner als damals bessere Alternative zum C64 (Anm. von Michael: Stimmt, wer sich einmal mit diesen Rechnern beschäftigt hat, kommt nicht mehr von ihnen los (So wie ich ;-))). Noch heute greift er lieber auf einen Atari ST oder TT, als auf den AMIGA zurück. Besonders der Atari 800 wäre für seine Zeit ein Ungewöhnliches Gerät mit klarem Konzept gewesen. Er sei bei Erscheinen durch die leistungsfähige Technologie, das ausgereifte Betriebssystem, die gute Verarbeitung und die interessante Software besonders positiv auf- gefallen. Auch ein schönes Gehäuse könne Prof. Fritz diesem klassischen Gerät attestieren und das Hardwarekonzept mit zwei Modulschächten und den vier Steckplätzen zum problemlosen Einsetzen von Speicherbänken sei damals einfach vorbildlich und innovativ gewesen. Lediglich die schlechte Vertriebspolitik von Atari habe dem Gerät seinen verdienten Erfolg ver- wehrt. Noch heute besitzt Herr Prof. Fritz eine Sammlung der vielen Programme auf Cartridge, welche er ehedem erstmals in Seminaren einsetzte. Dabei wurde bereits mit Atari-Logo programmieren gelernt und die Arbeitsweise des Computers unter die Lupe genommen, die Entwicklung der Computer-Spiele verfolgt, und mit dem Atari-Writer die Welt der textverarbeitung auf dem Computer entdeckt. Sogar ein Lehrbuch zum Umgang mit dem Atari-Logo hat Prof. Fritz im Rahmen seiner Forschungsarbeit verfaßt und ein Forschungs- projekt mit dem Titel "Spielen und Lernen mit Logo" durchgeführt. Ein oder Zwei Atari 8-Bitter aus dem Gerätepark der Universität haben inzwischen einen Ehrenplatz in der persönlichen Computer-Ahnengalerie des Professors gefunden. Prof. Fritz ist dem Lehrauftrag der Uni und somit den aktuellen Entwicklungen verpflichtet. Er präsentiert demgemäß seinen Studenten die Technologie, mit der sich die meisten Kids heutzutage ab- geben. Er hat sich ganz dem Fortschritt verschrieben und die 8-Bitter "in Ehren" auf das Abstellgleis gestellt. Seine Unterrichtsräume schmücken inzwischen mehrer Atari ST, Atari TT, Amiga 500, 2000 und 3000 mit großen und kleinen, schwarzweißen und farbigen Bildschirmen. Es gibt eine Anlage zur Ausgabe des zeitgemäßen (Anm. von Michael: ???) AMIGA-Stereosounds, Kopierwerkzeug zum Anfertigen von Arbeitskopien, jede Menge Mäuse, Joysticks und Trackballs, und natürlich die zahlreichen Original-Programme, alles was unter Spielern Rang, Namen und Bedeutung hat, all das finanziert aus dem Hochschuletat oder Leihgabe der Wirtschaft. Immerhin weiß Prof. Fritz noch von einem Studenten zu berichten, welcher viel Zeit mit Basteleien am XL verbringt. Der Rest der 8-Bitter ist inzwischen an Complay in Köln verkauft worden und wartet fort auf neue Besitzer. Wozu aber wird denn nun der letzte XL im Raum 16 heute noch benutzt? Jedes Seminar beinhaltet auch einen Rückblick auf die geschichtliche Ent- wicklung der Computerspiele. Also versammeln sich in jedem Semester die Teilnehmer in mehr oder weniger erfürchtiger Haltung vor dem XL und lassen sich vorführen, wie alles begann. Nicht immer will der grosse Unterschied zu der neuen Generation von Computern gleich ins Auge springen. In den alten Spielen werden die Grundmuster vieler der heutigen Programme sichtbar. Das Gehäuse des Rechners unterscheidet sich im Grunde nicht entscheidend von dem der aktuellen Geräte und die klare Linie und Brillanz einiger Klassiker macht die grafische und tontechnische Unter- legenheit teilweise wieder wett. Man merkt das Konzept des Atari 8-Bitter ist nicht verloren gegangen, wirkt weiter in die Zukunft. Der AMIGA ist nicht der Nachfolger des C64, sondern eine Weiterentwicklung der kleinen Ataris. Was würden wohl die Studenten der Kölner Fachhochschule sagen, wenn sie auch die Programme der neuen Generation für den Atari XL sehen würden. (Anm. von Michael: Dies ist tatsächlich möglich. So gibt es zum Bleistift einen Moduleplayer für MOD. - Files oder auch einen IFF, GIF, ART, TIFF usw. Converter für den Atari XL) Würde der eine oder andere nicht feststellen, daß der Atari für viele der Anwendungsmöglichkeiten im Heimbereich immer noch SEHR (!!) brauchbar ist. Und spielen kann man mit ihm natürlich auch nicht gerade schlecht, stimmts???