Was sie über AIDS wissen sollten ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ Anfang der 80er Jahre wurden die ersten Fälle einer neün, tödlich verlaufenden Krankheit entdeckt: Aids. Seither nimmt die Zahl der Erkrankungen - wenn auch nicht so schnell wie anfangs befürchtet -ständig zu. Die Zahl der in Deutschland seit Beginn der Epidemie mit dem Virus HIV infizierten Menschen beträgt insgesamt 50.000 bis 60.000. An Aids erkrankt sind davon bis Ende 1994 etwa 15.000 Menschen, von ihnen sind über 7.000 gestorben. Erschreckende Zahlen, aber im internationalen Vergleich niedrig. Dies ist vor allem auf die Mitte der achtziger Jahre begonnene intensive Aufklärung und entsprechende Verhaltensänderungen zurückzuführen. Die Gefahr ist geblieben. Denn die Hoffnung, dass die Forschung bald ein Heilmittel gegen Aids oder einen Impfstoff gegen HIV entwickelt, hat sich bisher nicht erfüllt. Deshalb gilt auch für die Zukunft: Der einzige Schutz vor Aids ist die Vermeidung der Ansteckung ! Gute Informationen sind die beste Voraussetzung, sich vor Ansteckung zu schützen. Wer aufgeklärt ist, kann seine eigene Gefährdung abschätzen, das eigene Verhalten ändern und eine Ansteckung durch Schutz vermeiden. Gute Informationen sind aber auch die Voraussetzung, unnötige Sorgen und ängste abzubaün und gleichzeitig für ein gesellschaftliches Klima ohne Ausgrenzung und Abwertung von Infizierten oder Kranken zu sorgen. Diese Broschüre gibt Ihnen deshalb Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Aids. Für Ihre Sicherheit. 1.) Was ist Aids? ----------------- Mit Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome --> erworbenes Abwehrschwäche Syndrom) wird eine schwere, durch Ansteckung übertragbare Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems bezeichnet. Diese besondere Form der Abwehrschwäche macht den Körper wehrlos gegen viele Keime, die ein gesunder Mensch ohne Probleme abwehrt. Bei Aids treten Krankheiten auf, die ansonsten selten sind. Dazu gehören bestimmte Infektionen und/oder Tumoren. Diese durch die Schwächung des körpereigenen Immunsystems bedingten Krankheiten führen schliesslich zum Tode. Aids wird durch den Krankheitserreger HIV verursacht. 2.) Was ist HIV? ---------------- HIV (Humanes Immundefekt Virus) ist ein Virus, das die Zellen des Abwehrsystems befällt, sich in ihnen vermehrt. sie ausser Funktion setzt und schliesslich zerstört. Das körpereigene Abwehrsystem kann - anders als bei den meisten anderen Infektionen - HIV nicht aus dem Körper entfernen, obwohl nach der Infektion Abwehrstoffe Antikörper gegen das eingedrungene Virus gebildet werden. 3.) Wie infiziert man sich mit HIV? ----------------------------------- Das Virus befindet sich vor allem im Blut und in der Samen- oder Scheidenflüssigkeit eines infizierten Menschen. Wenn eine dieser Flüssigkeiten in die Blutbahn eines anderen Menschen gerät, kann dieser infiziert werden. In die Blutbahn gelangt das Virus durch offene Hautverletzungen, über Schleimhäute (diese haben häufig geringste, nicht spürbare Verletzungen) oder direkt, zum Beispiel bei der gemeinsamen Benutzung von Spritzen durch Drogenkonsumenten, wenn eine oder einer der Beteiligten infiziert ist. Neugeborene HIV-infizierter Mütter können bereits im Mutterleib, während der Geburt oder beim Stillen infiziert werden (siehe Frage 5). Die sehr geringen Virusmengen in anderen Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen (Speichel, Tränen, Urin, Kot) führen nicht zur Ansteckung anderer Menschen. 4.) Welches ist der häufigste Ansteckungsweg? --------------------------------------------- Ein Infektionsrisiko besteht bei jedem Sexualkontakt, bei dem virushaltige Körperflüssigkeiten mit Schleimhäuten des Partners oder der Partnerin in Kontakt kommen. Der häufigste Ansteckungsweg mit HIV ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr. Besonders riskant (für beide Partner, gleich welchen Geschlechts): Analverkehr (Darmverkehr) ohne Kondom, weil die Darmschleimhaut besonders leicht verletzlich ist. Riskant: Vaginalverkehr (Scheidenverkehr) ohne Kondom. Weniger riskant, aber nicht sicher: Oralverkehr (Mundverkehr); dabei ist vor allem wichtig, die Aufnahme von Samenflüssigkeit in den Mund zu vermeiden. 5.) Welche Ansteckungswege gibt es ausserdem? --------------------------------------------- Bei der Verbreitung von HIV spielen zwei weitere Ansteckungswege eine besondere Rolle: die gemeinsame Benutzung von Spritzen unter Drogenkonsumenten und die Infektion des Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen. Drogenabhängigkeit: Solange Fixer nur ihr eigenes Spritzbesteck benutzen und ihre Spritzen und Nadeln nicht weitergeben, können sie sich einerseits über diesen Weg selbst nicht infizieren und andererseits niemand anderen anstecken. Damit Spritzen nicht gemeinsam benutzt werden müssen, gibt es in allen Apotheken und Drogenhilfeeinrichtungen Einmal-Spritzen und Einmal-Nadeln. Schwangerschaft: Für Kinder HIV-infizierter Mütter gibt es ein Risiko von 15 bis 25 Prozent, während der Schwangerschaft oder bei der Geburt angesteckt zu werden. Auch über die Muttermilch kann HIV übertragen werden. Frauen, die ein Infektionsrisiko hatten oder noch haben, sollten sich vor einer Schwangerschaft untersuchen und beraten lassen. Der HIV-Test wird im Rahmen der Schwangerenvorsorgeuntersuchung angeboten. 6.) Wie ist das mit Bluttransfusionen und Blutprodukten? --------------------------------------------------------- Aus Blut hergestellte Produkte sind bei ordnungsgemässer Herstellung wegen der sorgfältigen Spenderauswahl, der HIV-Tests für Spender und virusabtötenden der Produktionsverfahren praktisch HIV-sicher. Bei Bluttransfusionen bleibt ein äusserst geringes Restrisiko. Die Gründe: In den ersten Wochen nach einer HIV-lnfektion sind Antikörper nicht nachweisbar. Falls ein neu Infizierter Blut spendet, kann die Infektion deshalb noch nicht entdeckt werden. Blut kann nicht mit virusabtötenden Verfahren behandelt werden. Deswegen wird bei planbaren Operationen die Eigenblutspende empfohlen. 7.) Was passiert nach der Ansteckung? ------------------------------------- Wenige Wochen nach einer HIV-Ansteckung kann es bei einem Teil der Infizierten zu einem kurz andauernden Krankheitsbild mit Fieber, Hautausschlag und Drüsenschwellungen kommen. Dieses Krankheitsbild ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem "Vollbild" der Krankheit Aids. Die meisten infizierten Menschen bleiben danach über viele Jahre beschwerdefrei. Die Ansteckung ist in dieser Zeit weder für den Infizierten noch für andere erkennbar. Aber bereits wenige Wochen nach der Infektion können infizierte Menschen das Virus weitergeben. Am häufigsten passiert das beim ungeschützten Geschlechtsverkehr (siehe Frage 41). Obwohl die Infizierten beschwerdefrei sind, entwickelt sich langsam eine Schwächung des Immunsystems, die schliesslich zum Krankheitsbild Aids führt. Aids ist das Endstadium der Immunschwäche. Die Hälfte der infizierten Menschen erkrankt innerhalb von zehn Jahren nach der Infektion an Aids. 8.) Wie erkennt man eine Infektion? ----------------------------------- Eine HIV-lnfektion kann man niemandem ansehen! Diese Infektion läßt sich nur durch Laboruntersuchungen des Blutes nachweisen (siehe Frage 19), und nur der Arzt kann eine Aids-Erkrankung erkennen: Viele Krankheitserscheinungen, die bei Aids auftreten, kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Sie allein können keinesfalls als Hinweis auf eine Infektion gewertet werden. 9.) Wer ist besonders gefährdet? -------------------------------- Gefährdet ist jeder, der mit einem/einer Infizierten sexuelle Kontakte hat oder Spritzen tauscht. überdurchschnittlich häufig finden sich HIV-Infektionen bei Männern, die mit Männern Sex hatten oder haben, bei Drogenbenutzern, die mit anderen ihre Spritzen getauscht haben oder tauschen, und bei Einwohnern von Ländern, in denen HIV sich in der Allgemeinbevölkerung bereits stark verbreitet hat (vor allem Afrika, Südamerika und Südostasien). Die Gefährdung ist um so höher, je häufiger man sich Situationen mit einem Ansteckungsrisiko aussetzt und je höher das Ansteckungsrisiko der jeweiligen Situation ist (siehe Frage 4). Unter den in Deutschland an Aids Erkrankten sind etwa 70% Männer mit homosexuellen Kontakten etwa 14% Frauen und Männer, die als Drogenabhängige intravenös spritzen und etwa 2% (vor allem vor 1986 infizierte) Empfängerinnen und Empfänger von Blutprodukten. Der Anteil von erkrankten Frauen betrug 10%, von denen gut ein Viertel heterosexuelle Kontakte als Infektionsweg nannten. Aber: Selbst wenn das Risiko statistisch klein sein mag - auch einmal kann genau einmal zu viel sein! 10.) Wie können Sie sich beim Sex schützen? ------------------------------------------- Absoluten Schutz vor einer HIV-lnfektion beim Sex gibt es nur bei sexueller Enthaltsamkeit oder in einer gegenseitig treuen Partnerschaft zwischen zwei nicht angesteckten Partnern. Menschen, die nicht enthaltsam oder nicht in einer gegenseitig treuen Partnerschaft leben, müssen sich beim Sexualverkehr vorsehen. Hierfür gibt es Safer Sex. Mehr dazu erfahren Sie in der Broschüre "Safer Sex...sicher" (Bestell-Nr. 70420000), die Sie kostenlos bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln. erhalten. Ob Ihre Sexualpartnerin oder Ihr Partner infiziert ist, erfahren Sie vielleicht nicht. Oder Sie wollen es nicht so genau wissen, weil Sie sehr verliebt sind. Gerade auch wenn man in einer langen Partnerschaft lebt, werden Risiken leicht verdrängt. Deshalb immer, wenn Sie sich nicht ganz sicher sind: vorsorglicher Schutz. Wirksamen Schutz bietet "Safer Sex". Als Safer Sex bezeichnet man sexuelle Kontakte, bei denen keine Samen- oder Scheidenflüssigkeit und kein Blut in den Körper der Partnerin oder des Partners gelangen können (oder das Risiko dafür sehr unwahrscheinlich ist). Im Klartext heisst das: Bei Vaginalverkehr oder Analverkehr immer ein Kondom benutzen, oder Sex ohne "Eindringen" (z.B. Petting). Und beim Oralverkehr keinen Samenerguss im Mund! Frauen und Männer sind gleichermassen verantwortlich für das Wohlbefinden und die Sicherheit beim Sex. Beide sollten auf der Verwendung von Kondomen bestehen, wenn die Situation es erfordert. Safer Sex und Kondome helfen übrigens nicht nur gegen eine Infektion mit HIV, sondern auch weitgehend gegen die meisten anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Viele dieser Krankheiten treten in den letzten Jahren weltweit zunehmend häufiger auf und sind bei weitem nicht so harmlos, wie viele annehmen. 11.) Wie schützen Sie sich auf Reisen? -------------------------------------- Auch im Urlaub darf man die Gefahren von HIV nicht unterschätzen oder gar vergessen. Die Suche nach Entspannung und Abenteuer, sogar nach Liebe, kann den Blick trüben und alle Vorsicht vergessen lassen. Aber auch auf Reisen gilt: Eine HIV-lnfektion kann man niemandem ansehen. Und über Infektionsrisiken kann oder will man in dieser Situation nicht unbedingt reden. Besonders in Afrika, Südamerika und Südostasien ist HIV erheblich stärker verbreitet als in Europa. Der Schutz durch Kondome ist also in Ländern dieser Regionen erst recht notwendig. Ausserdem schützen Sie sich gleichzeitig auch weitgehend vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Kondome können Sie in fast allen Ländern kaufen. Es ist aber sicherer, sie von hier mitzunehmen, da die Qualität im Ausland nicht immer so hoch ist wie bei uns. 12.) Was müssen Sie über Kondome wissen? ---------------------------------------- Verwenden Sie Markenkondome. Sie sind elektronisch geprüft und tragen ein Gütesiegel auf der Verpackung. Dort sind auch die Genehmigungs- oder Prüfnummer ("Gen.Nr...." oder "GE Pr.Nr....") und das Haltbarkeitsdatum aufgedruckt. Die Stiftung Warentest (Lützowplatz 11-13, 10785 Berlin) veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Qualität der angebotenen Kondome. Kondome sind bei richtiger Anwendung sehr zuverlässig. Die richtige Anwendung erfordert meist etwas übung. Am besten probiert man(n) das erst einmal allein aus, um sich daran zu gewöhnen. Kondome dürfen nur einmal verwendet werden. Ausserdem sollten sie keinen höheren Temperaturen ausgesetzt werden (zum Beispiel Sonnenhitze). Als Gleitmittel sollen nur hierfür bestimmte wasserlösliche Produkte verwendet werden, zum Beispiel Femilind, KY oder Soft Glide (Die Nennung dieser Produkte bedeutet keine Werbung), denn öl- und fetthaltige Produkte (wie zum Beispiel Vaseline, Hautcremes oder Lotionen) beschädigen das Kondom sehr schnell und machen es für Krankheitserreger durchlässig. Sie erhalten Kondome in Apotheken, Drogerien, Supermärkten, speziellen Kondomläden und Sexshops, ausserdem rund um die Uhr aus Automaten. Nur wer Kondome bei sich hat kann sich im entscheidenden Augenblick auch schützen. 13.) Was führt nicht zur Ansteckung? ------------------------------------ HIV ist ausserhalb von lebenden Zellen und Körperflüssigkeiten sehr empfindlich. Durch Austrocknen, Erhitzen und Reinigungsmittel wird es schnell und sicher zerstört. HIV ist ein schwer übertragbarer Erreger: Er wird nicht über die Luft weiterverbreitet, wie zum Beispiel Tuberkulose oder Grippe, sondern nur auf wenigen, vermeidbaren Wegen (siehe Frage 4 & 5). Deshalb ist die Ansteckung im alltäglichen Umgang miteinander, ob am Arbeitsplatz, in Kindergarten und Schule, oder Privatleben, nicht möglich: nicht durch Händeschütteln, Anhusten oder Anniesen, nicht beim gemeinsamen Spielen von Kindern, nicht durch gemeinsames Benutzen von Geschirr, Gläsern oder Besteck, nicht durch gemeinsames Benutzen von Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche, nicht beim gemeinsamen Benutzen von Saunen und Schwimmbädern, nicht beim Küssen (einschliesslich Zungenküssen) und auch nicht durch Mücken, andere Insekten oder Haustiere. 14.) Kann man sich im Krankenhaus oder bei der Körperpflege anstecken? ---------------------------------------------------------------------- HIV ist bei Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen im Krankenhaus, beim Arzt oder Zahnarzt, bei der Akupunktur, beim Friseur, bei Maniküre und Fusspflege und beim professionellen Tätowieren nicht übertragbar. Instrumente, die mit möglicherweise virushaltigen Körperflüssigkeiten - wie zum Beispiel Blut - in Berührung gekommen sein könnten, werden desinfiziert. Dabei wird das Virus sicher zerstört. 15.) Können Sie sich als Blutspender anstecken? ----------------------------------------------- Nein. Bei der Blutspende gibt man eigenes Blut und kommt mit fremdem Blut nicht in Berührung. Für jeden Spender wird EinmalMaterial verwendet. Im übrigen gelten auch für die Blutspende die vorgeschriebenen Hygienemassnahmen. 16.) Können Sie sich bei der Ersten Hilfe anstecken? ---------------------------------------------------- Nein. Eine HIV-übertragung wäre nur möglich, wenn das Blut des Verletzten in die Blutbahn des Ersthelfers gelangt. Diese theoretische Ansteckungsmöglichkeit ist bei uns aber bisher nie nachgewiesen worden. HIV kann die unverletzte Haut nicht durchdringen. Wegen möglicher (Kleinst-)Verletzungen an den Händen und aus Gründen der Hygiene sollten Ersthelfer aber Schutzhandschuhe benutzen. Bei der Atemspende wird heute generell die Mund-zu-Nase-Beatmung empfohlen. Die denkbare Infektion über Blut ist durch einfache Masken, die im Erste-Hilfe-Kasten (zum Beispiel im Auto) enthalten sein sollten, vermeidbar. Erste Hilfe hilft Leben retten - helfen Sie deshalb in jedem Fall! Aids ist jedenfalls kein Grund, die häufig lebensentscheidende Erste Hilfe zu verzögern oder zu verweigern! Ausbildungen und Nachschulungen zur Ersten Hilfe bieten verschiedene Institutionen zum Beispiel Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, JohanniterUnfallhilfe und Malteser-Hilfsdienst an. 17.) Gibt es eine Schutzimpfung gegen die HIV-Infektion? -------------------------------------------------------- Nein. Trotz intensiver Forschung ist es bisher nicht gelungen. einen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln. Auch für die absehbare Zukunft ist dies nicht zu erwarten. Der einzige Schutz vor einer Infektion bleibt nach wie vor die Vermeidung der Ansteckung! 18.) Gibt es Fortschritte in der Behandlung von Aids? ----------------------------------------------------- Ja. Man hat Mittel gefunden, die die Vermehrung von HIV im Körper für eine gewisse Zeit aufhalten können. Leider wird das Virus bald auch gegen solche Mittel unempfindlich: deshalb ist der Effekt zeitlich begrenzt. Es ist ungewiss, ob es in absehbarer Zeit gelingen wird, bessere und länger wirkende Mittel zu finden. Erfolge hat man bei der Behandlung der Krankheiten erzielt, die bei fortgeschrittener Immunschwäche gehäuft beobachtet werden und die schließlich zum Tod führen. Durch diese Fortschritte ist die Lebenserwartung bei Aidskranken auf durchschnittlich nahezu zwei Jahre angestiegen. 19.) Wie können Sie eine HIV-lnfektion feststellen? --------------------------------------------------- Nach einer HIV-lnfektion werden im Blut nach einiger Zeit Antikörper (Abwehrstoffe) gebildet. Diese können nur durch eine Blutuntersuchung im Labor nachgewiesen werden. Dieser HIV-Test - genauer: HIV-Antikörpertest - liefert sehr sichere Ergebnisse. Die Bezeichnung "Aids-Test" ist nicht korrekt, da nicht die Krankheit Aids, sondern die HIV-Infektion nachgewiesen wird (siehe Frage 3). Antikörper gegen HIV erscheinen drei Wochen bis vier Monate nach einer Ansteckung im Blut. Fällt der Test negativ aus, hat es keine Infektion gegeben. Ein negativer HIV-Test ist jedoch nur aussagekräftig, wenn das letzte Infektionsrisiko länger als vier Monate zurückliegt. Ist das Testergebnis positiv, dann muss von einer Infektion ausgegangen werden. Wegen der besonderen Bedeutung der HIV-Infektion für den Betroffenen wird ein positives Ergebnis vor der Mitteilung mit einem zweiten sogenannten Bestätigungstest abgesichert. 20.) Wo können Sie einen HIV-Test machen lassen? ------------------------------------------------ Die meisten Gesundheitsämter und besondere Aids-Beratungsstellen können für einen (meist kostenlosen) HIV-Test Blut entnehmen und im Labor untersuchen lassen. Hier wird auf Wunsch anonym untersucht, das heisst, Sie müssen Ihren Namen nicht nennen. Auch beim niedergelassenen Arzt können Sie die Untersuchung durchführen lassen, dann aber nicht anonym. Grundsätzlich gilt: Der HIV-Test darf nicht ohne Ihre Einwilligung durchgeführt werden. Es wird empfohlen, vor dem Test wegen der Bedeutung des Ergebnisses unbedingt ein eingehendes Beratungsgespräch zu führen. In diesem Gespräch sollte geklärt werden, ob ein Ansteckungsrisiko bestanden hat oder noch besteht und welche Konsequenzen sich ergeben, wenn eine Ansteckung mit HIV nachgewiesen wird. Sie können dann entscheiden, ob Sie den Test durchführen lassen wollen. Wenn Sie tatsächlich ein HIVRisiko eingegangen sind und sich gegen den Test entscheiden, müssen Sie sich zukünftig so verhalten, als ob Sie infiziert wären: also konsequent Safer Sex mit allen Sexualpartnerinnen oder -partnern! Wenn der Test positiv ausgefallen ist, muss eine persönliche Beratung stattfinden. Das weitere Verhalten muss individuell besprochen werden. Es gibt zahlreiche Hilfsangebote, die in dieser schwierigen Situation genutzt werden können. Auch wenn der Test negativ ausgefallen ist, sollte in einem persönlichen Gespräch über den künftigen Schutz gesprochen werden. Ausführliche Informationen finden Sie in den Broschüren "Wissenswertes über den HIV-Test" (Bestell-Nr. 700100001) und "Wenn der HIV-Test positiv ausfällt" (Bestell-Nr. 70020000). Beide Broschüren erhalten Sie kostenlos bei: BZgA, 51101 Köln. Der HIV-Test ist keine Vorbeugungsmassnahme: Auch wenn der Test negativ ausgefallen ist, muss man sich künftig vor einer Ansteckung schützen! 21.) Was können HIV-infizierte Menschen tun, damit andere nicht angesteckt werden? ---------------------------------------------------------------------- Jede und jeder HIV-Infizierte ist lebenslang infektiös. Das heißt, sie oder er kann andere Menschen anstecken. Auch wenn sie oder er sich völlig gesund fühlt, befindet sich im Blut und in anderen zahlreichen Körperflüssigkeiten wie Scheiden- oder Samenflüssigkeit ansteckungsfähiges HIV. Es versteht sich von selbst, dass HIV-Infizierte kein Blut, keine Organe und keinen Samen spenden. Vorhandene Spenderausweise sollten auf jeden Fall vernichtet werden. HIV-Infizierte sollten ihre Partnerin(nen) und Partner über die Infektion informieren. In jedem Fall ist für HIV-infizierte Menschen die konsequente Benutzung von Kondomen bei Sexualkontakten unbedingt erforderlich. Im eigenen Interesse ist es sinnvoll, behandelnde ärzte über die HIV-lnfektion zu informieren. Dadurch können sich wichtige Hinweise für Diagnose und Behandlung ergeben. 22.) Was können wir tun, damit Menschen mit HIV oder Aids ihr Leben besser bewältigen können? ---------------------------------------------------------------------- HIV-Infizierte oder Aidskranke sind - wie auch andere schwerkranke Menschen - in besonderem Maße auf unser mitmenschliches Verhalten und unsere praktische Unterstützung angewiesen. Wir alle können ihnen durch unsere Einstellung helfen, die besonderen Belastungen leichter zu ertragen. Auch wenn man persönlich keinen HIV-infizierten oder aidskranken Menschen kennt, ist jeder von uns mitverantwortlich für ein gesellschaftliches Klima, in dem die Gefährdeten und Betroffenen ohne Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung leben können. Das gilt am Arbeitsplatz, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Familie. Betroffene, die keine Angst vor Zurückweisung haben müssen, können ihrerseits auch leichter zum Abbau von Vorurteilen und zum Schutz ihrer Sexualpartner beitragen! Familien mit HIVinfizierten Kindern (und hier besonders alleinerziehende Mütter oder Väter) sind oft in einer besonders schwierigen Situation, in der sie auf Hilfe und Unterstützung von außen verstärkt angewiesen sind. 23.) Wo bekommen Sie Beratung und weitere Informationen? -------------------------------------------------------- Rat, Hilfe und weitergehende Informationen erhalten Sie bei der Aids-Beratung Ihres Gesundheitsamtes oder der örtlichen AidsHilfe (siehe Telefonbuch). Sie können sich auch an Ihren Arzt wenden, an eine andere Beratungsstelle oder eine Sozialstation. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet eine persönliche und anonyme Telefonberatung an, die Antworten auf weitergehende Fragen gibt. Sie können dort auch Adressen von Beratungsstellen in Ihrer Nähe erfahren. Die Telefonberatung hat die Rufnummer 0221-892031, Beratungstelefone der örtlichen AidsHilfen in den meisten Ortsnetzen die Rufnummer 19411. Quelle: Broschüre "Was Sie über AIDS wissen sollten" 6., völlig neu überarbeitete Ausgabe April '95 BestNr. 70040000 herausgegeben von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA, 51101 Köln und dort kostenlos erhältlich.